Skip to document
Back
Go to original Localized version was produced by AI. It may contain inaccuracies.
Preparing document pages…
1 short passage of this localized version is shown in the original language because it could not be localized reliably.

LIETUVIŲ KALBOS MORFOLOGINĖ SANDARA IR JOS RAIDA

LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

ATTRIBUTIVISCH-PRÄDIKATIVE VERWENDUNG DER PARTIZIPIEN IM LITAUISCHEN

V. AMBRAZAS

Von allen lebenden indoeuropäischen Sprachen hat das Litauische ein vielfältiges und komplexes System der Bedeutungen und Verwendungstypen der Partizipien am besten bewahrt. Diese Vielfalt der Verwendung beruht auf der zweifachen morphologischen Natur der Partizipien und ihrer Zwischenstellung zwischen Verb und Adjektiv, die ihrerseits das Ergebnis einer Entwicklung ist, die ganze Jahrtausende andauerte. Die Partizipien, ursprünglich nominale Formen, wurden im Laufe der Zeit teilweise in das System der verbalen Kategorien für Tempus, Diathese und Aktionsart einbezogen. Daher treten heute je nach syntaktischer Funktion, Stellung, Hervorhebung, Grad der Erweiterung und anderen Umständen bald die verbalen, bald die nominalen Merkmale der Partizipien stärker hervor.

Aufgrund der sehr vielfältigen Verwendung und der zahlreichen Übergangsfälle ist es schwierig, die syntaktische Funktion eines Partizips in jedem einzelnen Satz eindeutig zu bestimmen. Unter Berücksichtigung der syntaktischen Beziehungen zu anderen Wörtern und der vorherrschenden Bedeutungen lassen sich jedoch folgende grundlegende Verwendungstypen der Partizipien unterscheiden: attributive, attributiv-prädikative und prädikative Verwendung. Dieselbe morphologische Partizipform kann, unter unterschiedlichen Umständen verwendet, verschiedenen Verwendungstypen angehören.

A t t r i b u t i v e P a r t i z i p i e n stehen in Verbindung mit Substantiven und bezeichnen aus einer Handlung hervorgehende Eigenschaften von Dingen und Erscheinungen, z. B.: Hagel ist gefrorener Schnee, rundlich wie Erbsen. Plv. Die hügeligen Abhänge, mit Büschen bewachsen, schimmerten in schönem Wechsel von hellerem und dunklerem Grün. ŽemR I 132.

A t t r i b u t i v - p r ä d i k a t i v e Partizipien stehen zugleich in Verbindung mit Substantiven oder Pronomen und mit Verben. Sie bezeichnen eine Nebenhandlung des Satzes oder einen Zustand, der infolge dieser Nebenhandlung entstanden ist, z. B.: Er stand auf, sah nach, was das für Brennholz war, und legte sich wieder hin. BsP IV 115.

P r ä d i k a t i v e Partizipien haben im Satz die Funktion des Prädikats und stehen in Verbindung mit den als Subjekt auftretenden Substantiven und Pronomen. Einige von ihnen unterscheiden sich, indem sie die Haupthandlung des Satzes ausdrücken, von den entsprechenden finiten Verbformen lediglich durch bestimmte modale Nuancen und bilden den sogenannten Relativmodus (modus relativus), z. B.: N e š ė s

47

der Teufel einen Stein so groß wie eine Kohlrübe. BaranAS 20. Andere gehen in die Bildung der zusammengesetzten Tempusformen des Verbs ein.

Diese Verwendungstypen der Partizipien sind nicht strikt voneinander abgegrenzt. In vielen Konstruktionen können Partizipien Merkmale beider Typen aufweisen. Zudem sind die hier angeführten Verwendungstypen nicht für alle Partizipien gleichermaßen typisch. So ist das Aktivpartizip des Präteritums iterativ fast immer ausschließlich prädikativ, das Passivpartizip des Futurs hingegen ausschließlich attributiv. Nur in bestimmten Konstruktionen hat das Aktivpartizip des Präsens die attributiv-prädikative Verwendung bewahrt. Aufgrund der unterschiedlichen Bedeutungen und Verwendungsbedingungen haben sich innerhalb des Partizipialsystems sowie zwischen den Partizipien und anderen ihnen nahestehenden Verbformen (z. B. den Halbpartizipien) komplexe korrelative Beziehungen herausgebildet, die bislang kaum erforscht sind. Der attributiv-prädikativen Verwendung der Partizipien wurde bisher besonders wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Die attributiv-prädikative Verwendung ist komplex und heterogen und umfasst zahlreiche unterschiedliche Verwendungsfälle von Partizipien. Dazu gehören zunächst die sogenannten appositionellen Partizipien, die eine Nebenhandlung bezeichnen und häufig durch verschiedene adverbiale Beziehungen mit den finiten Verbformen verbunden sind, die als Prädikat des Satzes dienen (z. B.: Der Wolf kam zufällig vorbei und scheuchte die Schäfchen auf. Er). Attributiv-prädikative Partizipien können auch den Zustand des Subjekts während der vom Prädikat bezeichneten Handlung ausdrücken und sich noch enger an finite Verbformen anschließen (z. B.: Der Hausherr ging wütend zur Seite. BaltPV I 99). In den bisherigen Grammatiken gelten solche Partizipien als Bestandteile eines zusammengesetzten Prädikats. Zu den attributiv-prädikativen Partizipien zählen auch solche, die eine Nebenhandlung in Verbindungen mit dem Akkusativ oder Genitiv von Substantiven oder Pronomen ausdrücken (z. B.: Er hörte, wie das Bienchen wieder zu sich kam. JD II 1203) u. a. Diese Partizipien lassen sich aufgrund ihrer doppelseitigen syntaktischen Beziehungen und ihrer Bedeutung einer Nebenhandlung oder des daraus hervorgegangenen resultativen Zustands zu einer Gruppe zusammenfassen.

Ziel dieses Artikels ist es, die attributiv-prädikative Verwendung der Nominativformen der Partizipien im Litauischen zu beschreiben. Die übrigen Kasus der Partizipien (außer dem Nominativ) haben die Bedeutung einer Nebenhandlung meist nur in bestimmten Konstruktionen mit Substantiven oder Pronomen, insbesondere nach Verben des Sprechens, der Wahrnehmung oder des psychischen Zustands (accusativus, genetivus cum participio). Diese Konstruktionen weisen spezifische Merkmale auf und bilden einen Gegenstand für eine gesonderte Untersuchung. Mit ihnen verwandt sind auch die besonders engen Verbindungen von Partizipien im Nominativ mit reflexiven Verben (nominativus cum participio), die in diesem Artikel ebenfalls nicht behandelt werden.

Ohne auf eine detaillierte Analyse der einzelnen Konstruktionen einzugehen, werden hier zunächst die wichtigsten Verwendungsfälle attributiv-prädikativer Nominativformen der Partizipien dargestellt und durch Belege aus der modernen Schriftsprache und der gesprochenen Volkssprache veranschaulicht. Sprachdenkmäler älterer Zeit sowie Dialektdaten, die für die Schriftsprache nicht charakteristisch sind, werden hauptsächlich dort herangezogen, wo auf das Verhältnis des modernen Systems der Partizipialbedeutungen zum früheren System hingewiesen werden soll1.

1 Beispiele aus Schriften des 19.–20. Jahrhunderts und aus Dialekten werden nach den Normen der modernen Schriftsprache wiedergegeben. Bei Beispielen aus älteren Schriften bleiben Rechtschreibung und Zeichensetzung erhalten; lediglich die „gotischen“ Buchstaben werden durch die entsprechenden lateinischen ersetzt.

48

I

§ 1. In der heutigen litauischen Literatursprache ist der attributiv-prädikative Gebrauch für die Nominativformen der aktiven Partizipien des Präteritums, der passiven Partizipien des Präsens und der passiven Partizipien des Präteritums charakteristisch. Die Nominative attributiv-prädikativer Partizipien werden häufig verwendet, um eine vom selben Handlungsträger ausgeführte Haupt- und Nebenhandlung im Satz voneinander abzugrenzen. Die Handlung, die hervorgehoben werden soll, wird durch eine finite Verbform ausgedrückt, während die weniger betonte Handlung, die mit der Haupthandlung durch zeitliche, kausale oder andere Beziehungen verbunden ist, im Nominativ des Partizips steht. Z. B.:

Kurmelis erwachte und rieb sich die geröteten Augen. ŽemR I 207. Stočkaus Julė kam näher heran und zwitscherte süß. Gud-GuzKIT 264—265. Der verspottete Vilius schwieg. SimonVK I 79. Der umgepflügte, lockere Boden sackt zusammen. Tl. Der aufgescheuchte Wolf kehrt nicht mehr an denselben Ort zurück. Val (DŽ I 457). Der losgelassene Stein polterte über das Dach. Rm.

In diesen Sätzen erkennen wir deutlich die zweifachen syntaktischen Beziehungen der Partizipien. Sie stehen sowohl mit den als Subjekt fungierenden Nomina als auch mit den als Prädikat fungierenden Verben in Beziehung.

Die Nominative attributiv-prädikativer Partizipien nehmen eine Zwischenstellung zwischen den entsprechenden attributiven und prädikativen Partizipialformen ein. Besonders deutlich sind ihre semantischen Beziehungen zu den attributiven Partizipien. Selbst bei aktiven Partizipien des Präteritums, deren Bedeutungen am stärksten differenziert sind, lässt sich der attributiv-prädikative Gebrauch in einem bestimmten Kontext nur schwer vom attributiven Gebrauch unterscheiden. Wenn diese Partizipien nicht erweitert sind und vor dem Bezugswort stehen, ist ohne Intonation und einen größeren Kontext mitunter kaum klar zu bestimmen, ob sie als attributiv oder attributiv-prädikativ anzusehen sind. Z. B.:

Der angehaltene Bus knattert, und die Pferde weichen rückwärts zurück und gehen nicht weiter, selbst wenn man sie totschlüge. An. Das erschrockene Füchslein lief zu seiner Mutter. CvR II 61. Dennoch fand die erwachsene Darata, dass es wenig sei, niemandem etwas Böses anzutun. VaižgR VII 41. Die aufgedrehten Kinder wollen nicht einmal mehr schlafen S (DŽ II 570). Als die versammelten Alten zu brummen begannen, fehlte es an Witzen. Sss. Das Mädchen schlug, wütend geworden, der Färse mit dem Holzhammer derart zu, dass die Münzen herausfielen. BsP II 201.

Gelegentlich haben aktive Partizipien des Präteritums eine solche weniger klar differenzierte Bedeutung (allein oder durch andere Wörter erweitert) auch dann, wenn sie nach dem Satzsubjekt stehen. Z. B.:

Die Kartoffeln knirschen beim Essen, wenn sie nicht ganz gar sind. J I 478. Der Käse hat, wenn er porös ist, viele Löcher. Er. Die Enten fressen das Futter hastig, wenn sie ausgehungert sind. J (DŽ I 87). Das verbrannte Kind wird das Feuer fürchten. B (DŽ I 665). Er rennt wie ein Pferd, sogar nachdem er einen Hieb unter den Schwanz bekommen hat. Žvr. Sie freut sich wie eine Henne, nachdem sie Entenküken ausgebrütet hat. Mrk. Warum weinst du wie ein altes Weib, nachdem du einen Zahn verloren hast? Vlk.

Noch schwerer fassbar ist mitunter die Grenze zwischen passiven Partizipien, die eine Eigenschaft ausdrücken, und solchen, die eine Nebenhandlung bezeichnen; letztere weisen insgesamt mehr nominale Merkmale auf. Wenn wir daher die Nebenhandlung bezeichnen,

4. Lietuvių kalbos morfologinė sandara ir jos raida

49

Sie bewahren sehr häufig zugleich auch einen gewissen Bedeutungsnuancewert der attributiven Bedeutung. Solche passivischen Partizipien können im Satz sowohl vor als auch nach dem Subjekt stehen. Z. B.:

Ungepflegte Erdbeeren verwilderten. Alk. Das Brot klagt, vom Faulen gegessen. BaltPV I 265. Er miaut wie ein Kater, dem der Schwanz gebrochen wird. Als. Der verjagte Wolf kehrt in den Wald zurück. Šim (DŽ III 324). Der angeschossene Soldat kam nicht einmal dazu, aufzuschreien. LzP (DŽ I 31). Er brummt wie ein Bär, der geschlagen wurde. Šim (DŽ I 566). Der Stein, aus der Schleuder geschossen, fliegt pfeifend dahin. J (DŽ I 67).

Obwohl die Grenze zwischen attributiven und attributiv-prädikativen Partizipien bisweilen unscharf ist, ist der wesentliche Unterschied zwischen diesen Typen, der auf den oben genannten syntaktischen Beziehungen und Bedeutungen beruht, unzweifelhaft. Besonders deutlich zeigt er sich in den Sätzen, in denen attributive und attributiv-prädikative Partizipien derselben Zeitstufe und Diathese nebeneinander stehen. Z. B.: Seine nachdenklichen, tiefen Augen, die sich plötzlich für etwas interessiert hatten, erloschen bald wieder. CvR III 257. Ohne den alltäglichen, vertrauten Klang, gleichsam ein ausgestorbener Bienenstock, verstummte das Tal. CvR III 44.

§ 2. Wenn sie eine Nebenhandlung ausdrücken, können attributiv-prädikative Partizipien im Satz bisweilen eine ähnliche Funktion erfüllen wie finite Verbformen. Betrachten wir zum Beispiel folgenden Satz: Und inzwischen kehrte der Alte, nachdem er sich besonnen und nachgedacht hatte, in die Scheune zurück. KrėvR 93. Die Partizipien des Aktivs der Vergangenheit könnten wir hier durch Verben im Präteritum ersetzen, ohne dadurch den Sinn des Satzes zu verändern (vgl.: Und inzwischen besann sich der Alte, dachte nach und kehrte in die Scheune zurück. Dennoch ist die Funktion der Partizipien des Aktivs der Vergangenheit und der Verben in diesen Sätzen nicht dieselbe. Wenn wir im ersten Satz bereits am Gegensatz zwischen Partizipien und Verben erkennen, welche Handlung als Haupt- und welche als Nebenhandlung gilt, so werden im zweiten Satz alle drei Handlungen als gleichrangig dargestellt.

Die passivischen Partizipien der Gegenwart und Vergangenheit, die eine Nebenhandlung ausdrücken, verhalten sich ähnlich zu den entsprechenden zusammengesetzten Tempusformen des Passivs, z. B.: Der Sohn des Kaufmanns wuchs, gut versorgt, prächtig heran und war nach einigen Jahren bereits ein kluges Kind. LTR (vgl.: Der Sohn des Kaufmanns wurde gut versorgt und wuchs prächtig heran...). Die Wege, vom Regen durchnässt, glänzten in kleinen Wasserpfützen, doch das Wasser stand auf ihnen wie in kleinen Schalen, ohne dass sie selbst durchweicht waren. VaižgRR I 277 (vgl.: Die Wege waren vom Regen durchnässt und glänzten in kleinen Wasserpfützen...). Ein weiterer Stein, zerquetscht, explodierte, sodass Funken heraussprangen. ŽemR I 145 (vgl.: Ein weiterer Stein war zerquetscht worden und explodierte...) Der Ast wuchs, abgeschnitten, wieder nach. Lp (vgl.: Der Ast war abgeschnitten worden und wuchs wieder nach).

In diesen Fällen unterscheiden sich attributiv-prädikative Partizipien von finiten Verbformen, die als gleichrangige Prädikate auftreten, ebenfalls deutlich durch die Bedeutung einer Nebenhandlung.

§ 3. Mit finiten Verbformen verhält sich jedoch nur ein kleiner Teil der attributiv-prädikativen Partizipien auf diese Weise. Besonders die passivischen

50

Partizipien können nur vergleichsweise selten verbale Korrelate haben. Dies ist zunächst durch die oben erwähnte Nähe zwischen attributiven und attributiv-prädikativen Partizipien zu erklären, aufgrund derer Letztere bisweilen auch eine gewisse Bedeutungsnuance des Attributiven aufweisen. Außerdem stehen Partizipien, die eine Nebenhandlung bezeichnen, häufig in kausalen, konditionalen, modalen und anderen adverbialen Beziehungen zu den als Prädikat fungierenden Verben. Betrachten wir zum Beispiel den Satz Die fremden Männer, nachdem sie den Hund erstochen hatten, ließen ihn in der Ecke zwischen den Bänken zurück und gingen selbst fort, die Spaten über die Schulter geworfen. SimonOBT 42. Hier bezeichnet das erste Partizip eine Nebenhandlung und gibt lediglich deren zeitliches Verhältnis zur Haupthandlung des Satzes an, das sich aus der Zeitbedeutung des Partizips selbst ergibt. Das zweite Partizip (über die Schulter geworfen) hingegen erläutert zusammen mit seinen abhängigen Wörtern auch die Art und Weise der Haupthandlung2.

Wie wir sehen, weisen attributiv-prädikative Partizipien einen gewissen semantischen Synkretismus auf: Sie haben häufig Nuancen attributiver, prädikativer und adverbialer Bedeutungen3. Abhängig von verschiedenen syntaktischen Bedingungen (Position, Absonderung, Satzstruktur usw.) treten bisweilen stärker die einen, bisweilen die anderen ihrer semantischen Merkmale hervor. In bestimmten Konstruktionen (siehe §§ 26—27) nähern sie sich auch den prädikativen Partizipien, die den Modus relativus bilden. Bei der Abgrenzung der attributiv-prädikativen Partizipien von den beiden anderen grundlegenden Verwendungstypen stützen wir uns auf die beiden wichtigsten oben genannten Kriterien: die Doppelfunktion der syntaktischen Beziehungen und die Bedeutung einer Nebenhandlung oder des dadurch herbeigeführten Zustands.

II

§ 4. Der attributiv-prädikative Gebrauch ist besonders charakteristisch für Partizipien des Präteritums Aktiv, die in der heutigen litauischen Sprache insgesamt am häufigsten verwendet werden. Bemerkenswert ist, dass Partizipien des Präteritums Aktiv eine Nebenhandlung um ein Mehrfaches häufiger bezeichnen als eine Eigenschaft. Die Bedeutung der Nebenhandlung kann als die grundlegende, vorherrschende Bedeutung dieser Partizipien gelten.

Attributiv werden am häufigsten Partizipien des Präteritums Aktiv verwendet, die von intransitiven, unwillkürlichen Verben gebildet sind. Dagegen wird die Nebenhandlung

2Aufgrund der verschiedenen adverbialen Bedeutungen, die nicht stärker durch formale Merkmale gestützt sind (vgl. §§ 24—25), werden einige attributiv-prädikative Partizipien in den bisherigen Grammatiken des Litauischen den Adverbialbestimmungen zugeordnet, vgl. J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, I, Vilnius, 1957, p. 478 tt; J. Žiugžda, Lietuvių kalbos gramatika, II, Sintaksė, Kaunas, 1961, p. 33 tt; J. Balkevičius, Dabartinės lietuvių kalbos sintaksė, Vilnius, 1963, p. 205, 212, 223, 230 t.t. Für Partizipien, die eine Nebenhandlung bezeichnen, wird auch der Terminus adverbiale Beifügung (przydawka okolicznikowa) verwendet, siehe T. Buch, Użycie participiów w utworach Ch. Donelaitisa, „Biuletyn Polskiego towarzystwa językoznawczego“, 21, Wrocław—Warszawa—Kraków, 148 tt., 157; ebenda wird die Auffassung, Halbpartizipien und Partizipien seien Adverbialbestimmungen, kritisch beurteilt.

3Die Beziehungen zu attributiven Partizipien und die häufigen adverbialen Bedeutungen stehen einer Auffassung der Partizipien, die eine Nebenhandlung bezeichnen, als bloßer Nebensätze entgegen, wie sie einige Vertreter der russischen grammatischen Schule vorschlagen, vgl. С. И. Груздева, Атрибутивные и предикативные функции причастия на -ęs в литовском языке в сравнении с русскими конструкциями, «Исследования по грамматике русского языка», I, Л., 1958, p. 242—245.

4*

51

Partizipien des Präteritums Aktiv mit der Bedeutung einer Handlung werden dagegen eher von transitiven oder intransitiven, nichtwillkürlichen Verben gebildet. Solche Partizipien bezeichnen eine Nebenhandlung, die vor Beginn der durch die finite Verbform ausgedrückten Haupthandlung stattgefunden hat, und stehen gewöhnlich im perfektiven Aspekt.

Der Bauer fand nach seinem Eintritt das Mädchen, das auf dem größten Garnhaufen süß schlief. CvR III 231. Der Ziegenbock rannte los und stieß die Schwiegermutter mit der gehörnten Stirn gegen den Zaun. Db. Verzweifle nicht, Brüderchen! Wenn es dir schlecht geht, komme ich herbeigelaufen und rette dich. CvR V 124. Romas löste die Flügel der Mühle und drehte sie, nachdem er Anlauf genommen hatte. CvR V 89. Das Vögelchen hüpfte auf, trippelte ein wenig, trippelte weiter und fiel wieder zu Boden. ŽemR I 407. Als Erster erwachte Rukinas, sprang auf, blickte zum Fenster, zog den Pelz über den Rücken und lief zu den Pferden hinaus. ŽemR II 145. Geh hin und wecke ihn, er schläft im kleinen Speicher. Jnšk. Nun kehrten die zwölf Brüder zurück, während der Königssohn allein weiterging. BsMt II 89. Der Alte drehte sich um und lief wieder. BsMt II 85. Der Hund ging hin, trat zu jener Königstochter und legte seinen Kopf auf ihre Knie. BsP I 7. Im Hof bellte der Hund ein wenig und legte sich, nachdem er verstummt war, nieder. Brt. Nun stand auch Grigas auf, trat heran, verbeugte sich und küsste Žemaitukas die Hand. KrèvR 52. Verlier keine Zeit auf dem Markt — wenn du verkauft hast, dreh um und fahr los. Svn. Die Enten gingen zutraulich geworden in die Stube. Svnč. Ermutigt ging ich auf eines der Tore zu und klopfte an. BaltPV I 156. Er kam, setzte sich eine Weile und war dann wie weggeblasen. Gs. Der kleine Vogel kam herangeflogen, zwitscherte ein wenig und flog mit einem Flügelschlag davon. Gs. Auch ich sprang hinzu und verpasste ihm ein paar Ohrfeigen. Gs.

In den zitierten Beispielen wird eine abgeschlossene vorherige Handlung durch nicht erweiterte Partizipien bezeichnet, die von intransitiven Verben gebildet sind. Von transitiven Verben gebildete Partizipien treten meist mit einem Substantiv oder Pronomen im Akkusativ auf. Nicht erweiterte Partizipien transitiver Verben werden in dieser Bedeutung recht selten verwendet. Zum Beispiel:

Niemand bringt ihm mehr Gebäck oder Süßigkeiten aus dem Städtchen, nachdem er sie gekauft hat. BilR I 158. Der König lockte sie ins Wohnzimmer und ließ sie dort eingeschlossen zurück. CvR V 34. Marcelle und ich hatten hier etwas Brot; nimm dir etwas davon, iss dazu, danach kannst du beim Aufstellen helfen. ŽemR I 150.

Wenn Partizipien des Präteritums Aktiv mit der Bedeutung einer Nebenhandlung abhängige Wörter bei sich haben, bilden sie im Satz eigenständige Partizipialkonstruktionen.

a) Erweiterte Partizipien, die von transitiven Verben gebildet sind:

Der Herr geriet über solche Worte derart in Zorn, dass er, nachdem er eine Axt ergriffen hatte, sie mit aller Kraft auf den Burschen schleuderte. CvR V 31. Die alte Frau hob den Blick und sah sich in der Stube um. ŽemR II 145. Janulis wurde angst und bange, als er, nachdem er den Garten umrundet hatte, zu den Speichern, Ställen und zur Scheune blickte und nur kahle Wände und undichte Dächer sah. VienR I 152. Janulis trat ans Fenster, seufzte tief und lauschte, nachdem er die duftende Gartenluft in seine kranken Lungen eingesogen hatte, der Stille der Nacht. VienR I 148. Sieh nur, Enskys zieht sogleich, nachdem er ein großes Messer hervorgezogen hat, schon gekochtes und gebratenes Fleisch zu schneiden an. DonR 129. Tušė, nachdem sie die dünnen Tischdecken gleich herbeigebracht hat, deckte den großen Tisch sauber und ordentlich, wie es sich gehört. DonR 67. Der Fuchs, nachdem er den Kuchen der Frau gefangen hatte, lief zu den Eislöchern und

52

sagt. Švnč. Simukas sagt, nachdem er sich das Schienbein gekratzt hat. Die alte Stute, nachdem sie ein paarmal die Uferböschung des Sees umschwommen hatte, stieg ans Ufer und wälzte sich im Sand. CvR II 15. Nachdem du die Steine vom Feld aufgesammelt hast, leg sie auf die Scheune. Rt. Noch einmal, nachdem sie die Felder überblickt hatte, ging die Frau ins Haus. CvR III 105.

b) Erweiterte Partizipien, die von intransitiven nicht selbständigen Verben gebildet sind:

Der Hirtenjunge, der sich beim Heuschober hingesetzt hatte, war ganz benommen, und der Sommerweizen war ihm in den Sinn gekommen. Kp. Eines Morgens machten die Kinder, nachdem sie sich in der Schule versammelt hatten, untereinander Lärm. VencIR II 36. Der Knecht, der mitten in der Stube aufgestanden war, sah sich um und nahm seine Mütze ab. KrėvR 144. Die gesamte Obrigkeit, die mit den Priestern durch den großen Eingang des Ortes hinausgegangen war, begrüßte Gediminas. Dauk (DŽ I 110). Ich fürchtete, Perkūnas könnte, sobald er sich erhoben hätte, solche Häuser der Feinde auf die Straße schleudern. DonR 132. Braune Ameisen, die an seinen Beinen hochgeklettert waren, krabbelten ihm über den Rücken. CvR II 78. Als ich auf die Landstraße hinausgegangen war, begegnete ich einer Gruppe von Schülern mit dem Lehrer an der Spitze. VienR I 212. Nachdem ich mich hinter den Webstuhl geschlichen hatte, stellte ich mich ans Fenster. SimonOBT 83. Da ich ein wenig früher aufgebrochen bin, gehe ich Pilze sammeln. Alk. Nachdem er erst um zwölf nach Hause gekommen war, klopfte er an die Tür. Šil. Nachdem er etwa eine Meile gefahren war, musste er umkehren. Jnšk.

Bedeutend seltener haben Partizipien des Präteritums Aktiv von intransitiven selbständigen Verben die Bedeutung einer Nebenhandlung. Z. B.:

Der Sohn schimpfte wütend und warf es auf den Boden. Er. Das Heu beginnt, völlig trocken, sogar zu verrotten. ŽemR I 212. Dieses Kind begann, nachdem es acht Jahre alt geworden war, zu hüten. BM 257. Perkūnas, sehr erzürnt, spaltete ihn mit dem Schwert entzwei. KlvD 334. Elena, rot wie ein Schneeballstrauch geworden, noch nicht auf den Dreifuß achtend, floh aus der Stube, als wäre sie mit Wasser überbrüht worden. KrėvR 38. Ich würde lieber, in eine Ente verwandelt, über die Meere schwimmen. JV 28. Darum ist es kaum verwunderlich, dass ich manchmal die liebe Abgabe nicht zahlen kann und der Amtmann mich dafür ausschimpft oder, unmenschlich erzürnt, mir eine Ohrfeige gibt. DonR 52.

Somit unterscheiden sich die Partizipien des Präteritums Aktiv, die eine Nebenhandlung bezeichnen, hinsichtlich ihres Verhältnisses zu Transitivität und Intransitivität sowie ihrer allgemeinsten lexikalischen Bedeutungen deutlich von den attributiven Partizipien.

§ 5. Eine Nebenhandlung wird meist durch präfigierte Partizipien des Präteritums Aktiv bezeichnet. Präfixlose Formen werden seltener verwendet und gewöhnlich nur solche, die eine Handlung als abgeschlossene Ganzheit ausdrücken können und perfektive Bedeutung haben. Z. B.:

Doch auch das genügt nicht; er nahm ein großes Messer, schnitt ihm die Kehle samt Speiseröhre durch und streckte die Hand aus. DonR 28. Wo es tiefer liegt, gibt es klares Wasser, wo es bergauf geht, ist es trocken; selbst wenn du also die feuchten Stellen trocknest und die höher gelegenen bewässerst. VaižgRR I 260. Dieser erhob sich sofort und sprach. ValVK 66. Nachdem sich der Mann ans Bett gesetzt hatte, sprach er. ValPŽK 123. Wie gewöhnlich brachte das kleine Schmiedekind auch diesmal, nachdem es zu Mittag gegessen hatte, Mike eine mit Honig bestrichene Brotscheibe. CvR II 85. Nachdem Bebenčiukas das Netz ausgezogen und ein Boot gekauft hatte, verbrachte er tagein, tagaus am See mit Fischen. CvR V 7. Der Wagen, der vom Ufer aufgestoßen war, zerbrach, und die Köpfe der jungen Fische begannen ins Wasser zu fallen. BsP III 105. Ohne mich um etwas zu kümmern, ging ich zum Nachbarn. Kv.

53

In bestimmten Fällen können jedoch nichtpräfigierte Partizipien Aktiv Präteritum einen Nebenhandlungsvorgang auch als einen Prozess bezeichnen, der in der Vergangenheit eine gewisse Zeit andauerte. Diese für Verlaufsformen typische Bedeutung haben nichtpräfigierte Partizipien von Bewegungsverben und einigen anderen Verben vergleichsweise selten. Z. B.:

Als die ältere Schwester nicht zurückkam, um sie abzuholen, ging die zweite Schwester los, um Bebenčiukas zu suchen. Sie ging und kam an einen Apfelbaum. CvR V 11. Nachdem der Igel drei Tage geritten war, erreichte er den Hof des zweiten Herrn. CvR V 72. Nachdem sie eine Stunde gereist waren, sahen sie einen Mann, der an einer Birke nagte. CvR V 32. Der Mensch, der viel gearbeitet und sich abgemüht hat und seine einfache Kost stets mit Genuss isst,... der betrügt denjenigen, der sich täglich herausputzt, aber seufzend und ständig kränkelnd zum Löffel greift. DonR 41. Eine Weile schwebe ich über den Wiesen, die Sonne ging rasch unter. CvR III 190. Nachdem der Marschall lange durch die Nase geschnieft und den Gegenstand von allen Seiten betrachtet hatte, zog er die Pfeife aus dem Mund, um nach dem Preis zu fragen. CvR III 54.

§ 6. Partizipien Aktiv Präteritum ermöglichen es, im Satz in Beziehung zu finiten Verbformen als Prädikat ein Nebenhandlungsvorgang vom Haupthandlungsvorgang abzugrenzen und so die Abfolge (Reihenfolge) von Handlungen anzugeben. Daher sind sie ein geeignetes Mittel, eine Erzählung fortzuführen. In der heutigen Literatursprache werden aufeinanderfolgende Handlungen nicht selten durch eine ganze Kette aus Partizipien Aktiv Präteritum und finiten Verbformen bezeichnet. Z. B.:

Antanas schlug sich mit dem Reisigbesen die Beine, schüttelte das Eis von den Stiefelschäften, setzte sich und sagte. ŽemR I 231. Onikė deckte die alte Frau zu, setzte sich ans Fußende und döste. ŽemR II 142. Kaum war Dūdonis durch die Tür hereingekommen, da geriet er, furchtbar erschrocken, völlig außer sich und zog ein ganzes Päckchen Streichhölzer aus dem Korb und schleuderte es mit aller Kraft in die Ecke der Bänke. SimonOBT 130. Rūkinas legte die Pfeife beiseite, faltete den Pelzmantel zusammen, legte ihn sich unter den Kopf und streckte sich auf der Bank am Tisch aus. ŽemR II 145. Nachdem sie früh am Morgen aufgestanden, Käse und Brot in ihr Bündel gepackt und die Haustür verriegelt hatten, gingen sie aus der Stadt. CvR III 28. Jener (der Sohn) dankte ihr für ihre Geschenke, kam wieder und machte Feuer. BsP III 154 (Brt). Nachdem die Krähe eine Runde um das Gehöft geflogen war, krächzte sie ein paarmal und ließ sich auf derselben Pappel nieder. Sie schaute sich um und dachte (32), ob sie sich vielleicht verirrt habe, doch als sie genauer hinsah, erkannte sie dieselben mit Ziegeln gedeckten Hausdächer. CvR II 32–33.

Besonders kennzeichnend in dieser Hinsicht sind die folgenden Verse aus K. Donelaitis’ „Metai“:

Da roch Dočys sogleich den Gestank der Salben Und spürte das Grauen der weibischen Wahrsagerei, Da sprang er mit einem Satz wie ein Donner aus dem Bett, Griff sich aus dem Spind einen großen Knüppel, Und nachdem er den größten Teil des Hausrats zerschlagen Und die Scherben mit den Arzneien durch die Tür geworfen hatte, Schlug der Stinker nun die Kinder, die sein Fraß verzehrt hatten, Tobend und schreiend beinahe tot. DonR 85.

54

§ 7. Attributiv-prädikative Partizipien Aktiv Präteritum können nicht nur eine vorausgehende Nebenhandlung, sondern auch den dadurch entstandenen Resultatszustand ausdrücken, der während der durch das Prädikat bezeichneten Handlung andauert. Solche Partizipien sind stärker als die oben besprochenen sowohl in ihrer Bedeutung als auch ihrer Stellung mit dem Prädikat verbunden. Meistens stehen sie im perfektiven Aspekt und folgen auf das Prädikat. Ist das Partizip durch abhängige Wörter erweitert, ist neben dem Resultatszustand oft auch die Bedeutung einer vorausgehenden Nebenhandlung zu spüren.

a) Das Partizip ist von transitiven Verben des perfektiven Aspekts abgeleitet:

Veronika saß lange da, den Blick in die geheimnisvolle Dunkelheit des Waldes gerichtet, und dachte immer wieder an irgendetwas. VienR I 175. Grigienė ließ das Spinnrad nicht los, sondern saß lange da, die Hände auf den Knien gefaltet. KrėvR 34. Der Wolf liegt da und hat die Beine um einen Wildschweinkeiler geschlungen. BsP IV 284. Das Mädchen weinte bitterlich, die Händchen gefaltet. Srj. Wir rannten, die Sohlen geschmiert, sodass sogar die Pfützen trockneten. Alk. Verbrächtest du eine Nacht mit einem solchen Kranken, würdest du mit beiden Händen den Kopf haltend davonlaufen. Slnt. Ertrage es mit zusammengebissenen Zähnen; das Unglück wird vorübergehen. M (DŽ II 796). Stepukas und ich taten schon kaum noch etwas; mit zurückgelegten Köpfen blickten wir nach oben. BaltPV I 114. Stepukas lauschte sogar mit angehaltenem Atem. CvR III 199.

b) Partizipien, gebildet aus intransitiven Verben des perfektiven Aspekts:

Er lag jetzt auf der Seite, mit dem ganzen Körper ausgestreckt, den Kopf neben die Vorderbeine gelegt. CvR II 41. Stepukas und ich schnitzten Weidenpfeifen und spielten, einander gegenüber auf einem Stein sitzend. BaltPV I 55.

Bemerkenswert ist, dass solche erweiterten Partizipien manchmal nicht durch die Intonation abgetrennt werden und keine herausgehobenen Satzglieder bilden, zum Beispiel:

Petras blickte noch erstaunter auf den Reisegefährten seines Onkels und wusste nicht, was er sagen sollte. Myk-PutS 55. Wer noch eine Kopeke dabeihatte, trank Bier und aß ein Stück Kuchen; wer keine hatte, litt mit eingezogenem Bauch. ŽemR II 25—26. Ich stand, von den Worten der Mutter wie vor den Kopf gestoßen. BaltPV I 74. Der Herr ging umher, die Hände in die Seiten gestemmt. J (DŽ II 341).

Nicht erweiterte Partizipien des Aktivs Präteritum Perfekt, die einen Resultatszustand bezeichnen, schließen sich noch enger an die als Prädikat fungierenden finiten Verbformen an. Solche Partizipien des perfektiven Aspekts werden, anders als die in §§ 4—6 besprochenen, oft von intransitiven, nicht abgeleiteten, insbesondere resultativen Verben gebildet. Ihre Bedeutung einer Nebenhandlung ist nur schwach spürbar und verblasst nicht selten völlig. Zum Beispiel:

Der Sergeant verstummte und blickte, sich vorbeugend, in die Ferne, wohin die Karawane gezogen war. CvR VI 270. Ich lag dicht angeschmiegt da und lauschte, was gesprochen würde. Srv. Und was machst du hier, so ausgestreckt? BsMt II 99. Komm satt gegessen, dann bekommst du hier auch etwas. B (DŽ II 773). Seine Frau empfing den Mann schon von weitem mit Tränen in den Augen. CvR V 137. Alyzas blickte benommen auf dieses Geld. BaltPV I 245. Die Luft wurde schwül, die Blätter aller Kräuter waren verwelkt

55

lagen auf der Erde. ŽemR I 144. Sie leben zusammen, nachdem sie sich zusammengetan haben. Rdm. Diese nachlässigen Frauen und die Kinder laufen ungepflegt herum. Nmn. Er kehrte völlig ausgehungert von der Jagd zurück. J (DŽ I 87).

Wie aus den Beispielen ersichtlich, haben einige dieser Partizipien qualitative Bedeutung und charakterisieren die Handlung des Prädikats ähnlich wie Adjektive in prädikativ-attributiver Verwendung (vgl.: Die Menge ging ernst und gesammelt dahin. Vien.). Solche Partizipien des Aktivs Präteritum Imperfekt, die eine Handlung bezeichnen, nähern sich in ihrer Bedeutung ebenfalls den attributiv verwendeten Partizipien an, obwohl sie eine andere Funktion haben als die in § 1 erwähnten.

Auch Partizipien des Aktivs Präteritum Imperfekt können in bestimmten Fällen einen Resultatszustand bezeichnen (gewöhnlich in Verbindung mit Verben der Bewegung). Zum Beispiel:

Das Kätzchen kam aus dem Wald zurück, nachdem es die Rinde abgenagt hatte; es fand das Hähnchen nicht – und weinte und weinte. LTR. Die Herren kamen, nachdem sie watend die Furt durchquert und gejagt hatten, zurück. Plng. Die Töchterchen kam zurück, nachdem es Roggen geerntet hatte, völlig erschöpft. Žal. Ich kam zurück, nachdem ich die Gärten durchstreift hatte. Sts. Wie soll ich zurückkommen, wenn ich im Wirtshaus getrunken habe? Sieh dich um, wohin du dich dann legen wirst. KlvD 144. Wann wirst du zurückkehren, nachdem du zur Kriegsfahrt geritten bist? KlvD 250. Das Hirtenmädchen kommt lange nicht zurück, nachdem es gehütet hat. Ds. Kaum hatte Kazys die Tür geöffnet, nachdem er gerade Holz gehackt hatte, rief ihn die Mutter leise zu sich. VaizgRR I 200.

Diese Partizipien des imperfektiven Aspekts bewahren, anders als die entsprechenden Formen des perfektiven Aspekts, stets die Bedeutung einer vorangegangenen Handlung und werden nicht adjektivisch. In der Literatursprache kommen sie ziemlich selten vor.

Von den Formen, die einen Resultatszustand bezeichnen, sind auch Partizipien des Aktivs Präteritum Perfekt beider Aspekte zu unterscheiden, die in Verbindung mit dem Adjektiv sveikas „gesund“ verwendet werden. Zum Beispiel:

Sei wohlbehalten zurückgekehrt, lieber Schwiegersohn. JV 255. Sei gesund, du krummbeiniger Storch! Sei wohlbehalten zurückgeflogen, Langschnabel! LzPR II 17. Sei wohlbehalten angekommen. N (DŽ II 773). Sei gegrüßt, bunte Welt, die du das Frühlingsfest gefeiert hast! Sei auch du gegrüßt, Mensch, der du den lieben Sommer erlebt hast! DonR 41.

§ 8. Partizipien des Aktivs Präteritum Perfekt, die eine Nebenhandlung ausdrücken, weisen spezifische korrelative Beziehungen zu anderen Verbformen auf. So wie attributive Partizipien des Aktivs Präteritum Perfekt den entsprechenden Partizipien des Aktivs Präsens gegenüberstehen, stehen die Nominative der Partizipien des Aktivs Präteritum Perfekt mit der Bedeutung einer Nebenhandlung den Gerundien gegenüber. Findet die Nebenhandlung gleichzeitig mit der Haupthandlung statt, wird sie durch ein Gerundium ausgedrückt; liegt sie vor der Haupthandlung, wird sie durch den Nominativ des Partizips des Aktivs Präteritum Perfekt ausgedrückt. Vgl.:

Der Wolf heulte so gewaltig auf, als er sah, dass er das Eichhörnchen nicht fangen würde. LTR. Und der Hase sagt, nachdem er gesehen hat, dass der Wolf das Eichhörnchen jagt,... LTR.

Als Veronika durch den Wald ging, erschreckte sie irgendein Tierchen, das, als es den Menschen sah, seitwärts davonstob, im Laub raschelte, und mehr bekam das Mädchen von ihm nicht zu sehen. Als Veronika aus dem Wald herausgekommen war, blieb sie sogar kurz stehen. VienR I 175.

Das Lämmchen läuft und sagt im Laufen etwas dazu. Srj. Der Hund lief herbei, bellte nur kurz, biss ins Sprunggelenk und lief davon. Plv.

36

Wir sehen, dass wir sie (den Regenbogen) doch nicht einholen können und uns an den herrlichen Farben erfreuen, während wir sie betrachten. CvR II 16. Anelė begann, als sie mich ansah, ebenfalls zu weinen. SimonOBT 175.

Pass beim Fischessen auf, dass du keine Gräte verschluckst. Vlk. Wenn ich gegessen habe, schlage ich ein Nickerchen (werde ich schlafen). Rm.

Als sie ihren Erzählungen lauschten, lachten die Männer nur, während die Frauen sie beruhigten. KrėvR 67. Als der Gendarm und der Polizist den Namen Balsys hörten, wurden sie aufmerksam. Myk-PutS 313.

Wer kommt für mich auf, wenn ich mich dort auf der Fahrt erkälte? Alv. „Halt hier an!“, sagte Janulis, als er auf seinen Hof zufuhr. VienR I 145.

Der Gegensatz zwischen Partizipien des Präteritums Aktiv und Halbpartizipien ist auch in den Fällen sehr deutlich wahrnehmbar, in denen sie von Verben mit unterschiedlichen Wurzeln gebildet werden, aber im selben Satz (oder in benachbarten Sätzen) vorkommen. Zum Beispiel:

Jonas nahm den Sensenstiel zur Hand und begann, die Sense einzustellen; während er dem Vater zuhörte, wurde er noch wütender. KrėvR 93. Als die Frau die Kinder sah, blieb sie stehen und begann, noch betrübter und beinahe weinend, zu klagen. KrėvR 65. Der rote Hahn führt eine Schar Hühner auf den Holzplatz, schüttelt seinen rosettenförmigen Kamm und kräht laut. ŽemR I 81. Und die Sonne zieht wieder fort von uns, rollt weiter und geht, nachdem sie uns verlassen hat, am Abend rasch unter. DonR 63. Wie irgendein Traum, den wir schlafend sehen und an den wir uns nach dem Erwachen nur kurz erinnern (63), so schnell verging uns mit dem Sommer die Freude. DonR 63–64. Doch der Wolf, der allzu viel hörte, wäre beinahe toll geworden und blähte sich, sehr erzürnt, aus Rache ganz auf. DonR 124. Mit Hunger und Kälte verbrüderten wir uns, als wir auf dem Gut lebten; mit Hunger und Kälte blieben wir verwandt, nachdem wir Land erhalten hatten. CvR III 114. Beim Umherschauen sah die Witwe einen sehr, sehr großen Stein. Als sie zu diesem Stein kam, entdeckte sie eine Höhle. LTR.

Die Nominativformen der Partizipien des Präteritums Aktiv, die einen resultierenden Zustand bezeichnen und zumindest teilweise die Bedeutung einer früheren Nebenhandlung bewahrt haben, werden ebenfalls den Halbpartizipien gegenübergestellt, vgl.:

Petras sah den Schlächter mit aufgerissenen Augen an, als verstünde er seine Worte nicht. KrvR 197. Und die beiden alten Nachbarinnen fingen an zu tuscheln, die Köpfe zusammengesteckt, als spräche die eine der anderen ins Ohr. VaižgRR I 193. Am Flussufer lag ein Mädchen, zusammengerollt wie ein Ball und die Knie fast bis zum Kinn gezogen. CvR III 266.

Diejenigen Partizipien des Präteritums Aktiv jedoch, deren Bedeutung als Nebenhandlung verblasst ist, können auch den Partizipien des Präsens Aktiv gegenübergestellt werden. Vergleichen wir zum Beispiel die folgenden Sätze:

Ganz verängstigt stand Veronika zitternd auf und konnte nicht herausfinden, ob sie wirklich mit ihrer Mutter gesprochen hatte oder nur im Traum. VienR I 197. Eines Wintermorgens stand Burokienė auf und konnte aus irgendeinem Grund nichts tun; tagsüber tobte draußen ein Schneesturm! ŽemR II 8.

57

Das Halbpartizip des ersten Satzes, mit dem Partizip Aktiv des Präteritums verbunden, wird hier ganz ähnlich verwendet wie das Partizip Aktiv des Präsens im zweiten Satz, das seinerseits durch das entsprechende Halbpartizip ersetzt werden könnte.

Den Halbpartizipien können auch Nominative des Partizips Aktiv des Präteritums gegenübergestellt werden, die mit einigen reflexiven Verben (besonders mit dem Verb džiaugtis) auftreten und einen mehr oder weniger ausgeprägten Bedeutungsaspekt eines erläuternden (explikativen) Satzes aufweisen. Zum Beispiel:

Wahrscheinlich freut sie (die Katze) sich, nachdem sie den Fängen der Kinder entkommen ist. SimonVK I 219. Aber er freute sich, nachdem er in seinen heimischen Hof zurückgekehrt war. CvR II 73. Der Königssohn freute sich, ein so schönes Pferd gekauft zu haben. BsP II 260. Die Eltern freuen sich, gute Kinder großgezogen zu haben. Dkš. Auch er freute sich, lebend davongekommen zu sein. Jabl. Pranaitis beruhigte und tröstete Balsys und freute sich selbst, glücklich entkommen zu sein. Myk-PutS 230. Ich freute mich, die Störche losgeworden zu sein. Šll. Bereue nicht, gegeben zu haben; freue dich, bekommen zu haben. Rz.

Der Alte freut sich stöhnend, der Jüngling beim Umherfahren, mancher beim Dreschen. VP 41. Während des Krieges freuten sich die Menschen, wenn sie von den Deutschen gelben Pferdezucker bekamen. Ds. Dichter, freut euch, wenn ihr seht, was die Liebe vermag! (Kudirk (DŽ III 60). Freu dich nicht, als Erster zu mähen; freu dich, als Erster die Garbe in die Tenne zu fahren. Al (Ppr 47). Der Hirte ärgert sich, weil er die Gänse nicht aus dem Hafer treiben kann. Sr.

Wenn diese Bedeutung stärker hervortritt, nähern sich die Partizipialverbindungen mit den genannten reflexiven Verben Konstruktionen des Typs nominativus cum participio. In solchen Fällen werden mit reflexiven Verben auch Partizipien Aktiv des Präsens und des Futurs verwendet. Zum Beispiel:

Ich freue mich und springe sogar vor Freude hoch, dass ich irgendwo eine so tolle Schwester beziehungsweise Verwandte habe. ŽemR IV 311. Als der Fuchs hörte, dass ein Mensch (mit Hühnern) angefahren kam, freute er sich, ein leckeres Frühstück haben zu werden.

Die Nominative des Partizips Aktiv des Präteritums und die Halbpartizipien werden aufgrund unterschiedlicher Zeit- und Aspektbedeutungen einander gegenübergestellt. Die Nominative des Partizips Aktiv des Präteritums bezeichnen eine dem Hauptvorgang vorausgehende und meist abgeschlossene Handlung. Die Halbpartizipien haben als unmarkierte Formen die Bedeutung der Gleichzeitigkeit und stehen im durativen Aspekt.

In den Fällen, in denen die Partizipien Aktiv des Präteritums eine Nebenhandlung als einen in der Vergangenheit eine gewisse Zeit andauernden Prozess bezeichnen (Beispiele siehe § 5), werden sie den Halbpartizipien nur aufgrund unterschiedlicher relativer Zeitbedeutung gegenübergestellt. Vgl.:

Auf dem Weg zum Tanz richtete sie die Webstühle her. KlvD 295. — Nachdem er schon einige Tage unterwegs gewesen war, traf er auf einen Menschen. LTR.

§ 9. Die Gegenüberstellung der Partizipien Aktiv des Präteritums und der Halbpartizipien ist offenbar nicht ursprünglich. Es gibt Gründe für die Annahme, dass die Halbpartizipien in den oben genannten Fällen den Platz der Partizipien Aktiv des Präsens eingenommen haben. In Dialekten und älteren Schriften finden sich noch Sätze, in denen die Partizipien Aktiv des Präsens eine den Halbpartizipien ähnliche Bedeutung haben und den Partizipien Aktiv des Präteritums gegenübergestellt werden können. Vgl.:

Den ganzen Tag im Wald umherirrend, geht er umher und beklagt sein Unglück, ohne etwas gefunden zu haben. Slk (LTR). Den Stein betrübt habend und die zu ihr Kommende

58

Der den Landeplatz sehende Knecht fluchte: Er ergriff einen brennenden Holzscheit und schlug ihm damit über den Rücken. VaičE 984.

Für das archaische Gepräge eines solchen Gebrauchs der Partizipien Aktiv Präsens sprechen entsprechende Konstruktionen in vielen verwandten Sprachen5. Mit einer den Halbpartizipien ähnlichen Bedeutung werden Partizipien Aktiv Präsens in den Dialekten häufig auch mit verschiedenen Konjunktionen verwendet6.

§ 10. Partizipien Aktiv des Präteritums Iterativ werden nicht zur Bezeichnung einer Nebenhandlung verwendet. In Sätzen, deren Prädikat eine wiederholte Handlung bezeichnet, drücken die Partizipien Aktiv des Präteritums Iterativ die iterative Bedeutung aus. Zum Beispiel:

Die jungen Leute, nachdem sie in die Stube gestürmt waren, griffen sich etwas zum Essen und rannten wieder auf die Straße. Myk-PutS 35. Wenn (Janulis) im Sommer aus dem Gymnasium nach Hause gekommen war, legte er Bretter auf die Äste, bedeckte sie mit Stroh und richtete sich, nachdem er sie an den Seiten mit Seilen festgebunden hatte, ein Lager her. VienR I 152. Spät in der Nacht, nachdem sie den Docht der Lampe gekürzt hatte, nur für einen Augenblick auf der Bank zu kurzer Ruhe niedergesunken, schlief das Mädchen gleich hier ein, mit einem Wollknäuel oder einer noch nicht fertig geschälten Kartoffel in der Hand. CvR III 26. Die alten Greise, die man sonst selten sah, kamen in der Sonne zum Vorschein und erstarrten, irgendwo im Windschatten sitzend, das Kinn auf die Stöcke gestützt, stundenlang, mit verblassten Augen auf irgendeinen Gegenstand gerichtet. CvR III 18.

Solche Partizipien Aktiv des Präteritums Iterativ stehen aufgrund ihrer Tempus- und Aspektbedeutung den Halbpartizipien ebenso gegenüber wie in den in § 8 erörterten Fällen (vgl.: Als ich über den bunten Teppich der Wiesen schritt, schreckte ich die Vögel öfter auf und neckte sie, als dass ich sie jagte. CvR II 53).

§ 11. Attributiv gebrauchte Partizipien Aktiv des Präteritums stehen aufgrund ihrer Tempusbedeutung nicht nur zu den Partizipien Aktiv Präsens, sondern auch zu den Partizipien Aktiv Futur in Beziehung (Partizipien Aktiv des Präteritums Iterativ haben nur ausnahmsweise attributive Bedeutung), vgl.: der fahrende Zug: der gefahrene Zug: der Zug, der fahren wird. Zur Bezeichnung einer Nebenhandlung werden die Nominative der Partizipien Aktiv Futur nicht verwendet; auch über besondere Partizipialformen, die eine spätere Handlung bezeichnen (d. h. eine Handlung, die nach der Handlung der finiten Verbform stattfindet), verfügt das Litauische nicht. Eine solche Nebenhandlung oder ein solcher Zustand, der sich als Ergebnis aus der Haupthandlung ergibt, wird jedoch häufig durch Halbpartizipien ausgedrückt. Zum Beispiel:

4 Weitere Beispiele mit Partizipien Aktiv Präsens in der Bedeutung einer Nebenhandlung siehe V. Ambrazas, Absoliutinis naudininkas XVI—XVII a. lietuvių kalbos paminkluose, LKK, Bd. 5, S. 7. Vgl. außerdem folgende Beispiele aus den Schriften von J. Bretkūnas und B. Chylinskis: Bei ios skubei ischejo isch grabo bijadamos ir didei dzaugenčzies ir tėkeia. BrP I 401₂₅. Sztey Karalus tawo ateyt sedins and astildyčio asliczios. ChB NT Jon 12, 15. O kad prasžoro tris Menasis taydemes Akrutu isz Alexandrios, hursęy žiemawo anoy Jewoy, beturins ziankta Kastora ir Polluxa. ChB NT Apd 28, 11. Teyp karoju [<kar>auju] ne kaupo (pd weia) ora muszans. ChB NT I Korint 9, 26.

5 Vgl. altslaw.: obъchodъzdaše gradъbę uče Zogr Marc. 6, 6; got.: bitauh weihsa bi-sunjane laisjands GB ib.— καὶ περιῆγεν τὰς κώμας κύκλῳ διδάσκων „zog in den Dörfern umher und lehrte“; lat.: flens me obsecravit Pl. Trin. 154 „weinend flehte er mich an“ und Ähnliches.

6 Siehe P. Skardžius, Dėl pusdalyvių raidos, „Archivum Philologicum“, Bd. 6 (1937), S. 102 ff.

59

Eine Wand aus Bäumen war herangewachsen und schirmte das Gehöft Sakalynė wie eine echte Mauer vor den schneidenden, schädlichen Nord- und Ostwinden ab. VaižgP II 29. Inzwischen hatte sich auch schon das Fenster geöffnet und ließ frische Luft herein. Simon OBT 126. Meine Frau starb und hinterließ drei kleine Kinder. LTR.

Eine ähnliche Bedeutung können mitunter auch Partizipien Präsens Aktiv haben, z. B.: Wie aus dem Feuer sprang sie (Veronika) aus der kleinen Scheune, nahm einen Wassereimer und goss ihn über die Tür, um das Teer abzuwaschen; doch das Wasser rann ab wie über Fett, machte die Tür noch hässlicher und spritzte den Vorraum voll. VienR I 197. Jung und Alt versammelten sich, um den alten Dirda zu verabschieden, und füllten den Hof sowie die Gasse davor. BaltPV I 285. Ich bin nur umsonst einen halben Tag herumgewatet, ohne etwas zu finden, das ist alles. Grž.

In solchen Fällen wird der Gegensatz zwischen attributiv-prädikativen Partizipien Präsens Aktiv und Halbpartizipien teilweise neutralisiert.

§ 12. In den bisher erörterten Beispielen bilden die Partizipien Präsens Aktiv und die Halbpartizipien, wenn sie durch andere Wörter erweitert sind, geschlossene syntaktische Konstruktionen, die meist durch die Intonation von den Hauptsatzgliedern abgetrennt werden. In Dialekten, in der Volksüberlieferung und mitunter auch in der Literatursprache kommen jedoch Beispiele vor, in denen das Subjekt in eine erweiterte Partizipialkonstruktion einbezogen ist. Z. B.:

Als der Herr einmal solch schönen Roggen sah, befahl er seinen Knechten, ihn zu mähen. BsMt II 109. Als der König diese Nachricht hörte, wurde er sehr betrübt. BsMt II 86. Als der ältere Dieb von solchen Streichen des Jungen hörte, lachte er herzlich, beschenkte ihn reichlich mit Gold und ließ ihn frei. CvR V 197. Als die Frauen verstanden, dass der Specht sie verspottete, gingen sie zu den Krügen; als sie diese jedoch leer vorfanden, mussten sie nach Hause zurückkehren. LTR. Dann nimmst du diese Geschenke und verbeugst dich vor Vater und Mutter. BsMt II 104. Die Männer fanden den Wolf in der Grube und erschlugen ihn. Vlk. Wer sich verbrannt hat, bläst auf Heißes und Kaltes. Ūd. Als Jurka kein Geld mehr bekam, kehrte er nach Hause zurück. 'BsP II 198. Als das Dummchen nach Hause zurückgekehrt war, erzählte sie ihren Schwestern alles. CvR V 9. Manchmal blieben die Leute stehen, wenn sie einen so hervorragenden Sänger hörten, und sprachen ihn an. CvR II 13.

Ganz genauso werden auch entsprechende Konstruktionen mit Halbpartizipien verwendet, z. B.:

Als Tupikis ihn verabschiedete, begann sein Bruder zu weinen und zu klagen, er sei verloren. ŽemR I 280. Der junge Jonelis konnte, als er noch jung war, zu nichts taugen außer zum Viehhüten. BsP II 253. Als der Vater sah, dass der Sohn seinen eigenen Willen hatte, und es nicht mehr ertragen konnte, zählte er ihm zwölftausend Dollar ab und sagte. BsP II 208 (Klp.) Da ihm nichts Besseres einfiel, lief er am nächsten Morgen, noch vor Tagesanbruch, auf das Weizenfeld, um sich umzusehen. CvR V 136.

In diesen Konstruktionen, die offenbar bestimmte syntaktische Archaismen darstellen, lassen sich Elemente eines älteren, weniger zentralisierten Satzbaus erkennen. Die Partizipien und Halbpartizipien bilden hier zusammen mit ihren abhängigen Wörtern noch keine geschlossene Wortgruppe, die dem zentralen prädikativen Satzkern untergeordnet ist. Die Verbindung des Subjekts mit dem Partizip oder Halbpartizip und nicht mit der finiten Verbform, die als Prädikat fungiert, ist einerseits

66

Einerseits weisen sie auf die ausgeprägte Prädikativität dieser Partizipien und Halbpartizipien hin, andererseits auf das Fehlen einer strikten Satzzentralisierung und auf weniger entwickelte subordinative Beziehungen innerhalb des Satzes.

§ 13. Partizipien Passiv Präsens und Präteritum

Eine Nebenhandlung oder den aus ihr entstandenen Resultatszustand bezeichnen sie weit seltener als Halbpartizipien und Partizipien Aktiv des Präteritums. Meist haben sie attributive Bedeutung oder bilden mit den finiten Formen von būti zusammengesetzte Tempora. Insgesamt stehen die Passivpartizipien aufgrund ihrer Entwicklungseigenschaften den Adjektiven viel näher. Die Passivpartizipien des Präsens und Präteritums wurden viel später als die entsprechenden Aktivpartizipien in das System der Verbkategorien aufgenommen und bewahrten daher besser ihren ursprünglichen adjektivischen Gebrauch. In vielen Fällen haben diese Partizipien, besonders die Präsensformen, weder Genus- noch Tempusbedeutung und werden wie bestimmte von Verben abgeleitete Adjektive verwendet. Eine Nebenhandlung können dagegen nur jene Passivpartizipien bezeichnen, die eine Passivbedeutung und weitere verbale Merkmale aufweisen.

Attributiv-prädikative Passivpartizipien werden meist von transitiven Verben gebildet. Außerdem werden sie mitunter auch von solchen intransitiven Verben gebildet, deren Passivformen eine passive Bedeutung haben können, z. B.:

Das alte Bauernhaus knarrt und kracht, vom Wind angeblasen. J. Die von Žmonuži gebildeten Ohrringe, sie näht dünne Leinwände. JD 1000. Komm, solange du erwartet wirst, du wirst gehen, solange du geliebt wirst. B (DŽ II 773). Da schmückte der Heiratsvermittler Vaurus, obwohl selbst Abstinenzler, vom Bräutigam zugezwinkert, sogleich den Tisch mit Flaschen von recht ungewöhnlicher Form. VaizgRR I 322.

§ 14. Passivpartizipien des Präsens bezeichnen

eine passive Nebenhandlung, die zumindest eine gewisse Zeit lang gleichzeitig mit der durch das Prädikat bezeichneten Haupthandlung andauert. Sie werden meist von Verben ohne Präfix gebildet und haben imperfektive Bedeutung. Durch Erweiterung um weitere Wörter bilden sie Partizipialkonstruktionen, die als abgesonderte Satzglieder auftreten.

a) Nicht erweiterte Passivpartizipien des Präsens:

Elena wehrte sich nicht, als sie geschlagen wurde, sondern fing nur ihre Hände auf und küsste sie. KrėvR 26. Auch die Katze schnurrt, wenn man ihr den Rücken streichelt. Škn. Das Feuer wird ärgerlich, wenn man es löscht. Nj. Die Stute läuft nicht davon, wenn sie gepeitscht wird, sondern bäumt sich nur auf. LTR. Die aufgestellten Eimer klirrten. Erž. Mütterchen zierte sich, als sie gebeten wurde, schürzte die Lippen und gab nach. BaltPV I 280. Die Maschine dreht sich knirschend. Er.

b) Um abhängige Wörter erweiterte Passivpartizipien des Präsens:

Mikė, von seinen Freunden geneckt, fordert Juozapėlis auf, seine Kräfte mit ihm zu messen. CvR II 92. Der aufgeflogene Rabe begann, schräg zu krächzen, von einem vom Wind bewegten Strick gezogen. CvR II 36. Von allen getadelt, von allen verfolgt, spürte Petras, dass sich sein Schmerz in Groll verwandelt hatte. ŽemR I 201. Du wirst schwanken, Schwesterlein, vom Burschen gescholten. Krs. Von der Schwiegermutter gewärmt, werde ich nicht warm. KlvD 197. Ich schlief erst tief in der Nacht ein, gequält von Trübsal und schweren Gedanken. SluckGMN 116. Auf dem Weg von Kaunas ins Gefängnis von Šiauliai gelang es dem künftigen Schriftsteller, einen Teil seiner Aufzeichnungen zu

61

sich in Filzkleidung und unter einer Mütze verbergen. VencIEV 211. Kaziukas wand sich, von Schmerzen gequält. CvR VIII 176.

Ähnlich wie die Partizipien des Aktivs im Präteritum, die eine resultative Zustandsbedeutung haben (siehe § 7), können sich die Partizipien des Passivs im Präsens an finite Verbformen anschließen, die als Prädikat fungieren, und mit ihnen enge syntaktisch-semantische Verbindungen bilden. Z. B.:

Geh geliebt, komm erwartet. SchG 318. Plötzlich hörte das Ohr ein seltsames Geräusch, als liefe jemand, verfolgt, durch die Kiefernwälder. SimonR I 62. Die Jugendlichen drängten sich unaufgefordert zur Gemeinschaftsarbeit. CvR III 35.

§ 15. Die Nominativformen der attributiv-prädikativen Partizipien des Passivs im Präsens entsprechen hinsichtlich ihrer Zeit- und Aspektbedeutung vollständig den Halbpartizipien, unterscheiden sich von ihnen jedoch in der Diathese. Halbpartizipien haben eine aktive, Partizipien des Passivs im Präsens dagegen eine passive Bedeutung. Vgl.:

Während der Fuchs verfolgt wurde, gelang es ihm noch, zwischen den Rädern hindurchzuschlüpfen. Suva aber, während er verfolgte, geriet zwischen sie und wurde vom Menschen schwer verletzt. LTR. Von Mikė belehrt, müht sich Juozapelis mit der Zunge ab und fügt jeder Wortsilbe „ver“ hinzu. CvR II 86. Die Mühlsteine zog ich unermüdlich, das Feuerchen machte ich an, ohne dazu aufgefordert zu werden. LT III 438. Der von kreischenden Kiebitzen begleitete Mann ging, von Hügel zu Hügel springend, am Rand entlang. CvR III 105. Wenn sie irgendeine andere Arbeit in Angriff nahmen oder gezwungen waren, eine Angelegenheit zu erledigen, die über die Grenzen des Alltags hinausging, bereitete sich jeder von ihnen lange vor und dachte lange darüber nach. KrėvR 151. Wenn die Katze in der Falle eine Maus beißt, fiept sie, und wenn die Maus gebissen wird, fiept sie. J (DŽ II 88)7

Das Verhältnis der Bedeutungen von Partizipien des Passivs im Präsens und Halbpartizipien wird besonders deutlich an der Form duodamas, die bei aktivem Gebrauch als Partizip des Passivs im Präsens, bei passivem Gebrauch dagegen als Halbpartizip verstanden wird. Z. B.:

Nimm, während du gegeben wirst, lauf, während du geschlagen wirst. Erž (Partizip des Passivs im Präsens). — Wenn du alles gibst, wirst du es verteilen, aber dennoch nicht alle beschenken. Al (Halbpartizip).

Ein solches Verhältnis bedeutet jedoch keineswegs, dass die Verwendung der Partizipien des Passivs im Präsens und der Halbpartizipien zur Bezeichnung einer Nebenhandlung parallel wäre. Während die Bedeutung einer Nebenhandlung für Halbpartizipien grundlegend ist, kommt sie bei Partizipien des Passivs im Präsens sehr viel seltener vor.

§ 16. Partizipien des Passivs im Präteritum bezeichnen eine Nebenhandlung im Passiv, die vor dem Beginn der Haupthandlung des Satzes stattgefunden hat. Im Unterschied zu den entsprechenden Partizipien des Präsens werden sie meist von präfigierten Verben gebildet und haben perfektive Aspektbedeutung.

a) Das Partizip des Passivs im Präteritum ist nicht erweitert:Der erschreckte Wolf kehrt nicht mehr an denselben Ort zurück. Val (DŽ I 457). Auch ein gemästeter Ochse zieht das Joch besser. Myk PutS 134. Der Stein ge-

7In den seltenen Fällen, in denen Partizipien des Passivs im Präsens, die eine Nebenhandlung bezeichnen, mit aktiver Bedeutung verwendet werden, verschwindet der Unterschied zwischen ihnen und den Halbpartizipien vollständig, z. B.: …Dicht gedrängt lebten sie in Pentepolė, und weil sie hier keinen Platz fanden, zogen sie an einen anderen Ort. ŽS 104. In älteren Schriften bezeichnen bisweilen auch von unpersönlichen Verben gebildete Partizipien des Passivs im Präsens eine andauernde Nebenhandlung, z. B.: Szytay téwas táwas ir as sopami (boleją W 111) išěsžkome tawęs. DP 632... Tassai szytai waystą..., prieme nieko to ne rėkiamas. DP 553 (Bez żadnej potrzeby W 86).

62

… flog über das Dach. Rm. Ein weiterer Stein explodierte, als er zerschmettert wurde; sogar Funken sprühten. ŽemR I 145. Der zertretene, zerschundene Herr fiel in Ohnmacht, und als er wieder zu sich kam, fand er sich auf demselben Haufen sitzend wieder. CvR V 111.

b) Das Partizip des Präteritums Passiv, erweitert durch abhängige Wörter:

Noch vor einer Stunde war das ruhige Dorf an der Landstraße, von einem Schwarm Kröten überflutet, zu einem lärmenden Lager geworden. CvR III 208. Nachdem Juozas mit kaltem Wasser gewaschen worden war, öffnete er die Augen. LzPR II 55. Aus dem Stall freigelassen, kam der Herr zu seiner Frau und sagte. BsP III 303. Glaubst du denn, dass seine Schwäger, reichlich bewirtet, nicht wussten, wie man höflich mit den Paten spricht? DonR 84. Vom Menschen bewirtet und beherbergt, zog der Alte weiter. CvR V 61. Von fröhlichem Geplauder angelockt, liefen auch die anderen auf die Straße. Myk-PutS 35.

Partizipien des Präteritums Passiv können, ebenso wie die entsprechenden Partizipien des Aktivs (vgl. § 7), auch einen Resultatszustand bezeichnen, der durch eine vorangegangene Nebenhandlung im Passiv entstanden ist. Z. B.:

Ona wuchs im Haus der Zelvis auf, ohne eine Kindheit zu erleben; vom ersten Tag an war sie für einen Bissen Brot zur Arbeit eingespannt. CvR III 30. Das Pferd steht gezäumt da. Kp. Die Burschen necken und lachen mit den Mädchen, doch der Flachs steht ungehechelt da. Rdm. — „Und das Malz ist ungekeimt geblieben“, klagte der Alte. BaltPV I 269. Doch siehe, das Haselwäldchen war zu Ende, der Wald wurde lichter, und auf der Anhöhe zeigte sich die lange graue Landstraße, auf einer Seite von Baumschatten bedeckt. VienR I 173. Schwer und düster waren die Gedanken des Raben, wie die Erde selbst, die von den späten Herbstregen durchnässt dalag. CvR II 33. Die Männer treten leise heran und warten unbeobachtet. GirušD 95.

§ 17. So wie die Partizipien des Präsens Passiv, die eine Nebenhandlung bezeichnen, zu den Gerundien stehen, so stehen die entsprechenden Partizipien des Präteritums Passiv zu den Partizipien des Präteritums Aktiv. Sie haben ähnliche Zeit- und Aspektbedeutungen und unterscheiden sich hinsichtlich des Genus verbi. Das Verhältnis zwischen den Partizipien des Präteritums Aktiv und Passiv lässt sich schon an den folgenden Beispielen erkennen:

Der Herr, ohne eine Stunde zu zögern, sprang, von Habgier gepackt, auf und umarmte den Goldsack, während er rief. CvR V 111. Der Wolf, ordentlich ausgepeitscht, lief mit abgerissenem Schwanz davon. BsP III 310. Auf der Weide freigelassen, raste Syuojį, sobald sie in der Ferne einen Wagen oder grasende Pferde sah, wie toll über die Felder. CvR II 59. — „Ich weiß nicht, wo du nur immer herumstöberst!“, sagt Simukas zur Kuh; doch diese leckt sich die Lippen, beginnt ihm nachzulaufen und, auf diese Weise verwöhnt, hat sie nur noch den Gemüsegarten im Blick. CvR II 11.

Attributiv-prädikative Partizipien des Präteritums Passiv unterscheiden sich von den entsprechenden Partizipien des Präteritums Aktiv auch durch einen wesentlich engeren Gebrauch (vgl. § 15).

Andererseits werden die Partizipien des Präteritums Passiv aufgrund ihrer relativen Zeit- und meist auch Aspektbedeutung den Partizipien des Präsens Passiv gegenübergestellt. Die Partizipien des Präsens Passiv bezeichnen eine Nebenhandlung, die mindestens eine gewisse Zeit andauert

63

zusammen mit der Haupthandlung. Die Partizipien des Präteritums Passiv bezeichnen eine vorherige abgeschlossene Handlung. Vgl.:

Aber dieser Geprügelte sagte kein Wort, und der Freigelassene ging wieder seiner Arbeit nach. Val (DŽ I 26). Was in Eile gebacken wird, ist nicht gar; vergessenes Brot verbrennt. R₁ 73 (DŽ II 251). Vom Schwiegersohn gescholten, geh durch die Tür, vom Sohn gescholten, kletter auf den Ofen. An. — Vom Sohn gescholten — kletter auf den Ofen, vom Schwiegersohn — geh durch die Tür. Pl.

§ 18. Aus der Übersicht über den Gebrauch des Nominativs der attributiv-prädikativen Partizipien und der Halbpartizipien geht hervor, dass diese Formen einander auf der Grundlage zweier relativer Zeitbedeutungen und zweier Genusbedeutungen gegenübergestellt werden. Ihre Korrelation lässt sich durch folgendes Schema veranschaulichen:

Attributiv-prädikativer Gebrauch

Bedeutung der Gleichzeitigkeit | Bedeutung einer vorherigen (meist abgeschlossenen) Handlung | Aktivische Bedeutung | Halbpartizip | Partizip des Präteritums Aktiv | Passivische Bedeutung | Partizip des Präsens Passiv | Partizip des Präteritums Passiv

Attributiv-prädikative Partizipien unterscheiden sich in ihren Beziehungen zueinander erheblich von attributiven Partizipien, die auf der Grundlage dreier Zeitbedeutungen und zweier Genusbedeutungen einander gegenübergestellt werden.

Attributiver Gebrauch

Bedeutung der Gegenwart (Gleichzeitigkeit) | Bedeutung der Vergangenheit (vorherige Handlung) | Bedeutung der Zukunft (spätere Handlung) | Aktivische Bedeutung | Partizip des Präsens Aktiv | Partizip des Präteritums Aktiv | Partizip des Futurs Aktiv | Passivische Bedeutung | Partizip des Präsens Passiv | Partizip des Präteritums Passiv | Partizip des Futurs Passiv

Vergleichen wir diese Schemata, so sehen wir, dass das Halbpartizip, das keinerlei Korrelationsbeziehungen zu den attributiven Partizipien aufweist, unter den Nominativformen der attributiv-prädikativen Partizipien als vollwertiges Systemmitglied mit zwei semantischen Unterscheidungsmerkmalen fungiert: den Bedeutungen der Gleichzeitigkeit und des Aktivs.

64

III

§ 19. Die Bedeutung der litauischen Partizipien als Nebenhandlung beruht einerseits auf ihrer morphologischen Beschaffenheit – dem Zusammenwirken verbaler und nominaler Kategorien –, andererseits auf ihren doppelten syntaktischen Beziehungen im Satz. Zum Hervortreten dieser Bedeutung tragen jedoch auch weitere Bedingungen bei; gesondert zu nennen sind die Stellung, die Absonderung und die Erweiterung durch abhängige Wörter.

a) Attributiv-prädikative Partizipien stehen im Satz gewöhnlich neben dem Prädikat und unterscheiden sich dadurch von attributiven Partizipien, die sich an Subjekte oder als Objekte fungierende Substantive und Pronomen anlehnen. Die für Partizipien und Partizipialkonstruktionen (D), die eine Nebenhandlung bezeichnen, charakteristischste Stellung im Verhältnis zum Subjekt (V) und Prädikat (T) des Satzes ist folgende: V — D — T (z. B.: Nachdem der Herr gekommen war, schnappte er sich seinen Speck und verschlang ihn. BM 29). Das Subjekt kann unausgedrückt bleiben oder nur implizit vorhanden sein (z. B.: Nachdem er das Zaumzeug genommen hat, wird er das Pferd heimbringen. Skd); zwischen Partizip und Prädikat kann außerdem ein Objekt oder eine adverbiale Bestimmung des Prädikats stehen (z. B.: Die Mutter lief, das Mädchen umarmend, Purzelbäume schlagend in die Küche. SimonOBT 42). Häufig kommt auch die Stellung D — V — T vor (z. B.: Nachdem sie noch einmal die Felder überblickt hatte, ging die Frau ins Haus. CvR III 105). In solchen Fällen weist das Partizip, besonders wenn es nicht erweitert ist, oft einen Bedeutungsnuance der Eigenschaft auf (s. § 1). Eine ganz andere Rolle für die Bedeutung des Partizips spielt die Stellung V — T — D. (Wen werdet ihr wohl noch beschimpfen, wenn ich nicht mehr da bin? ŽemR II 338). In dieser Stellung ist das Partizip gewöhnlich besonders eng mit dem Prädikat verbunden (s. § 7). Die Stellung T — V — D (— Da, da! — rufen die Mädchen, als sie den Habicht sehen. CvR II 56) kommt vergleichsweise selten vor; die Stellung T — D — V ist völlig untypisch. Insgesamt treten die doppelten syntaktischen Beziehungen der Partizipien, die eine Nebenhandlung bezeichnen, zum Subjekt und Prädikat am deutlichsten hervor, wenn das Partizip zwischen beiden oder zumindest vor dem Prädikat steht.

b) Attributiv-prädikative Partizipien, die durch abhängige Wörter erweitert sind, fungieren meist als ausgesonderte Satzglieder. Die intonatorische Absonderung hebt die Prädikativität solcher Partizipialkonstruktionen hervor und verleiht ihnen einen ausgeprägten Beiklang zusätzlicher Bejahung oder Verneinung. Unter bestimmten Umständen (zum Beispiel, wenn ein erweitertes Partizip vor dem Subjekt steht) spielt die intonatorische Absonderung eine entscheidende Rolle dabei, die Bedeutung als Nebenhandlung hervortreten zu lassen. Vergleichen wir folgende Sätze:

Nachdem der Herr aus dem Stall freigelassen worden war, kam er zu seiner Frau. BsP III 303. — Hier und da ragten die schon ganz entblößten Hügelkuppen schwarz zwischen den Feldern hervor. Gud-GuzKIT 566.

Würden wir die Partizipialkonstruktion des ersten Satzes aus dem Stall freigelassen ohne intonatorische Absonderung aussprechen, machten wir daraus ein erweitertes Attribut mit attributiver Bedeutung. Im zweiten Satz dagegen würden wir der attributiven Partizipialkonstruktion hier und da schon ganz entblößt durch intonatorische Absonderung die Bedeutung einer Nebenhandlung verleihen. Eine besonders große Rolle spielt die intonatorische Absonderung für das Hervortreten der Bedeutung als Nebenhandlung dann, wenn das Partizip aufgrund seiner Stellung sowie seiner morphologischen und lexikalischen Eigenschaften unterschiedlich verstanden werden kann (vgl. die in § 1 angeführten Übergangsbeispiele).

5. Lietuvių kalbos morfologinė sandara ir jos raida

65

Die Begriffe der ausgesonderten und der attributiv-prädikativen Partizipien decken sich jedoch keineswegs. Erstens können auch attributive Partizipien als ausgesonderte Satzglieder auftreten, meist wenn sie durch andere Wörter erweitert sind, z. B.:

Die hügeligen Abhänge, von Sträuchern bewachsen, wechselten reizvoll zwischen hellerem und dunklerem Grün. ŽemR I 132. Aber auch unsere Speisen, auf litauische Art zubereitet, scheut sich manch ein Taugenichts nicht zu schmähen. DonR 51.

Andererseits werden Partizipien mit der Bedeutung einer Nebenhandlung, wenn sie allein stehen und nicht durch andere Wörter erweitert sind, häufig nicht durch Pausen (in der Schriftsprache durch Satzzeichen) abgetrennt. Dennoch weisen sie auch in solchen Fällen eine spezifische Modulation von Tonhöhe und Klangfarbe auf, die sie von entsprechenden attributiven Partizipien unterscheidet. Z. B.:

Der Junge, der herumgelaufen war, kehrte zurück und streckte sich, als er den Großvater erzählen hörte, in der Heuschwade aus. CvR III 192. Nachdem er aufgewacht ist, bleibt er noch etwa eine Stunde liegen und steht erst danach auf. Gs.

Die meisten Partizipien, die einen Resultatszustand bezeichnen und eng mit dem Prädikat verbunden sind, werden durch Intonationsmittel überhaupt nicht abgesetzt (Beispiele s. §§ 7, 14, 16).

c) Auch die Erweiterung des Partizips durch abhängige Wörter schafft günstigere Voraussetzungen dafür, dass die Bedeutung als Nebenhandlung hervortritt. Ist der Nominativ des Partizips nicht erweitert und bildet er kein ausgesondertes Satzglied, so neigt er vergleichsweise stärker dazu, entweder attributive oder prädikative Wortverbindungen zu bilden. Eine wesentlich selbstständigere Rolle im Satz spielen gewöhnlich erweiterte Partizipialkonstruktionen, in die ganze Nebensätze eingehen können. Z. B.:

Vielleicht weint die Mutter deshalb auch, nachdem sie sich daran erinnert hat, dass sie kein Elternhaus mehr hat. SimonOBT 26. Veronika kam zu Kräften, atmete in der Nähe der heiligen Stätte erleichtert auf und schlüpfte, nachdem sie sich umgesehen hatte, ob jemand auf der Landstraße und unter dem Kreuz sei, unter den Bäumen hervor. VienR I 174. Aber dieser Sohn sagt, als man ihn fragte, wo er gewesen sei,. Bsp II 130.

IV

§ 20. Attributiv-prädikative Partizipien bezeichnen eine nebengeordnete Satzhandlung und drücken zugleich häufig auch verschiedene Umstände der Haupthandlung aus. Solche Partizipien können, insbesondere wenn sie durch abhängige Wörter erweitert sind, ihrer Bedeutung nach Nebensätzen der Zeit, des Grundes, der Bedingung oder der Einräumung nahekommen.

Die Halbpartizipien dienen als vollwertige Korrelate der Nominativformen attributiv-prädikativer Partizipien, die Umstände bezeichnen, und stehen zu ihnen in derselben Beziehung wie in den in § 18 erörterten Fällen. Daher werden nachstehend neben den Nominativformen der Partizipien mit adverbialer Bedeutung auch Beispiele der entsprechenden Halbpartizipien angeführt.

Attributiv-prädikative Partizipien und Halbpartizipien werden sehr häufig verwendet, um die Zeit der durch eine finite Verbform bezeichneten Handlung anzugeben.

66

Halbpartizipien: Wenn du gehst, nimm einen Stock mit — ihr Hund bellt. Sv. Während ich schlug, dachte ich, dass er es nicht noch einmal zurückgeben würde. Kp. Mach dir im Liegen Fenster. Grg. Wer beim Säen nicht tobte, wird beim Ernten toben. Kp. Wenn du arbeitest, schau nicht, wohin die Krähen fliegen. Ppr 32. Fahrend durch Pfützen, hüte dich vor nicht zugefrorenen Wasserlöchern. Skn. Wenn ich irgendeinen am Himmel taumelnden Vogel betrachtete, dachte ich an künftige Unternehmungen. CvR II 47. Fürchte den Wolf, wenn du in den Wald gehst, dann wird dich auch der Hase erschrecken. Kp.

Būt. k. l. veik. dalyviai: Sušilę mes toliau keliausim, juk vilko namų nesugriausim. CvR V 119. Parėjęs kiekvienas žiūri, kad tik kur nuvirtus užmigti. KrėvŠP 140. Tokią tvarką jis rado atvažiavęs, ir jam neatėjo galvon, kad ją reikia pakeisti. KrėvR 8. Pabaigęs dvare dienas, galėjau ir sau ką prasimanvti. Grž. Apynius nurinkę, apynojus paklokit ant tako, kad nebūtų šlapia. Er. Vieverys nustoją giedot, gubą pamates (per rugiapjūtę). Kp. Vilkui kojos nepadaužęs, netark, kad raisas. Dauk (DŽ II 229).

Partizipien des Präsens Passiv: Wenn du nicht beim Kämmen weinst, wirst du beim Kämmen durch deinen Mann weinen. Sln. Weder für die Arbeit noch zum Hüten des Viehs war Saulius noch zu gebrauchen. Wird er gebeten, wird er arbeiten, aber nicht fertig werden; wird ihm befohlen zu gehen, wird er losgehen, aber nicht ankommen. VaižgP III 121. (Jonas) sieht nichts um sich herum und antwortet nicht einmal, wenn er gerufen wird. BaltPV I 66. Du musst schlafen; ich selbst habe gesehen, wie du morgens beim Wecken ohnmächtig wurdest. BaltPV I 60. Die Einwohner versuchten, die Mühle oder die Stadt nur unter dem Zwang äußerster Not zu erreichen. CvR III 105. Der Mensch konnte dort nur lernen, wenn er dem Ende nahe war. DB 111.

Partizipien des Präteritums Passiv: Der Hund Pliuškis wagte es selten und nur, wenn er darum gebeten wurde, das Zimmer zu betreten. CvR III 155. Zunächst weigerte sich der Fuhrmann, doch als er schließlich dazu gedrängt wurde, musste er es zeigen. BsP II 96. Alter Wein erhält noch keinen neuen Geschmack, wenn er in eine neue Flasche gegossen wird. VenclEV 11. Ein Dieb gesteht sofort, wenn er fest gepackt wird. SInt. Vor den König geführt, sagte der Bursche, dass er und seine Freunde einverstanden seien, drei schwere Arbeiten zu verrichten. CvR V 33.

§ 21. Mit der zeitlichen Bedeutung sind auch die Bedeutungen des Grundes, der Bedingung und der Einräumung eng verbunden.

a) Kausale Bedeutung.

Halbpartizipien: Weil ich beim Laufen heiß wurde, brach mir sogar der Schweiß aus. Vv. Der Vater schlägt das Kind aus Liebe, Fremde aber ohne sie. An. Der eine verirrte sich, weil er es nicht wusste, der zweite suchte ihn. Šim (DŽ I 137). Die Katze sah, weil sie gute Augen hatte, im Wald ein Licht. LTR. Obwohl ich in Vilnius wohne, kann ich mit meinen Eltern nicht persönlich sprechen; wir verständigen uns nur brieflich. Sn. Da sie Tag für Tag nichts tut, hat sie sogar zu viel Zeit. SimonVK I 9. Der Kranke kann, weil er schwach ist, nicht gehen. Kr (DŽ III 60).

Aktive Partizipien des Präteritums: Nachdem ich einen Unwürdigen gelobt hatte, erntete ich großen Spott. Sr. Der Hochzeitsgast isst kein Schweinefleisch, weil er Pferdefleisch gegessen hat. NS 821. Weil wir es im Winter nicht rechtzeitig geschafft hatten, brachten wir im Sommer alle übrigen Baumstämme aus dem Wald herbei. Grž. Nachdem er sich in seiner Jugend ausgetobt hatte, war er als Erwachsener ruhig.

5*

67

Jnšk. Heißes v e r b r e n n t, und auf Kaltes spuckt man. Pln. Noch nie im Leben hatte sie so viel Fleisch nicht gehabt, die Alte sparte überhaupt nicht damit. CvR V 59. Gustis griff gierig nach dem Essen wie ein hungriger Wolf, aß jedoch nur wenig, da er es nicht mehr gewohnt war, sich satt zu essen. VaižgP II 244.

Partizipien des Präsens Passiv: Die Ziege wird fett, wenn man sie beschimpft. MŽ I 186. Ein ständig gewälzter Stein wird nicht überwachsen. Pn. Auch ein enges gestricktes Kleidungsstück leiert aus, wenn man es trägt. Vvr. Das Gut verfiel völlig, da es von niemandem beaufsichtigt wurde. TŽ III 323. Der Hund wurde teilnahmslos, weil man ihn oft gerufen hatte. Sl. Mikučio ohnehin schon helles Haar verblasste, da es ständig vom Regen gewaschen und von der Sonne versengt wurde. CvR III 137. Da (Aleksys) zu Hause als Jüngster verwöhnt wurde, gewöhnte er sich daran, zu herrschen und geradewegs zu verlangen, was immer er begehrte. VaižgP III 10.

Partizipien des Präteritums Passiv: Im Wald vertrocknen die bärtig gemachten Bäume. O (DŽ I 839). Die Eiche wird schwarz, nachdem sie beschnitten worden ist. Šts. Über das Feld gegangen, vom Lüftchen umweht, ist das Gesicht rot. Jabl (DŽ II 771). Von der Schlacht erhitzt, bemerkte ich nicht, was um mich herum geschah. Tsp (DŽ V 80).

Wie aus den Beispielen ersichtlich ist, tritt die kausale Bedeutung vor dem Hintergrund einer allgemeineren Bedeutung der Gleichzeitigkeit oder einer vorausgehenden Handlung hervor. Sie kommt häufiger bei erweiterten Partizipialgruppen vor, die vor dem Satzprädikat stehen. Wenn ein Partizip keine abhängigen Wörter hat, ist die kausale Bedeutung schwächer.

b) Konditionale Bedeutung.

Halbpartizipien: Wer immer weiterläuft, erreicht schließlich das Ende. Ds. Wenn wir irgendwo wohnen, werden wir uns schon irgendwann wiedersehen. Grž. Mit Schweineaugen kommst du überall hinein. Kps. Wenn du zu viel willst, bekommst du nichts. Prk. Wie willst du andere unterrichten, wenn du selbst nichts weißt? SimonVK I 185. Was für Menschen wären wir denn, wenn wir uns auf solches Elend einließen? LzPR II 74. Wenn du dich nicht betrinken willst, rühr nicht einmal einen Tropfen an. VP 33.

Partizipien des Präteritums Aktiv: Ich fühlte mich so verlassen und so krank, dass ich, wenn ich mich dazu entschlossen hätte, anscheinend lebendig in die Erde gekrochen wäre. BiIR I 209. Wenn er es sich vornähme, würde er ihn in einem Löffel ertränken. Plv.⁸ Du wirst dich schon irgendwohin legen – wohin solltest du denn gehen, ohne dich hingelegt zu haben? BaltPV I 18. Ich erzähle es, damit er jedes Mädchen, sobald er es will, um den Finger wickelt wie einen Faden. KrėvR 150. Was willst du machen, ohne etwas dafür getan zu haben – ich verspreche, dir eine Tochter zu geben. Grž. Wohl hast du keinen Platz gefunden, dass du hier in diese Hölle, unser Gut, gekrochen bist! ŽemR I 325. Wer in den Schlamm gefallen ist, kommt nicht trocken heraus. Krp. Wenn du dich selbst nicht überlistet hast, wirst du keinen anderen liebkosen. Šts. Wenn es bis Aketė reicht, mach dir keine Sorgen um den Pelz. Ndz.

Partizipien des Präsens Passiv: Der Speck verdirbt, wenn man ihn nicht isst. BaltPV I 36. Was werden die Kinder, wenn sie nicht bestraft werden? Lp. Wenn du gejagt wirst, lauf; wenn es dir gegeben wird, nimm; wenn du geschlagen wirst, schweig. Vkš.

Partizipien des Präteritums Passiv: Dieses Buch wird zerfallen, wenn es nicht repariert wird. J (DŽ II 493). Es ist so schäbig, dass nicht einmal ein verjagter Hund hineingehen würde. Alvt. Salz würzt, wenn die richtige Menge hineingegeben wird; zu viel davon verdirbt das Essen. Vj.

Die Partizipien haben die Bedeutung einer Bedingung gewöhnlich in verallgemeinernden Sätzen, deren Prädikat im Futur, Konjunktiv oder Imperativ steht –

8 Vgl.: Wenn er sich etwas vornähme, würde er ihn in einem Löffel ertränken. Mrk, Rm, Dkš.

68

sagen Verben. Das Partizip, das sowohl erweitert als auch nicht erweitert sein kann, steht häufig mit einer Negation. Unter den passiven Partizipien, die in dieser Bedeutung nur gelegentlich verwendet werden, sind Konstruktionen mit dem Partizip dėtas recht typisch. Z. B.:

Wäre ich an Zosėts Stelle, würde ich Topylis nicht einmal schräg ansehen. ŽemR I 121. Und wäre sie an Petrone Stelle, würde sie nicht anders handeln. ŽemR II 215. Wäre ich von gleicher Größe, würde ich so eine nicht nehmen. J (DŽ II 308). Wäre ich an deiner Stelle, hätte ich anders gehandelt. Jabl. Wäre ich an deiner Stelle, hätte ich ihm ins Gesicht gespuckt. Skd. Wäre ich an ihrer Stelle, würde ich diesen verlausten Kerl nicht heiraten. Ss.

c) Konzessive Bedeutung.

Halbpartizipien: Du rennst, Mensch, und kommst doch nicht voran, du gehst und kommst doch nicht weiter, und hast trotzdem nichts. KrėvŠP 273. Džiugas sitzt... bei den kleinen Kindern und denkt nach, ohne sich etwas einfallen zu lassen. CvR V 54. Doch die Mädchen, die selbst noch Ammen brauchten, machten sich schon aus Lumpen bunte Puppen. DonR 30. Während er selbst weinte, beruhigte und tröstete er Grėtė. SimonVK I 207. Merkwürdig, wie wir beide, obwohl wir die verschiedensten Ansichten und Charaktere hatten, zusammenfanden. VienR I 212. Hier ist nun ein Prinz, der keinen Vater und keine leibliche Mutter mehr hat, aber eine Stiefmutter hatte. BsMt II 105. Allerlei Könige besiegen und erobern mich, obwohl sie weniger Heer haben. Dkš (BsP II 82).

Perfektische Aktivpartizipien. Er sucht, ohne es verloren zu haben. Dbk. Nachdem er nur einen Augenblick gearbeitet hatte, bekam er einen großen Lohn. Sr. Wenn man sich die Zähne abgenutzt hat, gewinnt man keinen Verstand. Slnt. Als ich einen solchen Weg gegangen war, hatte ich mir nur die Beine wundgelaufen. Zp. Ich werde nicht müde; nachdem ich vom Roggenbeet zurückgekommen bin, warum wirst du müde? Skr. Und dieser (Herr): hier geboren, hier aufgewachsen, vom Brot dieser Brachfelder gelebt – er kann das Wort seiner Heimat nicht aussprechen und mag es nicht! LzPR II 16. Die Gemeinde, die Niaura keinerlei Nutzen gebracht hatte, hinterließ ihm dennoch einen unauslöschlichen Makel. VaizgP III 48. In jener Mühle arbeitete ein Müller, in den ich mich schrecklich verliebte, ohne ihn je gesehen zu haben. SimonOBT 183.

Präsens-Passivpartizipien: Die Hügel stürzten ein, ohne zu grollen, die Linde neigte sich, ohne gebeugt zu werden. JV 912. Mein Vater wird weinen, ohne zum Weinen gebracht zu werden. JV 460. Nicht gerufen, nicht eingeladen, geht er überallhin und kommt wieder. Ds. Was wird nicht gemacht und geschieht doch? JablRR 304. Ich ergriff den Käse, ohne ihn zu bekommen. J (DŽ III 591). Der Hopfen wuchs dort, ohne gepflanzt zu werden. Dauk (DŽ I 111). Gesiegt haben jene, die (337), obwohl sie geschlagen und gejagt wurden, die Entschlossenheit bewahrten, weiterzukämpfen und irgendwann, vielleicht auch nicht so bald, zu siegen! Myk-PutS 337—338.

Präteritum-Passivpartizipien: Das Köpfchen des Waisenkinds liegt ungekämmt da. NS 1317. Das schwarze Rabenweibchen ist schwarz, nicht gefärbt. KlvD 160. Ich werde am Morgen aufstehen, ohne geweckt worden zu sein, werde meine Arbeit verrichten, ohne dazu angehalten worden zu sein. NS 175. Der Rabe ist schwarz, nicht gemacht. NS 104. Das Schaf ist gegeben, aber es greift noch nach dem Hahn. Kv.

In Sätzen mit affirmativen Prädikaten wird die Konzessivität häufig durch Partizipien in negativer Form ausgedrückt und umgekehrt. Die konzessive Bedeutung wird hier durch den Inhalt des Partizips oder der Partizipialkonstruktion und des übrigen Satzes hervorgerufen

69

Der Gegensatz, doch ist er meist ziemlich unbestimmt. Um ihn klarer zu beschreiben und zu differenzieren, verwendet man die Konjunktionswörter und, obwohl, wenn auch.

§ 22. In Konstruktionen, die Umstände bezeichnen, bleiben gewöhnlich die für Partizipial- und Halbpartizipialformen charakteristischen relativen Zeitbedeutungen erhalten. Nur wenn Kausalbeziehungen besonders hervorgehoben werden, wird das Zeitverhältnis zwischen der Haupthandlung und der Nebenhandlung bisweilen weniger deutlich empfunden. In solchen Fällen wird der semantische Gegensatz zwischen den Partizipien und Halbpartizipien des Präteritums Aktiv teilweise aufgehoben. Vgl. die Bedeutungen der Partizipien und Halbpartizipien des Präteritums Aktiv in den folgenden Sätzen:

Ohne Schweiß vergossen zu haben, wirst du nichts Gutes vollbringen. Dauk (DŽ II 303). — Wenn du einen alten Gegenstand kaufst, wirst du am Dienstag fürs Reparieren draufzahlen. Gs. Ich würde mich töricht verhalten, wenn ich eine solche Bande von Menschenfressern überfiele. Š (DŽ III 168). — Schwer würde ich sündigen, wenn ich anders dächte: Ihr wart meinen Eltern ein Waisenkind! LzPR II 64.

Die Bedeutungen der Umstände beeinflussen bisweilen auch den Aspekt der Partizipien. So werden aktive Partizipien des Präteritums, die Ursache, Bedingung oder Einräumung ausdrücken, häufiger als in anderen Fällen von nicht präfigierten Verben gebildet und haben keine perfektive Bedeutung. Z. B.: Der Brunnen von Vitėus, nahe der Straße gelegen, war ein beliebter Ort der Dorfmädchen. CvR III 223. Das weiß ich schon lange, nachdem ich so viele Jahre geritten bin und auf den Fronhöfen viele Tränen aller Art gesehen habe. DonR 132 (Kausalbedeutung). Wer Wasser getrunken hat, wird nicht betrunken sein. Rr. Wer nicht auf dem eigenen Pferd geritten ist, wird auch im Graben landen. Sim (Bedingungsbedeutung). Ein Mensch, der aus einem Baum gefallen ist, ruht sich aus, und ich, der ich einen so langen Weg gegangen bin, soll mich nicht ausruhen! Ėr. Kreuz und quer suchten wir, und doch fänden wir keinen solchen Beschützer! LzPR II 90 (Einräumungsbedeutung).

§ 23. Indem sie eine Nebenhandlung oder den aus ihr hervorgehenden Zustand des Handlungsträgers bezeichnen, erläutern Partizipien und Halbpartizipien häufig auch die Art der Haupthandlung.

Halbpartizipien: Was der Vater seufzend zusammengetragen hatte, das verlor der Sohn schreiend. Ppr 245. Ich bahnte einen Pfad, während ich umherging, und zerbrach eine kleine Brücke, während ich ritt. LTR. Katrė stimmte allem schweigend zu. SimonVK I 136. Der Ochse, wie du hörst, verdient sich sein Futter, indem er sich abmüht. DonR 36. Zu Hause begrüßte Grigas sie, böse schielend. KrėvR 31. Steponas Brička rauchte gierig und blies den Rauch durch die Nase aus. VencIGD 398.

Partizipien des Präteritums Aktiv: Der Teufel hat sich einen Sack voller Steine auf die Schultern geworfen und geht damit gebeugt. Pšš. Die Katze, zusammengekauert, schleicht sich an die Maus heran. Tr. Rozalija saß neben mir, die Ellbogen weit abgespreizt. BaltPV I 37. Langsam, in Gedanken versunken, schritt er dahin... Maš (DŽ I 190). Aber Snarjukes, die Lippen vorgestreckt, ließ die Pfeife brummen. DonR 69.

Partizipien des Präsens Passiv: Diese Stimme ist zu hören, wenn die Enten ungestört pickend umherlaufen oder in irgendeinem ruhigen Winkel des Sees schwimmen. IvanLP II 88. Jede Woche ging sie, von irgendeinem Mädchen geführt, von Hof zu Hof durch ihr Dorf. BilR I 243. Das Mädchen wuchs in Armut auf, von allen verspottet, verhöhnt und gehasst. Myk-PutS 26.

70

Partizipien des Passivs im Präteritum: Der Junge der anderen Bekannten rang und bemühte sich, unbemerkt an ihnen vorbeizuschlüpfen. AvyžlSK 41. An den Zaun gelehnt stand eine Peitsche, und in der Hand hielt der Junge einen alten Kalender. VencIR II 17—18. In Scheiben aufgeschichtet lagen die Kuchen. SimonVK I 11. (Vgl. auch die in §§ 7, 14, 16 zitierten Beispiele).

§ 24. Die hier angeführten Bedeutungen, die attributiv-prädikative Partizipien und Halbpartizipien im Satz haben können, sind nicht klar voneinander abgegrenzt. Sowohl in der Schriftsprache als auch in der Umgangssprache begegnen uns sehr häufig Sätze, in denen Partizipien Schattierungen mehrerer adverbialer Bedeutungen aufweisen oder unterschiedlich interpretiert werden können. So weist im Satz Wenn du einen Pelz aus dickem Schaffell trägst, wirst du nicht frieren (Svn) das Partizip mit seinen abhängigen Wörtern nicht nur auf die Zeit, sondern auch auf die Bedingung hin und erläutert zudem die Art der Haupthandlung. Zeit und Ursache werden gemeinsam durch die Partizipialkonstruktion im Satz Die Waben, mit Honig angefüllt, verstopften J. Solche Konstruktionen ermöglichen es, die Handlung des Hauptsatzes gleichzeitig von verschiedenen Seiten zu beschreiben, ohne ausdrücklich eine einzelne ihrer Umstandsbestimmungen anzugeben. Z. B.:

Bedeutungen von Zeit und Ursache: Wenn der Mensch in der Stube ist, wird er blass. Kp. Nachdem er sich unterwegs vollgegessen und geprügelt hatte, war der Alte gegen Ende der Reise schon merklich abgekühlt. VaižgR VII 191. Nachdem der Deutsche so viel Unrecht erfahren hatte, beschloss er ernsthaft, sich an dem Žemaiten zu rächen. CvR V 66. Vom Tau erquickt, freuen sich alle Dinge. PG (DŽ III 333). Drei starben, während sie ausgepeitscht wurden. ŽemR II 17.

Bedeutungen von Zeit, Ursache und Bedingung: Wer selbst hungrig ist, kann keinen Hungrigen satt machen. Pnd. Nachdem er ein Geschenk erhalten hat, freut sich der Mensch. Simon DŽ II 741. Ihr werdet nicht sterben, wenn ihr davon esst, sondern eure Augen werden sich öffnen. Val (DŽ II 200).

Bedeutungen von Zeit und Bedingung: Suchst du nach ihm, wirst du ihn nicht finden; rufst du, wirst du keine Antwort mehr erhalten; wartest du, wirst du vergeblich warten! ŽemR II 49. Hast du schlecht gehandelt, verzage nicht; hast du gut gehandelt, prahle nicht. TŽ III 38. Noch ganz anderes werdet ihr hören, wenn ihr länger mit ihm gesprochen habt. KrėvŠP 13.

Bedeutungen von Bedingung und Art und Weise: Wenn du langsam gehst, kommst du weiter. Ppr 223. Bis zu den Hüften im Wasser watend, kommt er hier nicht gegen die Strömung an. Grg.

Bedeutungen von Einräumung und Art und Weise: Doch eines Morgens stand ich, weil ich es nicht länger ertrug, immer die Letzte zu sein, auf, ohne geweckt worden zu sein. SimonNTP 20.

Bedeutungen von Zeit, Einräumung und Art und Weise: Bin ich etwa dumm, dass ich, von niemandem gezwungen, dorthin gehen würde, wo es mir, wie man sagt, nicht besonders gut gehen wird? KrėvR 257.

§ 25. Die adverbialen Bedeutungen der litauischen Partizipien sind nicht grammatikalisiert und verfügen über keine festgelegten Ausdrucksmittel. Die Position, die Beziehungen zum Prädikat des Satzes, der Aspekt des Partizips und andere formale Bedingungen tragen manchmal dazu bei, die eine oder andere Bedeutung stärker hervortreten zu lassen, spielen jedoch keine ausschlaggebende Rolle. Alle adverbialen Bedeutungen hängen in erster Linie von der lexikalischen Bedeutung des Partizips und der übrigen Wörter ab, die in die Partizipialkonstruktion eingehen, ferner vom Inhalt des ganzen Satzes und vom Kontext. Indem sie die Zeit, die Ursache, die Bedingung oder die Einräumung der Haupthandlung angeben oder deren Art erläutern, bewahren die Partizipien ihre doppelseitigen syntaktischen Beziehungen zum Subjekt und zum Prädikat und die Beziehung der Nebenhandlung

71

oder eine Zustandsbedeutung. Somit ist der Gebrauch von Partizipien zur Bezeichnung verschiedener Umstände der durch das Prädikat bezeichneten Handlung ein Bestandteil des attributiv-prädikativen Gebrauchs.

V

§ 26. An den attributiv-prädikativen Gebrauch schließen sich auch einige besondere Fälle des Gebrauchs von Partizipien Aktiv des Präteritums an.

a) Ein Partizip Aktiv des Präteritums, das unmittelbar mit einem Verb derselben Wurzel verbunden ist, hebt die von diesem bezeichnete Handlung hervor. Zum Beispiel:

Welche Art von Kellern es doch gibt, dass du den ganzen Tag gehst und gehst und die zugeschütteten Erdkeller noch immer nicht zu Ende bringst. Blv (DŽ II 771). Er geht und geht immer weiter. PP 330. Wozu weiterlaufen, ich ziehe den Wolf hinter mir her. Blv (DŽ II 771). Lauf und lauf nur herum. ŽemR I 31. Wie gut du doch getrunken hast; du betrinkst dich noch, und verkaufst dir die Mütze vom Kopf. JV 46. Trink nur, lieber Bruder, rauch und geh nach Hause. JD 72. Du wirst arbeiten und arbeiten, und nach der Arbeit kannst du dich ausruhen. BsMt II 16. Er wird erst eine Weile bleiben und dann nehmen, was immer er will. Skr.

Unter denselben Umständen verwendete Gerundien heben ebenfalls die durch die finite Verbform bezeichnete Handlung hervor und stehen in ihrer Bedeutung den entsprechenden Partizipien Aktiv des Präteritums nahe. Zum Beispiel:

Mein Mädchen, meine Junge, geh hinter mir her, indem du gehst. BsO 110. Laufend laufen wir über jene Hügel. Pžt 63. Arbeite, während du arbeitest, und kümmere dich nicht darum, wer wo redet. Er wird heimkehren, heimkehrend, hundert Joch Ochsen heimtreibend. KlpD 35. Der Kuckuck ruft, während er ruft, hoch oben auf einer Birke sitzend. JD II 821. Sehend sah ich die Bedrängnis meines Volkes. GNT Apd 7, 34.

Die relative Zeitbedeutung der hervorhebenden Partizipien Aktiv des Präteritums und der Gerundien ist nur sehr schwach ausgeprägt oder ganz verblasst; deshalb ist auch ihr semantischer Gegensatz nicht deutlich wahrnehmbar. In der heutigen Schriftsprache sind solche Partizipien und Gerundien recht unproduktiv.

b) Ein negatives Partizip des Präteritums, das zusammen mit Imperativformen eines Verbs derselben Wurzel steht, bezeichnet eine Alternative und hebt eine vom Sprecher als vergeblich abgetane Handlung hervor. Zum Beispiel:

Denk, ohne zu denken, es bleibt doch alles beim Alten — du musst gehen, und wirst gehen. Lp. Buckel dich ab, ohne dich zu buckeln, du wirst ihn ohnehin nicht fangen. Skr. Verrecke, ohne zu verrecken — das wirst du ganz gewiss nicht mehr verrecken (bekommen). Krtn. Säe, ohne gesät zu haben, solche Gerste, wenn sie nicht aufgeht (nicht keimt oder zugrunde geht)! Rs. Bereue, ohne bereut zu haben — einen Toten wirst du nicht wieder lebendig machen. Š (DŽ III 25).

Stehen negative Partizipien Aktiv des Präteritums jedoch zusammen mit Verben im Präteritum, haben sie keine deutlichere Alternativbedeutung und heben, ähnlich wie die oben genannten Partizipien ohne Verneinung, einfach die Prädikatshandlung hervor. Zum Beispiel:

Sie (die Feen) webten und webten, ohne zu weben, kamen aber nicht einmal ein Stück weiter. BsMt II 196. Dieser Mensch litt und litt, bis ihm die Geduld ausging. ŽemR II 15.

Ähnlich können auch die entsprechenden Gerundien gebraucht werden, z. B.: Scharen von Menschen... freuten sich, ohne sich freuen zu können. LzPR III 3.

72

c) In Verbindungen mit Verben anderer Wurzel (meist im Imperativ oder Konjunktiv) bezeichnet das negierte aktive Partizip des Präteritums eine vom Sprecher unerwünschte, verbotene oder dem Handlungsvollzug des Prädikats schlicht entgegengesetzte Handlung. Z. B.:

Hör sofort auf zu heulen, ohne dein Geheule ist es fröhlich! BaltPV I 59. Sei still, ohne weiter zu quasseln, du erreichst ohnehin nichts. V kš. Geh essen, ohne im Garten herumzuschlendern. Ūd. Geh hinaus, ohne dich in der Luft abzukühlen. Vj. Steh auf, ohne herumzutrödeln. Jn. Such lieber nach einem Netz, ohne zu jammern. Blv (DŽ II 262). Geh deiner Wege, ohne an die Tür zu klopfen. Klvr. Leg die Maultrommel weg, ohne hier neben meinem Ohr darauf zu spielen. Gs. Lass die Katze los, ohne sie zu drücken. Sn. Halt den Mund, ohne ihn abzukühlen. Grž. Geh in den Laden, ohne vor der Tür herumzustehen! Mrs. Steig aufs Bett, ohne herumzulungern! Rdm. Du, Mutter, warte, ohne zu spucken... KrėvR 18. Gib das Abendessen, ohne zu heulen! KapsAA 97. Geh an die Arbeit, ohne herumzukauen! Rs. Ach, mögest du dich verschlucken, ohne wie ein Hund zu bellen! Lnkv. Wirst du wohl still sein, ohne zu stottern? Grž. Warum bist du zu spät gekommen, ohne mit den anderen zusammen zu kommen? LzPR II 92.

Solche Partizipien Aktiv des Präteritums haben ebenfalls keine deutlichere Zeitbedeutung und werden den Halbpartizipien nicht gegenübergestellt. Die Formen der Halbpartizipien können ihrerseits gelegentlich auch die Bedeutung einer unerwünschten oder verbotenen Handlung haben, z. B.: Ach, wäret ihr doch zu Raben geworden, statt meine Kinder zu sein! (DŽ I 995).

In den hier angeführten Fällen (a, b und c) werden Partizipien Aktiv des Präteritums beider Aktionsarten verwendet. Sie bezeichnen eine vorangegangene, abgeschlossene Handlung und stehen ihrer Bedeutung nach den finiten Verbformen nahe, mit denen sie verbunden sind. In Verbindung mit Verben im Imperativ drücken sie eine Aufforderung oder einen Befehl aus, mit Verben im Futur eine zukünftige, beabsichtigte Handlung u. Ä., vgl.: Sag es ihm, ohne es erst gesagt zu haben — er lässt es zum einen Ohr hinein- und zum anderen wieder hinausgehen. Jnšk. — Sag es ihm immer wieder, er arbeitet doch stets an seiner eigenen Sache. Vvr. Somit haben sich diese Partizipien bereits deutlich von den anderen attributiv-prädikativen Partizipien entfernt und den prädikativen angenähert.

§ 27. Ein Übergangsglied zwischen attributiv-prädikativem und prädikativem Gebrauch sind Konstruktionen mit Nominativformen der Partizipien und Partikeln, Relativpronomen sowie anderen Verbindungselementen. In einigen davon präzisieren die Verbindungselemente (insbesondere die Partikeln) lediglich die adverbiale Bedeutung des Partizips, ohne dessen Satzfunktion im Wesentlichen zu verändern, z. B.: Das Feuer brennt auch, wenn es nicht geschürt wird. Šim. Hier verstrickt sich das Fohlen wieder ins Netz, kaum dass es von den fremden Pferden zurückgekehrt ist. CvR II 63. In anderen tritt besonders deutlich der verbale Charakter des Partizips hervor, sodass es zum Äquivalent finiter Verbformen wird, z. B.: Das Mädchen wäre hübsch, nur fängt es ständig etwas, kaum dass es etwas erwischt hat. Sml. Wo immer Petras Schritte ihn hinführten, wo immer er hinging, ließ sein Groll nicht nach. ŽemR I 204. Auch die Beziehungen dieser Partizipien zu den Partizipien Präsens und den Halbpartizipien sind etwas anders. Solche Konstruktionen mit Verbindungselementen nehmen im System der syntaktischen Ausdrucksmittel des heutigen Litauischen eine spezifische, ziemlich isolierte Stellung ein und bilden einen eigenen Untersuchungsgegenstand.

73

Schlussfolgerungen

1. Attributiv-prädikative Partizipien bilden einen eigenen Gebrauchstyp der Partizipien und nehmen eine Zwischenstellung zwischen attributiven und prädikativen Partizipien ein. Ihre wichtigsten Merkmale sind: a) die Doppelheit der syntaktischen Beziehungen zu Nomina und Pronomen sowie b) die Bedeutung einer Nebenhandlung oder eines Nebenzustands. Das Hervortreten dieser Bedeutung wird durch besondere morphologische (Transitivitäts- und Aktionsart-) sowie lexikalische Eigenschaften des Partizips begünstigt, aber auch durch syntaktische Bedingungen wie Stellung, Absonderung und Erweiterung durch abhängige Wörter.

2. Der attributiv-prädikative Gebrauch ist am typischsten für die Nominativformen der Partizipien Aktiv des Präteritums und der Halbpartizipien, deutlich weniger für die Nominativformen der Partizipien Passiv des Präsens und Präteritums. Die Nominativformen anderer Partizipien (z. B. der Partizipien Aktiv des Präsens) haben attributiv-prädikative Bedeutung nur in seltenen Konstruktionen reliktartigen oder übergangsartigen Charakters.

3. Die Nominativformen attributiv-prädikativer Partizipien zeichnen sich durch spezifische Beziehungen untereinander aus, die sich von denen entsprechender attributiver und prädikativer Partizipien unterscheiden. Sie werden auf der Grundlage zweier relativer Zeitbedeutungen und zweier Aktionsartbedeutungen einander gegenübergestellt. Das Halbpartizip, das weder mit attributiven noch mit prädikativen Partizipien korrelative Beziehungen aufweist, fungiert innerhalb der Nominativformen attributiv-prädikativer Partizipien als vollwertiges Systemmitglied mit zwei unterscheidenden semantischen Merkmalen: den Bedeutungen der Gleichzeitigkeit und des Aktivs.

4. Die Nominativformen der Partizipien Aktiv des Präteritums werden den Halbpartizipien als markierte Formen gegenübergestellt, die eine dem Hauptgeschehen vorausgehende und meist abgeschlossene Nebenhandlung bezeichnen. Diese semantische Opposition zwischen Partizipien Aktiv des Präteritums und Halbpartizipien wird teilweise in folgenden Fällen neutralisiert: a) wenn die relative Zeitbedeutung dieser Formen zurücktritt gegenüber der in den Vordergrund tretenden Bedeutung von Ursache, Bedingung, Einräumung oder Handlungsergebnis; b) wenn die Nominativform eines Partizips Aktiv des Präteritums oder ein Halbpartizip verwendet wird, um die durch eine finite Verbform bezeichnete Handlung hervorzuheben.

5. Die korrelativen Beziehungen der Halbpartizipien zu den Nominativformen attributiv-prädikativer Partizipien sind wahrscheinlich nicht ursprünglich. In älteren Schriftzeugnissen und Dialekten finden sich Belege dafür, dass die Halbpartizipien innerhalb des Systems attributiv-prädikativer Partizipien die zuvor gebrauchten Nominativformen der Partizipien Aktiv des Präsens verdrängt und ersetzt haben.

6. Attributiv-prädikative Partizipien bezeichnen eine Nebenhandlung (einen Nebenzustand) und geben häufig zugleich die Zeit, die Art und Weise, den Grund, die Bedingung oder die Einräumung der Haupthandlung an. Diese adverbialen Bedeutungen attributiv-prädikativer Partizipien und Halbpartizipien sind nur schwach differenziert, verfügen über keine festgelegten Ausdrucksmittel und hängen vor allem von der lexikalischen Bedeutung des Partizips (Halbpartizips) und der anderen in die Partizipialkonstruktion einbezogenen Wörter sowie vom Inhalt des gesamten Satzes und vom Kontext ab. Wenn Partizipien und Halbpartizipien Zeit, Grund, Bedingung oder Einräumung ausdrücken, behalten sie die wesentlichen attribut-

74

…tiv-prädikativen Gebrauchsmerkmale – doppelte syntaktische Beziehungen und die Bedeutung einer Nebenhandlung (eines Nebenzustands).

7. Ein Übergangsglied zwischen attributiv-prädikativem und prädikativem Gebrauch bilden Konstruktionen mit Partizipien und Halbpartizipien in betonter (emphatischer) Bedeutung sowie Konstruktionen mit Konnektoren.

ABKÜRZUNGEN

Al — Alytus

Alk — Alksnėnai, Kreis Vilkaviškis8

Als — Alsėdžiai, Kreis Plungė

Alv — Alovė, Kreis Daugai

Alvt — Alvitas, Kreis Kybartai

An — Anykščiai.

Arm — Armōniškės, Weißrussische SSR, Gebiet Grodno, Kreis Werenowo.

Aru — Litauische mundartliche Texte aus der Wilnaer Gegend. Mit grammatischen Anmerkungen von P. Arum a a. Dorpat, 1930.

AvyžISK — J. Avyžius, Į stiklo kalną, Vilnius, 1961.

B — Lexicon Germanico Lithvanicum et Lithvanico Germanicum... von Jakobo Brodowsky... I—II (in der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR aufbewahrtes Manuskript).

BaltPV — J. Baltušis, Parduotos vasaros, I, Vilnius, 1957.

BaranAŠ — A. Baranauskas, Anykščių šilelis, Vilnius, 1956.

BilR — J. Biliūnas, Raštai, I—II, Vilnius, 1954.

Blv — Schriften von Jonas Balvočius-Gerutis.

BM — Litauische Mundarten, gesammelt von A. Baranowski, Bd. I: Texte aus dem Weberschen Nachlass herausgegeben von Dr. F. Specht... Leipzig, 1920.

BrP I—II — Postille, das heißt eine kurze und einfache Auslegung des Evangeliums... Durch Jan Bretkunas... zu Königsberg... 1591.

Brt — Barfininkai, Kreis Vilkaviškis.

BsMt — J. Basanavičius. Lietuviškos pasakos, I—II, Shenandoah Pa, 1898—1902.

BsO — Ožkabalų dainos, surinko Dr. J. Basanavičius, Shenandoah Pa, 1902.

BsP — Verschiedene litauische Märchen, gesammelt von Dr. J. Basanavičius, I—IV. Chicago, 1903—1905.

ChB NT — Versionis Bibliorum in Lingvam Lithvanicam. Tomus VII. Novum Testamentum... Lithvanicā Lingvā donatum (B. Chilinskio biblijos Naujojo testamento rankraštis, paskelbtas leidinyje: Biblia litewska Chylińskiego, Nowy Testament, t. II — Text, wydali Cz. Kudzinowski—Jan Otrębski, Poznań, 1958).

CvR — P. Cvirka, Raštai, I—XI, Vilnius, 1949—1953.

Dauk — S. Daukanto raštai.

DB — Budą Senoves-Lëtuwiû Kalnienû ir Zamajtû iszrasze Pagal Senowes Rasztû Jokub’s Laukys, Petropilie, 1845.

Dbk — Debeikiai, Rajon Anykščiai.

Dkš — Daukšiai, Rajon Simnas.

DonR — K. Donelaitis, Raštai, Vilnius, 1950.

DP — Postilla Catholicka... Per Kuniga Mikaloiv Dauksza Kanonika Mėdniku iż łękiško perguldita... Wilniui... 1599.

8 Die Kreisbezeichnungen folgen der früheren Verwaltungsgliederung (vor 1962).

75

Ds — Dusetos.

DŽ — Wörterbuch der litauischen Sprache, I—VI, Institut für litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR, Vilnius, 1941—1962.

Ėr — Ėriškiai, Kreis Ramygala.

Erž — Eržvilkas, Kreis Skaudvilė.

GB — Die gotische Bibel, hrsg. von W. Streitberg, 2 Aufl., Heidelberg, 1919.

Grg — Gargždai, Kreis Klaipėda.

GrušD — J. Grušas, Dūmai, Vilnius, 1956.

Grv — Gervėčiai, Weißrussische SSR, Bezirk Molodečno, Kreis Astravas.

Grž — Grūžiai, Kreis Joniškėlis.

Gs — Geistarai (Didvyžiai), Kreis Vilkaviškis.

Gud-GuzKIT — A. Gudaitis-Guzevičius, Kalvio Ignoto teisybė, Vilnius, 1952.

IM — L. Ivinskis, Kalender oder Jahrbuch, 1846—1877.

IvanLP — T. Ivanauskas, Die Vögel Litauens, Vilnius.

J — Литовскій словарь А. Юшкевича съ толкованіемъ словъ на русскомъ и польскомъ языкахъ, I—III, Петроградъ, 1897—1922.

Jabl — Schriften von J. Jablonskis.

JablRR — J. Jablonskis, Ausgewählte Schriften, I—II, Hrsg. J. Palionis, Vilnius, 1957—1959.

JD — Litauische Lieder, aufgezeichnet von Antanas Juškevičę... I—III, Казань, 1880—1882.

Jnšk — Joniškėlis.

JV — Lietuviškos svotbinės dainos, užrašytos par Antaną Juškevičę... Petropylė, 1883.

K — Littauisch-deutsches Wörterbuch von F. Kurschat, Halle a. S., 1883.

Kin — Kintai, Kreis Šilutė.

KlpD — Klaipėdiškių dainos, surinko J. Pakalniškis, Vilnius, 1908.

KlvD — Prusijos lietuvių dainos, surinko V. Kalvaitis, Tilžėje, 1905.

Klvr — Kalvarija.

Kn — Umgebung von Kaunas.

Kp — Kupiškis.

Kps — Kapsūkas.

KrėvR — V. Krėvė, Raganius, Vilnius, 1958.

KrėvSP — V. Krėvė, Šiaudinėj pastogėj, Kaunas, 1940.

Krk — Krakės, Rajon Dotnuva.

Krp — Kruopiai, Rajon Žagarė.

Krtn — Kretinga.

Kudirk — Schriften von V. Kudirka.

Kv — Kvėdarna, Rajon Šilalė.

LKK — Fragen der litauischen Sprachwissenschaft, Vilnius (seit 1957).

Lp — Leipalingis, Rajon Veisiejai.

LT — Litauisches Volk, I—V, Vilnius, 1907—1936.

LTR — Handschriftenarchiv litauischer Volksüberlieferung am Institut für Litauische Sprache und Literatur.

LzPR — Schriften von Lazdynų Pelėda.

LzP — Lazdynų Pelėda, Schriften, I—VII, Vilnius, 1954—1955.

M — M. Miežinis, Lietuviszkai-latviszkai-lenkiszkai-rusiszkas žodynas, Tilžėje, 1894.

Maš — Schriften von Pranas Mašiotas.

Myk. PutS — V. Mykolaitis-Putinas, Sukilėliai, I, Vilnius, 1957.

MPs — Märchensammlung. Manuskript, von K. Būga von J. Murka erhalten.

Mrk — Merkinė, Rajon Varėna.

Mrs — Miroslavas, Rajon Alytus.

76

MŽ — Littauisch-deutsches und Deutsch-litauisches Wörter-Buch... von Christian Gottlieb Mielcke... Königsberg, 1800.

N — Wörterbuch der Littauischen Sprache von G.H.F. Nesselmann, Königsberg, 1851.

Ndz — Nedingė, Rajon Varėna.

Nj — Naujamestis, Rajon Panevėžys.

Nmn — Nemunaitis, Rajon Alytus.

NS — A. R. Niemi ir A. Sabaliauskas, Lietuvių dainos ir giesmės, Ryga, 1911.

O — Schriften von K. Aleknavičius (Olechnowicz).

Pc — Pociūnėliai, Rajon Šeduva.

PG — Die erneut durchgesehenen Gesangbücher von Pagėrinta... von F. Kurszat verlegt, Königsberg, 1888.

Pl — Palėvenė, Rajon Kupiškis.

Pln — Plungė.

Plng — Palanga.

Plv — Pilviškiai, Rajon Vilkaviškis.

Pn — Panevėžys.

PP — Pasakos apie paukščius... hrsg. von H. Scheu... und A. Kurschat, Heidelberg, 1913.

Ppr — Sprichwörter und Redensarten, Vilnius, 1958.

Prk — Priekulė.

Pšš — Pašušvys, Rajon Radviliškis.

Pžt — Dialekt der Fischer von Pajūris.

R₁ — Ph. Ruhig, Betrachtung der Littauischen Sprache, Königsberg, 1747.

Rdm — Rudamina, Rajon Lazdijai.

Rm — Ramygala.

Rs — Raseiniai.

Rz — Rozalimas, Rajon Pakruojis.

SchG — A. Schleicher, Litauische Grammatik, Prag, 1856.

Sim — Sammlung von Sprichwörtern von Simutis (Quelle von F. Sragis).

Simon — Schriften von I. Simonaitienė.

Simon NTP — I. Simonaitýtė, Ne ta pastogė, Vilnius, 1962.

SimonOBT — I. Simonaitýtė, O buvo taip, Vilnius, 1960.

SimonR — I. Simonaitýtė, Schriften, I—VI, Vilnius, 1957—1958.

SimonVK — I. Simonaitýtė, Vilius Karalius, I—II, Vilnius, 1956.

Skd — Skuodas.

Skp — Skapiškis, Rajon Pandėlys.

Skr — Skirsnemunė, Rajon Jurbarkas.

Sl — Sālos, Rajon Rokiškis.

Slk — Šalakas, Rajon Dūkštas.

Slnt — Salantai.

SluckGMN — M. Sluckis, Geriau mums nesusitikti, Vilnius, 1961.

Sml — Smilgiai, Rajon Šeduva.

Sn — Seinai, Volksrepublik Polen, Kreis Suwałki.

Snt — Sintautai, Kreis Kudirkos Naumiestis.

Ss — Sasnava, Kreis Kapsukas.

Sr — von Feliksas Sragis gesammeltes Material, das sich im Zettelkasten des Wörterbuchs der litauischen Sprache befindet.

Srj — Seirijai, Kreis Lazdijai.

Srv — Surviliškis, Kreis Dotnuva.

Sv — Svėdasai, Kreis Anykščiai.

Svn — Suvainiskis, Kreis Pandėlys.

Š — J. Šlapelis, Lietuvių ir rusų kalbų žodynas, Vilnius, 1921. Ta pačia santrumpa žymimi ir kiti J. Šlapelio raštai.

77

Šil — Šilavōtas, Kreis Prienai.

Škn — Šakýna, Kreis Žagarė.

Šll — Šilalė.

Šn — Šunskai, Kreis Kapsukas.

Šts — Šatės, Kreis Skuodas.

Švnč — Švenčionys und Švenčionėliai.

Tl — Telšiai.

Tr — Traupis, Kreis Troškūnai.

Tsp — Sowjetische Presse.

TŽ — Tauta ir Žodis, eine Publikation der Fakultät für Geisteswissenschaften, I—VII, Kaunas, 1923—1931.

Ūd — Ūdrija, Kreis Simnas.

W — Postille... Prez D. Jakoba W v y k a... w Krakowie... 1617.

VaičR — P. Vaičaitis, Rinktinė, Vilnius, 1956.

VaižgP — Vaizgantas, Pragiedruliai, Kaunas, 1942.

VaižgR — Schriften von Vaižgantas.

VaižgRR — Vaizgantas, Ausgewählte Schriften, Vilnius, 1957.

Val — Schriften von M. Valančius.

ValPŽK — Büchlein für herangewachsene Menschen von Joteiko, 1868.

ValVK — Büchlein für Kinder mit Bildchen, 1868.

VenclEV — A. Venclova, Epochos vėjas, Vilnius, 1962.

VenclGD — A. Venclova, Gimimo diena, Vilnius, 1959.

VenclR — A. Venclova, Raštai, I—III, Vilnius, 1955.

Vien — Schriften von A. Vienuolis.

VienR — A. Vienuolis, Schriften, I—VII, Vilnius, 1953—1955.

Vj — Vajasiškis, Kreis Zarasai.

Vkš — Viekšniai, Kreis Akmenė.

Vlk — Valkininkai, Kreis Eišiškės.

Vp — M. Valančius, Patarles Zemajcziu, Tilžėje, 1867.

Vv — Veiveriai, Kreis Kazlų Rūda.

Vvr — Veiviržėnai, Kreis Priekulė.

Zogr — Quattuor evangeliorum codex glagoliticus olim Zographensis nunc Petropolitanus... edidit V. Jagić, Berolini, MDCCCLXXIX.

Zp — Zapyškis, Kreis Kaunas.

Žal — Žalioji, Kreis Vilkaviškis.

ŽemR — Žemaitė, Schriften, I—VI, Vilnius, 1956—1957.

ŽemR₁ — Schriften von Žemaitė, Kaunas—Marijampolė, 1924.

ŽS — Żiwataj szwętuj... Wilnuj 1861.

Zvr — Žvirgždžiai, Kreis Kudirkos Naumiestis.

ATTRIBUTIV-PRÄDIKATIVE VERWENDUNG DER PARTIZIPIEN DER LITAUISCHEN SPRACHE

В. АМБРАЗАС

Zusammenfassung

Die attributiv-prädikative Verwendung der Partizipien ist durch folgende Hauptmerkmale gekennzeichnet: a) doppelte syntaktische Beziehungen zu Substantiven oder Pronomen und zu den persönlichen Verbformen in der Funktion des Prädikats; b) die Bedeutung einer sekundären Handlung oder eines Zustands. Partizipien dieses Typs weisen eine große semantische Vielfalt auf. Zu diesem Typ gehören die sogenannten appositiven Partizipien mit der Bedeutung einer sekundären Handlung, Konstruktionen vom Typ accusativus cum participio, nominativus cum participio u. a. Am häufigsten treten in attributiv-prädikativer

78

Verwendung Partizipialformen im Nominativ auf, die auch im vorliegenden Artikel untersucht werden.

Die attributiv-prädikative Verwendung ist am typischsten für aktive Partizipien der einmaligen Vergangenheit und die sogenannten Halbpartizipien, weit weniger hingegen für passive Partizipien der Gegenwart und Vergangenheit. Nominativformen aktiver Partizipien der Gegenwart in attributiv-prädikativer Verwendung finden sich nur in seltenen Konstruktionen relikthaften oder intermediären Charakters (z. B. mit verbindenden Wörtern).

Die Nominativformen attributiv-prädikativer Partizipien bilden ein spezifisches System von Oppositionen, das sich vom System attributiver und prädikativer Partizipien unterscheidet. Sie werden anhand relativer Zeitbedeutungen (Bedeutung der Gleichzeitigkeit – Bedeutung der Vorzeitigkeit) und des Genus verbi (Bedeutung des Aktivs – Bedeutung des Passivs) einander gegenübergestellt. Das Halbpartizip, das keinerlei korrelative Beziehungen zu attributiven oder prädikativen Partizipien aufweist, fungiert im System attributiv-prädikativer Partizipien als gleichberechtigtes Glied mit zwei distinktiven Merkmalen: den Bedeutungen der Gleichzeitigkeit und des Aktivs (siehe die Oppositionstabellen auf S. 64).

Die Korrelation der Halbpartizipien mit den Nominativformen der Partizipien in attributiv-prädikativer Verwendung ist offenbar nicht ursprünglich. Die Zeugnisse alter Schriftdenkmäler und Dialekte weisen darauf hin, dass die Halbpartizipien in dieser Funktion ältere Formen aktiver Partizipien der Gegenwart ersetzt und verdrängt haben.

Attributiv-prädikative Partizipien bezeichnen eine sekundäre Handlung (einen Zustand) und weisen häufig auch auf die Art der Haupthandlung oder deren kausale Zusammenhänge hin (Bedeutungen von Ursache, Bedingung und Einräumung). Diese Bedeutungen sind nur schwach differenziert, verfügen über keine eindeutigen Ausdrucksmittel und hängen vor allem von der lexikalischen Bedeutung des Partizips (Halbpartizips) und der anderen Wörter in der Partizipialkonstruktion, vom Inhalt des gesamten Satzes und vom Kontext ab. Bei diesen Bedeutungen behalten Partizipien und Halbpartizipien die wesentlichen Merkmale der attributiv-prädikativen Verwendung bei: die doppelten syntaktischen Beziehungen und die Bedeutung einer sekundären Handlung (eines Zustands).

Ein Übergangsglied zwischen attributiv-prädikativer und prädikativer Verwendung bilden Partizipien und Gerundien mit emphatischer Bedeutung sowie Konstruktionen mit verbindenden Wörtern.

79

Document details