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LIETUVIŲ KALBOS GRAMATINĖ SANDARA

LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

STRUKTUR DER ZUSAMMENGESETZTEN VERBALFORMEN DER LITAUISCHEN LITERATURSPRACHE

N. ŠLIŽIENĖ

§ 1. Die zusammengesetzten Tempus- und Modusformen des litauischen Verbs bestehen aus dem Nominativ des aktiven oder passiven Partizips im Präsens oder Präteritum eines Verbs mit selbstständiger lexikalischer Bedeutung und den konjugierten Formen des Hilfsverbs būti ‚sein‘. Mit aktiven Partizipien werden Aktivformen gebildet, mit passiven Partizipien Passivformen.

Zusammengesetzte Formen, die mit aktiven Partizipien des Präteritums und passiven Partizipien der Vergangenheit gebildet werden, heißen perfektivische Formen, z. B.: ich habe gesandt, du hast gesandt (m./f.), ich bin gesandt; ich hatte gesandt, du hattest gesandt (m./f.), ich war gesandt; ich hätte gesandt, du hättest gesandt (m./f.), ich wäre gesandt.

Zusammengesetzte Formen, die mit Präsenspartizipien Aktiv mit dem Affix be- gebildet werden, heißen ingressivische Formen, z. B.: ich war gerade am Senden (m./f.), ich werde gerade am Senden sein (m./f.), ich wäre gerade am Senden (m./f.).

Neben den zusammengesetzten passiven Perfektformen gibt es auch zusammengesetzte Passivformen, die mit Präsenspartizipien Passiv gebildet werden, z. B.: ich werde gesandt, ich wurde gesandt, ich wurde gewöhnlich gesandt.

Die Bestandteile zusammengesetzter Verbformen und ihr Verhältnis zueinander

§ 2. Der Haupt- und wichtigste Bestandteil der zusammengesetzten Verbformen ist das Präsens- oder Präteritums-Partizip, da es eine selbstständige lexikalische Bedeutung hat und angibt, von welchem Verb die zusammengesetzte Form gebildet ist. Von den Partizipien hängen die Art der zusammengesetzten Formen und zum Teil die Tempusbedeutung der zusammengesetzten Perfektformen ab, die deshalb mit zwei Zeitebenen verbunden ist1. Die Tempusbedeutung der übrigen zusammengesetzten Formen hängt ausschließlich vom Hilfsverb ab.

1 Zusammengesetzte Perfektformen bezeichnen einen zu einem bestimmten Zeitpunkt andauernden Resultatszustand, der infolge einer früheren Handlung entstanden ist. Der Resultatszustand gehört einer, der Hauptzeitebene an; diese wird durch die Formen des Hilfsverbs angezeigt. Die durch die Partizipwurzel bezeichnete Handlung, durch die der Zustand erreicht wurde, gehört einer anderen, früheren Zeitebene an, die untergeordnet und nebensächlich ist. Das Verhältnis des Resultatszustands zur früheren Zeitebene wird durch das in die zusammengesetzten Formen eingehende Partizip der Vergangenheit bestimmt. Zu dieser Hauptbedeutung sowie zu weiteren Bedeutungen der zusammengesetzten Perfektformen siehe N. Šližienė, Apie sudurtines atliktines veiksmažodžio laikų ir nuosakų formas lietuvių literatūrinėje kalboje, in: Lietuvių kalbos morfologinė sandara ir jos raida, Vilnius, 1964, S. 81—95.

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Die Partizipien des Präsens und des Präteritums, die Bestandteil zusammengesetzter Verbformen sind, unterscheiden sich ihrer Form nach gewöhnlich nicht von den in anderen Fällen verwendeten Partizipien des Präsens und des Präteritums, die im Satz eine Nebenhandlung ausdrücken und als Attribut, Prädikativ oder nominaler Teil des zusammengesetzten Prädikats auftreten. Sie weisen stets Merkmale für Genus, Numerus und Kasus auf. Zwar werden als Attribute meist die längeren Nominativformen des Maskulinums der Partizipien Präsens Aktiv verwendet (z. B. der abfahrende Zug), während zusammengesetzte Formen gewöhnlich mit den Kurzformen gebildet werden (z. B. war gerade abgefahren); dies ist jedoch nur eine Tendenz und keine gefestigte Sprachnorm.

Die Partizipien, die Bestandteil zusammengesetzter Formen sind, unterscheiden sich in ihrer Bedeutung von attributiven Partizipien des Präsens und des Präteritums. Partizipien in attributiver Funktion bezeichnen eine Eigenschaft eines Gegenstands, die sich aus einer gerade ablaufenden oder abgeschlossenen Handlung ergibt; dieselben Partizipien bezeichnen, wenn sie mit dem Hilfsverb būti zu einer zusammengesetzten Form verbunden sind, keine Eigenschaft des Gegenstands, sondern geben lediglich an, was der Gegenstand getan hat, getan hatte, was mit ihm getan wird usw. Die Bedeutung der Eigenschaft ist hier verblasst, während die Bedeutung der Handlung hervortritt. Als Spur der Eigenschaftsbedeutung bleibt neben der Handlungsbedeutung in vielen Fällen nur die mehr oder weniger spürbare Bedeutung eines durch diese Handlung entstandenen Zustands erhalten.

§ 3. Die Partizipien zusammengesetzter Formen stimmen im Satz mit dem Subjekt überein, z. B.: Der Vater ist weggefahren, die Tochter war gerade im Begriff hinauszugehen, die Gäste werden eingeladen sein, die Bücher wären gelesen usw. Diese Kongruenz bedeutet jedoch keine qualitativen Beziehungen zwischen Subjekt und Prädikat, denn zusammengesetzte Formen bezeichnen nicht, wie ein Gegenstand beschaffen ist, sondern was er tut oder dass an ihm selbst eine Handlung vollzogen wird.

Wenn im Satz kein Subjekt im Nominativ vorkommt, steht in der zusammengesetzten Form ein Partizip des Neutrums, z. B.: Es hatten sich viele Menschen versammelt; Es begann, kalt zu werden; Es wird allerlei gesprochen; Es wird nichts Weiteres gesagt werden usw. Zusammengesetzte Formen mit einem Partizip Aktiv des Neutrums werden recht häufig auch neben Subjekten in weiblichen Pluralformen verwendet, z. B.: Die Hühner hatten die Keime ausgekratzt; Die Mädchen hatten gerade angefangen zu lachen usw.2

Zur Bildung zusammengesetzter Formen werden gewöhnlich die kurzen Nominativformen des Maskulinums der Partizipien Aktiv verwendet: ist gegangen, war gerade am Gehen usw. In den Dialekten kommen jedoch zusammengesetzte Formen mit längeren Formen der Partizipien Präsens vor.

Der Vater war gerade dabei, zu essen, als irgendjemand ans Fenster klopfte. Skp (DAK). Der Roggen war so üppig gewachsen (seit dem Herbst), dass er bereits Ähren (Kolben) trieb. Grg (LKŽ VI 824). Leg irgendetwas hin, gleich werden die Kinder daran herumfummeln. Vvr (LKŽ VI 208)3

2 Auch aus historischer Sicht sind Partizipien in Maskulinum-Pluralformen, die ihrem Ursprung nach Nominative des Neutrums Singular sind, nicht mit dem Subjekt kongruent; siehe J. Endzelynas, Baltų kalbų garsai ir formos, Vilnius, 1957, S. 205.

3 J. Balčikonis verwendet in seinen Übersetzungen recht viele solcher Formen aus den Dialekten (z. B.: ich war gerade am Laufen BalčHP₁ 49, er war gerade am Hinaufsteigen BalčHP₁ 330, er war gerade am Machen BalčHP₁ 15 u. a.).

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§ 4. Partizipien weisen Eigenschaften des Verbs und des Adjektivs auf. Wenn die adjektivischen Eigenschaften die verbalen überwiegen, haben die Partizipien weder eine Handlungsbedeutung noch die Bedeutungen verbaler Kategorien und sind den Adjektiven gleichzustellen, z. B.: ein untaugliches Messer, ein misslungener Aufsatz, ein zufriedenes Kind, ein verschlagener Mensch, ein passendes Kleidungsstück usw.

Häufig weisen dieselben Partizipien in einem Fall ausgeprägte verbale, in einem anderen dagegen ausgeprägte adjektivische Eigenschaften auf, vgl.: ištįžęs (d. h. nachlässig, untätig) žmogus und ištįžęs molis (d. h. Ton, der sich ausgedehnt hat), nuleisti (d. h. nachgiebige) pečiai und nuleista lovatiesė (d. h. eine Tagesdecke, die jemand heruntergelassen hat), ariama žemė (d. h. 1. ein Boden, der sich zum Pflügen eignet, der gepflügt werden kann; 2. ein Boden, der gerade gepflügt wird).

Partizipien mit ausgeprägten adjektivischen Eigenschaften bilden mit dem Verb būti keine zusammengesetzten Formen. Sie bezeichnen eine Eigenschaft des Gegenstands und drücken als Prädikat oder als nominaler Teil des Prädikats in Verbindung mit dem Subjekt qualitative Beziehungen aus.

Die Bedeutungsvielfalt der Partizipien ist für die Abgrenzung zusammengesetzter Formen besonders wichtig: Nicht alle Partizipien des Präsens und Präteritums bilden sie, sondern nur diejenigen mit klar ausgeprägten verbalen Eigenschaften, die beim Zusammenschluss der Partizipien mit dem Hilfsverb būti noch stärker hervortreten und die adjektivischen Eigenschaften überwiegen.

§ 5. Der andere Bestandteil der zusammengesetzten Formen sind die flektierten Formen des Verbs būti. Dieser Bestandteil erfüllt ausschließlich eine Hilfsfunktion: Ohne irgendeinen Einfluss auf die lexikalische Bedeutung der zusammengesetzten Formen zu haben, verleiht er ihnen die Bedeutung von Verbalmodus, Person, Numerus4 und die grundlegende Zeitbedeutung.

Das Verb būti ist das abstrakteste aller Verben und unterliegt daher leichter als andere dem Prozess der Desemantisierung. Deshalb wird es im Litauischen, wie seine Entsprechungen in anderen Sprachen, nicht nur in seiner selbstständigen Bedeutung, sondern auch als Kopula eines zusammengesetzten Prädikats verwendet, die nach dem Verlust ihrer lexikalischen Bedeutung dazu beiträgt, die prädikative Beziehung zwischen Subjekt und Prädikat auszudrücken5. Die zusammengesetzten Verbformen des Litauischen sind, ähnlich wie die der slawischen Sprachen, vermutlich einst aus zusammengesetzten Prädikaten hervorgegangen6; daher ist das Verb būti auch Bestandteil zusammengesetzter Formen.

In seiner Funktion steht das Hilfsverb den Endungen der flektierten Verbformen nahe, weist jedoch die Struktur eines selbstständigen Wortes auf: Es besteht aus einem Stamm und Personalendungen, die die Kategorien Zeit, Modus, Person und Numerus anzeigen, ist also ebenfalls ein eigenständiges

4 Partizipien weisen ebenfalls eine Numerusbedeutung auf, doch ist diese nominal und mit dem Kasus verbunden; der Numerus der Verben ist anders, er ist mit der Personenbedeutung verbunden.

5 Plg. А. С. Пешковский, Русский синтаксис в научном освещении, Москва, 1956, p. 220; Из трудов А. А. Шахматова по современному русскому языку, Москва, 1952, p. 77; Грамматика русского языка, т. II, ч. II, Изд-во АН СССР, Москва, 1960, p. 414; K. Brugmann, Die Syntax des einfachen Satzes im Indogermanischen, Berlin und Leipzig, 1925, p. 69—77.

6 Plg. А. А. Потебня, Из записок по русской грамматике, т. I—II, Москва, 1958, p. 119; К. А. Тимофеев, К истории форм прошедшего времени русского глагола, «Ученые записки Благовещенского гос. пед. и учит. ин-та им. М. И. Калинина», т. 2, Благовещенск, 1941, p. 73.

5. Lietuvių kalbos gramatinė sandara

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Wort, wie auch das vollbedeutende Verb būti. Nur die Formen des vollbedeutenden Verbs būti sind selbstständig, während die Formen des Hilfsverbs būti die grammatischen Kategorien der gesamten zusammengesetzten Form anzeigen. So behält, wie O. Achmanova festgestellt hat, das Hilfsverb unter technischem Gesichtspunkt die Eigenschaften eines Wortes, verliert sie jedoch unter semantischem Gesichtspunkt und wird zum „Formans“ anderer Wörter7.

Das Hilfsverb būti ist der wichtigste, aber nicht der einzige Träger der grammatischen Bedeutung zusammengesetzter Formen. Zusammengesetzte Formen, die mit demselben Hilfsverb, aber mit unterschiedlichen Partizipformen gebildet werden, haben unterschiedliche grammatische Bedeutungen; folglich hängt die grammatische Bedeutung der zusammengesetzten Form auch vom Partizip ab.

§ 6. Unter allen Formen des Hilfsverbs būti heben sich einige Präsensformen esti, būna, būva sowie die Form des iterativen Präteritums būdavo hervor. Den genannten Präsensformen ist neben der Präsensbedeutung häufig auch die Bedeutung der Wiederholung einer Handlung eigen, während diese Bedeutung den Formen des iterativen Präteritums stets eigen ist.

Der Form būdavo verleiht, wie allen Formen des iterativen Präteritums, das Suffix -dav- die Bedeutung der Wiederholung einer Handlung. Diese Bedeutung des Suffixes -dav- ist grammatikalisiert und unterscheidet die Formen des iterativen Präteritums von den Formen des einfachen Präteritums. Būdavo ist eine Form des Verbs būti und kann, ebenso wie die Formen desselben Verbs yra, buvo, bus, mit Partizipien zusammengesetzte Verbformen bilden, die den entsprechenden einfachen Formen entsprechen (pasiųsdavo — būdavo pasiunčiamas, būdavo pasiųstas, būdavo pasiuntęs)8.

Die Bedeutung der Wiederholung einer Handlung bei den Präsensformen esti, būna, būva hängt vom Kontext ab.

Zusammengesetzte Formen, die aus den Hilfsverbformen esti, būna, būva, būdavo und Partizipien gebildet werden, haben meist die Bedeutung der Wiederholung einer Handlung. Es ist darauf hinzuweisen, dass in manchen Fällen die als erstes Glied fungierenden Formen esti, būna, būva, būdavo weniger eng mit dem zweiten Glied verbunden sind. Die Präteritalpartizipien weisen, wenn sie mit diesen Hilfsverbformen zusammengesetzte Perfektformen bilden, im Vergleich zu den Fällen, in denen sie dieselben zusammengesetzten Formen mit anderen Präsens- und Präteritalformen des Hilfsverbs bilden, eine deutlich schwächer ausgeprägte

7 O. S. Achmanova, Zur Frage der Wortverbindung im modernen Englischen, „Izvestija der Akademie der Wissenschaften der UdSSR“, Nr. 6, 1950, S. 470.

8 S. Gruzdeva behauptet, dass die Form būdavo im Litauischen eine lexikalische Bedeutung habe und deshalb keine Hilfsverbfunktionen erfüllen könne; siehe ihre Синтаксические функции причастий в современном литовском языке, kand. диссертация, Ленинград, 1949, p. 132 (Maschinenschrift). Die russische Verbform бывал, die der Bedeutung nach dem litauischen būdavo ähnelt, wird tatsächlich nicht als Hilfsverb betrachtet. Sie ist jedoch nicht eine Form des Verbs быть, sondern des Verbs бывать. Das Verhältnis zwischen den russischen Verben быть und бывать ist ähnlich wie das zwischen den litauischen Verben šokti und šokinėti, nešti und nešioti usw. Somit sind das litauische būdavo und das russische бывал unterschiedliche Dinge.

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die Bedeutung einer früheren Handlung und eine deutlich ausgeprägtere Bedeutung des durch diese Handlung erreichten resultativen Zustands, vgl.:

Es taut auf, und Rapolienė beendet den Streit beinahe mit einem Gebet, wenn Rapolas zu jener Zeit fortgegangen ist. VaizgDD 94. Einer (der Söhne) ist als Schwiegersohn nach Stakliškės gegangen. Nmj (DT).

Im gebirgigen Norden Georgiens, wo die Erde neun Monate im Jahr schneebedeckt ist,... stand das alte, wohlhabende Kloster der heiligen Nina. VienR I 25. All diese Schichten sind offenbar von den Meereswellen abgelagert worden. D (LKŽ VI 158).

Die Frauen sind, ehrlich gesagt, hier sehr hübsch: In der Kirche pflegen sie sich mit Kopftüchern, mit rundherum bestickten Tüchern und mit bunt gefärbten, selbst gewebten Röcken zu kleiden. ValPJ 26. Ich habe mich dick angezogen. Šts (LKŽ II 198).

Die Leute kauften gern bei ihr, denn sie war stets sauber gekleidet und verstand es, ihre Waren ansprechend auszulegen und vorzuführen. BalčHP I 140. Die Männer waren in Pelze oder graue Tuchmäntel mit Taillennaht gekleidet. ValPJ 26.

Folglich sind die Partizipien der Vergangenheit in zusammengesetzten perfektiven Formen mit esti, būna, būva, būdavo ihrer Bedeutung nach den attributiven Partizipien der Vergangenheit weniger fern; solche zusammengesetzten Formen sind daher weniger grammatikalisiert.

§ 7. Zusammengesetzte Formen des Konjunktivs werden nicht nur mit einfachen, sondern auch mit zusammengesetzten perfektiven Formen des Hilfsverbs gebildet, z. B.: būtų buvęs pasiuntęs, būtų buvęs pasiųstas, būtų buvusi siunčiama9. Diese Formen zeichnen sich durch eine ausgeprägte Bedeutung einer unwirklichen vergangenen Handlung oder eines unwirklichen vergangenen Zustands aus; darin unterscheiden sie sich von den entsprechenden zusammengesetzten Konjunktivformen, die mit einfachen Formen des Hilfsverbs gebildet werden und in dieser Bedeutung entweder überhaupt nicht gebraucht werden oder sie nur in einem bestimmten Kontext haben können10, vgl.:

Damit er besser versorgt wäre, wäre er nicht von dort fortgelaufen, um Brot zu suchen. JablRR I 319. In unserer Gegend gäbe es viel mehr Enten, wenn für sie gesorgt würde. IvanLP II 73.

Ach, das Glück: Das Ziel, auf das er viele Jahre hingearbeitet hatte, war so nah und so erreichbar, dass nur noch eine Kleinigkeit, etwas Unbedeutendes, zu tun war, und es wäre erreicht worden. VienR V 403. Wäre er einer von den Großen gewesen, wäre dem Kind geholfen worden... ŽemR I 371. Wenn die deutschen Proletarier heute die Macht in ihre Hände nähmen, wäre die Besatzung, wie du siehst, abgeschafft. Gud-GuzKIT 158.

9 In der Grammatik von J. Jablonskis finden sich auch derartige Formen des Konjunktivs mit begonnenem Vorgang: būtų beeinąs buvęs, būtum berašęs buvęs, siehe J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, I, Vilnius, 1957, S. 319.

10 Näheres zur Bedeutung der einen wie der anderen zusammengesetzten Konjunktivformen siehe N. Sližienė, Sudurtinės veiksmažodžių formos lietuvių literatūrinėje kalboje, Dissertation zur Erlangung des Kandidatengrades, Vilnius, 1964, §§ 91—98, 125, 130 (Typoskript).

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Niemand erinnert sich, dass sie (die Hunde) jemals etwas so angegriffen hätten, indem sie knurrten und weiterknurrten, als hätte sie jemand dazu angestiftet. CiurlRR III 73. Auf allen Gesichtern war eine gewisse Leichtigkeit zu sehen, als wären sie zu einem Maifest zusammengekommen. CvR VIII 44. „Du sprichst, als hättest du Traušys ‚Brief‘ gelesen“, spottet Gervinas. SimonVK I 333.

Gelegentlich kommen auch so gebildete zusammengesetzte Formen des Indikativs vor, doch sind sie sehr selten.

Ich bin zu den Mädchen gefahren. Klp (DAK). Die Mädchen in jenem Alter waren alle schon verliebt gewesen, glücklich oder unglücklich. SimonVK I 217. Bis zu diesem Jahr habe ich zusammengelebt, aber ich bin noch nie geschlagen worden. Plng (LKŽ III 378). Wahrscheinlich sind sie (die Tore) seit dem Tod der Vilkienė von Šalteikiai noch nicht geöffnet worden. SimonVK II 110.

Zur Bildung zusammengesetzter Formen des indirekten Modus im Neutrum werden gelegentlich Partizipien Passiv Neutrum des Hilfsverbs im Präsens oder Präteritum verwendet, z. B.: esama išvažiuota, būta išsigelbėta usw.

§ 8. Mehrere im Satz vorkommende zusammengesetzte Formen derselben Person, desselben Modus und derselben Zeit haben gewöhnlich eine gemeinsame Hilfsverbform.

Wie jenes Blättchen von seinem heimischen Bäumchen bin ich vom Sturm abgebrochen und in den Schmutz geworfen worden MairRR II 225. Der Ofen war bereits angeheizt, aber die Türchen waren noch nicht geschlossen. VienR I 306. Nach einigen Tagen war Šato aus der Anstalt entlassen worden, später aber auch vor Gericht gestellt worden, weil er angeblich dem Leben seines Vorgesetzten nachgestellt hatte. CvR III 81. Das Lernen war für die Frau nicht besonders angenehm, und sie hätte lieber gesponnen und die ganze Nacht gedroschen, als sich tote Zeichen in den Kopf zu stopfen. CvR VIII 60.

In der dialogischen Rede kann das Hilfsverb sein elliptisch gebraucht werden – ohne Partizip, wenn den Sprechenden ohnehin klar ist, welche Handlung gemeint ist.

„Warst du schon einmal in Klaipėda?“ – „War ich, aber das ist lange her.“ Slnt (LKŽ V 40). „Sag mir, Bruder, hast du wirklich niemandem etwas Böses getan?“ – „Wie sollte ich nicht? Vielleicht habe ich es vielen angetan.“ KrėvRg 25911.

§ 9. Konstruktionen aus Partizipien und den Verben haben, werden, bleiben werden gelegentlich mit einer den zusammengesetzten Formen ähnlichen Bedeutung verwendet.

Die Jureliai haben das Feld bei Subačius umgepflügt. Lp (LKŽ I 256). Jonas hatte bereits eine zweite Frau geheiratet und mit ihr zwei Söhne und eine Tochter bekommen. VienR V 12. Und was für Kleider sie sich zurechtgemacht hat! SimonVK I 184.

Die Männer eilten herbei, warfen Erde auf und legten mit Walzen das gelbliche Grab ein – Usninis wurde von den Nachbarn geehrt. TilvU 133. Und die großen Feinde der Republik

11 Vgl. den elliptischen Gebrauch des Hilfsverbs anstelle der gesamten zusammengesetzten Futurform im Russischen, siehe В. В. Виноградов, Русский язык, Москва, 1947, S. 569; ebenso im Englischen anstelle der vollständigen Perfektform, siehe А. И. Смирницкий, Морфология английского языка, Москва, 1959, S. 66.

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Köpfe wurden abgeschlagen... Gud-GuzKIT 284. — Racijal — stimmte der Verwalter zu, und binnen einer Minute war das Schicksal des Riesen besiegelt. VienR I 380. So wurden beide vom Galgen herabgezogen, doch sahen sie beide nichts. BsV 327.

Solche Gnaden wurden Martyniene zuteil, die innerhalb eines Jahres zwei Beerdigungen überstehen musste und zwei Leichen erhielt. ŽemR II 419. So wurden auf den Einfall des jungen Herrn hin die Linden beschnitten, das Kiefernwäldchen für die Flößer ausgelichtet, aus dem Sumpf quer über die Wiese ein tiefer Graben ausgehoben... VienR I 351. Und diejenigen (Burgen), die es noch wagten, sich der Macht Vytautas’ entgegenzustellen, wurden dem Erdboden gleichgemacht. DaukRR 144.

Das Verb turėti steht dem Hilfsverb būti am wenigsten nahe. Es behält seine lexikalische Bedeutung und wird deshalb nur mit aktiven Partizipien transitiver Verben verwendet; dabei regiert es den Akkusativ des direkten Objekts. Daher ist die Konstruktion mit dem Verb turėti und einem Partizip den zusammengesetzten Formen nicht äquivalent12.

Die Verben tapti und likti („werden, zu etwas werden“) bilden mit Passivpartizipien Konstruktionen, deren Bedeutung den zusammengesetzten Passivformen sehr nahekommt. Diese Konstruktionen drücken, ebenso wie die zusammengesetzten Passivformen, eine zu einem bestimmten Zeitpunkt ablaufende Handlung aus, die auf den durch das Subjekt des Satzes bezeichneten Gegenstand gerichtet ist. Sie unterscheiden sich jedoch dadurch, dass sie mit einem Passivpartizip der Vergangenheit niemals einen durch diese Handlung erreichten Resultatszustand bezeichnen; folglich fehlt ihnen völlig die Hauptbedeutung der zusammengesetzten Perfektformen des Passivs. Die Verben tapti und likti werden in diesen Fällen vermutlich analog zu solchen Wendungen verwendet, in denen sie neben Adjektiven oder Partizipien mit adjektivischer Bedeutung stehen (wurde menschlicher, wurde umgänglicher, blieb gebrechlich usw.). Ihre Verwendung mit Passivpartizipien in einer den zusammengesetzten Formen ähnlichen Bedeutung scheint für das heutige Litauisch untypisch zu sein, ausgenommen die westlichsten Gebiete des litauischen Sprachraums (Klaipėda, Priekulė, Pagėgiai u. a.), wo das Verb tapti in diesen Fällen recht häufig ist. Für die Literatursprache ist ein solcher Gebrauch der Verben tapti und likti nicht zu empfehlen13.

§ 10. Hinsichtlich ihrer Stellung sind die beiden Bestandteile der zusammengesetzten Formen recht frei. Zwar steht das Hilfsverb meist voran und das Partizip folgt darauf, doch kann es auch umgekehrt sein, d. h. das Partizip kann vor dem Hilfsverb stehen.

Würde sich jemand herablassen mitzuteilen, wie jenes Wort (alpėti) in den Mundartgebieten der Umgangssprache ausgesprochen wird? BūgKS 119. Nicht so, sondern es wurde ausgesprochen

12 J. Jablonskis hielt Konstruktionen mit dem Verb turėti offenbar für den zusammengesetzten Formen entsprechend; vgl. die von ihm angeführten Beispiele, in denen neben dem Verb turėti in Klammern Formen des Verbs būti stehen, z. B.: Auch ich habe (bin) Land gekauft. JablRR I 315. Er hatte (hatte) auch ein Pferd gekauft. JablRR I 316. Die Fischer sind im Land und haben (sind) viele Fische gefangen. JablRR I 315.

13 J. Jablonskis betrachtete den Gebrauch der Konstruktion aus dem Verb tapti und einem Partizip in einer den zusammengesetzten Formen ähnlichen Bedeutung als fehlerhaft; siehe seine Rinktiniai raštai, II, Vilnius, 1959, S. 243, 303, 325, 430.

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leise, damit es niemand hören konnte. LzPR II 35. Eine andere an ihrer Stelle hätte sich gefreut. Blv (LKŽ II 728).

Sehr häufig sind die Bestandteile zusammengesetzter Formen durch ein, zwei oder mehrere Wörter voneinander getrennt.

Er war dem See schon nahe gekommen. Grž (LKŽ II 777). Vielleicht war es klarer und mit mehr Worten gesagt worden, aber in diesem Sinne. ŽemR II 267. Aber der Kissel mit der lieben Grütze war bei uns schon ganz auf den Tischen aufgegessen. DonR 60. Vilius hätte gern noch dies und das gefragt. SimonVK I 168.

§ 11. Anders als die Präfixe, die die lexikalische Bedeutung des Verbs modifizieren (z. B. at-, nu-, iš-, su- usw.) und nur bei den Partizipien auftreten, die zusammengesetzte Formen bilden, können die Negation ne- sowie die Affixe te-, be-, tebe-, nebe- sowohl beim einen als auch beim anderen Bestandteil stehen.

Die Negation ne- steht am häufigsten beim Hilfsverb. Bei den Partizipien wird sie vor allem in den aktiven zusammengesetzten Formen des Konjunktivs verwendet, die eine in der Vergangenheit mögliche oder erwünschte Handlung bezeichnen. Dort steht sie häufiger beim Partizip als beim Hilfsverb; die Bedeutung ist in beiden Fällen genau dieselbe, vgl.:

Ich hätte niemals geglaubt, dass ein so kleines Kind einen solchen Mann zusammenschlagen würde. Alvt (LKŽ III 396). Es gab keinen Mann und kein Kind, keine junge Maid, die Kunotos Namen nicht gekannt hätten. KrėvP 148.

Du hast mich nicht einmal schief angesehen, als hätte es mich nicht gegeben, als hättest du mich nie gekannt … SimonVK II 197.

Zusammengesetzte Perfektformen mit einer auf zwei Zeitstufen bezogenen relativ-resultativen Bedeutung erhalten, wenn die Negation beim Partizip steht, eine stärkere resultative Zustandsbedeutung. Vgl.:

Er, der Unglückliche, hat sich eine solche Gunst von Euch nicht verdient, Gebieter. VaičRn 160. Und ich hatte die Pferde nicht ausgespannt: Als ich mit der Mitgift von der Braut zurückkam, stellte ich sie in Pesys Stall; dort standen sie dann. CvR III 253. Ob die weichen g und k in der Sprache der Semgaller nicht zu den Lauten dz und c geworden waren, dessen bin ich mir auch heute noch nicht sicher. BūgKS 85.

Die Wälder sind Ihnen nicht einmal auf einen Fuß genau zugemessen worden. ŽemR II 82.

Die ganze Umgebung von Aužbikai schläft noch oder ist noch nicht aufs Feld hinausgegangen. VaižgDD 59. Rapolas hatte sein ganzes Leben lang fast nie gearbeitet. VaižgDD 83.

In den zusammengesetzten Perfektformen mit passiver Handlungsbedeutung (z. B.: Nicht einmal während der Revolution wurde so viel Wald verwüstet, wie er verwüstet hat. Lkš (LKŽ II 202), wurde die Negation beim Partizip nicht belegt.

Zusammengesetzte Passivformen mit einem Partizip Präsens unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bedeutung nicht von Formen, bei denen die Negation beim Hilfsverb steht, wenn sie die Negation beim Partizip tragen; mit den ersteren Formen wird die Handlung lediglich meist kategorischer verneint. Vgl.:

Dieser Dreschflegel wird nicht geflochten, sondern auf litauische Art hergestellt – von der Erde heraufgeflochten. Vrn (LKŽ III 694). Und du, Alter, wenn du willst, diene als Knecht bei dem neuen Herrn, denn unter jenem Herrn war es nicht erlaubt, anderswohin wegzugehen … ŽemR II 373.

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Damals galt ein schlechter Mensch ja überhaupt nicht als Mensch. CvR III 277. Der im Inneren aufbewahrte gusseiserne Kessel war zum Trinken oder Kochen von Wasser nicht zugedeckt. VaižgDD 38.

§ 12. Die Affixe te-, be-, tebe-, nebe- werden fast gleichermaßen an das eine wie an das andere Glied der zusammengesetzten Formen angefügt. Nur das Affix be- steht häufiger beim Partizip (in zusammengesetzten Ausgangsformen kommt es nur beim Partizip vor), während das Affix te- häufiger beim Hilfsverb anzutreffen ist. Unabhängig davon, ob sie beim einen oder beim anderen Glied stehen, modifizieren diese Affixe die Bedeutung der gesamten zusammengesetzten Form in gleicher Weise. Vgl.:

Mit dem Affix te-: Und Vater Simonis ist erst ein einziges Mal im Zug gesessen. SimonR I 217. Sie waren schlecht zementiert, und alle Fundamente stürzten ein. Vvr (LKŽ II 7). Im Dorf wurde jetzt nur noch über den Angler gesprochen. CvR III 127.

Deshalb wurde diese Methode in der Technik und in Laboratorien lange Zeit nur selten angewandt. MatKCh 24.

Mit dem Affix be-: Zweitens, was wäre ihr denn ohne einen Mann, selbst wenn er ein alter Mann gewesen wäre, unter den Menschen noch geblieben? VaižgDD 101. Der Kater, der auf der Mauer gedöst hatte, verstand die verlockenden Worte und leckte sich die Lippen: Schon lange hatte er kein Fleisch mehr gekostet. CvR III 159.

Wie hätte ich es schon im Herbst nehmen können, wenn der Herr sie (den Klee) mit Hafer bedeckt hatte, und als ich, weil mir das Futter ausgegangen war, darum bat, waren für mich nur noch Kleie übrig. VienR V 38. Danke dir, Mütterchen, ich hatte schon lange keine so köstliche Brühe mehr geschlürft! ValPJ II. Wohl kaum hätten Sie auch das vom Minister selbst versprochene Land zu Gesicht bekommen, wenn ich die Beamten nicht umgestimmt hätte. LzPR II 86.

Mit dem Affix tebe-: Hier ist nicht gesät worden, doch wird der Boden weiterhin gelockert – vor der Wärme scheut man sich noch immer. Nt (LKŽ I 456). Wenn er noch am Leben gewesen wäre, hätte er mich in die reichsten und angesehensten Häuser eingeführt. BalčHP₁ 45.

— Was soll man machen, was soll man machen, armer Mensch! — murmelte Juras fast flüsternd und gestikulierte mit den Händen, als würde er noch immer mit dem Gutsbesitzer sprechen. CvR VIII 150. Wäre sie doch noch irgendwo versteckt gewesen, dann wäre ja nichts passiert – nicht die letzte wäre zugrunde gegangen. ŽemR I 144.

Ich habe ihn nie sprechen hören, aber ich kann die Hand ins Feuer legen, dass auch er die Jungen in den höllischen Abgrund gestürzt hat. SimonR I 249. Ihr schien, dass Anskis niemals in ein solches Haus hätte zurückkehren können, und deshalb sei er auch nicht mehr da. SimonVK II 169. Die Lieder aus alten Zeiten werden nicht mehr so gepflegt wie früher; je weiter die Zeit fortschreitet, desto seltener werden sie. DaukRR 255.

Die finnische Sprache des 6.–7. Jahrhunderts dürfte die Laute bereits nicht mehr gehabt haben, denn sie waren bereits aus dem Lautsystem verschwunden. BūgKS 208. Wären die alten Linden und einige erhalten gebliebene Birken nicht gewesen, hätte ich meinen Garten nicht wiedererkannt. VienR I 227.

Das Affix tebe- zeigt an, dass die vom Verb bezeichnete Handlung weiterhin andauert; deshalb steht es bei solchen Verbformen, die eine andauernde Handlung ausdrücken. Da die Perfektformen gewöhnlich eine bereits abgeschlossene und nicht mehr andauernde Handlung bezeichnen, wird das Affix tebe- ihnen nicht hinzugefügt, mit Ausnahme der Aktivformen des Konjunktivs, die eine mögliche oder

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die gewünschte Handlung in der Vergangenheit. In anderen Fällen bildet die Verbindung des Verbs būti mit dem Affix tebė- und einem Partizip der Vergangenheit keine zusammengesetzte Form, sondern bezeichnet, wie ein Gegenstand beschaffen war und weiterhin ist.

Was für eine Wäsche — überall ringsum klebt es noch! Grg (LKŽ III 424). Das Küken ist noch nicht zusammengekauert — man muss es noch unter die Henne schieben. Žgč (LKŽ III 768). Auch der Spiegel ist noch verhüllt; Greitė hat Angst, darin ihr eigenes Gesicht zu sehen. SimonVK II 115. Und ich erinnere mich sogleich: Solange der Obstgarten noch nicht verwüstet war, war unser Land wirklich so? ŽemR II 78.

Das Affix nebe- unterscheidet sich vom Affix tebe- dadurch, dass es nicht nur an Konjunktiv-, sondern auch an Indikativ-Perfektformen tritt, wenn diese eine sehr ausgeprägte Bedeutung einer Handlung in unbestimmter Vergangenheit und eine sehr schwache Bedeutung des durch diese Handlung erreichten verallgemeinerten Resultatszustands haben (siehe die oben angeführten Beispiele mit dem Affix nebe-).

§ 13. Aus dem zuvor Gesagten lässt sich folgern, dass zusammengesetzte Verbformen eine feste Verbindung eines vollbedeutenden und eines formalen Wortes sind, die weder lexikalisch noch grammatisch trennbar ist. Lexikalisch ist sie aufgrund der Desemantisierung des Hilfsverbs untrennbar: Letzteres kann, da es keine lexikalische Bedeutung besitzt, nicht allein für sich funktionieren. Grammatisch sind zusammengesetzte Formen aufgrund ihrer Bedeutung unteilbar; diese ist nicht die Summe der grammatischen Bedeutungen des Verbs būti und des Partizips, sondern eine völlig neue grammatische Bedeutung, die vom Verhältnis der beiden Bestandteile zueinander abhängt.

Da zusammengesetzte Formen bei allen oder zumindest bei einem großen Teil der Verben vorkommen (beispielsweise umfassen die Passivformen transitive Verben) und ihre grammatische Bedeutung in einem entsprechenden Verhältnis zur Bedeutung der einfachen Formen steht (sendet — hat gesandt — ist gesandt, sandte — wurde gesandt usw.), gehen zusammengesetzte Formen in das Konjugationssystem der Verben ein.

Das Verhältnis zusammengesetzter Formen zu den einfachen finiten Verbformen ist das wichtigste Merkmal dafür, dass es sich nicht um eine freie Wortverbindung, sondern um eine grammatische Wortform handelt14.

14 Zu zusammengesetzten Verbformen und ihren Hauptmerkmalen in anderen Sprachen siehe M. M. Гухман, Глагольные аналитические конструкции как особый тип сочетаний частичного и полного слова (На материале истории немецкого языка), кн.: Вопросы грамматического строя, Москва, 1955; Л. В. Кузьмичева, К вопросу об «аналитических конструкциях» как лексикограмматическом явлении (На материале глагольных сочетаний немецкого языка), «Иностранные языки в школе», 1962, № 5; А. И. Смирницкий, Аналитические формы, «Вопросы языкознания», 1956, № 2; Л. А. Бармина, К вопросу об аналитических формах глагола в современном английском языке, «Ученые записки» (I-й Моск. гос. пед. ин-т иностр. яз.), 1961, т. 25; В. М. Жирмунский, О границах слова, «Вопросы языкознания», 1961, № 3, р. 15—18; Аналитические конструкции в языках различных типов (Тезисы докладов), Ленинград, 1963; О. И. Москальская, Устойчивые словосочетания с грамматической направленностью, «Вопросы языкознания», 1961, № 5; О. И. Москальская, Грамматический идиоматизм и синтагматика, «Иностранные языки в высшей школе» (I-й Моск. гос. пед. ин-т иностр. яз.), 1962; А. А. Потебня, Из записок по русской грамматике, т. I—II, Москва, 1958, р. 119, 145.

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M. Guchman hat folgende Hauptkriterien für zusammengesetzte Verbformen des Deutschen (die Autorin nennt sie analytische Konstruktionen) aufgestellt: 1) die untrennbare Verbindung der Bestandteile, 2) Idiomatizität als Grundlage dieser Untrennbarkeit, 3) die Erfassung des gesamten lexikalischen Verbalsystems und 4) die Eingliederung in das System der zueinander in Beziehung stehenden Verbformen¹⁵. Die Autorin stützt sich auf deutsches Sprachmaterial, doch ihrer Ansicht nach dürften diese Kriterien mehr oder weniger auch für andere Sprachen gelten. Zugleich weist sie darauf hin, dass etwa die Verbindung der Bestandteile und die Idiomatizität in verschiedenen Sprachen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können, d. h. dass die Bestandteile in manchen Sprachen freier und selbstständiger, in anderen weniger frei sein können.

M. Guchmans Kriterien für zusammengesetzte Formen eignen sich mehr oder weniger auch für die zusammengesetzten Verbformen der litauischen Sprache. Ihre besonders enge Verbindung und Idiomatizität zeigt sich in der grammatischen Bedeutung der gesamten Verbindung, die nicht die Summe der Bedeutungen der einzelnen Bestandteile ist, sondern eine neue, vom Verhältnis der beiden Bestandteile abhängige Bedeutung. Ihrer Bedeutung nach stehen zusammengesetzte Formen mit den entsprechenden einfachen Verbformen in Beziehung. Und obwohl einige Gruppen zusammengesetzter Formen, zum Beispiel zusammengesetzte Passivformen, nicht das gesamte lexikalische System des Verbs umfassen, sind sie dennoch für viele Verben unterschiedlicher lexikalischer Bedeutung charakteristisch¹⁶.

§ 14. Die zusammengesetzten Verbformen des Litauischen sind noch nicht endgültig auskristallisiert und von den analogen Konstruktionen aus Verb būti und Partizip abgegrenzt, die als zusammengesetztes Prädikat fungieren und aus denen sie sich einst entwickelt haben. Partizipien bestimmter lexikalischer Bedeutungen bilden in manchen Fällen mit dem Verb būti zusammengesetzte Formen, in anderen dagegen nicht; dies hängt davon ab, in welchem Kontext eine solche Verbindung verwendet wird. Zudem hängt die Bedeutung zusammengesetzter Formen in vielen Fällen mehr oder weniger von der Bedeutung der Partizipien ab; deshalb haben zusammengesetzte Formen neben der Handlungsbedeutung häufig auch die Bedeutung eines mit dieser Handlung verbundenen Zustands¹⁷, die sie mit den entsprechenden Konstruktionen verbindet, die als zusammengesetztes Prädikat fungieren. Je ausgeprägter die Zustandsbedeutung ist, desto weniger grammatikalisiert ist die zusammengesetzte Form; umgekehrt gilt: Je ausgeprägter die Bedeutung der bezeichneten Handlung ist, desto höher ist der Grammatikalisierungsgrad der gesamten Verbindung und desto mehr spricht dafür, sie als Verbform zu betrachten.

Obwohl die zusammengesetzten Verbformen des Litauischen noch nicht endgültig auskristallisiert sind, gehören sie aufgrund der bereits erwähnten Eigenschaften zum Konjugationssystem der Verben und stehen in Beziehung zu den entsprechenden einfachen Formen.

15 Siehe М. М. Гухман, a. a. O., S. 359.

16 An einer anderen Stelle des genannten Artikels (S. 348) stellt M. Guchman fest, dass die Tatsache, dass zusammengesetzte Formen große Verbgruppen erfassen, sie bereits neben die einfachen Verbformen stellt und ihre Eingliederung in die Konjugationsparadigmen bedingt.

17 Vgl. N. Sližienė, Über zusammengesetzte Perfektformen der Verbaltempora und -modi in der litauischen Literatursprache, in: Morphologischer Aufbau der litauischen Sprache und seine Entwicklung, S. 86—87.

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Zusammengesetzte Formen des Aktivs und des Passivs

§ 15. Die Bedeutung hinsichtlich des Genus verbi bei zusammengesetzten Verbformen hängt vom Genus des Partizips ab, das Bestandteil der zusammengesetzten Formen ist. Ist das Partizip aktivisch, so hat auch die zusammengesetzte Form aktivische Bedeutung, und umgekehrt.

Passivische finite Formen gibt es im Litauischen nur als zusammengesetzte Formen. Sie bilden die Grundlage für die Genuskategorie der finiten Verbformen.

Alle Formen der Tempora und Modi des Verbs, mit Ausnahme der zusammengesetzten inchoativen Formen, können aktivisch oder passivisch sein, z. B.: schlägt — wird geschlagen, schlug — wurde geschlagen, hat geschlagen — ist geschlagen, schlug nieder — wurde niedergeschlagen, schlüge — würde geschlagen, hätte geschlagen — wäre geschlagen, schlag! — werde geschlagen, er schlägt weiterhin — er werde weiterhin geschlagen usw. Die zusammengesetzten inchoativen Formen sind nur aktivisch, z. B.: hatte gerade erst zu schlagen begonnen, wird gerade erst zu schlagen beginnen, hätte gerade erst zu schlagen begonnen.

Aktivische finite Verbformen bezeichnen eine Handlung, die von der durch das Subjekt des Satzes ausgedrückten Person oder Sache ausgeführt wird; passivische Formen bezeichnen eine Handlung, die auf die durch das Subjekt ausgedrückte Sache oder Person gerichtet ist, vgl.: Ich lese ein Buch und Das Buch wird von mir gelesen; Ich habe ein Buch gelesen und Das Buch ist von mir gelesen worden. Da passivische Formen anzeigen, dass die durch das Satzsubjekt ausgedrückte Sache oder Person nicht selbst handelt, sondern von jemand anderem beeinflusst wird, drücken sie zugleich einen bestimmten Zustand aus, in dem sich diese Sache befindet.

Formen beider Genera haben nur transitive und einige intransitive Verben (vor allem solche, die den Genitiv regieren: warten, suchen, sich fürchten, meiden usw.), z. B.: schlägt — wird geschlagen, hat gegeben — ist gegeben worden, kaufte — wurde gekauft, wartete — wurde erwartet, sucht — wird gesucht, lebt — wird bewohnt usw. Die meisten intransitiven Verben haben nur aktivische Formen. Sie können unpersönliche passivische Formen haben, doch haben diese keine passivische Bedeutung, da sie kein passives Verhältnis zwischen der bezeichneten Handlung und der durch das Satzsubjekt ausgedrückten Sache oder Person bezeichnen. Ihre Bedeutung kommt der Bedeutung aktivischer Formen nahe.

Und soweit ich weiß und mich erinnere, wurde im Hause des Königs von Šalteikiai nicht gezecht. SimonVK II 271. Denn überall wird geprügelt werden, denn überall wird Anskis das Feuer auf Menschen eröffnen müssen, die ihm nichts Böses getan haben... SimonVK II 41. Ich bin ein wenig zugrunde gegangen, und seiner gab es damals auch. Ss (LKŽ III 42). Besonders viele hatten sich auf der Zabalkansko-Allee versammelt. Gud-Guz KIT 64.

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Abgrenzung zusammengesetzter Verbformen von Konstruktionen aus Partizip und Verb būti, die keine zusammengesetzten Formen bilden

§ 16. Wie bereits erwähnt, sind die zusammengesetzten Verbformen des Litauischen noch nicht endgültig verfestigt und von den Konstruktionen mit zusammengesetztem Prädikat abgegrenzt, aus denen sie einst hervorgegangen sind. Die verbale Bedeutung der sie bildenden Partizipien tritt in manchen Fällen stärker, in anderen schwächer hervor, je nachdem, in welchem Kontext die zusammengesetzten Formen verwendet werden und welche lexikalische Bedeutung sie haben. Einen gewissen Einfluss hat auch die mit dem Passiv verbundene Zustandsbedeutung. Je ausgeprägter die verbalen Eigenschaften des Partizips sind, desto stärker ist die Handlungsbedeutung der gesamten Verbindung und desto stärker ist sie grammatikalisiert; umgekehrt gilt: Je schwächer die verbalen und je ausgeprägter die adjektivischen Eigenschaften des Partizips sind, desto lockerer sind die Bestandteile der Verbindung miteinander verknüpft und desto näher steht die Verbindung den Konstruktionen mit zusammengesetztem Prädikat. Vgl.:

a) Er (Mykoliukas) hat dir etwas Besseres gegeben als sein Leben. VaižgDD 53. Und wir, Männer, haben unser Schicksal bereits gewählt! KrėvP 229. Diese Schweine haben hier und da den Hof durchwühlt. Lž (LKŽ VI 196). Die Frauen schlugen vor, die Söhnchen des Kapos zu verabschieden, denn auch sie hatte der Bote zum Fest eingeladen. DonR 66.

b) Dieser Mensch ist daran gewöhnt, handwerklich zu arbeiten — er kann allerlei Arbeiten verrichten und reparieren. Skn (LKŽ I 97). Die Sense ist stumpf geworden. KlvrŽ (LKŽ II 380). Sein Gesicht war nach einer schlaflosen Nacht blass geworden. VenclR III 239. Ja, ja, und auch ich habe gesehen, dass sie eine Zeit lang sehr blass gewesen war. SimonVK I 279. Er (Vacys) war verwundet, konnte den Arm nicht bewegen — der Wolf war in eine gute Falle geraten! TilvU 162.

In den Sätzen der ersten Gruppe (a) haben die Verbindungen aus dem Verb būti und dem Partizip eine eindeutige Handlungsbedeutung und bilden zweifellos zusammengesetzte Formen. In den Sätzen der zweiten Gruppe (b) haben die entsprechenden Verbindungen eine wesentlich schwächere Handlungs- und eine ausgeprägtere Eigenschaftsbedeutung; dennoch sind sie als zusammengesetzte Formen anzusehen, wenn auch nicht als so eindeutige wie die oben erwähnten. Die zusammengesetzten Formen der letzteren Gruppe stehen Konstruktionen mit zusammengesetztem Prädikat sehr nahe, sind ihnen aber dennoch nicht gleichzusetzen, da sie eine, wenn auch wenig ausgeprägte, Handlungsbedeutung haben; an ihrer Stelle könnten einfache Verbformen mit ähnlicher Bedeutung verwendet werden, z. B.: Dieser Mensch gewöhnte sich an handwerkliche Arbeit...; Die Sense wurde stumpf; Sein Gesicht erbleichte nach einer schlaflosen Nacht usw. Eine Konstruktion aus dem Verb būti und einem Partizip bildet dann keine zusammengesetzte Form, wenn das Partizip keine Handlungsbedeutung hat und eine beständige Eigenschaft der Sache bezeichnet. Solche Konstruktionen lassen sich nicht durch einfache Verbformen ersetzen.

Die Wurzeln des Schlangenknöterichs sind gewunden (d. h. haben eine solche Form) wie Schlangen. Skdv (LKŽ III 369). Die Kartoffeln sind wie Erlenknospen porös. Žal (LKŽ III 356). Er war lange niedergeschlagen, bis er sich entschloss, nach Petersburg zu fahren. Vaižg (LKŽ V 932). In den Augen der Leute war Rapolas wirklich aufsässig — er vermied selbst die kleinste Arbeit. VaižgDD 96. Briauzgai

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(Knochen) ragen hervor, wenn die Kleidung eng anliegt und der Mensch mager ist. Plng (LKŽ I 849). Die Linse ist auf beiden Seiten konkav. BaršF 207.

Dennoch muss gesagt werden, dass die oben erwähnten zusammengesetzten Formen der Gruppe (b) nur schwer von Konstruktionen mit zusammengesetztem Prädikat zu unterscheiden sind; zwischen ihnen besteht keine scharfe Grenze.

§ 17. Eine adjektivische Bedeutung haben und keine zusammengesetzten Formen bilden meist auch die Partizipien der Vergangenheit, die von perfektiven Verben abgeleitet sind, welche eine Veränderung des Zustands oder der Beschaffenheit eines Gegenstands oder einer Person bezeichnen (ausgebleicht, vertrocknet, herabgesunken, zerfallen, ausgehöhlt, konkav, abgeflacht und Ähnliches; vgl. die oben angeführten Sätze, in denen die Verbindungen des Verbs būti mit einem Partizip keine zusammengesetzten Formen bilden).

Die Partizipien der Vergangenheit anderer Verben bilden gewöhnlich nur dann keine zusammengesetzten Formen, wenn sie Bestandteil mehr oder weniger erstarrter phraseologischer Wendungen sind.

Du scheinst klug zu sein und schon einiges erlebt zu haben, doch kannst du einen Vertrag so leichtfertig annehmen! ŽemR II 59. Ich bin mit allerlei Arbeiten eingespannt und habe weder Zeit noch Gesundheit. Sts (LKŽ II 842). Wozu jemand neigt (eine Vorliebe hat): der eine zur Wissenschaft, der andere zum Militär. Prk (LKŽ VI 624). Ich bin schon über den Stiel hinausgewachsen (bin alt geworden). Sts (LKŽ VI 384). Sie hat schon einen Zahn verloren. Bis (LKŽ II 180). Dieser Tamošius hat heute den Teufel verschluckt; er denkt sich etwas Ungehöriges aus! LzPR II 49. An der kommst du nicht vorbei — sie ist mit vier Riegeln gesichert. Sts (LKŽ II 785). Er ist vom Wolf getragen und ausgesetzt worden. JabIRR I 318.

§ 18. Präsenspassivpartizipien, die von intransitiven Verben abgeleitet sind und keine passivische Bedeutung haben, bilden mit dem Verb būti keine zusammengesetzten Formen. Sie bezeichnen eine bestimmte Eigenschaft eines Gegenstands, die mit der durch die Verbalwurzel des Partizips ausgedrückten Handlung zusammenhängt.

Wahrscheinlich war der Anteil ausreichend, und Tautrimas genügte es, dass er nicht viel widersprach und allem zustimmte. SimonVK I 135. Dieser Baum wird sich für die Arbeit am Fellwalken eignen. Ldk (LKŽ V 51). Was soll es dort schon an Milch geben, wenn die Kühe vor Hunger verenden. Slnt (LKŽ II 681). Ein böser Geist ist nicht zu fassen; mit einem Stein kann man ihn nicht erschlagen. Svnč (LKŽ VI 135). Zwei Mädchen wurden großgezogen. Vb (LKŽ I 382). Der beschriebene Vorgang ist umkehrbar. MatKCh 61.

Die Neutrumformen dieser Partizipien können mit dem Verb būti zusammengesetzte Formen bilden; diese haben jedoch keine passivische Bedeutung (siehe § 15).

Präsenspassivpartizipien transitiver Verben bilden dann keine zusammengesetzten Formen, wenn sie eine Möglichkeit, Notwendigkeit, Zweckbestimmung oder Eignung eines Gegenstands ausdrücken. Indem solche Partizipien das Verhältnis des Gegenstands zur durch die Partizipialwurzel bezeichneten Handlung angeben, bezeichnen sie dauerhafte Eigenschaften von Gegenständen, z. B.: unleserliche Schrift, zu mähender Roggen, Esslöffel, Ackerland und Ähnliches.18

18 Vgl. V. Ambrazas, Zum Gebrauch der Präsenspassivpartizipien, „Lietuvių kalbotyros klausimai“, Bd. 4, Vilnius, 1961, S. 93—110.

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Unsere Grenzen werden abgeharkt (wenig Wiesen). Šts (LKŽ III 554). Um die Gesundheit der Arbeiterin machte er sich nur deshalb Sorgen, weil Ona im Haushalt unersetzlich war. CvR III 42. Sie hoffte, dass Gaidienė umgänglich sein würde. SimonVK II 335. Schließlich fuhren Ona und ich nachts zum Arzt... man wurde behandelt... ŽemR II 443. Auch dieser Rock (švarkas) ist gut gemacht. Vvr (LKŽ II 312). Dieses Pferd wurde schon geeggt. Ss (LKŽ I 44).

§ 19. Die adjektivische Bedeutung der Partizipien des Präsens und des Präteritums tritt meist in einem bestimmten Kontext hervor. Unter anderen Umständen verwendet, können dieselben Partizipien hinreichend ausgeprägte verbale Eigenschaften aufweisen und zusammengesetzte Formen bilden, vgl.:

Die Blättchen der Garten-Dahlie sind gedreht (keine zusammengesetzte Form). Bsg. Ich hängte den Kastinys auf, und er verdarb: denn er war mit saurer Milch gedreht worden (zusammengesetzte Form). Šts (LKŽ V 395).

Wie stark die verbalen oder adjektivischen Eigenschaften der Partizipien hervortreten, hängt manchmal auch von ihrer jeweiligen Position im Satz ab. Stehen beispielsweise im Satz Adjektive (manchmal auch Substantive oder Präpositionalgruppen mit ihnen), die eine weitere Eigenschaft desselben Gegenstands oder derselben Person bezeichnen und mit den Partizipien gleichrangige Satzglieder bilden, werden die Partizipien adjektivisch verwendet und bilden mit dem Verb „sein“ keine zusammengesetzten Formen.

Alle waren still, ernst und gesammelt, und in den Augen eines jeden glomm ein Flämmchen verborgener Rache und Empörung. VienR V 320. Und noch später – ihre (Ilžės) Augen waren bereits nachdenklich und traurig und nicht mehr mädchenhaft. SimonVK II 371. Als ich noch ganz jung, klein und noch nicht ausgewachsen war, führte ich mein Pferdchen ans Meer zum Tränken. JD 765. Der Mann war ein Trunkenbold und so ausschweifend wie ein Bündel Blätter. Brt (LKŽ III 270). Sie alle waren betrübt, traurig und ohne Lebenskraft und bewegten sich wie irgendwelche Schatten. VienR I 229. Povilas lernte zwar nicht besonders gut, war aber fleißig, ständig über das Buch gebeugt, und lernte die Unterrichtsstunden auswendig. VienR V 15. Nur Onkel Dūdžionis’ Haare waren lang, rundherum geschnitten und hatten einen Scheitel in der Mitte. SimonOBT 25.

Ebenso wie immer, doch die Briefe waren Martunas stets lieb und willkommen, nur waren sie eben so selten. SimonVK II 286. Und schließlich war auch er jung, stark und von allen geschätzt. BilR I 206.

Die adjektivische Bedeutung der Partizipien wird auch durch die ihnen zugeordneten Pronomen toks, koks, kažkoks, toks pat usw. hervorgehoben.

Väterchen war schon immer so ergraut, immer so gebückt, und seine Knie waren stets so gekrümmt. SimonVK I 14. Warum bist du denn so abgemagert, bist du vielleicht krank? Jrb (LKŽ I 768). Du bist so erschöpft oder von Krankheit niedergestreckt... ŽemR II 227. Ha, ich sah, wie dein Gesicht erstrahlt hatte. SimonVK II 17.

Aktivpartizipien des Präsens mit dem Affix be- haben eine sehr ausgeprägte verbale und eine sehr schwache adjektivische Bedeutung und bilden mit dem Verb „sein“ stets zusammengesetzte Formen.

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Partizipien des Präsens und des Präteritums, die in der Bedeutung zusammengesetzter Präsensformen verwendet werden

§ 20. In der Bedeutung zusammengesetzter Präsensformen, insbesondere der dritten Person, werden häufig Präsens- und Präteritumpartizipien ohne Hilfsverb verwendet.

Denn der letzte Šalteikis aus Šalteikiai wird begraben. SimonVK I 12. Auf der Ofenbank gestapelte alte Strohsäcke des Varkalis werden zur Arbeit eingesetzt. Gud-GuzKIT 13. Mir war, als würde ich gerufen... SruogR III 408. Es scheint, dass Vilius Karalius Gretė vergessen hat — er geht zur Wiege, um nach dem Kleinen zu sehen. SimonVK I 360. Nachts zog ein Regenschauer vorbei, die Erde ist benetzt, das Gras ist gewaschen, die Luft ist erfrischt. ŽemR II 238. Kuckuck, keine Schwiegertochter ist im Wagen heraufgehoben worden! Kuckuck! Nur ein Lämmchen, nur ein weißes Schaf! SNėrP₁ 439. Ich habe gegessen, ich habe getrunken — Mütterchen, wo sind die Töchterchen? JD 1470. — Nun sag schon, was ist denn hier los, so seltsam wie eine Ziege auf dem Eis! — Saliamutė drehte sich um. — Bist du nicht von unserem Povilukas angestellt, nicht mit unserem Brot ernährt worden? BaltPV₁ I 361.

Lange Zeit galten solche Partizipien in den Grammatiken des Litauischen als zusammengesetzte Präsensformen, in denen das Hilfsverb ausgelassen sei¹⁹. Tatsächlich sind es keine zusammengesetzten Formen, und vermutlich haben sie überhaupt nie ein Hilfsverb gehabt²⁰. Da die Bedeutung der Partizipien in diesen Fällen der Bedeutung zusammengesetzter Präsensformen entspricht, sind sie als entsprechende (zum Beispiel perfektische, passive) Präsensformen zu betrachten, jedoch nicht als zusammengesetzte. Da ihnen das Hilfsverb fehlt, weisen diese Formen auch keine morphologisch ausgedrückte Personenkategorie auf. Die Personenbedeutung wird gewöhnlich durch Personalpronomen angezeigt oder ergibt sich aus dem Kontext.

§ 21. Nicht jedes als Prädikat verwendete Präsens- oder Präteritumpartizip hat eine Bedeutung, die der zusammengesetzter Präsensformen gleichkommt. Manchmal ist sie von verschiedenen modalen Nuancen begleitet, die zusammengesetzten Formen nicht eigen sind. Solche Partizipien entsprechen auch ihrer Bedeutung nach nicht den zusammengesetzten Formen.

Als Prädikat verwendete Präteritumpartizipien weisen die größte Bedeutungsdistanz zu den Perfektformen in den Fällen auf, in denen mit ihnen fremde Gedanken wiedergegeben oder Dinge mitgeteilt werden, die nicht genau bekannt sind, sondern nur vom Hörensagen.

Der arme Mann erzählte beim Essen unerschrocken, wie er einer lebenden Kuh ein Stück Fleisch aus der Keule herausgeschnitten und gebraten habe. ŽemR II 136.

19 Žr. J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, I, p. 312; J. Žiugžda, Lietuvių kalbos gramatika, I, Fonetika ir morfologija, Kaunas, 1962, p. 191—193; J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, III, Nauka o formach, Warszawa, 1956, p. 280.

20 Diese Formen werden ihrer Herkunft nach mit dem verbalen Nominalprädikat in Verbindung gebracht, das aus grauer Vorzeit überliefert ist und in der heutigen litauischen Sprache weit verbreitet verwendet wird; vgl. K. Brugmann, Die Syntax des einfachen Satzes im Indogermanischen, Berlin und Leipzig, 1922, S. 59—77; Из трудов А. Шахматова по современному русскому языку, Москва, 1952, S. 77—78; Т. П. Ломтев, Очерки по историческому синтаксису русского языка, Москва, 1956, S. 37; Ю. Г. Скиба, Предикативная связка «быть — есть» в восточно-славянских языках, «Ученые записки Черновицкого ун-та», т. 47, серия филол. наук, вып. 14, 1961.

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Damals, wenn wir den Kulturhistorikern glauben, hatten die Indoeuropäer noch nicht gelernt, Brot zu backen und Weizen anzubauen. BūgKS 206.

Ähnlich werden mitunter auch passive Partizipien des Präsens im Neutrum verwendet.

Und die Gegner erfuhren, dass in ihrem Keller nicht ein einfacher Soldat saß, sondern der Sohn eines großen und mächtigen Edelmanns. KrėvP 52.

Mit Partizipien der Vergangenheit, insbesondere mit Passivpartizipien, kann eine vergangene Handlung ausgedrückt werden, die aus bestimmten gegenwärtigen Tatsachen erschlossen oder vermutet wird.

Die Tür der Hütte steht weit offen; vor der Tür, am Ende der Hütte, liegt ein Toter, die Nase aufgebläht. Noch ein junger Mann gewesen. ŽemR II 385. Tapfer muss Žičkus wohl gewesen sein! TilvU 146.

Mit passiven Partizipien des Präsens im Neutrum wird ähnlich eine gegenwärtige Handlung ausgedrückt, die aus bestimmten gegenwärtigen Tatsachen erschlossen oder vermutet wird.

Demnach ist das Wort für „Stuhl“ nicht nur baltischen, sondern auch aistischen Ursprungs. BūgKS 138. Darin liegt also das Glück... VienR I 243.

Mit aktiven oder passiven Partizipien der Vergangenheit werden häufig Handlungsergebnisse bezeichnet, die plötzlich gesehen, gehört, erfahren oder auf andere Weise wahrgenommen werden und Verwunderung oder andere Gefühle hervorrufen.

Ich schaue hin – das Öhrchen des Messers ist abgesprungen. Jnšk (LKŽ I 410). „Na, das hast du nun davon! Was für eine Ausbeute – diese Schwarzhaarige, Großnasige, Schmeichlerin, kleine Wildfang!“ – rief die Frau aufspringend. ŽemR I 66. Von weitem schimmert irgendetwas, flimmert, flimmert; ich komme näher – die Kleider sind zum Trocknen aufgehängt! Slnt (LKŽ I 763).

Mit passiven Partizipien des Präsens im Neutrum kann eine Handlung ausgedrückt werden, die auf irgendeine Weise plötzlich wahrgenommen wird.

Ich gehe aus dem Vorraum hinein – da sitzt ja die vornehme Gesellschaft. Lkm (LKŽ II 330). Und hier gibt es auch Besuch! SruogR III 469.

In all diesen Fällen sind die Partizipien des Präsens und der Vergangenheit ein bestimmtes Mittel zum Ausdruck indirekter Rede.

Als Prädikate verwendete Partizipien sind nicht als Präsensformen anzusehen, die in ihrer Bedeutung den zusammengesetzten Formen entsprechen, auch dann nicht, wenn sie eine Eigenschaft des Gegenstands bezeichnen.

Er isst und isst, doch es schlägt nicht an, er ist ganz abgemagert. Gs (LKŽ II 793). Seine Nase ist gebogen wie ein Haken. Lš (LKŽ III 702). Dieses Kleidungsstück lässt sich von mir aufheben. Gs (LKŽ III 591).

Einige strukturelle Besonderheiten der im 16.–17. Jahrhundert verwendeten zusammengesetzten Verbformen

§ 22. Die im 16.–17. Jahrhundert verwendeten zusammengesetzten Verbformen unterscheiden sich ihrem Aufbau nach im Wesentlichen nicht von den heutigen Formen: Sie bestehen ebenfalls aus Partizipien des Präsens oder der Vergangenheit und den konjugierten Formen des Hilfsverbs būti ‚sein‘. Die damaligen schriftlichen Belege für die ingressiven Formen sind äußerst spärlich. Dafür gibt es recht viele zusammengesetzte Formen, die mit dem aktiven Präsenspartizip ohne das Affix be- gebildet sind.

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Und ich habe auch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind (=nie sa z tew owczarniew WjP 348; non sunt ex hoc ovili WjB Jn 10 16). DP 206. Und so waren Herodes und Pilatus an jenem Tag Freunde: Denn zuvor waren sie Feinde gewesen (= byli WjP 281; erant WjB Luk 23 12) untereinander Feinde. DP 164. Und von nun an wird der Sohn des Menschen sitzen (= będzie siedział WjP 13; erit sedens WjP Luk 22 69) zur Rechten der Macht Gottes. DP 163. Diese Dinge geschahen in Bethanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte (= krzczil WjP 33; erat baptizans WjB Jn 1 28). DP 21. Als hätte W. Jesus etwas gegen den Bischof ausgesprochen, das du nicht tun sollst: oder als wäre es nicht angemessen (= jakoby się nie godziło WjP 274) vor den Augen des Bischofs, recht und weise zu handeln. DP 160. Der Herr des Himmels und der Erde ging mit diesem Kind um und wurde geboren, als wäre er ein Hirtenknabe. BrP I 61.

Mit diesen Formen wird die Dauer der beschriebenen Handlung hervorgehoben.

Zusammengesetzte Formen dieses Typs kommen heute noch im žemaitischen Dialekt sowie in den Schriften von S. Daukantas vor.

In diesem Brunnen war immer Wasser gewesen, jetzt aber ist er schon ausgetrocknet. Sts (LKŽ I 994). Das Wasser breitete sich aus, als wären dort Fäden oder Spinnweben. Sts (LKŽ II 486). Der Litauer, das heißt der Hochlitauer oder Žemaitier, ist stets ein Mensch mit fröhlichem Herzen: auf Reisen, bei der Arbeit, wo immer er sich nicht abmüht, summt oder singt er stets. DaukRR 204.

Zusammengesetzte Formen mit dem aktiven Präsenspartizip ohne das Affix be- sind im Vergleich zu zusammengesetzten ingressiven Formen weniger grammatikalisiert. Indem sie die Dauer der beschriebenen Handlung hervorheben, bezeichnen sie zugleich einen bestimmten Zustand des Handelnden und stehen damit Konstruktionen näher, die als zusammengesetztes Prädikat fungieren. Außerdem kommen diese Formen nur bei imperfektiven Verben vor.

Im heutigen Litauischen bildet das aktive Präsenspartizip ohne das Affix be- mit dem Verb būti ‚sein‘ gewöhnlich keine zusammengesetzten Formen, da es eine für einen Gegenstand oder eine Person charakteristische Eigenschaft bezeichnet.

Sena meilė y r d e g a n t i. Dr (LKŽ II 251). Vaikelis b u w o jau iš k a l b ę s (jau mokėjo kalbėti). Sts (LKŽ V 116). Visa ta diena b u w o ypatingai n e r ū v i n a n t i. VaižgDD 23. Ratus reikia gerai ištepti... mėštai b u s v a r g ą, o toli vežti, bus arkliams sunku... ŽemR II 165.

Beispiele dieser Art finden sich auch in den Schriften des 16.–17. Jahrhunderts.

Dort sagte Christus, dass Johannes nicht wie ein Schilfrohr gewesen sei. DP 21. Die Augen des Herrn sind ferner blickend und durchdringender als die Sonne. SP I 19.

§ 23. In den Schriften von J. Bretkūnas wird neben dem Hilfsverb būti mit den Passivpartizipien der Vergangenheitszeit auch das Verb tapti verwendet.

Und so wurde das AbiMelech gesagt. BrB Teis 9 25. Und Iair starb, und wurde in Kamon begraben. BrB Teis 10 5. So wurden Himmel und Erde erschaffen, mit all ihrem Schmuck. BrB 1 Moz 2 1.

Von Zeit zu Zeit findet sich in den Schriften von M. Mažvydas und J. Bretkūnas neben den Passivpartizipien der Vergangenheitszeit das Verb stotis.

Darum müsst ihr mir an ihrer statt antworten, damit eine deutliche Erklärung gegeben werde, weshalb er so dasteht, gekreuzigt

80

worden. Mž 107—108. Und Abraham bereitete an jenem Tag ein großes Mahl, als Isaak entwöhnt wurde. BrB I Moz 18.

Die Verwendung dieses Verbs wurde möglicherweise durch die polnische Sprache beeinflusst.

Zur Bildung der passiven zusammengesetzten Formen des Wunschmodus wurde auch die Wunschmodusform stovėti des Verbs testov(i)21 verwendet.

Verflucht seist du, der du dich rühmst; gesegnet seist du, der du dich segnest. BrB 1 Moz 27 29.

§ 24. In den Schriften des 16.—17. Jahrhunderts werden Partizipien ohne Hilfsverb beinahe nicht in der Bedeutung zusammengesetzter Formen der Gegenwart verwendet. In der Postille von M. Daukša kommen sie vereinzelt vor, jedoch meist nur in den Fällen, in denen auch im polnischen Original solche Formen stehen.

Denn so ist es geschrieben (=napisano WjP 11): Ich sah Tote, Kleine und Große. DP 7. Über jenen wurde gesagt (=rzeczono WjP 440), dass du, sobald du fertig bist, des Todes sterben wirst. DP 264. Und wie soll sich derjenige hüten, der seinen Nächsten verletzt hat oder von ihm verletzt worden ist (=obrážon WjP 488)? DP 293. Und wer jetzt nicht stirbt, wird dann sterben. DP 199.

Dass Partizipien anstelle zusammengesetzter Formen der Gegenwart in den alten Schriften so selten verwendet werden konnten, hatte möglicherweise zwei Gründe. Zusammengesetzte Formen drücken den Gedanken dank des Hilfsverbs genauer aus. Deshalb werden auch heute in der wissenschaftlichen Literatur Partizipien in der Bedeutung zusammengesetzter Formen deutlich seltener verwendet als in der schöngeistigen Literatur oder in der gesprochenen Sprache. Eine solche Genauigkeit des Gedankens strebten möglicherweise auch die Übersetzer des 16.—17. Jahrhunderts an, die besonders darauf bedacht waren, nicht vom Original abzuweichen.

Andererseits wurden die litauischen kirchlichen Schriften des 16.—17. Jahrhunderts stark von anderen Sprachen beeinflusst: vom Lateinischen, Polnischen und Deutschen. Einige dieser Sprachen, zum Beispiel Lateinisch und Deutsch, kennen den Gebrauch von Partizipien anstelle zusammengesetzter Formen nicht. Im Polnischen wurden ohne Hilfsverb nur die aktiven Formen der dritten Person der Vergangenheitszeit verwendet22. Passivformen, die ihrem Aufbau nach unseren zusammengesetzten Passivformen ähneln, wurden im Polnischen meist mit einem Hilfsverb verwendet. Wenn im polnischen Text ein Passivpartizip ohne Hilfsverb stand, wurde es fast immer wörtlich ins Litauische übersetzt. Somit hing die Verwendung oder Nichtverwendung von Partizipien anstelle zusammengesetzter Formen der Gegenwart teilweise auch vom Einfluss fremder Sprachen ab.

21 In den heutigen Dialekten ist noch ein erstarrter Rest dieser Form erhalten testa (<testovi), der wie die Partikel tegul zur Bildung des Wunschmodus verwendet wird, z. B.: testa krāto Drsk, testa vālgo Aps, tēsta būna Eiš.

22 Daneben wurden auch Formen mit einem Hilfsverb verwendet. Die Formen der übrigen Personen hatten verkürzte Formen des Hilfsverbs; siehe Z. Klemensiewicz, T. Lehr-Splawiński, S. Urbańczyk, Gramatyka historyczna języka polskiego, Warszawa, 1955, p. 371—372.

6. Lietuvių kalbos gramatinė sandara

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Schlussfolgerungen

1. Die zusammengesetzten Verbformen der litauischen Sprache, die aus zwei (bisweilen sogar drei) Wörtern bestehen, werden als ein einziger Denkakt aufgefasst und gehören daher ebenso wie die einfachen Formen zum Konjugationssystem der Verben. Ihre Eingliederung in das System der finiten Formen wurde durch das Bedeutungsverhältnis zu den einfachen Formen sowie dadurch bestimmt, dass sie entweder alle Verben oder zumindest große Gruppen von Verben unterschiedlicher Bedeutung erfassten.

2. Die zusammengesetzten Verbformen der litauischen Sprache sind nicht in allen Fällen gleichermaßen grammatikalisiert. Ihr Grammatikalisierungsgrad hängt von der Bedeutung des Partizips ab: Je näher sie der Verbbedeutung steht, desto enger ist die Verbindung zwischen den Bestandteilen der zusammengesetzten Form; umgekehrt gilt: Je näher sie der Adjektivbedeutung steht, desto schwächer ist diese Verbindung und desto weniger hat sich die zusammengesetzte Form von Konstruktionen mit zusammengesetztem Prädikat verselbstständigt, mit denen sie ihrer Herkunft nach zusammenhängt.

3. Partizipien, denen verbale Eigenschaften fehlen oder die adjektivisch gebraucht werden, bilden mit dem Verb sein keine zusammengesetzten Formen. Dasselbe Partizip kann in einem Fall ausgeprägte verbale Eigenschaften aufweisen und mit dem Verb sein zusammengesetzte Formen bilden, in einem anderen Fall ausgeprägte adjektivische Eigenschaften besitzen und mit dem Verb sein keine zusammengesetzten Verbformen bilden. Die Grenze zwischen zusammengesetzten Verbformen und analogen Konstruktionen mit zusammengesetztem Prädikat ist nicht scharf. Dies zeigt, dass die zusammengesetzten Verbformen der litauischen Sprache noch nicht vollständig gefestigt und von den Konstruktionen abgegrenzt sind, aus denen sie hervorgegangen sind. Begünstigt wird dieser Zustand insbesondere dadurch, dass sich die Partizipien, die Bestandteil zusammengesetzter Formen sind, ihrer Form nach nicht von attributiven Partizipien unterscheiden.

4. Die zusammengesetzten Passivformen sind die einzigen finiten Passivformen im Litauischen. Sie bilden die Grundlage der Kategorie des Genus der finiten Verbformen. Als Ausdrucksmittel des Passivs dienen die in zusammengesetzte Formen eingehenden Passivpartizipien.

5. Partizipien, die ohne Hilfsverb mit der Bedeutung zusammengesetzter Präsensformen gebraucht werden, sind nicht als zusammengesetzte Formen anzusehen.

6. Die in den älteren schriftlichen Denkmälern der litauischen Sprache (16.–17. Jahrhundert) belegten zusammengesetzten Verbformen unterscheiden sich in ihrer Struktur im Wesentlichen nicht von den heutigen zusammengesetzten Formen. In den Schriften jener Zeit sind zusammengesetzte Infinitivformen sehr selten; dagegen sind Formen, die mit einem Präsens Aktivpartizip ohne das Affix be- gebildet sind, recht häufig; sie kommen heute noch in den Dialekten der Gegenwartssprache vor. Außerdem werden Partizipien mit der Bedeutung zusammengesetzter Präsensformen, die ohne Hilfsverb stehen, vermutlich entweder zur genaueren Wiedergabe des ausgesagten Gedankens oder unter dem Einfluss fremder Sprachen so gut wie nicht verwendet. Einige vorkommende Unterschiede sind auf wörtliche Übersetzung zurückzuführen.

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STRUKTUR DER ZUSAMMENGESETZTEN VERBFORMEN IN DER LITAUISCHEN LITERATURSPRACHE

Н. СЛИЖЕНЕ

Zusammenfassung

Zusammengesetzte Verbformen im Litauischen werden aus einem Partizip des Präsens oder der Vergangenheit mit eigenständiger lexikalischer Bedeutung und den konjugierten Formen des Hilfsverbs būti „sein“ gebildet. Mit aktiven Partizipien werden zusammengesetzte Aktivformen, mit Passivpartizipien Passivformen gebildet.

Zusammengesetzte Formen mit aktiven Partizipien der einmaligen Vergangenheit oder mit Passivpartizipien der Vergangenheit werden als perfektive Formen bezeichnet (atliktinės), z. B.: esu pasiuntęs, -usi, buvau pasiuntęs, -usi, esu pasiųstas, -a usw.

Zusammengesetzte Formen mit aktiven Präsenspartizipien mit dem Affix be- werden als ingressiv bezeichnet (pradėtinės), z. B.: buvau besiunčiąs, -ianti, būsiu besiunčiąs -ianti usw.

Neben den perfektiven Passivformen gibt es noch zusammengesetzte Formen mit Passivpartizipien des Präsens, z. B.: esu siunčiamas, -a, buvau siunčiamas, -a usw.

Die Hauptkomponente der zusammengesetzten Tempusformen ist das Partizip, da es eine eigenständige lexikalische Bedeutung hat und erkennen lässt, zu welchem Verb die jeweilige Tempusform gehört. Vom Partizip hängt die Genusbedeutung der zusammengesetzten Formen ab; bei den zusammengesetzten perfektiven Formen hängt von ihm teilweise auch die Tempusbedeutung ab, die mit zwei zeitlichen Ebenen verbunden ist.

Die Partizipien, die Bestandteil zusammengesetzter Tempusformen sind, unterscheiden sich in ihrer Form nicht von Partizipien, die in anderen Fällen verwendet werden, darunter auch von attributiven Partizipien. Wie attributive Partizipien weisen auch die Partizipien zusammengesetzter Tempusformen Markierungen für Genus, Numerus und Kasus auf; sie unterscheiden sich jedoch durch ihre verbale Bedeutung und bezeichnen daher keine attributive Beziehung zwischen Subjekt und Prädikat. In Verbindung mit einem Hilfsverb bezeichnen Partizipien nicht eine Eigenschaft des Gegenstands, sondern was er getan hat, was mit ihm geschieht usw. Als Spur ihrer qualitativen Bedeutung ist in vielen Fällen neben der Handlungsbedeutung noch eine Zustandsbedeutung spürbar, die als Ergebnis der betreffenden Handlung entsteht. Dadurch stehen die zusammengesetzten Tempusformen in Verbindung mit Konstruktionen, die im Satz als zusammengesetztes Prädikat auftreten und aus denen sie hervorgegangen sind.

Partizipien weisen nicht nur Eigenschaften des Verbs, sondern auch des Adjektivs auf. Manchmal treten die adjektivischen Eigenschaften ganz in den Vordergrund und die Partizipien gleichen Adjektiven, da sie keine Bedeutung verbaler Kategorien haben, z. B.: netikęs peilis „unbrauchbares Messer“, tinkamas drabužis „passende Kleidung“, patenkintas vaikas „zufriedenes Kind“ usw. Solche Partizipien bilden keine zusammengesetzten Tempusformen.

Die Partizipien einiger Verben weisen in manchen Fällen ausgeprägte verbale Eigenschaften auf und bilden mit dem Verb būti zusammengesetzte Tempusformen, während sie in anderen Fällen ausgeprägte adjektivische Eigenschaften haben und mit dem Verb būti keine zusammengesetzten Formen bilden, vgl.: čia molis yra ištižęs „hier ist der Ton weich geworden“ und šitas žmogus yra ištižęs „dieser Mensch ist träge“. In einem gesonderten Kapitel dieses Artikels werden einige Kriterien zur Abgrenzung zusammengesetzter Tempusformen von analogen Konstruktionen angeführt, die aus einem Partizip und dem Verb būti bestehen, aber keine zusammengesetzten Formen sind. In manchen Fällen ist die Grenze zwischen ihnen nicht ganz klar, da sich die zusammengesetzten Tempusformen des Litauischen noch nicht endgültig von den Konstruktionen abgegrenzt haben, aus denen sie hervorgegangen sind.

Die zweite Komponente der zusammengesetzten Tempusformen – das Hilfsverb – hat ausschließlich eine Hilfsfunktion. Es besitzt keine lexikalische Bedeutung, sondern bildet die zusammengesetz-

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… die Form grammatisch, indem sie ihr die Bedeutungen der grammatischen Kategorien Tempus, Modus, Person und Numerus verleiht. Das Hilfsverb ist der wichtigste, aber nicht der einzige Träger der grammatischen Bedeutung zusammengesetzter Formen, da zusammengesetzte Formen mit denselben Formen des Hilfsverbs, aber unterschiedlichen Partizipformen verschiedene grammatische Bedeutungen haben. Somit hängt die Bedeutung zusammengesetzter Formen auch vom Partizip ab.

Zusammengesetzte Formen des Konjunktivs werden auch mithilfe zusammengesetzter vollendeter Formen des Hilfsverbs gebildet, z. B.: būtų buvęs girdėjęs, būtų buvęs girdėtas, būtų buvęs girdimas. Für diese Formen ist eine ausgeprägte Bedeutung der Vergangenheit charakteristisch.

Zusammengesetzte Tempusformen sind also feste Verbindungen eines bedeutungstragenden und eines Funktionswortes, die weder lexikalisch noch grammatisch unterscheidbar sind. Die Grundlage ihrer lexikalischen Ununterscheidbarkeit ist die Desemantisierung des Hilfsverbs, da es ohne lexikalische Bedeutung nicht selbstständig funktionieren kann. Die grammatische Ununterscheidbarkeit ergibt sich daraus, dass die grammatische Bedeutung zusammengesetzter Formen nicht der Summe der grammatischen Bedeutungen von Hilfsverb und Partizip entspricht, sondern eine neue, ganzheitliche Bedeutung darstellt. Zusammengesetzte Tempusformen gehören zum System der konjugierten Verbformen, da sie entweder das gesamte lexikalische System des Verbs oder große Gruppen von Verben mit unterschiedlichen lexikalischen Bedeutungen erfassen und ihre Bedeutung der Bedeutung einfacher Tempusformen entspricht (z. B.: siunčia — yra siuntęs — yra siųstas, siuntė — buvo siunčiamas usw.). Die Entsprechung zwischen der Bedeutung zusammengesetzter Tempusformen und der Bedeutung einfacher Tempusformen ist ihr wesentliches Merkmal und zeigt, dass es sich nicht um eine freie Wortverbindung, sondern um eine grammatische Wortform handelt.

Die konjugierten Formen des Passivs sind im Litauischen ausschließlich zusammengesetzt. Der Träger der passivischen Bedeutung ist das in ihnen enthaltene Passivpartizip. Zusammengesetzte Passivformen sind für transitive und einige intransitive Verben charakteristisch. Die meisten intransitiven Verben haben nur Aktivformen.

Alle Tempusformen des Verbs, mit Ausnahme der zusammengesetzten Inchoativformen, können sowohl im Aktiv als auch im Passiv stehen, z. B.: bara — yra baramas, barė — buvo baramas, yra baręs — yra bartas, išbarė — buvo išbartas, bartų — būtų baramas, būtų baręs — būtų bartas usw. Zusammengesetzte Inchoativformen treten nur im Aktiv auf.

Mit der Bedeutung zusammengesetzter Präsensformen, besonders in der dritten Person, werden häufig Partizipien des Präsens oder der Vergangenheit ohne Hilfsverb gebraucht, z. B.: Iš kito krašto jūs atėję „Aus einem anderen Land seid ihr gekommen“ (wörtl.: „gekommen“). Solche Partizipien gelten als entsprechende Präsensformen (zum Beispiel als perfektive usw.), jedoch nicht als zusammengesetzte Formen.

Die in litauischen Denkmälern des 16.–17. Jahrhunderts verwendeten zusammengesetzten Verbformen unterscheiden sich in ihrer Struktur im Wesentlichen nicht von den modernen. Lediglich in der Schrift jener Zeit kommen zusammengesetzte Inchoativformen sehr selten vor; recht gebräuchlich sind dagegen Formen mit einem Aktivpartizip Präsens ohne das Affix be-, z. B.: būvo ėssąs, bus sėdis („Postille“ von M. Daukša). Auch heute kommen sie noch gelegentlich in einigen Dialekten der modernen Sprache vor.

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