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LIETUVIŲ KALBOS GRAMATIKOS TYRINĖJIMAI LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

DAS SUBSTANTIV DES ZIETELO-DIALEKTS

A. VIDUGIRIS

Zietela ist der am weitesten südlich von der Grenze der Litauischen SSR gelegene Ort, an dem seit alters Menschen erhalten geblieben sind, die Litauisch sprechen. 1957 beherrschten in der Umgebung von Zietela noch über 40 Menschen, überwiegend alte Leute, das Litauische mehr oder weniger gut. Die meisten von ihnen waren im Dorf Zasečiai geboren, nur zwei in Pagiriai. Innerhalb von zehn Jahren (bis 1967) verringerte sich die Zahl der Litauisch sprechenden Menschen in der Umgebung von Zietela um mehr als die Hälfte: Der größte Teil starb, einige zogen fort; zwei gingen in die Volksrepublik Polen, einer in die Ukrainische SSR. 1962 starben die beiden letzten alten Frauen aus dem Dorf Pagiriai, die Litauisch gut beherrscht hatten. Außerdem leben einige der noch verbliebenen alten Leute weit voneinander entfernt und haben niemanden, mit dem sie Litauisch sprechen können; deshalb haben sie diese Sprache stark vergessen. Somit gibt es heute nicht einmal mehr zehn gute Vertreter dieses Dialekts.

Der litauische Dialekt von Zietela ist aufgrund seiner jahrhundertelangen isolierten Lage für die Sprachwissenschaft von großer Bedeutung, sowohl wegen der bewahrten archaischen als auch wegen der neu entstandenen Merkmale. Daher galt diesem Dialekt bereits vor mehr als achtzig Jahren Interesse. Untersucht wurde er von E. Volteris, K. Būga, J. Rozvadovskis, P. Aruma, Chr. Stang, J. Gerulis, E. Frenkelis u. a.¹ Zahlreiches Material ist auch in Z. Zinkevičius’ „Lietuvių dialektologijoje“ (Vilnius, 1966) enthalten. Die Arbeiten aller genannten Sprachwissenschaftler liefern jedoch über diesen Dialekt meist nur einzelne wichtige Angaben, geben aber kein vollständiges Bild von ihm.

Um diese Lücke zumindest teilweise zu schließen, untersuchte der Verfasser 1957—1960 eigens die Phonetik und Morphologie des Zietela-Dialekts. Ein Teil der Untersuchungen zu diesem Bereich ist bereits veröffentlicht worden².

Hier wird eine Beschreibung des Substantivs im Zietela-Dialekt vorgelegt. Neben der Flexion wird darin erstmals auch die Wortbildung der Substantive dieses Dialekts eingehender behandelt. Das illustrative Material wurde um das eine oder andere später aufgezeichnete Beispiel ergänzt, größtenteils aus den Jahren 1962—1967.

WORTBILDUNG

§ 1. Im Zietela-Dialekt bilden die Suffixableitungen die größte Gruppe der Substantivableitungen; zusammengesetzte Wörter sowie Präfix- und Endungsableitungen sind nur sehr wenige belegt.

Suffixbildungen

§ 2. Suffixbildungen werden nach bestimmten Bedeutungsgruppen eingeteilt. Die Bildungen jeder solchen Gruppe werden nicht alphabetisch, sondern entsprechend der Häufigkeit der Suffixbildungen behandelt, wie auch in der „Grammatik der litauischen Sprache“³.

1 Siehe „Fragen der litauischen Sprachwissenschaft“ (im Folgenden LKK), Bd. 2, Vilnius, 1959, S. 239 ff.

2 Zum Pronomen siehe LKK, Bd. 3, S. 113—131; zur Bildung der Verben mit den Suffixen -inėti, -dinėti siehe MAD, A, Bd. 2(11), S. 219—231. Einige Bemerkungen zur Phonetik des Dialekts siehe LKK, Bd. 2, S. 195 ff.

3 Siehe Institut für litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR, Grammatik der litauischen Sprache, Bd. 1, Vilnius, 1965, S. 251—473.

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Diminutive

§ 3. Die Bedeutung diminutiver, hypokoristischer sowie augmentativer und pejorativer Suffixbildungen ist dieselbe wie im Standardlitauischen. Im Artikel werden die Bedeutungen der Verkleinerung und der Zärtlichkeit bei den Bildungen nicht unterschieden; gesondert behandelt werden nur Bildungen mit augmentativer und pejorativer Bedeutung. Ebenfalls getrennt behandelt werden Wörter, die keine diminutiv-hypokoristische Bedeutung mehr besitzen.

§ 4. -ėlis, -ė. Das Suffix -elis, -ė (nach verhärteten Konsonanten als -alis, -ė ausgesprochen) ist eines der produktivsten. Bildungen mit diesem Suffix werden gewöhnlich von zweisilbigen Substantiven abgeleitet, die Gegenstände, Pflanzen, Tiere, Personen, Körperteile von Menschen (oder Tieren) usw. bezeichnen, z. B.: akėlės4, bandėlė, bernėlis, beržālis ~ beržėlis, burnėlė, dalgėlė, daržālis ~ daržėlis, dāubėlė || duᵒbėlė, drāugėlis, duᵒnėlė, galvėlė, girālė ~ girėlė, giẽsmėlė, graštālis, kalnėlis, kampālis, kartėlė, kelālis ~ kelėlis, kojālės, kruᵛvėlė, kuᵒlālis ~ kuolėlis, lamptėlė „Täfelchen“, lankėlis, liẽpālis „Lindenbäumchen“ (vgl. liẽpas „Linde“) lovālis, mergėlė, piᵛvėlė, pirkėlė, plostālis „Plättchen“, ragālės „Schlitten“ (vgl. rāgos „Schlitten“), rankėlė, ratālis, sodālis, stalālis ~ stalėlis; suᵛnėlis, šākėlė, širādėlė, tvarṭėlis, uᵒgėlė, upālė (selten upālis), vaikālis, vartālei, virvėlė, žagrāle ~ žagrėlė, žirgėlis, žmოგėlis.

Neben litauischen Bildungen gibt es auch zahlreiche Hybridbildungen, z. B.: bočālis „Väterchen“, chmorālė „Wölkchen“, grušālė „Birnchen“, kapālė „Hügelchen“ katkālė „Scheibchen“, klėtkālė „Käfigchen“, kliⁿnėlis „Keilchen“, kruᵛkėlis „Häkchen“, kšonškālė „Büchlein“, kupkālės „Töpfchen“, kurᵛkālė „Häufchen“, kvietkālė „Blümchen“, kvosālis „Wägelchen“, loznālė „Weidenrütchen“, mastālis „Brückchen“, skuᵛlāle „Hüttchen“, skuᵛrāle ~ skūrėlė, trubālė „Röhrchen“, tbnālėlis „kleiner Zaun aus Fässern“, verbālė „kleines Weidengebüsch“, vesālė „Dörfchen“.

Bei einzelnen Bildungen mit diesem Suffix ist die diminutive, hypokoristische Bedeutung verblasst; einige wenige besitzen eine besondere Bedeutung, z. B.: bobālė „Vorrichtung zum Schärfen der Sense; Spitzwegerich (Pflanze)“, kuᵒjālis „Hammer“, kuᵒdėlis, vadāles, važālis „Wagen“, višālėlis „Küken“.

Auch Eigennamen, die mit diesem Suffix gebildet sind, haben gewöhnlich ihre Verkleinerungs- oder Kosebedeutung verloren, z. B. Ortsnamen Trakėliai „Feld des Dorfes Zasėčiai“; Familiennamen und Spitznamen Bagd(z)ėlis, Cigėlis, Dargėlis, Gaidėlis, Ponėlis, Trainėlis, Vaškėlis, Žukėlis (Dorf Zasėčiai), Černėlis (Dorf Kurpešiai); vgl. die im 16. Jh. slawisierten Vor- und Familiennamen (Patronyme?) Юкрель, Ккрель sowie Стулькрелевич (Stulg-el-evičius) (Dorf Pagiriai), Григелевичъ (Dorf Naričiai), Бонелевичъ, Бобрелевичъ, Яне-левичъ, Нарелевичъ, Стаселевичъ (Dorf Strėla).

Mit dem Suffix -elis, -ė kommen auch Wörter vor, die von mehrsilbigen Substantiven abgeleitet sind, z. B.: paršukėlis sowie Hybridbildungen baronėlis „Lämmchen“, dubravėlė „kleiner Sumpf“, (u)z-bonėlis „Krüglein“. Eine solche Wortbildung ist jedoch für den Dialekt nicht charakteristisch.

4 Die Beispiele sind in vereinfachter phonetischer Transkription wiedergegeben.

Die Akzentzeichen geben zugleich die Lautlänge an, mit Ausnahme der ersten Komponenten der gemischten Diphthonge mit fallendem Tonverlauf i, u + l, m, n, r, die stets kurz sind. Die Länge der unbetonten Laute a, e, i, u wird durch einen Punkt oben rechts neben dem Buchstaben gekennzeichnet. Die Länge der von Natur aus langen Laute o und ė wird nicht bezeichnet. Eigennamen werden großgeschrieben.

5 Siehe Акты издаваемые Виленскою археологическою комиссиею для разбора древнихъ актовъ, Bd. 14, Вильна, 1888, S. 203—225 (im Folgenden Акты…).

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Ableitungen, die von Substantiven männlichen Geschlechts gebildet sind, sind überwiegend männlichen Geschlechts; Ableitungen von Substantiven weiblichen Geschlechts sind weiblichen Geschlechts. Ausnahmen sind selten: vištėlis (vgl. višta) und upėlis neben der häufigeren Form upėlė (vgl. upė).

§ 5. -(i)ukas, -ė. Ableitungen mit diesem Suffix gibt es sehr viele. Sie werden vor allem von Substantiven männlichen Geschlechts unterschiedlicher Bedeutung gebildet. Der unmittelbar vor diesem Suffix stehende Konsonant ist nur selten palatalisiert, z. B.: ačiukas „kleines Gefäß, kleines Tässchen“, berniukas, dėdžiukas „Großvater“, gaidžiukas, medžiukas, paučiukas „Ei“, pėdžiukas, tvarčiukas. Ansonsten ist dieser Konsonant hart (bei einzelnen Ableitungen kann dies auch auf die Verhärtung der Konsonanten l, r, s, ž und der Affrikaten č, dž zurückzuführen sein), z. B.: akmeniukas, alūkas, arklūkas „Pferdchen“, berniukas, beržukas, dantukai, dvūmukai, gaidukas, gebukas, grūdūkas, jėrukas, kaisniukas „kleiner Korb“, kampukas, kaulūkas, kelmukas, kiemūkas, kraštukai, lapūkas, laužukas, litukas „Litauisch“, maišukas, metukai, namukas, paršūkas, peliukas, pienukas, pilvukas, puodžiukas, ramtukas „Stöckchen“, ražiukas „kleiner Besen“, samtukas, sodukas, šiltukas „Flämmchen, kleines Licht“, šienukas, šuniukas, tiltukas, veršūkas, viršūkas, žiėdukas.

Das Suffix -ukas wird auch an Pluraletantum angefügt, z. B.: bubulūkai „kleine Kinder; Kügelchen“, katinukas, komolūkas „Bällchen“, kubilūkas, kumelūkas, lašinukai, lopinukas, lovitūkas, naginukai, truputukas „Krümel“, vištelūkas, žagarūkai, žolitūkai.

Von Ableitungen weiblichen Geschlechts mit diesem Suffix sind nur vištukė, žolukė belegt. Sie sind von Substantiven weiblichen Geschlechts gebildet. Gelegentlich kommt auch die eine oder andere Ableitung männlichen Geschlechts vor, die von Wörtern weiblichen Geschlechts gebildet ist, z. B. širdūkas „Baumkern“ – von širdis „Herz“; kirmėlūkas – von kirmėlė; mergitūkas „freches Mädchen“ – von mergitė.

Eigennamen mit diesem Suffix sind selten, z. B. Juozapūkas, Pāulūkas „Poviliukas“, Petrūkas, Vincūkas.

Vergleichbar sind Eigennamen ohne diminutiv-affektive Bedeutung, die sowohl litauischer als auch slawischer Bildung sein können, z. B.: Mančūkas, Šaipūkas, Tumūkas „Familiennamen aus dem Dorf Zasečiai“, Maziuk, Szymruk „Familiennamen auf Grabdenkmälern im Dorf Nartys und in der Stadt Zietela“. Das Wort klaušiukas, das zur Bezeichnung der Litauer von Zietela als Spitzname dient, wurde vermutlich von nichtlitauischsprachigen Einwohnern gebildet.

§ 6. -yka. Dies ist eines der charakteristischsten Nominalsuffixe des Zietelaer Dialekts. Der Vokal i in diesem Suffix (in der literarischen Sprache von uns als y wiedergegeben) wird von den Sprechern des Zietelaer Dialekts sehr unterschiedlich ausgesprochen. Am häufigsten ist ein undeutlicher Laut der mittleren Reihe -bĭ- zu hören (manchmal -bĭ-, -bĭ-, -ui-), z. B.: avbika „Schäfchen“, bitbika „Bienchen“, galvĭika „Köpfchen“, duobĭbĭika „Grübchen“, sesbika „Schwesterchen“, skepetūika „Kopftuch“. Nach j, manchmal auch nach č, g, k, n ist ein vorderer Vokal -i- oder -ii- zu hören, z. B.: akikąs „Äuglein“, kelniikos „Höschen“, kojikos, mergika, mergučika „Mädchen“, šaūjiika || šaūjiika „Händchenvoll“, užvoganĭika⁶.

⁶ Verschiedene Forscher dieses Dialekts schreiben dieses Suffix unterschiedlich: E. Volteris (E. Wolter, “Mitteilungen der Litauischen litterarischen Gesellschaft“, t. 4. Heidelberg, 1899, p. 169–171; im Folgenden – MLLG) – avuika || avika, paštuika, sesuika; K. Būga (Zẏtelos šnekta, rankraštis, Vilniaus Valstybinio V. Kapsuko v. universiteto bibliotekos Rankraštynas, p. 17–19; im Folgenden – ZŠ) – galvōyka, zibōyka „Fischlein“; P. Aruma (P. Aruma, Litauische mundartliche Texte aus der Wilnaer Gegend mit grammatischen Anmerkungen, Dorpat, 1931, p. 45, 50; (im Folgenden – LMT). – duktȯi-ka, ski̇lȯi-komi; Chr. Stangas (NTS, t.18, p. 178) – pašūtbika.

Die Herkunft des Suffixes – bĭ-ka lässt sich phonetisch nicht erklären, da i nach den Konsonanten b, d, l, p, s, r, v im Dialekt nicht zu bĭ wird. Möglicherweise hat sich im Suffix -bĭ-ka durch Kontamination

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Der Häufigkeit nach ist dies das dritte Diminutiv- und Kosesuffix für Substantive. Ableitungen damit werden überwiegend von konkreten Substantiven des Femininums gebildet, z. B.: ausbika „Öhrchen“, duktbika „Töchterchen“, kalbika „Hündchen“, kamarbika „kleiner Vorratsraum“, karvbika, kaulbika, krupbika „Krümelchen“, mešbika, plutbika, skiedbika „Splitterchen“, straisbika „Säckchen“, paustbika, saulbika, skilbika, tašlbika „Teiglein; kleines Backfass“ terlbika „Krüglein“, verpsbika, višnikos, višbika, za-sūka „Gänschen“, zvaizdbikos „Sternchen“, žvirždbikos „Sandkörnchen“.

Es gibt auch Ableitungen mit -yka, die von mehrsilbigen Wörtern gebildet wurden, z. B.: adatbika, api-varbika, avitbika || avultbika, bazničika, daržinika, karvybitbika „Kühlein“, kumelbi-ka, mergaitbika „Mädchen“, moterbika, peludbika, pirkaitbika „kleine Kammer“, skepetbika, spadničika „Unterrock“.

Gelegentlich kommt auch die eine oder andere Ableitung mit dem Suffix -ykas vor, die von Maskulina gebildet wurde, z. B.: liežuvbikas „Zünglein“, brolykas7, akmuikas, vanduikas8. Das Suffix -ykas steckt möglicherweise auch in der Ableitung lovi-kūtas „Bettchen“.

§ 7. -ėlis, -ė. Mit diesem Suffix werden Ableitungen von mehrsilbigen Substantiven verschiedener Art gebildet, meist von solchen mit konkreter Bedeutung, z. B.: an(k)sli-nėlis „kleiner Erlenhain“, aržolėlis „Eichenbäumchen“, berži-nėlis, gelaistuvėlis „kleiner Schleifstein“, kunodėlė „Kartöffelchen“, šeimi-nėlė, tvartukėlis, užuoganėlė, vainikėlis, vakarėlis, valvadėlis „Leitseilchen“, van-dėnėlis, vuodegėlė; vgl. die Hybridbildungen beragėlis „Uferchen“, baronėlis „Lämmchen“, budin-kėlis „kleines Gebäude“, čelnokėlis „Weberschiffchen“ čeravi-kėlei „Schühchen“, deravėkėlė „Balkenchen“, drobinėlė „Leiterchen“, kančiukėlis „kleine Peitsche, kleine Knute“, koplonėlis „Pfäfflein“, kulbokėlė „Sättelchen“, kvartukėlis „Schürzchen“, lančiugėlis „Kettchen“, mala-tėlis „Hämmerchen“, pi-ragėlis, primokėlis „kleines Anzündholz“, sožaukėlė „kleines Bündel“.

Vgl. auch den Familiennamen Tumūšėlis aus Zasečiai. Aus der Schreibung der Familiennamen des 16. Jahrhunderts Банакрель, Бa-накреловичъ (Vanag-el-iovičius9 ist nicht ersichtlich, ob damals das Suffix -elis oder — -ėlis vorlag.

§ 8. -utas, -a. Ableitungen mit -utas, -a werden überwiegend von Substantiven des Maskulinums gebildet, z. B.: kištūkas, langūtas, nagūtas, vaikūtas, vilkūtas, žmogūtas; vgl. auch die Hybridbildung cviekūtas „Nägelchen“. Ableitungen dieses Suffixes von Substantiven des Femininums gibt es nur vereinzelt. Von ihnen ist am gebräuchlichsten lediglich mer-gutė „Mädchen“ (Pl. mergūtos, häufiger mergūčos). Das Suffix -utas, -a wird auch recht häufig an Ableitungen mit anderen diminutiv-kosenden Suffixen angefügt, z. B.: bermukū-tas, jerukūtas, kaisnukūtas „kleines Kästchen“, kašikūtas „Körbchen“, kumelukūtas „Fohlen“, lovi kūtas, paršūkūtas, ridikūtas, telukūtas, veršūkūtas „kleines Rindchen, kleines Stierchen“. Dann verstärkt es noch die diminutiv-kosende Bedeutung der Ableitungen.

§ 9. -utis, -ė. Ableitungen mit diesem Suffix werden ebenfalls überwiegend von Substantiven gebildet, z. B.: bernutis, bandūtė, mergūtė, momutė „Mütterchen“, menutis „Mondchen“ (Grundwort mėnas) saulūtė. Aus einem Adjektiv ist das Substantiv vėsūtė „abgekühlt-“

— einige Suffixe. Schon E. Frenkel (E. F r a e n k e l, „Balticoslavica“, Bd. 2, S. 57) vertrat die Auffassung, dass dieses Suffix (er schrieb -uika) aus der Verbindung von -ukas und -ykas entstanden sei. Die Ansicht, dass -uika durch Kontamination aus -ukas, -ė, -ykas, -a entstanden sein könnte, wurde am überzeugendsten von P. Skardžius begründet (APh, Bd. 6, S. 131–132; LKŽD, S. 160, 365). Vielleicht hängt mit -ka(s) das heute im Dialekt nicht mehr gebräuchliche Suffix -eika zusammen; vgl. die von K. Būga (Zš, S. 17–18) aufgezeichneten Ableitungen motereika, živei-ka mit dem Vermerk dim. (Diminutive) (sofern diese Formen nicht Varianten von -yka sind).

7 Siehe K. Būga, Rinktiniai raštai, Bd. 1, Vilnius, 1958, S. 305.

8 Siehe E. Fraenkel, a. a. O., S. 56; P. Skardžius, APh, Bd. 6, S. 131, LKŽD, S. 160, 365.

9 Акты... т. 14, р. 303–306.

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„vėsis“, vom Verb abgeleitet — truputis „ein Krümchen“ (vgl. truputis „ein Krümel“). Die Ableitungen mit dem Suffix -utis, -ė haben keine diminutiv-affektive Bedeutung mehr: blakutė, selten blakutė „Wanze“, rągutės „Schlitten“, žmogutis „Pupille, Püppchen“.

Mit dem Suffix -utis kommen gelegentlich auch einige wenige Personennamen vor, z. B.: Sigirskūtis „Sohn des Sigirs“, Svibūtis „Sohn des Svibas“; vgl. die Vor- und Familiennamen (Patronyme) in den Inventaren der Gutshöfe im Gebiet von Zietela aus dem 16. Jahrhundert: Молдутъ (Dorf Savičiai), Пенькутъ (Dorf Dainava), sowie Довкутевич (Dauk-ut-evičius), Кестутевич (Dorf Pagiriai), Нарутевич (Dorf Strėla)¹⁰.

§ 10. -ytis, -ė. Mit dem Suffix -ytis, -ė sind nur die folgenden Substantive belegt: karvītė, lovītis, mergītė. Häufiger tritt es zusammen mit anderen Suffixen auf, z. B.: avìt'bìlka (aufgrund der Vokalharmonie auch avbūt'bìka), lovì'tūkas „Bettchen“, vaikì'tūkas „Kindchen“, za'sì't'bìka „Gänschen“.

§ 11. -aitis, -ė. Ableitungen mit diesem Suffix sind im Dialekt selten. Die Wörter werden gewöhnlich von Substantiven abgeleitet, z. B.: bernàitis, mergàitė; vgl. das von E. Volteris (MLLG, Bd. 4, S. 172) aufgezeichnete Wort ponàitė. Das Wort pirkàitė „Kammer“ hat keine diminutiv-affektive Bedeutung. Vgl. auch die häufig verwendeten Substantive mit zwei Suffixen: mergaitbìka, pirkaitbìka.

Mit dem Suffix -aitis, -ė werden auch Personennamen gebildet, z. B.: Jurkàitis „Sohn des Jurka“, Laurukàitis „Sohn des Laurukas“¹¹, sowie Ortsnamen, z. B.: Balàitės „Wiese im Dorf Zasečiai“, Pievàitė „Feld im Dorf Zasečiai“.

§ 12. -(i)ulis, -ė. Mit diesem Suffix sind nur einige wenige Ableitungen belegt. Es handelt sich um von Substantiven abgeleitete Wörter: bočiùlis „Väterchen“, dievùlis; vom Adjektiv abgeleitet ist der Name einer Kuh Margùlė, und vom Lautwort bubùlis „kleiner Knirps“, vgl. bubùlùkai.

§ 13. -užėlis, -ė. Eigenständige Ableitungen mit dem Suffix -užis, -ė sind im Dialekt nicht belegt. Es ist nur in den Liedwörtern bernužėlis, mergužėlė in dem zusammengesetzten Suffix -užėlės, -ė belegt.

§ 14. -ynas, -a. Mit diesem Suffix ist nur ein Substantiv mit affektiver Bedeutung belegt: sàulì'na, selten sàulìna. Pejorativ wird die Ableitung mit diesem Suffix pagonìnas „unhöflicher, nachlässiger junger Mann“ verwendet.

§ 15. -ikas. In Wörtern litauischer Herkunft kommt das diminutiv-affektive Suffix -ikas nur selten vor, und zwar nur als Teil des zusammengesetzten Suffixes -ik-utas, z. B.: bernikùtas „Bübchen“, paršikùtas „Ferkelchen“.

§ 16. -itkas. Dieses Suffix für Adjektivableitungen (vgl. báltitkas „weißlich“) wird gelegentlich auch an Substantive angefügt, um eine geringe Größe auszudrücken, z. B.: vaìkitkas „Kindchen, kleines Kind“.

§ 17. In den Zietela-Dialekt sind auch einige wenige diminutiv-affektive Suffixe slawischen Ursprungs gelangt. Davon sind folgende zu nennen:

a) -ikas. Nach belarussischem und polnischem Vorbild bildet man im Dialekt mit diesem Suffix heute besonders gern diminutiv-affektive Personennamen, z. B.: Álikas „Aliukas, Algiukas“, Barnádikas „Bernardukas“, Dònikas „Danieliukas“, Jùzikas „Juozukas“, Kázikas „Kaziukas“, Kóstikas „Kastukas“, Valėrikas „Valeriukas“; vgl. weitere Entlehnungen mit diesem Suffix: kùmpikas „kleiner Hügel“, kaptánikas „abgetragene Jacke, Jäckchen“, krìžikas „Kreuzchen“;

¹⁰ Акты..., т. 14, р. 213, 215, 226.

¹¹ Beide Personennamen wurden von Kotryna Žukelytė-Jodienė, einer litauischen Lehrerin aus dem ehemaligen Dorf Zasečiai, vor Ort aufgezeichnet.

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b) -usis, -ė. Mit diesem Suffix werden ebenfalls häufiger Personennamen gebildet, z. B.: Bōlūsis „Baliukas“, Kastūsis „Kastukas“, Marūsė „Marytė“. Unter den Gattungsnamen ist momūsė „Mütterchen“ zu erwähnen; vgl. das reine Lehnwort tatūsis „Väterchen, lieber Vater“.

c) -ilka. Dieses hybride Suffix findet sich im pejorativ gebrauchten Substantiv mergilka „leichtfertiges Mädchen“;

d) -ečkas. Mit diesem slawischen Suffix ist nur das Wort ažarėčkas „kleiner See, armseliges winziges Seechen“ belegt.

Bezeichnungen für Handlungen und deren Ergebnisse

§ 18. Da Bezeichnungen für Handlungen und deren Ergebnisse hauptsächlich von Verben abgeleitet werden und dieselben Ableitungen häufig sowohl eine Handlungs- als auch eine Ergebnisbedeutung haben können, werden sie daher an einer Stelle behandelt. Zunächst werden charakteristischere suffixale Handlungsbezeichnungen aufgeführt, anschließend Bezeichnungen für Handlungsergebnisse.

a) Suffixe von Handlungsbezeichnungen:

§ 19. -imas. Dies ist eines der produktivsten Suffixe des Dialekts. Seine Ableitungen bezeichnen meist eine Handlung, z. B.: akėjimas, arimas, gimimas, gėrimas, jėdimas, prausimas, šienavimas, užtekėjimas, užžimas, žaidimas; vgl. außerdem die hybride Bildung kūrėjimas „Rauchen“. Doch haben zahlreiche Ableitungen mit diesem Suffix auch andere konkrete Bedeutungen angenommen:

a) die eines Handlungsergebnisses, z. B.: arimas „gepflügtes Feld“, ištinimas „geschwollene Körperstelle“, kvėpimas „Geruch“, sarišimas „Verbindung“, tinimas „zu mähender Teil der Sense“, virimas „Sud“;

b) die eines Handlungsobjekts, z. B.: jėdimas „Mahlzeit“, penimas || penėjimas „Futter, Mastfutter“;

c) die eines bestimmten Schriftstücks oder Dokuments, z. B.: laidimas „Genehmigungsschreiben“.

Aus den Beispielen ist ersichtlich, dass die Ableitungen vom Stamm des Präteritums sowohl primärer als auch sekundärer Verben gebildet werden (vgl. gėrimas, kūlimas).

Bei Ableitungen von sekundären Verben wird das Suffix des Präteritumstamms bisweilen ausgelassen, sodass es den Anschein hat, als seien die Ableitungen vom Präsensstamm gebildet, z. B.: gulimas „das Liegen“ (vgl. gulė ir gulėjo), kvėpimas (vgl. kvėpėjo), penimas (vgl. penėjo).

Die meisten Bezeichnungen von Handlungen, die von einfachen Verben abgeleitet sind, können sowohl auf dem Suffix als auch auf dem Stamm betont werden, z. B.: arimas || arimas, gėrimas || gėrimas, kūlimas || kūlimas, pjovimas || pjovimas, užžimas || užžimas. Bezeichnungen für das Ergebnis einer Handlung und für ihr Objekt tragen die Betonung dagegen meist auf dem Stamm.

§ 20. -ymas. Mit diesem Suffix werden Handlungsbezeichnungen gewöhnlich von Verben mit o-Stamm gebildet, z. B.: gani·mas, rūki·mas, saki·mas, seltener ganimas, rūki-mas.

Einige Ableitungen mit diesem Suffix werden auch in konkreter Bedeutung verwendet, z. B.: minki·mas „gekneteter Teig“, pudi·mas, valgi·mas „Mittagessen, Mittagszeit“.

Einzelne Ableitungen mit dem Suffix -ymas sind von Verben mit a-Stamm gebildet, z. B.: būsti·mas „Leben, Dasein“ (vgl. būsta „lebt, ist“), Degimas „Wiese im Dorf Pagiriai“ (vgl. dega).

§ 21. -ulys. Ableitungen mit dem Suffix -ulys werden von Verben gebildet und dienen als Bezeichnungen physiologischer Vorgänge oder Zustände, z. B.: kosulīs „Husten“, skaudulīs „Schmerzempfindung, Schmerz“

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„Husten, Schmerz“, smirdulis „Gestank, übler Geruch“. Einige Ableitungen mit diesem Suffix haben eine konkrete Bedeutung, z. B.: skāudulis „Geschwür“.

§ 22. -ienė. Von Verben sind mit dem Suffix -ienė die Wörter čiužinė „Rutschen, Gleiten (auf Eis, Schnee)“ und žaidinė „Spiel, Vergnügen“ gebildet.

§ 23. -yba. Mit dem Suffix -yba ist nur eine deverbal gebildete Ableitung belegt: dailiba „Division, Teilen“ (vgl. dailīt „teilen“).

§ 24. -estis. Dieses Suffix hat das vom Verb gebildete Wort rūpestis „Sichkümmern um etwas oder Sorge um etwas“.

§ 25. -umas. Mit diesem Suffix ist vom Verb das Wort kvepumas „Duften, Duft“ gebildet (vgl. kvėpa „es duftet“), das sowohl die Handlung als auch deren Ergebnis bezeichnet. Möglicherweise gehört auch das eine Eigenschaft oder das Handlungsergebnis bezeichnende Wort degūmas „Hitze“ zu dieser Ableitungsart (vom Verb dega „brennen“); das Adjektiv degūs kommt in der Mundart nicht vor.

§ 26. Auch die Bedeutung anderer Bezeichnungen für Handlungen, die überwiegend mit unproduktiven Suffixen gebildet sind, hat sich stark konkretisiert, z. B. mit:

a) -lys: diėglis „Stechen, Durchbohren“;

b) -na: šalnà „Frost, Gefrieren“;

c) -smė: giėsmė „Singen, Lied“;

d) -tus: li:tūs „Regnen“.

b) Suffixe zur Bezeichnung von Handlungsergebnissen:

§ 27. -inys. Dieses Suffix haben Wörter konkreter Bedeutung, die von Verben gebildet sind, z. B. kratīnīs „Mischfutter aus Heu und Stroh“, lopinīs, trupinīs.

§ 28. -alas. Mit diesem Suffix gibt es folgende Bezeichnungen für Handlungsergebnisse, die von einfachen Verben gebildet sind: mi:zālai „Urin“, vērpalas „gesponnene Fäden“, viralas „Suppe; manchmal auch Gemüse zum Kochen einer Suppe“.

§ 29. Mit vielen anderen Suffixen ist in der Mundart kaum mehr als je eine Ableitung dieser Bedeutung belegt, z. B.:

a) -eklas || -iklas: audeklas || audiklas;

b) -eta: kupetà;

c) -etys: šepetis (vgl. šèpti);

d) -yna: lupīna || lupī·na „Schale (Kartoffel, Baum)“;

e) -inės: rāžginės ~ rėžginės;

f) -urys: žiburis „Licht, Laterne, Lampe“;

g) -utas: degūtas;

i) -utys: trupūtis „Stückchen, Krümel, Brocken“.

Möglicherweise ist auch das durch das Suffix -enės || -inēs gebildete kėpenės || kėpinēs „Leber, Lebern“ den Bezeichnungen für Handlungsergebnisse zuzuordnen.

Bezeichnungen von Eigenschaften

§ 30. Bezeichnungen von Eigenschaften werden überwiegend aus Adjektiven, seltener aus anderen Wortarten gebildet. Neben einer Vielzahl von Ableitungen mit abstrakter Bedeutung finden sich auch einzelne Substantive mit konkreter Bedeutung. Letztere werden gesondert angeführt.

§ 31. -umas. Die meisten Ableitungen mit diesem Suffix werden aus einfachen (suffixlosen) Adjektiven gebildet. Die Ableitungen können sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechts sein, ohne

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Bedeutungsunterschied. Ableitungen weiblichen Geschlechts sind sogar häufiger. Sie bezeichnen gewöhnlich eine abstrahierte Eigenschaft, z. B.: au(k)štūmà || au(k)štùmas, brangùma, grąžùmas, jìlgumà, karštùmas, kartùma || kartùmas, platùma || platùmas, ruštùma || ruš-tùmas „Säure, sauer“, saldùmas, sausùma, slidùma, storùma, šaltùma „Kälte“, šiltùma „Wärme“, tirštùmas.

Das aus einem adverbial verwendeten Substantiv gebildete Wort daugumas (vgl. daugis, daugelis).

Einzelne Ableitungen mit diesem Suffix haben auch eine konkretere Bedeutung, z. B.: ilgùma „die eigentliche lange Stelle“, platùma „die eigentliche breite Stelle“, sausùma „trockene Stelle“.

§ 32. -yba. Ableitungen mit diesem Suffix werden aus Adjektiven gebildet, z. B.: gerìba „das Gute, Güte“, gi·viba, gražìba, jaunìba „Jugend“, negerìba „das Schlechte, Schlechtigkeit“, piktìba, saldìba. Die Ableitungen haben gewöhnlich einen festen Akzent, gelegentlich wird jedoch auch die Endung betont, z. B.: gražìbà, saldìbà.

§ 33. -umynas, -a. Substantive mit diesem zusammengesetzten Suffix werden ebenfalls aus Adjektiven gebildet. Die von ihnen bezeichnete Eigenschaft ist stärker und intensiver als die durch Ableitungen mit dem Suffix -umas ausgedrückte Eigenschaft. Die meisten Ableitungen mit diesem Suffix sind weiblichen Geschlechts, z. B.: gražùmi·nà „Schönheit, hübsches Ding“, karštùmi·nà „Hitze, große Wärme“, tamsùmi·nà „Dunkelheit, tiefste Finsternis“. Männliche Formen sind selten, z. B.: gražù-minas.

§ 34. -imas. Substantive, die Eigenschaften bezeichnen, werden im Dialekt recht häufig auch aus Adjektiven mit dem Suffix -imas gebildet, z. B.: aštrìmas || aštrìmas „Schärfe“, karštìmas „Hitze“, rušìmas „Säure“, šlapìmas „Nässe“.

Zahlreiche Ableitungen mit dem Suffix -imas werden auch in konkreter Bedeutung verwendet, z. B.: aštrìmas || aštrìmas „Schneide“, min(k)štìmas, tirštìmas.

Hier kann noch ein ähnlich bedeutendes, von einem Zahlwort gebildetes Wort erwähnt werden: trãji-mas „ein dreimal gepflügtes Feld“.

§ 35. -ysta. Es gibt nur wenige Ableitungen mit diesem Suffix. Adjektivischen Ursprungs sind: jaunì·stà „Jugend“, und senì·stà „Alter, Greisenalter, alte Zeit“. Vom Substantiv abgeleitet ist das Besitzverhältnis bezeichnende Wort kùngi·stà, seltener kunìgi stà „Leibeigenschaft“.

§ 36. -ata. Im Dialekt gibt es mit diesem Suffix nur ein aus einem Adjektiv gebildetes Substantiv: švì·katà, seltener šveikatà „Gesundheit, Wohlbefinden“.

§ 37. -aitė. Mit diesem Suffix wurde aus einem Adjektiv das Substantiv pilnaitė „Vollmond“ gebildet. Vielleicht ist in diesem Wort -aitė analog zu anderen Diminutiv- und Koseformsuffixen an die Stelle des Suffixes -atė getreten (die i-Stamm-Endung -is wird im Dialekt nicht verwendet).

§ 38. -ystva. Neben -ysta haben die Wörter jaunì·stvà (häufiger jaunì·stà) und senì·stvà auch dieses Suffix. Das Suffix -ystva ist wahrscheinlich hybrid und durch Kontamination aus dem litauischen Suffix -ysta und dem slawischen -stva entstanden (vgl. Entlehnungen: bagostvà „Reichtum, Vermögen“, krìžastva „Wegkreuzung“, susì(d)stvà „Nachbarschaft“, tùžestva „Schwere, Schwerfälligkeit“).

§ 39. Zur Bezeichnung einiger abstrakter Eigenschaften werden außerdem Entlehnungen mit dem Suffix -àstis verwendet, z. B.: ròdastis „Freude“, slòbastis „Schwäche“, spakàinastis „Ruhe, Gelassenheit“.

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Bezeichnungen für Werkzeuge

§ 40. Die in diesem Abschnitt angeführten suffigierten Substantive sind überwiegend von Verben abgeleitet und bezeichnen verschiedene Werkzeuge, Geräte oder sonstige Hilfsmittel. Ableitungen mit dieser Bedeutung sind in der Mundart selten.

§ 41. -tavas. Dies ist eines der produktivsten Suffixe dieser Gruppe, z. B.: gelaist uvas „Wetzstein, Schleifstein“, pjautuvas, skaltuvas „Vorrichtung zum Schlagen von Feuer aus Feuerstein“.

Es kommen auch Pluralableitungen vor, z. B.: mintuvai || mintuvai, muštuvai „Teil eines Webstuhls“.

§ 42. -yklė. Dieses Suffix weisen die Ableitungen šaudiklė „Vorrichtung zum Einsetzen des Schiffchens beim Weben“ und veit'klė auf.

§ 43. -tuvė. Mit diesem Suffix ist nur ein Paar Beispiele belegt, z. B.: brauktuvė „Werkzeug zum Brechen von Flachs“, kultuvė „Werkzeug zum Walken der Wäsche“.

§ 44. -(i)olas. Das Suffix -(i)olas hat die von Verben abgeleitete Bezeichnung sukòlas „Vorrichtung zum Glätten von Schiffchen“, die möglicherweise nach dem Lehnwort kočėlas „Nudelholz“ entstanden ist.

§ 45. Einige Suffixe für Werkzeugbezeichnungen kommen nur in einzelnen Ableitungen vor, z. B.:

a) -ata || -eta || -ita: ádata, meist ádeta, ádita; vielleicht auch lopetà „Schaufel“;

b) -ėčia: akėčia, seltener akėčia „Egge“;

c) -ynė: sėdinė;

d) -imas: vežimas;

e) -las: šulas;

f) -lys: grėblis, kaplis „Hacke“;

g) Mit dem slawischen Suffix -yčia ist das Hybridgebild sprageli'čia „Dreschflegelstiel“ gebildet.

§ 46. Zu dieser Gruppe von Ableitungen sind auch solche Werkzeugbezeichnungen zu zählen, deren Wortbildung nicht eindeutig ist, z. B. mit -elas: spragėlas „Dreschflegel“, -enas: vėlanas ~ vėlenas, -ega: vedegà.

Ortsbezeichnungen

§ 47. Als Ortsbezeichnungen gelten Substantive, die aus verschiedenen Wortarten gebildet sind und einen Ort nach den dort befindlichen Dingen, nach der dort stattfindenden Handlung oder nach einem anderen charakteristischen Merkmal bezeichnen. Zusammen mit diesen Bezeichnungen werden auch besonders charakteristische Ortsnamen mit Suffixen angeführt.

§ 48. -ynas. Wörter mit dem Suffix -ynas werden von Substantiven abgeleitet und bezeichnen einen Ort, an dem es viele Dinge derselben Art gibt, z. B.: aglynas „Fichtenwald“, an(k)slìnas „Erlenwald“, aržolìnas „Eichenwald“, beržìnas, karklìnas, ruošutìnas „Haselsträucher“¹², skiedìnas „Espenwald“, Hybridbildungen kvaìnas „Kiefernwald“, velaukinas „Wacholderhain“.

Von Wörtern derselben Bedeutung sind Ortsnamen abgeleitet, wie etwa: Beržìnas „Wiese im Dorf Pagiriai“, Kuìlinas „Weide im Dorf Pagiriai“, Laužìnas „Wald bei Dorf Nartys“, Lazdinai „Wiese im Dorf Kurpėšiai“, vgl. auch Gardìnas „Stadt Gardinas, Grodno“; aus dem Munde von Belarussen aufgezeichnete Ortsnamen Краклін || Карклін „Weide im Dorf Zmejačiai“. Жвырздыны „Feld im Dorf Narbutonys“.

12 Neben diesen Ableitungen werden sehr häufig auch slawische Lehnwörter verwendet, z. B.: ariešni'kas „Haselsträucher“, bereznikas „Birkenwald“, jie'lnikas „Fichtenwald“.

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§ 49. -iena. Ableitungen mit diesem Suffix werden von Substantiven gebildet und bezeichnen einen Ort (Boden), auf dem Kulturpflanzen gewachsen sind, z. B.: avižienà, kvietienà, kunodienà, „Kartoffelfeld“, linienà, miežienà, rugienà, žirnienà.

§ 50. -(i)nykas. Dieses Suffix haben folgende Substantive mit Ortsbedeutung: -(i)nykas: kaulinikas „Schweinestall, Ort, an dem Schweine gehalten werden“, poperosni·kas „Schachtel für Zigaretten, Ort, Zigarettenetui“; vgl. auch Ableitungen mit zusammengesetzten Suffixen (-idnykas, -ynẏkas): kaulidni·kas „Ort mit Schweineställen“, ankšli·nikas „Ort, an dem es viele Erlenhaine gibt“.

§ 51. -(i)ava || -uva. Mit diesem Suffix wurde von einem Verb das Wort ganavà „Weide“ gebildet; vgl. auch Ortsnamen mit diesem Suffix: Dainavà, seltener Dainuvà „Dorf in der Umgebung von Zietela (auf Belarussisch Játviez)“, Li·tavà || Li·tuvà, häufiger Litvà, Ramúltava Ramúntava „Wiese im Dorf Kurpėšiai und ein Abschnitt des Flusses Zietela“, Varenavà „Varenavas (Stadt)“.

§ 52. Es gibt jeweils nur ein aufgezeichnetes Beispiel für Ortsableitungen mit den folgenden Suffixen:

a) -yklė || -ykla: gani·klė, seltener gani·klà;

b) -iniai: kapinei || kapinei „Friedhof“;

c) -udė: peludė, vgl. auch peludīka;

d) -ūnė: pelūnė „Scheune“, vgl. viršūnė;

e) -urys: vidurīs, vgl. Dāuburei || Dāuburai „Gebüsch im Dorf Zasėčiai“.

Das bereits erwähnte Suffix -idnykas (kaulidni·kas) zeigt, dass es früher im Zietela-Dialekt auch Ableitungen mit dem Suffix -idė gab.

Auch einzelne Ableitungen mit dem Suffix -uma werden in Ortsbedeutung verwendet, siehe § 31.

§ 53. Die im Dialektgebiet vorkommenden litauischen Ortsnamen weisen neben den bereits erwähnten Suffixen noch folgende auf:

a) -iškės: Kràučškės „Dorf in der Umgebung von Zietela“, Tetāliškės, Vinātiškės „Felder des Dorfes Chadian-lion“, Vesėliškės „Wiese von Žukaučinos“. Vgl. auch Ortsnamen mit diesem Suffix, die nur nach Angaben von Belarussen aufgezeichnet wurden: Андру́нишки, Де́книшки, Падоу́кінишки „Felder des Dorfes Narbutonys“, Гле́бишки „Feld des Dorfes Jūravičiai“, Янкишки, Гле́нишки „Feld und Wiese des Dorfes Akanai“. Юрішки „Feld des Dorfes Dainava“, Яцішки „Feld des Dorfes Kiaučiškės“, Вайню́йшки „Feld des Dorfes Maldūnai“ sowie die im 16. Jahrhundert in der Nähe des Dorfes Vezaučius erwähnten Wiesen: Одринишки а Селивонишки¹³;

b) -aine: Šilainė „Wald des Dorfes Naručiai“;

c) -ikliai: Variklei „Gebüsch des Dorfes Pagiriai“;

d) -onas: Dirvōnas „Feld des Dorfes Zasečiai“.

Zahlreiche Ortsnamen enthalten das slawische (belarussische) Suffix -ščina, z. B.: Bablāuščina, Fidinăuščina || Chvidinăuščina „Felder des Dorfes Zasečiai“, Žibartauščina „ehemaliges Gut in der Umgebung von Zietela“, Hápкoyшчина „Feld des Dorfes Zmejaucai“.

Bezeichnungen für Handelnde und Personen

§ 54. Von Verben abgeleitete Bezeichnungen für Handelnde sind im Dialekt sehr selten; deshalb werden zugleich auch Substantive betrachtet, die Personen bezeichnen und aus anderen Wortarten gebildet sind. Zunächst werden Bezeichnungen für Handelnde angeführt, die von Verben stammen, danach Personenbezeichnungen, die aus anderen Wortarten abgeleitet sind und verschiedene Merkmale einer Person beschreiben: ihren Beruf, ihre Herkunft oder ihren Wohnort, den Geschlechtsunterschied, Verwandtschaft usw. In diesem Abschnitt werden auch charakteristischere Familiennamen mit Suffixen sowie einige Ortsnamen aufgeführt, die aus Personenbezeichnungen entstanden sind.

13 Акты..., т. 22 (1895), p. 290–291.

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a) Suffixe für Bezeichnungen von Handelnden:

§ 55. -ėjas, -a. Die Ableitungen mit diesem Suffix bezeichnen einen Handelnden oder eine Person sowohl nach ihrer ständigen Beschäftigung und Arbeit als auch nach einer gelegentlich ausgeführten Handlung. Substantive mit dem Suffix -ėjas, -a werden von Verben der einfachen Vergangenheit gebildet, z. B.: audėja (: audė), melžėja (: melžė), pjovėjas, seltener pjovėjis, pjovėja (: pjovė). Das Suffix ist nicht besonders produktiv, da der Handelnde häufig umschreibend bezeichnet wird, z. B.: mergà, katrà kárves mėlža; móterė, katrì grėba.

§ 56. -ūnas. Mit diesem Suffix werden gewöhnlich Personenbezeichnungen mit negativer Bedeutung gebildet, z. B. die von Verben abgeleiteten Wörter ėdūnas „Vielfraß, Schlemmer“, girgitūnas „jemand, der unverständlich spricht, girgituoja“.

Mit dem Suffix -ūnas werden auch Familiennamen und Ortsnamen gebildet; diese Ableitungen haben jedoch ursprünglich patronymische Bedeutung, z. B.: Dibūnas „Familienname aus dem Dorf Zasėčiai“, Burdun, Tekun, Žykelun (< *Žukel-ūnas?) „Familiennamen auf den Grabdenkmälern von Zietela“; Maldūnai || Maldūnei, gelegentlich Maldūčei „Dorf in der Umgebung von Zietela“, Mišūnai „südliches Ende des Dorfes Zasėčiai“, Lagūnai, Taukūnai „Dörfer in der Umgebung von Zietela“.

§ 57. -ojas. Mit dem Suffix -ojas ist nur eine von einem Verb abgeleitete Bezeichnung für einen Handelnden belegt: artójas, seltener artójis.

§ 58. -očius. Mit diesem entlehnten Suffix ist nur eine von einem Verb abgeleitete Bezeichnung für einen Handelnden belegt: ru·kõčius || ru·kõčis „jemand, der raucht, Pfeifenraucher“; vgl. ferner ähnlich gebildete Entlehnungen bagõčius || bagõčis „Reicher; Herbstfest (am 5. September)“, skripõčius „Geiger; Grille“.

b) Suffixe für Personenbezeichnungen:

§ 59. -(i)nykas, -ė. Ableitungen mit diesem Suffix werden von Substantiven gebildet und bezeichnen Personen nach Beruf, Beschäftigung, Neigung, Kleidung usw., z. B.: darbinìkas, -ė, giesminìkas, -ė, mėsini·kas, -ė; vgl. auch hybride Bildungen kepelūšni·kas „jemand, der einen Hut trägt“, vesėlnì·kas „Hochzeitsgast“. Litauische Ableitungen mit diesem Suffix gibt es im Dialekt insgesamt nur wenige.

§ 60. -iškis, -ė. Mit dem Suffix -iškis, -ė werden gewöhnlich Personenbezeichnungen nach ihrem Herkunfts- oder Wohnort (Dorf, Flecken, Stadt) gebildet, z. B.: dainaviškis, -ė, krėliškis, -ė, kurpėšiškis, -ė, narbutoniškis, -ė, narčoniškis, -ė, no°gardiškis, -ė, pagiriškis, -ė, vilniškis, -ė, zasečiškis, -ė, zi°teliškis, -ė.

Mit diesem Suffix werden manchmal auch Personenbezeichnungen nach der Nationalität gebildet, z. B.: látviškis, -ė „Lette, Lettin“, lietaviškis, -ė || lietuviškis, -ė, seltener lietuviškis, -ė „Litauer, Litauerin“, rūsiškis, -ė „Russe, Russin“, oder nach dem Geschlechtsunterschied, z. B. die maskulinen Substantive móteriškis „Frau“ und virìškis „Mann“.

Manchmal werden auch pronominale Ableitungen mit Substantivbedeutung verwendet: maniškis, -ė „mein Mensch, Mann oder Sohn“, mūsiškis, -ė „der/die Unsrige“, taviškis, -ė „dein/deine, der/die Deinige“.

§ 61. -(i)onis, -(i)onės || -(i)on(i)ai. Das Suffix -(i)onis kommt in einzelnen Wörtern vor, die Personen nach ihrem Wohn- oder Herkunftsort bezeichnen, z. B.: narčónis, häufiger narčoniškis, -ė „Einwohner des Dorfes Narčiai“; vgl. die ähnlich bedeutende und gebildete Entlehnung mieščónis „Städter“.

In einigen Ortsnamen kann dieses Suffix patronymischen Ursprungs sein, z. B.: Narbutónės, ebenso Naradónės „Dörfer in der Umgebung von Zietela“, Žirmónės || Žirmónai

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„ein Städtchen im Rajon Lida“, in anderen Fällen slawische Formen, z. B.: Chadaūlōnės || Kadūalōnės, Chil-mōnės „Dörfer in der Umgebung von Zietela“. Mit -(i)oniai heißt es Sači̇vlōnei „Dorf in der Umgebung von Zietela“.

§ 62. -ėnas. Mit dem Suffix -ėnas ist nur ein Wort belegt, das eine Person nach ihrem Wohn- oder Herkunftsort bezeichnet: das Hybridwort v'ėšėnas „Bauer, Dorfbewohner“ (vgl. vesė || viešė „Dorf“).

§ 63. -ienė. Mit diesem Suffix werden Ableitungen meist aus Bezeichnungen männlicher Personen gebildet, gewöhnlich solchen, die Verwandtschaft oder einen Beruf bezeichnen, z. B.: kalvī̇nė || ka-volīnė „Frau des Schmieds“, didẽnė „Frau des Großvaters“, kriauči̇nė „Schneiderin oder Frau des Schneiders“, udūlinīnė „Witwe“.

Bei Familiennamen von Ehefrauen ist dieses Suffix nicht üblich. Mit ihm sind nur wenige Beispiele belegt, z. B.: Buroki̇nė, Šaipuki̇nė. Ansonsten werden Frauen meist einfach mit dem Familiennamen des Mannes oder des Vaters bezeichnet, z. B.: Katri̇na Žukėlis-Jōda „Katryna Žukelytė-Jodienė“, Marjonā Burȯkas „Marijona Burokienė“. Untereinander sagen sie meist einfach: Adōlo pati, Jūnkos bōba „Jono žmona“, Bōlūso aspādnie.

Mit einem ähnlichen Suffix gab es auch männliche Familiennamen, vgl. Лапеня „Familienname aus dem 16. Jh. im Dorf Strelos“.14

§ 64. -ainė. Mit dem Suffix -ainė wird das Wort brōlàinė „Schwägerin, Frau des Bruders“ verwendet.

§ 65. -ikis. Mit diesem Suffix ist aus einem Adjektiv das Substantiv jungen Geschlechts jaunìkis „Diener, Lohnarbeiter“ gebildet.

§ 66. -ynas, -a. Das aus einem Pronomen gebildete Substantiv savīnas, savīna || savīna „Verwandter, -e; einer der Seinen, -e“ weist das Suffix -ynas, -a auf.

§ 67. Die Suffixe mancher Personenbezeichnungen sind nur in Eigennamen, Familiennamen oder Ortsnamen erhalten geblieben, z. B.:

a) -eika: Čučėika, Domeika, Kugeika, Ku̇leika, Mileika, Noreika, Šareika ~ Šereika, Žadeika; vgl. auch die Ortsnamen Teteikei || Titeikei, Žadeikei „Dörfer in der Umgebung von Zietela“. Лижейки „Flur im Dorf Taukunai“;

b) -ilas: Kurilas, Virbilas;

c) Die Suffixe -idė, -ilda spiegeln sich in den Familiennamen Дойлида Кибилда aus dem 16. Jh. aus der Umgebung von Zietela wider.15

§ 68. Im Dialekt werden zahlreiche litauisierte Lehnwörter verwendet, die Personen bezeichnen. Lehnwörter mit dem Suffix -nykas bezeichnen am häufigsten Tätigkeiten sowie Art und Charakter der Arbeit: agrōdni̇kas „Gärtner“, „kolchōzni̇kas „Kolchosbauer“, leṡnikas „Förster“, mėlnīkas „Müller“, pamōčni̇kas „Helfer“, tōpelni̇kas „Ertrunkener“ usw.

Personen nach ihrer Nationalität werden häufig durch litauisierte Lehnwörter mit dem Suffix -ėkas bezeichnet, z. B.: litvėkas „Litauer“, palėkas „Pole“, žmuid(z)ėkas „Litauer, Žemaitier“.

Mit slawischen Lehnwörtern wird eine Person manchmal auch nach ihrem Wohn- oder Herkunftsort bezeichnet, z. B.: nārbutaūckas „Einwohner von Narbutonys“, vilenskas „Einwohner von Vilnius“.

Tier- und Pflanzenbezeichnungen

§ 69. Suffixale Substantive, die Tiere und Pflanzen bezeichnen, sind überwiegend aus Substantiven, Adjektiven und Verben gebildet.

§ 70. -ėlė. Die am häufigsten verwendeten Ableitungen mit diesem Suffix sind: dirgėlė, kirmėlė, utėlė.

14 Akты..., Bd. 14, S. 216.

15 Akты..., Bd. 14, S. 203.

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§ 71. Viele Suffixe dieser Gruppe sind äußerst unproduktiv, und von ihren Ableitungen ist jeweils kaum mehr als ein Beispiel belegt:

a) -atė. Dieses Suffix hat das aus einem Adjektiv gebildete Wort gi:vātė;

b) -ava || -uva. Damit ist aus einem Verb das Substantiv kėltava || kėltuva „Rind, Kuh“ gebildet;

c) -inas. Mit diesem Suffix ist aus einem Substantiv das Wort kātinas gebildet;

d) -ynė. Mit -ynė ist aus einem Adjektiv das Wort ruškīnės „Sauerampfer“ gebildet;

e) -ojas (|| -ojis, -ojus). Dieses Suffix hat die vom Substantiv abgeleitete Bildung vasarōjas, selten vasarōjis, vasarōjus.

§ 72. Einzelne Ableitungen dieser Gruppe haben entweder eine slawische Wurzel oder ein slawisches Suffix, z. B.:

a) -ulys. Dieses Suffix hat chrištulis || krištulis „Schwarzkäfer“, gebildet aus einer slawischen Wurzel (vgl. polnisch chrząszcz „Käfer“);

b) -očius. Mit diesem slawischen Suffix ist das Hybridwort krankōčius gebildet, neben dem häufigeren Lehnwort kramkōtis „Rabe, Aaskrähe“;

c) -nykas, -aunykas. Nach dem Vorbild der slawischen Sprachen werden mit diesen Suffixen Bezeichnungen für die Stängel mancher Pflanzen gebildet, z. B.: kunōdni·kas „Kartoffelkraut“ (vgl. kunodā „Kartoffel“); viūgauni·kas „Beerenstängel“, vgl. das analog gebildete Lehnwort krivāuni·kas „Blutwurz“.

Sammelbezeichnungen

§ 73. Suffixbildungen, die eine Gruppe, Schar oder ein Kollektiv von Lebewesen, Pflanzen oder irgendwelchen Gegenständen bezeichnen, sind nicht zahlreich. Sie werden von Substantiven oder Adjektiven abgeleitet.

§ 74. -ynas. Ein Paar der mit diesem Suffix belegten Ableitungen bezeichnet eine Pflanzengruppe, z. B. ru'sūtinas || ru⁰sūtinas „Haselstrauch, Busch“, žōlinas, žōli'nai „Heilkräuter“.

§ 75. Bestimmte Personenkollektive bezeichnen Substantive mit den folgenden Suffixen:

a) -yna: šeimyna;

b) -imas: jaunimas „Jugendliche, junge Menschen“.

Bezeichnungen für Feste und Bräuche

§ 76. Die wenigen Wörter dieser kleinen Gruppe werden überwiegend von Zahlwörtern abgeleitet. Etwas mehr Ableitungen weist das Suffix -inės || -inis auf, z. B.: devintinės || devintinis, sekminės, šeštinės || šeštinis. Wie die Beispiele zeigen, handelt es sich meist um feminine Substantive im Plural.

Die Bezeichnung für den Brauch krikstynos „Taufe“ ist höchstwahrscheinlich aus dem Slawischen entlehnt.

Verschiedene andere Bezeichnungen

§ 77. Neben den bereits genannten Bedeutungen können suffigierte Substantive noch verschiedene andere Bedeutungen haben; so gibt es etwa Ableitungen, die Kleidung (Kleidungsstücke, Schuhe), Speisen, Körperteile, Zeit und Ähnliches bezeichnen. Solche Ableitungen kommen jedoch nur sehr selten vor; deshalb ist es nicht sinnvoll, sie nach Bedeutungen zu gruppieren.

§ 78. -inė, -inės. Ableitungen mit diesem Suffix sind von Substantiven gebildet. Einige sind Singularformen, andere Pluralformen; einige sind maskulinen, andere femininen Geschlechts und bezeichnen Kleidungsstücke, z. B.: kėlinės || kelinės, selten kálnės, piršti-

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nė. Einige wenige Ableitungen mit diesem Suffix haben auch eine andere Bedeutung, z. B. bedeutet daržinė ein Gebäude, in dem Getreide gelagert wird, eine Scheune.

§ 79. (-inys), -iniai. Dieses Suffix haben die Pluralwörter kalnẽi (<-kailiniai), marškinẽi || marškinėi. Es findet sich auch im Wort lašinėi. Vgl. auch die von E. Volteris (MLLG, Bd. 4, S. 168) aufgezeichnete Ableitung mit diesem Suffix: auštinys „Rauchloch, aukštinis, ein Loch in der Decke, durch das der Rauch entweicht“.

§ 80. -ienė. Von Substantiven gebildete Ableitungen bezeichnen Speisen, z. B.: pautẽnė || pautinė „Eierspeise“, das Hybride panuokfẽnė „Brei aus grobem Gerstenkornschrot“.

§ 81. Mit anderen Suffixen ist jeweils nur eine oder wenige Ableitungen belegt:

a) -alys: šakalis;

b) -iemus: saldīnus || saldītnis „ein wenig vergorene Maische aus Roggen- oder Gerstenmehl, die gewöhnlich während der Fastenzeit mit Kartoffeln gegessen wird“;

c) -ija: žarija;

d) -ynė: krūtītnė || krūtis (vgl. krūtìsa skaũst „die Brust schmerzt“);

e) -ojas, -ojus: rìtojas, seltener rìtojus;

f) -ovė: rankovė;

g) -ulys: šipulis;

i) -ivis (<-uvis): liežīvis „Zunge“.

§ 82. Ferner lassen sich solche in der Zieteler Mundart gebrauchten Substantive anführen, deren suffigierte Bildung mehr oder weniger noch erkennbar ist, deren Wurzel sich jetzt jedoch nur noch schwer mit einem Grundwort verbinden lässt, z. B.: -ara || -era: ašara || ašera, vāsara; -eras || -aras: ažaras „See“, vãkaras, žãgaras; -ega, || -ẽl || vuodegà || vuodegė; -enai: pelėnai; -eta || -ita: skẽpeta, seltener skãpita „Tuch, Kopftuch“; -ykas: vainikas „Kranz“; -olys: komolis „Kugel“; -ūnė: alkūnė; -urys: staburīs || stimburīs „Stängel“; -utas, -učios: riẽšutas || rū̃šutas; ruõškūčios „Nüsschen“.

§ 83. Der Dialekt ist reich an verschiedenen suffixalen Entlehnungen. Besonders erinnern die im Zietelaer Dialekt reichlich verwendeten, phonologisch adaptierten slawischen Entlehnungen an die mit dem Suffix -ėkas gebildeten Ableitungen, die in einigen litauischen Dialekten gebräuchlich sind: arlėkas „Adamsapfel“, barčėkas „Bienenstock“, čerpėkas „Schöpfkelle“, derevėkas „Ende eines Schreibgeräts“, kumpėkas „Schinken“, smal-(n)ėkas „Stück harzreichen Holzes“, stremėkas „Splitter“ und anderes.

Suffixableitungen

§ 84. Endungsableitungen bilden im Zietelaer Dialekt eine der kleinsten Wortbildungsgruppen. Diese Ableitungen sind alt und traditionell und unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von der Literatursprache, z. B.: ėdžos, drãugė „Familie“, gìlis || gilìs, sãmitis, švìlus „Mensch, der viel raucht, Pfeifenraucher“, šaltis, šiltis „Wärme, Feuer, Licht, Brand“, vilkė und anderes. Zu Endungsableitungen, die von präfigierten Verben gebildet sind, siehe § 88.

Präfixableitungen

§ 85. Im Zietelaer Dialekt gibt es nur wenige mit Präfixen gebildete Substantive. Belegt sind Ableitungen mit folgenden Präfixen: apy || api-, in-, ne-, pa-, per-, pra-, prie-, užu(o)-. Am produktivsten davon ist das Präfix pa-. Einige Ableitungen sind von Substantiven, andere von Verben gebildet. Zunächst werden die von Substantiven abgeleiteten Formen betrachtet.

§ 86 pa-. Ableitungen mit dem Präfix pa- bezeichnen meist einen Ort, der sich beim oder unter dem durch das Grundwort bezeichneten Gegenstand befindet, z. B.: pakelė || pakelīs, pakluonė

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„Ort neben dem Schuppen“, patvorė; pau⁰degė, vgl. Ortsnamen mit ähnlicher Wortbildung und Bedeutung: Pagirėi || Pagir'is „Dorf in der Umgebung von Zietela“, Pãgudės „Wiese im Dorf Zasečiai“, Patiltai „Wiese im Dorf Zasečiai“, Pãži'telei „Wiese im Dorf Zasečiai, gelegen am Fluss Zietel(k)a“, vgl. ferner slawisch überformte Ortsnamen dieser Art: Побаль „Wiesen, Weide im Dorf Zapolia“. Падубы „Weide, Gebüsch in den Dörfern Narbutoniai und Viedravičiai“.

Zeitliche Bedeutungen haben die Ableitungen pavakarė „Abendzeit“ und pavasaris „Frühling“. Eine konkrete Bedeutung hat das Substantiv pagalís.

Bei den von Substantiven mit dem Präfix pa- gebildeten Ableitungen wird der Stammvokal am Wortende meistens verändert, z. B.:

a > ė, seltener ia: pakluonė, pakelė || pakelės, pavakarė, Pãgudės, pagalis;

o > ia oder ė: pavásaris, Pãži'telei, patvorė, pau⁰degė;

io > ia: Pagirėi || Pagir'is.

Unverändert bleibt der Stamm bei der Ableitung Patiltai. Formen einzelner Fälle mit unverändertem Stamm kommen auch häufiger vor, z. B.: aš sėdu papirkōj „ich sitze neben der pirkia (dem traditionellen litauischen Wohnhaus), papirký“; nur aus paviršo (neben poviršo) šlapas „nur an der Oberfläche nass“ (vgl. viršas „Oberseite“).

Daneben lassen sich auch charakteristische slawische Entlehnungen ähnlicher Wortbildung oder eigenartige Hybridbildungen und Umbildungen anführen, z. B.: pãkutis || pakutis „Ehrenplatz an der Bank, Ehrenwinkel hinter dem Tisch“, papėčė, paviduì, vgl. āni'z būsta paviduì vesės „sie wohnen mitten im Dorf“.

§ 87. Von Substantiven, die mit anderen Präfixen gebildet sind, ist jeweils kaum mehr als ein einzelnes belegt.

ne-: nedalà „Missgeschick, Unglück“, netiesà „Unwahrheit“. Das Wort negerība „Schlechtigkeit, Übel, Not“ ist möglicherweise vom Adjektiv negėras mit dem Suffix -yba gebildet.

api-: apinast ris || apinast ris, meist aprimėstis;

per-: pėrdienė „die nächste Zeit, Zukunft“, z. B.: ānas an pėrdienės atvažiuos „er wird in den nächsten Tagen kommen“;

prie-: priėšvirmė;

zu(o)-: užūvėja || užū⁰vėja;

pra-: pravardė „Nachname“;

pro-: prodėdas „Urgroßvater“ (umgebildetes Lehnwort).

Der geringe Gebrauch solcher Präfixbildungen ist damit zu erklären, dass sie in der Mundart häufig durch Präpositionalfügungen ersetzt werden, z. B.: po tvōrai „am Zaun“, po vā-kari „am frühen Abend“, prie švirmi „am Hang“, už vėjo „im Windschatten“ usw.

§ 88. Präfixbildungen von Verben gibt es noch weniger. Die meisten von ihnen sind sehr alt, und heute lässt sich nur schwer feststellen, welche dieser Bildungen mit Präfixen von nicht präfigierten Verben gebildet wurden und welche bereits unmittelbar von präfigierten Verben abstammen.

Möglicherweise sind die Substantive pãkulos, pašukos von nicht präfigierten Verben gebildet.

Andere Bildungen sind wahrscheinlich bereits unmittelbar von präfigierten Verben entstanden, z. B.: apivara || apivara „Seilchen“, vgl. ap(i)verti; inklōtis „Streu, Einstreu“, vgl. inklōti „streuen, schütteln, ausbreiten“, prākaitas, vgl. prakaisi; das Hybridum užgavė „Fastnachtszeit“, vgl. užgavėti. Folglich sind diese Substantive nicht mehr als Präfix-, sondern als Endungsbildungen anzusehen, die meist das Ergebnis einer Handlung bezeichnen.

Einzelne präfigierte Endungsbildungen kommen auch mit Vokalwechsel vor, z. B.: pavadis || pāvadis, pavalkai, užū⁰gana || žū⁰gana. Letztere können auch Präfixbildungen sein.

11. Lietuvių kalbos gramatikos tyrinėjimai

161

Sudurtiniai daiktavardžiai

§ 89. Zusammengesetzte Substantive gibt es im Zietelaer Dialekt noch weniger als präfigierte Ableitungen.

Am häufigsten sind Bildungen aus zwei Substantiven belegt. Gewöhnlich bestimmt das erste Glied dieser Art zusammengesetzter Substantive das zweite. Nach dem ersten Glied lassen sich folgende Bedeutungen solcher zusammengesetzter Substantive unterscheiden:

a) Zugehörigkeit, z. B.: grėblakotis, kirvakotis „Axtstiel“, vgl. den Ortsnamen Gaidžoklonis || Gaidžuklonės „Feld des Dorfes Zasečiai“;

b) Ähnlichkeit, z. B.: lapanošis „breitnasig, flachnasig“.

Zusammengesetzte Substantive, bei denen das zweite Glied das erste bestimmt, gibt es im Dialekt nur wenige. Als erstes Glied tritt bei ihnen meistens das Substantiv vidus auf. Diese zusammengesetzten Substantive haben zwei Bedeutungen:

a) Ortsangabe, z. B.: vidùki⋅mis „Mitte des Dorfes, der Siedlung“, vgl. ferner Ortsnamen ähnlicher Bedeutung: Vidùgirei, seltener Vidùgiris „Wald zwischen den Dörfern Zasečiai und Kurpešiai“, sowie die bei Belarussen aufgezeichnete Form Бідулаўка „Wäldchen des Dorfes Narbutoniai“;

b) Zeitangabe, z. B.: vidunakčtis.

Aus diesen wenigen Beispielen lässt sich schwer auf die Häufigkeit oder Typik bestimmter Fugenvokale schließen. Bei vielen Bildungen dieses Typs stimmen die Fugenvokale mit dem Auslaut des Stammes des ersten Glieds überein, z. B.: lapanošis, grėblakotis, vidùki⋅mis. Eine Ausnahme bildet das Substantiv kirvakotis, das statt des zu erwartenden -ia- den Fugenvokal -a- aufweist (die Affrikate im Stammauslaut ist wahrscheinlich durch Analogie zu anderen Kasus entstanden; vgl. kirvakočio, kirvakočių), sowie der Ortsname Gaidžoklonis || Gaidžuklonės. Als Fugenvokal des letzteren dient wahrscheinlich die Genitivendung ia- des Stammnomens auf -io. Dass sich dieser Genitiv-Ortsname erst vor Kurzem zu einem einzigen zusammengesetzten Substantiv verbunden hat, zeigen die erhalten gebliebenen zwei Akzente. Der Fugenvokal der Nebenform -iu- ist wahrscheinlich eine phonetische Variante von -io-, da unbetontes o hier mitunter auch in anderen Dialektwörtern als u ausgesprochen wird, z. B.: kùdėl ~ kodėl, tukàm ~ tokiàm.

§ 90. Von zusammengesetzten Substantiven mit anderen Gliedern sind jeweils nur wenige Wörter belegt, z. B.:

aus Zahlwort und Substantiv: pirmagalis, trikojis „Ständer zum Aufstellen von Töpfen“;

aus Adjektiv und Substantiv: ankstritas || anstritas, seltener ansritas „Morgen, Vormittag“;

aus Adverb und Substantiv: pušáudi⋅na „Mittag, Mittagszeit“; aus Substantiv und Verb: ši⋅mpjovis „Heumäher, Mäher“.

§ 91. Nega staff?

§ 91. Die zahlenmäßig kleine Gruppe zusammengesetzter Substantive lässt sich noch durch verschiedene zusammengesetzte Eigennamen ergänzen, deren Bestandteile sich kaum noch genau einer Wortart zuordnen lassen, weil wir die einzelnen Glieder kaum noch als solche wahrnehmen. Zu dieser Gruppe von Substantiven mit undurchsichtiger Wortbildung gehören vor allem alte Personennamen, z. B.: Vizgiris „Familienname aus dem Dorf Pagiriai“, Žibartas „Familienname aus der Umgebung von Zietela“, vgl. ferner Ginvid „Familienname in den Kirchenbüchern der Pfarrei Zietela aus den Jahren 1814–1815“, Gintowt „von K. Būga im Dorf Zasečiai aufgezeichneter Familienname (ZŠ, S. 4)“; polonisierte Familiennamen (Patronymika) aus Dokumenten des 16. Jahrhunderts: Довкгаловичъ (aus den Dörfern Zasečiai und Strėla), Домонтовичъ (aus dem Dorf Narbutoniai), Контминовичъ (aus dem Dorf Pagiriai), Радивиловичъ (aus dem Dorf Narūčiai und Zie-

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telą)16. Ebenfalls zu nennen sind Ortsnamen ähnlicher Bildung, z. B.: Butvilai || Butvil-laučiai, Giędzgalai || Gięzgalai, seltener Giędagalai, Ži-bartai, Žibartauščina „Dörfer in der Umgebung von Zietela“, Nāugardas „Naugardukas“.

Alphabetisches Verzeichnis der Nominalsuffixe

§ 92. Bei der Gruppierung von Suffixnomina nach ihrer Bedeutung treten Ableitungen einiger Suffixe in mehreren Bedeutungsgruppen auf. Damit der Leser auf einen Blick alle Nominalsuffixe des Zietela-Dialekts überblicken und leichter finden kann, wo die Ableitungen jedes einzelnen Suffixes behandelt werden, wird im Folgenden ein alphabetisches Verzeichnis der Suffixe aufgeführt.

-ainė § 53 b, 64; -aitis, -ė § 11, 37; -alas § 28; -alys 81a; -ara (|| -era) 82; -aras (|| -eras) § 82; -astis § 39; -ata § 36, (|| -eta || -ita) § 45a; -atė § 71a; -auckus § 68; -auny­kas § 72c; -(i)ava (|| -uva) § 51, 71b; -ėčia § 45b; -ėčkas § 17c; -ega, -ė § 46, 82; -eika § 67a; -ėjas (|| -ėjis), -a § 55; -ėkas § 68, 83; -eklas (|| -iklas) § 29; -elas § 46; -ėlė § 70; -elis, -ė § 4; -ėlis, -ė § 7; -enai § 82; -enas § 46; -enas § 62; -enės (|| -inėš) § 29; -enskas § 68; -era (|| -ara), -eras, -eris § 82; -estis § 24; -eta § 29b, (|| -ita) 45a, 82; -etys § 29c; -yba § 23, 32; -yčia § 45g; -id(e), (-ida) § 52, 67c; -iena § 49; -ienė § 22, 63, 80; -ienius § 81b; -ija § 81c; -yka § 6; -ykas § 82; -ikas § 15, 17a; -ikis § 65; -ykla (|| -yklė) § 52 a; -yklė § 42; -ikliai § 53c; -ilas § 67b; -ilda § 67c; -ilka § 17c; -imas § 19, 34, 45d, 75b; -ymas § 20; -inas § 70c; -yna § 29b, 75a; -ynas, -a § 14, 48, 65, 74; -inė (|| -inėš) § 78; -ynė § 45c, 70d, 81d; -inės § 29e, (|| -inis) § 76; -iniai § 52b, 79; -inykas (|| -(i)nykas), -ė § 50, 59, 68; -inis (|| -inėš) § 76; -inys § 27; -ynos § 76; -ysta § 35; -ystva § 38; -iškės § 53a; -iškis, -ė § 60; -ita (|| -ata, -eta) § 45a, 82; -ytis, -ė § 70; -itkas § 16; -ivis 81i; -las § 45e; -lys § 26a, 45f; -na § 26b; -nykas § 68, 72c; -odžius § 58, 72b; -ojas § 57, (|| -ojis, -ojus) 70e, 81e; -(i)olas § 44; -olys § 82; -onas § 53d; -ionis (|| -iones) § 66; -ovė § 81f; -smė 26c; -ščina § 53; -tus § 26d; -tūvas (|| -tuvai), -tuvė § 41, 43; -učios § 82; -udė § 52c; -(i)ukas, -ė § 5; -(i)ulis, -ė § 12; -ulys § 21, 72a, 87g; -umas, -a § 25, 31, 51; -umynas-a § 33; -ūnas § 56; -ūnė § 52d, 82; -urys § 29f, 52e, 82; -usis, -ė § 17b; -utas, -a § 8; -ūtas § 29g, (|| -učios) 82; -utis, -ė § 9; -utys § 29i; -uva (|| ava) § 51, 71b; -užėlis § 13.

FLEXION

Allgemeine Bemerkungen

Genus

§ 63. Die Substantive des Zietela-Dialekts sind entweder maskulinen oder femininen Geschlechts. Das Genus wird sowohl anhand der lexikalischen Bedeutung der Wörter als auch anhand morphologischer Eigenschaften der Substantive bestimmt. Bei Substantiven, die Personen, handelnde Personen und bestimmte Tiere bezeichnen, entspricht das grammatische Geschlecht meist dem natürlichen männlichen oder weiblichen Geschlecht, z. B.: vyras — moterė, pati, sūnūs — duktė, brolis — sesūo; veršis — karvė, šūo — kālė, darbinikas — darbinikė, pjovėjas — pjovėją usw. Es kommen jedoch auch Abweichungen vor: einzelne Bezeichnungen männlicher Personen haben feminines Genus, z. B. Lehnwörter — pāpa „Papst“, tāta „Papa“, Familiennamen — Jōda, Kaškā, Koskā, Lenkā, Žibkā, während die maskuline Endung

16 Акты..., т. 14, р. 203—208, 210—211, 215.

11*

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verwendet wird das Substantiv moteriškis, das die Frau selbst bezeichnet (neben moterė, moteriškė). Bei anderen Substantiven – die konkrete Dinge oder abstrakte Begriffe bezeichnen – ist das grammatische Geschlecht unmotiviert, z. B.: pirkà, tvártas, grážumas, seni’sta.

Der Dialekt weist mehrere Substantive auf, deren Genus nicht mit dem der litauischen Standardsprache übereinstimmt, z. B. Femininum: ágrastas, klónis, páūštė „paukštis“, sémenos; Maskulinum: tulžis „tulžis“.

Beide Genera – Maskulinum und Femininum – haben folgende Substantive: pė́tis, rudùo, Vílna || Vílnius || Víl-nis. Außerdem gibt es im Dialekt zahlreiche weitere Beispiele für Genusschwankungen und -verwechslungen, vgl.: ašei „ašys“, dárba „darbas“, duónas „duona“, kójei „kojos“, pláukos „plaukai“, rankóvei „rankovės“, šėserei „seserys“, (ta) vandùo, vū́ogai „uogos“ (häufiger: ášės, kójos, šėsėres, vū́ogos).

Zur Vielfalt der Genera bei Substantiven hat zweifellos die Zweisprachigkeit der Menschen beigetragen, die gewöhnlich sowohl motivierte als auch scheinbar unbegründete Abweichungen von der Norm – Interferenzen – bewirkt. Bei einigen Substantiven richtet sich das Genus nach dem der entsprechenden slawischen (meist weißrussischen) Substantive, z. B.: dárba, duónas, vandùo. Bei anderen Wörtern (z. B.: ašei, as,mókos, häufiger asmókai „pinigai“, bažnìčei, häufiger bažnìčos, kójei, pláukos) lässt sich der Genuswechsel durch eine unmittelbare Analogie nur schwer erklären. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Art Hyperkorrekturen, die aus dem Bestreben entstanden sind, vergessene Wörter möglichst korrekt zu bilden. Solche Formen mit vertauschtem Genus werden gewöhnlich vor allem von Dialektsprechern gebraucht, die längere Zeit mit niemandem Litauisch gesprochen haben. Das heißt, diese Formen sind eine Folge des Vergessens der eigenen Muttersprache.

Numerus

§ 94. Substantive haben zwei Numeri: Singular und Plural, z. B.: jáučas: jáučei, pirkà: pirkõs, sesùo: šėsėres. Der Dual ist eine bereits schwindende Kategorie. Am häufigsten werden die Nominativ- und Akkusativformen des Duals mit den Zahlwörtern du, dvi, seltener abù, abì gebraucht, z. B.: Maskulinum, Nominativ: dú gražù bérnu nūvažáu; du jáuču ir žágre bit (buvo); reìka, kad dú daugù bútu(p); dú vaikùtù biti; Maskulinum, Akkusativ: dú kartù vagójam; dáu du kaisnukù „davė du kąsneliu“, abù (dù) paršù nupenė́jom; Femininum, Nominativ: dvi avýki bit „buvo dvi avys“; dvi bóbi kásėm; irà dvi (abì) dukti; dvi de’ni jáu pjáuna; kab dvi kárvi, tai svė́sto irà; Femininum, Akkusativ: dvi kasi pìne; dvi mergìti pametė „dvi mergytes paliko“, dvi seserì turė́; dvi žiemì vai(k)ščiójau. Pluralformen mit diesen Zahlwörtern sind selten: dú arklėi ir kárvė; dvi mašinàs átvežė.

Die Formen der übrigen Dualkasus unterscheiden sich nicht von den Pluralformen, z. B.: aus abejų vesės galū bit vyrai „an beiden Enden des Dorfes waren Männer“; pirkà sa dvejeis langais „eine Hütte mit doppelten oder zwei Fenstern“; dvi’mi arklaami avižu davù; sa dvėmi (häufiger dvejomi) bóbomi ùtarinau „ich habe mit zwei Frauen gesprochen“.

Einige Substantive des Dialekts können nur einen Numerus haben – entweder nur den Singular oder nur den Plural. Singularia tantum sind beispielsweise: akėčia, kunóđni’kas, málka „Brennholz“, šiltis usw.; Pluralia tantum sind: ákstės || ákščos „Harpune“, dùlkės (nur aus Werg), nasrai „Mund, Maul“, stóvai „Webstuhl“, žvirž-dos „Kies, Sand“ usw.

Unter bestimmten Umständen wird der Numerus von Substantiven verändert. Z. B. wird im kollektiven, verallgemeinernden Sinn der Singular konkreter Substantive häufig anstelle des Plurals verwendet, vgl.: labai pė́rdžuvo grúdas; kab nebit futorė, là ùkas bit tàuli „wenn nicht

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es gab Einzelhöfe, die Ackerlandparzellen lagen weit entfernt“; an diesen Fingern wuchs kein Nagel. Der Plural wird statt des Singulars etwas seltener verwendet, z. B.: dar visa li’tai ir li’tai, „jetzt regnet es immerzu“; vandenėj̇o vidun; vargai ir vargai būti.

Kasus

§ 95. Neben den sieben im Litauischen verwendeten Kasus verfügt der Dialekt noch über den inwendigen Illativ, oder Illativ, den äußerlichen Adessiv, oder Adessiv, und den äußerlichen Allativ, oder Allativ¹⁷. Gesondert zu betrachten sind die genannten Lokativkasus sowie weitere Kasus, deren Endungen vom Litauischen abweichen, nämlich: der Dativ Singular Maskulinum, der Instrumental Singular Femininum, der Dativ Plural Maskulinum und Femininum, der Instrumental Femininum sowie die Inessive Maskulinum und Femininum.

§ 96. Der Illativ ist aus dem alten Akkusativ und der Postposition -n(a)¹⁸ gebildet. Die Formen des Illativs Singular, wie auch des Inessivs, haben meist nur Substantive, die unbelebte Gegenstände bezeichnen, z. B.: indė́j lapai; vežimąn krauna; nuvažų giron; įvertė duobėn. Den Illativ Plural können Substantive sowohl mit unbelebter als auch mit belebter Bedeutung haben, z. B.: įlindo kártėsna vištą; palaido šunį bobosna; nuvėži marčiosna; išėjai švė̃čiosna.

§ 97. Der Adessiv ist aus dem alten Lokativ Singular und der Postposition -pi (< -pie)¹⁹ gebildet, häufiger -p, z. B.: bernupi, brólip, gaid(ž)i’ep || gaidip, Žukip. Den Adessiv haben vor allem Substantive, die Personen und Lebewesen bezeichnen, z. B.: berniukip akės gražos „die schönen Augen des Jungen“; pasiklausyk dievip; manam virip bit sesū „mein Mann hatte eine Schwester“; buvau Žvirblip, Kaškąp būsti ar Šaipukip „wohnst du bei Kaška oder bei Šaipuka“? mergiteip gražūs plaukai; bit tik vienas sūnus mūmaip; vištaip nėra pieno. Nur sehr selten kommt der Adessiv bei Substantiven vor, die unbelebte Gegenstände bezeichnen, z. B.: o jūsip šonip moza daugėst būsta „und in eurer Gegend wohnen vielleicht mehr (Menschen)“; rudenip kunodās kašė „im Herbst gruben sie Kartoffeln aus“.

Adessivformen des Plurals sind im Dialekt nicht belegt. Sie werden durch den Inessiv Plural ersetzt, z. B.: jau manūsa sunūsa vaikai und „meine Söhne haben schon Kinder“; tuosa visūsa žmonėsa nebit ražumo „all diese Menschen hatten keinen Verstand“. Mit der Bedeutung des Adessivs Plural wird der Adessiv Singular in folgender Aussage verwendet: kad aš būčap lietuvėp, tai viekest pajimčap, „wenn ich bei den Litauern (in Litauen) lebte, würde ich die (Literatur-)Sprache schneller lernen“. Heute findet sich manchmal sogar anstelle des Adessivs Singular der Akkusativ mit der Präposition pas: o paz Adāmā ar buvai? o ar pas Katrīnā jo nebit „und warst du bei Katryna? oder war er nicht bei Katryna?“

§ 98. Der Allativ ist aus dem Genitiv und der Postposition -p (< -pie) gebildet. Von diesem Kasus gibt es nur noch Reste. Er ist im adverbialisierten Wort namóp erhalten (z. B.: aimù namóp; važiuosim namóp; namóp nuvažavāu) und

17 Im Folgenden werden diese Lokative der Einfachheit halber mit ihren lateinischen Namen bezeichnet. Der Inessiv, oder inwendige Lokativ, wird im Text mit in und im Paradigma mit In abgekürzt.

18 Plg. J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, p. 460–461 (toliau – Gr); J. Endzelynas, Baltų kalbų garsai ir formos, Vilnius, 1957, p. 130–131 (toliau – GF); J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, t. 3, Warszawa, 1956, p. 76–78 (toliau – Gr).

19 K. Būga, „Vil tis“, 1908, Nr. 125; Ф. Эн дзелинь, Латышские предлоги, т. 1, Юрьевъ, 1905, p. 168. J. Endzelynas, GF, p. 131; P. Arumaa, Untersuchungen zur Geschichte der litauischen Personalpronomina, Tartu, 1933, p. 90–92 (toliau – Untersuchungen…); A. Laig onaitė, Pašalio vietininkai dabartinėje lietuvių kalboje, kn.: Kai kurie lietuvių kalbos gramatikos klausimai, Vilnius, 1958, p. 21–25 (toliau – LKGK); J. Otrębski, Gr., t. 3, p. 78–83.

165

manchmal bei Personen bezeichnenden Substantiven (meist Familiennamen), z. B.: ánas nuvãi Burõkop „er ging zu Burokė“; Gaidžóp aisù; nuvejãu pónop prašít; iš Michailùko nuvãi Saračìnskõp „von Michailūkas ging er zu Saračinskas“; aimù Žvirblóp „ich gehe zu Žvirblis“. Anstelle der letztgenannten Formen wird heute häufiger der Akkusativ mit der Präposition pas verwendet: aimù paz Adòlį; važìju paz Ganõfą „ich fahre zu Genovaitė“; nuvãi paz árklį. Manchmal wird anstelle des Singular-Allativs der Adessiv verwendet: ìma dẽvip tã vaikùtą; o anà Ròmakiẽp nenõri aĩt „aber sie will nicht zu Romanas gehen“.

Die pluralischen Illativformen werden heute nicht mehr gebraucht. An ihrer Stelle sagt man: nuvejãu paz arklùs; dabẽgo pas tùos žmonìs. Eine semantische Verwendung des Adessivs im Plural findet sich wahrscheinlich in den Resten des alten pluralischen Allativs in der Äußerung: põnum mõža bit, o žmonùm nebit lõsku „die Herren hatten vielleicht, die Leute aber hatten keine Betten“.

§ 99. Die Endung des Singular-Dativs der maskulinen Substantive ist zweifach: -(i)u und -i. Gewöhnlich werden Formen mit der Endung -(i)u verwendet [<-(i)uo], z. B.: árklu, bėrnu, piẽmeniu, šùniu, žmogù.

In Präpositionalfügungen ist die alte Endung -i der konsonantischen und i-Stämme erhalten geblieben. Sie kommt überwiegend in Formen mit folgenden Präpositionen vor: lig, po und prig || preg || pri, z. B.: prig ìtam dãnti kitas skãust; po pažãsti bit snẽgo „bis zur Achselhöhe lag Schnee“; duktẽ praturẽs manè lig šmertì „die Tochter wird mich bis zum Tod versorgen“. Man nimmt²⁰ an, dass unter dem Einfluss dieser Stämme die Endung -i mit denselben Präpositionen auch bei Singular-Dativformen der (i)a-Stämme vorkommt, z. B.: dvì kasì lik ìtam dãikti; nùnešė lik truputùki; vàndino po ìtam dãikti „Wasser bis zu dieser Stelle“; buvãu preg brõli; pri kẽli būsta „sie wohnt am Weg“; prig lõpši būk.

§ 100. Der Singular-Instrumental aller femininen Substantive hat anstelle der standardlitauischen Endungen -a, -e die Endungen -ai, -ei (-aei), z. B.: kójaĩ pakùlė tãrla „mit dem Fuß zerschlug sie den Topf“; ãnas ten Li·dõji sa nãkàei bõbaĩ būsta „er wohnt dort in Lyda mit irgendeiner Frau“; vandùõ káp upẽĩ ãjo iš visù laukù; drãugẽĩ gãnõ; sa viẽnãĩ momùtẽĩ būsta; sa gražãĩ mergãĩ pasižãnino „er heiratete ein schönes Mädchen“; tãĩ parãĩ jãũ buvãũ namìẽ „zu jener Zeit war ich schon zu Hause“.

Daneben kommen auch adverbialisierte oder in bestimmten Wendungen erstarrte Singular-Instrumentalformen mit den Endungen -a, -e vor, z. B.: basamiñča apšavė „sie zog barfuß Schuhe an“; atãĩ nakẽĩ; nu·nãĩnìšča atãĩ „heute kam er“; dùona nubẽgo pãkluõne; vgl. auch die Aufzeichnung von K. Būga: bẽrnas sa mergãite²¹. Die letztgenannten Beispiele würden darauf hindeuten, dass Formen auf -ai, -ei im Dialekt jüngeren Datums sind. Dass -ai, -ei aus pronominalen Formen entstanden sind, steht außer Zweifel. Hinsichtlich der Frage jedoch, wie und woher die längeren Singular-Instrumentalendungen jener Substantive stammen, die niemals pronominale Formen haben, gehen die Ansichten auseinander²².

20 Vgl. J. Endzelīns, Gr., S. 428–432; J. Otrebski, Gr., Bd. 3, S. 40; K. Ulvydas, LKGK S. 115 ff.; J. Kazlauskas, LKGK, S. 7–8.

21 Žr. K. Būga, „Viltis“, Vilnius, 1908, Nr. 125.

22 Zur Auffassung, dass -ai, -ei verkürzte Endungen der pronominalen Pronomen oder Adjektive -aja, -iaja seien, die später verallgemeinert und auf andere Wortarten ausgeweitet worden seien, siehe P. Arumaa, LMT, S. 42, 70; E. Fraenkel, a. a. O., Bd. 2, S. 49; Z. Zinkevičius, Lietuvių kalbos įvardžiuotinių būdvardžių istorijos bruožai, Vilnius, 1957, S. 100 (im Folgenden – IBIB).

Zur Auffassung, dass der Singular-Instrumental der o-Stamm-Substantive im Litauischen von alters her neben einer Kurzform (rankan) auch eine längere (pronominale) Form (*rankajan) gehabt habe, aus der auch die Form rankai entstanden sein könnte, siehe J. Kazlauskas, „Kalbotyra“, Bd. 1, Vilnius, 1958, S. 58; vgl. ferner K. Morkūnas, MAD, A. Bd. 2(7), S. 198 ff.

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Betrachten wir ferner, ob die Endungen -ai, -ei nicht rein lautlich unmittelbar aus den ursprünglich akutierten absoluten Endungen -a, -e (möglicherweise noch ohne Verlust ihrer ursprünglichen Betonung) oder -án, -én entstanden sein könnten; vgl. eine analoge Erscheinung im Wortstamm: geláistuva s, káisnis ~ kãšnis, káisk ~ kãsk, pageláisk „pagalask“. Dieselbe Erscheinung ist auch für einige andere Dialekte charakteristisch, z. B. für die nordwestlichen Kapsai-Formen gerãsas ~ gerãsias, jáisas ~ jáisias, táis „tas“23, für den Dialekt der litauischen Fischer im ehemaligen Ostpreußen geresnêises, káisti, sal-džeises, sláistai ~ žemdises24. Allerdings ist der Ersatz der alten akutierten Endungen -á, -é oder -án, -én durch -ai, -ei nirgends belegt; vgl. die Akkusativ-Pluralformen aller genannten Dialekte gálvas (< *gál-vans), mažàs, tokàs, den Instrumental Singular daiktè (< *daiktén), kamè, den Instrumental Plural der südwestlichen Oberlitauer ausisè (< *ausysén), laukuóse sowie der Zietelos áusi·sà, šveču·sà. Dies zeigt, dass die Endungen -á-, -é- oder -án-, -én-, als sie vor bestimmten Konsonanten im Wortstamm zu -ai-, -ei- wurden, in den Endungen bereits monophthongiert und verkürzt waren25. Die Formen des Pzanavykischen Kapsai anáis „anas“, táis können diese Behauptung nicht widerlegen, denn erstens sind dies einsilbige Wörter, die generell oft eigene Lautentwicklungsgesetze aufweisen, und zweitens können sie aus den verkürzten pronominalen Formen *anáisas, *táisas entstanden oder nach ihrem Vorbild gebildet worden sein. Folglich ist auch die Annahme nicht aufrechtzuerhalten, die Endungen -ai, -ei könnten aus den absoluten Endungen -á, -é oder -án, -én entstanden sein. Eine solche Entwicklung (d. h. á, é oder án, én > ái, éi) hat sich jedoch höchstwahrscheinlich in nahezu allen möglichen Fällen vollzogen: sowohl im Wortstamm als auch in der geschützten Instrumentalendung des Singulars einer folgenden Silbe (entsprechende pronominale Akkusativ-Pluralformen sind im Dialekt nicht erhalten). Dies bestätigen auch die Instrumental-Singular-Formen der Kapsai und Zanavykai senáju || senájā26. Als später die pronominalen Formen verkürzt wurden, verschmolz der zweite Bestandteil der Diphthonge ai, ei leicht mit -j (< -ja)27. *-ánjan > *-ánja > -ája > -áj. Möglicherweise trugen auch die entsprechenden Endungen derselben Kasus und desselben Genus in den slawischen Sprachen -ou, -eu zur starken Verallgemeinerung der längeren Endungen im Zietelos-Dialekt bei; vgl. weißruss. прыехаў ранняй вясной; russ. пришёл со своей женой.

§ 101. Der Dativ Plural der Substantive und Adjektive aller Stämme im Maskulinum und Femininum hat nach einem Stammauslautvokal die Endung -mi, z. B.: dùok darbà· vīrami itre·mi „gib diesen Männern Arbeit“; ark lám i reikà dùot pasulsèt (ausruhen); visómi marčiómi po skėpta’ nupirko „für alle Schwiegertöchter kaufte er je ein Kopftuch“; kárvėmi kunódu· diòjam; vis èmi žmonėmi atlaidė; nupirkâu akimikàplu „ich kaufte Augentropfen“; pi ẽme nàmi davàu.

Dieselben Endungen weisen auch die Instrumental-Plural-Formen vieler Substantive und Adjektive (meist feminin) auf, z. B.: visa reikėj rankomi dirpt; sa penkomi mergomi aimù namop; ilgomi dalgėmi pjaunam; ragù savomi akimi; dantìmi krimta; iš-kirzdinėja (medžius) sa visomi šaknìmi; aimù sa savomi dukterimi; seltener sa mergòmi, šakòmi28.

23 J. Senkus, Pzanavykio kapsų tarmė, filol. m. kand. disertacija, mašinraštis, Vilniaus valstybinio V. Kapsuko bibliotekos Rankraštynas, Vilnius, 1955, p. 64; J. Otręb ski, Gr., t. I, p. 175.

24 Žr. J. Gerullis ir Chr. Stang’as, Lietuvių žvejų tarmė Prūsuose, Kaunas, 1933, p. 11.

25 Auch alte Schriftquellen bezeugen, dass die nasalen Vokale im Wortstamm und die zirkumflektierten Vokale im Wortauslaut, besonders ą und ę, länger erhalten blieben; siehe A. Bezzenberger, Beiträge zur Geschichte der litauischen Sprache, Göttingen, 1877, p. 30; J. Palionis, Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a., Vilnius, 1967, p. 99–103.

26 Siehe J. Senkus, LKK, Bd. 3, S. 146–147.

27 Vgl. J. Endzelīns, Gr., S. 470–471; Z. Zinkevičius, IBIB, S. 43.

28 Der Akzent der Formen ist unklar. Daher ist die unterschiedliche Notation des Dativs Plural mergòmi und des Instrumentals Plural mergòmi (häufiger mergo-mi) eher formaler Art.

167

Die Formen des Dativs Pl. und des Instrumentals Pl. unterscheiden sich formal durch den Akzentverlauf oder die Betonungsstelle, doch im Grunde haben diese beiden Kasus dennoch eine gemeinsame verallgemeinerte Endung. Aufgrund anderer Dialekte, in denen meist dieselbe Form für Dativ und Instrumental Pl. verwendet wird, ist anzunehmen, dass sie zunächst für die i- und konsonantischen Stämme verallgemeinert wurde²⁹ und erst danach für die -(i)o-, ė- und übrigen Stämme³⁰.

Die Dativ- und Instrumentalendung Pl. -mi wurde wahrscheinlich erst vor nicht allzu langer Zeit für beide Kasus verallgemeinert, da gelegentlich noch Dativformen Pl. ohne -i vorkommen, z. B.: dúok z a·sim avižų; adúok jẽm; jům pasakáu.

§ 102. Der Inessiv Pl. aller Substantive hat die Endung -sa, z. B.: krūmúsa, nasrúosa; bóbosa, pū́kosa, draugė́sa, upė́sa; krúti sa; baltúsa, drobinė́sa, trijósa, júosa, ma-nosa, tosa. Dieselbe Endung des Inessivs Pl. ist in den südlichen dzūkischen Dialekten weit verbreitet – sowohl auf dem Gebiet der Litauischen SSR (etwa bis zur Linie Lazdijai–Varėna–Šalčininkėliai³¹) als auch in den benachbarten litauischsprachigen Gebieten der Belarussischen SSR (Kreise Gardinas, Rodūnia³², Varenavas, Įvija) u. a.

Es gibt die Auffassung, dass das auslautende a der Formen des Instrumentals Pl. durch die Depalatalisierung des Konsonanten s entstanden sei³³; wahrscheinlich ist es jedoch aus den Formen des Illativs übernommen worden, vgl. laukúosna, savósna³⁴.

Stämme

§ 103. In der Zietelaer Mundart gibt es wie auch im Litauischen sechs Hauptstämme der Substantive: (i)a, (i)o, ė, i, (i)u und den konsonantischen Stamm. Nicht alle Stämme sind gleich stark und gut erhalten. Am stärksten sind die Stämme (i)a, (i)o und ė. Die übrigen – i, (i)u und der konsonantische Stamm – sind schwächer: Viele ihrer Formen werden durch die entsprechenden Formen der Stämme (i)a-, (i)o- oder ė verdrängt. So ist beispielsweise der Plural des Stammes (i)u fast vollständig durch den Plural des Stammes ia verdrängt worden: su·nai, su·nami, pãčėis. Die meisten femininen Substantive mit i-Stamm und konsonantischem Stamm sind zum ė-Stamm übergetreten (duktẽ || duktẽrė, móterė, žãsė „žąsis“, živẽ „žuvis“) oder seltener zum (i)o-Stamm (ãkšės || ãkštės), die maskulinen dagegen zum (i)a-Stamm (dañtas || dañ-čis, dañtei, šunei), seltener zum ė-Stamm (dañtės, šunės).

Es kommen auch umgekehrte Fälle vor, etwa wenn einige Substantive mit (i)a- oder i-Stamm in einzelnen Kasus Endungen des (i)u-Stammes annehmen, z. B. Instrumental Sg. kelúm, ugnúm, Vokativ brólau, dievìliau.

Weitere kleinere Fälle von Stammvermischung werden nach den Paradigmen angeführt.

Reflexive Substantive sind in der Mundart überhaupt nicht belegt.

29 Diese Besonderheit bemerkte offenbar als Erster P. Aruma (LMT, S. 68), als er Texte der Lazūnai-Mundart aufzeichnete: „Nur die i-Stämme endigen in beiden Kasus regelmäßig auf -mi“.

30 Zur Herkunft des Formans -mi siehe P. Arumaa, Untersuchungen..., S. 50–78; E. Fraenkel, a. a. O., Bd. 2, S. 36; J. Otrębski, Gr., Bd. 3, S. 84–85.

31 Herangezogen werden die anhand der Frage Nr. 290 des „Programms“ im Litauischen Sprachatlas gesammelten Daten.

32 O. Broch transkribierte bei der Beschreibung der litauischen Mundart im östlichen Teil des Kreises Rodūnia (Dörfer Puodžiai, Lapotiškės, Zeniūnai) die Endung des Inessivs Pl. als -sę, merkte jedoch an, dass s nicht palatalisiert wird; siehe O. Broch, NTS, Bd. 19 (1960), S. 21.

33 Vgl. J. Senkus, MAD, A, Bd. 1 (1955), S. 150; A. Laigonaitė, Vietininkai dabartinėje lietuvių kalboje, philologische Kandidatendissertation, Typoskript, Vilnius, 1956, S. 15–16.

34 Ferner vgl. Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, S. 239.

168

Betonung

§ 104. Das Substantiv des Dialekts weist auch zahlreiche eigene Besonderheiten der Betonung auf. Menschen, die den Dialekt vergessen haben, nehmen in vielen Fällen das Betonungssystem der Wörter nicht mehr wahr und verlegen den Akzent vergleichsweise häufig falsch. Am häufigsten wird die Akzentstelle beim Instrumental Singular, Nominativ Plural, Akkusativ Plural und Genitiv Plural der Substantive verwechselt. Zum Beispiel haben die Formen dieser Kasus bei Substantiven der Akzentklassen I und III oft einen auf die Endung verlagerten Akzent, vgl.: Instrumental Singular árklu || arklù, brólu || bro·lù, láužu || laužù, pù·du || pu·dù, súnu || su·nù; agù·nai || agù·naí, gálvai || galvái, márškai || marškái;

Dual Nominativ–Akkusativ: zwei brólu || bro·lù, sú·nu || su·nù; zwei bóbi || bobi, rišti || ri·šti „Ruten“, stráisti || straisti „Säckchen“;

Genitiv Plural árklus || arklùs, brólus || bro·lùs, dárbus || darbùs, súnus || su·nùs; dróbes drobès, || gálvas || galvàs.

Offenbar begann man, die Endungen dieser Formen vor allem unter dem Einfluss der entsprechenden Kasusformen von Substantiven der Akzentklassen II und IV zu betonen. Obwohl der Akzent verlagert wird, ist der Unterschied zwischen Substantiven mit unterschiedlicher Betonung dennoch nicht verschwunden, da der ältere Akzentton des Wortstamms erhalten bleibt, der bei den meisten Substantiven – abgesehen von einzelnen Fällen – derselbe ist wie im Litauischen. Auch die Akzentklasse des Substantivs beeinflusst in gewissem Maße die Schwankung der Akzentstelle. Wörter der Akzentklasse III tragen den Akzent häufiger auf der Endung der genannten Kasus, Wörter der Akzentklasse I dagegen auf dem Stamm.

Einzelne Formen von Substantiven der Akzentklassen II und IV werden auch mit zurückgezogenem Akzent ausgesprochen. Der Akzent wird meist von einer kurzen Endung auf einen langen Stamm zurückgezogen, z. B.: Instrumental Singular gaĩdu, rė̃tu, ver̃šu, žõdu, Genitiv Plural gaĩdus, blĩnus, žõdus, pĩrkas, vir̃šas. Dieses Phänomen ist jedoch viel seltener als die erwähnte Verlagerung des Akzents auf die Endung.

Auch bei anderen Kasus kommt wechselnde Betonung vor. Vergleichsweise häufig wird der Nominativ Singular der ia-Stamm-Substantive mit der Endung -ys oder -is auf zwei Arten betont: Formen mit betonter Endung (arklìs, gi·lìs, glėbìs, šulnìs) werden nicht selten auf dem Stamm betont (árklis, gilis, glėbis, šulnis), während bei Formen mit Stammakzent (aṅ(k)slis, žõdis) manchmal die Endung betont wird (an(k)slìs, žodìs).

Bei manchen Substantiven ist häufiger der Singular-Illativ doppelt betont (krúman || kru·màn, pádān || padàn, rátan || ratàn, ski·etàn || ski·e·tan, sódan || sodàn), bei anderen die Formen des Plural-Inessivs oder -Illativs (daiktuosa || dãiktuosa, daiktu·sna || dãiktu·sna, lovu·sà || lóvu·sa), bei wieder anderen der Singular-Adessiv, vgl. § 106 u. a.

Es gibt noch weitere kleinere Besonderheiten der Betonung bei Substantiven oder einzelnen ihrer Formen. Sie werden in den Anmerkungen nach den Paradigmen angeführt.

Deklination

(i)a-Stamm

§ 105.

Singular

V. brólis, par̃šas, bérnas, kẽlas, gaidìs || gaid̃is K. brólo, par̃šo, bérno, kẽlo, gaid̃o || gaidžo N. brólu, par̃šu, bérnu, kẽlu, gaid̃u || gaidžu G. brólį, par̃šą, bérną, kẽlą, gaidì· Įn. brólių³⁵, par̃šu, bérnu, kelùm || kelù, gaidù || gaidžù

35Die in den Paradigmen und im Text mit zwei Akzenten angegebenen Formen zeigen, dass sowohl der Stamm als auch die Endung betont werden kann.

169

In. vėji, ski̇ʿtė, daiktė, kelė: ramti „lazdoje“ Il. vėjin, ski̇ʿtaņ, daiktaņ, kelan, ramtiņ Ad. brólin, paršiņ, bérniņ, gaidiņ, gaidʿep || gaidžʿep Al. pónop, gaidóp || gaidžóp Š. bról(i) || brólau, pône, bérne, žálti

Dual

V.-G. du brólu, du paršu, du bérnu, du gaidʿù || gaidžʿù

Plural

N. brólei, paršai, bernai, gaidēi || gaidžai G. brólu, paršu, bernu, gaidū || gaidžū D. brólamī, paršamī, bernāmī, gaidāmī || gaidžāmī A. brólūs, paršūs, bérnūs, gaidūs || gaidžūs Instr. bróleis, paršais, bernais, gaidēis || gaidžais Iness. žirnʿosa, pónuʿs(a), dáiktuʿosa, gaiduʿsa || gaidžuʿsa Ill. žirnʿosna, páituʿsna, dáiktuʿsna, švečiʿsna V. brólei, bernai

Anmerkungen. § 106. 1. Bei Substantiven der a-Stämme fällt im Singular-Nominativ gelegentlich das bewegliche a der Endung aus, z. B.: vaiks, häufiger vaikas, dėus, häufiger dėvas, vgl. nechói dėz gina „möge Gott beschützen“. IA-stämmige Substantive dieses Typs, wie artójas, kráujas, vėjas, haben im Singular-Nominativ nach dem Konsonanten j nicht selten die Endung -is: artójis, kráujis, vėjis. 2. Der Singular-Inessiv der ia-stämmigen Substantive ist verkürzt, z. B.: kaisni „in einem Stück“, kráuji || kráuji, kuʿgi, lopši, lovi, ramti, rēti, sámiti, vėjį. Das Wort kėlas hat eine a-stämmige Singular-Inessivform kelė, vgl. daiktė, kraštė. 3. Diejenigen ia-stämmigen Substantive, die im Singular-Nominativ auf die Endung -ias ausgehen, haben im Singular-Illativ die Endung -ian (< -iana) (kelan „auf den Weg, auf die Reise“, medžan), alle übrigen dagegen die Endung -in (< -ina) (lovin, ramtiņ, sámtin, vėjin). 4. Die Singular-Adessivendung ist zweifach: -iep oder -ip. Die Endung -iep kommt häufiger unter Betonung vor, z. B.: arklīep, diēvīep, gaidīep, || gaidžīep, lietuvīep, veršīep, Žukīep, žvirblīep, während unbetont -ip steht: árklip, Adólip, Adómip, bernūkìp, Bóhusip, brólip, Burókip, dedžūkìp „beim Onkel“, jáučip, diēvip, gaidip || gaidžip, Jōnip, kiškìp, paršip, pónip, veršip, virip || virīskip. Daneben sagt man jedoch auch: gaidip, paršip, veršip oder Rōmakiep, virīškiep, žvirblīep. Gelegentlich wird auch die pronominale Singular-Adessivendung verwendet, z. B.: Žukelčikim sàdegė tvártas, vgl. manim, muʿsim. 5. Bei zweisilbigen Substantiven wird im Singular-Allativ gewöhnlich die Endung -op betont (Gaidžóp aišū „ich werde zu Gaidys gehen“; aimū Žukóp), bei mehrsilbigen dagegen unterschiedlich: sowohl die Endung als auch der Stamm (Gaide lóp nubėk; nuvājom Macūkóp || Mačūk op; Michailūk op || Michailukóp tadaik bėgu „zu Michailukas (Spitzname) laufe ich dann“. 6. Die Singular-Vokativendung der zweisilbigen a-stämmigen Substantive ist -e. Ein solcher Vokativ wird meistens auf der Wurzel betont, z. B.: kab táu, bérne, dūgno nebūt „dass du, Junge, irgendwo zugrunde gehst“; diēve, dovánok táu; atai̇kit šēi, pône; vaike, krūpa inkáisk „Kind, iss ein bisschen“. Manchmal liegt die Betonung jedoch auch auf der Endung—

170

—, z. B.: o kab, vaike, stalavojates „und wie, Kind, ernährt ihr euch?“ dievė mano miltikas „mein Gott, mein Liebling“.

Der Vokativ mehrsilbiger Substantive (mit den Suffixen -ukas, -utas) ist meistens endungslos, z. B.: kiškut nabagut (l.d.); aimà, brolùk; Vosi'lùk, palàuk; vaikùt, àik šen.

Bei einigen ia-stämmigen Substantiven hat der Singular-Vokativ eine iu-stämmige Endung, z. B.: tep bùstasi, brólau „so geht es (kommt man im Leben zurecht), mein Bruder“; dièvulau tu mùnas; tai vòl, ponėlau, kàp.

Im Dialekt wird anstelle des Vokativs nicht selten auch der Nominativ verwendet, nämlich: ak, mùnas tu katinùkas; ar nu'naik, pònas, aisi kanà „gehst du heute, Herr, irgendwohin?“ nacàlnì'kas (Vorgesetzter), padarik mùn tep; àch, vaikùtas tu miltikas.

7. Neben der üblichen Plural-Instrumentalendung -(i)ais kommen gelegentlich (möglicherweise nach dem Vorbild des slavischen Instrumentals, teilweise auch nach dem Vorbild femininer Substantive) Formen dieses Kasus mit -(i)ami vor, z. B.: jàučami tadaik arè „damals pflügte man mit Ochsen“; pìrṧtami intardė „kratzte mit den Fingern hinein“; ùspilė skatikami; sa švèčami prabit; o anà būma sa tomi vilkùtami „und sie ist mit diesen Wölfchen“.

8. Der Plural-Inessiv ist ebenfalls nicht selten verkürzt, z. B.: daržùos, kampùos, laukùos, marškiniùos, naginiùos „in Naginių“, pònùos, rugùos. Manchmal werden die vollständigen Formen mit zurückgezogenem Akzent gesprochen, z. B.: didesnìù-sa vaikùosa.

9. Der Plural-Illativ hat gelegentlich eine betonte Postposition, z. B.: nas(t)ruosna, Žirmonuosna „nach Žirmūnai“. Einmal wurde eine Form mit der Endung -uosan gehört: šìena stogùosan sakràudinėja „er lädt das Heu auf die Heuschober“.

Der Plural-Adessiv und der Plural-Allativ der Substantive werden nicht mehr verwendet.

10. Der Plural-Vokativ kommt selten vor. Er stimmt mit dem Plural-Nominativ überein, z. B.: kab jùmi, pònai, visa gerai būtù'p „dass es euch, meine Herren, in allem gut ergehen möge“; àch, brólei mani; kanà jūs, vìrai, aimat „wohin geht ihr, Männer?“

§ 107. Im Zietela-Dialekt gibt es außerdem a-stämmige Wörter: mėnas „Monat, Mond“, und ia-stämmige: tulžis und vōris „Wetter“. Anstelle der a-stämmigen Wörter ažaras, vìras können manchmal auch ažaris, viris gesagt werden; Singular-Akkusativ ažari', viri'.

2. Neben ia-stämmigen Formen mit Affrikaten (gaidžo, gaidžù, gaidžei, ramčo, rėčo, žodžo) werden auch Formen ohne Affrikaten verwendet (gaido, gaidù, gaidei, ramio, rėto, žōdo). Sie sind wahrscheinlich nach dem Muster der anderen Formen derselben Paradigmen entstanden, die keine Affrikaten aufweisen (gaidìs, ramìtis, gaidì', ramì', ramti', rėti', ramtiñ, rėtiñ). Dasselbe gilt für die seltener auftretende umgekehrte Erscheinung, z. B.: gaidžis, darčis, žōdžis, danči', žōdži', žōdžin.

3. Zur IV. Akzentklasse gehören lāpas, ku'gīs, tulžīs, žaltīs, rāžnas „Besenstiel“.

(i)o-Stamm

§ 108.

Singular

V. bōba „Ehefrau, Frau“, momà „Mutter“, galvà, gìrà, martì || marcà

Gen. bōbos, momōs, galvōs, gìros, marcōs

Dat. bōbai, mōmai, gálvai, gìrai, marcèi

Akk. bōbà, momà', galvà', gìrà', marcà'

Instr. bōbai, momái, galvái, gìrāi, marcāi

Instr. strāistoi, galvōi, gìroi

Ill. strāiston, galvōn, gìrōn,

171

Ad. bóbaip, mōmaip, marčeip

Al. Katri·nõs(p)36

Š. bóba, mōma, tētà || tẽt

Dual

V.-G. dvi bóbi, dvi mōmi, dvi gálvi, dvi marti.

Plural

V. bóbos, mōmos, gálvos, gìros, marčos

K. bóbuˈ, mōmuˈ, galvũ, gìruˈ, marčũ

N. bóbomi, mōmomi, galvómi, gìromi, marčõmi

G. bóbas, momàs, gálvas, gìrãs, marčàs

Įn. bóbomi, mōmomi, galvōmi, marčõmi

Įn. bóbosa, galvosà, gìrosa, marčosà

Il. bóbosna, galvósna, gìrosna

Š. bóbos, mẽrgos

Anmerkungen. § 109. 1. Die Formen des Dativ Singular werden meist auf dem Stamm betont, z. B.: bóbai, pažei, tėtai. Gelegentlich kommen jedoch auch Formen dieses Kasus mit betonter Endung vor, die meist den fallenden Akzent trägt, z. B.: Katri·nai muss dapadēt „Kateri-nai muss geholfen werden“; marčẽi pasakāi tiktàik viẽnai „Ich sagte es nur einer Schwiegertochter“; kāmgi t a i mergãi reĩka; dūˈsi pačẽi krūpa „du wirst deiner Frau ein wenig geben“; padēk savaĩ tetai kumōdni·kaˈ kāst „hilf deiner Tante, die Kartoffelranken zusammenzurechen“. Einmal ist auch eine Dativform im Singular mit betonter akutierter Endung aufgezeichnet worden: pasakik tāi mergãi. Möglicherweise sind diese Formen Relikte von Substantiven mit alter Endungsbetonung (Oxytona).

2. Die betonte Endung des Instrumentals Singular -(i)ai ist stets nur akutiert, z. B.: galvãi, gīrãi, mergãi, pirkãi. Selbst bei unbetontem Diphthong dieser Endung -ai (kōjai, karvìkai) ist das erste Glied deutlicher als das erste Glied des gleichlautenden Diphthongs der Dativendung Singular (mōmai, pirkèi).

3. Der Vns. Inessiv ist verkürzt, z. B.: im Kopf, im Wald, „in der Decke“, im Laden, in Vilnius „in Vilnius“. Vielleicht ist e hier erst kürzlich weggefallen, denn E. Volteris schreibt neben im Wald noch im Laden37.

4. Die Endung des Adessivs Singular lautet bei o-Stämmen -aip, bei io-Stämmen -iaip (ausgesprochen -eip), z. B.: avìkaip, bóbaip, mergáip, mōmaip, Juzžfaip, Katerìnaip, Šẽnkaip, Víktaip. Die betonte Endung des Adessivs Singular hat meist den Zirkumflexakzent, z. B.: marčẽip, mergãip, momãip, pačẽip, vištãip, Kaškaip, Katri·naip. Formen des Adessivs Singular mit Akutakzent sind selten: marčāip, momāip.

5. Für den Allativ von Substantiven sind im Dialekt nur einige wenige Beispiele belegt: Katri-nōs (< Katri·nōsp) sowie die feminine Form mit der maskulinen Singular-Allativendung Lenkōp nu-vejàu (Lenkā — Familienname aus dem Dorf Zasečiai).

6. Neben den Vokativformen Singular auf -a (aik tu, bóba, nug manē „geh du, Frau, von mir weg“; mōma, dūˈk pienuko; būk šviekā, tēt a || tẽta „bleib gesund, Tante“), kommen gelegentlich auch verkürzte Formen vor, z. B.: tẽt, aik šōn.

36 Diese Allativform ist P. Arumaa entnommen; siehe P. Arumaa, LMT, S. 70.

37 Siehe E. Wolter, MLLG, Bd. 4, S. 169, 172.

172

§ 110. 1. Die Wörter marti, pati mit io-Stamm werden im Nominativ Singular, wahrscheinlich aufgrund eines Paradigmenausgleichs, manchmal als marčà, pačà. ausgesprochen. Von diesem Stamm gibt es auch eine ältere Form des Namens der Stadt Vilnius, Vilna. Der o-Stamm umfasst: grucà „Grütze“, plėvà „Haut“, žirkłos, žvirzdos „Sand“.

2. Anders als Ik. werden folgende Dialektwörter betont: In den Akzentuierungsklassen II und IV können stehen: Grab, Hand, Huhn, Mädchen, Membran, Unterseite, (vir(k)ščà). Zur Akzentuierungsklasse II gehören Ableitungen mit dem Suffix -yčia (Kirche, Sprageli·čà, Kälbchen); zur Akzentuierungsklasse III gehören Formen mit -iena (Hafer, Erbse). Zur Akzentuierungsklasse IV gehören: ši·và „Scheibe“, pirkà.

ė-Stamm

§ 111. ė-Stamm-Substantive werden folgendermaßen flektiert:

Singular

Nom. karvė, bitė, gerklė, draugė „Familie“, pelė; Gen. karvės, bitės, gerklės, draugės, pelės; Dat. karvei, bitei, g’rklai, draugei, pelai; Akk. karvę, bitę, gerklą, draugę, pėlą; Instr. karvai, bitai, gerklai, draugai, pelai; Instr. upė, gerklė, draugė; Ill. upen, gerklėn, draugėn; Adess. karveip, biteip, kãteip || kateip; Vok. karve, momūte, kãte

Dual

Nom.-Akk. dvi karvi, dvi biti, dvi draugi, dvi pelbi

Plural

Nom. karvės, bitės, gerklės, draugės, pėlės; Gen. karvių, bitių, gerklių, draugių, pelų; Dat. karvėmi, bitėmi, gerklėmi, draugėmi; Akk. karvės, bitės, gerklas, draugės, pelàs; Instr. karvėmi, bitėmi, gerklėmi, draugėmi; Instr. karvėsa, bitėsa, gerklesà, draugėsà; Ill. karvėsna, bitėsna, draugėsna; Vok. karvės, kãtės

Anmerkungen. § 112. 1. Neben den üblichen Singular-Dativformen der ė-Stämme mit Stammton (karvei, kaũlai, kãtei, põnei, bitei, paūstei) kommt gelegentlich die eine oder andere Form mit Endungsakzent vor. Einen betonten Auslaut haben nur Wörter mit kurzer oder zirkumflektierter Wurzel, z. B.: bitei, katei, kaulai, paūstei.

2. Zur Singular-Instrumentalendung -ėi und der gelegentlich vorkommenden Form -e siehe § 100.

3. Der Singular-Inessiv ist verkürzt: draugėi, pūšėi, ūpėi38.

4. Der Singular-Adessiv wird meist auf dem Stamm betont: Burok’ė neip zladjei bit „bei Burokienė gab es Diebe“; vėnas sunūs bit Kãseip „Kasė hatte einen Sohn“; mergiteip gražūs plāukai. Der Endungsakzent ist selten: kateip nagai ilgi; poneip li-

38 E. Volteris (MLLG, Bd. 4, S. 172) schreibt ferner upeja (sagāwo Alēna upeja).

173

kaũ. Die diphthongierte Endung -ep (< -iep < -eip, vielleicht wie im Wort viˈkãũ || vĩkãũ || vekãũ „schneller“) wurde im Wort mergĩep gehört.

Formen des Singulars und Plurals des Allativs wurden nicht festgestellt.

5. Vokativformen im Singular und Plural sind sehr selten.

§ 113. Die Stammvokale ē, e, æ und der Diphthong ei im Dativ Singular, im Akkusativ Singular und Plural sowie im Vokativ Singular der ē-Stamm-Paradigmen sind nach den verhärteten Konsonanten l, r, š zu e, a, ą, ai geworden, z. B.: gruˈšė, grūša, gruˈšas, kãulė, kãulai, kãula, kãulas; žãgrė, žãgra, žãgràs; mergẽla, vuˈgẽla. Somit stimmen die Endungen dieser Kasus faktisch mit den Endungen derselben Kasus der o-Stämme überein, siehe § 108. Deshalb gehen manchmal analogisch auch Formen des Genitivs Singular und des Nominativs Plural zu den o-Stämmen über, z. B.: gruˈšos, grūšos, šaũlos, skiˈlos, skìlos, žìrklos.

§ 114. 1. Zum ē-Stamm gehören im Dialekt folgende Wörter: bãlė „Schlamm, Pfütze“, blusė „Floh“, gisle „Ader“, dal̃gė, kãrtė „Stange“, kùlsė „Dreschflegel“, mãrės, seltener mãros, pẽntė „Ferse“, pãuštė, põnė || ponẽ „Dame“. Ein Wort mit wechselndem Stamm ist sėklė || sėkla. Auch das Substantiv kõjēs, kõjėmi neigt dazu, zum ē-Stamm überzugehen.

2. Folgende Wörter werden nach den Akzentklassen II und IV betont: bitė || bitẽ, dal̃gė || dalgẽ, klešnė || klešnẽ „Hosenbein“, mùsė || musẽ, põnė || ponẽ, pusė || pusẽ, virvė || virvẽ, verpstė, seltener verpstẽ.

Folgende Wörter gehören zur Akzentklasse IV: meñtė „Schneide des Sensenblatts“, rumbė „Naht, Saum“, skuˈlė „Geschwür, Wunde“, tiˈsė „rechts“, žvaizdė.

i-Stamm

§ 115. Die meisten Substantive des i-Stamms sind Femininum. Maskulinum sind nur ãnglis, dañtis, diˈveris, gelãžis, žveris (häufiger žvẽris), ùgnis (an seiner Stelle wird heute häufiger ebenfalls das maskuline Wort šìltis verwendet).

Singular

N. klõnis, širdìs, dañtis, akìs

G. klõniės, širdìes, dañto || dañčio, akiẽs || akẽs

D. klõnei, širdei (Nebenform širdi), dañtũ || dañčiu, ãkei

A. klõniˈ, širdiˈ, dañtiˈ, ãkiˈ

I. klõnei, širdẽi, dañtũ || dañčiu, akẽi

I. klõniˈ, širdiˈ, dañtiˈ, ãkiˈ

Ill. klõnin, širdin, dañtin, akĩn

Ad. žvẽrip, žìveip, žãsēip

Dual

V. G. dvi šìrdai, du dañtũ, dvi akì, dvi zaˈsi

Plural

V. klõnės, širdẽs || širdes, dañtės || dañtei, ãkės

K. klõnių, širdų, dañtũ || dañčų, akũ

N. širdìmi, dañtimi || dañtãmi, akẽmi || akimi

G. klõnis, širdis, dañtũs || dañtis, akìs || akẽs

Įn. klõnimi, širdimi, dañtẽis || dañtimi, akimi

Įn. klõniˈsa, kruˈtiˈsa, dañtiˈsa, akiˈsa

Ill. klõniˈsna, kruˈtiˈsna, dañtiˈsna, akiˈsna

174

Anmerkungen. § 116. 1. Viele i-Stamm-Substantive können neben der Nominativendung im Sg. -is auch -ė haben, z. B.: nósis || nosė, karštis || karštė „Nutzen“, pažastis || pažastė, širdis || širdė, verpstis || verpstė || verpštė, za’sis || zašė || za’sė, žuvis, häufiger žvė || žvė.

2. Der Genitiv Sg. Fem. hat ebenfalls nicht selten eine konkurrierende ė-stämmige Form, z. B.: iš ausės pakėlė „zog am Ohr hoch“; nėr karštės „es gibt keinen Nutzen“, an naktės atȧi „kam zur Nacht kam er“; an kloniės gano „im Tal weiden sie“. Der Genitiv Sg. Mask. ist in den ia-Stamm übergegangen: añglo, dañto, žvėro.

3. Anstelle der Instrumentalendung Sg. i-stämmiger Substantive Fem. -imi des älteren Sprachstands ist nun die Endung des ė-Stamms verallgemeinert worden, -ei: nósėi, živéi (dazu siehe § 100); anstelle des Instrumentals Mask. steht die Endung des ia-Stamms -(i)u: añglų, gãlažu, žvėru. Aus dem io- und dem iu-Stamm stammende Endungen kommen nur in adverbialisierten Formen vor, z. B.: nakčà (häufiger nakčėi) kab ima lót; kad ãnas ugnũm (< ugnim?) nepažnótų „damit er es überhaupt nicht erkenne“.

4. Der Inessiv Sg. ist verkürzt: ausī, nósī, širdī. Die Endung des Adessivs Sg. Fem. ist dieselbe wie beim ė-Stamm: žãseip, živeip; die Endung Mask. -ip ist mit der Endung des konsonantischen und des unbetonten (i)a-Stamms zusammengefallen: díʽverip, žvėrip.

5. Der Nominativ Pl. der i-stämmigen Substantive Fem. ist fast vollständig in den ė-Stamm übergegangen: ãkės, ãšės, ãusės, šãknės, zãses. ė-stämmige Nominativformen Mask. sind selten, z. B.: dañtės, dùrės, širdės. Häufiger ist die Nominativform Pl. Mask. mit der Endung -ei ~ -iai, z. B.: anglei, dañtei, gelãžei, žvėrei (aber auch: gãlaži’s, zvėri’s). Mit der alten Endung des konsonantischen Stamms -es ist nur vereinzelt eine Nominativform Pl. belegt: dañtes, dùres, širdes.

6. Der Genitiv Pl. hat die Endung -(i)ų, z. B.: akų, ausų, dañtų || dañčių, kruʽtų, naktų, nósų, petų || pecų, pirčių, zaʽsų || žãstų, živų. Nur zwei Wörter weichen ab: dùrų und žvėrų.

7. Die Endung des Akkusativs Pl. ist zweifach: -is (akis, ašis, ausis, dañtis, naktis, žuvis) und -es — ašės, šaknės, živės || živės, zaʽsės.

8. Mit der verkürzten Endung des Inessivs Pl. ist nur ein Beispiel belegt: anà tũri dañtis nėka „sie hat etwas in den Zähnen“. Gelegentlich kommen auch ė-stämmige Formen vor, z. B.: dùrėsa.

9. Der Illativ Pl. weist neben Formen mit der Endung -i·sna auch, etwas seltener, Formen mit -ėsna auf: pažùrėk abejòs akísna; šmertis nėžùri dañtísna „der Tod schaut nicht auf die Zähne“; mẽtė dùrísna || dùrĭėsna, živėsna. Betont wird überwiegend die vorletzte Silbe, obwohl gelegentlich auch gesagt wird: kõ žùri dañti·snà.

§ 117. 1. Wie wir sehen, ist der i-Stamm stark zurückgedrängt: Einige Wörter sind bereits vollständig in andere Stämme übergegangen (siehe § 114), bei anderen sind nur einzelne Formen übergetreten, z. B. weist das Wort dañtis || dañčės sogar Formen aus drei Stämmen auf, gelegentlich auch dañtas; vgl.: Gen. Sg. dañčo || dañti·s; Nom. Pl. dañtėi || dañtės, Dat. Pl. dañtimi || dañtėmi || dañtãmi || dañčėmi. Formen aus dem io-Stamm sind selten, z. B.: Instr. Sg. nakčà, Nom. Pl. ãkščos, Dat. Pl. ašómi, Instr. Pl. nakčómi, häufiger naktimi.

2. Bemerkenswert ist das umfangreiche Paradigma des Substantivs žmonės, das sowohl i- als auch konsonantische Stammformen aufweist, z. B.: Nom. Pl. žmonės || žmon'ės, seltener žmonės || žmoni·s (|| žmogai, vgl. § 119₈), Gen. žmonų, Dat. žmonėmi || žmonimi || žmonãmi, Akk. žmonis, seltener žmones, Instr. žmonėmi, seltener žmonimi, žmonėis, Iness. žmoni·sà || žmonėsa, Ill. žmonisna || žmoni’ėsna.

175

Es wäre schwer zu glauben, dass die Formen der aussterbenden i- und konsonantischen Stämme in diesem Paradigma neu sind. Wahrscheinlich sind sie noch aus der Zeit erhalten, als „Mensch“ ein konsonantischer Stamm war; vgl. die Form žmog. im Dialekt von Lazūnai.

3. Das Wort dùrės weist Wurzelbetonung auf. Doppelte Betonung haben nur der Inessiv und der Illativ im Plural: dùrėsa || dùri·sà, dùrėsna || dùrisna.

Der IV Akzentklasse gehört švirtis (dieses Wort wurde nur von einem alten Mann gehört).

Bei den Pluralformen des Wortes za·sis liegt die Betonung überwiegend auf der Endung; man sagt jedoch auch zàšų, zàšimi, zàšėsna, vgl. die gelegentlich gebrauchte Nominativform im Singular žàsę.

(i)u-Stamm

§ 118. In der Zietelaer Mundart gibt es nur sehr wenige Substantive des u-Stamms. Außerdem stehen die meisten von ihnen nur im Singular, z. B.: alùs, dangùs, li·tùs, medùs, pãekus, vidùs, cùkrus. Substantive des u-Stamms gibt es etwas mehr: bõčus, kãpčius, lãjus, pãčus, saldė·nus, švìlus, ru·kõčius und andere.

Singular N. pãekus, su·nùs, viršùs, bõčus || bõčis G. pãekaus, su·nãus, viršãus, bõčo D. pãeku, sùnu, bõču A. pãeku·, sùnu·, viršù·, bõčù· || bõči· Instr. pãeku, sùnu, viršù, medùm bõčù Iness. dangù·i, viršù·i || viršù·i, Ill. dangùn, viršùn, Ad. sùnip || su·nìp, bõčip || bõčup All. Mikalõjop Lat. su·nãu bõčau Dual N.-A. du turgù, sùnù, viršù, žmogù, bõčù Plural N. turgai, su·nãi || sùnù·s, viršai, bõčei G. turgù, su·nù, viršù, bõčù· D. turgãmi, su·nãmi || su·nùmi, viršãmi, bõčãmi A. turgùs, sùnùs, viršùs, bõčãs Instr. turgais, su·nais, viršais, bõčéis Iness. turgù·sà, su·nù·s || su·nu·sà, bõčù·sa Iness. turgù·sna, su·nù·sna, bõčù·sna

Anmerkungen. § 119. 1. Die Nominativendung im Singular ist bei vielen Substantiven des iu-Stamms zweifach: -ius und -is, z. B.: bõčus, dĩšlus || dĩšlus, pãčus, ru·kõčius, saldė·nus, švìlus, užančius „Achsel“ und daneben pãčis, ru·kõčis, užančis. Es kommen auch u-stämmige Wörter vor, die in den i-a-Stamm übergetreten sind, z. B.: viršas || viršus.

Diejenigen Substantive des iu-Stamms, deren Stammauslaut die palatalisierbaren Konsonanten r, š, c enthält, haben im Nominativ Singular manchmal u-stämmige Endungen, z. B.: aspadõrus || aspadõris „Hausherr“, kermõšus || kermõšis „großer Markt“, palãčus „Palast“, plãčius „Platz“.

176

2. Der Genitiv Singular der u-stämmigen Substantive hat neben der Endung -aus (ir medaus ir alaus; iš vidaus gražast, kap iš viršaus) auch die etwas seltenere entsprechende a-stämmige Endung, z. B.: iš daňgo mětė; an turgo važinėjo Zičtelon; der Genitiv Singular der iu-stämmigen Substantive hat dagegen häufiger die ia-stämmige Endung, z. B.: ir bōčo nebit namė; ir stōja gaidis an kāpčo; važuoja an kermošo Li-dōn, seltener an ri-tōjaus bus; nug pėčiaus; mārlūs „Mull“.

3. Der Akkusativ Singular der iu-stämmigen Substantive wird oft auch mit Endungen anderer Stämme gebildet, z. B.: sūna' momā ište'sė negiva', bit piē Vilni: „war (lebte) bei Vilnius“; piē pėči' dirbasi.

4. Die Instrumentalendung Singular -um, z. B.: lig li-tum; kvepėtu medum: sa cukrum kommt selten vor. Noch häufiger sagt man: sa cūcru, sa medū; sa bōču ir momāi.

5. Inessiv und Illativ Singular weisen ebenfalls doppelte Endungen auf, z. B.: būsta dangūi; būvom turgu; ir vidū ir viršūi karšta biti; āugo dangūn; nuvažiavom Nogardan turgu n; saldė'nūn nekrauna miēlū; viršūn ir apačōn pakeldinėi und daneben: medė pristāpino mūsė „im Honig ertrank eine Fliege“, būsta Vilni:; katė pėči' sėdėi; medan inkišāu pirštūs; kunodās kāpčin supilė.

6. Der Adessiv Singular ist gewöhnlich derselbe wie beim (i)a-Stamm, z. B.: klāusa bōčip; pasiklāsks sūnip; su-niep būvom; tām žmōgip arklis prapuōle; žmōgip (|| žmo-giep) valasai, paršip šarei „(des Menschen — die Haare, des Schweins — die Borsten (also)“. Von den alten (i)u-stämmigen Formen finden sich nur Reste. Wahrscheinlich liegt eine solche Form in dem von P. Chaleckienė aus Pagir aufgezeichneten Beispiel vor: vienam bōčup bit keturi su-nai. Die u-stämmige Endung des Adessivs Singular ist mit dem a-stämmigen Wort pōnas verwendet: riudenip kunodās mōteres pōnup dirbo „im Herbst gruben die Frauen beim Herrn Kartoffeln aus“. Zu erwähnen ist auch die ia-stämmige Endung des Allativs Singular, die mit einer iu-stämmigen Form in der Bedeutung des Adessivs Singular verwendet wird: Mikalōjop būvot? „Wart ihr bei Mikalojus?“

7. Der Plural der (i)u-stämmigen Substantive ist fast vollständig in den (i)a-Stamm übergegangen (vgl. Paradigma). Von den alten (i)u-stämmigen Formen sind nur einige wenige belegt, z. B.: Nom. Pl. mūsų bōčis ir jo bōčis biti rodni brōlei, jau didžūko sūnūs; Dat. Pl. bōčis su-nūmi (|| su-numi) pārdavdinėi (ūkį).

8. Beim Substantiv žmogus (— selten žmogūs⁳⁹) lautet der Nominativ–Akkusativ Dual du žmōgū; Nom. Pl. žmōgai (|| žmōnės || žmōnes || žmōni·s, siehe § 117₂), Gen. Pl. žmōgū, Dat. Pl. žmōgāmi, Akk. Pl. žmōgūs, Instr. Pl. žmōgais, Iness. Pl. žmōgūos || žmōgūsa, Ill. Pl. žmōgūosna.

120. 1. Obwohl der (i)u-Stamm in der Mundart sehr wenig verbreitet ist, sind einzelne seiner Kasusformen dennoch relativ häufig und dringen sogar in andere Stämme ein, z. B.: Instr. Sg. aik keliūm; kad ānas ugūnūm; Vok. Sg. artōjau, brōliau, dievuliau ponēliau. In den Paradigmen einzelner Substantive weisen auch einige andere Kasus (i)u-stämmige Formen auf, z. B.: Nom. Sg. ana kėpina, kap šilūs „sie brennt, wie Feuer“; vasarōjus (häufiger vasarōjas, -ōjis); Gen. Sg. pirko medžāus an visōs pirķōs „kaufte Holz (Baumaterial) für die ganze Badestube“; an ri-tōjaus (häufiger ri-tōjo); šiltāus nebit „Feuer, Wärme, Licht gab es nicht“; vasarōjaus; Instr. Sg. medžūi kirmėlės „im Holz sind Würmer“; šiltūi dėga.

2. Der Plural des Wortes žmogus folgt der vierten Akzentklasse, der Singular dagegen variiert: Im Instrumental und Adessiv Singular liegt der Akzent meist auf dem Stamm, der Akzenttyp ist unklar: žmogū, žmogų, žmogip,

39 Die Form žmogūs kommt etwas häufiger mit u-stämmigen Adjektiven vor, z. B.: brangūs, gražūs skupūs žmogūs.

12. Lietuvių kalbos gramatikos tyrinėjimai

177

seltener žmogų, žmogip || žmogieᵖ. Am häufigsten trägt auch in sämtlichen Formen des Wortes bōči(u)s der Wortstamm den Akzent.

Zur vierten Akzentklasse gehört lìtus. Der Singular des Wortes tùrgus gehört zur zweiten, der Plural zur vierten Akzentklasse.

Konsonantenstamm

§ 121. In der Mundart gibt es einige Substantive mit Konsonantenstamm (n und r). Fast alle Substantive mit n-Stamm sind maskulin, z. B.: akmūo, pi̇emūo, rudūo, šūo, tešmūo, vandūo. Allerdings gehen rudūo || rudenė und vandūo, wahrscheinlich unter dem Einfluss entsprechender Wörter aus den slawischen Sprachen, nicht selten ins Femininum über, z. B.: ilgą rudūo || rudenė, an rudenės, lig r ū denei; tokà vandūo bit, nàvet kárvė negėrė „das Wasser war so (schmutzig), dass nicht einmal die Kuh davon trank“. Femininum sind auch die in die o- und ē-Stämme übergehenden n-Stämme sėmenos || sėmenės.

Die Substantive mit r-Konsonantenstamm – duktē (seltener dukterė), mòtērē (neben mòteriškis), sestrō – sind feminin. Das maskuline Wort desselben Stammes di̇e’veris || di̇everis (selten di̇everis) ist nahezu vollständig in den ia-Stamm übergegangen. In den a-Stamm ist das s-Stamm-Wort mė́nas „Monat, Mond“ übergegangen.

§ 122. Die Deklinationsparadigmen der Substantive mit n- und r-Stamm:

Singular

N. šūo || šuva || šūnis, pi̇emūo, sesūo || seserė G. šunìes || šūno pi̇emenio, seserės D. šuniu || prig šūni, pi̇emeni, sēserei, selten seserei A. šuni, pi̇emeni, sēseri I. šūnū, pi̇emenū, sēserā L. vandenì Ill. šunìņ pi̇emenìņ Ad. šūnip || šūnieᵖ⁴⁰, pi̇emenip || pi̇emenieᵖ, sēserēip, selten seserēip Dual N.A. du šunū, du pi̇emenū, dvi sēseri Plural N. šūnes || šūnes || šūnei, pi̇emenai || pi̇menei, sēserēs || sēseres G. šūnū, selten šunū pi̇menū || pi̇menū, seserū D. šūnimi || šunāmi, pi̇menāmi, sēserēmi || sēserimi A. šūnis || šūnūs, pi̇menūs, sēseres || sēseris I. šūnimi || šūneis, pi̇menais || pi̇menāmì || pi̇menāmi, sēserēmi || sēserimi L. šun’isā || šunūos(a), pi̇menūos(a), sēserēsā Ill. šunisnā || šuni̇osna, pi̇menūosna || pi̇meniosna, seserēsna

Anmerkungen. § 123. Nur wenige Kasus haben in der Mundart die alten Endungen des Konsonantenstamms bewahrt, z. B.: Sg. Nom. šūo, sesūo, tešmūo; Pl. Gen. akmenū, dukterū, obelū, pi̇emenū, šunū, seserū; mit Präpositionen Mask. Sg. Dat. lig rudenì; prig šūni;

40 Diese Form ist Chr. Stang entnommen (NTS, Bd. 18, S. 186–187).

178

Gelegentlich begegnen der Genitiv Singular und der Nominativ Plural seserės dukte; tris seseres; šūnes jis, do ir visa; jaib tris dukteres bit „sie hatte drei Töchter“, vgl. auch die von K. Būga aufgezeichnete Form pėmenes. Dass es sich hier um die alte Endung des Nominativs Plural -es handelt, zeigt die Form mit ausgefallenem kurzem -e, z. B.: dvi čà dukters, vienà ten.

Die Endung -ip, iᵉp des Adessivs Singular Maskulinum ist mit der gleichlautenden Endung der i- und ia-Stämme zusammengefallen: šunip, šunīᵉp, piᵉmenip, rūdenip. Die Adessivendung des Maskulinums wird bisweilen auf Feminina übertragen, z. B.: dukterip (häufiger duktereip, sėsereip).

Die meisten alten Endungen des konsonantischen Stammes weist die Paradigmatik des Wortes šūo auf (vgl. die mit dem i-Stamm zusammengefallenen entsprechenden Pluralformen: šunimi, šunis, šunimi, šunìsà, šunisna). Auch die Endungen des Akkusativs, Inessivs und Illativs Singular anderer n-Stamm-Wörter sind nicht neu und stimmen mit den Endungen der ia- und i-Stämme überein; vgl. Akk. Sg. piᵉmeni; tėšmeni; Inessiv Sg. akmeni, vándini; Illativ Sg. akmenin, vandenin. Gelegentlich treten mit alten Endungen auch noch Dativ, Akkusativ und Instrumental Plural des r-Stammes auf: dukterimi, sėseris, sėserimi.

Unklar ist, ob die auf der Endung betonten Dativformen Singular Femininum alten oder jüngeren Ursprungs sind, z. B.: tiktaik seserei tai pasakāu vienai; viresnei seserei savo pasakāu; šunča lapūs (laiškus) dukterei ir ganà.

Neben den älteren Formen des konsonantischen Stammes werden bereits entsprechende Nominativformen Singular verwendet, die nach dem i- oder ia-Stamm gebildet sind: akmenis, piᵉmenis, rūdenis, tėšmenis, vándenis, šūnis. Die gelegentlich auftretende Form šuvà hat denselben Ursprung wie sesuvà, ruduvà, šuvà, vanduvà der westlichen Dzūken.

Die übrigen Kasus des n-Stammes haben Endungen des ia-Stammes, seltener des a-Stammes; vgl. das Paradigma.

Die entsprechenden femininen Singularformen des Wortes rudùo sind ebenso wie die meisten r-Stamm-Formen desselben Numerus inzwischen in den ē-Stamm übergegangen; vgl. das Paradigma. Eine Form des ē-Stammes weist häufig auch der Nominativ Plural des maskulinen Wortes šuo auf.

Nach der Nominativform Singular des ē-Stammes duktė sind auch kürzere entsprechende ē-Stamm-Formen fast aller übrigen Kasus entstanden: Genitiv Sg. duktes, Dativ Sg. duktei, Adessiv Sg. dukteip, Instrumental Pl. duktešù. Nach duktė sagt man bisweilen auch sesė: sesė nečhoj atvažūoja „die Schwester soll kommen“.

§ 124. Das Substantiv des konsonantischen Stammes vanduo kann, mit Ausnahme des Nominativs Singular, in allen übrigen Kasus Doppelformen aufweisen: Neben vándeno, vándenu usw. wird vándinio vándiniu, vándini, vándini... ausgesprochen. ⁴¹ Dieselbe Erscheinung findet sich auch in anderen litauischen Dialekten sowie in alten Schriften⁴².

* * *

§ 125. Im Vergleich zur litauischen Literatursprache und zu anderen Dialekten weist das Substantiv im Zietelaer Dialekt zahlreiche Besonderheiten auf. Die meisten davon sind durch die über viele Jahrhunderte währende Isolation dieses Dialekts entstanden:

Aufgrund dieser Isolation (die nächstgelegenen litauischen Orte liegen mehr als 80 km nördlich von Zietela) sind im Dialekt einige archaische Merkmale erhalten geblieben, z. B.: postpositive

⁴¹ Es sei darauf hingewiesen, dass e und i auch in einzelnen derivationalen Suffixen der Substantive des Zietelaer Dialekts wechseln, vgl.: ādeta || ādāta: ādita, kãepenės: kãpinės, škãpeta: škãp(i)ta usw.

⁴² Siehe K. Būga. Rinktiniai raštai, t. 3, Vilnius, 1961, p. 369, 375; A. Jonait y tė, LKK, t. 3, p. 107; Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, p. 58–59.

12⁺

179

vietininkai (gaidip || gaidiẽp, gaid(ž)óp, kárveip, sãšereip, akiñ, dañtiñ, dañtisna, galvósna, turgũosna), į ir priebalsinio kamieno atskirų linksnių formos (vns. naud. prik dañti, po pažãsti, lig rudenì; vns. kilm. dukterès, seserès; dgs. vard. dũkteres, šines) ir kt.

Andererseits steht dieser Dialekt seit alters her unter dem Einfluss der ihn umgebenden slawischen Sprachen (vor allem des Belarussischen, weniger des Polnischen und Russischen). Der Einfluss der slawischen Sprachen ist recht deutlich. Er betrifft sowohl die Wortbildung als auch die Flexion des Substantivs. Aufgrund dieses Einflusses wird das Genus mancher Wörter verwechselt (dárba, dĩonas, vandũo), bei Eigennamen hat sich die Bildung von Substantiven mit diminutiv-affektiver Bedeutung und dem Suffix -ikas eingebürgert; außerdem sind verschiedene Affixe und damit gebildete Hybridformen entstanden (mergìlkos, rùkõčius, sunãučius „Enkel“ pradėdukas „Urgroßvater“ usw.).

Der Dialekt weist auch zahlreiche andere morphologische Besonderheiten auf, die sich nicht unmittelbar durch den Einfluss slawischer Sprachen erklären lassen; es besteht jedoch kein Zweifel, dass die Entstehung vieler von ihnen durch die Zweisprachigkeit der Dialektsprecher bedingt ist. Sie denken bereits auf Belarussisch und übersetzen, wenn sie sich auf Litauisch äußern müssen, ihre Gedanken; insgesamt haben sie den traditionellen örtlichen litauischen Dialekt erheblich in Vergessenheit geraten lassen. Dadurch sind zahllose unterschiedliche Parallelformen sowie Varianten der Akzentuierung, Wortbildung und Flexion entstanden (sãulìna || saulì:na, pelùdė || pelūnė, senìstà || senìstvà; mergãip || mergãip, jáučéis || jáučami, sãserèmi || sėserèmi).

Zwar haben auch die litauische Literatursprache und andere litauische Dialekte ein wenig zur Vielfalt der morphologischen Formen dieses Dialekts beigetragen. Mit Sprechern anderer Dialekte, vor allem mit westlichen Dzūken, kamen die Zieteler in Lida, seltener in Zietela, Vilnius und auf anderen Märkten in Kontakt; einige trafen Litauer aus anderen Dialektgebieten während ihres Dienstes in der Armee des zaristischen Russlands oder des bürgerlichen Polens. Manche Zieteler hatten Gelegenheit, etwas von der litauischen Literatursprache an der litauischen Schule im Dorf Zasečiai zu lernen, die von 1918 bis 1928 bestand, sie von den litauischen Intellektuellen zu hören, die eine Zeit lang hier arbeiteten, und sie durch die gelesene litauische Presse ein wenig kennenzulernen. Der Einfluss der Literatursprache beschränkt sich jedoch hauptsächlich auf den Wortschatz und darauf, dass die meisten Dialektsprecher die Literatursprache oder jemanden, der einen anderen, verwandteren Dialekt spricht, besser oder schlechter verstehen können.

Insgesamt fällt die große Armut dieses litauischen Dialekts ins Auge. Das empfinden auch die Zieteler selbst. Viele Dialektsprecher, die vergleichsweise gut Litauisch sprechen, greifen oft auf slawische Sprachen zurück, wenn sie einen komplizierteren Gedanken ausdrücken möchten. Deshalb ließ sich eine Vielzahl von Ableitungen mit Suffixen und Präfixen nur anhand von ein oder zwei Beispielen veranschaulichen. Andererseits ist im Dialekt zweifellos noch reichlich nicht aufgezeichnetes Material erhalten, das nicht nur die Morphologie des Substantivs, sondern auch die gesamte Struktur dieses verschwindenden, einzigartigen Dialekts noch wesentlich vollständiger veranschaulichen könnte.

DAS SUBSTANTIV IM ZIETELO-DIALEKT

А. ВИДУГИРИС

Zusammenfassung

Der Artikel beschreibt die Wortbildung und Flexion der Substantive im Zietelo-Dialekt, einem der interessantesten isolierten Dialekte der litauischen Sprache auf dem Gebiet der Weißrussischen SSR.

Im ersten Abschnitt werden die Besonderheiten der Substantivbildung im Dialekt behandelt. Folgende Bildungstypen werden festgestellt:

180

…: Suffixbildung, Präfixbildung, Flexionsbildung und Zusammensetzung. Es wird festgestellt, dass in der Mundart Suffixbildungen am weitesten verbreitet sind. Präfixbildungen (z. B.: apinastris || aprimėstis, pakelė || pakelės, pãkulos, pãrdė nė), Zusammensetzungen (z. B.: an(k)strítas, kĩrvakočis, šiẽmpjovis, vidukiẽmis) sowie Flexionsbildungen (z. B.: drãugė, švìlus, šìltis) sind für die Mundart nicht charakteristisch.

Bei der Analyse werden abgeleitete Substantive, insbesondere suffixal gebildete Wörter, nach ihrer Bedeutung in Gruppen eingeteilt. Von diesen Gruppen sind beispielsweise besonders interessant: Deminutiva mit den Suffixen -ukas (arkliùkas, piẽniukas), -yka, häufiger -bì-ka (karvìka, pãuštìka, sãujika), -utas, -a (kiškùtas, langùtas, mergùtá), -yna (sãulina || sãuli·nà); Bezeichnungen für Handlungen und deren Ergebnisse mit den Suffixen -imas (arìmas, gẽrimas, ku·lìmas, kvepìmas (vgl. kvepėjimas) und ãrimas, gẽrimas, kùlimas), -ymas (bùsti·mas, vãlgi·mas), -ienė (čùz̃rė·nė, žaidė·nė), -ulys (skùadulìs), -yba (dailìba); Bezeichnungen für Eigenschaften mit den Suffixen -umas, häufiger -umà (brangùmà, grãžumas, kartùmd), -yba (jaũniba, saldìba), -umyna (gražùmi·na), -ysta (seni·stã), -imas (karštìmas, šlapìmas); Personenbezeichnungen mit den Suffixen -iškis, -ė (lãtviškis, -ė, liẽtaviškis, -ė || lietuviškis, -ė), -ainė (brólainė) u. a.

Im zweiten Abschnitt werden die Veränderungen der Substantive der Mundart nach Genus, Numerus und Kasus behandelt. Es wird festgestellt, dass einige Substantive sowohl im Maskulinum als auch im Femininum verwendet werden (rudù, Víl·nia || Vílnius) oder ein anderes Genus als in der Literatursprache haben (dãlgė, tuĩžis).

Außer Singular und Plural haben die Substantive im Nominativ und Akkusativ auch einen Dual, der mit den Zahlwörtern du, dvi, abi, abi verwendet wird: du gražiù bérni nuvažã·; abi dukti pãmetė.

Neben den sieben Kasus wie in der Literatursprache werden in der Mundart auch der Illativ (Singular gìron; Plural dãritisna), der Adessiv (nur Singular bérnpi, veršẽp, vištãip) und der Allativ (nur Singular patób, põnpop) verwendet.

Der Dativ Singular Maskulinum wird stets ohne auslautendes -i verwendet: gaid(ž)u, kãtinu. In präpositionalen Fügungen ist die alte Endung -i des Dativs Singular Maskulinum erhalten geblieben, die von Substantiven mit i- und Konsonantenstamm ererbt wurde: po pãžasti, pri gãnti, pri kẽli, lig rùdeni.

Viele feminine Substantive werden im Dativ Singular mit Betonung auf der Endung ausgesprochen, z. B.: katẽi, marcẽi, mergãi, seserẽi.

Die Formen des Instrumentals Singular aller femininen Substantive haben die Endungen -aį, -eį: mãrškai, virvẽį; in einigen Wendungen oder Adverbien kommen jedoch auch die Endungen -a, -e vor: pakčã, pãkū·nė.

Die Formen der Substantive mit den Stämmen auf (i)o, ė, (i)u werden im Inessiv Singular stets ohne auslautendes -e ausgesprochen: strãistoi, pirḱoi, drãugėi, saldiẽniui, bei Stämmen auf ia, i und auf einen Konsonanten dagegen ohne -je: kraũji, akmeni.

Alle Substantive haben im Dativ Plural die Endung -mi: ark-lãmi, galvómi, akìmi, su·nùmi. Substantive mit den Stämmen auf (i)o, ė, i und auf einen Konsonanten haben dieselbe Endung auch im Instrumental Plural: pirkómi, pelėmi, šunìmi.

Die Formen des Inessivs Plural der meisten Substantive enden auf -s(a) statt auf -se der Literatursprache (krùmu·sa, ùpėsa neben krùmu·s).

Substantive mit Konsonantenstamm haben im Genitiv Singular und im Nominativ Plural die alte Endung -es bewahrt (vgl. seserẽs und sãseres, šùnes neben seserẽs, sãseres, sãseri·s, šùnes, šùnei) u. a.

181

Viele Substantive im Dialekt können einen anderen Stamm haben als in der Literatursprache (mēnas, pāištē) oder ein anderes Akzentparadigma (bitė || bitē 2, 4, lāpas 4, pirkā 4). Auch Fälle der Stammvermischung und der Verwechslung von Akzentparadigmen sind nicht selten.

Wie aus diesem kurzen Überblick hervorgeht, sind in der Flexion der Substantive des Dialekts einerseits viele archaische Merkmale erhalten geblieben, andererseits sind jedoch auch zahlreiche Neuerungen entstanden.

Die Erhaltung der Archaismen wurde durch die lang andauernde isolierte Lage dieses Dialekts begünstigt. Das Auftreten von Neuerungen ist neben der Isolation darauf zurückzuführen, dass dieser Dialekt seit Langem in engstem Kontakt mit den slawischen Sprachen steht (am engsten mit dem Belarussischen, weniger eng mit dem Polnischen und Russischen). Übrigens zeigt sich der Einfluss dieser Sprachen weniger im Bereich der Flexion der Substantive des Dialekts (z. B. wird bei einigen Wörtern das Genus nach dem Vorbild der entsprechenden Wörter in den slawischen Sprachen geändert: dárba, diònas, vandrō) als vielmehr im Bereich der Wortbildung (z. B.: Die Bildung von Deminutiven aus Eigennamen mit dem Suffix -ikas wurde verallgemeinert, zahlreiche Hybridbildungen mit slawischen Affixen sind entstanden: mergīlkos, ru-kōčus, su-nāiēus, prodie-dūkas) usw.

Darüber hinaus weist die Morphologie der Substantive noch zahlreiche weitere Besonderheiten auf, deren Auftreten sich nicht durch einen direkten Einfluss der slawischen Sprachen erklären lässt. Dennoch ist das Entstehen vieler davon durch die Zweisprachigkeit der Sprecher des Dialekts bedingt. Infolge dieser Zweisprachigkeit sind im Dialekt zahlreiche Parallelformen sowohl im Bereich der Wortbildung als auch in den Bereichen Flexion und Akzentuierung entstanden (z. B.: pelūnē || pelūdē, seni-stà || seni-stvà, jāu-čēs || jāu-cami, sēserēm || sēserimi, mērgaip || mergaip) usw.

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