Page 1LIETUVIŲ KALBOS MORFOLOGINĖ SANDARA IR JOS RAIDA
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
Zusammengesetzte Partikeln der litauischen Sprache
V. LABUTIS
§ 1. Viele Partikeln der litauischen Sprache sind einsilbige, morphologisch nicht weiter zerlegbare Wörter (z. B.: ar, be, gi, juk, ne, nė, tik, vis, jos und Ähnliches). Daneben gibt es auch einige Partikeln, die sich in Bestandteile zerlegen lassen (z. B.: argi, bene, kone, nebe, negi, tiktai, ko tik, tik tik und andere), die einfachen Partikeln entsprechen. Die Beziehungen zwischen den Bestandteilen dieser Partikeln ähneln meist den Beziehungen zwischen den Gliedern einiger selbstständiger zusammengesetzter Wörter. So ähnelt beispielsweise die Beziehung der Glieder der Partikel bene zu den Einzelwörtern be und ne etwa der Beziehung der Glieder des Pronomens kiekvienas zu den Wörtern kiek und vienas; oder die Partikel ko tik „kaum“ ist beispielsweise eine Wortverbindung ähnlicher Bildung wie die Pronomen tas pats, šis tas und Ähnliches. Somit lassen sich Partikeln, die aus mehreren Bestandteilen bestehen, als eine Art zusammengesetzte Wörter auffassen, die sich von selbstständigen zusammengesetzten Wörtern im Wesentlichen nur durch quantitative Merkmale unterscheiden: durch das geringe semantische Gewicht ihrer Glieder und deren lockeren Zusammenhang. Daher werden Struktur und Bildung der Partikeln hier untersucht, indem dieselben Methoden übertragen werden, die gewöhnlich bei der Wortbildungsanalyse selbstständiger Wörter angewandt werden.
§ 2. Nach dem Grad der Verschmelzung ihrer Glieder lassen sich zusammengesetzte Partikeln in Komposita und Wortverbindungen einteilen. Natürlich gibt es keine scharfen Grenzen zwischen Wortverbindungen und Komposita, da der Grad der Verschmelzung ihrer Glieder nicht immer eindeutig ist. Manchmal spielt dabei sogar die Schreibweise eine Rolle. Wenn etwa die Partikeln kadgi, dargi, netgi usw. mit zwei Wörtern geschrieben würden, wären sie zweifellos Wortverbindungen; gegenwärtig ist es jedoch praktischer, sie als Komposita zu behandeln, obwohl ihre Glieder weniger stark verschmolzen sind als beispielsweise die der Partikeln bene, argi, negi, tiktai.
Kompositionspartikeln
§ 3. Kompositionspartikeln bestehen aus zwei (manchmal drei) Gliedern, die vollständig zu einem Wort verschmolzen sind. Anders gesagt handelt es sich um eine Art Komposita, deren Glieder ehemals selbstständige Partikeln sind.
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Page 2Bei vielen Kompositionspartikeln ist entweder das erste oder das zweite Glied dasselbe. Dementsprechend werden sie in bestimmte Gruppen eingeteilt.
§ 4. Nach dem ersten Glied lassen sich folgende Gruppen von Kompositionspartikeln unterscheiden1:
ar-: ar-gi, ar-gu; vgl. die Konjunktion ar-ba;
be-: be-gu, be-ne;
ne-: ne-be, ne-bent, ne-gi, ne-jau (gi); vgl. die Konjunktion ne-gu;
te-: te-gi, te-gu(l).
§ 5. Das Glied ar- ist die Fragepartikel ar, die gewöhnlich auch die Bedeutung der gesamten Kompositionspartikel bestimmt. Vgl. die Bedeutungen von ar, argi, argu:
Warst du beim Arzt? SimBT 66. Teilen wir uns das Erbe etwa nicht, sodass wir uns nicht einigen? PP 106.
Kennst du etwa nicht die Arbeit von Petras Kurmelis? ŽemRR 199. Warst nicht du dort? Srj. Hätte dir vielleicht jemand außer dir selbst davon erzählt?argu — haben dir andere von mir erzählt? DP 164 (LKŽ I 242). Argu wird dir nicht leidtun. JV 169 (LKŽ I 242).
Die Fragepartikel argu wird in der heutigen litauischen Literatursprache nicht verwendet; wir kennen sie nur aus den alten Schriften. In den Dialekten der südwestlichen Hochlitauer wird sie gelegentlich zur Selbstkorrektur nach einer Äußerung gebraucht, zum Beispiel:
Ein Roggenzentner kostete damals sechzehn, argu (=nicht) achtzehn Litas. Vrb (LKŽ I 242). Juozai, argu Vincai, geh und hol Wasser. Dkš.
Also ist hier die Bedeutung des Bestandteils argu ar- dem disjunktiven Konjunktionselement ar und dem Bestandteil arba des zusammengesetzten Konnektors ar- näher als der Fragepartikel ar2.
§ 6. Das Element be-, das dem Fragepartikel be entspricht, bestimmt die Bedeutung der zusammengesetzten Partikeln beg(u), bene, z. B.:
Hast du nicht angefangen zu träumen oder zu dösen? — antwortete sie selbst. ŽemR II 239. Gehst du etwa fort, ohne verabschiedet zu werden? Kp (LKŽ I 572).
Warst du im Garten, pflücktest du die Rauten, oder sind das nicht deine Tränchen auf den grünen Rauten? Pnd.... kaum hineingekommen, hattest du dich schon umgesehen; begu du warst gerade noch in deine Stube geraten. VaizgV 197. — Hat Adam Bene wohl wieder wegen der Bretter angezeigt? — fuhr es Dėdelė plötzlich heraus. VienR I 281. Ist dieser Jatulis jetzt etwa Förster geworden? Skn.
Der Partikel bene hat nicht nur den vom Element be- vermittelten Frageakzent, sondern auch einen Akzent der Unsicherheit und Vermutung, der sich aus dem Zusammenspiel von Verneinung und Frage ergibt (vgl. Hast du nicht angefangen zu träumen..? und Hat Adam wohl wieder angezeigt..?). Manchmal ist dieser Vermutungsakzent sogar stärker als der Frageakzent. In diesem Fall ist natürlich auch die Fragebedeutung des Elements be- völlig verblasst. Z. B.:
1 Es gibt zusammengesetzte Partikeln, deren erstes Element völlig unproduktiv ist und nach diesem keine Gruppen gebildet werden, z. B.: ne-maž, net-gi, jau-gi u. a.
2 Die Herkunft der disjunktiven Konjunktion ar ist untrennbar mit der des Fragepartikels ar verbunden; siehe E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, Göttingen (im Folgenden: Lit. et. Wb.), S. 15. Daher lässt sich auch die Konjunktion arba hinsichtlich ihrer Bildung mit den Partikeln argi, argu. vergleichen.
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Page 3Es war wohl schon an der Zeit, dass die Šalteikiai ausstarben. SimVK I 16. Der Verfasser der Sammlung war wohl der Erste unter allen sowjetischen Kritikern, der den Literaturen der baltischen Völker etwas größere Aufmerksamkeit schenkte... KorsLD I 124.
In den ostaukštaitischen Mundarten (gelegentlich auch in Schriftzeugnissen) findet sich die Partikel bag, die dieselbe Bedeutung und Bildung wie beg(u) hat, jedoch statt des Elements be- das Element ba- aufweist. Es gibt auch eine separate Fragepartikel ba3. Z. B.:
Warst du nicht im Garten, warst du nicht bei den Rauten? Skp. Er ist jetzt selbst ganz zusammengesunken, noch keine vier Jahre, und schon knarrt er im Bett. BaltPV I 179. Ist hier die Stricknadel heruntergefallen? LKŽ I 440. Schaut euch die dürren Stängelchen an: werden sie grün, treiben sie Blätter? JD 576.
Hierher gehören die in älteren Schriften und bisweilen in Mundarten vorkommenden Fragepartikeln bes (bės), bei, die dasselbe Element be- enthalten. Z. B.:
Würdest du auch mich über den Fluss bringen? Ds (LKŽ I 635). Würdet ihr denn mich und eure Kinder gehen lassen? BB II Moz X 10. Und siehe, du wirst Früchte bekommen; andernfalls schneide ich sie dir ab. LKŽ I 635. Wirst du etwas von ihm bekommen? Klp (LKŽ I 598). Wer weiß, hast du ihn vielleicht gesehen? Vvr (LKŽ I 635).
§ 7. Das Element ne-. Seine negative Bedeutung bewahrt deutlich nur die Partikel nebe(-), während bei den Partikeln nebent, nejau(gi), negi die negative Bedeutung des Elements ne- kaum noch zu spüren ist, z. B.:
Nicht alles ist für Kinder nützlich zu wissen. BalcAP 29. Zwei Köpfe sind eben nicht einer. PP 177. Nicht die Wissenschaft liegt ihm jetzt am Herzen. JablRR I 335.
Dann wird es keine Zeit mehr sein, herumzulaufen, sobald es schon keine mehr geben wird. ŽemRR 200. Schon Märchen interessieren mich nicht mehr, ich habe es längst vergessen. Skb.
Und was werden sie hier bei uns nehmen? Allenfalls die letzte kleine Kuh. VenclR III 280. Vielleicht könnte man es noch in der Tenne reifen lassen. Weißt du denn von so einer Kleinigkeit nichts? Šil. Also soll das nun Tag für Tag so weitergehen? VienR V 264. Das Futter geht zur Neige; wird das Tier etwa im Stall verenden? Myk-PutS I 96. Wollen wir in diesem Alter etwa das Kind von uns fortschicken?! BaltPV I 29.
§ 8. Das Element te-. Die zusammengesetzte Partikel tegu(l) und die in älteren Schriften vorkommende Partikel tegi haben dieselbe optative oder permissive Bedeutung wie die dem ersten Element te- entsprechende Partikel te. Vergleichen wir Beispiele für ihren Gebrauch:
Möge jemand anders fahren. Vs. — Soll er krächzen! — sagte einmal ein Mann, wie aus Mitleid. CvR II 30. Er soll Heu mähen gehen. Žl. Mögen solche Dinge für spätere Pilzsammler übrig bleiben. VaižgV 48. Mögen die zu Asche gewordenen Hassgefühle ihnen die Hände bis zu den Ellbogen verbrennen. JstMarcKP 98. Tėgi zeige uns, ob je jemand etwas dergleichen in dieser so heiligen und neu restaurierten Kirche getan hat. DP 19₅₁.
³ Die Partikeln be, ba (und das im heutigen Litauischen nicht mehr gebrauchte bo) sind etymologisch verwandt, siehe J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951 (im Folgenden: Latv. val. gr.), S. 702; E. Hermann, Litauische Studien, eine historische Untersuchung schwachbetonter Wörter im Litauischen, Berlin, 1926 (im Folgenden: Lit. St.), S. 347—348. Historisch könnte dasselbe Element ba- auch die Partikel ba-u enthalten haben, siehe ebenda, S. 342; E. Fraenkel, Lit. et. Wb., S. 36.
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Page 4§ 9. Die nach dem ersten Bestandteil unterschiedenen Typen zusammengesetzter Partikeln sind ziemlich wenig vielfältig und insgesamt nur wenige. Es handelt sich um völlig unproduktive und nicht produktive Fälle der Partikelbildung. Eine gewisse Ausnahme ist das Element ne-, mit dem mehr Partikeln gebildet wurden und das als Präfix vieler anderer Wörter auftreten kann.
§ 10. Nach dem zweiten Bestandteil lassen sich folgende Gruppen zusammengesetzter Partikeln unterscheiden:
-be: ne-be(-), te-be usw.;
-gi: ar-gi, dar-gi, kad-gi, na-gi, ne-gi, nejau-gi, net-gi, va-gi, vis-gi usw.;
-gu: ar-gu, be-gu, vgl. dial.: jei-gu, ne-gu usw. te-gu(l);
-ne: be-ne, beg-ne, ko-ne, kuo-ne, maž-ne;
-vis: vgl. dial.: per-vis, su-vis, už-vis.
§ 11. Das Element -be(-) ist semantisch mit dem Präfix be- verbunden, das die Dauer einer Handlung oder eines Zustands bezeichnet, und möglicherweise auch mit der emotionalen Partikel be4, zum Beispiel:
Weder sie ging, noch war sie noch jung. Skn. Hier wurde ich heiser, und meine Stimme wurde nicht mehr klar. BalčAP 310. Grüne Raute, grüne Raute grünt noch immer... JD 465. Was für eine Arbeitslose du bist. Pn.
Etymologisch lässt sich hier auch das Affix -b vergleichen, das in Wörtern älterer Schriftdenkmäler oder Dialekte vorkommt, etwa jėib5 „wenn“ (geraus butų buvę jam, jei b nebūtų gimęs szen tasai. WP 13313), jėb „und wenn doch, oder wenn!“ (Jeb aš nuveinu, būt šitei nepasidarę. Dkš), sowie auch -ba im Wort arba.
§ 12. Das Element -gi ist die enklitisch an ein anderes Wort angefügte hervorhebende Partikel gi6. Dieses Element ist vergleichsweise recht produktiv und bildungsfähig: Es kann nahezu jeder einfachen Partikel hinzugefügt werden, außerdem vielen Adverbien, Konjunktionen und anderen Wörtern7. Die hervorhebende Bedeutung behält -gi bei vielen Partikeln bei (argi, dargi, kadgi, netgi, visgi...) und umso mehr bei Adverbien (čiagi, tengi, kaipgi, kurgi...), Konjunktionen (norsgi, betgi, beigi...), Interjektionen (ėgi, ogi, ugi...) usw. Bei dem einen oder anderen Wort ist die hervorhebende Bedeutung von -gi jedoch nicht mehr wahrnehmbar8, zum Beispiel: irgi „so
4 Etymologisch hängen die emotionale Partikel be und die Elemente be-, -be wahrscheinlich ebenfalls zusammen; vgl. J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, III, Warszawa, 1956 (im Folgenden: Gram.), S. 359.
5 Nach -b kann hier -e oder -a abgefallen sein; vgl. dazu E. Hermann, Lit. St., S. 347.
6 Zur Herkunft der Partikel gi und ihren Entsprechungen in anderen indoeuropäischen Sprachen siehe: B. Delbrück, Vergleichende Syntax der indogermanischen Sprachen, Bd. 2, Strassburg, 1897, S. 498 u. a.; E. Hermann, Lit. St., S. 323—327 u. a.; J. Endzelīns, Latv. val. gr., S. 699; E. Schwyzer, Griechische Grammatik, Bd. 2, München, 1950, S. 558; K. Būga, Rinktiniai raštai, II, Vilnius, 1959; E. Fraenkel, Lit. et. Wb., S. 126.
7 Ob die Partikel gi getrennt oder zusammengeschrieben wird (d. h. als Bestandteil eines zusammengesetzten Wortes -gi), ist eine Frage der Konvention. Die Schreibung zeigt hier nicht immer den Grad der Selbstständigkeit von gi an.
8 Dass -gi bisweilen keine deutliche hervorhebende Bedeutung hat, hat bereits F. Kuršaitis erwähnt; siehe F. Kurschat, Wörterbuch der littauischen Sprache, Erster Theil, B. I, Halle, 1870, S. 121.
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Page 5„…“, da, also. Eine solche Bedeutung hat auch das zweite Element -gi des zusammengesetzten Fragepartikels negi nicht.
Das Affix -gi kann zu -g verkürzt werden. In den alten Schriften waren die verwandten Affixe -gi, -ge, -g viel häufiger als in der heutigen Sprache — dort finden sie sich in großer Zahl bei Verben, Pronomen und anderen Wörtern, z. B.: Weizedeg DP 15₁₄, Imkiteg DP 387, Wienoig DP 11₃₈, Kągi DP 14₂₅, kasge BB 1, Kor 3₅ usw.⁹ Ein ähnliches Affix -g(i) war in alten Schriften sogar nach Präpositionen recht häufig. Möglicherweise hatte -g(i) in den Wörtern ingi, išgi, nuogi, pergi auch eine gewisse hervorhebende (emphatische) Bedeutung gehabt¹⁰.
Ein etymologisch mit dem Partikel gi verwandtes Affix -gi (oder -ge, -g) lässt sich auch in den Wörtern jog, jogei¹¹ erkennen.
§ 13. Das Element -gu ist in der heutigen Sprache nur in den Partikeln argu, begu und den Konjunktionen jeigu, negu erhalten geblieben.
In den alten Schriften wird das Partikel gu auf zweierlei Weise verwendet: 1) als selbstständiges Partikel gu (seltener) sowie als freies postpositives Affix -gu (meistens)¹²; 2) als untrennbarer Bestandteil zusammengesetzter Partikeln (argu, begu) und Konjunktionen (negu, jeigu). Z. B.:
1) Akis gu tavo pikta yra? Ev (LKŽ III 688). Sākai mān essi gu tu, krikščionis? VoK 4. Jus gu teypag esate dar neiszman eleys? Ch II 34.
2) ...makslų nessimakinna nei waikų ergu schaiminas ta nemakinna. WP 85 (Hermann, Lit. St., 172). ...weisdeti begu dabar giwena. BB 2. Mos 4₁₈ (Hermann, Lit. St., p. 174). ...jeigu smanemus passimekczia, tada tarnas Chaus nebucziu. WP 18 (Hermann, Lit. St., p. 172).
Ohne spezielle Untersuchungen lässt sich schwer mit Sicherheit sagen, welche Bedeutung das Partikel (-)gu im ersten Fall hat und wie sein semantischer und etymologischer Zusammenhang mit dem Element -gu aussieht. Wahrscheinlich hat das Partikel (-)gu in den alten Schriften sowohl eine Frage-¹³ als auch eine hervorhebende Bedeutung, denn beispielsweise werden in M. Daukšas Postille damit meist die polnischen Fragewörter ażės, izali, -li wiedergegeben, die ebenfalls einen hervorhebenden Beiklang haben. Z. B.:
Soll dieser der verheißene Messias sein, der kommen sollte? Oder sollen wir auf einen anderen warten? … Kann „ar wissi gu“ (=Bo izali wszyscy... W 639) „Pranazais“ sein? Oder „wissi Dāktārais“? DP 17₄₂ — 18₁ (=A t y ž ė s iest on Messyasz obiecanny ktory miał przyść z y l i kogo inszego czekać mamy? W 27). Denn
⁹ Zahlreiche Beispiele aus alten Schriften mit -gi, -ge, -g führt E. Hermann an; siehe E. Hermann, Lit. St. S. 106—171, 185—211 u. a.
¹⁰ Siehe Chr. Stang, Die Präpositionen ing(i), prieg(i), nuog(i), išg(i) und der litauischen Lokalkasus, „Scando-Slavica“, Bd. 1, Copenhagen, 1954, S. 15.
¹¹ Siehe E. Fraenkel, Lit. et. Wb., S. 194.
¹² In diesem Fall kann es sich bei der Getrennt- oder Zusammenschreibung des Partikels gu oft lediglich um eine orthografische Frage handeln.
¹³ Das Partikel (-)gu wird auch in den Wörterbüchern von Ruigys und Milkus als interrogativ bezeichnet, beispielsweise in letzterem: „Gu Particul. interrog. insep.“; siehe Ch. G. Mielcke, Littauisch-deutsches Wörterbuch, Königsberg, 1800, S. 88; P. Ruhig, Littauisch-Deutsches Lexicon, Königsberg, 1747, S. 44.
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Page 6Außerdem ist anzumerken, dass M. Daukšas Postille das Partikel gu(-gu) häufig abwechselnd mit ar und besonders mit argu verwendet.
Möglicherweise hatte das Element -gu in den Partikeln argu und begu in den alten Schriften nicht nur eine Frage-, sondern auch eine emphatische Nuance (vgl. das Verhältnis von ar und argi, siehe § 5). Offenbar entspricht ar in M. Daukšas Postille häufiger dem czy, izali des Originals, argu hingegen že, -li, izali.
In Fragesätzen der alten Schriften werden bisweilen auch die Wörter negu¹⁴ und jeigu verwendet, z. B.:
Denn negu wissi brōlei saw (=Bo ažażesmy nie... W 904) und aus der Erschaffung des Fleisches und aus der Wiederherstellung des Fleisches und aus der Seele und dem Körper? Ist nicht einer aus der Erschaffung des Fleisches (=izali nie jeden... W 904) der Vater von uns allen? DP 529₄₃–₄₄. Herr, negu ist der gute Same auf deinem Acker? Ch II 30....befahl uns, dich zu fragen: ob du derjenige bist, der kommen sollte (=iesliś ty jest... W 28), ārgū (=czyli), sollen wir nun auf einen anderen warten? DP 18₄₀–₄₂.
Hier ist die Bedeutung des Elements -gu in den Wörtern negu und jeigu vermutlich ebenfalls weniger interrogativ als vielmehr emphatisch, denn ein Fragesatz kann auch mit dem einzelnen Partikel ne¹⁵ eingeleitet werden (z. B.: Du wirst sagen: Ist das hier nicht deine Arbeit? Dkš; vgl. auch das Partikel negi, siehe § 7), und in den alten Schriften bisweilen auch mit dem Wort jei¹⁶, z. B.: Was sollen wir also sagen? Oder wozu sollen wir Vergebung erbitten? Zur Enthaltsamkeit oder zur Liebe, oder zur Buße? DP 48₁₄₁–₄₂ (=lesli wie-rze czyli mitosci czyli pokucie? W 809–810). Lehrte er die Schriftgelehrten und Pharisäer und sprach: Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen? DP 33₈₁₀–₁₁ (=Bo-dzili sie w sabat uzdrawiác? W 559).
Somit hat das Element -gu in den in Fragesätzen der alten Schriften verwendeten Wörtern negu und jeigu wahrscheinlich dieselbe Bedeutung wie das Partikel (-)gu und das Element -gu in den Wörtern argu und begu.
Anders verhält es sich mit der Bedeutung des Elements -gu im Konnektor negu „wenn“ und in jeigu „falls“. Wohl kaum lässt sie sich mit der interrogativen Nuance des Partikels (-)gu¹⁷ in Verbindung bringen. Hier ist vermutlich nur die emphatische Bedeutung von -gu verblasst. Dafür spricht unter anderem auch die fakultative Verwendung des Elements -gu: Neben jeigu wird in derselben Bedeutung häufig auch der Konnektor jei verwendet, neben negu bisweilen auch ne (z. B.: Auf den Wiesen von Antažiegė gab es mehr Gras als auf unseren. Ds). Eine fakultative Verwendung ist besonders für hervorhebende Partikeln charakteristisch (vgl. das Partikel (-)gi, siehe § 11).
Aus dem Gesagten über das Partikel gu und das Element -gu lässt sich schließen,
14 Žodį negu tarp klausiamųjų dalelyčių mini ir K. Sirvydas, ir M. Miežinis žodynai, žr. Dictionarium trium linguarum... Avctore... Constantino Szyrwid... Quinta editio, Wilnae, 1713 (toliau — SD), p. 30; M. Miežinis, Lietuwiszkai-latviszkai-lenkiszkai-rusiszkas žodynas, Tilžė, 1894, p. 146.
15 In M. Daukšas Postille haben die mit dem Wort negu eingeleiteten Fragesätze, soweit festgestellt, auch negative Bedeutung.
16 Plg. Л. Дротвинас, Условные конструкции (союзные) в Постилле Н. Даукши, „Kalbotyra“, I, Vilnius, 1958, p. 127.
17 E. Hermann scheint eine ähnliche Auffassung zu vertreten, siehe E. Hermann, Lit. St., p. 259–261.
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Page 7kad: a) etimologiškai gu (-gu) siejasi su gi (-gi, -ge, -ga, -g)18, b) semantiškai dalelytė gu ir, ypač dėmenį -gu su gi (-gi, -g..) greičiausiai sieja emfatinis atspalvis; c) senuosiuose raštuose gu (-gu) klausiamasis ir emfatinis atspalviai yra sumišę: kartais ryškesnis vienas, kartais — kitas.
In der heutigen litauischen Standardsprache werden anstelle des Partikels gu (-gu), das einen fragenden Beiklang hatte, die Partikel ar, be, bene verwendet, während anstelle desselben Partikels mit betonter Bedeutung meist gi (-gi) steht. Daher ist das Partikel (-)gu verschwunden, während das Element -gu nur in den Wörtern negu, jeigu, begu erhalten blieb (ein in der Standardsprache seltenes Wort), in denen seine emphatische Bedeutung gar nicht oder kaum noch spürbar ist.
§ 14. Gesondert zu erwähnen ist das optative Partikel tegu(l)19, in dem ebenfalls das Element -gu(l) auffällt. Dieses Partikel ist im heutigen Litauischen ziemlich häufig und in nahezu allen Dialekten verbreitet (seltener kommt es bei den Žemaiten und an den nördlichsten Randgebieten der oberlitauischen Dialekte vor, wo es durch das Partikel lai arba lei ersetzt wird). In den Denkmälern unserer alten Schriften ist das Partikel tegu(l) wesentlich seltener (in manchen wird es vielleicht überhaupt nicht verwendet20), doch kann es nicht als eine Neubildung unserer Zeit gelten, denn M. Daukša, K. Sirvydas und einige andere Autoren alter Schriften kennen es; tegul ist auch in der Grammatik von D. Klein belegt21.
Viele Sprachwissenschaftler neigen zu der Annahme, dass das Partikel tegul aus dem Partikel te und der Verbform der dritten Person Präsens guli22 gebildet worden sei, während tegu aus der bereits zum Partikel gewordenen Bildung tegul entstanden sei, nachdem ihr Schlusslaut -l abgefallen war. Für eine solche Herleitung des Partikels tegul sprechen besonders die in den alten Schriften vorkommenden Varianten mit -gi(-g) — tegigul und tegulig. Manchmal wird tegul (arba tegulig) hier in einer eigentümlichen verbalen Bedeutung verwendet23, zum Beispiel:
Lass es dir nur um des Geldes willen gefallen, damit du so die Gunst des Herrn gewinnst- und DP 350₁₁–₁₂ (= halte es für dich für Mist... W 577). Aber wenn du willst
18 Vgl. E. Fraenkel, Lit. et. Wb., S. 126. Ähnlicher Ansicht war offenbar auch K. Būga; siehe Rinktiniai raštai, I, Vilnius, S. 442.
19 Gegenwärtig scheint in der Schriftsprache das Partikel tegul häufiger verwendet zu werden. In den Dialekten werden tegu und tegul vielerorts abwechselnd gebraucht, wobei tegul vielleicht etwas häufiger in Ostlitauen und tegu in den Mundarten West- und Südlitauens vorkommt. Auch der Schlusslaut -l des Partikels tegul wird unterschiedlich ausgesprochen: meist ist er weich, doch einige südliche Westoberlitauer sprechen ihn hart aus. Wahrscheinlich handelt es sich um eine sekundäre Erscheinung; vgl. ail, sakyt (hartes t) aus eili, sakyti Dkš.
20 Anstelle von tegu(l) wird in den alten Schriften gewöhnlich das Partikel te verwendet. E. Hermann sagt, er habe tegu in vielen alten Schriften nicht gefunden; siehe E. Hermann, Lit. St., S. 255. Es fehlt auch in den Wörterbüchern von P. Ruigys und K. Milkus.
21 Žr. D. Klein, Grammatica Litvanica... Regiomonti, 1653, p. 137; SD 179.
22 Siehe F. Kurschat, Wörterbuch der littauischen Sprache, Erster Theil, B. 1, Halle, 1870, S. 451, ferner F. Kurschat, Grammatik der littauischen Sprache, Halle, 1876, S. 372; E. Hermann, Lit. St., S. 255–259; Chr. S. Stang, Das slavische und baltische Verbum, Oslo, 1942, S. 245; J. Otrębski, Gram., S. 369–370.
23 Vgl. J. Otrębski, Gram., S. 369; E. Hermann, Lit. St., S. 259.
Wir erwähnen nicht den Vergleich von tegul mit dem in alten Schriften und einigen dzūkischen Dialekten vorkommenden optativen Partikel tėstą (testo, testow), das von te+stovi abgeleitet wird (siehe J. Otrębski, ebenda), da eine solche Erklärung seiner Herkunft nicht als völlig zweifelsfrei gelten kann.
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Page 8nicht um des Nutzens willen zu arbeiten, welche Arbeit wir für angemessen halten: Das sei unser erstes und größtes Anliegen... DP 333₁₇–₂₀ (= niechayže to będzie... W 551).
Die parallele Verwendung des Partikels tegu(l) mit te und tegi (siehe § 8) sowie die Analogie zu ar: argi: argu; be: begi: begu; ne: negi: negu; jei: jeigu bieten auch eine andere Erklärung ihrer Funktion: nämlich Partikel te+ Partikel gu+ Suffix -l²⁴. Letzteres kann etymologisch mit dem Partikel lai (lei)²⁵ und dem postpositionalen Suffix -lei (-le, -li, -l), z. B.: kol ei, namol ei, es le KIG 137 usw., zusammenhängen.
Interessant sind auch die Bildungen des Partikels lei (le) mit dem Bestandteil -gu(l), die vereinzelt auch im Žemaitischen vorkommen, z. B.:
Wenn er geht, auch jener Skd. Möge er erfahren, warum er wegfuhr, nachdem er alles zurückgelassen hatte Pp. Möge er fahren, wenn er sehen will||Das soll er doch — dafür ist der Hund da Sg.
Es könnte sich um eine einfache Kontamination der beiden im selben Dialekt verwendeten Partikel tegu(l) und lai handeln; vielleicht wurde aber der Bestandteil -gu(l) hier selbstständig an das Partikel lei angefügt, wie auch an te?
§ 15. Der Bestandteil -ne ist das Partikel ne (ne-, vgl. § 7). Als echter Bestandteil eines zusammengesetzten Wortes ist -ne nicht produktiv; viel häufiger bildet ne mit anderen Partikeln Verbindungen, die nicht vollständig zu einem Wort verschmolzen sind, z. B.: ar ne, vos ne usw. (siehe § 20).
Zusammengesetzte Partikeln bene, kone, kuone, mažne, die den Bestandteil -ne enthalten, erinnern meist an Bildungen mit kopulativer Bedeutung. In ihnen ist die negative Bedeutung des Bestandteils -ne verhältnismäßig deutlich. Zum Beispiel:
Ich war so erschrocken, dass ich schon beinahe zu schreien anfing. DonM 108. Im Herbst regnet es kuone fast jeden Tag. Krž. Alle Hausbewohner warfen sich Dilbams fast zugleich mit Fragen entgegen. ŽemRR 180.
Weitere Beispiele siehe §§ 6, 7.
§ 16. Der Bestandteil -vis, der dem Partikel vis entspricht, ist selten und unproduktiv. Nur mit einigen Präpositionen bildet er mehrere adverbiale Wörter, die Partikeln ähneln: pervis, suvis, užvis. Ihre Bedeutung kommt bisweilen der von labiausiai, visai, visų, bisweilen der Bedeutung des Partikels ypač näher. Zum Beispiel:
Der Bauch zeigt die Zeit pervis besser an... ŽemR I 94. Er kann suvis überhaupt nichts und lernt auch nichts. Žž. Doch für seine Trinkgelage war er užvis besonders berüchtigt. CvR₁ VI 267. Hier berieten sich die Hunde, vor allem die im Schloss lebenden, darüber, auf die Älteren loszuspringen. ValR 388.
§ 17. Gesondert zu erwähnen sind noch solche zusammengesetzten Partikeln, deren einer oder beide Bestandteile nicht von Partikeln, sondern von anderen Wörtern abstammen. Vom Standpunkt der heutigen Sprache aus sind die Partikeln tiktai ir kažin. eindeutig so gebildet.
24 Vgl. A. Bezzenberger KZ XLI, S. 112—113. Ähnlich dachte vermutlich auch K. Būga; siehe das Manuskript seines Briefes (Handschriftenabteilung der Bibliothek des Instituts für Litauische Sprache und Literatur, KB-2, S. 32).
25 Das Partikel lai und lett. lai müssen nach K. Būgas Ansicht nicht unbedingt vom Imperativ laid <*laidi des Verbs laist (lit. leisti) abstammen (siehe J. Endzelīns, Latv. val. gr. 892 und weitere Literatur); denn der Ausfall von -d sei hier unmöglich. Insbesondere könne der Bestandteil -lai in den prußischen Formen būu-lai, ēi-lai nicht von *laidas stammen; siehe KB-2, S. 31—33.
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Page 9Die Partikel tiktai setzt sich aus der Partikel tik26 und dem verblassten Pronomen tai27 zusammen. Ihre ausschließende Bedeutung wird ganz vom ersten Bestandteil tik bestimmt. Vergleichen wir Verwendungsbeispiele von tik und tiktai:
Am Tisch nur die Herren und die Priester. PP 85. Sie kennen nur die im Wald aufgewachsenen Menschen … BarAS 9. Nichts anderes wächst, nur Wacholder. Žg. Herrsche über wen du willst, nur nicht über mich. SrR II 18.
Mit der Partikel tik gibt es keine weiteren zusammengesetzten Partikeln; sie kann jedoch als Bestandteil einiger mehrteiliger Partikeln und anderer Wörter auftreten (s. §§ 20).
Die Partikel kažin ist aus dem Pronomen kas und dem Verb žino zusammengezogen. In den Dialekten werden auch noch stärker verkürzte oder mit verschiedenen Affixen versehene Varianten der Partikel kažin verwendet: kaži, kaž(-), kažne, kažna, kažno, kažnai, kažnec und Ähnliches. Die Partikel kažin (und ihre Varianten) hat eine unsichere, zweifelnde Fragebedeutung und steht im Satz meist bei anderen Fragewörtern. Z. B.:
Ob die Kuh wohl trinken will? Grz. Ob du wohl finden wirst? Jrb. Wo wohl meine Großmutter ist? JD 733. Was ist wohl mit ihm geschehen, dass er so geworden ist? Slv.
Die zusammengesetzte Partikel kažin (kaži, kaž...) kann zum Bestandteil unbestimmter mehrteiliger Pronomen und Adverbien werden, z. B.: kažin kas, kažin koks, kažkur, kažin kaip und andere.
§ 18. Akzentuierung zusammengesetzter Partikeln. Die Akzentuierung zusammengesetzter Partikeln ist nicht festgelegt und in den Dialekten sehr unterschiedlich. Hinsichtlich der Akzentuierung lassen sich Partikeln leichter nach ihrem zweiten Bestandteil gruppieren.
In der litauischen Standardsprache wird meist der zweite Bestandteil zusammengesetzter Partikeln betont; bei Partikeln mit dem zweiten Bestandteil -be oder -gi besteht jedoch eine Neigung, den ersten Bestandteil zu betonen. In den Dialekten wird der erste Bestandteil viel häufiger betont; mancherorts weisen beinahe alle zusammengesetzten Partikeln diese Betonung auf.
Ähnlich wie Partikeln werden auch einige zusammengesetzte Konjunktionen oder Adverbien mit denselben Bestandteilen betont.
In der Standardsprache lassen sich folgende Akzentuierungsgruppen zusammengesetzter Partikeln unterscheiden (daneben sind in Klammern die dialektalen Akzentuierungsvarianten angegeben):
nébe (nebė), tébe (tebė);
árgi (argi), báugi (báugi, baugi), dárgi (dargi), írgi, kádgi (kadgi), vísigi (visgi)...;
begù (bègu), negù (nègu), tegù (tègu), tegùl (tegul, tègul), aber argù (argù), jeigu (jeigù);
26 In alten Schriften und in den Dialekten kommt häufig auch tikt, vor; daher hält K. Jaunius das Wort tiktai für eine Bildung aus tikt und der hervorhebenden Partikel -ai (vgl. tas-ai, kurs-ai und Ähnliches); siehe K. Jaunius, Lietuvių kalbos gramatika, Petrapilis, 1908–1916, S. 107.
27 Vgl. J. Otrębski, Gram., S. 298. Die Partikel tik ist ihrer Herkunft nach wahrscheinlich mit tiek zu verbinden; siehe J. Endzelīns, Latv. val. gr., S. 609, E. Fraenkel, Lit. et. Wb., S. 1087–1088. In M. Daukšas Postille wird in derselben Bedeutung (polnisch tylko) auch tiktai DP 10₁₇ und tiktai DP 10₂₈ verwendet.
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Page 10benè (bène), konè (kóne), kuonè (kuõne), kažnè (kãžne), mažnè (mãžne).
In den Dialekten und nicht selten auch in schriftlichen Quellen variiert besonders die Betonung zusammengesetzter Partikeln und Konjunktionen mit dem Bestandteil -gu. Z. B.: argu Brt, Dkš, Gs, Mrj, Rdm, Vrb... DP 11₁, 13₂₁₅, 48₁₄₁, LKŽ I 242... und argu (neben argų) DP 424₂₅, 425₂₈, JV 169... bėgu VoK 48 und begù Krkl, Tv, Rt, Pc, Srv, K 43, JV 240, nėgu²⁸ Dkš, Gs..., und negù Als, Plv, Rm, Vks, DLKŽ 489, jėigu Als, Dkš, Gs, Lp, Rm, Slm, Škn, Vkv, DLKŽ 289 und jėigu Trgn, Slm, Vks; tėgi²⁹ Al, Brš, Dkš, Dkšt, Drsk, Grš, Gs, Jd, Jrb, Kpč, Krm, Krk, KzR, Lkč, Lp, Nm, Rsn, Rmš, Sdr, Sūsn, Št, Skn, Tršk, Vl, Vkv, Zp, Zm... und tėgu³⁰ Als, Bb, Dt, Grk, Gs, Klm, Krkn, Nd, Sdb, Škt, Sln, Šlv, Tt, Vg, Vgr, Vnd..., mit anlautender Betonung tėgul oder tegùl³¹ Alks, Alz, Antz, Ant, Auk, Brė, Db, Krs, Kps, Ker, Krn, Onš, Pin, Pbr, Rk, Raud, Sb, Skp, Slm, Šmn, Ukm, Žl, Žsl... und tegul Als, Btr, Dkš, Jzv, Kv, Lnkm, Lp, Nmj, Prn, Rtn, Smal, Slnt, Škn, Šr, Tj...
Der zweite Bestandteil wird in der Literatursprache auch bei den Partikeln kažin, kažì, tiktai, beveik, bemãž betont, obwohl in den Dialekten auch andere Betonungsfälle häufig sind: kažin, kažì, kažìn, tiktai, bemãž usw.
Im Allgemeinen neigen zusammengesetzte Partikeln dazu, einen eigenen Akzent zu bewahren, obwohl sie sich in schneller Rede auch an andere betonte Wörter anlehnen können.
Partikelverbindungen und Partikelhäufungen
§ 19. Als Partikelverbindungen betrachten wir Partikeln, die strukturell noch nicht vollständig verschmolzen, semantisch aber bereits untrennbar sind und eine lexikalische Einheit bilden. Ein Bestandteil dieser Partikeln ist oft ein Pronomen, Adverb oder eine Konjunktion, der andere eine Partikel, besonders häufig die Partikel tik (beide Bestandteile können auch Partikeln sein), z. B.: ko tik „kaum“, ką tik „gerade eben“, tik ką „gerade eben“, kaip ir „als ob, gleichsam“, bet tik (tiktai) „einfach so, trotzdem“, ne bet „nicht einfach so“, tik tik „gerade noch“, vos vos „kaum, gerade so“ u. a. Z. B.:
Die Geschenke hatte Juozas nicht billig bekommen: Was für Mühen er auf sich nahm, um die Herren zu retten, als sie ertranken. LzPR II 12. Damit ich mich ausruhen kann, habe ich gerade erst den Wagen fertig beladen. Gerade eben ist er warm. Ds. Dieser Soldat scheint vor jenem davonzulaufen. Uns genügt es schon, an einem warmen Plätzchen zu sitzen... VienR III 50. Er ist kein gewöhnlicher Mann — da gibt es etwas zu sehen! Jnšk (LKŽ I 642). Nerimaičienė verkündete bei jeder Begegnung allen, ihr Bruder sei schon beinahe General geworden. VaižgR II 26. Ein zartes Lied erklang kaum hörbar. SNNerP II 34.
In der Umgangssprache verschmelzen solche Verbindungen oft auch zu einem Wort, z. B.:
28 Dass an denselben Orten sowohl nėgu als auch negù betont wird, siehe J. Senkus, Kapsų ir zanavykų tarmių jungtukas, jaustukas ir ištiktukas, „Lietuvos TSR MA Darbai“, Serija A, 1(10), 1961, S. 109.
29 Grundlage ist die Kartei des „Atlas der litauischen Dialekte“.
30 In den Mundarten Nordlitauens ist der Akzent hier vermutlich zurückgezogen.
31 In Süd- und Ostlitauen muss das anlautende u hier gedehnt werden.
128
Page 11Er kommt mir k a p i (=wie auch) irgendwie bekannt vor. Dkš. Was für eine Arbeit macht er da, er arbeitet b ė t i k. Kp (LKŽ I 643).
Die Bedeutung einiger mehrteiliger Partikeln (z. B. bet tik, ne bet) ist recht eigentümlich — sie steht Adverbien nahe. Solche Verbindungen wie ką tik „kürzlich“ (Aus dem Schmutz der Dreschtenne ką tik auf die Bänke gestreut... ŽemRR 211), kaip tik „genau passend, wie es sich gehört“ (Am Tage ist es unpassend, aber nachts — k a i p t i k. VienR VI 172), vos ne-vos (Kaum entkommen, lief der Wolf in den Wald. BasRP 301) usw. kann man bereits als Adverbien auffassen.
§ 20. Mehrteilige Partikeln gibt es nicht besonders viele. Viel häufiger ergänzen zwei (oder mehrere) Partikeln, die gewöhnlich unmittelbar nebeneinander verwendet werden, die Bedeutung der jeweils anderen und sind durch intonatorische Beziehungen leicht miteinander verbunden, bewahren aber dennoch ihre minimale semantische Last und strukturelle Eigenständigkeit. Unter solchen Partikelverbindungen lassen sich folgende nennen: ar ne, bau ne, dar ir, dar ne, dar tik, ir jau, jau jau, jau ir, jau kad, kad bent, kad ir, kad nors, kad tik, lyg ir, lyg kad, lyg tartum, net ir, nors ir, štai jau ir, tai kad, tik ir, vien tik, vis dar, vos ne, vos tik. Z. B.:
Ob mein Nestchen etwa ein Gutshof ist. JD 593. Vielleicht weißt du etwas über sie. Mrs. Es gab d a r i r auch eine Tochter, Ona. VencIR III 132. Noch heute wird die Krähe im Kreis herumfahren. PP 322....Vincelis trug d a r t i k seine erste Hose. CvR I 3. Wir leiden i r j a u. Vlk. J a u i r sind schon Lieder zu hören, j a u j a u naht es, schon sind all die Herrlichkeiten zu sehen... ŽemRR 423. J a u k a d werde ich das Kind schelten, aber wie! wenn es abgemagert zurückkommt! Slm (LKŽ IV 294). K a d b e n t würden doch diese Fröste endlich einmal aufhören... ŽemR II 58. Die Seinen k a d i r aßen keine Rüben. Mžš. Er selbst ist schon am Ende und wird auch die Kinder zugrunde richten! K a d n o r s wäre uns dieses Geld doch nur schon irgendwie nützlich!... KrėvRg 173. Ihr müsst k a d t i k länger stehen und mit den Schwänzen wedeln... VaižgV 64. In jenen Kreisen l y g i r sitzt jemand... SimBT 196. L y g k a d diese Moosbiene hätte mir den Weg gezeigt: Ich werde das Buch schließen. CvR II 7. L y g t a r t u m hier beklagt die Schlange selbst ihren Tod. BarAŠ 8. Ohne noch aus dem Bett aufzustehen, konnte der Großvater n e t i r zu Hause nichts mehr helfen... Gud-GuzKIT 42. Sie lächelte sogar n o r s i r — ein Lächeln der Verzweiflung. SimVK II 71. Š t a i j a u i r ist der Roggen schon reif geworden. MašAMB 30. T a i k a d ist er wohlhabend geworden: Aus der Nadel wurde ein Vermögen. PP 66. Und früher wurden die Grūzinai eben t i k i r dafür geboren. VienR I 22. Das Beispiel zeigte sich allen v i e n t i k beim Anblick solcher Haare. Jst Marc KP 50. Der weißhaarige Alte v i s d a r saß noch immer am selben Platz. BalčAP 272. So begann er, alle morgens zu wecken, v o s n e beim ersten Hahnenschrei. BaltPV I 44. Der verspätete Fuhrmann kam angefahren, die Pferde v o s t i k waren gerade erst heißgelaufen. ŽemRR 60.
Meistens entstehen solche Verbindungen, wenn sich Partikeln wie ir, tik, ne an eine andere Partikel anlagern.
Die genannten Verbindungen zeigen die Neigung der Partikeln, sich zu bestimmten Paaren zusammenzufinden, gleichsam eine eigentümliche gegenseitige Anziehung der Partikeln. Ihre Bestandteile sind jedoch weniger eng miteinander verbunden und lassen sich leichter voneinander trennen als die Bestandteile mehrteiliger Partikeln. Selbstverständlich gibt es keine klaren Grenzen zwischen mehrteiligen Partikeln und Partikelverbindungen. Man kann nicht einmal genauer sagen, wie viele mehrteilige Partikeln und wie viele Partikelverbindungen es tatsächlich gibt. Die Herausbildung der Partikeln und ihre Annäherung zu einer einzigen zusammengesetzten lexikalischen Einheit ist ein lebendiger, fortdauernder Sprachprozess.
9. Lietuvių kalbos morfologinė sandara ir jos raida
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Page 12ABKÜRZUNGEN32
BalčAP — H. K. Andersenas, Pasakos, vertė J. Balčikonis, Vilnius, 1957.
BaltPV — J. Baltušis, Parduotos vasaros, I, Vilnius, 1958.
BarAŠ — A. Baranauskas, Anykščių šilelis, Vilnius, 1954.
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Ch — Litauische Bibel von Chylinski, Neues Testament, Band II — Text, hrsg. von Cz. Kudzinowski — J. Otrębski, Poznań, 1958.
CvR — P. Cvirka, Werke, I—XIII, Vilnius, 1949—1957.
CvR₁ — P. Cvirka, Raštai, I—VIII, Vilnius, 1959.
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Gud-GuzKIT — A. Gudaitis-Guzevičius, Kalvio Ig noto teisybė, Vilnius, 1952.
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KB-2 — Handschrift von K. Būga, Brief an J. Endzelyn (mutmaßlicher Adressat) (Bibliothek des Instituts für Litauische Sprache und Literatur, Sign. KB—2).
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MP — Litauische Postille. Das heißt: eine einfache Auslegung der Evangelien für jeden Sonntag und Feiertag während des ganzen Jahres, die nach altem Brauch in der Kirche Gottes gelesen werden. Nun aufs Neue mit großer Sorgfalt herausgegeben... in Wilna von Jokubas Morkūnas... im Jahre... 1600.
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VenclR — A. Venclova, Raštai, I—III, Vilnius, 1955.
32 Ortsnamen werden wie im „Wörterbuch der litauischen Sprache“ abgekürzt.
130
Page 13VencIR — A. Venclova, Raštai, I—III, Vilnius, 1955.
VienR — A. Vienuolis, Werke, I—VII. Vilnius, 1953—1955.
Vlk — Valkininkai.
VoK — Litauischer Katechismus von Daukša, nach der Ausgabe von 1595, neu abgedruckt und mit Erläuterungen von E. Volter versehen, Sankt Petersburg, 1886.
W — Postille... Von D. Jakoba Wuyka in Krakau... 1617 (sechste Ausgabe).
WP — Wolfenbütteler Postille (Handschrift der Wolfenbütteler Bibliothek aus dem Jahr 1573).
ZemR — Žemaitė, Werke, I—VI, Vilnius, 1956—1957.
ZemRR — Žemaitė, Ausgewählte Werke, Kaunas, 1946.
Zusammengesetzte Partikeln im Litauischen
В. ЛАБУТИС
Zusammenfassung
Neben einfachen, morphologisch unteilbaren Partikeln gibt es im Litauischen Partikeln, die je nach dem Grad der Verschmelzung ihrer Bestandteile in zwei Gruppen eingeteilt werden: in zusammengesetzte Partikeln (z. B.: argi, beгу, bene „etwa, etwa nicht“, kone „fast, beinahe“, nebe „nicht, nun nicht mehr“ usw.) und in mehrteilige Partikeln oder Partikelverbindungen (z. B.: ko tik, tik tik „ein wenig, kaum“, vos tik „kaum, sobald“, vien tik „nur“ usw.).
Zusammengesetzte Partikeln sind zwei, manchmal sogar drei (z. B.: nejaugi „sollte es wirklich sein?“) Partikeln, die vollständig zu einem Wort verschmolzen sind. Die Bildung dieser Partikeln ist ein wenig produktives, spezifisches Wortbildungsverfahren. Als produktiv kann nur die Partikelkomponente -gi „doch“ gelten, die sich nahezu jeder einfachen Partikel anschließen und eine neue zusammengesetzte Partikel bilden kann.
Die Komponente -gu fällt besonders auf. Im heutigen Litauischen wird -gu nicht als selbstständige Partikel verwendet, sondern findet sich nur in den Partikeln argи, beгу „etwa, sollte es wirklich sein?“ und in den Konjunktionen jeigu „wenn“, negu „als“. Die Komponente -gu ist jedoch in den alten Denkmälern der litauischen Schrift recht verbreitet (dort kommt gu auch als eigenständige Partikel vor). Auf der Grundlage einzelner Vergleiche von M. Daukšas „Postille“ (16. Jh.) mit dem Original, der „Postille“ von Wujek, lässt sich annehmen, dass die Komponente (und Partikel) -gu eine emphatisch-interrogative oder in manchen Fällen schlicht emphatische Bedeutung hatte. Etymologisch ist die Partikel -gu mit der Partikel gi (-gi, -g) verwandt.
Mehrteilige Partikeln, die formal noch kein einzelnes Wort bilden, aber bereits eine gemeinsame Bedeutung haben, sind ebenfalls weder zahlreich noch vielfältig. Viel häufiger bilden im Litauischen zwei Partikeln Wortverbindungen, deren Bedeutungsbestandteile voneinander unterscheidbar sind, die aber gewöhnlich gemeinsam verwendet werden, z. B.: ar ne „etwa nicht“, lyg kad „als ob“, net ir „sogar auch“, štai ir „da ist auch“ usw. Besonders häufig entstehen solche Verbindungen mit den Partikeln ir „und“, ne „nicht“, tik „nur“. Die genaue Zahl solcher Partikelverbindungen zu bestimmen und sie von den mehrteiligen Partikeln abzugrenzen, ist nahezu unmöglich, denn die Entstehung beiderlei Gebilde spiegelt einen lebendigen und zudem noch nicht abgeschlossenen Prozess wider, bei dem eine Partikel zur anderen tendiert.
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