Page 1LIETUVIŲ KALBOS GRAMATIKOS TYRINĖJIMAI
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
BEDEUTUNG UND GEBRAUCH DER ZUSAMMENGESETZTEN PERFEKTISCHEN VERBFORMEN
N. SLIŽIENĖ
Zusammengesetzte perfektische Verbformen haben eine spezifische Bedeutung, die sich von der Bedeutung der einfachen Formen unterscheidet. Zwar dringen in die Gebrauchsbereiche einiger zusammengesetzter perfektischer Formen, beispielsweise des Präsens und des Präteritums, beharrlich einfache Präteritalformen vor; dennoch sind zusammengesetzte Formen weiterhin recht zahlreich und weit verbreitet.
Ziel dieses Aufsatzes ist es, den Gebrauch zusammengesetzter perfektischer Verbformen zu beleuchten. Da über Bedeutung und Gebrauch der perfektischen Formen des Konjunktivs bereits geschrieben wurde1 und die Formen des Imperativs und Optativs recht selten sind, beschränken wir uns hier auf die perfektischen Formen der Zeiten des Indikativs.
Da Partizipien der Vergangenheit häufig mit derselben Bedeutung wie zusammengesetzte perfektische Formen gebraucht werden, werden in bestimmten Fällen auch Beispiele für sie angeführt2.
§ 1. Zusammengesetzte perfektische Verbformen bezeichnen einen durch eine frühere Handlung erreichten resultativen Zustand, der zu einem bestimmten Zeitpunkt der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft andauert.
Von einfachen Verbformen unterscheiden sich die zusammengesetzten perfektischen Formen durch ihre relative-resultative Bedeutung. Mit perfektischen Formen bezeichnete Handlungen sind auf zwei Zeitpläne bezogen: Zum früheren Zeitplan gehört der Handlungsverlauf, zum späteren der durch diese Handlung erreichte resultative Zustand. Mit einfachen Formen bezeichnete Handlungen gehören gewöhnlich nur einem Zeitplan an. Einfache Formen drücken eine Handlung aus, die stattfindet, stattfand oder stattgefunden hat, stattfinden oder stattfinden wird; perfektische Formen dagegen bezeichnen eine bereits abgeschlossene oder früher stattgefundene, aber nicht mehr andauernde Handlung. Im Sprechzeitpunkt oder zu einem anderen vom Sprecher gewählten Zeitpunkt besteht nur noch der durch diese Handlung erreichte resultative Zustand fort. Diesen Bedeutungsunterschied zwischen einfachen und zusammengesetzten perfektischen Formen kann man als aspektuell auffassen, wenn man den Aspekt versteht
1 Siehe N. Sližienė, Bedeutung und Gebrauch der zusammengesetzten perfektischen Formen des Konjunktivs, „Kalbos kultūra“, 11, Vilnius, 1966, S. 40—45.
2 Zu Partizipien der Vergangenheit, die mit der Bedeutung zusammengesetzter perfektischer Formen gebraucht werden, siehe N. Sližienė, Die Struktur der zusammengesetzten Verbformen der litauischen Literatursprache, in: Grammatische Struktur der litauischen Sprache, Vilnius, 1967, S. 78—79.
2 Lietuvių kalbos gramatikos tyrinėjimai
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Page 2im weiteren Sinne3. Mit dem Unterschied zwischen imperfektiven und perfektiven Verben im Litauischen hat dies nichts zu tun; daher gibt es zusammengesetzte Perfektformen ebenso wie einfache Formen sowohl bei imperfektiven als auch bei perfektiven Verben.
Wenn einfache und zusammengesetzte Perfektformen nebeneinander verwendet werden, bezeichnen Letztere eine frühere Handlung als Erstere. Perfektformen zeigen nicht nur an, dass eine Handlung abgeschlossen ist und nicht mehr andauert (d. h. sie haben eine bestimmte Aspektbedeutung im weiteren Sinne), sondern drücken zugleich auch zeitliche Beziehungen zwischen Handlungen aus. Sehr häufig werden sie verwendet, um die zeitlichen Beziehungen zwischen den Handlungen des Haupt- und des Nebensatzes auszudrücken. In solchen Fällen tritt ihre relative Zeitbedeutung deutlich hervor.
§ 2. Die zusammengesetzten Perfektformen des Indikativs bezeichnen einen unmittelbar erfahrenen resultativen Zustand, der gegenwärtig, vergangen oder zukünftig ist. Hinsichtlich ihrer Modusbedeutung unterscheiden sie sich nicht von den einfachen Formen des Indikativs.
Die zusammengesetzten Perfektformen des Indikativs haben wie die einfachen Formen vier Tempora: Präsens, Präteritum, habituelles Präteritum und Futur. Von ihnen werden die Perfektformen des Präsens und des Präteritums am häufigsten verwendet.
Präsens
§ 3. Die zusammengesetzten Perfektformen des Präsens bezeichnen einen durch eine frühere Handlung erreichten resultativen Zustand, der zum Sprechzeitpunkt andauert.
Die Perfektformen des Präsens von perfektiven Verben bezeichnen meist einen zum Sprechzeitpunkt andauernden konkreten resultativen Zustand, der durch eine frühere Handlung erreicht wurde, die als konkreter einfacher Akt aufgefasst wird.
Wo früher die Ställe standen, ragen jetzt Mauern auf; aus diesen Mauern dringt ein Geruch: Viele Lebewesen sind hier verbrannt. SimonR I 151. Der Junge ist über das ebene Feld herangeritten. JD 101. Es hat sich ja sogar eine bestimmte Meinung herausgebildet: Wo Muštokas hinkommt, dort geschieht ein Unglück. SimonVK II 25–26. – „Und welches Wort hast du ihnen gegeben?“, fragte ihn ein anderer Priester. BalčHP₁ 25. Schon vierhunderttausend Pfund haben sie für diesen Krieg ausgegeben, und noch immer sei kein Gewinn zu sehen, heißt es. SimonVK I 75. Haben sie sich vielleicht wegen irgendetwas gestritten? MairRR II 96. Ich bin so erschöpft, Maryn, unsere Graue hat heute Nacht gekalbt. SimonVK I 305. – „Hast du dich nun endgültig entschieden?“, fragte Kukienė ihren Mann, nachdem ihr Sohn aus der Stube gegangen war. KrėvRg 124.
Dieses Märchen ist für jene Menschen geschrieben, die sich falsche Gründe ausdenken und unschuldige Menschen töten. DaukRR 293. Ich bin von unserem Anführer, dem Großmeister, zum Herrscher dieser Burg geschickt worden. KrėvP 216. Sie sind verhaftet! VienR V 328. Schau, wie viele Stoffballen auf dem Dachboden in die Truhe gestopft sind … ŽemR I 377.
Die Bedeutung eines konkreten resultativen Zustands ist für Formen imperfektiver Verben wenig charakteristisch.
3 Bei der Erörterung der Aspekte im Bulgarischen hat J. Maslov darauf hingewiesen, dass die Bedeutungsunterschiede zwischen Aorist und Imperfekt sowie zwischen Perfekt und Nichtperfekt ebenfalls Aspektunterschiede seien, sofern der Aspekt im weiteren Sinne verstanden werde; vgl. Ю. С. Маслов, Глагольный вид в современном болгарском литературном языке, in: Вопросы грамматики болгарского литературного языка, Москва, 1959, S. 157–158, 162, 164–165. In Sprachen, die keine imperfektiven und perfektiven Formen haben, werden das Perfekt, das Plusquamperfekt und ähnliche zusammengesetzte Verbformen von manchen Linguisten als schlicht aspektuelle Formen betrachtet; vgl. И. П. Иванова, Вид и время в современном английском языке, Изд-во ЛГУ, 1961, S. 106–143.
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Page 3Wer wohl heute Nacht im Klee übernachtet hat – die Lagerstätte ist zurückgeblieben. Plt (LKŽ III 714). In deinen Worten liegt viel Mut, den ich von jemandem wie dir nicht erwartet hätte; deshalb bin ich nicht böse geworden und werde dir antworten. KrėvP 202.
Die präsentischen Perfektformen bezeichnen gewöhnlich eine Handlung, die dem gegenwärtigen Zeitplan vorausgeht, das heißt anderen in der Gegenwart ablaufenden Handlungen. Die im Satz genannten Zeitangaben können jedoch auch deren genaue oder zumindest ungefähre Zeit erkennen lassen.
Gugis möchte sich daran erinnern, was Schlechtes er im Laufe ganzer Jahre getan hat, doch kann er sich an nichts erinnern, außer daran, dass er betrunken gewesen ist. KrėvRg 234–235. Die Möwen haben auf ihren Felsen Spuren, die zeigen, dass die Žemaičių-See im Laufe von 1000 Jahren um mehrere Ellen gesunken ist. DaukRR 156. Die Fäden sind beim Drehen zu Knäueln zusammengewickelt worden. Lk LKŽ III 752). Vielleicht konnte [Gugis] sie (die Gebete) einst, doch hat er inzwischen alles längst vergessen. KrėvRg 231.
§ 4. Die präsentischen Perfektformen von Verben des imperfektiven Aspekts bezeichnen meistens einen verallgemeinerten resultativen Zustand, der durch eine Handlung in unbestimmter Vergangenheit erreicht wurde. Diese vergangene Handlung ist gewöhnlich verallgemeinert; sie kann wiederholt oder auch kein einziges Mal stattgefunden haben.
Sowohl Šimonis Vater als auch der Vater seines Vaters haben dies Generationen zurück ihren Kindern immer wieder erzählt.
SimonR I 32. Einst hat das Tal zwischen den Kistynas-Bergen auch glückliche Zeiten erlebt – sogar sehr glückliche. VienR I 12. — Und dein Großvater, habe ich gehört, sagt etwas ganz anderes: Wenn es die Deutschen nicht gäbe, hätten wir heute weder Straßen noch Eisenbahnen, Kirchen oder Schulen, erinnert Anskis Vilkas Martynas. SimonVK I 90. — Hast du etwa, Daisia, schon einmal einen Luchs gesehen? – staunte Geišė nun ernsthaft. VaižgDD 34. Mütterchen hat mir gesagt: „Pass auf, mein Kind!“ ŽemR I 109.
Ich habe sie schon einige Male zum Tanzen aufgefordert. Krš (DAK).
Sehr häufig werden in dieser Bedeutung negative präsentische Perfektformen verwendet.
Ob wir sterben oder siegen, unsere Ehre wird die größte sein, und die schönsten Lieder über uns werden die Barden dichten, solche, wie unsere Väter noch nicht gehört und unsere Vorfahren noch nicht vernommen haben. KrėvP 210. Einen feigen Litauer, glaube ich, hat noch niemand gesehen – nun, dann wollen auch wir Eichen sein. SimonVK I 338. [Joniukas] würde Antanas gern bitten, wagt es aber nicht: schließlich ist er noch kein einziges Mal gefahren. BilR I 161.
Die Bedeutung eines verallgemeinerten resultativen Zustands haben auch die präsentischen Perfektformen von Verben des perfektiven Aspekts, allerdings deutlich seltener.
„Mir ist das, sagen wir, gleich“, sagte der schreckliche Mikas: „Nicht nur einem solchen habe ich geholfen, aus der Not herauszukommen; auch dir werde ich helfen.“ BalčHP, 265. Oh! Sie hat ihrer Mutter solche Worte gesagt, die wohl kaum eine Mutter verzeihen könnte. SimonVK II 229. Ist es dir schon einmal passiert, dass du eine Gelegenheit (ein Unglück) versäumt hast? Pln (LKŽ I 143).
Es ist beobachtet worden, dass sich beim Reiben zweier Körper aneinander der eine mit Elektrizität einer Art, der andere mit einer anderen Art auflädt. BaršF 5. Auch ich bin schon bestohlen worden, weil ich in einem Einzelgehöft wohne. Šts (LKŽ V 368).
In all diesen Fällen bezeichnen die präsentischen Perfektformen sehr deutlich eine Handlung in unbestimmter Vergangenheit und nur sehr schwach den dadurch erreichten resultativen Zustand. In vielen Fällen ist die Zustandsbedeutung so undeutlich, dass man sagen kann, die präsentischen Perfektformen bezeichneten eine Handlung in unbestimmter Vergangenheit, die für den Sprechzeitpunkt relevant ist. Daher hat J. Jablonskis offenbar auch bei der Erörterung dieser Bedeutung in seiner Grammatik von 1901 den resultativen Zustand völlig unerwähnt gelassen. Er schrieb: „Das transitive Perfekt, zusammengesetzt-“
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Page 4Dieses aus dem Präteritum des Verbs und dem Verbindungswort esu, esmi gebildete Gefüge zeigt außerdem an, dass ein Vorgang irgendwann, vielleicht mehrmals, stattgefunden hat; wenn jemand von solchen Ereignissen erzählt, spricht er nicht von einem einzelnen, ihm bekannten Ereignis, sondern macht deutlich, dass es in seinem Leben mehrere solcher Ereignisse gegeben haben kann oder dass es sie nie gegeben haben kann4.
Der Kontext zeigt bisweilen, dass ein mit den Perfektformen der Gegenwart zusammenfassend bezeichneter Vorgang in der jüngsten Vergangenheit stattgefunden hat.
Er hat schon vergessen, was heute geschehen ist, was er getan hat, was und wohin und von wo er befördert hat, wer geholfen, vorbeigeschaut oder Befehle erteilt hat; mehrmals hat ihn der tūūnas angeschrien: „Mykoliuk, lauf!“ VaižgDD 9.
Zum Ausdruck eines zusammenfassenden Resultatszustands werden überwiegend aktive Perfektformen der Gegenwart verwendet. Passive Formen (meist unpersönliche) kommen selten vor.
§ 5. In der Bedeutung von Perfektformen der Gegenwart verwendete Partizipien des Präteritums bezeichnen meist einen konkreten Resultatszustand.
Severja begann, nach einer Gelegenheit zu suchen, sich vor ihm zu rechtfertigen, wusste aber nicht, wofür und worin sie sich versündigt hatte. VaižgDD 53. Hörst du, wie sich die guten Menschen um uns sorgen? LzPR I 399. Andernfalls dreh das Buch um: du hast es falsch herum gehalten. Grž (LKŽ I 135).
Sie fragte die Mutter: – Wo sind die Hemdchen genäht worden? JD 481. Hier ist jeder unserer Pflöcke eingeschlagen, jeder Zaunabschnitt abgezäunt, jede Hütte aus neuem Material mit eigenen Händen behauen … VaižgDD 83.
Einen zusammenfassenden Resultatszustand, der durch einen Vorgang in unbestimmter Vergangenheit erreicht wurde, drücken solche Partizipien nur selten aus.
Vielleicht war auch unser Herr einst ein solcher Lakai am Königshof im Ausland. LzPR II 90.
Jahre vergingen, Jahrhunderte zogen dahin; viele Wunden sind geheilt! Selbst die Leute des größten Schuldigen erinnern sich nicht mehr an die Unrechtstaten. MairRR I 171.
Zum Ausdruck eines zusammenfassenden Resultatszustands werden etwas häufiger die sächlichen Partizipien des Präteritums im Passiv verwendet, insbesondere diejenigen, die keine passivische Bedeutung haben.
Doch das ist nicht interessant; interessant ist vielmehr, dass hier jener Mensch umhergegangen ist, der nun einer anderen gehört, und Ilžė kam jener anderen zu Hilfe. SimonVK II 122. Immer erscheinen mir lieb die Gegenden, wo wir geweidet, wo wir gepflügt haben. GirR II 287.
In manchen Fällen werden Partizipien des Präteritums mit perfektischer Bedeutung häufiger verwendet als die zusammengesetzten Perfektformen der Gegenwart. So werden beispielsweise bei der Gestaltung eines künstlerischen Gegenwartsbildes meist nur Partizipien des Präteritums verwendet.
Jonas liegt bäuchlings ausgestreckt neben dem Ofen auf der Bank; der Platz ist ihm zu kurz, deshalb hat er die Beine bis zu den Knien an der Wand hochgestellt; am anderen Ende ragt sein Kopf über das Ende der Bank hinaus. ŽemR I 86. Hier liegen Pfifferlinge im Wald verstreut, hier drängen sich Schweinsohren wie moosige Wiesenhügel, hier sind unter den Fichten braune Pilze in Gruppen gewachsen, hier sprießen im Kiefernwald aus dem Reif die grünen Täublinge, hier sitzen rötliche, bläuliche und graue Täublinge beisammen, muntere kleine Pilze, die schön wachsen und sich um nichts sorgen. BaranAŠ 5. Hütten ohne Fenster und Türen; bei den anderen sind die Dächer abgetragen, die Wände von Kanonenschüssen durchbohrt, die Balkenwände zerfetzt, von den Zäunen ist keine Spur mehr geblieben. VienR I 293.
4 Žr. J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, t. I, Vilnius, 1957, p. 102.
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Page 5In diesen Fällen bezeichnen die Partizipien des Präteritums sehr deutlich einen resultativen Zustand.
§ 6. Die zusammengesetzten perfektiven Formen des Präsens, die mit den Präsensformen des Hilfsverbs esti, būna, būva gebildet werden, bezeichnen gewöhnlich einen resultativen Zustand, der durch dieselbe Handlung mehr als einmal erreicht wird oder sich regelmäßig wiederholt.
Die angekommenen Schwärme haben sich schon paarweise aufgeteilt, und diese Paare lösen sich bald wieder auf. IvanLP II 75. Die Frauen sind, um die Wahrheit zu sagen, hier sehr hübsch: In der Kirche sind sie oft mit strupkės, mit ringsum qualdotomis und mit bunt gefärbten, recht hohen Röcken gekleidet. ValPJ 26. Die Esche wächst meist in dichtem Gehölz. Grk (LKŽ III 575).
Bei akuter Trachom kann manchmal die gesamte Hornhautoberfläche dicht mit kleinen Trübungen übersät sein. AvižATD 19. Ältere Autoren behaupten, dass das Weibchen, wenn das Nest in einem hohen Baum gebaut ist, die Jungen im Schnabel zu Boden bringt. IvanLP II 71.
Im Kontext des generalisierenden Präsens ist eine solche Bedeutung auch dann möglich, wenn die Formen des Hilfsverbs esu, esi, yra… verwendet werden.
Aber wenn es nötig ist, wenn du in Not bist, hast du alles vergessen; dann irrst du gesund und munter bis zum Hahnenschrei umher … Und wenn der Hahn kräht und du dich wieder erinnerst, bist du meist schon nicht weit von deinem Haus entfernt; wie sich herausstellt, bist du die ganze Nacht außerhalb der Tore umhergeirrt. Manchmal bist du sogar bis zum Friedhof gelangt. SimonR I 93. Solange Strom durch den Stab fließt, der die Leiter der elektrischen Maschine verbindet, ist der eine Leiter positiv und der andere negativ elektrisch geladen. BaršF 29.
§ 7. Mit ihrer relativ-resultativen Bedeutung stehen die zusammengesetzten perfektiven Präsensformen gewöhnlich in Beziehung zu den einfachen Präsensformen (sowie zu den zusammengesetzten Passivformen, die eine gegenwärtige Handlung bezeichnen): Mit den perfektiven Formen wird eine Handlung bezeichnet, die allen im Sprechzeitpunkt andauernden Handlungen vorausgeht; der durch diese Handlung erreichte resultative Zustand fällt dagegen zeitlich mit ihnen zusammen.
Die ganze Umgebung von Aužbikai schläft noch oder ist noch nicht aufs Feld hinausgegangen. VaizgDD 59.
Ich kann nicht helfen, von zu Hause bekomme ich selbst nichts, ich bin aus der Schule verwiesen worden und werde mich jetzt kaum über Wasser halten können; dazu kommen noch Schulden, und Bekannte habe ich keine. BilR I 90.
Die perfektiven Präsensformen werden, wie die Formen anderer Tempora, recht häufig verwendet, um die zeitlichen Beziehungen zwischen den Handlungen im Haupt- und Nebensatz auszudrücken.
– Onkel Tautrimas sagte … – Aber Anskis weiß entweder nicht mehr oder will nicht erklären, was Onkel Tautrimas gesagt hat. SimonVK I 89. Die Henne gackert, wenn sie ein Ei gelegt hat. Rg (LKŽ V 42). Nimm also die Geräte, die dafür hergestellt worden sind, und miste schnell den angenehm duftenden Schatz aus. DonR 49.
Offenbar ist er gut betrunken, denn er geht schwankend. Vyr (LKŽ V 448).
In bestimmten Fällen werden die perfektiven Präsensformen auch in Nebensätzen verwendet, wenn im Hauptsatz einfache Formen stehen, die nicht im Präsens, sondern im Präteritum oder Futur sind.
Als ich mich jedoch an einem neuen Ort auszupacken begann, sah ich, dass die Knöpfe schon einmal hier gewesen waren. BaltPV₁ I 36. Bald erhielt Mykolas die Nachricht, dass seine Mutter ihrem Schicksal nicht allein überlassen worden war, dass es jemanden gab, der sich um sie kümmerte, und das beruhigte ihn sehr. VienR V 197. Sie erzählte ihm stets viel von seiner verstorbenen Mutter und davon, wie viel Gutes diese ihr getan hatte. BalčHP₁ 230. Wie viele Verwundete hast du gesammelt, wird dich das Vaterland fragen. SNėrP₁ 309.
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Page 6In solchen Fällen stehen im Prädikat des Hauptsatzes Verben, die Sprechen, Denken, psychische Zustände oder körperliche Empfindungen bezeichnen (sagte, dachte, wusste, war beunruhigt, fühlte, sah usw.), oder Wortgruppen, die diese Verben ersetzen (es wurde gesprochen, erhielt Nachricht, kam in den Sinn usw.). Die Semantik dieser Wörter ermöglicht es dem Erzähler, den Zeitpunkt der Handlung nicht anhand seines eigenen, sondern anhand des Sprechzeitpunkts der Figur zu bestimmen. Der Sprechzeitpunkt wird hier in die Vergangenheit oder in die Zukunft verlegt; daher werden die Perfektformen des Präsens in übertragener Bedeutung verwendet. Ähnlich werden auch die einfachen Verbformen des Präsens verwendet (z. B.: Ich dachte, dass er schläft)5.
Mitunter stehen Perfektformen des Präsens sowohl im Hauptsatz als auch im ihm untergeordneten Nebensatz. In solchen Fällen geben die Perfektformen selbst kein zeitliches Verhältnis zwischen den Handlungen an; dieses erschließt sich erst aus der Bedeutung des gesamten Satzes.
Grėtė schweigt und rechtfertigt sich nicht damit, dass sie, wenn sie hier gewesen wäre, sowohl Geld als auch Pferde gegeben hätte, um ihn ins Krankenhaus zu bringen; nein, sie prahlt nicht, denn in ihrem Leben hat sie sich niemals auch nur mit dem gerühmt, was sie wirklich Gutes getan hat. SimonVK II 395. Habe ich Ihnen denn gesagt, dass ich einen großen Pilz gefunden habe? Lnkv (DAK).
§ 8. Perfektformen des Präsens werden meist objektiv verwendet, d. h., mit ihnen wird gewöhnlich ein resultierender Zustand bezeichnet, der zum Sprechzeitpunkt tatsächlich andauert (siehe alle oben angeführten Beispiele). Manchmal dauert der durch Perfektformen des Präsens ausgedrückte resultierende Zustand jedoch zum Sprechzeitpunkt tatsächlich nicht an. Dies ist die subjektive Verwendung der Perfektformen des Präsens.
In bestimmten Fällen, meist um vor möglichen künftigen Unannehmlichkeiten zu warnen, bezeichnen Perfektformen des Präsens einen resultierenden Zustand, der zum Sprechzeitpunkt noch nicht besteht, aber für die Zukunft erwartet wird. Um seine Überzeugung von der Gewissheit des erwarteten resultierenden Zustands hervorzuheben, stellt der Sprecher ihn als gegenwärtige Tatsache dar und verwendet daher Perfektformen des Präsens. In solchen Fällen werden meist Partizipien des Präteritums ohne Hilfsverb verwendet, die die Bedeutung der zusammengesetzten Perfektformen des Präsens haben.
Pass nur gut auf, sage ich, pass gut auf! Denn wenn auch nur ein kleiner Funke aufs Dach fliegt, sind wir schon verloren! SimonR I 157. Gerätst du in ihre Klauen, bist du erledigt. Jrb (LKŽ II 386). Gott bewahre, dass man ein zänkisches Mädchen bekommt — dann ist man verloren! Užv (LKŽ I 263). Mit einem Menschen kann man sich jeden Tag treffen, aber die Gunst des Herrn reicht nur bis zum Tor … ehe man sich versieht, ist man schon hinausgeflogen … der Herr jagt einen aus lauter Großmut hinaus … ŽemR II 69. Wen ihre Zunge erwischt, der ist schon verloren, der ist schon erledigt. Mit blutigen Zungen und Schwertern wirbelt sie um sich: — Wer ihr in den Weg kommt, ist verloren! Sie windet sich in Ringen. — Mach ein Feuerchen, rät jene ihr, wirf ein Knäuel hinein — und das Unglück ist abgewendet! SNėrP₁ 452.
Die Perfektformen des Präsens haben hier ihre gewöhnliche morphologische Bedeutung; lediglich stellt sich der Sprecher für einen Augenblick vor, als sei die künftige Situation bereits Gegenwart.
Gewöhnlich ist die mit Perfektformen des Präsens bezeichnete Handlung vor dem Sprechzeitpunkt abgeschlossen und hat nur ihre Folge hinterlassen — den resultierenden Zustand. Manchmal geht jedoch aus dem Kontext hervor, dass sie auch zum Sprechzeitpunkt noch andauert.
— Aber wenn man das zweite Mal wiederkommt, schimpft einer über den anderen! — will Lėnė sich rechtfertigen. — Der Städter schimpft über den Bauern, der Bauer über den Städter. So, denke ich, ist es schon seit ewigen Zeiten gewesen. SimonVK
5 Vgl. Z. M. Думаюте, Die Bedeutung und der Gebrauch des einfachen Präsens des Verbs in der modernen litauischen Literatursprache, Zusammenfassung der Kandidatendissertation, Vilnius, 1961, S. 5–6.
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Page 71167. Ihr Schaltisker, ihr seid immer schon kluge Menschen gewesen; selbst die Regierung weiß von eurem Verstand und eurer Weisheit. Und sie weiß auch, dass euch niemand so leicht den Kopf verdrehen kann. Simon VK I 70. Obwohl die Leute sich jedes Jahr wieder auf demselben Fleckchen Erde niederlassen, bleibt die Welt doch genauso voll, wie sie seit alters her gewesen ist. ŽemR I 149.
Dass die Handlung im Sprechmoment andauert, betrachtet der Sprecher als dem Gesprächspartner bereits bekannt; er will lediglich betonen, dass diese Handlung schon immer und auch früher stattgefunden hat, damit der Gesprächspartner den Schluss ziehen kann, dass es, wenn es bisher so gewesen ist, auch jetzt so sein muss. Somit wird auch hier in erster Linie die frühere Handlung hervorgehoben, deren Folgen im Sprechmoment relevant sind.
Verneinte Perfektformen des Präsens werden häufig verwendet, um die Besonderheit der gegenwärtigen Handlung und der gesamten Situation hervorzuheben.
Wie glücklich ihr Gesicht ist! Ein solches Gesicht Grėtės hat die Königin noch nie gesehen. SimonVK II 175. Ach, Bursche, was für Worte du sprichst! Solche habe ich noch nie gehört. KrėvP 120. Doch Joniukas ist froh und glücklich; den ganzen Tag fährt er umher, den ganzen Tag singt er aus voller Kehle sein Lied, obwohl der Wagen unaufhörlich seinen Körper durchschüttelt und ihm die Lungen in der Brust erzittern lässt, obwohl ihm der Hals schmerzt und die Stimme heiser ist. Aber er singt, damit man ihn nur noch länger umherfährt, denn schließlich ist er noch nie gefahren. BiiR I 162. [Jasius] (gibt) Hier ist ein Brief für dich. [Petras] Ein Brief? Für mich? [Jasius] Siehst du doch … [Petras] (nimmt den Umschlag, hält ihn und schaut ihn an) Ich habe noch nie einen Brief bekommen … BinkRn 342.
Mit verneinten Perfektformen sagt der Sprecher, dass die Handlung früher noch nie stattgefunden hat; dass sie jetzt stattfindet, ist folglich ungewöhnlich und besonders. Auch in diesem Fall wird das Ausbleiben der Handlung in der Vergangenheit (ihr Nichtgeschehen) betont, das im Sprechmoment relevant ist.
Wie die einfachen Präsensformen werden auch die zusammengesetzten Perfektformen des Präsens verwendet, um vergangene Ereignisse lebendig zu erzählen. Ein in der Vergangenheit andauernder resultierender Zustand wird so dargestellt, als dauere er im Sprechmoment selbst an. Meist werden in diesen Fällen Partizipien der Vergangenheit ohne Hilfsverb verwendet.
Petras schwang die Sense, als wäre sie eine Feder, und ging weit allen voraus … Der Hausherr stapfte hinterher und machte dabei große Schritte. Petras hatte die Furche bereits gezogen und stand am Ende des Feldes, während der Hausherr erst halb in Schwung gekommen war … BaltPV I 103–104. Leise brauste die Orgel auf, aus vielen Mündern erklang ein Lied. Grėtė hatte die Augen wieder gesenkt, als laste eine große Last auf ihr. SimonVK I 258. Die Königin fuhr zusammen: Jemand hatte ihre Schulter berührt. Aber nein, niemand. Noch keines der Kinder hatte sich von seinem Platz bewegt. Nur Vilius sah sie mit großen Augen an, dann den Kranken. Marikė hatte sich bereits leise am Fußende des Bettes niedergesetzt. Martynas kniete noch immer … Die Stubentür knarrte und öffnete sich leise. SimonVK I 154. Das Kind weinte nicht mehr, sondern stöhnte nur noch wie ein herangewachsener Mensch, der unter starken inneren Schmerzen leidet. Alles war bereits ausprobiert worden, alle möglichen und unmöglichen Heilmittel waren verabreicht worden, und nichts, gar nichts half. SimonVK II 101.
§ 9. Die zusammengesetzten Perfektformen des Präsens sind ihrer Bedeutung nach den einfachen Formen des Präteritums etwas ähnlich, da beide einen vergangenen Vorgang bezeichnen. Der wesentliche Unterschied zwischen ihnen besteht darin, dass der durch einfache Präteritumsformen bezeichnete Vorgang meist ausschließlich der Vergangenheit angehört und keine Verbindung zur Gegenwart hat, während die zusammengesetzten Perfektformen des Präsens einen vergangenen Vorgang bezeichnen, der mit der Gegenwart verbunden ist und dessen erzielter Ergebniszustand Teil des Gegenwartsbezugs ist. Mit einfachen Formen werden vergangene Ereignisse erzählt, die sich nacheinander oder gleichzeitig vollzogen; sie alle bilden eine vergangene Situation und nicht-
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Page 8geht über ihre Grenzen hinaus. Erzählende Funktion ist den zusammengesetzten Perfektformen nicht eigen. Sie bezeichnen eine vergangene Handlung, die gleichsam gewaltsam aus dem Zeitrahmen der Vergangenheit herausgerissen, von anderen vergangenen Ereignissen isoliert und mit der Gegenwart verknüpft ist. Vgl.:
Anskis hatte nach dem Mittagessen keine Lust, wie Vilius und Marčiukas nach draußen zu laufen. Er ging in die große Stube, um seine Schularbeiten zu beenden. Er setzte sich, hielt sich die Ohren zu, schloss die Augen und las, gelegentlich ins Buch blickend, mehrmals etwas auf Deutsch. „Jetzt kann ich es“, rief er schließlich zufrieden. Er steckte die Bücher zurück in den Beutel, hängte den Beutel an das Bettbein und stand auf und streckte sich. SimonVK I 83.
Sieh nur, das Unkraut ist auch im Herbst noch grün. Aus Faulheit? Oho! Sich selbst überlassen, von einem unverständigen oder ungeschickten Menschen „nicht gepflegt“, das heißt, darf man wohl annehmen: ungehindert, haben sie längst je zwei Kinder hervorgebracht und gerade begonnen, auch das dritte großzuziehen. Das ist etwas ganz anderes! Sie sind keineswegs traurig darüber, dass sie nicht mehr keimen: Ihre Aufgabe haben sie doppelt erfüllt, für die Zukunft ihrer Art haben sie sogar mehr als gut gesorgt, damit sie nicht ausstirbt. VaižgDD 60.
Die einfachen Formen des Präteritums werden gewöhnlich in einem Vergangenheitskontext verwendet, die zusammengesetzten Perfektformen des Präsens dagegen in einem Gegenwartskontext.
§ 10. Werden die einfachen Formen des Präteritums in einer bestimmten Sprechsituation oder in einem bestimmten Kontext verwendet, können auch sie eine vergangene Handlung bezeichnen, die mit der Gegenwart verbunden ist. Der Bezug zur Gegenwart ist am deutlichsten, wenn irgendwelche Folgen dieser Handlung fortbestehen; daher haben einfache Formen resultativer Verben diese Bedeutung am häufigsten.
Woher hast du, Bruder, gelernt, so zu sprechen, und so viel Mut gewonnen? Als du noch lebtest, warst du, scheint mir, keine drei Pfennige wert, und jetzt redest du, als würdest du eine Rübe kauen. KrėvRg 273. Aber denken Sie nur, was aus Ihrer Anė geworden ist! Sagen Sie, wozu ist sie geworden? Sie ist schon gar nicht mehr die Tochter der Šalteikiai. SimonVK I 30. Wird er uns jetzt einfach niederhacken?! Wofür? Wir haben ihm nichts Böses getan... wir wissen ja gar nichts... BaltPV₁ I 67.
Der Bezug der mit den einfachen Formen anderer Verben bezeichneten vergangenen Handlung zur Gegenwart ist schwerer zu erfassen.
Dräng ihn nicht, Bursche, dein Vater wird nicht aus dem Gläschen trinken, aus dem die Hexe getrunken hat. KrėvRg 78. — Morgen wird es heiter sein, und noch lange wird es heiter bleiben. — Woher kannst du das wissen? Hast du mit Gott gesprochen? — lachte Pikči lingis. KrėvRg 110. Vergiss Lakštingala nicht, falls etwas passieren sollte. Seit gestern ist die Arme nicht mehr da... CvR III 218.
Obwohl die Bedeutung der einfachen Präteritumsformen in solchen Fällen der Bedeutung der zusammengesetzten Perfektformen des Präsens sehr nahekommt, unterscheiden sie sich doch stets durch eine bestimmte Nuance: Im Vergleich zu den zusammengesetzten Formen bringen die einfachen Formen den Bezug der vergangenen Handlung zur Gegenwart weitaus weniger zum Ausdruck. Werden die einfachen Präteritumsformen mit den Perfektformen des Präsens abgewechselt, können manche vergangenen Handlungen weniger, andere stärker mit der Gegenwart verknüpft werden.
— Ein Ei belehrt die Henne nicht, und du sollst mich nicht belehren, — entgegnete der Mann grob. — Als ich es mir ausgedacht habe, habe ich alles mit Gottes Hilfe und nach reiflicher Überlegung getan. KrėvRg 120. — Wir haben uns schon mit Kuogio Kazys geeinigt, — beharrte der Sohn. — Wenn ich etwas gesagt habe, muss man dem Vater gehorchen, ohne zu widersprechen, — rief Kukis. — Mit wem du dich geeinigt hast, ohne mich zu fragen, ist mir gleichgültig. KrėvRg 123–124.
Dennoch ist der Bezug der mit einfachen Präteritumsformen bezeichneten vergangenen Handlungen zur Gegenwart oft so deutlich, dass man sie, wenn man wollte, durch zusammengesetzte Perfektformen des Präsens ersetzen könnte. Vgl. die einfachen Präteritumsformen und die zusammengesetzten Perfektformen des Präsens in den folgenden Beispielen:
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Page 9– Wie ich sehe, hast du dir heute entweder bei der Hündin ein Maul geliehen oder dir womöglich Bilsenkraut übergeworfen! – Der Mann winkte ab und ging zu den Scheunen. KrėvRg 67.
Freunde, was soll das denn, wirklich?! Habe ich eine solche Ehre verdient, ich Armseliger … CvR IV 295. Mut genug werde ich haben, mich mit euren Herrschern zu messen, und auch genug, um euch beide, die ihr mich mit bösen Worten beleidigt habt, gebührend zu bestrafen, wie ihr es verdient habt. KrėvP 222.
– Da hat er sich aber ausgetobt, – ertönte eine Frauenstimme aus der Menge. – Ein echter Vater!.. KrėvRg 217. Der ist ja betrunken, dass er auf allen vieren geht. Krtn (LKŽ VI 271).
Nur wenn die fortbestehenden Folgen einer vergangenen Handlung besonders hervorgehoben werden müssen, verwendet man ausschließlich zusammengesetzte Perfektformen im Präsens. In der Regel bezeichnen sie in solchen Fällen einen anhaltenden resultativen Zustand und werden am häufigsten zur Aussage wissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten und ewiger Wahrheiten gebraucht.
Elektronen lassen sich leicht vom Atom trennen; daraus ist von selbst zu schließen, dass sie sich im äußeren Bereich des Atoms angesammelt haben. BarsF 171. Ein Beispiel für eine Emulsion ist Milch, in der Fettkügelchen schweben. MatKCh 9. Adsorptionserscheinungen sind in Natur und Technik außerordentlich weit verbreitet. MatKCh 172. Ich werde Ihnen einige Zahlen nennen, und ich bin überzeugt, dass sie Ihnen nicht trocken und langweilig erscheinen werden (tsp).
Auch ein sich wiederholender, gewohnheitsmäßiger resultierender Zustand, der durch eine frühere Handlung erreicht wurde, wird ausschließlich durch zusammengesetzte Perfektformen im Präsens bezeichnet.
Zu Beginn des Winters haben sich die Paare bereits gebildet. IvanLP II 70. Es wird kühl, und auch Rapolienė beendet den Streit beinahe mit einem Gebet, wenn Rapolas zu jener Zeit fortgegangen ist. VaizgRR I 133. Wenn ich mich erschreckt habe, sehe ich sogar im Schlaf Feuer. Bsg (LKŽ I 462). Ihre gebackenen Kuchen sind immer aufgegangen und schön aufgeblättert; es ist eine Freude, sie anzusehen und zu begehren. Vvr (LKŽ VI 361).
§ 11. Ebenso wie zusammengesetzte Perfektformen im Präsens können auch einfache Formen des Präteritums in einem bestimmten Kontext nicht nur einen konkreten, sondern auch einen verallgemeinerten resultativen Zustand bezeichnen. Der oben erwähnte Bedeutungsunterschied zwischen einfachen und zusammengesetzten Formen besteht auch in diesen Fällen. Vgl. beide Formen im selben Kontext:
Warte, Patin, klag noch nicht! Der Schlächter ist ein guter Mensch, er hat noch niemandem etwas Böses getan. Jedenfalls habe ich nichts davon gehört. KrėvRg 67. – Ihr, ich weiß, sagt: Der Schlächter ist ein Hexer, – aber was für ein Hexer bin ich denn? Von den Erfahrungen der Alten habe ich vieles gehört, habe sie genutzt und oft die Wahrheit erraten – siehst du, darum bin ich ein Hexer! – Und hast du auch davon gehört, dass der Mensch sein eigenes Glück nicht erraten kann und deshalb leidet, von den Menschen der alten Zeit? – Nein, warum sollte ich lügen, vielleicht habe ich das gehört, vielleicht auch nicht. Ich habe nicht darüber nachgedacht. KrėvRg 110. Hat uns der Herr Amtsrat nicht, als er uns wie ein Vater belehrte, verboten, mit Flinten auf den Gutshöfen zu schießen? Und wie oft haben die Pfarrer beim Halten der Messe geschimpft. DonR 100–101.
Zusammengesetzte Perfektformen im Präsens haben eine ausgeprägtere verallgemeinerte Bedeutung als einfache Präteritumformen. Werden mehrere Handlungen aus einer unbestimmten Vergangenheit erwähnt, von denen einige stärker verallgemeinert, andere weniger verallgemeinert oder einmalig sind, werden erstere gewöhnlich mit zusammengesetzten, letztere mit einfachen Formen wiedergegeben. Vgl.:
Jetzt kann man nirgendwo mehr hingehen, weder in den Hof noch in den Garten: „Wisch dir die Füße nicht ab!“, schreit sie. Und dann läuft man erschrocken davon … Habe ich meinen Klugen etwa so etwas angetan? Habe ich irgendeinem Menschen jemals Unrecht getan? SimonR I 379. – Sag mir, Bruder, was hast du, als du auf Erden lebtest, Gutes für den Herrn Jesus getan, dass du nun in den Himmel kommen willst? – Was ich Gutes getan habe, fragst du, heiliger Apostel? Ich habe die Tiere gut gehütet, alle Menschen, die Vögelchen, die Wälder, die Sonne und die grünen Wiesen geliebt und, während ich sie liebte, Gott gepriesen, weil es so schön und gut ist, in seiner Welt zu leben. KrėvRg 274.
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Page 10Mich, einen alten Wolf, kannst du nicht erschrecken … Schon im letzten Krieg habe ich so manches erlebt. In meinem Leben habe ich Blut gesehen. VenciR III 356. Es versteht sich, ich werde erzählen, was ich selbst gehört habe. Und das, was ich erzählen möchte, ist tatsächlich einmal geschehen. BalčHP₁, 245. Nicht nur einmal sind hier, als ich noch zu Hause war, Leute ertrunken, nachdem sie ihre Pferde getränkt hatten. Und auch ich wäre hier einmal beinahe ertrunken. SimonR I 311. — Du hast doch selbst dort, als du auf Erden lebtest, auf irgendeiner Hochzeit getrunken. Oder hast du das etwa vergessen? — Trinken ist ja schön und gut, aber damit habe ich niemandem etwas Böses getan, sondern den Gastgebern und dem Brautpaar Freude bereitet. — Und habe ich beim Trinken jemandem etwas Böses getan? Sag, heiliger Petrus! KrėvRg 266. Da flüstert mir gerade jemand ins Ohr, dass du seinerzeit irgendeinem Arius eine Ohrfeige verpasst und ihm öffentlich, vor allen, ins Gesicht geschlagen hast, nur weil er Worte sagte, die euch Bischöfen sehr missfielen. Ich aber habe niemanden geschlagen. KrėvRg 271.
Außerdem kommt es vor, dass einfache Formen des Präteritums neben zusammengesetzten Perfektformen des Präsens stehen, um besonders hervorzuheben, dass die Handlung in der unbestimmten Vergangenheit tatsächlich stattgefunden hat.
— So redet man nur, aber wer weiß, ob überhaupt jemand das Teufelchen gesehen hat, stritt der Gast. — Wie, niemand hat es gesehen? — fuhr sie auf … — Nicht nur gesehen hat man es, wie du siehst, es hat sich sogar zu Wort gemeldet. ŽemR II 430. Du meinst, mein Kind, ich sei nie jung gewesen, hätte Mädchen nicht gemocht, nicht geliebt? Oh, und wie sehr ich sie geliebt habe! KrėvRg 97. — Sag mir, Bruder, hast du denn wirklich niemandem etwas Böses getan? fragte Kukis erneut, als spräche er zu seinen eigenen Gedanken. — Wie sollte ich nicht⁶, vielleicht habe ich es vielen angetan, aber darüber habe ich weder damals nachgedacht noch denke ich jetzt darüber nach. KrėvRg 259.
Um also eine mit der Gegenwart verbundene vergangene Handlung auszudrücken, werden nicht nur zusammengesetzte Perfektformen des Präsens, sondern auch einfache Formen des Präteritums verwendet. Obwohl ihre Bedeutungen in diesen Fällen sehr ähnlich sind, unterscheiden sie sich dennoch in einer bestimmten Nuance: Die zusammengesetzten Perfektformen haben eine ausgeprägtere Bedeutung des Resultatszustands, die einfachen Formen des Präteritums hingegen eine ausgeprägtere Bedeutung der vergangenen Handlung. Da der Bezug der mit einfachen Formen bezeichneten vergangenen Handlung zur Gegenwart erst aus dem Kontext oder der Sprechsituation hervorgeht, ist er manchmal deutlicher, manchmal weniger deutlich. Daher nähert sich die Bedeutung dieser Formen in manchen Fällen stärker, in anderen weniger stark der Bedeutung der zusammengesetzten Perfektformen an.
Häufig verwendet der Sprecher bewusst die eine oder andere Form, um den Bezug der vergangenen Handlung zur Gegenwart einmal stärker, einmal weniger stark hervorzuheben. Manchmal werden einfache Formen jedoch auch ohne erkennbaren Grund anstelle zusammengesetzter Formen verwendet.
Präteritum
§ 12. Die zusammengesetzten Perfektformen des Präteritums bezeichnen einen durch eine frühere Handlung herbeigeführten Resultatszustand, der vor dem Sprechzeitpunkt andauerte. Der von ihnen bezeichnete Resultatszustand ist meist konkret.
Juras beugte sich vor, um Monikas Kopf besser zu betten, und zuckte zusammen: Die Kälte hatte sich bereits in ihren Gelenken ausgebreitet. CvR VIII 235. Tamošius hatte mit seinen sehnigen Armen den Hals des Deutschen wie mit einer Zange umklammert und ihn beinahe ganz von den Schultern gedreht. LzPR II 117. Nachdem er die Laterne des Feuerwehrmanns hingeworfen hatte, streckte sich Norbert. Wer weiß womit
6 Das Hilfsverb būti ist hier elliptisch verwendet – ohne Partizip.
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Page 11Sie hatten ein paarmal in den Rücken gestochen, doch durch die dicke wattierte Jacke kaum verletzt. Gud-Guz KIT 241.
Im Wagen saß der Sohn des Hausherrn, Jonukas, den jemand mitgenommen hatte; ohne die Peitsche richtig zu schwingen, hantierte er mit dem Peitschenstiel und rief, sich sogar vorbeugend, den Pferden zu: „No, no, no!“ VienR I 284. Sieh nur, wie die Scheunen, in denen unsere Schätze gelagert waren, und die Vorratsschuppen samt allem Proviant dahin sind. DonR 37.
Die zusammengesetzten Perfektformen des Präteritums drücken eine verallgemeinerte resultative Zustandsbedeutung seltener aus als die Formen des Präsens; zudem ist ihnen auch die ausgeprägte Bedeutung einer Handlung in unbestimmter Vergangenheit weniger eigen.
Obwohl Prakapas von den kleinen Meerschweinchen gehört hatte, hatte er sie bis zu jenem Zeitpunkt doch noch nie gesehen. CvR III 57. In wissenschaftlichen Büchern hatte der Pfarrer über solche Launen der Natur gelesen. VenclR III 42. Sie hatten schon lange nicht mehr so gesprochen. CvR VIII 222. Und es gab, wissen Sie, bei uns einen alten Professor – ganz weißhaarig, klein, aber er hatte uns viel Herzlichkeit entgegengebracht. VenclR III 285. Rapolas hatte in seinem ganzen Leben so gut wie nie gearbeitet. VaižgDD 83.
Sie wussten, dass nicht einer von ihnen vom Schlachtfeld zurückkehren würde, und vielleicht erinnerten sie sich gerade deshalb wieder an das, worüber Hunderte Male gesprochen und nochmals gesprochen worden war. VienlR III 324.
§ 13. Die zusammengesetzten Perfektformen des Präteritums stehen in Beziehung zu den einfachen Präteritumsformen (ebenso zu den zusammengesetzten passivischen Formen, die eine vergangene Handlung bezeichnen). Mit den Perfektformen wird eine Handlung ausgedrückt, die den durch die einfachen Präteritumsformen bezeichneten vergangenen Handlungen vorausgeht; gleichzeitig mit diesen besteht der durch jene Handlung erreichte resultative Zustand.
Madlikė hatte auch nicht gehört, was die junge Hausherrin sagte; sie musste wohl mit dem Fegen aufgehört und Grėtė völlig vergessen haben, denn im Zimmer am Fenster stand Martynas mit Einiukas auf dem Arm. SimonVK II 11. Der älteste Mönch, der aufgestanden war, blickte zurück und staunte: Weit im Süden waren an mehreren Stellen große Brände zu sehen, und ein breiter roter Feuerschein hatte den ganzen Horizont eingenommen. VienR I 32.
Die zusammengesetzten Perfektformen des Präteritums werden sehr häufig verwendet, um die zeitlichen Beziehungen zwischen den Handlungen im Haupt- und Nebensatz auszudrücken.
Nachdem Ignotas die Stimme gedämpft hatte, begann er zu fragen, und Kirstukienė erzählte ihm flüsternd alles, was sich im Güterbahnhof ereignet hatte. Gud-GuzKIT 180. Die Frauen boten an, die Söhne des Kapos zu begleiten, denn auch sie hatte der Herold zur Feier eingeladen. DonR 66. Nur der Bau der Brauerei wurde weitergeführt, denn alle Maschinen waren bereits angeliefert worden. VienR V 403.
Als ich mich umdrehte, war er schon davongelaufen, und ich konnte nur noch seinen über die Wände huschenden Schatten erblicken. BalčHP 1 47. Es war schon schön dunkel geworden, als wir zurückkamen. Nmn (LKŽ III 547). Maldutis hatte den gesuchten Gedanken schon erfasst, als sich plötzlich hinter ihm wieder irgendjemand räusperte. VienR I 248.
§ 14. Werden die zusammengesetzten Perfektformen des Präteritums im Kontext des Präsens oder in direkter Rede verwendet, erhalten sie häufig eine besondere Bedeutungsnuance: Sie bezeichnen einen durch eine frühere Handlung erreichten resultativen Zustand, der eine Zeit lang in der Vergangenheit andauerte und anschließend beendet wurde.
Ach ja, ich hatte es vergessen: Da hat er dir befohlen, ihm dieses Silber zurückzugeben. VaičRn 176. Wie sich herausstellt, hatte dieser Sträfling, der Rebell Mykolas Jonaitis, sich wieder einmal bei uns auf dem Gut herumgetrieben … VienR V 344. Die Frau rannte hinaus, um sie zu begrüßen, und prahlte: — Die Roggenernte war gekommen, also habe ich ihr schon den ganzen Speck und die geräucherte Wurst gegeben. Žž (DT). Du warst eine Weile
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Page 12eingenickt? SruogR III 414. Als sich alle gesetzt hatten, begann Ignotas, dies und jenes über Petriukas zu fragen: wo er weide und ob er schon nach Hause gekommen sei, nach der Gesundheit der Hausbewohner, nach dem Leben und nach dem Brot. Gud-GuzKIT 53. Du selbst verstehst, dass wir auf einem Vulkan leben. Mehr als einmal war er schon ausgebrochen und hat uns allen große Angst eingejagt. VienR V 496.
Die Bedeutung der Perfektformen ist hier dieselbe wie in den vorangegangenen Beispielen: Sie bezeichnen einen durch eine frühere Handlung erreichten resultativen Zustand, der zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit andauerte. Im Sprechzeitpunkt besteht der resultative Zustand jedoch nicht mehr, er ist beendet. Daher wird in diesen Fällen eine Handlung vorausgesetzt, die den resultativen Zustand beendet hat: war gekommen, also ist er wieder gegangen, weil er jetzt nicht mehr da ist. Manchmal wird eine solche Handlung auch ausdrücklich genannt.
Es hatte begonnen, kalt zu werden, und der Wind zog wieder auf. Gs (LKŽ II 469). Ich hatte einen Hirten angestellt, aber er ging wieder weg. Vb (LKŽ II 783). Die Pilze hatten zu wachsen begonnen, hörten dann aber wieder auf. Ėr (LKŽ II 796).
Je kürzer der in der Vergangenheit erreichte resultative Zustand andauerte, desto deutlicher tritt die Bedeutung der ihn hervorbringenden Handlung hervor. Oft ist der resultative Zustand kaum noch wahrnehmbar, und mit der Perfektform wird schlicht eine Handlung bezeichnet, auf die eine vorausgesetzte gegenteilige Handlung folgte. Dies ist besonders typisch für die Perfektformen der sogenannten Bewegungsverben.
Perfektformen des Präteritums können die Bedeutung eines beendeten resultativen Zustands mitunter auch in einem Präteritumskontext erhalten.
An den Ufern, auf beiden Seiten des Flusses, zeichneten sich wie hingestrichen schwarz die Schilf- und Buschstreifen ab – sie zeigten, wie weit das Wasser im Frühjahr gestiegen war. ŽemR I 133. Juras klapperte mit seinen großen Holzschuhen, die er im Vorzimmer der Lehrerin zurückgelassen hatte. CvR VIII 162. Keine Zusammenkunft der Gutsleute kam ohne sie aus. Dafür wurden sie auch mehr als einmal vom Gutshof verjagt. Gud-GuzKIT 109.
In diesen Fällen dauerte der durch eine frühere Handlung erreichte, mit den Perfektformen bezeichnete resultative Zustand vor den durch synthetische Formen bezeichneten vergangenen Handlungen an; zum Erzählzeitpunkt bestand er bereits nicht mehr.
Die Bedeutung eines beendeten resultativen Zustands ist eine bestimmte Nuance der relativen-resultativen Bedeutung des Präteritums, die durch die Sprechsituation oder den Kontext bedingt ist. Sie ist nur den Perfektformen telischer Verben eigen, überwiegend den Aktivformen.
Auf diese Bedeutungsnuance der Perfektformen des Präteritums hat auch J. Jablonskis hingewiesen. In seiner Grammatik von 1901 schrieb er: „Diese Zeitform wird auch zum Ausdruck … einer vergangenen Handlung verwendet, die sich danach anders entwickelte, nicht so, wie man erwartet hatte“⁷. In späteren Grammatiken präzisierte J. Jablonskis diese Bedeutungsbestimmung des präteritalen Perfekts noch: „Mit ihr bezeichnen wir auch jenes vergangene Handlungsergebnis (jene vergangene abgeschlossene oder vollendete Handlung), das es jetzt, beim Sprechen, nicht mehr gibt oder das vor einer anderen vergangenen Handlung stattgefunden hat“⁸.
7. J. Jablonskis, a. a. O., S. 103.
8 Ebenda, S. 426. Eine ähnliche Bedeutungsnuance ist auch den entsprechenden Verbformen einiger anderer Sprachen eigen, zum Beispiel den Plusquamperfektformen des Bulgarischen und des Weißrussischen des 15.–16. Jahrhunderts, vgl. Ю. С. Маслов, Глагольный вид в современном болгарском языке, in: Вопросы грамматики болгарского литературного языка, Москва, 1959, S. 280—281; У. В. Аніченка, Формы плюсквамперфекта ў беларускай міленачнай XV—XVI ст. ст., „Учёные записки Мозырского педагогического института“, вып. I, Минск, 1957 (выслейе 1958), S. 174.
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Page 13§ 15. Unter ähnlichen kontextuellen Bedingungen verwendete perfektive Formen des Präteritums von Verben des imperfektiven Aspekts bezeichnen eine in der Vergangenheit eine Zeit lang andauernde, dann aber abgebrochene Handlung.
Ich hatte vorgehabt, nicht zum Maifest zu gehen, aber wenn es nun so ist, gehe ich auf jeden Fall. BinkRn 335. Manche, zum Beispiel Jaunius um 1902, hatten sogar versucht, Zarasai Ežeriūnai zu nennen. BūgKS 2. Aber wie sie ganz verstört waren, die Bäume völlig zu fällen, das hatte er nicht getan. ŽemR II 109. Beim Rückkehrfest hatte er ihn zuerst gut gehört. Jetzt hört er ihn überhaupt nicht mehr. VaižgDD 22—23. Erst hinter dem Tor erinnerte er sich daran, dass er beim Herrn gewesen war, und begann zu überlegen: hingehen oder nicht mehr hingehen? LzPR II 27.
Da die perfektiven Formen von Verben des imperfektiven Aspekts nur eine vergleichsweise schwach ausgeprägte Bedeutung eines resultativen Zustands haben, ist diese in solchen Fällen überhaupt nicht mehr wahrnehmbar, und mit den perfektiven Formen wird lediglich eine in der Vergangenheit eine Zeit lang andauernde Handlung bezeichnet. Auf diese Weise erhalten die perfektiven Formen des Präteritums von Verben des imperfektiven Aspekts unter denselben kontextuellen Bedingungen eine etwas andere Bedeutungsnuance als die Formen von Verben des perfektiven Aspekts.
§ 16. Perfektive Formen des Präteritums, die einen abgebrochenen resultativen Zustand oder eine abgebrochene vergangene Handlung bezeichnen, können neben den einfachen Präteritumsformen verwendet werden, wenn vergangene Ereignisse in zeitlicher Abfolge erzählt werden.
Formen von Verben des perfektiven Aspekts:
Balys, der nicht richtig zugehört hatte, stand auf und hatte schon dem neuen deutschen Wissenschaftler die Hand zum Kennenlernen entgegengestreckt, doch der Polizist packte ihn grob am Ellbogen und zerrte ihn zur Tür hinaus. VienR I 301. Die Taručiai warfen einander hastig fragende Blicke zu, wischten sich nicht den Mund ab; Monika sprang auf, um die Teller zu verstecken, hatte schon angefangen: „O Gott, was soll ich sagen?“ — da erschien der Gast in der Tür. CvR VIII 96. Jonas, der hatte die Stirn gerunzelt, sich verzogen und schon mit der Hand abgewinkt, ging dann aber zu seinem Bruder, umarmte ihn, küsste ihn und flüstert die ganze Zeit. VienR V 372. Noch einige Tage vergingen; Veronika war noch einmal zum Kreuz gegangen, doch es war ihr kein bisschen leichter geworden, und die Not wuchs ihr unter dem Herzen immer mehr und wurde immer schmerzhafter. VienR I 177. Ich durchstreifte den Wald kreuz und quer, war sogar bis zur Daujotčių-Wiese vorgedrungen — immer auf der Suche nach Jono Grab. Doch nirgends war er zu finden. BaltPV₁ I 88.
In diesen Fällen nähern sich die perfektiven Formen des Präteritums von Verben des perfektiven Aspekts in ihrer Bedeutung den einfachen Präteritumsformen an. Der Unterschied zwischen ihnen besteht darin, dass mit den einfachen Formen lediglich eine in der Vergangenheit erfolgte Handlung oder das durch sie erzielte Ergebnis festgestellt wird (gemeint ist die allgemeine morphologische Bedeutung des Präteritums), während die perfektiven Formen auch die Dauer des durch die Handlung erzielten resultativen Zustands bezeichnen. Diese Dauer hängt davon ab, wie schnell die Handlung eintrat, die den resultativen Zustand beendete. Je kürzer der resultative Zustand andauerte, desto geringer ist der Bedeutungsunterschied zwischen zusammengesetzten und einfachen Formen.
Formen von Verben des imperfektiven Aspekts:
Er hatte schon darum bitten wollen, ins Gefängniskrankenhaus aufgenommen zu werden, beschloss aber nach einer Beratung mit mir und den anderen Nachbarn abzuwarten — vielleicht würde es ihm noch besser gehen. VienR I 100. Die Hexe lief herbei und wühlte am Berg; sie hatte versucht hinaufzuklettern, kam aber nicht hinauf und versuchte auch gar nicht, außen herumzulaufen. BsP₁ III 20. Er hatte noch einmal versucht, das unvollendete Lied anzustimmen, doch als er Jadvyga vor sich sah, ihre tränenvollen Augen, verstummte er wie ein ertappter Dieb. MairRR II 34. Nachdem ich ein paar Stunden geschlafen hatte, wachte ich auf und hörte, dass neben meinem Kopf irgendetwas
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Page 14rennt herum. Ich hatte gleich gesagt, dass ihr dort sein würdet; doch oben auf dem Hügel liefen nur zwei Menschen umher, und ich hörte ihr Rufen und Schreien. BalčHP 34.
Von den einfachen Formen des Präteritums unterscheiden sich die zusammengesetzten Perfektformen in diesem Fall nur dadurch, dass sie hervorheben, dass die bezeichnete Handlung nur eine bestimmte Zeit lang andauerte, vgl.:
Er wollte anhalten und sich nach seinem Heimatdorf, nach dem Städtchen und nach Bekannten erkundigen, aber … die Schenke war schon hinter ihm zurückgeblieben. VienR I 142.
§ 17. Perfektformen des Präteritums, die in einer zusammenhängenden Erzählung vergangener Ereignisse verwendet werden, stehen ihrer Bedeutung nach in vielen Fällen den einfachen Präteritumsformen nahe. Vgl.:
Dieser gerissene Bursche hatte mich betrügen wollen, aber es gelang ihm nicht. Grž (LKŽ I 217). Damit im Gymnasium kein Aufruhr entstand, hatte Herr Tįjūnas zunächst beschlossen, das Verschwinden des Geldes ganz zu verschweigen …, doch nachdem er sich mit mir beraten hatte, änderte er seine Meinung. BinkRn 326. – „Und dort unten“, der Wächter nickte mit dem Kopf zum Turm hin, „sind solche Keller, dass niemand, der einmal hineingeraten ist, lebend wieder herauskommt“, hatte er zu flüstern begonnen, doch als er Schritte im Korridor hörte, verstummte er. VienR I 108.
Gaubys schüttelte es erneut, und er war kurz davor, etwas herauszuschreien. Doch Vilius, der nichts gesehen hatte und über seine eigenen Scherze lachte, trieb die Pferde an und fuhr im schnellen Trab nach Hause. SimonVK II 363. Mein Herz begann heftig zu schlagen, und ich war schon kurz davor, mich hinzusetzen, sie zu umarmen und ihr, ihre Hand nehmend, offen und von ganzem Herzen alles zu erzählen; doch in diesem Augenblick hob sie selbst meinen Kopf an, legte ihn auf ihren Schoß und begann zu sprechen. VienR I 216. – „Ich lasse nicht zu, dass man das Haus demoliert! Das mit Pelkišiukas, Gott hab ihn selig, ist gesagt …“, hatte die Alte gerade zu beginnen angesetzt. Doch Kazimieras ließ sie nicht zu Ende sprechen. „Wir werden sehen!“, sagte er hart. BaltPV₁ I 348–349.
Dennoch unterscheiden sich die Bedeutungen der ingressiven und der Perfektformen ein wenig. Ingressive Formen bezeichnen eine plötzlich und unerwartet unterbrochene Handlung, die vielleicht eine Weile andauerte oder aber abgebrochen wurde, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Mit Perfektformen wird eine Handlung bezeichnet, die tatsächlich eine gewisse Zeit andauerte und nicht so plötzlich unterbrochen wurde.
§ 18. Das Perfekt des Präteritums wird häufig anstelle des Perfekts des Iterativpräteritums verwendet. Dessen Bedeutung erhält es meist dann, wenn es neben Formen des Iterativpräteritums steht.
Und sie [Rozalija] reichte der Witwe des Verstorbenen getrockneten Käse, den sie selbst für wundersame Heilungen erhalten hatte. BaltPV₁ I 51. Die Bewohner der Umgebung, die sich etwas hatten zuschulden kommen lassen, trieb er mit einem Zettel zum benachbarten Gutshof, auf dem die Anzahl der Stockschläge vermerkt war. CvR III 187. Obwohl im Speisesaal auf den Tischen Speisekarten gelegen hatten – Zettel mit einer Liste der Gerichte –, war das nur für die Augen der einfachen Leute: Den Geistlichen und überhaupt den „Eigenen“ servierte man nach eigenem Ermessen, ohne ihnen eine Wahl zu lassen, und niemals protestierte jemand. VienR V 227.
§ 19. Gelegentlich verwendet der Sprecher nach eigenem Ermessen Perfektformen des Präteritums anstelle der zu erwartenden Perfektformen des Präsens.
Ich glaube, wir haben [den Flachs] zu viel getrocknet; wir müssen ein wenig davon abnehmen, sonst trocknet er nicht richtig. Šv (LKŽ II 729). Als Jonas zum Herrn kam, sagte er: „Jetzt möchte ich meinen Lohn; erinnern Sie sich, Herr, wie wir es vereinbart hatten …“ BsP₁ III 110. Jonas kauft Onai Bonbons und Limonade, wie er es am Vorabend versprochen hatte. VenclR III 37. Er kehrt mit dem Wunsch nach Hause zurück, seinen Landsleuten alles mitzuteilen, was er selbst erlebt hatte. Jabl (LKŽ II 168).
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Page 15Ähnliche Fälle, in denen anstelle des erwarteten Perfekts das Plusquamperfekt verwendet wurde, hat J. Endzelīns in lettischen Volksliedern beobachtet9.
§ 20. Die verneinten zusammengesetzten Formen des Präteritums (ähnlich wie die des Präsens, siehe § 8) werden häufig verwendet, um die Besonderheit einer in der Vergangenheit ausgeführten Handlung und der daraus entstandenen Situation hervorzuheben.
Der junge Reiter staunte, als er die Stimme des Raben hörte: So viele Jahre hatte er gejagt, so viele Tage in der Wildnis verbracht, und noch nie hatte er gehört, dass ein Rabe spreche und die Gedanken eines Menschen errate. KrėvP 74. Als Aničokas an ihr vorbeiging und durch die Tür blickte, geriet er in Verwirrung: Noch nie hatte er Veronika so anmutig, so traurig und niedergeschlagen gesehen. VienR I 192. So war Šmitas noch nirgends und niemals aufgetreten. Simon VK II 26.
§ 21. Die Bedeutung der zusammengesetzten Perfektformen des Präteritums unterscheidet sich von der Bedeutung der einfachen Präteritalformen. Die Perfektformen bezeichnen einen in der Vergangenheit andauernden Resultatszustand, der durch eine frühere Handlung erreicht wurde; ihre Bedeutung bezieht sich auf zwei Zeitebenen, während die einfachen Formen eine in der Vergangenheit ausgeführte Handlung bezeichnen und sich in ihrer Bedeutung nur auf eine Zeitebene beziehen. In einem bestimmten Kontext verwendet, können die einfachen Formen ihrer Bedeutung nach den zusammengesetzten Perfektformen jedoch sehr nahekommen. Der Unterschied zwischen ihnen ist derselbe wie zwischen den zusammengesetzten Perfektformen des Präsens und den einfachen Präteritalformen, die in sogenannter perfektischer Bedeutung verwendet werden: Die einfachen Formen weisen eine ausgeprägtere Bedeutung der vorangegangenen Handlung auf und bringen deren Bezug zur Hauptebene, hier der Vergangenheit, weniger deutlich zum Ausdruck. Vgl.:
Ich bat darum, mir zuzuhören, und schilderte alles ohne Furcht und klar: was ich getan und was ich gewusst hatte. BalčHP₁ 53–54. Damit vergolten die Menschen Kolumbus, was er ihnen Gutes getan hatte. BilR I 99.
Der Mond war bereits über den Hängen von Freda aufgegangen, am Flussufer war das Akkordeon längst verstummt; nur gelegentlich pfiffen Lokomotiven, und Züge donnerten über die Grüne Brücke. VienR V 316. [Mykoliukas] Er spielte ruhig, männlich und fest auf der Geige; alle Saiten klangen voll, der ganze Wald hallte wider, sogar die Grillen waren verstummt. VaižgDD 28.
Manchmal geht aus dem Kontext hervor, dass das Ergebnis einer durch einfache Präteritalformen bezeichneten Handlung in der Vergangenheit nur eine Zeit lang anhielt und dann endete. In solchen Fällen stehen die einfachen Formen ihrer Bedeutung nach den zusammengesetzten Perfektformen nahe, die einen eine Zeit lang andauernden und dann beendeten Resultatszustand bezeichnen (vgl. § 14). Sie unterscheiden sich darin, dass die einfachen Formen die vorangegangene Handlung deutlicher hervorheben, während die zusammengesetzten Formen den beendeten Resultatszustand stärker betonen. Vgl.:
Den Priester habe ich gestern zurückgebracht; jetzt rufen die Mädchen noch, ich solle auch den Arzt zurückbringen. ŽemR I 16. Schließlich hatte sogar die Schwiegermutter jemanden geholt, der Einiukas abrechnete, und sie, Gretė, hatte dies zugelassen. SimonVK II 104.
Und sie täuschte sich nicht: Alle wussten bereits nicht nur von ihrem Unglück, sondern auch, dass der Priester ihr die Absolution verweigert hatte, dass er geschimpft und mit den Füßen gestampft und sie an den Haaren gerissen hatte; alle verstanden, von welcher Krankheit Veronika zu Pfingsten dahingerafft worden war. VienR I 191. Mitten beim Eggen war das Pferd krank geworden. Ldk (LKŽ I 43).
Mit einfachen Präteritalformen kann auch eine Handlung in unbestimmter Vergangenheit bezeichnet werden, die mit der Hauptebene der Vergangenheit verbunden ist; nur ist dieser Zusammenhang nicht so
9 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīga, 1951, p. 971.
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Page 16deutlich, wie bei Verwendung zusammengesetzter Perfektformen. Weitaus weniger ausgeprägt ist auch die Verallgemeinerung der Handlung. Vgl.:
Der alte vaidila war durch viele Länder gezogen, hatte viele Gegenden durchwandert, bei Hunderten von Herrschern zu Gast geweilt, hatte berühmte Taten und kühne Werke gesehen und noch viel mehr gehört … KrėvP 150. Auch mein Vater war in jungen Jahren viel gereist und war einverstanden, mich ziehen zu lassen. BalčHP₁43.
§ 22. Es kommen auch Fälle vor, in denen zusammengesetzte Perfektformen des Präteritums in der Bedeutung einfacher Formen verwendet werden.
Als ich zurückkam, erkannte man mich nicht – ich hatte damals ein solches Aussehen gehabt. Kalt (DAK). — Warst du Fischer? — Ich war einer gewesen. Vnt. So zeigt die Sprache (ihr Wortschatz), dass bei den Aisten schon seit unvordenklichen Zeiten gepflügt, geeggt und gesät wurde. Es hatte noch weder Litauer noch Letten noch Preußen als getrennte Völker mit eigenen Sprachen gegeben, und doch hatte man all dies bereits gekonnt. BūgRR II 8.
Solche Fälle sind sehr selten und sporadisch.
Das häufige Präteritum
§ 23. Zusammengesetzte Perfektformen des häufigen Präteritums bezeichnen einen durch eine frühere Handlung erreichten Resultatszustand, der in der Vergangenheit eine unbestimmte Anzahl von Malen andauerte.
Sabaliūnas liebte kleine Kinder nicht weniger als Bienen; deshalb war er während der Bienenpflege nicht nur von Bienen, sondern auch von Kindern umringt. BūR I 184. Wahrscheinlich hatten sich die Flügel des [Käfers] durch die lange Reise auf einem Blumen- oder Grashalm unordentlich verdreht. SimonVK I 202. Die Dickiai (Hunde) waren tagsüber angebunden, nachts ließ man einen von ihnen frei. Vlkv(DT). Neun ganze Monate lang waren die Mönche von der ganzen Welt abgeschnitten. VienR I 26.
Die zusammengesetzten Perfektformen des häufigen Präteritums stehen ihrer Bedeutung nach in Beziehung zu den einfachen Formen des häufigen Präteritums (oder zu den zusammengesetzten Passivformen des häufigen Präteritums, die eine häufig wiederholte vergangene Handlung bezeichnen), mitunter auch zu den einfachen Formen des Präteritums, die eine häufig wiederholte vergangene Handlung ausdrücken. Sie können dazu dienen, die zeitlichen Beziehungen zwischen der Handlung des Hauptsatzes und der des Nebensatzes auszudrücken.
Mama zog Barbikė ja auch immer aus, wenn sie durchnässt war, und legte sie ins Bett. SimonVK II 87. Wie ein kleines Freiwilligenmädchen setzte man Monika sofort auf den Schoß, legte ihr ein Bonbon oder irgendeine Kleinigkeit in die Hände, und wenn sie sich hingelegt hatte, zerrte man sie aus dem Bett. CvR VIII 214. Als der Hirte weggelaufen war, war es für den Bauern nicht leicht, einen anderen zu dingen, denn alle Knechte hatten sich bereits verdingt. GlKS 176.
§ 24. Mit den Perfektformen des häufigen Präteritums wird auch ein durch eine frühere Handlung erreichter Resultatszustand ausgedrückt, der in der Vergangenheit ununterbrochen andauerte, für den Sprecher aber nur zu einzelnen vergangenen Zeitpunkten von Bedeutung ist.
Was war nur mit ihm geschehen – er war immer herausgeputzt gewesen, und jetzt ist er ein völlig verwahrloster Kerl. Kp (LKŽ I 218). Er mochte Palmutė auch deshalb nicht, weil sie immer schön herausgeputzt, stets blitzsauber war; mit ihr konnte man weder richtig spielen noch herumrennen noch zu den Kindern der Knechte hinlaufen. VienR V 190. Im Haus von Frau Akauzė gab es ein Zimmer, das stets verschlossen war, und Muku bekam nie zu sehen, was sich darin befand. BalčHP₁ 86—87. Meistens lagen die Weiden weit entfernt, wenn das Dorf groß war sogar drei Kilometer weit. Sie waren mit Sträuchern bewachsen. GlKS 203. Altmodische Kühe
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Page 17stets waren sie aus schlechterem Garn gewebt. Rdm (LKŽ I 412). Die Speicher waren, ebenso wie die Wohnhäuser, mit einem Ende zur Straße hin ausgerichtet. GIKS 88.
§ 25. Die zusammengesetzten Perfektformen des häufigen Präteritums werden recht selten verwendet. An ihrer Stelle werden häufig die Perfektformen des punktuellen Präteritums gebraucht (vgl. § 18); bisweilen, insbesondere in Nebensätzen, treten an ihre Stelle die einfachen Formen des häufigen Präteritums. Letztere unterscheiden sich von den Perfektformen durch eine schwächere Bedeutung des Resultatszustands.
Dafür suchten im Hochsommer, wenn der Schnee auf den niedrigeren Bergen antaute und die Gletscherbäche zurückgingen, zahlreiche Menschen das Kloster auf und brachten viel Geld und Lebensmittel mit. VienR I 26.
Futur
§ 26. Die zusammengesetzten Perfektformen des Futurs bezeichnen einen durch eine frühere Handlung erreichten Resultatszustand, der in der Zukunft erwartet oder vorgestellt wird.
Wie andere Perfektformen bezeichnen die Futurformen meist einen konkreten Resultatszustand, seltener einen verallgemeinerten.
„Natürlich werden wir nichts zurückgeben“, stimmt Martynas Vilius scheinbar zu. „Du meine Güte, wir werden schon alles fein verzehrt haben …“ SimonVK II 310. Bei solch einer Krankheit wird er binnen ein paar Tagen an den Wänden erkrankt sein. Vvr (LKŽ II 734). Schlag nur zu, du wirst die Mutter erschlagen haben, nicht eine Fremde. SimonVK II 345–346. Du wirst überhaupt keinen Hals haben; dein Kopf wird direkt mit den Schultern zusammengewachsen sein! BalčHP1 142. Doch, um Himmels willen, bloß nicht lachen, sonst sind wir für immer verloren! BalčHP1 17. So einen Krug (ein solches Kännchen) lasse ich nicht mit aufs Feld nehmen; sie werden ihn sonst noch zerschlagen haben. Ms(LKŽ I 1005). Was soll das, Jonas: Wenn ich absage, wird an meiner Stelle schon jemand anderes eingeladen worden sein – was werden die Leute sagen: Brüder, wir leben unter einem Dach, und dann das – keiner von beiden! VienR V 83.
Das werden nur diejenigen verstehen, die selbst schon in einer solchen Notlage gewesen sein werden. Grž (LKŽ „k“ s.v. katras).
Im Unterschied zu den Präsens- und Präteritumsformen, mit denen reale Handlungen der Gegenwart oder Vergangenheit bezeichnet werden, drücken die Futurformen Handlungen aus, die in der Zukunft lediglich erwartet oder vorgestellt werden. Daher erhält die Bedeutung sowohl der einfachen als auch der zusammengesetzten Perfektformen des Futurs meist verschiedene zusätzliche modale und emotionale Nuancen. Wie aus den angeführten Beispielen ersichtlich ist, wird mit den Perfektformen des Futurs ein durch eine frühere Handlung erreichter Resultatszustand als möglich, notwendig, unvermeidlich, mitunter als Drohung oder Warnung und Ähnliches dargestellt.
Die zusammengesetzten Perfektformen des Futurs werden im Futurkontext vergleichsweise selten verwendet. Meist bezeichnen sie einen einzelnen, für die Zukunft erwarteten Resultatszustand.
Gehen wir gar nicht erst zu ihnen, was soll’s, sie werden sowieso weggefahren sein. Vilky (DAK). Jonas muss dieses Jahr noch den letzten Schwad mähen; nächstes Jahr wird er schon verheiratet sein. Brt (LKŽ I 783–784). Und unglücklich ist der Mensch, dessen Gesicht keine Träne gewaschen hat: Ihm wird der Himmel verschlossen sein! MairRR I 107.
Im Futurkontext verwendet, stehen die zusammengesetzten Perfektformen des Futurs ihrer Bedeutung nach in Beziehung zu den einfachen Futurformen: Sie bezeichnen einen Resultatszustand, der gleichzeitig mit den durch die einfachen Formen bezeichneten Handlungen besteht, jedoch durch eine frühere Handlung erreicht wurde.
Sie werden unter dem Stern der Wahrheit geboren sein, im Zeichen des unvergänglichen Tages – sie werden die taube Explosion nicht hören, nicht das schreckliche Lied der Bomber. SNėrP1 284. Wir gehen danach mit den Männern ins Badehaus –
3. Lietuvių kalbos gramatikos tyrinėjimai
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Page 18Die ganze Gnade wird dahin sein. Ktk (LKŽ III 30). Wenn der Schwiegersohn zurückkehrt, wird der Hof verwüstet sein... SimonVK II 67.
Wie andere perfektive Formen werden auch die Futurformen häufig verwendet, um die zeitlichen Beziehungen zwischen den Handlungen im Haupt- und Nebensatz auszudrücken.
Gut, zuerst singe ich dir vor, und wenn du dich ausgeruht haben wirst, gehst du das Mittagessen kochen, ja? SimonVK II 88. Auf unseren Wiesen werden wieder von früh an die Sensen klirren; alle, die sich zur Arbeit erhoben haben werden, werden fröhlich arbeiten, nachdem sie gegessen haben. GirR II 257. Wenn du in solchen Fällen versuchen wirst herauszufinden, wie lange die Krankheit gedauert haben wird, wirst du gewöhnlich eine sehr unklare Antwort erhalten. AvižATD 5. Nur wo werde ich dich noch sehen, wenn ich begraben sein werde, wie du sagst. BaltPV1 I 188.
Wenn die Sommerfrucht heranreift, werden wir den Roggen bereits eingefahren haben. Knv (LKŽ II 793). Wenn du hingehst, wird der ganze Topf bereits mit ihren Tränen gefüllt sein. JablRR I 310.
§ 27. Die zusammengesetzten Perfektformen des Futurs werden verwendet, um Vermutungen auszudrücken, die sich auf die Gegenwart beziehen. Meistens bezeichnen sie einen vermuteten konkreten resultativen Zustand, der zum Sprechzeitpunkt andauert.
Der Hirte nahm die Peitsche, um sie knallen zu lassen, und wird nun irgendwo schon damit geknallt haben. Grš(LKŽ II 65). Unter den Leuten geht jedoch weithin das Gerücht um, dass er seine Seele geradezu dem Teufel verschrieben haben wird, seit jener schrecklichen Nacht, als er, von Argwohn getäuscht, seine Liebste ertränkte. MairRR I 167. Lass mich, Vater, zum ersten Mal ein wenig herumlaufen: Hat deine erdschwere Weisheit die Sonne wohl nicht mit Schatten verhüllt, die den Menschen doch erleuchtet und erquickt? SruogR III 499. Ich sehe schon, wer hier schuld ist; die böse Tante wird uns verleumdet haben! BalčHP1 5. Und David begann zu jammern, wer hier wohl ihr „Hühnchen“ gestohlen haben werde. VaižgDD 123. Nicht einmal am Altar hat Gailiūnikė „Ja“ gesagt. Aber das wird wohl erfunden sein. SimonVK I 324.
Seltener bezeichnen die Perfektformen des Futurs einen vermuteten allgemeinen resultativen Zustand.
Du wirst wohl dort gearbeitet haben. Grž (LKŽ I 994). Du wirst doch gehört haben, dass Gaidys sie (seine Frau) gekauft hat? SimonVK I 315. Im Altertum sollen die Zaumzeuge der Letten aus zwei Stämmen eines krummen Baums bestanden haben, das heißt aus zwei Schlittenkufen. BūgKS 19. Du wirst sie sicher gesehen haben. Prm (DAK).
Die Vermutungsbedeutung wird durch die Eigenart des Futurs bedingt. Da die Futurformen nicht das bezeichnen, was tatsächlich geschieht oder geschehen ist, sondern das, was geschehen kann und weit weniger sicher ist, eignen sie sich auch dazu, nicht ganz sicher Bekanntes, Vermutetes auszudrücken10.
§ 28. Hin und wieder wird mit Perfektformen des Futurs ein habitueller resultativer Zustand bezeichnet, der sich von Zeit zu Zeit in der Gegenwart (a) oder in der Vergangenheit (b) wiederholt.
a) Sieh nur, es regnet wie aus Eimern oder es friert, dass es kracht – Jokūbas bleibt immer munter. Auch wenn er am Vorabend ordentlich gebechert haben wird, kommt er trotzdem (trš). Die Birken sind weder furchterregend noch tückisch, nur verschlagene Verführer. Sie rascheln, rascheln mit ihren kleinen Blättern; es scheint, als wäre nichts, und sieh nur – schon wirst du dich irgendwo in einer anderen Gegend wiedergefunden haben. VaižgDD 79. Unsere Männer hatten kein Glück – dem einen wird dies, dem anderen etwas anderes durchlöchert worden sein. Vž (LKŽ II 8).
b) Den Kindern ging die Nahrung aus; die nicht gestillte Martynienė musste das große Kissen verkaufen. Für das Geld kaufte sie Lebensmittel. Morgens, wenn sie zur Tante ging, ließ sie etwas, das sie gekocht hatte, am Feuer bei Barbora stehen und bat sie, es den Kindern zu geben, wenn sie aufwachten... Manchmal war Barbora irgendwohin gegangen, manchmal vergaß sie die Kinder, obwohl sie zu Hause war. ŽemR II 406—407.
10 Entsprechende zusammengesetzte Futurformen werden zum Ausdruck von Vermutungen auch in einigen anderen Sprachen verwendet, zum Beispiel im Lettischen, Deutschen, Englischen, Französischen und Bulgarischen.
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Page 19In diesen Fällen werden die zusammengesetzten Perfektformen des Futurs aus stilistischen Gründen anstelle der zusammengesetzten Perfektformen des Präsens oder des Präteritums sowie des habituellen Präteritums verwendet11.
§ 29. Mitunter wird durch zusammengesetzte Perfektformen des Futurs ein resultierender Zustand ausgedrückt, der durch eine frühere Handlung herbeigeführt wurde und tatsächlich bereits zum Sprechzeitpunkt andauert, vom Sprecher jedoch der Zukunft zugerechnet wird.
„Jetzt werde ich wohl auch den Wolf gesehen haben“, sagte Jonas, als er aus dem Tiergarten kam. JabRR I 317. Jetzt wird er (Mykoliukas) einen neuen Raum gefunden haben, dem er wieder zulächeln wird, in dem er leben wird und um dessentwillen er die Mühen und Schwierigkeiten des Tages nicht sehen wird. VaižgDD 29. Obwohl ich bis ins hohe Alter in Kaunas gewesen sein werde. Kvr(DAK). Jetzt werde auch ich gescholten worden sein. JabRR I 318.
Das Verhältnis der Bedeutung zusammengesetzter Perfektformen zur Aktionsart des Verbs
§ 30. Zusammengesetzte Perfektformen kommen sowohl bei Verben der durativen als auch bei Verben der perfektiven Aktionsart vor; am häufigsten werden jedoch Formen perfektiver Verben verwendet. Dies lässt sich damit erklären, dass die zur Bildung zusammengesetzter Perfektformen verwendeten Partizipien des Präteritums ebenfalls überwiegend von perfektiven Verben gebildet werden.
Perfektformen von Verben der durativen Aktionsart weisen eine deutlich schwächere Bedeutung des resultierenden Zustands auf als Formen perfektiver Verben, da die von ihnen bezeichnete Handlung nicht abgeschlossen ist und keine qualitativen Veränderungen der Tätigkeit oder des Zustands des Handelnden herbeigeführt hat.
Die für zusammengesetzte Perfektformen typische Bedeutung des resultierenden Zustands beeinflusst mitunter die Aktionsartbedeutung von Verben. So werden beispielsweise Perfektformen solcher Verben, deren einfache Formen des Präteritums sowohl durative als auch perfektive Bedeutung haben können (beendete, bestimmte, trennte, kehrte zurück, verwandelte sich, kaufte, lud ein usw.), meist in perfektiver Bedeutung verwendet.
Nach einigen Jahren sind wir schon fertig — wir brauchen nur noch ein wenig Erde... TilvU 58. Und alle liebten Meilūžė wegen ihres heiteren Wesens und ihres guten Herzens, besonders aber der alte Schwiegervater Kirklys, dem die Götter keine leibliche Tochter beschieden hatten... KrėvP 33. Da sie erst kürzlich aus dem Krankenhaus zurückgekehrt war, nahm man auf ihren Zustand Rücksicht. SimonVK II 392. Die Erde lag gefroren unter dem Schnee. Und das Brot war zu Stein geworden. TilvU 135. Wart nur, bis der Richter dieser Welt dir erscheint und die Herren ebenso wie uns, nachdem er sie allesamt zusammengerufen hat, jedem den Lohn zuteilt, den er verdient hat. DonR 104. So billig hatte ich einen solchen Stoff gekauft, und was für ein hübscher Rock daraus geworden ist! Grk (LKŽ I 319). Alle tapferen Feldherren waren gefallen, und mit ihnen war auch die Freiheit des Vaterlandes ins Grab gegangen. DaukRR 129. Wenn die Sache sich so entwickelt hat, dann war es wohl so bestimmt... BinkRn 130. Die hölzerne Kirche von Ylakiai ist zweimal durchbohrt worden — von vorne und von hinten. Šts (LKŽ II 648). Der Unterricht am Gymnasium lief weiterhin seinen gewohnten Gang, doch das Trimester war bereits beendet. VienR V 149.
Außerdem werden Perfektformen solcher Verben meist in perfektiver Bedeutung verwendet, die ansonsten durativ sind, deren einfache Formen des Präteritums jedoch perfektive Bedeutung haben können (z. B.: Habt ihr dieses Jahr viel Flachs gesät?).
Ich hatte nicht viel gesät, aber weil die Ernte gut ausfiel, wird es fürs Brot reichen. Šmk (LKŽ I 685). Und gerade an jenem Tag hatten sie ein Schaf geschlachtet, deshalb bekamen sie ordentlich zu essen. VIkv (DT). Er hatte
11Zur Bezeichnung regelmäßiger gegenwärtiger und vergangener Handlungen werden ebenfalls die einfachen Formen des Futurs verwendet; siehe J. Pikčilingis, Veiksmažodžio laikų vartojimas, „Tarybinė mokykla“, 1958, Nr. 8, S. 29.
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Page 20glaubte, es sei ein Räuber, ein entkommener Wahnsinniger, schließlich, es sei Graf Dracula, von dem er vor nicht allzu langer Zeit ein Buch gelesen hatte. CvR III 84. Plötzlich riss es ihm direkt unter der Nase zwei Röcke und zwei Tüchlein weg... Aber was für welche? Seidene, für die drei Rubel pro Stück bezahlt worden waren! ŽemR II 292. Dieser Korb war aus biegsamen Weidenruten geflochten. Slnt (LKŽ VI 559). Die Königin, die der Klarheit und Herzlichkeit des Briefes nicht ganz traute, da er auf Deutsch geschrieben war, fügte eigenhändig noch einige Worte auf Litauisch hinzu. SimonVK I 110.
Manchmal haben alle anderen konjugierten Verbformen die Bedeutung des durativen Aspekts, nur die perfektiven Formen die des punktuellen Aspekts.
Es ist gefroren – es wird glitschig sein, zu fahren. Ggr (LKŽ III 409). Die Presse war verboten. Alv (DAK).
Alle passiven Perfektformen haben meist die Bedeutung des punktuellen Aspekts. Dies hängt zum Teil von den sie bildenden Partizipien der Vergangenheit ab. Passive Partizipien der Vergangenheit haben, obwohl sie von Verben des durativen Aspekts abgeleitet sind, recht häufig die Bedeutung des punktuellen Aspekts, z. B.: getrocknetes Brot, gebackene Äpfel, gekochte Kartoffeln, gesponnene Fäden, eine gestrickte Mütze, geflickte Pelze und dergleichen.
Der Gebrauch der zusammengesetzten Perfektzeiten in Schriften des 16.–17. Jahrhunderts
§ 31. Der Gebrauch der zusammengesetzten Perfektzeiten in Schriften des 16.–17. Jahrhunderts unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von ihrem heutigen Gebrauch. Mit diesen Zeiten wird meist ein konkreter resultierender Zustand bezeichnet, der durch eine frühere Handlung erreicht wurde und zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft andauert.
Dann wollen wir von diesem Pfand befreit sein, das wir dir geschworen haben. BrB Joz 2,20. Christus ist von den Toten auferstanden | Seht, wo er gelegen hat. Mž 278. Der Reiche, der in Purpur und sehr feinem weißen Leinen gekleidet war, ist in der Hölle begraben. SP 55.
Am Feld des faulen Menschen ging ich vorbei und am Weinberg des törichten Mannes; siehe, ringsum war alles mit Disteln bewachsen, und seine Oberfläche war mit Dornen überwuchert oder verhärtet, und die Steinmauer war verfallen. SP 321. Als aber die Sonne untergegangen war, befahl er ihnen, ihn von den Bäumen herunterzunehmen, und sie warfen ihn in die Höhle, in der er sich versteckt hatte. BrB Joz 10, 27.
Und wenn ihr die Stadt eingenommen habt, dann zündet sie an. BrB Joz 8,8. Und die Menschen, die erschaffen werden, werden den Herrn preisen. Mž 474.
Seltener bezeichnen die Perfektformen einen allgemeinen resultierenden Zustand, der durch eine Handlung in unbestimmter Vergangenheit erreicht wurde.
Dort werdet ihr sehen, wie er die Stummen getadelt hat. BrP II 4. Wer früher mit einem Namen Christ genannt wurde, der heißt nun Lutheraner, ein anderer Zwinglianer, ein anderer Calvinist. DP 246. Damals... wichen sie vom Weg ab, den ihre Väter in ihrer Kindheit gegangen waren. BrB Teis 11,39.
§ 32. Unter dem Einfluss anderer Sprachen werden zusammengesetzte Perfektformen in Schriften des 16.–17. Jahrhunderts manchmal anders gebraucht als heute.
Mit zusammengesetzten Perfektformen der Gegenwart werden, ähnlich wie mit einfachen Formen des Präteritums, vergangene Ereignisse erzählt, die keinerlei Bezug zur Gegenwart haben.
O Gott, wann bist du vor den Menschen gegangen | und an ihnen vorübergezogen, über die Wüste. Die Erde bebte und der Himmel ließ es regnen wegen | der Gegenwart Gottes auf dem Sinai. Mž 288. [Hiob] hatte sieben Söhne | Dazu drei sehr schöne Töchter | Die Gott sehr geliebt hat
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Page 21Gesundheit und Segen sind ihnen beschieden. Mž 431. Und er erkannte sie, oder sie erkannten ihn, als er mit ihnen zusammensaß und Brot nahm und es segnete und brach und ihnen gab. DP 192. Er sprach, und so geschah alles; er sagte, und alles wurde erschaffen: Mit seinem Wort machte er alles aus dem Nichts. DP 133. Christus kam zu unserem Elend, hungerte, ermüdete, schlief, tat Wunder, litt Böses: Er wurde gegeißelt, mit einer Dornenkrone gekrönt, bespuckt, mit den Händen geschlagen, an einen Baum gehängt, mit einer Lanze durchbohrt, ins Grab gelegt, doch am dritten Tag stand er von den Toten auf. DP 200. Und wie er vor allen Sehenden verkündet hatte, ist er von der Erde in die Höhe erhoben worden. Mž 303.
Die meisten der auf diese Weise verwendeten Perfektformen des Präsens wurden in den Schriften (Liedern) von M. Mažvydas festgestellt; einige kommen in der Postille von M. Daukša vor, während Passivformen auch in den Schriften anderer Autoren belegt sind. Da uns die Originale der meisten Lieder von M. Mažvydas nicht zugänglich waren, lässt sich schwer sagen, welchen Verbalformen dort unsere Perfektformen des Präsens entsprechen. Mit dem Original lässt sich nur ein aus dem Polnischen übersetztes Lied vergleichen, in dem solche Perfektformen verwendet werden.
Aus Maria, der reinen Jungfrau, | ist geboren (poln. narodzil się) ein starker, wahrer Mann | Und aus seiner Güte | uns arme Sünder erlöst | Ist gestorben (poln. jest ci umarl) am Kreuz | Und sein Blut gegeben | Ist von den Toten auferstanden (poln. jest wstal). Mž 367—36812.
Wie wir sehen, stimmen die in beiden Texten verwendeten Verbformen nur teilweise überein.
In der Postille von M. Daukša entsprechen die auf diese Weise verwendeten aktiven Perfektformen des Präsens überall den einfachen Präteritumformen des polnischen Originals; beim Übersetzen scheint M. Daukša jedoch auch den lateinischen Text herangezogen zu haben (vgl.: und er erkannte sie, oder sie erkannten ihn DP 192, ssâlo sie WjP 407, factum est Luk 24, 30). Möglicherweise hat das Lateinische auch auf die Übersetzungen der Lieder von M. Mažvydas eingewirkt. Ebenso könnte das Deutsche Einfluss ausgeübt haben, wo die Bedeutung der Perfektformen in vielen Fällen nur schwer von der Bedeutung des Präteritums zu unterscheiden ist13.
Einen gewissen Anstoß zur Verwendung von Perfektformen für die Bezeichnung von Handlungen in ferner Vergangenheit könnte auch die Bedeutung der Perfektformen des Präsens selbst gegeben haben: Da sie einen verallgemeinerten Resultatszustand ausdrücken, weisen Perfektformen des Präsens eine sehr ausgeprägte Bedeutung einer Handlung in unbestimmter Vergangenheit auf.
Die passiven Perfektformen des Präsens, die in Erzählungen über vergangene Ereignisse verwendet werden, sind in der Postille von M. Daukša durch wörtliche Übersetzung entstanden: An allen entsprechenden Stellen des polnischen Textes stehen Passivformen, die aus passiven Partizipien des Präteritums mit oder ohne Präsensformen des Hilfsverbs *sein* gebildet sind. Letztere wiederum sind wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt, wo in diesen Fällen zusammengesetzte passive Perfektformen gleicher Zusammensetzung verwendet werden (vgl.: Und so ist W. Jesus, nachdem er dies gesagt hatte, in den Himmel aufgenommen worden. DP 225; wzięty jest WjP 379; assumptus est. Mork 16, 19)14.
12 Die polnischen Formen werden nach Chr. Stang zitiert, Die Sprache des litauischen Katechismus von Mažvydas, Oslo, 1929, p. 39.
13 Vgl. W. Wilmanns, Deutsche Grammatik, Abt. III, Hälfte 1, Strassburg, 1906, p. 189—191.
14 Bei der Erörterung gleichartig aufgebauter und ebenso verwendeter Passivformen in schriftlichen Denkmälern des Russischen aus dem 16. und 17. Jahrhundert hält auch P. Kuznecov sie für eine Folge des Einflusses der lateinischen Sprache; siehe П. С. Кузнецов, К вопросу о сказуемостном употреблении страдательных причастий в русском литературном языке XVIII и начала XIX века, „Труды института русского языка АН СССР“, т. II, 1950, p. 164—166.
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Page 22§ 33. Bei wörtlicher Übersetzung werden passivische perfektische Formen des Präsens manchmal auch verwendet, um einen für die Zukunft erwarteten resultativen Zustand zu bezeichnen.
Empfanget den Heiligen Geist; wem ihr die Sünden erlasst... denen sind sie erlassen (= są odpuszczone WjP 429; remittuntur Jon 20, 23), und wem ihr sie vorenthaltet... denen sind sie vorenthalten (= są zátrzymane WjP 429; retenta sunt Jon 20, 23). DP 203. Empfanget den Heiligen Geist: wem ihr die Sünden erlasst, denen werden sie erlassen sein, und wem ihr sie vorenthaltet, denen werden sie vorenthalten sein. BnP II 42.
§ 34. Wörtlich aus dem Polnischen übersetzt sind die passivischen perfektischen Formen des Präteritums der Verben können, haben, müssen, die mit der Bedeutung einer vergangenen Handlung verwendet werden.
Denn auch jener konnte es (= byl mog WjP 274), er ließ sich überreden, ebenso wie auch wir Ungläubigen uns nicht überreden ließen. DP 126. Und damit die Größe ihres Herzens sich freue, setzte er beim letzten Abendmahl, als er mit den Jüngern das Lamm gegessen hatte, dieses Sakrament ein. = mial byl WjP 554) — damit er zum Vater dieser Welt gehe. DP 268. Es war nötig (= potrzeba bylo WjP 404), dass W. Christus litt und so in seine Herrlichkeit einging. DP 191.
Schlussfolgerungen
1. Die grundlegende Bedeutung der zusammengesetzten perfektischen Verbformen ist eine relative-resultative: Perfektische Formen bezeichnen einen durch eine frühere Handlung erreichten resultativen Zustand, der zu einem bestimmten Zeitpunkt der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft andauert. Allen Tempora der perfektischen Formen sind zwei Schattierungen dieser Bedeutung eigen: ein konkreter resultativer Zustand und ein verallgemeinerter resultativer Zustand. Einen konkreten resultativen Zustand drücken meist die Formen von Verben des perfektiven Aspekts aus, einen verallgemeinerten dagegen die des imperfektiven Aspekts.
2. Zusammengesetzte perfektische Formen stehen einerseits zu den entsprechenden einfachen Tempusformen im Verhältnis bestimmter, im weiteren Sinne verstandener verschiedener Aspektformen und andererseits im Verhältnis von Formen mit relativer und absoluter Zeitbedeutung.
3. Perfektische Formen des Präteritums können eine bestimmte, durch den Kontext bedingte Bedeutungsnuance aufweisen: Formen von Verben des perfektiven Aspekts bezeichnen einen abgebrochenen resultativen Zustand, Formen von Verben des imperfektiven Aspekts dagegen eine unterbrochene vergangene Handlung.
4. Perfektische Formen des Futurs werden aufgrund der Besonderheiten des Futurs sehr häufig mit modaler Vermutungsbedeutung verwendet. In diesen Fällen entsprechen sie hinsichtlich ihrer Zeitbedeutung den perfektischen Präsensformen.
5. Die relative-resultative Bedeutung zusammengesetzter perfektischer Formen beeinflusst manchmal den Aspekt der Verben; infolgedessen werden perfektische Formen einiger imperfektiver Verben in perfektiver Bedeutung verwendet.
6. Neben zusammengesetzten perfektischen Formen des Präsens und des Präteritums werden recht häufig einfache Formen des Präteritums mit derselben Bedeutung verwendet; sie unterscheiden sich jedoch gewöhnlich durch eine bestimmte Nuance: Im Vergleich zu den zusammengesetzten Formen haben die einfachen eine ausgeprägtere Bedeutung der vorausgehenden Handlung und drücken deren Verbindung mit der nachfolgenden Zeitebene weniger deutlich aus. Daher unterscheidet sich die Verwendung der beiden Formtypen geringfügig.
7. In Schriften des 16.–17. Jahrhunderts werden zusammengesetzte perfektische Formen ähnlich wie heute verwendet. Beobachtete Unterschiede zum heutigen Sprachgebrauch sind durch den Einfluss anderer Sprachen entstanden.
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Page 23BEDEUTUNGEN UND GEBRAUCH DER ZUSAMMENGESETZTEN PERFEKTISCHEN ZEITFORMEN
Н. СЛИЖЕНЕ
Zusammenfassung
Der Artikel behandelt die Bedeutungen und den Gebrauch der zusammengesetzten perfektischen Zeitformen des Indikativs vor allem im modernen litauischen Schriftsprachgebrauch; zum Vergleich werden jedoch auch Materialien aus litauischen Sprachdenkmälern des 16. und 17. Jahrhunderts herangezogen.
Die Grundbedeutung der zusammengesetzten perfektischen Zeitformen des Litauischen ist relativ-resultativ: Die perfektischen Formen bezeichnen einen durch eine vorangegangene Handlung erreichten resultativen Zustand, der zu einem bestimmten Zeitpunkt der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft andauert. Je nach Kontext können alle perfektischen Zeitformen entweder einen konkreten resultativen Zustand bezeichnen, der durch eine konkrete vorangegangene Handlung erreicht wurde, z. B.: Kur tvartai buvo, dabar riogso mūrai; iš tų mūrų atkvepia kvapas: daug gyvų daiktų yra čia sudegę. – Wo früher Ställe standen, ragen jetzt Steinmauern auf; von diesen Mauern weht ein Geruch herüber: Viele Lebewesen sind hier verbrannt (wörtlich: sind verbrannte) (I. Simonaititė), oder einen verallgemeinerten resultativen Zustand, der durch eine verallgemeinerte Handlung in einer unbestimmten Vergangenheit erreicht wurde, z. B.: Juk Vilius yra laikęs Ilzę savo glėby, gal jis ją karščiau mylėjo, negu ją — Grėte. – Vilius hat Ilze doch in seinen Armen gehalten; vielleicht hat er sie leidenschaftlicher geliebt als Grėtė (I. Simonaititė). Die erste Bedeutungsnuance nehmen perfektische Formen von Verben des perfektiven Aspekts häufiger an, die zweite dagegen Formen von Verben des imperfektiven Aspekts, insbesondere Präsensformen.
Die Bedeutung der zusammengesetzten perfektischen Formen steht in Beziehung zur Bedeutung der einfachen Formen der entsprechenden Zeit, denn die durch die perfektischen Formen ausgedrückte Handlung gilt als vorangegangen nicht nur gegenüber dem erreichten resultativen Zustand, sondern auch gegenüber allen gleichzeitig damit stattfindenden Handlungen und Zuständen, die durch die entsprechenden einfachen Zeitformen ausgedrückt werden. Deshalb werden zusammengesetzte perfektische Formen häufig verwendet, um die Zeitverhältnisse zwischen den Handlungen des Haupt- und des Nebensatzes auszudrücken. Somit stehen zusammengesetzte perfektische Formen zu den einfachen Zeitformen einerseits als Formen mit relativer Zeitbedeutung und andererseits als Formen mit resultativer Bedeutung in Beziehung, d. h. hinsichtlich des Aspekts, sofern man Aspekt im weiteren Sinne versteht.
Zusammengesetzte perfektische Formen der einmaligen Vergangenheit nehmen in entsprechendem Kontext eine gewisse kontextbedingte Bedeutungsnuance an. Formen von Verben des perfektiven Aspekts bezeichnen einen unterbrochenen resultativen Zustand, der durch eine vorangegangene Handlung erreicht wurde, z. B.: Tu negirdėjai, šiąnakt vėl kažin kas buvo atėjęs avižų vogti. – Du hast es nicht gehört: In jener Nacht war wieder jemand gekommen (wörtlich: war gekommen), um Hafer zu stehlen (A. Vienuolis). Formen von Verben des imperfektiven Aspekts bezeichnen eine unterbrochene vorangegangene Handlung, z. B.: Jau buvo norėjęs prašytis į
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Page 24das Gefängniskrankenhaus, aber nachdem er sich mit mir und den anderen Nachbarn beraten hatte, beschloss er zu warten – vielleicht würde er sich noch erholen. – Er hatte schon ins Gefängniskrankenhaus gehen wollen, aber nachdem er sich mit mir und den anderen Nachbarn beraten hatte, beschloss er zu warten – vielleicht würde er sich noch erholen (A. Vienuolis). Manchmal kommt die Bedeutung der zusammengesetzten perfektischen Formen in diesen Fällen der Bedeutung zusammengesetzter inchoativer Formen der einmaligen Vergangenheit nahe, vgl.: Uožvienė buvo benorinti į turgų važiuoti, bet suleido kelionę. – Die Schwiegermutter wollte schon zum Markt fahren, fuhr dann aber doch nicht (I. Simonaititė).
Zusammengesetzte perfektische Zukunftsformen werden neben ihrer grundlegenden relativ-resultativen Bedeutung sehr häufig mit modaler Vermutungsbedeutung verwendet, z. B.: Juk būsi girdėjusi, kad Gaidys ją (žmoną) nusipirko? – Du hast doch wahrscheinlich gehört, dass Gaidys sie (seine Frau) gekauft hat? (wörtlich: wirst gehört haben) (I. Simonaititė). Ihre zeitliche Bedeutung fällt in solchen Fällen mit der Bedeutung der perfektischen Präsensformen zusammen.
Die relativ-resultative Bedeutung der perfektischen Formen beeinflusst manchmal den verbalen Aspekt. Daher werden zusammengesetzte perfektische Formen einiger Verben des imperfektiven Aspekts häufig mit perfektiver Bedeutung verwendet.
Einfache Formen der einmaligen Vergangenheit erhalten in entsprechendem Kontext recht häufig eine Bedeutung, die der Bedeutung zusammengesetzter perfektischer Präsens- oder Vergangenheitsformen sehr nahekommt. Dennoch ist die Bedeutung der einfachen Zeitformen in solchen Fällen nicht gleichwertig mit der Bedeutung der zusammengesetzten perfektischen Formen: Die einfachen Formen heben die vorangegangene Handlung stärker hervor und drücken ihre Verbindung mit der nachfolgenden Zeitebene schwächer aus. Je nach Kontext tritt dieser Unterschied mehr oder weniger deutlich hervor.
In litauischen Sprachdenkmälern des 16. und 17. Jahrhunderts unterscheiden sich die zusammengesetzten perfektischen Formen in ihrem Gebrauch gewöhnlich nicht von den entsprechenden Formen des modernen Litauischen. Einige Unterschiede entstanden unter dem Einfluss anderer Sprachen (zum Beispiel des Polnischen und des Lateinischen).
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