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IŠ LIETUVIŲ KALBOTYROS ISTORIJOS

LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XX (1980)

A. VANAGAS

K. BŪGA – DER BEGRÜNDER DER LITAUISCHEN ONOMASTIK

Das Leben und die wissenschaftliche Tätigkeit unseres großen Landsmannes K. Būga, des bedeutendsten Vertreters der litauischen Sprachwissenschaft, sind bereits eingehend dargestellt und grundlegend gewürdigt worden. Vor allem ist hier die gemeinsame Studie „Kazimieras Būga“ von Z. Zinkevičius und J. Kabelka zu nennen, die im ersten Band der Gesammelten Schriften von K. Būga veröffentlicht wurde1. In dieser Studie wird auch der onomastischen Tätigkeit K. Būgas beträchtlicher Raum gewidmet. Daher wird unser Artikel bemüht sein, soweit wie möglich nicht zu wiederholen, was Z. Zinkevičius und J. Kabelka bereits ausführlicher interpretiert haben, sondern vor allem versuchen, K. Būgas onomastische Tätigkeit aus der Perspektive des heutigen Standes dieses Wissenschaftszweigs zu bewerten. Selbstverständlich ist dies eine äußerst schwierige und komplexe Aufgabe. Das liegt vor allem daran, dass K. Būgas Untersuchungen und Schlussfolgerungen zum Namenbestand mit der fernsten Vergangenheit der Balten und ihrer Nachbarn, ihrer Urheimat und Fragen der Migration verknüpft waren, kurz: Sie dienten der ethnogenetischen Problematik. Damit erweitert sich der Bewertungsrahmen erheblich und umfasst viele Probleme, die weit über die Grenzen der spezifisch linguistischen Fragestellung hinausgehen. Die Bewertung der onomastischen Studien K. Būgas wird zudem dadurch erschwert, dass auch heute die Lösung der Probleme der baltischen Ethnogenese noch in den Anfängen steckt und von zahlreichen höchst widersprüchlichen Hypothesen und Annahmen geprägt ist. Hinzuzufügen ist, dass die Entwicklung dieser Problemstellung auch durch die Arbeiten K. Būgas selbst angeregt wurde und weiterhin angeregt wird.

Zu bedenken ist auch, dass K. Būgas außergewöhnliche Gelehrsamkeit und Kompetenz auf dem Gebiet der baltischen Onomastik dazu führten, dass die Arbeiten dieses Wissenschaftlers auch heute sehr häufig noch das letzte Wort der Wissenschaft darstellen, dem niemand auch nur zu widersprechen versucht hat.

Andererseits ist die litauische, baltische, slawische, germanische und überhaupt die gesamte indogermanische Onomastik in den mehr als fünf Jahrzehnten seither nicht stehen geblieben: Es sind viele neue Untersuchungen hinzugekommen, die Sammlungen und Karteien zum Namenbestand sind gewachsen (in Lietuvoje und Latvijoje) und dergleichen. Daher lässt sich manches von dem, was K. Būga erklärte, heute etwas anders interpretieren, präzisieren oder korrigieren. Trotz der offensichtlichen Schwierigkeiten und Gefahren soll hier versucht werden, die onomastische Tätigkeit K. Būgas sehr knapp zu überblicken und sie unter dem einen oder anderen Gesichtspunkt zusammenzufassen, genauer gesagt: ihren Platz in der Entwicklung der baltischen Onomastik zu bestimmen.

Die ersten wirklich wissenschaftlichen Arbeiten zur litauischen Onomastik verfasste K. Būga vor mehr als siebzig Jahren. So schrieb K. Būga am 3. März 1907 in Sankt Petersburg den Aufsatz „Das Suffix -eikia- und -eiko- in Familiennamen“ und veröffentlichte ihn im selben Jahr in Band I der „Lietuvių tauta“ (S. 82–84). 1908 erschien eine Reihe kurzer Aufsätze zur baltischen Mythologie und zu verwandten Themen. Somit kann man sagen, dass K. Būga um 1907 mit den Studien zum Namenbestand der Litauer (und aller Balten) begann. Von da an beschäftigten ihn Fragen der Orts- und Personennamen

1 Būga K. Rinktiniai raštai. V., 1958, t. 1, p. 13–100. Toliau cituojama sutrumpintai: RR I (V., 1958); RR II (V., 1959); RR III (V., 1961).

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K. Būga beschäftigte sich sein ganzes Leben lang, also knapp zwei Jahrzehnte, sehr intensiv mit der Onomastik. Diese wenigen Jahre im Leben eines Gelehrten und Humanisten, insbesondere eines Sprachwissenschaftlers jener Zeit, in der fast alles von Grund auf neu begonnen werden musste, sind ein vergleichsweise kurzer Zeitraum. Doch K. Būga leistete in diesen Jahren so viel auf dem Gebiet der Erforschung und Sammlung des Namenbestands, dass wir ihn heute ohne jeden Zweifel als Vater der litauischen Onomastik betrachten können.

Die wichtigste Voraussetzung und Grundlage für die Erforschung des Namenbestands wie auch anderer sprachlicher Erscheinungen ist das Sprachmaterial, der Reichtum einer Sprache. Dessen wichtigste Quellen sind zwei: die lebendige Sprache der Menschen und die Schriftzeugnisse, in unserem Fall vor allem historische Dokumente. K. Būga war sich dessen vollkommen bewusst und sammelte sein ganzes Leben lang unermüdlich selbst Orts- und Personennamen aus der gesprochenen Sprache und aus historischen Quellen; zugleich ermunterte und mobilisierte er andere, es ihm gleichzutun.

Somit lassen sich zwei wichtigste Richtungen der onomastischen Tätigkeit K. Būgas unterscheiden: die Sammlung und die Erforschung des Namenbestands. Es dürfte zweckmäßig sein, die gesamte Arbeit K. Būgas entlang dieser beiden Hauptrichtungen zu erörtern.

Sammlung des Namenmaterials

K. Būga begann, das Namenmaterial ebenso wie den Sprachschatz allgemein bereits in seiner frühen Jugend zu sammeln. In einem Brief an J. Basanavičius vom 27. September 1912 teilt K. Būga mit: „Um die uralte Heimat der Litauer zu ermitteln, helfen am meisten die Namen von Flüssen und Seen. Zu diesem Zweck musste ich nicht nur die Gewässernamen Litauens, Preußens und Lettlands sammeln, sondern auch die der Weißrussen — aus Minsk, Mogiljow, Witebsk, Smolensk (teilweise) und Grodno. Bis jetzt habe ich bereits mehr als 3000 Gewässernamen gesammelt“2. Wie bekannt, schloss K. Būga 1912 sein Studium ab3. Demnach sammelte K. Būga das Namenmaterial während seines Studiums und sogar schon etwas früher4 mit großem Eifer. Später, als er sich immer intensiver mit der Erforschung von Orts- und Personennamen befasste, bemühte sich K. Būga auch darum, die Sammlung onomastischen Materials voranzutreiben. Das Material trug er selbst und mithilfe von Mitarbeitern zusammen. Diese Arbeit erstreckte sich mit längeren oder kürzeren Unterbrechungen über etwa 20 Jahre. In dieser Zeit trug K. Būga selbst oder mithilfe von Mitarbeitern und Helfern einen gewaltigen Namenschatz zusammen — seine nomina propria-Kartei umfasst etwa 75 000 Karteikarten. Rund 35 000 Karten wurden von K. Būga eigenhändig beschrieben5.

Diese Kartei ist vollständig erhalten geblieben und wird im Institut für Litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR aufbewahrt. Sie wurde auf Karteikarten annähernd einheitlicher Größe angelegt (Format etwa 90 × 60 mm). Das Papier ist recht unterschiedlich — Zeitungspapier, Zeichenkarton, gewöhnliches stärkeres Papier und dergleichen. Die Karten hatte meist K. Būga selbst oder seine Mitarbeiter aus Heften, Akten der Kanzlei oder einfach größeren Papierbögen zugeschnitten. Bis vor einigen Jahren war die Kartei nach Buchstaben geordnet, doch innerhalb der einzelnen Buchstaben waren die Karten nicht alphabetisch sortiert. Zu K. Būgas Lebzeiten war nur der Buchstabe A vollständig geordnet und alphabetisch ausgelegt. In jüngster Zeit wurde die gesamte Kartei alphabetisch sortiert und ist dadurch zu einer umfangreichen und allen zugänglichen Quelle für Namenmaterial geworden.

2 RR III 806.

3 RR I 39.

4 Das belegen seine Briefe an Bekannte, die noch vor 1905, also vor seinem Eintritt in die Universität, geschrieben wurden — siehe RR I 42.

5 Die früher bei verschiedenen Gelegenheiten genannte Zahl von 47 000 nomina propria-Karteikarten, die K. Būga gesammelt haben soll, ist ungenau.

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Der wissenschaftliche Wert dieser Kartei ist enorm. Sie wurde unter Einhaltung der grundlegenden Anforderungen an die Methodik der Namenmaterialsammlung angelegt, soweit dies damals möglich war: Man bemühte sich, aus der lebendigen Sprache aufgezeichnete Orts- und Personennamen mit Akzenten zu versehen, ihre Lokalisierung sowie die wichtigsten weiteren Angaben zu vermerken. Zwar hat K. Būga keine speziellen Anweisungen zur Sammlung von Namenmaterial oder Ähnlichem veröffentlicht, doch gab er seinen Helfern bei verschiedenen Gelegenheiten Hinweise dazu, wie das Namenmaterial aufzuzeichnen sei. So erinnert K. Būga M. Grigonis in einem Brief vom 8. April 1922: „Bei jedem Ortsnamen muss angegeben werden, wo er vorkommt (Dorf und Kirchspiel). Auf der Rückseite jeder Karte muss die Unterschrift des Sammlers (zum Beispiel Schüler oder Schülerin des Gymnasiums Pan.) und das Erhebungsdatum stehen (zum Beispiel 119 21/x 20 m.).“6

Es gab recht viele Helfer unter den Sammlern — blättert man die im Laufe der Zeit etwas vergilbten Zettel durch, lassen sich Dutzende verschiedene Familiennamen zählen, darunter beispielsweise auch die des bekannten Sprachwissenschaftlers A. Salys, des Wörtersammlers S. Dabušis und anderer.

Wie bereits erwähnt, befinden sich etwa 35 000 von K. Būga eigenhändig beschriebene Karten in der Kartei, also nahezu die Hälfte der gesamten Kartei.

K. Būga zeichnete Namenmaterial aus der lebendigen Sprache, besonders Ortsnamen, überwiegend in seiner Heimatgegend auf, doch stammen zahlreiche Belege auch aus anderen Orten. K. Būga selbst interessierte sich jedoch stärker für Orts-, Personen-, Volksnamen und anderes, die in historischen Dokumenten bezeugt sind — seine eigenhändigen Auszüge daraus sind wesentlich zahlreicher als die aus der lebendigen Sprache. In der Kartei findet sich onomastisches Material aus zahlreichen Schriften und Dokumenten. Besonders viele Karten mit Orts- und Personennamen stammen jedoch aus schriftlichen Quellen wie: W. Pierson. Altpreussischer Namenkodex, 1835; Scriptores rerum Prussicarum (Leipzig, 1861–1874, B. I–IV); Preussisches Urkundenbuch (Königsberg, 1882, 1909, B. I–II); A. Bielenstein. Die Grenzen des lettischen Volksstammes und der lettischen Sprache in der Gegenwart und im 13. Jahrhundert (St. Peterburg, 1892); Vaišgantas. Sąrašas geografiškųjų Lietuvos vardų („Dirva–Žinynas“, Kaunas, 1904, Nr. 10, 11); Słownik geograficzny królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich (Warszawa, 1880–1895, t. I–XIV); russischen Chroniken und andere.

Bei der Zusammenstellung der Kartei für das Wörterbuch der litauischen Sprache zerschnitt K. Būga einige ältere gedruckte Wörterbücher und klebte die ausgeschnittenen Wörter auf genormte Karteikarten7. Auch in solchen Wörterbüchern vorkommende Ortsnamen wurden ausgeschnitten, auf Karten geklebt und in die nomina propria-Kartei eingeordnet. Sie sind allerdings vergleichsweise selten.

Hervorzuheben ist, dass K. Būga nur eine einzige nomina propria-Kartei anlegte — sie enthielt Ortsnamen, Personennamen, Ethnonyme und alles Weitere, was zum Namenmaterial gehört.

Die umfangreiche Kartei des Namenmaterials, die K. Būga zusammengetragen hatte, bot eine ausreichende Grundlage, zur Feder zu greifen und die litauischen sowie allgemein die Orts- und Personennamen aller baltischen Sprachen zu erforschen. Wie wir sehen werden, leistete K. Būga dies hervorragend.

6 RR III 910.

7 Ebenda, S. 485.

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Die Arbeit an der Sammlung des Namenguts, die K. Būga mit solchem Eifer betrieb, zeitigte auch eine weitere Wirkung: Sie schuf günstige Voraussetzungen und eine geeignete Atmosphäre dafür, die Sammlung des Namenguts auch nach dem Tod dieses Wissenschaftlers fortzusetzen. Es bildete sich eine positive öffentliche Meinung heraus, und es entstand eine Tradition, die denjenigen Generationen von Sprachwissenschaftlern, die auf K. Būga folgten, diese Arbeit erleichterte. Das Verdienst unseres Begründers der Onomastik besteht natürlich nicht allein darin, dass er selbst Namen sammelte und andere zur Mithilfe gewann. Besonders hervorzuheben ist hier, dass K. Būga die Bedeutung der Sammlung des Namenguts, insbesondere der Ortsnamen, durch seine Arbeit bewies – die Öffentlichkeit erkannte, dass das Namengut tatsächlich ein Besitz des ganzen Volkes ist und nicht nur einzelner Sprachwissenschaftler.

Ohne den späteren Verlauf der Sammlung des litauischen Namenguts im Einzelnen zu beschreiben, sei lediglich daran erinnert, dass diese Sammlung auch nach K. Būgas Tod fortgesetzt wurde, wenn auch mit recht langen Unterbrechungen. Besonders intensiv war sie in den vierziger Jahren und nach dem Krieg in Sowjetlitauen. In dieser Zeit wuchsen die Bestände des litauischen Namenguts stark an – inzwischen verfügen wir über etwa eine Million Aufzeichnungen zu Ortsnamen, Personennamen, Tiernamen und weiteren Bereichen des Namenguts. Die alphabetische Ortsnamenkartei, die Namen aus dem lebendigen Sprachgebrauch erfasst, umfasst heute etwa eine halbe Million Karteikarten. Die alphabetische Kartei der litauischen Familiennamen besteht aus etwa 300 000 Karten und so weiter. Exzerpte aus historischen Dokumenten sind bislang nicht so zahlreich, doch auch von ihnen gibt es bereits Zehntausende. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass K. Būgas nomina-propria-Kartei derzeit nicht mehr die wichtigste Sammlung des Namenguts ist – die neueren Karteien und Bestände sind weitaus umfangreicher. Doch K. Būgas Kartei hat ihren Wert auch heute nicht verloren: sowohl als eigenständiger wichtiger Bestandteil von K. Būgas Nachlass als auch als Quelle, in der sich Fakten finden, die in den heutigen Sammlungen fehlen oder erheblich verändert sind. K. Būgas nomina-propria-Kartei besitzt also bleibenden Wert, und alle, die litauische Ortsnamen- und Familiennamenwörterbücher erarbeiten oder andere zusammenfassende Arbeiten zur litauischen Onomastik verfassen müssen, können und sollen sie nutzen.

Erforschung des Namenguts

K. Būga nutzte den angesammelten Reichtum des Namenguts sehr intensiv – davon kann sich jeder leicht überzeugen, indem er lediglich seine „Gesammelten Schriften“ durchblättert. Es ist jedoch nahezu unmöglich anzugeben, wie viele onomastische Arbeiten oder wie viel onomastischen Text K. Būga verfasst hat, denn er verwendet und untersucht Fakten des Namenguts nicht nur in speziellen Arbeiten, die ausschließlich Fragen des Namenguts gewidmet sind, sondern auch in verschiedenen anderen Aufsätzen und Ähnlichem. So nahm K. Būga beispielsweise in sein „Wörterbuch der litauischen Sprache“ nicht nur Appellativa, sondern auch Eigennamen auf. Onomastische und appellativische lexikalische Themen sind in K. Būgas Arbeiten also häufig miteinander verflochten und gehen Hand in Hand. Das bedeutet natürlich nicht, dass in diesen Arbeiten überhaupt nicht von Onomastik gesprochen werden kann. K. Būga veröffentlichte auch zahlreiche spezielle Studien, Artikel, kleinere Beiträge und Rezensionen, die ausschließlich Fragen des Namenguts gewidmet waren. Es dürften etwa 60–70 sein, darunter so umfangreiche Studien wie: „Über litauische Personennamen“8, „Studien zu Flussnamen und das Altertum der Aisten und Slawen“9, „Die Ansiedlung der Litauer im heutigen Litauen“10, „Kann man Keltenspuren auf baltischem Gebiet nachweisen?“11, „Material zur lit-

8 RR I 201–269.

9 RR III 493–550.

10 Ebenda, S. 551–583.

11 RR I 496–530.

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zur litauischen, lettischen und prußischen Mythologie12 usw. Sehr viele onomastische Aspekte werden im einleitenden Kapitel „Das litauische Volk und die Sprache sowie ihre nahen Verwandten“13 des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“, im Artikel „Славяно-балтийские этимологии“14 usw. behandelt.

K. Būgas onomastische Forschungen umfassen vier wichtigste Bereiche: Anthroponymik, Ethnonymik, Theonymik und Toponymik.

Anthroponymik

Wie erwähnt, ist die 1907 in „Lietuvių tauta“ veröffentlichte Abhandlung „Pavardžių priesaga -eikia- ir -eiko-“15 die erste wissenschaftliche Arbeit zur Onomastik. In diesem Artikel wies K. Būga mit überzeugenden Argumenten gegen die Auffassung von J. Spudulis nach, dass das Suffix -eik- in Familiennamen nicht slawisch, sondern baltisch ist. Der Autor führte in dem Artikel sowohl appellativische als auch Eigennamen an, die zeigen, dass litauische Familiennamen auf -eik- (-eika, -eikis) auch in den anderen baltischen Sprachen Entsprechungen haben — im Lettischen (Penn-ekie, Tad-aiki, Zaraiki) und im Prußischen (Argan-eyko, Bar-eyke, Drun-eike usw.). Besonders zahlreich sind Ableitungen mit diesem Suffix im Litauischen — Mažeikis, Drąseikis, Juodeikis usw.

Ableitungen mit dem Suffix -eik- von eindeutig litauischen Wörtern (mažas, drąsus, júodas) lassen keinen Zweifel an der litauischen Herkunft des Suffixes selbst, zumal es auch in Appellativa häufig vorkommt (atbul-eikis, neval-eika, živ-eika „Fischlein“ usw.).

K. Būgas umfangreichstes Werk zur Anthroponymik ist die Studie „Apie lietuvių asmens vardus“16. Darin wurden zum ersten Mal in der Geschichte unserer Sprachwissenschaft die Struktur der alten zweistämmigen Personennamen untersucht und die Authentizität von Personennamen mit den Endungen -a und -as begründet.

Anlass für die Abfassung dieser Studie waren die Artikel von J. Spudulis und M. Venslovas, in denen behauptet wurde, zusammengesetzte Familiennamen müssten auf -is oder -ys enden und die Endungen -a und -as bei zusammengesetzten Familiennamen zeigten, dass diese nicht litauisch seien. K. Būga verstand sehr gut, dass „die Erforschung der Namen der Fürsten und der heutigen Familiennamen so lange keine feste Grundlage haben wird, wie wir nicht zuvor die gewöhnlichen (appellativa) zusammengesetzten, zweistämmigen Wörter gründlich untersucht haben“17. Zu diesem Zweck sammelte er aus der gesprochenen Sprache und aus schriftlichen Denkmälern 220 zusammengesetzte Substantive und einige Adjektive mit der Endung -a oder -as. Diese zusammengesetzten Gattungswörter unterscheiden sich ihrer Bildung nach in nichts von zusammengesetzten Personennamen, da sie, in gewissem Sinne, einen unveränderten Auslaut des Stammes des zweiten Bestandteils aufweisen: But-vilà, Dár-butas, Dàu-nora, Gėd-gaudas usw. Bemerkenswert ist, dass Wörter dieser Bildung keine Neubildungen sind — sie finden sich auch in anderen indogermanischen Sprachen: im Lateinischen (agricola, pari-cida, sangu-sūga), im Althochdeutschen (wâr-quèto), in den slawischen Sprachen (voje-voda), im Lettischen (slep-kava), im Russischen (bemno-гон), im Griechischen (ὑδρο-φόρος usw.). Heute könnten wir, indem wir K. Būgas Auffassung vom hohen Alter zusammengesetzter Wörter und Personennamen mit den Endungen -a und -as zustimmen, noch hinzufügen, dass litauische zusammengesetzte Personennamen mit den Endungen -a und -as,

12 Ebenda, S. 143—189.

13 RR III 85—282.

14 RR I 433—495.

15 Ebenda, S. 140—142.

16 Ebenda, S. 201—269.

17 Ebenda, S. 206.

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offenbar nicht jünger als Bildungen dieser Art mit den Endungen -is, -ys und, ergänzend, -ius (vgl. Butnorius): Im Gegenteil, es gibt Grund zu der Annahme, dass die ersteren Relikte einer sehr archaischen Bildung sind, während die letzteren sogar sekundär sein können, bestimmte adjektivische „Ableitungen“ der ersteren. Diese Annahme wird auch durch Paare wie die folgenden zusammengesetzten Personennamen – heutige Familiennamen (oder Ortsnamen, die von ihnen abgeleitet sind) – gestützt: Daũ-baras: Dau-bãris, Kaũ-baras: Kam-barỹs (< *Kaũ-baras: *Kan-barỹs), Kĩm-baras: Kĩm-baris, Dar-butas: Dar-būtis, Eĩ-butas: Ei-būtis, Gĩm-butas: Gim-būtis, Nár-butas: Nar-būtis, Nár-būtas: Nar-būtis, Skir-butas: Skir-būtis, Sũ-daras: Sū-daris, Sĩ-daugas: Si-daugis, Gin-eitas: Gin-eitis, Bar-gãila: Bar-gailis, Min-gãila: Min-gailis, Skir-gãila (vgl. Skir-gailãi k.), *Skir-gailis (vgl. Skir-gailiai k.), Mãm-gaudas: Mam-gaũdis, Mém-gaudas: Mem-gaũdis, Mil-gaũdas: Mil-gaũdis, Mim-gaudas: Mim-gaũdis, Viz-gaudas: Vis-gaũdis, Daũ-gilas: Dau-gilis, Daũ-girdas: Dau-girdis, Eĩ-girdas: Ei-girdis (vgl. Ei-girdžiai mstl.), Daũ-jotas: Dau-jõtis, Bù-kantas: Bu-kantìs, Daũ-kantas: Dau-kantìs, Der-kintas: Der-kintìs, Mil-kintas: Mil-kintìs, Skir-mantas: Skir-mantìs, Beĩ-noras: Beĩnoris: Beĩ-norius, But-noras: But-noris: But-norius, Ei-noras: Ei-noris: Ei-nõrius, Daũ-noras: Dau-noris: Daũ-nõrius, Sau-noras: Sau-noris: Sau-nõrius, Vaikš-nõras: Vaikš-noris, Vaĩ-noras: Vaĩ-noris: Vaĩ-nõrius, Vaĩš-noras: Vaĩš-noris: Vaĩš-nõrius, Beĩ-naras: Beĩ-naris: Beĩ-narỹs: Beĩ-narius, Daũ-naras: Dau-naris, Vỹ-tartas: Vi-tartis, Bù-tautas: Bu-tautìs, Gin-tautas: Gin-tautìs, Gõ-tautas, Gõ-tautis, Jõ-tautas: Jo-tautìs, Min-tautas: *Min-tautis (vgl. Min-taũčiai k.), Bãr-vainas: Bar-vainis: Bar-vainius, Gird-vainas: Gird-vainis, Kánt-vainas: Kánt-vainis, Tár-vainas: Tar-vainis: Tar-vainius, Jõ-vaiša: Jo-vaišìs, Nár-vaišas: Nár-vaišis, Nór-vaišas: Nor-vaišis: Nor-vaišius, Tól-vaišas: Tol-vaišis: Tol-vaišys, Bar-vydas: Bar-vỹdis, Beĩ-vydas: Bei-vỹdis, Buì-vydas: Bu-vỹdis, Mil-vydas: *Mil-vỹdis (vgl. [Mil-vỹdžiai k.), Réi-vydas: Réi-vỹdis, Sĩr-vydas: Sir-vỹdis, Tár-vydas: Tar-vỹdis, Ter-vydas: Ter-vỹdis, Ged-vilas: Ged-vìlius, Gend-vilas: Gend-vìlis, Ger̃d-vilas: Gerd-vìlis, Gĩrd-vilas: Gird-vìlis, Jãs-vilas: Jãs-vilis, Maž-vilas: Maž-vìlis, Nór-vilas: Nor-vìlis usw. Aus den heutigen zusammengesetzten Familiennamen dieser Art ist ersichtlich, dass die meisten von ihnen dennoch nur Varianten mit den Endungen -a, -as haben, nicht aber mit -is, -ys, -ius. Das größere Alter von Bildungen mit unverändertem Stammende des zweiten Glieds von Komposita haben bereits andere Sprachwissenschaftler bemerkt18.

In seiner Studie betrachtet K. Būga zusammengesetzte Personennamen als semantisch motiviert. Er meint, dass „Taut-gina, But-gina, Vaiš-nóra etymologisch betrachtet Personen bezeichnen, die „das Volk verteidigen“, „das Haus... verteidigen“, „nach einem Festmahl verlangen...“19. Weiter bemerkt er: „Doch der verbalische Stamm eines Kompositums kann auch an erster Stelle stehen, vgl. čiūp-kula, kláus-žada, griau-medis. So entstehen in der Sprache neben Taut-gina(s), Vaiš-nora(s), But-gina(s) auch Gin-tauta(s), Nór-vaiša(s), Gin-buta(s)“20.

18 Skardžius P. Lietuvių kalbos žodžių daryba. V., 1941, p. 28; Balčikonis J. Rinktiniai raštai, 1978, t. 1, p. 259; Urbutis V. Daiktavardžių daryba. — Kn.: Lietuvių kalbos gramatika. V., 1965, t. 1, p. 447—448; 457.

19 RR I 223.

20 Ebenda.

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Wenn man K. Būga darin zustimmt, dass die alten zusammengesetzten litauischen und anderen indogermanischen Personennamen semantisch motiviert waren, dass sie etwas bedeuteten, auch wenn ihre Bestandteile ihre Plätze tauschten (Būt-vilas: Vil-butas, Gin-tautas: Taut-ginas, Mańt-vilas: Vil-mantas, Min-vydas: Vyd-mintas, Rim-tautas: Taut-rimas, Mańt-rimas: Rimantas < *Rim-mantas, Vytautas < *Vyd-tautas: Taut-vydas, Vil-tautas: Taut-vilas, Nór-vaišas: Vaiš-noras, Vid-mantas: Mańt-vydas usw.), muss dennoch hinzugefügt werden, dass gemeinsprachliche Wörter keinen derart freien oder überhaupt freien Austausch ihrer Bestandteile kennen, wie er bei zusammengesetzten Personennamen vorkommt. Dies ist ein ernstzunehmender Hinweis darauf, dass die semantische Beziehung zwischen den beiden Bestandteilen zusammengesetzter Personennamen beeinträchtigt oder sogar fakultativ, also nicht immer notwendig sein kann. Zwar führt K. Būga drei Beispiele an, in denen der erste Bestandteil zusammengesetzter Appellative verbalisch ist — čiūp-kula, kláus-žada, griau-medis. Zusammengesetzte Substantive dieser Art mit einem zweiten verbalischen Bestandteil gibt es bekanntlich in großer Zahl. Das ist jedoch keineswegs dasselbe wie bei zusammengesetzten Personennamen, denn bei zusammengesetzten Appellativen wechseln die Bestandteile nicht innerhalb derselben Wörter ihre Plätze (wir haben Gin-tautas und Taut-ginas, aber neben čiūp-kula gibt es kein *kul-čiupa21). Folglich erklärt die Wortbildung zusammengesetzter Appellative nicht, warum die Bestandteile zusammengesetzter Personennamen völlig frei ihre Plätze tauschen können.

Ohne auch nur zu versuchen, diese außerordentlich verwickelte Frage zu lösen, sei hier zunächst daran erinnert, dass der freie Platzwechsel bei zusammengesetzten Personennamen keine Besonderheit allein der litauischen Sprache ist. Dieses Phänomen ist im altpreußischen Namengut festgestellt worden: Buti-gede: Gede-buth, Gayle-minne: Mynne-gayle, Gawde-wis: Wisse-gawde, Monte-myle: Myle-munt usw. Bei altslawischen Personennamen nehmen die Bestandteile häufig gegenseitig die Plätze ein: Miro-liubov: Liubo-mir, Slavi-bor: Bori-slav, Slavo-liub: Liubo-slav usw. Eine ähnliche Erscheinung war auch für das alte Namengut vieler anderer Völker charakteristisch — vgl. althochdeutsche Bald-wig: Se-bald, Fridu-bert: Sieg-fried, iranische Vanhu-data: Aipi-van-hu, altindische Mano-rama: Vasu-manas, keltische Boduo-gnatus: Ate-bodua, altgriechische Διό-δωρος: *Εν-διος usw.22 Der Wechsel der Bestandteile in zusammengesetzten Personennamen ist demnach nicht nur weit verbreitet, sondern auch eine sehr alte Eigenheit. Offenbar ist dies jedenfalls ein spezifisches Merkmal, das vor allem für alte zusammengesetzte Personennamen charakteristisch ist. Es ist jedoch möglich, dass es keine genetische Archaismuserscheinung zusammengesetzter Personennamen darstellt, denn vor allem waren alle alten Namen semantisch motiviert, bedeuteten etwas und hatten Bedeutungen, die dem Namensträger gewünscht wurden. Wenn die Bestandteile ihre Plätze tauschten, konnte die Semantik des gesamten Namens nicht unversehrt bleiben. Daher gibt es Grund zu der Annahme, dass der Wechsel der Bestandteile nicht durch die Wortbildung, sondern durch ganz andere, gewissermaßen sogar außerlinguistische Ursachen bedingt war. Nehmen wir das klassische Beispiel der althochdeutschen zusammengesetzten Personennamen, deren Bestandteile völlig uneingeschränkt ihre Plätze tauschen. Die Ursachen dieses Phänomens sind von den Forschern deutscher Personennamen schon vor langer Zeit geklärt worden. Es zeigte sich, dass es bei den alten Deutschen eine Tradition gab, Verwandtschaft und Zugehörigkeit zu einer Familie folgendermaßen auszudrücken: Ein Bestandteil des zusammengesetzten Personennamens wird an den Sohn, Enkel oder Ähnliches weitergegeben, wird also gewissermaßen vererbt, während der andere ausgetauscht wird. So heißt es etwa im Hildebrandslied

21 Bei aus zwei Substantiven gebildeten zusammengesetzten Appellativen ist ein Wechsel der Bestandteile manchmal möglich — vgl. gaīd-vīstis: vīst-gaidis, Ežerēt-šlaitis: Šlait-ežeris usw.

22 Pavyzdžiai iš Fick A. Die griechischen Personennamen. Göttingen, 1874.

13

eine solche Namensfolge: der Großvater Heri-brant, der Vater Hilti-brant, der Sohn Hadu-brant²³. Kindernamen können auch aus unterschiedlichen Bestandteilen der Namen von Vater und Mutter gebildet werden: der Vater Gēr-hard, die Mutter Gund-hild, der Sohn Hild-gēr, die Tochter Gēr-hild²⁴. Dies war ein weit verbreitetes Phänomen²⁵. Entscheidend ist jedoch, dass es nicht nur den alten Germanen eigen war. Zahlreiche solche oder ähnliche Beispiele finden sich im Namengut der alten Griechen – vgl. den Vater Aipo-machos, den Sohn Antti-machlos, den Großvater Hippo-krates und seine Enkel Hippias und Hipp-archos usw. Spuren dieses Phänomens wurden auch in den Namen einiger anderer Völker gefunden. Offenbar handelt es sich um eine indogermanische Tradition einer bestimmten Periode. Sie ist selbstverständlich etwas späteren Ursprungs und hängt mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft, dem Aufkommen der Erbfolge sowie dem Bedürfnis zusammen, die Zugehörigkeit zu dieser oder jener Familie und Sippe hervorzuheben usw.

Ob diese Tradition auch dem Namengut der alten Litauer eigen war, dafür gibt es keine direkten Belege. Da jedoch der ungehemmte Wechsel der Bestandteile in zusammengesetzten Personennamen durch die Wortbildung der Appellativa nicht gestützt wird und die indogermanische Tradition dieses Phänomens auch das litauische Namengut beeinflusst haben könnte, lässt sich vermuten, dass der Wechsel der Bestandteile in alten litauischen zusammengesetzten Personennamen keine gesetzmäßige Fortsetzung der Wortbildung von Appellativa darstellt. Ihn könnten auch Ursachen bewirkt haben, die den oben genannten ähnlich sind. Offenbar haben wir es mit einem Phänomen zu tun, das sich kaum von einem wesentlich umfassenderen indogermanischen Kontext isolieren lässt.

Der Wechsel von Namensbestandteilen ist im slawischen Namengut besonders häufig (neben den oben erwähnten Personennamen vgl. auch Fälle des Wechsels von Bestandteilen in Orts- und Personennamen Мир-о-слав-: Слав-о-мир-; Добр-о-дом-: Дом-о-жир-; Жир-о-вит-: Вит-о-слав-; Мир-о-гощ-: Жит-о-мир- usw.); nach Auffassung einiger Autoren ist dies das Ergebnis der Desemantisierung der Bestandteile – nachdem sie ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben, werden sie zu bestimmten typischen Formantien²⁶.

In der Studie „Über litauische Personennamen“ untersuchte K. Būga, durch welche russischen Vokale die Vokale litauischer Namen in Dokumenten des 13. bis 15. Jahrhunderts ersetzt werden. Dieser Teil der Studie ermöglichte es dem Autor, die tatsächlichen, authentischsten Formen der Namen litauischer Fürsten festzustellen. Die von ihm vorgeschlagenen Fürstennamen sind bis heute allgemein anerkannt und gebräuchlich: Mindaugas, Vaišvilkas, Treniota, Traidėnis, Vytenis, Jogaila, Lengvenis, Vytautas, Švitrigaila.

K. Būgas Studie „Über litauische Personennamen“ legte ein solides wissenschaftliches Fundament für die weitere Erforschung der alten litauischen und allgemein der alten Personennamen aller Balten. Der bedeutendste Fortsetzer dieser Arbeit in unserer Zeit ist J. Jurkėnas, der eine Dissertation zum Kandidaten der Philologischen Wissenschaften über dieses Thema verfasst und mehrere Artikel veröffentlicht hat.

K. Būga hinterließ keine weiteren Spezialarbeiten, die ausschließlich der Analyse von Personennamen gewidmet waren. Das bedeutet natürlich nicht, dass er Personennamen danach nicht mehr untersuchte. Im „Wörterbuch der litauischen Sprache“ sowie in Artikeln und Rezensionen über Ortsnamen werden bei der etymologischen Erklärung von Ortsnamen häufig auch Personennamen herangezogen. In solchen Fällen sind selbstverständlich die Ortsnamen selbst der Untersuchungsgegenstand, während die Personennamen lediglich dazu beitragen, ihre Herkunft zu erklären.

²³ Fleischer W. Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung. Berlin, 1964, S. 18.

²⁴ Ebenda, S. 32.

²⁵ Dar žr. Gottschald M. Die deutschen Personennamen. Berlin, 1955, S. 8.

²⁶ Podolskaja N. W. Typische ostslawische Ausgangsbasen von Toponymen. – In: Gattungsname und Eigenname. Moskau, 1978, S. 112.

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Etnonimika

K. Būga ist der bedeutendste Erforscher baltischer Ethnonyme. Er hat den Ursprung der meisten litauischen, lettischen und prußischen Ethnonyme erklärt oder – was nicht weniger wichtig ist – ihre genauen, authentischen Formen bestimmt. Die Grundlage für den Erfolg von K. Būgas Deutungen der Ethnonyme war seine methodisch richtige Position. Obwohl es vor K. Būga kaum eine baltische Ethnonymik gab und gerade er als Erster Neuland betreten musste, erkannte er ein sehr wichtiges Prinzip: Das charakteristischste Modell der Bildung baltischer Ethnonyme ist ihre Ableitung von anderen Ortsnamen. K. Būga schrieb: „Ein Volk erhält seinen Namen oft nach dem Namen des Landes, in dem es lebt, oder nach dem Namen eines Flusses oder Sees, an dessen Ufern sich ein gewisses politisches oder kulturelles Zentrum gebildet hat“27. Spätere Untersuchungen der baltischen und indogermanischen Ethnonymie haben diese Annahme K. Būgas vollauf bestätigt28.

Äisčiai, äistis. Diese Formen hat zunächst K. Būga bestimmt und zur Verwendung vorgeschlagen. Er erklärte auch, dass ursprünglich als Äisčiai „wohl der den Goten am nächsten stehende Stamm des prußischen Volkes bezeichnet wurde, der an der Weichselmündung und am Frischen Haff lebte, das die Litauer noch vor Kurzem Aismarės, das heißt Ästiersee, nannten“29. Später könnte mit diesem Namen die Gesamtheit der Prußen bezeichnet worden sein. Seit dem 10. Jahrhundert wird der Name der Äisčiai nicht mehr erwähnt – an seine Stelle tritt das Ethnonym Prußen. Dieser Umstand ließ K. Būga zu folgendem Schluss kommen: „Da der Name Äistis seit dem 10. Jahrhundert zur Bezeichnung des prußischen Volkes nicht mehr benötigt wird, könnten wir ihn heute als Namen für die ganze Sippe verwenden, zu der nicht nur die Prußen (die echten Äisčiai der Antike), sondern auch die Litauer, Letten, Semgallen, Selonen und Kuren gehören“30. Somit schlug K. Būga als Erster vor, alle Balten mit dem Begriff Äisčiai zu bezeichnen. In dieser Bedeutung wurde das Ethnonym nicht nur in K. Būgas Schriften verwendet – lange Zeit war es ziemlich weit verbreitet, bis es erst vor einigen Jahrzehnten endgültig von dem Begriff Balten verdrängt wurde, der im Vorwort zu F. Nesselmanns 1845 erschienenem Buch „Die Sprache der alten Preussen“ empfohlen worden war.

Eine Etymologie des Ethnonyms äisčiai legte K. Būga nicht vor. Spätere Forscher versuchten, diese Lücke zu schließen. Unserer Ansicht nach ist die von K. Kuzavinis vorgeschlagene Erklärung am überzeugendsten: Demnach ist das Ethnonym äisčiai in erster Linie mit dem Fluss Aistà (Nebenfluss der Širvinta, Bartninkai) zu verbinden. Dieser Flussname ist im litauischen Namenbestand nicht vereinzelt – vgl. den See Aisetą (Labanoras), den Fluss Éisra (Pagėgiai), den Fluss Jiesią < * Eisia (Garliava) u. a.31 Das Ethnonym äisčiai wäre demnach hydronymischen Ursprungs.

Prußen, prußisch. Dies ist eines der baltischen Ethnonyme, das die größte Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat32. Trotz zahlreicher Versuche ist es niemandem gelungen, seinen Ursprung überzeugend zu erklären.

Von den neueren Deutungen seien die von J. Otrębski, V. Mažiulis und S. Karaliūnas genannt.

J. Otrębski brachte das Ethnonym prūsas mit altindisch púruṣa-ḥ in Verbindung. Die Bedeutung dieses Wortes sei nicht ganz klar, könne aber derjenigen von altindisch pú-mān „Mensch“ ähneln,

27 RR III 629.

28 Kuzavinis K. Lietuvos vardo kilmė — Kalbotyra, 1964, t. 10, p. 8; Суперанская А В. Групповые обозначения людей в лексической системе языка. — В кн.: Имя нарицательное и собственное. М., 1978, с. 74.

29 RR III 730—731.

30 Ebenda, S. 731.

31 Kuzavinıs K. Etymologica. I. Baltų etnonimų kilmės klausimu. — Baltistica, 1966, t. 1, p. 177.

32 Zur Literatur siehe Fraenkel E. Litauisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg. Göttingen, B. 1, S. 659; Фасмер М. Этимологический словарь русского языка. М., 1971, т. 3, с. 389 (und die weiter unten angeführten Artikel).

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„Mann“33. Eine solche Semantik ist für Ethnonyme tatsächlich charakteristisch34, doch die Verknüpfung ohne jegliche Zwischenglieder mit Wörtern des Altindischen ist allzu weit hergeholt.

V. Mažiulis hat die Ansicht geäußert, das Ethnonym prūsas könne hydronymischen Ursprungs sein35, doch ist es bis heute niemandem gelungen, ein entsprechendes Hydronym nachzuweisen.

Der wohl letzte, der dieses Ethnonym etymologisierte, war S. Karaliūnas, der es mit lit. prūsti „gut wachsen, gedeihen …“, lett. prausties „stärker, größer, dicker werden …“ sowie anderen verwandten Wörtern der baltischen Sprachen verband36. Formal ist auch diese Verknüpfung nicht neu — das Ethnonym prūsas wurde mit lit. prūsti, praūsti, prusna usw. bereits von früheren Forschern in Verbindung gebracht — O. Trubačiovas37, in gewissem Sinne auch von V. Mažiulis38. Das Neue an S. Karaliūnas’ Etymologie ist, dass er die Semantik des Ethnonyms prūsas recht überzeugend (im Sinne der Methodologie der Ethnonymik) erklärt. Doch auch diese Hypothese ist nicht frei von Einwänden. Ihre schwächste Stelle ist unserer Ansicht nach, dass schwer zu verstehen ist, wie das rekonstruierte appellativische Wort des Altpreußischen *prūsis arba *prūsas, von dem das Adjektiv prūsiškan und das Adverb prūsiškai gebildet wurden, die Bedeutung „Volk“ oder „Nation“ erlangt haben konnte, wenn die betreffenden Appellativa der baltischen Sprachen diese Bedeutungen nicht aufweisen. Und überhaupt lässt sich diese Bedeutung weder durch interne Rekonstruktion noch durch vergleichende Sprachwissenschaft zweifelsfrei nachweisen.

K. Būga selbst etymologisierte prūso nicht, machte jedoch verschiedene andere Bemerkungen zu seiner Entstehung, zum Wandel seines Inhalts usw. Eine dieser Bemerkungen ist in unseren Augen wesentlich. Gemeint ist K. Būgas nachdrückliche Behauptung, dass prūsas ein vergleichsweise junges Ethnonym sei: „Der Name Prūso kann nicht älter als das 10. Jahrhundert sein. Wäre der Name der Prußen bereits im 6.–8. Jahrhundert entstanden, würden Polen und Russen heute statt der Form Prusy *Prysy aussprechen, denn damals sprachen alle Slawen anstelle des heutigen Lautes y (russisch ы) noch das alte u aus“39. Heute wäre es verfrüht zu behaupten, diese Ansicht K. Būgas sei unanfechtbar40, doch scheint das phonetische Argument vorerst kaum bestreitbar. Leider schenkten spätere Autoren dieser von anderen Forschern ebenfalls vertretenen Ansicht K. Būgas41 wenig Aufmerksamkeit (mit Ausnahme wohl nur von E. Frenkel42). Tatsächlich handelt es sich um eine grundsätzliche Frage: Ist dieses Ethnonym jung oder alt? Sollte sich beispielsweise herausstellen, dass K. Būga recht hat, würden viele Hypothesen (darunter auch die von uns erwähnten) über den Ursprung dieses Ethnonyms von selbst hinfällig. Dann müsste man natürlich wohl oder übel versuchen, nach

33 Otrębski J. Über die Herkunft des Preussennamens. — Lingua Posnaniensis, 1955, t. 5, S. 76—77.

34 Трубачев О. Н. Ранние славянские этнонимы — свидетели миграции славян. — Вопросы языкознания, 1974, № 6, с. 54; Суперанская В. А. Указ. соч., с. 73.

35 Prūsų kalbos paminklai. Parengė Mažiulis V. V., 1966, p. 15 (39 išnaša).

36 Karaliūnas S. Dėl prūsų etnonimo reikšmės ir kilmės. — Baltistica, 1977, t. 13, p. 372—373.

37 Трубачев О. Н. Заметки по этимологии и ономастике. — В кн.: Питання ономастики. Київ, 1965, с. 16—24.

38 Mažiulis V. Ten pat.

39 RR III 731.

40 Erwähnt sei – wenn auch zweifelhaft, so doch immerhin bereits bestehend – die Hypothese eines möglicherweise wesentlich breiteren ethnonymischen, anthroponymischen und toponymischen Kontexts des Ethnonyms prūsas – siehe Топоров В. Н. К фракийско-балтийским языковым параллелям. II. — В кн.: Балканский лингвистический сборник. М., 1977, с. 81—83.

41 Mažiulis V. Min. veik., p. 13; Нелокучный А. П. Балто-северославянские языковые связи. Киев, 1976, с. 103.

42 Fraenkel E. Min. veik., p. 659.

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andere, vielleicht sogar grundsätzlich neue Wege zur Lösung des Problems der Herkunft des Ethnonyms prūsas zu finden, wobei neben dem appellativischen Wortschatz der baltischen Sprachen besonderes Augenmerk auf das große Areal der Toponyme mit prūs- gerichtet wird, das bereits frühere Forscher bemerkt hatten43 und dessen zusammenfassende Darstellung A. Nepokupnas vorgelegt hat44.

Latviai, latvis. Nach K. Būga ist der Name der Letten vom Flussnamen *Leta, *Latā herzuleiten45. Dieser Name soll dort entstanden sein, wo der Fluss Lat(v)os, Let(v)os floss46 (vgl. den Flussnamen Latavā, Latuvā bei Anykščiai, Nebenfluss der Šventoji).

Lietuviai, lietuvis. K. Būga erwähnt dieses Ethnonym in seinen Schriften viele Male, interpretiert es ausführlich, führt historische Belege dafür an usw., erklärt jedoch seine Herkunft nicht. Nach K. Būgas Tod ließ das Interesse an lietuviui nicht nach. Von den zahlreichen Erklärungen seien drei genannt — die von J. Otrębski, J. Ochmański und S. Tarvydas.

J. Otrębski brachte den Ländernamen Lietuvą mit dem Flussnamen Leitė (Šilutė) sowie anderen verwandten Eigen- und Gattungsnamen in Verbindung47. Auch J. Ochmański hält den Ländernamen Lietuvą für hydronymischen Ursprungs. Er verweist auf den Flussnamen *Letovia:, der im Brief Mindaugas an den Schwertbrüderorden erwähnt wird: „in ripam Lettoviae que dicitur de Lettawie (Lettowie)“48. Diesen Flussnamen aus historischen Dokumenten setzt J. Ochmański mit dem heutigen Flussnamen Latavā, Latuvā (Anykščiai, Nebenfluss der Šventoji) gleich48.

Der Lösung des Problems der Herkunft des Namens Lietuvõs war S. Tarvydas am nächsten gekommen. Er bemerkte, dass der Name Litauens dort entstanden sein musste, wo sich im 9.—12. Jahrhundert ein territorialer Verband staatlichen Charakters, ein halbfeudales Fürstentum — das Land Litauen — herausgebildet hatte. Seiner Ansicht nach lag das Land Litauen südlich des Unterlaufs der Neris, am rechten Ufer des mittleren Nemunas. S. Tarvydas schreibt weiter: „In diesem Gebiet gibt es, wie es scheint, keinen Bach Leitė; in der Antike könnte es dort jedoch einen so genannten Bach gegeben haben, dessen Namen die Menschen vergessen haben könnten“49.

Als 1963 das „Verzeichnis der Flüsse und Seen der Litauischen SSR“ erschien, zeigte sich, dass es einen solchen Bach tatsächlich gegeben hatte — den Bach in der Umgebung von Gelvonai, einen rechten Nebenfluss der Neris, Lietáuka, Liẽtauka. Später wurde noch eine weitere Variante dieses Flussnamens gefunden — Letava. Somit bestätigte sich S. Tarvydas’ Vermutung.

K. Kuzavinis ergänzte später die Zahl der Varianten des Flussnamens Lietáuka um drei weitere50: Letáuka, Letávka, Litávka. K. Kuzavinis gebührt auch die Urheberschaft der Erklärung der Herkunft von Lietuvõs. Auf Grundlage der dialektalen Varianten und historischen Belege dieses Flussnamens stellte er fest, dass seine ältere Form Lietavā lautete. Wie bekannt,

43 Siehe Bialatowicz J. Kilka uwag o szeskich i polskich nazwach miejscowych Prusy i t. p. — Slavia occidentalis, 1933, Bd. 12, S. 301—303; Антоневич Е. „Prussy“ в топонимике северной Польши и новгородской Руси. — In: Феодальная Россия и всемирно-исторический процесс. М., 1972, с. 252—261.

44 Непокупный А. П. Указ. соч., с. 93—103 (čia ir tolesnė literatūra).

45 RR III 629.

46 Ten pat, p. 737.

47 Otrebski J. Über die Vervollkommnung der Forschungsmethoden in der indoeuropäischen Sprachwissenschaft. — Lingua Posnaniensis, 1963, t. 9, s. 27.

48 Ochmański J. Noms des terres lituaniennes au XIIIe siècle — Lituanie, Nalszczany et Dziawoltwa. — Lingua Posnaniensis, 1963, t. 9, p. 171.

49 Tarvydas S. Lietuvos vietovardžiai. V., 1958, p. 22.

50 Kuzavinis K. Lietuvos vardo kilmė. — Kalbotyra, t. 10, p. 9 (ten ir išsami literatūros apžvalga).

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Der Name Litauen hatte ebenfalls die Neben- oder ältere Form Lietavà. Damit war der Schlüssel zur Etymologie gefunden, und die Bemühungen vieler Forscher, die, wie wir gesehen haben, auf dieses Ziel hingearbeitet hatten, wurden von K. Kuzavinis höchst erfolgreich abgeschlossen.

Kuren, Kure. Vor allem und in erster Linie müssen wir K. Būga dankbar sein, dass er die Formen kuršas, kuršiai, kuršis51 endgültig nachgewiesen und etabliert hat. Außerdem erklärte er auch die Herkunft des Ethnonyms und brachte es mit slaw. korsto in Verbindung: ukrain. kors „Rodung, Kahlschlag (Neuland), чищоба, новь“, tschech. krs „verkümmerter, entästeter Baum“, poln. karślak „niedriger, astiger, krummer, als Brennholz ungeeigneter Baum“. „Die Grundbedeutung des Namens Kurland könnte ‚Rodung‘, ‚Abholzung‘, ‚Rodeland‘ oder ‚Land niedriger, verkümmerter Bäumchen‘, ‚Buschland‘ gewesen sein.“52 Später gab es auch andere Versuche,53 doch sie alle, darunter wohl auch der jüngste von J. Kazlauskas,54 sind unserer Meinung nach weniger überzeugend als der von K. Būga.

Semgallen, Semgalle. Das Ethnonym und der Landesname Žiemgala wurden von K. Būga bestimmt. Diese Formen der Wörter werden auch heute am häufigsten verwendet. Die von K. Būga vorgeschlagene Etymologie des Ethnonyms ist unter allen vorliegenden ebenfalls die überzeugendste. Nach K. Būga handelt es sich um ein Kompositum, dessen erstes Glied žiem- mit lit. žiémiai „Norden“, lett. ziemelis „ebd.“ zusammenhängt, während das zweite, gal-, „Rand, Seite“ bedeutete; vgl. lett. galā „am Rand“ (viņš dzīvo mūsu galā), lit. gãlas „Rand, Seite“.55 Diese Etymologie K. Būgas wurde später von E. Frenkelis unterstützt56. V. Grinaveckis veröffentlichte 1968 eine andere Hypothese, der zufolge das erste Glied des Namens der Semgallen nicht žiem- (žiemiai), sondern žem- sein könnte. V. Grinaveckis leitet dieses Glied von lit. žemė, žemas ab und bringt es mit zahlreichen anderen litauischen und lettischen Orts- und Personennamen in Verbindung, die die Wurzel žem- (Žemalė, Žemupis, Žemaičiai, Žemygala usw.)57 enthalten. Doch diese Hypothese wird unserer Ansicht nach kaum mit derjenigen K. Būgas konkurrieren können, denn K. Būga hat recht deutlich nachgewiesen, dass die Wurzel des Ethnonyms žiem- lautete. Sie wird durch die skandinavische Bezeichnung Seimgala, Seimgaler aus dem 11. Jahrhundert58 sowie durch die russischen Chronikformen Зимигола und Зимгола vollständig bestätigt. Der Wurzelvokal i in den letzteren Formen kann nur auf ei zurückgehen (vgl. eiti: ūmu). Es ist schwer zu glauben, dass es sich hier um derart unregelmäßige, zufällige Schreibungen handelt. Wer dies annimmt, müsste zugestehen, dass anstelle von lit. e in historischen Dokumenten der Diphthong ei auftreten konnte. Anders verhält es sich mit der Monophthongierung des Diphthongs ei, die sich in zahlreichen späteren Schreibungen widerspiegelt (Semigalli, Semegallen usw.). Wie die Untersuchungen von J. Šliavas zeigen, konnte sich der Diphthong ei > in einem Dialekt recht regelmäßig zu e entwickeln.59

Die Tatsache, dass die Wurzel žem- im baltischen Namenbestand häufiger ist als žiem-, žeim- (zu Letzteren vgl. Žeimis, Žeimėlis, Žeimenà, Žeimikė, Žeimenys und Žiemiškis, Žiemragis, Žiembalės, Žiemgaraistis usw.), beweist nichts. Entscheidend ist allein, welche Wurzel (žem- oder

51 RR II 232–234; III 246–251.

52 RR III 234.

53 Žr. Фасмер М. Указ. соч., 1967, т. 2, с. 338; Frenkelis E. Baltų kalbos. V., 1969, p. 58.

54 Kazlauskas J. Dėl kuršių vardo etimologijos. – Baltistica, 1969, t. 4, p. 59–63.

55 RR III 253, 737.

56 Frenkelis E. Min. veik., p. 59.

57 Grinaveckis V. Dėl žemaičių vardo kilmės. – Kalbotyra, 1968, t. 19, p. 46, 48.

58 RR III 252–253.

59 Šliavas J. Kai kurios pastabos žiemgalių klausimu. – Kn.: Kraštotyra. V., 1967, p. 52 (ten ir kita literatūra šiuo klausimu).

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žeim-) lässt sich aus den Aufzeichnungen historischer Dokumente rekonstruieren (aus der lebendigen Sprache ist das Ethnonym *žiemgalis oder Ähnliches nicht belegt).

Selen, Seler. Das Ethnonym sėlis ist ebenso wie žiemgālis in der lebendigen Sprache nicht erhalten geblieben. K. Būga bestimmte diese Formen anhand historischer Aufzeichnungen und Ortsnamen, die vermutlich dieselbe Wurzel sėl- bewahrt haben: Sėlpilis und Sėlė (oder Sėlė?). Er rekonstruierte außerdem auch die Bezeichnung des Landes — Sėla (oder Sėluona)60. Den Ursprung des Ethnonyms selbst erklärte K. Būga jedoch nicht. Auch nach K. Būgas Tod wurde den Selen nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet61. Die ausführlichste der späteren Deutungen stammt von K. Kuzavinis. Nach Ansicht dieses Autors sei es naheliegend, das Ethnonym sėlis und die Landschaftsbezeichnung Sėla als hydronymischen Ursprungs anzusehen. Zwar ist kein so eindeutiges Hydronym bekannt wie etwa im Fall von Lietuvõs. K. Kuzavinis versucht, es zu rekonstruieren: Aus dem heutigen Namen des Baches Sėl-iupis, Sėl-iupỹs (Daugailiai, linker Nebenfluss der Šventoji) wird die hypothetische Vorform *Sėlia, *Sėlė erschlossen, aus der nach Ansicht des Autors sowohl das Ethnonym sėliai, sėlis als auch die Landschaftsbezeichnung Sėla hervorgegangen sein könnten62.

Jatwinger, Jatwinger. K. Būga leitete dieses Ethnonym vom 1516 belegten Namen Ямба eines Flusses her, der im Gebiet von Lida floss und den die Polen Jatfa nannten. Die baltische Form könnte *Jātvā > lit. *Jótva gewesen sein. Dieser Etymologie schlossen sich spätere Forscher an, darunter A. Nepokupnas63. Offenbar ist dies auch heute die überzeugendste Herkunftsdeutung für die Jatwinger.

Nach K. Būgas Forschungen ließ das Interesse an den Jatwingern nicht nach, sondern nahm im Gegenteil stetig zu. Man denke nur an die seit mehr als dreißig Jahren laufende umfassende Jatwinger-Expedition und an zahlreiche weitere sprachwissenschaftliche und historisch ausgerichtete Untersuchungen64, darunter das internationale Symposium zur Jatwinger-Frage, das 1973 in Białowieża stattfand65, und anderes mehr. Viele derjenigen, die sich mit der Jatwinger-Problematik befassten, berührten verschiedentlich auch die Frage nach dem Ursprung des Ethnonyms. Unter den besonders beachtenswerten originellen Hypothesen ist vor allem die von J. Nalepa zu nennen. Dieser Jatwinger-Spezialist vertritt die These und versucht sie ausführlich zu begründen, dass die Jatwinger ihren Namen vom Namen des Flusses Ančia erhielten. J. Nalepa zufolge sei der älteste Stamm der Jatwinger *Ant-iv-ing- gewesen, wobei ant- die Wurzel des Flussnamens Ančia < *Antjā (oder *Antia) sei und ant- dessen Wurzel, während -ing- ein Suffix sei. Was das Element -iv- bedeutet, ist schwer zu erklären, obwohl der Autor sich darum bemüht, dies anhand von Daten aus dem Preußischen zu tun66. Demnach wären die Jatwinger nach J. Nalepa *Ant-iv-ing-ai. Diese Etymologie ist zwar recht ansprechend und gut begründet, kann jedoch zumindest vorläufig aus unserer Sicht noch nicht als endgültige Erklärung des Ursprungs des Ethnonyms Jatwinger gelten, da die Schwierigkeiten bei der Erklärung der lautlichen Entwicklung sehr groß sind.

60 RR III 274.

61 Darauf gingen beispielsweise E. Frenkelis und O. Trubačiovas kurz ein — Frenkelis E. Min. veik., S. 59—60; Трубачев О. Н. Ранние славянские этнонимы — свидетели миграции славян, с. 55.

62 Kuzavinis K. Etymologica, p. 179—180.

63 Непокунный А. П. Указ. соч., с. 109.

64 Ein umfassenderer Überblick findet sich in den folgenden neueren Arbeiten: Kamiński A. Jaćwież. Łódź, 1953; Nalepa J. Jaćwięgowie. Nazwa i lokalizacja. Białystok, 1964; Burek K. Starożytnicy i archeolodzy. Z dziejów badań archeologicznych na Białostocczyźnie. Pojezierze... Olsztyn, 1977.

65 Simpoziumo medžiaga žr. Acta Baltico—Slavica, 1976, t. 9.

66 Nalepa J. Ten pat, p. 32—33.

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Noch weniger überzeugend ist O. Trubačëvs recht kategorische, aber nicht weiter belegte Auffassung, dass jótvingiai „толпа, отряд“⁶⁷ bedeutet.

Sūduviai, sūduvis. K. Būga stellte als Erster diesen Ethnonym mit dem Namen des Flusses Sūdonia⁶⁸ (Liudvinavas, linker Nebenfluss der Šešupė) in Verbindung. Spätere Forscher unterstützten K. Būgas Etymologie weitgehend einmütig⁶⁹. Über die semantische Interpretation sind sie allerdings uneins. So meinten V. Mažiulis und J. Otrębski, das Ethnonym sei hydronymischen Ursprungs, während B. Savukynas und A. Nepokupnas dazu neigten, Sūduvą als Gebiet der Sümpfe, Niederungen o. Ä. zu deuten. Unserer Ansicht nach ist die erste Version vorzuziehen.

Außer Betracht bleibt O. Trubačiovs Annahme (vom Autor selbst nicht begründet), dass Sudowia — das < „свои“⁷⁰.

Galindai, galindas. K. Būga erklärte dieses Ethnonym folgendermaßen: „Den Namen Galindo leite ich von galo ‚край‘ ab: galindas ist russ. украинец ‚einer, der am Rand (des preußischen Landes) lebt‘⁷¹.“ Diese Etymologie K. Būgas wurde von späteren Forschern übernommen⁷². Besonders überzeugend untermauerten sie mit neuen Belegen, vor allem aus der Wortbildung, P. Skardžius⁷³ und B. Savukynas⁷⁴. J. Otrębski widersprach dieser Etymologie des Ethnonyms galindai; seiner Ansicht nach hatte die etymologische Form * Galindā die Bedeutung ‚Kraft, Menge, Vielzahl‘⁷⁵. V. Mažiulis stimmt im Wesentlichen K. Būga und B. Savukynas zu, wirft aber auch die Frage auf: „Ist *Galind- vielleicht ebenfalls hydronymischen Ursprungs?“⁷⁶

Es scheint, dass V. Mažiulis’ Frage eine solide Grundlage hat – J. Nalepa⁷⁷ beantwortete sie, als hätte er sie gehört. Dieser Forscher entdeckte im Zentrum des ehemaligen galindischen Gebiets einen See, dessen Name möglicherweise dem Ethnonym galindai zugrunde lag. In historischen Quellen wird der Name des Sees unterschiedlich geschrieben: Galent, Galanten, Gellant, Gelland, Galland, Gieląd, Gehland -See u. a.⁷⁸ J. Nalepas Hypothese scheint als recht überzeugende und fundierte Etymologie des Ethnonyms galindai gelten zu können.

Daināviai, daināvis. K. Būga war der Ansicht, dass auch dieses Ethnonym vom Namen eines Flusses abstammt: „Der Landesname Dainuvà (pr. Dainavō) ist, wie der gleichnamige Fluss und See zeigen, ein pra-

67 Трубачев О. Н. Указ. соч., с. 55.

68 RR III 156.

69 Mažiulis V. A. a. O., S. 18–19; Savukynas B. Zu M. Rudnickis etymologischen Deutungen von Galindos, Priegliaus und Sūduvos. — In: Lietuvių kalbotyros klausimai, 1963, Bd. 6, S. 323–325; Otrębski J. Das Jatwingerproblem. — Die Sprache. Zeitschrift für Sprachwissenschaft, 1963, Bd. 9, S. 158; Непокупный А. П. Указ. соч., с. 111–112.

70 Трубачев О. Н. Указ. соч., с. 55.

71 RR III 117.

72 Endzelīns J. Senprūšu valoda. Rīgā, 1943, p. 8; Frenkelis E. Min. veik., p. 62; Fraenkel E. Litauisches etymologisches Wörterbuch, S. 130; Kiparsky V. Finnougrier und Slaven zu Anfang der historischen Zeit. — Ural-altaische Jahrbücher, Wiesbaden, t. 42, 1970, S. 5; Фасмер М. Этимологический словарь русского языка. М., 1964, т. 1, с. 434.

73 Skardžius P. Lietuvių vandenvardžiai su -nt-. Jų daryba, kilmė ir reikšmė. — Kn.: Lituanistikos darbai, t. 3, p. 55–56.

74 Savukynas B. Min. veik., p. 322.

75 Otrębski J. Zagadnienie Galindów. — In: Studia Historica w 35-lecie pracy naukowej Henryka Łowmiańskiego. Warszawa, s. 40.

76 Mažiulis V. Min. veik., p. 18 (74 išnaša).

77 Nalepa J. Próba nowej etymologii nazwy Galindia czyli Gołę̨dzi. — In: Nalepa J. Opuscula Slavica. Lund, 1971, t. 1, s. 93–115 (arba Acta Baltico-Slavica, t. 9, s. 191–209).

78 Ebenda, S. 95–96.

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nicht von ihrem Gesang, sondern vom Leben ihrer Bewohner abgeleitet Dainavõs paupiais79. Den Namen des Flusses und des Sees identifizierte K. Būga jedoch nicht. Auch späteren Forschern gelang es nicht, das Hydronym genauer zu lokalisieren. Daher sind weitere Bemühungen in dieser Richtung wünschenswert.

Zwar fehlt es dem Problem Dainavõs nicht an Aufmerksamkeit – man denke nur an die ausführlichen Deutungen von A. Kaminski, J. Otrębski, J. Nalepa und insbesondere A. Nepokupny80. Sie alle widersprechen K. Būga nicht darin, dass dainãviai, Dainavà hydronymischen Ursprungs sein könnten. Nur J. Otrębski hält, obwohl er zustimmt, dass Dainavà von einem Flussnamen abgeleitet ist, diesen Landschaftsnamen für eine Ableitung mit dem Suffix -ava vom Flussnamen *Daina oder *Deina, so wie angeblich Léita – Lietuvà usw.81 Doch diese Auffassung des Landschaftsnamens Dainavà ist offenbar ungenau. Zum einen ist Lietuvà, wie wir gesehen haben, keine Ableitung vom Flussnamen mit dem Suffix -uva (-ava, -va), sondern der Flussname wurde zum Landschaftsnamen Lietuvà (* Lietava, *Lietva). Offenbar muss auch Dainavà vom Flussnamen *Dainava (d. h. einer Ableitung mit dem Suffix -ava oder Ähnlichem) ausgegangen sein. Ohne eine endgültige Antwort zu beanspruchen, lässt sich dennoch vermuten, dass zu den Flussnamen, die diesem Ethnonym den Ursprung gaben, unter anderem auch der Name Dainavà eines Baches in der Umgebung von Varėna gehört haben könnte, der in den See Vard aunios mündet. Die geografische Verteilung der Oikonyme und anderer Ortsnamen Dainavà scheint einer solchen Annahme nicht zu widersprechen82.

Bei der Erörterung der Jatwinger, Dainavier und Sudauer stellt sich immer die Frage nach dem Bedeutungsgehalt dieser Ethnonyme. Ohne auf eine ausführlichere Übersicht der Literatur einzugehen und ohne den Anspruch zu erheben, dieses recht verwickelte Problem zu lösen83, möchte ich hier zunächst betonen, dass es im Interesse einer Vereinheitlichung des Sprachgebrauchs zweckmäßig wäre, den Begriff jótvingiai gleichsam in zwei Bedeutungen zu verwenden – in einer weiten und einer engen. In einem weiten Sinne könnten wir im Einvernehmen Jótvingiais alle drei Gruppen ethnischer Zusammenschlüsse, Gruppen (oder wie immer man sie nennen mag) bezeichnen – die eigentlichen jótvingius (d. h. die jótvingius im engeren Sinne), die sūduvius und die dainavius. Die ethnische Verwandtschaft dieser baltischen Stämme ist unbestreitbar. Was die dainãvių und die jótvingių betrifft, so wurde sogar die Ansicht geäußert, dass dainãviai, Dainavà gleichsam litauische und jótvingiai, Jótva slawische Bezeichnungen desselben Ethnos seien, bestimmte Isoglossen baltisch-slawischer ethnisch-territorialer Kontakte84. Ob sich diese Annahme bestätigt, werden künftige Forschungen zeigen. Von besonderer Bedeutung sind in dieser Frage historische Zeugnisse. Aus solchen Aufzeichnungen geht beispielsweise eine große territoriale Nähe oder sogar Identität von Dainavõs und Jótvos hervor. Zum Beispiel: „Denava tota, quam etiem quidem Jetwesen vocant“85; „на лѣсу Дионова Ятвязь“86; „на поущи Дионова Ятвеж“87 usw. Dass Traidenis sich jedoch nannte

79 RR III 144. Siehe auch S. 143, 156.

80 Kamiński A. A. Min. veik., p. 80 ir t. t.; Otrębski J. Dainavà — название одного из ятвяжских племен. — В кн.: Вопросы славянского языкознания. М., 1963, вып. 7, с. 3—6; Nalepa J. Jaćwięgowe, s. 46 ir t. t.; Непокупный А. П. Указ. соч., с. 105—111.

81 Otrębski J. Ebenda, S. 4.

82 Geografijų žr. Непокупный А. П. Указ. соч., с. 106; его же. Лингвогеографические связи литовских и белорусских форм названий г. Дятлово и его окрестностей. — В кн.: Балто-славянские исследования. М., 1974, с. 147.

83 Непокупный А. П. Указ. соч., соответственно с. 108; 147—148.

84 Ebenda, S. 108; ebenda, S. 147—148.

85 Mindaugas’ Brief von 1259 – siehe Preussisches Urkundenbuch. Königsberg i Pr., 1909, B. 1. Zweite Hälfte, S. 70.

86 Полное собрание русскихъ лѣтописей. С.-Петербургъ, 1907, т. 17, с. 368.

87 Ebenda, S. 237.

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„sich zum Großfürsten von Jotva und Dainava nennen wird“ (Троцень… и прозовется великим князем Ятвезским и Доновским⁸⁸) zeigt, dass Jotva und Dainava nicht vollständig gleichgesetzt werden können. Daher gibt es vorerst Anlass, von jótvingius, daina- viùs, sūduviùs zu sprechen, die man alle der Einfachheit halber bei Bedarf auch mit einem einzigen Wort bezeichnen könnte — jótvingiai.

Hier wurden die wichtigsten baltischen Ethnonyme genannt, die K. Būga auf die eine oder andere Weise erklärt hat. Doch das ist bei Weitem noch nicht alles, was K. Būga auf diesem Gebiet geleistet hat. Unter anderem hat er auch die Namen vieler anderer Teile, Gebiete und Landschaften Litauens, Lettlands und Preußens sowie Ähnliches recht umfassend interpretiert. Besonders wichtig ist, dass K. Būga die Formen der Namen preußischer Landesteile festgestellt hat, von denen die meisten in der von K. Būga ermittelten Form bis heute gebräuchlich sind.

Pamėdė — pruß. Po-median: pruß. po „põ, unter“ und median „Wald, Forst, Gehölz“⁸⁹. Pagudė — pruß. Po-gudian: pruß. po „põ, unter“ und pruß. gudde „Strauch“⁹⁰. Die meisten späteren Forscher stimmten dieser Etymologie zu⁹¹. Allerdings erwähnt V. Mažiulis unter Beibehaltung von K. Būgas Etymologie sehr vorsichtig, dass die Wurzel gud- in *Pa-gud- auch hydronymischen Ursprungs sein könnte, und verbindet sie mit lit. Gùd-upis (Gaūd-upis?). Unserer Meinung nach ist eine Verbindung mit Gùd-upis grundsätzlich möglich, doch die litauische hydronymische Wurzel gud- dürfte kaum etwas mit pruß. gudde „Strauch“ zu tun haben. Wegen des in diesem Fall schwer erklärbaren Ablauts ist der Hinweis auf Gaūd-upis wohl kaum überflüssig.

Ohne eine endgültige Entscheidung beanspruchen zu wollen, möchten wir dennoch auf die unserer Ansicht nach zu Unrecht vergessene Auffassung von J. Endzelīns und besonders R. Ekblom⁹² hinweisen, wonach das prußische Wort gudde in der Bedeutung „Strauch“ möglicherweise überhaupt nicht authentisch ist und seine genetische Verbindung mit dem Ethnonym gūdas „Weißrussen“ durchaus möglich ist⁹³. Unter anderem wird diese Verbindung durch den gesamten baltischen Namenbestand sehr deutlich bestätigt. Gemeint ist eine Vielzahl (mehrere Hundert) litauischer und recht zahlreicher lettischer Toponyme und Anthroponyme, deren Verbindung mit dem Ethnonym gūdas nicht den geringsten Zweifel aufwirft. Unserer Meinung nach wäre es sehr riskant, allein den prußischen Namenbestand aus diesem Zusammenhang herauszulösen. Für die gegenteilige Annahme, dass litauische und lettische Toponyme und Anthroponyme irgendwie mit dem prußischen Wort gudde „Strauch“ zusammenhängen könnten, gibt es keinen Anhaltspunkt, denn diese beiden Sprachen kennen kein solches Appellativum. Man kann auch nicht vermuten, dass es einst existiert habe, denn es ist unmöglich, dass ein Wort, aus dem so viele Orts- und Personennamen hervorgegangen sind, einfach so verschwunden wäre. Daher stellt sich zwangsläufig die Frage, ob Pagudė (pruß. Po-gudian) nicht einfach „pagudė“ ist, wobei gud- „Guden, Weißrussen“ oder sogar „Goten“ bedeutete. Selbstverständlich kann eine endgültige Antwort auf diese Frage nur eine sehr sorgfältige Analyse aller baltischen nomina propria und nomina appellativa mit gud- liefern. Vorläufig lässt sich lediglich die Frage aufwerfen, auch angesichts der Tatsache, dass pruß. gudde keine überzeugendere Etymologie hat und ein stark isoliertes Wort ist.

⁸⁸ Там же, с. 238.

⁸⁹ RR III 113. Dar žr. Mažiulis V. Min. veik., p. 16; Endzelīns J. Min. veik., p. 7; Frenkelis E. Min. veik., p. 60; Трубачев О. Указ. соч., с. 55.

⁹⁰ RR III 113–114.

⁹¹ Mažiulis V. Min. veik., p. 17; Endzelīns J. Min. veik., p. 7; Frenkelis E. Min. veik., p. 60; Трубачев О. Указ. соч., с. 55.

⁹² Endzelīns J. Min. veik., p. 182; Ekblom R. Balt. gudas und. schw. Gute „Gotländer“. — In: Rakstu krājums veltījums… Jānim Endzelīnam. Rīgā, 1959, S. 91–99.

⁹³ R. Ekbloms Hypothese zur Verbindung von pruß. gudde mit schwed. Gute „Gotländer“ würde ich nicht uneingeschränkt unterstützen.

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Vārme – pruß. Vārme „die Rote“: pruß. wormyan „rot“94.

Nōtanga – pruß. Nōtangō oder Nā tangō, Nōtungō95. K. Būga stellte diesen Namen beiläufig mit litauisch nōtung-aris „ein grobschlächtiger, plumper Mensch“ in Verbindung. Es ist verständlich, dass diese Herleitung zur Erklärung der Herkunft des Landschaftsnamens nicht ausreicht, zumal das Wort selbst nōtum-garis ein eindeutiges Germanismus ist; vgl. außerdem litauisch nōtangaris „Schmutzfink, Taugenichts“ < und deutsch dialektal Natanger96. Das deutsche Dialektwort seinerseits könnte mit dem Landschaftsnamen Nōtanga zusammenhängen (deutsch Natanger bezeichnet einen Einwohner von Nōtanga, einen „Nōtanger“), nur hat sich seine Bedeutung gewandelt. Somit ist K. Būgas Etymologie zweifellos ein Irrtum.

Der Ursprung von erklärte später V. Mažiulis. Seiner Ansicht nach könnte „der Name von Nō tangos (lat. Notangia, Nattangia), von dem wir nō tangus (lat. Nottangi) haben, ebenfalls von einem Flussnamen stammen: *Not-ang-, vgl. z. B. lit. Not-a und (hinsichtlich des Suffixes) Al-ang-a97. Es scheint, dass man dieser Hypothese zustimmen kann. Selbstverständlich kann der Name von Nō tangos weder von lit. Notà (ein Fluss in der Umgebung von Žasliai) noch von Nōtē || Notijà (ein Fluss in der Umgebung von Salantai) oder Ähnlichem abgeleitet werden. Den Namen des Flusses (oder Sees), aus dem Nōtanga entstand, muss man noch aus dem früheren Namensbestand „ausgraben“. Dass ein solcher Name möglich ist und auch in Preußen existiert haben könnte, wird unter anderem durch die preußischen Ortsnamen Notis, Notkaymen und Ähnliches bestätigt98. Ortsnamen, darunter auch Hydronyme, die die Wurzel not- enthalten haben könnten, kommen auch im jotwingischen Namensbestand vor, vgl. z. B. Načwidek (Noczwidok), einen See unweit von Šlamai, in dessen Namen K.-O. Falk die Wurzel *Nāt- rekonstruiert99. Unserer Ansicht nach sollte dem Seenamen Notist besondere Aufmerksamkeit gelten100. Dieser Seename ist bis heute im Polnischen erhalten geblieben – Notyst101. Auf Deutsch wurde er Gross Notister See geschrieben102. Aus dem Namen des Sees (mit einer Fläche von etwa 160 ha) entstand später der Name des Dorfes – poln. Notyst (Dolny, Mały i Wielki)103. Der See (und die Dörfer) liegen in der Woiwodschaft Olsztyn, im Kreis Mrągowo, also genau in dem Gebiet, in dem K. Būga das Gebiet von Nō tangos vermutete104.

Der Seenamen Notyst, dessen litauische Form *Not-istas oder ähnlich gewesen sein könnte, ist als Ableitung mit dem Suffix -ist(as) von der Wurzel Not- < *Nāt- anzusehen. Zu solchen Ableitungen vgl. litauisch Sav-istas (See in der Umgebung von Daugai), Ab-istà (Fluss in der Umgebung von Daugai) sowie Pekl-ystà (Fluss in der Umgebung von Naujamiestis).

94 RR III 114. Dar žr. Mažiulis V. Min. veik., p. 17.

95 RR III 114–115.

96 Lietuvių kalbos žodynas, Bd. 8, S. 872. Es sei darauf hingewiesen, dass dieses Wörterbuch einige Seiten später auch das aus den Schriften K. Būgas entnommene Wort nōtungaris „ein plumper Mensch, ein Grobian“ anführt (zitiert wird K. Būgas Satz: „Der Name Notangos kann desselben Ursprungs sein wie das Wort nō-tung-aris der Litauer in Sudauen“), das aus irgendeinem Grund nicht mehr als Germanismus gilt und auch nicht mit nōtangaris in Verbindung gebracht wird, obwohl sein Zusammenhang mit dem letztgenannten Wort nōtangaris offensichtlich ist.

97 Mažiulis V. Min. veik., p. 17.

98 Gerullis G. Die altpreussischen Ortsnamen. Berlin und Leipzig, 1922, S. 109–110.

99 Falk K.-O. Streszczenie niektórych części pracy „Ze studiów nad nazwami wód suwalskich“. Lund. 1973 (mašinraštis), s. 28.

100 Gerullis G. Min. veik., p. 110.

101 Leyding G. Słownik nazw miejscowych okręgu Mazurskiego. Część II. Nazwy fizjograficznie. Poznań, 1959, s. 87.

102 Ebenda.

103 Spis miejscowości Polskiej Rzeczypospolitej Ludowej. Warszawa, 1967, s. 749.

104 RR III 119.

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Sémba – pruß. Sembō; Sembō105. Zur Herkunft dieses Landschaftsnamens schrieb K. Būga: „Den Namen Sembo leite ich vom nicht mehr gebräuchlichen Wort sembas ‚der Eigene, Sippenangehöriger, socius‘ ab, mit dem ich das slawische Wort sebr, ‚dasselbe‘, verbinde: russ. сябр...“. Diese Etymologie wird von O. Trubačiovas unterstützt106. Zu einer solchen Herkunftsdeutung lässt sich sagen, dass sie theoretisch durchaus annehmbar ist; das Problem besteht jedoch darin, dass, wie V. Mažiulis richtig bemerkte, „die Qualität des anlautenden Konsonanten des Wortes nicht bestimmt werden kann (ob die Prußen *s- oder *z- aussprachen)“107. Aus diesem wichtigsten Grund gibt es derzeit keine Grundlage für die Etymologie. In diesem Fall müssen natürlich auch die anderen Deutungen als Hypothesen gelten, darunter auch die von V. Grinaveckis, der über den Landschaftsnamen Sémba sagt, dass „das Land des baltischen Stammes, das sogenannte Semba, Sambija, bis in historische Zeiten höchstwahrscheinlich Žemė (Žemija) hieß“. Seine Bewohner werden sich žemiai genannt haben108.

Nadruvā – pruß. Nadravō109. K. Būga bemerkt, die Herkunft des Gebietsnamens sei nicht klar. Man könne ihn angeblich entweder mit pruß. nadruw-isman „Hoffnung, Hofnung“ < na „auf“ und druwit „glauben“ verbinden (nadruwjas wäre dann „ein Vertrauender, ein Mensch der Hoffnung“), oder als Ableitung mit dem Präfix na „auf“ vom Wort *dravis „dravis, борть“ auffassen. Nadruvā wäre K. Būga zufolge „Ant-dravė“.

V. Mažiulis hält den Namen Nadruvā für etymologisch unklar, deutet aber an, dass er von einem Gewässernamen stammen könnte: *Na-drav- < *Ne-drav-, vgl. lit. Ne-vardā, dialektal Na-vardā. Die Gewässernamenswurzel drav- vergleicht V. Mažiulis mit pruß. Drew-ancz (Drav-anta)110.

Unserer Ansicht nach ist eine Herkunft des Landschaftsnamens Nadruvā aus einem Gewässernamen wohl die denkbarste. In einer nahezu zeitgleich mit der Untersuchung von V. Mažiulis veröffentlichten Studie erklärt K. Kuzavinis recht überzeugend, dass der Hydronym, der dem Landschaftsnamen Nadruvā zugrunde lag, der Flussname Drūoja (Išrutis, Nebenfluss der Prieglius) gewesen sein könnte. Das Verhältnis zwischen der heutigen Form Drūoja und der vermuteten früheren Form *Drava wäre ähnlich wie Knituoja: Knituvā, Knitavā; Breslavia: lett. Braslava usw. K. Kuzavinis behauptet unserer Ansicht nach zu Recht, dass *Nadrava, Nadruvā „ein Gebiet an den Ufern des Flusses Drava“ bedeutet (pruß. na „auf“)111.

Skalvā – pruß. Skalvō. K. Būga erklärte die Herkunft des Namens nicht. V. Mažiulis zufolge könnte auch dieser Landschaftsname von einem Flussnamen stammen, vgl. lit. Skalvỹs (Fluss in der Umgebung von Šiauliai)112. K. Kuzavinis begründete diese Herkunft des Landschaftsnamens und ergänzte sie durch neue Belege113.

Bārta – pruß. Bārtā. K. Būga bemerkte, dass „der Name Bārta möglicherweise denselben Ursprung wie der kurische Flussname Bārtuva hat“114. Diese Verbindung wäre nur dann annehmbar,

105 RR III 115.

106 Трубачев О. Указ. соч., с. 55.

107 Mažiulis V. Min. veik., p. 17–18.

108 Grinaveckis V. Min. veik., p. 47.

109 RR III 115.

110 Mažiulis V. Min. veik., p. 19–20 (91 išnaša).

111 Kuzavinis K. Etymologica, p. 179.

112 Mažiulis V. Min. veik., S. 20. Zum Flussnamen Skalvỹs und seinem Verhältnis zu Skalā (Fluss in der Umgebung von Žasliai) siehe Schmid W. P. Zur primären -u Ableitung in einigen baltischen Gewässernamen. – Donum Balticum. Stockholm, 1970, S. 476.

113 Kuzavinis K. Min. veik., p. 179.

114 RR III 118.

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Auch wenn der Landschaftsname Bārta, wie V. Mažiulis115 vermutet, aus einem Flussnamen hervorgegangen sein sollte, erscheint uns sein Ursprung aus einem Gewässernamen durchaus möglich – vgl. etwa die Nebenform oder sogar ältere Form des Flussnamens Bārtuva, Bartwa116, den Flussnamen Bārtis (Gegend von Krekenava) und dergleichen.

Sasna. K. Būga brachte diesen Landschaftsnamen mit pruß. sasnis „Hase“ in Verbindung und merkte an, dass der Flussname Sasnā im Gebiet Sudauens (Gegend von Sasnava) sowie der davon abgeleitete Ortsname Sasnavā prußischen Ursprungs seien117. A. Nepokupnas118 teilt diese Annahme K. Būgas.

Kulmas. K. Būga hält diesen Namen für polnisch – die Polen nennen ihn Chełmno: slaw. хълмъ „Hügel“119.

Liubavas. Auch diesen Namen hält K. Būga für polnisch – vgl. poln. Lubów, Lubowo120. Neben Preußen erklärte K. Būga auch die Namen vieler Gebiete Litauens und Lettlands und bestimmte ihre gebräuchlichsten Formen. So bemerkte er, dass „der westliche Teil des litauischen Volkes, nachdem er im Laufe der Zeit die Bezeichnung Litauer verloren hatte, sich heute nur noch žemaičiais nennt. Aus historischen Dokumenten wissen wir, dass die Žemaiten noch im 15. Jahrhundert die Bezeichnung Litauer führten“. Diesen Gedanken belegt K. Būga mit Tatsachen aus historischen Dokumenten, darunter aus dem Brief Vytautas’ an König Sigismund121. Weiter schreibt K. Būga: „Die Bezeichnungen Aukštaiten und Žemaiten prägten die Litauer nicht zur Bezeichnung der Nationalität (Nationalitätsbezeichnung) und nicht zur Kennzeichnung der Herkunft, sondern zur Bezeichnung der Beschaffenheit des Wohngebiets (Wohnsitzbezeichnung)… Aus der Geschichte wissen wir, dass sowohl die Aukštaiten als auch die Žemaiten Litauer aus demselben Holz sind, denn beide haben dieselbe Sprache und dieselben Menschen, mit Vytautas’ Worten: unum idioma et uni homines122“. K. Būga meint, dass die Bewohner des Hochlands (die Gegend Vilnius–Ukmergė–Zarasai) im 13. Jahrhundert die Bezeichnung Aukštaiten erhielten, während die Bewohner des Tieflands (das Einzugsgebiet der Nevėžis bis zur Dubysa und Ventė im Westen, fast bis zur Mūša im Norden) zur selben Zeit die Bezeichnung Žemaiten bekamen123.

K. Būga erwähnt auch die lettischen Gebiete in der Vergangenheit und äußert sich gelegentlich zu ihrer Herkunft124.

Zum Abschluss des Überblicks über die Ethnonyme in K. Būgas Schriften sei noch hinzugefügt, dass K. Būga sich nicht nur für baltische Ethnonyme interessierte. Unter den originelleren Erklärungen von Ethnonymen benachbarter Völker könnte man etwa gūdą, vókietį, rūsą, lýbį. nennen.

Gudai, gūdas. K. Būga wies überzeugend nach, dass das Ethnonym gūdas in der Bedeutung „Weißrusse“ aus jener Zeit stammt (etwa 400 oder 300 v. Chr.), als die Goten selbst, unter deren Herrschaft ein Teil der Slawen stand, ihren Namen *gutaz noch *ghudas (*ghudos) aussprachen. Nachdem die Goten fortgezogen waren und an ihrer Stelle Slawen geblieben waren, übertrugen die Litauer diesen den Namen gūdo „Gote“125.

115 Mažiulis V. Min. veik., p. 18.

116 Žr. Vanagas A. Lietuvos TSR hidronimų daryba. V., 1970, p. 105.

117 RR III 118.

118 Непокупный А. П. Балто-северославянские языковые связи, с. 104.

119 RR III 112.

120 Ebenda.

121 Ebenda, S. 85.

122 Ebenda, S. 86.

123 Ebenda. Westlich der Ventė lebten nach K. Būgas Ansicht im 18. Jahrhundert noch Kuronen – 1250 verlief die Grenze zwischen den Kuronen und den litauischen Žemaiten am Oberlauf der Ventė (ebenda, S. 559).

124 Ebenda, S. 556–559.

125 RR II 87—88; III 124, 782—783.

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Vōkiečiai, vōkietis. Nach K. Būgas Auffassung ist vōkietis ein vom Ländernamen Vōkia (lett. Vāca) abgeleitetes Wort, so wie šiaulietis von Šiauliai oder Ähnlichem.126 Den Ländernamen Vōkia leitet er vom Namen Vagoth ab, der in den Schriften des Historikers Jordanes aus dem 6. Jahrhundert für ein südöstliches skandinavisches Volk belegt ist; K. Būga hält es für möglich, dass dieser aus *Wāk(ia)-goth127 entstanden ist. Gleich darauf schränkt K. Būga jedoch ein: „Ob meine Vermutung … möglich ist, überlasse ich den Germanisten selbst zu entscheiden.“128 Wie die Untersuchungen des renommierten Fachmanns M. Schönfeld zeigen, kann der Ethnonym Vagoth auch einen anderen Ursprung haben — aus *WagōR oder Ähnlichem.129 Die Frage nach dem Ursprung von Vōkia bleibt demnach, wie auch E. Fraenkel feststellt, ungelöst130.

Rūsai, rūsas. Dieser Ethnonym hat hinsichtlich der Aufmerksamkeit, die ihm Forschende widmen, nur wenige seinesgleichen131. Mit den Worten S. Rosponds dauert die Diskussion über den Ursprung dieses Ethnonyms bereits seit dem Jahr 800, seit der Redaktion der „Povestj vremennych let“132. K. Būga war ein entschiedener Vertreter der Theorie skandinavischen Ursprungs des Ethnonyms rūsas. Er schrieb: „In alter Zeit (9.–11. Jahrhundert) wurden, wie es scheint, mit dem Namen rūsas (finn. ruotsi, ruossi, gr. ῥῶς) nur jene Schweden bezeichnet, die sich unter den Nowgoroder Slawen, den Polozker Kriewitschen und den Kiewer Poljanen niedergelassen hatten. Seit dem 11. Jahrhundert aber wurde der Name rūsas ‚Schwede‘ dort auch auf alle kleinen Völker slawischer Abstammung übertragen, die unter der Herrschaft der schwedischen Rus lebten“133. Spätere Forschende vertraten teils die skandinavische Herkunftsdeutung von rūsas, teils suchten sie die Wurzeln des Ethnonyms in den slawischen Sprachen selbst134.

Lýbiai, lýbis. K. Būga klärte den Ursprung des Ethnonyms nicht. In diesem Fall ist jedoch K. Būgas Meinung zur litauischen Form dieses Ethnonyms von Bedeutung, denn heute werden in unseren Schriften, darunter auch in linguistischen, zwei miteinander konkurrierende Varianten dieses Ethnonyms verwendet — lybis und lyvis. K. Būga bevorzugte die erste Form — lybis. Er verwendete diese Form in seinen Schriften und erklärte in einem Brief an M. Vasmer unmissverständlich, unter anderem gestützt auf lettisch libietis und altrussisch ли́бъ, dass der Konsonant der Wurzel b sein müsse, nicht v. Unseres Erachtens könnte die Form lýbis (mit dem Konsonanten b) für den weiteren Gebrauch übernommen werden, da es keine besonders überzeugenden Argumente für die Form mit v (lyviai) gibt.

Theonymik

K. Būga ist auch ein Pionier der baltischen Theonymik und einer ihrer bedeutendsten Vertreter. Seine umfangreichste Arbeit auf diesem Gebiet ist eine Reihe von Artikeln, die 1908–1909 in „Lietuvių tauta“ unter dem gemeinsamen Titel „Materialien zur Mythologie der Litauer, Letten und Preußen“ veröffentlicht wurden135. Unter den weiteren Artikeln, in denen auch die Namen baltischer Götter untersucht werden, sind „Prū-

126 RR I 550—552; II 226—230; III 824.

127 RR II 229—230.

128 Ebenda, S. 230.

129 Schönfeld M. Wörterbuch der altgermanischen Pesonen- und Völkernamen. Heidelberg, 1965, S. 250.

130 Fraenkel E. Min. veik., p. 1272.

131 Zu den jüngsten Arbeiten siehe Rospond S. Pochodzenie nazwy Rusb. — Rocznik Slawistyczny, 1977, t. 38, cz. 1, s. 35—50; Трубачев О. Н. Лингвистическая периферия древнейшего славянства. Индоарийцы в Северном Причерноморье. — В кн.: Славянское языкознание. VIII международный съезд славистов. М., 1978, с. 401—403.

132 Rospond S. Min. veik., p. 35.

133 RR II 88.

134 Zur Literatur siehe Rospond S. a. a. O.

135 RR I 143—189.

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Die Götter Pilvyžas und Zvaikgštias“, „Panikas und Ukapirmas“136, „Waidelotte“137, „Die Götter Pikulas und Patulas“, „Der preußische Gott Kurka“, „Krivė“138, „Patrimpas mit seinen Verwandten“139, „Der preußische Gott Aušautas“, „Der preußische Gott Gardaitas“140, „Žinčius“, „Romuva“141, erschienen in „Kalba ir senovė“ (1922). Einzelne Götternamen erwähnt oder untersucht K. Būga auch in anderen Arbeiten. So nennt er in der Einleitung zum „Wörterbuch der litauischen Sprache“ bei seiner Erörterung der Jatwinger die jatwingisch-preußischen Götter Ockopirmus, Aws chawts, Peckols, Gardoyths, Puschenkayts142, in einer Rezension in der „Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung“ untersucht er den Namen des preußischen Gottes Sūaitix143, in der Studie „Славяно-балтийские этимологии“ erläutert er den Namen des preußischen Gottes Curche144, in den „Aistiškuose studijuose“ den Namen des preußischen Gottes (Schutzpatrons der Schifffahrt) Gardaitas145 usw. Erwähnenswert ist K. Būgas Brief an R. Bertuleit, in dem er die meisten preußischen Theonyme recht ausführlich analysiert146.

Nach K. Būgas Tod wurde die Erforschung der baltischen Theonymie nicht intensiv betrieben. Auch in den letzten Jahrzehnten entwickelte sich die Theonymik merklich langsamer als etwa die baltische Onomastik im Allgemeinen. Daher sind K. Būgas Arbeiten auf diesem Gebiet nach wie vor von erstrangiger Bedeutung. Von den jüngsten Untersuchungen ist vor allem die Artikelserie von V. Toporov zur baltischen Mythologie zu nennen, insbesondere die Studie „Заметки по балтийской мифологии“, in der anhand der Verteilung der Theonyme in den überlieferten Listen preußischer Götter versucht wird, ein Gesamtbild des gesamten preußischen Götterpantheons zu rekonstruieren147. Die Namen der preußischen Götter werden auch in V. Toporovs Buch „Прусский язык“148 sehr ausführlich analysiert. Einen detaillierteren Literaturüberblick und eine ausführliche Bibliographie findet man in den genannten und weiteren Werken V. Toporovs149 sowie in N. Vėlius’ Monographie „Mitinės lietuvių sakmių būtybės“150.

Toponymik

Unter K. Būgas Arbeiten zur litauischen Onomastik nehmen die Studien zu Ortsnamen den größten Raum ein.

Als erste bereits eindeutig wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet könnte man seinen 1909 verfassten Artikel „Воротута. Ариогала. Veredava“151 betrachten, in dem K. Būga sehr ausführlich argumentiert-

136 Ebenda II 155—156.

137 Ebenda, S. 139.

138 Ebenda, S. 78—79.

139 Ebenda, S. 77—78.

140 Ebenda, S. 98—99.

141 Ebenda, S. 32—33.

142 Ebenda III 132—133.

143 Ebenda, S. 674.

144 Ebenda I 448—449.

145 Būga K. Aistiški studijai. Peterburgas, 1908, d. 1, p. 8.

146 Ebenda III 808—810.

147 Топоров В. Н. Заметки по балтийской мифологии. — В кн.: Балто-славянский сборник. М., 1972, с. 289—314.

148 Топоров В. Н. Прусский язык. Словарь, А—Д. М., 1975.

149 Siehe ferner Иванов В. В., Топоров В. Н. Исследования в области славянских древностей. М., 1974.

150 Vėlius N. Mitinės lietuvių sakmių būtybės. V., 1977.

151 RR I 131—137.

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Damit bewies er, dass die Burg Varuta von Mindaugas weder mit Ariogala noch mit Veredava gleichgesetzt werden kann. In den etwas später verfassten „Berichtigungen und Ergänzungen“ vertrat er die Auffassung, dass Varuta in Ostlitauen zwischen Medėnai (Umgebung von Sudeikiai), Kalviai (6 km von Tauragnai), Maleišiai (4 km nordwestlich von Linkmenys), Latava (9 km von Anykščiai), Tauragnai, Užpaliai und Utena zu suchen sei152.

Später verfasste K. Būga noch etwa ein Dutzend toponymischer Arbeiten, darunter die folgenden: „Apie senovės prūsų ir lietuvių tikrinius vardus“153, „Kann man Kelten-spuren auf baltischem Gebiet nachweisen?“154, „Upių vardų studijos ir aisčių bei slavėnų senovė“155, „Aistiškos kilmės Gudijos vietovardžiai“156, „Aisčių praeitis vietų vardų šviesoje“157, „Zarasai (Ežerenai) ir jų įkūrėjai sėliai“158, „Upių vardai – istorijos šaltinis“159, „Lietuvių įsikūrimas šių dienų Lietuvoje“160, „Dvina“161, „Jotvingių žemės upių vardų galūnė -da“162, „Sirinčia ir Страча“, „Laukesa“, „Утроя ir Вторая“, „Spera, Kena, Gauja, Neris“, „Palanga“, „Jeznas“, „Dūkštas“, „Sožies paupio lietuviai“163, „Vietų vardų šviesoje“164, „Vietovardžių atsikartojimas“165, „Upėvardžiai Adula ir Одла“166, Rezensionen der Bücher „Latvijas vietu vārdi“ von J. Endzelīns167 und „Die altpreussischen Ortsnamen“ von G. Gerullis168 sowie weitere. Zahlreiche Ortsnamen werden im einleitenden Abschnitt des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ mit dem Titel „Lietuvių tauta ir kalba bei jos artimieji giminaičiai“169, im „Wörterbuch der litauischen Sprache“ selbst170 (denn bekanntlich nahm K. Būga ins Wörterbuch nicht nur Gattungsnamen, sondern auch Eigennamen auf), in einigen nicht eigens der Ortsnamensforschung gewidmeten Artikeln („Славяно-балтийские этимологии“171, „Lituanica“172, „Kalbų mokslas bei mūsų senovė“173, „Priesaga -ng-“174 und weitere) behandelt. Sehr häufig erörtert K. Būga Fragen der Herkunft und Schreibweise von Ortsnamen in seinen Briefen, insbesondere in denen an J. Basanavičius, J. Endzelīns und M. Vasmer.

152 Ebenda, S. 132.

153 Ebenda, S. 419—428.

154 Ebenda, S. 496—530.

155 RR III 493—517.

156 Ebenda, S. 518—550.

157 Ebenda, S. 728—752.

158 RR II 19—23.

159 RR III 491—492.

160 Ebenda, S. 551—583.

161 Ebenda, S. 600.

162 Ebenda, S. 601—602.

163 Ebenda, S. 607—611.

164 Nach K. Būgas Tod veröffentlicht, RR III 786.

165 Nach K. Būgas Tod veröffentlicht, RR III 786.

166 Nach K. Būgas Tod veröffentlicht, RR III 788.

167 RR, S. 612—648.

168 Ebenda, S. 676—677; RR II 383—385.

169 Ebenda, 85—282.

170 Ebenda, S. 283—480.

171 RR I 323—338; 433—495.

172 Ebenda, S. 339—383.

173 Ebenda, S. 401—410.

174 RR III 789—797.

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Bemerkenswert ist außerdem, dass die Herkunft vieler Ortsnamen auch in der Kartei zum etymologischen Wörterbuch der litauischen Sprache von K. Būga erklärt wird175.

In diesen Arbeiten behandelte K. Būga so viele Ortsnamen und damit zusammenhängende Fragen, insbesondere aus dem Bereich der baltischen Ethnogenese und ethnischen Geschichte, dass es in diesem Artikel unmöglich ist, sie alle auch nur zu überblicken, geschweige denn zu bewerten. Daher wollen wir, indem wir auf die Untersuchung einzelner Ortsnamen und einen Überblick über die Ortsnamenetymologie verzichten, in allgemeineren Zügen K. Būgas Beitrag zur litauischen und überhaupt zur baltischen Toponymik umreißen und bestimmen.

In seinen toponymischen Arbeiten untersuchte K. Būga verschiedene Ortsnamen – Namen von Dörfern, Bergen, Wäldern, Wiesen, Sümpfen und andere. Zweifellos widmete er den Gewässernamen jedoch die größte Aufmerksamkeit, vor allem den Flussnamen. Man kann sagen, dass die meisten wichtigen Schlussfolgerungen über die Vergangenheit der Balten, ihre Migration und ihre einstigen Siedlungsgebiete aus der Analyse der Gewässernamen hervorgingen.

Die Gewässernamen untersuchte K. Būga ebenso wie andere Ortsnamen vor allem etymologisch. Auf dem Gebiet der Etymologie von Gewässernamen erreichte K. Būga einen Reifegrad, den selbst Forscher unserer Tage, die über eine weitaus bessere Grundlage verfügen – vor allem hinsichtlich der Fülle des Namenmaterials und der Entwicklung der Onomastik insgesamt –, nur selten erreichen.

Eine spezielle Untersuchung zu den etymologischen Prinzipien der Gewässernamen oder aller Ortsnamen verfasste K. Būga nicht. Doch schon seine etymologische Praxis lässt ein recht klares Bild davon entstehen, wie K. Būga die Methode zur Erklärung der Herkunft von Ortsnamen verstand. Am wichtigsten ist jedoch, dass er in seinen Arbeiten bisweilen auch darlegt, wie die Etymologie von Ortsnamen beschaffen sein sollte. Die wichtigste dieser Erläuterungen etymologischer Prinzipien findet sich in dem 1923 veröffentlichten Aufsatz „Studien zu Flussnamen und das Altertum der Aisten und Slawen“. Darin schrieb K. Būga: „In der vergleichenden Potamologie (Flussnamenkunde) muss man so vorgehen wie in einem vergleichenden (etymologischen) Wörterbuch jeder Sprache. Im etymologischen Wörterbuch werden Wörter verglichen, das heißt Gattungsnamen (appellativa), in der Potamologie aber müssen Fluss- (See-)Namen mit Fluss- (See-)Namen verglichen werden, das heißt Eigennamen (propria). Und erst dann, wenn Flussnamen gleicher Herkunft miteinander verglichen und ihr geografisches Verbreitungsgebiet bestimmt worden sind, erhalten wir das Recht, für den untersuchten Flussnamen eine Etymologie zu suchen; diese wird durch den Vergleich des Eigennamens eines Flusses mit Gattungsnamen gefunden. Als der Seenname Мороги… noch mit dem litauischen Gattungswort márgas ‚bunt‘, Yca… mit úosiu ‚Esche‘, Уша… mit ūžiu, ūžti ‚brausen‘ verglichen wurde…, gab es noch keine vergleichende Potamologie. Sie entsteht erst von dem Zeitpunkt an, da Sprachwissenschaftler Flussnamen mit Flussnamen zu vergleichen beginnen176. Für die Methodik der Ortsnamenforschung ist auch K. Būgas in allgemeinen Zügen formuliertes Prinzip der Etymologie von Gattungswörtern weiterhin relevant; es steht der Methodik der sogenannten inneren Rekonstruktion nahe: „Ein Litauer, der sich vorgenommen hat, die Herkunft irgendeines Wortes zu verfolgen, darf nicht sogleich, kaum dass er ein Wörtchen aus dem Wörterbuch herausgesucht hat, ohne jeden Zusammenhang mit anderen, in das ferne Indien, nach Griechenland und (heute ist das sehr in Mode) gar ins armenische Land ausschweifen. Vor allem suchen wir für das zu etymologisierende Wort eine Erklärung im Wörterbuch der litauischen Sprache. Nachdem wir uns mit dem Wörterbuch unserer eigenen“

175 Die Kartei wird im Institut für Litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR aufbewahrt.

176 RR III 510.

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Sprachwörterbüchern abgearbeitet haben, gehen wir zu unseren Sprachverwandten, den Letten und Preußen. Von dort aus ziehen wir ins Land der Slawen. Und erst nachdem wir uns auch dort umgesehen haben, erhalten wir das Recht, einen Blick in die Wörterbücher des Sanskrits, Griechischen, Lateinischen, Germanischen, Keltischen und anderer verwandter Sprachen zu werfen“},{177.

Diese etymologischen Prinzipien sind, so kann man sagen, klassisch und haben auch in unserer Zeit nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

Die sachgerechte Methode zur Erklärung der Herkunft von Ortsnamen, K. Būgas umfassende linguistische Gelehrsamkeit und Kompetenz in der Baltistik, Slawistik und überhaupt in der Indogermanistik sowie seine außergewöhnliche wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit waren die Voraussetzungen für die selten erreichte Genauigkeit, mit der er die Herkunft konkreter Ortsnamen erklärte. Auch heute, mehr als fünf Jahrzehnte nach K. Būgas Tod, ist der Großteil seiner Etymologien nahezu unverändert gültig und bildet eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung der Etymologie litauischer, lettischer, preußischer und teilweise auch ostslawischer Ortsnamen, vor allem der Gewässernamen178.

Die Erklärung von Ortsnamen war für K. Būga kein Selbstzweck – K. Būga gehört zu jenen Sprachwissenschaftlern, die verstanden, dass die Sprachwissenschaft neben ihren immanenten Aufgaben auch wesentlich weiter reichende Aufgaben hat, die weit über den Rahmen spezieller linguistischer Fragestellungen hinausgehen und umfassenderen Zielen dienen, die sowohl mit der Geschichte des litauischen Volkes als auch mit seinem gegenwärtigen Status zusammenhängen. Dass die Sprachwissenschaft, insbesondere die Ortsnamenforschung, zur Lösung von Problemen dieses Bereichs beitragen kann, bewies K. Būga mit all seinen Arbeiten. Diese Aufgabe der Linguistik hob er mehr als einmal auch ausdrücklich hervor: „Die Forschungen der Sprachwissenschaftler haben gezeigt, dass die Sprache die beste Quelle für die Geschichte ist. Man muss sie nur zu nutzen wissen“179; „Unsere Sprache kann dem Sprachwissenschaftler und Historiker als Archiv dienen, in dem nicht nur Gattungsnamen, sondern auch Eigennamen historische Dokumente darstellen. Die Erde kann uns sagen, wo einst welches Volk lebte: Man muss sie nur zu befragen und ihre Antwort zu verstehen wissen“180; „Durch die Ortsnamen spricht die Erde selbst zu uns. Die Wörter ihrer Sprache sind die Namen von Städten, Dörfern, Flüssen, Seen, Sümpfen, Wäldern, Bergen usw.“181; „Zur Erforschung der ungeschriebenen Geschichte der Völker, der sogenannten Urgeschichte, verfügt die vergleichende Sprachwissenschaft über zwei Quellen: die eine ist die Sprache der Menschen, die andere die Sprache der Erde (Toponomastik). Zur Sprache der Menschen gehören die Gattungsnamen (nomina appellativa). Für sich steht die Sprache der Erde mit den Eigennamen (nomina propria) der Orte, mit denen bewohnte und unbewohnte Orte der Erdoberfläche benannt sind. Die Namen von Ländern, Städten, Städtchen, Dörfern … Wäldern, Inseln und anderen Orten der Erdoberfläche bilden die Sprache der Erde“182 und so weiter183.

Neben der „Sprache der Menschen“ untersuchte K. Būga sehr intensiv die „Sprache der Erde“ und gelangte zu vielfältigen und wichtigen Schlussfolgerungen. Es genügt, daran zu erinnern, dass K. Būga sich sehr häufig auch auf Studien zu Ortsnamen (oder Eigennamen allgemein) stützte, als er die sprachlichen Merkmale baltischer Stämme – der Selonen, Jatwinger, Semgaller und Kuren – sowie ihre einstigen

177 RR II 260.

178 „Būga verdanken wir zahlreiche Etymologien von Hydronymen, wobei ein erheblicher Teil dieser Etymologien zu den unbestrittenen Errungenschaften zählt.“ – In: Toporov V. N., Trubatschow O. N. Linguistische Analyse der Hydronyme des oberen Dneprgebiets. Moskau, 1962, S. 7.

179 RR I 402.

180 RR III 491.

181 Ebenda.

182 Ebenda, S. 493.

183 Siehe auch ebenda, S. 560, 568, 633, 728, 743; II 547.

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Gebiete, ihre Migrationsrichtungen, Wege und sogar Zeiträume; er erläuterte die Beziehungen der baltischen Sprachen zu anderen Nachbarsprachen, darunter auch zu den finno-ugrischen Sprachen, sowie die wechselseitigen Beziehungen und Kontakte der baltischen Sprachen und Dialekte untereinander, ihre Entstehungszeit usw. Die meisten Aussagen und Ergebnisse K. Būgas auf diesem Gebiet gelten noch heute; eine ausführlichere Erörterung ist daher in vielen Fällen schlichtweg unnötig – wer sich dafür interessiert, braucht nur K. Būga zu studieren. Natürlich hat die weitere Entwicklung der baltischen Onomastik gelegentlich einige Schlussfolgerungen K. Būgas präzisiert, korrigiert oder auch etwas anders interpretiert. So bewies die lettische Sprachwissenschaftlerin V. Dambe in ihrer Studie „Die Ortsnamen von Blīdene als Zeugen der Vergangenheit“, dass in der semgallischen Sprache die weichen Konsonanten k’, g’ bis zum 13. Jahrhundert noch nicht zu Affrikaten c, dz184 geworden waren und das tautosyllabische n in den gemischten Diphthongen erhalten geblieben war185. K. Būga war der Ansicht, dass die Semgaller anstelle von k’, g’ c, dz186 aussprachen und das tautosyllabische n bereits verloren hatten187. Solche größeren Korrekturen an den Schlussfolgerungen K. Būgas sind in der späteren Literatur jedoch selten.

Was K. Būgas’ toponomastische Arbeiten betrifft, ist es offenbar sinnvoll, jenen Teil herauszustellen, in dem er baltische Ortsnamen außerhalb Litauens untersucht. Diese Arbeiten bilden in der Geschichte der Erforschung des baltischen toponymischen Substrats im Namengut der Ost- und teilweise auch der Südslawen – ohne Übertreibung kann man das sagen – eine ganze Epoche: Sie regten nicht nur weitere Forschungen auf diesem Gebiet an188, sondern gaben auch maßgeblich die Wege und Ansätze zur Lösung der Frage nach der baltischen Ethnogenese vor.

K. Būga stellte fest189 und bewies unumstößlich, dass weit östlich und südöstlich des heutigen Litauens, auf dem gesamten Gebiet der heutigen Weißrussischen SSR (mit vielleicht alleiniger Ausnahme ihres südwestlichen Teils), eine beträchtliche Schicht baltischer Ortsnamen, vor allem baltischer Hydronyme, vorhanden ist. Auf der Grundlage dieser Tatsache schloss K. Būga, dass die Urheimat der Balten an den Orten gelegen haben müsse, an denen er das Areal der substratbaltischen Ortsnamen festgestellt hatte. K. Būga war der Ansicht, dass die weitere Geschichte der „östlichen“ Balten mit dem Eintreffen der Slawen in diesen Gebieten verbunden sei – dies sei etwa im 6. Jahrhundert n. Chr. geschehen190. Nach dem Eintreffen der Slawen in den ehemaligen baltischen Gebieten zogen sich die Balten, von den Slawen bedrängt, ständig nach Westen zurück und besetzten erst im 6.–7. Jahrhundert die Gebiete des heutigen Litauens und Lettlands191. Bevor die Slawen die baltischen Gebiete erreichten, lebten sie südlich der Balten: „Die Urheimat der Slawenen ist im heutigen Polen und in Wolhynien (Волынь) zu suchen, ungefähr in jenem Gebiet, das zwischen der Weichsel, den Karpaten und dem Dnepr von Kiew bis zur Mündung des Prypjat liegt“192. Die Slawen kamen demnach nach K. Būga aus dem Süden, jenseits des Prypjat, in die baltischen Gebiete193. Die von den Slawen verdrängten Balten zogen nach Westen, an die Ostseeküste, wo „noch bis zum Nemunas im 6. Jahrhundert weiterhin … leben

184 Dambe V. Blīd(i)enes vietvārdi kā pagātnes liecinieki. — In.: Rakstu krājums veltījums… Jānim Endzelīnam. Rīga, 1959, p. 433.

185 Ebenda, S. 438–439.

186 RR III 256—257; 266—267.

187 Ebenda.

188 Eine ausführlichere Übersicht dazu siehe: Топоров В. Н., Трубачев О. Н. Указ. соч., с. 3 и след.

189 Einen Überblick über die Forschungen bis K. Būga siehe ebenda.

190 RR III 551, 730.

191 Ebenda.

192 Ebenda, S. 730. An anderer Stelle schrieb K. Būga, dass „die Slawenen für die Flüsse Dnepr, Dn(i)estr, Dunoj(a)us und die K(a)rpaten keine eigenen Bezeichnungen haben; diese Tatsache zeigt, dass die Urheimat der Slawenen weder bis zum Dnepr, Dn(i)estr und Dunoj(a)us noch bis zu den großen Karpaten gereicht hat“ (ebenda, S. 716).

193 Siehe auch ebenda, S. 744, 103.

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unsere Somer“194. K. Būga entwirft ein recht geschlossenes Bild von der Wanderung aller Balten ins Baltikum. Seiner Auffassung nach „waren die Litauer wohl die östlichsten unter allen östlichen Aisten. Westlich von den Litauern lebten damals die Letten... und die Semgallen... Westlich von den Letten und Semgallen lebten die Selonen und Kuren... Als die Slawen begannen, ins alte Litauen vorzudringen, waren die Litauer gezwungen, sich nach Westen zurückzuziehen... Die von den Slawen verdrängten Litauer trieben die Letten und Semgallen ins Wilnaer Land, aus dem die Letten-Semgallen vielleicht um 550–650 (700) n. Chr. nach Norden zogen und jenseits der Düna im Land der Sėmen siedelten..., das später Lettgallen genannt wurde... Von Lettgallen aus breiteten sich die Letten nach Vidzeme aus... Die Semgallen gelangten auf einem mir unbekannten Weg noch vor dem 9. Jahrhundert westlich der Letten, obwohl sie ihrem Namen nach nördlich der Letten hätten sitzen sollen... Vor dem 9. Jahrhundert erreichten infolge des Vordringens der Litauer auch die Kuren bei Klaipėda, Palanga und Ventspils die Ostsee und vertrieben oder assimilierten im gesamten späteren Kurland die alteingesessenen Somer...“195. Dieses Schema der baltischen Wanderungen versucht K. Būga unter anderem mit der von ihm sogenannten „Wiederkehr von Ortsnamen“ zu begründen. So stellt er etwa fest, dass die Bewohner der Ostseeküste (bei Sloka und Riga) aus dem Wilnaer Gebiet gekommen sein müssten, weil sich an diesen Orten wiederkehrende Ortsnamen finden: lett. Speras – lit. Spėra (See in der Umgebung von Musninkai196), lett. Gaujinu purvs – lit. Gaujā (Fluss in der Umgebung von Dieveniškės197), lett. Cena – lit. Kenà (Fluss in der Umgebung von Šumskas198), lett. Neriņš – lit. Neris (Wilna). K. Būga zufolge seien die lettischen Entsprechungen litauischer Ortsnamen aus dem Wilnaer Land mitgebracht worden199.

Die Flussnamen Siesartis und Širvintà in Suvalkija hält K. Būga ebenfalls für aus dem Wilnaer Gebiet mitgebracht, wo es sowohl eine Siesartis als auch eine Širvintõs gibt200.

K. Būga schrieb, dass „aus den Flussnamen, die die Slawen aus ihrer Urheimat ins Land der Aisten und Finnen mitgebracht haben, sich sogar erschließen lässt, aus welchem Teil der Urheimat die Slawen gekommen sind“201. So meint er beispielsweise, dass der Flussname Vilija202 und der Name des an der Vilija gelegenen Städtchens Šumskas von den Slawen aus Wolhynien mitgebracht worden seien, wo die Hypatius-Chronik im Jahr 1232 den Fluss Белы и und die an ihm gelegene Stadt Шюмьскъ erwähnt203. Solche von jenseits des Pripet mitgebrachten Ortsnamen gebe es K. Būga zufolge in den baltischen Ländern recht viele204.

Was das Areal baltischer Hydronyme und die mit diesem Phänomen verbundenen ethnogenetischen Fragen betrifft, ist festzustellen, dass spätere Untersuchungen dieses und anderer benachbarter Gebiete K. Būgas Ergebnisse erheblich ergänzt und manches auch wesentlich korrigiert haben.

Vor allem haben V. Toporov und O. Trubačëv in ihrem bekannten Werk205 nachgewiesen, dass das Areal baltischer Ortsnamen wesentlich größer ist, als K. Būga angenommen hatte206, und dass die bal-

194 Ebenda, S. 744.

193 Ebenda, S. 737–738.

196 K. Būga schreibt Spėra offenbar nicht ganz korrekt.

197 Heute sind in Lettland wesentlich mehr Ortsnamen mit gauji- bekannt — Gauja, Fluss, u. a. (siehe Endzelīns J. Latvijas PSR vietvārdi. A—J. Rīga, 1956, d. 1, s. 1, p. 303–304).

198 Die heutige Form Kenà ist offenbar eine spätere Form von Kinė.

199 RR III 608–609.

200 Ebenda, S. 513.

201 Ebenda, S. 503.

202 Zweitname der Neris.

203 Ebenda, S. 503, 741.

204 Ebenda, S. 503–507.

205 Топоров В. Н., Трубачев О. Н. Указ. соч.

206 Vgl. zum Beispiel: „Östlich der Sož, so scheint es, lebten kaum noch Aisten.“ — RR III 550.

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tische Ortsnamen gibt es unvergleichlich mehr, insgesamt etwa 700—800207. In der Tat wurden auch nach dem Erscheinen dieses Werkes die Grenzen des Areals baltischer Ortsnamen, insbesondere in nördlicher, nordöstlicher und östlicher Richtung, ständig präzisiert — gemeint sind die Arbeiten von V. Toporov, V. Sedov, A. Nepokupnas, E. Kotonova, R. Ageeva und anderen sowjetischen Sprachwissenschaftlern208.

Zweitens haben V. Toporov und O. Trubačov nachgewiesen, dass das Auftreten der Slawen in den ehemaligen baltischen Gebieten keine massenhafte Abwanderung der Balten nach Westen auslöste, wie K. Būga annahm; vielmehr wurde die Mehrheit der Balten allmählich an Ort und Stelle von den Slawen assimiliert209.

Überhaupt erscheint das von K. Būga entworfene Bild der Vorgeschichte der Balten und ihrer Migrationen heute allzu schematisch, man könnte sagen, allzu streng und präzise (sogar in chronologischer Hinsicht, etwa wenn es heißt, die Letten-Semgaller seien um 550—650 n. Chr. aus dem Gebiet von Vilnius nach Norden gezogen usw.). Offenbar kann man kaum so vorbehaltlos von Selen, Semgallern und Kuren des 6. Jahrhunderts, ihren ehemaligen Gebieten weit entfernt von ihren historischen Siedlungsgebieten usw. sprechen, besonders wenn man K. Būga und V. Urbutis glaubt, dass sich sogar die Litauer erst relativ spät, im 7. Jahrhundert n. Chr., von den Letten trennten210. Die Semgaller hatten, wie erwähnt, bis zum 13. Jahrhundert in ihrer Sprache noch nicht jene lautlichen Merkmale, die sie später von den Litauern unterschieden und den Letten annäherten.

Offenbar gibt es keinen Grund, K. Būga auch darin uneingeschränkt zuzustimmen, dass Litauer und Letten erst relativ spät, im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr., in ihre heutigen Gebiete kamen. Gegen diese Auffassung K. Būgas spricht unter anderem auch der Umstand, dass es in Lettland und besonders in Litauen sehr viele archaische Hydronyme gibt211, deren Vorhandensein in diesen Gebieten sich kaum allein durch ihre Mitnahme aus den früheren Siedlungsgebieten erklären ließe.

Ungeachtet dieser und einiger anderer Korrekturen, die die spätere Entwicklung der Onomastik an K. Būgas Konzeptionen vorgenommen hat, müssen wir heute, wenn wir Bilanz über K. Būgas toponymische Forschungen ziehen, feststellen, dass der große Sprachwissenschaftler in vielem auch heute noch recht hat. Bedenkt man, dass die baltische Toponomastik in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erst ihre ersten Schritte machte und die Sammlung des Namenguts ebenfalls noch in den Anfängen steckte, kann man über die Ergebnisse, die ein einzelner Mensch in vergleichsweise kurzer Zeit erzielte, nur staunen.

Hier konnten wir den einen oder anderen Aspekt von K. Būgas toponymischen Forschungen nur flüchtig berühren. Manches blieb unberücksichtigt, weil seine Interpretation auch heute noch nicht völlig klar ist. Dazu könnte beispielsweise die Frage des finno-ugrischen Substrats im baltischen Namengut gehören. Auf die Erörterung anderer konkreterer Fragen, vor allem auf die Ergänzung und Berichtigung der Etymologien einzelner Gewässernamen, konnte der Autor unter anderem deshalb verzichten, weil dies zumindest teilweise in einer anderen, spezielleren Arbeit vorgesehen ist. Auch die ethnogenetische Problematik in K. Būgas Schriften wurde nur recht knapp behandelt. So

207 Там же, с. 236.

208 Dazu siehe ausführlicher: Vanagas A. P. Maximales Areal der baltischen Hydronymie und das Problem der Herkunft der Balten. — In: Probleme der ethnischen Geschichte der Balten. Vortragsthesen. Riga, 1977, S. 129 ff.; Ageeva R. A. Probleme der interregionalen Erforschung der Toponymie baltischen Ursprungs im ostslawischen Gebiet. — In: Ethnolinguistische baltisch-slawische Kontakte in Gegenwart und Vergangenheit. Vorläufige Materialien. Moskau, 1978, S. 66—67.

209 Топоров В. Н., Трубачев О. Н. Указ. соч., с. 236.

210 RR III 103; Urbutis V. Kaip senos lietuvių ir latvių kalbos. — Kalbotyra, 1962, t. 4, p. 386.

211 Ванагас А. П. Указ. соч., с. 130—131.

2. 599

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So musste man vor allem deshalb vorgehen, weil das Problem selbst, wie zu Beginn des Artikels erwähnt, so weit gefasst, komplex und verwickelt ist, dass größere Präzision und genauere Lösungen vorerst oft noch längst nicht immer möglich wären. Und überhaupt wäre es im Rahmen eines einzigen Artikels schlicht zu schwierig, auch nur in allgemeinsten Zügen zu versuchen, die Gesamtheit der gegenwärtigen Forschungen zur Ethnogenese der Balten zusammenzufassen. Wie bekannt, untersuchte K. Būga die Fragen der Herkunft der Balten, ihrer Urheimat und ihrer Migration fast ausschließlich aus linguistischer Sicht. Heute haben sich mehrere Disziplinen (oder Disziplinengruppen) mit dieser Problematik befasst, vor allem Archäologie, Geschichte, Ethnografie und Anthropologie; deshalb müsste man K. Būga im Lichte vieler Wissenschaften beurteilen. Das ist offenbar Gegenstand einer gesonderten Arbeit. Man kann lediglich hinzufügen, dass sich in unseren Tagen Fachleute aller Bereiche, die Probleme der weiter zurückliegenden Vergangenheit der Balten untersuchen, auf die Arbeiten K. Būgas stützen.

Aus dem hier gegebenen, wenn auch sehr knappen und fragmentarischen Überblick über K. Būgas onomastische Tätigkeit wird ersichtlich, dass dieser Sohn eines litauischen Bauern aus Pažiegė, der durch die außerordentlich intensive wissenschaftliche und sonstige Arbeit sowie die schwierigen Lebensbedingungen vorzeitig zusammenbrach, eine Großtat vollbrachte, die uns alle noch heute in Staunen versetzt, wenn wir mit seinem wissenschaftlichen Erbe in Berührung kommen. Tatsächlich wäre es im Zusammenhang mit K. Būga besser, das Wort „Erbe“ in Anführungszeichen zu setzen, denn im wissenschaftlichen Sinne sind K. Būgas Arbeiten keine Tatsache der Vergangenheit, sondern ein Phänomen des lebendigen wissenschaftlichen Lebens unserer Tage, mit all seinen Zweigen und Wurzeln in dieses hineingewachsen und seine Entwicklung weiterhin anregend. Die litauische Sprachwissenschaft und die Erforschung der baltischen Vergangenheit wären ohne K. Būga schlicht unvorstellbar.

Wenn wir anlässlich seines hundertsten Geburtstags des Vaters der litauischen Sprachwissenschaft, des Begründers der litauischen Onomastik und ihres bedeutendsten Vertreters Kazimieras Būga gedenken, sollten wir auch nicht vergessen, dass seine Arbeiten gleichsam für das wissenschaftliche Leben unserer Tage neu zum Leben erwacht sind und sich so organisch in dieses einfügen konnten, auch weil sie dank der Fürsorge von Prof. Zigmas Zinkevičius mit großer Sorgfalt zusammengetragen, mit einem hervorragenden wissenschaftlichen Apparat versehen und als dreibändige Ausgabe der „Gesammelten Schriften“ veröffentlicht wurden.

А. ВАНАГАС

K. BŪGA – BEGRÜNDER DER LITAUISCHEN ONOMASTIK

Zusammenfassung

Als die beiden Hauptbereiche der onomastischen Tätigkeit von K. Būga sind die Sammlung und Erforschung litauischer und allgemein baltischer nomina propria anzusehen.

K. Būga trug selbst und mithilfe einer breiten Öffentlichkeit eine Kartei der nomina propria zusammen, die etwa 75 000 Karten umfasst. K. Būga persönlich zeichnete aus der gesprochenen Sprache und schriftlichen Quellen etwa 35 000 Toponyme, Anthroponyme, Theonyme und andere Onyma auf.

Im wissenschaftlichen Erbe K. Būgas lassen sich Anthroponymik, Ethnonymik, Theonymik und Toponymik unterscheiden. In K. Būgas Onomastik nimmt die Toponymik eine dominierende Stellung ein.

Zu den wichtigsten Ergebnissen von K. Būgas Forschungen auf dem Gebiet der litauischen Onomastik, die ihre Bedeutung bis heute vollständig bewahrt haben, gehört in erster Linie die äußerst fachkundige Analyse der Struktur

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und der Herkunft einer großen Anzahl baltischer Eigennamen. Seine Bedeutung hat auch die am überzeugendsten belegte Tatsache nicht verloren, dass sich östlich und südöstlich des heutigen Litauens ein ausgedehntes Verbreitungsgebiet baltischer Toponyme befindet. Bis heute sind auch K. Būgas Beobachtungen zum Problem der ethnischen Differenzierung der Balten aktuell, die sich hauptsächlich auf onomastisches Material stützen, ebenso wie vieles andere.

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