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PRAEITIES AIDAI

Stasys KEINYS

Institut für Litauische Sprache

PR. SKARDŽIUS’ TÄTIGKEIT IM BEREICH DER TERMINOLOGIE UND IHRE BEDEUTUNG

Ende des 19. Jahrhunderts und besonders in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden die Grundlagen der heutigen litauischen Terminologie gelegt. Die Fachtermini verschiedener Bereiche wurden von einer Gruppe der damaligen Intellektuellen geschaffen, geordnet oder entsprechend den Anforderungen der heutigen litauischen Standardsprache erneuert. J. Jablonskis war nicht nur der Inspirator und geistige Leiter dieser kleinen, aber sehr arbeitsamen und größtenteils uneigennützigen Gemeinschaft, die sich den Belangen der Nation widmete, sondern auch ihr fleißigster Mitarbeiter. Nicht zufällig schrieb sein Weggefährte J. Balčikonis kurz nach dem Tod dieses Klassikers der litauischen Sprachwissenschaft: „In der Geschichte unserer Schule wird Jablonskis’ Name für immer fortbestehen. Denn er gab ihr als Erster nicht nur eine Grammatik der litauischen Sprache und Lesebücher, sondern auch die Fachtermini für andere Fächer“1. J. Jablonskis und die Intellektuellen seiner Generation bestimmten auch die Richtung der terminologischen Arbeit und legten deren Verfahren und Methoden fest, an die sich zumindest die bedeutenderen Vertreter dieses Arbeitsgebiets im Wesentlichen bis heute halten.

Als die jungen, angehenden Sprachwissenschaftler Pr. Skardžius, A. Salys und andere gegen Ende des dritten Jahrzehnts ihre Arbeit aufnahmen, mussten sie also die Grundlagen der heutigen litauischen Terminologie weder in theoretischer noch in praktischer Hinsicht mehr legen2. Diese Grundlagen waren im Wesentlichen bereits geschaffen. Der neuen Generation oblag es, die Mauern des terminologischen Gebäudes Stein für Stein aufzurichten. Die Arbeitskräfte waren nicht zahlreich; zudem waren sie alle vor allem mit anderen Arbeiten beschäftigt, sodass es kaum möglich war zu erwarten, dass die Arbeit immer weiter voranschritt. Mit theoretischen Fragen der Terminologie befasste sich damals hauptsächlich der Philosoph

1 Balčikonis J. Prakalba // Jablonskio raštai. Kaunas, 1933. T. 2. P. VII.

2 Vgl. Rosinas A. Pranas Skardžius – Wissenschaftler und Förderer der Standardsprache // Pranas Skardžius – Theoretiker und Förderer der Standardsprache: Seminarthesen. Vilnius, 1999. S. 5, wo es heißt: „Skardžius legte die theoretischen Grundlagen für die Ordnung der Terminologie.“

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St. Šalkauskis hatte außerdem große praktische Vorhaben, die seine vielversprechend begonnene theoretische terminologische Tätigkeit offenbar unterbrachen. Viele andere widmeten sich in jener Zeit der praktischen terminologischen Arbeit in der einen oder anderen Form. Zu diesen vor allem praktisch Tätigen ist auch Pr. Skardžius zu zählen.

Tad Pranas Skardžius (1899–1975), kurio šimtosios gimimo metinės neseniai Lietuvoje buvo plačiai paminėtos, yra pirmosios pobūginės bei pojablonskinės kartos kalbininkas. Jam dar teko, kad ir trumpai, pabūti mokiniu tų dviejų žymiausių dvidešimto amžiaus pradžios (ir ne tik jos) kalbininkų, ne vienu atžvilgiu pelniusių atskirų mūsų kalbotyros barų pradininkų šlovę, o J. Jablonskiui net pripažįstamas garbingas pačios bendrinės kalbos tėvo vardas (jei taip, tai, matyt, kartu ir tos kalbos terminologijos tėvo garbė). Rūpestingo tėvo, nes tai J. Jablonskio rūpesčiu Pr. Skardžius kartu su A. Saliu (1902–1972) buvo pasiųstas baigti mokslų į Vokietiją, ir iš ten abudu po keleto metų tuomet dak­taruoti grįžo tęsti savo buvusių kauniškių profesorių darbų. K. Būga tuomet jau keletą metų ilsėjosi Vytauto prospekto kapuose, netrukus Viešpaties Angelas buvo sugiedotas ir tų pačių kapų priglaustam J. Jablonskiui. Šitaip labai greitai jauniems apsukriems vyrams atiteko nemaža dalis velionių varytų darbų, su jais ir kalbinė terminologijos baro pusė.

Zunächst sei noch gesagt, dass K. Būga für Pr. Skardžius wohl das größere Vorbild gewesen war, obwohl er, wie er selbst schrieb, enger mit J. Jablonskis verkehrte3. In seinen ersten, noch während des Studiums in Deutschland verfassten sprachwissenschaftlichen Aufsätzen versuchte er deutlich, den Spuren des Verfassers von „Sprache und Altertum“ zu folgen; außerdem begann er, einige Vorschläge von J. Jablonskis aufzugreifen, zunächst ohne dessen Namen zu nennen, und unterschied sich damit bereits von K. Būga. Solche Nachahmungen (die sich sogar ständig wiederholten) vermied Pr. Skardžius lange Zeit nicht. Diese Nachahmungen, Widersprüche und bisweilen sogar demonstrativen Überlegenheitsbekundungen (mit dem Hinweis, J. Jablonskis selbst habe ihm nachgegeben) erscheinen auch heute, nach 60–70 Jahren, weder hinreichend begründet noch zur rechten Zeit am rechten Ort geäußert. Zumal derjenige, der andere nachahmte, weder in jungen noch in späteren Jahren als ein gewissenhafter Anwender der Standardsprache erscheint

3 Skardžius Pr. Rinktiniai raštai. Vilnius, 1997. T. 2. P. 16.

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Hüter oder zumindest Berücksichtigender der Lebendigkeit des Sprachgebrauchs und der Einheitlichkeit der Terminologieempfehlungen.

Mit der terminologischen Arbeit dürfte Pr. Skardžius bereits während seines Studiums an der Universität Litauens begonnen haben (hier studierte er vom Herbst 1923 bis November 1925). Darüber schrieb er selbst in dem anlässlich seines 75. Geburtstags in der Zeitschrift „Aidai“ veröffentlichten Artikel „Mein Leben und meine Arbeit“: „<...> gemeinsam mit ihm [J. Jablonskis – St. K.] arbeitete ich in der Terminologiekommission, die bei ihm zusammenkam und deren Sekretär ich war, und später arbeitete ich eine Zeit lang gemeinsam mit ihm auch noch in der Rechtschreibkommission, bis ich ins Ausland abreiste“4. Später, in den dreißiger Jahren, nach dem Tod von J. Jablonskis, leitete Pr. Skardžius in der 1935 gegründeten Litauischen Sprachgesellschaft die Terminologiesektion. Wie aus den damaligen Mitteilungen in der Zeitschrift „Gimtoji kalba“ hervorgeht, erörterte diese Sektion die Termini des von Prof. St. Šalkauskis erstellten Wörterbuchs „Allgemeine philosophische Terminologie“ sowie Terminologiebestände aus den Bereichen Sport (Fußball, Basketball, Eislaufen), Augenkrankheiten und Theater. Die größte Arbeit dieser Sektion war zweifellos die „Allgemeine philosophische Terminologie“, in der der Beitrag sachkundiger Sprachwissenschaftler deutlich erkennbar ist. Dies wird übrigens bereits im ersten Satz des Vorworts des Wörterbuchs gesagt: „Die Prüfung, Berichtigung, Ergänzung und Annahme der nachstehend abgedruckten philosophischen [=Philosophie- – St. K.] Terminologie ist die erste umfangreichere Arbeit, die von der Terminologiesektion (TS) der Litauischen Sprachgesellschaft (LKD) geleistet wurde. Sie setzte sich zusammen aus dem Vorsitzenden Dozent Pr. Skardžius, dem Sekretär A. Vaičiulaitis und den Mitgliedern: dem Wörterbuchredakteur J. Balčikonis, Oberst J. M. Laurinaitis, Dozent A. Salys und Prof. St. Šalkauskis. Wie umfangreich diese Arbeit war, lässt sich daran ermessen, dass ihr mehr als 35 Sitzungen von je zwei Stunden gewidmet wurden“5. Außerdem haben, wie es dort ebenfalls heißt, mit Anmerkungen, Ratschlägen oder Vorschlägen zur Erstellung des Wörterbuchs Prälat A. Dambrauskas, Dr. J. Pankauskas, Bischof M. Reinys, Prof. V. Sezemanas, Prof. J. Vabalas–Gudaitis und der Künstler A. Varnas beigetragen; die eingetragenen Termini wurden von Pr. Skardžius mit Akzenten versehen, der „auch sonst viel zur Verbesserung des gesamten Werkes beigetragen hat“6.

4 Ebenda.

5 Šalkauskis St. Schriften. Vilnius, 1991. Bd. 2. S. 126.

6 Ebenda. S. 127.

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Die „Allgemeine philosophische Terminologie“ ist eines der besten terminologischen Wörterbücher der Zwischenkriegszeit; sie wurde im Wesentlichen vollständig für die wichtigsten Werke zur Terminologieempfehlung der heutigen Standardsprache genutzt. Dies ist der größte Beweis für die Anerkennung dieser Arbeit. Dass das Wörterbuch keinen einzigen sogenannten internationalen Terminus enthält, zeugt offenbar vom Bestreben der Herausgeber, die Sprache zu reinigen; zugleich ist dies jedoch ein umso interessanterer Schritt in der Geschichte der Terminologieempfehlung in der Standardsprache insgesamt. Mit diesem Wörterbuch wurde überzeugend gezeigt, dass jene Menschen jener Zeit und der Gegenwart (übrigens auch Sprachwissenschaftler) völlig unrecht haben, die oft behaupten, es gebe im Litauischen keine Möglichkeit, all das auszudrücken (oder man könne nicht alles ausdrücken), was andere mit jenen „internationalen“ Bezeichnungen sagen, oder dass man dies nicht einmal zu versuchen brauche. Das Wörterbuch zeigt zweifellos die sogenannten puristischen (sprachreinigenden) Bestrebungen der Herausgeber.

In dieser Hinsicht ist auch das Wörterbuch „Litauische Entsprechungen internationaler Wörter“ von Pr. Skardžius wirklich sehr interessant und bemerkenswert, das 35 Jahre nach dem Erscheinen der „Allgemeinen philosophischen Terminologie“, 1973, in Chicago veröffentlicht wurde. In der Einleitung zu diesem Werk heißt es zu Recht: „Menschen, die die erforderlichen Fremdsprachen beherrschen und mit der internationalen Terminologie des betreffenden Fachgebiets vertraut sind, sind oft insgesamt nicht sehr geneigt, litauisierte Ersatzformen zu verwenden, die sich durch Assoziationen häufig von den entsprechenden internationalen Wörtern unterscheiden. Diese Praxis ist besonders im Ausland zu beobachten, wo Auswanderer sich in den erlernten Fremdsprachen oft besser zurechtfinden als in ihren Muttersprachen, insbesondere in einem Fachgebiet“},{7. Ach, leider! Die mangelnde Neigung, litauische Ersatzformen zu verwenden und insbesondere nach ihnen zu suchen, ist nicht nur, wie Pr. Skardžius schreibt, für Auswanderer kennzeichnend, sondern auch für zumindest einen beträchtlichen Teil der in Litauen selbst tätigen Menschen aus Wissenschaft, Technik, Religion, Politik und anderen Bereichen. Und auch hier muss man manchmal nicht nur einen überzeugten „Internationalisten“ recht lange davon überzeugen, dass ein litauischer Terminus, selbst wenn ihm kein Vorrang eingeräumt wird, zumindest das Recht hat, neben jenem entlehnten, häufig keineswegs internationalen Terminus verwendet zu werden.

Im Wörterbuch „Litauische Entsprechungen internationaler Wörter“ sind litauische Entsprechungen von ungefähr tausend internationalen Wörtern aufgeführt. Ein beträchtlicher Teil davon ist im Sprachgebrauch der Standardsprache schon seit längerem gut bekannt

7 Skardžius Pr. Rinktiniai raštai. Vilnius, 1998. T. 3. P. 437.

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… neugebildete Wörter oder sogar Wörter der lebendigen Sprache, z. B.: abažiūras – Gaubhaube, abscesas – Abszess, abstinencija – Abstinenz, abstrakcija – Abstraktion, abzacas – Absatz usw. Dieses Wörterbuch, mit dem zweifellos ebenfalls die Reinigung der litauischen Sprache unterstützt werden sollte, ist für die litauische Fachsprache des späten 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung, in der übermäßig viele verschiedenartige Entlehnungen gebraucht werden, die ehrwürdig als Internationalismen bezeichnet werden. Die heutige Fachsprache ist durch Entlehnungen nicht weniger verunreinigt als die Schriftsprache früherer Jahrhunderte. Und ein guter Teil dieser Entlehnungen ist den von der Bildungsschicht des vergangenen Jahrhunderts und vom Anfang dieses Jahrhunderts aus der Sprache verbannten Barbarismen in nichts überlegen. Das hier besprochene Buch von Pr. Skardžius, das übrigens bei der Vorbereitung der dritten Ausgabe des „Wörterbuchs der litauischen Gegenwartssprache“ herangezogen wurde, ist also auch nach einem Vierteljahrhundert für den heutigen terminologischen Gebrauch und allgemein für den Gebrauch und die Empfehlung der Standardsprache nach wie vor sehr wichtig. Wie übrigens auch St. Šalkauskis’ „Allgemeine philosophische Terminologie“, die vor mehr als sechzig Jahren veröffentlicht wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den USA angekommen und ohne eine Stelle als Sprachwissenschaftler zu finden, absolvierte Pr. Skardžius eine Bibliotheksschule und begann bald darauf, in der Hauptbibliothek des Landes, der Kongressbibliothek, zu arbeiten (dort war er 15 Jahre lang beschäftigt, bis 19718). Seine Ausbildung und Tätigkeit als Bibliothekar dürften zur Zusammenstellung eines Glossars bibliothekarischer Fachbegriffe im Umfang von annähernd 200 Wörterbuchartikeln geführt haben. Dieses Glossar wurde 1961 in der in den USA wiederbelebten Zeitschrift „Gimtoji kalba“ veröffentlicht. Darin seien, so der Verfasser, litauische Bezeichnungen für weiter gefasste (nicht nur für engere bibliothekarische Zwecke verwendete) Begriffe aufgenommen worden; englische, französische und deutsche Entsprechungen seien angegeben und einige Termini knapp erläutert worden. Ohne genauere Untersuchung ließe sich schwer sagen, ob Pr. Skardžius das 1956 in Litauen erschienene, von I. Kisinas zusammengestellte Glossar „Bibliothekarische und bibliografische Terminologie“ benutzt hat – nur etwas mehr als ein Sechstel der Begriffe in Pr. Skardžius’ Sammlung stimmen mit Termini aus I. Kisinas’ Glossar überein; einige Begriffe werden anders bezeichnet, zum Beispiel die von Pr. Skardžius empfohlenen antrinininkas (oder dublikatas), antrinis autorius, jungtinis katalogas, papildas usw., während I. Kisinas’ Glossar dubletas, bendraautoris verzeichnet.

8 Skardžius Pr. Rinktiniai raštai. T. 2. P. 24, 29.

9 Nachgedruckt im dritten Band von Pr. Skardžius’ „Gesammelten Schriften“ (S. 315–324).

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=Mitautor – St. K., Gesamtkatalog, Ergänzung. Ein Teil der von Pr. Skardžius eingebrachten Fachbegriffe ist in Litauen geradezu unbekannt, zum Beispiel: Adressbuch „Adressbuch“, Bibliothekswesen „Bibliothekswesen, Bibliothekswissenschaft“, Schreibkunstformen „kalligrafische Schriften“, Evangelienbuch „Evangelienbuch“, Reisebericht „Reisebuch, Reisebeschreibung“, Abschreiber „Kopist“, Märchenbuch „Märchenbuch“, Ausleihabteilung „Ausleihabteilung, Ausleihraum, Leihabteilung“ und anderes. Insgesamt haben sich die Neuerungen Pr. Skardžius’ in dieser Sammlung, so kann man sagen, nicht durchgesetzt; einige davon sind auch hinsichtlich der Arbeitsweise zu ungewöhnlich (zum Beispiel: Bibliothekswesen, Schreibkunstformen, Flugblatt „Bogen, Flugblatt, Einblattdruck, Faltblatt“). Außerdem sind hier Fachbegriffe aufgenommen, deren Gebrauch in Litauen weder damals noch heute empfohlen wird, zum Beispiel: Titel „Bezeichnung eines Buches oder Artikels, Überschrift“, Titelseite „Titelseite“ (der von der Terminologiekommission des Instituts für litauische Sprache und Literatur zur Verwendung bestätigte, in I. Kisinas Glossar aufgenommene Begriff Titelblatt wird gewöhnlich von Fachleuten dieses Bereichs verwendet). Somit kann diese Arbeit von Pr. Skardžius als ein Versuch gewertet werden, zur Weiterentwicklung der bibliothekarischen Terminologie beizutragen, der keinen größeren Einfluss hatte. Vielleicht war sie allerdings für die Sprache der Litauer in Amerika nützlicher.

Pr. Skardžius hat zahlreiche Termini aus verschiedenen Fachgebieten – vielleicht etwas mehr aus der Technik – in vielen seinen Artikeln und kleineren Beiträgen zur Sprachpraxis korrigiert und Vorschläge dazu gemacht. Daraus entsteht der Eindruck, dass der Sprachwissenschaftler lieber selbst Termini bildete, als sie in der Sprache der Menschen (des Volkes) zu suchen. Vielleicht setzte sich deshalb ein beträchtlicher Teil seiner Vorschläge nicht weiter durch. Andererseits finden sich in diesen Artikeln und kleineren Beiträgen nützliche Ratschläge allgemeinerer Art, die zeigen, wie terminologische Arbeit zu leisten und in welche Richtung sie zu lenken ist. So schrieb er 1940, nach dem Einmarsch der Russen, in der Zeitschrift „Gimtoji kalba“ als Antwort auf die Frage „Ist tatsächlich nur obalsis zu verwenden?“, dass manche ohne Beweisführung zu behaupten und sogar vorzuschreiben begännen, nicht šūkį, sondern obalsį zu verwenden, und bei dieser Gelegenheit erteilte er völlig zu Recht folgende Mahnung: „<...> Die umsichtigeren Sprachwissenschaftler stützen ihre Behauptungen auf Belege aus der Sprache der Menschen; deshalb sollten diejenigen, die sich positiv an der Verbesserung des Gebrauchs unserer Standardsprache beteiligen möchten, ihre neu vorgeschlagenen, allgemeineren Regelungen öffentlich begründen und klar darlegen, warum ein bisher weithin gebräuchlicher Ausdruck ungeeignet geworden ist; eine solche individuelle und befehlende Vorgehensweise kann sonst erheblichen Schaden anrichten—“

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kann“10. Dieser sehr klar und ganz im Geiste und Stil J. Jablonskis formulierte Gedanke muss unter den damaligen Umständen der begonnenen Sprachrevolution von großer Bedeutung gewesen sein; auch die heutigen Befürworter einer kommandierenden Normierung sollten ihn sich gut einprägen.

Pr. Skardžius verfasste keine Artikel, die ausdrücklich der Terminologietheorie gewidmet waren, und behandelte oder erörterte theoretische Fragen auch sonst nirgends ausführlicher. Offenbar setzte er sich nicht vertieft mit den Besonderheiten der Terminologie und den an Termini zu stellenden Anforderungen auseinander. Terminologische Fragen griff er vor allem auf der Grundlage seines allgemeinen Verständnisses von Sprachwissenschaft und der Empfehlung der Standardsprache auf, das heißt ebenso wie andere Fragen der Sprachnormierung. Wie bereits gesagt, finden sich jedoch in Pr. Skardžius’ Artikeln und kleineren Beiträgen zahlreiche treffende Verallgemeinerungen, goldene Gedanken und wertvolle Ratschläge, die auch für die Terminologietheorie bedeutsam sind. Diese Aspekte sollten irgendwann eingehender und gesondert untersucht werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, während er drei Jahrzehnte seiner reifen Jahre im Ausland lebte, hatte Pr. Skardžius hier, in der Heimat, nicht so viel Einfluss, wie er unter anderen Umständen hätte haben können. Zwar waren seine Bücher und Artikel sowohl den Sprachpflegern als auch den Terminologen bekannt und wurden von ihnen genutzt, doch die wichtigsten Arbeiten zur Entwicklung und Förderung der litauischen Terminologie wurden ohne seine unmittelbare Beteiligung geleistet; sie fanden neben ihm statt. Ihm blieb die Rolle eines Beobachters dessen, was in Litauen geschah – bisweilen eines sehr kritischen, vielleicht sogar strengen Beobachters. Mit der Zeit kühlte diese Kritik jedoch merklich ab: Einige Arbeiten litauischer Sprachwissenschaftler zur Sprachpflege, die er anfangs heftig kritisiert hatte, etwa das „Wörterbuch der litauischen Gegenwartssprache“, erwähnte er später durchaus wohlwollend. Die seit Mitte der fünfziger Jahre in Litauen in beträchtlicher Zahl veröffentlichten Terminologiewörterbücher nahm Pr. Skardžius allerdings scheinbar ungerührt zur Kenntnis. Doch er schrieb viel und bemühte sich, die terminologische Kultur der Emigration zu beleben und zu fördern. In dieser Hinsicht sind seine Anmerkungen zu den 1958 in „Gimtoji kalba“ geäußerten Gedanken von P. Orintaitė über den Gebrauch der Termini romanas, poema, novelė, denen zufolge diese Wörter im Englischen etwas anderes bedeuteten und deshalb die Verständigung „mit einer fremden Kultur“ nicht erleichterten, sondern sogar erschwerten, sehr lehrreich und auch heute nicht nur für Emigranten wichtig (daher der Vorschlag—

10 Skardžius Pr. Rinktiniai raštai. T. 3. P. 797–798.

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… sie durch genuin litauische Termini zu ersetzen). Bei dieser Gelegenheit äußerte sich Pr. Skardžius ausführlicher zur Beziehung von Termini zu einzelnen anderen Sprachen und zu ihrer Beständigkeit. Er schrieb: „Wenn wir manche Termini nicht so verwenden, wie wir sie gewohnt sind oder zu verwenden geneigt sind, sondern so, wie sie beispielsweise die Engländer oder Amerikaner ganz anders verwenden, dann brechen wir die unmittelbare Verbindung zu unserem allgemeinen Sprachgebrauch ab und behindern dadurch eindeutig unsere gegenseitige Verständigung; damit erschweren wir auch die Aneignung fremder Kultur erheblich. Wenn wir anfangen, anstelle des bisher üblichen Romans die Erzählung oder etwas Ähnliches zu verwenden, erschweren wir zugleich erheblich das Verständnis all dessen, was bisher überall bei uns, in Literaturgeschichten oder Lehrbüchern, über Romane gesagt und erzählt wurde; außerdem würden wir damit völlig unnötig zwei ganz verschiedene Dinge vermengen, in diesem Fall die Erzählung und den Roman oder die Novelle und die Kurzgeschichte. Und dennoch würde uns die fremde Kultur auf diesem Weg nicht näherkommen: Die Amerikaner und Engländer sind ganz andere, andere Wege gegangen als wir, und deshalb lassen sich die von uns eingeschlagenen Wege nicht ohne Weiteres den angelsächsischen anpassen. So wurde und wird beispielsweise in Litauen seit Langem der Dirigent „Leiter eines Chors oder Orchesters“ genannt, während sein englisches Gegenstück conductor „Dirigent“ unserem konduktorius „Zugbegleiter“ entspricht. Oder noch ein Beispiel: In unserer Sprache wird der Schöpfer von Musikwerken seit Langem Komponist genannt, sein englisches Gegenstück compositor (betont wird die Silbe -po-) bedeutet jedoch nur „Setzer“. <...> Nein, wir können weder auf den Dirigenten noch auf den Komponisten, den Roman, die Novelle, das Gedicht, das Pamphlet noch auf andere ähnliche internationale Fremdwörter verzichten, nur weil sie im Englischen oder in einer anderen Fremdsprache eine andere Bedeutung haben als in unserer Sprache. Sie alle haben sich bereits in unserer Sprache eingebürgert und verfügen über eine gewisse Tradition; deshalb müssen wir sie weiterhin verwenden, denn sie eignen sich ausgezeichnet dem unmittelbaren Zweck – unserer gegenseitigen und allgemeinen Verständigung“11. Hier wurde absichtlich ein längerer Auszug aus Pr. Skardžius’ Artikel „Ist das etwa altes Gerümpel?“ eingefügt, denn inzwischen, nach vier Jahrzehnten, gibt es auch in Litauen selbst immer mehr Sprach-, genauer gesagt Wortgebrauch…

11Ebenda. S. 285–286.

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…sprachumstürzler, die blind derselben von Pr. Skardžius erwähnten englischen Sprache folgen und völlig außer Acht lassen, dass dies lediglich das bessere gegenseitige Verständnis der Litauer behindert. Pr. Skardžius zeigte überdeutlich, dass dies kein Weg zur Weiterentwicklung der Sprache, sondern ein Umweg oder, genauer gesagt, ein Irrweg ist. Während seines Aufenthalts in Amerika beurteilte er die Beziehungen zwischen der litauischen und der englischen Sprache weitaus nüchterner als viele heute im hochgestimmten und rasch anglisierten Litauen.

Das Vermächtnis von Pr. Skardžius ist bedeutend und untrennbar mit seiner Tätigkeit für die Pflege, Förderung und Weiterentwicklung der litauischen Standardsprache verbunden. Da Termini ein sehr wichtiger und zunehmend wichtiger Bestandteil dieser Sprache sind, ist leicht zu verstehen, weshalb er den Fragen der Terminologie tatsächlich große Aufmerksamkeit widmete.

Eingegangen am 20.09.1999

DIE TERMINOLOGISCHE TÄTIGKEIT VON PR. SKARDŽIUS UND IHRE BEDEUTUNG

Zusammenfassung

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten organisatorischen und praktischen Arbeiten des litauischen Linguisten Pranas Skardžius (1899–1975) auf dem Gebiet der Terminologie, die er nach dem Zweiten Weltkrieg in Litauen und Amerika geleistet hat. Unter seinen Vorkriegsarbeiten ragt seine Mitwirkung an der Vorbereitung des Wörterbuchs „Allgemeine Terminologie der Philosophie“ des Philosophen St. Šalkauskis hervor. Besprochen wird Pr. Skardžius’ 1973 in den USA erschienenes Buch „Litauische Entsprechungen internationaler Wörter“, außerdem wird die Sammlung der bibliothekarischen Termini analysiert. Besondere Aufmerksamkeit gilt einigen aktuellen Gedanken aus Pr. Skardžius’ Artikeln über einzelne Termini, etwa der Bedeutung einer fundierten Begründung für die Einführung von Termini sowie der Einhaltung der Grundsätze von Beständigkeit und Tradition.

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