Page 1LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, VI
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN BALTISCHEN UND DEN OSTSEEFINNISCHEN SPRACHEN
A. SABALIAUSKAS
Allgemeine Bemerkungen
Über das Alter der Beziehungen der Balten zu ihren nördlichen Nachbarn, den Ostseefinnen, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Eines ist jedoch klar: Das Alter dieser Beziehungen ist nicht in Hunderten, sondern bereits in Tausenden von Jahren zu messen. Nach Ansicht der sowjetischen Archäologen A. Briusovas1 und H. Mooras2 lebten im 3. Jahrtausend v. u. Z. im osteuropäischen Waldgürtel, der auch das Baltikum umfasste, finnisch-ugrische Stämme, die Vorfahren der heutigen finno-ugrischen Völker. Diese Stämme lebten hauptsächlich von Jagd und Fischfang. Kennzeichnend für sie war die Gruben-Kamm-Keramik, auch Kammkeramik genannt. Im 2. Jahrtausend v. u. Z. taucht im östlichen Baltikum neben den Lagern der Jäger und Fischer mit ihrer charakteristischen Gruben-Kamm-Keramik bereits ein völlig neuer Lagertyp auf. Seine Bewohner kannten sich gut mit Viehzucht und Ackerbau aus und verwendeten Schnurkeramik. Außerdem waren diese Bewohner durch Bootaxt-Kriegsbeile gekennzeichnet. Da diese Kultur nicht erblich mit der früheren Kultur des östlichen Baltikums verbunden ist, sondern eine neue, eigenständige Erscheinung darstellt, wird ihr Auftreten mit dem Eindringen eines neuen ethnischen Elements in das Gebiet der Finno-Ugrier in Verbindung gebracht. Dieses neue ethnische Element waren höchstwahrscheinlich die Vorfahren der heutigen Balten. Dieser Auffassung von A. Briusov und H. Moora stimmen auch andere sowjetische Historiker und Sprachwissenschaftler zu.3
Ausländische Sprachwissenschaftler (V. Thomsen, E. N. Setälä, J. Kalima, E. Nieminen, L. Hakulinen) datieren die Begegnung der Ostseefinnen mit den Balten, gestützt auf rein sprachliche Argumente, meist in eine deutlich jüngere Zeit—
1 А. Я. Брюсов, Очерки по истории племен Европейской части СССР в неолитическую эпоху, Москва, 1952, р. 162 tt.
2 Х. А. Моора, Вопросы сложения эстонского народа и некоторых соседних народов в свете данных археологии, «Вопросы этнической истории эстонского народа», Таллин, 1956, р. 49—141.
3 Geschichte der Lettischen SSR, Bd. I, unter der Redaktion von K. Strazdiņš, J. Zušs, J. Krastiņš und A. Drīzulis, Riga, 1953, S. 14—15; Geschichte der Litauischen SSR, Bd. I, Redaktion: K. Jablonskis, J. Jurginis, J. Žiugžda (Hauptredakteur), Vilnius, 1957, S. 18—21; П. Аристе, Примечания к книге Л. Хакуливена «Развитие и структура финского языка», ч. II, Москва, 1955, р. 278—279; Формирование прибалтийско-финских языков и древнейший период их развития, «Вопросы этнической истории эстонского народа», р. 12.
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Page 2spätere Zeiten. Ihrer Ansicht nach kamen die Vorfahren der Balten und der ostseefinnischen Völker in den letzten Jahrhunderten v. u. Z. und den ersten Jahrhunderten u. Z. miteinander in Kontakt. K. Būga war geneigt, dieses Datum in etwas frühere Zeiten zu verlegen („... und der Kulturstand, den die finnischen Wörter litauischen Ursprungs erkennen lassen, passt eher zu den Jahren um eintausend (1000) als zu den fünfhundert (500) vor unserer Zeitrechnung.“).4 Doch auch diese Sprachwissenschaftler sind der Ansicht, dass die Ostseefinnen unter den einzelnen indoeuropäischen Völkern zuerst mit den Balten in Kontakt kamen. Erst nach dem Kontakt mit den Balten traten die Ostseefinnen mit den Germanen und Slawen in Verbindung.
Außerdem ist zu beachten, dass man bei Erörterungen der Beziehungen zwischen den baltischen und den finnisch-ugrischen Sprachen gewöhnlich die Kontakte dieser Völker an der Ostsee meint, also mit den westlichen finnischen Stämmen. Baltische Lehnwörter finden sich jedoch auch in den finnisch-ugrischen Sprachen der Wolga-Gruppe, etwa in den mordwinischen und mariischen Sprachen. W. Thomsen versuchte, diese Tatsache damit zu erklären, dass in der Antike zwischen den Wolga- und den Ostseefinnen weitere finnisch-ugrische Stämme gelebt hätten, die eine Vermittlerrolle gespielt hätten.
Der sowjetische Sprachwissenschaftler B. Serebrenikov5 stellte die Hypothese auf, dass im Waldgürtel zwischen den Flüssen Wolga und Kljasma, bevor die Slawen dort erschienen, Menschen gelebt hätten, die eine indoeuropäische Sprache sprachen, die den heutigen baltischen Sprachen sehr nahe stand. O. Trubatschow und W. Toporow6 postulieren ebenfalls einen unmittelbaren Kontakt der baltischen Sprachen mit den Wolgasprachen.
Bislang fehlen Argumente, um die Richtigkeit der hier vorgebrachten Hypothesen zu bestätigen. Dennoch verdienen sie in jedem Fall Beachtung. Zunächst werden diese Hypothesen durch Spuren baltischer Toponymie gestützt, die im mittleren und oberen Dnjeprgebiet sowie im Gebiet zwischen Wolga und Oka zu finden sind. Außerdem würden auch die in russischen Chroniken erwähnten Galinder, die noch im 11.–12. Jahrhundert in der Nähe von Moskau lebten, für die genannten Annahmen sprechen.
Die Balten drangen in das östliche Baltikum ein und besetzten die dünner besiedelten finnischen Gebiete. Der nördliche Teil der Balten ging offenbar allmählich in den zahlenmäßig weit stärkeren finnischen Stämmen auf. Der südliche Teil der Balten assimilierte die Finnen, die in diesen Gebieten vermutlich weniger zahlreich siedelten. Dass in den heutigen nördlichen baltischen Gebieten früher Finnen lebten, zeigt anschaulich die finnische Toponymie dieser Gebiete. Auf dem Gebiet des heutigen Litauen sind die Spuren einer solchen Toponymie sehr gering und meist umstritten, etwa die von einigen Sprachwissenschaftlern angeführte finnische Herkunft des Namens Nemunas und Ähnliches. Das Gebiet Lettlands hingegen ist von Toponymen finnischen Ursprungs geradezu übersät. Der Assimilierungsprozess der Finnen dauerte ganze Jahrtausende an, und auf dem Gebiet Lettlands hält er bis heute an: Die einst zahlreich am Rigaischen Meerbusen und in den Einzugsgebieten der westlichen Düna und der Gauja lebenden Liven werden inzwischen vollständig lettisch.
4 K. Būga, Rinktiniai raštai, t. II, Vilnius, 1959, p. 83.
5 Б. А. Серебренников, О некоторых следах исчезнувшего индоевропейского языка в центре Европейской части СССР, близкого к балтийским языкам, „Lietuvos TSR Mokslų akademijos darbai“, S. A, 1, Vilnius, 1957, p. 69—71.
6 О. Н. Трубачев, Три литовских этимологии, „Lingua Posnaniensis“, VIII, Poznań, 1960, p. 242; В. Н. Топоров, О. Н. Трубачев, Лингвистический анализ гидронимов Верхнего Поднепровья, Москва, 1962, p. 247—8.
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Page 3werden. Heute gibt es nur noch einige Hundert Menschen, die diese ostseefinnische Sprache sprechen.7
Archäologische Befunde zeigen, dass die Balten eine etwas höhere Kulturstufe erreicht hatten als ihre nördlichen Nachbarn. Zur Zeit der Begegnung zwischen Balten und Finnen betrieben die Balten bereits Viehzucht und Ackerbau. Diese Aussage wird nicht nur durch archäologische, sondern auch durch sprachliche Befunde gestützt. Von den Balten begannen auch die finnischen Stämme, diese Wirtschaftsformen zu übernehmen. Insgesamt zeigen die sprachlichen Befunde, dass zwischen Balten und Finnen enge, freundschaftliche Beziehungen bestanden.
Der Einfluss der baltischen Sprachen auf die ostseefinnischen Sprachen ist deutlich ausgeprägt. Besonders stark zeigt sich dieser Einfluss im Wortschatz der ostseefinnischen Sprachen.
Den lexikalischen Beziehungen zwischen den genannten Sprachen sind zahlreiche interessante Arbeiten gewidmet, unter denen besonders das 1890 erschienene grundlegende Werk des dänischen Sprachwissenschaftlers W. Thomsen hervorzuheben ist, das bis heute nichts von seinem Wert eingebüßt hat: „Berührungen zwischen den finnischen und den baltischen (litauisch-lettischen) Sprachen“ („Beröringer mellem de finske og de baltiske (litauisk-lettiske) Sprog“, Kopenhagen, 1890). Die jüngsten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet fasst das Werk des finnischen Sprachwissenschaftlers J. Kalima „Baltische Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen“ („Itämerensuomalaisten kielten balttilaiset lainasanat“, Helsinki, 1936) zusammen. Erwähnenswert sind auch die zahlreichen Arbeiten des kürzlich verstorbenen finnischen Sprachwissenschaftlers E. Nieminen.
Die ostseefinnischen Sprachen hatten einen vergleichsweise geringeren Einfluss auf die baltischen Sprachen; dies gilt besonders für das Litauische und das Altpreußische. Die meisten Spuren dieses Einflusses finden sich im Lettischen. Er macht sich sowohl in der Phonetik als auch in der Morphologie des Lettischen bemerkbar, besonders aber im Wortschatz. Allerdings stammen viele ostseefinnische Lehnwörter im Lettischen erst aus jüngerer Zeit. Einige dieser Lehnwörter gelangten über lettische Dialekte und bisweilen auch über Schriftzeugnisse, wie wir sehen werden, ins Litauische. Die Tatsache, dass die ostseefinnischen Sprachen stärker von den baltischen Sprachen beeinflusst wurden als umgekehrt, lässt sich vielleicht durch die etwas höhere Kultur der Balten erklären. Man muss jedoch dem estnischen Akademiker P. Ariste zustimmen, dass der Einfluss der finnischen Sprachen auf die baltischen Sprachen bislang noch sehr wenig erforscht ist. Einige baltische Lehnwörter im Finnischen, die früher keinerlei Zweifel aufwarfen, werden neuerdings bereits als finnische Wörter angesehen, die in die baltischen Sprachen gelangt seien.
Unter den Arbeiten, die den Einfluss der finnischen Sprachen auf die baltischen Sprachen beleuchten, ist zunächst die Arbeit des estnischen Sprachwissenschaftlers K. Aben „Estnische und livische Lehnwörter im lettischen Wortschatz“ („Eesti ja liivi laenud läti sõnavaras (kultuuriloone uurimus)“, Tartu, 1947 (Manuskript)) zu nennen.
Es besteht keine Einigkeit darüber, mit welcher baltischen Sprache die ersten finnischen Stämme in Kontakt kamen. Einige finnische Sprachwissenschaftler sind der Ansicht, dass die Ostseefinnen noch mit der baltischen Ursprache in Berührung kamen. E. Nieminen hingegen behauptet, die Finnen seien bereits mit einer einzelnen baltischen Sprache in Kontakt gekommen, die sich in ihrer phonetischen und morphologischen Struktur deutlich von der baltischen Ursprache unterschieden habe.8 Doch eine solche Auffassung E. Nieminens
7 П. А. Аристэ, Ливы и ливский язык, „Eesti NSV Teaduste Akadeemia Toimetised, k. VII, Ühiskonnateaduste seeria“, Nr. 1, Tallinn, 1958, p. 38.
8 E. Nieminen, Über einige Eigenschaften der baltischen Sprache, die sich in den ältesten baltischen Lehnwörtern der ostseefinnischen Sprachen abspiegelt, „Sonderabdruck aus den Sitzungsberichten der Finnischen Akademie der Wissenschaften 1956“, Helsinki, 1957, p. 185.
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Page 4Diese Behauptung widerspricht den Schlussfolgerungen der Historiker, denn es ist schwer vorstellbar, dass sich die baltische Ursprache im 2. Jahrtausend v. Chr. in einzelne Sprachen aufgespalten haben könnte.
Grammatische Merkmale
In den ostseefinnischen und baltischen Sprachen lassen sich gewisse Ähnlichkeiten der grammatischen Struktur feststellen. Allerdings lassen sich solche Ähnlichkeiten nicht immer durch die Wechselbeziehungen zwischen diesen Sprachen, durch den Einfluss der einen Sprache auf die andere, erklären. Beispielsweise fällt die Ähnlichkeit der Bildung der auf eine Richtung hinweisenden Lokalkasus, der sogenannten Illative, im Litauischen und Finnischen besonders auf; vgl. finn. maa „Land, Erde“: maahan „ins Land, in die Erde“, finn. puu „Baum“: puuhun „in den Baum“, finn. pilli „Pfeife, Flöte“: pilliin „in die Pfeife, in die Flöte“, finn. koti „Haus“: kotiin „ins Haus“⁹ neben lit. laukan, dangun, pilin usw. Sowohl im Finnischen als auch im Litauischen sind Lokalkasus mit einer solchen Struktur jedoch vergleichsweise erst vor nicht allzu langer Zeit entstanden; ihr Auftreten in beiden Sprachen ist als unabhängige Entwicklung zu erklären¹⁰.
Man nimmt an, dass das finnische Suffix -pa, -pä (jopa „auch, sogar“, vieläpä „auch noch, und“, jospa „wenn“, kunpa „wenn“), das Verstärkung und Intensität ausdrückt, aus den baltischen Sprachen entlehnt worden sein könnte (lit. bė, bei, pr. bhe)¹¹.
Für die ostseefinnischen Sprachen ist die attributive Kongruenz von Substantiv und Adjektiv kennzeichnend; vgl. est. uus maja „neues Haus“, uuele majale, uued majad. Wie wir sehen, ist diese Besonderheit auch den baltischen Sprachen eigen; in den übrigen finno-ugrischen Sprachen werden jedoch ähnliche Konstruktionen nicht verwendet, vgl. erzja-mordw. odʼ kydo, odʼ kydonenh, odʼ kydot, ung. új ház, új háznak, új házak. Die attributive Kongruenz von Substantiv und Adjektiv in den ostseefinnischen Sprachen könnte sich als eigenständiges Ergebnis ihrer Entwicklung herausgebildet haben; möglicherweise übten jedoch auch die benachbarten baltischen Sprachen einen gewissen Einfluss aus.
Zusammengesetzte estnische Formen der Vorvergangenheit wie olen lugenud, olin lugenud haben ebenfalls Entsprechungen in den baltischen Sprachen; vgl. lit. esù skaitęs, buvaũ skaitęs, lett. esmu lasījis, biju lasījis.¹²
In jüngster Zeit versucht man, die Imperativformen des Litauischen und Russischen mit dem Formans -k durch den Einfluss finno-ugrischer Sprachen zu erklären¹³.
V. Pisani¹⁴ neigt ebenfalls dazu, einige Partizipialkonstruktionen im Litauischen und Lettischen durch den Einfluss finnischer Sprachen zu erklären.
Sogar solche baltischen und slawischen Sprachmerkmale wie der Gebrauch des Instrumentals als Prädikativ in einem zusammengesetzten Prädikat und der Gebrauch des Genitivs des Objekts in …
⁹ Л. Хакулинен, Развитие и структура финского языка, ч. I, Москва, 1953, р. 88.
¹⁰ A. Meijė, Lyginamasis metodas istorinėje kalbotyroje, Vilnius, 1956, p. 92.
¹¹ Л. Хакулинен, Развитие и структура финского языка, ч. I, р. 217.
¹² P. N. Ariste, Die Herausbildung der ostseefinnischen Sprachen und die früheste Periode ihrer Entwicklung, S. 12.
¹³ W. N. Toporow, O. N. Trubatschow, ebenda, S. 249–50.
¹⁴ V. Pisani, Zu einer baltisch-estfinnischen Partizipialkonstruktion, „Rakstu krājums, veltījums akadēmikim profesoram Dr. Jānim Endzelīnam viņa 85 dzīves un 65 darba gadu atcerei“, Rīgā, 1959, S. 215–217.
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Page 5Die Tendenz, im Akkusativ nach verneinenden transitiven Verben mehrere Suffixe in einem Wort zu verbinden, betrachten einige Linguisten als Ergebnis eines finno-ugrischen Substrats.
Ein etwas deutlicherer Einfluss der finnischen Sprachen ist in der grammatischen Struktur des Lettischen zu erkennen, insbesondere in jenen lettischen Dialekten, in deren Gebieten früher Liven lebten. Diese aus dem Finnischen übernommenen Merkmale sind hier natürlich nicht alt und lassen sich durch Überreste des livischen Substrats erklären. Dem Einfluss des Livischen wird die Verlagerung des lettischen Akzents auf die erste Silbe zugeschrieben. Dieser Prozess war offenbar sehr komplex und könnte auch ohne den Einfluss des Livischen begonnen haben; doch hatte das Livische wahrscheinlich zumindest Einfluss darauf, diesen Prozess zu verstärken15.
Das Livische hat die Herausbildung des Systems der Intonationen in den lettischen Dialekten beeinflusst. Unter livischem Einfluss verdrängten in den lettischen Dialekten häufig Maskulina die entsprechenden Feminina; außerdem wurde die Form der dritten Person des Verbs auf die Singular- und Pluralformen beider Personen verallgemeinert usw.16
B. Serebrenikov17 weist darauf hin, dass sich der Einfluss des Livischen dadurch erklären lässt, dass dieselbe lettische Lokativform sowohl in lokaler als auch in direktionaler Bedeutung verwendet wird (mežā dzīvot „im Wald leben“, mežā braukt „in den Wald fahren“).
Einige Merkmale des Livischen, die den anderen ostseefinnischen Sprachen nicht eigen sind, entstanden unter dem Einfluss des Lettischen. So entlehnten die Liven beispielsweise einige Verbpräfixe aus dem Lettischen, vgl. liv. vöttö „nehmen“; aizvöttö „leihen, wegnehmen“ (lett. ņemt-aizņemt), liv. tiedō „machen“: aptiedō „umgeben“ (lett. taisīt-aptaisīt), liv. kandō „tragen, mit sich führen“: pakandō „hinaustragen, hinübertragen“ (lett. nest-panest) usw. Auch einige lettische Suffixe drangen ins Livische ein, vgl. liv. āndig „großzügig, reichlich“: āndab „er gibt“ (lettisches Suffix -īgs), liv. pūdōm „Sauberkeit“: pūdōz „sauber“ (lett. -ums), liv. kovalib „Verstand“: koval „verständig“ (lett. -ība). Auch die Syntax des Livischen weist einige weitere lettische Merkmale auf18.
Lettische Präfixe finden sich auch in einigen südestnischen Dialekten. So werden im aussterbenden estnischen Leivu-Dialekt im nördlichen Teil Lettlands die lettischen Präfixe at-, bez-, iz-, no-, pa- verwendet, vgl. estn. masma „bezahlen“: atmasma „zurückzahlen“ (: lett. maksāt: atmaksāt), estn. jema „Mutter“: bezjemada „ohne Mutter“ (: lett. māte: bez mātes), estn. pidämä „halten“: ispidämä „behalten“ (: lett. turēt: izturēt), estn. laskma „lassen“: nūlaskanu „heruntergerutscht, herabhängend“ (: lett. laist: nolaidies), estn. jema „Mutter“: pajema „Stiefmutter“ (: lett. māte: pamāte) usw.19
15 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, p. 32.
Ebd., S. 10—11.16
17 Б. А. Серебренников, О некоторых возможных причинах происхождения иллативного значения у латышского локатива, „Rakstu krājums...“, p. 243—246.
18 П. А. Аристэ, Ливы и ливский язык, p. 43.
19 P. Ariste, Indoeuropäische Präfixe in den ostseefinnischen Sprachen, „Studii si cercetari lingvistice omagiu lui Al. Graur cu prilejul implinirii a 60 de ani“, 3, Bucuresti, 1960, p. 338.
8. Kalbotyros klausimai VI.
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Page 6Baltische Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen
Der Einfluss von Sprachen auf andere Sprachen zeigt sich vor allem im Wortschatz. Auch die sprachlichen Beziehungen zwischen den baltischen und den ostseefinnischen Sprachen spiegelten sich am deutlichsten im Wortschatz wider. Der finnische Sprachwissenschaftler L. Hakulinen gibt in seinem Buch „Struktur und Entwicklung der finnischen Sprache“ („Suomen kielen rakenne ja kehitys“, Helsinki, 1946)20 eine interessante Statistik zur lexikalischen Zusammensetzung des heutigen literarischen Finnischs an. Eine sorgfältige Analyse zeigte, dass baltische Lehnwörter im heutigen literarischen Finnisch 1,1% ausmachen; von tausend finnischen Wörtern sind also elf baltischen Ursprungs. Es ist darauf hinzuweisen, dass sich ein solcher Anteil baltischen Wortguts in keiner indoeuropäischen Sprache findet, obwohl die Balten mit den benachbarten indoeuropäischen Sprachen wesentlich mehr Kontakt hatten. Viele Wörter baltischen Ursprungs, die im Finnischen vorkommen, werden auch im heutigen literarischen Estnisch verwendet. Obwohl, wie erwähnt, die baltischen Lehnwörter in den finnischen Sprachen vergleichsweise gut erforscht sind, gibt es auch hier sehr viele strittige Fragen. Die Sprachwissenschaft wird künftig mehr als eine heute scheinbar unzweifelhafte Beurteilung ändern. Wir führen jene baltischen Lehnwörter an, die der finnische Sprachwissenschaftler J. Kalima in seinem Werk „Baltische Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen“ aufführt, und verweisen zugleich auf weitere Literatur.21
Finn. ahdas, Gen. ahtaan „eng“, estn. ahas, estn. ahastama „ängstigen, bedrängen“, vgl. lit. ankštas (V. Thomsen, 158—9; J. Kalima, 86; Y. H. Toivonen, I, 5; L. Hakulinen, II, 42). J. Kalima und Y. H. Toivonen äußern sich mit Vorbehalten.22
Finn. ahingas, Gen. ahinkaan „Fischgabel“, estn. ahingas, Gen. ahinga; ahing, Gen. ahingi „Stecheisen (zum Fischen)“, päeva- ahingid „Sonnenstrahlen“, vgl. lit. akštinas, akštis (V. Thomsen, 157; J. Kalima, 86; Y. H. Toivonen, I, 5).
Finn. aina „immer; noch“, estn. aina, ainu, ainute „nur, bloß; ganz“, vgl. altpr. ainat „allezeit“, lit. vienàt, lett. vien (V. Thomsen, 156—7; J. Kalima, 87; Y. H. Toivonen, I, 9; L. Hakulinen, II, 42). J. Kalima und Y. H. Toivonen äußern sich mit Vorbehalten.
Finn. aisa „Deichsel“, estn. ais, Gen. aisa „Stange der Gabeldeichsel“ könnte auf ein baltisches Wort zurückgehen, das weder in den heutigen baltischen Sprachen noch überhaupt in den Denkmälern der baltischen Sprachen derzeit belegt ist (J. Kalima, 87—8; L. Hakulinen, II, 41).
20 А. Хакулинен, Развитие и структура финского языка, ч. II, Москва, 1955, p. 151.
21Von den ostseefinnischen Sprachen führen wir hier zunächst nur Beispiele aus dem Finnischen und Estnischen an; Beispiele aus den übrigen ostseefinnischen Sprachen (Livisch, Karelisch, Wepsisch, Wotisch) werden nur dann genannt, wenn sie im Finnischen und Estnischen fehlen.
22Gemeint sind die Werke der hier genannten Autoren: V. Thomsen, Beröringer mellem de finske og de baltiske (litauisk-lettiske) Sprog, København, 1890; J. Kalima, Itämeren-suomalaisten kielten balttilaiset lainasanat, Helsinki, 1936; Y. H. Toivonen, Suomen kielen etymologinen sanakirja, I—II (II — Y. H. Toivonen, E. Itkonen, A. J. Joki); Helsinki, 1955—1958; А. Хакулинен, Развитие и структура финского языка, ч. II, Москва, 1955; П. А. Аристэ, Примечания к книге А. Хакулинена.
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Page 7Lyv. aistai „Finne (im Gesicht)“, vgl. lit. änkštara, inkštiras, lett. ankšteri „Maden, Larven, Engerlinge“ (V. Thomsen, 158; J. Kalima, 88). V. Thomsens Behauptung ist umstritten.
Finn. aitta, Gen. aitan „Vorratshäuschen“, est. ait, Gen. aida „Klete, Vorratshaus“ könnte auf ein heute unbekanntes baltisches Wort zurückgehen, das manche mit lit. aitvaras in Verbindung zu bringen versuchen (J. Kalima, 88–90; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I. 11).
Finn. ajattara, ajattaro, aattara „mythologisches Wesen“, est. äijätär „Hexe, Mutter des Teufels, Tochter des Judas“, vgl. lit. aitvaras (J. Kalima, 90). J. Kalimas Behauptung ist umstritten.
Finn. ankerias, angerjas, änkeriäs „Aal“, est. angerjas, vgl. lit. ungurys, altpreuß. angurgis (V. Thomsen, 158; J. Kalima, 90–1; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 19).
Finn. ansa „Schlinge, Dähne, Fallstrick, Strick“, est. aas, Gen. aasa „Masche, Öse, Schlinge, Schleife, Henkel“, vgl. lit. ąsą, lett. uosa, altpreuß. ansis „Kesselhaken“ (V. Thomsen, 159; J. Kalima, 91; L. Hakulinen, II, 41, Y. H. Toivonen, I, 19).
Finn. apila, apilas „Klee“, vgl. lit. dobilas, lett. ābuls, altpreuß. wobilis (V. Thomsen, 156; J. Kalima, 91; Y. H. Toivonen, I, 21; L. Hakulinen, II, 41). Die Behauptungen von J. Kalima, Y. H. Toivonen und L. Hakulinen sind umstritten.
Suom. arta, kilm. arran „Stangengerüst zum Aufhängen des Netzes u. a.“, plg. liet. ār̃das, ardai, lat. ārds, ārdi „die Dörrbalken in der Heizriege: dicke Balken, die über oder neben dem Ofen im Zimmer zum Trocknen der Pergel, Kleider usw. angebracht sind; die Balken in der Küche oder in der Badstube, in Livl. auch über dem Riegenofen zum Räuchern des Fleisches: das Feuerherd“ (V. Thomsen, 159; J. Kalima, 91–2). V. Tomsenas teigė abejojamas.
Est. eherus, iherüs „Bachforelle (Salmo trutta)“, vgl. lit. ešerys, lett. asars, asers (J. Kalima, 92). Die Behauptung ist umstritten.
Finn. elki, eljen „Wesen, Charakter“, eljet, elkeen, elkiä „munter; übelgelaunt“, vgl. lit. elgesys, elgtis (J. Kalima, 92–3; L. Hakulinen, II, 42; Y. H. Toivonen, I, 36–7). Y. H. Toivonens Behauptung ist umstritten.
Finn. hako „abgehauener grüner Zweig eines Nadelbaums, Tannen-, Fichten- und Wacholderreisig, umgestürzter Baum“, est. hagu „Reisig; Rispe, Wipfel eines Laubbaums“, vgl. lit. žagaras, lett. žāgars, lit. žaginiai, lett. žagas „abgefallenes Laub, belaubte Ruten, Badezweige“, vgl. auch lit. šakā, lett. sakas „Mistgabel, Kummet“ (J. Kalima, 93–4; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 50–1). Die Wortherkunft ist etwas umstritten.
Finn. haljakka „hellblau; blassgrau; Rock aus bläulichem Stoff“, halea, halia, haleva „hellgrün; grau, gräulich“, est. haljas, Gen. halja „blank, glänzend, glänzend grün“, vgl. lit. žalias, lett. zaļš, altpreuß. saligan (V. Thomsen, 244–6; J. Kalima, 94–5; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, I, 51).
Finn. halla „Nachtfrost“, est. hall, Gen. halla, vgl. lit. šalna, lett. salna (V. Thomsen, 220–1; J. Kalima, 95; Y. H. Toivonen, I, 51).
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Page 8Finn. hammas, Gen. hampaan „Zahn“, estn. hammas, Gen. hamba, vgl. lit. žãmbas, lett. zuobs „Zahn“ (V. Thomsen, 246—7; J. Kalima, 95—6; L. Hakulinen, II, 41; P. H. Toivonen, I, 54).
Finn. hanhi, Gen. hanhen „Gans“, estn. hani, vgl. lit. žąsis, lett. zuoss, altpr. sansy (V. Thomsen, 247; J. Kalima, 96; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 55). P. Ariste (II, 279) bezweifelt eine baltische Etymologie des genannten finnischen Wortes.
Finn. harakka „Elster“, estn. harakas, harak, vgl. lit. šárka, altpr. sarke (V. Thomsen, 221; J. Kalima, 96; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 57—8). J. Kalima und L. Hakulinen äußern Zweifel.
Finn. harja „Borste, Mähne, Bürste, Kamm“, estn. hari, Gen. harja „Bürste, Hechel, Kamm, First“, vgl. lit. šer̃ys, lett. sars (V. Thomsen, 222; J. Kalima, 97; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 58).
Finn. harmaa „grau“, estn. arm, armi „grau, hellgrau, ein Hundename“, vgl. lit. šìrmas, lett. sirmus (V. Thomsen, 223—4; J. Kalima, 97; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, I, 59).
Finn. hautoo „brüten, ausbrüten“, haude „dörren“, estn. haudma „brüten, bebrüten“, hauduma „brüten, aushecken, maischen, brühen“, vgl. lett. sautēt „dörren, brühen; prügeln“, lit. dial. šautas „Sauerampfersuppe, Blättersuppe“; lit. šùsti, lett. sust (J. Kalima, 97—8; L. Hakulinen, II, 42; Y. H. Toivonen, I, 63). Die Behauptung ist umstritten.
Finn. havu, havo „Nadelholzzweig; Baumnadel“, vgl. lit. žãbas, žãbaras (J. Kalima, 99; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 64). Die Behauptung ist umstritten.
Finn. heimo „Geschlecht, Stamm, Verwandte“, estn. håim, Gen. hõimu „Verwandtschaft, Verwandter“, vgl. lit. šeimà, lett. saime „Hausgesinde; Familie im weiteren Sinne“, altpr. seimins (V. Thomsen, 222; J. Kalima, 99; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 64).
Finn. heinä „Heu, Gras, Kraut“, estn. hein, vgl. lit. šiẽnas, lett. siens (V. Thomsen, 223; J. Kalima, 99—100; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 64—5).
Finn. heitiä, hetiä „blühen (von Roggen, Gerste)“, hede „Blüte“, hedelmä „Frucht“, vgl. lit. žydėti, žiedas (V. N. Toporov, O. N. Trubačiov, 247).
Finn. helle, Gen. helteen „schwül; Hitze“, vgl. lit. šiltis, šiltas, lett. silìs (J. Kalima, 100; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, I, 67). J. Kalima und L. Hakulinen äußern Zweifel.
Finn. herhiläinen, hörhiläinen, hörhöläinen „Wespe, Hornisse“, estn. herilane, erilane, vgl. lit. širšuõ, širšuolis, lett. sirsenis, altpr. sirsilis (V. Thomsen, 224; J. Kalima, 100; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 70).
Finn. herne „Erbse“, estn. hernes, vgl. lit. žirnis, lett. zirnis, altpr. syyne „Korn“ (V. Thomsen, 251; J. Kalima, 100—1; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, 70).
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Page 9Finn. hihna „Riemen, lederner Gürtel“, est. ihn, vgl. lit. šikšna, lett. siksna (V. Thomsen, 223; J. Kalima, 101; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 73). P. Ariste (II, 279) bezweifelt den baltischen Charakter der finnischen Wörter.
Finn. hirvi, Gen. hirven; hirvus, Gen. hirvahan „Elentier, Hirsch“, est. hirv, Gen. hirve „Reh“, vgl. altpreuß. sirwis „Reh“ (V. Thomsen, 225; J. Kalima, 101—2; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 78).
Weps. hähk, Gen. hähkän „Otter (норка)“, vgl. lit. šeškas, lett. sesks (V. Thomsen, 223; J. Kalima, 102—3).
Finn. härkä „Ochse“, est. härg, Gen. härja, vgl. lit. žirgas, lett. zirgs „Pferd“, altpreuß. sirgis „Hengst“ (V. Thomsen, 249—51; J. Kalima, 103; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 99).
Finn. härmä „Reif“, est. härm, Gen. härma, vgl. lit. šarmà, lett. sarma, serma (V. Thomsen, 221; J. Kalima, 103—4; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, I, 99).
Finn. irta „loser, freier Zustand“ versucht man mit lit. irti, lett. irt, lit. ardýti, lett. ārdīt in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 174; J. Kalima, 104; Y. H. Toivonen, I, 108).
Finn. jäytää „nagen, kauen (kauen); abnagen, benagen (nagen, fressen)“ versucht man mit lit. ėsti, lett. ēst, altpreuß. ist in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 201).
Finn. jäära, jaara „Schafbock, Widder“, est. jäär, jaar, vgl. lit. érdas, lett. jērs, altpreuß. eristian (V. Thomsen, 169; J. Kalima, 104; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 133).
Finn. kaarna „Borke, Kiefernrinde“, est. kaarn, Gen. kaarna „Schramme“, vgl. lit. karnà (J. Kalima, 104—5; Y. H. Toivonen, I, 135). Die Herleitung wird mit Vorbehalt vorgeschlagen.
Weps. kabuta „liebkosen (umarmen)“ versucht J. Kalima (105) mit lit. kabinti in Verbindung zu bringen.
Finn. kaikki „alles, alle“, est. kõik, Gen. kõige „alles, ganz“, vgl. lit. kiek, kiekvienas, lett. cik (V. Thomsen, 186—7; J. Kalima, 105; Y. H. Toivonen, I, 141). Die Verbindung wird mit Vorbehalt hergestellt.
Finn. kaima „Namensvetter“, est. kaim, Gen. kaimu „Namensverwandter, Verwandter, Mannesbruder“, vgl. lit. káimas, kiėmas, lett. ciems, altpreuß. caymis, lit. kaimýnas, altpreuß. kaiminan, lett. cieminš „ein Gast aus der nahen Nachbarschaft; der Gast überhaupt“ (V. Thomsen, 177; J. Kalima, 105—6; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 142).
Finn. kaleva: Kalevanpoika „Riese, stattlicher, starker Mann (milžinas, stambus, stiprus vyras)“, est. Kalevipoeg versucht man mit lit. kálvis in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 106).
Finn. kantele, Gen. kanteleen „cithara Finnorum primitiva, quinque chordis instructa et digitis tractanda“, est. kannel, Gen. kandle „Harfe“ versucht man mit lit. kañklės, lett. kuokle in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 178—81; J. Kalima, 106—7; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. kappale „Stück, Ding, Gegenstand“, vgl. lit. gābalas, lett. gabals (V. Thomsen, 170; J. Kalima, 107; L. Hakulinen, I, 139, II, 42; Y. H. Toivonen, I, 160). P. Ariste (I, 302) behauptet, dass die Balten dieses Wort aus dem ostseefinnischen Sprachzweig entlehnt haben.
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Page 10Das wotische (vatjalaiset) karissā „bestrafen“, estn. karistama „züchtigen, strafen, einschärfen“, kari „strenger Befehl, Antrieb, strenge Zucht, Disziplin“, karima „hüten, bewachen; züchtigen, in Zucht halten“ versucht man mit lit. kāras, lett. karš in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 107).
Fin. karsas, Gen. karsaan „schief, schielend“, vgl. lit. skreĩsas, lett. šķērs (V. Thomsen, 218; J. Kalima, 108; Y. H. Toivonen, I, 165). Die Herleitung wird mit Vorbehalt vorgebracht.
Fin. karsina ist ein in finnischen Dialekten mit mindestens zehn Bedeutungen gebrauchtes Wort, das sowohl in seiner Lautstruktur als auch in seiner Bedeutung an lit. gardinys, gardas erinnert (J. Kalima, 108; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 165).
Fin. karsta „Wollkamm, Krämpel“ versucht man mit lit. karšti, karštuvai in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 108—9; Y. H. Toivonen, 165—6).
Fin. karta „Eisenblech“ versucht man mit lit. skārda, lett. skārde in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 218; J. Kalima, 110—1; Y. H. Toivonen, I, 166).
Wot. karte „auf solche Weise, ähnlich, wie“ versucht man mit lett. kārta „Schicht, Lage, Reihe“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 201—3).
Fin. kartta „Trog“ versucht man mit lit. prākartas „aus einem Rundholz ausgehöhlter Trog zum Fressen für Tiere; Krippe“, pruß. pracartis „Trog“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 111; Y. H. Toivonen, I, 166).
Fin. karva „Haar; Farbe“, estn. karv, Gen. karva, vgl. lit. gaurai, lett. gauri (V. Thomsen, 171—2; J. Kalima, 111; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 166—7).
Fin. karvas, Gen. karpahan „Korb, kleines Boot“ versucht man mit lit. kāibas „Korb“, lett. kārba in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 109—10; Y. H. Toivonen, I, 167).
Fin. karve, Gen. karpeen „Baummoos, Flechte“, estn. karbe, Gen. karpe, vgl. lett. karpitnes „Flechten (lichenes)“, kērpes „Flechtenmoos auf Dächern“, lit. kérpės (V. Thomsen, 186; J. Kalima, 111—2; Y. H. Toivonen, I, 167).
Fin. kataja, katava „Wacholder“, estn. kadakas, kadak, vgl. lit. kadagys, lett. kadegs, pruß. kadegis (V. Thomsen, 176; J. Kalima, 112; L. Hakulinen, I, 108). J. Kalima und L. Hakulinen äußern sich mit Vorbehalt. P. Ariste (I, 301) meint, die Balten hätten dieses Wort wohl aus den ostseefinnischen Sprachen entlehnt.
Fin. kauha „Schöpflöffel“, vgl. lit. kaušas, lett. kauss (V. Thomsen, 184—5; J. Kalima, 112—3; Y. H. Toivonen, I, 172).
Fin. kaula „Hals“, estn. kael, vgl. lit. kaklas, lett. kakls (V. Thomsen, 177; J. Kalima, 113; Y. H. Toivonen, I, 173).
Suom. kaunata „einem Wegen einer Sache grollen, einem etwas nachtragen“, plg. lat. kauns „Scham, Schande, Schmach“ (J. Kalima, 113). Teigia abejodamas.
Fin. kekäle „Brand, Feuerbrand“, vgl. lit. dėgalas (J. Kalima, 113—4; L. Hakulinen, II, 40). Die Herleitung wird mit Vorbehalt vorgebracht.
Fin. kela „Haspel“, vgl. pruß. kelan „Rad“, maluna-kelan „Mühlrad“, lett. duceles „zweirädriger Wagen“ (V. Thomsen, 185; J. Kalima, 114; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 179). Die Herleitung wird mit Vorbehalt vorgebracht.
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Page 11Finn. keli „Schlittenbahn“, vgl. lit. kelias, lett. ceļš (V. Thomsen, 185, J. Kalima, 114; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, I, 179).
Finn. kelle, Gen. kelteen; kelles, Gen. kelteen „Oberflächenstück; Brocken (Stück einer Oberfläche [gewöhnlich Holz]; Stück)“, vgl. lit. skiltis (J. Kalima, 114—5; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 179). Y. H. Toivonen äußert sich zweifelnd.
Finn. kelta, keltainen „gelb“, estn. kõld, kold „Gelbes, gelbe Farbe“, vgl. lit. geltà, geltas, lett. dzeltens (V. Thomsen, 172; J. Kalima, 115; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, I, 180).
Finn. kerta „Schicht, Stockwerk; Serie, Reihe; Zeitraum; Mal“, estn. kord, Gen. korda, vgl. preuß. kėrdan „zur Zeit“, prei swaian kerdan „zu seiner Zeit“ (V. Thomsen, 185—6; J. Kalima, 115—7; L. Hakulinen, II,42; Y. H. Toivonen, I, 184—5). J. Kalima und L. Hakulinen äußern sich zweifelnd.
Liv. kēu „Stute“ versucht man mit lett. kēve, lit. kēvė in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 117).
Liv. kill „Grünspecht“, vgl. lett. dzilna, dzilnis „Specht (nur die größeren Spechtarten)“ (V. Thomsen, 173; J. Kalima, 117).
Finn. kina „Zank, Zwist; Gezänk; Hader; Disput“, kinata „streiten, zanken, sich necken“ versucht man mit lit. ginčas, ginčyti in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 117—8).
Finn. kinnas, Gen. kintaan „Fausthandschuh“, estn. kinnas, Gen. kinda, vgl. lett. cimds (V. Thomsen, 187; J. Kalima, 118; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 195—6). Alle äußern sich zweifelnd.
Finn. kirstu „Kasten, Sarg“, estn. kirst, Gen. kirstu, vgl. lit. karštas (J. Kalima, 118; J. H. Toivonen, I, 200). Die Verbindung ist zweifelhaft.
Finn. kirves, Gen. kirveen „Axt“, estn. kirves, Gen. kirve „Axt, Beil“, vgl. lit. kirvis, lett. cirvs (V. Thomsen, 189; J. Kalima, 118—9; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, I, 200).
Finn. kirvi, kirvinen, kiuru „Lerche“ versucht man mit lett. cīrulis in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 119).
Finn. kouko „Tod“, estn. kõu, Gen. kõue; kõukene, Gen. kõukese „Alterchen“, vgl. lit. kaukas „Hausgeist; Seele eines ungetauften Kindes; Teufel“, lett. kauks „Heinzelmännchen“, pruß. cawx „Teufel“ (J. Kalima, 119—20; Y. H. Toivonen, II, 226). Sie äußern sich zweifelnd.
Estn. kõblas, Gen. kõpla „Hohlbeil, Erdhacke“, kõblima „behacken, aufhacken (die Erde)“ versucht man mit lit. kablys, lett. kaplis in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 120).
Finn. kuhmu „Beule, Knollen, Knoten“, estn. kuhm „Beule“ versucht man mit lett. kuzma „Kropf; Höcker, Buckel“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 120—1).
Estn. kukru „Nacken“, karel. kukkuri wird mit lit. kukūrai, kukūriai „Buckel, Höcker“ in Verbindung gebracht (J. Kalima, 121).
Finn. kulo „altes, im Vorjahr ungemäht gebliebenes Gras“, estn. kulu, kulo, vgl. lett. kūla „altes, dürres Gras vom Vorjahr; das alte Haar der Tiere; die alte Haut einer Schlange“, lit. kūlės, kūlėti (V. Thomsen, 190—1, 263; J. Kalima, 121—2; Y. H. Toivonen, II, 234—5). Sie äußern sich zweifelnd.
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Page 12Finn. kupo „Strohbündel“, est. kubu, kubo „Bündel, Schoßvoll“, vgl. lit. gubà, lett. guba (J. Kalima, 122; Y. H. Toivonen, II, 243). J. Kalima äußert sich zweifelnd.
Finn. kurko, kurki „ein böser Geist, Teufel, Gespenst, Bär, Laus“, vgl. pr. curche, curcho „der Erntegott der heidnischen Preußen“ (J. Kalima, 122—3; Y. H. Toivonen, II, 245).
Est. kurb, Gen. kurva „traurig, betrübt“, vgl. lit. skūrbė „Kummer“, skurbstū (J. Kalima, 123).
Finn. kurpponen, kurppunen, kurpunen, „calcei species ex corio piloso“, vgl. lit. kūrpė, lett. kurpe, pr. kurpe (V. Thomsen, 191—2; J. Kalima, 123; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 246).
Est. kurt, Gen. kurdi „taub“, vgl. lit. kur̃tas, kur̃čias, lett. kurls (V. Thomsen, 192; J. Kalima, 123).
Finn. kuuro „taub“, vgl. lett. kuorns „taub“ (J. Kalima, 124; Y. H. Toivonen, II, 252).
Finn. kypärä, kypäri „Helm, hohe Mütze, Hut“, est. kübar, Gen. kübara „Hut, Mütze“, vgl. lit. kepurė, lett. cepure (V. Thomsen, 185; J. Kalima, 124; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 256).
Finn. kytö, kyttö „stri longa alius coloris in dorso bovis l. equi“, est. küüt, Gen. küüdu „streifig, gestreift; Vieh mit weißem Rückenstreifen“ wird mit lit. skiaūtas, skiaūtė „Flick, Stück Zeug“ in Verbindung zu bringen versucht (K. Būga, Aist. st.23, 70, 94), skiaūtė (J. Kalima, 203).
Finn. kyäs, Gen. kykään „Hocke, Schober, Dieme, Diemen“ wird mit lit. kūgis in Verbindung zu bringen versucht (J. Kalima, 124; Y. H. Toivonen, II, 258).
Finn. käki, Gen. käen „Kuckuck“, est. kägi wird mit lit. gegė, gegutė, lett. dzeguze, pr. geguse in Verbindung zu bringen versucht (V. Thomsen, 172; J. Kalima, 124—5; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 259).
Finn. kärme, käärme „Schlange“, vgl. lit. kirmis, kīrminas, kirmėlė, lett. cirmenis (V. Thomsen, 188; J. Kalima, 125; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 265).
Est. kärpima „abscheren, kappen, (Bäume) beschneiden“, vgl. lit. kirpti, lett. cirpt (J. Kalima, 125—6).
Finn. kääppä, Gen. kääpän „aufgeworfener Hügel“, est. kääp, kääbas „aufgeworfener Hügel; Grabhügel; Gespenst“, vgl. lit. käpas, lett. kaps (J. Kalima, 126; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, II, 265). J. Kalima und Y. H. Toivonen äußern sich zweifelnd.
Finn. lahto, Gen. lahdon „Dohne, in der Baumkrone aufgestellte Vogelschlinge“, vgl. lit. sląstai, lett. slasts, slazds (V. Thomsen, 219; J. Kalima, 126—7; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 269).
Finn. laiha „mager“, est. lahi, Gen. lahja, vgl. lit. liesas, lett. liess (V. Thomsen, 196; J. Kalima, 127; L. Hakulinen, II, 42; Y. H. Toivonen, II, 269).
23 K. Būga, Aistiški studijai, d. I, Peterburgas, 1908.
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Page 13Finn. laiska, Gen. laiskan „faul“, est. laisk, vgl. lett. laiks „faul, träge“ (V. Thomsen, 193; J. Kalima, 127; L. Hakulinen, II, 42; Y. H. Toivonen, II, 270). Y. H. Toivonen stimmt dem nur unter Vorbehalt zu.
Finn. laita „Ordnung, Beschaffenheit, Verhältnis“ wird versuchsweise mit lit. lieta „Nutzen, Vorteil, Gewinn; Zweck“, lett. lieta „Ding, Sache“ in Verbindung gebracht (V. Thomsen, 196; J. Kalima, 127—8).
Finn. laita „Seite, Kante, Rand, Bord“, est. laed „eine Reihe von Beplankungsbrettern am Schiff“ wird versuchsweise mit lett. laides „die Bretter, die zur Vergrößerung am oberen Rand eines aus einem Stamm gehauenen Bootes befestigt werden“ in Verbindung gebracht (V. Thomsen, 193; J. Kalima, 128—9). Y. H. Toivonen meint, lett. laides sei aus dem Estnischen entlehnt (Y. H. Toivonen, II, 271).
Finn. laiva „Schiff“, est. laev „Schiff, großes Boot“, vgl. lit. laivas, lett. laiva (V. Thomsen, 193; J. Kalima, 129; Y. H. Toivonen, II, 271). Y. H. Toivonen äußert sich dazu zweifelnd. In jüngster Zeit halten einige Forscher die baltische Schiffsbezeichnung (lit. laivas, lett. laiva) für ein Lehnwort aus dem Ostseefinnischen, vgl. S. 133.
Suom. laukki „Blässe“, est. lauk, kilm. lauga „Blässe, weisser Fleck an der Stirn der Tiere, Scheitelstelle (im Haare vorn), ein Tier mit einer Blässe“, plg. liet. laukàs „baltu snukiu ar balta kakta gyvulys“, lat. lauks (V. Thomsen, 194; J. Kalima, 129; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 281).
Finn. lausua „äußern, etwas zum Ausdruck bringen, aussprechen, deklamieren“, est. lausuda „äußern, singen (sprechen)“ wird versuchsweise mit lit. kláusti, lett. klaust in Verbindung gebracht (J. Kalima, 129—30).
Finn. lauta „Brett, Sitzbank, Tisch, Schwitzbank in der Badstube“, est. laut, Gen. laudu „Regal, Brettergestell (besonders an der Wand, um etwas daraufzustellen), Lattenlage“ wird versuchsweise mit lit. plautas „breite Schwitzbank; Seitenbrett eines Klotz-Bienenstocks; Brett, das an die Bootsseite genagelt wird, damit das Boot nicht umkippt und kein Wasser eindringt“, lett. plauts „Wandbrett, Regal“, plaukts „Regal, Repositorium“ in Verbindung gebracht (V. Thomsen, 209; J. Kalima, 130—1; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 282—3).
Finn. lava „Brettergerüst, Bettgestell, Pritsche, Bett; Heuschober; Frühbeet“, est. lava „Bänke, Schwitzbänke“ wird versuchsweise mit lit. lóva, lett. lāva „Schwitzbank, Pritschbank in der Badstube“ in Verbindung gebracht (J. Kalima, 131—2).
Finn. leuka „Kinn“, est. lõug, Gen. lõua „Kinn, Kiefer“ wird versuchsweise mit lit. liukà in Verbindung gebracht (J. Kalima, 132). Y. H. Toivonen leitet finn. leuka zweifelnd aus germ. *fleugō her (Y. H. Toivonen, II, 288). Auch E. Nieminen bestreitet den baltischen Ursprung von finn. leuka (E. Nieminen, Eripainos Virittäjästä, 1945, Nr. 1, S. 40—56).
Finn. lielo: yölielo „Ziegenmelker; Waldkauz“ wird versuchsweise mit lit. lėlìs, lėlỹs „Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)“, lett. lēlis „Nachtrabe“ in Verbindung gebracht (J. Kalima, 132—3).
Finn. liika „überschüssig“, liian „zu viel“, liika luku „ungerade Zahl“, est. liig „zu viel, übermäßig, Übermaß“ wird mit lit. liėkas, in Verbindung gebracht
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Page 14Lat. lieks (V. Thomsen, 195—6; J. Kalima, 133; Y. H. Toivonen, II, 292). Finn. lohi, Gen. lohen „Lachs“, Est. lõhi, Gen. lõhe, vgl. lit. lašišà, lett. lasis, pr. lasasso (V. Thomsen, 194; J. Kalima, 133; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 300).
Finn. louhia „nagen, brechen, spalten“, louhi „großer Stein, Steinblock“, louhos „Steinbruch“, vgl. lit. láužti, lett. lauzt (V. Thomsen, 194—5; J. Kalima, 133—4; Y. H. Toivonen, II, 304). Die Herleitung wird mit Zweifel vertreten.
Suom. luhta „niedrige Wiese, Sumpfwiese“, est. luht, kilm. luha „niedrige Bachwiese, welche bei Hochwasser überschwemmt wird, auch die darauf wachsenden Cyperaceen“, plg. liet. lūkštas „Sumpfdotterblume (caltha palustris)“, lat. luksts „eine einschliessende Stelle, eine feuchte, niedrig gelegene Wiese“ (V. Thomsen, 197; J. Kalima, 134—5; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, II, 306).
Finn. lunka „die Löslichkeit der Rinde eines frisch wachsenden Baumes“, vgl. lit. lūnkas „plausās, Karna“, pr. lunkan, lett. lūks (J. Kalima, 135; Y. H. Toivonen, II, 309—10). Y. H. Toivonen vertritt die Herleitung mit Vorbehalt.
Finn. luoma „ein Nebenfluss eines Flusses oder seines Seitenarms, dessen Größe zwischen einem Graben und einem als Fluss bezeichneten Gewässer liegt; Damm; Bett eines ausgetrockneten Flusses... (Abhang, Bett eines ausgetrockneten Flusses...)“ wird versuchsweise mit lit. lomā und lett. lāma in Verbindung gebracht (J. Kalima, 135; Y. H. Toivonen, II, 312).
Finn. luuta „Besen“, Est. luud, Gen. luua, vgl. lit. šluota, lett. sluota (V. Thomsen, 225—6; J. Kalima, 135—6; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 316).
Finn. maja „Hütte, Herberge, Obdach, Logis, Unterkunft“, Est. maja „Haus, Hütte, Wohnung“, vgl. lett. māja „das Bauerngesinde; die Behausung im weiteren Sinne, das Haus, die Heimat“ (V. Thomsen, 198; J. Kalima, 136—7; Y. H. Toivonen, II, 328). Andere halten lett. māja für ein Wort finnischen Ursprungs, vgl. S.
Finn. malka, Gen. malan „Dachlatte“, Est. malk, Gen. malga „Stock, Stecken, Prügel, Stange“, vgl. lit. mālka, lett. malka, pr. malko „Holz“ (V. Thomsen, 198; J. Kalima, 137; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 330).
Finn. meri, Gen. meren, Est. meri, Gen. mere, vgl. lit. mārios, pr. mary „Haff“ (V. Thomsen, 198—9; J. Kalima, 137—8; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, II, 341). V. Thomsen vertrat die Herleitung mit Vorbehalt.
Finn. metu „Honig“, Est. mõdu, vgl. lit. medūs, lett. medus, pr. meddo (V. Thomsen, 200; J. Kalima, 138; Y. H. Toivonen, 343). Die Herleitung wird mit Zweifel vertreten.
Finn. morsian, Gen. morsiamen „Braut“, Est. mõrs, Gen. mõrsi; mõrsja, Gen. mõrsja „erwachsenes Mädchen; Braut“, vgl. lit. marti, lett. mārša, pr. martin, martan „Braut“ (V. Thomsen, 199—200; J. Kalima, 138; L. Hakulinen, 41; Y. H. Toivonen, II, 348).
Finn. muli: mulipää „hornlos“, vgl. lit. mūlas, šmūlas, lett. muls „ohne Hörner“ (V. Thomsen, 226; J. Kalima, 138—9; Y. H. Toivonen, II, 350).
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Page 15Est. mulk, Gen. mulgi „Spitzname der Felliner bei den Werroesten“ versucht man mit lit. mulkis in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 139).
Finn. mytyri „Mütze, Hut“ versucht man mit lit. mūturas in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 139; Y. H. Toivonen, II, 356).
Finn. mäntä „Butterstößel, Quirl“, est. mänd, Gen. männa, vgl. lit. mentė, mentūris, lett. mieturs (V. Thomsen, 200—1; J. Kalima, 139—40; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 359).
Finn. märkä „nass, Eiter“, est. märg, Gen. märja „nass; Nässe, Flüssigkeit, Getränk“, vgl. lett. mērka „Feuchtigkeit, ein völlig durchnässter Gegenstand“, lit. merkti (V. Thomsen, 201; J. Kalima, 140—1; L. Hakulinen, II, 40; Y. H. Toivonen, II, 360). J. Kalima, L. Hakulinen und Y. H. Toivonen äußern sich mit Vorbehalt.
Finn. napa „Nabel“, est. naba, Gen. nāvd „Nabel, Nabe, Pol“, vgl. lett. naba „Nabel; am Pflug das Querholz der Deichsel“, altpreuß. nabis „Nabel; Nabe am Rad“ (V. Thomsen, 201; J. Kalima, 141; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 365). Y. H. Toivonen äußert sich mit Vorbehalt.
Karel. nautti „schlechtes Wachstum (von Pflanzen)“ versucht man mit altpreuß. nautin „Not“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 141).
Suom. nepaa, kilm. nepaan „Geschwisterkind von Seiten des Vaters, d. h. des Vaterbruders oder der Vaterschwester Kinder“, est. nõbu „Geschwisterkind, Vetter, Base“, nõbedused „Brüderkinder“, plg. sen. liet. nepuotis, nepotis „Enkel, Neffe“, neptė „Enkelin“ (V. Thomsen, 203; J. Kalima, 141; Y. H. Toivonen, II, 373).
Finn. niisi, Gen. niiden „Weberzunft“, est. niis, Gen. niie „Weberzunft, Häkchen“, vgl. lit. nýtis, lett. nīts „Teil des Webstuhls“ (V. Thomsen, 203—4; J. Kalima, 142; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 378).
Finn. nukero „unteres Ende der Wirbelsäule“. Lyv. nugar: sālganugar „Rückenkamm der Tiere“ versucht man mit lit. nugarà, lett. mugura in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 204; J. Kalima, 142; Y. H. Toivonen, II, 396).
Finn. nuode, Gen. nuoteen „Schwestermann, Schwager“ versucht man mit lett. znuots „Schwiegersohn; Schwager“ in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 251; J. Kalima, 142; Y. H. Toivonen, II, 299—300).
Finn. oinas, Gen. oin aan, est. oinas, õinas „männliches Schaf, Widder“, vgl. lit. ávinas, lett. avns, altpreuß. awins (V. Thomsen, 160; J. Kalima, 142—3; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 422).
Finn. olut, Gen. oluen „Bier“, est. õlut, õlu versucht man mit lit. 1 alùs, lett. alus, altpreuß. alu „Met“ in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 157—8; J. Kalima, 143; Y. H. Toivonen, II, 428).
Finn. orsi (orte-), Gen. orren „Sparren, Balken, Dachsparren“, est. õrs, Gen. õrre „Stange“, õre-puu „Querbalken“, vgl. lit. ardas „junge Stange, auf die man zum Trocknen ausgebreitete Flachsstängel oder Getreide legt“, lett. ārds, ārde (J. Kalima, 143—4; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 439).
Finn. -pa, -pää, verstärkende Partikel, est. -p, -ba versucht man mit lett. -ba (-be, -b) in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 160—1; J. Kalima, 144; L. Hakulinen, I, 217, II, 42).
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Page 16Finn. paarre, Gen. paarteen „Saum, Falte, Borte“ wird mit lett. bārksts, bārkste, bārsts „Franse, Faser; der Saum am Kleid“ verglichen (V. Thomsen, 162; J. Kalima, 144).
Finn. pahla, Gen. pahlan „Rute, Gerte“, estn. pahi, pahlas „Spieß, zugespitzter Stab (zum Durchstechen)“, vgl. lit. baslÿs (J. Kalima, 144—5; Y. H. Toivonen, II, 456).
Estn. pahr, Gen. pahru „Eber“, vgl. lit. pāršas (J. Kalima, 145).
Finn. paimen „Hirte“, estn. paimendama „schützen, behüten“, vgl. lit. piemuo (V. Thomsen, 208; J. Kalima, 145; L. Hakulinen, II, 41; Y. H. Toivonen, II, 459).
Liv. palandaks „Taube“, vgl. lit. balandis, lett. baluodis (V. Thomsen, 161; J. Kalima, 145).
Suom. panu „ignis“, plg. pr. panno „Feuer“, panustaclan „Feuereisen“ (V. Thomsen, 206; J. Kalima, 146).
Finn. parjata, parjaan „schmähen, lästern, verleumden“, vgl. lit. bārti, lett. bart (J. Kalima, 146; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. parta, Gen. parran „Bart“, estn. pard, Gen. parra wird mit lit. barzdā, lett. bārda, pruß. bordus verglichen (V. Thomsen, 162; J. Kalima, 146).
Finn. pauna „kleine Tasche oder Ranzen, der an einem über die Schulter laufenden Riemen getragen wird“, estn. paun, Gen. pauna „Ranzen, Tornister, (scherzhaft) Magen“ wird von J. Kalima (146) mit lett. pauna „eine kleine Mütze; ein Ranzen; Lumpen; Bündel, Last“ in Verbindung gebracht. V. Thomsen (272) hielt lett. pauna für ein Lehnwort aus dem Ostseefinnischen.
Finn. pelu, Pl. pelut „Häcksel“, vgl. lit. pėlūs, lett. pelus, pruß. pelwo (V. Thomsen, 207; J. Kalima, 147).
Finn. perkele, Gen. perkeleen; perkule „Teufel“, estn. pergel, põrgel wird mit lit. perkūnas, lett. pērkūns, pērkuons, pruß. percunis verglichen (V. Thomsen, 207; J. Kalima, 147; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. pirtti, Gen. pirtin „Rauchstube (Hütte ohne Schornstein), Gesindestube“, vgl. lit. pirtis, lett. pirts (V. Thomsen, 208; J. Kalima, 148; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. purje, Gen. purjeen „Segel“, estn. purje, vgl. lit. būrė (V. Thomsen, 163—4; J. Kalima, 148). J. Kalima äußert Zweifel. In jüngster Zeit neigt man dazu, die baltische Bezeichnung für „Segel“ als Lehnwort aus dem Ostseefinnischen anzusehen, vgl. S.
Finn. puuro, putro „Brei, Grütze“, estn. pudr, Gen. pudru „Brei, gekochte Grütze“, vgl. lit. putrā, lett. putra „Grütze, Brei“ (V. Thomsen, 210; J. Kalima, 148—9; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. rahna, rahno, rahnu „Span, Splitter (Holzspan, Absplitterung, Splitter)“, estn. rahn, Gen. rahnu, rahna „ungespaltener Stamm, Klotz, Block“ wird mit lit. rąstas verglichen (J. Kalima, 149).
Finn. rahtu „Partikel (kleines Teilchen von etwas)“ wird mit lit. raštas, lett. raksts verglichen (J. Kalima, 149—50).
Finn. raita „Salweide, Palmweide“, estn. raid, Gen. raia „Bruchweide (salix fragilis), auch andere baumartige Weiden“ wird mit lett. priede „Kiefer“ verglichen (J. Kalima, 150).
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Page 17Suom. rako, kilm. raon „Riss, Spalt“, aidan rako „Lücke im Zaun“, est. ragu, pragu, plg. liet. spragą, lat. spraga „eine offene Stelle im Zaun, im Eis, eine Lücke zwischen zwei Gebäuden“ (V. Thomsen, 219; J. Kalima, 150—1).
Finn. ranka, ranko „Baumstamm; Langholz; Rückgrat“ versucht man mit lit. drąnga „Stange, Knüppel“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 151).
Finn. raisu „wild, ungestüm, unbändig, mutwillig“ versucht man mit lit. drąsūs, lett. druošs in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 151).
Finn. rastas, rāstās „Drossel“, est. räästas, Gen. räästa „Drossel-, auch andere Vogelarten“, vgl. lit. strāzdas, lett. strazds, pruß. tresde (V. Thomsen, 220; J. Kalima, 151; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. rasti „Zeichen, Merkmal“ versucht man mit lit. rāstas, lett. raksts in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 151—2). Bemerkenswert ist, dass bereits K. Jaunius finn. rastikka „die Ziffer“ für ein Lehnwort aus den baltischen Sprachen hielt (K. Būga, Aist. st., 149).
Finn. rata, Gen. radan „Bahn“, est. rada, Gen. raja, raa „Streifen, Reihe, Fußsteg, Strickleiter (am Mast), Spur“ versucht man mit lett. pusra- tā, uz pusrata „halbwegs, ziemlich auf halbem Wege“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 152).
Finn. ratas, Gen. rattaan „Rad“, rattaat „Räder, Wagen“, est. ratas, Gen. ratta „Rad, Rolle“, vgl. lit. rātas, lett. rats (V. Thomsen, 211; J. Kalima, 152; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. reisi, reite- „Schenkel, Lende“, est. reiz, Gen. reie, vgl. lit. rietas, lett. rieta „Bein“ (V. Thomsen, 212; J. Kalima, 152—3; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. reki, Gen. reen „Schlitten“, est. regi, Gen. ree, vgl. lit. rōgės, lett. ragavas (V. Thomsen, 211, J. Kalima, 153).
Finn. rentiä, rennin „waten“, est. rändama „wandern, pilgern, sich umhertreiben, umherlaufen“, vgl. lit. bristi, lett. brist (J. Kalima, 153—4).
Finn. reuna „Rand, Kante“, vgl. lit. briaunà (J. Kalima, 154). Auch K. Būga betrachtete finn. reuna als Baltismus (Aist. st., 41—2).
Finn. rieska „frisch, ungesäuert; süße Milch; ungesäuertes und frisch gebackenes Gerstenbrot“, est. röōsk, Gen. röōsa „süß (nicht gesäuert); jung, zart, unschuldig (besonders in Bezug auf Hexerei)“, vgl. lit. prēskas (V. Thomsen, 209—10; J. Kalima, 154—5; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. rihma „Band, Schnur, Faden“, est. rihm, Gen. rihma; rehm, Gen. rehma „Reimen“ versucht man mit lit. rišimas, ryšys in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 212; J. Kalima, 155—6).
Finn. riita „Holzhaufen“ versucht man mit lit. sritis „schön aufgeschichteter Holzhaufen“ in Verbindung zu bringen (K. Būga, Aist. st., 30; J. Kalima, 156).
Finn. rouhia, rouhata „stampfen, zerstoßen, quetschen“, est. rōhuma „drücken, quetschen, drängen“, rōhwe „Zerknittertes, Zerbröckeltes, altes zerknittertes Stroh“, vgl. lett. krausēt „stampfen, die Spitzen der Gerstenkörner abstampfen“, lit. krausýti „stampfen, zerstoßen“ (J. Kalima, 156).
Finn. routa, Gen. roudan „hart gefrorener Erdboden, gefrorener Kot; Bodenfrost“, routakuu „Dezember“, vgl. lit. grúodas (V. Thomsen, 173—4; J. Kalima, 157; L. Hakulinen, II, 40).
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Page 18Finn. rujo „krüppelig, verkrüppelt, verwachsen, leidend, gebrechlich, invalid“, estn. ruju, rudu „schwach, matt“ versucht man mit lett. krūja „Plumpsack, Krüppel“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 157).
Finn. ruopas „Steinhaufen“ versucht man mit lett. drupas „Ruinen“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 157—8).
Finn. ruskea „braun“, estn. ruske „brandgelb, braunrot“ versucht man mit lett. ruskans, rūsgans „rötlich, bräunlich, rotbraun“, lit. rùdas, rùsvas in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 158).
Finn. sakara, sakari „Vorsprung, Horn, Spitze“ versucht man mit lit. siāgaras in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 203).
Finn. salo „waldreiche Insel, Waldgegend, großer unbewohnter Wald (Waldinsel, waldreiche Gegend, großer unbewohnter Wald)“, estn. salu „Moorinsel, Hügel im Moor“, vgl. lit. salà, lett. sala „Insel, Holm; Erhebung im Moor“ (V. Thomsen, 214; J. Kalima, 158; L. Hakulinen, II, 40).
Finn. sammas, sampas „Grenzstein, lapis terminalis (Grenzzeichen)“, estn. sammas „Säule, Pfosten, Pfeiler, Werkzeug zum Einspannen von Brettern zum Behauen“ versucht man mit lit. žambas „Winkel, Ecke“, žambis, žambris „Pflug, hölzerner Pflug“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 158—9).
Finn. sapu „Schwanz (ohne Haar)“, estn. saba, liv. sava „Schwanz, Schweif, Schleppe, Anhang, Ende, Ausgang“ versucht man mit lit. stãbas „Pfosten, Säule; Götzenbild, Schlagfluss“, stãbaras „trockener Baumast“, lett. stabs „Pfosten, Säule, Pfeiler, Pranger“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 159—60).
Finn. seinä „Wand“, estn. sein, liv. seina, vgl. lit. siena, lett. siena (V. Thomsen, 217; J. Kalima, 160; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. seiväs „Zaunpfahl, Zaunstecken“, estn. teivas, saibas, vgl. lit. stiebas (V. Thomsen, 219—20; J. Kalima, 160; L. Hakulinen, II, 41).
Suom. seura „Gesellschaft, Gefolge“, seuralainen „Mitglied einer Gesellschaft, Gefährte“, seurakunta „Gemeinde“, seurata „folgen, begleiten“, est. sõber, kilm. sõbra „Freund, Geliebter, Gönner, Kunde“, plg. liet. sėbras, lat. sėbrs (V. Thomsen, 215—6; J. Kalima, 160—1; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. siemen „Same“, estn. seeme, liv. seeme, seemne „Saat, Same“, vgl. lit. sėmens, sėmenys, preuß. semen (V. Thomsen, 216; J. Kalima, 161—2; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. sii „ein die Dachunterlage stützender, über die Hauswandfläche hinausragender Wandbalken“, vgl. lit. sijà, lett. sija (E. Nieminen, vgl. S. 177—82).
Finn. silta „Brücke, Steg, Landungsbrücke; Diele“, estn. sild, liv. silla „Brücke, Knütteldamm, instand gehaltener Weg“, vgl. lit. tiltas, lett. tilts (V. Thomsen, 232; J. Kalima, 162; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. sisär, sisär „Schwester“, estn. sõzar, sõhar „Schwester; Tochter der Schwester“, vgl. lit. sesuõ (V. Thomsen, 217; J. Kalima, 162—3). J. Kalima äußert Zweifel.
Finn. suova „acervus foeni coniformis in pratis“ versucht man, unter großen Vorbehalten, mit lit. stógas, preuß. stogis in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 204).
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Page 19Finn. taivas „Himmel“, est. taevas, kolm. tǝeva, vgl. lit. dievas, lett. dievs, preuß. deywis, deiwas, deiws (V. Thomsen, 166—7; J. Kalima, 163; L. Hakulinen, II, 40).
Finn. takiaien (tǝkkiaien, tahkiaien) „Klette“, est. takijas, takjas, takis, takaia, tagijas, tagi, vgl. lit. dagỹs, lett. dadzis (V. Thomsen, 165; J. Kalima, 163—4; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. talkoo, Pl. talkoot; talkoos, talkos „gemeinsames Mahl aller Helfer (bei der Ernte usw.)“, est. talgu, Pl. talgud „Erntemahl“, vgl. lit. talkà, lett. talka (V. Thomsen, 226—7; J. Kalima, 164; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. tapa, kolm. tavan „Sitte, Gewohnheit, Weise“, tavallinen „gewöhnlich“, est. taba, kolm. tava „Angewohnheit, Gewohnheit, Gebrauch, Weise“, vgl. lit. dabà „Natur, Eigenschaft, Charakter“, lett. daba (V. Thomsen, 164—5; J. Kalima, 164—5; L. Hakulinen, II, 42).
Suom. tarha „umzäunter Platz, Viehhof, Hof um den Mond“, puutarha „Garten“, est. tara, tahr „Hürde, Umzäunung, Hof um den Mond, um die Sonne“, plg. liet. daržas, lat. dārzs (V. Thomsen, 166; J. Kalima, 165; L. Hakulinen, II, 41).
Suom. tarista „erzählen, plaudern“, tarina „Erzählung, Fabel“, plg. liet. tãrti, pr. tãrin „Stimme, Rede“ (V. Thomsen, 228; J. Kalima, 165—6).
V. Thomsen äußerte sich mit Vorbehalt.
Finn. tarpa, kolm. tarvan „Störstange“, tarpo, kolm. tarvон, est. tarbu, kolm. tarbu „Störstange der Fischer“ versucht man mit lett. dalba, dalbs „der Stamm des Baumes; eine Fischerstange zum Scheuchen der Fische; eine Stange zum Stoßen, Rudern, Anhalten der Boote“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 166).
Finn. tarvas „irgendein hirschartiges Tier“, est. tauras, tõuras „Rentier“, vgl. lit. taūras, preuß. tauris „Wisent“ (V. Thomsen, 228—30; J. Kalima, 166—7).
Suom. taula „Zunder“, est. tael, tagel, plg. lat. dagla, degla „der Birkling, Birkenschwamm und der aus diesem bereitete Feuerschwamm, Zunder“, liet. dėglas, dãglas „schwarzscheckig (von Schweinen)“ (V. Thomsen, 165; J. Kalima, 167; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. teiri (teire-, teiri-), teeri, teer „Birkhahn“, est. tetre, tedre wird mit lit. tėtervinas, lett. tetēris, preuß. tatarwis „Birkhuhn“ in Verbindung gebracht (V. Thomsen, 231—2; J. Kalima, 167—8).
Finn. temmata, tempaan „reißen, zupfen“, est. tõmbama „ziehen“ versucht man mit lit. tėmpti, lett. tiepties in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 231; J. Kalima, 168; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. terve „Teer“, est. tõrv, kolm. tõrva, vgl. lit. dervà, lett. darva (V. Thomsen, 166; J. Kalima, 168—9; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. tiine, kolm. tiineen „trächtig“, est. tiine, kolm. tiine versucht man mit lit. dieni „trächtig werdend, kalbend (von Tieren)“ in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 169; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. toe, kolm. tokeen „Damm, Zaun im Wasser für Fischgeräte“, est. tõge, kolm. tõke; tõke, kolm. tõkke „Stütze, Eisbrecher (an der Seite eines
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Page 20Brücke), Fischwehr“, plg. liet. tākišas „Lachswehre in den Flüssen“, lat. tacis, tace „Fischwehr“, pr. takes „Wehr (an der Mühle)“ (V. Thomsen, 226; J. Kalima, 169—70; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. torvi, Gen. torven „Hirtenhorn, Jagdhorn, Waldhorn; Röhre“, est. tõrv, Gen. tõrve „Sprachrohr, hölzernes Hüterhorn“, vgl. lit. taurė, lett. taure (V. Thomsen, 230—1; J. Kalima, 170; L. Hakulinen, II, 41).
Est. tõug, Gen. tõu „Haufe, Gruppe, Stamm, Sippschaft, Rasse, Sorte“ wird mit lit. daũg, lett. daũdz in Verbindung zu bringen versucht (J. Kalima, 170).
Finn. tuhat (tuhante-), Gen. tuhannen „tausend“, est. tuhat, Gen. tuhande, vgl. lit. tūkstantis, lett. tūkstuots (V. Thomsen, 232—3; J. Kalima, 170—1; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. tuohi, Gen. tuohen „Birkenrinde“, est. tohi, Gen. tohe, tohu, vgl. lit. tõsi, lett. tāsis (V. Thomsen, 232; J. Kalima, 171).
Finn. tuulas, Gen. tuulahan, tuulaksen „Fischstechen bei Fackelschein; Fischgabel“, tuulastaa, tuulostaa „mit der Fischgabel (bei Fackelschein) stechen“, vgl. lit. dūlis, lett. dūlajs (V. Thomsen, 168; J. Kalima, 171—2; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. tuura „Eispicke“, est. tuur, Gen. tuura, tuure „Brecheisen mit Holzstiel, Harpune, Lanze, Eispicke“, tuurama „mit dem Brecheisen aufbrechen“ wird mit lit. durà „eisernes Werkzeug mit Holzstiel zum Aufbrechen der Egge“, lett. dūre, dūris „die Faust; eine Eisaxt, die Brechstange“ in Verbindung zu bringen versucht (V. Thomsen, 168—9; J. Kalima, 172—3).
Finn. tyhjä „leer“, est. tühi, Gen. tühja, vgl. lit. tuščias, lett. tukšs (V. Thomsen, 233; J. Kalima, 173; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. tytär, Gen. tyttären „Tochter“, est. tütar, Gen. tütre; tüdrar, tüter, est. tüdruk „Mädchen, Jungfrau; Magd, Dienstmagd“ wird mit lit. duktė, pruß. duckti in Verbindung gebracht (V. Thomsen, 167—8; J. Kalima, 173—4; L. Hakulinen, II, 42).
Est. uba, Gen. oa „Bohne, Wickenbohne, Saubohne“, vgl. lit. pupà, lett. pupa (V. Thomsen, 210; J. Kalima, 174).
Finn. vaaja „Keil, Pflock, Pfahl“, est. vai, Gen. vaiu; vaiga, vgl. lit. vãgis, lett. vedzis (V. Thomsen, 235; J. Kalima, 174; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. vaha „Wachs“, est. vaha, vgl. lit. vãškas „Wachs“, lett. vasks (V. Thomsen, 238; J. Kalima, 175; L. Hakulinen, II, 41).
Est. vaidlema, vaielda „widersprechen, disputieren, kämpfen, ringen, streben, sich sehnen“, vaidlemata „unwidersprechlich, unstreitig“, vaidlus „Streit, Disput“ wird mit lit. vaidas, lett. vaids in Verbindung zu bringen versucht (J. Kalima, 175—6).
Finn. vaikku, Gen. vaikun „Kraft, Energie, Tüchtigkeit, Vermögen (Stärke, Energie, Mut; Selbstvertrauen)“, vgl. lit. viekas, veikti (J. Kalima, 176).
Finn. vako, Gen. vaon „Furche“, est. vago, vagu, vgl. lit. vagà, lett. vaga (V. Thomsen, 235; J. Kalima, 176—7; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. vannas „Pflugschar“, est. vannas, Gen. vanda „schaufelförmiges Holz, an dem das Pflugeisen befestigt ist; Schiffsteven“, vgl. pruß. wagnis „Sech (Teil des Pfluges)“ (J. Kalima, 177; L. Hakulinen, II, 41).
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Page 21Finn. vapsahainen, vapsiainen, vaapsahainen, vaaksahainen „Wespe“, est. vapsik, vapsikas „Wespe“, vgl. lit. vapsà, vapsvà, altpr. wobse (V. Thomsen, 236—7; J. Kalima, 177; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. varsi, varte-, Gen. varren „Schaft, Stiel, Griff; Stängel, Stamm, Rumpf; Körperbau, Wuchs“, est. vars, Gen. varre „Stängel, Stiel“ versucht man mit lit. vārpstis, vārpstė „altes Spinngerät: Spindel des Spinnrads, auf die der Wocken gesetzt wird; Eisen, auf dem der obere Mühlstein ruht; Stange, um die sich die Kettfäden drehen“, lett. varpsta, vārpsta „Spindel, Treibholz an der Handmühle“ in Verbindung zu bringen (V. Thomsen, 237—8; J. Kalima, 177—8).
Finn. vielä „noch“, est. veel; vgl. lit. vėl, vėliai, lett. vēl „noch; dennoch“ (V. Thomsen, 240; J. Kalima, 178; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. vihvilä, vihviläs, vihviläinen „Binse“, vgl. lit. viksvà (V. Thomsen, 242; J. Kalima, 178; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. villa „Wolle“, est. vill „Fliess“, vgl. lit. vilna, lett. vilna, villa, altpr. wilna, wilnis „Fels“ (V. Thomsen, 242; J. Kalima, 178; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. vinka, Gen. vingan; vinkke, Gen. vinkkeen „Kette, Kesselhaken“, versucht man mit lit. vingis in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 178—9).
Finn. virpi (virpe-), virpu „Zweig, Reis, Gerte, Stange, Rebe“, est. virb, Gen. virvi, vgl. lit. vīrbas, vīrbalas, lett. virbs (V. Thomsen, 242—3; J. Kalima, 179; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. virsi, Gen. virren (virte-) „Kirchenlied, Gesangbuchlied, Lied“, vgl. altpr. wīrds „Wort“, lit. vārdaş, lett. vārds „Wort; Vorname“ (J. Kalima, 180; L. Hakulinen, II, 42).
Finn. virve, Gen. virveen „Band, Binde, flatterndes Band (Schleife, Band, Bändchen)“, vgl. lit. vīrvė, lett. virve „Strick, Seil“ (V. Thomsen, 244; J. Kalima, 180).
Finn. vuohi, Gen. vuohen „Ziege“, est. voho, vohu, vgl. lit. ožys, lett. āzis, altpr. wosee „Ziege“ (V. Thomsen, 205; J. Kalima, 181; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. vuonna, vuonna „Lamm, Lämmchen“, est. vuun versucht man mit entsprechenden baltischen Vorformen in Verbindung zu bringen (J. Kalima, 181—2; L. Hakulinen, II, 41).
Finn. vuota, Gen. vuodan „eine abgeschundene, rohe Haut von Rind oder Pferd“, vgl. lit. óda, lett. āda (V. Thomsen, 205; J. Kalima, 183; L. Hakulinen, I, 102, II, 41).
Liv. vāgal „Quappe“, vgl. lit. vėgėlė, lett. vēdzele (V. Thomsen, 238; J. Kalima, 183).
Est. vähi, Gen. vähi; vähk, Gen. vähi „Krebs“, vgl. lit. vėžys, lett. vēzis (V. Thomsen, 241; J. Kalima, 183).
Finn. väive, väiveen; vääve, vääveen „Viehlaus“, est. väiv, Gen. väivi, väi, Gen. väie „kleine Viehlaus, Schlaflaus, Kuhlaus“, vgl. lit. vievesà (V. Thomsen, 241; J. Kalima, 183). V. Thomsen äußerte sich zweifelnd.
Finn. ätelä „Grummet“, est. hädal, Gen. hädala, vgl. lit. atòlas, lett. atāls, altpr. attolis (V. Thomsen, 159—60; J. Kalima, 183—4).
9. Kalbotyros klausimai VI.
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Page 22Finn. äes, Gen. äkeen „Egge“, est. äes, Gen. äkke, äe, vgl. lit. akėčios, lett. ecēšas, pruß. aketes (V. Thomsen, 169; J. Kalima, 184; L. Hakulinen, II, 41).
Die genaue Feststellung, ob eine baltische Entlehnung tatsächlich vorliegt, ist vor allem deshalb schwierig, weil wir es hier mit sehr großen Zeiträumen zu tun haben. Außerdem unterscheiden sich die baltischen und die ostseefinnischen Sprachen strukturell sehr stark, und ein Wort, das aus einer Sprache in eine andere gelangt, wird über einen so langen Zeitraum von den Gesetzmäßigkeiten der neuen Sprache beeinflusst und so sehr verändert, dass es schlichtweg nicht wiederzuerkennen ist. Wie wir gesehen haben, wird der baltische Ursprung einiger Wörter in den finnischen Sprachen nur durch prußische Beispiele bezeugt. Zweifellos gibt es in den ostseefinnischen Sprachen auch Wörter baltischer Herkunft, die im Laufe der Jahrtausende sogar aus den baltischen Sprachen selbst verschwunden sind. Die baltischen Entlehnungen in den ostseefinnischen Sprachen sind so sehr „finnisiert“, dass im alltäglichen Gebrauch kein Unterschied zwischen ihnen und den alten Wörtern finnisch-ugrischen Ursprungs zu spüren ist. Aus diesen Entlehnungen entstehen neue Zusammensetzungen, ihre Bedeutungen verändern sich, neue Bedeutungsvarianten kommen hinzu. So gibt es beispielsweise neben finn. paimen „Hirte“ bereits auch paimentaa „hüten“, paimentaminen „Hüten, Weide“, paimenkoira „Hütehund“, paimenpilli „Hirtenpfeife“, paimenpoika „Hirtenjunge“, paimentolainen „Nomade“, elää paimentolaisena „nomadisieren“; neben finn. tytär „Tochter“ entstand bereits auf finnischem Sprachgebiet tyttö „Mädchen“; neben finn. käki „Kuckuck“ entstand auch käetä „beabsichtigen, versprechen“ usw. Die meisten baltischen Entlehnungen in den ostseefinnischen Sprachen bestehen mit genau denselben Rechten wie etwa ein Wort wie alus, knyga, miestas oder irgendeine andere Entlehnung im Litauischen.
Interessant ist die Beobachtung, dass einige baltische Entlehnungen aus den ostseefinnischen Sprachen in russische Dialekte gelangt sind. Hier sind sie:
Russ. гина, игна, хигна „Leitseil am Renntiergespann“, vgl. finn. hihna „Riemen, lederner Gürtel“, lit. šikšna (M. Vasmer, I, 267).24
Russ. гирвас, ирвас „männliches Renntier im 2. Lebensjahr“, vgl. finn. hirvas „Elentier, Hirsch“, pruß. sirwis „Reh“ (M. Vasmer, I, 270).
Russ. корбачч „Bastschuhe, Schuhe aus Birkenrinde“, vgl. finn. kurpunen, Pl. kurpuset „calcei species ex corio piloso, Schuhe aus ungegerbtem Leder“, lit. kùrpė (M. Vasmer, I, 623).
Rus. лох „abgemagerter Lachs nach der Laichzeit in den Flüssen“, plg. suom. lohi „Lachs“, liet. lašis (M. Vasmer, II, 62).
Rus. лухта „Bucht, Meerbusen; seichte mit Gras bewachsene Stelle im See“, plg. suom. luhta „niedrige Wiese, Sumpfwiese“, liet. lùkštas „Sumpfdotterblume (caltha palustris)“ (M. Vasmer, II, 72).
Rus. песка, решка „ungesäuerter Fladen aus Mehl und zerstampfter Fichtenrinde“, plg. suom. rieska „frisch, ungesäuert; süsse Milch; ungesäuertes und frisch gebackenes Gerstenbrot“, liet. prėskas (M. Vasmer, II, 514).
24 M. Vasmer, Russisches etymologisches Wörterbuch, Bd. I—III, Heidelberg, 1953—1958.
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Page 23Russ. pobga „uneben gefrorener, feuchter Erdboden“, pobra, pobka, vgl. finn. routa „hartgefrorener Erdboden, gefrorener Kot; Erdfrost“, lit. grúodas (M. Vasmer, II, 526).
Rus. себра „gemeinschaftliche Arbeit, Genossenschaft von Arbeitern“, сября, plg. suom. seura „Gesellschaft, Gefolge“, liet. sėbras (M. Vasmer, II, 599).
Die genannten Wörter kommen am häufigsten in nordwestrussischen Dialekten vor.
Lehnwörter der ostseefinnischen Sprachen in den baltischen Sprachen
V. Tomsenas führt in seiner Arbeit 180 Wörter an, die aus den ostseefinnischen Sprachen in die baltischen Sprachen gelangt sind. Diese Zahl umfasst allerdings auch Wörter, an deren finnischer Herkunft er zweifelt; sie werden mitunter in beide Listen aufgenommen: sowohl in die der Entlehnungen bei den Balten als auch in die der baltischen Entlehnungen bei den Finnen. K. Abens zählt im Lettischen bereits etwa 500 estnische und livische Entlehnungen. Dazu ist zu sagen, dass es sich überwiegend um Wörter handelt, die in den lettischen Dialekten vorkommen, vor allem in jenen Dialekten, die unmittelbar an die estnischen und livischen Sprachen angrenzen. Wir werden nur die Wörter anführen, die in der lettischen Schriftsprache weiter verbreitet sind, sowie jene, die hauptsächlich über das Lettische in die litauischen Dialekte gelangten:
. Lett. allaž „gewöhnlich, immer“, vgl. estn. alati, liv. ales (V. Thomsen, 252; EM, I, 68; K. Aben, 18).25
Lett. aši, ašas, ašavas „Schachtelhalm, Binse“, lit. asiūkliai, asiai, vgl. estn. osja, finn. hosia (V. Thomsen, 253; EM, I, 361; K. Aben, 21). V. Tomsenas und J. Endzelynas bezweifeln die finnische Herkunft der erwähnten baltischen Wörter.
Lett. buoža, b. „zugrunde gehen, verderben“, vgl. liv. puoi „Grund, Boden“, estn. põhi, karel. põhja (V. Thomsen, 253; EM, I, 361; K. Aben, 21). Uns scheint, dass auch das litauische Wort buo-jis „Sumpf, Morast“ finnischer Herkunft sein könnte (LKŽd., I, 955).26
Lett. bura „Segel“, lit. būrė, vgl. estn. purje, finn. purje (K. Aben, 21; E. Nieminen, KZ, 72, 129).27 V. Tomsenas nahm an, dass die Ostseefinnen dieses Wort von den Balten entlehnt hätten. E. Nieminens Arbeit zeigt jedoch, dass der umgekehrte Fall überzeugender ist.
Lett. duole, duõla „eine Kuh ohne Hörner“, vgl. estn. tohl „das weiche Innere in Hörnern und Klauen“ (V. Thomsen, 253; K. Aben, 24; V. Tomsenas hielt die Behauptung für zweifelhaft). Wenn diese Herkunft des lettischen Wortes zutrifft, dann wären auch die litauischen Wörter duõlas „hornlos“ (LKŽd, II, 612), duõlis „hornloses Tier“ (LKŽd., II, 613) finnischer Herkunft.
Lett. jauda „Vermögen, körperliche Kraft“, vgl. liv. joud „Kraft, Vermögen“, estn. jõud, finn. joutaa „vermögen, Zeit haben“ (V. Thomsen, 254, EM, II, 97; K. Aben, 27).
25 K. Aben, Eesti ja liivi laenud läti sõnavaras, Tartu, 1947 (rankraštis); EM = K. Mühlenbacha Latviešu valodas vārdnīca, S. I—IV, red., papild., turpin. J. Endzelīns, Rīgā, 1923—1932.
26 LKŽd. = Lietuvių kalbos žodynas, I—V, I—II red. J. Balčikonis, III—V atsak. red. K. Ulvydas, Vilnius, 1941—1959.
27 KZ = Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen.
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Page 24Lat. juoma „die Tiefe zwischen zwei Landbänken, eine Tiefe zwischen Untiefen“, plg. lyv. juom „tieferes Wasser zwischen Sandbänken“, est. joom (V. Thomsen, 255; EM, II, 126; K. Aben, 30).
Lat. juonis „die Weile, ein Zug“, plg. lyv. juoń „Anlauf, Ansatz, Bewegung“, est. joon (V. Thomsen, 255; EM, II, 127, K. Aben, 30).
Lat. kadikis „der Wacholder“, vgl. liv. gadag, est. kadakas, finn. kataja (K. Aben, 33; П. Аристэ, I, 301). Wenn die Herkunft des lettischen Wortes tatsächlich so zu erklären ist, wären auch lit. kadagys und pruß. kadegis Wörter finnischer Herkunft. V. Tomsenas (176) vertrat dagegen die Ansicht, dass die Ostseefinnen die Bezeichnung dieser Pflanze von den Balten entlehnt hätten.
Lat. kaija „die Sturmmöwe“, vgl. liv. kajag, est. kajakas, finn. kaija (V. Thomsen, 255—6; EM, II, 132; K. Aben, 34). Aus dem Lettischen gelangte dieses finnische Wort auch ins Litauische, vgl. kaja „Vogel aus der Familie der Gänse; Ringelgans (Branta bernicla)“ (LKŽd., V, 85). Auf lettischem Boden entstand auch eine Variante des genannten Wortes, kaiva (wahrscheinlich aus *kaia < kaija, EM, II, 136), die ebenfalls ins Litauische gelangte, vgl. kaiva „Vogel aus der Familie der Möwen; Silbermöwe (Larus argentatus)“ (LKŽd., V, 84).
Lat. kaite „der Schaden, der Fehler, das Gebrechen“, kaitēt „schaden“, vgl. liv. kait „schaden“, est. kahju (V. Thomsen, 256; K. Aben, 34—5; beide äußern sich dazu mit Vorbehalt). Falls lat. kaitēt finnischer Herkunft wäre, wäre auch lit. kaitėti (LKŽd., V, 78—9) gleicher Herkunft, das in Žemaitija am weitesten verbreitet ist. In der Gegend von Šakyna wird auch das aus dem Lettischen entlehnte kaitē „Mangel, Fehler“ verwendet.28
Lat. kāzas „die Hochzeit“, vgl. liv. kozgond (V. Thomsen, 257; EM, II, 206; K. Aben, 40). Aus dem Lettischen gelangte dieses Wort auch in die Schriften von S. Daukantas — kozas.
Lat. ķeksis „der Haken; Krücke, Stelze“, vgl. liv. ķekš, finn. keksi (V. Thomsen, 258; EM, II, 361; K. Aben, 53). Über das Lettische gelangte dieses Wort auch ins Litauische: keksis, kėkšis „Stange mit eisernem Haken; Stelzen“ (LKŽd., V, 500, 501).
Lat. ķesele „die Tasche, ein kleiner Sack“, vgl. est. kessel „Netzsack zum Tragen von Fischen, kleiner Sack oder Korb“ (V. Thomsen, 260; EM, II, 370; K. Aben, 57—8). Auch die Litauer entlehnten dieses Wort aus dem Lettischen — keselys, kėselė. In den Dialekten wird es mit recht unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht: „ein am Stiel befestigter Netzbeutel zum Krebsfang; ein aus Weidenruten geflochtener, tonnenförmiger Korb zum Tragen von Futter; ein zusammenklappbares Kinderbett aus Latten und Stoff; ein auf den Schlitten gelegtes Gestell, damit der Schlitten breiter wird u. a.“ (LKŽd., V, 635, 636).
Lat. ķīla „das Pfand, Unterpfand“, vgl. liv. kī'l, est. kihl (V. Thomsen, 261; EM, II, 388; K. Aben, 61—2).
Lat. ķilda „der Streit, Zank, Händel“, vgl. liv. kildo „Span“, kildo nust „Späne heben, Händel anfangen“ (EM, II, 380; K. Aben, 61). Über die Letten
28 Die in Šakyna und anderen lettischen Grenzdialekten gebrauchten Wörter wurden dem Verfasser hauptsächlich von A. Jonaitytė mitgeteilt.
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Page 25Über die finnische Sprache gelangte dieses finnische Wort vermutlich auch ins Litauische, vgl. kildā „Festmahl, Feier; großes Unglück, schwere Lage“ (LKŽd., V, 774).
Lett. ķipis, ķipa „ein kleines Schöpfgefäß“, vgl. estn. kipp „kleines Schöpfgefäß“, finn. kippo (V. Thomsen, 261; K. Aben, 64; V. Tomsenas äußert dies mit Vorbehalt). Ist die Herkunft des lettischen Wortes richtig bestimmt, dann sind auch lit. ķipis, ķipė „ein kleines Holzgefäß mit Henkel; ein nach unten breiter werdendes Holzgefäß mit Deckel“ (LKŽd., V, 827f) finnische Wörter, die über das Lettische ins Litauische gelangt sind.
Lett. ķiris „eine kleine Möwe“, vgl. liv. ķir, estn. tiir (V. Thomsen, 261—2, EM, II, 389; K. Aben, 67). Mit diesen Wörtern hängt vermutlich auch lit. ķiras zusammen (LKŽd., V, 830).
Lett. kukainis „das Insekt; das Haustier“, vgl. liv. kukki „Käfer“ (V. Thomsen, 263; EM, II, 301; K. Aben, 46—7).
Lett. laiva „das Boot, der Kahn; das Schiff“, vgl. liv. lōja „Schiff, großes Boot“, finn. laiva (K. Aben, 70; G. Must, KZ, 69, 179—84). V. Thomsen (193) und K. Būga (RRš.,29 I, 309—11) hielten lit. laivas und lett. laiva für baltische Wörter. Die ostseefinnischen Völker hätten diese Wörter ihrer Ansicht nach von den Balten übernommen. In jüngerer Zeit neigt man jedoch dazu, sowohl būrė als auch laivas als Wörter finnischen Ursprungs anzusehen. Allerdings hat auch finn. laiva keine überzeugende Etymologie. G. Must zufolge stammt finn. laiva aus dem Germanischen, vgl. Runeninschriften *hlaiwa „Sarg“, got. hlaiw. Die semantische Entwicklung der genannten Wörter begründet er damit, dass die alten Germanen ihre Toten gern in Schiffen bestattet und verbrannt hätten.
Lett. ļaunāt „trauern“, vgl. liv. loul „singen, trauern“, estn. laulma „singen“ (V. Thomsen, 264; EM, II, 428; K. Aben, 70).
Lett. laungas „Mittagszeit, Mittagsmahlzeit, Vesperkost“, vgl. liv. lōnag „Südost“, estn. lõuna „Mittag, Süden, Südost“ (V. Thomsen, 265; EM, II, 429; K. Aben, 72—3). Vermutlich gelangte dieses Wort über das Lettische auch ins Litauische: laūngas „Nachmittagsmahlzeit, Mittagsmahlzeiten“. Das Wort wird vor allem im Grenzgebiet zu Lettland und in den žemaitischen Dialekten verwendet. Aus dem Lettischen stammen auch die gelegentlich vorkommenden Formen laūngis, laūnadžis „Südostwind“, vgl. lett. launadzis „der Südwind“ (EM, II, 429).
Lett. ļipa, ļipe „ein kurzes, dünnes Schwänzchen; der Hamen; Klappe an einer Mütze“, vgl. estn. lipp „Flagge, Wimpel, langes Band“, finn. lippu (V. Thomsen, 266; EM, II, 540—1; K. Aben, 84). Das Wort lipà „kurzes Schwänzchen, schmaler Landstreifen“ kommt auch in einigen litauischen Dialekten im Grenzgebiet zu Lettland vor (Viekšniai, Šakyna, Daunorava, Žagarė), wohin es zweifellos aus dem Lettischen gelangt ist.
Lett. luga „Mal, Zeit, Drama“, vgl. estn. lugu „Geschichte, Erzählung, Lied, Musikstück“ (V. Thomsen, 266; EM, II, 510; K. Aben, 82—3).
Lett. luoma, luoms „Fang; Schicht; Reihe; Mast“, vgl. liv. luoma „Fischzug, Fischfang“, estn. loom „Fischzug, Einkreisung; Mal“ (V. Thomsen, 267—8; EM, II, 526; K. Aben, 81—2). V. Thomsen ordnete auch lit. lūomas „Acker, Stand, Verhältnis“ zu Unrecht dieser Gruppe zu, da es eine völlig andere Etymologie hat.
29 K. Būga, Rinktiniai raštai, t. I, Vilnius, 1958.
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Page 26Lett. māja „das Bauergesinde; das Haus; die Heimat“, vgl. liv. mōi „Quartier“, est. maja „Haus“, finn. maja „Herberge, Quartier“ (K. Aben, 87–8). V. Tomsenas (198) vertrat die Auffassung, dass die Ostseefinnen diese Wörter aus dem Baltischen entlehnt hätten, doch ist das ziemlich schwer zu glauben (vgl. ebd. EM, II, 578).
Lett. maksa „die Zahlung, Bezahlung“, maksāt „(be)zahlen“, vgl. liv. maks „Bezahlung“, est. maks, finn. maksu (V. Thomsen, 269; EM, II, 555; K. Aben, 86). Aus dem Lettischen stammen auch die in einigen litauischen Dialekten vorkommenden Wörter makšoti, makšėti „zahlen“.
Lett. muiža „das Landgut der Adligen, jetzt auch der Bürgerlichen, Herrengut“, vgl. liv. moiz, est. mõiz, finn. moisio (V. Thomsen, 270; EM, II, 662; K. Aben, 90–1). Nach Ansicht von J. Endzelīns könnte auch russ. мыза „Landgut“ die Quelle des lettischen Wortes gewesen sein. Doch ist auch russ. мыза aus dem Ostseefinnischen entlehnt (M. Vasmer, II, 183). Aus dem Lettischen entlehnt ist auch lit. muižė „Gutshof“, das in einigen litauischen Dialekten nahe der Grenze zu Lettland vorkommt.
Lett. nūja „der Knüttel, Stock“, vgl. liv. nuj „Stock, Knüppel“, est. nui, finn. nuija (V. Thomsen, 271; EM, II, 754; K. Aben, 98–9). Über das Lettische gelangte dieses finnische Wort auch in einige litauische Dialekte des lettischen Grenzgebiets — nūja „Keule, Stock“.
Lett. nuka, nuka, nuks, nuks „ein grosses, keilförmiges Stück Brot“, vgl. liv. nukā „dickes Stück Brot“, est. nukk (V. Thomsen, 271; EM, II, 753; K. Aben, 98). Aus dem Lettischen entlehnten dieses Wort auch einige litauische Dialekte des lettischen Grenzgebiets — niūka „dicke Brotscheibe“ (Šakyna, Žagarė).
Lett. paijāt „streicheln, liebkosen“, vgl. liv. paij „streicheln“, est. paiuma (V. Thomsen, 272; EM, III, 34; K. Aben, 101).
Lett. pērtikis „die Meerkatze, der Affe“, vgl. est. pärdik „Geck, Narr, Gaukler, Affe“ (EM, III, 210; K. Aben, 108–9).
Lett. pestīl „losmachen, lösen; erlösen“, vgl. liv. päst „losmachen, befreien, erlösen“, finn. päästää (V. Thomsen, 272–3; EM, III, 203; K. Aben, 108).
Lett. pīlādzis „der Pilbeerbaum, Vogelbeerbaum, die Eberesche (sorbus aucuparia)“, vgl. liv. pīlag, est. pihlakas, finn. pihlaja (V. Thomsen, 273; EM, III, 231; K. Aben, 110–1).
Lett. puika „der Junge, der Knabe“, vgl. est. poeg, liv. puoga, finn. poika (V. Thomsen, 273–4; EM, III, 403; K. Aben, 114). Über das Lettische gelangte dieses finnische Wort auch in einige litauische Dialekte — pūika (Šakyna, Daugėliškis, Dūkštas, Daunorava).
Lett. puisis „der Knabe, der Junge, der Junggeselle; ein (unverheirateter) Knecht oder ein verheirateter Deputatknecht, dessen Frau keine Dienste mitübernommen hat“, vgl. liv. pois „Junge, Bube; Knecht“ (V. Thomsen, 273; EM, III, 403; K. Aben, 114–5). Über das Lettische gelangte dieses Wort auch in einige litauische Dialekte — pūišis „Knecht“ (Šakyna).
Lett. puķe „die Blume“, vgl. liv. putk (V. Thomsen, 274; EM, III, 406; K. Aben, 115; V. Tomsenas äußerte diese Auffassung mit Vorbehalt). Über das Lettische gelangte dieses Wort in litauische Dialekte des lettischen Grenzgebiets — pūkė (Šakyna, Žagarė).
Lett. pulka, pūlkis „der Pflock, Stöpsel, der hölzerne Nagel, Deichselnagel“, vgl. liv. pūlkka, est. pulk (V. Thomsen, 274; EM, III, 409; K. Aben,
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Page 27115—6). In den litauischen Dialekten des östlichen Baltikums wird das Wort pūlkis „Gegenstand, mit dem etwas verstopft wird“ (Šakyna) verwendet. Dies ist zweifellos ein finnisches Wort, das über das Lettische übernommen wurde.
Lett. rija „die Korn-, Getreidedarre“, vgl. liv. rī, est. riha, rehi, finn. riihi (V. Thomsen, 276; EM, III, 523; K. Aben, 124). Mit derselben Bedeutung wird das Wort (rija) auch in den samogitischen und anderen litauischen Dialekten des östlichen Baltikums recht häufig verwendet.
Lett. sams, lit. šāmas wird von finn. sampi „Stör“, mar. šamba „Quappe“ abzuleiten versucht (V. N. Toporov, O. N. Trubačiov, 247).
Lett. seķis „ein buntes Pferd“, vgl. liv. sek „Schecke“ (EM, III, 815; K. Aben, 136). Wahrscheinlich wurde auch lit. šėkis „buntes Pferd“ aus dem Lettischen übernommen (Šakyna, Žagarė, Daunorava).
Lat. selga „die Höhe des Meeres, eine niedrig gelegene, feuchte und fruchtbare Stelle“, plg. lyv. sälga „Rücken; offene See“, est. mere selg „Höhe des Meeres“ (V. Thomsen, 278—9; EM, III, 816; K. Aben, 131, 137).
Lett. sēne „der Pilz“, vgl. liv. sēn, est. seen (V. Thomsen, 279; EM, III, 827; K. Aben, 137).
Lett. suga „das Geschlecht, die Rasse, Art, Familie“, vgl. liv. sug, est. sugu, finn. suku (V. Thomsen, 279; EM, III, 1115; K. Aben, 141).
Lett. sulainis „der Bediente, Diener“, vgl. liv. sulli, est. sulane, finn. sulha „der Bräutigam“ (V. Thomsen, 280; EM, III, 1119; K. Aben, 142).
Lett. šķirsts „der Kasten, die Kiste, die Lade, der Sarg“, vgl. est. kirst, liv. kirst, finn. kirstu (V. Thomsen, 280; EM, IV, 45; K. Aben, 143).
Lett. tērauds „der Stahl“, vgl. liv. tērōda (V. Thomsen, 281—2; EM, IV, 172; K. Aben, 148—9).
Lett. tullis „der Ruderpflock, die Dolle“, vgl. liv. tol’ (EM, IV, 259; K. Aben, 154—5). Mit ähnlicher Bedeutung kommt dieses Wort in den litauischen Dialekten des östlichen Baltikums vor — tūlis „Axtnacken; Sensefuß, Sensenstiel“ (Žagarė).
Lett. vagaris „der Hauptaufseher über die Hofsarbeit“, vgl. liv. vagar (V. Thomsen, 283—4; EM, IV, 432; K. Aben, 164). Über das Lettische übernommen wurde auch das Wort der litauischen Dialekte des östlichen Baltikums vàgorius „Aufseher“ (Šakyna).
Lat. vai „Fragepartikel mit der Bed. des lat. -ne und des russ. ли oder, etwa, auch“, plg. lyv. voi (V. Thomsen, 287—8; EM, IV, 433; K. Aben, 165).
Lett. vajaga ir „ist nötig“, vgl. liv. vajāg „Bedürfnis; nötig“ (V. Thomsen, 284; EM, IV, 445; K. Aben, 162—3).
Lett. veseris „der Schmiedehammer“, vgl. est. vasar (V. Thomsen, 286; EM, IV, 544; K. Aben, 170).
Lett. zaimuot „lästern, schimpfen, verachten“, vgl. liv. soim „schelten, schmähen, lästern“ (V. Thomsen, 277; EM, IV, 681; K. Aben, 175). Derselben Herkunft ist wahrscheinlich auch lit. žāimoti „verwirren, entwirren“, žāimotis „sich wichtigmachen, Witze machen, Grimassen schneiden, sich unernst verhalten“.
Vilnius
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Page 28BEZIEHUNGEN DER BALTISCHEN UND OSTSEEFINNISCHEN SPRACHEN
А. САБАЛЯУСКАС
Zusammenfassung
Der Artikel gibt einen Überblick über die Erforschung der Beziehungen zwischen den baltischen und den ostseefinnischen Sprachen.
Zunächst werden verschiedene Gemeinsamkeiten im grammatischen Bau aufgezeigt: 1) Lokativformen mit Richtungsbedeutung (finn. maa — maahan: lit. laukas — laukan); 2) finnische Suffixe -ра, -pä: lit. be, bei, altpreuß. bhe; 3) Kongruenz attributiver Adjektive mit Substantiven (estn. uus maja, uuele majale, uued majad); 4) zusammengesetzte Vergangenheitsformen (estn. olen lugenud, olin lugenud); 5) Imperativ auf -к; 6) einige partizipiale Konstruktionen; 7) die Tendenz zur Häufung zahlreicher Suffixe in einem Wort; 8) die Verwendung des Instrumentals als nominaler Teil des Prädikats; 9) die Verwendung des Genitivs anstelle des Akkusativs nach einer Negation; 10) einige Besonderheiten des grammatischen Baus des Lettischen werden durch den Einfluss des Livischen erklärt (Verlagerung des Akzents auf die erste Silbe, in einigen lettischen Dialekten die Herausbildung eines Intonationssystems, Verwendung maskuliner Formen anstelle femininer, Verallgemeinerung der Verbform der dritten Person für alle Personen im Singular und Plural); 11) einige Präfixe und Suffixe des Lettischen sind ins Livische eingedrungen; 12) lettische Präfixe finden sich mitunter auch in estnischen Dialekten.
Den größten Teil des Artikels nimmt ein Wörterbuch baltischer Entlehnungen in den ostseefinnischen Sprachen ein. Bei der Erstellung des Wörterbuchs wurden vor allem die Arbeiten von V. Thomsen, J. Kalima, Y. H. Toivonen und L. Hakulinen herangezogen.
Das Wörterbuch der ostseefinnischen Entlehnungen in den baltischen Sprachen wurde in erster Linie auf der Grundlage der Arbeiten von V. Thomsen und K. Aben zusammengestellt. In diesem Teil des Artikels weist der Autor auf eine Reihe ostseefinnischer Entlehnungen hin, die über das Lettische in die litauischen Dialekte gelangt sind (buojis, duõlas, kaija, kãiva, kaitė, kozas, kēksis, kēkšis, keselỹs, kėselė, kildà, kipė, kipis, kìras, laũnagas, laũnagis, laũnadzis, lipà, maksėti, maksóti, muižė, nùja, niùka, pùika, puišis, pùkė, pùikis, rijà, šėkis, tūlis, vãgorius, žaimoti, žaimotis).