Page 1LIETUVIŲ KALBOS MORFOLOGINĖ SANDARA IR JOS RAIDA
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
DIE DUALFORM DES LITAUISCHEN SUBSTANTIVS1
D. GARGASAITĖ
§ 1. Der Dual ist ein Relikt der Morphologie aus alter Zeit und hat sich nur in wenigen Sprachen erhalten. Im Sanskrit besaßen Nomen und Verb die Kategorie des Duals. Auch das Altgriechische hatte einen Dual, obwohl dieser bereits im Schwinden begriffen war und vom Plural verdrängt wurde2. Im Lateinischen gelten nur die Wörter duo „zwei“ und ambo „beide“ als Überreste des Duals. Daher haben die aus dem Lateinischen hervorgegangenen romanischen Sprachen keinen Dual mehr. In gotischen Schriftdenkmälern findet sich ein Dual des Pronomens und des Verbs. Sehr konsequent verwendete das Altbulgarische den Dual bei allen flektierbaren Wortarten3; ihn hatten auch alle slawischen Sprachen4. Dies belegen die Texte der alten slawischen Sprachen sowie erstarrte Formen in den heutigen Sprachen, die keine Dualbedeutung mehr haben. Gegenwärtig haben unter den slawischen Sprachen das Slowenische5 und die sorbischen Sprachen den Dual am besten bewahrt.
Auch die baltischen Sprachen hatten einen Dual. Als Überrest des prußischen Duals gilt die Form austo „beide Lippen“ (vgl. altkirchenslaw. usta, avest. aoštā) u. a.6 Auch im Lettischen kommen erstarrte Dualformen in der Folklore, in alten Schriften und mancherorts in den Dialekten vor7. Von den baltischen Sprachen hat das Litauische den Dual aller Wortarten am besten bewahrt, insbesondere der žemaitische Dialekt. Die alten litauischen Schriften zeigen, dass auch andere litauische Dialekte den Dual bis vor nicht allzu langer Zeit viel weiter verbreitet verwendeten.
1 Dieser Artikel ist Teil einer umfassenderen Arbeit über den litauischen Dual, die die Autorin vorbereitet.
2 A. Cuny, De nombre duel en grec, Paris, 1906.
3 А. И. Беличь. К двойственному числу в старославянском, «Известия отдела русского языка и словесности», IV, кн. 4, 1899, p. 1—32.
4А. Белич, О двјаини у словенским језицима, Београд, 1932; А. М. Иорданский, История двойственного числа в русском языке, Воронеж, 1960; S. Obnorskij, Dualspuren in der nominalen Declination des Rusischen, „Zeitschrift für slavische Philologie“, Bd. II, Leipzig, 1925, p. 66—67; I. Огієнко, Двійне число в українській мові, Київ, 1910; A. Dostál, Vývoj duálu v slovanských jazycích zvláště v polštině, Praha, 1954; B. de Courtenay, Einige Fälle der Wirkung der Analogie in der polnischen Declination, KZ, Bd. VI, H. 1, Berlin, 1868, p. 62—80.
5 L. Tesnière, Les formes du duel en slovène. Paris, 1925.
6 J. Endzelīns, Senprūšu valoda, Rīga, 1943, p. 60, 64, 66.
7 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīga, 1951, p. 450—460.
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Page 2Dieser Artikel untersucht den Dual der litauischen Substantive anhand des Materials aus den heutigen Dialekten sowie der Daten aus alten Schriften, die dazu beitragen, die Geschichte der Dualformen zu beleuchten.
Vardininkas-galininkas-šauksmininkas8
Maskulinum
§ 2. (i)a-Stamm. Der Nominativ-Akkusativ Dual der Substantive des (i)a-Stammes im Litauischen hat die Endung -u, z. B.: du vaikų, du broliu. Diese Endung ist, wie die pronominalen Adjektive zeigen, aus -úo entstanden, vgl. du mažuoju vaikų, du tikruoju broliu. Gelegentlich vorkommende Dualformen des Nominativs-Akkusativs im Maskulinum des Lettischen hatten dieselbe Endung, z. B.: divi sieku miltu, divi mužų9. In den slawischen Sprachen hat der Nominativ-Akkusativ Dual dieses Stammes die Endung -a, z. B.: aksl. konja, vlъka, russ. два брата, altpoln. dwa króla, dwa krzyża, ukrain. три брата, slowen. midva sva brata. Die baltische und die slawische Endung sind hier etymologisch verwandt. Dieselbe Endung findet sich auch im Griechischen, vgl. λύκω.
i-Stamm. Der Nominativ-Akkusativ Dual der maskulinen Substantive des i-Stammes hat die Endung -u, z. B.: Pasikvietė du vagiu. VIkv. Įsidėjau du nauju dančių. Jrb. Man nimmt an, dass diese Endung analog zum Nominativ-Akkusativ Dual der Substantive des ia-Stammes entstanden ist.
Der Nominativ-Akkusativ Dual der Substantive des (i)u-Stammes hat ebenfalls die Endung -u, z. B.: du sūnu, du alų, du turgų, du medų, du vaisių. Die slawischen Sprachen haben hier -у(-ы), z. B.: aksl. syny. Somit ist die Endung des Nominativ-Akkusativ Duals der Substantive des (i)u-Stammes den baltischen und slawischen Sprachen gemeinsam. Diese Endung ist auch mit der entsprechenden Endung des Altindischen identisch, vgl. sūnū.
Maskuline Substantive mit konsonantischem Stamm bilden den Nominativ-Akkusativ Dual nach den Substantiven des ia-Stammes, z. B.: du akmeniu, du mėnesiu, du piemen iu, du ruden iu, du stūmeniu, du šuniu, du želmeniu, vgl. du peiliu. In einigen Dialekten sind Substantive mit konsonantischem Stamm in den a-Stamm übergegangen, z. B.: du akmenu. Im Dialekt von Pagramantis wurde eine ungewöhnliche Form aufgezeichnet: du šūni.
Die Endung des Nominativ-Akkusativ Duals mit konsonantischem Stamm im Ur-Baltischen ist unbekannt. Möglicherweise hatte diese Form die Endung -e. Die Form du žmuneDP 313₁₉ (du žmune DP 314₁₆) aus den Schriften Daukšas gilt als Nominativ-Akkusativ Dual und wird mit der griechischen Form χῶνε10 in Verbindung gebracht.
8 In den litauischen Dialekten sind heute nur zwei Kasus des nominalen Duals erhalten: Nominativ-Akkusativ-Vokativ und Dativ-Instrumental. Im Folgenden nennen wir den ersten Nominativ-Akkusativ, da er nur sehr selten als Vokativ verwendet wird.
9 Im Lettischen gibt es noch eine weitere maskuline Endung, nämlich -i, z. B.: divi darbi darīt, die J. Endzelīns als Neutrumendung betrachtet, entstanden aus der uralten baltischen Endung -ei oder -ai, vgl. aksl. izě, Sanskrit yugé. Siehe J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, p. 451.
10 J. Endzelīnas, Baltų kalbų garsai ir formos, Vilnius, 1955, p. 130; J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, III, Warszawa, 1956, p. 84.
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Page 3Über den Dual-Nominativ-Akkusativ des Substantivs žmogus muss gesondert gesprochen werden. Er wird auf zweierlei Weise gebildet:
a) aus dem Singularstamm, z. B.: du žmogų Sd, Ms, Plik, Ktč, Prk, Šlu, End, Zt, ValP 16, Vaižg RR I 359, du žmogų BsV 22 (lšr); Formen dieser Bildung finden sich auch in älteren Schriftzeugnissen: Du βmogu VlnE 123₅, Du βmogu BP II 355₁₀, Du βmogu KN 183₇;
b) aus dem Pluralstamm, z. B.: žmoniu StngŽ 34, du žmoniu Rpj 23, du βmoniu BP I 192₁₁, Schitūdu Sžmoniu BP II 356₁₄. Die aus dem Pluralstamm gebildete Form im Dialekt der Gegend von Telšiai hat wahrscheinlich die Dual-Nominativ-Akkusativ-Endung des Femininums, z. B.: dọ žmōnę ~ du žmōni (?), vgl. dvi karvi.
Femininum
§ 3. (i)o-Stamm. Der Nominativ-Akkusativ der Substantive mit (i)o-Stamm im Litauischen hat die Endung -i, die aus -ie hervorgegangen ist, z. B.: dvi dieni, abidvi ranki, dvi pirkl, plg. dvi kreivieji puši Slnt. Auch das Lettische hat hier -i, z. B.: abi kaġi, divi varpi. Das Altkirchenslawische hat die Endung -i nur nach j, z. B.: duši, nach einem harten Konsonanten dagegen -e, vgl. ženę, vladyčę. In diesem Fall besteht also keine Parallele zwischen den baltischen und den slawischen Sprachen. Sowohl das Altkirchenslawische als auch das Altindische haben hier eine Form, die auf indoeuropäisches *-ai zurückgeht, vgl. Sanskrit ášve.
In den litauischen Dialekten, in denen der Dual nur selten verwendet wird, kommen auch andere Endungen vor. Schwer zu sagen ist, welchen Ursprung Formen wie dvi dienā Prg, dvi parā Lkv, dvi nedēlia Krš haben. Sie stimmen mit dem Singular-Nominativ und -Instrumental überein, vgl. rankā, su rankā, dienā, su dienā. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die genannten Dualformen mit dem Singular-Instrumental zusammenhängen. Möglicherweise wird hier zur Bezeichnung zweier Gegenstände zusammen mit dem Zahlwort du der Singular-Nominativ der Substantive verwendet. Substantive, die mit dem Zahlwort du gebraucht werden, können demnach manchmal offenbar nicht nur Dual- oder Pluralformen (dvi dieni, dvi dienos, dvi dienās), sondern auch Singularformen haben. Zumal die Endungen hier keine semantische Funktion tragen — die grammatische Zahl wird durch die lexikalische Bedeutung des Zahlworts angezeigt.
In den ost- und mittellitauischen Dialekten werden neben den Formen mit auslautendem -i und dort, wo dieses geschwunden ist, einem weichen Konsonanten am Wortende (z. B.: dvi dieni Vpr, Glv; dvi grivini Lg; dvi diēn — dvi diēni Kl, Sdb, Všk, Jnšk, Lnkv, Žml, Ps; dvi vagì Pbs; dvi bóbi BM I 150), werden auch weiterhin Formen mit hartem Konsonanten häufig verwendet, z. B.: nọsipõrkę dvę vȯšt Šd; dvę diēn bū.va gārdin Rz; tȯrēję dvę desencȯn žē'mes; ãtnesȯ dvę nàšt mēdžu Pš; tas Jokū'bs árkli. sā'va už dvi kvõrt atvadā'va RdN; dvi diēn panēšojis i nutrū'ka bā'tē Lnkv. Ein harter Konsonant am Wortende zeigt an, dass vor dem Schwund des Endungsvokals hier ein Vokal der Nichtvorderreihe gestanden hat. In einigen Dialekten ist in diesem Fall ein Hinterzungenvokal zu hören, z. B.: teturū tik dvi rūnkō Krš; mēs ti bū.vom dvi paru Er; mažū.tē gričē.tē givē'na, dvi žmōnu turēja Rm; pamačō dvi vārnu; pabū.va gāl dvi vālandu Št; iš tos krū.vos padī.rb dvę gōbu Rz; ū.žārȯ dvę grōžu Rz; dvi lōvy nupirko Trs. Nach P. Arumaa sind analoge Dual-Nominativ-Akkusativ-Endungen des Femininums durch die entsprechenden maskulinen Endungen ersetzt worden¹¹.
¹¹ P. Arumaa, Untersuchungen zur Geschichte der litauischen Personalpronomina, Tartu, 1933, S. 71.
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Page 4Andererseits kann der Ursprung dieser Endungen auch ein anderer sein. In den erwähnten Dialekten werden die Endungsvokale sehr unterschiedlich reduziert. Die noch hörbaren Dual-Akkusativendungen -u, -v, -bi des Femininums können dialektale Varianten des wortfinalen -a sein, vgl. su rūka Krs, su jaunu mergu Št, su galvu Rm, (su) lazdu Er, (su) lazdbi || (su) lazdū Trs. In diesem Fall wären diese Formen mit den erwähnten Formen der žemaitischen Dialekte dvi diena Pgr, dvi para Lkv, dvi nedėlia Krš in Verbindung zu bringen.
Die Nominativ-Akkusativ-Formen des Femininums werden, wie ersichtlich, zunehmend aus dem Gebrauch verdrängt. Interessant ist die Feststellung, dass in einigen Dialekten unter dem Einfluss der Pluralformen die Pluralendung -s unmittelbar an die Dualendung angefügt wird, z. B.: Dvi dienis ištratėjo supykusi Klk.
Der Nominativ-Akkusativ des Genus commune kann entweder eine maskuline oder eine feminine Endung haben, z. B.: šuodu valkatu || šiuodu valkati NèrR III 216.
Der Nominativ-Akkusativ des Duals femininer Substantive mit ė-Stamm hat dieselbe Endung -i wie Substantive mit (i)o-Stamm, z. B.: dvi karvi, dvi puši, dvi sapai12
Beispiele für den Einfluss der Pluralformen sind das dvi karvis des Dialekts von Tryškiai, vgl. dvi karvi ir dvi karves.
Der Dual-Akkusativ von Substantiven mit dem Suffix -elė (der Nominativ wird hier nicht mehr verwendet) hat in den ostaukštaitischen Dialekten, in denen die kurzen Endungen ausfallen, einen harten wortfinalen Konsonanten l, z. B.: apgūrku dvė vagel posodžno Žml; dvė labė ger patel papjovė Lnk; tū.r dvì kàrv, dvi avèl RdN. In einigen Dialekten ist der Hinterzungenvokal noch deutlich hörbar, z. B.: nuvein unt mi.ško – parsi.neso dvi geldėbli Ul; po dvi stalinėbli vi.na ga.lim išgėrėt Pmp; aš turu dvi karvi, dvi kaulbl Tj. Hier stand, wie auch in den entsprechenden Beispielen mit o-Stamm, am Wortende nicht das gewöhnliche Dual -i, sondern ein anderer Vokal. Die Härte des Konsonanten im Dual-Akkusativ von Substantiven mit dem Suffix -elė lässt vermuten, dass hier die maskuline Endung -u eingedrungen sein könnte, die in den Dialekten ähnlich wie das wortfinale -a reduziert wurde.
i-Stamm. Der Dual-Nominativ-Akkusativ der i-stämmigen Substantive in den baltischen Sprachen hat die Endung -i, z. B.: abi aki, dvi anti, dvi avi, dvi dali, dvi karti, dvi nakti, dvi tūkstanti, vgl. lett. ausi, pruß. nozy „Nase“. Mit den baltischen Formen identisch sind das kirchenslawische gosti und das Sanskrit pāti.
In den Dialekten gibt es auch Neubildungen, z. B.: dabař jis dvi pačū tū.ri Vad; Vo tas dailida turieja dvi pače, seną ir jauną BsP II 19 (Varn).
Der Nominativ-Akkusativ des Duals femininer Substantive mit konsonantischem Stamm endet nach dem Vorbild der i-stämmigen Substantive auf die Endung -i, z. B.: dvi dukteri, dvi seseri, vgl. die Form desselben Kasus im Kirchenslawischen dъšteri, die wie im Litauischen nach dem i-Stamm gebildet ist.
§ 4. In den älteren Schriftzeugnissen wird der Nominativ-Akkusativ des Nominalduals recht häufig und konsequent verwendet. Wie auch in der heutigen Sprache hat der Dual-Nominativ-Akkusativ des Maskulinums die Endung -u, z. B.: (a-Stamm) du
12 Der Nominativ-Akkusativ maskuliner Substantive mit ė-Stamm hat ebenfalls die Endung -i, z. B.: du dėdi Krč, Lnk.
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Page 5rhитmu, zweimal Mž188₂–₃, zweimal VlnE 41₁₆, beide Schiffe voll VlnE 112₁₂, mit einem anderen Vergleich BP I 212₁, mit einer anderen Art BP I 387₃, Du dayktu PK 192₁, du daiktu DP 100₃₇, du kartú DP 150₁₆, du kártu KN 249₂₈; (ia-Stamm) du kitu piktadeiu VlnE 214₁₇, kitu du io makintiniu BP I 408₁₁, du mókitiniu DP 1₈, du brołu KN 265₁₂; (u-Stamm) du ſſunu VlnE 200₆, abu Sunu BP I 365₁₆, du ſunu DP 148₃₄, du Sunu KN 250₁₅.
Der Nominativ-Akkusativ Dual der Substantive des Femininums endet auf -i, z. B.: (o-Stamm) dwi Maldi BP I 430₁, dwi upi DP 55₄₅, dwi wieti KN 144₉; (io-Stamm) dwi koghi VlnE 188₁₂, BP II 430₁, tie dwi nedeli DP 131₁₃, abi eldii KN 159₁; (ė-Stamm) dwi įpati tikribi DP 88₁; (i-Stamm) dwi aki VlnE 188₁₆, Dwi dali BP II 44₆, dwi žuvi DP 125₂₈, dwi dali KN 7₁.
Erstarrte Formen
§ 5. Der Nominativ-Akkusativ Dual der Substantive des Maskulinums kann mit den Zahlwörtern du, abu verkürzt werden, wobei die Endung -u wegfällt und die Form zum Adverb wird. Beispiele für erstarrte Dualformen dieser Art sind das vermutlich in fast allen litauischen Dialekten bekannte Adverb dįkart Všvl, Vrn, dukart Dbč, Klov, Ktč, Ml, Lš, Šln, Zt, vgl. kartas, du kartu; dusyk Šn, Gs, Rdd, abùsyk Gs, vgl. sykis, du sykį¹³. Erstarrte Dualformen des Femininums kommen seltener vor, z. B.: Katrap reik pasielgti? — Abi vali (tu, mach, wie es dir beliebt) LKŽ I 13 (Jb). Hier ist auch das Zahlwort dvidešimt zu erwähnen, das wahrscheinlich aus einer Dualform entstanden ist, vgl. dvi dešimti14.
Aus den alten Schriften lässt sich Bretkūnas adverbialisierte Wortverbindung ſawi dieni anführen, die früher vermutlich die Bedeutung „Tag und Nacht“ hatte. Als Adverb gebraucht, erhielt diese Verbindung eine neue Bedeutung, nämlich „immer“, z. B.: Ghiſai ſawi dieni nepamete griekus; Sawi dieni ghis tamſmoj walge ir didzome rūpėtije ir liggoje ir smutke15.
§ 6. Der Nominativ-Akkusativ Dual der litauischen Substantive hat sich in den Dialekten in unterschiedlichem Maße erhalten.
Der Nominativ Dual der Substantive des Maskulinums wird als Kasus in einem vergleichsweise kleinen Dialektgebiet verwendet, und zwar westlich von Mažeikiai, Telšiai, Rietavas, Švėkšna und Pagėgiai¹⁶. Reste davon finden sich jedoch noch fast im gesamten Gebiet der litauischen Dialekte. Der Nominativ kommt in erstarrten Wendungen sogar auch in solchen
¹³ Übrigens könnte das Adverb dukart auch durch Erstarrung einer Pluralform entstanden sein, vgl. triskart < tris kartus.
¹⁴ An den erstarrten Nominativ-Akkusativ Dual des Femininums erinnern die Adverbien abigali, dvigubi, z. B.: Šitas kuolas reikia nutašyt abigali „diesen Pfahl muss man an beiden Enden behauen“. LKŽ I 8 (Mrk); Mokesniaus atėmė dvigubai „sie nahmen doppelt so viel Steuern ein, weil ich keine Quittung hatte“. LKŽ II 688 (Mrk).
¹⁵ A. Bezzenberger, Beiträge zur Geschichte der litauischen Sprache auf Grund litauischer Texte des XVI. und des XVII. Jahrhunderts, Göttingen, 1877, p. 233 (toliau: Beiträge).
¹⁶ Die Verbreitungsgrenzen der Dualformen wurden anhand des Materials des Dialektatlas der litauischen Sprache des Instituts für litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR ermittelt.
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Page 6In Dialekten, in denen der Dual als System bereits verschwunden ist, z. B.: Su durmu du turgu Jrb, Krns, Pgg, Prn, Žal, Glv, Tvr; Saldu kaip du medu. Ssk, Glv; Abu galu tokiu. Slč, Glv; Maža verpelė — du alu gyvena (Ei); Lž; Du ratu pagiry stovi. Žal; Du grybu per riebų. Bt.
Der Nominativ Dual Femininum wird in den Dialekten endgültig durch den Nominativ Plural verdrängt. Als Kasus ist er nur am westlichen Rand der žemaitischen Dialekte gebräuchlich, und zwar in der Umgebung von Skuodas, Seda, Salantai, Kretinga, Klaipėda, Priekulė und Šilutė.
Der Akkusativ Dual wird als Kasus ebenfalls nur in den oben genannten Gebieten verwendet. Anderswo finden sich meist nur noch seine Überreste. So wird er beispielsweise westlich von Vegeriai, Šiauliai, Tytuvėnai, Tauragė und Pagėgiai uneinheitlich gebraucht. Formen des Akkusativs Dual bei Feminina kommen noch in den ost- und mittelhochlitauischen Dialekten im Gebiet zwischen Kriukai, Pašvitinys, Šeduva, Dotnuva, Jonava, Gelvonai, Ukmergė, Taujėnai, Traupis, Raguvėlė, Miežiškiai, Karsakiškis, Vabalninkas und Biržai vor. Überreste des Akkusativs finden sich auch anderswo in Litauen; so sind beispielsweise feminine Dualformen aus Rudnia, Rudamina, Veisiejai, Liškiava u. a. belegt. In festen Wendungen halten sich Dualformen länger, z. B.: Dvi bobi — vienas dantys. Lš; Dvi bobi — viena koja. Vs, Lp; Gyvena kaip dvi kati vienam maiše. KrvP III 21 (Mrc); Glandus veršis dvi karvi žinda. KrvP III 47 (Mrc).
§ 7. Die Stellung des Zahlworts du in der Verbindung mit dem Nominativ-Akkusativ Dual ist nicht streng festgelegt. Meist steht dieses Zahlwort vor dem Substantiv; es kommt jedoch auch vor, dass zuerst die Dualform des Substantivs und danach das Zahlwort steht, z. B.: Bsu du BsV 97 (Rg), broliudu BsV 97 (Plk), žvejudu BsV 351 (Rg), velnudu BsV 344 (Rsn), Vyru du J (LKŽ II 541), sunyčudu BsV 90 (Lksr), Mergidvi BsV 161 (Vlkš), žvākidvi BsV 118 (Tlž), mergidvi, dukridvi BsV 105 (Rg), panelidvi BsV 177 (Lbg). Beispiele dieser Art finden sich auch in Bretkūnas’ Schriften, z. B.: Jakubu du BP I 350₃.
§ 8. In der Umgebung von Linkuva, Vaškai, Klovainiai, Krinčinas, Vabalninkas, Papilys und Biržai kommt der Akkusativ Dual der Substantive vor, der mit den Zahlwörtern trys und (sehr selten) keturi verwendet wird, z. B.: aš ti tris mėt givėno; mėslu vėžunt gal uždirpt du tris darbā den; tris sā vaii gutėjo. RdN; rādo trās kaušeņi; sōrgo trās dien; trās gēbēl mālku ṣokurēna; tās trās vaik tū.r.; nopōfko trās podēl; dōjo trās sāvj apī.nu. Lknv; ṣōnde gāvo trās laiskēl un kārta; trās rōbi dā.ve. Všk.
Mit dem Zahlwort keturi kommt der Nominativ-Akkusativ Dual der Substantive sehr selten vor, z. B.: rigō tarnāvo par kētors pōn.
Ein analoges Phänomen findet sich im Lettischen und Russischen. Im Russischen werden die Nominativ-Akkusativ-Dualformen mit den Zahlwörtern два, три, четыре¹⁷ verwendet. Das Lettische verwendet den Substantivdual mit den Zahlwörtern „2“–„9“ zur Bezeichnung von Maß, Gewicht und Zeit, z. B.: ar četri zirgi, veseli tris gadi usw.¹⁸ Sowohl das Russische als auch das Lettische haben hier nur einen formalen Dual. Auch die litauischen Substantiv-Dualformen, die mit den Zahlwörtern trys, keturi gebraucht werden, weisen lediglich einen formalen Dual auf. Dies ist ein neuer Anwendungsfall für Dualformen.
17 А. М. Иорданский, История двойственного числа в русском языке, p. 104 tt.
18 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, p. 451.
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Page 7§ 9. Der Nominativ-Akkusativ des natürlichen Duals1920 wird im Litauischen nicht verwendet. Selbst die in alten Schriften vorkommenden Nominativ-Akkusativ-Formen des Duals stehen mit den Zahlwörtern du, abu und Dualpronomen.
Ohne das Zahlwort du wurde der Nominativ-Akkusativ des Duals verwendet, wenn von zwei bereits bekannten Gegenständen die Rede war21. Gegenwärtig liegen keine aus den Dialekten aufgezeichneten Beispiele dieser Art des Duals mehr vor. Dass ein solcher Dual noch vor nicht allzu langer Zeit lebendig war, belegen die Materialien dialektologischer und volkskundlicher Sammlungen sowie die Schriften der žemaitischen Autoren des 19. Jahrhunderts, zum Beispiel: Žiūri, ateina du aitvaru ir ėda iš bliūdžiukų košę. Ateina aitvaru prie bliūdų, pauoste ir sako... BsP II 151 (Ps); ...lokininkai du didžiu lokiu uždarė jaujoje ir sugulė troboje... Lokiu buvo pririštu. ValP 10; Staponas pasisamdė du vaikiuku, kuriuodu per nedorybę baisiai įkyrejo jam ir Kotrynei. ValP 69... Kalėdoms atėjus atstojo nedoru vaikiuku. ValP 71; Šiemdviem dar nemigus, pro didžiąją lubų skylę įlėkė dvi, it vištį, pelėdi... Ryto metą keletas žmonių sulipo ant bažnyčios, atrado po stogu betupinti pelėdi ir užmušė. ValV 67; Augin tėvelis Du sunytėliu Du sunytėliu Ant paminklėlio... Kelk, kelk sūneliu, Mano jaunuoju!...; Augin močiute dvi dukrytėli... Kelk, kelk dukryti Mano jaunieji!.. Dukryti mano, Jaunieji mano, Kokia negar bė Taip vėlai kėlus. JD II 802 (Vl); ant kožnos szakos po gražių pauksczczių. SchG 256.
Dativ-Instrumental
§ 10. Die baltischen und slawischen Sprachen unterscheiden sich von den übrigen indogermanischen Sprachen dadurch, dass ihr Dativ-Instrumental des Duals mit dem Formans -m- gebildet wird, während es in anderen Sprachen, zum Beispiel im Sanskrit und Avestischen, mit dem Formans -bh-. geschieht.
Als alte Endung des Dativ-Instrumentals des Duals gilt die Endung -ma22, die auch heute noch, wenn auch sehr selten, in einigen Dialekten verwendet wird, zum Beispiel: Daugel dovanėlių močinėliai, možoma „mošoms“ po stomenėli. AruP 78; Sunku buvo žmogima „žmonėms“ gyventi; Čia reikia žmogaus akima šviesioma „akimis švie siomis“; Nesudedu akima „akimis“. Maža bematau akima „akimis“; Karvė stovi po durima „po durimis“; Vyrai naktima || naktimà kulia. Nč. Eine solche Substantivform finden wir auch in den Schriften Bretkūnas’, zum Beispiel: po akima BP I 11610.
Bemerkenswert ist, dass die alte Dativ-Instrumental-Form der Personalpronomen aš, tu ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hat und den Dualgenitiv bezeichnet, zum Beispiel:
19 In der linguistischen Literatur wird der natürliche Dual gewöhnlich als Dual bezeichnet, der eine einheitliche Gesamtheit von Gegenständen ausdrückt, die aus zwei natürlich miteinander verbundenen Gegenständen besteht. Dazu gehören Paare von Gegenständen wie Körperteile (Augen, Ohren, Lippen, Hände, Füße) sowie verschiedene andere paarweise vorkommende Dinge, zum Beispiel Hörner, Ärmel, Schuhe, Flussufer usw. Siehe K. Brugmann, Grundriß der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, II, 2, 2. Straßburg, 1911, S. 455—456. Den ohne das Zahlwort du verwendeten Dual zur Bezeichnung zweier paarweise vorkommender Gegenstände nennt A. Belić den freien Dual. Siehe A. Белич, О двойни у словенским језицима, S. 1—6 ff. Der natürliche Dual gilt als ursprünglich. Der Dual mit dem Zahlwort du ist eine jüngere, sekundäre Erscheinung.
20 Das Russische bewahrt bis heute Formen des natürlichen Duals, zum Beispiel: очи, уши, плечи, рога, бока, рукава, берега. A. M. Иорданский, История двойственного числа в русском языке, S. 42—75.
21 Diese Art des Duals wird anaphorischer Dual genannt. Siehe K. Brugmann, Grundriß, II, 2, 2, S. 457—458.
22 A. Bezzenberger hält diese Endung für die alte Endung des Dativ-Instrumental-Ablativs des Duals. A. Bezzenberger, Beiträge, S. 149.
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Page 8Sie stürzten sich auf mùma „uns beide“. Sly. Wer von uns beiden zuerst zornig wird, der muss drei Riemen aus seinem Rücken herausschneiden lassen. BsP I 41 (Rg); ...wir fanden uns beide etwa 20 Schritte von muma entfernt, vom Lager weggeworfen... BsV 242 (Rg),... „Du hast Augen und ich auch; siehst du, dass zwischen uns beiden einer steht“?... „in der Nacht, als wir beide wegliefen, hörten wir einen anderen über die Stufen auf den Dachboden steigen...“ BsV 92 (Rg);...; BsV 329 (Rg); Unsere Ringe, unsere goldenen, sind schon längst vertauscht. Geh nach Hause, Pasiburdamačiu; wer von uns beiden hat mehr vertrunken? KlpD 283; JD III 19 (Vl). Von juma „euch beiden“ werde ich welche kaufen. Slv. Der Mann brachte die beiden Kinder nach Hause, und als sie größer geworden waren, sagte er zu ihnen beiden: „Kinder, da ich nicht euer leiblicher Vater bin...“ BsP I 21 (Rg).
§ 11. Als Endungen dualischen Ursprungs gelten in der Sprachwissenschaft -m, -mu, -mi23, die sich von den entsprechenden Pluralformen nur dadurch unterscheiden, dass diesen das finale -s fehlt, vgl. -ms, -mus, -mis. Die genannten Endungen haben in den heutigen Dialekten keine Dualbedeutung. Sie sind die üblichen Endungen des Pluraldativs und des Pluralinstrumentals, mit denen diese Kasus in den Dialekten und in der Literatursprache sehr häufig gebraucht werden (nur die Žemaiten und ein Teil der westlichen Aukštaiten haben die entsprechenden Pluralkasus mit -s, vgl. vaikam und vaikams, sakomi und sakoms). Die Endung -mi ist im Wesentlichen die Endung des Pluralinstrumentals, die in den südlitauischen Dialekten südlich der Linie Kalvarija — Daukšiai — Kazlų Rūda — Skriaudžiai — Karmėlava — Pravieniškės — Rumšiškės — Palomenė — Žiežmariai — Semeliškės — Trakai — Rūdiškės — Marijampolis — Dieveniškės verwendet wird. Formen auf -mi werden jedoch auch häufig zur Bezeichnung des Dativs gebraucht, z. B.: Pietūmi „zum Mittagessen“ bring Holz. Iš.; Ich kaufte je ein Tuch savómi dukterimi „für meine Töchter“. LKK III 119 (Zt); Der Hagel richtete viel škados žmonėmi „den Menschen“ an. Kpč; Die Regierung gibt viskạ žmonimi „den Menschen“ alles. PnmA.
i und die Dativ-Instrumental-Formen der konsonantischen Stämme auf -mi sind im gesamten genannten Gebiet verbreitet; die entsprechenden Formen der (i)o- und ē-Stämme werden im südlichen dzukischen Gebiet verwendet: Lazdijai, Seirijai, Nemunaitis, Liškiava, Ratnyčia sowie vereinzelt auch an anderen Orten in den angrenzenden westlichen Aukštaitischen Dialekten.
Die Dativ-Instrumental-Endung -mi haben in einzelnen Dialekten gelegentlich auch Substantive des (i)a-Stamms24, z. B.: Ich fahre mit dviejėmi arkliāmi „zwei Pferden“. Dviemi arkliāmi „den Pferden“ gab ich Hafer. Ich drosch mit akmenāmi „Steinen“. Wir mähen mit arkliāmi „Pferden“. Zt. Bei uns gibt es um die Stube herum nirgends in den Bäumen Stare varnėnamį „für Stare“. Kpč. Diese Dativ-Instrumental-Endung bei (i)a-Stämmen gibt es nur im süddzukischen Dialekt um Kapčiamiestis, Veisiejus und Leipalingis sowie in Azi erkuose und Zietela (BTSR).
In diesen Gegenden hat der in den (i)a-Stamm übergetretene Dativ-Instrumental-Kasus die Endung -mi, z. B.: sūnāmi, viršāmi Kpč, Lp, Zt, vagāmi, debesāmi Kpč, Lp.
Die Pluraldativformen auf -mu bei Substantiven aller Stämme werden nur in der Umgebung von Dieveniškės verwendet, z. B.: Ein Fuchs lief herbei, fing ein Huhn und trägt es zu seinen vaikāmu „Kindern“. Pavalgýt duoda visiemu važtojamū „allen Fuhrleuten“ zu essen. Gott helfe artōjamū „den Pflügern“. Wir schlachten die Ochsen krikštynomu „zur Taufe“. Ramaškon(i)u
23 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, p. 401—406; P. Arumaa, Untersuchungen, p. 43—71.
24 E. Frenkel war dieser Sachverhalt offenbar nicht bekannt. E. Fraenkel, Der Stand der Erforschung der im Wilnagebiete gesprochenen Litauischen, „Balticoslavica“, t. 2, Wilno, 1936, p. 36.
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Page 9Im Dorf (Rajon Varenavas, BSSR) kommen solche Formen nur bei Substantiven mit konsonantischem Stamm vor. Übrigens werden diese Dativformen hier auch in instrumentaler Bedeutung verwendet25.
Die Dativ-Instrumental-Formen mit den Endungen -m, -mi, -mu hat P. Arumaa eingehender untersucht. Seiner Ansicht nach hatten diese Formen früher Dualbedeutung und verdrängten die Pluralformen mit auslautendem -s erst, als sie ihre spezifische Dualbedeutung vollständig eingebüßt hatten.
Dennoch fällt es schwer zu glauben, dass die genannten Endungen dualischen Ursprungs sind. Da feststeht, dass die alte Dativ-Instrumental-Endung des Duals -ma lautet, vgl. altkirchenslawisch kostьma, kamenьma, könnten -m, -mi, -mu nur als Endungen sekundären Ursprungs gelten. Außerdem ist sehr zweifelhaft, ob die rasch schwindenden Dualformen sich so weit in den litauischen Mundarten hätten verbreiten können. Denn der Dativ-Instrumental des Plurals auf (i)o, ė, i, (i)u bei konsonantischen Stämmen sowie der Dativ des Plurals auf (i)a und bei anderen Stämmen, die zu diesem Muster übergetreten sind, hat in einem großen Gebiet der litauischen Mundarten keine auslautende -s: östlich und südlich ungefähr der Linie Žagarė—Tytuvėnai—Ariogala—Kaunas—Vilkaviškis—K. Naumiestis. Hier können wir übrigens auch die lettischen Mundarten und die lettische Literatursprache anführen, in denen der Dativ und der Instrumental des Plurals ebenfalls kein auslautendes -s haben. Möglicherweise handelt es sich um Pluralendungen, die in einigen Mundarten parallel zu den üblichen Pluralendungen verwendet werden, vgl. den Dativ Plural der Kapsai-Zanavykai vaikams || vaikam, in anderen dagegen keine entsprechenden Formen mit -s haben.
§ 12. Eigenartige Formen des Dativ-Instrumentals und auch anderer Kasus weisen die žemaitischen Mundarten auf, in denen der Dual noch als System verwendet wird.
V.–G. zwei Kinder, zwei Kühe
K. von zwei Kindern, von zwei Kühen
zwei Kindern, diesen beiden Kühen
N. zwei Kinder, zwei Kühe
Zu zwei Kindern, zwei Wagen
Lok. in zwei Säcken, in zwei Sümpfen
Krtn, Skd, Klp, Prk, Pln.
Zum Genitiv und Lokativ siehe § 13, 14.
Schon F. Kurschat bemerkte, dass die Bewohner von Priekulė, Klaipėda und den weiter nördlich gelegenen Gegenden statt su dviem arkliam, zu sagen, su dùm arkliùm26 sagen, zum Beispiel: Kiek čia dùm žmonùm reik. Rsn; Su dùm vežimùm. Dov; Su dùm pištùm suėmė. Sg; Su dùm arkliùm vežė. Kin; Vieną dukterę užmušė su dùm vaikiùkam. Klp; Tverk abim rankim. LKŽ I 13 (Als); Veizėk su abidim akim. Krtn.
Der Ursprung dieser Formen wird in der Grammatik von K. Jaunius erläutert. K. Jaunius hielt sie nicht für vom Stamm abgeleitet, sondern vom Nominativ des Duals, an den dualische Endungen angefügt wurden: tuõdu-m vȳru-m, tiẽdvi-m žmõni-m27.
In anderen žemaitischen Mundarten wird der Dativ-Instrumental des Duals bei den Stämmen (i)o, ė, i, (i)u und konsonantischen Stämmen sowie der Dativ bei Stämmen auf (i)a gebildet, indem die Dualendung an den Stamm angefügt wird, zum Beispiel: su dvìm bõbum28, dum vaikám Krš.
25 J. Šukys, Būdingesnės Ramaškonių tarmės ypatybės, LKK, t. 4, Vilnius, 1960, p. 181.
26 F. Kurschat, Grammatik der litauischen Sprache, Halle, 1876, p. 50.
27 К. Явнис, Грамматика литовского языка, Петроград, 1916, p. 19.
28 Zur Herkunft dieser Endung siehe A. Jonait ytė, Saky nos tarmės daiktavardžio kait yba, Lietuvių kalbotyros klausimai, Bd. 3, Vilnius, 1960, S. 93—96.
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Page 10Genitiv. Lokativ
§ 13. Als Lokativ des Duals alter Substantive gilt das Adverb pusiau29, das in einigen Dialekten auch mit fallender Intonation betont wird, z. B.: pusiau Rdš, Prl, NmŠ, pusiau || pusiau Dkš, vgl. altkirchenslawisch mezdu. Im Altindischen hatten die entsprechenden Formen eine auslautende Endung -s, z. B. skr. dvayoḥ, ebenso wie litauisch dviejau neben dviejau.
J. Endzelynas meint, dass Lokativ und Genitiv des Duals früher miteinander verbunden gewesen sein könnten, vgl. lettisch pušu rīta; litauisch upėje vandens — vėžiu pusiau šonų. Nachdem J. Endzelynas die Bedeutungen dieser Kasus untersucht hat, kommt er zu dem Schluss, dass sich der Genitiv des Duals früher wahrscheinlich vom Lokativ unterschied, wie beispielsweise im Avestischen, und dass erst später beide Kasus zusammenfielen. Das zeige die litauische Sprache. Tatsächlich hat die lettische Form des Lokativs Dual diveiš die Bedeutung eines Genitivs, die litauische Form dviej aus dagegen die eines Lokativs.
§ 14. In den samogitischen Dialekten werden zwei Genitivformen verwendet. Mit dem Zahlwort du stehen Pluralformen, z. B.: dvijų vaikų. Mit dem Zahlwort abudu und den Dualpronomina tuodu, anuodu, katruodu usw. wird eine eigentümliche Neubildung verwendet, z. B.: Tiedvims abidvims karvims „jener beiden, beider Kühe“ ragai nulūžę. Pln; Numiszk iems neužspaudus numiriele abudums blakstienums „beider Wimpern“ žmones atejusis i budine saka: tas numirielis iszwejsies dar du to buto. ValžV II 172, Ant abudums tuodums atminimóms „auf beiden jenen Erinnerungen“ gentys ir pažystamieje wiel i kapus nabasztiką lankyti ir waiszinti. DB 153.
Früher wurden solche Formen auch ohne den Genitiv eines Zahlworts oder Pronomens verwendet, z. B.: Kėta karta bòwosis trys brùolė, dô iszmintingo, ô trets dôrniôs. Dôrniôs matydams atkaklybi sawa brolôms, weins iszwýka ont dôiubies arba kâpa sâwa tiewa... BM I 335 (Vvr);... abudu it ne sawie susikerdusin nu žirgums „von (zwei) Pferden“ im Pferch. DGiw 167. Diese Verwendung lässt sich damit erklären, dass es früher in den samogitischen Dialekten den Genitiv des Zahlworts du in der Form dums, dvims „zwei“⁽³⁰⁾ gab; heute ist diese Form nur noch als Bestandteil anderer Wörter erhalten, z. B.: abudums, abid(v)ims „beider“, tuodums, tied(v)ims „jener beiden“ usw. Solange diese Form in der gesprochenen Sprache lebendig war, wurde die Substantivform des Genitivs, die wahrscheinlich durch Analogie zum Zahlwort entstanden war, entweder mit dem Genitiv des Zahlworts verwendet, z. B.: iš dwems giminims „aus zwei Familien“ DGiw 151, oder ohne ihn, z. B.: nu žodiums „von Wörtern“ DB 82, iš kukuliums „aus Klößen“ DB 43, wenn von zwei Dingen die Rede war. Später, als man anstelle von dums, dvims die Form dvijų zu verwenden begann, nahm auch das Substantiv, dem Zahlwort folgend, die Pluralgenitivendung an.
A B K Ü R Z U N G E N
DB — S. Daukantas, Buda Senoves-Lėtuvių kalnienų ir Žemaičių..., Petropilie, 1845.
DGiw — S. Daukantas, Giwatas Didujų Karwaidų, Petropilie, 1846.
Įsr — Įsrutis (heute Gebiet Kaliningrad).
Lbg — Labguva.
29 A. Мейе, Общеславянский язык, Москва, 1951, p. 317. J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, p. 452, 453 tt. J. Otrębski, Gramatyka, III, p. 85.
30 Samogitische Genitivformen dums, dwems führt S. Stanevičius an und ergänzt damit die Ausgabe von „Universitas lingvarum lithvaniae“ aus dem Jahr 1829 durch „Trumpas Pamokimas Kalbos Lituwyszkos Arba Žemaytyszkos...“ 1829, S. 21. Zur Herkunft vgl. K. Явнис, Грамматика литовского языка, S. 19.
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Page 11Lksr — Lauksargiai, Rajon Tauragė.
LKK — Fragen der litauischen Sprachwissenschaft, III, Vilnius, 1960.
LKŽ — Wörterbuch der litauischen Sprache, I, Vilnius, 1941; II, Vilnius, 1947.
NèrR — S. Nėris, Raštai, III, Vilnius, 1957.
Ok — Okainiai.
Pilk — Pilkalnis (heute Gebiet Kaliningrad).
RpJ — Jonas iš Swisloczes krominikas liezuviu iszgulditas kasztu yr storony Jozapa Rupeyka..., Wilniuje, 1823.
VaižgRR — Vaižgantas, Ausgewählte Schriften, I, Vilnius, 1957.
ValP — M. Valančius, Paaugusių žmonių knygelė, Tilžė, 1902.
Všvl — Viešvilė, Rajon Jurbarkas.
Die übrigen Abkürzungen sind dieselben wie im „Wörterbuch der litauischen Sprache“.
DER DUAL DES SUBSTANTIVS IN DER LITAUISCHEN SPRACHE
Д. ГАРГАСАЙТЕ
Zusammenfassung
Die litauische Sprache gehört zu den Sprachen, die den Dual bis heute bewahrt haben. In einigen (samogitischen und teilweise westaukštaitischen) Dialekten stehen alle flektierbaren Wortarten im Dual: Adjektiv, Numerale, Pronomen und Verb. Der vorliegende Artikel behandelt lediglich die Formen des Substantivs. Die Arbeit stützt sich hauptsächlich auf modernes dialektologisches Material, das vom Institut für Litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR gesammelt wurde. Zum historischen Vergleich werden Beispiele aus altlitauischen Denkmälern angeführt (M. Mažvydas, J. Bretkūnas, M. Daukša u. a.).
Das Material altlitauischer Texte und einige dialektologische Daten geben Anlass zu der Annahme, dass -ma die alte Endung des Dativ-Instrumentalis Dualis ist, z. B.: akìta, nakìma.
Es wird angenommen, dass -m, -mi, -mu Endungen des Dativs und Instrumentalis Pluralis sind und nicht zum Dual gehören.
In ostlitauischen Dialekten (Biržai, Linkuva, Papilys) wurde während dialektologischer Expeditionen der Gebrauch von Dualformen mit den Numeralien drei, vier beobachtet, wie auch im Lettischen, Russischen und einigen anderen Sprachen.
Der Genitiv-Lokativ Dualis hat beim Schwinden im Litauischen nur geringe Reste hinterlassen, nämlich das Adverb rišaũ. Im westlichen Gebiet der samogitischen Dialekte werden Neubildungen des Genitivs verwendet. Im Allgemeinen sind diese Genitiv- und Lokativformen durch Pluralformen ersetzt worden.
Der Dual der Substantive ist im Gebiet der samogitischen Dialekte am besten erhalten, westlich der Linie Mažeikiai–Telšiai–Rietavas–Švėkšna–Pagėgiai. In allen litauischen Dialekten finden sich noch Reste des Duals: der Akkusativ Maskulinum.
Besonders zum Schwund neigen die Dualformen des Femininums.
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