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LIETUVIŲ KALBOS LEKSIKOS RAIDA

LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

ÜBER DEN GEBRAUCH EINIGER ŽEMAITISCHER WÖRTER

V. VITKAUSKAS

In diesem Artikel werden einige Wörter untersucht, die für einen bestimmten Teil der žemaitischen Mundarten charakteristisch sind: čyrùlis „Lerche“, krūpis „Kröte“, kūlis „Stein“, pỹlė „Ente“, pūrai „Winterweizen“. Angegeben werden ihre Bedeutungen, Ableitungen und ihr Gebrauch; auch ihre Herkunft wird angesprochen. Auf Grundlage der Karteien des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ und des „Atlas der litauischen Sprache“ sowie der Aufzeichnungen des Artikelautors wird die Verbreitung dieser Wörter auf Karten dargestellt.

Cyrulis. Als eines der lexikalischen Unterscheidungsmerkmale der žemaitischen Dialekte gegenüber der Literatursprache (lk.) wird in der philologischen Literatur am häufigsten čyrùlis angeführt – die žemaitische Bezeichnung für die Feldlerche (Alauda arvensis). Nach dem derzeit verfügbaren Material wird das Wort čyrùlis in den žemaitischen Mundarten westlich der Linie Laižuva – Mažeikiai – Nevarėnai – Telšiai – Žarėnai – Kvėdarna – Vainutas – Ž. Naumiestis – der Grenze des donininkai-Gebiets mit den westlichen aukštaitischen Dialekten bis zur Memel – Labguva (siehe Abb. 1) gebraucht. Demnach ist das Wort čyrùlis heute allen Donininkai, dem größten Teil der Dounininkai (ausgenommen die Mundarten der Umgebung von Vegeriai, Akmenė, Papilė, Viekšniai, Tryškiai, Eigirdžiai, Lauko Sodos und Luokė) sowie den Dūnininkai um Švėkšna, Tenenius, Kvėdarna, Vainutas und Ž. Naumiestis bekannt. Dieses Wort, jedoch mit einer anderen Akzentuierung – cyrulỹs –, war auch den Mundarten der westlichen Aukštaiten in Ostpreußen um Gilija und Labguva bekannt1. In seinen Schriften verwendeten es M. Valančius, S. Daukantas, der lange in Žemaitija lebende Ostlitauer Vaižgantas, die Periodika des Memellands (z. B. „Lietuviška Ceitunga“) u. a. Dieses Wort findet sich in zahlreichen Volksliedersammlungen (z. B. in L. Rėzas „Dainos“, M. Valančius’ „Žemaitischen Sprichwörtern“, den 1913 erschienenen „Vogelsagen“ u. a.). Das Wort cyrulis ist in den Wörterbüchern von Ch. G. Milkus, A. Juška, J. Šlapelis, dem sogenannten M. Nyderman und anderen verzeichnet. Umfassend und mit zahlreichen Belegsätzen aus Schriftquellen und der gesprochenen Sprache ist das Wort cyrulis (cyrulỹs) im großen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ verzeichnet.

Daraus geht hervor, dass unsere Mundarten zwei Formen dieses Wortes kennen – čyrùlis (1) und cyrulỹs (3b). Mit dem Akzentmuster 1 betonen dieses Wort alle Žemaiten, die westlich der Linie Laižuva – Telšiai – Rietavas – Kintai (mit Ausnahme der Umgebung von Klaipėda) leben; mit dem Akzentmuster 3b dagegen die Mundarten von Žarėnai, Rietavas, Judrėnai, Veiviržėnai, Švėkšna, Ž. Naumiestis, Kintai, Šilutė, Rusnė und Klaipėda sowie der litauischen Fischer in Preußen (siehe Abb. 1). Das Wort cyrulis, jedoch mit fallender Akzentuierung, kennen auch die Litauer von Ciskodas in der Lettischen SSR2.

1 Žr. Lietuvių žvejų tarmė Prūsuose, Kaunas, 1933, p. 92.

2 Žr. K. Būga, Rinktiniai raštai, II (parengė Z. Zinkevičius), Vilnius, 1959, p. 289–290.

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Es gibt nur wenige Ableitungen des Wortes cýrulis (cyrulỹs): cýrulė „Kuhname“ (Tirkšliai), cyruliuoti „zwitschern“ (meist von der Lerche) (Šatės), cyruliuoti „ebenso“: cýrulis õ’nkštéi pavā-sari prā-ded cī’rōloute (Mosėdis), cýrulūtis „kleine Lerche“ (Salantai)3 und noch die eine oder andere.

Zum Gebrauch dieses Wortes ist zu sagen, dass es in den genannten žemaitischen Mundarten nach wie vor sehr lebendig ist und ohne Ersatz durch Wörter der Literatursprache verwendet wird. An vielen Orten (z. B.,

Abb. 1. Verbreitung des Wortes cýrulis (cyrulỹs) in den litauischen Dialekten (1 – cýrulis, 2 – cyrulỹs)

um Judrėnai, Veiviržėnai, Klaipėda, Priekulė, Dovilai, Skuodas, Mosėdis u. a.) kennt die ältere Generation nicht einmal die Wörter der Literatursprache vieversys, vyturys, während auch jüngere Mundartsprecher das žemaitische Wort cýrulis (ar cyrulỹs) oft ganz selbstverständlich verwenden. Allerdings setzen sich an den Randgebieten des Verbreitungsgebiets dieses Wortes bereits die Wörter der Literatursprache und der östlichen žemaitischen Dialekte als Nebenformen durch: vieversys (um Mažeikiai und Tirkšliai), vyturys (um Tenenius). Die jungen Leute, die zur Schule gegangen sind, kennen im gesamten Verbreitungsgebiet des Wortes cýrulis (cyrulỹs) beide Formen der Literatursprache (vyturys, vieversys) und verwenden sie im Gespräch mit einer fremden Person, die Literatursprache spricht, je nach Gelegenheit abwechselnd.

3 Plg. Lietuvių kalbos žodynas, II (red. J. Balčikonis), Vilnius, 1947, p. 28.

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Es muss gesagt werden, dass das Wort čyrulis (čyrulỹs) in bestimmten Fällen über sein Verbreitungsgebiet hinausreicht: In übertragenen Bedeutungen ist dieses Wort in den žemaitischen Mundarten um Kuršėnai, Vidsodis, Raudėnai, Papilė u. a. bekannt, wo es bedeutet: a) „ein kleines Tier oder ein kleiner Mensch“, z. B.: vari·k tū čīrulī šalin. (Kuršėnai), kǭ·n tas čī·rulis padė·rps (Raudėnai) usw.; b) „spöttische Bezeichnung für tölpelhafte, zu nichts fähige Kinder“, z. B.: čī·ru-li | nešīn (pintinę) | aš pabeñ·ksu pinti (Kuršėnai) usw. Mit dem Wort čyrulis (čyrulỹs) ist zweifellos auch die Bezeichnung einer kleinen Hühnerrasse zu verbinden (allerdings mit kurzem Stammvokal) — ciruliūkai (ciruliūkas „kleiner Hahn“, cirulikė „kleines Hühnchen“). Z. B.: tộ·r gaidō·ka cerplō·ka maž·za (Laukuva), jau· tas kaušēlis mušiet cirulikis vištas (Kuršėnai) u. a. In den Mundarten von Kuršėnai, Vidsodis, Šaukėnai, Raudėnai, Papilė, Tryškiai und einigen weiteren žemaitischen Mundarten sowie sogar in einzelnen benachbarten nordwestlichen ostaukštaitischen Mundarten (Žagarė, Šakyna, Gruzdžiai u. a.), wo der Vogel Alauda arvensis ausschließlich mit dem Wort vieversys bezeichnet wird, sind Hirtenlieder weit verbreitet, in denen statt des üblichen Wortes vieversys čyrulis erwähnt wird.

Etymologen halten das Wort čyrulis für kurisch und vergleichen es mit lettisch cirulis4, das im gesamten lettischen Sprachgebiet bekannt und standardsprachlich ist. Diese Auffassung stützt sich auf den Konsonantismus der Wortwurzel, den übereinstimmenden Akzent mit dem lettischen Gegenstück und teilweise auch auf die Verbreitung des Wortes.

Litauisch (žemaitisch) čyrulis (čyrulỹs) und lettisch cirulis werden ihrerseits mit russisch щуркать „zwitschern“, slowenisch čiriti „ebd.“ u. a. verglichen.5 Meiner Ansicht nach kann man auch litauisch čirpti „zwitschern, blöken“, lettisch cirkstēt „zwitschern“ und vielleicht auch litauisch čirkšti anführen; dies würde bereits auf einen lautmalerischen Ursprung des Wortes čyrulis (čyrulỹs) hindeuten. Das litauische Wort čyrulis von Ciskodas wurde nach K. Būgas Auffassung bereits zu einer Zeit aus dem Lettischen entlehnt, als die Letten den Stoßakzent (kritóša) noch nicht in den Schleifakzent (stieptā) überführt hatten6.

Krūpis. Die Nordžemaiten bezeichnen die Kröte (Bufo vulgaris), ganz anders als die litauische Standardsprache mit rupūžė, mit dem Wort krūpis (krūpė, krūpis oder krūpė). So wird dieses Reptil in den žemaitischen Mundarten nördlich von Nemirseta, Jokūbavas, Endriejavas, Tverai, Viekšniai, Šaukėnai und Kurtuvėnai bezeichnet, das heißt in nahezu allen dounininkai-Mundarten mit Ausnahme der Umgebung von Gargždai, Endriejavas, Rietavas, Veiviržėnai und Judrėnai, sowie in den dūnininkai-Mundarten um Kuršėnai, Vidsodis und Kurtuvėnai (siehe Abb. 2). Ebenso wie in den genannten žemaitischen Mundarten bezeichnen auch die südlich angrenzenden Aukštaiten um Žagarė, Skaistgirys, Šakyna, Kužiai und Gruzdžiai dieses Reptil mit dem Wort krūpis. In die Sprache unserer schönen Literatur führten es die aus dieser Gegend stammenden Schriftstellerinnen Lazdynų Pelėda und S. Čiurlionienė-Kymantaitė ein. Belegt ist es in den Wörterbüchern von S. Daukantas, A. Juška, A. Lalis, J. Šlapelis, M. Nyderman und anderen. Das meiste Material enthält das akademische „Lietuvių kalbos žodynas“; dorthin gelangten jedoch versehentlich Belegsätze mit diesem Wort und seinen Varianten aus den Mundarten von Panemunėlis (Rajon Rokiškis), Žemaitkiemis (Rajon Ukmergė), Vilkaviškis und Šunskai (Rajon Kapsukas).

Wie wir bereits gesehen haben, variiert der Stamm dieses Wortes in einzelnen Mundarten. Nach dem derzeit vorliegenden Material verwenden die dounininkai, die im Viereck zwischen Šventoji, Nemirseta, Žarėnai und Alsėdžiai leben, sowie alle dūnininkai zur Bezeichnung des Reptils Bufo vulgaris die Formen krūpė ar krūpė (Stämme auf -ė), die übrigen dounininkai dagegen krū-

4 Siehe K. Mūlenbacha Latviešu valodas vardnīca. Herausgegeben, ergänzt und fortgeführt von J. Endzelīns, I, Rīgā, 1923—1925, S. 391.

5 Ebenda, S. 391—392; E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, I, Heidelberg, 1962, S. 70.

6 K. Būga, a. a. O., S. 289—290.

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pis oder krūpis (ia-Stamm) (siehe Abb. 2). Ein solcher Wechsel der Stämme ist im Litauischen häufig; in diesem Fall könnte die Form mit ė-Stamm durch die Wörter varlė, rūpužė „ein solcher Fluch“, kūkūžė „ebd.“, piktvarlė „Bufo vulgaris“, krūpvarlė „ebd.“ u. a. beeinflusst worden sein. Die westlichen nordaukštaitischen Mundarten, in denen dieses Wort bekannt ist, verwenden ausschließlich die Form krūpis.

Neben seiner unmittelbaren Bedeutung (Bufo vulgaris) hat das Wort krūpis sowohl in den žemaitischen als auch in den genannten aukštaitischen Mundarten sehr häufig weitere, übertragene Bedeutungen. Zunächst wird es als milder Schimpf für unartige Kinder verwendet (mit der Bedeutung „kleine Kröte, Wildfang“) und steht mitunter im gemeinsamen Geschlecht (substantivum commune): išėk / pažūrėk / ka tas krūpis i šūni nei-rūptu (Šakyna), kũr ta krūpis išėje (Šakyna); mitunter im beweglichen Geschlecht (substantivum mobile): Neben krūpis für das männliche Geschlecht gibt es auch die Form krūpė für das weibliche Geschlecht: akšin / pasakyt su / kũ tas krūpis padirba (Kuršėnai), nedūd ta krūpi galvaūs išukūti (Kuršėnai), tũn krū.pi rāda pūpūose (Raudėnai), dõuk tã krūpė i kã-ili e klausīs (Raudėnai) usw.

Abb. 2. Verwendung des Wortes krūpis, krūpė in den litauischen Mundarten [1 – krūpis (Bufo vulgaris), 2 – krūpė (Bufo vulgaris), 3 – krūpis, krūpė (nur übertragene Bedeutungen)]

Außerdem kann das Wort krūpis (krūpis) „ein kleines Kind, ein kleiner Mensch, ein kleines Nutztier oder irgendein sonstiges kleines Ding“ bedeuten. In diesem Fall kann krūpis (krūpis)

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im gemeinsamen Geschlecht stehen: kā tu krūpis būdams prieš toki vīra šoki (Šakyna), pažūrēt tōki krūpis | susitrāukus | susirāukus | nieka tē tōs žmogi̇stas nė (Šakyna), oder im beweglichen Geschlecht: tioks krū.pis tas vā.ks | bei mōndros (Mosėdis), ti̇uoki krō.pe špoulė.le ni šo.pȯnūote (Mosėdis), radāu tris kaušelius lizi̇ tiuokus krūpelūs (Kuršėnai), visā kruṗki dār | su vai.kū bešnekun.ti (Kuršėnai) usw.

In beiden übertragenen Bedeutungen verwenden das Wort krūpis auch viele jener žemaitischen Mundarten, die das Reptil Bufo vulgaris ausschließlich mit dem Wort rūpkė bezeichnen – nämlich die dounininkai in der Umgebung von Endriejavas, Veiviržėnai und Judrėnai sowie die dūnininkai in der Umgebung von Švėkšna, Kvėdarna, Laukuva, Varniai, Užventis, Pavandenė und Šaukėnai (siehe Abb. 2). Die weitere Verbreitung der übertragenen Verwendung von krūpis scheint darauf hinzudeuten, dass das Wort früher zumindest in einem Teil dieses Gebiets auch in seiner unmittelbaren Bedeutung verwendet wurde; andererseits könnten die genannten Mundarten es auch von ihren nördlichen Nachbarn entlehnt haben.

Das in übertragenen Bedeutungen verwendete Wort krūpis (kriūpis), krūpė (kriūpė) hat sehr viele Ableitungen und Bildungen mit verschiedenen, mitunter sehr seltenen Suffixen. Zum Beispiel: krūpius,-ė „kleines Kind“ (Šaukėnai), krūpelis „Schimpfwort“ (Barstyčiai), krūpėkšla „ebd.“ (Kuršėnai), das Hybridwort krupėlka (wie bobėlka, kumėlka u. a.) „ebd.“ (Kuršėnai, Šakyna), krūpena (kriūpena) „ebd.“ (Kuršėnai, Papilė, Raudėnai, Ž. Kalvarija u. a.), krupėža (kriupėža) „ebd.“ (Kuršėnai, Pavandenė, Ž. Kalvarija u. a.), krūpkis „ebd.“: tō:n krō.pke rē:ks mū:šte | pri svečū:n kē:kas (Judrėnai), kruplėža „ebd.“ (Varniai), kriūpšena „ebd.“ (Šatės), krupūitis „ebd.“: kropō.itē: | kropiežas | kāš par vīrā (Pavandenė) usw. Außerdem gibt es in den žemaitischen Mundarten zahlreiche Zusammensetzungen mit dem Stamm krup- (kriup-) als erstem Bestandteil. Dazu gehören Schimpfwörter wie das (undurchsichtiger Bildung, vermutlich ein Hybrid) krūpmaūšis | kriūpmaūšis (Kuršėnai, Šakyna, Raudėnai, Tryškiai u. a.), krūplaižis (Varniai), kriūpmurza (Šatės), kriūpnagis (Kaltinėnai, Ž. Kalvarija), das Hybridwort kriupskūris (Šatės) usw.; Wörter für bestimmte Arten von Gegenständen, zum Beispiel kriūpkartūnis „eine bestimmte Art Kattun“ (Šatės), kriūpkelis „schlechter, holpriger Weg“ (Kartena), kriūpkiaulės „eine bestimmte Schweinerasse“ (Šatės), kriūpvarlė „Kröte“: krōpvā.rle ruopūo (Šventoji), kriūpvištė „kleines Huhn“ (Šatės), kriūpvikis „eine bestimmte Wickenart“ (Seda) usw. Mit dem Stamm krup- (kriup-) werden häufig Verben gebildet, die gewöhnlich ein unschönes, langsames Gehen bezeichnen, zum Beispiel: krupénti (Šatės, Alsėdžiai), krupénti (Mažeikiai, Laukuva), kriupinėti (Kalm alis), krupinėti (A. Juškos žodynas⁷, Šilalė, Veiviržėnai), kriupýnoti (Kalm alis), krupinti (Kalnalis), krupinti (A. Juškos žodynas⁸) usw.⁹

Auffällig ist die unterschiedliche Beschaffenheit des Stammlauts all dieser Wörter: In den genannten Wörtern ist r in manchen Mundarten hart, in anderen dagegen weich. Aus dem vorliegenden Material geht hervor, dass Wörter mit dem Stamm kriup- nur in den Mundarten der Umgebung von Šventoji, Salantai, Kalnalis, Mosėdis, Skuodas, Ylakiai, Židikai, Seda sowie teilweise Pikelių und Tirkšliai¹⁰ verwendet werden. Diese Grenze stimmt nur teilweise mit dem Verbreitungsgebiet von Wörtern des Typs krūauti überein, in deren Stamm ein weiches r vorkommt: Ein hartes r im Wort krūpis || krūpė und seinen Ableitungen haben die žemaitischen Mundarten von Kretinga, Budriai, Plungė, Papilė, Akmenė, Mažeikiai, Veiviržėnai und Judrėnai sowie die aukštaitischen Mundarten von Šakyna, Gruzdžiai, Žagarė u. a., in denen viele andere Wörter ein weiches r aufweisen, zum Beispiel:

7 Žr. А. Юшкевич, Литовскій словарь, вып. третій, Петроградъ, 1922, p. 257.

8 Siehe ebenda.

9 Zum Material dieses Abschnitts vgl. Lietuvių kalbos žodynas, VI (verantwortlicher Redakteur J. Kruopas), Vilnius, 1962, S. 651, 652, 715, 716, 717.

10 In diesen Mundarten sagt man krū.pis und krū.pis oder krō.pe und krō.pe.

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krõ.sa, krâ'ustuos (Veiviržėnai), srâ.unos, ruoksuojë (Judrėnai), krâus ~ kriaũjas (Tirkšliai), krâ'ui (Žagarė), krõkti (Šakyna) usw.; dies weist bereits auf eine spätere Erweichung des r in diesem Wort und seinen Ableitungen in den nordwestlichen žemaitischen Mundarten hin. Dasselbe zeigt auch das nur an wenigen Orten gebräuchliche Wort krūpis im Lettischen11.

Heutzutage ist krūpis (oder krūpė, krūpis, kriūpė) in den genannten žemaitischen Mundarten ein lebendiges und sehr weit verbreitetes Wort, auf das das Litauische bis heute keinen und auch jetzt noch keinen nennenswerten Einfluss ausgeübt hat. Besonders häufig wird dieses Wort mit seinen Ableitungen in den genannten übertragenen Bedeutungen verwendet. Mancherorts, an den Rändern des Verbreitungsgebiets von krūpis (krūpė) (bei Kurtuvėnai, Vidsodis, sehr selten bei Luokė und Kuršėnai), wird neben diesem bereits auch das Wort rūpkė verwendet; häufiger gebraucht es die jüngere Generation, während die Älteren es nur in Sprichwörtern sagen. Zum Beispiel: i'sikābarā·va kā'p rūpki i' ruokūn.di (Kuršėnai) usw. In allen dounininkai- und dūnininkai-Mundarten, in denen das Wort krūpis oder seine Ableitungen gebraucht werden, ist das Wort rūpūžė lediglich ein Schimpfwort und wird mit der Bezeichnung des Tieres (Bufo vulgaris) wohl erst seit den letzten Jahren, unter dem zunehmenden Einfluss des Litauischen, von den Sprechern in Verbindung gebracht. Die hochlitauischen Mundarten, die das Wort krūpis verwenden, bezeichnen dieses Tier parallel dazu auch mit dem Wort rūpūžė. Hier setzt sich dieses Wort immer weiter durch und verdrängt das Wort krūpis.

Neben den genannten litauischen Mundarten bezeichnen auch die Letten Bufo vulgaris ebenso als krupis (seltener krupis12). Im Preußischen wurde das Wort crupeyle „Frosch“13 verwendet. J. Endzelynas bringt das lettische krupis (krupis) mit dem lettischen krupt „reißen, aufspalten“, krūpis „Kröte“, kraupa „Pferdeschorf“ in Verbindung und führt diese allesamt auf altkirchenslawisch krupa „Krümel, Bruchstück“, altenglisch hruf „Schorf“, hreof „rau“14 zurück. In den litauischen Mundarten, die das Wort krūpis, seine Varianten oder Ableitungen kennen, gibt es auch weitere Wörter mit ähnlichem Stamm: krūpti „schorfig werden, mit Pusteln bedeckt sein“ (Kuršėnai, Tryškiai, Šakyna u. a.), kriūpti „ebd.“ (Mosėdis, Salantai u. a.), kriupūotas „schorfig, pustelig“ (Šatės), nukrūpėlis „kleiner Schorf“ (Kuršėnai), kriupytas „im Perlmuster gestrickt“: kūoks če tā·va nę·rtinis / a krūp·c (Mosėdis) u. a.

Somit ist das žemaitische Wort krūpis (krūpė, kriūpis oder kriūpė), das früher „ein schorfiges, raues Tier“ bedeutete, mit den entsprechenden Wörtern des Lettischen und des Altpreußischen verwandt und hat Entsprechungen in anderen indogermanischen Sprachen.

Kūlis. Anstelle des im Litauischen und in den meisten unserer Mundarten gebräuchlichen Wortes akmuo verwenden die Žemaiten, die westlich von Židikai, Seda, Telšiai, Žarėnai, Tverai, Pajūris und nördlich von Vainutas, Žemaičių Naumiestis, Ramūčiai, Šilutė und Rusnė leben (siehe Abb. 3), das Wort kūlis. Dieses Wort der dounininkai-Mundarten an der Küste, der dūnininkai-Mundarten von Kvėdarna und Švėkšna sowie der meisten donininkai-Mundarten wurde auch in den Schriften von Autoren aus dieser Gegend verwendet — A. Pabrėža, S. Daukantas und A. Kosaževskis — und findet sich in zahlreichen Sammlungen der Folklore: in dem von S. Daukantas dem „Abecela…“ beigefügten Sprichwörtersammelband, in M. Valančius’ „Patarlės Žemaičių“, C. Jurkšaitis’ „Pasakos“, „Klaipėdiškių dainos“, A. Basanavičius’ „Lietuviškos pasakos“, Band VIII der „Tautosakos darbai“ sowie in verschiedenen handschriftlichen Sammlungen, die im Manuskriptarchiv des Instituts für Litauische Sprache und Literatur aufbewahrt werden. Belegt ist es auch in verschiedenen sprachwissenschaftlichen Publikationen, zum Beispiel in den Mundarttexten von A. Baranauskas

11 Žr. K. Mūlenbacha Latviešu valodas vārdnīca. Redigējis, papildinājis, turpinājis J. Endzelīns, II, Rīgā, 1925–1927, p. 287.

12 Žr. K. Mūlenbacha Latviešu valodas vārdnīca, t. 2, ten pat.

13 Žr. K. Būga, Rinktiniai raštai, I (parengė Z. Zinkevičius), Vilnius, 1958, p. 427.

14 Siehe K. Mūlenbacha Latviešu valodas vārdnīca, II, ebd. Näheres hierzu siehe auch E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, 1, Heidelberg, 1962, p. 290.

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in Texten, in den Wörterbüchern von A. Juška, J. Šlapelis, M. Nyderman und anderen. Als Wort aus dem Memelland wurde es in die Wörterbücher von G. H. F. Nesselmann und F. Kurschat aufgenommen; diesen Autoren war das Wort kūlis jedoch offenbar nicht gut bekannt, weshalb es dort nicht ganz korrekt als Substantiv weiblichen Geschlechts kulis,-ės angegeben wird.¹⁵ Das Wort kūlis ist auch im sogenannten handschriftlichen Krause-Wörterbuch aus dem 17. Jahrhundert verzeichnet: Baltas Olos Kūlys und anderes.

Der Wörterbuchartikel zum Wort kūlis ist im großen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ enthalten; sein Verbreitungsgebiet ist recht gut gekennzeichnet, doch hätte man auf die Bedeutungen dieses Wortes sowie

Abb. 3. Gebrauch des Wortes kūlis in den litauischen Dialekten (1 – kūlis „beliebiger Stein“, 2 – nur in den Wendungen girnų kūlys, girnakūlis)

verzichten müssen, dafür ein Beispiel aus dem Dialekt von Paringys (Rajon Ignalina) anzuführen, wo dieses Wort wohl kaum gebraucht wird.

Es ist möglich, dass das heutige Verbreitungsgebiet des Wortes kūlis nicht mehr ganz dem früheren entspricht. Die meisten Žemaiten, die dieses Wort verwenden, kennen inzwischen auch das standardlitauische Wort akmuo gut und gebrauchen es recht häufig, wobei sie es in das System der Substantive mit anderen konsonantischen Stämmen eingegliedert haben. Zum Beispiel sagen in der Gegend von Švėkšna und Judrėnai sogar die ältesten, 70–80 Jahre alten Sprecher des Dialekts, und

15 Žr. G. H. F. Nesselmann, Wörterbuch der Littauischen Sprache, Königsberg, 1851, p. 208; F. Kurschat, Littauisch-deutsches Wörterbuch, Halle, 1883, p. 208.

11. Užsak. Nr. 174

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sogar untereinander im Gespräch sagen sie inzwischen viel häufiger akmuo als kūlis, während die jüngere Generation das Wort kūlis hier nur noch in Ausnahmefällen sagt. Somit beginnt das žemaitische Wort kūlis, besonders in der unmittelbaren Bedeutung „Stein“, zu verschwinden. Es wird durch das standardlitauische Wort akmuo ersetzt, das auch in der überwiegenden Mehrheit unserer Dialekte verwendet wird. Dass dieser Prozess nicht erst heute begonnen hat, zeigen verschiedene schriftliche Quellen. So schreibt der Verfasser der im 18. Jahrhundert erschienenen „Žyvatai…“ beispielsweise: lyipe prypylty siesis sudinus ysz akmenys, ira tay stotkas yszkule¹⁶, tynay… buwa du dydziu akmeniu arba kulu¹⁷. Auch Valančius verwendete das Wort akmuo (z. B.: Asz jam su duonu metu, ans man su akmeniu svijde, ar ne bjauri-bė¹⁸). Aus der Gegend von Laukuva, wo das Wort kūlis größtenteils verschwunden ist,¹⁹ hat A. Kosaževskis die Bezeichnung für einen Stein stába kūl’s sowie den Flurnamen Stabakūlė aufgezeichnet, über die K. Būga schreibt: „Das erwähnte stába kūl’s ist ein stabo kūlis, d. h. ein Stein, aus dem (in alter Zeit) ein Götzenbild angefertigt wurde.“²⁰

Diejenigen žemaitischen Dialekte, die anstelle des standardlitauischen Wortes akmuo kūlis sagen, verfügen auch über zahlreiche Ableitungen und Zusammensetzungen mit diesem Wortstamm. Zum Beispiel: kūlėtas „steinig“ (Gegrėnai), kūlija „steiniger Ort“ (Judrėnai, Veiviržėnai, Palanga, Barstyčiai), kūliavà „Stromschnelle“ (Švėkšna), kūlinis „steinern“ (Plateliai, Šatės, Beržoras, Priekulė u. a.), kūlgrauža, kūlgraužà „Mühlsteinmetz“ (Skuodas), kūlgraužis „dasselbe“ (Palanga, Kalnalis), kūlgrindà „mit Steinen gepflasterter Weg“ (Kvedarna), kūlgrindai a) „mit Steinen gepflasterter Weg“ (Barstyčiai), b) „geheimer Unterwasserweg“ (Plateliai), kūlkalìs „Bildhauer von Steinstatuen“ (Salantai), kūlkerpės „auf Steinen wachsende Flechten“ (Mosėdis, Palanga, Darbėnai), kūlmušis „Steinschläger“ (Saugos, Priekulė, Palanga), kūlskaldìs „dasselbe“ (Kartena), kūlmìldžiai „Mehl, das von Mühlsteinen abgebröselt ist“ (Ylakiai), kūlmìltės „dasselbe“ (Barstyčiai), kūlvelkis „zum Transport von Steinen bestimmt“ (Šatės), kūlvežis 1. „Steintransporteur“: a pẽnkis mėtūs ǵ.ns tẽn ežb.va oš kūlveži (Mosėdis); 2. „zum Transport von Steinen bestimmt“ (Šatės) usw.²¹

Das Wort kūlis oder seine Ableitungen kommen in einigen klar umrissenen Bedeutungen in einem größeren Gebiet vor als oben erwähnt, d. h. sie reichen über ihr Verbreitungsgebiet hinaus: Viele Žemaiten – alle Dounininkai östlich von Židikai, Nevarėnai, Telšiai und Žarėnai, die Dūnininkai östlich von Kvedarna und Pajūris, nördlich von Šilalė sowie westlich von Kražiai, Vaiguva und Kurtuvėnai (siehe Abb. 3) – nennen den Mühlstein entweder mit der Wortverbindung girnų kūlỹs (Akmenė, Papilė, Laižuva, Pavandenė, Šilalė, Pajūris, Vidsodis, Vaiguva, einige Dörfer in der Umgebung von Kuršėnai u. a.) oder mit dem Kompositum girnākūlis (Leckava, Pikeliai, Tirkšliai, Nevarėnai, Tryškiai, Raudėnai, Luokė, Varniai, Užventis, Laukuva, einige Dörfer in der Umgebung von Kuršėnai u. a.). Die Wendung girnų kūlỹs wird auch in den nordwestlichen Hochlitauischen Dialekten von Kruopiai und Šakyna verwendet (wahrscheinlich ist sie dort eine Entlehnung aus dem Žemaitischen). So wie in den genannten westlichen žemaitischen Dialekten kūlis durch das Wort akmuo ersetzt wird, wird auch die Wendung der östlichen žemaitischen und der angrenzenden nordwestlichen hochlitauischen Dialekte girnų kūlỹs oder girnākūlis inzwischen häufig durch girnų akmuo, girnų akminas. ersetzt, besonders in der Umgebung von Vaiguva, Kuršėnai, Užventis, Papilė, Šakyna u. a.

16 Žr. Žiwatas Pona yr Diewa musu Jezusa Christusa… aprasitas Metusy Pona 1753 … Wilniaw… Metusy Pona 1787, p. 62.

17 Min. veik., p. 213.

18 (M. Valančius), Patarlės Žemaičių, Tilžėje, 1867, p. 6.

In der Gegend von Laukuva wird heute das Wort kūlýs verwendet, das „Mühlstein“ bedeutet.19

20 Laukuvos apylinkėse dabar yra vartojamas žodis kūlýs, reiškias „girnapusė“.

21 Plg. Lietuvių kalbos žodynas, VI (ats. red. J. Kruopas), Vilnius, 1962, p. 828–861.

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Aus den zahlreichen im Artikel angeführten Beispielen geht hervor, dass die Mundarten zwei Formen dieses Wortes kennen: kūlis (2) und kūlys (4). Bemerkenswert ist, dass dieses Wort gerade in jenen Mundarten nach der vierten Akzentklasse akzentuiert wird, in denen es in der Zusammensetzung girnų kūlys verwendet wird. Dies könnte auf eine spätere Verbreitung dieser Bezeichnung als Terminus der materiellen Volkskultur in den östlichen žemaitischen und den benachbarten nordwestlichen aukštaitischen Mundarten hindeuten.

Außerhalb der genannten žemaitischen Mundarten des Litauischen kennen die anderen baltischen Sprachen das Wort kūlis nicht. Es ist ein eigenständiges žemaitisches Wort, das, wie man vermuten kann, auch die Kuren gekannt haben.

Etymologen erklären dieses Wort unterschiedlich. K. Būga stellt es zum litauischen Wort kūlynas „ein aus einem einzigen Baumstumpf gewachsener Strauch“ und zum kurischen Aussprachenwort kūliens22. Zugleich bringt K. Būga damit indirekt den Gedanken eines kurischen Ursprungs des Wortes kūlis ins Spiel.

Pylė. Die Žemaiten, die westlich von Židikai, Seda, Alsėdžiai, Žarėnai, Tverai, Laukuva, Vainutas, Ž. Naumiestis und Šilinininkai leben, bezeichnen sowohl die Haus- als auch die Wildente (Anas) anders als die lk. und die meisten unserer Mundarten mit dem Wort pylė. Wie der beigefügten Karte zu entnehmen ist (siehe Abb. 4), verwenden alle donininkai, die dounininkai an der Küste sowie die dūnininkai-Mundarten um Kvėdarna und Švėkšna das Wort pylė (siehe Abb. 4). Dieses Wort wird nicht nur in den genannten Mundarten verwendet, sondern ist auch in verschiedenen schriftlichen Quellen belegt. Wir finden es in den Schriften von S. Daukantas und Vydūnas, in der periodischen Presse des Memellands („Lietuviškoje Ceitungoje“) sowie in einzelnen Volksliedersammlungen: „Klaipėdiškių dainose“, „Pasakose apie paukščius“ usw. Als Bezeichnung der Ente im Memelland führen P. Ruigys, Ch. G. Milkus und G. H. F. Neselmanas das Wort pylė in ihren Wörterbüchern an. F. Kuršaitis kannte das Wort nur wenig (darüber schrieb auch K. Būga23), wie die ungenaue Wiedergabe des Wortes in der Klammer pylė,-ės ar pylis,-ies24 zeigt. A. Juška hat das Wort ebenfalls in sein Wörterbuch aufgenommen; auch K. Jaunius erwähnt es. In neuere Wörterbücher gelangt das Wort pylė nur noch selten: Es ist lediglich im sogenannten Wörterbuch von M. Nyderman verzeichnet, das zwei Formen angibt: pylė und (als mundartliche!) pylė.

Fast alle Žemaiten, die das Wort pylė verwenden, akzentuieren es nach der zweiten Akzentklasse; nur bei Rietavas und Šilutė ist es mit der Akzentklasse vier belegt. Z. B.: tė·p kã·p kóki pi·lė kad ji ēit vi·tódama (Ramučiai, Rajon Šilutė).

Im gesamten Verbreitungsgebiet des Wortes pylė gibt es auch zahlreiche Ableitungen davon. Am häufigsten sind: pylinas „Enterich, Erpel“ (das Verbreitungsgebiet dieses Wortes deckt sich nahezu mit dem von pylė), pylūtis „Entenküken“ (Švėkšna, Judrėnai, Saugos usw.), pylėtis „ebd.“ (Mosėdis), pylėna (pylėna) „Entenfleisch“ (Judrėnai, Veiviržėnai, Priekulė, Švėkšna usw.) usw. Im gesamten Gebiet sind die Rufwörter pili „Rufwort für Enten“ (Judrėnai, Endriejavas), pil’ „ebd.“ (Švėkšna, Plungė usw.), pylėkšt „Treibwort für Enten“ (Mosėdis usw.) usw. bekannt; sie werden auch in vielen Mundarten verwendet, die das Wort pylė nicht kennen (siehe unten).

Das Wort pylė ist auch weit außerhalb seines Verbreitungsgebiets verständlich und seine Bedeutung bekannt, etwa bei Tirkšliai, Šialė, Skaudvilė und Tryškiai; dennoch verwenden die Žemaiten dieser Gegenden es nicht, sondern sagen nur ō·nę (Tirkšliai, Tryškiai, Šialė), ā·nti (Skaudvilė) usw. Das Wort begegnet vielerorts außerhalb seines Verbreitungsgebiets in Volksliedern. Z. B.: plauki pi·lė·li

22 Žr. K. Būga, Rinktiniai raštai, III (parengė Z. Zinkevičius), Vilnius, 1961, p. 209. Kaip žodžio kūlis kilmę aiškina E. Frenkelis žr. E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, 1, Heidelberg, 1962, p. 307.

23 Žr. K. Būga, Rinktiniai raštai, II (parengė Z. Zinkevičius), Vilnius, 1959, p. 514–515.

24 F. Kurschat, Littauisch-deutsches Wörterbuch, Halle, 1883, p. 311.

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par nemunėli lendrelės laužė dama (Pagramantis)25, plaukė pylelė per ežerėlį (Upyna, Rajon Šilalė, sogar Panevėžys)26 usw. Mit den genannten Rufwörtern pili, pil’ (pil’) ar pȳli rufen fast alle Žemaiten (mit Ausnahme der Gegenden um Tauragė und Raseiniai), die westlichen Aukštaiten nördlich von Šiauliai, die mittleren Aukštaiten um Joniškis sowie die östlichen um Linkuva, Pakruojis und Biržai die Enten und Küken. In den žemaitischen Mundarten um Kuršėnai, Pavandenė, Raudėnai usw. wird auch das Treibwort für Enten pylėkš(t), pilėkš(t). verwendet. Von den lautmalenden Rufwörtern pilì, pil’ (pil’), pȳli ausgehend, bezeichnen manche Žemaiten, die das Wort pylė gewöhnlich nicht verwenden, kleine Entenküken mit den Wörtern pȳliai, pyliukai, piliukai, pylėlės,

Abb. 4. Verwendung des Wortes pylė in den litauischen Mundarten

pilinukai und Ähnliches. Z. B.: čė rė·ks mõ·n pilė·ms (Iesti) padiete (Viekšniai), pi·likes pi·likes / lėsket mažilė·les / lėsket (Kuršėnai), padėk pelōkā·ms lė·ste (Vidsodis), a pilėlė palėsė (Raudėnai) usw. Das ist wohl bereits eine spätere Verbreitung dieser Wörter, die an manchen Orten, etwa um Biržai, Pakruojis, Žeimelis usw., möglicherweise nicht ohne Einfluss des Lettischen erfolgte.

In den preußisch-deutschen Mundarten wurde das Wort Pile „Rufname der Ente“ verwendet, das mit dem litauischen Wort pylė, dem lettischen pile und Wörtern anderer deutscher Mundarten verglichen wird

25 P. Jonikas, Pagramančio tarmė, Kaunas, 1939, p. 91.

26 Beispiele aus der Zettelkartei des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“.

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Bile27. Meiner Meinung nach ist auch das in den Schriften von K. Donelaitis belegte Wort pylė: Kišk žąsis, pylės, vištas į didelį puodą28 aus dem deutschen Pile entstanden, denn die Verbreitung dieses Wortes lässt nicht darauf schließen, dass es seit alters her gerade in den südlichsten Mundarten Preußisch-Litauens heimisch gewesen wäre; umso mehr, als auch K. Donelaitis selbst offenbar häufiger das Wort antis29 verwendet.

Die meisten Žemaiten, die das Wort pylė verwenden, besonders die jüngere Generation, kennen auch das litauische Wort ántis, das sie entsprechend den phonetischen und morphologischen Regeln ihrer Mundart aussprechen, das heißt, sie wandeln den litauischen Diphthong an in on um und verändern den Wortstamm: ọ·nte (Švėkšna, Alsėdžiai u. a.). Dieses Wort verwenden sie allerdings meist nicht im Gespräch untereinander, sondern mit Fremden, die eine der aukštaitischen Mundarten oder Litauisch sprechen. Etwas häufiger verwenden die Mundarten der Žemaiten um Alsėdžiai, Ylakiai und Kvėdarna das Wort ántė anstelle von pylė, nämlich jene, die nahe der Verbreitungsgrenze von pylė liegen. Dasselbe gilt für das Wort pýlinas: In den Gegenden von Švėkšna, Kvėdarna, Ylakiai, Židikai u. a. wird inzwischen häufiger das Wort gaigalas verwendet, obwohl man besonders von älteren Mundartsprechern noch pýlinas hören kann. Das Fleisch der anties (pylės) wird mancherorts in Žemaitija, wo die Ente selbst pyle heißt, inzwischen oft mit dem Wort ántiena bezeichnet. Zum Beispiel: ọ·ntienas sve-tė·ms devà·u (Mosėdis).

Außer in den žemaitischen Mundarten des Litauischen nennen auch die Letten diesen Vogel so: pīle. Mit den Worten von K. Būga: „Der Akzent zeige, dass die Žemaiten pylė von den Kuren kennengelernt hätten“³⁰. K. Būgas Behauptung, das Wort pylė sei von den Kuren übernommen worden, wird durch seine Verbreitung vollständig bestätigt (siehe Abb. 4). K. Būga³¹, J. Endzelynas³² und später E. Frenkelis³³ bringen dieses Wort mit pīle in den deutschen Mundarten Ostpreußens, dem bulgarischen пиле „Küken“, dem Serbokroatischen pile „dasselbe“, dem Sorbischen pilo „Entenküken“ u. a. in Verbindung. M. Fasmer stellt das lettische Wort pīle und das litauische (žemaitische) Wort pylė in Zusammenhang mit dem russischen Wort пилюк „Käuzchen“, dem ukrainischen пилюк „Aasgeier“, dem Serbokroatischen piljuga „Habicht“ u. a. und bekräftigt damit K. Būgas Ansicht³⁴, dass pylė möglicherweise onomatopoetischen Ursprungs ist³⁵.

Es gab Versuche, das žemaitische Wort pylė als Germanismus anzusehen. Der Vertreter dieser Theorie, K. Alminauskis³⁶, stützte sich auf die von F. Kurschat ungenau aufgezeichnete Form des Wortes, pýlė (obwohl in Alminauskis’ eigener Mundart pýlė verwendet wird!), und brachte sie ausschließlich mit dem regional begrenzt verwendeten deutschen Wort pile in Verbindung, ohne die Sprachbelege anderer Sprachen – insbesondere der ost- und südslawischen – überhaupt zu berücksichtigen. Andere Sprachwissenschaftler (K. Būga, J. Endzelynas, E. Frenkelis, M. Fasmeris) betrachten dieses Wort nicht als Germanismus.

Das pylė der žemaitischen Mundarten ist also ein altes, wahrscheinlich von den Kuren übernommenes und vermutlich onomatopoetisches Wort, das Entsprechungen in anderen indogermanischen Sprachen hat.

Pūrai. Die Žemaiten, die westlich von Pikelių, Sedos, Telšių, Žarėnų, Tverų, Kvėdarnos und Ž. Naumiesčio sowie nördlich von Šilutės und Rusnės leben, nennen Winterweizen (Triti-

27 Žr. H. Frischbier, Preussisches Wörterbuch..., II, Berlin, 1882, p. 143.

28 Žr. K. Donelaitis, „Metai“, Vilnius, 1955, p. 91.

29 Žr. J. Kabelka, Kristijono Donelaičio raštų leksika, Vilnius, 1964, p. 51.

30 Žr. K. Būga, Rinktiniai raštai, II (parengė Z. Zinkevičius), Vilnius, 1959, p. 300.

31 Min. veik., p. 514.

32 K. Mülenbacha Latviešu valodas vārdnīca. Rediģējis, papildinājis, turpinājis J. Endzelīns, II, Rīga, 1927–1929, p. 232.

33 E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, 1, Heidelberg, 1962, p. 589, 590.

34 K. Būga, min. veik., p. 300.

35 M. Vasmer, Russisches etymologisches Wörterbuch, II, Heidelberg, 1955, p. 357.

36 K. Alminauskis, Die Germanismen des Litauischen. Teil 1: Die deutschen Lehnwörter im Litauischen, Kaunas, p. 100.

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(cum hiemales) werden mit dem Wort pūrai (oder seltener pūrai) bezeichnet (siehe Abb. 5). Dieses Wort verwendeten die Schriftsteller S. Daukantas und M. Valančius. Das Wort pūrai findet sich auch in vielen Sammlungen volkstümlicher Überlieferungen: in S. Daukantas’ „Dainės Žemaičių“, in „Klaipėdiškių dainose“ u. a. Dieses Wort hat Sutkevičius in einem handschriftlichen litauisch-polnischen Wörterbuch, A. Juška sowie K. Jaunius in der „Lietuvių kalbos gramatikoje“37 aufgezeichnet; K. Būga38 hat es in seinen Schriften ausführlich behandelt, und J. Jablonskis nahm es 1916 in ein Glossar auf. Das Wort pūrai war auch F. Kurschat bekannt, doch aus der nicht ganz genauen Aufzeichnung (purai, -ų39) geht hervor, dass es in seinem eigenen Dialekt dieses Wort nicht gab

Abb. 5. Verwendung des Wortes pūrai in den litauischen Dialekten

Dieses Wort ist dort nicht vorhanden gewesen. Auch in neuere Wörterbücher wird es aufgenommen (z. B. in M. Nydermanos Wörterbuch, in das „Dabartinės lietuvių kalbos žodynas“ u. a.).

Gegenwärtig ist das Wort pūrai in den genannten žemaitischen Mundarten, obwohl es der älteren Generation noch gut in Erinnerung ist und häufig verwendet wird, bereits im Verschwinden begriffen. Besonders selten wird es noch in den Mundarten von Švėkšna, Žarėnai, Seda, Pikeliai und anderen gebraucht. Es verschwindet vermutlich deshalb, weil in denselben Mundarten, in denen das Wort pūrai verwendet wird, auch das Wort lebendig ist

37 Žr. K. Явнисъ, Грамматика литовскаго языка, Петроградъ, 1908—1916, p. 14.

38 Žr. K. Būga, Rinktiniai raštai, II (parengė Z. Zinkevičius), Vilnius, 1959, p. 388, 527.

39 F. Kurschat, Littauisch-deutsches Wörterbuch, Halle, 1883, p. 336.

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kviečiai, bedeutet „Sommerweizen“⁴⁰; außerdem haben in jüngster Zeit der Einfluss der litauischen Schriftsprache und die Wechselwirkung mit benachbarten Dialekten besonders zugenommen. Menschen, die aus anderen Gegenden Litauens in das Verbreitungsgebiet des Wortes pūrai gezogen sind, insbesondere Landwirtschaftsfachleute, verwenden dieses Wort überhaupt nicht und verstehen kaum, was es bedeutet. Beide Weizensorten bezeichnen sie mit einem Wort — kviečiai. Die Ortsansässigen beginnen sich nach und nach ihnen anzupassen, und in den genannten Mundarten setzt sich die Norm der litauischen Schriftsprache kviečiai durch.

In den Mundarten wird das Wort pūrai meist nach dem vierten Akzentparadigma betont, mancherorts jedoch auch nach dem zweiten — pūrai (Kvedarna, Klaipėda, Dorf Skliaustė in der Umgebung von Židikai u. a.). Ein solcher Wechsel der Akzentparadigmen ist im Litauischen häufig und ganz normal, zum Beispiel Schriftsprache und die meisten Mundarten kaulai, in einigen Gegenden, etwa in der Mundart von Kelmė, jedoch kaulai; Schriftsprache und die meisten Mundarten diržai, in Šakyna, Žagarė und anderswo hingegen diržai; Schriftsprache und die große Mehrheit der Mundarten pūodai, in Šakyna, Žagarė und anderswo hingegen puodai⁴¹; anstelle des in Alsėdžiai und Veiviržėnai gebräuchlichen Wortes kráuklai heißt es beispielsweise in der Mundart von Kvedarna krauklai usw. In Pikeliai und Židikai, also in Mundarten nahe der Verbreitungsgrenze des Wortes pūrai, wo dieses Wort bereits im Verschwinden begriffen ist und bisweilen vielleicht zufällig mit dem Wort pūras „Getreide-Gewichtsmaß“⁴² assoziiert wird, sagt man auch pūrai (neben pūrai). Eine solche sprachliche Erscheinung, die auf sehr kleinem Gebiet vorkommt, ist vermutlich neu; weitreichende Schlussfolgerungen lassen sich daraus wohl kaum ziehen⁴³.

In Liedern ist dieses Wort etwas weiter verbreitet. So findet es sich beispielsweise in A. Juškas „Lietuviškose dainose“. Aus stilistischen Gründen wurde das Wort auch in der 1930 erschienenen Übersetzung von Homers „Ilias“ verwendet (allerdings irrtümlich, offenbar mit kurzem Stammvokal). In der litauischen Schriftsprache hat es sich jedoch nicht eingebürgert und wird überall als eng begrenzter Dialektismus behandelt.

Wortbildungen zu pūrai gibt es nur wenige: Belegt ist lediglich das Wort pūrena (pūrienė) „Stelle, an der Winterweizen, pūrai, gewachsen war“. Es findet sich im handschriftlichen Teil von A. Juškas Wörterbuch sowie im Belegarchiv des großen „Lietuvių kalbos žodynas“, wo es aus den Gegenden um Alsėdžiai, Plungė und Švėkšna aufgezeichnet wurde.

Das Wort pūrai der žemaitischen Mundarten hat eine Entsprechung im Lettischen — pūri, seltener pūri⁴⁴ (der ia-Stamm entstand, wie vermutet wird, unter dem Einfluss von rudzi, kvieši⁴⁵), sowie Wörter derselben Wurzel im Altpreußischen⁴⁶. Das lettische pūri (pūri) ist nach dem Wörterbuch von Mühlenbachs und Endzelyns ein Dialektismus, der im westlichen Teil Lettlands, in den heutigen Bezirken Liepāja, Talsi, Aizpute, Tukums, Saldus und Kuldīga, verwendet wird. Der gebrochene Ton des lettischen Wortes pūri weist auf eine frühere Endbetonung hin; hinsichtlich der Betonung stimmte es demnach völlig mit dem žemaitischen pūrai überein. Etymologen stellen das lettische pūri und das litauische (žemaitische) pūrai zum altslawischen пы́во „Weizen, Hirse“ und zum serbokroatischen pir. „ein solches au-

⁴⁰ Plg. А. Сабаляускас, Относительно происхождения названий растений в балтийских языках, „Rakstu krājums veltījums akad. prof. dr. J. Endzelīnam…“, Rīga, 1959, p. 222.

⁴¹ Žr. A. Jonaitytė, Šakynos tarmės daiktavardžio kaita, „Lietuvių kalbotyros klausimai“, II, Vilnius, 1960, p. 99.

⁴² Žr. А. Сабаляускас, ten pat.

⁴³ Siehe S. Karaliūnas, Baltų ir slavų akcentuacijos klausimai (Rez.), „Lietuvių kalbos morfologinė sandara ir jos raida“, Vilnius, 1964, S. 235. Siehe ebenda auch die anhand nicht ganz genauer Aufzeichnungen umrissene Verbreitung der Form pūrai.

⁴⁴ Žr. K. Mühlenbacha Latvieu valodas vārdnīca. Rediģējis, papildinājis, turpinājis J. Endzelīns, III, Rīgā, 1927–1929, p. 449.

⁴⁵ Ebenda.

⁴⁶ Siehe А. Сабаляускас, a. a. O., S. 223.

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„Spelzen (Triticum spelta)“, tschechisch pýr „ein solches Unkraut (Agriopyrum repens)“, griechisch πυρός „Weizen“⁴⁷ usw. Da das žemaitische pūrai hinsichtlich seiner geografischen Verbreitung und der vollständigen Entsprechung der Anlautdiphthonge mit dem gleichlautenden lettischen Wort mit der Verbreitung anderer Wörter eindeutig kurischer Herkunft (z. B. cīrulis, pyle) übereinstimmt, ist es durchaus möglich und sehr plausibel, dass das žemaitische Wort pūrai (seltener pūrai ar pūrai) kurischer Herkunft ist und Entsprechungen in anderen indogermanischen Sprachen hat. Die kurische Herkunft des žemaitischen Wortes pūrai kann auch durch das Verbreitungsgebiet des lettischen Wortes pūri (pūri) bestätigt werden, das sich nahezu mit dem Gebiet der lettischen Dialekte deckt, in denen kurische Relikte vorkommen⁴⁸.

ZUM GEBRAUCH EINIGER ŽEMAITISCHER WÖRTER

В. ВИТКАУСКАС

Zusammenfassung

Der Artikel behandelt einzelne Wörter, die nur für einen Teil der žemaitischen Dialekte charakteristisch sind: cīrulis (cīrulys) „Lerche“ (lit. Standardsprache vieversys, vyturys), krūpis (krūpė, krūpiš, krūpė) „Kröte“ (lit. Standardsprache gīpūžė), kūlis „Stein“ (lit. Standardsprache akmuō), pylė (pylė) „Ente“ (lit. Standardsprache antis), pūrai (pūrai, pūrai) „Winterweizen“ (lit. Standardsprache kviečiai); untersucht werden die Bedeutungen dieser Wörter, ihre Varianten und davon abgeleitete Wörter. Die Karten zeigen die Verbreitungsgebiete dieser Wörter anhand des Materials aus den Karteien des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ der Akademie der Wissenschaften und des Atlas der litauischen Sprache sowie anhand der Aufzeichnungen des Verfassers dieses Artikels.

Auf der Grundlage der Analyse des gesamten gesammelten Materials werden folgende Schlussfolgerungen gezogen:

1. Cīrulis „Lerche“ ist ein Kuronismus (ein Relikt der Sprache des kurischen Stammes); das Wort ist lautmalerischen Ursprungs und hat Entsprechungen in anderen indogermanischen Sprachen. Es ist noch lebendig und in den betreffenden žemaitischen Dialekten häufig in Gebrauch.

2. Krūpis „Kröte“ ist ein gemeinsames Wort mit lettisch krupis „Kröte“ und altpreußisch crupeyle „Kröte“ und hat auch Entsprechungen in anderen indogermanischen Sprachen. Gebrauch und Verbreitung dieses žemaitischen Wortes sind bis heute nicht durch den Einfluss der standardsprachlichen Norm gīpūžė verändert worden.

3. Kūlis „Stein“, ein nur für einen Teil der žemaitischen Dialekte charakteristisches Wort, wurde möglicherweise einst auch in der Sprache des kurischen Stammes verwendet. Heute zeigt das Wort kūlis eine deutliche Tendenz zum Verschwinden – es wird bereits häufig durch das standardsprachliche akmuō ersetzt.

4. Pylė „Ente“ ist ein Kuronismus, wahrscheinlich lautmalerischen Ursprungs. Das Wort ist noch lebendig und häufig in Gebrauch, zeigt aber bereits eine leichte Tendenz zum Verschwinden – es wird allmählich durch das standardsprachliche antis verdrängt.

5. Pūrai „Winterweizen“ ist ein Kuronismus mit Entsprechungen in anderen indogermanischen Sprachen. Unter dem Einfluss der Standardsprache und anderer Dialekte, in denen dieses Wort nicht vorkommt, wird pūrai durch das standardsprachliche Wort kviečiai verdrängt; die ältere Generation der Dialektsprecher kennt es jedoch noch gut und verwendet es ziemlich häufig.

47 Siehe K. Mülenbachs Latviešu valodas vārdnīca, III, S. 449, 450; E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, 2, Heidelberg, 1962, S. 657.

48 Plg. latvių tarmių žemėlapi kn.: M. Rudzīte, Latviešu dialektoloģija, Rīga, 1964, p. 408.

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LIETUVIŲ KALBOS LEKSIKOS RAIDA

LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

ZUR LITERATURSPRACHLICHEN FORM EINIGER LEXIKALISCHER DIALEKTISMEN

J. KLIMAVIČIUS

Die Bestimmung der literatursprachlichen Form lexikalischer Dialektismen kann mitunter problematisch sein. In manchen Fällen reicht die Kenntnis der phonetischen Dialektgesetze möglicherweise nicht aus, weil sich auf ihrer Grundlage zwei oder drei Rekonstruktionen ergeben können. Dann helfen die Wortgeographie und die Etymologie weiter. Wir wollen dies anhand einiger besonders anschaulicher Beispiele illustrieren.

Im Gebiet der östlichen Dzūken ist die Bezeichnung für ein Gericht – einen grob zerstampften Kartoffelbrei – gebräuchlich, für das folgende dialektale Varianten vorkommen: ciulčienė Lkm (Gmž), Dglš, Vdš, Ml, Dkšt; ciulčienis Švnč, Prng, Ml; cilčienė Tvr, Dsn, Ml; cilčienis Tvr, Ad, Dglš, Plš, Švnč²; ciuncielius Prng; cinčielius Dkšt, Rš, Dglš; cincielis Dglš.

Wie sollten all diese Varianten in die Literatursprache übertragen werden?

Im zweiten Band des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ (Vilnius, 1947) sind als Stichwörter cilčienė Tvr, cilčienis (< tiltienis?) Dglš, cinčielius Rš, Dkšt, cincielis Dglš und čilčienis Švnč, Plš, čiulčienis Prng, Švnč, čiulčienė Lkm (Gmž), Dglš angesetzt. Im Zettelkasten des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ finden wir außerdem tiltienė Dsn (K. Būg), Ml, Švnč und tiltienis J. Balč (rekonstruiert aus cilčienis OG67 und OG365). Somit haben wir drei Arten der Übertragung: c ~ c, c ~ č und c ~ t³. Eine solche Dreifachheit ist unmöglich.

Zunächst ist die dritte Variante (c ~ t) unmöglich. Sie ließe sich aus Tvr, Ml, Švnč rekonstruieren, eine solche Rekonstruktion ist jedoch in dem Gebiet (Dglš, Plš, Dkšt, Rš, Vdš, Lkm, Prng) unmöglich, in dem es keine sogenannte zweite Dzūkisierung (c < t)⁴ gibt. Somit zeigt die Wortgeographie, dass die Formen tiltienė, tiltienis unmöglich sind.

Deutlich schwieriger ist die Frage, ob hier bei den Dzūken c zu č wird oder ob c beizubehalten ist. Zugleich müssen wir feststellen, wie die Varianten ciulčienė und cilčienė zueinander stehen,

¹ Im Artikel verwendete Abkürzungen des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“.

² Im Zettelkasten des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ befindet sich ein einzelner Belegzettel für cilčienio aus Marcinkonys. Durch einen Fehler ist dieses Wort (~ čilčienis) aus dem genannten Ort auch in den zweiten Band gelangt. Das ist unmöglich. Erstens kennen die anderen westlichen Dzūken dieses Wort nicht; sie verwenden grūdėlius~grūdėlius „grob zerstampfter Kartoffelbrei (manchmal mit Hanf- oder Mohnsamen)“ Mrc (Zervynos), Vrn, Knv, Dv, Lš, Lzd, Lp, Nč, Rod, Plš. Zweitens ist auch das andere im Satz verwendete Wort čiulė~čiulė für die westlichen Dzūken untypisch; sein Verbreitungsgebiet deckt sich mit dem des hier untersuchten ost-dzūkischen Gerichtnamens.

³ Selbst bei denselben Autoren wurden die Formen in manchen Fällen auf die eine, in anderen auf eine andere Weise rekonstruiert. Beispielsweise bei K. Būga: tiltienė Dsn und čiulčienė Lkm (Gmž), bei J. Balčikonis: cilčienis Tvr und tiltienis Tvr (OG67 und OG365).

⁴ Daher ist die Frage nach cilčienis (< tiltienis?) Dglš („Wörterbuch der litauischen Sprache“, II) unbegründet.

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