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LIETUVIŲ KALBOS GRAMATINĖ SANDARA LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

NOMINATIVSÄTZE

V. LABUTIS

§ 1. In Arbeiten zur Syntax der litauischen Sprache wird erst seit Kurzem über Nominativsätze gesprochen1. Nun besteht Anlass, Aufbau, Bedeutungen und Gebrauch dieser eigentümlichen litauischen Sätze eingehender zu untersuchen2.

§ 2. Nominativsätze sind eingliedrige Sätze, die aus dem Nominativ eines Substantivs oder eines substantivisch gebrauchten anderen Wortes (allein oder mit einer Bestimmung) bestehen und mit dem ausgesagt wird, dass ein Gegenstand oder eine Erscheinung vorhanden ist oder existiert; über ihn wird eine Aussage gemacht, eine Mitteilung gegeben oder auf ihn hingewiesen.

Nominativsätze unterscheiden sich durch spezifische Merkmale des Ausdrucks, des Inhalts und der Funktionen von den übrigen Sätzen. Es empfiehlt sich, diese Merkmale noch etwas eingehender zu betrachten.

1) Nominativsätze haben ebenso wie andere eingliedrige Sätze ein Hauptsatzglied, das im Allgemeinen weder mit dem Subjekt noch mit dem Prädikat eines zweigliedrigen Satzes übereinstimmt3.

1 Auch der Terminus „Nominativsätze“ hat sich im Litauischen noch nicht endgültig durchgesetzt; vgl. J. Žiugžda und P. Gailiūnas, Lietuvių kalbos gramatika, II, Sintaksė (Bandomasis vadovėlis), Kaunas, 1964, S. 53, wo von „Vardininkiniai Sätze“ die Rede ist, sowie J. Balkevičius, Dabartinės lietuvių kalbos sintaksė, Vilnius, 1963, S. 146 (dort gibt es ein Kapitel „Nominativsätze“). In Arbeiten zur Syntax der russischen Sprache kommt neben dem Terminus «номинативные предложения» auch der Terminus «назывные предложения» vor; vgl. А. Н. Гвоздев, Современный русский язык, II, Москва, 1958, S. 80.

2 Sowohl zum Begriff der Nominativsätze als auch zu ihrer Abgrenzung von zweigliedrigen Sätzen und Satzäquivalenten besteht in der allgemeinen Sprachwissenschaft keine einheitliche Auffassung. Besonders umstritten ist die Frage nach den syntaktischen Funktionen des Hauptwortes im Nominativsatz.

3 Das Hauptglied des Nominativsatzes wird inzwischen in zahlreichen Arbeiten zur Syntax des Russischen und anderer Sprachen weder mit dem Subjekt noch mit dem Prädikat eines zweigliedrigen Satzes in Verbindung gebracht, vgl.: Грамматика русского языка, т. II, Синтаксис, ч. II, изд-во АН СССР, Москва, 1960, S. 55; Н. С. Валгина, Д. Е. Розенталь, М. И. Фомина, В. В. Цапукевич, Современный русский язык, изд. 2-е, Москва, 1964, S. 346; В. И. Борковский, П. С. Кузнецов, Историческая грамматика русского языка, Москва, 1965, S. 429; Б. П. Ардентов, Номинативные предложения в современном русском языке, «Ученые записки Кишиневского государственного университета», т. 60 (филологический), Кишинев, 1959, S. 76; В. П. Шутова, Семантические типы номинативных предложений в современном русском языке, «Ученые записки Саратовского государственного педагогического института», вып. 17, Саратов, 1955, S. 258—259; Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika, II, Sintakse, Rīgā, 1962, S. 479, 488, Daug kas tie vardi-

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Herbst. Und was sollte schon noch kommen, wenn der grüne Sommer vergangen ist. MontvR I 134. Abend. Die Sonne steht ungefähr eine gute Spanne über der Erde. SimonNTP 164.

Manchmal erinnert das Hauptglied eines nominativischen Satzes an das Subjekt eines zweigliedrigen Satzes (a) oder an ein nominales Prädikat (b) (dazu vgl. § 3 dieses Paragraphen).

a) Man muss schnell und laut antworten, damit auch ein Tauber es hört. Vorname, Nachname jedes Einzelnen. Familiäre Kleinigkeiten. Adresse … SruogDM 50. O Wälder, Wälder!.. Wie schön, sich zu erinnern... MairRR I 56.

b) — Andrius Varnelis? — fragte der Redakteur. — Ja, — antwortete der Junge fröhlich... VencIGD 278.

In den ersten Sätzen (a) stehen die Nominative zwar in Beziehung zum Prädikat des benachbarten Satzes, werden aber mit einer eigenen, abgeschlossenen Intonation ausgesprochen; mit ihnen soll vor allem der Gegenstand benannt werden.

Im anderen Fall (b) wird im Nominativ die Bezeichnung eines Gegenstands (einer Person) genannt und zugleich nach dem gefragt, was sich aus der Situation oder dem Kontext erschließen lässt. Durch dieses letztere Merkmal steht der Nominativ dem nominalen Prädikat nahe. Doch auch hier hat er nicht die Intonation eines einzelnen Satzglieds, sondern die eines ganzen Satzes.

Im Hinblick auf den nominativischen Satz haben die Worte A. Sachmatovs nichts an Bedeutung verloren, wonach „das Hauptglied eines eingliedrigen Satzes formal entweder mit einem Subjekt oder mit einem Prädikat verglichen werden kann; man darf jedoch natürlich nicht vergessen, dass ein solches ‚Prädikat‘ sich vom Prädikat eines zweigliedrigen Satzes dadurch unterscheidet, dass es sowohl die Vorstellung eines Prädikats als auch die eines Subjekts hervorruft“4. Das Hauptglied eines nominativischen Satzes kann also nur relativ mit einem Subjekt oder einem Prädikat verglichen werden5.

2) Das Hauptglied eines nominativischen Satzes wird durch den Nominativ eines Substantivs oder eines substantivisch gebrauchten anderen Wortes (Numerale, Pronomen) gebildet. Dadurch unterscheiden sich diese Sätze von unvollständigen Sätzen, die aus anderen Kasus des Substantivs bestehen. (In einem bestimmten Kontext kann jeder Substantivkasus als eigenständiger unvollständiger Satz auftreten.)

3) Für das Hauptglied eines nominativischen Satzes ist eine nominative Funktion kennzeichnend: Durch dieses wird ein Gegenstand oder eine Erscheinung bezeichnet und benannt.

Den Nominativ haben manche als Prädikat aufgefasst, vgl. z. B. A. M. Пешковский, Русский синтаксис в научном освещении, изд. 7-ое, Москва, 1956; manchmal wird er auch einfach als Subjekt bezeichnet, vgl. A. Г. Руднев, Синтаксис современного русского языка, Москва, 1963, p. 44. In Arbeiten zur Syntax der litauischen Sprache wird das Hauptwort des nominativischen Satzes mitunter ebenfalls als Subjekt aufgefasst, siehe J. Žiugžda und P. Gailiūnas, a. a. O., p. 53.

4 А. А. Шахматов, Синтаксис русского языка, изд. 2, Ленинград, Учпедгиз, 1941, p. 30.

5 Obwohl sie den eingliedrigen Charakter des nominativischen Satzes anerkennen, betrachten manche Sprachwissenschaftler sein Hauptglied dennoch in einigen Fällen als Subjekt, in anderen als Prädikat; siehe E. М. Галкина-Федорук, К. В. Горшкова, Н. М. Шанский, Современный русский язык, Синтаксис, Москва, 1958, p. 127. Auch in Arbeiten zur Syntax der litauischen Sprache wird die Funktion des Hauptglieds eines nominativischen Satzes mitunter differenziert; vgl. J. Balkevičius, a. a. O., p. 148—149.

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Dieser Satz hat diese Funktion nicht, wenn der ihn bildende Substantivnominativ durch eine klare Subjekt- oder nominale Prädikatsbeziehung mit den entsprechenden Teilen des vorhergehenden Satzes verbunden ist (vgl. § 1 dieses Abschnitts).

Und wer wird euch dieses Land geben? Der Herr? Und wofür sollte der Herr euch Land geben? Myk-PutS I 43. Du, das ist etwas anderes. Du bist der Herr. Ein großer Mann. VaičiūnD 39. Und dann war Nacht. Eine dunkle, kalte Winternacht. SimonOBT 7.

Das sind eigentümliche unvollständige Sätze. Sie unterscheiden sich von den nominativischen Sätzen auch durch ihre Intonation.

4) Das Hauptglied eines nominativischen Satzes kann Attribute haben. In diesen Sätzen ist es jedoch stets wichtig, das bloße Vorhandensein eines Gegenstands oder einer Erscheinung hervorzuheben und nicht dessen Merkmal in den Vordergrund zu stellen. Sätze mit ähnlicher Struktur, in denen Merkmale eines Gegenstands hervorgehoben werden, sind keine nominativischen, sondern zweigliedrige Sätze, denn darin steht das Wort, das das Merkmal bezeichnet, als Prädikat, während der Substantivnominativ das Subjekt bildet.

Nominativische Sätze:

Ausgewählte, leichte Snacks, Süßigkeiten, Liköre, starker schwarzer Kaffee. Irena ließ sich zunächst die Snacks schmecken... VaižgRR II 93. Später Nachmittag. Der Wind peitscht Fetzen von Wolken dahin, durch die die Sonne immer wärmer hervorlugt. AvyžŽLŽ 59.

Zweigliedrige Sätze:

Ein verrückter Tag! Marta Kareivienė konnte ihn nicht anders nennen. VenclGD 28. „Neue Bäume, neue Holzfäller“, sagte Antanas Cinokas. ŽemR II 70.

Manchmal kann ein Attribut, das einen nominativischen Satz erweitert, einen Bedeutungsnuance einer Adverbialbestimmung oder eines Objekts haben (a); eindeutige Wörter der Prädikatsgruppe (Objekte oder Adverbialbestimmungen) dürfen hier jedoch nicht stehen, da sie die nominativische Funktion des Satzes überlagern (b).

a) Der Park. Der Fluss. Blumen auf der Wiese. Die Studentenzeit... Wein, ein Mann und seine Freunde brachten Adėlės Gleichgewicht durcheinander. TilvR II 112. Hier, in diesem Heft, ist seine ganze Größe zusammengetragen. Einige gedruckte Zeilen über den Erfolg der Aussaat. Das ist der erste Tropfen, der in den Kelch des Hochmuts fiel, der damals noch leer war. Korrespondenz über Mais. Das ist der zweite Tropfen, den er damals süß hinunterschluckte... AvyžŽLŽ 226.

b) Im Wäldchen herrscht friedliche Stille. Hier und da lässt ein aufgeschrecktes Eichhörnchen, das ins Dickicht springt, die Zweige rascheln. ŽemR II 323. Es ist fast Mittag, die Sonne wandert nach Süden. KrèvAP 72. „Hier ist ein Brief für dich“, sagte der Förster. ŽemR II 334.

Die letztgenannten Sätze (b) sind keine nominativischen Sätze, auch wenn sie ihnen ein wenig ähneln.

5) Die nominativische Satzfunktion verlangt nicht, die Zeit des bezeichneten Gegenstands oder der Erscheinung ausdrücklich anzugeben; der Inhalt eines solchen Satzes bezieht sich jedoch gewöhnlich auf die Gegenwart. Werden hier Bezeichnungen vergangener oder zukünftiger Gegenstände (Erscheinungen) festgestellt, nimmt der Sprechende sie so wahr, als seien sie gegenwärtig.

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Abend. Die Natur kommt immer mehr zur Ruhe. Die Herde keucht. TPrg III 123. In die Hauptstadt – ja, in die Hauptstadt! Auch dort werde ich schöne Vergnügungen finden. Theater, Bücher, Konzerte, Gesellschaften! VaičiūnD 230. Petras dachte, nachdem er die Papiere zusammengelegt hatte... Bier, Kuchen, Schnaps... Ich habe gekauft, das Geld ist bezahlt. ŽemR I 181.

Nominativsätze müssen also anhand des gesamten Komplexes ihrer Struktur, ihres Inhalts und ihrer Funktionen unterschieden werden. Würde man nur auf ihre formale Ausdrucksweise (den Nominativ) achten, ließe sich oft keine Grenze zwischen Nominativsätzen und unvollständigen Sätzen finden, die ebenfalls allein aus einem Substantiv im Nominativ bestehen können6.

Ob ein Satz ein Nominativsatz ist oder nicht, wird oft erst aus einem breiteren Kontext oder der Situation, aus dem Sprechrhythmus und der Satzintonation deutlich (vgl. § 8).

§ 3. Unter strukturellem Gesichtspunkt unterscheidet man einfache und erweiterte Nominativsätze.

Ein einfacher Nominativsatz enthält nur ein Hauptglied, allein oder mit bestimmten unselbstständigen Wörtern (siehe § 4). Als erweitert gilt ein Nominativsatz, dessen Hauptglied eine oder mehrere Beifügungen aufweist (siehe § 5).

Einfache Nominativsätze

§ 4. Hauptglied des einfachen Nominativsatzes ist meist ein Substantiv und nur gelegentlich ein substantivisch gebrauchtes Numerale oder Pronomen. An das Hauptglied eines Nominativsatzes können sich manchmal noch bestimmte Partikeln, Konjunktionen oder Interjektionen anlehnen. Außerdem kann ein Nominativsatz auch Wörter enthalten, die nicht mit seinem Hauptglied verbunden sind – eine Anrede oder Einschubwörter.

Frühlingszeit. Überall ist es schön und ruhig. ŽemR I 131. Jaunmiestas! Lauf schneller! O weh, wie schön! CvR II 24. Wieder ein Tag. Ein goldener Morgen. Peters Kopf ist fortgerollt. TilvR II 169. Doch der Fremde blieb nicht sitzen, sondern eilte immer weiter voraus und zeigte sich umblickend den Weg. Da ist auch schon die Hütte. VienR I 336. Ein See, wie herrlich! In ihm quaken die Frösche ihre eigentümlichen Lieder. SimonAŠL 91. Im Mund ein widerlicher Geschmack, die Ohren sausen. Müdigkeit. Oder vielleicht Krankheit? AvyŽLŽL 104. Ein Blick durchs Fenster – da ist ja ein Feuer! LKŽ III 281. Das ist ein kleiner Quell! Na, was ist, ihr Kleinen, setzt euch der Schuh zu? BalčAP 271. Oder Nägel... Das sind ja keine besonders tollen Nägel! Meine sind auch nicht schlechter. KrėvP 251. Ach, die Kunst, die Kunst! Verflucht sei sie, wenn sie nicht aus der Knechtschaft fährt! SruogR III 13. Der Wind, o der Wind! Wind und immer wieder Wind! SNėrP1 52. Ein aufmerksamer Mensch hätte von der Seite aus vieles beobachten und Unterschiede zwischen Rimas und Nerimas bemerken können... Vor allem das Aussehen. VaižgRR II 11. Die Tante, versteht sich, ist im Dienst... Wer hätte das gedacht, einfach abhauen kann man nicht. ŽemR I 118.

6 Nominativsätze könnte man allein anhand des Nominativs allenfalls dann abgrenzen, wenn unmittelbar daneben auch Sätze abgegrenzt würden, die durch den Genitiv, den Akkusativ und andere Kasus ausgedrückt sind; vgl. Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika, II, p. 485.

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Denk nur, einen so reichen Mann zu bekommen! Dreitausend!

SimonNTP 351. — Fünf, zehn, fünfzehn, zwanzig... las sie und zählte Hunderte gebündelter Zettel LzPR VII 64.

Da sind wir, eure Diener! Was befiehlt Eure Gnaden? DonM 16.

Ein nominativischer Satz, in dem beim Hauptglied eine Partikel steht, ist häufig einem zweigliedrigen Satz ähnlich, denn die Partikel (zum Beispiel wieder, schon, aure...) bringt eine modale Färbung des Geschehens oder eine andere logische, modale oder emotionale Nuance zum Ausdruck, die die nominativische Funktion des Satzes abschwächt. Wird die Partikel im Satz besonders hervorgehoben, ist der Satz nicht als nominativisch anzusehen.

Dieser, der eben hinter dem Wacholder hervorgelaufen ist, sagt: — Da ist ein Hirte! DaukŽP 47. Da, nimm Brot! Užv. (Den logischen Akzent des Satzes tragen štai, antai).

Aus den oben angeführten Beispielen geht hervor, dass das Hauptglied eines nominativischen Satzes wiederholt werden kann. Es gibt nicht erweiterte nominativische Sätze mit mehreren gleichrangigen Hauptgliedern.

Lichtungen, Dickichte, Hügel. SruogDM 17. Zaun, Gartentor, Schwelle, Vorraum... Noch zögert sie ein wenig — gehen oder nicht gehen? TilvR II 219. Es ergab sich, dass er wegen Bankangelegenheiten nach Vilnius fahren musste. Wind, Schneeregen. Nicht einmal einen Hund würde man hinausjagen. VaižgRR II 66.

Erweiterte Nominalsätze

§ 5. Das Hauptglied eines nominativischen Satzes kann ein ihm untergeordnetes selbstständiges Wort bei sich haben – ein kongruierendes oder nicht kongruierendes Attribut (oder beide zugleich). Als kongruierendes Attribut tritt meist ein Adjektiv auf, es kann aber auch ein Partizip, Pronomen, Zahlwort oder Substantiv (Apposition) sein.

Schwarze Nacht. Der Himmel ist in dichten Nebel gehüllt. ŽemR I 102. Unterwegs freut sich Zosikė über die schnelle Fahrt; es schien, als flöge sie geradewegs zum Himmel. Ständig neue Eindrücke, neue Menschen, allerlei Gespräche, die sie meist nicht verstand. ŽemR II 17. Das Dreschen selbst. Man müsste die Brigaden abgehen. AvyžŽLŽ 199. In den Zeitungszeilen steht: 1944. In diesen Tagen wird die Textilfabrik „Nemunas“ in Sodeliai ihre Arbeit aufnehmen. T 1964 208. Ein unerwarteter Schlag. Schwer. Die Erregung und der Kummer der Eltern sind verständlich. T 1964 177. Ach, diese armen kleinen Hirten! Für sie gibt es weder Regen noch Sonnenschein... ŽemR I 106—107.

Als nicht kongruierendes Attribut zum Hauptwort eines nominativischen Satzes können auftreten: a) der Genitiv, b) andere Kasus und c) Präpositionalgruppen.

a) Ende März. In der Nacht hat es ordentlich gefroren. SruogDM 121. Schornsteine der Fabriken! Einst erschienen sie mir wie Gespenster. Das Land der Väter... In Gedanken schweift mancher Litauer, von ihm getrennt, zu ihm zurück. T 1964 184.

b) Herbst in Paris. Nässe. Auf den Boulevards ist es hell. SNėnP₁ 177. Das Neunte Fort in Kaunas. In seinem Museum, unter vielen anderen, hier

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Fotos von Kämpfern, die im Gefängnis gesessen hatten; aus einer blicken uns mutige, offene Augen aus einem Arbeitergesicht entgegen. T 1964 208.

c) Bald verhandelte Jonas mit diesem Mann. Eine Klage vor Gericht. Jonas schrieb nicht für weniger als einen Rubel, der Mann aber bot einen halben Rubel. ŽemR II 301. Ein Platz bei einer alten preußischen Burg. Irgendwo in der Ferne donnert ein litauischer Zug. Mantas tritt ein. GrušHM 9. Irgendein verdächtiges Getöse. Beschleunigtes Atmen zweier Männer. Wütendes Schnaufen durch die Zähne. SruogDM 43.

Der Nominativsatz wird häufig zugleich durch ein kongruierendes und ein nicht kongruierendes Attribut erweitert.

Eine taube Herbstnacht. CvR₁ I 39. Ein heißer Sommermittag. Ich setzte den Bogen instand. Ich nahm den Bogen und gehe in den kleinen Wald. MašlAMB 202. Eine kalte Sphinx aus Granit! Sie einmal sehen und bis zum Morgen lieben und kein Wort sprechen. SNėrP 82. Ein stiller, leichter Tag am Ende der Kämpfe. Der die Felder bedeckende Schnee ist schwarz geworden, matschig und vielleicht der letzte. CvR₁ I 352.

Gesondert zu erwähnen sind erweiterte Nominativsätze, die aus einem Kardinalzahlwort und dem Genitiv eines Substantivs bestehen.

— Drei Jahrzehnte … flüsterte Janulis … VienR I 140. Komm eines Tages bei mir vorbei. Heute Morgen habe ich die Prämie bekommen. Hundertfünfzig Kilogramm Weizen wie Gold AvyžLŽ 166.

Attribute, die den Nominativsatz erweitern, können ihrerseits erläuternde, vergleichende oder andere ihnen angeschlossene selbstständige Wörter enthalten. So entstehen recht komplexe erweiterte Nominativsätze.

Punkt 16 Uhr. Das Wichtigste ist, rechtzeitig auszuladen. T 1964 208. Jeden Tag habe ich die Sonne und Lieder der Sehnsucht, jeden Tag sammle ich für dich wilde Blumen. Der Himmel und die Jugend, ein atmendes Meer. Nur dich, nur dich finde ich dort nicht. SNėrP 40. Gailiūnas’ Skizze hieß „Aussaat“. Ein weites, frisch umgepflügtes Feld und ein patriarchalischer Sämann, der über die ganze zwei Meter breite Leinwand schreitet. Die Sonne, der klare Himmel und die roten Dächer der Höfe in der Ferne. MarcinkPKJ 31.

Das den Nominativsatz erweiternde Attribut steht meist vor dem Hauptglied und nur selten danach.

Hundertjährige Fichten, aus schwarzem Stein gehauen. Und durch die Dunkelheit der Bäume schneidet ein weißes Birkensöhnchen. Trš. Und vor den Augen zieht ein Bild aus der gar nicht so fernen Vergangenheit vorbei: da ist eine Hütte, aus Lehm gebaut, mit Stroh gedeckt. SimonAŠL 10.

Ein Wort, das ein Merkmal oder einen Zustand bezeichnet und nach dem Substantiv im Nominativ steht, erfüllt viel häufiger die Funktion eines nominalen Prädikatsteils; der ganze Satz ist dann kein Nominativsatz, sondern ein zweigliedriger Satz. Übrigens ist der Satz, wie erwähnt (vgl. § 1), wenn das Merkmal oder den Zustand bezeichnende Wort hervorgehoben wird, mitunter kein Nominativsatz, sondern ein zweigliedriger Satz, selbst wenn dieses Wort vor dem Substantiv im Nominativ steht.

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Ein herrlicher Morgen. Ein schöner, warmer Tag ist angebrochen. ŽemR II 328. Kurze, aber auch unangenehme Herbsttage. Der Himmel ist bewölkt, es regnet fast ununterbrochen. MašIAMB 187. Dicke Hemden, aber die eigenen. PP 131.

Obwohl also für den erweiterten Nominativsatz bestimmte Tendenzen der Wortstellung charakteristisch sind, lässt sich doch nicht allein anhand der Wortstellung entscheiden, wann ein Satz ein Nominativsatz ist.

§ 6. Nominativsätze können nicht nur einzelne, selbstständige syntaktische Einheiten, sondern auch Glieder zusammengesetzter Sätze sein.

In einem Satzgefüge wird der Nominativsatz sowohl als Haupt- als auch als Nebensatz recht selten verwendet. Etwas häufiger tritt der Nominativsatz nur als Hauptsatz auf, an den ein Nebensatz mit dem Wort der angeschlossen ist.

Bilder vergangener Tage steigen in meiner Erinnerung auf. Menschen, ihre nur flüchtig gesehenen Gesichter, die Häuser der Städte schauen mit erloschenen, doch sehenden Augen in die Nacht des einundvierzigsten Jahres und erwarten den Angriff, und der Staub der Wege nach Smolensk, den Tausende an ihren Wimpern mit sich trugen... CvR I 394. Selbst der Sonne wird traurig zumute, wenn sie aus den grenzenlosen Höhen hinabblickt: Stoppelfelder und Stoppelfelder, die von Tag zu Tag grauer und schwärzer werden. SimonaASL 178.

Da wird geworfelt, da wird geharkt, weil man ein Bastschuh im Brot gefunden hat! PP 425. Wenn es einen Aufstand gibt, dann lassen wir auch Skrodski aufspringen... Myk-PutS I 116. Wenn sommerliche Gluthitze herrscht — Mückenschwärme. LKŽ V 82.

Viel häufiger wird der Nominativsatz mit einem anderen Satz durch nebenordnende Konjunktionen und, oder, aber, jedoch verbunden oder allein durch Intonation und Bedeutung — ohne Konjunktionen.

Eine Tür, eine andere: der Korridor, der Hof, eine Tür — und schon bin ich im unterirdischen Reich. SruogDM 29. Das Land dort ist zwar etwas schlechter, dafür gibt es aber mehr davon. Außerdem Weideland, Wald, und bei gutem Verhältnis zum Herrn werden sie auch reichlich Brennholz bekommen und Wiesen mähen können... Myk-PutS I 524.

Ein schattiges Plätzchen, Blättchen rascheln, Vögelchen zwitschern — was braucht man noch, was braucht man noch!.. GriCLG 153. Wir müssen uns diesen Ort genau ansehen. Ein Stein... auf der anderen Seite ein Hügel... dazwischen eine Vertiefung. AvyžŽLŽ 315. Jetzt ist es bei uns so schön: Sonne, alles ist grün geworden. VaičiūnD 246. Bei diesem Gedanken blitzte es mir durch den Kopf: Vater. Ich muss mit Vater sprechen. MarcinkPKJ 14.

In den zuletzt angeführten asyndetischen Sätzen wird zwischen dem als Satzglied eines zusammengesetzten Satzes auftretenden Nominativsatz und dem anderen Satzglied gewöhnlich eine betonte Pause gemacht; die Intonation ändert sich. Deshalb ist der Nominativ des Substantivs hier kein gewöhnliches Subjekt (oder Prädikat) des unmittelbar angrenzenden Satzes, sondern ein neues Prädikationszentrum — das Hauptglied des Nominativsatzes. Ihrer Bedeutung nach unterscheiden sich Nominativsätze, die Satzglieder zusammengesetzter Sätze sind, nicht von selbstständigen Nominativsätzen; daher kann man ihre Bedeutungen gemeinsam behandeln.

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Einteilung der Nominativsätze nach Funktion und Inhalt

§ 7. In allen Nominativsätzen wird ein Gegenstand oder eine Erscheinung benannt, doch sind die Funktionen dieser Sätze, ihre Aufgabe in der Sprache, nicht völlig gleich: In manchen wird ein Gegenstand oder eine Erscheinung als gegenwärtig seiend festgestellt (oder zumindest als gegenwärtig vorgestellt oder erinnert), in anderen wird über das Auftreten oder Entstehen eines Gegenstands oder einer Erscheinung berichtet, auf ihn hingewiesen und er vorgestellt; in wieder anderen wird ein Gegenstand oder eine Erscheinung nicht nur festgestellt, sondern zugleich auch emotional bewertet. Die Funktion und die Aufgabe des Nominativsatzes in der Sprache bestimmen seine Intonation und damit auch die Art seines Inhalts. All dies wird durch den Sprachstil, die Situation und den Kontext deutlich.

Nach ihrer Funktion und Aufgabe in der Sprache lassen sich drei Gruppen von Nominativsätzen unterscheiden: 1) existenzielle, also das Vorhandensein eines Gegenstands oder einer Erscheinung feststellende, 2) mit betonter kommunikativer Funktion und 3) emotionale oder wertende. Natürlich gibt es zwischen diesen Gruppen keine strengen Grenzen. Außerdem gibt es in jeder Gruppe Sätze mit recht unterschiedlichem Inhalt.

Alle Nominativsätze können mit feststellender, fragender oder ausrufender Intonation gesprochen werden; Sätze der einen semantisch-funktionalen Gruppe weisen jedoch eher eine bestimmte modale und emotionale Färbung auf, während die der anderen Gruppe eine andere haben. So sind die sogenannten wertenden Nominativsätze beispielsweise fast immer Ausrufesätze (siehe § 16).

1. Existenzielle, also das Vorhandensein eines Gegenstands oder einer Erscheinung feststellende Sätze

§ 8. Am gebräuchlichsten und deutlichsten sind existenzielle, also das Vorhandensein eines Gegenstands oder einer Erscheinung feststellende Sätze. Sie werden in Beschreibungen oder Erzählungen verwendet, um ein statisches, verdichtetes Bild oder eine Situation auszudrücken. Für Nominativsätze dieser Art ist meist eine ruhige, feststellende Intonation mit deutlichen Pausen kennzeichnend, die sie vom Kontext abheben. Existenzielle Sätze können auch Ausrufesätze und gelegentlich Fragesätze sein.

Nach der Art des Inhalts lassen sich drei Gruppen existenzieller Nominativsätze unterscheiden: a) das Auftreten von Naturerscheinungen feststellende, b) das Vorhandensein von Gegenständen feststellende und c) Vorstellungen und Erinnerungen ausdrückende.

a) Mit Sätzen, die Naturerscheinungen feststellen, werden meist die allgemeine Situation und die Umstände (insbesondere die Zeit) angegeben.

Herbst. Wir stehen auf dem Wall der Festung und blicken weit hinaus auf die blauen Weiten des Meeres. BalčAP 119. Tiefe Nacht, und ich werde immer unruhiger, ich warte auf dich. SNėrP1 105. Acht Uhr abends. Die Maschine pfiff – die Arbeit des Tages war zu Ende. PaukštK 197. Getreideernte. Eine schreckliche Hitze quält Menschen und Tiere. SimonASL 29. Der weite Frühlingshimmel! Die Felder lachen mit Blumen! Und wir fliegen durchs Fenster der Welt – Kinder freier Wirbelwinde! SNėrP1 58. Tauwetter. Schnee liegt eine halbe Fußhöhe hoch, weiß und weich. MašiAMB 168. Er setzt die Kabine voll mit Leuten und fährt über den Hof. Lärm, Fröhlichkeit, und Kampaitis lächelt und springt. DovPK 202.

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Sätze, die Umstände oder eine Situation beschreiben, dienen meist gleichsam als Einleitung zu einer anschließenden Erzählung und stehen daher gewöhnlich am Anfang der Erzählung. Nur gelegentlich werden solche Sätze zwischen andere Sätze eingeschoben oder gleichsam als Schlussfolgerung, als Zusammenfassung des zuvor Gesagten, geäußert.

Dieser Herbst ging vorüber. Winter. Und schon ein weiterer Frühling. CvR1 II 317. Du gehst ungehindert in die Burg des Feindes und kehrst wieder zurück. Kriegszeit. Die Burg ist umzingelt. Du meldest uns, dass der Befehlshaber in der Burg ist, doch der Befehlshaber ist frei. GrūšHM 71. Dann fingen sie auf einmal an, mit der Schwester zu lachen: morgens, noch zu Hause, hatte der Hahn gekräht, und wir zwei hatten uns vor den Toten gefürchtet! BiIR I 172. Ein neuer Windstoß rauschte auf, Wasser tropfte von den Bäumen. Und wieder Stille, eine taube, unruhige Stille des Waldes. BaltPV I 85. Aus dem Garten und dem Park dringen mit den Windstößen seltsame Pfeif-, Raschel- und Heullaute herüber. Eine unheimliche Nacht. Myk-PutS I 149.

b) In feststellenden Ding-Nominativsätzen wird nur selten der Name eines einzelnen Dinges genannt; meist werden in einem solchen Satz mehrere Dinge aufgezählt, oder Sätze, die einzelne Dinge feststellen, bilden eine ganze Reihe von Nominativsätzen. Solche Nominativsätze sind besonders für Regieanweisungen in Dramen charakteristisch, werden aber auch sonst in Beschreibungen verwendet. Auch sie stehen meist am Anfang eines Kontextes oder einer Situation, können jedoch bei Bedarf in die Mitte des Kontextes eingeschoben oder am Satzende als eine Art Erklärung, Ergebnis oder Charakterisierung von etwas geäußert werden.

Ein Dorf zwischen Joniškis und Žagarė. Das Gehöft der Paugas abseits der Straße. SruogAD 51. Ein Klassenzimmer. Morgen. Die Schüler versammeln sich. BinkA 51. Die Glocke. Mittagessen. Jetzt schnell in die Abteilung – die Kinder füttern. SimonNTP 24. Ein schönes Flussufer. Hänge. Die Venta. Nachtigallen. Kiebitze. Und Sonne, Sonne! TPrg II 112. Mikas reitet langsam, nur wenn der Hausherr ihn begleitet. Hinter den Steilhängen lässt er Armen und Beinen freien Lauf. Im Galopp. Staub. Ein ganzes Dorf mit Frauen, Vieh usw. zieht vorbei. CvR1 I 105. Das Telefon klingelt. Eine kurze, präzise Antwort, eine Notiz aus wenigen Worten, mit geübter Hand wird der Griff gedreht... All dies zeigt, dass das Aggregat nun nicht mehr von Anfängern, sondern von erfahrenen Energetikern bedient wird... T 1964 212. Später knarrte die Tür wieder. Schritte. CvR1 I 119. Ich fahre vorübergehend weg. Geschäfte. GricLG 224. In diesem Augenblick trifft eine Bombe die Brücke. Eine ohrenbetäubende Explosion. DovPK 259. Ich habe zwar nur Vilnius und die Straße bis Kaunas gesehen. Grüne Felder, Bäche, noch grüner als die Felder die Wälder und kleine Hügel... VencIGD 246.

Nominativsätze dieser Art werden nicht nur zur Beschreibung statischer Ansichten oder Situationen verwendet, sondern auch, um ein plötzlich auftauchendes oder erkanntes Ding festzustellen.

Er war gerade auf die Straße eingebogen, als er unerwartet ein quer über den Fluss gespanntes Seil bemerkte. Eine Fähre... AvyžŽLŽ 76. Alyzas betrachtete benommen dieses Geld, als könne er seinen Augen nicht trauen. Und plötzlich spuckte er aus. – Deutscher Schrott. BaltPV I 245. – Tatsächlich, Onkel! – rief er überrascht und erfreut

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Petras. Myk-PutS I 55. Und wie groß war meine Freude, als ich in der Dämmerung plötzlich eine Waldlichtung auftauchen sah. Eine Lichtung! Eine Lichtung! BaltPV I 86. Gäste aus Soka(i)čiai!... und so unerwartet!... MairRR II 26. Sie schaute mit einem Auge durch den Spalt – und da: ein Kalb! CvR I 125. Da sind sie ja: Alleen, Gebäude, Rasenflächen. LzPR VII 236. Eine bekannte Stimme erklingt hinter Mastaitis. Mastaitis dreht sich um. Reiter! Gud-GuzB I 265.

Solche Nominativsätze haben keine eindeutige kommunikative Funktion: Der Sprecher äußert die darin ausgedrückte Feststellung gleichsam zu sich selbst. Mit ihrer Ausrufintonation drücken sie gewöhnlich auch das Erstaunen über ein plötzlich erkanntes Ding oder andere emotionale Nuancen aus (vgl. § 10). Als Fragen gesprochen, zeigen solche Nominativsätze meist Zweifel oder eine unsichere Behauptung an, dass es sich um dieses und nicht um ein anderes Ding oder Phänomen handelt.

– Ein Konzentrationslager?! – wir beugten uns vor lauter Staunen ganz nach vorn. SruogDM 47. Ein Aberglaube? Soll es eben ein Aberglaube sein, soll es. SimonVK II 109. Die Klänge der Muttersprache erklangen so ungewohnt in meinen Ohren und weckten eine solche Sehnsucht, dass ich gar nicht bemerkte, wie ich mich durch die Soldatengruppe drängte, einen von ihnen ansprach und einen am Ellbogen packte: – Litauer? CvR III 256. Ein Brief? Für mich? BinkA 119.

Als besondere Ding-feststellende Nominativsätze mit fragendem und erstauntem Unterton kann der wiederholte Nominativ eines Substantivs (Pronomens oder Zahlworts) aus dem vorhergehenden Satz auftreten.

...Sieh nur, Feenhaare fliegen umher. – Das sind Spinnweben, die gutes Wetter ankündigen. Spinnweben? Woher gibt es hier so viele? KrevAP 143. (Marytė)... Und wo ist Mutti? (Jonukas) Mutti? Sie ist in den Stall gegangen. BaltR II 22. – Sogar die halbwüchsigen Knechte bitten darum, zur Arbeit zu gehen. – Halbwüchsige Knechte? Was soll ich denn mit ihnen anfangen? VaižgRR II 119. – Kommst du gleich nach Hause? – Ich?.. Nicht gleich... VienR V 56.

Fasste man einen solchen Satz lediglich als gewöhnliche Wiederholung des Subjekts oder des nominalen Prädikats des vorhergehenden Satzes auf, wäre er natürlich ein unvollständiger zweiteiliger Satz. Diese Wiederholungen sind jedoch Äußerungen eines anderen Gesprächsteilnehmers, mit denen die Bezeichnung des zuvor vom Sprecher erwähnten Dinges aufgegriffen wird. Die Absonderung des für sich stehenden Nominativs als eigenständiger Satz zeigt sich nicht nur an der Pause und der Intonation, sondern auch daran, dass dasselbe Ding (Spinnweben, halbwüchsige Knechte, Mutti...) anschließend mit Pronomen (sie, sie, sie...) wiederaufgenommen wird. Der Kontext bliebe auch dann völlig verständlich, wenn man den isolierten Nominativsatz wegließe.

Anders verhält es sich mit der Wiederholung von Nominativen durch denselben Sprecher, die dem Subjekt oder Prädikat des vorhergehenden Satzes entsprechen (um eine zusätzliche Eigenschaft hervorzuheben oder aus einem anderen Grund).

Einst, vor langer, langer Zeit, lebten in diesem Wald Götter. Eigenartige Götter. SruogDM 18. Am Feldende, direkt am Ackerrain, sehe ich: Ein Hund liegt da. Ein großer, brauner Hund. MašiAMB 42. Und damals war es Nacht. Eine dunkle, kalte Winternacht! SimonOBT 7. Und ich gehe der Sonne entgegen. Ich? Wir? MiežŽ 112.

Diese Nominative stehen in eindeutigen prädikativen Beziehungen zu den Verben der vorhergehenden Sätze und bilden daher unvollständige zweiteilige Sätze, keine Nominativsätze.

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c) Neben den das Vorhandensein eines Gegenstands oder einer Erscheinung feststellenden gibt es auch solche Nominativsätze, in denen die Bezeichnung eines vorgestellten oder erinnerten Gegenstands oder einer Erscheinung ausgedrückt wird; sie wird jedoch so genannt, als befände sich der Gegenstand oder die Erscheinung im Augenblick des Sprechens unmittelbar vor Augen.

Für Nominativsätze, die Bilder oder Erinnerungen ausdrücken, ist häufig eine abgebrochene Satzintonation charakteristisch (in der Schrift gewöhnlich durch Auslassungspunkte wiedergegeben).

Ein Nominativsatz, der einen vorgestellten Gegenstand benennt, ist häufig ein Ausrufesatz.

Als Kimža auf dem Heimweg war, hörte er in seiner Stube Lärm; da schoss ihm durch den Kopf: Spieler. ŽemR III 251. Er verdüsterte sich und biss die Zähne zusammen. Skrodskis! — ein schrecklicher Gedanke durchfuhr ihn. Myk-PutS I 116. (Viktoras) (nimmt ihr die Statuette ab). Ein Adler! Ein schöner, herrlicher Vogel. VaičiūnD 296. Der Krieg! Ist das wirklich derselbe Krieg, von dem er in den Büchern gelesen hatte? AvyžŽLŽ 228. Mutter... Dieser Name wird in unserem Land mit Liebe und Achtung ausgesprochen. Tsp. Petras hatte schon so manches Murren gegen die Herren und die Obrigkeit gehört. Da etwa der Doktor Dimša. Wenn man ihm zuhört, ballen sich einem die Fäuste ganz von selbst. Und der Pfarrer von Paberžė, Mackevičius! Der schimpft im Stillen unter den Leuten und öffentlich von der Kanzel so sehr, dass einem beim Zuhören angst wird. Myk-PutS I 64.

Domas erinnerte sich an die Tage seiner Knechtschaft. Abende am Spinnrad, Roggenernte, Dreschgemeinschaften... AvyžŽLŽ 200. Kaum hatte sich die litauische Division zu formieren begonnen, trat ich in die Armee ein. Lange Monate der Ausbildung, dann die Front. Spuren von Feuer und Blut, Gräber auf dem Boden von Orjol und Kursk. CvR III 269. Auch andere mischten sich in den Streit ein, schimpften immerzu auf das Gut und zählten ihre eigenen Sorgen auf: — Und wie viel von all dem guten Zeug wird einem noch abgepresst! — Die Vorspanndienste!.. Der Wald!.. Fahrten in die Städte! Übernachtungen!.. — Und Flachs, Wolle, Butter, Käse, Nüsse, Beeren! Myk-PutS I 207—208. Und man erkennt es kaum wieder: Wie schnell manche Bilder verblasst sind. Einige sind verblichen, andere aus irgendeinem Grund deutlicher geworden. Das Gut... Der Schlag des Aufsehers ins Gesicht... Die weiße Straße schlängelt sich wie eine Schlange. AvyžŽLŽ 130. Ach, diese Jugend! Was hat sie nicht alles vom Schlafengehen abgehalten! MarcinkKP 49. Drei Jahre, drei Jahre... Žilaitienė brach in Tränen aus. Zum ersten Mal seit dem Tod ihres Mannes. BaltVRA 79.

2) Nominativsätze mit hervorgehobener kommunikativer Funktion

§ 9. Den Existenzsätzen nahe stehen Nominativsätze, mit denen weniger festgestellt wird, dass ein Gegenstand oder eine Erscheinung existiert, als vielmehr darüber berichtet, etwas verkündet oder darauf hingewiesen wird. Es handelt sich um Sätze mit hervorgehobener kommunikativer Funktion: Mit ihnen soll die Aufmerksamkeit anderer auf etwas gelenkt werden.

Nach der Art ihres Inhalts lassen sie sich einteilen in: a) Mitteilungs- oder Signalsätze, b) Hinweissätze und c) Sätze, die Namen und Überschriften wiedergeben.

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a) Aussagesätze im Nominativ sind häufig Ausrufesätze, können aber auch Fragesätze sein.

— Hast du gehört? Streik! — sagte er und öffnete die Tür in Richtung seines Bruders. VienR V 99. — Vilnius, meine Herren! Geben Sie Ihre Fahrkarten ab! — riefen die Schaffner. VaižgRR II 81. Schwalben bemerkten den Räuber und eilten herbei, um die Bewohner der Insel zu warnen. Als sie sich dem Habicht näherten, huschten sie vor ihm hin und her und riefen: „Dieb! Dieb!“ MašiAMB 112. — Warum schreist du denn, mein Junge, oben auf dem Baum? — Ein tollwütiger Hund! — sage ich. — Wo? — Da drüben, Onkel, liegt er neben dem Graben. MašiAMB 42. Freunde! Keinen Meter weiter. Gefahr! T 1964 177. Feuer! Feuer! Varložiai brennt! ŽemR III 362. Oder wenn Adomėlis rief: — He, Mädels, den Bottich her! — Na, jetzt den Eichhörnchentanz! Alle! — dann stürzten Jungen und Mädchen wieder so zum Tanz, als hätten sie schon lange auf dieses Wort gewartet. Myk-PutS I 370.

Solche Nominativsätze sind manchmal gleichsam besondere Signale oder Aufforderungen (vgl. Gefahr! Alle her!). Andererseits können sie auch Feststellungssätzen über Gegenstände nahestehen (vgl. § 8).

b) Hinweissätze im Nominativ werden gewöhnlich mit den hinweisenden Partikeln štai, aure, antai, va eingeleitet und sind häufig Ausrufesätze.

Hier sind zwanzig versiegelte Zettel. Verteile jedem einen. BinkA 65. Hier ist Tabak, bitte. ŽemR I 24. Was für ein großer Baum! — sagte die Hexe und zeigte auf einen Baum, der nicht weit entfernt stand. BalčAP 104. — Männer, schaut mal, da sind unsere Leute, die aus Kaunas! — ruft einer von uns. SruogDM 46. — Mutterchen, das ist meine Kazelė, das ist meine Frau Domicė. ValR 254.

Diese Nominativsätze stehen meist präponiert, also vor den Sätzen, mit denen sie inhaltlich verbunden sind.

Manchmal wird mit einem durch die Partikel štai (šit, štai ir...) eingeleiteten Nominativsatz ein Gegenstand oder eine Erscheinung nicht ausdrücklich bezeichnet, sondern lediglich hervorgehoben und gesondert erwähnt.

Oder hier noch ein weiteres Beispiel. Vor vier Jahren erschien der Roman „Erde und Volk“ des estnischen Schriftstellers R. Sirge... KorsLD 123. Hier ist zum Beispiel Bernotas Ringelė. Wie viele Menschen hat er in seinem Leben betrogen... KrėvŽ 17. Hier ist noch ein sinnloses Opfer! Und was für ein Opfer! GrušHM 48.

Den hinweisenden Nominativsätzen sehr nahe stehen Sätze, mit denen jemand vorgestellt wird (zur Bekanntmachung).

Darf ich vorstellen... Meine Frau, die Gäste, die Nachbarn... GričLG 228. Dann nickte er zu dem am Tisch Sitzenden hin und sagte: — Antanas Lukašiūnas, ein tatkräftiger Mann aus dem Kreis Zarasai. Myk-PutS I 120. Niemand antwortete ihm, da kam er zu mir und stellte sich vor: — Zenonas... Im Herbst bin ich aus der Armee zurückgekehrt... MarcinkPKJ 120. Der junge Mann reichte Domus die Hand. — Lernen wir uns kennen. Reservefeldwebel Ladyga. AvyžŽLŽ 217.

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c) An die mitteilenden und hinweisenden Nominalsätze schließen sich auch als Nominalsätze formulierte Bezeichnungen von Einrichtungen, Unternehmen, Straßen, Städten u. Ä. sowie Überschriften von Büchern, Zeitschriften, Zeitungsrubriken usw. an8.

Elfenbeinladen. Der fröhliche Verkäufer bietet mir ein knöchernes Souvenir an, das er auf den Ladentisch gelegt hat. MiežŽP 220. Genosse Vaišvila erzählte mit Begeisterung von der Zukunft einer Fabrik, deren Name vielen recht seltsam klingt. Vogelfabrik! T 1964 217. Da stand ein prächtiger, rot und grün gestreift bemalter Pfosten mit einem Schild und einer korrekt litauisch beschrifteten Inschrift: Sakalynė Vidmantai Daržininkai. TPrg II 31. Abteilung für Kulturgüter. Hier sind das Papier und die Erzeugnisse des nach J. Janonis benannten Unternehmens sehr gefragt. T 1964 228. Petras lächelte: „Anykščių šilelis“. Nicht selten hatte er sich selbst und Katrytė dieses „Märchen“ vorgelesen. Myk-PutS I 372. Im Vorbeigehen blieben wir vor den Schaufenstern stehen: staatlicher Handel, Verlag. MontvR I 209.

3. Emotionale oder wertende Nominalsätze

§ 10. Viele der genannten Nominalsätze können eine emotionale Färbung haben, besonders Ausrufesätze (vgl. §§ 8; 9). Es gibt jedoch Nominalsätze, deren Funktion sowohl darin besteht, einen Gegenstand oder eine Erscheinung festzustellen, als auch zugleich das Erstaunen oder die Bewunderung darüber auszudrücken.

Die Emotionalität dieser Art von Nominalsätzen, die nicht selten die nominative Funktion selbst überlagert, wird vor allem durch eine besondere Ausrufintonation sowie durch nachdrückliche und emotionale Partikeln (so etwas, dass...) oder Wortverbindungen mit ähnlicher Bedeutung (was für ein, da ist ja auch, aber auch, na und...) sowie durch die Pronomen was für ein, wer, solch ein.

Vor dem letzten Krieg war ich im Gouvernement Charkow: — was für Böden, was für Weiten! CvR₁ II 217. Das Hundegebell, was für ein Gebell!.. GricLG 139. Was für ein Weinen, was für ein Jammern — da kann man unmöglich nicht hinhören! Gs (LKŽ III 24). Aber auch der Dreck! Möge ihn doch der Teufel holen... KrėvRg 233. Was für ein Publikum! Was für ein Publikum! VaičiūnD 307. Was für ein Schwein, was für Schweine! Lp. Was für ein Tölpel! MiežŽP 144. Was für winzige Vögel ihr habt! JabIRR I 487. Fast alle Bewohner versammelten sich und umringten den Fuchs... Welch eine rötliche Färbung! — Was für ein Schwanz! — Was für ein weiches Fell! VaižgRR II 176.

Dennoch sind die genannten Sätze Nominalsätze, denn mit ihnen wird das Vorhandensein des Gegenstands oder der Erscheinung selbst festgestellt; der Gegenstand oder die Erscheinung wird schlicht benannt (auch wenn zugleich eine emotionale Bewertung zum Ausdruck kommt). Vergleichen wir damit rein wertende Sätze, die aus Wörtern mit wertender Bedeutung bestehen.

8 Verschiedene Benennungssätze werden, ebenso wie Vorstellungs-, Mitteilungs- und bildhafte Darstellungssätze, häufig aus den Nominalsätzen ausgegliedert, da man annimmt, dass ihnen die feststellende Bedeutung des Vorhandenseins fehle; vgl. Грамматика русского языка, т. II, ч. II, р. 68—69.

9. Lietuvių kalbos gramatinė sandara

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Worauf hast du dich da bloß versteift, zum Teufel? Wenn er wenigstens ein Mann wäre... Ein Säufer, ein Landstreicher, ein Betrüger... du wirst dich abrackern wie ein Fliegenchen in der Molke. ŽemR II 309. Wie geht’s, Dildė? Ein Meister! BaltPV I 196. Ein Bettler der Bettler... und sieh nur, ein Delegierter. Gud-GuzKlt 47, Diebe! Kröten! Sollst du doch an diesem Honig und jenem Mehl krepieren! VenclR III 157. — Ein Mann! — sagte Poviliukas plötzlich lachend, während alle erstaunt waren. BaltPV I 302.

In diesen Sätzen hat der Nominativ des Substantivs keine unmittelbare nominative Bedeutung, sondern steht in prädikativen Beziehungen zu dem, was zuvor gesagt wurde (oder aus der Situation ersichtlich ist). Übrigens sind dies die unvollständigen Sätze, die sich am schwersten von den nominativischen abgrenzen lassen9.

§ 11. Nichtnominativisch sind auch Fragesätze, die aus einem Pronomen koks, kas, kas per und einem weiteren Nominativ gebildet werden. Das Fragewort fungiert darin als nominales Prädikat. (Vgl. die zuvor erwähnten ausrufenden nominativischen Sätze, die mit denselben Wörtern beginnen, siehe § 10.)

Wie ist das Wetter? LKŽ VI 300. Was ist er, dieser Schriftsteller von erstaunlichem Talent? — beginnen wir uns zu fragen. KorsLD 584.

§ 12. Die Form nominativischer Sätze können Modalwörter, Grußformeln, Wünsche und Ähnliches haben.

Diese Tomaten brennen mir in den Augen. Eine Schande. Als wäre ich in einen fremden Garten eingebrochen. AvyžŽLŽ 105. Es gab ein Dorf – und nun gibt es kein Dorf mehr. Das stimmt nicht! Dieses Dorf gibt es. MarcinkKP 5. Glaub mir doch. Ich werde das schon regeln. Ein Kommunistenwort! AvyžŽLŽ 75. (Jaskūnas) Guten Tag, Tante. (Daubienė) Guten Tag, mein Täubchen, guten Tag. VaičiūnD 13. Gute Nacht! — Jonelis pfiff und ritt davon. ŽemR I 156.

Solchen Sätzen fehlt eine klare nominative Funktion; deshalb sind sie entweder unvollständige Sätze oder Satzäquivalente.

§ 13. Mit nominativischen Sätzen wird ein Gedanke sehr komprimiert und knapp ausgedrückt; daher hängt ihr Gebrauch in erheblichem Maße vom Sprachstil ab. Existenzielle nominativische Sätze sowie solche, die Erscheinungen und Erinnerungen ausdrücken, sind vor allem für die erzählende und beschreibende Sprache in Prosawerken sowie für Regieanweisungen in Dramen charakteristisch; emotionale und hinweisende Sätze dagegen eher für Dialoge und die gesprochene Sprache in der Dichtung. In der Sprache publizistischer und wissenschaftlicher Werke finden sich etwas häufiger nur nominativische Sätze, die verschiedene Bezeichnungen und Überschriften wiedergeben; die übrigen nominativischen Sätze sind recht selten.

§ 14. Somit bilden nominativische Sätze eine spezifische Gruppe eingliedriger Sätze, die durch den Ausdruck des substantivischen Nominativs, eine nominative Funktion und eine charakteristische Intonation verbunden ist, jedoch keineswegs homogen ist und sich nicht immer klar von zweigliedrigen (insbesondere unvollständigen) Sätzen oder Satzäquivalenten abgrenzen lässt.

9Es ist nicht verwunderlich, dass manche analoge Beispiele aus dem Russischen als nominativisch analysieren, vgl. E. M. Галкина—Федорук, К. В. Горшкова, Н. М. Шанский, a. a. O., S. 129, В. П. Шутова, a. a. O., S. 265.

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NOMINATIVSÄTZE

В. ЛАБУТИС

Zusammenfassung

Die wichtigsten Merkmale von Nominativsätzen sind folgende:

1) In Nominativsätzen gibt es wie in anderen eingliedrigen Sätzen ein Satzglied, das im Allgemeinen weder mit dem Subjekt noch mit dem Prädikat eines zweigliedrigen Satzes übereinstimmt, obwohl es in einigen Fällen an das eine oder das andere erinnern kann.

2) Die Tatsache, dass das Hauptglied des Nominativsatzes durch den Nominativ eines Substantivs (seltener eines Numerale oder Pronomens) ausgedrückt wird, unterscheidet diese Sätze von unvollständigen zweigliedrigen Sätzen, die häufig durch andere Kasus derselben Wortarten ausgedrückt werden.

3) Dem Hauptglied des Nominativsatzes ist eine nominative Funktion eigen. In einem Satz, der ebenfalls im Nominativ steht, aber unmittelbar mit dem Subjekt oder Prädikat eines anderen Satzes verbunden ist, tritt die nominative Funktion in den Hintergrund – und der Satz wird zu einem unvollständigen zweigliedrigen Satz.

4) Beim Hauptglied eines Nominativsatzes können Attribute stehen, manchmal sogar mit adverbialer oder ergänzender Nuance; hier ist jedoch stets die Benennung des Gegenstands oder der Erscheinung selbst wichtig, nicht dessen Merkmal oder Zustand. Eine ausdrückliche adverbiale Bestimmung oder Ergänzung zeugt von einer Abschwächung der nominativen Funktion des Satzes und von seiner Umwandlung in einen zweigliedrigen Satz.

5) Der Inhalt eines Nominativsatzes wird auf die Wirklichkeit bezogen. Selbst Tatsachen der Vergangenheit oder Zukunft werden im Nominativsatz als wirklich behauptet.

Strukturell sind Nominativsätze entweder nicht erweitert oder erweitert. Meist treten sie als selbstständige Sätze auf, können aber auch Bestandteile komplexer Sätze sein.

Nach Funktion und Inhalt können Nominativsätze folgende Typen haben: 1) Existenzsätze, die das Vorhandensein eines Gegenstands (einer Erscheinung) behaupten, 2) Sätze mit hervorgehobener kommunikativer Funktion und 3) emotional-wertende Sätze. Zur ersten Gruppe gehören unserer Ansicht nach auch diejenigen Sätze, in denen Vorstellungen oder Erinnerungen im Nominativ benannt werden. Als Nominativsätze mit hervorgehobener kommunikativer Funktion gelten hinweisende und ankündigende Sätze sowie Sätze, die verschiedene Bezeichnungen (im eigentlichen Sinne) nominativisch ausdrücken. Im emotional-wertenden Nominativsatz werden gleichzeitig eine Bewertung und die unmittelbare Benennung desselben Gegenstands geäußert, nicht aber eine Bewertung des zuvor Gesagten; vgl. Na ir publika! Na ir publika! Vaičiūn D 307 (Was für ein Volk! Was für ein Volk!) und Kad bent būtų vyras... Girtuoklis, valkata, apgavikas... Žem R II 309 (Wäre er doch wenigstens ein Mann... Ein Säufer, ein Landstreicher, ein Betrüger...) Der letzte Satz ist unvollständig.

Auch Sätze, die Begrüßungen, Wünsche u. Ä. ausdrücken, sind keine Nominativsätze, stehen ihnen aber ihrer Form nach nahe.

In Nominativsätzen wird ein Gedanke verdichtet und knapp festgehalten. Ihr Gebrauch hängt weitgehend vom Sprachstil ab.

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