Page 1ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XLII (2000)
Daiva MURMULAITYTĖ
Lietuvių kalbos institutas, Vilnius
DIE DARSTELLUNG VON ABLEITUNGEN IN DEN ARTIKELN ZU GRUNDWÖRTERN IM „WÖRTERBUCH DER LITAUISCHEN GEGENWARTSSPRACHE“
In der Einleitung des DLKŽ (S. VIII) heißt es, dass aus Platzgründen manche Ableitungen „in einem gemeinsamen Nest, gewöhnlich zusammen mit dem Grundwort, aufgeführt werden“. Auf diese Weise werden Verbalabstrakta mit dem Suffix -imas/-ymas, Adjektivabstrakta mit den Suffixen -umas und -ybė, Personenbezeichnungen mit den Suffixen -tojas, -a, -ėjas, -a, -ikas, -ė, Adverbien mit den Suffixen -(i)ai, -yn sowie von Interjektionen abgeleitete Verben mit dem Suffix -telėti aufgeführt.
1. Statistische Angaben
1.1. Allgemeiner Überblick
Eine computergestützte Auswertung der Substantive mit den genannten Suffixen aus dem DLKŽ zeigt, dass etwa 45% aller Substantive des Wörterbuchs in Artikeln zu Grundwörtern aufgeführt sind¹. Den größten Teil davon bilden Bezeichnungen für Handlungen, die mit dem Suffix -imas/-ymas gebildet werden. Etwa 99% davon stehen in Artikeln zu den jeweiligen Grundverben; nur etwa 1% sind Stichwörter eigener Artikel². Etwa 98% der Bezeichnungen für Eigenschaften mit dem Suffix -umas und etwa 50% der Ableitungen mit dem Suffix -ybė haben keinen eigenen Artikel. In Artikeln zu Grundverben sind auch die meisten Personenbezeichnungen aufgeführt, die mit den Suffixen -tojas, -a (etwa 98%), -ėjas, -a (etwa 92%) und -ikas, -ė (etwa 75%) abgeleitet sind.
In der Einleitung des Wörterbuchs wird außerdem darauf hingewiesen, dass „ein solches abgeleitetes Substantiv, das darüber hinaus eine neue, besondere Bedeutung hat, als eigenes Stichwort aufgenommen wird“ (S. VIII). Im DLKŽ gibt es weniger solche Ableitungen mit den genannten Suffixen als nicht als Stichwörter aufgeführte Verbal- und Adjektivabstrakta sowie Personenbezeichnungen; vgl. Ableitungen mit den Suffixen -umas und -tojas, -a – etwa 2%, mit -ėjas, -a – etwa 8%, mit -ikas, -ė – etwa 25%.
1 In einigen Fällen sind das Stichwort eines Artikels und die Ableitung zwar verwandt, stehen jedoch nicht in einem unmittelbaren Ableitungsverhältnis, z. B. priverstinai und priverstinumas. Oder ein Artikel führt mehrere Ableitungen mit demselben Affix an, die sich morphologisch unterscheiden. So wird im Artikel zum Substantiv čiuožikas, -ė „Schlittschuhläufer/in“ der zoologische Fachbegriff čiuožikas „auf der Wasseroberfläche hüpfendes Insekt aus der Familie der Wasserläufer (Gerris)“ aufgeführt, für den es keine feminine Entsprechung gibt. Ebenso steht im Artikel zu graužikas, -ė „wer/was nagt, Nagender“ der zoologische Fachbegriff im Plural graužikai „Ordnung der Säugetiere mit ständig nachwachsenden Schneidezähnen (Rodentia)“. ² Mehr dazu siehe Murmulaitytė 1995: 56; 1997: 124–125.
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Page 2Eine Ausnahme bilden lediglich Eigenschaftsbezeichnungen mit dem Suffix -ybė, von denen etwa die Hälfte in eigenen Artikeln verzeichnet ist. Vergleicht man die Daten zu den in dieser Arbeit untersuchten Affixen mit denen zu Ableitungen mit dem Suffix -umas, so wird deutlich, dass Ableitungen mit dem Suffix -ybė, die Eigenschaften bezeichnen, konkreter sind, während Ableitungen mit dem Suffix -umas häufiger reine Adjektivabstrakta kennzeichnen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Letztere im DLKŽ wesentlich zahlreicher sind: Im Wörterbuch finden sich 338 Ableitungen mit dem Suffix -ybė (4 davon sind zweimal aufgeführt – in den Artikeln der Basisadjektive und zusätzlich in einem eigenen Artikel), während es 1904 Ableitungen mit dem Suffix -umas gibt. Davon beruhen 1888 auf Adjektiven und Partizipien; die übrigen sind von Substantiven, Verben, Pronomen, Zahlwörtern und Adverbien abgeleitet.
1.2. Ableitungen mit Belegen für den Gebrauch
Etwa 4,7% der abgeleiteten Substantive, die in Artikeln zu Basiswörtern verzeichnet sind, werden mit Belegen für den Gebrauch angeführt (wenn man die etwa 16,5 Tausend Handlungsbezeichnungen mit dem Suffix -imas/-ymas außer Betracht lässt, die fast alle in Artikeln zu Basisverben stehen und von denen nur etwa 3% in solchen Fällen illustriert werden, erhöht sich der Gesamtanteil der illustrierten Ableitungen ohne eigenen Lemmaartikel deutlich auf etwa 13%). Mit Belegen für den Gebrauch werden 283 Ableitungen mit dem Suffix -umas angeführt; dies entspricht etwa 15% aller Ableitungen dieses Suffixes, die nicht als Lemma angesetzt sind (z. B. aklumas: Farbenblindheit (Daltonismus); dažnumas: Häufigkeitswörterbuch (Sprachwissenschaft); Leitfähigkeit von Elektrizität, Wärme, Schall, Licht. Die Durchlässigkeit des Tons für Wasser. ‖ übertr. Befahrbarkeit einer Straße; nuotakumas: Diese Felder haben keinen Abfluss usw.). Die Statistik der Ableitungen mit anderen Affixen sieht diesbezüglich folgendermaßen aus: Mit Beispielen versehen sind 19, also etwa 11%, der Ableitungen mit dem Suffix -ybė, die nicht als Lemma angesetzt sind (z. B. neliečiamybė: territoriale Unverletzlichkeit, außerdem reikšmybė: Notwendigkeitspartizip (Gramm.) usw.); 48, also etwa 8%, der Ableitungen mit den Suffixen -tojas, -a (z. B. palaikytojas, -a: Befürworter und Unterstützer eines Vorhabens); 32, also etwa 14%, der Ableitungen mit den Suffixen -ėjas, -a (z. B. užtarėjas, -a: Er ist mein Fürsprecher und Beschützer); 6, also etwa 5%, der Ableitungen mit den Suffixen -ikas, -ė (z. B. degikas, -ė: Ziegelbrenner).
1.3. Ableitungen mit Definitionen
Im DLKŽ sind einige Ableitungen ohne eigenen Lemmaartikel mit Definitionen versehen. Dazu gehören 7 Ableitungen mit dem Suffix -umas, z. B. induktyvumas phys., „Fähigkeit eines elektrischen Stromkreises, einen magnetischen Fluss zu erzeugen“, kanceliariškumas „Formalisierung der Büroarbeit und ihrer Abläufe (oft übertrieben)“, 3 Ableitungen mit den Suffixen -tojas, -a, z. B. kalbėtojas, -a 1. „jemand, der spricht, redet“; 2. „jemand, der eine öffentliche Rede hält“, sowie eine Ableitung mit dem Suffix -ėjas, -a – padėjėjas, -a „Helfer“. Sie machen einen sehr geringen Anteil aller Ableitungen ohne eigenen Lemmaartikel aus – etwa 0,05%. Ableitungen ohne eigenen Lemmaartikel mit dem Suffix -imas/-ymas werden im DLKŽ nicht definiert.
1.4. Ableitungen mit fachsprachlichen Markierungen
Einige Ableitungen mit den hier behandelten Affixen tragen im DLKŽ fachsprachliche Markierungen. Insgesamt sind es sehr wenige – nur 0,4% –, doch die Statistiken zu den Ableitungen mit den verschiedenen Suffixen unterscheiden sich in dieser Hinsicht deutlich. So sind nur 20 Ableitungen mit dem Suffix -imas/-ymas (von mehr als 16,5 Tausend, also 0,12%) Fachtermini, z. B. atgimimas 2. gesch. „Renaissance“, įstatymas 2. jur. „Rechtsnormen der höchsten Staatsgewalt“
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Page 3„Gesetz“. Dagegen sind ganze 8,48% aller Ableitungen mit dem Suffix -ikas, -ė Fachtermini (14 von 165 Sememen³, z. B. ėjikas, -ė 2. Sport „Geher“, švilpikas 1. zool. „ziemlich großes, im Bau lebendes Nagetier mit Fell (Marmota)“ (zu beachten ist, dass es insgesamt etwa hundertmal weniger Ableitungen mit diesem Affix gibt als Handlungsbezeichnungen mit dem Suffix -imas/-ymas). Die statistischen Daten zu Ableitungen mit anderen Suffixen: Fachsprachliche Markierungen tragen 6,73% der Ableitungen mit dem Suffix -ybė (26 von 408 Sememen), z. B. aplinkybė 2. Gramm. „sekundäres Satzglied, das u. a. den Ort oder die Zeit einer Handlung bezeichnet“; 3. jur. „ein Faktor, der die Art eines Verbrechens beeinflusst“, lygybė 4. Math. „Verhältnis, das anzeigt, dass seine Glieder gleich sind“; 1,88% (5 von 266) der Ableitungen mit den Suffixen -ėjas, -a, z. B. gynėjas, -a 3. Sport „Abwehrspieler“, pjovėjas zool. „Rüsselkäfer aus der Familie der Dickmaulrüssler – Pflanzenschädling (Otiorrhychus)“; 0,78% (15 von 1922) der Ableitungen mit dem Suffix -umas, z. B. modalumas 1. Ling. „Einstellung des Sprechers zum Verhältnis zwischen sprachlichem Inhalt und Wirklichkeit“, pilnapadiškumas Med. „Fehlbildung der Fußsohlen“; eine Ableitung mit den Suffixen -tojas, -a (von 623, also 0,16%) – liudytojas, -a 2. jur. „jemand, der in einer fremden Sache als Zeuge aussagt“.
Zu beachten ist, dass hier nur solche Fachtermini gezählt wurden, die im DLKŽ entsprechend gekennzeichnet sind. Einige Ableitungen tragen keine solchen Markierungen, obwohl sie Fachtermini bestimmter Bereiche sind. So könnte etwa die Ableitung vilkikas 1. „Traktor oder eine andere Maschine, die andere Maschinen zieht“; 2. „Schiff, das andere Schiffe schleppt“ mit der Abkürzung tech. gekennzeichnet sein (vgl. stūmikas tech. „Schiff, das Lastkähne schiebt; Gegenteil von vilkikas“); ebenso sind die Rechtsbegriffe gynėjas, -a 2. „jemand, der den Angeklagten offiziell vor Gericht verteidigt, ein Rechtsanwalt“, teisėjas, -a 1. „Amtsperson, die Gerichtsverfahren entscheidet“, sowie medizinische Fachbegriffe wie nėštumas, sergamumas usw.⁴.
Offensichtlich sind fast alle gekennzeichneten Fachtermini Lemmawörter eigener Artikel. Einige wenige werden jedoch auch in Artikeln zu Basiswörtern angeführt (was den zitierten Aussagen in der Einleitung des DLKŽ widerspricht, wonach abgeleitete Substantive mit neuen, abgegrenzten Bedeutungen als eigene Lemmata angesetzt werden), z. B. ist im Artikel zum Adjektiv induktyvus, -i induktyvumas phys. eingetragen, im Artikel zum Substantiv išverstakis, -ė – išverstakumas med., und im Artikel zum Partizip esamas, -a-
3 Bei der Behandlung von Fachtermini gilt das Semem, d. h. die einzelne Bedeutung einer Ableitung, als statistische Einheit, da in manchen Fällen ein und dieselbe polyseme Ableitung ein Fachterminus in mehreren Bereichen ist (z. B. aprašymas 2. Lit. „Werk, in dem etwas beschrieben wird“; 3. jur. „Aufstellung eines Vermögensverzeichnisses“, valentingumas 1. Chem. „Eigenschaft eines Atoms, eine bestimmte Anzahl anderer Atome zu binden“; 2. Ling. „Fähigkeit einer sprachlichen Einheit, sich mit anderen zu verbinden; Kombinierbarkeit“) oder auch nicht terminologisierte Bedeutungen hat (z. B. laitkinimas 1. gesch. „älteste Epoche der Menschheitsgeschichte, in der die Menschen von Nahrungssammeln, Jagd und Fischfang lebten“; 2. „Derbheit der Sitten, Unkultiviertheit“).
4 Übrigens wurde bei der Untersuchung der Ableitungen mit dem Suffix -ybė festgestellt, dass die meisten mit diesem Suffix von Substantiven abgeleiteten Bezeichnungen für Wörter und Redewendungen, die sprachliche oder dialektale Erscheinungen benennen, nicht als sprachwissenschaftliche Fachtermini gekennzeichnet sind. Insgesamt gibt es im Wörterbuch 21 solcher Ableitungen; nur 5 davon (baltarusýbė, barbarýbė 3, lenkýbė, sovietýbė und ukrainietýbė) tragen die Markierung lingv., die übrigen 16 (anglýbė, aukštaičiųbė, dzūkýbė, latvýbė, lietuvýbė 2, makaronýbė, prancūzýbė, rytietýbė, rusýbė, slavýbė, suvalkiečýbė, tarmýbė, vakarýbė, vokietýbė, žargonýbė und žemaičiųbė) sind dagegen nicht entsprechend gekennzeichnet.
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Page 4… im Artikel – esamybė (Existenz), fachsprachlich; im Artikel zum Substantiv stūmikas, -ė (Schieber, -in) – stūmikas (technisch) usw. Nicht selten sind Fälle, in denen nicht als Lemma aufgeführte Derivate neben den gewöhnlichen auch terminologische Bedeutungen haben können, die das DLKŽ jedoch nicht angibt (manchmal weisen allerdings Verwendungsbeispiele darauf hin), z. B. išlaikymas: Fotografavimas su išlaikymu; rentabilumas: Įmonės rentabilumas; teisingumas: Teritorinis, dalykinis teisingumas. Bylos teisingumas; neliečiamybė: Teritorinė neliečiamybė usw. Offenbar sollten solche Substantive in eigenen Artikeln aufgeführt werden, in denen mehrere lexikalische Bedeutungen unterschieden würden – eine, die mit der Wortbildungsbedeutung übereinstimmt, und weitere, die Fachtermini bestimmter Bereiche sind.
2. Polysemie der Derivate
Die computergestützte Version des DLKŽ (im Folgenden DLKŽ(k)) ermöglicht es, Wörter danach zu sortieren, wie viele Bedeutungen – eine oder mehrere – sie haben. Auf diese Weise lässt sich jedoch das tatsächliche Verhältnis zwischen monosemen und polysemen Wörtern nicht ermitteln; die vom Computer ausgegebenen statistischen Daten sind recht bedingt, weil auch nicht als Lemma aufgeführte Derivate als monosem gelten, die in den Artikeln zu ihren Grundwörtern gewöhnlich ohne Definitionen erscheinen. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt die Derivate mit den Suffixen -imas/-ymas, -umas, -ybė, -tojas, -a, -ėjas, -a, -ikas, -ė, so scheint es, dass im DLKŽ etwa 99% von ihnen monosem sind, während ungefähr 1% 2–5 Bedeutungen haben (sieht man von den Derivaten mit dem Suffix -imas/-ymas ab, von denen nur 0,5% polysem sind, läge das Verhältnis monosemer zu polysemen Derivaten bei etwa 97%: 3%). Etwa 70% (ohne die Derivate mit dem Suffix -imas/-ymas etwa 80%) der Derivate haben zwei Bedeutungen, etwa 20% drei. Nur ein Substantiv mit dem Suffix -imas hat fünf Bedeutungen: sprendimas5.
Offensichtlich gibt diese Statistik nicht das tatsächliche Verhältnis zwischen monosemen und polysemen Derivaten im DLKŽ wieder, denn den größten Teil der untersuchten Substantive bilden die erwähnten, nicht als Lemma aufgeführten Derivate; daher ist der Prozentsatz monosemer Derivate im DLKŽ(k) stark erhöht.
Wenn ein Derivat im Artikel eines polysemen Grundworts aufgeführt ist und weder eine Definition noch ein Verwendungsbeispiel hat, liegt die Annahme nahe, dass auch es polysem ist, d. h. sich auf jede beliebige Bedeutung des Grundworts beziehen und somit ebenso viele Bedeutungen haben kann wie sein Grundwort. In jedem Fall wäre es ein transpositional gebildetes Derivat, d. h. seine lexikalische Bedeutung und seine Wortbildungsbedeutung würden jedes Mal übereinstimmen (da es weder definiert noch erläutert oder illustriert ist, lässt sich über weitere, speziellere Bedeutungen des Derivats nichts aussagen). So kann man bei den im Artikel des Verbs
5 Da im DLKŽ eine übermäßige Aufgliederung der Bedeutungen vermieden wird und einige typische Bedeutungen oder Bedeutungsnuancen sogar zu einer einzigen zusammengefasst werden (siehe Einleitung § 25, 1) und 2), S. XI), könnte man teilweise auch das Substantiv vežimas als fünfdeutig betrachten, wenn seine zweite Bedeutung „gewöhnlich von Pferden gezogener Wagen, Räder; die darin Platz findende Menge“ (d. h. die Bezeichnung des Mittels und die darauf beruhende übertragene metonymische Bedeutung) als zwei getrennte Sememe aufgefasst würde.
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Page 5Im Artikel zu gręžti, 1. „durch Drehen mit spitzen Gegenständen (z. B. Bohrern) ein Loch machen“; 2. „durch Drehen Wasser aus nasser Kleidung auswringen“; 3. „drehen, lenken“, werden Derivate mit den Suffixen -ėjas, -a, -ikas, -ė, -imas und -imasis aufgeführt; offenbar können sie als dreideutig gelten, d. h. jedes von ihnen kann sich auf sämtliche Bedeutungen des Grundverbs beziehen. Oder das im Artikel zu minėti, 1. „einen Namen nennen, beim Sprechen aufzählen“; 2. „im Gedächtnis behalten, nicht vergessen“; 3. „durch Veranstaltungen oder auf andere Weise ehren (einen Jahrestag, ein Jubiläum)“, aufgeführte Abstraktum minėjimas kann durch alle drei Bedeutungen des Grundworts motiviert sein und daher ebenfalls drei Bedeutungen haben.
Ist eine Bedeutung des Grundworts terminologisiert, sollte gewöhnlich auch das durch diese Bedeutung motivierte Derivat entsprechend gekennzeichnet sein; im Wörterbuch spiegelt sich dies jedoch meist nicht wider. So ist etwa das im Artikel zu minkštėti, 1. „weich, weicher werden“; 2. übertragen „liebevoller werden“; 3. sprachwissenschaftlich „weich ausgesprochen werden (über Konsonanten)“, aufgeführte Derivat minkštėjimas nicht mit der Abkürzung lingv. (sprachwissenschaftlich) gekennzeichnet; ebenso ist das im Artikel zu linksniuoti, 1. grammatikalisch „nach Kasus flektieren“; 2. übertragen „beim Sprechen häufig erwähnen“, aufgeführte Substantiv linksniavimas nicht mit gram. gekennzeichnet. Übrigens zeigen diese Beispiele auch, dass eine solche Darstellung von Derivaten formal nicht erkennen lässt, dass ein Derivat eine übertragene Bedeutung hat; vgl. außerdem den Artikel paslỹsti, ~sta, ~do, 1. „auf einer glatten Stelle ausrutschen“: Koja ~do, ir nuvirtau. 2. übertragen „die Moral verlieren“: ~dės jaunuolis. ~dimas.
Dasselbe gilt für stilistische Kennzeichnungen wie umgangssprachlich, abwertend, scherzhaft usw., z. B. baūbti, ~ia, ~ė, 1. „mit tiefer Stimme brüllen, muhen“: Jautis ~ia. 2. abwertend „mit tiefer Stimme singen, schreien“. ~imas.
Manchmal weisen Verwendungsbeispiele indirekt auf die Polysemie eines Derivats hin. So ist etwa im Artikel zum Adjektiv pažangus, -i, 1. „fortschrittlich, sich für den Fortschritt einsetzend“: Pažangus žmogus, pažangus judėjimas, pažangi spauda; 2. „gut lernend“: Pažangus mokinys, das aufgeführte Abstraktum pažangumas durch zwei Beispiele illustriert – pažiūrų pažangumas und mokinių pažangumas. Daraus wird ersichtlich, dass das Derivat auf zwei Bedeutungen des Grundworts beruht und somit wie dieses ebenfalls zwei Bedeutungen hat. Allerdings enthält das DLKŽ Verwendungsbeispiele nur bei einem kleinen Teil der nicht als Lemma aufgeführten Derivate. Außerdem wird die Polysemie dieser Derivate formal nicht gekennzeichnet; die erste, zweite usw. Bedeutung wird nicht getrennt ausgewiesen (mehrere angeführte Verwendungsbeispiele belegen noch keine Polysemie des Wortes – sie können ein und dieselbe Bedeutung illustrieren). Der Computer behandelt solche Wörter als monosem.
Andererseits kann sich ein Derivat nicht immer auf sämtliche Bedeutungen des Grundworts beziehen. So hat das Verb laužti im DLKŽ fünf Bedeutungen: 1. Präfixverb zu lūžti 1; 2. „mit einer Flachsbreche bearbeiten“; 3. „drücken, pressen“; 4. „stechen, schmerzen“; 5. „die Richtung ändern“. Am Ende seines Artikels stehen Personenbezeichnungen mit den Suffixen -ėjas, -a und -ikas, -ė sowie ein Abstraktum, das Derivat mit dem Suffix -imas. Letzteres kann sich offenbar ebenfalls auf alle Bedeutungen des Grundverbs beziehen. Personenbezeichnungen werden dagegen nicht von laužti 4. „stechen, schmerzen“ abgeleitet: Menka sveikata – krūtinę skauda, nugarą laužia. Diese Verbbedeutung unterscheidet sich syntakti-
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Page 6niu ir semantiniu valentingumu (Sližienė 1994: 377–388)6. LKŽ VII 196 laužikas, -ė turi tik dvi reikšmes: 1. „kas ką laužia, plėšia“: Tau gana girtuoklių, kasų laužikų iš.; 2. „linų mynėjas, laužėjas“, o pamatinio veiksmažodžio reikšmių nurodoma net 16 (LKŽ VII 201–202).
Im Artikel zu Dègti ist die Ableitung degikas, -ė mit dem Beispiel Plytų degikai illustriert; dies ist also ein gewisser Hinweis auf die 7. Bedeutung des Grundverbs: „durch Brennen verstärken, härten“. Diese Bezeichnung für eine handelnde Person kann sich auch auf andere Bedeutungen von degti stützen, z. B. 2. „Feuer machen, entzünden“; 8. „durch Brennen herstellen“ (vgl. LKŽ II 362 degikas, -ė 1. „wer durch Brennen härtet“; 2. siehe p a d e g i k a s; 3. siehe d e g u č i u s 1). degti bezeichnet jedoch auch eine spontane Handlung oder einen Zustand, z. B. 5. „welken, durch die Sonne austrocknen“; 13. übertragen „stark empfinden (Scham, Zorn usw.)“. Diese Sememe unterscheiden sich von den zuvor aufgezählten auch hinsichtlich ihrer syntaktischen und semantischen Valenz, etwa dadurch, dass sie keinen Akkusativ erfordern usw. (Sližienė 1994: 172–173); aus ihnen werden keine Bezeichnungen für handelnde Personen gebildet.
Die angeführten Beispiele zeigen, dass eine nicht als Lemma angesetzte Ableitung nicht immer ebenso viele Bedeutungen hat wie ihr Grundwort. Dies hängt von der Semantik des Grundworts und seiner syntaktischen Valenz sowie von der Wortbildungskategorie (Wortbildungsbedeutung) der Ableitung selbst und anderem ab. So können etwa Bezeichnungen für Handlungen und Eigenschaften, d. h. Abstrakta von Verben und Adjektiven, sich offenbar auf alle Bedeutungen der Grundverben und Grundadjektive stützen (zumindest theoretisch)7. Die Bildung von Bezeichnungen für handelnde Personen ist in dieser Hinsicht stärker eingeschränkt: Ableitungen mit den Suffixen -tojas, -a, -ėjas, -a, -ikas, -ė werden gewöhnlich von transitiven Verben gebildet (LKG I 318, 320, 321; DLKG 105, 106), während ihre Grundwörter auch intransitive Bedeutungen haben können. In diesem Fall hat die Ableitung weniger Bedeutungen als das Grundwort.
Mitunter veranschaulichen die Belege eine Bedeutung der Ableitung, die sich nicht aus den Bedeutungen des Grundworts ableiten lässt, die im DLKŽ aufgeführt sind. Das kommt daher, dass das Wörterbuch nicht alle, sondern nur die gebräuchlicheren Bedeutungen aufführt oder deren Definitionen anders formuliert sind. So hat das Verb patarnáuti im DLKŽ drei Bedeutungen: 1. „bei der Erledigung kleiner häuslicher Arbeiten helfen“; 2. „eine gewisse Zeit im Dienst sein“; 3. „sich auf die Hinterbeine stellen“; keine davon eignet sich jedoch dazu, die Bedeutung der Bezeichnung für eine handelnde Person patarnáutojas, -a zu motivieren, die mit dem Beispiel viešbučio patarnáutoja. illustriert wird.
6 Übrigens lässt sich dies aus dem DLKŽ nur anhand der Verwendungsbeispiele erschließen; allerdings wird nicht jede Bedeutung im Wörterbuch durch Beispiele illustriert.
7 Eine andere Frage ist, ob alle Bedeutungen solcher Abstrakta in der Standardsprache hinreichend häufig gebraucht werden oder vom Kontext abhängen; im zweiten Fall sind sie wohl kaum in einem Wörterbuch der Standardsprache zu erfassen. So etwa ėjimas, gebildet von eiti in Bedeutung 20 „aufgeführt werden“: Šiandien teatre eina „Skirgaila“. Im LKŽ II 1109–1110 gibt es einen eigenen Artikel ėjimas; die meisten Bedeutungen dieses Substantivs werden darin nicht erläutert oder beschrieben, sondern einfach durch Angabe des Grundverbs und jener seiner Bedeutung wiedergegeben, auf die sich die Ableitung jeweils stützt. Übrigens findet sich eine solche Darstellungsweise auch im DLKŽ, meist in Artikeln zu Adjektiven mit den Suffixen -inis, -ė und -iškas, -a, z. B.: alkūninis, -ė 1. → a l k ū n ė 1; 2. → a l k ū n ė 5, meškiškas, -a → m e š k a 1, 2, šautinis, -ė → š a u t a s (šauti 1), vgl. auch leidžiamas, -a → l e i s t i 1, baladótis 1. → b a l a d o t i 1.
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Page 7Im LKŽ XV 880 wird die erste Verbedeutung als „Arbeiten verrichten und dabei die Bedürfnisse von jemandem erfüllen“ formuliert. In beiden Wörterbüchern werden die ersten Verbedeutungen mit denselben Verwendungsbeispielen illustriert: patarnauja prie stalo, kuo galiu tamstai patarnauti? usw.; es geht also um dieselbe Handlung, die lediglich unterschiedlich definiert wird. Die im LKŽ angegebene Formulierung motiviert jedoch die Berufsbezeichnung viešbučio patarnautojas offenkundiger, denn sie hebt hervor, dass diese handelnde Person die Bedürfnisse anderer erfüllt und nicht bloß bei beliebigen kleinen häuslichen Arbeiten hilft.
Somit kann man nicht alle Ableitungen, die nicht als Lemma angesetzt sind, als monosemisch betrachten; ebenso wenig lässt sich behaupten, sie hätten ebenso viele Bedeutungen wie das Grundwort (zumal das DLKŽ möglicherweise nicht alle Bedeutungen des Grundworts aufführt). Folglich lässt sich aus einer solchen Darstellungsweise der Ableitungen – in den Artikeln der Grundwörter, ohne Definitionen und meist auch ohne Verwendungsbeispiele – nichts über die Anzahl ihrer Bedeutungen, ihre semantische Struktur, ihre semantische Beziehung zum Grundwort usw. erschließen.
3. Definitionen von transpositionalen Ableitungen
In den Artikeln der Grundwörter werden gewöhnlich transpositionale Ableitungen der behandelten Affixe aufgeführt, d. h. solche, bei denen lexikalische und wortbildnerische Bedeutung übereinstimmen. Wie erwähnt, werden sie meistens nicht näher definiert; Beispiele mit Definitionen sind äußerst selten. Wird eine Ableitung als eigener Artikel aufgeführt, enthält dieser neben besonderen lexikalischen Bedeutungen (spezialisierten, zu Termini gewordenen, lediglich konkretisierten usw.) häufig auch diejenige, die mit der Wortbildungsbedeutung übereinstimmt. Diese lexikalische Bedeutung wird im DLKŽ auf recht unterschiedliche Weise dargestellt. Ausgehend von den in der Einleitung zum Wörterbuch (S. XII–XIII) erörterten Verfahren zur Bedeutungserklärung von Wörtern ließen sich die genannten Ableitungen unter diesem Gesichtspunkt grob in mehrere Gruppen einteilen.
I. Verweisende Bedeutungsangabe
1. Bei Verwendung des Pfeilzeichens (→):
a) wird nur das Basiswort der Ableitung angegeben, z. B.: teisingumas 1. → t e i - s i n g a s, kilnybė 1. → k i l n u s, mėgėjas, -a 1. → m ė g t i 1, ėjikas, -ė 1. → e i t i, rašytojas, -a 1. → r a š y t i. Auf diese Weise können die Bedeutungen der Ableitungen aller untersuchten Affixe erklärt werden, mit Ausnahme der Handlungsbezeichnungen mit dem Suffix -imas/-ymas;
b) werden das Basiswort und die Wortbildungskategorie angegeben, z. B.: atradimas 1. → a t r a s t i (Handlung), baisūmas 1. → b a i s u s (Eigenschaft), patarėjas 1. → p a t a r t i (Agens). Am häufigsten werden auf diese Weise Handlungsbezeichnungen angegeben; Beispiele aus anderen Wortbildungskategorien sind nur vereinzelt.
Anmerkung. In der Einleitung des DLKŽ (§32, S. XIII) werden bei der Aufzählung der Fälle, in denen das Pfeilzeichen verwendet wird, Eigenschafts- und Agensbezeichnungen nicht erwähnt. Ableitungen dieser Wortbildungskategorien, deren Bedeutungen auf diese Weise angegeben werden, kommen tatsächlich selten vor.
2. Mit der Abkürzung žr. („siehe“) wird auf eine in der Gemeinsprache gebräuchlichere Wortbildungsvariante verwiesen (DLKŽ-Einleitung §29), z. B.: jaunýbė 2. žr. j a u n y s t ė, savūmas žr. s a v y b ė 1.
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Page 8II. Definierender – erläuternder Ansatz
1. In der Definition wird die Wortbildungsbedeutung der Ableitung angegeben; ihre Formulierung verwendet das Basiswort, z. B.: bėgikas, -ė 1. „wer läuft“, puolėjas, -a 1. „wer angreift“, žadėtojas, -a 1. „wer verspricht“, nešvarybė „was unrein ist“. Am typischsten ist dies für Agensbezeichnungen.
2. Die Definition besteht aus dem Basiswort und der Bezeichnung der Wortbildungskategorie, z. B.: išdykybė „Eigenschaft eines Ausgelassenen“, neigiamybė „negative Eigenschaft“; vgl. I. 1. b).
3. In der Definition werden wortbildungsbezogene Synonyme verwendet, Ableitungen mit anderen Suffixen und Endungen von denselben Basiswörtern, z. B.: išdykimas „Ausgelassenheit“, aukštybė 1. „Höhe“, geradarybė „Wohltätigkeit“, labdarybė „Wohltätigkeit“, nežinomybė „Unwissen, Ungewissheit“, tolybė „Entfernung, Weite“; vgl. I. 2. Typisch für Eigenschaftsbezeichnungen.
4. Die Bedeutung wird durch wurzelverwandte Ableitungen von anderen Basiswörtern definiert, z. B.: dievybė 1. „Göttlichkeit“, paslaptýbė „Geheimnischarakter“, savižudybė „Selbsttötung“. Typisch für Eigenschaftsbezeichnungen.
Die Bedeutung eines Wortes kann auch durch die Kombination mehrerer Varianten des definierenden-erläuternden Ansatzes beschrieben werden, z. B.: atradėjas, -a „wer etwas entdeckt, eine Entdeckung macht“ (II. 1 und II. 3), galimybė „was möglich ist, Möglichkeit“ (II. 1 und II. 3), vertybė „Wert, Wertigkeit“ (II. 3 und II. 4) usw.
Die Semantik der untersuchten Ableitungen kann im DLKŽ auch anders erläutert werden. So wurde etwa festgestellt, dass bei der Definition von Eigenschaftsbezeichnungen häufig Abstrakta der Verben turėti und būti in den Definitionen vorkommen, z. B. suinteresuotumas „Vorhandensein eines Interesses“, neštumas „Schwangerschaft, Zustand des Schwangerseins“; vgl. auch die unterschiedlichen Definitionen synonymischer Ableitungen – mažavertiškumas „Vorhandensein eines geringen Wertes“ und menkavertiškumas „Geringwertigkeit“ (LKŽ VIII 13 – „Geringwertigkeit; geringer Wert“), pilnateisiškumas „Vollberechtigung“ und visateisiškumas „Vorhandensein aller Rechte“.
In dieser kurzen Übersicht wurde nicht angestrebt, alle möglichen Arten der Bedeutungsdefinition der untersuchten Ableitungen zu erfassen und genaue statistische Angaben zu machen. Genauere Aussagen zu dieser Frage oder die Suche nach Regelmäßigkeiten (etwa danach, ob für Ableitungen mancher Wortbildungskategorien die eine, für andere eine andere Art der Bedeutungserklärung typischer ist) wären schwierig, da die Zahl der Ableitungen einzelner Wortbildungskategorien im DLKŽ sehr stark variiert (vgl. etwa die Ableitungen mit dem Suffix -imas/-ymas – etwa 16,5 Tausend, gegenüber denen mit dem Suffix -ikas, -ė – 152); in manchen Fällen ist auch der Mangel an Daten einer Verallgemeinerung hinderlich. Dennoch ist offensichtlich, dass es bei der Bedeutungsangabe transpositionaler (lemmatisierter) Ableitungen kein einheitliches System gibt und im Wörterbuch keiner der genannten Ansätze konsequent angewandt wird. Um eine einheitliche Ordnung zu erreichen, könnte man vielleicht auf die Ansätze I. 1. a) und II. 1 verzichten und nur I. 1. b) verwenden. Auch sollte man nicht mit einem einzigen Wort definieren: Denn wenn man sich so von einem Wort zum nächsten hangelt, kommt es vor, dass mehrere Artikel gelesen werden und man schließlich zu dem Artikel zurückkehrt, dessen Bedeutung man ursprünglich klären wollte; damit ist das Wörterbuch tautologisch.
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Page 94. Spezialisierte Bezeichnungen für Handelnde
Ableitungen mit den Suffixen -tojas, -a und -ėjas, -a bezeichnen Personen sowohl nach ihrer gelegentlichen Tätigkeit, einer nur kurz ausgeübten oder einmaligen Handlung, als auch nach ihrer dauerhaften Tätigkeit, ihrem Gewerbe oder Beruf (LKG I 317, 320). Ableitungen mit dem Suffix -ikas, -ė bezeichnen Personen nur selten nach ihrem Beruf (LKG I 320). Im DLKŽ gibt es etwa 100 bekanntere und gebräuchlichere Berufsbezeichnungen mit diesen Suffixen – 40 mit -tojas, -a, 36 mit -ėjas, -a und 20 mit -ikas, -ė. Das entspricht etwa 9,11% aller Ableitungen dieser Wortbildungsart – 6,42% bei Ableitungen mit dem Suffix -tojas, -a, 13,53% und 12,12% bei Ableitungen mit den Suffixen -ėjas, -a beziehungsweise -ikas, -ė8.
Berufsbezeichnungen werden im DLKŽ auf drei Arten aufgeführt:
1) in eigenen Artikeln, d. h. mit Definitionen und (meistens) Verwendungsbeispielen – etwa 23%: etwa 15% der Ableitungen mit dem Suffix -tojas, -a (z. B. gydytojas, -a „Fachkraft für die Behandlung“: Gydytojas apžiūrėjo ligonį. Kreiptis į gydytoją), etwa 28% der Ableitungen mit dem Suffix -ėjas, -a (z. B. siuvėjas, -a „Fachkraft für das Nähen“: Baltinių siuvėja. Vyriškų drabužių siuvėjas. Mokytis siuvėjui), etwa 30% der Ableitungen mit dem Suffix -ikas, -ė (z. B. bėgikas, -ė 2. „Sportler in Laufdisziplinen“);
2) in den Artikeln der Basisverben (ohne Definitionen) – etwa 77%: etwa 85% der Ableitungen mit dem Suffix -tojas, -a, etwa 72% mit -ėjas, -a und etwa 70% mit -ikas, -ė:
a) mit Verwendungsbeispielen – etwa 32% aller nicht als Stichwort geführten Ableitungen: etwa 38% mit dem Suffix -tojas, -a (z. B. išjodinėtojas, -a: Žirgų išjodinėtojas), etwa 35% mit -ėjas, -a (z. B. rišėjas, -a: Knygų rišėjas (Buchbinder)), etwa 14% mit -ikas, -ė (z. B. kūrìkas, -ė: Krosnies kūrikas (Heizer));
b) ohne Verwendungsbeispiele – etwa 68% aller nicht als Stichwort geführten Ableitungen: etwa 62% mit dem Suffix -tojas, -a (z. B. programuotojas, -a), etwa 65% mit -ėjas, -a (z. B. virėjas, -a) und etwa 86% mit -ikas, -ė (z. B. šerikas, -ė).
Diese statistischen Daten zeigen, dass die meisten der untersuchten Berufsbezeichnungen keine eigenen Artikel haben; sie werden gewöhnlich weder definiert noch erläutert oder durch Beispiele veranschaulicht. Solche Ableitungen sind jedoch nominativisch: Ihre Wortbildungsbedeutung und ihre lexikalische Bedeutung stimmen nicht überein, d. h. sie bezeichnen nicht einfach einen Handelnden nach der von ihm ausgeführten Handlung, sondern kennzeichnen zusätzlich, dass dies seine dauerhafte Beschäftigung ist. So bedeutet gynėjas, -a 1. „jemand, der verteidigt“; 2. „jemand, der den Angeklagten vor Gericht offiziell verteidigt, Rechtsanwalt“; 3. Sport „Abwehrspieler“. Nur in der ersten Bedeutung handelt es sich um eine transpositionelle Ableitung, eine unspezialisierte Bezeichnung für einen Handelnden (solche werden gewöhnlich einfach in die Artikel der Basisverben aufgenommen). Die zweite und dritte Bedeutung weisen bereits zusätzliche Seme auf und sind zu Termini geworden (obwohl die zweite nicht mit dem Fachgebietskennzeichen „Recht“ versehen ist); daher wird dieses Substantiv zu Recht in einem eigenen Artikel aufgeführt.
8 Diese relativen Daten widersprechen möglicherweise in gewissem Maße den Aussagen der LKG – der Anteil der Berufsbezeichnungen mit dem Suffix -ikas, -ė ist höher als der Anteil der Ableitungen mit dem Suffix -tojas, -a (vgl. 12,12% und 6,42%). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass es im DLKŽ fast viermal weniger Ableitungen mit dem Suffix -ikas, -ė als mit dem Suffix -tojas, -a gibt; Letztere werden zudem fast alle ohne Definitionen in den Artikeln der Basiswörter aufgeführt. Ableitungen mit dem Suffix -ikas, -ė haben häufiger speziellere Bedeutungen; etwa ein Viertel davon wird in eigenen Artikeln aufgeführt.
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Page 10In Wörterbüchern anderer Sprachen werden zu Berufsbezeichnungen gewordene Derivate ebenfalls als Stichwörter angesetzt (vgl. LVV 7), während nicht besonders verbreitete, „leicht bildbare“, d. h. nicht spezialisierte Derivate produktiver und regelmäßiger Wortbildungstypen im Allgemeinen nicht aufgenommen werden (Ожегов 1988: 9–10).
Somit ist offensichtlich, dass auch ein beträchtlicher Teil der Derivate, die in den Artikeln der Basisverben aufgeführt werden, speziellere Bedeutungen hat und Fachtermini bestimmter Bereiche sind (z. B. dėstytojas, -a, gelbėtojas, -a, montuotojas, -a, programuotojas, -a, prižiūrėtojas, -a, vairuotojas, -a; drožėjas, -a, kepėjas, -a, kirpėjas, -a, pjovėjas, -a, šokėjas, -a, tiekėjas, -a, verpėjas, -a, vertėjas, -a, virėjas, -a; jojikas, -ė, krovikas, -ė, liejikas, -ė, nešikas, -ė, šėrikas, -ė und viele weitere), was sich jedoch im DLKŽ nicht widerspiegelt. Dass es sich bei solchen Derivaten um Berufsbezeichnungen handelt, geht gelegentlich aus den Anwendungsbeispielen hervor (z. B. skutėjas, -a: Jis vertėsi skutėjo amatu, 2 braižytojas, -a: Jis dirba braižytoju) oder aus Fachgebietsmarkierungen (z. B. kilnotojas, -a: Sunkumų kilnotojas (Sport)). In einem Fall hat eine nicht als Stichwort angesetzte Berufsbezeichnung sogar eine Definition – suvirintojas, -a „Arbeiter oder Fachkraft für das Schweißen von Metallen“.
Gelegentlich werden Berufsbezeichnungen (oder Derivate mit anderen spezielleren Bedeutungen), die Personen benennen, die einer vergleichbaren oder ähnlichen Tätigkeit nachgehen und mit denselben Suffixen gebildet sind, im DLKŽ unterschiedlich behandelt (siehe Tabelle):
Lfd. Nr. | Als Stichwort angesetztes Derivat | Nicht als Stichwort angesetztes Derivat | illustriert | nicht illustriert | 1. | mokytojas, -a | dėstytojas, -a | 2. | rašytojas, -a | tapytojas, -a | 3. | siuntėjas, -a | gavėjas, -a | 4. | bėgikas, -ė | metikas, -ė | jojikas, -ė | čiuožikas, -ė | ėjikas, -ė 7. Sport | 2 plaukikas, -ė | 5. | siuvėjas, -a | verpėjas, -a | mezgėjas, -a | audėjas, -a | 1 sukirpėjas, -a
Wenn Berufsbezeichnungen als Stichwörter eigener Artikel angesetzt sind, werden sie mit Definitionen aufgeführt. Diese sind recht unterschiedlich formuliert – bei den Definitionen werden die Wörter specialistas verwendet (siehe die Definitionen der Derivate audėjas, -a, gydytojas, -a, siuvėjas, -a), darbininkas (suvirintojas, -a), pareigūnas (tardytojas, -a, tarnautojas, -a, teisėjas, -a 1.), oder es wird gesagt, dass die betreffende Person diese Tätigkeit beruflich ausübt (skalbėjas, -a) usw. Gelegentlich entspricht die erste Bedeutung eines solchen Wortes im DLKŽ der Wortbildungsbedeutung; sie wird ebenfalls
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Page 11uneinheitlich angegeben, vgl.: patarėjas, -a 1. → p a t a r t i (Agens), rašytojas, -a 1. → r a š y t i, puolėjas, -a 1. „wer angreift“9.
Bei einigen Berufsbezeichnungen fehlen im DLKŽ Fachgebietsmarkierungen, z. B. gynėjas, -a 2, tardytojas, -a, tarėjas, -a (Kompositum Teismo tarėjas), teisėjas, -a sind nicht mit der Abkürzung teis. gekennzeichnet; die 7. Bedeutung des Derivats ėjikas, -ė ist mit sport. markiert, während bėgikas, -ė 2, čiuožikas, -ė 2 und plaukikas, -ė 2 diese Markierung nicht tragen (ganz zu schweigen von den nicht als Stichwörter angesetzten buriuotojas, -a, irkluotojas, -a, jojikas, -ė, metikas, -ė usw.); die zweite Bedeutung des Derivats pūtikas, -ė „wer ein Blasinstrument spielt“ ist nicht mit muz. markiert usw.
5. Fachtermini
Über verschiedene Unstimmigkeiten bei der Aufnahme von Fachtermini in das DLKŽ ist bereits gesprochen und geschrieben worden (Žilinskienė 1995; 1997, Gudavičius 1997 u. a.). Diesmal sollte die Aufmerksamkeit auf einige noch nicht erörterte Fragen gelenkt und überlegt werden, wie sich solche Unstimmigkeiten in einem neuen Wörterbuch der litauischen Standardsprache vermeiden lassen.
Zunächst sei daran erinnert, dass im DLKŽ nicht alle Fachtermini und terminologisierten Bedeutungen mit den entsprechenden Abkürzungen gekennzeichnet sind. Dies gilt für volkstümliche Fachbezeichnungen, von Fachtermini abgeleitete Wörter und anderes spezielleres Vokabular, das über „reine“ Fachtermini hinaus verwendet wird. In der elektronischen Fassung des DLKŽ ist es zusätzlich mit „unsichtbaren“ Markierungen versehen (im Unterschied zu den „sichtbaren“, die bereits im Wörterbuch vorhanden waren). Diese werden für die Datenanalyse benötigt; andernfalls könnte der Computer nicht alle Fachtermini eines bestimmten Bereichs ausgeben, beispielsweise die Wörter gydymas, kraujavimas, paralyžiavimas, įtraiška, liga, sloga usw. Er würde sie nicht zusammen mit anderen medizinischen Fachtermini erfassen, weil ihre Artikel keine Abkürzung med. enthalten; in diesem Fall wäre die Liste der medizinischen Fachtermini unvollständig.
5.1. Diesmal lag das Augenmerk auf linguistischen Fachtermini. Insgesamt enthält das DLKŽ 294 Artikel mit den Abkürzungen lingv. oder gram. Damit kann das gesamte Stichwort (ob ein- oder mehrdeutig), ein Teil seiner Bedeutungen oder eine Wortverbindung markiert sein, in die das Stichwort eingeht. In weiteren 221 Artikeln sind diese Markierungen „unsichtbar“. Somit lässt sich annehmen, dass im DLKŽ nur etwa 57% aller darin enthaltenen linguistischen Fachtermini und sonstigen spezielleren Lexik dieses Bereichs gekennzeichnet sind.
Diese Fachtermini (insgesamt 51510) wurden mit den im „Wörterbuch der linguistischen Fachtermini“ (im Folgenden KTŽ) aufgeführten verglichen. Etwa 82% der im DLKŽ markierten Fachtermini wurden auch im KTŽ gefunden.
9 Für den Artikel pardavėjas, -a „wer verkauft“ sollte die angegebene Definition Daržovių, ledų pardavėja präziser formuliert werden (vgl. LKŽ IX 409 – „wer an Käufer verkauft“); dennoch bezeichnet man als Verkäufer gewöhnlich nicht jeden, der einmal beschlossen hat, irgendeinen für ihn nutzlosen Gegenstand zu verkaufen, sondern jemanden, der davon lebt.
10 Im DLKŽ gibt es Wörter mit mindestens einer terminologisierten Bedeutung oder solche, die zusammen mit anderen Wörtern linguistische Komposita bilden. Anders gesagt, diese Zahl zeigt, dass das Wörterbuch 515 Artikel enthält, in denen linguistische Fachtermini und sonstiges spezielleres Vokabular dieses Bereichs aufgeführt sind, mit oder ohne die Abkürzungen lingv. und gram. Wenn die genannten Markierungen in Belegbeispielen vorkommen, wurden diese Fälle diesmal nicht berücksichtigt und nicht in die Statistik aufgenommen.
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Page 12Von denjenigen, deren Kennzeichnungen „unsichtbar“ sind, sind im KTŽ etwa 50% enthalten, mit der Kennzeichnung gram. nur etwa 40%. Man muss jedoch bedenken, dass das KTŽ keineswegs alle, sondern nur wichtigere, häufiger verwendete Termini aufführt; so werden dort beispielsweise Verben nicht erläutert, obwohl asmenuoti, laipsniuoti, prieveiksmėti usw. zweifellos sprachwissenschaftliche Termini sind. Ebenso fehlen Bezeichnungen für Sprachwissenschaftler nach einzelnen Wissenschaften oder Wissenschaftszweigen (z. B. baltistas, germanistas, dialektologas, etimologas, leksikologas, leksikografas, taip pat klasikas, sintaksininkas, žodynininkas ir pan.), obwohl die Bezeichnungen der Wissenschaften und Zweige selbst aufgeführt sind (baltistika, germanistika, dialektologija, etimologija, leksikologija, leksikografija usw.).
Bei der Erstellung eines Wörterbuchs der Standardsprache wäre es ideal, über alle Fachwörterbücher zu verfügen (für jene Fachgebiete, deren Abkürzungen das DLKŽ verwendet) und zu prüfen, ob die ins DLKŽ aufgenommenen Termini, terminologisierten Wortbedeutungen und Wortverbindungen entsprechend gekennzeichnet sind. Allerdings sind noch nicht für alle Fachgebiete Fachwörterbücher verfasst worden. Andererseits ist es vielleicht nicht sinnvoll, im DLKŽ jedes Wort zu suchen, das in umfangreichen Fachwörterbüchern (z. B. der Physik, Medizin oder Polytechnik) vorkommt, oder jedes Wort zu überprüfen, das etwa in einem Fachwörterbuch der Textilbranche aufgeführt ist, wenn das DLKŽ tatsächlich nur 3 Termini aus diesem Bereich enthält (Žilinskienė 1997: 46). Offensichtlich lässt sich dies nicht konsequent durchführen – zumindest vorerst nicht, solange es keine computergestützte Terminologiedatenbank gibt und Fachwörterbücher fehlen. Vielleicht könnte man inzwischen wenigstens die Termini in kleineren Wörterbüchern (z. B. in solchen zu sprachwissenschaftlichen Termini u. Ä.) überprüfen. Künftig könnte man bei der Nutzung einer computergestützten Terminologiedatenbank eine solche Überprüfung vielleicht teilweise dem Computer übertragen, damit dieser ein Verzeichnis der Wörter erstellt, die im DLKŽ und im Fachwörterbuch eines bestimmten Bereichs vorkommen. Ein solches Verzeichnis würde dabei helfen, die im DLKŽ enthaltenen Termini angemessen zu ordnen, sie im neuen Wörterbuch der Standardsprache angemessen aufzuführen und verschiedene Inkonsistenzen zu vermeiden.
Inzwischen könnte man die erwähnten „unsichtbaren“ Terminuskennzeichnungen nutzen, die es ermöglichen, aus dem DLKŽ auch volkstümliche Termini, von Termini abgeleitete Wörter, anderweitig nicht gekennzeichnete Termini u. Ä. herauszufiltern. Verfügt man über eine Wortliste, die Termini und entsprechend nicht gekennzeichnete, dennoch aber fachsprachlich bedeutungsspezifische Wörter umfasst, lassen sich außerdem zahlreiche offensichtliche Inkonsistenzen im DLKŽ beheben und einige Kennzeichnungen „sichtbar“ machen. In anderen Fällen kann ein Wort, wenn es in keinem Fachwörterbuch eines bestimmten Bereichs vorkommt, seine Bedeutung aber eindeutig terminologisiert ist (wie sowohl die Definition als auch die Verwendungsbeispiele zeigen), mit einer „unsichtbaren“ Kennzeichnung belassen werden. Beispielsweise könnten dazu gehören džūkuoti 1. „in einem beliebigen Dzukischen Dialekt sprechen“; 2. „Dzukische Eigenheiten bewahren, wenn man nicht Dzukisch spricht“, garsynas „System der Sprachlaute“, priešdėletas, -a „mit einem Präfix versehen“, išversti 7. „einen Text oder eine Sprache in einer anderen Sprache wiedergeben“ (während versti 11. „einen Text aus einer Sprache in einer anderen Sprache wiedergeben“, vertėjas, vertimas offenbar mit „sichtbaren“ Kennzeichnungen versehen werden sollten; letzteres Derivat ist auch im KTŽ aufgeführt). In jedem Fall sollten die Terminologen und die Fachleute der jeweiligen Bereiche das letzte Wort in dieser Frage haben.
5.2. Im Wörterbuch der Standardsprache sollte man auf veraltete, nicht mehr oder nur selten verwendete, äußerst spezifische Termini verzichten (z. B. garsamokslis lingv., veralt. „fo-
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Page 13netika“, vielleicht auch kryptininkas gram. „gegenwärtiger innerer Lokativ“) sowie auf Wortverbindungen mit terminologischer Bedeutung (z. B. nebūvelis, -ė der im Artikel aufgeführte Nominativ des Subjekts nebūvelis). Diese Wörter sind im KTŽ nicht aufgeführt; das Wort kryptininkas fehlt auch im LKŽ.
5.3. In §36 der Einleitung des DLKŽ (S. XII) heißt es, dass „zusammengesetzte Termini oder sonstige verschiedene zusammengesetzte Bezeichnungen, deren Bedeutung nicht oder nur teilweise von der Bedeutung ihrer Bestandteile abhängt, […] nach allen Bedeutungen des Wortes hinter einem Dreieckszeichen (△) angeführt und in Klammern erläutert werden“. Man würde natürlich erwarten, dass diese Regel zumindest bei zusammengesetzten Termini konsequent befolgt wird. Das ist jedoch keineswegs immer der Fall. So werden im Artikel zum Wort jungtis „Verbindung, Zusammenhang“ einige Wortverbindungen zusammen mit Verwendungsbeispielen angeführt, wobei ihre Anwendungsbereiche angegeben sind – kištukinė jungtis (Technik), kremzlinė, raumeninė jungtis (Anatomie), anglies atomų jungtys (Chemie). Die Wortverbindung sudurtinio tarinio jungtis dagegen steht hinter dem Dreieckszeichen, ist mit der Abkürzung gram. versehen und wird erläutert.
Etwas vom Thema der sprachwissenschaftlichen Termini abweichend sei darauf hingewiesen, dass zusammengesetzte Termini für militärische Dienstgrade, jaunesnysis leitenantas und vyresnysis leitenantas, unterschiedlich aufgeführt werden. In beiden Fällen erscheinen sie zusammen mit anderen, nicht terminologisierten Wortverbindungen und Sätzen. Jaunesnysis leitenantas steht in einem Artikel, dessen Lemma das Adjektiv im Positiv jaunas, -a ist. Als einzige Bedeutung wird „wenig an Jahren; jünger als andere, Ggs. s e n a s“ angegeben. Daraus ließe sich schließen, dass der militärische Dienstgrad irgendwie mit dem Alter einer Person zusammenhängt. Der zweite zusammengesetzte militärische Terminus steht in einem Artikel, dessen Lemma vyresnis, -ė die Komparativform ist und zwei Bedeutungen hat: 1. „mehr Jahre zählend“; 2. „im Dienstgrad oder Amt höher stehend“. Die Wortverbindung vyresnysis leitenantas, die die zweite Bedeutung veranschaulicht, ist jedoch nicht mit der Abkürzung kar. gekennzeichnet, die bei jaunesnysis leitenantas steht.
Im KTŽ (S. 124) finden sich zwei sprachwissenschaftliche Termini mit dem Adjektiv minkštasis – minkštasis gomurys und minkštasis priebalsis. Das DLKŽ führt davon nur den zweiten an – als Beleg für die achte (terminologisierte, mit der Abkürzung lingv. gekennzeichnete) Bedeutung des Adjektivs minkštas, -a. Die Definition dieser Bedeutung, „vor vorderen Vokalen ausgesprochen“, zeigt, dass sie auch durch kein anderes Beispiel veranschaulicht werden könnte; es handelt sich also um eine Definition der gesamten Wortverbindung und nicht nur des Adjektivs. Übrigens steht das Adjektiv in dieser Wortverbindung, wie es bei Termini sein sollte, in der pronominalen Form; das heißt, das in der achten Bedeutung verwendete Adjektiv minkštas, -a besitzt keine einfache Form und unterscheidet sich damit von seinen übrigen Bedeutungen.
Vgl. ferner nosinis, -ė 2. lingv. „durch die Nase gesprochen“: -iai priebalsiai (m, n); 3. lingv. „der Tradition entsprechend mit einem Häkchen unten geschrieben“: -ės balsės (Buchstaben mit einem Zeichen für die verschwundene Nasalität – ą, ę, į, ų). Im letzteren Fall kann man sagen, dass das DLKŽ für nosinės balsės zwei Definitionen enthält; die Aufführung der Wortverbindung legt nahe, dass sie lediglich der Veranschaulichung einer terminologisierten Bedeutung dient und kein zusammengesetzter Terminus ist, denn für Letztere wird ein spezielles Dreieckszeichen verwendet.
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Page 14Der Einheitlichkeit halber könnten weicher Konsonant und die anderen genannten Verbindungen am Ende des Artikels nach dem Dreieckszeichen angeführt werden, wie weiter Vokal (Linguistik: „mit entspannter Zunge gesprochen, zum Beispiel a“) im Artikel des Adjektivs platùs, -i, Liquide (Linguistik: l und r) im Artikel des Adjektivs sklandùs, -i oder der grammatische Terminus unbestimmte Pronomen (Grammatik: „mit denen ein Gegenstand, eine Zahl oder eine Eigenschaft nur allgemein bezeichnet wird, z. B.: irgendwer, irgendjemand, ein Dutzend, dies und das“), dem allein der gesamte mit dem Stichwort nežymimasis beginnende Artikel gewidmet ist.
Somit sollten in einem Wörterbuch der Gemeinsprache Abkürzungen, die die Anwendungsbereiche von Termini kennzeichnen, nur unmittelbar beim einfachen Terminus selbst, beim Zeichen für eine terminologisierte Bedeutung oder bei einem zusammengesetzten Terminus stehen, der stets durch ein Dreieckszeichen von anderen Verbindungen abgehoben werden sollte. Vielleicht sollte auf die Kennzeichnung der Anwendungsbereiche in den Belegen verzichtet werden.
5.4. Es wurde erwähnt, dass Ableitungen mit einigen Suffixen (-imas/-ymas, -umas, -tojas, -a, -ėjas, -a, -ikas, -ė u. a.) meist ohne Definitionen und Anwendungsbeispiele in den Artikeln der Basiswörter aufgeführt werden. Ist eine solche Ableitung zu einem Terminus geworden oder wurde sie auf der Grundlage einer terminologisierten Bedeutung des Basisworts gebildet, sollte sie in einem eigenen Artikel stehen, der neben dem Stichwort auch ihre Definition und Anwendungsbeispiele enthält. Handelt es sich bei der Ableitung um eine Transposition (d. h. ihre lexikalische Bedeutung weist im Vergleich zur Bedeutung des Basisworts keinen semantischen Zuwachs auf und stimmt mit der Wortbildungsbedeutung überein), ist das Basiswort anzugeben und dabei genau diejenige Bedeutung zu kennzeichnen, die die Ableitung motiviert. Somit sollten linguistische Termini wie asmenavimas, būdvardėjimas, daiktavardėjimas, kaitýmas, kirčiavimas, laipsniavimas, prieveiksmėjimas, transkribavimas usw. in eigenen Artikeln aufgeführt werden. In manchen Fällen sind mehrere Bedeutungen solcher Termini zu unterscheiden; so sollte beispielsweise beim Wort vertimas sowohl die Handlung selbst als auch ihr Ergebnis definiert werden.
Mit einem Computerprogramm zur Analyse des DLKŽ und unter Berücksichtigung der genannten Aspekte ließen sich Termini in einem Wörterbuch der Gemeinsprache wesentlich einheitlicher aufführen, als dies im DLKŽ geschehen ist.
6. Nachteile der nicht als Stichwörter aufgeführten Wörter
6.1. Wenn ein Teil der Ableitungen des DLKŽ in den Artikeln anderer, meist ihrer Basiswörter, aufgeführt wird, bleibt ihre Semantik – die Anzahl und Hierarchie der Bedeutungen, die semantischen Beziehungen zu den Basiswörtern usw. – unklar, da fast alle (etwa 99%) dieser Ableitungen ohne Definitionen aufgeführt sind. Hier sei daran erinnert, dass sogar etwa 45% der Substantive im DLKŽ keine Stichwörter sind.
6.1.1. Im DLKŽ wird die Mehrdeutigkeit der Ableitungen nicht abgebildet. Daher lässt sich auch das tatsächliche Verhältnis zwischen ein- und mehrdeutigen Wörtern im Wörterbuch nicht bestimmen.
6.1.2. Im DLKŽ gibt es mehr Termini, als gekennzeichnet sind, und es lässt sich nicht genau feststellen, welchen Anteil am Wortschatz des Wörterbuchs sie ausmachen.
6.1.3. Es lässt sich nicht feststellen, wie viele Ableitungen (und allgemein Wörter im DLKŽ) in übertragenen Bedeutungen verwendet werden.
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Page 156.1.4. Das Wörterbuch bildet nicht die gesamte stilistische Vielfalt der Derivate und allgemein der darin aufgeführten Wörter ab.
6.1.5. Selbst in den seltenen Fällen, in denen nichtlemmatisierte Derivate illustriert werden, kann der Wörterbuchbenutzer ihre Mehrdeutigkeit erst erfassen, nachdem er den gesamten Artikel zum Grundwort gründlich studiert hat, da dies formal nicht dargestellt wird.
6.2. Die syntaktischen Beziehungen solcher Derivate werden nicht dargestellt, da sie meist nicht illustriert werden – im DLKŽ fehlen bei etwa 95% der nichtlemmatisierten Substantive Verwendungsbeispiele.
6.3. Für Benutzer, insbesondere für solche mit geringeren Litauischkenntnissen, kann es mitunter schwierig sein, das gesuchte Wort zu finden, da nicht alle Wörter des DLKŽ alphabetisch angeordnet sind. Alphabetisch geordnet sind die Wörterbuchartikel; in ihnen können jedoch mehrere fett gedruckte Wörter stehen – das Lemma (die Lemmata) und eines oder mehrere seiner (ihrer) Derivate. Außerdem wird bei nichtlemmatisierten Derivaten meist nur die Endung angegeben, d. h. ein solches Wort ist nicht vollständig sichtbar, sondern zerteilt; dabei wird nicht immer nach Morphemen getrennt (obwohl dies wünschenswert wäre, wenn der Artikel Wörter mit derselben Wurzel enthält), z. B.: drau-dimas, kei-tikas, kei-timas, kei-timasis, pabr-igzimas, paskl-idimas, paskl-aidymas, pliur-škimas usw.
6.4. Einige Derivate werden im Wörterbuch zweimal aufgeführt – in den Artikeln zu den Grundwörtern und in separaten Artikeln (wenn sie speziellere Bedeutungen angenommen haben). Es gibt 35 Derivate mit dem Suffix -imas/-ymas (z. B. akėjimas, apsiauvimas, maišymas, pasimãtymas usw.; weitere Beispiele siehe Murmulaitytė 1997: 123, 125, 126), mit dem Suffix -umas – 1 (teisingumas), mit dem Suffix -ybė – 4 (bendrybė, gardybė, tolygybė, vertybė), Adverbien mit dem Suffix -ai – 2 (apskritai, riestai). Diese Doppelaufführung ist aufgrund der erwähnten Aufgliederung der Derivate und der nichtalphabetischen Anordnung einiger von ihnen schwer zu bemerken.
6.5. Aus den genannten Gründen stehen einige gleich geschriebene Wörter im DLKŽ weit voneinander entfernt. Erst beim Lesen computergenerierter Wortlisten, in denen alle Wörter vollständig und alphabetisch aufgeführt sind, fällt auf, dass das Wörterbuch nicht gekennzeichnete Homonyme und Homographe enthält. Von den Derivaten mit dem Suffix -imas/-ymas gibt es etwa 40 Wortpaare, z. B. saldimas (: saldūs, -i) und saldimas (: salsti), uogavimas (: uogauti) und uogavimas (: uoguoti) usw. (weitere Beispiele und eine detailliertere Klassifikation siehe Murmulaitytė 1997: 126–130); bei den Derivaten mit dem Suffix -umas gibt es 4 Wortpaare: trūkumas (: trūkti) und trūkumas (: trūkis, -i), dvišakumas (1. „Stelle, an der zwei Äste zusammengewachsen sind“; 2. „Schritt“) und dvišakumas (Abstraktum zum Adjektiv dvišakas, -a), ferner glūdimas und glūdimas, mažumas und mažumas; bei Adverbien mit dem Suffix -iai gibt es 1 Paar: stačiai (: status, -i) und stačiai (: stačias, -ia).
Nach einer Durchsicht der mit dem Suffix -ikas, -ė gebildeten Personenbezeichnungen zeigt sich, dass einige davon zu zoologischen oder botanischen Fachbegriffen geworden sind und keine weiblichen Entsprechungen haben, z. B. 1 plaukikas zool. „ein kleinerer als eine Taube großer Wasservogel mit langem, dünnem Schnabel (Phalaropus lobatus)“, čiuožikas zool. „ein auf der Wasseroberfläche springendes Insekt aus der Ordnung der Wanzen (Gerris)“, kirpikas zool. „ein dunkelbrauner Borkenkäfer aus der Familie der Borkenkäfer – ein Kiefernschädling (Blastophagus)“, ferner bėgikas, kopikas, 1 plėšikas, sėjikas, švilpikas, verpikas, graužikai, 1 plėšikai, sėjikai, verpikai, lipikas
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Page 16bot. „eine klebrige Wald- und Feldpflanze aus der Familie der Rötegewächse, ein Gartenunkraut (Galium)“, smaugikas bot. „eine wilde und Zier-Kletterpflanze, die, indem sie sich um einen Baum windet, ihn zum Absterben bringt (Celastrus)“. Diese Fachbegriffe werden uneinheitlich aufgeführt. Im DLKŽ gibt es 13 Wortpaare von Derivaten mit dem genannten Suffix, bei denen ein Glied auch eine feminine Entsprechung hat, das andere hingegen nur maskulin ist. In zwei Fällen sind solche Paare als Homonyme und Homographe gekennzeichnet, 11 Paare sind nicht entsprechend markiert. Insgesamt lassen sich in diesem Fall bis zu vier Arten der Darstellung unterscheiden:
6.5.1. Der Fachbegriff wird als Homograph der nicht spezialisierten Personenbezeichnung behandelt; diese Wörter werden in separaten Artikeln aufgeführt, z. B. 1 plaukikas zool. und 2 plaukikas, -ė, ferner 1 plėšikas zool. und 2 plėšikas, -ė.
6.5.2. Personenbezeichnung und nichtlemmatisierter zoologischer Fachbegriff werden in einem Artikel aufgeführt, z. B. čiuožikas, -ė und čiuožikas zool.11, ferner bėgikas, -ė und bėgikas zool.
6.5.3. Der Fachbegriff wird in einem separaten Artikel aufgeführt (lipikas bot.), während die Personenbezeichnung im Artikel des Grundverbs steht (1 lipti, -a, -o – lipikas, -ė); vgl. auch sėjikas, -ė und sėjikas zool.12, ferner kandikas, -ė und kandikas, kaupikas, -ė und kaupikas, skriejikas, -ė und skriejikas tech., smaugikas, -ė und smaugikas bot., švilpikas, -ė und švilpikas 1. zool., 2. (kul.?), vilkikas, -ė und vilkikas (tech.?);
6.5.4. Im DLKŽ gibt es einen separaten Artikel für den Fachbegriff, während das Wörterbuch die Personenbezeichnung überhaupt nicht aufführt, z. B. kirpikas zool.
In einem Wörterbuch der Gemeinsprache sollten solche Wörter einheitlich aufgeführt werden; möglicherweise sollte dabei die erste Variante gewählt werden. Andernfalls enthält das Wörterbuch nicht gekennzeichnete Homographe, die besonders schwer zu bemerken sind, wenn sie in Artikeln zu Grundwörtern stehen, denn in solchen Fällen wird gewöhnlich nicht das ganze Derivat, sondern nur seine Endung angegeben.
Alle im Plural stehenden zoologischen Fachbegriffe mit dem Suffix -ikas, also Familien- und Ordnungsbezeichnungen, sind nichtlemmatisiert. 1 plėšikai, sėjikai ir verpikai werden in den Artikeln zu den entsprechenden Vogel- und Schmetterlingsbezeichnungen aufgeführt, während graužikai im Artikel zur Personenbezeichnung graužikas, -ė steht (denn diese Bezeichnung einer Säugetierordnung leitet sich von einer Personenbezeichnung ab und nicht von der Bezeichnung eines bestimmten Tieres). Offenbar wird jedoch auch bei den Pluralbegriffen keine strenge Regel eingehalten; vgl. Derivate mit einem anderen Suffix: Der pluralische Fachbegriff buriuotojai zool. „Familie großer, prächtig gefärbter Schmetterlinge, die mit seltenen Flügelschlägen gleiten (Papilionidae)“ wird in einem separaten Artikel aufgeführt, während die Personenbezeichnung buriuotojas, -a im Artikel des Grundverbs steht.
6.6. Wenn mehrere Wörter derselben Wortfamilie in einem Artikel aufgeführt werden, scheint dies auf den ersten Blick eine gewisse Möglichkeit zu bieten, den Wortschatz des DLKŽ zu untersuchen und
11 LKŽ II 162 sind diese Wörter nach der ersten Variante aufgeführt: 1 čiuožikas sm. zool. „Wasserläufer (Hydrometra)“ und 2 čiuožikas, -ė smob. „jemand, der Schlittschuh läuft oder gleitet“.
12 Dieser Wörterbuchartikel enthält auch den nicht als Lemma angesetzten zoologischen Pluralterminus sėjikai „Familie aus der Ordnung der Regenpfeiferartigen, zu der der Regenpfeifer, der Kiebitz u. a. gehören (Charadriidae)“.
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Page 17allerdings. Diese Möglichkeit ist jedoch sehr gering, da eine solche Darstellung keineswegs alle Wortbildungsbeziehungen aufzeigt:
a) Obwohl die Wörterbuchartikel in der Einleitung des DLKŽ bei der Erläuterung der Methode der Wortaufnahme als Nester bezeichnet werden, enthalten sie nicht alle wortverwandten Wörter, die zu einem echten Wortbildungsnest gehören;
b) Nicht alle nicht als Lemma angesetzten Derivate werden in den Artikeln ihrer Basiswörter aufgeführt, z. B. die Eigenschaftsbezeichnungen primityvumas ir priverstinumas sind in den Adverbartikeln primitytinai ir priverstinai eingetragen, baigiamybė, baigiamumas sowie sprogstamumas in den Artikeln, deren Lemmata substantivierte pronominale Partizipien sind: baigiamasis, -oji sowie sprogstamasis, -oji;
c) In den Artikeln der Basiswörter werden meist Derivate regelmäßiger, produktiver Wortbildungstypen aufgeführt, z. B. verbale Abstrakta mit dem Suffix -imas/-ymas und adjektivische Abstrakta mit dem Suffix -umas. Die tatsächliche Regelmäßigkeit und Produktivität dieser Typen tritt im DLKŽ jedoch nicht deutlich hervor; statistische Angaben wären ungenau, da das Wörterbuch nicht alle möglichen Derivate dieser Typen enthält. So lassen sich Handlungsbezeichnungen mit dem Suffix -imas/-ymas praktisch von jedem Verb bilden, doch im Wörterbuch finden sich davon etwa 16,5 Tausend, während die Zahl der Verbinfinitive etwa 19,2 Tausend beträgt.
Andererseits sollten in ein Wörterbuch der Standardsprache zweifellos nur häufig gebrauchte Wörter aufgenommen werden; daher sollte man nicht erwarten, in jedem Verbartikel das entsprechende Abstraktum mit dem genannten Suffix zu finden. Dennoch enthält das DLKŽ bepročiavimas, garsiavimasis, pragudrėjimas, vadinėjimas u. a. sowie die Eigenschaftsbezeichnungen prisiskaityliškumas, kraštutiniškumas (würde nicht das häufiger gebrauchte kraštutinumas? genügen?), pašaipingumas sowie die Personenbezeichnungen išvykautojas, pašarautojas u. a. Es ist kaum anzunehmen, dass diese recht ungewöhnlichen Derivate in einem Häufigkeitswörterbuch oder Korpus hohe Frequenzwerte aufweisen würden.
Schlussfolgerungen
In einem Wörterbuch der Standardsprache sollten die abgeleiteten Substantive mit den genannten Suffixen nach bestimmten Grundsätzen aufgenommen werden.
1. Vielleicht sollte man ganz auf Derivate ohne speziellere Bedeutungen verzichten, die in den Artikeln der zugrunde liegenden Verben aufgeführt werden.
2. Substantive mit spezielleren Bedeutungen sollten in eigenen Artikeln aufgeführt werden.
3. Wenn ein Derivat speziellere Bedeutungen hat und dafür ein eigener Wörterbuchartikel vorgesehen ist, sollte auch den transpositionellen, nicht spezialisierten Derivaten eine eigene Sememzuweisung zukommen, d. h. jenen, bei denen lexikalische Bedeutung und Wortbildungsbedeutung übereinstimmen (im DLKŽ werden sie meist ohne Definitionen und Verwendungsbeispiele in den Artikeln der Basiswörter aufgeführt). Solche Sememe können formal einheitlich angegeben werden – durch Nennung des Basisworts und der Wortbildungskategorie. Wenn Substantive nicht auf allen Bedeutungen der zugrunde liegenden Verben oder Adjektive beruhen können, sollte auch dies angegeben werden, indem diejenigen Bedeutungen der Basiswörter markiert werden, die das Derivat motivieren.
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Page 184. Als eigenständige Artikel könnten auch Derivate aufgeführt werden, die zwar andere spezielle Bedeutungen angenommen haben, jedoch keine ausgeprägteren semantischen Gruppen (wie etwa Berufsbezeichnungen für Personen o. Ä.) bilden – krikštytojas, išganytojas; baudėjas, rėmėjas, -a, steigėjas, -a, stebėtojas, -a, vartotojas, -a; smogikas usw.
5. Vielleicht sollten auch stärker verbreitete, nicht zu empfehlende Bedeutungen einiger Derivate angegeben werden, z. B. bālìntojas „Bleichmittel“, išjungėjas „Schalter“, pakrovėjas „Ladegerät“ usw. Im Lettischen sind beispielsweise solche Substantive, die sowohl eine Person als auch ein Gerät oder eine Maschine bezeichnen, normgerecht; deshalb werden sie im LVV im selben Artikel als separate Bedeutungen eines polysemen Derivats aufgeführt (kulējs, skaitītājs). Im Wörterbuch der litauischen Gemeinsprache könnte man sie ebenfalls so aufführen, allerdings müsste die Bedeutung „Mittel des Handelns“ mit dem Vermerk ntk versehen werden.
6. Alle Fachbegriffe aus bestimmten Bereichen sind mit den entsprechenden Abkürzungen zu kennzeichnen.
7. Sind die motivierenden Bedeutungen des Grundworts übertragen oder mit stilistischen Kennzeichnungen wie umg., abwert. o. Ä. versehen, müssen auch die entsprechenden Bedeutungen der Derivate gekennzeichnet werden.
Ein Wörterbuchartikel zu einem abgeleiteten Substantiv, das neben anderen Bedeutungen beispielsweise eine Person nach ihrem Beruf bezeichnen kann, könnte also etwa folgendermaßen aussehen: vertėjas, -a Subst. (1) 1. sprachw. „jemand, der einen Text übersetzt“; 2. → v e r s t i 1 (Agens); 3. → v e r s t i 7 (Agens); 4. → v e r s t i 8 (Agens); 5. → v e r s t i 15 (Agens); jede Bedeutung wäre selbstverständlich durch Verwendungsbeispiele zu illustrieren, die das Derivat erklären können, ohne dass man im Wörterbuch blättern und die entsprechende Bedeutung des Grundworts suchen muss. In diesem Fall sind alle Bedeutungen angegeben, die LKŽ XVIII 877 aufführt. Ob sie alle in einem Wörterbuch der Gemeinsprache erforderlich sind, müsste noch erörtert werden. Offensichtlich aber hat vertėjas, -a wesentlich weniger Bedeutungen als sein Grundverb versti, und dies lässt sich dem DLKŽ nicht entnehmen, weil das abgeleitete Substantiv in diesem Wörterbuch weder definiert noch durch Beispiele illustriert, sondern lediglich im Artikel des polysemen Grundverbs (mit 17 Bedeutungen) eingetragen ist.
Eingegangen am 03.02.1999
LITERATUR UND QUELLEN
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DLKŽ – Wörterbuch der litauischen Gegenwartssprache, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1993.
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PRÄSENTATION VON DERIVATEN IN DEN LEMMAARTIKELN IHRER BASISWÖRTER IM WÖRTERBUCH DER MODERNEN LITAUISCHEN SPRACHE (DABARTINĖS LIETUVIŲ KALBOS ŽODYNAS)
Zusammenfassung
Der Beitrag befasst sich mit den Ableitungen mit den Suffixen -imas/-ymas, -umas, -ybė, -tojas, -a, -ėjas, -a, -ikas, -ė, die in den Artikeln ihrer Basiswörter aufgeführt sind. In den meisten Fällen haben sie weder Definitionen noch Belege, sodass die Benutzer keine ausreichenden Informationen über ihre Semantik und Verwendung erhalten können. Außerdem erscheinen sie aufgrund der gewählten Darstellungsweise im Wörterbuch als unmarkierte Homographen und Homonyme.
Daher ist es im neuen Wörterbuch der Standardsprache Litauisch (Bendrinės lietuvių kalbos žodynas) sinnvoller, nur einen Teil dieser Ableitungen aufzunehmen. Nur Ableitungen mit spezialisierten Bedeutungen oder solche, die Fachtermini sind, würden in separaten Artikeln präsentiert. Die übrigen müssen aufgrund ihrer regelmäßigen Ableitung und der Nähe ihrer lexikalischen und derivationellen Bedeutung nicht in dieses Wörterbuch aufgenommen werden.
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