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Jonas KLIMAVIČIUS

Lietuvių kalbos institutas, Vilnius

FADEN, FASER, GARN; SPINNEN, DREHEN, WERFEN, WEBEN

Zum Gedenken an Mamytė, die Stiefmutter von Tetė, Ieva Klimavičienė–Kvietkauskaitė aus Kvietkapušis, die am surrenden Spinnrad als Erste den Faden meines Schicksals erkannte, der mich aus der Heimat führen sollte.

A. Lyberio „Sinonimų žodyne“ (V., 1980) pateikiama: siūlas, gija, verpalas (1961 m. A. Lyberio „Lietuvių kalbos sinonimų žodyne“ nėra). Dominantė – siūlas „kas suverpta“, o verpalas neaiškinamas. Taip yra dabartinės bendrinės kalbos paprastojoje vartosenoje. Istoriškai ir terminologiškai vaizdas yra gerokai skirtingas, įvairesnis. Čia bandoma pasekti jo sudėtingą klostymąsi. Pradėti reikia nuo verpimo.

1. Garn, Garne

Garn, Garne und andere gleichstämmige Synonyme sind mit verschiedenen Bedeutungen fast überall in Litauen bekannt; nur das Spinnen im Haushalt, das seinen allgemeinen Umfang verloren hat, geht schon seit Langem zurück, und die Wörter sinken, wie der Dichter Justinas Marcinkevičius sagt, unter die verrottete Schwelle der Heimat oder werden glücklicherweise in die moderne Textilkunst übernommen. Zum Rückgang der Wörter verpalas, verpalai in der lebendigen Sprache (den Dialekten) hat auch die Vereinheitlichung der Fäden – der selbstgesponnenen und der gekauften – beigetragen. Deshalb hört man wohl schon seit zwanzig Jahren überall die Frage der vom Land in die Städte gezogenen Auswanderer: Warum nennt man Fäden Garne?

Die Antwort ist einfach: Was gesponnen wird, ist Garn.

Den Angaben des Akademischen LKŽ XVIII zufolge bedeutet verpalas bei den Žemaiten – Slnt, Grd, Stl – auch 4. „Spinnen“: Par verpalą duoną sau ir pavargėliams pelnė M. Valanč [auch verpėlas Tvr; verpėnė Nt, Ggr; verpōnė B 569, R, MŽ, N, Pgg; verpōlė P. Skar; verpōje Kb, Mrc; verpātis Užp, Ktk (und „Zeit des Spinnens“ Žmt); vērpatė Ds, Tvr, Ktk, Aln, Sld; vērpetė Tvr, Aln; vērpsena Lnk, Trkn, Šts; vērpšlė Jnšk – also Varianten und

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der Aukštaiten. Folgerichtig dürfte dies die ursprüngliche Bedeutung des Wortes verpalas sein, während die anderen Bedeutungen und die Form verpalai spätere Entwicklungen darstellen.

Als Nächstes folgt die ebenfalls žemaitische Bedeutung von verpalų – 1. „das zum Spinnen Bestimmte, ein zu verspinnender Faserstoff“ Vkš, Kv, DūnŽ, verpalas Kair, Sd, Brs, Krt (Verpalo turės į verps vakarais Grd) sowie bereits auf der Aukštaiten-Seite in Vrt und ferner im abgelegenen, isolierten Dglš [auch verpȳlai Pl; verpōnė K II 196, verpōjė Rtn; verpōjus J; verpātė Lel, Klt, Trgn, Rk, Vj; verpatis Ut, Trgn, verpatis Sug, Ds (verpatis Dglš, Dkk); verpimas Ilg, Slv, Nm, Gs, Brt, Kpč].

Am weitesten verbreitet ist verpalai wohl in der Bedeutung 2. „das, was gesponnen wurde“ bei den östlichen und westlichen Aukštaiten: Stori verpalai – drobių neausi Dkš. Kokia verpėja, toki ir verpalai Grš. Ot turtinga jaunoji: ir audinių visokiausių, i da neaustų verpalų atsivežė Krs. In dieser Bedeutung ist verpalai auch bei den Žemaiten belegt, in Als, während bei den Žemaiten verpalas häufiger ist – Kl, End, ebenso im Gebiet jenseits des Žemaitenlandes – Škn und Grdž [auch verpelai B, Vd, Vr; verpelas Rod; verpȳlas Jnš; verpȳlai Klov; verpena V. Krėv; verpinys Pč; verpōnė B 460, MŽ 230, N, K; verpōlė N; verpātė Rgv, Klt, Sv, Ds; verpatis Sdk, Užp; verpastis Ds; verpimas meist im Singular Vrn, Ig, Rmš, Graž, Kt, PnmŽ, Rs, Er, Kp].

Bemerkenswert ist der Versuch litauischer Auswanderer, das Wort verpalas terminologisch zu definieren – 3. „eine etwa zwei Ellen lange Menge gesponnener und aufgewickelter Fäden“: Verpalą sudarydavo iš 30 sruogų, skirdami sruogai 30 portų siūlų LE XXXIII 439.

So wurde also gesponnen und Garn in größeren Mengen gesponnen: Verpdavo ir priverpdavo verpalų: Tris pirtis išmydavo linų, prive rpdavo tų verpalų daug PnmŽ. Aus Hanf spannen wir dieses verpalų verpėm SmIn. Priverpiau verpatės daug Klt. Per visą žiemą dykos buvom, tai ir prisiverpėm daug verpaties Užp.

Verpalus ir lenkdavo bog man auch vom Spinnrad auf den Haspel: Verpalus nuo špūlės lenkti K I 14, 592. Šituos verpalus sulenk ant lankčio Snt (aus LKKŽ VII).

Verpalai skiriami ir austi: Andarokai iš balto audeklo, iš lininio verpalo išaudžia ilgį, palug žemės LKT 393 (Brsl). Ar ne gražu žiūrėt, kad Gryta jau prisiverpus skirsto verpalus aust ir audus baltina drobes K. Donel. Auch die kanonischen Verse aus Maironis’ „Jaunoji Lietuva“: Šarmotas rytas nebeblaško sniegų, tik kvapą užimdanas spaudžia ar pirštais gudriais ant grinčutės langų žvaigždelėmis verpąla audžia.

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Und mit Garn nähen? Nein! Verpalas ist „das, was gesponnen wurde“, nicht aber siūlas. Siūlas – siūti. Erst später weitete sich die Bedeutung von siūlo aus.

2. Faden und Fäden

Die ursprüngliche Bedeutung von Faden dürfte wohl 2 gewesen sein: „kein allzu langes Ende des Garns“ LKŽ XII, vielleicht ganz einfach „das in die Nadel eingefädelte Garnende“. Oder etwa nicht des Garns? Wahrscheinlich doch des Garns, denn es gibt, wenn auch selten, auch Garn 2. // „Nähfaden“: Man zieht unter der Schere hervor und klebt dann den [abgerissenen] Faden wieder an Jd. Natürlich ist der ursprüngliche Gegensatz Garn ↔ Faden in der lebendigen Sprache bereits stark neutralisiert (in der Terminologie nicht; dazu siehe Kap. 10): Faden „Nähgarn“ wurde bald allgemein zu „Garn“ (ähnlich wie Nadel „Stricknadel“ heute in erster Linie „Nähnadel“ bedeutet). Schließlich entstand sogar Nähfaden: Linukus muss man wie dünne Nähfäden spinnen Rt. Siumaviej [Metathese – Lautvertauschung aus siuvamiej] Fäden Lz. Und auch in der Industrie gibt es Nähfäden LTE X.

Also ist es üblich, nicht nur Garn, sondern auch Fäden zu spinnen: Die Großmutter spinnt, der Faden ist dick Dbk. Suosurkėti (d. h. zusammendrehen – kräuseln) Fäden – sukri ai verpta Klt. Ich werde keinen Schneider lieben, ich werde nicht wissen, wie man Fäden spinnt LTR (Brt). Linus reikia verptie in siūlų Vidžiai.

Zu Fäden spinnen – bedeutet das nicht eine der Spinnarten? Eine stärker gedrehte?

3. Gija und Geinys

Nur sehr selten spinnt man Fäden und Garne: Meine liebe Mutter befahl mir, dünne Garne zu spinnen RD 1 (LKŽ XVIII). Wie die Spinnerin, so der Faden Krkl (LKŽ III). Auch „Dünnheit“ ist kein unverzichtbarer Bestandteil der Bedeutung von „Garn“: Faden – 1. „Faden aus dünn gesponnenem Garn“ LKŽ XII. Garnfaden – „Webfaden“ SinŽ, „zum Weben bestimmter Faden“ A. Sabal LKL 10, 1. „Faden (gewöhnlich der Kettfaden beim Weben)“: Der Garnfaden ist ungedreht, der Faden aber gedreht. Den Garnfaden fädelt man durch das Webblatt K I 416. Viele Kettfäden, wenig Schuss Švnč. Ebenso: Trenne die Kett- und Schussfäden J (LKŽ I,). Da, die für die Kette bestimmten Fäden J (LKŽ VIII). Vollständige Klarheit besteht dennoch nicht. Etwas weiter hilft Garnfaden „Faden zum Knüpfen eines Netzes“ StngŽ 82, fadenförmig „abgerieben (von einem Kleidungsstück

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stück)“: Sermega ist sehr gijuota LC. Skāis(t)gijos, obwohl als „bestimmte farbige Wollfäden zum Weben“ erklärt, LKŽ XII, zeigen die Beispiele gerade keine Verwendung zum Weben: Sie schnitten Leinwand zu, nähen Hemden, verschönern mit skaistgijos, verzieren mit Seidenfäden (d. h. sticken) Mrj. Eine leinene Tischdecke, mit skaistgijos verziert Klt. Aus den übrigen Beispielen wird nichts klar: Die bunten skaistgijos oder die gesprenkelten skaistgijos Ss. Skaistgijūnės-Bänder Mrj. Etymologisch wird gija mit gysla in Verbindung gebracht, obwohl der Bedeutungszusammenhang unklar ist. P. Skardžius leitet sowohl das Wort gysla als auch gija von gyti ab, P. Skar LKŽD 165 und 48; doch gija wird im Vergleich mit vija (:vyti, veja, vijo) und sija (:sýti, syja, sijo) nicht verständlicher. In der synchronischen Wortbildung ist das Suffix –sla unbekannt. Noch schwieriger wird es, wenn K. Būga die Wörter gija und geinys „Kettfäden“ verbindet, K. Būga RR III 821. Nach den Angaben des LKŽ III wird geinỹs 2. „Kettfäden eines Gewebes, vom Schärrahmen abgenommene Fäden; drika“ bei den nordwestlichen ostlitauischen Hochlitauern in Ps, Slm, Pn, Sml, Anč gebraucht (geinės Grž). In anderen Bedeutungen ist geinys (geinis K) – 1. „Vorrichtung aus Seilen zum Hinaufklettern auf einen Baum bei den Bienenstöcken“ R 227, Lp, Rud, Mrc (geinė Vrn), 3. „gekrümmter Stock zum Schlagen eines Ripka-Balls, zum Treiben eines Schweins auf den Hof; Schläger, Knüppel“ Šd, Sml, Pc [ebenso keinis (ir keinys Ar) 1. Akm, Pp, Žg, Jnš, Skn, Pšš, Kdn, Srv („Stock“ Šln, Vdk) und keinė Lk; ferner keinis 2. „Bein“ Tt, Ll, keinius „O-Bein, Hinkender“ Ll, vielleicht auch keina „Lärche“ Dkšt] sowie 4. „im Wasser zusammengebundene oder zusammengenagelte dünne Stämme, an denen ein Floß festgemacht wird, um es zu entladen“ Klp (LKŽ V) wird (K. Būga RR I 494) auch mit genys 4. „Haken, der zum Klettern an einem Baum oder Pfahl am Fuß befestigt wird; gei-nys“ Snt, Lš verbunden; genys – auch der Vogel! – wird eindeutig mit dem Verb giniti, gena, ginė 1. „treiben“, 2. „jagen“ DŽ₃ in Verbindung gebracht (vgl. russ. гнать, живьё, skr. hánti „schlägt“); zur selben Wurzel gehören auch ginti, giną, gynė, ganyti, ginčas, ginklas – vgl. auch geinyti „hartnäckig bitten, überreden“ Š, Ds, Švn sowie keinyti 1. „heftig schimpfen; zornig sein, streiten“ Tr, Rk, Ob, Slk, Dkšt, 2. „lauern, auflauern“ Tsk.

Wenn man von Garn oder Fäden, siūlas sagt, dass man sie vyti „treibt“, dann könnte es auch ginti gegeben haben; dann wäre geinys „Kettfäden“ klar motiviert – „ein Gebilde aus mehreren (vielen) zusammengetriebenen Fäden“. Die Bedeutung von geiniuoti bei Ln, „die Kettfäden eines Gewebes (geini) zusammenziehen, Masche in Masche schlingen; Faden oder Seil in Schlaufen zusammenziehen“, liegt allerdings weit davon entfernt.

Das gibt auch Anlass, über eine mögliche Verbindung von gija mit ginti nachzudenken. Sie – und zwar auch als Arbeitsgerät! – hat eindeutig auch die Bedeutung ²gyna „Schnur mit Angelhaken; Angelschnur“ Plng, GGA 1885,

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937 und gynas „dünne Schnur“ Plng. Möglicherweise konnte gyna oder *gina, beeinflusst durch das Gegenstück vija, zu gija. werden.

4. Strähne und Faden

Die Deutung des Wortes geinys „Kettfäden“ und die damit verbundene mögliche Deutung von gijos würde wohl auch eine weitere Bedeutung des Wortes gija stützen, die Sprachbenutzer und Erklärer der Synonymie ansonsten irritiert – 3. „Strähne, „Strang“: Nuimk nuo lankčio giją Pln. Pirkau vilnų giją Dov (auch Klp, M.Valanč). Doch das ist doch dieselbe Art von Sammelsingular wie geinys! Und ebenso wie das besprochene Wort verpalas (später: → verpalai), wie die ganze Synonymgruppe: pluoštas – plaušas (Flachs), sluoksna (Hanf), skara, sruoga (Haar), drieka (Flachs), plieka (Spaliai lūžta, o plieka palieka) SinŽ. Diese Bedeutung von gijos dürfte wohl auch die ursprüngliche sein. Dass Wörter mit singularischer Form und kollektiver Bedeutung beide Numeri annehmen, ist ganz leicht möglich – dies zeigt übrigens auch das Wort sruoga 4. „Faden, Garn“ LKŽ XIII: Netampyk audeklo – gali sutrūkt bent viena sruoga Lg.

5. spinnen, drehen; fasern, ablassen; reiben

Was ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes verpti, wie ist es motiviert? Von seiner fernsten semantischen Vergangenheit zeugen wohl jene der 13 Bedeutungen von verpti, die mit dem verwandten Wort verti zusammenhängen – 4. „ein Loch machen, hineinstechen, durchdringen“: šaknis verpas S.Dauk, 5. „schneiden (gewöhnlich etwas Hartes)“, 6. „graben, mit dem Spaten stechen“ // „beim Graben heben, umwenden“ (vgl. varpyti), 7. übertr. „berühren, eindringen“, 8. refl. „sich aufrichten, aufsteigen“ (entgegengesetzte Richtung!) – vgl. varpa, (apyn)varptis, virptis,.... Später jedoch: „die ursprüngliche Bedeutung war ‚sich drehen‘“. A.Sabal LKL 163; darauf weist Bedeutung 10 „fließen (gewöhnlich heftig)“ hin: Kraujai eina, tik verpią Tvr, 11. „aufwirbeln“; hiermit untrennbar verbunden ist verpetas (verpetas:verpti = sūkùrys:sukti), virpėti, varpas. Somit ist verpti 1. „durch Drehen von Fasern Garn herstellen“ (alles aus LKŽ XVIII) am klarsten motiviert – „drehen“. Die Motivierung durch das Drehen sehen wir deutlich auch an den gegensätzlichen Bedeutungen von Ableitungen aus der lebendigen Sprache – solchen, die mit dem Spinnen zusammenhängen, und solchen, die nichts mit Spinnen, sondern nur mit Drehen zu tun haben, z. B.: verpstė 1. „altes Spinngerät – Stab mit Schwungrad [zum Drehen des Garns] oder Spinnwirtel“: Sukas da ana kaip verpstė

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LTR (Ds) [auch verpstà, vërpstis, verpstukas, verpstukė, verpstelis, verpstelė, verpsčiukas, verpstaitė; varpstė, varpstas, varpstis, varpstelis, varpstukas] und vãrpstė 6. „senkrecht im unteren Mühlstein befestigter Eisenstift, um den sich der obere Mühlstein dreht“ [auch varpsčia, varpsčias, varpstà, varpstas, varpstis, varpsčiukas, varpstėlė, varpstikė; vėrpstė, verpstas, vėrpstis, verpstukas, verpsčiukas, verpstelė, vėrpsnė, verpėnė; virpstė LKA I 141], 7. „querer kleiner Eisenstift im Loch des oberen Mühlsteins, auf dem der obere Stein ruht; Knospe“ [auch varpstė, varpstis, varpstelė, varpstikė; vėrpstė, verpstelis; virpstis LKA I 141], 8. „Vorrichtung (gewöhnlich ein Stäbchen mit einer Schnur) an dem im unteren Mühlstein befestigten Eisenstift, mit der der obere Mühlstein angehoben oder abgesenkt wird; sich drehen“ [auch varpstė, varpstas, varpstis, varstelis, varpstėlė, varpstikė; verpstas, vėrpstė, vėrpstis, verpstelė, verpstuvė; virpstai LKA I 139], 9. „Stäbchen zum Drehen der Handmühle, Mühlstift“ [auch vėrpstė, verpštė, varpstys LKA I 137], 11. „Radachse“ K I 38, II 119 [auch verpstė Prn, verpstis Kel, varpstis Kel, Vd – LKŽ XVIII].

Die Benennungsmotivation von wird auch von der industriellen Textilproduktion erneut in Erinnerung gerufen und unterstrichen: verpalai – „Garne, die aus gedrehten oder verklebten Faserhärchen bestehen“ LTE XII 176 (siehe auch Abschnitt 10).

Die Motivierung der Bedeutung von wird auch durch das heute seltene Synonym sukti „drehen“ bestätigt: Ji baigia sukti pakulas SinŽ. LKŽ XIV sukti 17. // „spinnen, aus Fasern einen Faden herstellen“: Linus verpia, o kanapes suka VIkv. Tavo motina tokiom verpstėm sukė Rod. Da turiu ratelį, da suku Grdž; susukti 9. // „verspinnen“ Ml, Lp; prisukti 6. // „hinzuspinnen“ Dg.

Heutzutage bedeutet Fäden drehen „zwei Fäden zusammenfügen“: Suktas siūlas drūtesnis už vienąteką J.Jabl; suktiniai siūlai Lkv, Km, OG, suktinis audimas Klp, suktinis milas Šts, suktinis divonas Lkv, Tl; dialektal. sūktinis „Gewebe aus gedrehten Garnen verschiedener Farben“ Prk, BzF 179.

Die Motivation durch das Drehen liegt meines Erachtens auch bei trinti 20. „Fäden auf Spulen wickeln“ vor: šeivas trinti // „Garn (auf Spulen) wickeln“: į šeivas/ant šeivų trinti.

Das Drehen ist jedoch nur der abschließende Arbeitsgang beim Spinnen; zuerst muss der Faden hergestellt werden. Das hängt vielleicht auch davon ab, wie faserig das Spinngut ist – bei Wolle anders als bei Flachs; die Spinnerinnen hätten gesagt, dass sich sogar die Spinnbarkeit von auf Beeten angebautem und von eingeweichtem Flachs unterscheide. Dieses Herstellen des Fadens, abgesehen von

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beim Zupfen des Flachses, vielleicht nicht immer auch ausdrücklich benannt. Doch manches ist bezeichnend. So sind für driekti 1. „fortsetzen, ziehen, spannen (etwas Langes, Starres, Formloses)“ typische Sätze der lebendigen Sprache: Warum hast du so dünn gesponnen (spinnst)? Slm. Ebenso: Du hast zu dünn gesponnen (dünn gesponnen) – es wird nicht reißfest Slm. Das sind wohl keine gelegentlichen Redewendungen, sondern Überbleibsel aus alter Zeit, denn es gibt auch das Gegenstück für einen Vorgang, der von selbst geschieht – drýkti 3. „sich auflösen, zerfasern“: Die Wolle zerfasert von selbst zu Fäden; man muss sie nicht einmal richten, so warm ist die Stube beim Spinnen Varn. Vielleicht ähnlich wie bei der Spinne: Die Spinne spinnt ihren Faden von der Zimmerdecke auf den Tisch Š (nur spinnt die Spinne nicht mit einer Spindel). Aber die Spinnerin hat auch noch eine drieka: drieka 1. Fem. „Pflanzenteil, das sich zum Weben von Stoffen eignet, Faser“: Dieses Jahr wird der Flachs gute Fasern liefern Užv, driekos 1. „Werg“ Vž, Krkl, Šts // „Flachs- oder Hanffaser zum Drehen eines Seils, Schicht“ Pln (LKŽ II₂).

Die Spinne lässt den Faden herunter, und ähnlich verfährt auch die Spinnerin – leisti VI. 2. // „etwas Bewegliches, Gleitendes regulieren; die Art des Vorgangs bestimmen“: Lass die Fäden nicht klumpig werden (beim Spinnen) – der Faden wird nicht reißfest Šts. Spinn, Töchterchen, sei nicht faul, schau stets auf den Wocken. Lass den Faden nicht zu dick, klebe ihn nicht an, dreh ihn nicht zu Knäueln RD 91 (LKŽ VII).

Zupfen, richten, zusammenkleben – das sind nur Hilfsschritte bei der Fadenherstellung. Daher lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass driekti (leisti) + sukti = „spinnen“. Unter den spinnen-Synonymen, die die Fadenqualität bezeichnen, nennen sliekti „dünn spinnen“, burbūlyti „dick spinnen“, žarnóti „dick und unschön spinnen“ und gurgólinti „ungleichmäßig, klumpig spinnen“ (SinŽ) – sie alle bezeichnen eindeutig eine misslungene Art des Spinnens. Nur sliekti ist weiter verbreitet: J, Rdm, Al, Lp, Lš; vgl. auch sliekė „sehr dünn gesponnener Faden“ Lš und andere Dialekte; ¹sliekinis 3. „dünn, länglich, wurmförmig“: Jansons Kardiermaschine kardierte die Wolle zu Flocken und wurmförmigen Rollen Brž; andere wiederum sagen sliekūotas 3. „mit Fasern, borstig, faserig, strähnig“: Faserige Wolle Šts (LKŽ XIII).

6. drieka und drika

Driekti Kett- oder bereits Garn lässt sich durch Spinnen herstellen, man kann die Garne aber auch driekti; die Garne können sich driektis. LKŽ II₂ drieka 3. „eine bestimmte Menge (Faserstoff), ein Büschel“ bezieht sich tatsächlich nicht auf Faserstoff, sondern auf Garne, Stränge: Ein Bündel Garne brachte ich mir geliehen nach Hause Šts. Fäden (Stränge – J. K.) drieka Slnt. Der Stoff ist zu breit – trenn ein Bündel ab (Kettfäden – J. K.) Skd.

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Kehren wir nun wieder zu driekti 1. „fortsetzen, ziehen, spannen (etwas Langes, Starres, Formloses)“ LKŽ II2 zurück. Hier findet sich ein bemerkenswerter Satz: Ich spannte Fäden zu einem drika auf, indem ich sie über die Schärbretter warf J.

Und damit führt der Weg direkt zur Ableitung mit der Endung drika 1. Fem. „Aufzug, Kette“: Auf dem Kettbaum wickle den drika auf, das heißt, webe J. Hilf mir, den drika von den Schärbrettern abzunehmen Skdv (ebenso Gr, Šlv, Up, Trg, Gl) [2. Fem. „Kettfadenbündel, das nicht in das Riet passt, Abfall“ J, Šk, Šlv und Plng, Plt (Gebiete auf beiden Seiten von drika 1), 3. „eine bestimmte Anzahl von Fäden im Strang, ein Abschnitt“: So viele Fäden hat ein Strang, dass er viele drikas enthält J].

Drieka und drika haben auch Bedeutungen, die „Stoff“ nahekommen – drieka 2. Fem. „Netzgewebe“ Vrd, drika 4. „Netzgeflecht“ Šlv, Vrd, Varn, Lk. Selbstverständlich stehen neben den ordentlich gewebten, ausgedrückten driekos, drikos (und drikės „Steg, Naht“ Gs, Ldvn, Šn, Lnkl) auch ungeordnete Formen – drikai, draikai, (pa)draikės, (pa)draikos, drykės; vgl. auch 3driekotis 2. „sich verheddern, sich verwirren“: Dieses Jahr ist der Flachs schlecht gewachsen – er ist sehr verfilzt Kal.

7. werfen – weben, Kette – Schuss

Obwohl die Wörter geinys und drika „Kette“ noch bestehen, gibt es *gei- ni ginti und *driką driek­ti nicht mehr, sondern man kann sie nur werfen: Dvylikos sienų geinį užsime- čiau Sml (LKŽ III). Metė jis meta drikas ant mastuvų J (LKŽ II2). LKŽ VIII mesti 15. „Kettfäden auf den Kettbaum oder auf die Webwand wickeln“ [auch apmesti 5., įmesti 7., išmesti 17., primesti 12. refl., sumesti 13., 14., užmesti 17.]: Apmečiau kelis lankus metmenų Krok. Natürlich wird mesti nicht nur von Kettfäden gesagt, sondern auch von Fäden, Garn und vom Weben und Gewebe. Zur Motivation von mesti 15. lässt sich zweierlei sagen. Erstens wird mesti durch das Herablassen von Fäden motiviert – mesti und leisti sind Synonyme. Zweitens hat mesti, das nun wie eine unordentliche, nachlässige Handlung wirkt, zahlreiche „ordentliche“ Bedeutungen, z. B.: mesti 3. „(ein Netz, eine Angel, einen Anker) ins Wasser lassen, hinabsenken“, 5. // „zum Einlegen ansetzen (Rüben)“ Ktk, // „(einen Haufen) machen, aufschichten“: kūgi meta Tvr, Lz, 16. „(einen Reifen auf ein Fass) setzen, aufziehen“ Štk, Šts, apmesti 2. „(durch einzelnes Legen von Kartoffeln) bepflanzen“, 7. „einen Rand umnähen, umsäumen“ Vvi, išmesti 10. „(einen beladenen Wagen) entladen“, pamesti 10. „zur Seite legen, bereitstellen, für einen Zweck zurücklegen“: Pamesk sėk-

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lai bulbų Stlm, sumesti 3. // „für den Winter einlegen (Gemüse)“ Vdš, Trgn, Užp,...

Kettfäden (metmenes, metmens), ebenso metmenos, metmenai, metmeniai, sind bei den Aukštaiten gebräuchlich. Es gibt auch die Kollektivform metmuo: Ve, paskirtos gijos ant metmenų, t.y. ant apmatų J. Möglicherweise handelt es sich um eine ursprüngliche Form, wie bei den Kollektivformen verpalas, geinys, gija, sruoga,... Im Nordwesten des ostaukštaitischen Gebiets gibt es apmatai (während apmatas „ein einzelner Kettfaden“ bedeutet: Apmatas suktas Pc). Bei den Žemaiten sind apmetai Yl, Krkl, Štk, Brs (und K) sowie apmatai Erž, apmetalai Klp, apmetiniai Plng (apmetinys Rod) bekannt, und in BB apmetmens ir apmestuvai (LKŽ I₂).

Wenig verbreitet sind die präfixlosen audmenys Užp, Sl, audmenai Dv. Ataudai sind sowohl bei den Ober- als auch bei den Niederlitauern bekannt – Krkl, Brs, Erž („Schussgarn“ – ataudas Grg, Ds), ataudos (Genus wie bei gija) – bei den westlichen Dzūken, ataudiniai Plng, ataudiniai siūlai Bsg (LKŽ I₂).

Das einheitliche System Kette – Schuss ist vielleicht bereits sehr selten; häufiger ist apmatai (apmetai) – ataudai (ataudos). Am häufigsten ist das etablierte und auch in der Standardsprache verwendete uneinheitliche System Kette – Schussfäden. Von anderen Belegen abgesehen: Viele Fäden, wenig Schussfäden Švnč (LKŽ III); ferner Systeme mit drika, geiniu.

Gewebe, Stoff besteht aus Kett- und Schussfäden, doch weben steht oft im Gegensatz zu werfen: Pats audžia, pats meta (lügt) B (LKŽ I₂). Beachtenswert ist: Audmenais audžia audeklą Az (= Azr) (LKŽ I₂).

Die ursprüngliche Motivation von austi ist nicht ganz klar, doch der Zusammenhang mit Schlagen, Hauen und Pochen ist unbestreitbar – austi 2. „schlagen, prügeln, walken“ // „hämmern“, 3. „treten, mit den Füßen stoßen“, 4. „heftig schießen“, 9. „husten“. Diesen Zusammenhang stützen auch die Schlagvorrichtungen des Webstuhls. Auch mušti 4. „schlagen, klopfen“ wird mit folgendem Satz veranschaulicht: Aš nemokėsiu staklelėm mušti (weben) LTR (Glv).

Nicht zu vergessen ist, dass (pri)mušti eine abschließende Handlung ist – zuerst muss man den Schussfaden mit dem Schützen (Gewehr,...) einschießen, schießen: Mit dem Schützen schießt man, dann schlägt man mit den Webkämmen klack, klack Prn. Mit einer Hand schießt man [die Lade], mit der anderen schlägt man [die Webkämme] Lp (LKŽ XIV). Die Motivation von „schießen“ könnte „hineinstecken, hineinstoßen“ sein (vgl. A. Sabal LKL 139); die spätere Bedeutung 6. „schlagen, peitschen“ könnte sich auch unabhängig vom Weben entwickelt haben [prišauti 6. „(mit Webkämmen) festschlagen“ Ml oder atšauti 6. // „beim Weben festschlagen (den Faden)“

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Grž, Aln bedeutet hier wenig – ebenso wie schlagen 18. „schießen“, denn es gibt auch erschlagen 11. „(eine Schusswaffe) laden“ LKŽ VIII].

Die Variante ūsti, ūsta, ūdo „weben“ J, usterėti „ein wenig weben“ J bezeugt diesen Zusammenhang ebenfalls – usterti 1. „einen Hieb versetzen, drauflosschlagen“, 2. „herunterfallen“ Vlk. Neben den Wörtern ūdė „Gewebe“ Mlk, Arm, Švnč, Švd, Plš, Trgn, ūdis 1. „einmaliger Schuss Stoff“ K, 2. „eine bestimmte Stoffmenge“ K (Tlž), Niem 31, (pa)ūdėti „ein wenig weiterweben, ein wenig weben“ Tvr, Jn gibt es auch uderė „Futter“ G 118; hierher gehört vermutlich auch ūdyti 1. „tadeln, schimpfen“, 2. „durch Tadeln zu etwas auffordern“, 3. „ärgern“, das in LKŽ XVII vorsichtig aus dem Slawischen hergeleitet wird – vgl. Weißrussisch эгзіць; es ist jedoch sowohl bei den Hochlitauern als auch bei den Niederlitauern gebräuchlich, mit Ausnahme gerade der Grenzgebiete und der litauischen Sprachinseln; ūduri „quälen, plagen“ J I 308.

Dieser Zusammenhang stützt auch die Gleichsetzung von Schussfäden mit atbrukai Ds: atbrukti 5. „verprügeln“: Atruk lig melynėms Švnč; ebenso pribrukti 7., subrukti 7., užbrukti 6. (LKŽ I₂).

8. Garn → Faden → Fäden

Bereits in Abschnitt 2 wurde gesagt, dass Garn, Garne nur so lange gilt, wie es gesponnen wird. Danach sind es Fäden: Man dreht und verzwirnt Fäden; man wickelt Fäden, Garnstränge oder Spulen auf den Haspel (Spulenhaspel, Wickler, Reck, kleines Reck); man schießt, legt Fäden, Garnstränge oder Kettfäden ein, mehrere Wandungen, einige Schüsse, Gewebe, Stoff, Leinwand, bespannt den Stoff; man webt Fäden (Ein Gewand aus goldenen, gewundenen Fäden gewebt SD 2); man strickt mit Fäden, aus Fäden; die Niederlitauer häkeln, sogar Wolle: Wir verhäkelten die Wolle zu einem Netz Šts. Viel Wolle geht drauf – mit zwei Paaren verhäkelt man eine ganze Menge Krš (LKŽ VIII).

So wurde Garn über die Bedeutung „Nähgarn“ zunächst zu Faden und dann auch zu Fäden 1. „zu einem Knäuel, einer Spule oder einem Strang gewickeltes Garn“: Das Rad dreht sich, und auf die Spulen laufen die Fäden Šlčn.

9. Spinnt die Seidenraupe?

Eine neuere Bedeutung ist Garne 3. „dünne, klebrige Fäden, die von den Drüsen mancher Insekten abgesondert werden“: Hier haben sich [die Wachsmotten] eingenistet, immer mehr Junge ausgebrütet und schließlich mit ihren Fäden den ganzen Bienenstock überzogen

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S. Dauk. Und die Spinnen, in den Ecken sitzend, webten mit Garn auch Jagdnetze und knüpften sie, lautlos umherkletternd, K. Donel. Ebenso Garn 5: Die kleinen Seidenraupen bedecken und schmücken mit ihrem Garn Altäre, Könige und Fürsten SP I 313. Ebenso Gespinst 2: Die abgestreifte Haut der Raupe wird zu ihrem eigenen Gespinst J. Jabl. Entsprechend gibt es auch spinnen 3. „einen dünnen, klebrigen Faden herstellen (über die Drüsen bestimmter Insekten)“: Unsere Kreuzspinne... hat vier Spinnwarzen und acht Augen Enc VII 320 (LKŽ XVIII). Die Larven all dieser Insekten (Bienen, Wespen, Ameisen) sind weiß, beinlos, und die meisten haben Spinndrüsen LE XXXIII 116. Erwähnt werden auch die Spinnhöcker der Spinnen LE XXXIV 527. Auch heute noch werden bei einigen Spinnentieren, zum Beispiel, die Spinnhöcker der Spinnen LTE XII erwähnt, doch auf Spinnerei verzichtet man bereits; stattdessen wird der Begriff Spinnendrüsen empfohlen – „Drüsen bestimmter Gliederfüßer, die ein an der Luft rasch erstarrendes Sekret absondern, aus dem ein Spinnennetz gewoben wird“ LTE XII. Auch auf solche Garne wird verzichtet – verwendet werden Fäden, und Garne sind bereits Erzeugnisse aus diesen Fasern: Seide ist eine Naturfaser aus den Fasern der Seidenraupenkokons. <...>. Der von Seidenraupen ausgeschiedene doppelte Kokonfaden <...>. Ein Kokon enthält einen 3000–4000 m langen Faden, doch abgehaspelt werden nur 300–1200 m. In der Textilindustrie verwendet man Rohseidenfäden, die aus 5–10 nebeneinandergelegten Kokonfasern bestehen. <...>. Nicht abgekochte, beschädigte Kokons und Seidenproduktionsabfälle werden aufgelockert und zu Seidengarnen verarbeitet LTE X.

Es gibt auch Pilzmyzelfäden 2. bot. „aus einer Zellkette bestehende Bestandteile des Pilzmyzels (hyphae)“ LKŽ XII.

Dies passt zum Verständnis von Garnen und Fäden in der modernen Textilindustrie.

10. Moderne Textilien: Garn ≠ Faden ≠ Filament

In modernen Textilien sind Fäden „dünne, feine und ausreichend feste Erzeugnisse aus Fasern, die meist durch Drehen gewonnen werden“ – „versponnen oder chemisch geformt“ LTE X. Primärfäden werden in Garne, Multifilamentgarne und Monofilamente eingeteilt. Multifilamentgarne bestehen aus Chemiefasern oder natürlicher Seide und setzen sich aus mehreren oder mehreren Dutzend verdrehten oder verflochtenen Filamenten zusammen. Ein Monofilament besteht aus einem einzelnen, durchgehenden Filament, meist aus synthetischen

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Polymer. Monofilamentfäden haben ein rundes oder rechteckiges Profil LTE X. Es gibt also auch nicht gesponnene Fäden. Garne sind „Fäden, die aus verdrehten oder verklebten Faserhärchen bestehen“ LTE XII; hierzu gehören auch armierte Garne – „starke oder grobe Chemiefäden, entweder Multifilament- oder Monofilamentfäden, die mit Fasern (gewöhnlich niedriger Qualität) umsponnen sind“ LTE XII. Werden Garne mit Garnen verzwirnt, entstehen Zwirne; aus Multifilamentfäden mit Multifilament- oder Monofilamentfäden entstehen Zwirn-Multifilamentfäden (...), aus Garnen mit Multifilamentfäden entstehen Kombinationsfäden LTE X.

11. Muss man den Seidenspinner nicht anders nennen?

Die frühere Seidenwurm K. Donel1, Spinnerin Kel 1851, 154 – heißt heute Seidenspinner (–ys) Š, Rtr, Seidenwurm Š, Rtr, BŽ 617 (LKŽ XIV). Seidenspinner haben heute nur noch Spinwarzen LTE X, nicht aber Spinnwarzen. Sie spinnen nicht, sondern sondern scheiden lediglich einen Faden aus.

Vielleicht ist es also doch kein Seidenspinner, vielleicht sollte man ihn anders bezeichnen? Nein, auch in der Terminologie gibt es solche unbegründeten, aber traditionell gebräuchlichen Bezeichnungen. Andererseits spinnt der Seidenspinner den Faden nicht, sondern der echte Seidenspinner – Bevor er sich verpuppt, sondert die Raupe einen 1000 m langen seidenartigen Faden ab, aus dem sie sich einen Kokon spinnt LTE XI. Dieses Einspinnen ist eine Art Spinnen – vgl. sich einspinnen 6. refl. „sich einwickeln, sich einspinnen (gewöhnlich von Raupen)“: Der sich einspinnende Wurm K II 116. Aus den anderen Eiern schlüpfen kleine Raupen, doch die meisten von ihnen sterben, bevor sie sich einspinnen J. Jabl.; sich herausspinnen 6. refl. „sich herausfressen und herauskommen“ Š, Rtr (LKŽ XVIII).

Schlussfolgerungen

1. In der heutigen Standardsprache gelten siūlas, gija, verpalis als Synonyme; ihr Leitwort ist siūlas „das, was gesponnen worden ist“ SinŽ, „ein aus Fasern oder Fäserchen hergestellter (gewöhnlich durch Spinnen) langer, dünner, geschmeidiger Faden“: suktas, dvejintas siūlas; siuvimo, audymo siūlai DŽ₃; gija – „Webfaden“ SinŽ, 1. „Faden, gewöhnlich ungedreht“: verpti, lenkti gijas; audžiant gija nutrūko (in der Standardsprache wohl geläufiger sind die übertragenen Bedeutungen: 2. „ein einem Faden ähnlicher Gegenstand“, 3. „Verbindung, Band“) DŽ₃; ver-

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palas wird in SinŽ nicht erklärt; verpalai bedeutet „aus Fasern gesponnene Fäden“: lininiai, vilnoniai verpalai DŽ3. In der gesprochenen Sprache und in der Terminologie ist es ganz anders. Das lässt sich nur verstehen, wenn man die Entwicklung nachverfolgt. Der Wortschatz des häuslichen Spinnens und Webens schwindet schon seit Langem, obwohl viele seiner Grundwörter in die Terminologie der modernen Textilindustrie eingehen – ausgewählt und, falls nötig, modifiziert. Dieses Schwinden hat eine immer wieder gestellte, unbeantwortete Frage hervorgebracht: Warum werden siūlai verpalais genannt?

2. Wie hätte es anders sein können? Was man ()spinnt, ist verpalas, –ai. Verpalus hat man nicht nur gesponnen, sondern auch gezwirnt, gewebt. Logischer wäre die Frage, warum siūlas nicht siuva, sondern verpia.

3. Die ursprüngliche Bedeutung von Siūlo dürfte „das in eine Nadel eingefädelte Ende eines Garns zum Nähen“ gewesen sein → siūlai „Nähgarn“. Später begann man, auch Fäden zu spinnen, zu Fäden (selten).

4. Gija – „Webgarn (gewöhnlich Kettgarn, meist ungedreht)“ – ist mit geinys „Kette“ verwandt, d. h. „ein aus mehreren (vielen) Fäden gebildetes, zusammengefügtes Gebilde“; vgl. gynas „dünne Schnur“.

5. Gija „Strähne“ ist ein Kollektivsingular (wie auch geinys, ebenso verpalas, siūlas, sruoga, drieka „sluoksna“, drika 1. „metmenys“ DŽ3, skara westlitauisch „Faser“, sluoksna 1. „Flachs- oder Hanffaser zum Drehen eines Seils“, 2. fachsprachlich „lockeres Halbfabrikat aus gleichmäßigen Fasern“ DŽ3, Faser, Bast). Wahrscheinlich ist dies auch die ursprüngliche Bedeutung. Und sruoga als Kollektivum → „Faden, Garn“.

6. Verpti bedeutet etymologisch „drehen“; sogar sukti hat die Bedeutung „spinnen“. Später, als die Motivation verblasste, konnten sich verpti und sukti semantisch sogar voneinander lösen: verpti bedeutet dann nur noch ausziehen, laufen lassen: Warum hast du so dünn ausgezogen? Slm. Lass den Faden nicht zu dick RD 91. Semantisch also verpti = ausziehen (laufen lassen) + drehen. Wer besonders gut ausziehbare (faserige, lockere) Fasern hat, kann sich auf bloßes Drehen beschränken: Flachs spinnt man, Hanf aber dreht man Vlkv.

7. Die Formen *geinį ginti, *driką driekti sind nicht überliefert; man kann sie nur werfen. Mesti, das heute wie eine unordentliche, nachlässige Handlung klingt, hat seit alters zahlreiche „ordentliche“ Bedeutungen: ein Netz auswerfen; dialektal einen Heuhaufen aufschichten („laden“), einen Wagen abladen („eine beladene Fuhre ausladen“), Kartoffeln als Saatgut hinlegen („ablegen“), Kohl einlegen („hineintun, zur Gärung ansetzen“).

8. Es gibt auch den Kollektivsingular metmuo. audmenys, audmenai sind wenig gebräuchlich. Das einheitliche System met-

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Schussfäden – Gewebe sind wohl bereits sehr selten; häufiger sind Kettfäden – Schussfäden, am häufigsten jedoch (sowohl in der Standardsprache als auch in der Terminologie) Kette – Schuss.

9. Weben steht häufig im Gegensatz zu werfen: Er webt selbst, er wirft selbst (lügt) B. Mit Schussfäden webt man Stoff Azr. Die ursprüngliche Semantik zeigen vielleicht die Bedeutungen von weben: „schlagen, prügeln; stoßen,...“, vgl. Ich werde nicht mit dem Webstuhl schlagen können Glv (vgl. auch Schläger); auch das verwandte ūsti (ūsta, ūdo) „weben“ steht in Verbindung mit uderė „Futter“, möglicherweise auch ūdyti, ferner atbrukai „Schussfäden“, abrukti „verprügeln“.

10. Durch die Verbindung des Fadens mit dem Winden nicht mehr nur mit dem Zusammenwinden, sondern auch mit dem Spinnen entstanden auch Bezeichnungen für unechtes Spinnen – Seidenraupe, Spinnendrüsen. In der Alltagssprache (und der poetischen Sprache) bleibt dies so, während in der Fachsprache bereits Seidenraupenfäden, Kokonfaden (Fäden und Garne hingegen sind Erzeugnisse aus diesen Fäden)⟧ verwendet werden. Zwar ist dies nicht ganz konsequent – die Seidenraupe bleibt bestehen; die Bezeichnung lässt sich sogar ein wenig motivieren: sie spinnt sich einen Kokon um sich herum, die kleinen Raupen spinnen sich ein („wickeln sich ein“).

11. In der modernen Textiltechnik kann ein Faden auch ungesponnen sein: Ein Monofilament ist der Seidenraupenfaden oder ein chemisch hergestellter Faden mit rundem oder rechteckigem Querschnitt (ohne Drall!), ein Multifilament besteht aus mehreren solchen Fäden (verzwirnt oder geflochten). Garn besteht aus versponnenen (oder verklebten) Faserhärchen. Ein solcher Faden (Monofilament oder Multifilament) und ein solches Garn sind Primärfäden. Durch Verzwirnen eines Fadens mit einem Faden entsteht ein Zwirnfaden; aus Garn mit Garn entsteht Zwirngarn, aus Garn mit Multifilament ein Multifilamentfaden.

Somit ist nicht jeder Faden der Alltagssprache in der Terminologie ein Faden, und Garn ist nur ein gesponnener Faden.

Eingegangen am 9. 6. 1998

Abkürzungen

K. Būg RR – Būga K. Rinktiniai raštai. V., 1961, T. 3.

DŽ₃ – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas. V., 1993, III leid.

Enc – Lietuviškoji enciklopedija. K., 1939, T. 7.

LE – Litauische Enzyklopädie. Boston, 1961, Bd. 33. 1961, Bd. 34.

LKA – Lietuvių kalbos atlasas. V., 1977, T. 1.

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LKŽ – Wörterbuch der litauischen Sprache. V., 1968, Bd. 1, 2. Aufl. 1969, Bd. 2, 2. Aufl. 1956, Bd. 3. 1959, Bd. 5. 1966, Bd. 7. 1970, Bd. 8. 1981, Bd. 12. 1984, Bd. 13. 1986, Bd. 14. 1996, Bd. 17. 1997, Bd. 18.

Im Artikel werden auch die Abkürzungen dieses Wörterbuchs verwendet.

LTE – Sowjetlitauische Enzyklopädie. V., 1983, Bd. 10. 1983, Bd. 11. 1984, Bd. 12.

A. Sabal LKL – Sabaliauskas A. Lietuvių kalbos leksika. V., 1990.

SinŽ – Lyberis A. Sinonimų žodynas. V., 1980.

P. Skar – Skardžius P. Lietuvių kalbos žodžių daryba. V., 1943.

Die Zahlen bezeichnen überall die Jahre, Bände (römische Ziffern) und Seiten.

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