19. JONO-JABLONSKIS-KONFERENZ ZUM JAHRHUNDERTJUBILÄUM DER LITAUISCHEN SPRACH-SYNTAX
An der Universität Vilnius fand am 5. Oktober 2012 die neunzehnte (seit 1993) Jono-Jablonskis-Konferenz statt. Die vom Institut für litauische Sprache, Abteilung für Standardsprache, und vom Lehrstuhl für litauische Sprache der Universität Vilnius veranstaltete Konferenz war diesmal dem hundertjährigen Jubiläum der 1911 in Sejny erschienenen Lietuvių kalbos sintaksė von Rygiškių Jonas (J. Jablonskis) gewidmet. Es wurden fünf Vorträge zur Theorie und Praxis der Syntax gehalten: Es ging um den Gebrauch von Wörtern, Wortverbindungen und Sätzen sowie um Entwicklungstendenzen der Syntax. Hervorgehoben wurden der Nutzen und die Bedeutung der Lietuvių kalbos sintaksė, die als Geschenk an die litauische Sprache bezeichnet wurde, für die Schulen: Bis dahin fehlte es sehr an Lehrbüchern, die einen Syntaxteil enthielten.
VITAS LABUTIS (Universität Vilnius) besprach in seinem Vortrag „Beispiele, Quellen, Zweck und Darstellungsweisen des ersten Teils der Rygiškių Jono Lie-tuvių kalbos sintaksė“ die mehr als 2900 Beispiele aus gesprochener und geschriebener Sprache, die in der 110 Seiten umfassenden Veröffentlichung enthalten sind. Der größte Teil davon war nirgendwo sonst dokumentiert. J. Jablonskis erkannte, dass sich syntaktische Gesetze und Regeln aus einer Fülle von Beispielen aus der gesprochenen Sprache, der Folklore und sorgfältig ausgewählten Beispielen aus der Schriftsprache ableiten lassen, und ordnete sie gewissenhaft und genau nach Satzgliedern, Satztypen und anderen syntaktischen Merkmalen; auf diese Klassifikation stützten sich daher auch später veröffentlichte syntaktische Arbeiten. J. Jablonskis’ Lietuvių kalbos sintaksė ermutigte auch andere Sprachwissenschaftler, sich entschlossener auf den Weg der Syntaxforschung zu begeben.
ALBINAS DRUKTEINIS (Universität Klaipėda) präsentierte die Ergebnisse einer Untersuchung zur Verkürzung semantischer Satzstrukturen („Verkürzung semantischer Satzstrukturen: der Typ der Aktanteninkorporation“), sowohl zusammenfassende als auch Untersuchungen einzelner Lexeme. Die Konferenzteilnehmer interessierte, dass bei der Umgestaltung der Satzstruktur und der Bildung eines sekundären Satzes häufig Variationen möglich sind (Subjektivierung, Substantivierung des Prädikats oder Verkürzung seiner Struktur u. a.), die unterschiedliche Sprecherintentionen ausdrücken.
RITA MILIŪNAITĖ (Institut für litauische Sprache) hielt auf der Konferenz einen Vortrag mit dem Titel „Der Ausdruck des Zustands in Konstruktionen mit dem Verb tapti: Widerspruch zwischen Sprachgebrauch und Kodifizierung“, in dem sie Konstruktionen zum syntaktischen Ausdruck des Zustands thematisierte. Die Sprachwissenschaftlerin wies darauf hin, dass die kodifizierte Norm häufig nicht mit dem tatsächlichen Sprachgebrauch übereinstimmt und nicht stabil ist. Die Sprachwissenschaftlerin warf das Problem auf, dass die kodifizierte Norm nicht besonders häufig
230
KALBOS KULTŪRA | 85