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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, IV

LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

NEUES ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH DER RUSSISCHEN SPRACHE

A. SABALIAUSKAS

Seit mehr als fünfzig Jahren ist M. Fasmer erfolgreich auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft tätig. Sprachwissenschaftlern, insbesondere denen, die sich auf die eine oder andere Weise mit Fragen der Slawistik oder der Sprachbeziehungen der Völker Osteuropas befassen, sind solche Werke M. Fas(m)ers gut bekannt wie: „Греко-славянские этюды“ (1909), „Studien zur albanesischen Wortforschung“ (1921), „Osteuropäische Ortsnamen“ (1921), „Untersuchungen über die ältesten Wohnsitze der Slaven I: Die Iranier in Südrussland“ (1923), „Wikingerspuren in Russland“ (1931), „Beiträge zur historischen Völkerkunde Osteuropas“ (1932—1936), „Die Slaven in Griechenland“ (1941), „Die alten Bevölkerungsverhältnisse Russlands“ (1941) und andere. All diese Arbeiten waren jedoch gleichsam vorbereitende Studien für M. Fas(m)ers Hauptwerk – das etymologische Wörterbuch der russischen Sprache1. Sowohl hinsichtlich seines Umfangs als auch des Quellenmaterials übertrifft dieses Wörterbuch nicht nur die früheren Wörterbücher der russischen Sprache, sondern auch die etymologischen Wörterbücher der slawischen Sprachen insgesamt. In M. Fas(m)ers Wörterbuch wird nicht nur die Herkunft der Wörter der russischen Literatursprache untersucht; es werden auch allerlei Dialektismen sowie Orts- und Personennamen angeführt und Archaismen verschiedener russischer Sprachdenkmäler erläutert. Das Wörterbuch veranschaulicht eindrucksvoll die Beziehungen des Russischen zu den Sprachen seiner Nachbarn sowie zu den westeuropäischen Sprachen. Es enthält nicht nur Entlehnungen und Lehnübersetzungen aus fremden Sprachen, sondern weist häufig auch auf die Verbreitung russischer Wörter in den Sprachen anderer Völker hin.

M. Fas(m)ers Wörterbuch ist auch für die Erforschung der baltischen Sprachen in vielerlei Hinsicht nützlich. Welcher Anteil des Wörterbuchs dem Material der baltischen Sprachen gewidmet ist, zeigt schon die Tatsache, dass wir im Wortregister, das tatsächlich noch unvollständig ist, etwa dreitausend litauische, fast zweitausend lettische und rund fünfhundert altpreußische Wörter finden. Das Wörterbuch erläutert die Herkunft baltischer Ortsnamen, die in alten russischen Sprachdenkmälern vorkommen, und behandelt die Namen baltischer Stämme, einige Personennamen und anderes (vgl. Вили I, 200; Витолки I, 205; Деремела I, 342; Жемо итв I, 418; жмуда I, 428; Латгола II, 19; латыши II, 19; Ливики II, 40; Литва II, 46; Неман II, 211 usw.).

Für litauische Leser ist zweifellos die Frage interessant, wie sich baltische Wörter im Russischen verbreitet haben. Auch in M. Fas(m)ers Wörterbuch wird dieser Frage viel Raum gewidmet

1 Russisches etymologisches Wörterbuch von Max Vasmer, Erster Band: A—K, Heidelberg, 1953, 712+XLVII S.; Zweiter Band: L—Ssuda, Heidelberg, 1955, 712 S.; Dritter Band: Sta—Y, Heidelberg, 1958, 697 S.

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. Da das erwähnte Wörterbuch für litauische Leser ziemlich schwer zugänglich ist, geben wir hier einen kurzen Überblick über Wörter, die nach Ansicht M. Fas(m)ers und meist auch anderer Sprachwissenschaftler aus den baltischen Sprachen in russische Dialekte und verschiedene Schriftdenkmäler gelangt sind.

апуд „Kornkasten (im Speicher)“. Das Wort kommt im Weißrussischen und Polnischen vor und stammt aus lit. aruodas, lett. arūods (I, 27, III, 511).

баланда 1. „Art Melde“, 2. „schlechte Hanfsorte“, 3. „Beeten kraut“; das Wort ist in der Gegend von Rjasan und Tambow belegt und stammt vermutlich aus lit. balánda (I, 45).

вайнник „Art Frauenkopfputz“; kommt in westlichen russischen Dialekten vor und stammt vermutlich aus lit. vainikas (I, 165).

валанда „saumseliger, langsamer Mensch“, валандать „langsam, saumselig arbeiten, die Zeit nutzlos verbringen, verzögern“; stammt aus lit. valandà, ostlett. voluda (I, 166).

ванчес, ванчос „Eichenbalken für den Schiffsbau“; in älteren Sprachdenkmälern erscheint die Form ванчус. Nach Ansicht von B. Karskis stammt das Wort aus lit. vančos „Balken zum Befestigen des Ankers“, lett. vancis „Balken zum Auffinden des Ankers“ (I, 168)2.

вентерь „Beutelnetz, Fischsack“; belegt sind auch die Formen вентель, вентель, вятерь, вятерь, ukrain. в’ater, poln. więcierz, więcierz, wiecierka „Fischreuse“. Zu verschiedenen Zeiten aus lit. vėteris und lett. vēnteris entlehnt (wahrscheinlich ein Kuronismus). Die russischen Formen ohne wurzelhaftes n wurden früher entlehnt (I, 183, 245).

вытум „Art Barke auf dem Niemen“, вутума „Art Flussfahrzeug auf d. Niemen u. Pripet (Minsk, Grodno, Kaunas)“. Das Wort ist schwer zu erklären; vielleicht lässt es sich mit lit. vytinis „geflochten“ verbinden (I, 205).

зупца „Trespe“; wird in westlichen russischen Dialekten verwendet und stammt aus lit. girsa „Trespe“. Aus dem Litauischen entlehnt ist auch poln. girsa „Rade“ (I, 270).

дёгомъ, Gen. дёгма „Birkenteer“, ukrain. дёготь, Gen. дѣха, weißruss. дѣхоч, alttschech. dehet, Gen. dehte, slowak. deht, poln. dziegieć. Dieser slawische Name für Teer wird als altes verwandtes Wort mit lit. degutas, lett. deguts und weiter mit lit. degù, dègti, dãgas „Ernte“ in Verbindung zu bringen versucht. Doch lit. dėgti entspricht genau urslaw. жегу, russ. жгу; daher kann die slawische Bezeichnung für Teer als Entlehnung aus den baltischen Sprachen gelten. Diese Ansicht vertraten K. Būga und J. Mikola. Auch der Verfasser des neuen etymologischen Wörterbuchs der polnischen Sprache, F. Slawski, vertritt diese Auffassung3 (I, 335, III, 514).

дайлуда „Baumeister“; bei Skorina verwendet und häufig in weißrussischen Dokumenten des 16. Jahrhunderts belegt, stammt das Wort aus lit. dailýda (I, 358).

дырван ‘Brachfeld’, kommt in westlichen russischen Dialekten vor und wird auch im Polnischen verwendet (dyrwan), stammt aus litauisch dirvònas (I, 386).

джало ‘Abgabe, Steuer’, häufig in weißrussischen Dokumenten belegt, stammt aus litauisch *dėklas ‘Auferlegung, Steuer’: dėti (I, 387).

ёня ‘Getreidedarre’, kommt in der Gegend von Smolensk sowie im Ukrainischen und Weißrussischen vor (жёна, жоўна, älter жёја) und könnte mit litauisch javėna u. a. verwandt sein.

* In den litauischen Dialekten kommt dieses Wort mit der Bedeutung ‘Haken’ vor: vančas (Upyna), vančys (Radviliškis), vančkaras (Šiauliai). Es könnte aus dem Lettischen ins Litauische gelangt sein, während die Letten es wahrscheinlich aus dem Deutschen übernommen haben.

2 Vgl. F. Slawski, Słownik etymologiczny języka polskiego, 1, 194, Kraków, 1952—1956.

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Da dieses Wort jedoch von Slawen verwendet wird, die in der Nachbarschaft der Balten leben, halten einige Sprachwissenschaftler es für eine Entlehnung aus litauisch jāuga (I, 389).

ендова, яндова ‘bauchiges metallenes oder irdenes Gefäß; Kanne für Bier’, altruss. jandova ‘flache Schale mit Schnabel’, weißruss. jandova. Gilt als Entlehnung aus litauisch indauja, indas (I, 399, III, 514).

жлукто ‘Fass zum Wäschelaugen, das Wäscheweichen’, жлукта, weißruss. žlūkto, ukrain. žlūkto ‘Zuber, Kufe’, poln. žłukto. Entlehnt aus litauisch žlūklas (žlūgtas) ‘Waschlauge, Fass zum Wäschelaugen’ (I, 427).

клуня ‘Art Scheune, Riege’, ukrain. klūnia, weißruss. klūnia, poln. klunia, klonia ‘Scheune aus Fichtenrundhölzern, Schlafstätte’. Dieses Wort stammt wahrscheinlich aus litauisch klūonas, lettisch kluōns: litauisch klóti (I, 573—4).

ковш ‘Schöpfkelle, Schaumlöffel, Trinkgeschirr’, ukrain. kovš, weißruss. kovš, altruss. kovšb. Entlehnt aus litauisch káusas, lettisch kauss. Dieses baltische Wort ist ins Finnisch-Ugrische (finnisch kauha) und in einige germanische Sprachen gelangt (mittelniederdeutsch kouwesse, niederdeutsch kausse, altdänisch kouse, dänisch kaus, schwedisch kaus, kás) (I, 586, 679).

кувшин ‘Kanne’, кувшин (Assimilation), ukrain. kušyn, weißruss. kušyn. Dieses Wort könnte aus litauisch *kausinas stammen, das neben káusas gestanden haben könnte. Zur Wortbildung vgl. litauisch vaikšnas: vaikas (I, 679).

кыльша ‘Hüfte, Oberschenkel’, kommt auch als кульжа vor, weißruss. kūlša, poln. kulsza; entlehnt aus litauisch kūlsė, kūlsis (I, 690).

курпы, курпины ‘Bastschuhe’, poln. kurp, kurpia; die Wörter sind aus den baltischen Sprachen entlehnt, vgl. litauisch kūrpė, lettisch kurpe, preußisch kurpe (I, 701—2).

лаума ‘Art Hexe’, kommt in der Gegend von Smolensk vor; das Wort stammt aus litauisch laumė (laimė) ‘Art Fee’, lettisch lauma ‘Hexe, Zauberin’ (II, 19).

логиса ‘Haufen Zweige, Äste, Späne, die beim Holzfällen zurückbleiben’, entlehnt aus litauisch laužas (II, 51).

лускапт ‘Fetzen’, kommt in der Gegend von Kursk vor. Das Wort ist unklarer Herkunft und könnte gelegentlich eine Entlehnung aus dem Baltischen sein, vgl. litauisch lūskatai ‘Fetzen, Lappen’ (II, 71).

пакля ‘Hede, Werg’, baltisch pakulle, polnisch pakul-y, entlehnt aus litauisch pakulos: kūlti, lettisch pakulas (II, 303).

парсук ‘Eber, kastriertes männliches Schwein’, kommt in der Gegend von Rjasan vor; in den westlichen russischen Dialekten findet sich паршук, парсюк ‘Eber’, polnisch parsiuk. Die Wörter sind aus litauisch paršiukas entlehnt (II, 317—18).

пелед ‘Schutzdach über einem Getreideschober’, пеледа, пельда, пелед, пеледь, пелядь, ist in russischen Dialekten weit verbreitet (Jaroslawl, Wologda, Moskau, Kaluga, Orjol, Kostroma). Diese Wörter gehen auf litauisch pelūdė: pėlūs + dėti ‘Spreuscheune, Spreukammer’, lettisch pelūde zurück (II, 332, 333).

пуня ‘Spreukammer, Scheune, Heuboden’, ein in russischen und weißrussischen Dialekten recht weit verbreitetes Wort, stammt aus litauisch pūnė, pūnė ‘Stall’, lettisch pūne ‘Scheune’. Einige Sprachwissenschaftler (A. Brückner, J. Endzelīns u. a.) sind der Ansicht, dass die Balten dieses Wort umgekehrt aus dem Slawischen entlehnt hätten; nach M. Fasmer spricht jedoch die geografische Verbreitung des Wortes gegen eine solche Annahme (II, 464—5).

⁴ E. Frenkel (Litauisches etymologisches Wörterbuch, 347, Heidelberg-Göttingen, 1955—59) hält dieses Wort ohne ausreichenden Grund für ein altes verwandtes Wort zu litauisch láužas.

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nymel ‘kleinwüchsiger Mensch, Knirps’, nympukes ‘klein’. Kommt in der Gegend von Smolensk vor und könnte aus litauisch pamplys ‘Dickbauch’ entlehnt sein (II, 465).

nympa ‘Art Suppe aus Gemüse, Graupen und Milch’, nympo ‘Mehljauche für das Vieh’, nympa, ‘Weizengrütze’, ukrainisch pūtra, baltisch pūtra. Entlehnt aus litauisch putra ‘Grütze’, lettisch putra: punti, pūsti, putā. Auch finnisch putro, puoro ‘Grütze’ ist nach M. Fasmer wahrscheinlich ein baltisches Lehnwort (II, 469).

резины ‘Art Korb zum Tragen von Heu’, розивны, baltisch rėdžginy, rėginy, rėviny, entlehnt aus litauisch rezginės (rėzginės), rėzgis ‘Geflecht, Korb, geflochtene Trage’ (II, 506).

peū, Genitiv рэя, рея ‘Darrscheune’, рея (Grodno, Minsk, Smolensk). Dieses Wort gelangte sowohl ins Russische als auch in die baltischen Sprachen aus dem Finnisch-Ugrischen (estnisch rei, finnisch riihi). Ins Weißrussische könnte es jedoch auch über die baltischen Sprachen gelangt sein (II, 507).

рожец ‘Unglückshäher, Garrulus infaustus’, gilt gewöhnlich als baltisches Lehnwort, vgl. litauisch ražis ‘Tannenhäher’ (< *ranžis), lettisch ruoze, ruozis (II, 535).

румуть ‘Sorgen bereiten, beunruhigen’, pynum(cя) мне ‘es scheint mir, es beunruhigt mich’, puna ‘Heimweh’, румшый ‘besorgt’, ukrainisch rūpyty, rūplu ‘erwünscht sein’, baltisch rūpic ‘sich sorgen’, rupota ‘Sorge’. Die Quelle dieser Wörter könnte mitunter litauisch rūpėti sein; besonders die Verbreitung der Wörter würde für diese Annahme sprechen (II, 548–9).

свиренъ-рна ‘Getreidescheune’, свирон, baltisch swiren, polnisch świren, świrnia, świernia ‘Speicher’. Ein schwer zu erklärendes Wort. Einige Sprachwissenschaftler (J. Otrębski, E. Karski, F. Miklošič) halten es für ein Lehnwort aus litauisch svīrnas (II, 593–4).

сигла ‘Morast, Moorgrund’, wahrscheinlich ein baltisches Lehnwort, vgl. lettisch sīlis ‘kleiner Morast in der Mitte eines Waldes, einer Wiese oder Weide’ (II, 622).

скупо, скупда ‘Getreidehaufen, Heuschober’, ukrainisch skýrta, stýra, baltisch skirta. Diese Wörter sind aus dem Baltischen entlehnt, vgl. litauisch stirta ‘Heuhaufen’, lettisch stira ‘dachförmiges Dörrgatter für Sommerkorn auf dem Feld’. Aus dem Russischen gelangte dieses baltische Lehnwort später auch ins Ersjanische (Mordwinische) — skirda ‘Getreideschober auf dem Feld’ (II, 638);

сколба ‘Tabakstampfer, Stößel’, kommt in der Gegend von Twer vor und könnte gelegentlich ein baltisches Lehnwort sein, vgl. litauisch skalbei, skalbių (II, 642).

твань ‘Morast, sumpfige Stelle’, квань, тванья. Das Wort ist in russischen Dialekten recht weit verbreitet und findet sich auch im Ukrainischen (tvan’ ‘Schlamm’) und im Weißrussischen (tvań ‘Schlamm’). Aus dem Baltischen entlehnt, vgl. litauisch tvānas, lettisch tvans ‘Dampf’: litauisch tvānti (III, 84–5).

топра ‘Zwischenraum, Fach eines Heuschobers, Abstand zwischen 2 Pfählen’, aus lit. tarpas (III, 127).

шакала, шакола ‘Buchweizenhülsen’, шаколина, entlehnt aus lit. šakalai, lett. sakali (III, 366).

шешок,-шка ‘Iltis’, weißruss. šešōk, poln. szeszek, aus lit. šeškas, lett. sesks: lit. šeškė ‘cacare’. Eine ähnliche Bezeichnung für den Iltis findet sich auch in einigen finno-ugrischen Sprachen. Die geographische Verbreitung des Wortes zeigt jedoch, dass die Slawen es von den Balten übernommen haben (III, 395–6).

шкубунять ‘verfolgen’, kommt in der Gegend von Smolensk vor und ist aus lit. skūbinti, skūbinti ‘sich beeilen’ entlehnt (III, 408).

шнурделок 1. ‘Kreisel’, 2. ‘flinker Junge’, kommt in der Gegend von Smolensk vor; eine Entlehnung aus dem Baltischen, vgl. lett. spurdelis ‘Kreisel; unruhiger, unbändiger Mensch’, lit. spurdėti (III, 427).

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шула ‘Zaunpfahl’, шула, ukrain. šila, weißruss. šila. Einige Sprachwissenschaftler halten dieses Wort für verwandt mit lit. šulas, andere (E. Karskis, Pr. Skardžius) dagegen für eine Entlehnung aus dem Litauischen (III, 435).

янтарь ‘Bernstein’, altruss. jentarь. Aus dem Russischen gelangte diese Bernsteinbezeichnung in andere slawische Sprachen: ukrain. jantār, tschech. jantar, serb.-kroat. jàntār, slowen. jàntar. Ins Russische gelangte das genannte Wort aus dem Baltischen, vgl. lit. gintāras, lett. dzītars (III, 491).

Sehr interessant ist das Phänomen, dass einige baltische Wörter über die finno-ugrischen Sprachen in russische Dialekte gelangten. Hier sind sie:

игуна, игна, хигна ‘Lenkseil am Rentiergespann’, aus finn. und olonetz. hihna ‘Riemen’, dieses wiederum aus lit. šišna (I, 267).

игвас, ирвас ‘Rentierbock im zweiten Lebensjahr’, aus finn. hirvas ‘Rentierochse’. Das finnische Wort stammt wahrscheinlich aus balt. *širvas, vgl. pruß. sirwis ‘Reh’ (I, 270).

корбачь ‘Bastschuhe, Schuhe aus Birkenrinde’, entlehnt aus finn. kurpunen, Pl. kurpuset ‘Schuhe aus ungegerbtem Leder’. Das finnische Wort ist aus dem Baltischen entlehnt, vgl. lit. kurpė (I, 623).

лох ‘abgemagerter Lachs nach der Laichzeit in den Flüssen’, stammt aus finn., olonetz. und karel. lohi ‘Lachs’. In die finno-ugrischen Sprachen ist dieses Wort aus dem Baltischen gelangt, vgl. lit. lašis (II, 62).

лухма 1. ‘Bucht, Meerbusen’, 2. ‘seichte, grasbewachsene Stelle im See’. Die erste Bedeutung wurde wahrscheinlich aus lappländ. luokta, luxta entlehnt, die zweite aus weps. luht ‘feuchte Wiese, Pfütze’, finn. und karel. luhta, estn. luht, die aus lit. lūkštas ‘Rohrgras’, lūkštinė, lūkštynė ‘mit Schilf bewachsener Teich oder Sumpf’ stammen (II, 72).

печка, решка ‘ungesäuerter Fladen aus Mehl und zerstampfter Fichtenrinde’, entlehnt aus karel. rieska, finn. rieska ‘ungesäuertes Gerstenbrot, Pfannkuchen’. In die ostseefinnischen Sprachen gelangte dieses Wort aus dem Baltischen, vgl. lit. prėska ‘ungesäuert’ (II, 514).

пода ‘uneben gefrorener, feuchter Erdboden’, позва, повка, aus karel. rouda, finn. routa ‘hart gefrorener Erdboden’. Die ostseefinnischen Wörter stammen aus lit. gruodas (II, 526).

себра ‘gemeinschaftliche Arbeit, Genossenschaft von Arbeitern’, сябра, stammen wahrscheinlich aus weps. šebr- (šebra-) ‘gemeinsame Arbeit’, finn. seura ‘Gesellschaft, Gefolge’. Die Ostseefinnen dürften das genannte Wort aus dem Baltischen übernommen haben, vgl. lit. sėbras ‘Gefährte, Teilnehmer’, lett. sēbrs ‘Nachbar, Freund, Verwandter’ (II, 599).

Alle genannten Wörter kommen überwiegend in nordwest-russischen Mundarten vor. Als Entlehnung aus dem Baltischen ist auch das von M. Fasmer etymologisch nicht erklärte russ. шупна ‘Huhn mit gespreizten Federn’ anzusehen, ebenso wie das balt. šūrpa ‘Lockenkopf, Kosename’ (III, 438), das im Litauischen weit verbreitet ist und eine gesicherte Etymologie besitzt.5

Bei der Erklärung der Herkunft verschiedener russischer Wörter arbeitet M. Fasmer, wie erwähnt, reichlich mit baltischem Sprachmaterial und stützt sich dabei vor allem auf die Arbeiten von K. Būga, J. Endzelyns, R. Trautmann, A. Brückner u. a. Das Material der baltischen Sprachen wird

5 Vgl. A. Sabaliauskas, Lietuvos TSR Mokslų akademijos darbai, serija A, 1, 123—4, Vilnius, 1960. Wie eine kürzlich veröffentlichte handschriftliche Arbeit zeigt, hielt auch K. Būga russ. шупна für eine Entlehnung aus lit. šūrpa; vgl. K. Būga, Rinktiniai raštai, 2, 622, Vilnius, 1959.

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… wird recht erfolgreich genutzt; eine umfassende Auswertung wurde jedoch dadurch erschwert, dass das vollständige akademische Wörterbuch der litauischen Sprache noch nicht erschienen ist und M. Fasmer bei der Abfassung seines Wörterbuchs außerdem das etymologische Wörterbuch der litauischen Sprache von E. Frenkel noch kaum heranziehen konnte. Hier wollen wir auf die eine oder andere etymologische Einzelheit hinweisen, die in M. Fasmers Wörterbuch nicht berücksichtigt ist, sowie auf festgestellte Ungenauigkeiten verschiedener Art.

Mit russ. грим ‘Scholle’ (I, 313) wird neben anderen Wörtern auch lit. graumenys ‘große Urwälder’ verglichen. Lit. graumenys, griaumenys ‘dichter, großer, mit Bäumen vollgestürzter Wald’, griaumedis ‘ein im Wald umgestürzter Baum’6 ist wahrscheinlich mit lit. griūti ‘umstürzen’ zu verbinden. Somit dürften russ. грим und lit. graumenys nichts miteinander zu tun haben.

Lit. grįdyti ‘gehen, wandern’ sollte wegen des Vokalismus der Wurzel vielleicht nicht mit russ. грядѣ, грясти (I, 315) verglichen werden7.

Zu russ. двохать (I, 332) wird unter Berufung auf J. Endzelyns angegeben, dass lit. dvėkas eine Entlehnung aus dem Slawischen sei; dieses Wort kann jedoch durchaus als einheimisch gelten: Weder seine Lautgestalt noch seine Bedeutung sprechen gegen eine solche Annahme8.

Lit. dūdė kann ebenfalls ein einheimisches Wort sein; kategorisch zu behaupten (II, 336), es sei eine Entlehnung aus dem Weißrussischen, ist zu gewagt9.

Lit. tūlės (I, 417) sollte man wahrscheinlich nicht mit žalias, žolė (* žultis > tul-ės), sondern mit lit. tūlėti ‘sich mit Wasser vollsaugen, aufquellen, Wasser aufnehmen, einweichen; Wasser aufsaugen’, lett. tūlēt ‘anschwellen’, tūlzna ‘Blase’ verbinden10.

Lit. kārpa ‘Karpfen’ (I, 535) ist nicht aus dem Althochdeutschen, sondern aus dem Polnischen entlehnt11.

E. Frenkel hat offenbar zu Recht bemerkt, dass russ. камать ‘wälzen, rollen, drehen’ (I, 540) von качать ‘schaukeln’ (I, 543) zu trennen ist; Letzteres ist mit lit. kėbautis ‘sich schaukeln’, kėkos ‘Schaukel’ zu verbinden ist12.

Russ. допоб ‘Schachtel, Sieb’ sollte nicht mit lit. darbas ‘Laubgeflecht’ verbunden werden (I, 363), denn dieses litauische Wort gelangte aufgrund eines Missverständnisses aus den Schriften von J. Bretkūnas in die sprachwissenschaftliche Literatur. J. Bretkūnas übersetzte nämlich den dritten Bestandteil von M. Luthers Kompositum Palmenlaubwerk mit dem Wort darbas; gemeint ist hier also das litauische Wort darbas ‘Arbeit, Werk’13.

Bei der Erklärung der Herkunft von russ. клемть ‘Vorratskammer, Speicher’ (I, 569) werden hier unnötigerweise lit. klaimas ‘Scheune’, das mit lit. klōti (klōimas < klōj-mas) zu verbinden ist, und atslaimas, atslaimas ‘Vorhof’, das mit lit. šlūoti (atslāimas < atslāvimas) wurzelverwandt ist, verglichen14.

Lit. kārbas ist eine Entlehnung aus dem Slawischen; daher sollte es nicht als altes verwandtes Wort mit russ. короб ‘Korb, Schachtel, geflochtener Kutschkasten’ (I, 629) verbunden werden15.

6 Vgl. Lietuvių kalbos žodynas, verantwortlicher Herausgeber K. Ulvydas, 3, 575, Vilnius, 1956.

7 Vgl. E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, 171, Heidelberg-Göttingen, 1956—1959 (im Folgenden — LEWb.).

8 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 81, 109.

9 Vgl. Pr. Skardžius, Archivum Philologicum, 4, 154, Kaunas, 1933.

10 Vgl. K. Būga, Kalba ir senovė, 295, Kaunas, 1922; Rinktiniai raštai, 2, 320.

11 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 222.

12 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 236.

13 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 82—3.

14 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 22—3, 275.

15 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 220.

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Russ. kūdelė ‘zum Spinnen vorbereiteter Flachs’ (I, 680) erlaubt es nicht, den Vokalismus dieser Wörter mit lit. kėdėnti in Verbindung zu bringen, wie E. Fraenkel16 zutreffend bemerkt hat.

Lit. kaūlyti ist offenbar besser mit lit. kãutis zu verbinden, wie E. Fraenkel17 es tut, und nicht mit russ. кулик ‘Schnepfe, Scolopax’ (I, 688).

Lit. kùrti ‘Feuer anmachen, heizen’ lässt sich kaum von kùrti ‘bauen, gründen, errichten’ unterscheiden18. Somit hätte das erwähnte litauische Wort nichts mit russ. курить ‘rauchen’ (I, 700) zu tun.

Lit. laidõkas (II, 8) kann auch aus dem Polnischen entlehnt sein19.

Die russische Bezeichnung für einen Letten, замуш (II, 19), stammt wahrscheinlich nicht aus der Nominativform des Plurals latvieši; das Formans -шш ist ein Suffix, das auch in anderen Appellativa vorkommt20.

Lit. loma ‘niedrige Stelle auf dem Acker’, lett. lāma ‘Pfütze, Grube’ (II, 56) sollte man dennoch mit lit. lamanti, lėmti, lùmti21 verbinden.

Lit. liūtis (II, 79; in M. Fasmeris Wörterbuch steht lutis) ist wohl keine Entlehnung aus dem Slawischen, sondern ein einheimisches Wort, wie Pr. Skardžius22 und E. Fraenkel23 behaupteten.

Lit. minia sollte man offenbar mit lit. minti verbinden, wie J. Endzelīns24 es tut, dem auch E. Fraenkel25 zustimmt. In diesem Fall hätte dieses litauische Wort nichts mit russ. много ‘viel’ (II, 143) zu tun.

Der Vergleich von russ. мыслить ‘denken’ mit lit. maũsti ‘sehnsüchtig verlangen, sich nach etw. sehnen’ (II, 184) ist semantisch sehr bedenklich.

Bei russ. Неман ‘Memelfluss’ (II, 211) wird die Erklärung K. Būgas nicht angeführt26, der den Namen Nemunas mit lit. neminė, nėmuogė verbindet. Außerdem sollte die Verbindung des Flussnamens mit žemait. nùmas ‘Haus’ als unbegründete Etymologie bezeichnet werden; sie ist, wenn auch äußerst naiv, recht verbreitet. So heißt es zum Beispiel sogar im 1958 erschienenen „Geografinių pavadinimų žodyne“: „Название литовское: немас — дом; намин — домашний; домашняя, наша, т. е. литовская река“27.

Lit. narõvytis ‘trotzig sein’ kann nicht mit russ. норов ‘Sitte, Brauch, Gewohnheit’ (II, 227) verglichen werden, da lit. narõvytis eine Entlehnung aus dem Slawischen ist28.

Zu russ. пенька ‘Hanf’ (II, 335) sollte man anmerken, dass K. Būga bei der Erklärung der Herkunft dieses Wortes es mit lit. pinti verbindet (пенька < *pini̯ka)29.

16 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 233.

17 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 230—1.

18 Vgl. K. Būga, Kalba ir senovė, 105; Rinktiniai raštai, 2, 128; E. Fraenkel, LEWb., 319.

19 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 330.

20 Vgl. J. Otrębski, Lingua Posnaniensis, 2, 72—3, Poznań, 1950.

21 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 338, 355, 385.

22 Vgl. Pr. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, 108, 327.

23 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 382—3.

24 Vgl. J. Endzelīns, Filologu biedrības raksti, 12, 174, Rīgā, 1932; Senprūšu valoda, 224. Rīgā, 1943.

25 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 453, 455.

26 Vgl. K. Būga, Kalba ir senovė, 190, 244—9; Rinktiniai raštai, 2, 213—4, 280—1.

27 M. S. Bondarski, Wörterbuch der geografischen Namen, 224, Moskau, 1958.

28 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 484.

29 Vgl. K. Būga, Archivum Philologicum, 1, 37, Kaunas, 1930.

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Mit rus. пупца ‘Vogel’ (II, 458) sollten lit. pautas ‘Ei, Hode’, lett. pāuts und pruß. pawtte nicht verglichen werden, da diese Wörter mit der idg. Wurzel *pū- ‘blasen, wehen, anschwellen (machen)’ zusammenhängen: lit. pūsti, pūsti usw.30

Lit. rāvas ‘Graben’ und pruß. rawys sind wahrscheinlich Lehnwörter aus dem Polnischen31; daher sollte man sie nicht mit rus. poe (II, 525) verbinden.

Nach K. Būgas Auffassung wurde lit. kvietys nicht aus dem Gotischen entlehnt, wie im Wörterbuch angegeben (III, 284), sondern aus dem Skandinavischen32. K. Būga betonte gerade, dass lit. kvietys wegen des Vokalismus der Wurzel nicht aus dem Gotischen entlehnt worden sein kann. Außerdem äußert sich der Verfasser des Wörterbuchs nicht ganz konsequent zum Verhältnis von *svēro und *kvēro. An einer Stelle (II,591) schreibt er: „Die Zusammengehörigkeit von *svēro und *kvēro (s. uem) ist unsicher (gegen Vaillant RES. 13, 110 ff.)“, an anderer Stelle dagegen, wenn er das Wort uem behandelt (III, 284): „Bei Annahme eines idg. Gutturalwechsels wäre weitere Beziehung zu c̑em (s.d.).“

Im Wörterbuch finden sich auch Ungenauigkeiten anderer Art.

Es heißt (I, 281): lit. dvigubas, trigubas ‘doppelt, einfach’; das Wort trigubas muss mit ‘dreifach’ übersetzt werden.

gruménti (I, 310) ist ein litauisches, kein prußisches Wort.

dižū, diežti, dižti (I, 336) ist zu dyžù, diežti, dyžti33 zu berichtigen.

desimis (I, 346) ist auch in der heutigen litauischen Sprache weit verbreitet; daher muss es hier als lit. und nicht als alit. (altlitauisch) gekennzeichnet werden.

drabažas (I, 368) ist ein lettisches, kein litauisches Wort.

Das litauische Wort vasara ‘Sommer’ muss als vãsara und nicht als vasarà betont werden (I, 192).

Lit. vartai ‘Tor, Pforte’ (I, 229) ist nicht vartai, sondern vãrtai zu betonen.

Lit. gìlškčioja ‘es geht das Gerücht’ (I, 286) ist zu gãlškčioja zu berichtigen.

Lett. dvãsà ‘Hauch, Atem’ (I, 332) ist zu dvãsą zu berichtigen.

Lit. strãzdas ‘Drossel’ (I, 372) ist zu strãzdas zu berichtigen.

K. Būga sagt in RFV 67,240 offenbar nichts zu rus. железа ‘Drüse’ (I, 415) und lit. gėlėžuones.

Lit. žliūktas, žliūktis ‘Waschlauge, Fass zum Wäschlaugen’ (I, 427) sowie die anderen hier genannten litauischen Wörter derselben Wurzel sollten mit g geschrieben werden.

Es ist žarijos Pl. ‘glühende Kohlen’ zu schreiben, nicht aber žaryjos (I, 443).

Es muss žambėju, žambėti ‘keimen’ heißen (I, 466), nicht žãmbėju.

Der lettische Ortsname ist Cēsis G. Cēsu zu schreiben, nicht Cēzis (I, 552).

K. Būga gibt RFV 70,100 lit. balāzyti ‘schelten’ an, nicht balãsyti (I, 45).

K. Būga führt RFV 70,101 lit. bliaūzyti ‘Unsinn reden’ an, nicht blianūzyti (I, 96).

K. Būga spricht über das Verhältnis von russ. кула ‘Leistenbruch, Knorren am Baum’ (I, 556) zu lit. kúla ‘Auswuchs, Knorren’ nicht in RFV 71, 44, sondern auf S. 54.

Russ. ком ‘Klumpen’ (I, 606) vergleicht K. Būga mit lit. kamúolys u. a. nicht in RFV 65, 314, sondern auf S. 316.

K. Būga äußerte sich sehr skeptisch zu seiner früheren Erklärung der Herkunft von lit. krēpšas ‘Korb, Tasche’, in der dieses Wort mit russ. коров ‘Korb, Schachtel, geflochtener Kutschkasten’ in Verbindung gebracht wird34; deshalb hätte man sich hier (I, 629) besser nicht auf ihn berufen sollen.

30 Vgl. J. Endzelīns, Senprūšu valoda, 221; E. Fraenkel, LEWb., 554.

31 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 709; J. Endzelīns, Senprūšu valoda, 238.

32 Vgl. K. Būga, Kalba ir senovė, 68, 206; Rinktiniai raštai, 2, 89, 230.

33 Vgl. E. Fraenkel, LEWb., 98.

34 Vgl. K. Būga, Kalba ir senovė, 27—8; Rinktiniai raštai, 2, 44.

326

Lit. krãlikas ‚Kaninchen‘ ist nicht krãlikas (I, 666), sondern krãlikas zu betonen.

Lit. lóva ‚Bettstelle‘ (II, 2), lópas ‚Flick, Lappen‘ (II, 14) sind als lóva, lópas. zu schreiben.

Lit. balandis ist als balandìs zu betonen, nicht als balandis (II, 22).

Im Lettischen gibt es das Wort linte ‚Band‘, aber nicht lint (II, 31).

K. Būga erklärt den Ursprung des Ortsnamens Лепель (II, 31) nicht mit RS 6,30, sondern mit 36.

Im Litauischen wird das Wort ligà ‚Krankheit‘ verwendet, nicht lygà (II, 40).

Das Verhältnis zwischen russ. лу́ста́ ‘Scheibe, Schnitte Brot’ (II, 71) und lit. lùstas ‚Schnitte Brot‘ behandelt K. Būga nicht in RFV 65, 316, sondern 318.

Lit. mėlyna (II, 91) ist eine feminine Adjektivform; das Substantiv ‚Fleck‘ lautet mėlynė.

Der der russ. во́рона: во́рон entsprechende Metatonie im Litauischen lautet várna: vãrnas, nicht aber vãrnas (II, 219).

Im Litauischen wird das Wort nūnai ‚nun, jetzt‘ verwendet, nicht munai (II, 232).

Lit. ne galėti ‚unpässlich sein‘ (II, 252) ist als negalėti. zu schreiben.

Das Pronomen añs wird in der litauischen Standardsprache verwendet; daher sollte es nicht mit alit. (II, 268) gekennzeichnet werden, während die Form añs dialektal ist.

Lit. mintìs ‚Gedanke, Idee, Meinung‘ (II, 308) ist ebenfalls ein Wort der Standardsprache; daher ist alit. hier unangebracht.

Lit. spùrdėti ‚rütteln, flattern‘ (II, 413) sollte zu spuradėti. korrigiert werden.

Zu schreiben ist sėgti, segù, segiaũ ‚hefte‘, nicht sėrti (II, 413).

Lit. juosmuõ (II, 423) wird überwiegend in der Bedeutung ‚Lende‘ verwendet, nicht in der Bedeutung ‚Gürtel‘.

Die Žemaiten verwenden die Form pūraĩ ‘Winterweizen’ und nicht puraĩ (II, 474).

Rūõbs „Kerbe“, „ribóz“ ‘kerben’ (II, 541) sind lettische und keine litauischen Wörter.

Lit. sėbsnis ‘Klafter’ (II, 568) ist zu siekšnis. zu berichtigen.

In der litauischen Schriftsprache werden die Formen šùolis ‘Galopp’, šúolias ‘im Galopp’ verwendet und nicht šolỹs, šolias (II, 571).

K. Būga erwähnt in RFV 75, 143 das litauische Wort per-sėda ‘Fischwehr’, nicht aber per-sėdas (II, 602).

Lett. saime ‘Hausgesinde, Familie’ ist sãime zu schreiben, nicht jedoch sáime (II, 609).

Lit. siẽti, siejà ‘binde’ (II, 619) sind Formen der Schriftsprache, nicht der ostlitauischen Dialekte.

Der Akkusativ Singular von lit. šalnà ‘Frost’ muss šalną lauten, nicht šãlną (II, 657).

Die Form mìrtis, mirtìes ‘Tod’ (II, 672) wird in der litauischen Schriftsprache und in vielen Dialekten verwendet; daher hätte alit. hier nicht vermerkt werden sollen. Das von M. Fasmer erwähnte Daukša verwendete die Form mìrtis35.

Zur Herkunft von russ. сма́до ‘Herde’ (III, 2) verweist R. Trautmann nicht auf Bsl 230 ff., sondern auf S. 280 ff.

Der Hinweis ostilt. beim Wort ztė (III, 81) ist unnötig, da dieses Wort auch in anderen litauischen Dialekten weit verbreitet ist.

Lit. ỹras (III, 110) wird als Substantiv in der Bedeutung ‘Morast’, als Adjektiv in der Bedeutung ‘rein’ verwendet; in der Bedeutung ‘Brei’ wird nur das Wort ỹrė. gebraucht.

Nach der im Wörterbuch verwendeten Schreibweise ist siūti, siuvu zu schreiben, nicht siūvù ‘nahe’ (III, 402).

Zu betonen ist skambėti, skambù ‘klingen’, nicht skambò (III, 448).

35 Vgl. Pr. Skardžius, Daukšos akcentologija, 116, 118, 245, 254. Kaunas, 1935.

327

Auch dem Verfasser des Wörterbuchs könnte man die Schreibung der prußischen Wörter vorwerfen: Er hält sich nicht überall strikt an die Originalorthographie, und mitunter kommen auch Fehler anderer Art vor.

Pr. wissa- ‘all’ (I, 192) schreibt man besser wissą, da dieses Wort nicht nur als Bestandteil eines Kompositums belegt ist.

Pr. waldūns ‘Erbe’, nicht aber waldums (I, 219).

In den prußischen Sprachdenkmälern ist die Nominativform asmas ‘der achte’ bezeugt, nicht asmas (I, 232).

Im Elbinger Vokabular steht Udro ‘Otter’ (Wort 667), nicht aber wudro (I, 239).

Das nur ein einziges Mal in den prußischen Sprachdenkmälern vorkommende Wort Sturdis ‘Bicke’ wird an einer Stelle (I, 242; II, 283) scurdis geschrieben (so wird die Schreibung dieses Wortes gewöhnlich korrigiert)36, an anderer Stelle (II, 647) dagegen skurdis. Außerdem lautet seine Bedeutung an einer Stelle ‘Bicke’, an einer anderen ‘Bicke, Haue’ und an noch einer weiteren ‘Hacke, Erdhacke’.

Im Elbinger Vokabular steht Kore ‘Dohle’ (Wort 724). Die Schreibung dieses Wortes wurde offenbar sogar auf drei verschiedene Arten zu korrigieren versucht: koce37, kole38, kose39. Mit jeder Korrektur ist auch eine andere etymologische Erklärung verbunden; deshalb ist es in diesem Fall notwendig, auch die Originalschreibung anzugeben und sich nicht allein auf K. Būgas Erklärung zu verlassen (I, 255).

Im Elbinger Vokabular steht Gudde ‘Busch’ (Wort 587), nicht aber gude (I, 264).

Man sollte swaigstan schreiben, nicht swāigstan (I, 447).

Pr. semme (I, 453) ist zu semmē zu korrigieren.

Pr. kelan ‘Rad’ ist als selbständiges Wort im Elbinger Vokabular belegt (Wort 295); daher sollte man es besser anführen und nicht „-kelan in malūnakelan“ (I, 598).

Im Elbinger Vokabular steht curwis ‘Ochse’ (Wort 672), nicht aber kurwis (I, 630).

Im Glossar von S. Grunau steht lynno ‘Flachs’ (Wort 31), nicht linno (II, 30).

Man sollte angeben, dass pr. lasasso ‘Lachs’ (II, 61) aus Lalasso korrigiert wurde (Elbinger Vokabular, Wort 563).

Das Wort prūtis ‘Preusse’ (II, 451) ist in den prußischen Sprachdenkmälern nicht belegt. Dort kommen nur die Wörter prūtiskan, prūtiskai vor.

Im Glossar von S. Grunau steht pawtte ‘Eier’ (Wort 74), nicht pawte (II, 458).

Pr. sadinma ‘stellt’ (II, 567) ist in saddinna zu korrigieren.

Pr. warnay-ropo ‘Würger, Lanius’ (II, 644) ist warnaycopo zu schreiben.

Im Elbinger Vokabular steht Sliwaytos ‘Pflaumen’ (Wort 619), nicht slywātois (II, 660).

Pr. snaigis ‘Schnee’ (II, 680) ist snaygis zu schreiben.

Pr. stiklo (III, 9) schreibt man besser sticlo.

Im Elbinger Vokabular steht Soanxti ‘Funken’ (Wort 35), nicht soanxtis (III, 54).

Pr. thewis ‘Väterchen’ (III, 81) schreibt man genauer in der Originalschreibung zhewis.

Pr. iau ‘schon’ (III, 176) schreibt man genauer iau.

Pr. iuse ‘Fleischbrühe’ (III, 195) ist iuse zu schreiben.

Pr. skīstan ‘rein’ (III, 343) schreibt man besser skijstan.

Im Wörterbuch werden die Abkürzungen nicht ganz einheitlich verwendet. An einer Stelle steht alit., an einer anderen (II, 672) — allip.; an einer Stelle — abulg., an einer anderen — abg. (II, 52, 53). Es kommt vor

36 Vgl. R. Trautmann, Die altpreussischen Sprachdenkmäler, 86, Göttingen, 1910; J. Endzelins, Senprūšu valoda, 250.

37 Plg. R. Trautmann, Die altpreussischen Sprachdenkmäler, 92.

38 Vgl. K. Būga, Rinktiniai raštai 1, 439 (RFV. 71, 107), Vilnius, 1958.

39 Vgl. J. Endzelins, Senprūšu valoda, 196.

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Transliterationsinkonsistenzen, zum Beispiel wird an einer Stelle ukr. p’áter geschrieben, an einer anderen ukr. yjater (I, 245). Ähnliche Inkonsistenzen sind jedoch sehr selten und können den Wert dieses grundlegenden Werks nicht mindern.

Vergleichen wir das Werk von M. Fasmer mit den Wörterbüchern von A. Preobraženskij und E. Berneker, so sehen wir, dass ein großer Schritt nach vorn gemacht worden ist. Prof. V. Machek bezeichnete das Werk in seiner Rezension als „magnum opus“40; Prof. A. Beleckij erklärte bei der Erörterung des Wörterbuchs von M. Fasmer in der Plenarsitzung der Wörterbuchkommission der Abteilung für Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, dass es in unserer Zeit für einen Einzelnen eine Art Heldentat sei, ein solches Wörterbuch zu erstellen41. Das erwähnte Werk hat diese und viele ähnliche Komplimente durchaus verdient. Das Erscheinen von M. Fasmers Wörterbuch hebt jedoch keineswegs die Aufgabe auf, dass die sowjetische Sprachwissenschaft künftig ein neues etymologisches Wörterbuch der russischen Sprache erarbeitet, das den weitaus größeren lexikalischen Reichtum des Russischen erfasst, dialektologisches und historisches Material umfangreicher heranzieht und dieses strenger von den Belegen der normierten russischen Literatursprache abgrenzt. Doch dies ist nicht die Arbeit eines oder zweier Menschen, sondern eines entsprechenden Kollektivs. Die sowjetische Lexikografie hat hervorragende Erfolge erzielt. Hoffen wir, dass diese Erfolge in naher Zukunft auch durch ein etymologisches Wörterbuch der russischen Sprache ergänzt werden, in dem selbstverständlich auch das Material der baltischen Sprachen seinen gebührenden Platz finden wird.

NEUES ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH DER RUSSISCHEN SPRACHE

А. И. САБАЛЯУСКАС

Zusammenfassung

Der Artikel bespricht das etymologische Wörterbuch des Russischen von M. Fasmer. Besonderes Augenmerk gilt dem Material der baltischen Sprachen. Die im Russischen festgestellten baltischen Entlehnungen werden zusammengestellt. Auf einige zweifelhafte Etymologien und Ungenauigkeiten wird hingewiesen.

40 Vgl. V. Machek, Slavia, 2, 280, Praha, 1959.

41 Vgl. Вопросы языкознания, 2, 158, Москва, 1960.

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