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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, VI
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
GENITIVISCHE LITAUISCHE ORTSNAMEN
B. SAVUKYNAS
Ziel dieser Abhandlung ist es, einen Arbeitstyp der litauischen Toponymie linguistisch zu untersuchen1 – die Ortsnamen im Genitiv –, ihre strukturelle und semantische Besonderheit sowie ihr Verhältnis zu anderen strukturgrammatischen Ortsnamentypen zu bestimmen. Bislang gibt es keine strukturell-grammatische Klassifikation, die auf die baltische Toponymie angewandt worden wäre. Die strukturell-grammatische Klassifikation der slawischen Toponymie von S. Rospond ist, wie er selbst meint, auch auf die baltische Toponymie anwendbar2. Es ist klar, dass sich bei der Ermittlung sämtlicher strukturgrammatischer und semantischer Typen baltischer Ortsnamen die Unterschiede zwischen den toponymischen Systemen des Baltischen und des Slawischen herauskristallisieren würden. Schon a priori lässt sich behaupten, dass die einzelnen strukturgrammatischen Ortsnamentypen im Baltischen und im Slawischen unterschiedlich produktiv sind. In den baltischen Sprachen ist auch der Typ der Ortsnamen im Genitiv produktiver und vielfältiger als im Slawischen; S. Rospond bezeichnet ihn als „z członem wyróżniającym w dopełniaczu“3.
Da der Namensgenitiv (genetivus explicativus)4 in den baltischen Sprachen sehr lebendig ist und jeder Ortsname damit ausgedrückt werden kann, wurden genitivische Ortsnamen bislang nicht einmal als eigener produktiver Typ betrachtet; mitunter wurde sogar die Meinung geäußert, genitivische Ortsnamen seien lediglich Namensgenitive. Wir wollen uns hier nicht mit dieser Auffassung auseinandersetzen, denn genitivische Ortsnamen sind in den baltischen Sprachen eine offenkundige Tatsache, die keines Beweises bedarf.
1 Die in der Toponomastik lange vorherrschende Methode der Siedlungsgeschichte, die Ortsnamen als „Denkmäler der Menschheitsgeographie“ („les fossiles de la géographie humaine“) und als „Geschichtsquellen“ („Geschichtsquelle“) analysierte, macht nun zunehmend einer rein linguistischen Erforschung der Ortsnamen Platz. Ortsnamen werden zunächst als entstandene, spezifische grammatische und semantische Gebilde betrachtet; bei ihrer linguistischen Analyse stützt man sich auf eine strukturell-grammatische Klassifikation, die die produktiven Typen eines nationalen toponymischen Systems herausarbeitet. Sind die morphologische Stratigraphie dieser Typen bestimmt, lassen sich auch ihre Geschichte, Chronologie und Geographie erschließen. Eine solche linguistische Analyse des toponymischen Systems eines ethnisch einheitlichen Gebietes kann eine gute Grundlage für die spätere historische Erforschung des Areals dieses Systems bilden.
2 Stanisław Rospond, Klasyfikacja strukturalno-gramatyczna słowiańskich nazw geograficznych, Wrocław, 1957, p. 49.
3 Ibid., p. 48.
4 J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, t. I. Vilnius, 1957, p. 585.
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Der Typ der genitivischen Ortsnamen ist zwar im Vergleich zu Ortsnamen anderer Bildungsweisen im Litauischen nicht zahlreich, umfasst jedoch Namen von Siedlungen, Gewässern und Flurstücken, zum Beispiel:
a) Siedlungsnamen: Lauko Sodà Dorf (Žarėnai), Romãinių Kaimėlė Dorf (Raudondvaris), Vaineikių Mėdsėdžiai (Darbėnai);
b) Gewässernamen: Alsėdžių ežeras (Alsėdžiai), Drėvės upis (Linkuva), Mažrimo upė (Skuodas), Šilo ežeras (Dusetos);
c) Flurnamen: Adomėlio lieknas (Biržai, Dorf Meilūnai), Asių kalnėlis (Šimonys), Asmino kalnas (Plateliai)5.
Auch das Lettische weist zahlreiche genitivische Ortsnamen auf: Aņģu purvs (35), Apiņu kalniņš (37), Dugas mežs (234), Dūrbēs ezers (240), Ēndzelina muiža (273), Gāndra Ūōzuola laņka (299), Gaūra upe (304), Guļbju ciems (337) Strauta upe (258)6.
Auch das Altpreußische hatte genitivische Ortsnamen: Sawlis-kresil (243), Gawsis-lauks (243), Tlokun-pelk (183), Treon-kaymyn-wey-sigis „trium villarum pratum“ (185)7. Wie die in Dokumenten des 13.—14. Jahrhunderts belegten altpreußischen Beispiele zeigen, gibt es genitivische Ortsnamen in den baltischen Sprachen seit alters her. Dass es sich dabei nicht um einen neuen produktiven Typ der Toponymie handelt, können auch andere indoeuropäische Sprachen bestätigen8.
Toponomasten haben nachgewiesen, dass beispielsweise in der slawischen9 und germanischen10 Toponymie die älteste Schicht aus topographischen (oder physiographischen) Ortsnamen besteht, die aus appellativischen Termini für verschiedene Objekte der Erdoberfläche hervorgegangen sind, wie Fluss, See, Tümpel, Sumpf, Tal, Strömung, Tiefe, Garten, Siedlung, Hof, Dorf und dergleichen, oder für physisch-geographische Eigenschaften dieser Objekte: tief, lang, schmal, reißend, zähflüssig, nass... Es ist zu beachten, dass gerade solche topographischen Termini häufig als zweites Kompositionsglied genitivischer Ortsnamen auftreten: Paežerių ežeras (Vilkaviškis), Adomėlio lieknas (Biržai).
Später bildeten sich neben den topographischen weitere semantische Typen von Ortsnamen heraus: kulturelle, ethnische, possessive, patronymische, auf Herkunft bezogene und diminutive.
Die strukturell-grammatische Stratigraphie der Ortsnamen ist weitaus komplexer als ihre semantische, denn jeder produktive Typ kann eine sehr unterschiedliche, chronologisch nicht einheitlich einzuordnende Semantik aufweisen (topographisch, kulturell, ethnisch, possessiv...). Wenn daher allgemein von der Stratigraphie der Toponymie die Rede ist-
5 Bei der Schreibung der zweiten Komponente mit Groß- oder Kleinbuchstaben folgt man hier der üblichen Rechtschreibregel; siehe Lietuvių kalbos rašybos žodynas, Kaunas, 1948.
6 J. Endzelīns, Latvijas PSR vietvārdi, I daļa, 1. sējums, Rīgā, 1956 (Die Zahl in Klammern bezeichnet die Seite).
7 G. Gerulis. Die altpreussischen Ortsnamen, Berlin und Leipzig, 1922 (Die Zahl in Klammern bezeichnet die Seite).
8 Žr. F. Solmsen. Indogermanische Eigennamen als Spiegel der Kulturgeschichte, Heidelberg, 1922, p. 67 ir W. Steinhauser. Die genetivischen Ortsnamen in Österreich, Wien und Leipzig, 1927.
9 Stanisław Rospond, Strukturell-grammatische Klassifikation slawischer geographischer Namen, Wrocław, 1957, p. 34;
10 Wilhelm Schmidt, Deutsche Sprachkunde, Berlin, 1959, p. 270.
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Bei der Stratigraphie ist nicht gemeint, dass eine Schicht von Ortsnamen zu einem bestimmten, nur für sie charakteristischen Zeitraum begonnen und aufgehört hat, sich herauszubilden. In der stratigraphischen Abfolge struktureller oder semantischer Typen wird lediglich der Beginn ihrer Entstehung bestimmt. Ein einmal im toponymischen System entstandener Typ bleibt lange produktiv und fügt sich in die gesamte strukturelle Vielfalt der Ortsnamen ein.
Die stratigraphische Abfolge der Genitiv-Ortsnamen zu bestimmen, ist sehr schwierig, zumal sie unterschiedliche Bedeutungen haben und keineswegs alle aus derselben Zeit stammen. Wenn die ältesten Ortsnamen Nominalformen im Nominativ waren und die zusammengesetzten zweistämmigen Namen aus Wortgruppen (darunter auch Genitivgruppen) entstanden sind, muss man annehmen, dass die später als Nominativformen verwendeten Genitiv-Ortsnamen dennoch älter sind als die Komposita mit possessiver Bedeutung (siehe S. 10, 11). Nach den Nominativformen und vor den Komposita dürften auch sekundäre, adjektivische Ortsnamen entstanden sein, die semantisch mit den Genitiv-Ortsnamen zusammenhängen, da beide attributive Bedeutung haben. Adjektivische Namen konnten direkt aus Appellativa gebildet werden, z. B.: Beržid Bach (Baisogala) (: beržas); Siliū Wiese (Pasvalys) (: šilas); Dūmb-lis See (Kapčiamiestis) (: dūmblas)¹¹, sowie aus Eigennamen, z. B. pruß. Muntileitis dum̃mis (dessen erste Komponente ein possessives Adjektiv ist, das vom Personennamen Muntil¹² abgeleitet wurde; vgl. gr. Ἀχιλλῆος δρόμος „Achilleischer (= Achilleischer) Weg“. Wie wir sehen werden, werden auch Genitiv-Ortsnamen aus Appellativa und aus Eigennamen gebildet.
Nach der zweiten Komponente lassen sich Genitiv-Ortsnamen in zwei semantische Gruppen einteilen: metaphorische und topographische.
Metaphorische Genitiv-Ortsnamen
sind aus einem im übertragenen Sinn verwendeten Appellativ im Nominativ (zweite Komponente) und einem unflektierten Attribut (erste Komponente) gebildet, z. B.: Vilko Kinis Bach (Tverai), Jaučio Dėjimas „Teil des Sees Suosa“ (Viešintos), Būlio Kaktà Wiese (Dorf Lūžgaliai, Rajon Klaipėda).
Hierzu gehören auch jene Genitiv-Ortsnamen, deren zweite Komponente ein topographischer Terminus ist, der in topographischer, aber bereits übertragener Bedeutung verwendet wird, z. B.: Lankos Laukas Dorf (Plungė), Krōku Lankà See (Šilutė), Mańgalo Kálnas Berg (Varniai), Vilko Miškas Wald (ebd.). Offenbar bezeichneten diese Namen einst Objekte, die unmittelbar durch ihren topographischen Terminus beschrieben wurden; als sich später Siedlungen an diesen Orten niederließen, wurden diese mit denselben Namen bezeichnet.
Topografische Ortsnamen im Genitiv
haben ein erstes Kompositionsglied unterschiedlicher Herkunft und Bedeutung; danach lassen sich drei Gruppen dieser Ortsnamen unterscheiden: toponymische, anthroponymische und appellativische.
Toponymische Ortsnamen im Genitiv
bestehen aus einem topografischen Terminus und einem unflektierten Attribut im Genitiv eines anderen Ortsnamens, das die lokale Unterordnung oder Nähe des Objekts zu einem anderen Objekt anzeigt (das hier durch den Genitiv des Ortsnamens bezeichnet wird). Auch ihrer Bedeutung nach kann man diese Ortsnamen als lokale bezeichnen, da ihre toponymische Besonderheit
11Alle diese Ortsnamen sind grammatisch substantivierte Adjektive.
12 Georg Gerullis, Die altpreussischen Ortsnamen, Berlin un Leipzig, 1922, p. 244.
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liegt in der Angabe der Lokalisierung des Objekts, z. B.: Akmenių ežeras (Lazdijai) — „ein See in Akmeniai“; Alsėdžių ežeras (Plungė) — „ein See in Alsėdžiai“.
Manchmal können solche toponymischen Ortsnamen im Genitiv eine possessive Bedeutung haben, wenn sie den Besitz des gesamten Dorfes bezeichnen, z. B.: Jo-vaišių pievos (Leipalingis) — Wiesen, die den Bauern des Dorfes Jova išių gehörten.
Eine besondere Gruppe toponymischer Ortsnamen im Genitiv bilden die Namen von Siedlungen, die aus den Genitiven der Namen anderer Siedlungen und aus speziellen Termini zur Bezeichnung bestimmter Siedlungstypen gebildet sind, etwa in Südlitauen — būda „armselige Hütte“, in Žemaitija — mėdsėdžiai „Bewohner, die sich auf einer Waldlichtung niedergelassen haben“ und Ähnliches, z. B.: Plaskūnų Būda (Kruonis), Klėriškių Būda (Žiežmariai), Daukšių Mėdsėdžiai (Mosedis), Vaineikių Mėdsėdžiai (Darbėnai), Beržnotonių Kaimelė, Romānių Kaimelė (< kaima „Dorf“) (Raudondvaris), vgl. die Namen der benachbarten Dörfer: Plaskūnai, Klėriškės, Vaineikiai, Daukšiai, Romāniai, Beržnotoniai. Diese Ortsnamen können sowohl eine lokale als auch eine possessive Bedeutung haben; dies lässt sich jedoch nur feststellen, wenn die Entstehungsgeschichte jedes einzelnen geklärt wird.
In anthroponymischen Genitiv-Ortsnamen steht als erste Komponente ein nicht kongruierendes Attribut im Genitiv eines Personennamens, z. B.:
Adomėlio lieknas (Biržai), vgl. den Spitznamen Adomėlis;
Būrbos kalnas (Varniai), vgl. den Familiennamen (=pvd.) Būrba;
Baukio ežeras (Užpaliai), vgl. den Familiennamen (pvd.) Baukys;
Derkinčio upalis (Seda), vgl. den Familiennamen (pvd.) Derkinītis;
Dūdōs upius (Svėdasai), vgl. den Familiennamen (pvd.) Dūdā;
Gedmino ežerālis (Alsėdžiai), vgl. den Familiennamen (pvd.) Gedminas;
Mažrimo upė (Skuodas), vgl. den Familiennamen (pvd.) Mažrimas;
Paukščio ežeras (Alsėdžiai), vgl. den Familiennamen (pvd.) Paukštys.
Anthroponymische Ortsnamen im Genitiv haben meist eine possessive Bedeutung. Die erste Komponente ist der Genitiv des Personennamens (Familiennamens, Spitznamens oder bisweilen Vornamens) des früheren Besitzers des bezeichneten Ortes; so waren beispielsweise die Besitzer des Baukio-Sees und des Dūdōs-Flusses früher Baukys und Dūdā.
Anthroponymische Genitiv-Ortsnamen können auch memoriale Bedeutung haben, wenn ein Ort nach einer mit ihm verbundenen Person benannt wurde. In solchen Ortsnamen steht der Genitiv eines Personennamens mit derselben Bedeutung wie etwa in Straßennamen: Būgos gatvė, Kęstučio gatvė. Ohne die Geschichte des Ortes zu kennen, ist es fast unmöglich, memoriale Ortsnamen von possessiven zu unterscheiden! Nur bei einigen solchen Ortsnamen lässt sich ihre memoriale Bedeutung leicht erkennen, weil ihre Entstehungsgeschichte ohne Weiteres zu erschließen ist, z. B.: Birūtės kalnas (Palanga), Gedimino kalnas (Vilnius), Švento Jōno upėlis (Surviliškis).
Bei appellativischen Ortsnamen im Genitiv steht an erster Stelle der Genitiv eines Appellativs,
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meist mit einfacher attributiver Bedeutung, d. h. eine örtliche Besonderheit bezeichnend. So weist im Ortsnamen Liepų kalnas (Dorf Jonikaičiai, Pagėgiai) der Genitiv auf eine charakteristische Eigenschaft dieses Berges hin — er ist mit Linden bewachsen; am Versmių upelis (Kuktiškės) gibt es viele Quellen (= Quellbäche).
Bei anderen appellativischen Ortsnamen im Genitiv lässt sich auch eine l o k a l e Bedeutung erkennen, z. B.: Daubos šaltinis (Dorf Budrikai, Ž. Naumiestis) — eine Quelle, die in einer Senke liegt; Kapų ežeras (N. Radviliškis) — ein See, der bei einem Friedhof liegt.
Andere appellativische Ortsnamen im Genitiv haben eine b e s i t z a n z e i g e n d e Bedeutung: Der Genitiv zeigt darin an, dass ein Ort einer Person zugeordnet ist, die durch ein Appellativ nach ihrem Beruf oder einer anderen Eigenschaft bezeichnet wird, z. B.: Kunigo upėlis (Birštonas), Klebūno upė (Mosėdis).
Possessive Ortsnamen mit appellativischem Genitiv sind auch schwer von m e m o r i a l e n zu unterscheiden, denn beispielsweise kann Kunigo upėlis so benannt worden sein, nicht weil er durch das Feld eines Priesters floss, sondern auch, weil der Priester auf andere Weise mit ihm verbunden war. Eine eindeutig memoriale Bedeutung hat zum Beispiel Ūbago brasta (Dorf Čivonys M, Veisiejai) — darin ist ein Bettler ertrunken.
Nach einem Überblick über die strukturellen und semantischen Typen litauischer Ortsnamen im Genitiv lassen sie sich grafisch wie folgt darstellen:
Aus parallel gebrauchten Formen wie Liepų kalnas/Liepkalnis kl. (Jonikaičiai, Rajon Pagėgiai), Lauko Sodą/Lauksodis13 Dorf (Telšiai), wird ersichtlich, dass Ortsnamen im Genitiv zu Zusammensetzungen werden; dabei handelt es sich nicht um ein toponymisches Gesetz, sondern um eine allgemeine Tendenz der litauischen Wortbildung.
13 Die Form Laúksodis wird von den Menschen eher selten ausgesprochen; häufiger kommt sie in offiziellen Schriftstücken vor.
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Es ist anzunehmen, dass Genitiv-Wortgruppen älter sind als Komposita derselben Art, vgl. akies mirksny... (Margarita Theologica... per Simona Waischnorą... Karaliaučiuje, 1600, p. 185) und das heutige Litauisch akimirksnį.
Die Mittel zum Ausdruck von Zugehörigkeit sind im heutigen Litauisch recht vielfältig: der Genitiv der Eigenschaft (genetyvus possessivus), Possessivadjektive (adjectiva possesiva) und Komposita mit possessiver Bedeutung. Alle diese Wortbildungstypen finden sich auch in Ortsnamen: Šilo ežeras (1. Pasvalys, 2. Dusetos), Šilinis ež. (1. Dusetos, 2. Linkmenys), Šiležeris (Užpaliai)14, Adómo kálnas (Darsūniškis), Adominė pv. (Suvernų k., Kin-tai), Adómkalnis (Užpaliai). Die parallel verwendeten Formen Šilo ežeras/Šilinis ež. (Dusetos), Ríkio upė/Rikinė up. (Karklininkų k., Klaipėda) lassen vermuten, dass hier – ebenso wie der Genitiv der Eigenschaft wahrscheinlich älter ist als die Possessivadjektive (vgl. das Goldring der Volkslieder und das auksinis žiedas der heutigen Sprache) – die Genitiv-Ortsnamen älter sein dürften. Auch Ortsnamen des Typs Adómo kálno können älter sein als Ortsnamen des Typs Adó-makalnio. Die Auffassung, dass Komposita aus flektierten oder asyndetischen Wortgruppen entstanden sind, ist durchaus überzeugend, insbesondere wenn man Tatsachen der Geschichte des Litauischen wie das oben erwähnte akies mirksny... und akimirksnį. berücksichtigt.
Genitiv-Ortsnamen können in vielen Fällen auch die Archetypen mancher Ortsnamen im Nominativ mit possessiver Bedeutung sein. Der Fluss in der Umgebung von Tirkšliai, Vaidótas, wird im Wörterbuch von Spruogis auch Бо̂угатынусь/Ваугатына genannt; diese letztere Form kann nur aus dem Genitiv-Flussnamen *Vaidoto upė (oder upis) entstanden sein. Eine Zeit lang wurden offenbar beide Formen nebeneinander gebraucht – die genitivische Zusammensetzung und das Kompositum –, denn die heutige Form Vaidó-tas lässt sich neben der verwandten älteren Form Бо̂угатынусь nur als ein in den Nominativ übergegangener elliptischer Genitiv erklären. Dasselbe Verfahren der Nominativierung ist auch bei Appellativa zu beobachten, wenn beispielsweise aus der Form traūko žolė das Kompositum traūkažolė und die elliptische Form traūkas entstehen15.
Die Ellipse von Genitiv-Ortsnamen ist auch in anderen indoeuropäischen Sprachen häufig16. In den baltischen Sprachen wird der Genitiv im Falle der Ellipse gewöhnlich zum Nominativ: *Vaidoto upė>Vaidótas, oder er wird in ein Kompositum aufgenommen: Бо̂угатынусь. Ortsnamen eindeutig anthroponymischer Herkunft und somit possessiver oder memorialer Bedeutung wie Dáujotas up. (Gruzdžiai), Dómantas up. (Varniai), Vaidminas up. (Laižuva), Vózgautas up. (Stačiūnai), sind vermutlich elliptische Genitive der Eigenschaft, die in den Nominativ übergegangen sind. Ihre Nominativierung könnte mehr oder weniger auch durch die Analogie des parallelen Gebrauchs von Ortsnamen im Nominativ und dem Genitiv ihres Namens begünstigt worden sein, wie bei Palangà/Palangos miestas, Dubýsa/Dubýsos upė.
14 Alle drei Ortsnamen haben eine lokale Zugehörigkeitsbedeutung.
15 P. Skardžius, Lietuvių kalbos žodynų daryba, Vilnius, 1941, p. 400, 558.
16 W. Steinhauser, Die genetivischen Ortsnamen in Österreich, Wien und Leipzig, 1927 ir Stanislaw Rospond, Klasyfikacja strukturalno-gramatyczna słowiańskich nazw geograficznych, Wrocław, 1957, p. 48.
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Eindeutig neu sind Genitiv-Ortsnamen wie Paežerių ežeras (Vilkaviškis), Ažuožerių ežeras (Anykščiai), deren Entstehung sich folgendermaßen darstellen lässt:
Der Typ der Genitiv-Ortsnamen ist auch heute noch produktiv. Auf diese Weise werden besonders zahlreich Mikrotoponyme gebildet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Genitiv-Ortsnamen in manchen Fällen älter sind als Ortsnamen im Nominativ; dies ist ein alter produktiver Typus nicht nur der litauischen, sondern auch der übrigen baltischen Toponymie, der höchstwahrscheinlich bereits aus der baltischen Ursprache ererbt wurde.
LITAUISCHE GENITIVISCHE TOPONYME
B. SAVUKINAS
Zusammenfassung
Im Litauischen wie auch in anderen baltischen Sprachen kommt ein genitivischer Bildungstyp von Toponymen vor. Bezeichnungen dieses Typs bestehen aus einem topographischen Terminus und einer Bestimmung im Genitiv. Dieser Typ umfasst sowohl Siedlungsnamen als auch Hydronymie und Mikrotoponymie, z. B.:
1. Siedlungsnamen: Laiko Sodà (Dorf); Vaineikių Medsėdžiai (Dorf);
2. Hydronymie: Alsėdžių ežeras (See), Mažrimo upė (Fluss);
In den baltischen Sprachen wird häufig der explikative Genitiv (genetivus explicativus) verwendet, mit dem sich jeder nominative toponymische Name ausdrücken lässt. Bislang wurden Namen, die im explikativen Genitiv gebraucht werden, häufig nicht von genitivischen Namen unterschieden. Die Arbeit untersucht genitivische Toponyme (im Folgenden g. T.) und ihre Beziehungen zu anderen Strukturtypen der litauischen Toponymie unter strukturellen und semantischen Gesichtspunkten. Wie die slawische und germanische Toponomastik bezeugt, bilden topographische Namen, die aus Appellativa zur Bezeichnung geographischer Objekte oder aus
16. Kalbotyros klausimai VI.
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Adjektive, die spezifische Merkmale dieser Objekte bezeichneten. Hier ist anzumerken, dass solche topografischen Termini häufig als zweite Komponenten in g. t. auftreten, z. B.: Raežerių ežeras. Demnach sind g. t. determinative topografische Toponyme, deren Determination sich hinsichtlich der Semantik unterscheidet und nicht einer einzigen Zeit angehört. Für g. t. lässt sich nur schwer eine stratigrafische Abfolge feststellen. Wenn daher von der top onymischen Stratigrafie die Rede ist, sollte man nicht annehmen, dass sich die eine oder andere Schicht der Toponymie ausschließlich in einer für sie charakteristischen Periode herausgebildet hat. In der stratigrafischen Reihe struktureller und semantischer Typen wird lediglich die Entstehung des jeweiligen Typs bestimmt.
Wenn die nominativischen Namen die ältesten sind und die zusammengesetzten Namen mit zwei Stämmen aus Wortgruppen (auch Genitivgruppen) hervorgehen, kann man annehmen, dass g. t. später als die nominativischen, aber früher als die zusammengesetzten Namen in Gebrauch kamen. Später als die nominativischen, aber früher als die zusammengesetzten Namen entstanden sekundäre adjektivische Namen. Diese adjektivischen Toponyme sind semantisch mit den genitivischen verwandt, da beide Typen eine attributive Bedeutung enthalten. So wie adjektivische Namen aus Appellativa Šilia (Wiese), Beržia (Bach), Dūblis (See) und aus Eigennamen (z. B. Munileitis dummis) gebildet werden, so entstehen auch g. t. sowohl aus Appellativa als auch aus Eigennamen.
Nach ihrer zweiten Komponente lassen sich g. t. in zwei Gruppen einteilen: metaphorische und topografische (physiografische).
Metaphorische g. t. bestehen aus einem metaphorisch gebrauchten Nominativ eines Appellativs (II. Komponente) und einem beliebigen Genitiv, der als Bestimmung fungiert, z. B.: Vilko Kinis (Gehöft), Būlio Kaktà (Wiese).
Hierzu gehören auch solche g. t., deren zweite Komponente noch ein topografischer, aber bereits metaphorisch verwendeter Terminus ist, z. B.: Lankos Lāukas (Dorf), Krōkų Lankà (See).
Genitivische Toponyme mit einer topografischen ersten Komponente können unterschiedlicher Herkunft und Bedeutung sein; dementsprechend werden sie in toponymische, anthroponymische und appellativische unterteilt.
Bei toponymischen g. t. ist die erste Komponente eine genitivische Bestimmung, die eine lokale Unterordnung oder die örtliche Nähe des Ortes bezeichnet. Aufgrund ihrer Bedeutung nennen wir sie lokal, denn die toponymische Determination wird hier durch die Angabe des Standortes ausgedrückt; z. B.: Akmėnių ežeras „See, der im Dorf Akmėniai liegt“.
Solche Namen können auch eine possessive Bedeutung haben, wenn sie gemeinschaftlichen Besitz bezeichnen, z. B.: Jovaišių pievos „Wiesen, die den Bauern des Dorfes Jovaišiai gehörten“.
Eine besondere Gruppe der g. t. bilden die Namen von Siedlungen, die aus dem Namen benachbarter Siedlungsorte und aus Termini zusammengesetzt sind,
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die Siedlungen eines besonderen Typs bezeichnen, z. B.: Daukšių Mėdsėdžiai „Außenhöfe des Dorfes Daukšiai“, Romāinių Kaimelė „kleines Dorf, das sich vom Dorf Romāiniai abgesondert hat“.
Bei topynymischen Genitivkonstruktionen lässt sich die possessive und die lokale Bedeutung nicht unterscheiden, ohne die Geschichte des Ortes zu kennen.
Bei anthroponymischen Genitivkonstruktionen steht als erste Komponente der Genitiv eines persönlichen Eigennamens, z. B.: Derkinčio upalis „Bach des Derkintis“; vgl. den Familiennamen Derkinītis. Meist haben diese Namen possessive Bedeutung. Manchmal sind sie memorialer Bedeutung (z. B.: Birutės kalnas „Berg der Birutė“); der Genitiv hat dann dieselbe Bedeutung wie etwa in Straßennamen (K. Būgos gatvė „K.-Būga-Straße“).
Bei appellativischen Genitivkonstruktionen steht als erste Komponente meist der Genitiv von Gattungsnamen in der Funktion eines Attributs, z. B.: Liepų kalnas „Berg, auf dem Linden wachsen“. In einigen Genitivkonstruktionen lassen sich Namen mit lokaler Bedeutung erkennen, z. B.: Daubos šaltinis „Quelle in einer Schlucht“. Andere appellativische Genitivkonstruktionen haben possessive Bedeutung: Der Genitiv bezeichnet darin appellativisch eine Person, der der Ort gehörte, z. B.: Kūnigo upėlis „Bächlein des Priesters“. Ohne historische Angaben zum Gebiet lässt sich bei diesen Toponymen die possessive und die memoriale Bedeutung nicht unterscheiden. Die memoriale Bedeutung ist im Namen Ubago brasta „Furt des Bettlers“ klar erkennbar, denn es ist bekannt, dass dort ein Bettler ertrank.
Beide Mittel zum Ausdruck der Possessivität in der litauischen Sprache – der possessive Genitiv (genetivus possessivus) und die Possessivadjektive (adjectiva possessiva) – kommen auch in der Toponymie vor (Adōmo kalnas „Berg Adams“, Adominė „Wiese Adams“). Possessivität wird, sowohl bei Appellativa als auch in Toponymen, auch durch Komposita ausgedrückt, z. B. Adōmakalnis „Berg Adams“.
Das Vorhandensein von Doppelformen zur Bezeichnung desselben Objekts (Silo ežeras/Silinis, Rikio upė/Rikinė) lässt vermuten, dass Possessivadjektive hier später aufkommen; vgl. aukso žiedas in Volksliedern und auksinis žiedas in der heutigen Umgangssprache.
Genitivkonstruktionen wie Adōmo kalnas sind vermutlich älter als zusammengesetzte Namen vom Typ Adōmakalnis. Dafür sprechen auch die Appellativa: In „Margarita Theologica“ (1600) finden wir noch akies mirksny, in der modernen Sprache dagegen akimirksnis.
In vielen Fällen können Genitivkonstruktionen als Archetypen für einige nominativische Namen possessiver Bedeutung gelten. Solche Genitivkonstruktionen sind eindeutig anthroponymischen Ursprungs und memorialer oder possessiver Bedeutung; sie sind nominativierte elliptische Genitive, z. B. die Flussnamen Daujotas, Vōzgautas, Dōmantas. Genitivkonstruktionen sind in manchen Fällen älter als die Nominative. Sie bilden im Litauischen wie auch in den anderen baltischen Sprachen einen alten Bildungstyp der Toponymie, der möglicherweise noch aus der baltischen Ursprache ererbt ist.
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DIE GENITIVISCHEN ORTSNAMEN¹ IM LITAUISCHEN
B. SAVUKYNAS
Zusammenfassung
Im Litauischen gibt es wie auch in den anderen baltischen Sprachen den genitivischen Bildungstypus von Ortsnamen (weiterhin ON). Die ON dieses Typus werden aus einem topographischen Terminus und einem Attribut im Genitiv gebildet. Sie umfassen die Wohnstätten-, Gewässer- und Flurnamen, z. B.:
In den baltischen Sprachen kann auch jeder nominativische ON durch eine attributive Wortgruppe mit einem g e n e t i v u s e x p l i c a t i v u s umschrieben werden. Doch werden diese Wortgruppen oft nicht streng genug auseinandergehalten. Hier bieten wir eine strukturelle und semantische Untersuchung der genitivischen ON, wobei ihre historischen Beziehungen zu andern ONbildungstypen berücksichtigt werden.
Die slavische und germanische Ortsnamenforschung bezeugt, daß die älteste Schicht aus topographischen ON besteht, die sich aus appellativischen Termini entwickelt hat oder aus Adjektiva, die spezifische Eigenschaften dieser Objekte bezeichnet haben. Hier soll bemerkt werden, daß solche topographischen Termini oft gerade die zweite Komponente der genitivischen ON sind, z. B.: Paėžerių ežeras „See des Dorfes Paėžeriai“. Demnach sind genitivische ON d e t e r m i n a t i v e t o p o g r a p h i s c h e ON, in denen aber die Determination von verschiedener Semantik ist, welche aber nicht in derselben Zeit entstand. Darum ist es auch kompliziert, für genitivische ON eine stratigraphische Reihenfolge zu bestimmen und keineswegs soll angenommen werden, daß sich irgendeine Schicht von ON in einer nur für sie charakteristischen Periode entwickelt hat. In der stratigraphischen Reihenfolge der strukturellen und semantischen Typen bestimmt man nur die Entstehung einer Schicht. Wenn die nominativischen ON die älteste Schicht bilden, und die zusammengesetzten zweistämmigen ON auf Wortgruppen (auch auf genitivischen) zurückgehen, so muß angenommen werden, daß die genitivischen ON später als die nominativischen, aber jedenfalls früher als die zusammengesetzten im Gebrauch erschienen sind. Nach den nominativischen, doch vor den Zusammengesetzten, könnten auch sekundäradjektivische ON entstanden sein. Die adjektivischen ON stehen in semantischer Verbindung mit den genitivischen, denn beide weisen attributive Bedeutung auf. Wie adjektivische aus Appellativa — Silià (Wiese), Beržià (Bach),
1 Hier versteht man unter Ortsnamen alle Örtlichkeitsnamen.
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Dumblis (See) — und aus Eigennamen (apr. Mun tileitis dummis) hergeleitet sind, so können auch genitivische ON aus Appellativa und aus Eigennamen gebildet sein.
Nach der zweiten Komponente können die genitivischen ON in zwei semantische Gruppen eingeteilt werden: die metaphorischen und die topographischen (physiographischen).
Die metaphorischen genitivischen ON sind aus einem metaphorisch gebrauchten Nominativ eines Appellativs (zweite Komponente) und aus einem Genitiv (erste Komponente), der als Attribut fungiert, gebildet, z. B.: Vilko Ki nis (Einzelhof), Būlio Kaktā (Wiese).
Hier liegen auch solche genitivischen ON vor, in denen die zweite Komponente ein topographischer aber schon metaphorisch gebrauchter Terminus ist: Lankōs Laukas (Dorf), Krōkų Lankā (See).
Die genitivischen ON mit der topographischen Komponente können verschiedener Herkunft und Bedeutung sein; demnach sind sie in drei Gruppen einzuteilen: die toponymischen, die anthroponymischen und die appellativen.
Toponymische genitivische ON haben als erste Komponente ein Genitivattribut, das die lokale Subordination oder die Nähe eines Ortes bezeichnet. Der Bedeutung nach nennen wir sie lokale ON, denn hier ist die toponymische Determination durch den Hinweis auf einen Ort bedingt, z. B.: Akmėnių ežeras „ein See, der sich im Dorfe Akmėniai befindet“.
In diesen ON kann auch eine possessive Bedeutungsschattierung vorliegen, wenn sie den Besitz eines Kollektivs bezeichnen, z. B.: Jovaišių pievos „Wiesen, die den Bauern aus dem Dorfe Javaišiai gehörten“.
Eine eigenartige Gruppe von toponymischen genitivischen ON bilden die Wohnstättennamen, die aus dem Namen einer anderen Wohnstätte und aus einem Siedlungsterminus gefügt sind, z. B.: Daukšių Mėdsėdžiai „Waldsiedlung des Dorfes Daukšiai (die heute schon ein Dorf ist)“, Romāinių Kaimelė „Dörfchen als Siedlung des Dorfes Romāiniai“.
Hier lässt sich die possessive und lokale Bedeutung ohne geschichtliche Kenntnisse nicht unterscheiden.
In anthroponymischen genitivischen ON liegt als erste Komponente der Genitiv eines Personennamen vor, z. B.: Derkinčio upālis „Derkintis-Bach“; vgl. Familienname Derkin tis. Anthroponymische genitivische ON haben am häufigsten eine possessive Bedeutung. Manchmal treten sie auch mit memorialer Bedeutung (z. B.: Birūtės kalnas „Birutė-Berg“) auf; Genitiv hat dann dieselbe Bedeutung wie, zum Beispiel, in Straßenbenennungen: Būgōs gatvė „Būga-Straße“.
In appellativen genitivischen ON dient als erste Komponente der Genitiv von einem Appellativum, der am häufigsten als Attribut fungiert, z. B.: Liepų kalnas „ein Berg, auf dem Linden wachsen“. In einigen appellativen genitivischen ON ist eine lokale Bedeutung zu erkennen, z. B.: Daubōs šaltinis „eine Quelle, die sich in einer Schlucht befindet“. Andere appellative genitivische ON haben possessive Bedeutung; der Genitiv be-
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zeichnet appellativ in diesen ON eine Person, welcher der Ort gehört hat, z. B.: Kūnigo upėlis „Priesterbach“. Ohne geschichtliche Kenntnisse der Örtlichkeit lassen sich in solcher ON possessive und memoriale Bedeutungen nicht unterscheiden. Die memoriale Bedeutung liegt klar im ON Ūbago brastà „Bettlerfurt“ vor, weil bekannt ist, daß dort ein Bettler ertrunken ist.
Beide Ausdrucksmittel der Zugehörigkeitsbeziehungen im Litauischen – den possessive Genitiv und das possessive Adjektiv – weisen auch die ON auf, z. B.: Adōmo kālnas „Adamsberg“, Adominė „eine Wiese, die Adam gehört hat“; auch Komposita mit possessiver Bedeutung sind belegt, z. B.: Adōmakalnis „Adamsberg.“
Das Vorhandensein von Doppelbezeichnungen für dasselbe Objekt (z. B.: Šilo ežeras/Šilinis, Rikio upė/Rikinė) erlaubt zu folgern, daß die possessiven Adjektiva eine spätere Erscheinung sind. Vgl. auch: aukso žiedas in Volksliedern und auksinis žiedas in der Umgangssprache der Gegenwart.
Auch solche genitivische ON, wie Adōmo kālnas, sind wahrscheinlich älter als Komposita des Typus Adōmakalnis. Darauf weisen auch Appellativa hin. In der Margarita Theologica (1600) findet man noch akies mirksny, in der Gegenwartssprache hingegen — akim irksnis.
In mehreren Fällen konnten die genitivischen ON auch als Archetypen für einige nominativischen ON mit possessiver (im weiteren Sinne) Bedeutung dienen.
Solche ON, die augenfällig anthroponymischer Herkunft sind und deswegen possessive oder memoriale Bedeutungen haben, wie, z. B.: Daujotas, Vōzgautas, Dōmantas (Flußnamen), sind nominativierte elliptische Genitive.
Genitivische ON sind in einigen Fällen älter als die nominativischen. Sie sind im Litauischen, wie auch in anderen baltischen Sprachen, ein alter ONbildungstypus, der aus der baltischen Ursprache ererbt worden sein kann.