Page 1LIETUVIŲ KALBOS GRAMATINĖ SANDARA LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
ZUR ADVERBIALISIERUNG DER SINGULARISCHEN LOKATIVE
K. ULVYDAS
Von allen Wortarten kommen die singularischen Lokative der Substantive mit ihren vollen und verkürzten Endungen den Adverbien hinsichtlich ihrer Bedeutung und syntaktischen Funktion am nächsten. Dennoch ist der Prozess der Adverbialisierung dieser Lokative im heutigen Litauischen nicht aktiv. Dies lässt sich deutlich beobachten, wenn man den Gebrauch des am stärksten im Flexionssystem erhalten gebliebenen singularischen inessiven Binnenlokativs der Substantive sowohl in der volkstümlichen Umgangssprache – den Dialekten – als auch in der Literatursprache betrachtet.
Wie Adverbien fungieren die singularischen Inessive der Substantive im Satz meist als lokale, gelegentlich als temporale oder sogar modale Adverbialbestimmungen und schließen sich überwiegend an Verben an. Insgesamt zeigen sie jedoch keine starke Tendenz, sich vollständig vom allgemeinen Flexionssystem zu lösen oder sich semantisch von den übrigen Kasus desselben Wortes zu isolieren. Die in der heutigen litauischen Sprache gebrauchten Adverbien, die aus singularischen Lokativen der Substantive hervorgegangen sind (insbesondere adesivische, allativische und illativische), sind somit meist Erzeugnisse der sprachlichen Entwicklung vergangener Epochen.
Bei der Betrachtung der Bildung lokativischer Adverbien empfiehlt es sich, die Reihenfolge einzuhalten, die sich bei der Einteilung der Lokative selbst nach Arten etabliert hat. Neben dem Präsens-Innenlokativ (Inessiv), der sowohl in der volkstümlichen Umgangssprache – den Dialekten – als auch in der Literatursprache am weitesten verbreitet ist, unterscheidet man drei weitere Lokative, nämlich: den Richtungs-Innenlokativ (Illativ), den Präsens-Außenlokativ (Adessiv) und den Richtungs-Außenlokativ (Allativ). Neben all diesen Lokativen gibt es auch entsprechende Adverbien.
1. Präsens-Innenlokativ
(Inessiv)
Von allen Lokativen hat sich der Inessiv in der Geschichte der litauischen Sprache als der stärkste und lebendigste erwiesen. Bis heute ist er im Flexionssystem sowohl der volkstümlichen Umgangssprache – der Dialekte – als auch der Literatursprache erhalten geblieben. Mit dem Inessiv beantwortet man meist die Fragen: worin, wo, an welchem Ort wird etwas getan, ist oder geschieht..? Mit ihm werden verschiedene Innen- und Raumverhältnisse ausgedrückt, nicht
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Page 2… räumliche Beziehungen. Wie in anderen indoeuropäischen Sprachen (z. B. im Altslawischen und Altrussischen) werden im heutigen Litauischen mit dem Inessiv bisweilen auch Zeitverhältnisse ausgedrückt. Bei einigen Wörtern ist die zeitliche Bedeutung des Inessivs in bestimmten Fällen mit einer lokalen Bedeutung verflochten. Gelegentlich erhält der Inessiv eine modale oder komitative Bedeutung und wird auch prädikativ, mit Zustandsbedeutung, verwendet.
Im heutigen Litauischen gibt es singularische Inessivformen zweierlei Herkunft und morphologischer Beschaffenheit: postpositionale und nichtpostpositionale. Zu Beginn der Entstehung des postpositionalen Inessivs erfüllte *en selbst die Funktion der Postposition. Diese Postposition verschmolz im Laufe der Zeit vollständig mit dem Kasus selbst und wurde abgeschliffen oder fiel weg. Die Postposition *en wird durch Formen aus den ostlitauischen Dialekten bestätigt: galì „am Ende“, miški „im Wald“, wobei das -i auf einen ehemals am Wortende stehenden Nasallaut verweist, der aus dem akuten Diphthong én hervorgegangen ist. Im Kasussystem des heutigen Litauischen hat sich allein der postpositionale Inessiv durchgesetzt. Daher wollen wir zunächst sein Verhältnis zu den Adverbien und seine Adverbialisierungsfälle bei den einzelnen Stämmen betrachten.
a S t a m m
Der Prozess der Adverbialisierung von Lokativformen der Substantive ist, wie bereits erwähnt, im heutigen Litauischen insgesamt nicht aktiv; insbesondere neigen postpositionale Inessive kaum zur Adverbialisierung.
Von diesen sind dem Adverb nur Formen wie laukė „im Freien, nicht drinnen“ etwas näher gekommen (L a u k e feiner Regen rieselte, aber so dicht, dass das Wasser von allen Dachvorsprüngen in Strömen spritzte ŽR I 150.), orė „ebd.“ (O r ė die Kälte knistert nur so Bien.), stulpė „starr“ (Die Alte hätschelt und liebkost das Kind, doch es ist ganz blau angelaufen, Schaum kommt aus seinem kleinen Mund, die Augen starr, es hebt die Beinchen und Ärmchen, als drehe jemand es herum — schrecklich anzusehen ŽR II 268.), vakarė „am Abend“ (A m A b e n d ging die gesamte Verwaltung von Pagramantis in die Hände des Volkes über CvR IX 214.); vgl. auch solche adverbialen Verbindungen wie gestern A b e n d, heute A b e n d, morgen A b e n d, spät A b e n d usw.
Obwohl die hier aufgezählten Inessive in der linguistischen Literatur meist der Adverbienkategorie zugerechnet werden, ist doch festzuhalten, dass keiner von ihnen die Verbindung zum Substantiv endgültig abgebrochen hat: Neben allen werden weiterhin auch andere Substantivkasus verwendet. Semantisch haben sich lediglich einige dieser Inessive etwas von den Substantiven gelöst; vgl. einerseits laukas „Feld, Ackerfläche, Grundstück“ (Auf diesem F e l d werden wir Gerste säen Šlap.), andererseits laukė (D r a u ß e n regnet es Šlap.). Im zweiten Fall ist nicht nur irgendein Attribut unmöglich, sondern die Bedeutung des Inessivs ist auch allgemeiner und abstrakter als in der Äußerung Auf diesem F e l d werden wir Gerste säen. Die semantische Verselbstständigung und die Unmöglichkeit, Attribute zu haben, dürften dazu geführt haben, dass alle Linguisten, die sich in ihren Arbeiten mit adverbialen Inessiven befasst haben, die Form laukė „im Freien, nicht drinnen“ als Adverb ansehen. Ganz gleicher Art ist auch der Inessiv orė mit derselben Bedeutung. Ganz anders verhält es sich mit der Form stulpė, die im genannten Satz für sich allein keinerlei Selbstständigkeit besitzt und erst zusammen mit dem Substantiv akelės hervortritt, mit dem sie ein einheitliches Bild ausdrückt. Auch vakarė wird ebenso
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Page 3ohne jegliche Attribute verwendet, sofern man nicht die Adverbien gestern, heute, morgen, spät in den genannten adverbialen Verbindungen mitzählt, die den damit ausgedrückten Zeitbegriff hervorheben und präzisieren.
Zur Erweiterung des Bestands adverbialer Inessive, die von Substantiven des a-Stamms abgeleitet sind, könnte man auch rytė „morgens, am Morgen“ hinzurechnen. J. Otrembski wertet in seiner Beschreibung des Dialekts von Tverečius (S. 419) auch kraštė „seitlich, am Rand“ als Adverb. Doch auch diese Wörter (insbesondere kraštė, das auch mit kongruierenden Attributen verwendet wird) haben sich nicht endgültig von den Substantiven gelöst und bewahren weiterhin ihren substantivischen Charakter.
Hierher gehört auch die dzūkische Form išgrytė: „morgens, am Morgen“ (Morgen früh fahre ich los Lp.); vgl. das gleichgebildete Substantiv išgrýtas, das im dzūkischen Dialekt (Mrk, Rod) neben dem genannten Adverb verwendet wird.
ia-Stamm
Die Ableitungen des ia-Stamms sind hinsichtlich ihres Adverbialisierungsgrades wenig ausgeprägt, z. B.: rytėly „morgens, am Morgen“ (Rytoj ryte ly ankščiau saulės iškeliausiu į kelionėlę BsO II 191.), šviesy(je) „bei Licht“ (Nieko šviesų nepasi darai, tai paskui tu čia atlikinėk patamsy! Krsn.), vakarėly „abends“ (Vakar vakarėly pioviau gaigalei d.) usw.
E. Fraenkel betrachtet in seiner Arbeit „Syntax der litauischen Kasus“¹ viduryje als Adverb; diese Form weist jedoch keinerlei semantische Loslösung vom Substantiv vidurys auf, dessen andere Kasus ebenfalls mit derselben lexikalischen Bedeutung verwendet werden. Außerdem kann sie sowohl kongruierende als auch nicht kongruierende Attribute haben (vgl. pačiame viduryje, apskritimo viduryje), die die Bedeutung des Inessivs (als Kasus) noch verstärken und seinen substantivischen Charakter hervorheben. Zwar wird viduryje (vidurį, vidurų, vidūrį) bisweilen präpositional verwendet (Vieną ilgesnę lentą perpiovė, padėjo vidury aslos ant dviejų kėdučių, užklojo audeklu CvR VIII 180. Tik vidury nakties tam- sybių okeanuos viena žvaigždė kaip deimantas nušvito... MntvR 137. Vidur tamsios naktužėlės d.), doch zeigt eine solche Verwendung dieses Inessivs nicht, dass er vor dem Übergang zur Präposition der Adverbklasse angehört hätte, denn, wie bereits erwähnt, können manche Substantive auch unmittelbar in die Präpositionalklasse übergehen und dabei die Adverbklasse überspringen. Schließlich hält auch die Verkürzung oder der vollständige Schwund der Endung dieses Inessivs (viduryje>vidury>vidurų>vidūrų), die ansonsten für viele adverbiale Bildungen nominalen Ursprungs charakteristisch ist, ihn nicht in der Adverbklasse fest, sondern führt unmittelbar zur Präposition. Auch das zur Präposition gewordene vidur löst die semantische Verbindung zum Substantiv vidurys nicht. Dass sich der verkürzte und zur Präposition gewordene Inessiv vidurų nur schwer vom Substantiv löst, zeigt eine interessante Formulierung von Žemaitė: pačiame vidurdang aus (Saulė stovėjo pačiame vidurdang aus... ŽR I 202.), wobei das Attribut pačiame syntaktisch weniger mit dem ganzen, sehr individuell gebildeten Kompositum vidurdangaus verbunden ist,
1 „Tauta ir žodis“, Bd. 5, Kaunas, 1928, S. 128, 147.
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Page 4als mit dessen erstem Bestandteil vidur – (vgl.: pačiame viduryje dangaus oder pačiame dangaus viduryje).
Inessive von Substantiven, deren lexikalische Bedeutung bereits mit Zeit- oder Ortsvorstellungen verbunden ist, werden gewöhnlich adverbialisiert oder befinden sich in einem Zwischenstadium zwischen Substantiven und Adverbien, z. B. amžų „niemals“ (Aš ámžy nebuwau girtas Alk.), daiktų „am Ort, an der Stelle, zusammen“ (Popiet visi daiktų dirbome Šlap.). Sowohl ámžų als auch daiktų können Attribute haben (z. B. savo ámžų, šitam daiktų), wodurch ihre Adverbialität natürlich noch weiter abgeschwächt wird. Werden sie jedoch mit den genannten Bedeutungen ohne Attribute verwendet, ist ihre Adverbialisierung unzweifelhaft. Besonders daiktų hat sich vom Substantiv daiktas nicht nur semantisch, sondern auch durch seinen veränderten Stamm entfernt (das Substantiv *daiktys ließ sich weder in den Dialekten, in denen daiktų verwendet wird, noch sonst in der Sprache nachweisen).
Von allen Adverbien im Inessiv des ia-Stamms weist rytój (rytó), tójas des alten Inessivs rytáje den höchsten Grad der Adverbialisierung auf. Auch der Umstand, dass die Endung -e in der heutigen Sprache in sämtlichen Verwendungsfällen weggefallen ist, zeugt von seiner vollständigen Adverbialisierung.
Als Beispiele für präfigierte Inessiv-Adverbien des ia-Stamms können solche prädikativ verwendeten Wörter dienen, die einen Zustand und nicht einen Ort oder eine Zeit bezeichnen, wie atgiminý, atgimminý („Das ist schon atgiminý“, sagt ein Zuhörer, überrascht darüber, dass die Verwandten sich zerstritten haben)? Vgl. Zuerst war es sehr giminia-vos, o dabar at-gimgiminy! ebenda.
Es gibt viele präfigierte Substantive, deren Inessiv (besonders in der Schriftsprache) etwas häufiger verwendet wird als die anderen Kasus. Ihre Inessivformen lassen aufgrund ihrer Orts- oder Zeitbedeutung sowie ihrer adverbialen Funktion im Satz zwar eine gewisse Tendenz zur Adverbialisierung erkennen, werden aber nicht vollständig adverbialisiert, z. B.: padirvyj ŽR II 225, pakely VnIP 425, nepakely ib. 423, paprūdy ŽR II 311, pasienyje ib. 252, pašalyje ib. 131, pašermeny CvR VIII 214, patamsyje Llkž, patvoryje ŽR II 424, pavakaryj ib. 67, pavasarėlyj ib. I 188, pavasary LKŽ s. v. gairinti, prieky SNėrP II 291, priešakyje ŽR II 380, pryšakyje Rtr, užpakalyj ŽR I 176, užžpakalyj SD (s. v. poslad), užstaluj ŽR II 305, užungnyj ib. 314, užvejyj ib. 218 usw.
Einige ausländische Sprachwissenschaftler zählen solche Inessive (insbesondere die mit Ortsbedeutung) zu den Adverbien. So betrachtet E. Fraenkel² die Inessive pryšakyj, užpakalyj als Adverbien; zu Formen aus schriftlichen Quellen, nicht unmittelbar aus dem Dialekt, wie pakaltyje, pamūryje, pasienie, paupie sowie zu den Inessiven pakelyj, pasrovyj u. a. merkt er an, dass auch sie vollständig adverbialisiert seien und die übrigen Kasus daneben meist kaum möglich seien.
Es ist jedoch zu sagen, dass man nur dann so argumentieren kann, wenn man sich stärker auf schriftliche Belege als auf Tatsachen der lebendigen Volkssprache stützt oder wenn man Tendenzen der eigenen Muttersprache auf Erscheinungen einer anderen Sprache überträgt. Die lebendige Sprache zeigt hier etwas anderes; sie führt uns zu einem ganz entgegengesetzten Schluss, näm-
² Siehe seine Syntax der litauischen Kasus, „Tauta ir žodis“, Bd. 5, S. 147.
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Page 5In den häufigsten Fällen werden neben den betreffenden Inessivformen auch andere Kasus verwendet; daher ist ihr adverbialer Charakter nur vergleichsweise schwach ausgeprägt. Ihre bedingungslose Zuordnung zur Kategorie der Adverbien wäre somit nichts anderes als trockener Schematismus. Andererseits darf man nicht ignorieren, dass bei zumindest einigen dieser Inessivformen ein klar erkennbarer Prozess der Adverbialisierung eingesetzt hat. Die beginnende Erstarrung zeigt sich im intensiven Gebrauch der Inessivformen im Vergleich zu anderen Kasus sowie in ihrer Tendenz, keine kongruierenden Attribute bei sich zu haben; davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man die Schriftsprache untersucht. Solange jedoch keine deutlichere semantische Ablösung von der Grundbedeutung des Wortes zu erkennen ist und solange neben dem Inessiv in derselben Bedeutung auch andere Kasus des betreffenden Wortes verwendet werden oder potenziell möglich sind, kann man nicht von vollständiger Erstarrung sprechen.
Ein völlig ähnliches Verhältnis zum Adverb besteht auch bei den Inessivformen solcher zweisilbigen Substantive wie galūgalų „am Kopfende“ Dgls, galikojų „am Fußende“ ib, galudaržy „am Ende des Gartens“ Sml, galūdieny „in den letzten Schwangerschaftstagen“ Bsg, galūdirvy „am Ende des Feldes“ Pc, galuežery „am Ende des Sees“ Ds, galūkaimy „am Ende des Dorfes“ Pc, paklėtsaly ŽR II 484, paskuigaly „hinten, am Ende von etwas“ Biën, pirmagaly „vorn, an der Vorderseite von etwas“ OG 419, puskel y „auf halbem Wege“ ŽR I 115, rytmetyj ib II 298, savit arpyj „unter sich, in ihrer Mitte“ ib 53, tarpduryj ib 65, tarpusa avyj „untereinander, in ihrer Mitte“ CvR VIII 41, vidūdieny Bien, vidūnakty ib, vidūnedely „in der Wochenmitte“ ib, vidūvasary ib, vidū-žiemų ib usw.
J. Otrębski3 ordnet, indem er die Kategorie des Adverbs besonders weit fasst, Inessivformen wie paskuigaly, pirmagaly, vidūdieny den Adverbien zu. Berücksichtigt man jedoch, dass neben diesen Inessivformen nicht nur andere Kasus desselben Wortes potenziell möglich sind, sondern tatsächlich verwendet werden, und dass keine semantische Isolierung des Inessivs gegenüber den anderen Kasus festzustellen ist, sollte man sie eher als mehr oder weniger erstarrte Substantivformen betrachten.
o-Stamm
Auch die Inessivformen anderer Stämme lösen sich nur schwer vom Substantiv und von der Bedeutung des Gegenständlichen. Einige Sprachwissenschaftler ordnen o-Stammformen wie dienoję4, krūvoj, kupeto5, mėnesienoj6 den Adverbien zu. Tatsächlich sind sie jedoch lediglich auf dem Weg zum Adverb, denn auch hier werden neben dem Inessiv häufig andere Kasus verwendet. Allein die Bedeutungen der Zeit (dienoję, mėnesienoj) oder der Gesellschaft (krūvoj, kupeto) können ihre Adverbialität hier noch nicht begründen, denn diese Bedeutungen haben auch andere Kasus bewahrt, zum Beispiel der Nominativ. Natürlich lenkt die stark eingeschränkte Möglichkeit, kongruierende Attribute bei sich zu haben, diese Inessivformen in Richtung Adverb, ebenso wie manche anderen Inessivformen mit zeitlicher oder räumlich-lokaler Bedeutung, z. B.: senyboj „in alten Zeiten“ Bien,
3 Žr. jo Wschodniolitewskie narzecze twereckie, Kraków, 1934, p. 419.
4 J. Plākis, Leišu valodas rokas grāmata, Rīgā, 1926, p. 84.
5 E. Fraenkel, Syntax der litauischen Kasus, „Tauta ir Žodis“, t. 5, p. 147.
6 J. Otrębski, Wschodniolitewskie narzecze twereckie, p. 419.
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Page 6tamsoje „im Dunkeln“ CvR VIII 177, tolumoj ib 103, tvarkoj VnlP 183, vėjoje TŽ V 147, ne vietoje ŽR II 457 usw.
Einige Inessivformen von präfigierten o-Stamm-Substantiven weisen bereits einen deutlich höheren Grad der Adverbialisierung auf, z. B.: aplinkoj „ringsum“ Pls, apčiupoj „im Dunkeln, tastend“ N, apyžlėjoj „in der Dämmerung“ Krtv, toj įtampoj „ohne Vorwarnung“ Gl, intimpoj (įtimpOj) „ebd.“ Kpr. Doch auch hier kann selbst die höchste Intensität des Inessivgebrauchs nicht immer seine Adverbialisierung bewirken. So wird der Inessiv des Substantivs sambareška in der Schriftsprache am häufigsten verwendet; dennoch können wir ihn nicht als vollständig adverbialisiert ansehen, da der Nominativ und andere Kasus weiterhin möglich sind.
Ebenso wird der Inessiv des zweistämmigen Substantivs akivaizda (akývaiz-da), der sowohl in der mündlichen Volkssprache als auch in der Schriftsprache intensiver als die anderen Kasus verwendet wird, nicht zum Adverb, weil er meist durch Rektion mit anderen Wörtern verbunden ist (vgl. mano akivaizdoje, visų akivaizdoje usw.).
Vollständig aus dem Flexionssystem der Grundwörter herausgelöst und endgültig adverbialisiert sind nur Formen des o-Stamms wie aplinkoj, intim-poj (įtimpOj) sowie die Wendung toj įtampoj.
io-Stamm
Vollständig vom Substantiv gelöste Inessive des io-Stamms gibt es ebenfalls nur sehr wenige. Formen wie žiniojė „an einem bekannten Ort“ (Viską pasidėti žinioje Llkž.), apačioje (apačioj), nedėlioje (nedėlio(i) Šlap) „am Sonntag“ ŽR II 184, palaidžioj „in der Fastenzeit“ Ds, pradžioje, užvėjoje usw. mögen zwar bisweilen als Adverbien betrachtet werden (z. B. apačioje), doch spricht das Vorhandensein anderer Kasus daneben, die dieselbe lexikalische Orts- oder Zeitbedeutung bewahrt haben, dagegen. Allein aufgrund ihrer Orts- oder Zeitbedeutung lassen sich diese Inessive nicht künstlich von den Substantiven abtrennen, denn solche Bedeutungen sind der überwiegenden Mehrheit der Inessivformen eigen.
Bei der Frage der Adverbialisierung der Inessive muss man darauf achten, in welchem Maße die jeweilige Form von semantischer Isolation betroffen ist, das heißt, wie weit sie semantisch von der lexikalischen Bedeutung der übrigen Kasus desselben Wortes abgerückt ist und wie weit sie sich vom Deklinationssystem gelöst hat. Betrachtet man eben unter diesem Gesichtspunkt Inessive wie b a s i n y č i o j „barfuß“ Jnšk, bąsnyčioj „ebd.“ Kp, so zeigt sich ihre vollständige Adverbialisierung.
ė-Stamm
Auch die Inessive der Substantive des ė-Stamms befinden sich häufig in einem Zwischenstadium zwischen Substantiven und Adverbien, z. B.: dešinėj „auf der rechten Seite“, draugėj „zusammen, gemeinsam“, kairėj „auf der linken Seite“, pusėj „zur Hälfte, halbiert“ (Kas čia do per gyvenimas pusėj, kas do per apgaulė?! ŽR I 382.), savėje „im Kreis der Seinen, der Angehörigen“ CvR VIII 124, 149, apynamėj „um das Haus herum“ Pg, apytemėlėj „in der Nähe der Dämmerung“ Grž, pakaimėje „beim Dorf“ CvR VIII 179, pakelėj „am Weg, unterwegs“ ib 181, pakojėj „unter den Füßen“ Dgl, pavakarėj „am späten Nachmittag“ ŽR II 266 usw.
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Page 7In ihrer Bedeutung für Ort und Raum, Zeit und Begleitung stehen diese Inessive ebenfalls den Adverbien nahe, besonders die ohne Präfix. Hinsichtlich ihres Grades der Adverbialisierung sind sie jedoch keineswegs mit zweistämmigen Formen wie bašiautėj (bastautėj Bien) „barfuß“ Tvr, vienomarškinėj „nur mit einem Hemd bekleidet“ Bien, vienõplaukej „ohne Mütze“ ib zu vergleichen, denn neben diesen letzteren werden andere Kasus des Inessivs überhaupt nicht verwendet. Die Inessive sind somit hier aus dem Deklinationssystem herausgefallen und vollständig adverbialisiert. Andererseits ist durchaus möglich, dass die Substantive *basiautė, *vienomarškinė, *vienoplaūkė überhaupt nie existiert haben und dass diese zweistämmigen Adverbien durch Analogie entstanden sind.
i ir u kamienai
Unter den Substantiven des i-Stamms ist der Inessiv des Substantivs šalis „Seite“, šalyje „neben“, vollständig zum Adverb übergetreten; in der Umgangssprache kommen häufiger die verkürzten Formen šalyj, šalý vor, die ebenfalls präpositional verwendet werden. Ebenso betrachten alle Sprachwissenschaftler die Inessive der u-stämmigen Substantive vidujė, viršujė als Adverbien (am häufigsten werden ihre Kurzformen gebraucht — viduj, viršuj). Diese Inessive werden, besonders in verkürzter Form, bereits in der Sprache der Schriften des 16.–17. Jahrhunderts auch präpositional verwendet (vgl.: viduj manes Mž 478, v i d u j dienų mano ib 475, v i d u j neprietelių tavo ib 457, paukščia telekioja v i r š u j žemės Ch 1 Moz 1, 20.).
Obwohl es neben den hier angeführten adverbialen Inessiven in der Sprache auch andere Kasus ihrer Grundwörter (Substantive, aus denen diese Adverbien hervorgegangen sind) gibt, ist den Inessiven dennoch eine stärker verallgemeinerte und abstrahierte räumlich-lokale oder zeitliche Bedeutung am eigensten, was vermutlich auch ihre Adverbialität bedingt. Andererseits ist zu beachten, dass auch diese Inessive sich nicht so leicht von den Substantiven lösen: in Wendungen wie šalies vidujė, stiebo viršujė oder pačiame viršujė tritt ihr substantivischer Gebrauch noch deutlich hervor; gestützt wird er hier durch die Rektion der mit ihnen verbundenen unflektierten Attribute šalies, stiebo sowie durch die Kongruenz des kongruierenden Attributs pačiame.
Neben dem hier erwähnten postpositionalen Inessiv gab es im litauischen Deklinationssystem auch den sogenannten nichtpostpositionalen Inessiv. Dieser alte nichtpostpositionale Inessiv ist auch in anderen baltischen Sprachen belegt; Entsprechungen finden sich ebenso in anderen indogermanischen Sprachen. J. Endzelynas⁷ nimmt an, dass die altpreußische Form bitai „abends“ ein Inessiv (in seiner Terminologie: Lokativ) ist, wobei -ai< idg. -o-i entspricht; vgl. gr. οἴκοι „zu Hause“, πέδοι „auf der Erde, auf dem Boden“, Ἰσθμοῖ, Σφηττοῖ, altkirchenslaw. vlьcě „im Wolf“, rocě „in der Hand“.
Wie im Altpreußischen oder Griechischen ist dieser Inessiv im Litauischen nur in adverbialisierten Formen zu finden: ankstie, artie, namie, orie „draußen“, tolie, wobei ie< -e-i entspricht; vgl. gr. οἴκει „zu Hause“. Die Verbreitung dieser Inessive war offenbar in den einzelnen Dialekten nicht gleich. Ihre Reste finden sich häufiger im žemaitischen Dialekt, wo man in bestimmten Fällen -ie (=ž. -ei) sogar als
7 J. E n d z e l ī n s, Baltu valodu skanas un formas, Rīgā, 1948, p. 116.
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Page 8eine adverbiale Bildungssilbe oder ein Formans, die nicht nur substantivische, sondern auch adjektivische, pronominale und sogar partizipiale Ableitungen umfasst, z. B.: šaltie „wenn das Wetter kalt ist“, šiokie „bei solchem Wetter, zu solcher Zeit“, dulkantie „wenn es sehr staubt, wenn viel Staub aufwirbelt“.
Das gemeinsame Formans all dieser Ableitungen — die ehemalige Endung des alten Inessivs -ie — fasst sie zu einem Typ zusammen. Die adjektivischen, partizipialen und pronominalen Ableitungen dieses Typs nähern sich den substantivischen nicht nur hinsichtlich der Wortbildung, sondern auch semantisch. Daher könnte man annehmen, dass alle nichtsubstantivischen Adverbien mit dem Formans -ie aus zweigliedrigen Fügungen hervorgegangen sind, in denen das zweite Glied ein Substantiv war, das im Laufe der Zeit wegfiel und das verbliebene Wort der Fügung (das später zum Adverb wurde) substantivisch prägte. Wegen der wortbildungsmäßigen und vor allem semantischen Nähe werden sowohl die substantivischen als auch die nichtsubstantivischen Adverbien inessivischer Herkunft ohne Postposition gemeinsam behandelt und nicht an getrennten Stellen des Artikels erörtert.
Neben dem Formans -ie tritt auch ein weiteres Formans derselben Herkunft auf — -i (anksti, arti, toli). Sowohl die Adverbien ankstie, artie, tolie, als auch anksti, arti, toli sind alte nichtpostpositionale Inessive von Stämmen auf a (historisch o) bei Substantiven (wie K. Būga⁸ behauptet) oder substantivierten Adjektiven aṅkštas, aĩtas, tōlas. Den substantivischen Sinn und Gebrauch dieser Wörter und zugleich ihre engste Verbindung mit Adjektiven belegen weiterhin unveränderliche Fügungen, die als Satzangaben auftreten, etwa iš anksto, nuo anksto, už anksto „im Voraus“, pro ankštą, nuo ankščiausio, iš arto, nuo arto, iš tolo, nuo tolo. Auf welche Weise in den parallelen Adverbformen neben dem Formans -ie das Formans -i entstanden ist, hat K. Būga am überzeugendsten erklärt: „Beide litauischen Formen — tolie und toli — sind aus einer gemeinsamen Grundform tále:i hervorgegangen (á ist lang und trägt den Akzent „acutus“; der Wortakzent liegt auf der letzten Silbe, d. h. -ei). Aus der Form tále:i muss im Flexionssystem die heutige Form toliẽ hervorgegangen sein, die lange Zeit als Substantiv fungierte und schließlich zum Adverb wurde. Aber jenes tálei, das sich in grauer Vorzeit bereits aus einem Substantiv in ein Adverb verwandelt hatte, musste den Akzent schon früh verändern, d. h. zur Form *tále:i werden. Aus dieser Form konnte nichts anderes entstehen als das heutige Wort toli.“ Somit ist das Formans -i (neben -ie) in diesem Fall lediglich das Ergebnis einer Metatonie.
Von den Parallelformen ankstie || anksti, artie || arti, tolie || toli werden in der heutigen Sprache überwiegend die jeweils zweiten gebraucht. In der Literatursprache haben sie sich als normgerecht durchgesetzt. Die ersten Formen kommen häufiger nur in einzelnen Dialekten vor, besonders im Niederlitauischen, gelegentlich auch im östlichen Hochlitauischen; ansonsten werden sie in der heutigen Literatursprache überhaupt nicht verwendet. In der Sprache der Schriften von Žemaitė treten sie neben den zweiten auf. Dass diese Adverbien tatsächlich ein Erzeugnis grauer Vorzeit sind, zeigt die Vielfalt ihrer Semantik und ihres Gebrauchs in der heutigen Sprache. Auch mit ihnen werden zahlreiche phraseologische Fügungen gebildet. Die häufigsten Bedeutungen dieser Adverbien sind durch die lexikalische Bedeutung ihrer Grundwörter bestimmt (aus denen sie hervorgegangen sind). Die Formen anksti || ankstie werden gewöhnlich temporal gebraucht und fungieren im Satz als Zeitangaben-
⁸ Siehe „Tauta ir žodis“, Bd. 1, Kaunas, 1928, S. 433.
⁹ Siehe ebenda.
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Page 9gen, während arti || artiē, toli || toliē meist eine räumlich-lokale Bedeutung haben und im Satz als Ortsangaben fungieren. Außerdem werden alle diese Adverbien auch prädikativ gebraucht.
Veranschaulichen wir ihren Gebrauch anhand von Beispielen.
Mit dem Adverb anksti (ankstie) werden verschiedene zeitliche Verhältnisse ausgedrückt, die mit den Abschnitten des Tages, des Jahres, des Lebensalters usw. zusammenhängen (A n k s t i visi kėlė, vėlai gulė ŽR II 23. Žmonės, pasinaudodami ankstyba šilima, a n k s t i susiarė laukus ib 5. Kaziukas a n k s t i ėmė bręsti rimtiems klausimams CvR VIII 140.). Am häufigsten werden sie jedoch mit einer Zeitbedeutung gebraucht, die sich auf einen bestimmten Tagesabschnitt bezieht — nämlich auf den Morgen. Daher ist es kein Zufall, dass Širvydas in seinem Wörterbuch zwischen dem polnischen Adverb rano und dem litauischen anksti (im Original unksti) folgende lateinische Entsprechungen aufführt: „mane, diluculo, prima luce“. Ebenso ist es kein Zufall, dass anksti (ankstie) mit den Formen der Wörter rytas, rytėlis, rytužėlis... feste phraseologische Fügungen bildet, die im Satz als Zeitangaben fungieren, z. B.: a n k s t i rytą (a n k s t i ē rytą), a n k s t i rytėlį (a n k s t i e rytelį), a n k s t i ryto rytėlio, a n k s t i rytą rytužėlį (vgl. auch die freien Fügungen rytē a n k s t i, a n k s t i rytais). Auf das engste Bedeutungsverhältnis zwischen den Wörtern anksti und rytas weist auch der Umstand hin, dass daraus mitunter sogar Zusammensetzungen gebildet werden (vgl. ankšrytas „Morgen“ Zt und ankštryčiai „Morgendämmerung“ LL 311).
Von den übrigen phraseologischen Fügungen mit dem Wort anksti ist noch anksti vėlai „die ganze Zeit; viel“ zu erwähnen, das im Satz als Mengenangabe fungiert (A n k s t i v ē l ā i dirbi Gs.).
Prädikativ wird anksti (ankstie) vergleichsweise selten gebraucht (A n k s t i dar, bet miesto alėjose jau klega rinkėjų būriai... ReimSp 101. Rodos, dar a n k s t i e, o miestčiukas jau pičpilnaitis ŽR I 146.). Etwas häufiger erhält anksti (ankstie) eine prädikative Bedeutung nur zusammen mit der Partikel nebe (Jau n e b e a n k s t i, vyrai, laikas ŽR I 488. Dar niekieno neišginė, nors, rodos, n e b e a n k s t i e ib II 303¹⁰.).
Schließlich ist der seltenste Gebrauchsfall von anksti hervorzuheben: der Fall, in dem sich dieses Adverb an ein Verbalnomen anschließt und die Funktion eines unflektierten Attributs erfüllt (Kas iš a n k s t i kėlimo (welchen Nutzen hat frühes Aufstehen)? Alk.). Es ist festzuhalten, dass ein solcher Gebrauch dieses Adverbs sehr selten ist. Im Litauischen schließen sich Adverbien insgesamt am wenigsten gern an Substantive an, um als unflektierte Attribute zu substantivisch ausgedrückten Bezugswörtern zu treten.
Die häufigste Bedeutung von arti (artiē) ist räumlich-lokal; seine Satzfunktion ist die einer Ortsangabe (A r t i stointys girdi ramų spiečiaus ūžesį CvR IX 138. A r t i ē gal sukurti, kad rūḳsta Ds.). Beständigere phraseologische Fügungen mit dieser Bedeutung und Funktion gibt es nur wenige; zu nennen sind etwa visai arti (visai artiē), taip arti (taip artiē), iš arti (iš artiē) und weitere individu-
10 Wie wenig gefestigt die Getrennt- oder Zusammenschreibung der Partikel noch ist, zeigen folgende Beispiele aus der Ausgabe der Schriften von Žemaitė aus dem Jahr 1948, in denen unter völlig gleichen Kontextbedingungen einmal nebeanksti und ein anderes Mal nebe ankstie geschrieben wird, statt beide Male getrennt zu schreiben.
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Page 10Das Wortgefüge dualios darbo weit nah (Toli arti, kažkur tenai Kovoja rūstūs milžinai MPutSv 67.).
Seltener begegnet man hier einer sehr interessanten übertragenen Bedeutungsweise, die für die Sprache literarischer Werke charakteristisch ist (Prie manęs prisiglausk, mažasis sūnau... Taip arti jausiu aš tavo širdį... Nepaprasta buvo, kad per šį krembliavimą jį gausianti patirti Geišės paslaptį, kuri, ji nuvokė, arti paties ir ją pačią TDėdės. Ir lyg mano paties tai sužūro jaunystė. Su giesmem įkvėptom jo (A. Mickevičiaus) arti taip susijus LGR 267.).
Prädikativisch verwendet, hat arti meist seine lokale Bedeutung bewahrt (Tik tie, kurie arti, ir tie, kurie iš Kauno, kurie su išeiginiais, stovi visai arti paminklo CvR VII 210.), nur gelegentlich tritt hier auch eine zeitliche Bedeutung hervor (Ruduo jau arti Šlap.).
Sowohl arti als auch artie sind ebenfalls zur Präposition übergegangen (Vadinasi, dar negalima arti jo trobos rodytis, nes kitaip teks „suvilint akis“ Gud-GuzB II 6. Jų sodas artie namų Sv.); das erste von ihnen bildet zusammen mit der Präposition prie eine Präpositionalphrase (Vaikai, nelįskit arti prie arklio, gali įspirt Kp.). Auch nachdem arti zur Präposition geworden ist, bewahrt es seine ausgeprägteste lexikalische Bedeutung. Übrigens ist der präpositionale Gebrauch des Wortes arti außerordentlich vielfältig und interessant; seine Untersuchung würde jedoch den Rahmen dieses Aufsatzes überschreiten.
Toli (toliė) hat, ebenso wie arti (artie), meist eine lokale-räumliche Bedeutung und fungiert im Satz als lokale adverbiale Bestimmung (Toli iškilus dangaus gilybėj, liepsnoja skaisti rytų aušrinė MntvR 70. Netoli už kalnelio sužvingė traukinys BlnR 40. O ten tolie, pakraštuj dangaus, juodi mūrai guli... ŽR I 199.). In Ostlitauen findet sich die eigenartig gebildete Form nestolie (mit dem üblichen s) in der Bedeutung „nicht weit“.
Toli (toliė) und netoli (netolie) werden ebenfalls prädikativ verwendet; dabei bleibt in manchen Fällen die lokal-räumliche, in anderen die zeitliche Bedeutung erhalten (Ar toli Skuodas, dėde? Dar iki saulėlydžio buvo toli, bet vakaruose atsistojo kalnas, ir jo šlaitai prit emdė žemę CvR VIII 103. Vežimas buvo jau netoli; jis netrukus įsuko į kaimo kelią ib 227. Pavasaris jau netoli! Grįžti atgal aplinkui — tolie ŽR I 44.).
Sehr selten hat toli eine quantitative Bedeutung und fungiert als modale adverbiale Bestimmung (Arčiau priėjus, jis atrodo toli gražesnis Llkž.).
Manchmal erhält toli, je nach Kontext, eine besonders abstrakte übertragene lokale oder zeitliche Bedeutung (Jurgis atsigu lė atgal, bet miegas nuo blakstienų toli nulėkė... ŽR II 16. Jo žvilgsnis siekė toli ateitin VnIP 8.).
Engere phraseologische adverbiale Verbindungen bildet toli nur mit einigen Wörtern, insbesondere mit den Partikeln nebe (die oft auch zusammengeschrieben mit toli erscheint), per, dem Adverb taip und der Präposition iš, z. B.: nebe toli (nebe toliė), per toli, taip toli (taip toliė), iš toli. Dazu zählen auch Wendungen wie toli toli (toliė toliė) „sehr weit“ und toli gražu (toliė gražu); vgl. außerdem das zusammengesetzte Adverb anaitoli (mundartlich aneiptoli), von dem in der Literatursprache vor allem die verkürzte Form anaiptol gebraucht wird.
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Page 11Die genannten Verbindungen dienen sowohl als lokale Adverbialbestimmungen (a) als auch prädikativ; doch bleibt auch in diesem letzteren Fall ihre Bedeutung teils örtlich (b), teils zeitlich (c).
a) Quäle unsere Tierchen nicht so weit … ŽR₁ II 13. Von weitem kommen die beiden zu Fuß; erschöpft ruhen sie sich jetzt nach der langen Reise aus BlnR 89. Wir haben die Tochter sehr weit fortgegeben. Bien. Wir sind zu weit gegangen – hier werden wir keine Steinpilze finden. Šlap.
b) Bis zum Friedhof war es nicht weit. VnlU 142. Aber Kimša war schon so weit, dass das Wasser ihn nicht erreichte. CvR I 213. Ist dieser Gast von weit her? Šlap.
c) Praniukas trug Heu, ich sah es, und Marikė trug und brachte es ebenfalls … wie lange wird er es wohl noch aufbewahren, ohne es aufzuessen, bis zu dieser Zeit? Denn die Morgendämmerung ist nicht weit … ŽR III 132.
Die Verbindung toli gražu (toliè gražu) steht in Bedeutung und Gebrauch eher den Modalwörtern oder der Zustandskategorie nahe als den Adverbien (vgl.: Noch ist es weit dahin, dass ich den Sinn des Lebens zu erkennen vermag … MntvR 77. Aber bin ich denn schon weit im Alter? Noch ist davon überhaupt nicht die Rede! … ŽR II 150.).
Schließlich muss zumindest auch der präpositionale Gebrauch des Wortes toli erwähnt werden. Toli wird allein nicht als Präposition gebraucht, sondern bildet nur zusammen mit nuo eine Präpositionalgruppe toli nuo (Weit, weit von hier werden wir uns nachts erheben SNėrP II 119. Sabalios Sägewerk lag in öden Wäldern, weit abseits der öffentlichen Straße, an einem flößbaren Fluss VnlP 93.). Präpositional wird nur netoli gebraucht (allein und mit der Präposition nuo).
Insgesamt gibt es nur sehr wenige erstarrte Formen des nichtpostpositionalen Inessivs von Substantiven. Hier sind noch namie und oriè zu erwähnen: Das erste ist in der Literatursprache und in vielen Dialekten etabliert, das zweite ist nur aus einigen ostaukštaitischen Dialekten (Dusetos, Svėdasai, Skapiškis u. a.) bekannt. Zwar verwendete Jablonskis oriè in seinen Schriften, ebenso Vaižgantas; ansonsten ist dieses Wort in der Literatursprache jedoch recht selten.
Das Adverb namie unterscheidet sich seiner Bedeutung nach stark vom heutigen substantivischen Inessiv namė, während sich das Adverb oriè in dieser Hinsicht in nichts von orė unterscheidet, ebenso wenig wie vom Adverb laukė; diese haben vermutlich verhindert, dass sich ein Adverb oriè mit exakt derselben Bedeutung durchsetzte und allgemein erhalten blieb. Das Adverb namie, das eine allgemeinere und abstraktere Bedeutung als der substantivische Inessiv namė erlangt hatte, konnte diesen letzteren nicht ersetzen und setzte sich deshalb in den Dialekten am weitesten durch (vgl. seine žemaitischen Entsprechungen nọmėi, nọmėi, nọmij …).
Für aus dem nichtpostpositionalen Inessiv stammende adverbiale Formen von Substantiven sind eine verallgemeinerte, abstrahierte örtliche oder zeitliche Bedeutung und die Unfähigkeit, beliebige Attribute bei sich zu haben, charakteristisch. Diese Allgemeinheit und Abstraktheit der Bedeutung dürfte maßgeblich dazu geführt haben, dass sie zu Adverbien wurden und über viele Jahrhunderte bis in die Gegenwart dieser Kategorie erhalten blieben. Die absolute Unfähigkeit, durch flektierbare Wortarten ausgedrückte Attribute bei sich zu haben, löste sie bereits im grauen Altertum vollständig von den Substantiven: Adverbien, die aus dem nichtpostpositionalen Inessiv hervorgegangen sind, lassen sich hinsichtlich ihres Adverbialisierungsgrades nicht einmal mit Adverbien vergleichen, die aus dem Inessiv des heutigen Deklinationssystems entstehen. Allerdings,
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Page 12E. Frenkelis (vgl. TŽ V 146) meint, nachdem er die Wörter māna namīe (=māno namīe) aus ihrem Kontext herausgelöst hat (aus A. Baranauskas’ Dialekttexten, herausgegeben von F. Specht, „Litauische Mundarten“ I, Leipzig, 1920, S. 182), in ihnen eine Entsprechung des lateinischen Ausdrucks domi meae im Joniškis-Dialekt gefunden zu haben. Das würde bedeuten, dass der sonst überall adverbialisierte Inessiv namīe in diesem Dialekt als gewöhnlicher Substantivkasus auftritt und ein unflektiertes Attribut māno bei sich hat. Der Kontext selbst zeigt jedoch, dass die Wörter māna namīe hier überhaupt nichts mit dem lateinischen Ausdruck domi meae zu tun haben. Der Satz lautet, in die Literatursprache „übersetzt“, folgendermaßen: Dieses Pferd ist mein zu Hause aufgezogenes, nicht eines, das auf dem Markt von jemandem gekauft wurde. Für einen Litauischsprachigen ist völlig klar, dass das Wort mano hier nicht mit namie, sondern mit augintas. zu verbinden ist.
Neben namīe wird in den Dialekten auch die Form namieje mit genau derselben Bedeutung verwendet (Namieje negaliu miegot, o čia, svetimoj vietoj, visą naktį išmiegojau KlvŽ.). Diese Form ist vermutlich nichts anderes als eine analogische Bildung nach dem Inessiv anderer Stämme des Substantivs (vgl. pievo-je, panamė-je usw.).
Neben den Adverbien mit dem Formans -ie, die von Substantiven abgeleitet sind, begegnen in älteren Schriften und in Dialekten auch solche von Adjektiven. Einige von ihnen stimmen in ihrer Bedeutung mit Adverbien des Formans -(i)ai überein und sind deshalb vermutlich von diesen fast vollständig aus dem Gebrauch verdrängt worden; andere besitzen eine spezifische Bedeutung, die weder durch -(i)ai noch durch Adverbien anderer produktiver Typen ersetzt wird, und sind daher im žemaitischen Dialekt weiterhin lebendig. Als Beispiele für die erste Gruppe seien Formen wie aukštie „hoch“ Mž 274 und gilie „tief“ angeführt (patys lindome į daržinę, išsiradiau į sieną gilie... ŽR III 14.). Bei den Formen der zweiten Gruppe ist die erhaltene lexikalische Bedeutung des Grundworts mit einer zeitlichen Bedeutung verflochten; sie werden zur Bezeichnung verschiedener Wetterlagen und Wetterzustände verwendet (bisweilen mit einem Pronomen desselben Formans, tokie), z. B.: biaurie „bei schlechtem, regnerischem Wetter“ Kv, Rt, Ms; tokie biaurie „bei einem solchen garstigen Wetter“ (Tokie biaurie nė šunies iš trobos neišvarytumi Grg. Kur tu eisi tokie biaurie? Vvr.); šaltie „bei Frost, bei kaltem Wetter“ (Šaltie gyvuliai daugiau pašaro suėda Šts.); tokie šaltie „bei solch kaltem Wetter“ Pgr (Tokie šaltie negal nė kojos iš namų iškelti Kv, Rt, Ms.); šil tie „bei warmem Wetter“ (Šiltie iš valės, šaltie iš navalės geram (=geriam) šnapšalę Šts.).
Auch zur Bezeichnung des Wetterzustands werden im žemaitischen Dialekt häufig Adverbien mit dem Formans -ie verwendet (gelegentlich mit Pronomina desselben Formans, tokie, šiókie), die von Adjektiven auf -ota-, -uota- abgeleitet sind, z. B.: audrotie „bei Gewitter, während eines Gewitters“ Pgr; dárganotie „bei Schlechtwetter, bei garstigem Wetter“ (Neprieteliai darganotie ar speiguotie dieną ir naktį turėjo kentėti S.); tokie dárganotie „bei solchem Schlechtwetter, bei solchem garstigen Wetter“ (Tókie dárganotie ir varnos papūrusios Vvr.); dárgnotie mit derselben Bedeutung wie dárganotie Slnt; tokie dárgnotie mit derselben Bedeutung wie tókie dárganotie (Tókie dárgnotie nė galvos iš trobos neiškiši Slnt.); giedrotie „bei klarem Wetter“; ž. grúodetie „im Dezember“ ib; káitrotie „bei Hitze“ ib; lýt otie „bei Regen, bei regnerischem Wetter“ Pgr; lýtuotie „dasselbe“ Šts; migluotie „bei Nebel“ (Migluotie ir paklydom ežere Llkž.); sniēguotie „bei Schneefall, wenn Schnee liegt“ (Sniēguotie basas toli neisi Šts.); speig otie „bei starkem Frost“ Šts; spéiguotie „dasselbe“ (Spéiguotie suskrebo keliai Šts. Ebenso
2. Lietuvių kalbos gramatinė sandara
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Page 13mussten die aufgezogenen Kinder von klein auf und auch später Hunger leiden und Not ertragen, bei strengem Frost und klarem Wetter, und all das umsonst D.); anokie speiguotie „bei solchem Frost“ Kv; vėjuotie „bei windigem Wetter“ (Vėjuotie teks važiuoti Pgr.) usw.
In einigen žemaitischen Mundarten (z. B. in Pagramantis) werden parallel zu diesen alten adjektivischen Adverbien inessivischen Ursprungs mit genau denselben Bedeutungen auch Adverbien verwendet, die auf den postpositionalen Inessiv femininischer Adjektive zurückgehen: audrotoje || audrotie, lytotoje || lytotie, vėjuotoje || vėjuotie usw.
Als Beispiel für zweistämmige Derivate dieses Typs kann blauždlaužotie (und tokie blauždlaužotie) „wenn es nach Frost taut und bricht“ dienen (Tōkie blaužd-laužotie kas gali į kelią važiuoti? Jb.); vgl. blauždlauža (blauždlaužā Vdžg) „Zeit, in der das Eis auf Straßen und in Sümpfen bricht; nicht vollständig gefrorener Boden“ End, Kv, Krkl, Sv; blauždlaužas „dasselbe“ Vvr; blauždlaužynė „dasselbe“ Vdžg; blauždlauža (blauždlaužā Skr) „dasselbe“ Vdk, Užv, Up.
Mit dem Formans -ie werden im žemaitischen Dialekt Adverbien für verschiedene Wetterlagen und Wetterzustände nicht nur von Adjektiven, sondern auch von Präsens- und Präteritalpartizipien Aktiv gebildet, z. B.: dulkantie „wenn viel Staub aufgewirbelt wird, wenn die Straße staubt“ (Geriau lynantie, ne ką dulkantie važiuoti Sts.); lynantie „bei Regen, lytotie“ Sts; pašalusie „wenn es gefroren hat“ (Pašalusie suskrebo keliai Sts.).
Zwischen den Adverbien auf -ie und denen auf -(i)ai wird streng unterschieden: Auf Adverbien wie speigōtie (speiguotie), pašalusie antwortet man auf die Frage „wann?“, auf solche wie speigōtai (speiguotai), pašalusai dagegen auf die Frage „wie?“ (vgl. Besanti šįryt pašalusi speigōtai (ne speigōtie) Sts.).
Schon anhand der angeführten Beispiele ließ sich erkennen, dass das Formans -ie nicht auf Ableitungen von Substantiven, Adjektiven und Partizipien beschränkt ist, sondern auch auf einige Demonstrativ- (oder Determinativ-)pronomina übergeht. Mit diesem Formans sind sie selbst zu Adverbien geworden und bilden, wenn sie präpositiv neben adjektivischen Adverbien auf -ie stehen, mit diesen bestimmte adverbiale Redewendungen (tokie biaūrie, tōkie šalitie, tōkie dārgnotie (tōkie dārgnotie), anōkie speiguotie, tōkie blauždlaužotie usw.).
Manchmal wird jedoch auch nur ein einziges pronominales Adverb mit dem Formans -ie verwendet, wenn sich der Wetterzustand aus dem sprachlichen Kontext oder aus der Situation selbst erschließt. Besonders häufig ist hier die Form šiōkie „bei einem solchen Wetter“ (Šiōkie važiuoti menki pyragai Ž.). Diese Erscheinung spiegelt sich auch in der Sprache der schöngeistigen Literatur wider, nämlich in den Schriften Žemaitės (vgl. Bene nustōs lyti, ar velnias gali šiōkie važiuoti? ŽR I 146. Šiōkie vaikams būtų sveikiau po lauką ib 301. Toks stojo darbymetis, kaip yra sakoma: šiōkie ir akmuo ant lauko kruta ib II 23. Ką reik ir gyvuliams šiōkie sugriebti? ib 198. Kumelėms susidės šiōkie (sie werden an einem regnerischen Tag müde) ŽR.).
Zum Abschluss des Überblicks über die Adverbien, die auf den Inessiv Singular zurückgehen, ist festzustellen, dass der postpositionale Inessiv, der im heutigen litauischen Deklinationssystem erhalten geblieben ist, wesentlich weniger zur Adverbialisierung neigt als etwa der Instrumental. Eher werden Inessivformen solcher Substantive adverbialisiert, die stärker verallgemeinerte und abstrahierte zeitliche oder
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Page 14des Ortsbegriffs. Im Allgemeinen neigen die Endungen des postpositionellen Inessivs nicht dazu, sich in Wortbildungssuffixe von Adverbien zu verwandeln.
Die Endung -ie des nichtpostpositionellen Inessivs, der schon in grauer Vorzeit aus dem Flexionssystem ausgeschieden ist, zeigt eine gewisse Tendenz, sich in ein Wortbildungssuffix von Adverbien zu verwandeln, das auch nichtsubstantivische Ableitungen umfasst; dieses Phänomen geht jedoch nicht über die Grenzen des žemaitischen Dialekts hinaus und setzt sich nicht allgemein durch. In der Literatursprache gibt es nur sehr wenige Adverbien, die auf den nichtpostpositionellen Inessiv zurückgehen. Auch in der Sprache literarischer Werke sind sie äußerst selten. Selbst Žemaitė verwendet in der Sprache ihrer Werke weniger Adverbien mit dem Suffix -ie, als es sie im žemaitischen Dialekt selbst gibt, wahrscheinlich weil sie den Tendenzen der Literatursprache Rechnung trägt.
Der Prozess der Adverbialisierung des postpositionellen Inessivs ist in der heutigen litauischen Literatursprache lebendig, während die auf den nichtpostpositionellen Inessiv zurückgehenden Adverbien keinerlei Vitalität zeigen. Von ihnen sind hier nur noch wenige Formen erhalten, die sowohl in der Volkssprache — den Dialekten — als auch in der Literatursprache Fuß gefasst haben (anksti, arti, toli, namie).
2. Der innere Richtungs-Lokativ (Illativ)
Neben dem postpositionellen Inessiv, der bis heute im Flexionssystem der Dialekte und der Literatursprache erhalten ist, wird auch der Illativ verwendet. In der Schriftsprache des 16. und 17. Jahrhunderts sowie in den ostaukštaitischen Dialekten der Gegenwart behauptet sich der Illativ fest im Flexionssystem als selbstständiger Kasus. Hier kommt er bei allen flektierbaren Wortarten vor. Neben dem Inessiv, mit dem die Fragen beantwortet werden: wo, an welchem Ort wird etwas getan, ist etwas, geschieht etwas …?, bezeichnet der Illativ den Ort, zu dem jemand geht, sich bewegt, sich fortbewegt oder sich wendet. Deshalb wird er mitunter Direktiv genannt, um seine Richtungsbedeutung hervorzuheben. Die Bedeutung des Illativs ist ebenso wie die des Inessivs mit dem Inneren eines Ortes verbunden; er bezeichnet also die Verhältnisse des Inneren eines Ortes, zu dem jemand geht, sich bewegt oder sich fortbewegt, nicht die eines außerhalb gelegenen Ortes.
Der Singular-Illativ ist aus dem Singular-Akkusativ entstanden, an den sich eine bestimmte Postposition angefügt hat. Die Entstehung des Illativs im Litauischen ist ein altes Phänomen, das sich bereits ereignete, als die langvokalischen und diphthongischen Endungen mit fallendem Tonakzent noch nicht gekürzt waren und das auslautende -n im Singular-Akkusativ noch nicht abgefallen war. Da die Form des postpositionalen Bestandteils des Illativs noch immer nicht überzeugend geklärt ist, kann auch die Frage nach der Entstehung des Illativs selbst bislang nicht als endgültig gelöst gelten. Fast alle Erforscher der litauischen Sprache stimmen darin überein, dass der Singular-Illativ aus dem Singular-Akkusativ und einer bestimmten Postposition gebildet ist. Uneinigkeit besteht lediglich hinsichtlich der Form der Postposition selbst.
J. Endzelīns behandelt in seinen letzten Arbeiten die Frage nach der Form dieser Postposition nicht; in seinem Werk „Baltu valodu skaņas un formas“ (Rīgā, 1948, p. 143) führt er lediglich E. Fraenkels Auffassung an, wonach diese Postposition a<ide. *o. Da J. Endzelīns von mehreren vermuteten Postpositionsformen nur eine (nämlich a) berücksichtigt, könnte man annehmen, dass er in dieser Frage E. Fraenkel eher zustimmt. Somit wäre die Auffassung, dass der Singular-
2*
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Page 15Illativ aus der alten Singular-Akkusativform und der Postposition a hervorgegangen sei, wohl die jüngste.
Früher gab es zu dieser Frage auch andere Auffassungen. Besonders interessant und originell sind hier die Überlegungen von K. Jaunius. In seiner Grammatik vertritt er die Ansicht, dass der Akkusativ einst auch ohne die Präposition į einen Ort bezeichnen konnte, zu dem sich jemand fortbewegt, bewegt oder wendet. Als Beispiele führt er hier die lateinischen Akkusative domum, rus. Romam, Corinthum, Athenas an, die die Präposition in nicht erfordern, obwohl sonst die Akkusative anderer Substantive, wenn sie einen Ort bezeichnen, zu dem man sich bewegt, fortbewegt oder wendet (in urbem, in silvam), gewöhnlich nicht ohne die Präposition in gebraucht werden. Als Überreste eines solchen präpositionslosen Gebrauchs des Akkusativs im Litauischen betrachtet K. Jaunius die Zielangaben in den ostaukštaitischen Dialekten: eik gulti, jis eina šieno piautų. Demnach hätten die Litauer einst auch Substantive im Akkusativ mit solchen Bedeutungen verwendet: *laukan, *šalin. Da solche Akkusative semantisch den Adverbien sehr ähnlich waren, sei ihnen mit der Zeit ein adverbiales Suffix hinzugefügt worden (das K. Jaunius „Bestätigungspartikel“ nennt), ai (vgl.: šaliai, šiltai), das später abgefallen sei; das -n aber sei in allen Dialekten erhalten geblieben, weil es erst verhältnismäßig spät ans Wortende gelangt sei¹.
Nesutikdamas su A. Šleicheriu, teigusiu, kad vienaskaitos iliatyvas kilęs iš vienaskaitos galininko ir postpozicijos na, neatskirtinos nuo s. sl. na (rus. на, lenk. na), K. Jaunius toliau rašo: „Šleicheris samprotavo, esą laukan ir kitos tokios formos kilusios iš vienaskaitos galininko *laukan ir prielinksnio, atliepiančio slaviškajam. Bet tokia nuomonė yra nepagrįsta. Žinant, kad aukštaičiai rytiečiai an prieš priebalsius yra išvertę į un (plg. rytiečių sū-sparą = žemaičių są-sparą ‘die Gehrsass’, sū-narys = žemaičių są-naris), pakanka tiktai žvilgterėti į tokį pasakymą, kaip, pavyzdžiui, ‘miškān būdavo eini’ (Anykščių šilelis, 20 eilutė), ir paaiškės, kad miškān galėjo kilti tiktai iš *miškanai, bet ne iš *miškan-na. Iš prolytes *miškan-na rytiečiuose reikėtų laukti ne miškān, o *miškūna¹².
Dieses letztgenannte Argument von K. Jaunius gilt heute als überholt. Tatsächlich hätte sich der Illativ miškana in den ostaukštaitischen Dialekten nicht zu *miškūna entwickeln können, denn in der Form miškana ist die Lautfolge an nicht tautosyllabisch, sondern heterosyllabisch (vgl. miška-na). Die Auffassung, dass miškana in alter Zeit ein tautosyllabisches an enthalten habe, ist unbegründet. Sie setzt ein tautosyllabisches an an einer Stelle voraus, wo es völlig unmöglich ist und wo es durch die Gesetze der litauischen Sprache nicht gestützt wird. Eine Aussprache *miškān-na (mit tautosyllabischem an) ist im Litauischen unmöglich, da es Geminaten weder heute duldet noch sie in alter Zeit duldete; davon kann man sich leicht anhand von Illativformen des Femininums wie rañkon, galvōn überzeugen. Hätten solche Formen in alter Zeit Geminaten enthalten, wären sie also *rankān-nā, *galvān-nā ausgesprochen worden, so wäre in der heutigen Sprache vor dem auslautenden -n der Vokal a erhalten geblieben, nicht o; man würde also *rankan, *galvan und nicht rañkon, galvōn aussprechen. Geminaten konnten schon bei der Verbindung der Postposition mit
11 К. Явнис, Грамматика литовского языка, отдел II, перевод грамматики литовского языка, исполненный К. Буга, Петроград, 1908–16, p. 119—120.
12 Ebenda, p. 120.
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Page 16Form des Akkusativs am Anfang. Wenn wir also hier eine Postposition ná annehmen würden (was auch durch die seit Langem belegten Formen šalina, namuosna bestätigt wird), könnten wir zugleich völlig begründet behaupten, dass bereits ganz am Anfang der Verbindung dieser Postposition mit der Akkusativform miška-nā, ran-kā-nā, galvā-nā ausgesprochen wurde, woraus sich mit der Zeit die heutigen Formen miškān, raṅkon, galvōn. entwickelt haben mussten.
K. Būga betrachtete anfangs, ebenso wie K. Jaunius, ai¹³ als postpositionales Element des Illativs, später nā¹⁴.
Auf diese Weise treten mindestens drei Postpositionen hervor: a, ai und nā. Schon dieser Umstand zeigt, dass bislang keine Einigkeit über die Form des postpositionalen Elements des Illativs besteht. Daher ist auch verständlich, dass einige Forscher der litauischen Sprache (darunter Chr. S. Stang¹⁵ und teilweise auch J. Endzelynas¹⁶) es nicht einmal wagen, die Form der Postposition selbst zu bestimmen, und darauf hinweisen, dass sie noch nicht geklärt sei.
Der Illativ hebt das Litauische nicht von den anderen baltischen Sprachen ab. Wie J. Endzelynas¹⁷ angibt, wird der Illativ (im Singular!) auch in den ältesten schriftlichen Denkmälern des Lettischen als lebendiger Kasus verwendet; mit ihm werden hier die Fragen „wo?“, „wohin?“ oder „wann?“ beantwortet (z. B.: kounan tapt, krustan sists, cietuman tur, tan trešan dienan, tan... vietan, zemen usw.). In späteren Schriften sowie in den lettischen Dialekten der Gegenwart sind die vorkommenden Illativformen vollständig adverbialisiert.
J. Endzelynas¹⁸ behauptet, gestützt auf die von E. Mikalauskaitė angeführte¹⁹ Form andangonsun „im Himmel“ aus einem Bruchstück eines vorreformatorischen altpreußischen Textes, dass es auch im Altpreußischen einen Illativ gegeben habe.
Sowohl in den ostaukštaitischen Dialekten als auch in der Literatursprache werden Illativformen von Substantiven aller Stämme gebildet. Die Bildbarkeit der Illativformen und ihre Verbreitung hängen nicht nur von der lexikalischen Bedeutung der Substantive und ihren Gebrauchstendenzen ab, sondern auch von der Häufigkeit der Substantivstämme selbst und der Produktivität der Suffixe: Je häufiger ein Stamm oder Suffix in der gesprochenen oder geschriebenen Sprache vorkommt, desto mehr Illativformen werden mit ihm verwendet.
Substantive mit a-Stamm haben im Illativ eine verallgemeinerte Wortendung -an (nach einem harten Konsonanten) (laukan, oran). Substantive mit ia-Stamm sind morphologisch nicht einheitlich: Einige enden im Nominativ Singular auf -as (nach einem weichen Konsonanten) (kėlias, medžias „Baum; Wald“, vėjas), andere auf -is, -ys (káilis, užpakalỹs). Entsprechend enden auch die Illative der ersteren auf -an (nach einem weichen Konsonanten) (kelian, medžian, vėjan), die der letzteren auf -in (káilin, užpakalin). Es ist zu beachten, dass die Illative dieser erstgenannten Substantive (wie kėlias, medžias, insbesondere aber solcher wie vėjas, kraujas) zumindest in den Schriften unserer Zeit
¹³ K. Būga, Aistiški studijai, I d., Peterburgas, 1908, p. 41.
¹⁴ K. Būga, Lietuvių kalbos žodynas, I—II sąs., Kaunas, 1924, p. XXX.
¹⁵ Chr. S. Stang, Die Sprache des litauischen Katechismus von Mažvydas, Oslo, 1929, p. 106.
¹⁶ J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, p. 460—461.
¹⁷ Ten pat ir Baltu valodu skaņas un formas, Rīgā, 1948, p. 143.
¹⁸ J. Endzelīns, Baltu valodu skaņas un formas, p. 143.
¹⁹ „Archivum Philologicum“, t. 7, Kaunas, 1928, p. 105—106.
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Page 17In der Sprache kommt es sehr selten vor. Die Illative der Substantive mit o-Stamm enden auf -on (nach einem harten Konsonanten) (galvón, píėuon); diejenigen der io-Stämme auf -on (nach einem weichen Konsonanten) (pi̇ṙkon, sáujon), der ė-Stämme auf -ėn (draugėn, kelionėn), der i-Stämme auf -in (akiñ, šaliñ), der u-Stämme auf -un (nach einem harten Konsonanten) (vidūn, viršūn), der iu-Stämme auf -un (nach einem weichen Konsonanten) (sodžiūn, spi̇ėčiūn) und der konsonantischen Stämme auf -in (akmeni̇n, vandenin).
Wie verhalten sich die Illativformen der Substantive zu den Adverbien?
Gelegentlich wird behauptet, die Illativformen der Substantive im heutigen Litauischen seien nichts anderes als Adverbien20. Es ist jedoch anzumerken, dass eine solche Behauptung apriorisch und verfrüht ist. Das Verhältnis der Illativformen der Substantive zu den Adverbien ist in der volkstümlichen Umgangssprache – in den Dialekten – ein bestimmtes und in der Literatursprache ein völlig anderes. Schließlich ist dieses Verhältnis auch in den einzelnen Dialekten nicht einheitlich. So ist der Illativ bei den ostaukštaitischen Sprechern, wie bereits erwähnt, noch ein echter Kasus, der sich im Flexionssystem selbst etabliert hat, während man in anderen Dialekten nur einzelne adverbialisierte Formen kennt (laukan, namien, oran, paškun, šalin...). In der Literatursprache sind Substantive aller Stammklassen an der Bildung von Illativformen beteiligt. Besonders verbreitet sind sie in der Sprache belletristischer Werke. Dort verwenden sie sowohl in der Erzählerrede als auch in der Figurenrede nicht nur Schriftsteller aus Ostlitauen, sondern auch Vertreter anderer Dialekte.
Um sich ein Bild von der Verbreitung der Illative in der Literatursprache zu machen, dienen die nachstehenden Beispiele, die überwiegend belletristischen Werken entnommen und nach Stammklassen geordnet sind. Damit die Beispiele selbst nicht zu viel Platz einnehmen, stehen neben den Illativen meist nur die von ihnen regierten Wörter sowie ihre Attribute. Auslassungspunkte kennzeichnen Auslassungen innerhalb der illativischen Konstruktion.
a-Stamm
die heimatliche Kornkammer nicht betreten habend LGR 292, wird zum Tanz MPuta II 72, trug hinaus... auf den Balkon VnlU 151, Singe mein Lied JbL 100, einstimmig riefen sie ib, ins Haus fiel MntvR 137, hängte sich an die Arbeit CvR VIII 104, an die Arbeit machte sich SNeirP II 214, machte sich an die Arbeit CvR II 75, sie mögen (3. Person Konjunktiv) an die Arbeit GGuzKlT II 186, du wirst dich... an die Arbeit LGR 150, Arbeite nicht VnlP 190, in den Garten fliegt JbL 100, der Schöpfer zum Gut CvR VIII 94, ging zum Gut ib 99, in den See starrten sie ib 77, auf den Grund sinkt (versinkt) JbL 100, ich trat ins Leben MntvR 91, ins Kabinett trat er ein VnlP 35, 36, ging aufs Land CvR II 71, wischte sich die Nase aufs Land ib VIII 82, den Berg hinaufführenden schmalen Weg ib 108, hinaufgestiegen auf den Berg ib IX 168, stieg hinauf auf den Berg ib II 228, ins Grab... gelegt (Partizip Präteritum Passiv). JJanR 146, ging in den Krieg
20Im „Wörterbuch der litauischen Rechtschreibung“ (Kaunas, 1948, S. 70) gelten neben solchen adverbialisierten oder vollständig zu Adverbien gewordenen Illativformen wie laukan, šalin, vidun, žemėn, auch Formen wie akiñ, atksnyñan, daržan, eilėn, galan, galvón, gerklėn, kaiman, kišenėn, krūman, lákton, miškan, pūšen, als Adverbien, obwohl ihr substantivischer Charakter noch deutlich erhalten ist.
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Page 18JbL 100, führt in den Krieg CvR VIII 143, stürzt sich in den Krieg Gud-GuzKIt II 186, legten in den Sarg VnlU 159, nach Kaunas fahren CvR VIII 236, die Fahrt nach Kaunas VnlP 31, immer mehr Leute kommen in den Hof CvR I 59, war in den Hof hinausgegangen ib II 218, kehrte... in den Hof zurück ib VIII 37, war gerade dabei, in den Hof zu gehen ib 173, den Hof betreten habend ib 219, Im Hof drängten sie sich zusammen ib 228, Im Hof schlüpft es heraus ib IX 127, warf von draußen durchs Fenster in den Hof VnlP 53, warf durch die Fenster, in den Hof ib, warf in den Hof hinaus ib 56, ging in den Hof hinaus ib 58, 63, 80, ging in den Hof des Pfarrhauses hinein ib 171, Er geht und kommt in unseren Hof LGR 135, beim Gehen in den Stall VnlP 79, zum Ufer... rennt JJanR 94, ans Ufer rauscht AMickKrS (MPut) 23, ging in sein eigenes Land GuzKIt II 184, Ins verhexten Land ruft und lädt er ein SNėrP II 13, setzte sich auf einen weichen Stuhl VnlU 122, geh in den Busch JbL 99, nicht mehr nach Kursk ziehen LGR 113, ihr werdet... ins Schiff zurückkehren ib 100, die Tropfen breiteten sich zum Fenster hin aus CvR VIII 106, klopfte ans Fenster ib 117, zum Fenster hin AMickKonr (MPut) 80, blickte zum Fenster ib 81, schaut zum Fenster JJanR 148, Ging hinaus (ins Freie) JbL 99, ich wagte hinauszugehen ar BlnR 112, streckte den Kopf hinaus Gud-GuzB I 28, nach draußen treiben JJanR 153, beim Dreschen fliegt es hinaus TDėdes 118, lief hinaus VnlU 169, drängte sich hinaus ib 66, ging hinaus VnlP 349, 400, man kann... hinauslaufen ib 162, nach draußen versetzte ib 171, schlüpfte hinaus CvR VIII 118, machte sich nicht auf den Weg nach draußen ib 133, sah die hinausgetriebenen Tiere CvR VIII 203, nach draußen springen ib 210, eilte hinaus ib IX 130, schoss (stürzte) hinaus ib II 176, ließ sich hinausführen ib 113, bat hinaus ŽR IV 240, nach draußen hinauswerfen ib I 22, Nachdem er hinausgegangen war ib II 28, Wem es nicht passt – hinaus! ib I 76, kletterte hinaus ib II 133, schleicht hinaus ib II 133, schleicht hinaus ib IV 106, floh hinaus ib I 74, III 98, geht hinaus ib II 130, Rauch drang in die Mitte des großen Saals, aus den zu einem Haufen aufgeschichteten Papieren und Büchern CvR II 153, zum Hang Rž, Fiel in den Schlaf TDėdes 42, fuhr... in die Stadt CvR VIII 142, kam in die Stadt MntvR 165, ich werde... in die Stadt zurückkehren JJanR 91, fahr in die Stadt VnlP 57, waren in die Stadt gefahren ib 43, fuhr in die Stadt, ib 32, liefen in den Wald JbL 100, fürchtest du dich nicht... in den Wald zu gehen TDėdes 33, bog in den Wald ein LGR 205, es wäre Zeit, ihn in die Wissenschaft einzuführen CvR VIII 137, in den Nagel nehmen JbL 100, ich werde ihn in den Nagel nehmen VnlP 39, geh... hinaus JbL 100, ging hinaus Bien, geh hinaus BlnR 165, hob ihn nach oben CvR II 200, hob nach oben VnclOb 90, ich werde zur Post gehen VnlU 62, in das Ziegenhorn treiben VnlP 23, ging ins Restaurant hinein CvR VIII 206, war... in die Kandidatenliste eingetragen ib 130, zum Zwiebelbeet blickend CvR VIII 151, in den Scheitel... teilte die Haare ib 143, in die Wange kneifend ib 118, in Not... warf hinaus VnlU 157, in den Garten gebracht CvR VIII 203, auf den Tisch (auf den Tisch) trägt JbL 99, klettert... am Stamm hinauf AMickKrS (MPut) 15, begann, gegen das Glas zu schlagen CvR VIII 107, fing an, sich am Dach festzuklammern ib II 167, hob an den Pfahl Gud-GuzKIt 56, zur Seite gerichtet VnlP 82, zur Seite geblickt CvR II 175, der Frühling... zur Seite ib 188, Nur, ich sehe, er zur Seite, zur Seite Gud-GuzKIt II 13, drehte sich zu einer Seite CvR VIII 88, neigte sich zur Seite ib 67, Schau... zwischen die Hütten JJanR 132, Was wäre, wenn man es mit dem Gericht versuchen würde?
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Page 19VnlP 187, ging in den Stall CvR VIII 115, ging in den Stall hinaus ib 118, sie gab dem Sohn, der studierte, Geld für die Universität ib 212, sie wird ihn in die Höhle sperren MntvR 154, um des Namens willen (Präposition mit Genitiv) CvR IX 251, in die Not... würdet ihr ihn hinaustreiben VnlU 157, die Augen... sanken ins Gesicht ein ib VIII 100. Er wird ins Gesicht blicken ReimTž 27, sie faucht ins Gesicht SNėrP I 268, die weiße Gans hebt sich zum goldenen Wagen SNėrP I 260.
ia-Stamm
sie lud ein... in den Garten zu gehen LGR 268, Komm... in den Garten ib 174, fällt in den Schoß des Meeres VnclOb 188, nahm in den Schoß CvR VIII 61, einladend... in den Schoß ib 207, nahm auf den Schoß ib II 184, ich gehe auf die Veranda LGR 205, warf ins Lager CvR II 117, bekam Fell Bd, führte auch in das Spiegelzimmer CvR VIII 98, Segne... auf dem fernen Weg LGR 186, in den Korb gesteckt CvR VIII 138, trieb in die Trauer ib 132, treib... nicht in den Wald JbL 100, ging in die Stadt CvR VIII 38, zog in die Stadt ib 84, in die Stadt (fuhr er) VnlP 57, wird in die Stadt fahren CvR VIII 119, im Wäldchen... ging er nicht spazieren VnlP 82, wir in den Sumpf LGR 188, ließ sich ins Tal hinab CvR VIII 7, in die Ferne (: Ferne) Rž, in die Ferne reisen MPutSv 75, nachdem er sich angespannt hatte, in den Schlitten MntvR 188, dreht sich in die Mitte des Flusses BlnR 94, lief auf die Landstraße CvR VIII 93, stopfte in den Herd Gud-GuzKIt II 227, zum Aufbruch ausziehen LGR 127, brach zum Aufbruch auf ib 261, Mit diesem Wort (als er jemandem dieses Wort sagte) öffnete er JbL 100, Auf dieses Wort hin (auf seine Worte, darauf) sagte er ib, Sprichst du hier zur rechten Zeit (zur rechten Zeit, am richtigen Ort, wie es sich gehört)? Sts, geht ans Seeufer TDėdės 64, ich werfe ans Seeufer JJanR 90, auf den Schädel zeigend CvR VIII 144, wird nach Panevėžys fahren VnlP 44, bricht in die Welt hinaus MntvR 60, drängte sich in die außerordentliche Sitzung VnlP 128, zog sich in den Vorraum zurück ib 53, wir rücken nach vorn Gud-GuzB I 319, Nach vorn, Brüder! MntvR 231, ging nach vorn CvR VIII 231, nach vorn getreten (einen Schritt gemacht, vorgegangen) ib 48, das Kinn nach vorn reckend CvR IX 67, nach vorn blickend Gud-GuzKIt II 47, du wirst nach vorn marschieren LGR 34, wird nach vorn führen ib 234, würde nach vorn treten ib 281, Jetzt greifen wir an, jetzt nach vorn ib 114, ich tat... einen Schritt nach vorn MPutA I 167, ins Lagerhaus einschließen Gud-GuzKIt II 38, schob... in den Ärmel ib 194, trug... hinter den Ofen CvR VIII 179, ihre Stöcke nach hinten ziehend BlnR 184, ging hinaus zur Rückseite ib 189, stieg in den Dampfwagen CvR VIII 66, lief aus der Türöffnung hinaus JJanR 172, ging nach Puodžiūnkiemis VnlP 32.
o-Stamm
fährt nach Argentinien rš, wir stürmten zum Angriff LGR 116, fiel auf den Boden CvR VIII 107, 117, warf... auf den Badehausboden ib II 176, man musste durch die Pfütze waten ib 70, pflegten in den Mund zu stecken ib VIII 53, mit zusammengebissenem Mund ib 230, hinaus aufs Feld LGR 256, ein ungesätes Korn auf dem Feld MntvR 50, bläst in ein Brot... VnlP 96, buk Moos ins Brot JbL 100,
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Page 20sogar in den Bauch krümmt er sich (wenn der Bauch sehr weh tut) Vs, Nimm es auf meinen Kopf (ich stehe dafür ein) JbL 100, blieb im Kopf stecken VnlP 79, indem er es dem Jungen in den Kopf einprägte CvR VIII 140, schlägt... auf den Kopf Gud-GuzKIt II 43, die Wellen kräuseln sich in die Meerestiefe SNėrP I 264, Lasst uns kämpfen, lasst uns in sein Nest gehen LGR 116, die Sonne geht ins Meer unter ib 99, an die Stirn ib 71, mischte sich in die Sprache ein VnlP 88, stieg auf den Hügel CvR VIII 136, Binde... zusammen Gud-GuzKIt II 10, Zum Kampf, Freunde! SNėrP I 201, zum Kampf ruft uns VnclOb 187, geriet in einen Haufen CvR VIII 103, kriecht ins Bett JbL 100, auf den geraden Pfad Ad, in die Gießerei... stürzte es MntvR 259, wird nach Litauen führen LGR 111, versammelte sich in Juros Hütte CvR VIII 30, brachte... in die Schule ib 143, trägt in die Schule hinein ib 158, machte sich nicht auf den Weg zur Schule ib 157, neigte sich zur Mutter ib 32, als er auf die Wiese trieb JbL 99, die Sense zur Wiese, die Lichter an die Wand ib 100, Ich ließ die Pferde... auf jene Wiese ib, ließ sie nicht auf die Wiese zum Weiden hinaus CvR II 75, kehrte ins Esszimmer zurück MntvR 199, die Tropfen spritzten an die Wand CvR VIII 106, schlug gegen die Wand ib 192, während sie sich anschickten, auf das neu geplante Gehöft umzuziehen ib 49, kochte Rinden in der Suppe JbL 100, führt ins Licht des Kommunismus LGR 279, auf ewigem Frieden möge das Volk seinen Weg finden ib 60, kam zur Hilfe VnlP 33, in Tamsons Schoß gekauert (LGR 220, rief zur Wahrheit JbL 100, ich blicke in die Ferne MntvR 90, die Straße schimmert in die Ferne SNėrP I 264, brachte ins Korbhaus Š, ging in die Stube hinein Gud-GuzKIt II 185, damit... nicht... in der Öffentlichkeit verbreitet würde MPutA II 63, an seiner Stelle... ernannt VnlP 165, auf einen einzigen Ort blickend ib 159, an seine Stelle stellt er einen Löffel TDėdės 10, lege an seinen Platz Gud-GuzKIt II 11, atsavõn (= atsavoj!) „getrennt“ Lš.
io-Stamm
begann, nach unten zu gehen... VnlP 140, eilte nach unten BlnR 66, in ein Gymnasium eintreten CvR II 134, flog in den grünen Wald... hinein LGR 183, geriet ans Bein CvR II 113, dringt in den Laden ein JJanR 159, trieb sich in die Sklaverei SNėrP II 259, kehrte zurück Aru 17, wird nicht zurückkehren Nč, kehrte zurück AMickKOnr (MPut) 61, zurück... wird nicht zulassen, dass man sich umdreht SNėrP II 228, Kehrt... zurück KlvD 264.
e-Stamm
bringt ans Licht BlnR 261, Ich ließ (ließ) die Pferde nach links gehen JbL 100, in die Höhe! lockt SNėrP II 14, Geh, wirf nach rechts JbL 100, bog nach rechts ab VnlP 11, MPutA II 40, du gehst in die Werkstatt MntvR 130, Geht zusammen (wo das Ganze zusammen ist) JbL 100, die zusammen verbundenen Hände MPutA III 203, praktische Tätigkeit und theoretischer Gedanke müssen zusammenfließen trš. Lasst uns zusammenfügen ib, sie versammelten sich CvR VIII 201, sie mischten sich zusammen ib 192, der Reihe nach Rž 70, dringt in den Raum JJanR 64, auf die Straße... strömte CvR VI 138, in die Tiefe des Geheimnisses von Svedžiai JJanR 49, versank in der Tiefe ib 172, tiefer-
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Page 21sich tief eingegraben MPutSv 15, in die Tiefe hinabgesunken VnclOb 164, in die Tiefe des Sees gefallen ib 174, in den Rachen Rž 70, wir bahnen den Weg zum Wohlergehen des Volkes LGR 227, der Weg ins Leben (erhebt sich, steigt auf) ib 142, Geh, wirf... nach links JbL 100, bog nach links ab ŽR II 409, brach... zur Reise auf CvR VIII 78, 66, machte sich auf die Reise ib 179, machte sich auf eine weite Reise ib 234—235, warf... in die Ecke VnlU 51, warf in die Ecke CvR VIII 207, in die Tasche steckend JbL 99, rutschte in die Tasche CvR IX 197, stopfte sich in die Tasche ib II 184, ich renne in den Laden VnlP 119, wird im Spielzeugladen landen CvR II 214, Taručio irgendeine freudige Unruhe wallte in der Brust auf ib VIII 46, drang in die Brust ib 201, war gerade dabei, in den Stall ib 173, sehnlich wünsche ich, immer zu gelangen zum Glück des Ideals JJ anR 113, du wirst immer ein lebendiges Vorbild und eine große Losung sein in Freiheit und zum Sonnenschein SNėrP II 318, in die Freiheit rollte MntvR 21, Geh hinaus... zum Bogen in den Bogen LGR 172, gebracht ins Krankenhaus, sie sprach noch CvR II 218, wird zur Molkerei fahren ib VIII 118, fuhr dorthin in Richtung JbL 100, neigte sich zur entgegengesetzten Seite VnlP 54, begann in Richtung des Tals zu laufen Seite CvR II 162, als sie nach Hause gingen ib VIII 53, warf in eine Schneewehe Gud-GuzKt II 42, tragen in den Saal VnlU 155, begann in den Saal einzudringen CvR VIII 91, steigt zur Sonne auf LGR 206, streckt sich zur Sonne hin ib 151, strebt empor, steigt zur Sonne SNėrP II 226, kehrt in die Hauptstadt CvR II 212, dorthin, zur Stärke hin richtete LGR 226, trat beiseite VnlP 67, Zurück in die Heimat JJ anR 139, Zurück ins Heimatdorf LGR 133, ins Heimatdorf kommen ib 261, kehrt ins Heimatdorf zurück VnlU 28, geradeaus „nach rechts“ Bien, ich werde in die kommunistische Ferne MntvR 248, mit in die Ferne gerichteten Augen ŽR I 155, nimmt in die Hütte VnlU 72, nennt es einen Fluss aus Blut JbL 100, fiel in den Fluss JJ anR 172, bring es in die Apotheke VnlP 75, fuhr zum Schwiegervater zu Besuch JbL 100, ging in den Speicher VnlP 81, kletterte auf dessen (des Blitzableiters) Gipfel CvR VIII 202, einführen in die Gesellschaft ib II 210, an Žagrelė angespannt LGR 180, rollte zu Boden ŽR III 92, warf zu Boden VnlP 40, stürzte zu Boden TDr IV 193, fällt zu Boden LGR 40, schlug polternd zu Boden CvR II 162, plumps! zu Boden Vaižg. Šešk... zu Boden ŽR II 405, legte sich zu Boden CvR VIII 136, sank zu Boden ib 119, stürzte zu Boden BlnR 178, als wäre er ganz in die Erde gesunken CvR II 25, Die Worte werden zu Taten und sinken wie Schläge in die litauische Erde MntvR 100, Reiten zum Besuch in die Heimat LGR 170. Steigt in das Blaue JJ anR 63, in das Gras hineingewatet ins Gras CvR VIII 198, Du wirst den Stern JJ anR 49, in eine Decke eingewickelt VnlP 55, erschrocken... vor der aufbrechenden Woge des Sees CvR II 68, zur Verantwortung ziehen Likž, Ein Komet, der sich in die Unendlichkeit des Himmels erstreckt VnclOb 148, geriet... in polnische Gefangenschaft CvR VIII 13, ging in ewigen... Besitz über VnlP 16, wir werden in Besitz nehmen ib 71, musste in den Besitz des... Gutes übergehen CvR VIII 133, in den Himmel aufgestiegen MntvR 55, sah eine zum Himmel aufsteigende Flamme CvR VIII 200, Geht zum Seeufer JbL 100, steigt ins Tal hinab CvR II 227, stapfte ins Gebüsch VnlP 164, zum Herumwerfen auf den Dachboden CvR VII 32, antwortete sich selbst vor die Nase ib 229, angelockt in den Torweg TDėdės 22, des Bauern, pa-
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Page 22landet auf dem Dachboden LGR 270, auf dem Dachboden aufgestapelt VnlP 76, Blickte zur Seite des Palastes ib 63, trat in den Vorraum ib 65, winkt zum Tisch CvR IX 122, sich hinter den Tisch setzen TDėdės 24.
i-Stamm
Akin Rž 70, ein Laut brach durch sein Ohr, dicht mit dichter Wolle verstopft CvR VIII 45, in die Ewigkeit tragen MntvR 229, treibt in den Tod JJanR 61, dem Tod zugewandt SNėrP I 199, zum Tode verurteilt ib II 262, ging in die Burg LGR 185, unsere fuhren in die Burg hinein AMickKonr (MPut) 75, ich gehe ins Badehaus JJan 162, Männer, lasst solche Schwätzer nicht reden?! Fort! CvR VIII 129, Fort vom Tisch ŽR I 315, Fort aus unserer Mitte MntvR 171, fort mit dem Krieg CvR VI 180, Fort mit der Selbstherrschaft des Zaren! trš, Fort mit dem Kapitalismus! ib, Geh fort, geh! CvR VIII 155, kaum hatte er sich beeilt, fortzulaufen VnlP 55, treibt... fort CvR IX 78, Schob das Schälchen beiseite ŽR I 288, Der alte Mann winkte mir beiseite JbL 100 Dort fort (sieh) LGR 128 (vgl. die Form šaliną „fort“ in Schriften des 16. Jh. Mž 279), fasste sich ans Herz TPrg, drängt sich ins Herz JJanR 66, führt ins Kampfesfeuer VnclOb 186, lockt in die lichte Zukunft JJanR 61, der Blick reichte weit in die Zukunft VnlP 8, Zur Vergangenheit gibt es keinen Weg mehr SNėrP II 321, Du wirst dem Untergang entgegenfallen VnclOb 187.
(i)u-Stamm
schaut zum Himmel CvR VIII 146, die Eichen... reckten sich zum Himmel VnlK 14, tauchte kopfüber hinein CvR VIII 117, ging hinein ib 210, stürzte hinein ib 232, nicht hineinlassen... hinein JbL 100, hineinblicken SNėrP II 48, Bitte herein VnlP 171, Das Feuer brach nach oben Llkž, drängte nach oben BhnR 162, blickte nach oben AMickKonr (MPut) 19, reckte sich nach oben Prg, wird nach oben hinauswerfen ib (vgl. viršun, als Präposition gebraucht: Blasen steigen über die Wasseroberfläche Llkž.), herum „ringsherum“ N, sie waren nach Königsberg gefahren VnlP 8, Ich fahre ins Dorf JJanR 173, Ga ga ga schnattern die Gänse ins Sommerdorf Š, blickte auf die hineingewateten Sommerbewohner VnlP 40, klettert zur Oberfläche AMickKonr (MPut) 14.
Konsonantischer Stamm
tauchte ins Wasser VnlU 99, Die salzigen Tränchen fielen ins Wasser SNėrP I 267, pflegte ins Wasser VnlP 98.
Die angeführten Beispiele zeigen, dass (zumindest in der Sprache literarischer Werke) Illative vorwiegend bei Substantiven mit konkreter Bedeutung verwendet werden, deren Gebrauchshäufigkeit auch bei einem anderen mit der Ortsbedeutung verbundenen Kasus hoch ist – nämlich beim Inessiv. Beispiele für Illative solcher Substantive sind: būtan, daržan, ežeran, kaiman, kieman, kraštan, krūman, miestan, miškān, sōdan, tvārtan, urvan, daržėlin, gārlavin, kamba-rin, krēpštin, purvynėlin, vežimėlin, pasaūlin, priēangin, sändėlin, užāštin,
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Page 23ūžkrosnin, lāirpurin, āslon, bālon, dirvon, galvōn, gūžtōn, jūron, lankōn, mokyklon, pievon, trobōn, girion, pi̇kion, gātven, gerklēn, kūtēn, sālēn, ūpēn, viršūnēn, pakalnēn, pakrūmēn, palubēn, pastogēn, užstalēn, akin, ausin, pilin, pirtin, ugnin, sōdžiun, vandenin usw. Meist hat bereits der Nominativ dieser Substantive selbst eine gewisse Ortsbedeutung.
Aus alledem lässt sich jedoch noch nicht schließen, dass in der Sprache keine Neigung besteht, Illative von Substantiven mit abstrakter Bedeutung zu verwenden. Schon die Sprache literarischer Werke zeigt, dass neben den Illativen von Substantiven mit konkreter Bedeutung auch Illative von Substantiven mit abstrakter Bedeutung verwendet werden (wenn auch wesentlich seltener), z. B.: miegān, mōkslan, gyveniman, liūdesin, kalbōn, šviesōn, taikōn, tamsōn, tiesōn, viešumōn, gerovēn, gyvybēn, laimēn, laisvēn, rūstybēn, stiprybēn, atsakomybēn, begalybēn, nelaisvēn, nuosavybēn, mirtin, amžinastin, ateitin, praeitin, pražūtīn usw.
Mit anderen Worten: Die Art der lexikalischen Bedeutung eines Substantivs (ihre Konkretheit oder Abstraktheit) entscheidet noch nicht darüber, ob Illative verwendet werden können oder nicht; von der Bedeutungsart hängt lediglich die Gebrauchshäufigkeit ab. Ansonsten ist der Illativ potenziell bei fast jedem Substantiv auch in der Sprache literarischer Werke möglich. Dies wiederum zeigt die Lebenskraft dieses Kasus, die offenbar durch den Umstand gestützt wird, dass der Illativ in der gesprochenen Volkssprache selbst – in einem großen Gebiet der ostaukštaitischen Dialekte – noch ein lebendiger Kasus ist. Solange der Illativ also zumindest in der Sprache literarischer Werke eine solche Lebenskraft zeigt, können wir ihn auch in der Literatursprache insgesamt nicht als ausgestorben oder adverbialisiert betrachten, obwohl er beispielsweise in wissenschaftlichen Werken und auch in der Sprache der Zeitungen nur sehr selten verwendet wird.
Wie sehr man sich irrt, wenn man behauptet, die Illativformen der Substantive seien in der Literatursprache adverbialisiert, zeigt bereits der einfache Umstand, dass in der Sprache literarischer Werke mit ihnen ohne Weiteres Attribute möglich sind und verwendet werden: a) kongruierende (ebenfalls in Illativform ausgedrückte) und b) nicht kongruierende, z. B.:
a) in eine Stimme, in ein eigenes Land, in ein verzaubertes Land, in einen weichen Sessel, auf eine Seite, auf einen fernen Weg, in eine einzige Flöte, auf eine ebene Wiese, auf jene Wiese, in eine neu geplante Siedlung, in einen ewigen Frieden, an einen Ort, in einen grünen Hain, auf einen fernen Weg, auf eine ebene kleine Wiese, auf jene Seite, auf die entgegengesetzte Seite, in jene Stärke, in kommunistische Gleichheit, in litauisches Land, in ein fremdes Land (=fremdes), in ewiges Eigentum, auf jene Seite „auf jene Seite“, in eine klare Zukunft;
b) in den Speicher der Heimat, in meine Stimme, in den Hof von Papievis, in unseren Hof, auf die Kandidatenliste, in einen goldenen Wagen, in die Umarmung des Meeres, in das Zimmer der Spiegel, in den Vorraum des Badehauses, in meinen Kopf, in die Tiefe der Meere, in sein Nest, in Juro’s Hütte, ins Licht des Kommunismus, an seine Stelle, in die Tiefe des Geheimnisses, in das Wohlergehen des Volkes, in Tarutis’ Brust, ins Glück des Ideals, auf die Seite des Tals, in den Blutstrom, auf seinen Gipfel, an den Uferabhang des Sees, in die Unendlichkeit des Himmels, unter das Dach des Bauern,
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Page 24hinter die Gemächer, in sein Ohr, auf meine Seite „auf meine Seite zu“, in den Kampfesbrand.
Ein Attribut (kongruierend oder nicht kongruierend) ist potenziell bei jeder Illativform möglich, solange diese die Substantivkategorie noch nicht verlassen hat. Umgekehrt nimmt die Zahl der mit einem Illativ verwendeten Attribute ab, sobald ein Illativ adverbial wird. Dass kongruierende Attribute nicht möglich sind, weist bereits auf einen gewissen Grad der Adverbialisierung hin. Die Verwendung jeglicher Attribute ist unmöglich, wenn der Illativ vollständig in ein Adverb übergegangen ist.
Eine sehr eingeschränkte Verwendung von Attributen findet sich beispielsweise bei Illativen wie priekin (Jonas ging priekin hinaus und sagt Bien.), priešakin (In den Ferien fasste ich meinen Entschluss und machte einen guten Schritt nach vorn MPUtA I 167.), užpakalin (Alle drei streckten sich aus und zogen ihre Stöcke nach hinten BlnR 184.), vidun (Gleich, gleich! — rief Antanas aus der Dunkelheit zurück und lief mit einem vollen Wassereimer hinein, in sein Zimmer VnlP 53.), viršun (Als sie nach oben blickten, sahen sie etwas Blasses — jemand streckte durch die Luken eine Hand zur Erde AMickKorr(MPut) 19.).
Obwohl diese Illative überwiegend ohne Attribute verwendet werden, sind nicht kongruierende Attribute (insbesondere Genitivattribute) mit ihnen dennoch möglich. Außerdem werden neben diesen Illativen auch andere Kasusformen desselben Wortes mit derselben lexikalischen Bedeutung verwendet. Somit haben sich die Illative hier noch nicht vollständig von den Substantiven gelöst, sondern befinden sich lediglich in einem Zwischenstadium zwischen Substantiven und Adverbien.
Bei der Untersuchung des Verhältnisses des Illativs zu den Adverbien zeigen sich Tendenzen zur Adverbialisierung dieses Kasus, die auch für die Adverbialisierung anderer Kasus (darunter des Inessivs) charakteristisch sind. Den Adverbien am nächsten kommen gewöhnlich solche Illative, die die am stärksten verallgemeinerten und abstrahierten Raum- und Ortsverhältnisse ausdrücken, z. B.: laukan (Ohne etwas erreicht zu haben, eilten die Leute nach draußen ŽR III 98.), oran „nach draußen“ (Und alle gingen hinaus, um sich umzusehen TPrg.), „nach oben“ (Er (das Kind) weint, erschöpft, doch wieder hob er hinter dem Tisch den Drachen in die Luft VncIOb 90.), aukštėn (Der Belletrist sammelt die bemerkenswertesten Erscheinungen aus dem Leben der Gesellschaft und holt alle, die bis dahin verstreut und verborgen gewesen sind, ans Licht... BlnR 261.), dešinėn, kairėn (Und beide Frauen gingen nach ihrer Rückkehr nach Hause auf die gemeinsame Veranda und trennten sich, ohne einander verstanden zu haben: Jonienė wandte sich auf ihre Seite — nach links, Antonienė auf ihre — nach rechts VnlP 11.), draugėn (Es geschah wie aus Rache, dass sich alle Flämmchen zusammenfanden und, miteinander verbunden, irgendwo auf dem Dach zu tanzen begannen CvR VIII 201.), tiesėn „nach rechts“ (Lenk die Pferde tiesėn Bien.), žemėn „nach unten“ (Er merkte nicht einmal, wie er die Treppe hinunterstürzte žemėn... ŽR III 92.), „auf die Erde“ (Jonas Puodžiūnas sah sich um, lehnte sich an den Zaun und warf, nachdem er sich noch einmal vergewissert hatte, dass ihn niemand sah, mit einem Plumps die obere Stange auf den Boden VnlP 40.), šalin (Leih dir irgendeine Kleinigkeit, frag aber diskret schriftlich nach und nenne meinen Nachnamen, sag, dass ich dich geschickt habe; kauf es unbedingt zurück, und wenn du fertig bist, mach dich davon, damit niemand von außen etwas mitbekommt ŽR I 50.).
Dass die Allgemeinheit und Abstraktheit der Bedeutung die Adverbialisierung des Illativs bewirken, zeigt deutlich der Gebrauch der Form žemėn. Wenn žemėn „nach unten“ bedeutet, haben wir es mit einem Adverb zu tun, das zur Bezeichnung eines bestimmten räumlich-örtlichen
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Page 25Verhältnisses verwendet wird; in diesem Fall ist beim Illativ kein Attribut möglich (weder ein kongruierendes noch ein nicht kongruierendes). Wenn žemėn „auf die Oberfläche, auf der wir gehen; auf den Boden“ bedeutet, werden ebenfalls keinerlei Attribute verwendet, weshalb der Illativ auch in diesem Fall als Adverb anzusehen ist. Seine Adverbialität wird hier durch die Allgemeinheit und Abstraktheit der Bedeutung selbst bedingt; davon hängt wiederum ab, dass der Illativ keine Neigung zeigt, ein Attribut zu haben. Das illativische Adverb žemėn wird hier verallgemeinernd auch dann gebraucht, wenn nicht die Oberfläche eines bestimmten Erdbodens gemeint ist, sondern ganz allgemein die Oberfläche, auf der man geht – ein Fußboden, ein Pflaster, das Deck eines Schiffes usw.
In beiden hier genannten Fällen wird die Adverbialisierung des Illativs auch durch seine Bedeutung als Kasus erleichtert. Der Illativ ist wie der Inessiv von Natur aus mit dem Ausdruck von Raum- und Ortsverhältnissen verbunden, die für Adverbien charakteristisch sind. Wenn er also diese Verhältnisse ausdrückt, wird er schneller zum Adverb als jene Kasus, die von Natur aus nicht mit für Adverbien charakteristischen Bedeutungen verbunden sind.
Neben allen hier angeführten Illativen, die gerade adverbial werden oder bereits adverbialisiert sind, werden, wie schon zu sehen war, auch die entsprechenden Inessive desselben Wortes verwendet, deren Verhältnis zu den Adverbien nahezu denselben Grad erreicht wie das der Illative, z. B.: priekyje, priešakyje, užpakalyje wie auch priekin, priešakin, užpakalin, die den Adverbien nur in geringem Maße nähergekommen sind; lauke, orė wie auch laukān, orān, die fast vollständig zu Adverbien geworden sind; aikštėj „an einem sichtbaren Ort; öffentlich“, dešinėj, kairėj, draugėj, tiesėj „rechts“ Bien, žemėj(e) „auf der Erde; auf der Oberfläche, auf der man geht“, ebenso wie aikštėn, dešinėn, kairėn, draugėn, tiesėn, žemėn, die sich überwiegend in einem Zwischenstadium zwischen Substantiven und Adverbien befinden und deshalb von Sprachwissenschaftlern oft als Adverbien betrachtet werden. Die Form šalyj „daneben“, ebenso wie šalin, ist vollständig adverbialisiert. Schließlich sind auch vidujė, viršujė (viduj, viršuj) wie vidun, viršun, die ohne Attribute zur Bezeichnung allgemeinster Raum- und Ortsverhältnisse verwendet werden, zu Adverbien geworden.
Gesondert zu erwähnen sind Illativadverbien individueller Bildung, die sich vollständig von den flektierbaren Wortarten gelöst haben, z. B.: linkān (postpositionell verwendet) „in Richtung auf“ Rž, numien (numie+postpositionales n) „nach Hause“ Pgr, aplinkun „ringsum“ (Umherstreifen N.), atgaliona „zurück“ (Kehrt um, Brüderchen, zurück KlvD 264.), atgalion „ebenso“ (Wenn der Schwarm aus dem Bienenstock ausgeflogen ist, kommt er nicht mehr zurück Nč.)21, atsavōn „getrennt“ (Wenn du gehst, um einen Graben auszuheben, mach das ordentlich und getrennt Lš.), atvirsčiun „verkehrt herum, rücklings, kopfüber“ in Schriften des 16. Jahrhunderts, įredin „rechtzeitig, am richtigen Ort, wie es sich gehört“ J (Sprichst du hier denn passend (įredinai)? Šts)22, paškūn (<pasku (pasaku) + postpositionales n) „danach“ Pgr.
Einige dieser Illativadverbien individueller Bildung (z. B. linkān, aplinkun, atgaliona, atgalion, atsavōn) haben sich bereits so weit von flektierbaren Wörtern entfernt, dass sich manchmal schwer sagen lässt, aus welcher flektierbaren Wortart sie hervorgegangen sind (aus einem Substantiv, Adjektiv oder gar Pronomen?).
21 Vgl. hierzu auch atgalionai „zurück“ J.
22 įredin könnte eine Verkürzung sein (?) und entweder aus dem in derselben Bedeutung im Niederlitauischen verwendeten Adverb auf -ai įredinai oder aus einer anderen Form hervorgegangen sein.
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Page 26Auf diese Weise wird deutlich, dass es in der heutigen litauischen Sprache vergleichsweise wenige Adverbien gibt, die von Substantiv-Inessivformen abstammen. Sie zeichnen sich hier weder durch Produktivität noch durch Formenreichtum oder größere Verbreitung aus. Dieser Umstand zeigt ebenfalls, dass es völlig falsch wäre, den Inessiv in der litauischen Literatursprache und in sämtlichen Dialekten mit Ausnahme der ostaukštaitischen (und ihrer unmittelbaren Nachbardialekte) als adverbialisiert anzusehen. Wäre dieser Kasus hier adverbialisiert, so gäbe es zahlreiche Inessivadverbien, denn wie auch die ostaukštaitischen Dialektfakten noch heute bestätigen, verfügt jede flektierbare Wortart über einen Inessiv (potenziell ist in den Dialekten die Inessivform jedes flektierbaren Wortes möglich). Tatsächlich ist die Zahl der Inessivadverbien sowohl in den ostaukštaitischen Dialekten als auch in jenen Dialekten, in denen der Inessiv ganz aus dem Kasussystem verschwunden ist, und schließlich auch in der Literatursprache sehr begrenzt; und überall handelt es sich meist um dieselben Formen. Man kann daher nicht von einer Adverbialisierung des Inessivkasus als Ganzem sprechen, sondern nur von der Adverbialisierung einzelner seiner Formen in den Dialekten, in denen der Inessiv aus dem Kasussystem verschwunden ist, sowie in der Literatursprache.23
Die konkreten Sprachfakten selbst (zum Beispiel die geringe Zahl von Adverbien, die von Substantiv-Inessivformen abstammen) zeigen, dass der Inessiv als Kasus weniger adverbialisiert wird, als vielmehr verschwindet und der Präposition į mit Akkusativ-Konstruktion Platz macht. In vielen Dialekten und auch in einigen Varietäten der Literatursprache (in der Sprache wissenschaftlicher Werke, des Journalismus, der Verwaltungsschriftstücke usw.) ist er nahezu verschwunden und hat nur einige erstarrte Formen in der Kategorie der Adverbien hinterlassen.
Zahlreiche Beispiele haben jedoch gezeigt, dass dieser Kasus in der Sprache belletristischer Werke weiterhin lebendig ist, insbesondere bei Substantiven und Adjektiven. Viele Belletristikautoren verwenden den Inessiv als stilistisches Mittel mit synonymischer Funktion, um die Konstruktion aus der Präposition į und dem Akkusativ zu ersetzen. Der Gebrauch des Inessivs in der Sprache belletristischer Werke ist stilistisch motiviert. Neben der genannten Konstruktion erweitert der Inessiv die Möglichkeiten grammatischer Synonymik in der Sprache belletristischer Werke, bereichert die rhythmisch-melodischen Mittel der poetischen Sprache und verleiht außerdem der Sprache der Figuren eines Werkes lokale Färbung.
Dass der Gebrauch von Inessivformen in der Sprache belletristischer Werke und damit auch in der Literatursprache selbst stilistisch motiviert ist, lässt sich anhand konkreter Beispiele zeigen.
Inessivkonstruktionen als bestimmte syntaktische Synonyme (wobei zu berücksichtigen ist, dass in der Literatursprache neben Inessivformen häufiger Präpositionalkonstruktionen verwendet werden) setzen unsere Dichter besonders meisterhaft ein, z. B.: Jau priešas pasmerktas mirtin — Veltui dar spirtis bando. O mūsų pergalė artyn Sparnais galingais skrenda SNėrP II 262. Baltą žąsį kelia Aukso vežiman: Vežkitės martele, Dukružėle man! SNėrP. I 260. Ašarėlės šūrios krito vandenin — Jos mane užbūrė Kerinčia ugnim ib 267. Sotiems gamta svajones tvėria, Skaidrion vilioja ateitin, O jis... ant
23Adverbialisierte einzelne Inessivformen gibt es selbstverständlich auch in jenen Dialekten, in denen dieser Kasus im Kasussystem erhalten geblieben ist.
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Page 27haklo virve neria, Nes batas štumia jį mirtin JJ anR 61. Įsako pulti kartot neteko: Šokom kaip vienas, puolėm atakon LGR 116.
Wie stark der Gebrauch der Inessivformen in den hier angeführten Beispielen stilistisch und rhythmisch-melodisch motiviert ist, lässt sich schon daran erkennen, dass man versucht, sie durch Präpositionalkonstruktionen zu ersetzen. Wenn hier auch nur kurze Textausschnitte – einzelne Sätze – die stilistische und rhythmisch-melodische Motivierung der Inessivformen erkennen lassen, so würde der Kontext (der aus Platzgründen hier nicht wiedergegeben wird) dies noch deutlicher veranschaulichen. Natürlich kann das Talent eines Schriftstellers auch Präpositionalkonstruktionen ebenso lebendig, bildhaft und klangvoll gestalten wie Inessivkonstruktionen. Doch können sie einander nicht immer ersetzen.
Aufgrund ihrer vergleichsweise engen semantischen Verbindung mit Adverbien drücken Inessivformen häufig dann, wenn es der sprachliche Kontext erfordert, allgemeinere, abstraktere und subtilere lokale Beziehungen aus als Präpositionalkonstruktionen, z. B.: Tokios kalbos Tarutį dar labiau liūdesin ginė CvR VIII 132. Dangiškai žydros jo akys... žiūri prieš save, įsimerkusios tolybėn ŽR 155. Ir vėl dainų šalis gyvybėn kelias LGR 142. Sykiu su jos (Monikos) dejavimo žodžiais pradėjo kirsti stiklan ledai. Keli gabalėliai nupuolė aslon CvR VIII 107. (Monikos) akys dar giliau įdubo veidan ib 100. Juras pasakodavo visų patyrimų iš astronomijos, kraudamas berniuko galvon tas negausias mokslo tiesas, įgytas jo atsitiktinai, iš laikraščio ib 140. Berniukas, sukisęs burnon kumštelę, žiūrėjo čia į karvę, čia į tėvą ib 230. Visi trys išsitempė, traukdami užpakalin savo pagalius BlnR 184. Plg. čia taip pat liaudies šnekamosios kalbos pasakymą Pilvą taip sopa, kad net gabanon riečia Vs.
Präpositionalkonstruktionen würden in diesen Äußerungen die ausgedrückten lokalen Beziehungen unnötigerweise auf eigenartige Weise verkomplizieren und sie weniger allgemein und subtil machen, als sie durch Inessivformen ausgedrückt werden.
In anderen Fällen werden Inessivformen in der Sprache belletristischer Werke verwendet, um ein Aufeinandertreffen von Präpositionalkonstruktionen oder andere Phänomene zu vermeiden, die den Wohlklang der Sprache beeinträchtigen (Alliteration, Dissonanz usw.), z. B.: „Ji (Monika) matė vyresniojo vaiko, Kaziuko, šviesią galvą, pasinėrusią pievoje, ir galvojo, kad laikas būtų įstatyti jį mokslan CvR VIII 137. ji buvo pasukusi į kalnan vedantį vieškeli ib II 108. laukia tik progos ilisti gimnazijon į jo vietą ib 134. Mačiusiųjų paskalų, dūmas įsigavo vidury didžiosios salės, iš laužan suverstų popierių ir knygų ib 153. Vienas pats tėvas pernešė negyvą sūnų užkrosnin, į atitrauktą lovą ib VIII 179. Ant kelių, vieškelių išstatė jie sargybas, užėmė valsčių būstines ir telkiasi į pulkus eiti Kaunan ib 236. Anksti rytę Darulis atsikėlęs suvalgydavo pusryčius prastus ir, pasikinkęs palvį vežimėlin, į darbą išvažiuodavo niaurus MntvR 187—188. į... seminariją Kaunan nuvešime VnlP 31.
Mitunter bildet ein erstarrter, aber keineswegs adverbialisierter Inessiv mit bestimmten Verben phraseologische Verbindungen, die sowohl in der gesprochenen als auch in der geschriebenen Sprache verwendet werden. In solchen Verbindungen ist man gewöhnlich nicht geneigt oder gar nicht in der Lage, den erstarrten Inessiv durch Präpositionalkonstruktionen zu ersetzen. Vgl. die Verbindungen: traukti tieson, patraukti tieson,
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Page 28zur Verantwortung ziehen, zur Verantwortung heranziehen, in Eigentum übergehen usw.
All dies zeigt hinreichend deutlich, dass der Gebrauch des Illativs in der heutigen Sprache, insbesondere in der Sprache literarischer Werke, nicht nur stilistisch und rhythmisch-melodisch motiviert ist, sondern der Illativ manchmal nicht einmal durch die Konstruktion aus der Präposition „į“ und dem Akkusativ ersetzt werden kann.
Aus genau diesen Erwägungen verzichten viele Literaturschaffende auch nicht auf die Illativform. Besonders häufig wird der Illativ in der Sprache der Schriften von Petras Cvirka verwendet, obwohl dieser Kasus im heimischen Dialekt des Schriftstellers nicht mehr lebendig ist.
Das Beispiel des vergleichsweise intensiven Gebrauchs des Illativs in der Sprache der Schriften von Petras Cvirka zeigt deutlich, dass ein in einem großen Dialektgebiet und teilweise auch in der Schriftsprache schwindendes oder ganz verschwundenes grammatisches Phänomen (gemeint ist der Illativ), wenn es von einem Literaturschaffenden aus stilistischen Gründen verwendet wird, wiederauflebt und in neuen Farben erstrahlt. Daher darf der lebendige Gebrauch des Illativs in der Sprache literarischer Werke keineswegs als künstliche Wiederbelebung einer schwindenden Form angesehen werden: Durch diesen meisterhaft verwendeten Kasus wird hier vielmehr die Syntax literarischer Werke bereichert; in bestimmten Fällen werden die Ortsverhältnisse im Satz allgemeiner (wo dies erforderlich ist), ausdrucksvoller und nuancierter bezeichnet.
Doch auch in der Sprache der Werke von Schriftstellern, die den Illativ häufig verwenden, ist die Konstruktion aus der Präposition „į“ und dem Akkusativ wesentlich häufiger. Sie erweist sich in der heutigen litauischen Sprache als außerordentlich vital, gewinnt fortwährend neue Bedeutungen und übernimmt immer neue Funktionen und hat den alten Illativ in vielen Dialekten und in der Schriftsprache bereits ersetzt und verdrängt. Der Wettstreit zwischen dieser Konstruktion und dem Illativ dauert bis heute an, meist zugunsten der ersteren. Wenn die Präpositionalkonstruktion auch in der Sprache literarischer Werke die Oberhand gewinnt, besteht kein Zweifel, dass der Illativ auch dort auf längere Sicht als lebendiger Kasus verschwinden wird: In selteneren Fällen wird er zu Adverbien, meist aber der Konstruktion aus der Präposition „į“ und dem Akkusativ weichen.
Beide Tendenzen (die Adverbialisierung der Illative und ihr Schwinden) sind in der heutigen litauischen Sprache hinreichend deutlich ausgeprägt. Bei der Betrachtung der Entwicklung des Illativs dürfen diese Tendenzen keineswegs miteinander vermengt werden. Das Schicksal des Illativs in der litauischen Sprache lässt sich nicht allein durch seine Adverbialisierung erklären, denn der Prozess der Adverbialisierung dieses Kasus ist selbst nicht intensiv, und vollständig adverbialisierte Illativformen gibt es, wie bereits erwähnt, nicht besonders viele.
3. Der gegenwärtige Adessiv (Adessiv)
Wie alle Lokalkasus nähert sich auch der Adessiv semantisch und syntaktisch stark den Adverbien an, indem er Ortsverhältnisse ausdrückt und im Satz meist als lokale Bestimmung fungiert. Mit ihm beantworten wir die Fragen: bei wem, wobei ist, wirkt, geschieht etwas? Dieser Kasus bezeichnet also ebenfalls Ortsverhältnisse, die hervorheben, dass sich das durch ihn bezeichnete (grammatisch verstandene) Ding außerhalb und nicht im Inneren befindet.
3. Lietuvių kalbos gramatinė sandara
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Page 29Man nimmt an, dass der Singular-Adessiv der Substantive aus dem alten nichtpostpositionalen Inessiv (dessen a-stämmige Beispiele adverbialisierte Formen wie artiė, toliė, namiė sein können) und der Postposition -pi (: piė „bei“ in Grv, ebenso lett. pie „bei“ und pie-) < ide. *pei24 gebildet ist.
Eine solche Bildung lässt sich gerade bei den Formen des (i)a-Stamms gaidiep, grabiep, miškiep, tėviep leicht erkennen, die aus den alten nichtpostpositionalen Inessiven *gaidie, *grabie, *miškie, *tėvie und der Postposition -p(i). hervorgegangen sind.
Doch die Dialekte, in denen der Adessiv erhalten geblieben ist, haben bei den Formen des (i)a-Stamms nicht immer den Diphthong ie vor der Postposition -p: In Lazūnai und Zietela kommen neben -iep auch Formen auf -ip vor. Die erste Wortendung (-iep) weisen in diesen Dialekten meist die Adessivformen mit Endungsbetonung auf (arkliep, vaikiep, veršiep), die zweite (-ip) dagegen die ohne Endungsbetonung (brolip, senip, vyrip, bočiulip).
Die Singular-Adessive des (i)a-Stamms unterscheiden sich im Wortauslaut erheblich von den Adessiven des (i)o-Stamms, da auch die nichtpostpositionalen Inessivformen der Substantive dieser Stämme unterschiedlich waren. Die Adessivformen der Substantive des o-Stamms im Alt-Litauischen haben die Endung des nichtpostpositionalen Inessivs vor der Postposition -p(i): bobai-p, mergai-p, momai-p bewahrt. Dies bestätigen Inessive anderer indogermanischer Sprachen: lat. Romai, Romae „in Rom“, griech. dial. ’Ολυμπίαι „in Olympia“, kirchenslaw. rybĕ, rǫcĕ, nǫdzĕ, mušĕ; diese zeigen zugleich, dass die Inessivendung der Substantive des litauischen o-Stamms -ai ein Erbe sehr ferner Epochen ist, da der Diphthong in anderen indogermanischen Sprachen hier bereits vor Jahrtausenden entweder unversehrt war (Latein, Griechisch) oder sich verändert hatte (Altslawisch).
Insgesamt muss hier das hohe Alter der Bildung der Adessive ebenso wie das der anderen postpositionalen Kasus des Litauischen hervorgehoben werden. Dies zeigt uns anschaulich die Betonung. Neben der Form rañkai-p(i) steht die Form mergái-p(i). Daraus folgt, dass sich die Postposition noch in jener Zeit an den alten Inessiv anfügte, als dieser die altindogermanische Betonung bewahrt hatte25.
Daraus ist also ersichtlich, dass der Adessiv der litauischen Substantive des o-Stamms in den Dialekten, in denen er bis heute als Kasus erhalten ist, auf -aip endet. Dieselbe Wortendung haben hier auch die Substantive des io-Stamms, vgl. žmėjap (Nominativ Singular žmėja aus dem Weißrussischen зьмеи Aru 33). Im Lazūnai-Dialekt, aus dem dieses Beispiel stammt, ist das Adessiv--ap aus -aip verkürzt. Der Adessiv der Substantive des ė-Stamms endet auf -eip, wobei -ei vor der Postposition -p(i) ebenfalls nichts anderes als die alte Endung des nichtpostpositionalen Inessivs ist, vgl. dešinei-pi26. In Lazūnai -eip < -ep.
Die Bildung der Adessive von Substantiven anderer Stämme ist stark durch Analogievorgänge beeinflusst. Die Adessive der i- und der konsonantischen Stämme enden gewöhnlich auf -ip, die des u-Stamms auf -up: ugnip, širdip, akmenip, sūnup. Der Adessiv der Substantive des iu-Stamms wird mancherorts nach Analogie des ia-Stamms gebildet; seine Wortendung lautet -ip neben dem üblichen -up (nach einem palatalisierten Konsonanten).
Höchst interessant ist, dass beispielsweise im Dialekt von Gervėčiai der Adessiv (ebenso wie der Allativ) nicht mit der Postposition -p(i) gebildet wird, wie etwa im Dialekt von Lazūnai
24 J. Endzelīns, Baltu valodu skaņas un formas, p. 143—144 ir K. Būga, Kalba ir senovė, I d., Kaunas, 1922, p. 275.
25 Siehe „Iš K. Būgos palikimo“, „Archivum Philologicum“, Bd. 1, Kaunas, 1930, S. 66—67.
26 J. Endzelīns, Baltu valodu skaņas un formas, p. 128.
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Page 30und im Zietela-Dialekt, und mit -k, z. B.: a-Stamm: žū́riek, paš̌iek, berniek; io-Stamm: žvirblik, kiškik, arklik; o- und ē-Stämme: vārnak (< vārnaik), vištak, žmonāk (< žmonāik), mergāk, gērvek (< gērveik), katēk (< katēik); a-Stamm: usnik, ānglik, širdik, žąsik; (i)u-Stamm: karālik, sūnūk || sūniek; konsonantischer Stamm: šunik27. Eine solche Postposition kommt weder in den alten Schriftzeugnissen noch in anderen Dialekten vor. Zur Erklärung ihres Ursprungs liegen vorerst in keiner baltischen Sprache Daten vor. Nur hypothetisch ließe sie sich mit der altslawischen Präposition kъ, russ. к, in Verbindung bringen. Der Ursprung dieser Postposition ist auch deshalb unklar, weil in dem Dialekt, in dem sie vorkommt, die Präposition piè weiterhin weit verbreitet gebraucht wird, die wahrscheinlich die Postposition -p(i) hervorgebracht hat.
Nach diesen kurzen Bemerkungen zur Bedeutung, Herkunft und Bildung des Adessivs stellen sich uns hier vorerst die besonders wichtigen Fragen: In welchem Verhältnis steht dieser Kasus zu den Adverbien, und in welchem Maße ist der Adessiv im heutigen Litauischen adverbialisiert?
Die Antworten auf diese Fragen sind im Gebrauch des Adessivs selbst zu suchen. Zunächst ist festzuhalten, dass der Adessiv in den Dialekten von Gervėčiai, Lazūnai und Zietela im Singularparadigma erhalten geblieben ist; bei den Pronomen werden auch Adessivformen des Plurals verwendet. Daher können die Formen dieses Kasus hier keineswegs als Adverbien gelten, insbesondere weil sie häufig sogar mit kongruierenden Attributen gebraucht werden, die den Kasuscharakter des Adessivs noch stärker hervorheben, z. B.: savām rōdnam̄ bočiulip Zt, taip mergāip ib, svetimāip momāip ib. Doch selbst in Zietela, wo die Singularformen des Adessivs phonetisch am besten erhalten sind, gibt es außer den pronominalen keine pluralischen Formen mehr. Die Funktionen des pluralischen Adessivs hat hier, wie auch in anderen Dialekten, der Inessiv übernommen.
All dies zeigt deutlich, dass der Adessiv in den genannten Dialekten ein schwindender Kasus ist, wie er es auch in den Schriftzeugnissen des 16. Jahrhunderts gewesen war. Das Schwinden der Adessivformen ist nicht dasselbe wie ihre Adverbialisierung. Wären dies identische Erscheinungen, müssten wir in den Dialekten, in denen der Adessiv verschwunden ist, eine Vielzahl adessivischer Adverbien vorfinden. Tatsächlich ist das nicht der Fall. Selbst in den ost-dzūkischen Dialekten (z. B. in Dieveniškės), wo der Adessiv wahrscheinlich später als anderswo verschwunden ist, gibt es äußerst wenige adessivische Adverbien – nur vereinzelte.
Der Adessiv neigt also eher zum vollständigen Schwinden als zur Adverbialisierung. Die wichtigste Ursache für das Schwinden des Adessivs (wie auch anderer postpositionaler Kasus: des Illativs und des Allativs) war und ist die Erweiterung der Bedeutungen und Funktionen der Präpositionen sowie die immer stärkere Durchsetzung präpositionaler Konstruktionen.
So zeigt sich, dass der Adessiv, der aus einer postpositionalen Konstruktion hervorgegangen ist, die bereits für die vorgeschichtliche Periode der litauischen Sprachgeschichte charakteristisch gewesen sein muss, dem Druck präpositionaler Konstruktionen nicht standhalten konnte und allmählich als Kasus schwand. Seine Funktionen wurden von präpositionalen Konstruktionen übernommen.
Heute ist das Schwinden des Adessivs so weit fortgeschritten, dass in manchen Dialekten von diesem Kasus (zumindest mit der Postposition -p(i)) keine Spur mehr geblieben ist, nicht einmal
27 P. Arumaa, Litauische mundartliche Texte aus der Wilnaer Gegend mit grammatischen Anmerkungen, Dorpat, 1930, p. 57.
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Page 31eine einzige seiner adverbialisierten Formen. Dasselbe lässt sich auch vom Schicksal des Adessivs in der Literatursprache sagen. Schon dies allein zeigt deutlich, dass für die Entwicklung des Adessivs weniger die Adverbialisierung als vielmehr das Schwinden kennzeichnend ist.
Nur in außerordentlich seltenen Fällen lässt sich das eine oder andere substantivische Adverb adessivischen Ursprungs finden, sowohl in den Dialekten, in denen dieser Kasus schon lange ausgestorben ist, als auch in der Literatursprache, z. B.: galiep „schließlich“ (Ant galiep galo atėjo Užv.), galyp „ebd.“ LKŽ „G“, nakťiep (Dieną dienop nuo griautuvų virsta mūrai ir bokštai, Naktį naktiep rausia žemę griaunančios minos, kaip kurmiai AMickKonnr (MPut) 50.), namiep(i) RŽ, šaliep JbL 102, šalip ebd., LKŽ „G“, TŽ V 130, Llkž, RŽ, TPrg, LzPR.
Diese wenigen adessivischen Adverbien erfüllen im tatsächlichen Gebrauch häufiger die Funktion allativischer Adverbien (galiep, galyp – anstelle von galóp, vgl. auch nãkti naktiep neben dieną dienóp). Eine solche Funktionsverschiebung bezeugt gerade jene Entwicklungsphase des Adessivs, in der sein Kasuswert im Bewusstsein des Sprechers völlig verblasst ist. Nur durch den völligen Verlust des Bewusstseins für die Bedeutung des Adessivs und des Allativs lässt sich hier der Gebrauch solcher ungewöhnlichen, künstlichen Verbindungen wie dieną dienóp, nãkti naktiep erklären, mit denen der Übersetzer des „Konrad Wallenrod“ der Übersetzungssprache eine archaische Färbung verleihen möchte.
4. Der allative Bewegungsrandkasus (Allativ)
Dieser Kasus (wenn man das Substantiv im Blick hat) bezeichnet eine Person oder Sache, der bzw. der man sich nähert, zu der bzw. zu der man geht, schreitet, sich bewegt oder sich hinwendet. In den alten Schriften kommen als Allativformen etwa folgende Formen vor: tėvop, motinosp, žemiesp, sūnausp, seseresp usw. Der Allativ ist also ebenso wie der Adessiv mit der Postposition -p (< -pi < -pie)²⁸ gebildet, nur ist diese hier an einen anderen Kasus angefügt, nämlich an Formen des Genitivs (sowohl im Singular als auch im Plural).
Die Pluralformen des Allativs haben vor der Postposition -p(i) den Nasalkonsonanten (m) bewahrt. Daraus ist ersichtlich, dass dieser Kasus entstand, als in der Pluralgenitivendung noch -n vorhanden war. Doch allein das ist kein Anzeichen für ein besonders hohes Alter des Allativs, denn tatsächlich war der Nasallaut -n in der Pluralgenitivendung noch vor vergleichsweise nicht allzu langer Zeit vorhanden. Das sehr hohe Alter des Allativs zeigt sich eindeutig in der Betonung solcher Singularformen wie miškóp, namóp, stalóp, in denen der Akzent auf der Endung bewahrt ist. Die Genitive von Substantiven wie miškas, nāmas, stālas, die einen alten Endungsakzent aufweisen, werden heute auf dem Stamm betont (miško, nāmo, stālo). Das heißt, die Allativformen miškóp, namóp, stalóp wurden aus den Singulargenitiven gebildet, bevor der Akzent in diesen Formen von der Endung auf den Stamm zurückgezogen wurde, also noch in urgeschichtlicher Zeit, bevor der Akzent nach dem bekannten Saussure-Fortunatov-Gesetz vom Stamm auf die Endung wechselte.
Sowohl in den Schriften des 16.–17. Jahrhunderts als auch in den heutigen Dialekten, die den Adessiv noch bewahrt haben, ist der Allativ der Substantive unter allen Lokalkasus am schwächsten erhalten.
28. Im Dialekt von Gervėčiai ist der Allativ, wie bereits erwähnt, aus dem Genitiv und der Postposition -k gebildet, z. B.: Ich verspreche, nach Sturliók, Galiniók, Misiuliók zu gehen (zu Šturli, Galini, Misiuli).
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Page 32Neben der bereits erwähnten Konkurrenz durch Präpositionalfügungen müssen auch phonetische Faktoren berücksichtigt werden, die das Schwinden der -pi-Kasus (Allativ und Adessiv) beschleunigt haben könnten. Solche phonetisch in die Literatursprache „übertragenen“ Äußerungen aus dem Dialekt von Lazūnai wie ich habe dir dein Kalb hergebracht, ich habe dir das Gras ans Ohr gelegt, der Bär lief zum Fluss hinunter, ein Mädchen spricht mit einer anderen, zu deinem Sohn zurückkehren zeigen, dass bei den Formen tavęs, žolės, upės, kitós, sūnaus nach dem Laut -s die Postposition -p(i) abgefallen ist. Im Grunde sind hier also nur die ersten Bestandteile des Allativs erhalten geblieben – die Genitivformen. Die postpositionale Endung -p bleibt im Dialekt von Lazūnai gewöhnlich in solchen Allativformen erhalten, deren erster Bestandteil (ausgedrückt durch den Genitiv) nicht auf den Laut -s endet. Damit zeigt sich gerade im Dialekt von Lazūnai ein außerordentlich wichtiger phonetischer Faktor, der erklärt, warum der Allativ (ebenso wie der andere mit der Postposition -p(i) gebildete Kasus, der Adessiv) in vielen anderen Dialekten schon vor vergleichsweise langer Zeit verschwinden konnte, obwohl diese Kasus in den Schriften des 16.–17. Jahrhunderts noch recht häufig waren. Aus phonetischen Gründen (wahrscheinlich aus Gründen der leichteren Aussprache) fällt -p (< -pi < -pie) nach dem Laut -s im Allativ ab, später auch nach dem Laut -m (vaikump, manimp, didžiamp) im Allativ und Adessiv. Nach dem Wegfall der postpositionalen Endung -p werden diese Kasus syntaktisch mehrdeutig, lassen mehrere Deutungen zu oder sind sogar völlig unverständlich. Doch so etwas darf es in einer Sprache nicht geben; Formen, die den Sinn verdunkeln oder unverständlich sind, können sich in ihr nicht halten. So konnten die durch phonetische Faktoren verkürzten und dadurch an syntaktischer Klarheit eingebüßten Allativ- und Adessivformen aus der Sprache verschwinden und expressiveren Formen und Konstruktionen Platz machen. Selbstverständlich konnten solche Formen auch nicht adverbialisiert werden.
Es ist daher kein Zufall, dass die in der Schriftsprache und in jenen Dialekten vorkommenden adverbialisierten Allativformen, in denen die mit der Postposition -p(i) gebildeten Kasus längst ausgestorben sind, vor der postpositionalen Endung -p meist einen Vokal aufweisen: amžinóp, atgalióp, atpakalióp, geróp, namóp, vakaróp usw. Interessant ist, dass die allativische (gerichtete Rand-)Bedeutung der Adverbien in der heutigen Sprache lebendiger ist als ihre adessivische (lokative Rand-)Bedeutung; daher erfüllen sogar solche Adverbien adessivischen Ursprungs wie galiep, galyp, naktięp, namiep(i), šaliep, šalip häufiger die Funktion allativischer Adverbien. Das heißt, auch die ohnehin spärlichen Überreste des adverbialisierten Adessivs sind funktional nicht von allativischen Adverbien zu unterscheiden. Daher sterben in der heutigen Schriftsprache und den Dialekten (mit Ausnahme der östlichsten Dzūken und der Sprachinsel Zietela) sogar die adessivischen Adverbien allmählich aus, ganz zu schweigen vom Adessiv selbst als Kasus, der schon längst ausgestorben ist.
Im Gegensatz dazu weisen allativische Adverbien eine etwas größere Lebenskraft auf (obwohl der Allativ als Kasus selbst sogar in den erwähnten litauischsprachigen Sprachinseln am schwächsten erhalten ist) und werden sowohl in der Schriftsprache als auch in Dialekten, in denen die mit der Postposition -p(i) gebildeten Kasus bereits ausgestorben sind, etwas breiter und häufiger verwendet, z. B.: dangospį „zum Himmel, himmelwärts“ (Und der Litauer ruft nicht himmelwärts... LGR 270.), dienóp „am Tage“ (Am Tage, tagsüber, stürzen durch die Kanonenschüsse Mauern und Türme ein... AMickKonr (MPut) 50.), dievóp (Andernorts zog ein halb wie ein Priester gekleideter Mann durch die Dörfer und rief die gutwilligen Katholiken zu Gott, um Spenden für die Glocken der Kathedrale zu sammeln, CvR VIII 191.), galópi „zum Ende hin, gegen Ende, schließlich“ (Zuerst kommt die Stimme aus weiter Ferne, dann immer schneller und schließlich sehr schnell Blv. Wie im offenen Feld der Wind, [Valteris] muss umherstreifen pa-
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Page 33sauly, Smurtaut, žudyt ir galopi žūti mirtim išdaviko AMickKonr (MPut) 55.), galóp „ebd.“ (Jau viskas eina galop Jb. Jijė, gaspadinė, galop varo mane, t. y. stramužija, muštruoja J. Karas kaip karas, o maras, kaip nori taip suk — baisiaи kaip karas, — galop ištarė seniausiasis žmago-ras Gud-GuzB I 19. Galop, jei visi augalai būtų lygūs, tai kas gi juos apgintų nuo kaitros, nuo audros, nuo šiaurės vėjo?.. VnlU 90.), mirióp „tödlich“ Llkž, mirióp „ebd.“ (O kas jau pradeda girtuokliauti, tasai daugiausia ir miriop nusigeria SimnA 146.), myrióp (nušalti, pasmerkti) Llkž, namópi „nach Hause“ (Grįžk namopi sutemoj LGR 168. Grįžk, medžiokli, namopi... AMickKonr (MPut) 47.), namóp „d. h.“ Llkž, pavakarióp „gegen Abend“ Llkž (Pavakariop koridoriuje triukšmas truputį nuščiuvo, vien tik prižiūrėtojos laksto, juokiasi, raktais žvangina ŽR III 307.), pavakaróp „ebd.“ ŽR I 117, pavasarióp „gegen Frühling“ Rž, Llkž, ŽR IV 48, MontyR 13, CvR VII 34 (Sargaliojusi žiemą Monika pavasariop su- gijo, bet po naujo, ketvirto iš eilės, alpulio ji atkrito ir daugiau nebeper- žengė namų slenksčio CvR VIII 234.), rytóp „gegen Morgen“ Rž, rudenióp „gegen den Herbst“ ib, Llkž, ŽR II 251, IV 74, CvR VII 38, VIII 56, 138, 201, IX 154, BlnR 42, MPutA II 15, VnlU 164 (Rudeniop, prasidėjus gruodams, į virtuvę susigrūdo daiktai ir žmonės, šaltesnėmis dienomis kovodami dėl pirmos vietos prie ugnelės CvR II 113), rudenóp „ebd.“ Llkž, ŽR I 262, III 247, IV 375, 410 (Vasara buvo karšta ir sausa; bet rudenop linkui, kaip dienelė per šmotą jau patrumpėjo, tuomet ir lytus tankiau lankytis pradėjo ŽR II 228.), vakaróp „gegen Abend“ Llkž, Rž, ŽR I 239, II 480, CvR III 125, VI 272, IX 73, VnlU 17, 121, MPutA III 35, Gud-GuzB II 162, Kpn (Tlpr 99) (Dabar vakarop manęs telauk... parvešiu ką norint nuo matušės ŽR I 226.), vasaróp „weiter in den Sommer hinein“ (Vis jau vasarop, vis jau nebe taip šalta, kaip žiemą Llkž. jau... didžiau vasarop linkuo, vienok pavaka- rėlis toks pat gražus ir tyrkus ŽR I 194.), velnióp „zum Teufel“ Llkž, TDDėdes 84, ŽR I 249, Gud-GuzB I 120 (O dabar, ponas, — keliaukite! Traukitės velniop! Girdite?! CvR VIII 191.), žiemóp „gegen den Winter“ Llkž.
Wie die Beispiele zeigen, finden sich Allativadverbien häufiger in der Sprache literarischer Werke. Ihr Gebrauch ist hier meist stilistisch oder rhythmisch-melodisch motiviert. Bisweilen begnügt sich ein literarischer Autor, der seiner Sprache einen archaischen Anstrich verleihen möchte, nicht mit den in der Literatursprache seiner Epoche vorhandenen Allativadverbien, sondern verwendet gelegentlich auch den Allativ als Kasusform. So bereichert V. Mykolaitis-Putinas beim Übersetzen von A. Mickevičius’ „Konrad Wallenrod“ die Sprache der Erzählung des Barden neben den Allativadverbien galopi, namopi²⁹ auch durch weitere Archaismen wie kalnоп „auf den Berg“ (Vos tik saulė tekėjo, aði pagrunda ka- nопos, Ryto migloje dvieje skuba kalnop raitininku AMickKonr (MPut) 54.), kiemopi „in den Hof“ (Dūmai trenkė į rūmą, mes išbėgom kiemopi ib 45.) und andere.
So auf besondere Weise an einer bestimmten Stelle des Kontexts und in bewusster schöpferischer Absicht wiederbelebte tote Formen werden natürlich nicht zu Adverbien. Sie
²⁹ Der Übersetzer scheint auch diese Adverbien noch archaischer färben zu wollen, indem er am Ende -i beibehält.
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Page 34sind, ebenso wie solche Allative der Sprache des 16.–17. Jahrhunderts galybėsp, intai- symop, išganymop, keliop, prisakymopi, pulkop, skaitytojop, stalop, sūnauspi, tėvapi (=tėvopi), žodžiop usw., nichts anderes als Substantive. Folglich ist auch von den Allativen nur ein verhältnismäßig kleiner Teil zu Adverbien geworden.
Obwohl Allativadverbien etwas zahlreicher zu sein scheinen als Adessivadverbien, bilden auch sie keinen stabileren und produktiveren Typ, auf dessen Grundlage neue Wörter gebildet werden könnten. Schon die Beispiele haben gezeigt, dass sich nahezu jedes Allativadverb leicht durch andere sprachliche Mittel ersetzen lässt, insbesondere durch die Konstruktion mit der Präposition į und dem Akkusativ. Damit erklärt sich ihre geringe Verbreitung in der Gegenwartssprache.
Den Adverbien, die aus dem nominalen Singularallativ hervorgegangen sind, stehen hinsichtlich ihrer Bildung und Semantik die adjektivischen Bildungen sehr nahe; deshalb seien sie hier neben den ersteren erwähnt. Adjektivische Bildungen dieses Typs kommen in der Gegenwartssprache noch seltener vor als substantivische und ziehen sich ebenfalls meist aus dem aktiven Wortschatz zurück, wobei sie häufiger gebrauchten Adverbien Platz machen. Schon ihre Beispiele – amžinóp „ewig“ (Tas žmogus... atsigulęs ir užmigęs a m ž i n o p LC 1884, 1.), atgalióp „zurück“ (Atgrįžti veidą a t g a l i o p rš., a t g a l i o p pašlijo AMickKonnr (MPut) 39.), atpakalióp „ebd.“ (Eik a t p a k a l i ó p į namus Skdv.), geróp „zum Guten, zum Besseren“ Dv, ilgainop „im Laufe der Zeit“ srš – zeigen, dass es sich auch hierbei um Überreste vergangener Epochen handelt. Sie sind aus der Genitivform eines Adjektivs (möglicherweise eines substantivierten) und der Postposition -p gebildet: amžinóp (: ámžinas, -à), atgalióp (: ãtgalias, -ià), atpakalióp (: ãtpakalias, -ià), geróp (: gẽras, -à).
Von ihnen hebt sich nur ilgainop ein wenig ab. Daneben gibt es in der Gegenwartssprache kein entsprechendes Adjektiv *ilg ainas, -a; nur vermutungsweise lässt sich behaupten, dass es ein solches Adjektiv einst in der Sprache gegeben hat.
Bei der Zusammenfassung der Analyse zur Adverbialisierung der Singular-Lokativformen, in der ihre Bedeutung, Bildung, Verwendung und ihr Verhältnis zu Adverbien sowie der Prozess der Adverbialisierung behandelt wurden, ebenso wie Bedeutung, Bildung und Verwendung der Ergebnisse dieser Adverbialisierung – der Lokativadverbien selbst –, werden uns die nachstehenden Schlussfolgerungen helfen.
1. Obwohl die Lokativformen mancher Wortarten (zum Beispiel der Substantive) sich in ihrer Bedeutung und syntaktischen Funktion den Adverbien stark annähern, ist der Prozess der Adverbialisierung von Lokativformen in der Gegenwartssprache des Litauischen nicht aktiv. Die heute vorkommenden Lokativadverbien (insbesondere Adessiv-, Allativ- und Illativadverbien) sind somit meist ein Erzeugnis der sprachlichen Entwicklung vergangener Epochen.
2. In der Gegenwartssprache des Litauischen gibt es Inessive zweierlei Herkunft und morphologischer Zusammensetzung: postpositionale und nichtpostpositionale. Zu Beginn der Herausbildung der postpositionalen Inessive erfüllte *en die Funktion einer Postposition. Diese Postposition verschmolz im Laufe der Zeit vollständig mit dem Kasus selbst und wurde abgeschwächt oder fiel weg. Von beiden Inessivtypen hat sich im heutigen Kasussystem nur der postpositionale Inessiv durchgesetzt. Postpositionale Inessive von Substantiven, mit denen stärker verallgemeinerte, abstr-
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Page 35… beruhigte Orts-/Raum- oder Zeitbegriffe, vgl. die Adverbien: vakarė, laukė, orė, rytój (< rytóje), aplinkój „ringsum“, apčiūpoj „im Dunkeln, sich herumtastend“, (intimój) (įtimpoj) „ununterbrochen“, apačioj, palaidžioj „im Halbschlaf“, pradžioj, dešinėj, draugėj, kairėj, savėj „unter den Seinen, den Nahestehenden“, bąsčiautei, vienõmarškinei, vienõplaukei, šalyjė „daneben“, vidujė, viršujė. Im Allgemeinen neigen die Endungen des postpositionellen Inessivs nicht dazu, zu Ableitungssuffixen für Adverbien zu werden.
3. Schon in grauer Vorzeit zeigt die Endung -ie des nichtpostpositionellen Inessivs, der aus dem Flexionssystem ausgeschieden ist, im žemaitischen Dialekt eine gewisse Tendenz, zu einem Ableitungssuffix für Adverbien zu werden, das nicht nur substantivische, sondern auch adjektivische, pronominale und partizipiale Ableitungen umfasst (ankstie, artie, namie, tolie, šaltie, šiokie, dūlkantie...). Neben dem Format -ie ist auch ein weiteres Formans zu erwähnen, das (aus der Endung des nichtpostpositionellen Inessivs) hervorgegangen ist: -i (vgl. anksti, arti, toli), das völlig unproduktiv und nicht mehr vital ist und nur in wenigen, dafür aber außerordentlich verbreiteten und intensiv gebrauchten Formen erhalten geblieben ist.
4. In der Schriftsprache des 16.–17. Jahrhunderts sowie in den heutigen ostaukštaitischen Dialekten ist der aus dem Singular-Akkusativ und einer Postposition entstandene Singular-Illativ im Flexionssystem fest verankert. Eine beträchtliche Zahl von Illativformen wird auch in der heutigen litauischen Standardsprache verwendet. Es gibt keinerlei Grund, sie alle als adverbialisiert zu betrachten. Sowohl in allen litauischen Dialekten als auch in der Standardsprache sind nur wenige Illativformen adverbialisiert; gewöhnlich handelt es sich um solche, mit denen besonders verallgemeinerte und abstrahierte Orts-/Raumbeziehungen oder die Art und Weise eines Handlungszustands ausgedrückt werden, vgl.: laukan, oran, dešinėn, kairėn, draugėn, tiesėn „nach rechts“, žemėn „nach unten, auf die Erde“, šalin, vidun, viršun, linkan, aplinkun, atgalion, atsavõn „abgesondert“, įredin „rechtzeitig, am richtigen Ort, wie es sich gehört“, pāskūn.
5. In der Geschichte der litauischen Sprache wird der Illativ weniger adverbialisiert, als dass er verschwindet. Beide Tendenzen (die Adverbialisierung der Illative und ihr Schwund) lassen sich auch in der heutigen Sprache deutlich erkennen. Bei der Untersuchung der Entwicklung der Illative dürfen diese Tendenzen keinesfalls miteinander vermengt werden.
6. Der Gebrauch der Illative in der Sprache literarischer Werke ist stilistisch motiviert: Die Illative erweitern (neben Konstruktionen mit der Präposition į und dem Akkusativ) die Möglichkeiten grammatischer Synonymie in der Sprache literarischer Werke, bereichern die rhythmisch-melodischen Ausdrucksmittel der poetischen Sprache und verleihen zudem der Sprache der Figuren eines Werks eine lokale Färbung.
7. In den ost-dzūkischen und den litauischsprachigen Sprachinseln von Zietela sind im Flexionssystem zwei mit der Postposition -p(i) gebildete Kasus mehr oder weniger erhalten geblieben: Adessiv und Allativ. Für die Entwicklung dieser Kasus ist der vollständige Schwund ebenfalls weitaus charakteristischer als die Adverbialisierung. Ihr Schwund ist durch das Vordringen präpositionaler Konstruktionen zu erklären.
8. In einigen Dialekten (und damit auch in der Standardsprache) ist der Schwund des Adessivs so weit fortgeschritten, dass von diesem Kasus (zumindest mit der Postposition -p(i)) keine Spur mehr übrig ist. Wenn in Dialekten ohne Adessiv und in der heutigen Sprache literarischer Werke gelegentlich doch das eine oder andere adessivische Adverb verwendet wird (naktìep, šalìep, šalìp, galìep), wird seine Funktion gewöhnlich mit der Funktion allativischer Adverbien verwechselt.
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Page 369. Der Allativ ist von allen Lokalkasus am schwächsten erhalten geblieben. Die allativischen Adverbien selbst weisen jedoch eine größere Vitalität auf und werden sowohl in der Schriftsprache als auch in den Dialekten breiter und häufiger gebraucht. Es gibt substantivische (galóp, mirióp, namóp, pavasarióp, vakaróp...) und adjektivische Formen (amžinóp, atgalióp, atpakalióp...).
10. Das besonders hohe Alter des Allativs zeigt die Akzentuierung solcher Singularformen wie miškóp, namóp, stalóp, bei denen der Akzent auf der Endung erhalten geblieben ist. Die Genitive von Substantiven mit einer solchen alten Endungsbetonung wie miškas, namas, stalas werden heute auf dem Stamm betont (miško, namo, stalo). Folglich wurden die Allative aus den Genitiven dieser Substantive gebildet, noch bevor der Akzent von der Endung auf den Stamm zurückgezogen wurde, das heißt in vorgeschichtlicher Zeit.
Zur Frage der Adverbialisierung der lokalen Kasus im Singular
К. УЛЬВИДАС
Zusammenfassung
1. Der Beitrag untersucht das Verhältnis von Inessiv, Illativ, Adessiv und Allativ zu Adverbien, die Adverbialisierung dieser Kasus sowie Bedeutung, Bildung und Gebrauch der aus diesen Kasus entstandenen Adverbien.
2. Obwohl die Singularformen der lokalen Kasus einiger Wortarten (z. B. des Substantivs) den Adverbien semantisch und hinsichtlich ihrer syntaktischen Funktion sehr nahekommen, kann der Prozess der Adverbialisierung dieser Kasus im modernen Litauischen dennoch nicht als aktiv gelten. Die im modernen Sprachgebrauch vorhandenen Adverbien, die den lokalen Singularformen entsprechen (insbesondere Adessiv-, Allativ- und Illativformen), sind in der Regel aus älterer Zeit überliefert.
3. Im modernen Litauischen gibt es zwei Arten des Inessivs, die sich hinsichtlich ihrer Herkunft und morphologischen Zusammensetzung unterscheiden, nämlich den Inessiv mit und den Inessiv ohne Postposition. In den frühen Phasen der Bildung des Inessivs mit Postposition fungierte *en als Postposition; im Laufe der Zeit verschmolz sie mit dem Substantiv, wurde verändert oder fiel ganz weg. Im Deklinationssystem des modernen Litauischen ist nur der Inessiv mit Postposition erhalten geblieben. Häufiger und leichter werden Inessive mit Postposition adverbialisiert, die von Substantiven gebildet sind und allgemeine räumliche und zeitliche Beziehungen ausdrücken oder eine Handlungsweise bezeichnen, vgl. die Adverbien: vakarė „am Abend“, lauké „draußen, auf der Straße, an der frischen Luft“, orė „ebenso“, rytój („rytóje) „morgen“, aplinkój „ringsum, rundherum“, apčiūrėj „mit den Händen tastend“, intimpój („itimpój) „unparteiisch“, apačioj „unten“, palaidžiój „während des Tauwetters“, pradžiojė „am Anfang“, dešinėj „nach rechts“, draugėj „zusammen“, kairėj „nach links“, savėjė „im eigenen Kreis“, básiautėj „barfuß“, vienómarškinėj „in einem einzigen Hemd“, vienóplaukéj „mit unbedecktem Kopf“, šalyjė „daneben“, vidujė „innen“, viršujė „oben“. Im Allgemeinen werden die Endungen des Inessivs mit Postposition jedoch nicht zu Wortbildungssuffixen von Adverbien.
3. Die Endung -ie, die für den Inessiv ohne Postposition charakteristisch ist und bereits in grauer Vorzeit aus dem Deklinationssystem ausgeschieden ist, bleibt im žemaitischen Dialekt erhalten. Dort zeigt sie eine gewisse Tendenz, sich zu einem Wortbildungssuffix für Adverbien zu entwickeln, die nicht nur Substantiven, sondern auch Adjektiven, Pronomen und Partizipien entsprechen, z. B.: ankstie „früh“, artie „nahe“, namiė „zu Hause“, toliė „weit“, šaltie „wenn es kalt ist“, šiokiė „bei solchem (schlechten) Wetter“, dūlkantie „wenn Staub aufwirbelt“, lynantie „während des Regens“, pašalusie „wenn es gefroren hat“; vgl. auch die Wortverbindungen tókie dárganotie „bei Matschwetter, bei schlechtem Wetter“, tókie bláizdlaũziotie „wenn es leicht gefroren hat und die Füße im Schlamm versinken (d. h. man sich ein Bein brechen kann)“.
Neben dem Suffix -ie ist auch das Suffix -i zu erwähnen, das ebenfalls aus der Endung des Inessivs ohne Postposition hervorgegangen ist, z. B.: ankšti „früh“, arti „nahe“, toli „weit“.
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Page 37Das Formans -i ist äußerst unproduktiv; es ist nur in einigen wenigen Adverbien erhalten geblieben, die sich jedoch durch ihre außergewöhnlich häufige Verwendung und Verbreitung in der litauischen Sprache auszeichnen.
4. In den schriftlichen Denkmälern des 16.–17. Jahrhunderts sowie in den heutigen ostaukštaitischen Dialekten ist im Deklinationssystem der Singularillativ erhalten geblieben, der aus dem Singularakkusativ und einer Postposition entstanden ist, deren Form bislang nicht eindeutig bestimmt ist (einige Forscher nehmen die Existenz der Postposition a an, andere ai, wieder andere na). Illativformen kommen auch in der modernen litauischen Standardsprache häufig vor, besonders in der Sprache der schönen Literatur. Es gibt keinen Grund, all diese Formen als Adverbien zu betrachten. Sowohl in den Dialekten als auch in der Standardsprache sind nur wenige Illativformen zu Adverbien geworden. Adverbialisiert werden in der Regel nur solche denominalen Illativformen, die sehr allgemeine räumliche Beziehungen ausdrücken oder eine Art und Weise des Handelns oder einen Zustand bezeichnen, z. B.: láikan „auf den Hof, hinaus“, ogañ „in die Luft“, dešinėn „nach rechts (gehen)“, kairėn „nach links“, tiesėn „geradeaus“, žemėn „auf die Erde, zu Boden“, šalìn „zur Seite; fort, weg“, vidùn „nach innen“, viršùn „nach oben“, linkañ „in Richtung“, aplinkùn „ringsum, rundherum“, atgalióp „zurück“, atskirõn „gesondert“, įrėdin „passend, rechtzeitig, wie es sich gehört“, paskūn „hinterher, folgend; danach“.
5. Betrachtet man die litauische Sprache insgesamt, so ist der Illativ im allmählichen Aussterben begriffen und wird nur in wenigen Fällen zum Adverb. Beide Entwicklungen (die Adverbialisierung des Illativs und sein Aussterben) sind auch in der modernen litauischen Sprache zu beobachten. Bei der Untersuchung der Entwicklung des Illativs müssen diese Tendenzen klar unterschieden werden.
6. Der Gebrauch von Illativformen in der Sprache der schönen Literatur ist stilistisch begründet: Indem der Illativ die Präpositionalkonstruktion aus į und Akkusativ ersetzt, erweitert er die Möglichkeiten grammatischer Synonymie in literarischen Werken, bereichert die rhythmisch-melodischen Ausdrucksmittel der Verssprache und verleiht der Rede der Figuren lokale Färbung.
7. Im ostdzukischen Dialekt und in der litauischen Mundart des Bezirks Djatlowo (Zietela) in der Weißrussischen SSR sind im Deklinationssystem zwei Kasus mit der Postposition -p(i) erhalten: Adessiv und Allativ. Diese Formen sterben, ebenso wie die Illativformen, eher aus, als dass sie adverbialisiert werden. Sie werden allmählich durch Präpositionalkonstruktionen verdrängt.
8. In der Standardsprache und in einer Reihe von Dialekten ist der Adessiv mit der Postposition -p(i) vollständig verloren gegangen. Hier kommen gelegentlich Adverbien mit erstarrter Adessivendung vor, doch haben diese Bildungen häufig allative Bedeutung (vgl. den Gebrauch der Adessivformen galiep, galyp in allativer Bedeutung anstelle von galóp „schließlich“).
9. Von allen Lokalkasus ist der Allativ am schlechtesten erhalten. Die aus Allativformen entstandenen Adverbien selbst sind jedoch beständig und sowohl in der Schriftsprache als auch in den Dialekten gebräuchlich. Einige Adverbien dieses Typs entsprechen Substantiven (galóp „zum Ende hin, schließlich“, mirióp „zu Tode“, namóp „nach Hause“, pavasarióp „zum Frühling hin“, vakaróp „gegen Abend“), andere Adjektiven (amžinóp „auf ewig“, atgalióp „zurück“, atpakañiop „ebenso“).
10. Lokalkasus mit Postpositionen sind ebenso wie die aus diesen Kasus hervorgegangenen Adverbien archaische Spracherscheinungen. Als besonders archaisch ist die Betonung solcher denominaler Allative wie miškóp „zum Wald“, stalóp „zum Tisch“ sowie solcher allativer Adverbien wie galóp „zum Ende hin, schließlich“, namóp „nach Hause“ anzusehen. Bekanntlich entstand der Singularallativ durch Verschmelzung der Postposition -p(i) mit der Singulargenitivform. Die Singulargenitivformen alter Oxytona werden im modernen Litauischen nicht auf der Endung, sondern auf der ersten Silbe betont, z. B.: miško „des Waldes“, stalo „des Tisches“, galo „des Endes“, namo „des Hauses“. Daraus ist ersichtlich, dass der Allativ entstanden ist, bevor die Betonung in den genannten Formen von der Endung auf den Stamm (d. h. auf die erste Silbe) zurückgezogen wurde. Die Rückverlagerung der Betonung von der Endung erfolgte in ferner Vorzeit, noch bevor das bekannte Saussure-Fortunatov-Gesetz wirksam wurde – also vor der Verlagerung der Betonung (unter bestimmten Bedingungen) vom Stamm auf die Endung.
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