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ŽODŽIŲ FORMOS IR JŲ VARTOSENA LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

Z. ZINKEVIČIUS

DIE SPRACHE DES GESANGBUCHS VON S. M. SLAVOČINSKIS (1646)

Der Autor widmet diesen Aufsatz dem Andenken des ersten Forschers des Gesangbuchs, Prof. Dr. Jurgis Lebedys

Die Sprache des Gesangbuchs von S. M. Slavočinskis wird von Forschern als Mischung verschiedener Dialekte angesehen. In der akademischen Geschichte der litauischen Literatur heißt es, dass im Gesangbuch zwar „die Grundlage des samogitischen Dialekts spürbar ist, hier aber deutlich die Bemühungen zu erkennen sind, Elemente verschiedener Dialekte miteinander zu verbinden und das Gesangbuch einem möglichst breiten Kreis litauischer Leser zugänglich zu machen“1.

Der Herausgeber der Faksimileausgabe des Gesangbuchs und sein erster Forscher, Prof. Dr. Jurgis Lebedys, schreibt, dass „die dialektale Grundlage des Gesangbuchs nicht sehr ausgeprägt ist, nicht sofort ins Auge fällt, aber dennoch leicht festzustellen ist. Viele phonetische, morphologische sowie teilweise lexikalische und syntaktische Merkmale verbinden das Gesangbuch mit dem samogitischen Dialekt“2. Nachdem der Forscher die charakteristischen samogitischen Merkmale benannt hat, stellt er fest, dass „der Übersetzer ein Samogite aus dem dūnininkai-Gebiet war, aber schwankte oder seine Arbeit von anderen korrigiert wurde“3. Nachdem J. Lebedys einige Elemente des ostaukštaitischen Dialekts im Gesangbuch hervorgehoben hat, vermutet er, dass „es möglich ist, dass der Übersetzer des Gesangbuchs bei der Benutzung von K. Sirvydas’ Wörterbuch manchmal nicht imstande war, dialektale Phonetik zu erkennen oder unbewusst dem Einfluss nachgab und ein Wort in der Form aus dem Wörterbuch übernahm, in der es dort stand“4. Nachdem der Autor festgestellt hat, dass „eine beträchtliche Zahl phonetischer und teilweise morphologischer Merkmale des Gesangbuchs für Übergangsdialekte charakteristisch ist“5, zieht er folgendes Fazit: „Bei der Vorbereitung des Gesangbuchs bemühte man sich, sich einer möglichst großen Bevölkerungszahl anzupassen. Der Übersetzer selbst, ganz zu schweigen von seinen möglichen Korrektoren, kannte wahrscheinlich nicht nur seinen eigenen Dialekt. Man muss annehmen, dass die zumindest oberflächliche Kenntnis anderer Dialekte, der Wunsch, von einem breiteren Publikum gelesen zu werden, sowie das Vorbild früherer Schriftsteller dazu beitrugen, die Dialektunterschiede auszugleichen. Die Inkonsistenzen und Schwankungen lassen sich auch damit erklären, dass es kein festes Kriterium und keine festgelegte Norm der Literatursprache gab“6.

J. Palionis stimmt im Wesentlichen mit den Schlussfolgerungen von J. Lebedys überein und stellt fest, dass „die Sprache des Gesangbuchs eine beträchtliche dialektale Mischung aufweist: Elemente sowohl des samogitischen dūnininkai-Dialekts als auch der westaukštaitischen Dialekte, insbesondere des Veliuona-Dialekts, des mittellitauischen und des ostlitauischen Dialekts“7.

1 Lietuvių literatūros istorija. I. Feodalizmo epocha. Redagavo prof. K. Korsakas. Vilnius, 1957, p. 151.

2 J. Lebedys, 1646 metų giesmynas. – S. M. Slavočinskis, Giesmės tikėjimui katalickam priderančios 1646. Fotografuotinis leidimas. Vilnius, 1958, p. 20.

3 J. Lebedys, ten pat, p. 21.

4 Ten pat, p. 24.

5 Ten pat.

6 Ten pat, p. 24–25.

7 J. Palionis, Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a., Vilnius, 1967, p. 90.

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Die von den Forschern besonders hervorgehobene Mischung von Dialekten im Gesangbuch von S. M. Slavočinskis weckte auch das Interesse des Autors dieses Artikels und veranlasste ihn, die Sprache des Gesangbuchs unter diesem Gesichtspunkt eigens zu untersuchen8, die vorhandenen Elemente einzelner Dialekte zu ermitteln und zu lokalisieren, den Vorgang der Übersetzung der Gesänge und der Vorbereitung des Gesangbuchs für den Druck zu beleuchten und schließlich die Bedeutung des Gesangbuchs für die Geschichte der litauischen Sprache und die historische Dialektologie herauszuarbeiten. Der Autor hoffte, dass der Vergleich der lokalisierten dialektalen Elemente des Gesangbuchs aus der Mitte des 17. Jahrhunderts mit entsprechenden Dialektdaten aus der Gegenwart ein besseres Verständnis der Entstehung und Entwicklung bestimmter Erscheinungen der litauischen Sprache ermöglichen würde.

Elemente des samogitischen Dialekts

Der Schluss früherer Forscher, der Übersetzer des Gesangbuchs sei ein Samogite gewesen, ist zuzustimmen. Das Gesangbuch weist folgende Besonderheiten des samogitischen Dialekts auf:

1. Anstelle der Affrikaten č, dž werden vor dem alten kurzen Vokal *a die Konsonanten t, d verwendet, z. B. n. pl. medey II 109₁₁ ‘Bäume’, ʒodey II 29₁₇ ‘Wörter’, i. pl. Erβkieteys II 84₂ ‘mit Dornen’, peteys I 97₁₈ ‘mit Schultern’, žodeys I 18₉ ‘mit Wörtern’, a. sg. f. ne turinte II 10₁₀ ‘die nicht hat’, Priderante I 3₁₅ ‘die zukommende’, 3. praes. gieyd I 131₂₈ ‘begehrt’, Jaut II 29₈ ‘fühlt’, kient I 92₄ ‘leidet’, refl. glaudes II 6₂₁ ‘schmiegt sich an’, 2. pl. praes. kientete II 20₂₃ ‘ihr leidet’, adv. didey II 12₂₅ ‘sehr’, kartey I 88₉ ‘bitter’, /skaystey II 5₂₃ ‘hell’. Vgl. ferner a. sg. m. kiantanti I 87₇ ‘leidend’, g. pl. refl. meldénčiuße I 140₄ ‘der Betenden’, d. h. ‘derjenigen, die beten’, d. pl. m. meldéntiems II 82₂₃ ‘den Betenden’, a. pl. m. iautančius II 102₂₆ ‘die Fühlenden’, kientančius II 4₁₆ ‘die Leidenden’, a. pl. f. Gieydénčias II 110₁₅ ‘die Begehrenden’. Insgesamt gibt es im Gesangbuch 51 Belege, in denen das „samogitische Lautgesetz“ bewahrt ist. Belege mit t, d vor altem *ā und hinteren Vokalen, wie sie im westlichen Teil des heutigen samogitischen Dialekts vorkommen, finden sich im Gesangbuch nicht.

2. Anstelle der Diphthonge uo, ie werden im Gesangbuch häufig „dūnininkische“ Monophthonge ū, ī verwendet, z. B. a) g. sg. gluśnio II 60₂₃ ‘der Weide’, a. sg. kuodeli I 66₁₇ ‘den Flachswickel’, a. pl. obulus I 65₁ ‘Äpfel’, 3. praet. pule I 53₁₇ ‘fiel’, i. pl. /słutomis I 78₁₇ ‘mit Besen’, 2. sg. praet. ßlußtey II 76₁₀ ‘du wischtest’; b) g. sg. Diwa II 126₁ ‘Gottes’, inf. gidot I 42₂₁ ‘singen’, ißkoti I 131₁₇ ‘suchen’, g. sg. Iwos I 15₁₃ ‘Evas’, l. sg. lipßnoy I 129₁₅ ‘in der Flamme’, a. pl. f. ißlitas II 27₂ ‘ausgegossene’, g. pl. pitu I 148₁₃ ‘des Südens’, prip II 26₁₂ ‘gegenüber’, l. sg. filwarte II 9₂₅ ‘im Kummer’, a. sg. ßniga II 23₉ ‘Schnee’, adv. ßiedina I 71₉ ‘heute’, praep. tis I 25₈ ‘bis’, adv. Tifey II 90₁₃ ‘gerade’, l. sg. winibiey I 129₁₉ ‘in der Einheit’; c) i. sg. m. tu I 103₁₆ ‘damit’, n. pl. m. Ti II 44₁₈ ‘diese’, g. sg. ßalis II 104₁₃ ‘des Landes’, 3. fut. Ißlußus I 30₁₀ ‘ich werde lösen, befreien’, 1. sg. refl. iaučius II 55₂₀ ‘ich fühle mich’, 1. sg. fut. Raßiut I 65₁₃ ‘ich werde dich schreiben’ (~ rašiuo t[i]). Insgesamt wurden im Gesangbuch ungefähr dreieinhalb Hundert Belege mit ū, ī anstelle von uo, ie⁹ gezählt. Die Wörter gluśnis, Ieva, kuodelis, pietūs, sielvartas, šluota, šluostyti, ties sowie die Präsensformen des Verbs likti werden ausschließlich in samogitischer Form geschrieben. Hochlitauische Varianten dieser Wörter und Formen kommen im Gesangbuch nicht vor. Auch überwiegen die samogitischen Varianten der Wörter ieškoti, liepsna, der Verbformen

8 Als Untersuchungsgrundlage diente die von J. Lebedys herausgegebene Faksimileausgabe von 1958. Die darin fehlenden Seiten wurden durch Fotokopien aus dem Mikrofilm eines vollständigen Exemplars der Ossoliński-Bibliothek in Breslau (Polen) ergänzt, der in der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR aufbewahrt wird.

9 Eine genaue Zahl lässt sich nicht angeben, da manche Formen unterschiedlich gedeutet werden können; so könnte man etwa bei der Endung -tis des Infinitivs Reflexivum (z. B. girdėtis I 139₂₁ ‘zu hören sein’) nicht nur die samogitische Endung -tis (= hochlitauisch -ties), sondern auch eine hochlitauische Variante -tis annehmen.

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pulti Entsprechungen der Endungen von Präsensformen, Pronomen der 1. sg. m., reflexiven Verben der 1. sg., reflexiven Halbpartizipien der n. pl. m. und einigen anderen.

3. Die Vokale o, ė werden häufig diphthongiert, z. B. a) g. sg. m. Tuo I 72₂₀ ‘jenes’, g. sg. f. tuos I 77₈ ‘jener’, n. pl. f. tuos I 44₁₂ ‘jene’, 1. pl. tupuoße I 105₁₁ ‘auf den Lippen’, 3. praes. šildot I 59₂₁ ‘wärmt dich’ (~ šildot [i]); b) 3. praes. Biega I 19₂₀ ‘läuft’, inf. dieti II 31₃ ‘legen’, 3. praet. ieme II 14₁₅ ‘nahm’, 1. sg. fut. girdiesiu II 48₂₀ ‘ich werde hören’, 3 praet. kwiepawa I 62₁₇ ‘atmete’, 1. sg. mieble II 58₁ ‘düngte’, 3. praes. nier II 82₁₅ ‘ist nicht’, g. sg. pawießio II 64₁₉ ‘des Schattens’, g. sg. Tiewa I 74a₁₈ ‘des Vaters’, a. pl. vąmušieius II 26₆ ‘Totschläger’, n. sg. m. wietringas II 40₂ ‘stürmisch’, n. pl. žwieris II 66₁₂ ‘Tiere’; c) n. sg. Duktie I 104₁₉ ‘Tochter’, g. sg. garbies II 53₁₃ ‘der Ehre’, 1. sg. žiamiey II 10₂₂ ‘auf der Erde’, d. pl. žmoniems I 98₄ ‘den Menschen’, 1. pl. žiamieſa I 99₂ ‘auf der Erde’, 3. refl. Iauties I 87₁₉ ‘fühlte sich’, 2. pl. refl. wadinaties II 9₂₀ ‘ihr nennt euch’. Der Vokal ė wird weitaus häufiger diphthongiert. Allein in Positionen, in denen ihm nicht k, g, š, ž vorausgeht (nach diesen Konsonanten kann der Buchstabe i ein Weichheitszeichen sein), wurden 159 Belege gefunden. Die Diphthongierung des Vokals o ist viel seltener; insgesamt wurden nur 12 Belege gefunden, alle mit o > uo in Flexionsformen bzw. in einsilbigen Pronominalformen.

4. Mit ą, ę, y, į wird im Allgemeinen samogitisch verfahren: In Wortstämmen und oxytonischen Endungen bleibt das Nasalelement erhalten, in barytonischen Endungen fehlt es gewöhnlich.

Die alten Nasalvokale ą, ę in Wortstämmen und oxytonischen Endungen werden mit den Buchstaben ą, ę oder ą, ę mit einem „Querstrich“ bezeichnet (aus technischen Gründen ersetzen wir in den Beispielen dieses Artikels ą, ę), außerdem mit den Buchstabenverbindungen an, en (selten)¹⁰, z. B. a) adv. drąſey II 58₂₆ ‘kühn’, a. sg. įgałti II 24₁₉ ‘erschrecken’, inf. gražinti II 99₂₀ ‘zurückgeben’, 1. sg. fut. ne ikanſiu I 64₁₅ ‘ich werde nicht beißen’, i. pl. kaſnays II 19₂ ‘mit Schlingen’, a. pl. ſpaſtus II 93₂₅ ‘Fallen’, 3. praet. taſi I 91₅ ‘zog’; b) 3. praes. ne dręſ I 76b₆ ‘wagt nicht’ (~ nedreſa), Grež II 6₂₁ ‘bohrt’, inf. Kieſt I 155₂₂ ‘leiden’; c) a. sg. amą I 45₁₃ ‘jenen, ihn’, kure I 93₁₂ ‘die’, g. sg. manęs I 67₄, tawes I 17₅ ‘deiner’, ſawes I 17₆ ‘seiner’, n. sg. m. neſąs I 121₂₂ ‘tragend’, n. pl. m. ſergą II 114₁₁ ‘krank’. Stellenweise, besonders in Texten in gotischer Schrift, ist der „Querstrich“ undeutlich gedruckt, stark oder beinahe vollständig abgerieben. Eine eindeutige Ausnahme bilden die Singularformen des Allativs manęsp, tawęsp, sawęsp, die systematisch ohne Nasalzeichen geschrieben werden, d. h. manęſp, tawęſp, ſawęſp (warum?), obwohl die entsprechenden Genitive manęs, tavęs, savęs gewöhnlich ein Nasalzeichen aufweisen (mindestens 104 von 110 Belegen)¹¹.

In barytonischen Endungen werden anstelle der alten ą, ę gewöhnlich die Buchstaben a, e ohne Nasalzeichen geschrieben. Von den etwa 1200 im Gesangbuch vorkommenden Belegen der Endung -ą im Akkusativ Singular von Nomina fanden sich nur etwa ein Dutzend, bei denen ein „Querstrich“ vermutet werden könnte; doch sind auch diese Belege nicht völlig eindeutig, da entweder der Querstrich undeutlich ist (am deutlichsten wohl im Wort wargą I 135₁₇) oder es sich auch um Genitive Plural handeln könnte (z. B. Teyſingą I 93₅, Piktą I 99₁₅ ‘der Gerechten?’, ‘der Bösen?’) mit der oxytonischen Endung -ų, die im Gesangbuch nicht selten als -ą geschrieben wird (genauer: als a mit „Querstrich“). Etwas häufiger kommt die mit einem Nasalbuchstaben bezeichnete ė-Stamm-Endung des Akkusativs Singular -ę vor: 53 Fälle (nicht alle gleichermaßen eindeutig) unter knapp 300 vorhandenen Belegen. Doch auch hier überwiegt, wie wir sehen, eindeutig -e ‘-ę’ (etwa 82% aller Belege). Dasselbe gilt auch für ę im Präteritumstamm-

¹⁰ Zur Verwechslung der Grapheme ą, ę und an, en vgl. die Schreibungen šiediena I 71₄ oder šiedina I 71₉, ‘heute’ (22 Belege), Neſąg II 49₅ ‘wird nicht tragen’ (~ nesang), tęn I 117₁₃ ‘dort’ (jeweils mehrere Dutzend Belege), 3. praet. Kienėta II 75₂₈ ‘litt’.

¹¹ Den Buchstaben ę eindeutig (ohne jede Spur eines Nasalzeichens) weisen nur drei Genitivbelege auf (I 127₁₀, II 43₁₃, 119₁₀); bei drei weiteren könnte der Querstrich abgerieben sein. Dennoch könnten diese drei Belege mit e, sofern kein Druckfehler vorliegt, darauf hindeuten, dass es in der Mundart des Übersetzers damals eine verkürzte barytonische Variante manęs, tavęs, savęs gab, die sich im heutigen samogitischen Dialekt allgemein durchgesetzt hat.

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bei den Partizipendungen: Von den gefundenen 145 Beispielen der n. sg.-Endung -ęs sind 134 mit einem deutlichen -es oder -ias geschrieben (ohne Nasalitätszeichen oder dessen Spuren); alle 25 gefundenen Beispiele der n. pl.-Endung -ę sind mit -e bzw. -ia geschrieben (ein Abbröckeln des „Querästchens“ wurde nicht beobachtet)¹². Baritonische Formen der Präsenspartizipien mit den Endungen -ąs, pl. -ą wurden überhaupt nicht festgestellt.

Die Mundart der Übersetzerin wies also, wie auch die heutigen žemaitischen Mundarten, in baritonischen Endungen bereits einen kurzen denasalisierten Vokal a, e auf¹³.

Die Nasalvokale u, i werden im Gesangbuch mit den Buchstaben u, i bezeichnet (die Druckerei verfügte weder über die Buchstaben ų, į noch über ų, į mit „Querästchen“), manchmal durch eine Buchstabenverbindung mit n; anstelle von ų wird auch ą geschrieben (genauer: a mit „Querästchen“).

Im Wortstamm wurden nur 8 Formen des Verbs siųsti ‚senden‘ gefunden, von denen 7 anstelle von ų die Buchstabenverbindung un aufweisen, z. B. 2. sg. imp. Siun/k II 10₂₁ ‚sende!‘, n. sg. m. siun/damas I 122₁₂ ‚sendend‘. Eine Form ist mit ū geschrieben (n. sg. m. Siū/ftas I 3₇ ‚gesandt‘), doch ist dies gleichwertig mit un, da im Gesangbuch häufig anstelle von n und m ein dem Zirkumflex ähnliches Zeichen über den vorausgehenden Vokal gesetzt wird (oft ist es undeutlich gedruckt und ähnelt einem Strich), z. B. ant dāgaus I 132₂₈ ‚am Himmel‘, potā I 146₄ ‚danach, d. h. später‘, n. sg. f. fūwēta I 130₂₈ ‚heilig‘, 3. praes. trē I 144₁₃ ‚drängt‘ (~ trem), i. sg. sunū I 132₈ ‚mit dem Sohn‘ (~ sūnum), inf. palikfmit I 137₂ ‚erheitern‘.

In oxytone Endungen wird u oder ą geschrieben (d. h. a mit „Querästchen“). Letztere Schreibweise wurde in nicht weniger als 89 Fällen beobachtet, z. B. g. pl. ią I 126₂ ‚ihrer‘, kalbą I 96₁₂ ‚der Sprachen‘, fūtįną I 92₅ ‚der Schwachen‘, pikčiau II 5₁₁ ‚der Schlimmsten‘, Tą weykalą II 57₇ ‚jener Werke‘, werkfmingą funą I 29₁₆ ‚der weinenden Söhne‘, tarp žmonią neteyfingą II 10₂₇ ‚unter ungerechten Menschen‘, 3. cond. ne pražūtą II 9₁₆ ‚sie würden nicht zugrunde gehen‘, Kad trintą piktybes I 8₁ ‚damit sie die Übeltaten auslöschten‘. Offenbar verwendete man mangels des Buchstabens ų in der Druckerei an dessen Stelle ein ähnliches a mit „Querästchen“. In baritonischen Endungen wird u geschrieben. Mit ą (genauer: a mit „Querästchen“) wurden nur 6 Beispiele festgestellt, die als Versehen der Übersetzerin oder als Druckfehler anzusehen sind. Der Unterschied zwischen Baritonen und Oxytonen wird besonders schön an Schreibweisen wie Del tą žodžių II 25₁₀ ‚wegen jener Worte‘ sichtbar. In den baritonischen Endungen war der Vokal u kurz¹⁴.

Der alte Nasalvokal į wird sowohl unter Betonung als auch unbetont mit dem Buchstaben i bezeichnet (der Buchstabe į oder ein Ersatz dafür fehlt), z. B.: a) 3. praet. drifja I 76a₁₄ ‚wagte‘, Pažįft I 43₂₆ ‚kennt‘ (mit wurzelständigem į ‚į‘ gibt es 17 Beispiele)¹⁵, b) n. sg. m. galis I 146₁₆ ‚fähig‘, ftowis I 156₁ ‚Stand‘ (insgesamt 10 Beispiele für die Partizipendung -is ‚-ęs‘; Beispiele des n. pl. m.

12 Die letztgenannten Daten stützen die Annahme des Verfassers dieses Aufsatzes, dass die heutige žemaitische Nom.-Pl.-Endung -e (im Südosten ausgesprochen -en) sekundär ist und aus reflexiven Verben übernommen wurde; siehe Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, Vilnius, 1966, S. 77—78.

13 Ihre Kürze zeigt sich in der Versgestaltung: In den Zeilenenden der Lieder bilden die Endungen -ą ‚-ą‘, -e ‚-ę‘, -es ‚-es‘ einen Reim mit Endungen anderer Kasus oder Personen, die kurze Vokale a, e enthalten, z. B. a. sg. f. pamatitá I 23₁ ‚diejenige, die man gesehen hat‘ reimt sich auf n. sg. f. pripildyta ‚gefüllt‘, a. sg. f. wifa II 103₁₅ ‚alle‘ auf 1. sg. akyfa ‚in den Augen‘, a. sg. motiná II 58₂₁ ‚die Mutter‘ auf 3. praes. gina, a. sg. apsakima ‚die Erzählung‘ auf 1. pl. fut. žinoſima ‚wir werden wissen‘, per bukliſtę I 115₆ ‚durch die Klugheit‘ auf voc. sg. Chriſte ‚Christus‘, n. sg. m. atmines I 56₈ ‚eingedenkend‘ auf a. pl. gimines, n. sg. m. apturėias II 35₁₈ ‚erlangt‘, d. h. ‚bekommen habend‘, auf n. sg. abgineias ‚Beschützer‘.

14 Vgl. den Reim von a. sg. Sunu II 103₂ ‚den Sohn‘ auf i. sg. kunu, g. pl. numiruſiu II 64₂₄ ‚der Verstorbenen‘ auf 1. sg. fut. buſiu ‚ich werde sein‘.

15 In der Mundart der Übersetzerin kam į auch (möglicherweise fakultativ) in den Futurformen vor, z. B. 3. as. fugražis II 52₁₆ ‚wird zurückbringen‘, 2. sg. pažįfi II 43₁₇ ‚du wirst erkennen‘, 2. pl. pažįfit II 16₁₂ ‚ihr werdet erkennen‘. Vgl. den Reim von 1. pl. įppažįfime II 37₁₃ ‚wir werden bekennen‘ auf sakįfime ‚wir werden sagen‘. Im Gesangbuch findet sich außerdem n. pl. m. refl. Rupidamis II 26₂₃ ‚sich kümmernd‘ (~ žem. rūpīdamis), 3. cond. garbitu II 96₇ ‚sie würden ehren‘ (~ garbitų). Das letztgenannte Beispiel wurde jedoch in den Korrekturen zu garbitų, d. h. garbintų, berichtigt.

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nicht gefunden), c) a. sg. dali I 104₂₂ ‚einen Teil‘, gimuƒi I 22₁₇ ‚geboren‘ (für a. sg. -i ‚-i‘ gibt es viele Beispiele).

Aus den Reimen ist ersichtlich, dass die oxytonischen Endungen der Partizipien einen langen, die barytonischen hingegen einen kurzen Vokal hatten, z. B. reimt sich n. sg. m. galis II 103₂₆ ‚fähig‘ mit g. sg. dalis ‚eines Teils‘ (~žem. dalis), turis II 70₁₃ ‚habend‘ jedoch mit n. sg. m. kuris oder II 58₁₀ mit a. pl. duris¹⁶. Ob der Langvokal mit nasaler Färbung ausgesprochen wurde, lässt sich aus der Orthografie nicht erkennen. Eine solche Aussprache legt jedoch die heutige südsamogitische Mundart nahe, aus deren Gebiet der Übersetzer stammt.

Die Präposition und das Präfix į müssen gesondert behandelt werden. Anstelle der heutigen Präposition į wird im Gesangbuch ing verwendet (59 Belege). Andere Varianten gibt es nicht. Das Präfix į- wird vor nicht explosiven Konsonanten als į- geschrieben, z. B. inf. įleyƒti I 106₁₈ ‚hineinlassen‘, 1. sg. cond. imaničiau II 24₂₁ ‚vermöchte ich‘, 3. praet. inika I 75₈ ‚geriet hinein‘, a. sg. f. irūƒtintas II 5₄ ‚erzürnt‘, 3. praet iƒaki I 76a₁₈ ‚befahl‘, 1. sg. praet. Iweykiau II 5₁₀ ‚überwand‘, 2. sg. imp. Ižwelk II 5₅ ‚blicke hinein‘ (insgesamt 51 Beispiele). Ebenso wird į- vor k, g geschrieben, z. B. 3. praet. ne įkalbina I 78₃ ‚überredete nicht‘, n. sg. m. įkankintas I 100₁₇ ‚gequält‘, ikáršintas II 78₁₅ ‚aufgestachelt‘, 1. sg. fut. ne įkanƒiu I 64₁₅ ‚werde nicht beißen‘, 3. praet. įgawa I 141₁₈ ‚erhielt‘, inf. įgiti I 60₁₈ ‚erwerben‘, n. sg. m. Igundes I 25₂₂ ‚gewohnt‘ (alle 50 Beispiele). Vor t, d steht in-, z. B. 2. sg. imp. inteyk I 124₁₇ ‚überreiche‘, 3. praet ne intikieia I 118₁₄ ‚glaubte nicht‘, intiká II 70₁₅ ‚gefiel‘, indeia I 85₁₁ ‚legte hinein‘, n. sg. f. indeta II 119₁ ‚hineingelegt‘. Eine Ausnahme bilden nur drei Beispiele (von 42), nämlich n. sg. f. itikuƒi II 104₂₄ ‚die geglaubt hat‘, a. sg. m. itikuƒi I 105₅ ‚die geglaubt hat‘, a. pl. m. itikinčius I 3₁₃ ‚die überzeugenden‘ (die übrigen zwei Belege des Verbs įtikti haben in-). Vor Lippenkonsonanten gibt es nur ein einziges Beispiel: n. sg. f. impinta I 110₁ ‚eingeflochten‘.

Da die Samogiten heute bei Verben das Präfix in- nicht mehr haben und vor allen Konsonanten eine Variante ohne n eingeführt haben, könnte der im Gesangbuch dokumentierte Zustand als älter gelten und eine bestimmte Phase der Ausbreitung der Variante į- auf die Position vor Explosivkonsonanten anzeigen. Vielleicht wurden in der Mundart des Übersetzers vor Explosivkonsonanten, besonders vor t, d, fakultativ noch beide Varianten verwendet. Auch ein Einfluss anderer Mundarten und Schrifttraditionen ließe sich erkennen; vgl. die Präposition ing ‚in‘ (sie wurde von M. Mažvydas, J. Bretkūnas, M. Daukša, M. Petkevičius und K. Sirvydas verwendet) neben dem Präfix į- vor den Konsonanten k, g.

5. Im Gesangbuch werden Endungen häufig samogitisch verkürzt, z. B. n. sg. m. wakars I 50₂₁ ‚Abend‘, 3. praes. kient I 92₄ ‚leidet‘, wadin I 129₁₀ ‚nennt‘ (im nicht gereimten Text), Gul I 46₉ ‚liegt‘, atio I 103₂₁ ‚kommt angeritten‘, wießpatau I 130₂₆ ‚herrscht‘ und viele andere.

6. Verwendet werden samogitische Lokativformen im Singular von Substantiven mit i- bzw. (i)ia-Stamm, z. B. a) daley II 129₃ ‚im Teil‘, ßalley II 110₂₁ ‚an der Seite‘, śirdiey II 28₂ ‚im Herzen‘, vgniey I 133₁₃ ‚im Feuer‘, b) daržialey II 78₁₅ ‚im Gärtchen‘, kieley II 34₄ ‚auf dem Weg‘, mediey I 64₁₂ ‚im Baum‘, łowney I 38₅ ‚im Bett‘, truputiey I 152₃₁ ‚ein wenig‘, žodiey I 145₆ ‚im Wort‘ (insgesamt etwa 40 Beispiele). Bemerkenswert ist, dass im Gesangbuch das j der Endung systematisch bewahrt wird, das in der heutigen samogitischen Mundart bereits fehlt.

7. Es kommen samogitische Lokative im Plural vor: a) žodžiuƒe II 16₂₄ ‚in den Worten‘ (d. h. žodžiuose oder žodžiuose; einziges Beispiel), b) Sirdeleƒa I 144₈ ‚in den Herzen‘, vgnieƒa II 115₂₁ ‚in den Feuern‘ (mit -ieƒa gibt es 4 Beispiele). Neben dem Lokativ weisen die Endungen der ē-Stämme bisweilen auch Formen der i-Stamm-Paradigmen auf: den Instrumental Singular und den Instrumental Plural:

16 Einen kurzen Vokal gab es natürlich auch in der Endung des a. sg.; vgl. den Reim von a. sg. m. dideli I 91₁₇ ‚groß‘ mit voc. sg. ƒuneli ‚Söhnchen!‘, a. sg. ißminti II 102₁₁ ‚Weisheit‘ mit inf. atminti, a. sg. ƒunwertoi I 99₉ ‚Schöpfer‘ (~sutvertojį) mit 2. sg. praes. nesioi ‚du trägst‘.

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a) širden I 81₇, 12₄₁₈, II 79₂₂ ‚ins Herz, ins Herz hinein‘, b) širdiemis I 35₂₁, širdėmis I 5₂₀ ‚mit den Herzen‘ (angeführt sind alle festgestellten Beispiele).

8. Der Nominativ Singular der Adjektive im Superlativ hat die Endung -is, z. B. didžiaufis I 89₁₄ ‚der größte‘, galingaufis I 73₁₇ ‚der mächtigste‘, βwenčiaufis II 80₂₀ ‚der heiligste‘ (zahlreiche Beispiele).

9. Formen des Pronominalstamms ana- (f. anā-) haben die Bedeutung des Pronomens der dritten Person, z. B. ju ānu waykśćioti II 46₇ ‚mit ihm gehen‘, anam dekawokiam I 36₁₂ ‚lasst uns ihm danken‘, Aukfas ano karalifte I 35₆ ‚Gold (ist) sein Königreich‘.

10. Verwendet wird die žemaitische Endung -ims ‚-iems‘ des Dat. Pl. Mask. bei Personalpronomen und Adjektiven sowie Partizipien des Aktivs, z. B.: a) Anims II 29₂₀ ‚jenen, ihnen‘ (~ anims), ims I 79₈ oder iims I 143₁, ijims I 126₅ ‚ihnen‘, Kurims II 44₃ ‚welchen‘, tims I 113₂ ‚diesen‘, wijims I 8₁₅ ‚allen‘, b) Aklims II 90₁ ‚Blinden‘, Giwenantims I 15₁ ‚Lebenden‘ (insgesamt 13 Beispiele).

11. Žemaitische Formen des Acc. Pl. Mask. der Personalpronomen (Typ anūs ‚jene, sie‘), z. B.: anus I 38₂, ius I 68₂₁ ‚sie‘, kurius I 148₉ ‚welche‘, tus I 14₁₇ ‚jene‘ (insgesamt 36 Beispiele). Entsprechungen im Aukštaitischen (anuos, juos …) fehlen völlig.

12. Žemaitische Form abiu I 143₁₈ des Gen. Pl. des Zahlworts abu ‚beide‘ (~ abijų). Eine aukštaitische Entsprechung abiejų fehlt.

13. Žemaitische Form des 2. Du. Imper. eykiau II 117₁₄ ‚geht beide‘. Weitere Verbformen des Duals wurden nicht festgestellt.

14. Stellenweise werden žemaitische Umbildungen athematischer Verben verwendet: 3. Praes. Refl. atliktafe I 153₁ ‚bleibt (sich)‘ (~ atliektafe), a. pl. m. Ateytančius II 97₂₆ ‚Ankommende‘.

15. I-stämmige Formen des Präsens von Verben werden häufig durch (i)a-stämmige ersetzt, z. B.: 1. Sg. Nenoru II 14₂₄ ‚ich will nicht‘, turu II 46₁₃ ‚ich habe‘, 1. Pl. minem I 98₉ ‚wir erwähnen‘ (~ minjam), regiem I 120₁₁ ‚wir sehen‘, turem I 152₁₁ ‚wir haben‘, 3. Praes. Refl. Gaylefe II 107₁₅ ‚er/sie beklagt sich‘, regiefe I 34₉ ‚es scheint, ist sichtbar‘, tikiafe I 143₆ ‚er/sie hofft‘, G. Pl. Refl. meldenčiųfe I 140₄ ‚der sich Beklagenden, d. h. derjenigen, die sich beklagen‘, D. Pl. m. regien-temus II 6₁₉ ‚den Sehenden‘.

16. Žemaitische Endung -is(e) der 2. Sg. Refl. ‚-st dich‘, z. B. 2. Sg. Praes. randife I 93₂ ‚du findest dich‘ (~ randyse), wadinis I 124₉ ‚du nennst dich‘, wilije I 93₃ ‚du hoffst‘, 2. Sg. Fut. Nebijo fis II 46₂₂ ‚er/sie wird sich nicht fürchten‘ (~ nebįjosys), ftofis I 14₆ ‚du stellst dich hin, wirst‘ (insgesamt 7 Beispiele; eine aukštaitische Variante dieser Endung wurde nicht gefunden).

17. Häufig werden žemaitische Verbformen der 1. Pl. mit -ma, Refl. -mos, verwendet, z. B. 1. Pl. Praes. gierbiemot I 58₁₃ ‚wir ehren dich‘ (~ gerbiamo t[i]), Wadīnamot¹⁷ II 86₅ ‚wir nennen dich‘, 1. Pl. Fut. žinośima I 54₁₃ ‚wir werden wissen‘, 1. Pl. Imper. garbiṅkima I 57₁₅ ‚lasst uns ehren‘, 1. Pl. Permis. Refl. terandamos I 33₁₀ ‚mögen wir uns finden‘, Te ftoiamas II 108₁₉ ‚mögen wir sein, werden‘.

18. Imperativformen haben häufig das Formans -kia- (-ke-), z. B.: 2. Sg. Eykieg I 29₁₅ ‚geh doch‘, Refl. artinkias I 6₁₅ ‚nähere dich‘, džiaukiafe I 27₃ ‚freue dich‘, 1. Pl. garbinkiem I 38₈ ‚lasst uns ehren‘, Refl. džiaukiamo fe I 45₆ ‚lasst uns uns freuen‘, 2. Pl. atminkiet I 122₁₅ ‚erinnert euch‘, Neβkiet II 11₂₇ ‚tragt‘ (insgesamt etwa 200 Beispiele).

19. Das Präfix atti- hat häufig kein i vor einem Wurzel-d, z. B. 3. Praet. adāwe I 68₃ ‚gab zurück‘, 3. Praes. adara I 112₂ ‚öffnet‘, N. Pl. f. adaritas I 155₆ ‚geöffnet‘.

¹⁷ J. Lebedys hielt diese Form zu Unrecht für einen Korrekturfehler und änderte sie zu Wadinamet (S. M. Slavončinskis, Giesmės … Vilnius, 1958, S. 418). Dasselbe wurde zu gierbiemot I 58₁₃ ‚wir ehren dich‘ gesagt (siehe ebenda, 362).

142

20. Verwendet werden für den žemaitischen Dialekt charakteristische Wörter, z. B. bėngti „beenden“ (3. Pers. Sg. Präs. beng I 152₂₂, refl. bengiaje II 57₁₉, Instr. Pl. f. ne pabengtomis I 35₁₁ „unbeendet“ usw.), pabanga „Ende“ (All. Sg. pábúngosp II 37₁₇), pabengimas „Beendigung“ (Gen. Sg. pabengima II 70₁₉), klėbýs „Schoß“ (Akk. Sg. klebelį I 62₈ „Schoß“), nùmas „Haus“ (Nom. Pl. numay II 98₁₀, Akk. Pl. numus II 74₁₃ usw.), pìlė „Burg, Festung, Palast“ (Akk. Pl. piles II 21₂₀ usw.)¹⁸.

21. Žemaitisch werden die Präpositionen prie (in bestimmten Fällen mit der Bedeutung „bei“), pas (mit dem Genitiv), ant (in einer bestimmten Bedeutung mit dem Instrumental) verwendet, z. B. a) Gaway madonę pri Jutwertoja I 14₅ „… zum Schöpfer“, Vįtark mus … Pri Jezáus II 109₂₁₋₂₂ „bitte für uns … bei Jesus“ (häufiger Gebrauch); b) Pas Bernela I 63₁₆ „beim Knaben“, pas Sunaus II 80₁ „beim Sohn“, pas táwęs II 46₂₃ „bei dir“ (offenbar stehen alle Beispiele nur mit dem Genitiv); c) Ant križiumi I 145₇ „am Kreuz“ (einziges Beispiel).

Alle diese žemaitischen Merkmale belegen überzeugend, dass der Übersetzer des Gesangbuchs ein Žemaitier war. Die „dūnininkischen“ Entsprechungen der Diphthonge uo, ie legen nahe, seine Muttermundart im südlichen žemaitischen Gebiet zu suchen. In der Karte zeigt Linie 1 die heutigen Grenzen dieses Gebiets. Im Laufe von dreihundert Jahren kann sich die Isophone ū „uo“, ī „ie“ natürlich etwas verschoben haben, obwohl uns dafür keine eindeutigen Belege vorliegen¹⁹.

Auch zahlreiche weitere sprachliche Merkmale des Gesangbuchs weisen uns auf das südliche žemaitische Gebiet hin und werden weiter unten erörtert. Hier sei unter den phonetischen Merkmalen die für Südžemaiten charakteristische sporadische „sekundäre Nasalierung“²⁰ genannt, z. B. Nom. Pl. jãs I 26₁₈, II 96₃ „ihrer“ (~ jǫs), Ią/gį II 2₁₄ „sie ja“, Instr. Sg. m. tą II 12₁₅, 16₂₂, 27₈, 86₁₉, 104₁₂, 109₂₀ „damit“ (~ tų aus dem südlichen Žemaitischen tū „damit“), iǫ II 84₆ „mit ihm“, ieg I 116₁₅ „mit ihm ja“, Adv. nǫ I 32₁₀ „nun, jetzt“ oder någ I 7₁₉, Nagi I 143₈ „nun ja“ (so 25-mal geschrieben), Konj. Nęs I 119₁₇ „denn“ (47 Belege) oder nęfag I 63₁₁, Nęsg I 132₂₂ „ebenfalls“ (9 Belege). Unter den morphologischen Merkmalen sind die für Südžemaiten charakteristischen Formen der 2. Pl. des Imperativs auf -kiat (-ket) zu nennen, z. B. atmin kier I 122₁₅ „erinnert euch“ (im Gesangbuch 55 Belege), sowie die Formen der 1. Sg. des Konditionalis auf -čiau, z. B. tikėčiau I 145₁₃ „ich würde glauben“ (andere Beispiele gibt es nicht). Nordžemaiten verwenden diese Formen nicht: Sie haben die Endung -kit für den Imperativ der 2. Pl. (neben der 1. Pl. -kiam) und den Konditional der 1. Sg. -čio oder -čiu (letztere Variante wird auch im nördlichen Teil des südžemaitischen Gebiets verwendet).

Die heutige südsamogitische Mundart lässt sich am zweckmäßigsten anhand der Behandlung von an, am, en, em in zwei Unterdialekte gliedern. Im nordwestlichen Unterdialekt, den A. Girdenis varniškiai nannte, ist wie im nordsamogitischen Gebiet der erste Bestandteil von Verbindungen des Typs an verengt (ausgesprochen on, arba un), während er im südöstlichen Unterdialekt, der nach den raseiniškiai benannt ist, unverändert erhalten blieb. In der Schematik zeigt Linie 2 die heutige Grenze zwischen den beiden Unterdialekten. Slavočins-

¹⁸ Eine beträchtliche Zahl der vom heutigen Standpunkt aus als žemaitisch geltenden Wörter des Gesangbuchs wurde damals offenbar auch im hochlitauischen Dialekt verwendet, z. B. atpén(t) „wieder“ (atpen I 78₇) findet sich im Katechismus von M. Petkevičius, in der Knyga Nobanžystės und in der Bibel von J. Bretkūnas; dingoti „meinen, scheinen, sich zeigen, vermuten“ (1. Sg. Prät. dingojau II 39₇) begegnet in hochlitauischen Schriftzeugnissen aus Ostpreußen verschiedener Zeiträume, und dergleichen.

¹⁹ J. Kazlauskas’ Hypothese, dass „in einem Teil des dūnininkischen Dialektgebiets, der unmittelbar an das dounininkische Gebiet angrenzte, früher möglicherweise ebenfalls ei, ou existierten, die unter dem Einfluss benachbarter Dialekte ohne ę, ǫ zu į, uː>i, ū geworden sein könnten, gleichzeitig mit der Umwandlung von ę, ǫ in i, u“ (Baltistica, V(I) 33), würde, selbst wenn sie sich als richtig erwiese (vgl. den Aufsatz von A. Girdenis, ebenda, VI (2), 143—145), die Sachlage im Wesentlichen nicht ändern: Erstens ist der Zeitpunkt der angenommenen Veränderung von ou, ei zu uu, ii>ū, ī unbekannt; außerdem bezieht J. Kazlauskas seine Hypothese auf den nördlichen Teil des Gebiets, während die Muttermundart des Übersetzers des Gesangbuchs, wie wir sehen werden, im Süden des Gebiets zu suchen ist.

²⁰ Dazu siehe V. Vitkauskas. Kelios pastabos dėl formų šių, sesių, — „Baltistica“, II (2), Vilnius, 1966, S. 203—206; Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, S. 196—197.

143

Schema zur Lokalisierung des Dialekts des Übersetzers des Gesangbuchs von S. M. Slavočinskis (1646)

1 — südsamogitische Dialekte („dūnininkų“-Isophone),

2 — Grenze zwischen den Varniškiai- und Raseiniai-Dialekten (Isophone der Verengung von an, am, en, em),

3 — Isoglosse der Dat.-Sg.-Endungen -ū (~-uo) || -ui,

4 — heutige Einbuchtung, in der das „samogitische Lautgesetz“ nicht beachtet wird,

5 — anlautendes e- wird systematisch durch a- ersetzt,

6 — zd > z,

7 — ungefähres Gebiet, in dem der Dialekt des Übersetzers des Gesangbuchs von S. M. Slavočinskis zu lokalisieren ist (in südöstlicher und nordöstlicher Richtung könnte es etwas erweitert werden)

Im Gesangbuch an sind die Verbindungen dieses Typs unversehrt 21. Folglich weisen sie uns auf das Gebiet der Raseiniškiai hin. Dass die Samogiten Mitte des 17. Jahrhunderts andernorts bereits eine Verengung vorgenommen hatten, könnten solche in den Gerichtsakten von Raseiniai vorkommenden Schreibungen samogitischer Ortsnamen belegen wie Анмалецъ лунку22(A. Salys liest Aпt Alėjos [: Alėja — ein Fluss im Amtsbezirk Viduklė.] lankų), унто̄ гурио певасъ23 (= aпt girių pievos). Schließlich weisen auch die übrigen sprachlichen Merkmale des Gesangbuchs zweifellos auf den Raseiniai-Dialekt. So sind im Gesangbuch,

21 Von weit mehr als tausend Beispielen sind vier mit verengtem erstem Bestandteil als östliche Merkmale der Gesangbuchsprache anzusehen. Sie werden im Abschnitt über die hochlitauischen Elemente der Gesangbuchsprache behandelt.

22 SIEHE И. Я. Спрогис, Географический словарь древней Жемойтской земли XVI столетия, Вильна, 1888, p. 5.

23 Ebenda, S. 12.

144

Wie auch im Raseiniai-Gebiet bleiben die kurzen Vokale u, i24 ungekürzt; viele Varniškai-Sprecher wandeln sie um, und ein Teil (Kuršėnai, Šaukėnai) hat sie, wie J. Kazlauskas25 mit Recht annahm, früher zu o, ė umgewandelt.

Der lange Vokal ė wird im Gesangbuch in offener unbetonter Endsilbe häufig durch į ersetzt, z. B. n. sg. rikβti II 98₄ ‘Rute’, Sauli I 84₁₆ ‘Sonne’, žiami II 61₃ ‘Erde’, 3. praet. pamati I 77₁₃ ‘sah’, tafi I 91₅ ‘trug’, vžmuši I 51₁₇ ‘erschlug’ (insgesamt 112 Beispiele). Hierzu gehören wahrscheinlich auch noch über zwanzig Formen des n. sg. f. superl. mit -iausi (< iausė?), z. B. gražiaufi II 87₈ ‘am schönsten’, bვენčiaufi I 32₁₄ ‘am heiligsten’. Den Kurzvokal į anstelle von ė in der heutigen unbetonten Endsilbe haben alle Raseiniai-Sprecher und ihre näheren Nachbarn um Šaukėnai, Kuršėnai, Šakiai und Veliuona26. Die übrigen Samogiten sprechen -ė27.28

Von allen Žemaiten ist das Reflexivpartikel -se ‘-si’ heute nur noch im Raseiniai-Gebiet (um Pagramantis, Skaudvilė, Eržvilkas und Raseiniai) belegt; im Gesangbuch von Slavčinskis wird es allgemein verwendet, z. B. 1. sg. bįiau/e II 19₂₂ ‘ich fürchtete mich’, artin/iu/e II 25₁₇ ‘ich werde mich nähern’, f točiause II 102₅ ‘ich würde mich hinstellen’, 2. sg. randi/e I 93₂ ‘du findest dich’, dawej/e I 135₁₀ ‘du hast dich gegeben’, 1. pl. džiaukiamuo/e I 45₆ ‘wir freuen uns’, 3. Person atranda/e I 131₁₈ ‘es erscheint’, bengia/e II 57₁₉ ‘es endet’, prikiel/j/e I 133₆ ‘wird auferstehen’, wargintu/e I 74a₁₆ ‘sie würden sich abmühen’, Inf. abgintje II 21₄ ‘sich verteidigen’, n. sg. m. Nuwile/e II 26₁₉ ‘enttäuscht’, n. pl. m. Džiaugdamie II 49₂₃ ‘sich freuend’, g. pl. gaylenčiu/e I 140₃ ‘des Siegenden, d. h. der Siegenden’ (insgesamt etwa 230 Belege). Am Wortende wird das Reflexivpartikel -si überhaupt nicht verwendet29; wie auch heute in den Dialekten steht es nur nach einem Präfix, z. B. Su/imiles II 56₁₆ ‘sich erbarmt habend’, at/iranda/e II 48₂₈ ‘es erscheint’. Aus den oben angeführten Beispielen geht hervor, dass das Reflexivpartikel bei präfigierten Verben „žemaitisch“ verwendet wird, d. h. nicht nur nach dem Präfix, sondern auch am Wortende oder an beiden Stellen.

Das Gebiet der Raseiniai-Sprecher selbst wird heute von mehreren markanten Isoglossen durchzogen. Zunächst ist unter ihnen die unterschiedliche Endung des Dativs Singular bei Substantiven des a-Stamms zu nennen: Im nordwestlichen Teil des Gebiets lautet sie -ū (=hochlit. -uo), im südöstlichen Teil -ui. In der Karte ist die Grenze durch Linie 3 gekennzeichnet. Sie ist recht scharf, ohne einen breiteren Streifen mit Doppelformen; dies weist auf die Beständigkeit und Stabilität der Isoglosse hin.

Im Gesangbuch von Slavčinskis wird systematisch die Endung -ui verwendet (geschrieben -uy). Sie findet sich auch in den gelegentlich auftretenden längeren Adjektiv- und Partizipformen, z. B. amžingmy I 40₂₃ ‘ewigem’, gimu/iamuy I 40₁₈ ‘Geborenem’. Kein einziges Beispiel eines Substantivs oder eines anderen deklinierbaren Wortes mit -ū ist belegt! Daraus folgt, dass der Geburtsdialekt des Übersetzers zu suchen ist

24 Inf. gerdeti II 55₇ ‘hören’ und 1. sg. mireme II 106₁₁ ‘wir sterben’, wie die Form g. sg. gimenes II 43₂₈ ‘Verwandtschaft’ zeigt, die in der Korrekturliste des Übersetzers selbst zu gimines verbessert wurde (II 128₂₂), sind zweifellos Druckfehler.

25 Siehe J. Kazlauskas, Zur Entwicklung von baltisch *ei und *ō in den litauischen žemaitischen Dialekten, — „Baltistica“, V, Vilnius, 1969, S. 32—33.

26 Dass der Übersetzer des Gesangbuchs hier in seinem Dialekt einen kurzen Vokal hatte, zeigen die Versenden, z. B. n. sg. roželi I 42₁₁ ‘Röslein’ reimt sich auf voc. sg. berneli, 3. praet. ap/jiauti I 78₆ ‘zog an’ auf Inf. gauni, 3. praet. i/jaki I 76a₁₈ ‘sprach aus’ auf n. -a. du. abi aki, und so weiter.

27 Die traditionelle Dialektklassifikation, die dieses Merkmal als Unterscheidungsmerkmal der Untermundart Veliuona der westlichen Hochlitauer auffasste, führte J. Palionis in die Irre, der behauptete, im Gesangbuch von Slavčinskis fänden sich Elemente des Dialekts von Veliuona.

28 Aus technischen Gründen ist auf Karte Nr. 42 in der „Litauischen Dialektologie“ (Vilnius, 1966) des Verfassers dieses Artikels bei der Angabe der Grenze zwischen den Gebieten von -i und -ė ein grober Fehler unterlaufen. Tatsächlich gehören die Umgebungen von Plungė, Rietavas, Kvėdarna, Laukuva, Varniai und Luokė natürlich zum Gebiet von -ė. Die Beispiele aus diesen Orten sind im Buch korrekt angegeben.

29 Das einzige Beispiel 3. praet. fotino/ii II 223 ‘sorgte für sich’ wurde in der Korrekturliste zu foti-no/e (II 128₁₆) verbessert.

10. 520

145

das Gebiet südöstlich der Linie 3. Diese Schlussfolgerung könnte auch dadurch bestätigt werden, dass im Gesangbuch die Diphthonge ai, ei in allen Fällen erhalten bleiben (natürlich sofern ihre Monophthongierung nicht später als im 17. Jahrhundert erfolgte), denn nordwestlich vom mittleren Abschnitt der Linie 3 (der für uns am wichtigsten ist) werden diese Diphthonge im Auslaut monophthongiert.

Im Gebiet südöstlich der Linie 3 werden die Affrikaten č, dž heute unterschiedlich behandelt; näher bei den Aukštaiten, ab der Linie 4, wird nämlich das „zemaitische Lautgesetz“ missachtet. Diese Isophone könnte früher jedoch auch etwas weiter südlich und östlich verlaufen sein. Dafür sprechen nicht nur ihr Verlauf in nordwestlicher Richtung, sondern auch der an diesen Orten deutlich erkennbare intensive Prozess der Aukštaitisierung der Žemaiten.

Vertikal durchschneidet die Isophone der Verwandlung von wortinitialem e-, ei- zu a-, ai- das Gebiet der Raseiniai-Sprecher in zwei Hälften. Sie ist jedoch sehr unscharf: In einem breiten Streifen in der Mitte des Gebiets schwankt der Gebrauch; einige Wörter werden mit a-, andere mit e- gesprochen, wieder andere auf beide Arten (an einzelnen Orten gibt es große Schwankungen), während die Verwandlung von ei- zu ai- nahezu im gesamten Gebiet der Raseiniai-Sprecher vorkommt. Systematisch wird jedoch jedes wortinitiale e- nur östlich der Linie 5 zu a-. In Slavočinskis Gesangbuch ist e- nur in häufig gebrauchten Formen des aktiven Partizips Präsens des Verbs būti zu a- geworden, z. B. Nom. Sg. m. Aſas I 156₄ ‘ęsas’, Gen. Sg. ąſančia II 22₅, Dat. Sg. asańčiamuy II 36₂₃, Akk. Sg. aſanti I 102₁₀₉, Gen. Pl. aſančiu I 153₁₁₁₁, Dat. Pl. aſantiemus I 50₄, Akk. Pl. aſančius I 125₁₉. Anderswo bleiben e- bzw. ei- erhalten, z. B. Nom. Sg. elnis II 17₂₀ ‘eln ias’, Instr. Pl. erſpkieteeys II 14₂₁ ‘erškėčiais’, Gen. Pl. eſibiu I 129₂₂ ‘esyb ių’, Inf. eyt II 26₂₆ ‘eiti’, 1. Sg. Fut. eyſiu I 81₁₈, Nom. Sg. Eydamas II 47₉ ‘eidamas’, eyla II 6₁₈ ‘eilė’. Da es im Gesangbuch jedoch einen Fall dieser Verwandlung gibt, kann der Heimatdialekt seines Übersetzers nicht in dem Gebiet gesucht werden, in dem heute esu (mit e-) gesprochen wird; folglich ist er östlich der Linie 5 zu suchen.

Im Heimatdialekt des Übersetzers wurde das Wort barzda als barza ausgesprochen (ohne den Konsonanten d), vgl. Plaukus barzos, gahwos trauki I 75₁₃ ‘Haare des Bartes, des Hauptes riss’, ant barzos Arona II 59₂₂ ‘an Aarons Bart’. Heute wird zd am konsequentesten zu z (man sagt baržà ‘Bart’, blaužà ‘Schienbein’, lazà ‘Stock’) im westlichen und mittleren Teil des Gebiets der Raseiniai-Sprecher, ungefähr bis zur Linie 6. Im 17. Jahrhundert könnte diese Lautentwicklung jedoch auch jenseits dieser Linie vorgekommen sein, da sie heute weiter nördlich (Užventis, Šaukėnai, Kuršėnai) und östlich (Tytuvėnai — zwischen Kelmė und Šaukotas) anzutreffen ist.

Aus allem bisher Gesagten wird deutlich, dass der Dialekt des Übersetzers am ehesten im Gebiet der Raseiniai-Sprecher zu suchen ist, das im Nordwesten und Südwesten durch die Linien 3 und 5 abgegrenzt wird. Im Südosten und Nordosten könnte dieses Gebiet noch etwas über die Linien 4 und 6 hinaus erweitert werden. In der Schemazeichnung ist das wahrscheinlichste Gebiet schraffiert30.

Diese Schlussfolgerung stimmt völlig mit den von K. Jablonskis veröffentlichten Archivdaten überein31, denen zufolge Slavočinskis Heimatort in Lįpkiškė lag, etwa 6 km südöstlich

30 Bei der Abgrenzung wurde die durch dieses Gebiet verlaufende Isophone der bedingten Akzentzurückziehung nicht berücksichtigt (sie ist sehr unscharf), da sich aus der Metrik der Gesänge die Akzentuierung jener Zeit nur schwer erschließen lässt. Dennoch könnten Versenden, in denen sich beispielsweise Akk. Pl. dienas I 63₈ ‘Tage’ mit Nom. Sg. m. vienas ‘eins’, ein nicht seltener Fall, 3. Sg. Präs. niera I 117₂₀ ‘ist nicht’ mit Sg. m. gera ‘trank’ und 1. Sg. Diewu I 28₂₂ ‘Gott’ mit Tewut ‘Vater’ reimen, darauf hindeuten, dass Formen mit vom Endrand zurückgezogenem Akzent dem Übersetzer nicht völlig fremd waren; dies bestätigt im Wesentlichen die Lokalisierung seines Dialekts am Rand der Zone der Akzentzurückziehung.

31 Siehe K. Jablonskis, Saliamono Slavočinskio biografijos žinios. — S. M. Slavočinskis, Giesmės... Vilnius, 1958, p. 53 tt.

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aus der Gegend von Nemakščiai. Zugleich könnte dies wohl auch den von Literaturhistorikern geäußerten Zweifel an Slavočinskis Autorschaft entkräften. Dennoch bleibt ein solcher Zweifel in gewissem Maße bestehen, denn wie wir später sehen werden, wird er durch Elemente anderer Dialekte im Gesangbuch und insbesondere durch die Analyse der Übersetzungstechnik der Lieder gestützt.

Elemente des aukštaitischen Dialekts

Von den mehr oder weniger allen Aukštaiten gemeinsamen sprachlichen Merkmalen des Gesangbuchs von Slavočinskis sind folgende zu nennen:

1. Verwendung der Affrikaten č, dž anstelle der nach dem „samogitischen Lautgesetz“ erwarteten Konsonanten t, d, z. B. n. sg. Jaučias I 59₂₁ ‘Stier’, n. pl. žodžiai I 3₂₀ ‘Wörter’, d. pl. Žodžiams I 14₁ ‘den Wörtern’, i. pl. Erškietėys II 72₁₇ ‘mit Dornen’, d. sg. m. kalbančiam I 41₁₂ ‘dem Sprechenden’, a. sg. f. Turinčią I 20₂₀ ‘die Habende’, l. pl. gieydžiame I 28₁ ‘wir begehren’, 3. Pers. apšviečia I 25₉ ‘erleuchtet’, adv. nuoširdžiei I 48₂ ‘aufrichtig’. Solche aukštaitischen Formen gibt es im Gesangbuch häufiger als samogitische. Sie machen sogar 68% aller Beispiele aus und sind ungefähr gleichmäßig über das gesamte Gesangbuch verteilt. Offenbar war der Übersetzer mit den aukštaitischen Affrikatenformen recht vertraut und bemühte sich bewusst, die Sprache des Gesangbuchs in dieser Hinsicht stärker aukštaitisch zu gestalten. Darauf weisen vorkommende Hyperkorrektismen hin, z. B. a. sg. žvaizdžia I 33₁, 46₂₂ ‘Stern’, 3. Präs. weyzdžia II 16₂₇ ‘sieht’.

2. Aukštaitische Diphthonge uo, ie anstelle der „dūnininkischen“ ū, į, z. B. a) Inf. duoti II 19₁₅, n. sg. Duona I 145₁₆, a. pl. nuodemes I 128₂₁ ‘Sünden’, b) n. sg. Giesme I 8₄, liežuvį I 140₇, świeśa I 38₁₂ ‘Licht’, žiedas I 34₁₂ ‘Ring’, c) n. sg. Akmuo I 117₁₃, g. sg. širdies I 21₁₉ ‘des Herzens’, i. sg. m. Tuo I 45₂₀, n. pl. m. Tie I 51₁₁. Formen mit aukštaitischen uo, ie überwiegen ebenfalls; im Gesangbuch machen sie sogar etwa 84% aller Beispiele aus (Wörter wie miestas, niekas usw., in denen auch die Samogiten uo bzw. ie haben, sind hier nicht mitgezählt). Einige Wörter, z. B. diena, duona, duoti, giesmė, juokas, kiekvienas, liežuvis, mėnuo, nuoširdžiai, priešingas, šviesa, vienas, viešpats, žiedas, werden ausschließlich mit uo, ie gebraucht. Bei etlichen Wörtern überwiegt die aukštaitische Variante. So wurde die Form dievas sogar 515-mal aukštaitisch (mit ie) geschrieben, samogitisch dagegen nur einmal (g. sg. Diwa II 126₁). Das Verb giedoti hat neben 52 aukštaitischen ebenfalls nur eine samogitische Form (Inf. gidot I 42₂₁). Neben dem systematisch aukštaitisch geschriebenen Substantiv diena und dem Zahlwort vienas hat das Adverb šiandien sowie die Ableitungen vienybė, vienoks beide Varianten (das Verhältnis aukštaitischer zu samogitischen Formen beträgt entsprechend 14: 6, 3: 3, 3: 1). Wahrscheinlich sind die als Hyperkorrektismen anzusehenden Formen g. sg. nuoplakimą II 85₂ ‘des Auspeitschens’, 3. Permis. Te prieduod I 15₂₁ ‘er möge hinzufügen, gewähren’ durch die Vermischung aukštaitischer und samogitischer Laute sowie das Bestreben entstanden, die Sprache des Gesangbuchs stärker aukštaitisch zu gestalten.

3. Anstelle des samogitischen uo, ie (= des aukštaitischen o, ė) werden im Gesangbuch meist die Buchstaben o, ė geschrieben, z. B. n. pl. žmones I 16₅ ‘Menschen’, g. sg. f. ios I 6₁₀ ‘ihrer’, Inf. Turet I 36₁₀ ‘haben’, d. sg. Tewuy I 63₂₃ ‘dem Vater’. Mit samogitischem uo wurden, wie bereits zuvor angegeben, im gesamten Gesangbuch lediglich 12 Beispiele festgestellt; mit ie gibt es mehr, allein in der Position nach k, g, š, ž wurden 159 gefunden. Dennoch machen solche Schreibungen nur einen kleinen Teil aller Beispiele aus; durchgehend überwiegt die aukštaitische Schreibweise.

4. Häufig werden volle Endungen anstelle der samogitischen Kurzformen verwendet, z. B. n. sg. m. amžinas I 29₂₁, Niekas I 23₅, 3. Präs. randą II 10₃, tarnauja I 22₇, ne gali I 152₆. Keineswegs jedoch können alle derartigen Beispiele als Merkmale des aukštaitischen Dialekts gelten.

10*

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Es ist durchaus möglich, dass damals im Gebiet nördlich des Aukštaitischen noch nebeneinander Formen mit vollen und gekürzten Endungen verwendet wurden32. Der Übersetzer wählte die eine oder andere Endung, um die erforderliche Silbenzahl in der Liedzeile einzuhalten. Deshalb werden Formen mit kurzen und vollen Endungen durchweg vermischt; vgl. etwa dieses Zweizeiler:

Karalaw garbės, skalsus wakaras, Duok kad nu wakars butu mūs giaras (5020-21).

5. Es werden aukštaitische Lokativformen verwendet: i-Stamm-Lok. Sg. mit der Endung -ų(je), z. B. ugnì II 4₁₉ ‘im Feuer’ (selten; die samogitische Endung -ėj(e) > -iej überwiegt), Lok. Pl. der a-Stamm-Substantive mit der Endung -uose, z. B. namuose I 60₂₀ ‘zu Hause’ (59 Beispiele gegenüber einem mit der samogitischen Endung -ise bzw. -ųse), Lok. Pl. der i-Stämme mit -isa (-ysa?), z. B. akyse I 37₁ ‘in den Augen’ (häufiger als die samogitischen Formen mit -ėsa > -iesa; es könnte sich jedoch auch nicht um aukštaitische, sondern um samogitische Formen handeln, die älter sind und noch nicht von der ē-Paradigmatik beeinflusst wurden).

6. Aukštaitische pronominale Endung des Dat. Pl. m. -iem(u)s, z. B. Tiems II 17₁₅, šventiemus I 13₃, ganantiemus I 44₁₆. Sie ist häufiger (77 Beispiele) als die samogitische Endung -ims (13 Beispiele).

7. Aukštaitische Verbformen der 1. Pl. mit -me, z. B. 1. Pl. Präs. regime I 25₈, refl. stojames II 88₁₀ ‘wir stehen auf, d. h. wir werden’, Fut. veykfime I 81₃ ‘wir werden handeln’, Imper. bekime I 57₂ ‘lasst uns laufen’. Sie sind häufiger als die samogitischen Formen mit -ma.

8. Imperativformen mit -ki-, z. B. 2. Sg. Bukig I 22₁₉ ‘sei doch’, 1. Pl. giedokime I 31₅, refl. džiaukimes I 32₃ ‘freuen wir uns’, 2. Pl. eykite I 41₃. Sie sind etwas häufiger (58%) als die samogitischen Formen mit -kia- (42%). Formen mit -ki- als eindeutiges Merkmal des aukštaitischen Dialekts anzusehen, ebenso wie die recht häufig verwendeten Präsensformen des i-Stamms (z. B. 1. Pl. regime I 25₈, 2. Pl. regite I 102₁₀, ne gali I 152₆ ‘kann nicht’), sollte man wohl kaum, da sie damals möglicherweise als Nebenformen auch im samogitischen Dialekt des Übersetzers im Gebiet nördlich des Aukštaitischen gebräuchlich waren.

Noch fraglicher ist der aukštaitische Charakter der Verwendung der Formen des Pronomens der dritten Person jis, ji, zumal diese Formen auch heute stellenweise im südöstlichen Teil des samogitischen Dialekts neben Formen des ana- (f. anā-) Stamms vorkommen. Als Einfluss des aukštaitischen Dialekts wäre möglicherweise nur die Häufigkeit eines solchen Gebrauchs im Gesangbuch zu erklären. Die Wahl der einen oder anderen Pronomenform wurde jedoch wahrscheinlich durch die Notwendigkeit bestimmt, die erforderliche Silbenzahl in den Liedzeilen einzuhalten.

Unter den aukštaitischen Elementen des Gesangbuchs von Slavočinskis, die nicht für alle Aukštaiten, sondern nur für einige Unterdialekte charakteristisch sind, ist vor allem die Velarisierung des Konsonanten l (gekennzeichnet durch den Buchstaben ł33) vor e-artigem Vokalismus (e, ei, ę, ē) zu nennen, z. B. a) a. sg. Šiotelė II 53₁₁, a. pl. Gieſmeles I 32₆₂, 1. Sg. żerkole II 98₁₁ ‘im Spiegel’; b) 1. Sg. Fut. leyſiu I 81₁₇ ‘ich werde lassen’, a. sg. atleydima I 123₁₁ ‘Vergebung’; c) a. sg. taurele I 71₁₆,

32Dass derartige Formen früher auch im übrigen samogitischen Gebiet vorkamen, zeigt der Erhalt von am in der heutigen n. sg.-Form nešams ‘getragen’. Nur bei Vorhandensein des Dubletts nešamas || nešams konnte am auch in der kürzeren Variante ungeschwächt erhalten bleiben. Andernfalls müsste man annehmen, dass die kurzen Vokale in der Endung erst nach der Verengung der am-Verbindungen verschwunden seien, erst recht nach der Reduktion und Denasalisierung der Endung des acc. sg. -ą; das wäre jedoch unsinnig, denn in diesem Fall müssten -a’ und -ą’ doch zusammen mit den übrigen kurzen Endungsvokalen verschwinden.

33 So wird auch das harte ł vor hinteren Vokalen bezeichnet, z. B. malone I 21₅ ‚Gnade‘, 3. praet. lauži I 52₁₁ ‚brach‘. Die Grapheme ł und l werden streng unterschieden. Vgl. a. sg. linkſmibe I 27₂₀ ‚Fröhlichkeit‘; in der Korrekturliste wurde dies zu linkſmibe (II 128₈) korrigiert.

148

n. sg. m. nuwilęs II 21₈ ‚enttäuscht‘, n. pl. m. priwilę II 21₆ ‚enttäuscht, enttäuscht habend‘; d) inf. ple/št I 97₁₀ ‚reißen‘, 1. sg. praet. mileiau II 43₄ ‚ich liebte‘, 2. sg. praet. pralejai I 137₄ ‚du vergossest‘ (~pralejai34), 3. fut. gales II 3₁₈ ‚wird können‘, n. sg. žole II 55₁₄ ‚Gras‘, n. pl. kirmeles II 66₁₂. Diese Verhärtung ist nicht systematisch, sondern sporadisch. Es wurden etwa 80 Beispiele gefunden. Bei einigen ist die Durchstreichung des Buchstabens l nicht ganz eindeutig. Nach der Verhärtung bleiben die Vokale bei l unverändert, mit Ausnahme der folgenden Formen: 3. praes. (?) sląpa35 II 26₄ ‚versteckt?‘, 3. praet. layde36 II 40₂ ‚ließ‘ (~leide), prikala37 I 80₁ ‚legte an‘. Noch häufiger wird l in der Lautverbindung lbe verhärtet, in Formen der Wörter gelbeti (33 Belege) und kalbeti (21 Belege).

Die Aukštaiten, die vor Vokalen des e-Typs ein hartes l haben, verhalten sich gegenüber den Nasalvokalen ą, ę und dem ersten Bestandteil von Verbindungen des Typs an unterschiedlich: Im Westen blieb in einem bestimmten Gebiet die ursprüngliche Lautqualität dieser Laute erhalten; im übrigen Gebiet verengten sie sich, mancherorts alle (im Gebiet der Ostaukštaiten), andernorts nur ą und ę (im Gebiet der Südaukštaiten). Im Gesangbuch von Slavocińskis sind sowohl ą und ę als auch die Verbindungen des Typs an gewöhnlich unverändert erhalten. Es gibt jedoch auch Beispiele mit Verengung. Sie sind als Elemente der ostlitauischen Dialekte anzusehen.

Folgende sporadische Beispiele mit ostlitauischer Veränderung von ą sind zu beobachten:

1. Formen des Verbs mąstyti und der Substantive mąstymas, mąstis ‚Gedanke, Verstand‘ (insgesamt 13 Belege): a) inf. muſtit II 48₁₀ ‚denken‘, 1. sg. fut. muſtiſiu II 39₁₇ ‚ich werde denken‘; b) n. sg. muſtimas II 6₂₁ ‚Denken, Nachdenken‘, g. sg. muſtima I 132₂₄, II 31₂₇, muſtim II 5₁₈ (in den Korrekturen berichtigt³⁸ zu: muſtima II 128₁₅), a. sg. muſtima II 1₁₁, 9₉, a. pl. muſtimns (irrtümlich statt muſtimus gedruckt) II 23₁₅, all. pl. muſtimump II 6₂; c) 1. sg. muſtiey II 75₁₅ ‚im Gedanken, im Verstand‘, a. pl. muſtis II 26₁, 107₁₉. Vgl. a. sg. mąſtima II 39₃ ‚den Gedanken‘.

2. Eine Form des Substantivs sąnarys: a. pl. funarius I 91₄.

3. Drei Formen des Substantivs sąžinia ‚Gewissen‘: g. sg. Sužinios II 25₂₆, a. sg. fužiniá II 2₂₃, 1. sg. Sužinioy II 14₁₆.

4. Eine ostlitauische Akkusativ-Singular-Endung: karalunu I 118₉ ‚den König‘.

Diese Beispiele machen nur einen kleinen Teil (etwa 1,2%) aller Positionen des Nasalvokals ą aus.

Das ostlitauisch veränderte e findet sich in folgenden sporadisch verwendeten Formen:

1. Akk. Sg. -ę in der Wendung per puſi I 87₈ ‚zur Hälfte‘.

2. Nom. Sg. m. -ęs: piautis I 49₁₁, 62₁₆ ‚gefühlt habend‘, pálikis II 21₁₆ ‚zurückgelassen habend‘ (möglicherweise auch das mit ihm reimende netikis II 21₁₅ ‚nicht passend‘, sofern es sich nicht um netikis handelt).

Sie machen nur etwa 0,6% aller ę-Positionen aus.

34 Das Verb lieti hat im Gesangbuch zwei Varianten des Präteritalstamms: lėj- (z. B. 3. Person leia I 86₁₄ ‚er/sie goss‘, a. sg. lejma I 121₁ ‚das Gießen‘) und liej- (z. B. lieia I 117₃ ‚er/sie goss‘, a. sg. lieiima II 12₄ ‚das Gießen‘). Der erste ist elfmal belegt, der zweite viermal. Präsensformen dieses Verbs kommen im Gesangbuch nicht vor. Von elf Belegen mit gemeinsamem Stamm sind acht mit ei geschrieben, eine žemaitische Form mit i (a. pl. f. iſblitas II 27₂ ‚vergossene‘), und zwei mit dem Buchstaben e: 2. sg. fut. leſi I 66₁₄ ‚du wirst gießen‘ (wahrscheinlich aufgrund des Reims mit mineſi ‚du wirst erwähnen‘), a. sg. iſzleta I 145₂₁ ‚vergossen‘.

35 Das Beispiel ist zweifelhaft, da auch der Kontext nicht ganz klar ist. Siehe den Kommentar von J. Lebedys in S. M. Slavocińskis, Giesmės… S. 397.

36 Das Verb leisti und seine Ableitungen mit hartem l kommen 31-mal vor; nur dieser eine Beleg weist lei>lai auf.

37 Vgl. 3. Praet. iſpuole II 40₃ ‚fiel heraus‘, refl. Skieles I 94₃ ‚spaltete sich, d. h. riss, bekam Risse‘ mit -le(s).

38 J. Lebedys hielt mangels eines vollständigen Exemplars des Gesangbuchs die Kasusform des Substantivs mąstis > mūstis zu Unrecht dafür (M. Slavocińskis, Giesmės … 474).

149

Hierher müsste auch die Akkusativ-Singular-Form des Personalpronomens Tawi I 95₆ ‚dich‘ gezählt werden, sofern es sich dabei nicht um einen Druckfehler handelt. Ansonsten enden die Akkusativformen der Personalpronomen stets auf -e.

Mit veränderten an-artigen Verbindungen wurden nur diese 4 Beispiele festgestellt (etwa 0,4%): Inf. aptunkiti II 82₁₇ ‚umherwandern‘, Gen. Sg. aptunkima II 85₇ ‚des Umherwanderns‘, 2. Pl. Fut. nekim-tiefite II 16₁₆ ‚ihr werdet nicht hassen‘, Akk. Sg. Nindre II 75₂₅ ‚Schilfrohr‘ (vgl. Akk. Sg. nendre II 78₂₄, Instr. Sg. Nendre II 72₁₈).

Die wenigen Beispiele mit ostlitauisch veränderten ą-, ę- und an-artigen Verbindungen (alle zusammen machen weniger als 1% aus) zeigen, dass der von Natur aus žemaitische Dialekt des Übersetzers im Gesangbuch stärker mit Elementen des hochlitauischen, zum „Verhärten“ neigenden westlichen Gebietsanteils (der ą, ę bzw. an-artige Verbindungen bewahrt hatte) durchsetzt war als mit denen des östlichen (der sie verengt hatte). Diese Schlussfolgerung entspricht gut der sprachlichen Situation des litauischen Schrifttums jener Zeit. Der Dialekt des westlichen Teils des fraglichen Gebiets, der nach dem wichtigsten Zentrum jener Zeit – der Stadt Kėdainiai – bedingt als Dialekt der Gegend von Kėdainiai bezeichnet werden könnte, hatte sich Mitte des 17. Jahrhunderts im litauischsprachigen Schrifttum des Großfürstentums Litauen bereits fest etabliert. In diesem Dialekt erschien das erste bekannte gedruckte Buch dieses Schrifttums – M. Daukšas Katechismus von 1595. Die Calvinisten konkurrierten mit den Katholiken und veröffentlichten sowohl ihre ersten (M. Petkevičius’ Katechismus von 1598) als auch ihre späteren Schriften gerade im Dialekt dieser Gegend³⁹. In diesem Dialekt wurden auch die ersten umfangreichen Predigtsammlungen sowohl der Katholiken als auch der Calvinisten für den Druck vorbereitet und veröffentlicht – M. Daukšas Postille von 1599 und die sogenannte Postille von J. Morkūnas aus dem Jahr 1600. Somit hatte sich damals auf der Grundlage des Dialekts der Gegend von Kėdainiai bereits eine gewisse schriftsprachliche Tradition herausgebildet, mit mehr oder weniger klar ausgeprägten Normen dieser Sprache. Daher ist es völlig natürlich, dass man sich bei der Herausgabe des ersten Gesangbuchs im Großfürstentum Litauen bemühte, sich nicht allzu weit von dieser Tradition zu entfernen, und sich an diesen Normen orientierte.

Obwohl der Dialekt der Gegend von Kėdainiai im litauischen Schrifttum jener Zeit vorherrschte, war er doch nicht der einzige. Die aus dem osthochlitauischen Gebiet stammenden Schriftsteller, vor allem K. Sirvydas (Širvydas), J. Jaknavičius und der unbekannte Übersetzer des Katechismus von 1605, später auch weitere, schrieben in ihrem heimischen Dialekt. Somit bildete sich damals eine weitere Schriftsprache heraus, die auf dem osthochlitauischen Dialekt (mit Vilnius als Zentrum) beruhte und die ihre Vertreter als „echtes Litauisch“ zu betrachten neigten, im Gegensatz zur angeblich „žemaitischen“ Schriftsprache auf der Grundlage des Dialekts der Gegend von Kėdainiai (d. h. eines Dialekts aus dem Gebiet des Fürstentums Žemaitija)⁴⁰. Für die Verbreitung ostlitauischer Merkmale in den Schriften von Autoren mit anderen Dialekten war das Wörterbuch von K. Sirvydas von erheblicher Bedeutung; bis zum Erscheinen von Slavocinskis Gesangbuch waren davon bereits drei Ausgaben erschienen.

Im Folgenden werden bei der Erörterung der hochlitauischen Merkmale des Gesangbuchs von Slavocinskis zunächst diejenigen behandelt, die uns mehr oder weniger auf den damaligen Dialekt der Gegend von Kėdainiai hinweisen; danach kommen jene zur Sprache, deren Ursprung im Gebiet des osthochlitauischen Dialekts zu suchen ist.

Anstelle des offenen unbetonten Auslautvokals o wird im Gesangbuch von Slavocinskis gewöhnlich der Buchstabe a geschrieben, z. B. Gen. Sg. nora I 7₂ ‚des Wunsches‘, 3. Praet. pažina I 34₂₀ ‚erkannte‘. Eine solche

39 Siehe Z. Zinkevičius, Der Dialekt des Katechismus von M. Petkevičius (1598), — „Baltistica“, VI (2), Vilnius, 1970, S. 243.

40 Vgl. die Worte aus dem Vorwort des Übersetzers des Katechismus von 1605: „Atáiō auſiumė mano ne wieno ʒodʒey, kurie neyʒmánu ʃákos Cathechiſmo pérguldito, nuog io mili fiſtos kúngo Mikaloiaus Dáukʃbos [...] iog éſus ánas pérguldis ii ʒemáytiſbkay, ir gieyde aniš nuog mani, idant Lietúwiʃbkay butũ pérgulditas“ (Hervorhebung von mir. — Z. Z.).

150

Die Schreibweise zeigt in vielen Fällen offenbar eine žemaitische Aussprache dieser Endung41. Im Gesangbuch kommt jedoch bisweilen auch o vor, z. B. ant oro I 46₂₂, 3. praet. Ne buvo I 73₄. Das ist bereits ein eindeutiges hochlitauisches Merkmal. Schreibungen mit -o machen lediglich 4,5% aller Belege aus. Doch auch in den Schriften der damaligen Vertreter der Gegend von Kėdainiai schwankt der Gebrauch zwischen -o und -a: In den Schriften von M. Daukša überwiegt -o, -o. im Katechismus von M. Petkevičius hingegen bildet -a sogar 75,7%42. Folglich wurde damals in diesem Teil des Gebiets des hochlitauischen Dialekts -a oder -ą ausgesprochen (die Quantität ist unklar). So erklärt sich der vergleichsweise geringe Anteil der Schreibungen mit -o im Gesangbuch von Slavočinskis.

In der unbetonten geschlossenen Endung -os sind Schreibungen mit o (z. B. g. sg. Motinos I 95₃, n. pl. f. wijos I 131₉₃) unvergleichlich häufiger. Sie machen sogar 66% aus. In den damaligen Schriften der Gegend von Kėdainiai findet sich ebenfalls nur die Endung -os; selbst im Katechismus von Petkevičius wurden überhaupt keine Belege mit -as festgestellt.

Als hochlitauisch sind Belege mit dem Buchstaben e anstelle des ė der heutigen Standardsprache in unbetonter offener Endung anzusehen (z. B. n. sg. žiame I 63₁₂ ‘žemė’, 3. praet. dawe I 84₁₅ ‘davė’), die im Gesangbuch neben der žemaitischen Endung -i ‘-ė’ stehen43. Sie machen 76% aller Belege aus. Bemerkenswert ist, dass der Endungsvokal am Versende als kurzer und offenbar offener Vokal behandelt wird44.

Weniger klar sind Qualität und Quantität des Vokals der unbetonten Endung -es ‘-ės’. Die Reime am Versende weisen auf zwei Aussprachevarianten dieser Endung hin: 1) mit kurzem Vokal (d. h. wahrscheinlich žemaitische Aussprache), vgl. den Reim von g. sg. matones I 11₂₀ ‘malonės’ auf a. pl. žmones ‘žmones’45, und 2) mit langem Vokal, vgl. den Reim von n. pl. gimines II 10₈ ‘giminės’ auf 3. fut. puldines ‘puldinės’. Die zweite Variante ist als hochlitauisches Merkmal anzusehen.

Als Dialektmerkmal der Gegend von Kėdainiai ist auch die sporadische Schreibung eines Nasalbuchstabens in den Akkusativ-Singular-Endungen der Nomina -ą (nur einige Dutzend Belege festgestellt, von denen ein Teil nicht ganz eindeutig ist; siehe S. 139) und -ę (diese ist viel häufiger, etwa 18% der Belege) sowie in der Endung -ęs des Nominativ Singular Maskulinum der aktiven Partizipien der Vergangenheit (etwa 7%) anzusehen, denn diese Endungen waren damals in Zentral-Litauen, anders als im Gebiet des žemaitischen Dialekts und in Ostlitauen, noch nicht denasalisiert. Dies zeigen deutlich die Schriften von M. Daukša, M. Petkevičius und anderen Autoren.

Hochlitauische Merkmale, die uns auf Ostlitauen verweisen, sind viel seltener und treten sporadisch auf. Abgesehen von den zuvor genannten sind folgende als besonders markant anzusehen:

1. Drei Belege mit re>ra: i. pl. skaralėmis I 45₁₅ ‘skarelėmis, t. y. skudurais’, adv. grata II 77₃ oder Gratu II 73₈ ‘greta’.

2. Ein Beleg mit v- vor anlautendem uo (geschrieben o): n. pl. wolas I 101₁₄ ‘uolos’.

3. Eine Form des Substantivs obuolys, in der uo > a (ā?) entspricht: g. pl. Obalu I 64₁₈ ‘obuolių’. Vgl. die žemaitische Form a. pl. obulus I 65₁ ‘obuolius’.

41 Die Kürze des Vokals zeigt sich an den Versenden der Gesänge, vgl. den Reim von 3. praet. wargina I 95₈ ‘vargino’ auf n. sg. Motina ‘motina’ sowie von g. sg. m. gera I 117₁₉ ‘gero’ auf 3. praes. mera ‘nėra’.

42 Z. Zinkevičius, Der Dialekt des Katechismus von M. Petkevičius (1598), S. 240.

43 Letztere kann nicht als hochlitauisches Merkmal gelten, da sie in dem Gebiet, in dem vor e-artigen Vokalen ein hartes l vorkommt, nicht auftritt.

44 Vgl. den Reim von 3. praet. pawijte I 63₉₃ ‘suvystė’ auf voc. sg. Christe ‘Kristau’, von n. sg. žiame I 63₁₂ ‘žemė’ auf 1. sg. m. tame, von 3. praet. dawe I 120₃ ‘davė’ auf a. sg. Jawe ‘savę’, von 3. praet. gime I 31₆ ‘gimė’ auf l. pl. imper. giedokime sowie von 3. praet. klause II 18₈ ‘klausė’ auf 3. praes. refl. sotinause ‘sotin ausi’.

45 Zur Qualität (Offenheit) des Vokals dieser Variante vgl. außerdem den Reim von n. pl. gimines II 56₂₇ ‘giminės’ auf n. sg. m. pažines ‘pažinęs’ (= vgl. žem. -ęs).

151

4. Sieben Beispiele mit dem Präfix ażu- (sonst wird už- verwendet): 1. sg. praet. ażu mirßau II 55₁₃ ‚ich vergaß‘, 3. praes. dźutur II 18₁₈ ‚hält zurück‘, 2. pl. imper. ne ażu kietinnkite II 50₁₅ ‚verhärtet nicht‘, n. sg. m. ażu wilkies II 49₄ ‚bekleidet‘, ne ażu meruotas II 57₁₀ ‚nicht ausgemessen‘, g. sg. ażu mirsimo II 39₁₃ ‚des Vergessens‘, ażu fiejė-dima II 6₁₅ ‚des Herabsteigens‘.

Die volle Form des Pronomens der 3. Person, n. sg. m. anas ‚er‘ (I 8₁₇, 17₁₈, 29₁₁ u. a.), und 3. praes. rodźiafje II 48₁₁, ₂₇ ‚scheint‘ (aufgrund des Stammes, nicht eines Reflexivpartikels), könnten sowohl als Element des Kėdainiai-Gebiets als auch der ostlitauischen Hochländer gelten, da diese Formen damals in den Schriften beider Dialektgruppen verwendet wurden⁴⁶. Noch weiter verbreitet war die Präposition ing ‚nach, in‘ (59 Belege), die sowohl in der litauischen Schriftlichkeit des Großfürstentums Litauen als auch in derjenigen Ostpreußens belegt ist (z. B. bei M. Mažvydas, J. Bretkūnas).

Unklar ist, wie die Form 1. sg. praet. fregu. budawau II 25₁₄ ‚war‘ zu beurteilen ist, die damals offenbar nur in der Schriftlichkeit Ostpreußens vorkam (vor allem in der „Wolfenbütteler Postille“, außerdem in den Büchern von J. Bretkūnas, B. Vilentas und L. Zengštokas), heute aber nur noch am südöstlichen Rand des litauischen Sprachgebiets belegt ist (Zietela, Lazūnai, Dievėniškės, Druskininkai, Kápčiamiestis, Veisiejai, Leipalingis, Liškiava).

Wie die Lieder übersetzt wurden

J. Lebedys hat nachgewiesen, dass Slavočinskios Gesangbuch keine Sammlung zuvor ins Litauische übersetzter Lieder ist (über sie ist nur wenig bekannt), sondern ein in einem Zug zusammengestelltes Buch⁴⁷. Die Lieder wurden aus den damaligen lateinischen und polnischen Gesangbüchern übersetzt (die Psalmen nicht aus der Bibel, sondern aus Bearbeitungen des berühmten polnischen Dichters des 16. Jahrhunderts J. Kochanowski); zudem wurde sehr frei und nicht wörtlich übersetzt, wie es damals üblich war⁴⁸. Daher wäre es in vielen Fällen treffender, sie (aus damaliger Sicht) nicht als Übersetzungen, sondern als Nachdichtungen zu bezeichnen. Literaturhistoriker bewerten die Arbeit des Übersetzers sehr hoch und betrachten ihn als bedeutenden Neuerer der litauischen Verskunst⁴⁹.

Ohne auf die künstlerische Seite der Übersetzung einzugehen, ist hier lediglich auf jene Besonderheiten der Verskunst hinzuweisen, die zum Verständnis der sprachlichen Erscheinungen der Übersetzung beitragen.

Zunächst ist festzustellen, dass der Übersetzer die vorgeschriebene Silbenzahl pro Verszeile sehr streng beachtete. Deshalb wurden Wörter mitunter ungewöhnlich stark gekürzt, z. B. n. sg. duš II 116₁₈, 118₈ ‚Seele‘, waland I 66₄ ‚Stunde‘, 3. praet. Giwen II 22₁₂ ‚lebte‘, liep I 76b₂₀, 78₈ ‚befahl‘, tar I 17₃ ‚sagte‘. Stellenweise werden sogar Vokale im Wortinneren ausgelassen, z. B. ill. sg. kalnen I 76b₃ ‚ins Gefängnis‘ (vgl. a. pl. kalines II 34₁₀), voc. sg. Stansłoway I 118₇ ‚Stanislovai‘ (vgl. g. sg. Stanisłowo I 118₆). Es kommen auch gegenteilige Fälle vor – sogenannte „Füllwörter“, die sonst unnötig wären (sie stehen nicht im Original), den Sinn der Wendung verdunkeln, aber ebenso wie die Wortkürzungen allein durch das Bemühen des Übersetzers entstanden, die vorgeschriebene Silbenzahl pro Verszeile einzuhalten⁵⁰. Das Ausmaß dieser Bemühungen

⁴⁶ Das žemaitische ańs ‚er‘ verlor den Endvokal bereits vor der Verengung der Verbindungen des Typs an; vgl. nordžemaitisch ąns.

⁴⁷ Siehe J. Lebedys, 1646 metų giesmynas. — S. M. Slavočinskis, Giesmės … S. 15—18.

⁴⁸ Ebenda, S. 31—39.

⁴⁹ Žr. Lietuvių literatūros istorija, I. Redagavo prof. K. Korsakas. Vilnius, 1957, p. 150—151; J. Lebedys, 1646 metų giesmynas, p. 39—45; J. Girdzijauskas, Lietuvių eiledara. Vilnius, 1966, p. 118—124.

⁵⁰ Beispiele führt J. Lebedys an; siehe S. M. Slavočinskis, Giesmės … S. 377 (Anmerkung zur Zeile 131₁₃).

152

Unter anderem zeigen dies die am Ende des Gesangbuchs hinzugefügten Berichtigungen von Fehlern, in denen sich sogar Fälle finden, in denen eine nebenstehende Form durch eine andere ersetzt wird (z. B. Inf. judit wird durch juditi ersetzt, II 128₁₁ ‚richten‘), sofern dies die Silbenzahl der Verszeile erfordert.

Der Übersetzer schenkte auch den Reimen große Aufmerksamkeit. Seine Reime zeichnen sich durch den vollständigen Gleichklang zweier Silben (seltener anderthalb Silben) aus. Reime finden sich auch dort, wo das Original nahezu durchgehend reimlos oder mit mittelalterlichem Reim gereimt ist⁵¹. Um des Reimes willen verwendet der Übersetzer mitunter sogar ungewöhnliche, künstliche Kasus- oder Personenformen, z. B. Dat. Pl. piemenėmus I 68₈ ‚den Hirten‘ (Reim mit ganantiemus ‚den Weidenden‘), Instr. Pl. Fem. būyjemis II 30₇ ‚mit schrecklichen‘ (reimt sich auf pādutiklemis ‚mit Schießscharten‘), Instr. Pl. pelenomis (!) II 55₂₅ ‚mit Asche‘ (mit ábaromis ‚mit Tränen‘), Instr. Pl. Fem. žibantiemis II 5₂₃ ‚mit leuchtenden‘ (mit žwayzdemis ‚mit Sternen‘), 1. Pl. Präs. dusaujime I 63₃ ‚wir seufzen‘ (mit 3. Sg. Prät. užgime ‚wurde geboren‘). Ein interessantes Beispiel hierfür bietet die Strophe

Šapelu atnešt noia, Prakartiey iam pakloia (I 62₁₃–₁₄)⁵²,

wo aus Reimgründen und zur Wahrung der Silbenzahl der Verszeile die Verbform nuėjo ungewöhnlich stark verkürzt ist.

Für die Versgestaltung nutzte der Übersetzer ältere Formen geschickt, insbesondere Dative im Plural auf -mus (z. B. žmonemus I 11₁₀, šwentiemus I 13₃, mumиs I 10₂) und im Singular auf -mui (z. B. gieramuy I 81₁₅, gimušiamuy I 40₁₈), die neben den entsprechenden üblichen Kurzformen stehen und dem Reim dienen, vor allem aber dazu, Verse mit der erforderlichen Silbenzahl zu bilden. Zu diesem Zweck werden auch kürzere und längere Singularformen des Lokativs verwendet (vgl. den Reim zwischen 3. Sg. Prät. kaboia ‚hing‘ und 1. Sg. girioia ‚im Wald‘ I 85₂₁–₂₂), des Instrumentals im Singular der i- bzw. u-Stämme (z. B. akmenimi II 47₈, Sunumi I 77₇ und Wieppātim II 15₂₄, junum I 81₂₀), zwei Formen des Futurs (z. B. 2. Pl. regiefite I 117₁₈ ‚ihr werdet sehen‘ und Stofite I 126₄ ‚ihr werdet stehen‘), passend gewählte postpositionale Lokative oder sie ersetzende Präpositionalfügungen (z. B. Ill. Sg. žiámen II 40₄, All. Sg. Diewop II 45₂₂ und mit žiame II 26₁₄, pri Diewą II 88₁₈), längere oder kürzere Varianten einzelner Wörter (z. B. welinas II 93₂₂ und welmas II 70₇ ‚Teufel‘) und dergleichen.

Die Analyse des Gesangbuchtextes zeigt, dass die žemaitischen Elemente aus einer einzigen Quelle stammen – aus der Muttersprache des Übersetzers selbst. Die aukštaitischen Elemente hingegen sind heterogen. Sie umfassen Merkmale verschiedener Unterdialekte des Aukštaitischen; einen Teil davon dürfte der Gesangbuchübersetzer selbst eingeführt haben, andere offenbar Personen, die das Gesangbuch für den Druck vorbereiteten, vielleicht auch die Drucker.

Der Übersetzer des Gesangbuchs selbst muss mit dem Aukštaitischen gut vertraut gewesen sein. Da er aus dem žemaitischen Gebiet am Rand des Aukštaitischen stammte, konnte er von klein auf neben žemaitischen auch einige aukštaitische Wortformen gehört haben. Und zwar nicht nur aus dem Mund der aukštaitischen Nachbarn. In seinem eigenen Heimatdialekt gab es damals offenbar, ähnlich wie heute in der Umgebung von Nemakščiai, eine gewisse Zahl aukštaitischer Nebenformen. Mit aukštaitischen Formen muss sich der Übersetzer später noch stärker vertraut gemacht haben, als er längere Zeit im Gebiet des aukštaitischen Dialekts lebte und mit Aukštaiten verkehrte.

An den Reimen am Versende ist deutlich zu erkennen, dass dem Übersetzer die folgenden Merkmale des aukštaitischen Dialekts gut bekannt und vertraut waren:

⁵¹ Beispiele nennt J. Lebedys, ebenda, S. 41.

⁵² ‘Die Heuhaufen holen ging, in der Krippe bereitete man ihm ein Lager’.

153

1. Aukštaitische Diphthonge uo, ie anstelle der ū, ī des heimischen Dialekts. Darauf weisen Fälle hin, in denen der Übersetzer aukštaitische Wörter mit solchen reimt, die uo, ie auch im žemaitischen Dialekt bewahren, z. B. a. sg. wieta I 6₃ ‚den Ort‘ mit a. sg. /wieta ‚die Welt‘ (nicht weniger als ein gutes Dutzend Mal!). Mitunter verwendet er aukštaitische Wörter für den Reim mit solchen, die in der betonten Wurzel mit dem Buchstaben e geschrieben werden, z. B. reimt sich a. sg. viena I 65₂ ‚eine‘ mit g. sg. pena ‚des Brotes‘, g. sg. m. kiekwiena I 109₃ ‚jedes‘ mit iž/iena ‚von alters her‘, d. sg. wietay II 70₃ ‚dem Ort‘ mit n. pl. metay ‚Jahre‘. Mit žemaitischen Entsprechungen wäre ein solcher Reim unmöglich gewesen.

2. Kurze Vokale in den Endungen in den Fällen, in denen die Žemaiten sie nicht bewahren. So reimt sich beispielsweise n. sg. m. amžinas I 29₂₁ mit 3. praes. refl. artinas ‚nähert sich‘, 3. praes. duoda II 65₂ mit 3. praet. roda ‚zeigt‘ (mehrmals), 3. praes. ne gali I 152₆ mit a. sg. dali ‚den Teil‘.

3. Aukštaitische unbetonte Endung -ė (-e). Z. B. reimt sich 3. praet. pawijte I 63₂₂ ‚wickelte ein‘ mit voc. sg. Christe ‚Christus‘ (mehrmals), dawe I 84₁₅ ‚gab‘ mit a. sg. fawe ‚sich‘, klause II 18₂ ‚fragte‘ mit l. sg. praet. refl. sotinause ‚ich sättigte mich‘, n. sg. žiame I 63₁₂ ‚Erde‘ mit l. sg. m. tame.

4. Aukštaitische unbetonte Endung -os. Z. B. reimt sich g. sg. motinos I 74a₉, II 59₉ mit 3. praet. refl. warginos ‚mühten sich ab‘ und numažinos ‚verringerten sich‘.

Eine andere Person konnte diese aukštaitischen Elemente nicht eingeführt haben: Da sie durch die Versgestaltung selbst bedingt sind, gehören sie zum ursprünglichen Sprachmaterial, das der Übersetzer beim Dichten verwendete, nicht zu einem sekundären, ergänzenden, später bei der Überarbeitung des Textes hinzugekommenen Material.

Wahrscheinlich sind auch längere Formen des loc. sg. von Nomina (vgl. den Reim von girioia I 85₂₂ ‚im Wald‘ mit 3. praet. kaboia ‚hing‘), die Formen der 1. und 2. pl. bei Verben (vgl. den Reim von 2. pl. praes. žinote I 77₂ ‚ihr wisst‘ mit voc. sg. Pitote ‚Pilatus‘) sowie die Variante des Imperativs mit -ki- zu den dem Übersetzer vertrauten aukštaitischen Formen zu zählen (vgl. den häufigen Reim von 2. pl. imper. klikaukimę I 63₁₅ ‚lasst uns kreischen‘ mit 1. sg. fueime ‚beim Zusammenkommen‘), sofern diese Formen damals natürlich nicht bereits in seinem heimischen žemaitischen Dialekt vorkamen.

Offenbar wählte der Übersetzer beim Dichten je nach Bedarf žemaitische oder aukštaitische Formen. So passte beispielsweise zum g. sg. wina [vyna] ‚des Weins‘ als Reim die žemaitische Adverbform šiendina [šendīna] ‚heute‘ (I 71—73) besser als das aukštaitische *šėdīena [šandīeną]⁵³. Ebenso fügte sich zum n. sg. m. galis [galis ar galīs] ‚mächtig‘ die žemaitische Genitivform dális [dalis] ‚des Teils‘ (II 103₂₆) besser als die aukštaitische Entsprechung *dalies [daliės]. Vgl. ferner den Reim von n. sg. m. wižágális ‚allmächtig‘ mit g. sg. pális II 44₁₂ ‚des Landes‘ und von n. sg. świeſa ‚Licht‘ mit der žemaitischen Form 1. sg. vgnieſa II 115₂₁ ‚im Feuer‘. Zum 1. sg. m. tame passte jedoch die aukštaitische n. sg.-Form žiame [žeme] ‚Erde‘ (I 63₁₉) deutlich besser als das *žiami [žemī] des heimischen südžemaitischen Dialekts; ebenso fügte sich zum voc. sg. Christe ‚Christus‘ die aukštaitische Form 3. praet. pawijte [pavīste ar pavīštė] ‚wickelte ein‘ (I 63₂₂) besser als das žemaitische *pawijti [pavīsti].

Auf diese Weise stellte der Übersetzer, um einen besseren Reimklang zu erzielen, häufig Wörter und Formen mit žemaitischer Lautung neben typisch aukštaitische, z. B. reimt sich g. sg. giedas II 91₂₆ ‚der Schande‘ (žemaitisch ie < ē und -as ‚-os‘) mit

53 Vgl. die Strophe: Hey wina tokio wina, Ne buwa dar šiędina (I 71₈–₉) ‚Ei, Wein, so ein Wein, heute gab es noch keinen.‘ In diesem Lied wurde der Reim wina: šiędina nicht weniger als sechsmal verwendet.

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n. sg. žiedas II 92₈, ‘Ring’ (ostlitauisches ie und die Endung -as). Solche Beispiele gibt es recht viele, und sie sind vielfältig. Vgl. ferner den Reim der žemaitischen Formen der 1. pl. tupuoƒe ‘auf den Lippen’ mit dem ostlitauischen danguoƒe I 105₁₂ ‘am Himmel’.

Im Gesangbuch wurden Wörtern mit žemaitischer Phonetik nicht selten ostlitauische Endungen angefügt, z. B. 3. praet. ieme II 14₁₅ ‘nahm’, n. sg. m. iƒzkodamas I 140₁₆ ‘suchend’, d. pl. m. iƒzkantiemus I 140₅ ‘den Suchenden’, 1. pl. lipƒnoƒe I 133₁₁, 156₁₁, II 117₅ ‘in den Flammen’. Mitunter weist eine im Wesentlichen žemaitische Form ostlitauische Laute auf, z. B. 1. pl. imper. refl. džiaukaimoƒe I 45₆ ‘freuen wir uns’ (mit o statt uo). Es kommen auch umgekehrte Fälle vor, in denen eine ostlitauische Form eine žemaitische phonetische Hülle erhält, z. B. 1. pl. praes. refl. wilamieƒe II 31₁₇ ‘wir lügen’ (die ostlitauische Endung -ėse wurde žemaitisch ausgesprochen).

Den Übersetzer bewogen zweifellos der Wunsch, eine größere Zahl von Litauern anzusprechen, sowie das Bestreben, ein möglichst populäres Gesangbuch vorzubereiten, ostlitauische Elemente in das Gesangbuch aufzunehmen⁵⁴. Von erheblicher Bedeutung war natürlich auch das Vorbild der früheren ostlitauischen Schriftlichkeit im Großfürstentum Litauen. Da es jedoch nicht in allen Fällen klare Normen und eine sie regelnde normative Grammatik gab, war es natürlich schwierig, bei der Ostlitauisierung der žemaitischen Liedsprache größere Einheitlichkeit zu erreichen.

Die größte Verwirrung verursachte dem Übersetzer und wohl auch denjenigen, die die Sprache des Gesangbuchs ostlitauisierten, die Verwendung der Grapheme o, e und uo, ie. Beide Paare werden im Gesangbuch, insbesondere in der Flexion und in den Suffixen von Wörtern, häufig verwechselt. Dies geschah aufgrund der Schwierigkeit zu erkennen, wo die žemaitische Diphthongierung der ostlitauischen Vokale o, ė vorliegt und wo ostlitauische Diphthonge uo, ie verwendet werden, die der Übersetzer in Anpassung an die Ostlitauer zu verwenden suchte. Eine ähnliche Verwechslung lässt sich auch in der heutigen Sprachpraxis beobachten, wenn ein weniger gebildeter Žemaitier, insbesondere aus einer hinsichtlich der Dialekte gemischten Familie, versucht, in der Standardsprache zu schreiben.

Im Gesangbuch werden die Grapheme o und uo am häufigsten in den Lokativpluralendungen verwechselt (vgl. mask. -uose und fem. -ose > žem. -uose) sowie in den Suffixen -uotas und -otas (> žem. – uots). Dies betrifft sowohl Beispiele innerhalb der Verszeile als auch Reimpositionen, z. B. 1. pl. kalboƒe ‘in den Sprachen’ reimt sich auf weykałoƒe ‘in den Werken’ (II 97₂), mal̇dnoƒe ‘in den Gebeten’ auf lipƒnoƒe ‘in den Flammen’ (I 156₁₀–₁₁), namuoƒe ‘in den Häusern’ auf mieƒtoƒe ‘in den Städten’ (I 60₂₀–₂₁), wargoƒe ‘in den Leiden’ auf kawlinioƒe ‘in den Pelzen’ (I 66₂₀–₂₁). Im Gesangbuch wurde die maskuline Lokativpluralendung mit dem Graphem o sogar häufiger verwendet (35 Belege)⁵⁵ als die mit uo (26 Belege). Auch die Suffixe -uotas, -uotinis, -uoti wurden häufiger mit dem Graphem o geschrieben (13 Belege) als mit uo (8 Belege).

Die Grapheme ie und e (anstelle von ė) werden am häufigsten in der pronominalen Dativpluralendung verwechselt; vgl. den Reim der d. pl. m. teyƒingiemus ‘den Gerechten’ auf kaltemus ‘den Schuldigen’ (II 37₁₉–₂₀), i̇bgriebt emus ‘den Geretteten’ auf giminemus ‘den Verwandten’ (II 42₂₃–₂₄), taukiantemus ‘den Wartenden’ auf βauk iantemus ‘den Rufenden’ (II 41₁₆–₁₇). Die Endung -iem(u)s wurde 62-mal mit ie und 15-mal mit e geschrieben.

In den Wortstämmen ist die Verwechslung der Grapheme uo, ie und o, e seltener, kommt aber vor; so steht etwa 3. praes. doda II 114₉ ‘gibt’ (Reim auf roda ‘zeigt’), n. sg. m. lepdās I 154₂ < lepdams ‘laufend’. Auch hier war ein Fehler nicht schwer zu machen, wenn man die im Gesangbuch verwendeten Wörter berücksichtigt, in denen sowohl Žemaiten als auch Ostlitauer uo, ie aussprechen, z. B. afiera,

⁵⁴ Das Bestreben, das Gesangbuch populärer zu machen, zeigt unter anderem auch die Berichtigung von Fehlern: Die in I 116₆ stehende 3. cond.-Form fectu ‘würde folgen’ wurde zu fektu korrigiert (II 128₅).

⁵⁵ Loc. pl. wiƒrikłoƒe I 44₁₉, 59₉, ‘in den Windeln’ wurde hier nicht mitgezählt, da das Substantiv vystykłai im Dialekt des Übersetzers nicht maskulin, sondern feminin war; vgl. i. pl. wiƒtikłomis I 53₂₃, II 8₁₅ ‘mit Windeln’.

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Öl, Andriejus, tielybė, Elžbieta, Gabrielis, Juozapas (8 Belege neben g. sg. Juzapa I 3₉), Kazimieras, kielikas, Maižiešius ‚Mose‘, miera ‚Mäßigung, Bescheidenheit‘, mieruoti ‚messen‘, Stadt, niemand, niemals, nirgendwo, (ver)achten, (nicht) der Freund, Schwefel, Butter, Vaitiekus. Von 282 festgestellten Belegen dieser Art sind 248 mit uo, ie und 34 mit o, e geschrieben. Charakteristisch ist, dass die meisten der letzteren auf das Wort niekas und dessen Ableitungen entfallen. Das Verb (pa)niekinti und das Substantiv (pa)niekinimas werden systematisch nur mit dem Buchstaben e geschrieben. Auch das Suffix -ienė wird mit e geschrieben; dies könnte darauf hindeuten, dass der Übersetzer sich bemühte, den Wörtern seines heimischen samogitischen Dialekts eine hochlitauische Lautung zu verleihen, indem er sie bei der Übertragung an die Lautung anpasste56.

Im Gesangbuch werden die Grapheme o, e recht konsequent anstelle der samogitischen Diphthonge uo, ie (= hochlit. o, ė) in Wörtern verwendet, die sich auf Wörter mit hochlitauischen oder in beiden Dialekten gemeinsamen Diphthongen uo, ie reimen, z. B. in den Formen der Verben stoti (samogit. stuoti) und duoti (II 2₁₆–₁₇, ₂₄–₂₅, 19₁₅–₁₆, 36₉–₁₀, ₁₃–₁₄, 56₁₉–₂₀ u. a.), im a. sg. m. žadeta ‚das Versprochene‘ und pradeta ‚das Begonnene‘ sowie im g. sg. swieta ‚der Welt‘ (I 39b₆–₈, ₁₃–₁₅, ₂₀–₂₂). Dies könnte jedoch nicht nur das Werk des Übersetzers, sondern auch das einer anderen Person sein, die die Sprache des Gesangbuchs hochlitauisiert hat.

Ein gesondertes Problem stellt das Vorkommen ostlitauischer Merkmale im Gesangbuch dar. Die Analyse der Versgestaltung zeigt, dass zumindest ein Teil davon vom Übersetzer der Lieder selbst eingeführt worden sein dürfte; vgl. n. sg. m. paiautis ‚gefühlt habend‘, das sich auf n. sg. iautis ‚Stier‘ reimt (I 49₁₀–₁₁, 62₁₅–₁₆), a. sg. puſi ‚die Hälfte‘ – reimend auf a. sg. m. iſdžiuwuſi ‚ausgetrockneten‘ (I 87₈–₉), a. sg. karalunu ‚Königlein‘ – reimend auf a. sg. ſunu ‚Sohn‘ (I 118₉–₁₀).

J. Lebedys erklärt die ostlitauischen Merkmale des Gesangbuchs mit dem Einfluss des Wörterbuchs von K. Sirvydas57. Im Gesangbuch finden sich jedoch auch ostlitauische Merkmale, die in diesem Wörterbuch nicht vorkommen58, z. B. (ne)kintėti ‚(nicht) ertragen‘, aplunkyti ‚besuchen‘, aplunkymas ‚Besuch‘ (das Versmaß ist auf S. 150 angegeben), skaralė ‚Lumpen‘, grata ‚neben‘, obalys ‚Apfel‘ (S. 151). Außerdem kann die ostlitauische Flexion der Kasus nicht aus dem Wörterbuch übernommen worden sein, z. B. a. sg. karalunu I 118₉ ‚Königlein‘, puſi I 87₈ ‚die Hälfte‘. Auch die Partizipien paiautis I 49₁₁, 62₁₆ ‚gefühlt habend‘ und palikis II 21₁₆ ‚zurückgelassen habend‘ stehen nicht in dem genannten Wörterbuch. Folglich muss es neben diesem noch eine andere Quelle gegeben haben, aus der ostlitauische Formen in das Gesangbuch gelangten. Als eine solche Quelle ist der lebendige osthochlitauische Dialekt jener Zeit anzusehen, in dessen Gebiet der Übersetzer offenbar längere Zeit gelebt haben muss. Wahrscheinlich handelte es sich um die damals ostlitauisch sprechenden Einwohner der Stadt Vilnius, mit denen der Übersetzer etwa während seines Studiums an der Akademie von Vilnius Umgang hatte. Bemerkenswert ist, dass das Gesangbuch sogar samogitisierte ostlitauische Formen enthält, z. B. 2. pl. fut. nekintiesite II 16₁₆ ‚ihr werdet nicht ertragen‘ (mit der samogitischen Diphthongierung des Vokals ė).

Der Übersetzer hat die Wörterbücher von K. Sirvydas tatsächlich häufig benutzt59. Sie waren, J. Lebedys’ Worten zufolge, sein wichtigstes Handbuch beim Übersetzen der Lieder ins Litauische. Wahrscheinlich stammen aus diesem Wörterbuch die ostlitauischen Entsprechungen der Wörter mąstyti, mąstymas, mąstis ‚Gedanke, Verstand‘, sąnarys, sąžinia, nenėrė (sie sind auf S. 149–150 angegeben), das Substantiv uola mit vorgeschaltetem v- (der Übersetzer verstand die Orthographie von K. Sirvydas nicht, nach der der Diphthong uo am Wortanfang durch die Buchstaben vo bezeichnet wird), die meisten Wörter mit dem ostlitauischen Präfix ažu- (S. 152) und viele weitere, die keine eindeutigen Dialektmerkmale aufweisen (Neubildungen, Fremdwörter u. a.); als Beispiele seien genannt: didėžuvìs ‚Wal‘ (II 66₄), miestakelis

56 Die Präposition apie wird ebenfalls systematisch mit e geschrieben (alle 40 Belege). Sie kann jedoch den Vokal ė oder e statt ie enthalten; vgl. die heutigen Dialektformen apė, ape.

57 Siehe J. Lebedys, 1646 metų giesmynas. — S. M. Slavočinskis, Giesmės..., S. 24.

58 Der Autor dankt K. Pakalka, dem Erforscher dieses Wörterbuchs, der die nachstehend angeführten Daten zur Verfügung gestellt hat.

59 Hierzu siehe J. Lebedys, a. a. O., S. 26–30.

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„Straße“ (II 25₆), pelikonas „Pelikan (ein solcher Vogel)“ (I 145₁₉, II 55₁₉), adv. piktadaringai „böswillig, schamlos“ (II 25₈), persūna „Person, Individuum“ (I 129₂₃, 131₂₃, II 115₁₄ u. a.), rožių vainikas „Rosenkranz“ (II 68₄, 69₁₃), sudara „Eintracht, Einvernehmen“ (II 46₉, 60₄), sumania „Vorhaben, Absicht“ (II 24₂₄), skalinis „Schüler“ (II 82₉), tikybė „Glaube“ (I 143₁₀), visotimė „Volk, Menge“ (I 103₂₀). Nicht nur die Form, sondern auch die Schreibweise dieser und einiger anderer Wörter stimmen im Wörterbuch von Sirvydas und im Gesangbuch von Slavčinskis vollständig überein. Außerdem kommen sie überwiegend in Psalmen und überhaupt in schwerer zu übersetzenden Liedtexten vor.

Fassen wir all das zusammen, was über das ursprüngliche Sprachmaterial gesagt wurde, das der Übersetzer selbst beim Dichten verwendete, so müssen wir zu dem Schluss kommen, dass dessen samogitische Grundlage stark von der oberlitauischen Mundart beeinflusst war, vor allem von der damaligen Gegend um Kėdainiai und, in geringerem Maße, von den ostoberlitauischen Untermundarten. Der Übersetzer muss lange mit Vertretern dieser Mundarten Umgang gehabt und lange in ihrem Umfeld gelebt haben. Daher kann er kaum ein junger Mann gewesen sein. Das stützt gewissermaßen die von Literaturhistorikern geäußerten Zweifel daran, ob Saliamonas Mozerka Slavčinskis, der 1646 noch in Vilnius studierte, tatsächlich der Übersetzer eines derart vollkommenen Gesangbuchs gewesen sein konnte⁶⁰. Gegen diese Zweifel spricht jedoch die vorgenommene Lokalisierung der Heimatmundart des Übersetzers an denselben Orten, aus denen S. M. Slavčinskis stammte. Somit bleibt die Frage der Autorschaft des Gesangbuchübersetzers weiterhin untersuchungsbedürftig⁶¹.

Die Sprache des von einem Samogiten angefertigten Gesangbuchs unterschied sich trotz ihrer zahlreichen oberlitauischen Elemente erheblich von der damals üblichen Sprache der in Großfürstentum Litauen veröffentlichten litauischen Schriften, die auf der oberlitauischen Mundart der Gegend um Kėdainiai (im Bistum Samogitien) oder der ostoberlitauischen Mundart (im Bistum Vilnius) beruhte. Dies genügte den jesuitischen Herausgebern des Gesangbuchs offenbar nicht; sie verlangten, diese Sprache noch stärker zu oberlitauisieren und das Gesangbuch einer noch größeren Zahl von Litauern zugänglich zu machen.

Wer diese Arbeit ausführte – der Übersetzer selbst oder eine andere Person (Personen?) –, lässt sich heute schwer feststellen. Dennoch haben wahrscheinlich neben dem Übersetzer auch andere Personen an der Überarbeitung der Liedtexte mitgewirkt, vielleicht ein eigens zu diesem Zweck bestellter Redakteur (Redakteure?). Dafür sprechen jedenfalls die stellenweise durch die Oberlitauisierung beschädigten Reime, um deren Wohlklang sich der Übersetzer, wie wir gesehen haben, sehr bemühte. So gibt es im Lied „über die Hochzeit in Kana in Galiläa“ (I 70—73) neben dem sechsmal wiederholten klangvollen Reim g. sg. wina [vīna] „Wein“: adv. šiedina [šendina] „heute“, der aus den samogitischen Formen des Substantivs vynas und des Adverbs šiandieną gebildet wird, vier Fälle, in denen dieser Reim beschädigt ist: Die samogitische Form des Adverbs šiandieną wurde durch das oberlitauische Äquivalent šiediena ersetzt (I 71₄, ₁₉, 72₂, ₂₉). Ein weiteres Beispiel für einen durch Oberlitauisierung beschädigten Reim ist n. sg. žiedas „Ring“ auf g. sg. giedos „Schande“ (statt samogitisch giedas; II 112₁₉)⁶². Vom Übersetzer würde man eher erwarten, dass er solche Stellen neu und anders dichtete, als dass er den Reim beschädigte.

60 Siehe Lietuvių literatūros istorijos chrestomatija. Redagavo K. Korsakas ir J. Lebedys. Vilnius, 1957, p. 76; Lietuvių literatūros istorija, I. Redagavo K. Korsakas, Vilnius, 1957, p. 150; J. Lebedys, 1646 metų giesmynas. — S. M. Slavčinskis, Giesmės..., p. 45—49.

61 Dass S. M. Slavčinskis der Übersetzer war, zeigen Titelblatt und Vorwort des Gesangbuchs. Siehe dazu den Aufsatz von D. Gargasaitė in „Pergalė“, 1968, Nr. 9, p. 179—180 und Lietuvos TSR bibliografija, I. Vilnius, 1969, p. 369. Dem widersprechen jedoch die von J. Jablonskis veröffentlichten biografischen Angaben zu S. M. Slavčinskis sowie sogar Zweifel daran, dass S. M. Slavčinskis überhaupt etwas mit Literatur zu tun hatte; siehe K. Jablonskis, Saliamono Slavčinskio biografijos žinios. — S. M. Slavčinskis, Giesmės..., p. 53—58.

62 Vielleicht ist auch das einzige Beispiel mit dem Reflexivsuffix -si am Wortende (in der Mundart des Übersetzers gab es nur -se), nämlich die Form 3. praet. fotinošī II 22₃ „sättigte sich“, das Ergebnis einer solchen „Korrektur“, die der Übersetzer in den Berichtigungen der Fehler (II 128₁₆) wieder rückgängig machte, da diese Form mit 1. pl. peklofe „in der Hölle“ reimt.

157

Derjenige (oder diejenigen), der (die) die Liedtexte oberlitauisierte(n), muss ein Vertreter der Mundart der Gegend um Kėdainiai gewesen sein. Ein Ostoberlitauer hätte zweifellos an-Typ-Verbindungen verändert. Ein Westoberlitauer, der den Konsonanten l nicht verändern wollte, hätte nicht den Buchstaben i vor e-artige Vokale eingeschoben. Außerdem war diese letztere Mundart damals im Schrifttum des Großfürstentums Litauen nicht gebräuchlich. Allgemein etabliert war sie nur in den in Ostpreußen veröffentlichten Schriften.

Der Sprachkorrektor griff vor allem in die nicht gereimten Textpassagen und in die Liedüberschriften ein. Hier blieben insgesamt nur zwei samogitische Formen stehen (offenbar unbemerkt): a. sg. iwá I 64₅ „Eva“ und 3. praes. wadin I 129₁₀ „nennt“. Im Übrigen wurde alles oberlitauisiert, genauer gesagt „kėdainisiert“.

Im Versmaß der Liedtexte fanden die Bemühungen des Korrektors ihre Grenzen. Etwas mehr Freiheit hatte er innerhalb der Liedzeilen (außerhalb der Reimposition). Dort nahm er auch mehr Korrekturen vor. So sind im Lied mit der polnischen Überschrift „W dzień Bożego narodzenia“ (I 51—53) von den drei Formen des Verbs (už)mušti in der 3. praet. zwei in der Mitte der Zeile und haben beide eine oberlitauische Endung (geschrieben -e), während eine am Zeilenende steht und die Endung -i der Heimatmundart des Übersetzers bewahrt hat, da sie sich mit der Endung -i des a. sg. m. „-į“ reimt. In diesem Lied gibt es insgesamt neun Formen der 3. praet. mit ė-Stamm. Davon stehen vier in der Zeilenmitte (drei mit der Endung -e und eine mit -i) und fünf am Zeilenende (in Reimposition); alle bewahrten die Endung -i der Mundart des Übersetzers.

In der Zeilenmitte war der Korrektor vor allem durch die Notwendigkeit eingeschränkt, die vorhandene Silbenzahl nicht zu verändern. Deshalb konnte er beispielsweise samogitische Formen, denen der kurze Vokal der Endung fehlt, nicht durch entsprechende oberlitauische Formen mit vollständiger Endung ersetzen. Es musste die vom Übersetzer selbst verwendete Form stehen bleiben. Somit wurde die Sprache offenbar hauptsächlich dadurch korrigiert, dass die Affrikaten č, dž anstelle der nach dem „samogitischen Lautgesetz“ vorhandenen t, d eingeführt wurden, die oberlitauischen Diphthonge uo, ie anstelle der süd-samogitischen Monophthonge ū, ī sowie die Vokale o, ė anstelle der samogitischen Diphthonge uo, ie gesetzt wurden, der Buchstabe t vor e-artigen Vokalen eingeschoben wurde usw.; das heißt, es wurden Korrekturen vorgenommen, ohne die Silbenzahl der Zeile zu verändern. Der Korrektor war nicht umsichtig, denn er erzeugte zahlreiche hybride, halb samogitische, halb oberlitauische Formen, z. B. 2. pl. imper. Duokit II 11₂₆, duokiet I 40₁₇ „gebt“, giedokiat I 37₂₃, giedokiet I 40₁₇ „singt“, Heyskiet I 111₁₁ „lasst hinein“, 2. sg. Giebiek II 63₁₉ „rette“, n. sg. žoteli I 22₂₅ „Kräutlein“ (mit oberlitauischem uo, ie, o, t, aber samogitischem -kia-, ie < ė, -i „-ė“).

Der Korrektor ließ die samogitischen Formen, die den Oberlitauern damals nicht völlig fremd waren, unangetastet oder griff nur selten in sie ein. So blieb die samogitische Endung des i-Stamms im loc. sg. -iey „-yje“ meist unkorrigiert; vgl. -eie in den oberlitauischen Schriften von J. Bretkūnas, B. Vilentas u. a.⁶³, adv. nesavėjė Jurbarkas „wie ein Fremder“. Die samogitische Präposition pri [pri] „bei, an“ war für den Korrektor akzeptabel, da die Variante mit kurzem i [pri] damals in oberlitauischen Mundarten verwendet wurde (vielleicht sogar in der Mundart des Korrektors selbst) und stellenweise auch heute noch verwendet wird⁶⁴. Deshalb ist von den 113 Belegen dieser Präposition im Gesangbuch nur sechsmal prie(g) und einmal preg geschrieben, während überall sonst (d. h. in 106 Belegen) pri⁶⁵ stehen blieb. Anders verhält es sich mit der Präposition nuo: Ihre oberlitauische Variante nuog wurde 134-mal verwendet (einmal nog geschrieben), die samogitische nu [nū] dagegen nur 26-mal.

In der Zeilenmitte blieben vor allem jene Sprachelemente des Übersetzers unoberlitauisiert, die der Korrektor offenbar schlicht übersehen hatte. So waren von 516 Belegen des Wortes dievas ohne-

⁶³ Žr. J. Kazlauskas, Lietuvių kalbos istorinė gramatika, Vilnius, 1968, p. 152—154. ⁶⁴ Žr. Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, p. 424. ⁶⁵ Daiktavardžių priešdėlis pri- [žem. pri-], pvz. 1. sg. priwáyždoy II 11₂₀ ‘prievaizdoje, globoje’, giesmyne pavartotas 7 kartus, o prie-, pvz., n. sg. priewayžda II 32₆, 6 kartus.

158

Bei den südlichen Žemaiten blieb nur ein einziger g. sg. Diwa II 126₁ erhalten, und zwar nicht im Liedtext, sondern im Inhaltsverzeichnis des Buches (die als Überschrift dienende Zeile im Liedtext selbst wurde korrigiert).

Die Korrektur am Versende wurde durch die Reime eingeschränkt. Ohne den Reim zu verderben, konnten nur beide Glieder eines Reimpaars geändert werden. Im Gesangbuch sind sie häufig hochlitauisch, z. B. n. sg. diena: naujiena ‘Neuigkeit’ (I 61₁₃–₁₄), g. sg. f. pašlovintos ‘gepriesen’: paženklinktos ‘gekennzeichnet’ (I 24₂₁–₂₂), d. pl. m. pamestietiems ‘verlassenen’: pučiantiems ‘wehenden’ (II 1₂₂–₂₃), 3. praet. tare ‘sagte’: įžvare ‘trieb hinaus’ (I 65₁₂–₁₃), 1. pl. imper. dumokime ‘denken wir, träumen wir’: minekime ‘gedenken wir’ (I 74a₇–₈). Es blieben jedoch auch nicht hochlitauisierte Paare erhalten, z. B. 2. sg. praes. refl. randije ‘du findest dich, bist’: wilije ‘du hoffst’ (I 93₂–₃), inf. turieti ‘haben’: kientieti ‘leiden’ (I 85₁₅–₁₆), 3. praet. trauki ‘zog’: rauki ‘raffte’ (I 75₁₃–₁₄), 2. sg. imper. refl. artinkias ‘nähere dich’: šveikinkias ‘begrüße dich’ (I 6₁₅–₁₆), 2. pl. dž iaukiaties ‘freut euch’: linkšminkiaties ‘erheitert euch’ (I 26₁₃–₁₄).

Ein einzelnes Glied eines Reimpaars zu ändern, ohne den Reim zu verderben, ist unmöglich. Wenn ein Paar daher aus zwei unterschiedlichen grammatischen Formen bestand, musste der Korrektor sie in diesen Fällen unangetastet lassen, obwohl eine davon žemaitisch war, z. B. adv. didey ‘groß’: 2. sg. praet. įbgidey ‘du hast geheilt’ (II 12₂₅–₂₆), inf. gauti ‘bekommen’: 3. praet. apšiauti ‘zog an’ (I 78₅–₆), 2. sg. imper. refl. džiaukiafse ‘freue dich’: 3. praes. refl. artinafe ‘nähert sich’ (I 27₃–₄), 1. pl. imper. refl. džiaukiamoſe ‘freuen wir uns’: 3. praet. refl. ſtojoſe ‘stellte sich’ (I 45₆–₇). Nur sehr selten wurden solche Reime dennoch verdorben, offenbar aus Unachtsamkeit oder durch einen besonders strengen (und unkundigen) Korrektor.

Die žemaitischen Monophthonge ū, ī (= hochlit. uo, ie) blieben in Reimposition nur dann unhochlitauisiert, wenn das Wort des zweiten Reimglieds die alten Vokale ū, ī aufwies, z. B. a. pl. f. paskaytitas ‘gelesen’: iššiltas ‘ausgegossen’ (II 27₁–₂). Solche Fälle waren jedoch selten. Ansonsten wurde fast überall übermäßig hochlitauisiert. Daher gibt es im Gesangbuch so wenige Beispiele mit žemaitischen ū, ī (etwa 17%); gewöhnlich blieben sie „aus Unachtsamkeit“ in der Versmitte erhalten.⁶⁶

Sehr häufig unterscheiden sich die Reime desselben Paars dadurch, dass der eine uo, der andere o enthält, z. B. inf. duoti: inf. atſtoti (II 19₁₅–₁₆). Vielleicht hatte der Übersetzer hier eine hochlitauische Form (uo) mit einer žemaitischen (uo < o) gereimt, die der Korrektor hochlitauisierte, indem er das žemaitische uo durch hochlitauisches o ersetzte. Ebenso wäre der häufige Reim ie: ė (geschrieben e) zu erklären, z. B. g. pl. wietu ‘Orte’: i. sg. m. negirdetu ‘ungehörte’ (I 125₂₁–₂₂). Deshalb und auch wegen des häufigen Ersetzens der žemaitischen uo, ie durch die hochlitauischen Monophthonge o, ė (geschrieben e) in der Versmitte sind im Gesangbuch nur sehr wenige žemaitische Diphthonge uo, ie (= hochlit. o, ė) übrig geblieben.

Den wohlklingenden Reimklang bestimmen Vokalismus stärker als Konsonantismus. Daher achtete der Übersetzer auf Letzteren weniger; vgl. den Reim von g. sg. m. ano ‘sein’ mit l. sg. Kanoy ‘in Kana, im Land Kana’ (I 70₉–₁₀). Dies könnte dazu beigetragen haben, dass žemaitische Formen ohne Affrikaten stärker durch hochlitauische Formen mit Affrikaten ersetzt wurden. Ändern konnte sowohl der Übersetzer selbst

⁶⁶ Bemerkenswert ist, dass solche Fälle in bestimmten Endungen einen höheren Prozentsatz ausmachen. Bei den žemaitischen Varianten der Endung -uo des i. sg. m. der Pronomina sind es sogar 70%, bei der Endung -ie des n. pl. m. 25%, während es bei der Endung -ies des g. sg. der i-Stamm-Substantive nur etwa 6% sind. In Einzelfällen vermied der Korrektor vermutlich, solche žemaitischen Formen anzutasten, die ihm nicht ganz verständlich waren. Darauf deutet offenbar die Behandlung der 1. sg. praes.-Formen des Verbs mit angefügtem enklitischem Pronomen -t(i) ‘dir, dich’ hin. Von den drei im Gesangbuch vorkommenden Formen (I 65₁₃, 144₁₁, II 121₁₅) bewahrten alle die žemaitische Phonetik, d. h. die Endung -ūt < -uo-t (i) (geschrieben -ut). Auch die Endung -uos(e) der 1. sg. refl. ist in zehn Fällen žemaitisch und nur viermal hochlitauisiert. Die Adessivendung -iep wurde als -ip belassen (= vgl. žem. -ip?), offenbar weil diese Schreibung auch den Hochlitauern nicht fremd war, die -ip vor allem in der Paradigmatik der Substantive der (i)ja-Stämme verwendeten.

159

sowohl der Übersetzer als auch die Sprachkorrektoren (denn das „žemaitische Lautgesetz“ ist nur bei 32% der vorhandenen Beispiele bewahrt).

Aus der vorgelegten Analyse geht hervor, dass die Sprachkorrektoren das Gesangbuch nicht nur erheblich hochlitauisierten, sondern auch die Zahl verschiedener Dubletten und sonstiger sprachlicher Uneinheitlichkeiten erhöhten.

Die Bedeutung von Slavočinskis Gesangbuch für die Geschichte der litauischen Sprache und die historische Dialektologie

Slavočinskis Gesangbuch enthält zahlreiche wichtige sprachliche Daten, die es ermöglichen, verschiedene Probleme der Geschichte unserer Sprache sowie der Entwicklung ihrer Dialekte zu beleuchten.

Aus dem Gesangbuch erfahren wir, dass die südsamogitischen Dialektsprecher in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts bereits die Monophthonge ū, ī anstelle der hochlitauischen Diphthonge uo, ie hatten. Auch in diesem samogitischen Gebiet waren die langen engen Monophthonge o, ė damals bereits diphthongiert. Es gab bereits annähernd dieselbe Verteilung von ą, ę, ų, į (= an, en, un, in) und a, e, u, i, wie sie der Dialekt heute aufweist. Die Präposition und das Präfix į hatten damals in bestimmten Fällen noch fakultative Varianten mit n (ing, in-) bewahrt. Es gab die für die südsamogitischen Dialekte charakteristische „sekundäre Nasalierung“. Im Gesangbuch tritt sie nicht ganz in denselben Wörtern auf wie heute, was wiederum darauf hinweist, dass es in früherer Zeit erhebliche Schwankungen zwischen Formen mit nasalierten und denasalierten, insbesondere engen Vokalen gab67. Im Gebiet der Raseiniai-Dialekte gab es damals stellenweise bereits Ansätze zur Entwicklung des anlautenden e- zu a-.

Die stoßtonigen gemischten Diphthonge, die aus u, i + r, l, m, n gebildet sind, hatten in der Mundart des Übersetzers jedoch noch einen intakten ersten Bestandteil. Heute ist er in jener Gegend (Žalpiai, Nemakščiai, Očikiai, Sugintai, Viduklė, Sujainiai und im Dorf Lipkiškė selbst) diphthongiert: man spricht z. B. dùorti ‘dùrti’, kūolti ‘kùlti’, skùonsti ‘skų́sti’ (< skūnsti), dùomples ‘dùmplės’, pièrms ‘pìrmas’, jièlks ‘ìlgas’, piènti ‘pìnti’, riemc ‘rìmtas’. Dass diese Diphthongierung nicht alt ist, zeigt unter anderem auch die Entwicklung der Diphthonge sekundären Ursprungs, z. B. 3. praes dùor ‘dùria’, guòl ‘gùli’, d. sg. mùon < mùn ‘man’, sunkùoms ‘sunkùmas’, pìpiers ‘pìpiras’.

Im Bereich des Konsonantismus ist vor allem hervorzuheben, dass die Palatalisierung der Konsonanten vor Vokalen vom e-Typ damals etwas anders war als heute. Heute palatalisieren die südsamogitischen Raseiniai-Dialektsprecher in diesem Fall alle Konsonanten. In der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts wurden vor Vokalen vom e-Typ deutlich nur die Konsonanten k, g und möglicherweise zumindest teilweise auch š, ž palatalisiert68. Die übrigen waren noch hart oder nur sehr geringfügig palatalisiert. Dies zeigt die Analyse der Orthographie von Slavočinskis Gesangbuch eindeutig.

Insgesamt wurden im Gesangbuch 687 Beispiele mit den Verbindungen k, g + Vokal vom e-Typ gefunden. Alle sind mit dem Palatalisierungsgraphem i nach k, g geschrieben, mit Ausnahme des einzigen Beispiels n. sg. Ewangeliſta I 128₁₄ ‘evangelistas’, das als Fremdwort die originale Schreibweise bewahrt. Die betonten Verbindungen [kė], [gė] sowie die mit [e] in einer akutierten Diphthongverbindung ([kéi], [géi], [kér], [gér]...) werden mit den Graphemen kia, gia geschrieben, z. B. n. sg. kìalas I 86₁₂ ‘kėlias’, gìaras I 50₂₁ ‘gėras’, kialdamas II 73₁₆ ‘kėldamas’, inf. giarti II 17₂₁ ‘gérti’ usw. Unbetonte bzw. offenbar zirkumflektierte Verbindungen sowie auch betonte kurze Verbindungen werden systematisch mit den Graphemen kie, gie geschrieben, z. B. 3. praes. kient I 92₄ ‘kėnčia’, 1. sg.

67 Ein sehr ungewöhnlicher Fall von Nasalierung ist die Form tą II 104₁₂ ‘tū’ des Pronomens der 2. Person (nasalierter kurzer Vokal?). Es ist schwer zu glauben, dass sich dahinter *tū = als Entsprechung des russischen ты verbirgt. Vielleicht handelt es sich um einen Korrekturfehler?

68 Zu Affrikaten gibt es keine eindeutigen Beispiele. Im Gesangbuch findet sich lediglich das Fremdwort večeria ‘Abendessen’, dessen Schreibweise widersprüchlich ist (zweimal steht nach č der palatalisierende Buchstabe i, zweimal fehlt er).

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Laukie I 54₃ „wartete“, Adv. gierav I 21₉ „gut“, 1. Pl. Präs. gievdžiame I 19₂ „wir begehren“, Adv. Draugie I 22₂₁ „Freundin, gemeinsam“ usw.⁶⁹. Der Unterschied zwischen den Graphemen ia und ie wird gut bewahrt; vgl. die Paare A. Sg. kiala I 155₁₀ „den Weg“ und I. Sg. kielu I 117₁₁ „mit dem Weg“, A. Sg. giara I 142₂₂ „den guten“ und G. Sg. f. gieros I 100₇ „der guten“⁷⁰.

Im Gesangbuch wurden 233 Beispiele mit Verbindungen von š, ž + e-artigem Vokal gefunden. Mit dem palatalisierenden Graphem i sind 154 geschrieben, ohne dieses 79. Der Buchstabe i wird systematisch in zwei Fällen nicht geschrieben: a) nach dem Präfix iš- (7 Belege), wo offenbar die Aussprache vor einer Pause bewahrt blieb, und b) in den Formen des Verbs šelpti (26 Belege), die dem Übersetzer oder den Redaktoren möglicherweise nur aus Schriften bekannt gewesen sein konnten (?). Andere Fälle, in denen das palatalisierende i nicht geschrieben wird, sind unsystematisch und kommen nur in den Formen und Ableitungen der Verben žengti (18 Belege ohne i und 2 mit i), žeisti (6 ohne i, 1 mit i), žeminti (4 ohne i, 7 mit i), des Zahlworts šeštas (1 ohne i, 5 mit i) und des Substantivs ženklas (14 ohne i, 6 mit i) vor, außerdem beim Diminutiv roželė (1 Beleg; doch rožė und das Diminutiv darželis werden mit i geschrieben — 6 Belege) sowie in der 3. Pers. Prät.-Form des Verbs (už)mušti (2 ohne i, 1 mit i). Diese Tatsachen weisen auf eine inkonsequente Palatalisierung der Konsonanten š, ž hin. Zwei Erklärungen sind möglich: Entweder waren diese Konsonanten im damaligen heimischen Dialekt des Übersetzers noch nicht merklich palatalisiert (das i könnten die ostlitauisierenden Bearbeiter der Sprache des Gesangbuchs eingefügt haben), oder sie waren in diesem Dialekt bereits palatal, und die Belege ohne i gehen auf die Bearbeiter zurück, die aus Dialekten stammten, in denen keine Palatalisierung stattfand. Die erste Annahme erscheint verlässlicher, da sie durch die Belege in den Schriften des Samogiten Mažvydas (nach Angaben von Chr. Stang wird in seinem Katechismus nur k, g palatalisiert⁷¹) und des Aukštaiten M. Petkevičius aus der Gegend von Kėdainiai (der nicht nur k, g, sondern auch š, ž palatalisierte⁷²) gestützt wird. Die Verteilung der Grapheme ie und ia nach š, ž ist dieselbe wie nach k, g, nur sind die Abweichungen etwas zahlreicher (11%).

Andere Konsonanten werden vor e-artigen Vokalen nicht mit dem Buchstaben i palatalisiert⁷³; ebenso wird ein betontes e nach ihnen nicht mit dem Graphem ia geschrieben⁷⁴.

69 Im Gesangbuch wird das Diminutiv vaikelis so geschrieben, als läge die Betonung auf vaikelis; vgl. waykielis II 59₉, Vok. Sg. waykieli I 27₇, Nom. Pl. waykielay I 37₂₂. Auch das Verb (pra)keikti behandelt der Übersetzer als (pra)keikti (ebenso im Katechismus von M. Petkevičius!). Das Verb gelbėti weist zwei Betonungen auf: gelbėti und gelbėti (darauf weisen auch die Reime hin). Die 3. Pers. Fut. Giers II 38₁₄ „wird heilen“ und die reflexive Form prikielſiſe I 156₂₄ „wird auferstehen“ weisen auf den aukštaitischen Zirkumflex der Formen der 3. Person Futur (mit Metatonie) hin. In der reflexiven Form der 2. Pers. Sg. Prät. Džiaugieys II 72₅ „du hast dich gefreut“ verbirgt sich offenbar ebenfalls die aukštaitische Endung der 2. Sg. -ei(s), nicht die samogitische -ėi(s).

70 Die Abweichungen sind vergleichsweise selten. Zieht man die in Fußnote 69 genannten Fälle ab, zählt man nur 40; das sind 9% aller im Gesangbuch vorkommenden Belege für [ke], [ge]. Die Abweichungen wurden durch die Verwechslung der Buchstaben a und e im Gesangbuch begünstigt (z. B. Adv. skaney I 71₂₁ „auf angenehme Weise“, Nom. Sg. f. buſenti I 74b₄ „diejenige, die sein wird“, mažiaufe II 8₆ „die geringste“ neben I. Sg. f. baymia I 80₁₄ „Furcht“, Nom. Sg. m. ateias I 56₆ „gekommen“, 2. Pers. Sg. Prät. refl. kielayſe II 25₁₁ „du hast dich auf den Weg gemacht“); sie entstanden durch den Zusammenfall von [a] nach einem palatalen Konsonanten mit [e] im samogitischen Dialekt. Bemerkenswert ist, dass das samogitische Imperativsuffix im Gesangbuch als kia und nicht als ke zu analysieren ist: Obwohl es nicht betont ist, machen Schreibungen mit ia 38% aus, in den Formen der 2. Sg. und 1. Pl. sogar 50%.

71 Žr. Chr. S. Stang, Die Sprache des litauischen Katechismus von Mažvydas. Oslo, 1929, p. 98.

72 Siehe Z. Zinkevičius, Der Dialekt des Katechismus von M. Petkevičius (1598), „Baltistica“, VII (1), Vilnius, 1971, S. 74–77.

73 Mit i wurden insgesamt nur 6 Beispiele festgestellt (G. Sg. ſmirties II 24₁₉ „des Todes“, Inf. tieyſti II 26₂₃ „richten“, 2. Pers. Sg. Präs. refl. Tieykies II 65₅, 110₁₂ „du richtest dich“, 3. Pers. Prät. Pražwiełgie I 18₁₆ „blickte hindurch“, Adv. wievkley II 64₂₁ „rasch“); es handelt sich jedoch um eindeutige Druckfehler, da sie sonst alle ohne i geschrieben werden. Der Fehler in der korrigierten I.-Sg.-Form miedey „im Baum“ (~ samog. mediey) wird zu mediey berichtigt (II 128₉); dieser Fehler ist jedoch auch im Text selbst korrigiert (I 64₁₄). Das Adjektiv Nom. Sg. f. Anielibſka I 155₃ „engelhaft“ enthält den Diphthong ie (vgl. anielas „Engel“ LKKŽ I² 141), und in der Form Gen. Sg. f. nieſakſtos II 103₅ „unbefleckt“ kann anstelle von ne- auch nė- stehen > samog. nie- (?).

74 Die Beispiele, die durch den Zusammenfall von [a] nach einem palatalen Konsonanten mit [e] entstehen (siehe Fußnote 70), weisen sowohl in betonter als auch in unbetonter Position a auf.

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Aus Slavočinskis’ Gesangbuch geht hervor, dass die südžemaitischen Raseinier in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Konsonanten d zwischen z und einem Vokal bereits nicht mehr aussprachen, z. B. g. sg. barzos I 75₁₃, II 59₂₂ ‚des Bartes‘.

Damals wurde das Substantiv žvaigždė noch ohne -g- ausgesprochen (heute wird es im Dialekt des Übersetzers, wie auch im ostaukštaitischen Gebiet, mit -g- gesprochen), z. B. n. sg. žwayzde II 86₁, i. pl. žwayzdemis II 5₂₄.

Die ostlitauischen Merkmale des Gesangbuchs lassen vermuten, dass das Gebiet der Ostaukštaiten zu jener Zeit zumindest teilweise bereits vom Monophthongierungsprozess des Diphthongs uo in unbetonten Silben betroffen war, zumindest in bestimmten Fällen, z. B. g. pl. Obalu I 64₁₈ ‚der Äpfel‘. Offenbar handelte es sich noch um erste Ansätze dieser Erscheinung.

Damals wurde in Teilen Ostlitauens die Silbe re bereits als ra ausgesprochen, z. B. grata II 77₃ ‚grėta‘.

Von den morphologischen Merkmalen ist vor allem der im Gesangbuch lebendige Gebrauch solcher grammatischen Formen zu nennen, die heute im Gebiet der žemaitischen Raseinier nicht mehr vorkommen oder völlig zu verschwinden im Begriff sind. So wird der Nominativ des Duals bei Nomina verwendet (z. B. Kur šiuo metu mudu, Ir bandikščiu tudu, Gaujim atiljės I 61₉–₁₁ ‚wo wir beide uns jetzt befinden, und die beiden Tiere, werden wir Ruhe finden‘), ebenso verbale Dualformen (z. B. eykiau fu manimi II 117₁₄ ‚geht mit mir‘).

Es sind Illativformen belegt. Der Singularillativ ist im Gesangbuch recht häufig; es gibt sogar 44 Belege (Substantive verschiedener Stämme). Für den Pluralillativ gibt es nur einen einzigen Beleg: plenifn I 154₁₇ ‚in die plėnis (die Asche glimmender Glut)‘. Anstelle von Pluralillativformen wird die Konstruktion mit der Präposition ing ‚in‘ + acc. pl. verwendet. Auch der Singularillativ wird häufig durch die Konstruktion ing ‚in‘ + acc. sg. ersetzt, z. B. graban I 98₆ || ing grabą II 111₄, Bažničion II 78₁ || Ing Bažničia II 74₂₀, žiámen II 40₄ || ing žiame II 26₁₄, šírden I 81₇ || ing šir dí II 53₁₈, dangún II 85₁₁ || ing dangu II 73₆. Beide Ausdrucksmittel sind im Gesangbuch völlig eindeutig; der Übersetzer wählt das eine oder das andere je nach der erforderlichen Silbenzahl in der Verszeile.

Die Illativformen können schon aufgrund ihrer Häufigkeit nicht als ostlitauisches Merkmal gelten. Der Verfasser der ostaukštaitischen Sprachfassung des Gesangbuchs konnte sie nicht einführen, ohne die Metrik der Lieder zu verändern. Sie gehörten also zum sprachlichen Repertoire des Übersetzers selbst und stammten höchstwahrscheinlich aus seinem heimischen südžemaitischen Raseinier-Dialekt⁷⁵. Darauf weisen unter anderem auch die žemaitische Phonetik der Formen (z. B. numan I 54₃ ‚nach Hause, nach Hause hinein‘) und ihre Morphologie hin (z. B. šírden I 81₇ ‚ins Herz‘).

Pluralillativformen waren im damaligen Heimatdialekt des Übersetzers höchstwahrscheinlich bereits nicht mehr gebräuchlich oder sehr selten. Die Form pleniƒn I 154₁₇ könnte natürlich auch als Element des Dialekts der Gegend von Kėdainiai gelten, denn in diesem Dialekt war der Pluralillativ damals (anders als heute) noch durchaus lebendig (er findet sich in den Schriften von M. Daukša, M. Petkevičius und anderen Kėdainiai-Schreibern); außerdem wurden seine Formen hier häufig verkürzt verwendet, d. h. sie endeten auf -sn (ohne -a!).

Auch die Adessiv- und Allativformen werden im Gesangbuch lebendig gebraucht. Insgesamt gibt es nicht weniger als 272 Belege: 84 Adessive und 188 Allative. Bei beiden werden häufiger die Singularformen gebraucht (81 bzw. 153 Belege), doch sind auch Pluralformen belegt (3 bzw. 35 Belege). Hinsichtlich der Wortarten sind sie sehr vielfältig, z. B. ad. sg. Diewip76 I 14₄ (: Gott),

75 Das widerspricht J. Kazlauskas’ apriorischer Behauptung, dass der Illativ in der žemaitischen Mundart als Kasus wahrscheinlich nie verwendet worden sei; siehe seine Lietuvių kalbos istorinę gramatiką, V., 1968, S. 165.

76 Alle Adessiv- und Allativformen enden auf -p. Es gibt keinen einzigen Beleg mit der vollständigen Postposition -pi. In der Endung -ip könnte südžemaitisches -ip verborgen sein (= ostaukštaitisch -iep). Die Schreibweise -ip kommt 18-mal vor, -iep nur einmal.

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Motinip77 I 14₁₅ (: motina), Mäloningämimp II 20₁₂ (: maloningas), manimp I 60₁₀ (: aš), Kurimp I 54₅ (: kuris), Tämimp78 II 28₁₁ (: tas), all. sg. Wardop II 41₁₇ (: vardas), šveykatoƒp I 144₁₂ (: sveikata), žiameƒp I 108₁₇ (: žemė), Sirdieƒp I 100₂₀ (: širdis), funauƒp I 95₁₃ (: sūnus), Wießpatieƒp II 16₇ (: viešpats), skaysčiaufioƒp I 5₁ (: skaiščiausia), kuriop I 63₃ (: kuris), Toƒp I 27₁₁ (: ta), Manieƒp I 91₂₀ (: aš), all. pl. Koiump I 110₁₄ (: kojos), äuƒump II 29₅ (: ausys), Rupeƒtingump II 17₆ (: rūpestingį), fäwump II 22₁₃ (: savi), Tump II 6₂ (: tie), muƒump79 I 29₁₅ (: mes). Die Adessivformen des Plurals sind selten (nur 3 Belege) und ungewöhnlich: animp 80 I 84₄, II 48₂₇ (: anie), imp II 48₂₈ (: jie).

Sowohl die Adessiv- als auch die Allativformen werden lebendig (nicht erstarrt) verwendet und können passende Adjektive bei sich haben⁸¹; die beiden Kasus werden nicht miteinander verwechselt⁸². An ihrer Stelle steht gelegentlich eine Konstruktion mit der Präposition pri „bei“ und dem Genitiv (anstelle des Adessivs auch der Inessiv). Der Allativ wird durch diese Konstruktion selten ersetzt (es wurden nur 15 eindeutigere Fälle festgestellt), z. B. Iezauƒp pri ƒiartina I 75₃ || evtymem Pri IEzauß II 90₁₄, Diewop pri toia II 45₂₂ || pri Dievä ƒto ƒimeƒe II 88₁₈. Der Adessiv wird deutlich häufiger ersetzt (der Plural ist nahezu vollständig aus dem Gebrauch verdrängt; für den Singular wurden über 40 Ersetzungsfälle festgestellt); praktisch werden beide Ausdrucksmittel als Varianten verwendet, z. B. fawimp Diews rada wieta I 20₇ || Diews [yra] pri tawęs I 17₅, Tu Diewip laymingas I 118₈ || Anna pri Diewá gärbinga II 109₃, Ne iaute ƒawimp ƒtipribes I 94₃ || iaučiau pri ƒawęs toki maƒima II 39₈.

Dies zeigt, dass der Adessiv in Westlitauen stärker zurückging als der Allativ, anders als in Ostlitauen, wo – nach der heutigen Situation in den litauischen Dörfern der Belorussischen SSR⁸³ zu urteilen – der Allativ bereits früher verschwunden ist. Schon dies allein lässt es nicht zu, die lokalen Kasusformen im Gesangbuch von Slavočinskis als ostlitauische Merkmale anzusehen. Ebenso wenig konnte sie, wie die Illativformen, ein Verhochlitauer der Sprache des Gesangbuchs einführen, ohne die Metrik der Gesänge zu zerstören. Sie sind daher als Erbe der südsamogitischen Rašeiniai-Mundart anzusehen, die die Muttersprache des Übersetzers zu jener Zeit war. Dafür sprechen unter anderem auch die samogitischen Besonderheiten der Formen selbst, z. B. all. sg. Iwoƒp I 64₁₁ (: lewa), päbängoƒp II 37₁₇ (: žem. pabanga ‚Ende‘), all. pl. pitump I 148₁₀ (: pietūs), numump II 47₄ (: namai)84.

Im Gesangbuch sind die längeren Endungen des Dativs Plural (mit -mus) und die Dativ-Singular-Endung pronominalen Ursprungs (mit -mui) recht häufig. Wie bereits erwähnt, nutzt der Übersetzer sie geschickt für die Versbildung, um eine Zeile mit der erforderlichen Silbenzahl zu bilden oder einen passenden Rhythmus zu finden. Sie weisen auf die damals bestehende Konkurrenz (vielleicht auch im Gebiet der Südsamogiten?) zwischen den langen und kurzen Formen dieses Kasus hin.

77 Das einzige Beispiel für den Adessiv Singular eines ā-Stamms. Die Endung -ip stammt aus dem Paradigma der ja-Stämme (anstelle des erwarteten -aip).

78 Von den Possessivpronomen gibt es nur die beiden hier angeführten Adessivformen im Singular.

79 Einmal steht muƒump I 32₈ (q = ų).

80 Vielleicht bezeichnet der Buchstabe i das p. samogitische i (= hochlitauische ie)?

81 Z. B. Dek tawā wilti Diewip, Mäloningämimp Tewip II 20₁₁–₁₂ ‚hoffe (vertraue) auf Gott, den gnädigen Vater‘, Siunte Diews Aniola… skaysčiaufioƒp Pannoƒp ir eiƒeianioƒp Marioƒp (žwenčiaufioƒp I 4₂₃–₅ ‚Gott sandte einen Engel … zur reinsten Jungfrau und zur heiligsten Maria, der Heiligsten‘.

82 Vielleicht lässt sich nur bei all. pl. muƒump I 108₁₅, 127₁₃, II 90₁₀ eine adessivische Verwendung erkennen (?).

83 Siehe Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, S. 202–203.

84 Alle diese Tatsachen sprechen gegen J. Kazlauskas’ Annahme, dass die lokalen Kasus in der samogitischen Mundart ebenso wie der Illativ niemals eine bedeutendere Rolle gespielt hätten (keine Kasus gewesen seien); siehe И. Казлаускас, Историческая грамматика литовского языка. Автореферат. Вильнюс, 1967, S. 18.

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Formen. Dasselbe gilt für die längeren und kürzeren Formen des Instrumental Singular der i- bzw. konsonantischen und (i)u-Stämme, z. B. akmenimi II 47₈ || wiešpatim I 131₅ ‚mit dem Herrn‘, Sunumi I 77₇ || šunumi I 81₂₀ ‚mit dem Hund‘, wayšiumi I 23₂₂ || wayšium I 29₃ ‚mit der Frucht‘. Sie variieren überaus stark und hängen offenbar ebenfalls von der Silbenzahl in der Verszeile ab.

Etwas anders verhält es sich mit dem Lokativ und dem Instrumental Plural: Im Gesangbuch überwiegen die kurzen Formen des Lokativs Singular (z. B. walándoy I 28₁₈ ‚in der Stunde‘, mediey I 64₁₂ ‚im Baum‘, danguy I 21₁₀ ‚im Himmel‘) sowie die langen Formen des Lokativs Plural (z. B. warguofe I 66₁₁ ‚in den Mühen‘, žiamieſa I 99₂ ‚auf den Erden‘, akyſa I 50₂₃ ‚in den Augen‘) und des Instrumentals Plural (z. B. dowanomís I 30₁₃ ‚mit Geschenken‘, Krutimís I 45₁₈ ‚mit den Brüsten‘). Offenbar waren die volle Endung des Lokativs Singular (vgl. girioia I 85₂₂ ‚im Wald‘, Rouie I 64₈ ‚im Paradies‘), die Endung des Lokativs Plural ohne -e bzw. -a sowie die Endung des Instrumentals Plural ohne -i- dem Übersetzer, vielleicht auch den Sprachkorrektoren⁸⁵, ungewohnt. Heute haben sich im Gebiet der südsamogitischen Raseiniai-Mundart in allen Fällen die kurzen Varianten durchgesetzt. Außerdem hat der Lokativ Singular das Jota verloren: Man spricht píwuo ‚auf der Wiese‘, žėmie ‚auf der Erde‘.

Die Formen des Lokativs Plural im Gesangbuch enden auf -se oder -sa, z. B. knigoſe I 102₁₈ ‚in den Büchern‘, akiſa I 37₁ ‚in den Augen‘. Bemerkenswert ist, dass -se bei Substantiven beider Genera vorkommt, -sa dagegen nur beim Femininum⁸⁶. Die Reime zeigen, dass der Übersetzer des Gesangbuchs beide Varianten selbst verwendete, z. B. reimt sich 1. Pl. galibeſa I 146₂₀ ‚in den Kräften‘ mit N. Sg. šwieſa ‚Licht‘, 1. Pl. rankoſe II 25₁ ‚in den Händen‘ mit 3. Praes. refl. ſtoioſe ‚sie stellten sich hin‘.

Heute gibt es im Gebiet der südsamogitischen Raseiniai-Mundart keine Formen mit -sa mehr. Durchgesetzt hat sich die kurze Variante ohne einen Vokal nach s. Bemerkenswert ist, dass die Variante -sa im 16.–17. Jahrhundert viel weiter verbreitet war als heute: Sie findet sich nicht nur bei dem ostaukštaitischen K. Sirvydas und dem Kėdainiai-Mundartsprecher M. Daukša (bei beiden selten, -se überwiegt), sondern auch in den Schriften der westaukštaitischen J. Bretkūnas, B. Vilentas, J. Rėza und des Samogiten M. Mažvydas. Somit haben die heutigen verkürzten Dialektformen nicht überall den Vokal e nach s verloren; vielerorts war es a (stellenweise u). Vielleicht wird deshalb das s heute meist hart ausgesprochen.

Die Endung des Dativs Singular der i- und konsonantischen Stämme der Substantive ist im Gesangbuch mit den Graphemen -ij (gelegentlich -ii) wiedergegeben, z. B. širdii I 137₁₂ ‚dem Herzen‘, wiebpátii II 1₁₆. Wießpátii II 20₈ ‚dem Herrn‘. Heute verwenden die südsamogitischen Raseiniai-Sprecher neue Formen mit den Endungen der ia-Stämme (Maskulinum) und ė-Stämme (Femininum). Nur sehr selten kann man stellenweise noch hören, dass die alte i-Stamm-Endung -i gebraucht wird (= oberaukštaitisch -ie). Die Belege aus dem Gesangbuch von Slavočinskis legen die Annahme nahe, dass diese Endung in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts noch allgemein gebräuchlich war und außerdem noch ein Jota oder ein unsilbisches į enthielt, also -ij oder -īj⁸⁷ ausgesprochen wurde. Letzterer Umstand erklärt den monophthongischen i-Laut in der Mundart nicht-

⁸⁵ Die beschriebene Situation erinnert stark an den Gebrauch kurzer und langer Endungen in den Schriften von Autoren aus der Gegend von Kėdainiai, beispielsweise im Katechismus von M. Petkevičius; siehe Z. Zinkevičius, M. Petkevivičiaus katekizmo (1598 m.) tarmė, „Baltistica“, VII (1), S. 82–84.

⁸⁶ Es wurde kein einziges Maskulinum oder sonstiges nominales Wort mit der Endung -sa im Lokativ Plural festgestellt. Dies erinnert an die Empfehlung in der Grammatik von D. Klein, die sieben Jahre später erschien, -sa nur bei femininen Wörtern zu setzen; siehe Pirmoji lietuvių kalbos gramatika, Vilnius, 1957, S. 434. Unter anderem wird so in den Erlassen der ostpreußischen Behörden von 1712–1788 verfahren, die P. Pakarklis 1955 veröffentlichte (Lietuvos TSR MA Darbai, Serija A, I); siehe G. Bense, Sprachliche Untersuchungen zu neugefundenen litauischen Dokumenten aus dem XVIII. Jahrhundert. — Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg, 1958, S. 659–660.

⁸⁷ Dass die Endung tatsächlich ein Jota oder į enthielt, zeigt auch die Berichtigung von Fehlern, bei der die D. Sg.-Form wieſpaty zu wieſpatii korrigiert wird (II 128₉–₁₀). Im Text selbst ist diese Form zu wieſpatii verbessert worden (I 69₉).

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die Kürzung infolge der Reduktion langer Vokale in unbetonten Endungen. Die Sprachveredler des Gesangbuchs änderten diese Endung nicht, da ihre graphische Wiedergabe sich nicht von der damals in der hochlitauischen Mundart weithin verwendeten Endung [-ij] oder [-ii]88 unterschied.

Das Gesangbuch von Slavočinskis zeigt, dass es in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in der žemaitischen i-Stamm-Paradigma der Substantive bereits einige Endungen des ē-Stamms in einzelnen Kasus gab (Beispiele sind auf S. 141—142 angeführt). Der Instrumental Singular der femininen Substantive weist im Gesangbuch durchgehend die Endung -ia auf, z. B. akia I 23₂₅ ‘mit dem Auge’, širdžia I 23₉ ‘mit dem Herzen’.

Das Pluralparadigma der u-Stamm-Substantive war damals noch recht intakt, vgl. n. pl. dāngus aukščiauſi II 109₁₂ ‘die höchsten Himmel’, karalus II 56₂₇ ‘Könige’, ſunus iſbremti I 21₁₆ ‘vertriebene Söhne’, tris ſunus I 131₁₇ ‘drei Söhne’, d. pl. pelums II 1₂₂ ‘zu den Pelzen’. Neue Formen mit a-Stamm-Endungen waren damals offenbar noch selten, kommen jedoch sogar im Singularparadigma vor, z. B. i. sg. Sunu I 106₁ ‘mit dem Sohn’.

Die Flexion des Nom. Pl. der konsonantischen Stämme ist im Gesangbuch dreifach, z. B. moters I 37₂₁ ‘Frauen’, ſeſers I 46₁₇ ‘Schwestern’ || krikśćiones II 84₂₇ ‘Christen’ || Moteris I 41₃ ‘Frauen’, ſzunis I 75₁₁ ‘Hunde’. Dies könnte natürlich ein Werk der Korrektoren des Gesangbuchs sein. In der Mundart des Übersetzers wird heute die Variante mit i-Stamm-Endung verwendet. Auch die Genitivformen variieren im Gesangbuch, z. B. g. sg. dukters II 110₁₀, wandens II 43₈ || wandenio I 71₂ ‘des Wassers’, g. pl. wieſpatu I 131₇ ‘der Herren’ || βakniu II 12₁₂ ‘der Wurzeln’. Interessant ist die Form a. sg. meniſi I 24₁₃ ‘den Monat’. Wenn sie nicht vom Übersetzer wegen des Reims mit wiſi ‘alle’ gebildet wurde, könnte sie darauf hindeuten, dass Formen konsonantischer Stämme mit i statt unbetontem e damals in einem größeren Gebiet der žemaitischen Mundart vorkamen als heute89.

Im Gesangbuch von Slavočinskis findet sich noch überhaupt nicht die heute in dieser Gegend stark verbreitete Endung -ums im Dat. und Instr. Pl. aller femininen Substantive, z. B. d. pl. śakūms ‘den Zweigen’, mergūms ‘den Mädchen’, aviūms ‘den Schafen’, i. pl. śakūms ‘mit den Zweigen’, mergūms ‘mit den Mädchen’, aviūms ‘mit den Schafen’90. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es sie offenbar noch nicht. Die aus dem Pronominalparadigma stammende Endung des Dat. Pl. Mask. -iems wurde jedoch bereits durch -ims ersetzt (Beispiele sind auf S. 142 angeführt).

Die Adjektive weisen im Gesangbuch einige archaische Merkmale auf. So haben aiśkus, aśtrus, brangus, pigus, stiprus eine ältere a-Stamm-Flexion, vgl. adv. ayβkay I 2₄, II 6₁₉, Ayſzkay I 99₁ ‘klar’, a. sg. f. aśtra I 84₇ ‘scharf’ (sagt man auch heute), i. sg. m. brangu I 119₁₈ ‘teuer’, n. sg. f. piga I 94₁₁ ‘billig’, adv. pigai I 94₆ ‘billig’ (doch n. sg. m. ne pigus II 69₉ ‘nicht billig’, adv. pigiey I 60₂₃ ‘billig’), n. sg. f. Stipra II 86₂₅ ‘stark’, adv. ſtipray II 53₁₉ ‘stark’ (sagt man auch heute). Im u-Stamm-Paradigma selbst gibt es ältere Formen, z. B. g. pl. m. bayſu II 79₂ ‘schrecklicher’, teyſu żmoniu I 141₆, II 17₈ ‘gerechter Menschen’, a. pl. m. neteyſius II 62₁₃ ‘ungerechte’.

Aus dem Paradigma der pronominalen Adjektive sind die n. sg. f.-Formen mit -oja hervorzuheben, z. B. giwoia I 136₇ ‘die Lebendige’, Panna ſżwentoia I 9₁₃ ‘die heilige Jungfrau’, Graźiaufioia lilila I 24₃ ‘die schönste Lilie’. In der Mundart des Übersetzers wird heute -oji verwendet. Dass früher hier

88 geschrieben wird -ii (Knyga Nobažnystės, M. Petkevičius, Wolfenbütteler Postille), -iy (B. Vilentas, B. Chilinskis, Knyga Nobažnystės) oder -ii (M. Daukša, Knyga Nobažnystės). Beispiele führt J. Kazlauskas in „Вопросы славянского языкознания“, выпуск 5, Москва, 1961, S. 97—98 an.

89 Zur heutigen Lage siehe Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, S. 58—59.

90 Siehe Z. Zinkevičius, a. a. O., S. 72—73.

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Das Vorkommen der Endung -ja neben dem Gesangbuch von Slavočinskis belegen auch die von J. Spruogis gesammelten Ortsnamen aus Dokumenten des 16. Jahrhunderts, z. B. Диделя – нива в Видуклев. вол⁹¹.

Aus dem Bereich der Pronomen ist zunächst auf den Gebrauch der enklitischen Formen mi, ti hinzuweisen, z. B. a) Diewe kam apleydaim I 82₁₀ ‘... hast mich verlassen’, kankint nepalaujam II 18₂₇ ‘quälen lässt mich nicht’, Draskõ [=Draskom] werksmas I 89₁₄ ‘zerreißt mich...’, ſuminem II 26₁₁ ‘hat mich zertreten’, Gierbſim wiſos ßalis I 21₄ ‘mich werden alle Länder ehren’, neſzkiem linkſmibe I 147₁₂ ‘trag mir...’, Szełpkiėmgi I 155₂₁ ‘hilf mir doch’, b) Garbe duodut Diewe I 144₂₁ ‘Ehre gebe ich dir...’, (~duoduot), Raſiut čia I 65₁₃ ‘ich schreibe dich hier’ (~raſiuot), Wadinamot Pán-ná II 86₅ ‘wir nennen dich...’, Aniolay [...] garbinat I 106₆ ‘... verehren dich’, Jaučias [...] šilduot I 59₂₁ ‘das Rind... wärmt dich’, Minios Zidu priešj įžėiot, O palmas ant garbes dejot I 106₁₀–₁₁ ‘... kam dir entgegen... legten dir’, dáwet turtus Diews II 28₂₁ ‘Gott gab dir... Schätze’, welinay [...] Deginſit ugnim nugara II 118₆ ‘die Teufel... werden dir mit Feuer den Rücken verbrennen’ (insgesamt 40 Belege).⁹²

Dass diese Formen zum Sprachschatz des Übersetzers gehören, zeigt ihr Vorkommen in Reimposition (z. B. I 88₂₂–₂₃, II 18₂₇–₂₈). Heute werden sie nicht nur im Dialekt des Übersetzers, sondern auch in anderen litauischen Dialekten nicht mehr verwendet; Spuren davon sind jedoch vor allem im Gebiet der südlichen Žemaiten erhalten geblieben⁹³. Offenbar verschwanden sie dort erst spät.

Die Formen der Personalpronomen im Akk. Pl. m. hatten im damaligen Dialekt des Übersetzers bereits die an die Nomina angeglichene Endung -us (tùs ‘jene’, anuos ‘jene’ usw.; Beispiele auf S. 142). Einmal wurde statt der d. pl. f. toms die Form tiems verwendet (II 10₁₄). Falls es sich nicht um einen Druckfehler handelt⁹⁴, könnte dies ein Archaismus sein, der aus anderen alten Schriften⁹⁵ und den ehemaligen litauischen Dialekten Ostpreußens⁹⁶ bekannt ist.

Im Gesangbuch von Slavočinskis kommen athematische Formen der Verben būti, (pa-, pra-)dėti, paduoti, (at-, pa-, per-, pra-, pri-, iš-, už)eiti, giedoti, palikti, pasiekti vor, z. B. 1. Sg. eſmi I 95₂₁ ‘ich bin’, Pademi II 63₁₆ ‘ich gebe’, Paduomi II 43₁₁ ‘ich übergebe’, Eymi I 74₁₇ ‘ich gehe’, 1. Pl. Eſme II 50₁₃ ‘wir sind’, 3. Pers. eſt I 29₈ ‘ist’, Padeſt II 107₂₈ ‘gibt’, Paduoſt II 38₉ ‘übergibt’, eyt I 26₁₁ ‘geht’, Gieſt I 105₁₉ ‘singt’, Pàlikt II 6₁₀ ‘lässt’, ne paſiekt II 57₂₂ ‘erreicht nicht’, refl. deſtis II 121₅ ‘legt sich, wird gelegt’ (insgesamt 88 Belege). Vgl. a. sg. m. atenti I 104₂₀, 121₂₁, II 111₁₁ ‘den Ankommenden’⁹⁷.

Einige athematische Formen weisen Merkmale der žemaitischen Phonetik auf, z. B. 3. Präs. Pàlikt II 6₁₀ ‘lässt’ (= hochlit. paliekti). Daneben werden auch žemaitische Umbildungen athematischer Formen verwendet, z. B. 3. Präs. refl. atliktaſe I 153₁ ‘bleibt (übrig)’ (~ atliktase), a. pl. m. Ateytančius II 97₂₆ ‘die Ankommenden’. Diese Tatsachen zeigen, dass die südlichen Žemaiten ra-

⁹¹ И. Я. Спругис, a. a. O., 94.

⁹² Der Vokal enklitischer Formen bleibt nicht erhalten. Eine Ausnahme bilden die folgenden drei nicht ganz eindeutigen Beispiele mit te (nicht ti!): 1. Sunau te girdžiu raudanti, Aſž ſaweſp tawe bilanti I 95₁₆–₁₇ (J. Lebedys, a. a. O., 368, schlägt folgende Deutung vor: ‘Sohn, möge ich dich, die Weinende, zu mir sprechen hören’), 2. Tu weykdàla iki gala Mánà ßelpki kad kálbomïs Aß teyſingay ir láymingay Gárbinčiau te tulomis II 98₂₅–₂₇ (J. Lebedys, ebenda, 421, hält Garbinčiau te für zweifelhaft und schlägt die Deutung ‘möge ich dich verehren’ oder ‘ich würde dich verehren’ vor), 3. IOzupay pamazù, Meldžiute pamazù, Regi iog asz ne galiu, Eyti grey tay šiu kialu I 60₄–₇ (J. Lebedys, ebenda, 363, schlägt für Meldžiute die Deutung ‘ich bitte dich’ vor).

⁹³ Siehe Z. Zinkevičius, a. a. O., S. 300–301.

⁹⁴ J. Lebedys, a. a. O., 391, korrigiert sie.

⁹⁵ Beispiele führt F. Špechtas in K Z LVI 264 ff. an.

⁹⁶ Žr. J. Gerullis ir Chr. Stang’as, Lietuvių žvejų tarmė Prūsuose, Kaunas, 1933, p. 44.

⁹⁷ Eine interessante Partizipialform findet sich in der Wendung Tie weyda Diewa žibanti Reg, įBkur garbe eiánti Im ſáu II 107₆–₈. Diese Wendung ist wohl zu verstehen als ‘Sie sehen das leuchtende Antlitz Gottes und nehmen für sich die von dort kommende Ehre’.

166

Die Seiniškiai verwendeten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts neben athematischen Verben bereits Neubildungen, die auf der Grundlage der 3. Person gebildet waren und die athematischen Formen später vollständig aus dem Gebrauch verdrängten.

Das Reflexivpartikel -se ‚-si‘ (Beispiele auf S. 145) war damals im Gebiet der südlichen žemaitischen Raseiniai-Sprecher wesentlich weiter verbreitet als heute. In der heutigen Mundart setzte sich allgemein die verkürzte Variante -s durch, die bereits im Gesangbuch von Slavočinskis vorkommt. Nur vereinzelt (z. B. um Pagramantis, Skaudvilė, Eižvilkas und Raseiniai) wird neben ihr manchmal noch -se gesagt. In Lipkiškė (der Heimat von S. M. Slavočinskis) ist -se heute nicht belegt. Möglicherweise hatten vor der Durchsetzung von -s viele Žemaiten am Wortende -se (es findet sich sogar im Katechismus von M. Mažvydas), ebenso die westlichen Aukštaiten. Im Gebiet der Letzteren ist es heute stellenweise um Jurbarkas, Ariogala, Liubavas und Kapsukas belegt; es kam auch in der Mundart der Fischer am Kurischen Haff vor⁹⁸. Der Aukštaitisierende der Sprache des Gesangbuchs ließ das Reflexivpartikel -se unberührt⁹⁹, was darauf hindeutet, dass es damals auch im Gebiet der Aukštaiten beliebt war. Und tatsächlich finden wir es in den Schriften von J. Bretkūnas und B. Vilentas, in der „Margarita Theologica“ sowie vereinzelt in K. Sirvydas’ „Punktai sakymų“ und in den Evangelien von J. Jaknavičius.

Von den übrigen Verbmerkmalen ist darauf hinzuweisen, dass die Formen des i-Stamms im Präsens in der Mundart des Übersetzers damals bereits fakultativ durch ia-Stammformen ersetzt wurden (Beispiele auf S. 142); in der Mundart war damals bereits das Imperativmorphem -kia- bzw. -ke- vorhanden (vgl. S. 142); die Formen der 1. Pl. endeten bereits auf -ma, refl. -mos (vgl. S. 142); außerdem gab es die Endung -čiau der 1. Sg. Kond. (vgl. S. 143). Offenbar konkurrierten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wie auch heute in verschiedenen Mundarten (darunter im Gebiet der südlichen Žemaiten), bereits die „athematischen“ und die Formen des i-Stamms im Futur, z. B. 2. Pl. dirifite II 2₂₄ ‚ihr werdet tun‘, waykščioſite II 2₁₂ ‚ihr werdet gehen‘ || negauſite I 102₁₃ ‚ihr werdet nicht bekommen‘, perſekineſite II 2₁₁ ‚ihr werdet verfolgen‘¹⁰⁰.

Unter den bemerkenswerteren unveränderlichen Wörtern des Gesangbuchs ist die längere Adv.-Variante daug, daugi I 90₁₀ (mehrere Beispiele; heute wird sie nur von den südlichen Aukštaiten verwendet), ferner Adv. Niau I 61₆, 96₄ oder nau II 119₁₄ ‚vielleicht, möglicherweise‘ (in den Mundarten und anderen Schriften überhaupt nicht belegt), die Konjunktion Nesag II 65₂₃ oder Neſag II 49₅ (~ nesag, nesang) ‚denn‘ (heute in den Mundarten nicht gebräuchlich) sowie die Präposition Anta II 22₅ ‚auf‘ (heute nur bei den südlichen Aukštaiten)¹⁰¹.

Ein besonders beliebtes Partikel ist gi > g, das an verschiedene flektierbare und unflektierbare Wörter angefügt wird, z. B. Gen. Sg. m. tog I 139₁₀ ‚eben jenes‘, 1. Sg. f. toyg I 138₁₇ ‚eben dort‘, Neutrum Pl. m. Wiſig I 63₁₅ ‚alle eben‘, 3. Präs. Irogi¹⁰² I 132₆ ‚es ist eben‘ (< *irā + gi), 2. Sg. Imper. Bukig I 109₁ ‚sei eben‘, Konj. Betayg I 14₁₂ ‚aber, doch, jedoch‘, Part. Tegigul II 56₁₇ ‚es soll eben‘. Eine zumindest teilweise ähnliche Verwendung ist heute allenfalls noch in der Mundart von Zietela festgestellt worden.

Von den Wortbildungsmerkmalen ist das Suffix -inykas zu erwähnen, z. B. Akk. Sg. daržinika I 114₄ ‚Gärtner‘, Nom. Pl. káltinikay II 117₁₅ ‚Schuldige‘. Heute wird in der Mundart des Übersetzers -ininkas verwendet; diese Form kommt im Gesangbuch von Slavočinskis überhaupt nicht vor. Die Variante -inykas

98 Vgl. J. Gerullis und Chr. Stang, a. a. O., S. 47.

99 Es gibt nur ein einziges korrigiertes Beispiel; doch auch dieses wurde bei der Fehlerberichtigung wieder zu -se „zurückkorrigiert“ (vgl. Anm. 62).

100 Interessant ist die Futurform der 1. Pl. peykſim I 114₆ ‚wir werden bestrafen‘. Falls sie kein Druckfehler anstelle von peykſim ist, könnte sie darauf hindeuten, dass es bereits damals Formen der 1. Pl. mit einem wiederholten -m-Element gab; vgl. Z. Zinkevičius, a. a. O., S. 367 (§ 670).

101 Die Präposition ant wird im Gesangbuch auch mit dem Instrumental verwendet (Ant kryžiumi I 145₇, ‚am Kreuz‘). Heute ist eine solche Verwendung offenbar nur im westlichen Teil der žemaitischen Mundart festgestellt worden.

102 J. Lebedys (a. a. O., S. 377) hält es zu Unrecht für einen Druckfehler.

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heute nur weiter östlich als der Dialekt des Übersetzers, im eigentlichen Oberlitauen, bei Raseiniai (Gerviniai) und Kelmė, belegt. In früherer Zeit war er offenbar in einem viel größeren Gebiet gebräuchlich, denn wir finden ihn auch in den Schriften von Autoren aus Ostpreußen, die aus Žemaitija stammten103.

Slavočinskis’ Gesangbuch zeigt, dass die Žemaiten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts das Präfix at- (nicht ati-!) vor Verben setzten, die mit dem Konsonanten d beginnen, z. B. Inf. atiduoti II 3₁₈ ‚zurückgeben‘, 3. Praet. atadawė I 68₃ ‚gab zurück‘, 3. Praes. adara I 112₂ ‚öffnet‘, n.pl.f. adaritas I 155₆ ‚geöffnet‘.

Das Gesangbuch enthält auch reichlich Material zur Geschichte unseres Wortschatzes. Forschende werden darin Wörter finden, die heute im Litauischen nicht mehr gebraucht werden, z. B. padukšė (I 99₁₃, 140₁₂, II 19₇,₈, 47₂) und paduksis (II 22₆, 28₁₃) ‚Hoffnung‘, penukšlas (I 143₂₁, 148₁₄, 150₃) ‚Speise, Nahrung‘, rudulis (I 65₁₉) ‚Armer, Bedürftiger‘, 3. Praes. tieg (I 76ₐ₉, 78₉, 83₁₅, 122₁₄, II 19₃ u. a.) ‚sagt‘. Einige Wörter haben eine ältere Form bewahrt, z. B. velinas (I 69₁₃, 100₃, 121₁₃, II 76₁₈, 116₁₅ u. a.) ‚Teufel‘104. Zahlreiche Wörter sind heute nur noch in bestimmten Dialekten bekannt. So war das Substantiv kėltuva (I 46₉, 68₉, II 21₂₅, 22₁₉, 32₁₈) damals sowohl im ostlitauischen (K. Sirvydas) als auch im mittellitauischen (M. Petkevičius) und im westlitauischen (J. Bretkūnas, M. Mažvydas) Sprachgebiet gebräuchlich. Heute kann man dieses Wort nur noch in Ostlitauen, ungefähr bis zur Linie Labanõras–Giedraičiai–Daugai, hören.

Wer den Wortschatz des Gesangbuchs erforscht, wird auch Wörter finden, die wir heute in einer anderen, oft jüngeren Bedeutung verwenden, z. B. bernelis (I 31₂₀, 34₁₆, 36₂₀, 59₂₇, II 57₁₅) ‚kleines Kind, Kindlein‘, grynas (I 142₃, II 100₇) ‚mittellos, arm‘, nasrai (II 26₂) ‚Mund‘.

* * *

Die vorgelegte Sprachanalyse des Slavočinskis-Gesangbuchs ist als erster Versuch zu betrachten, dieses bedeutende Sprachdenkmal unter dialektologischem Gesichtspunkt zu untersuchen. Die Analyse soll zeigen, dass Forschungen zu diesem Aspekt der alten Schriften vielversprechend sind. Sie können künftig zahlreiche wichtige Erkenntnisse zur Sprachgeschichte liefern. Denn ohne sie wird es unmöglich sein, eine historische litauische Dialektologie zu schaffen, da der Vergleich ausschließlich gegenwärtiger Dialektmerkmale zu endlosen Hypothesen führt. Schließlich sind Untersuchungen dieser Art der Schlüssel zur Aufhellung der äußerst komplexen Entstehungsgeschichte der litauischen Standardsprache, vor allem ihrer Schriftsprache (in der Vergangenheit gab es nicht nur eine).

Eingegangen

1971.V.5.

З. ЗИНКЯВИЧЮС

DIE SPRACHE DES LIEDERBUCHS VON S. M. SLAVOČINSKIS (1646)

Zusammenfassung

Es gilt als allgemein anerkannt, dass sich in der Sprache dieses Denkmals eine Vermischung verschiedener litauischer Dialekte der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts beobachten lässt. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Elemente jener Dialekte, die

103 Vgl. die Anmerkung von Pr. Skardžius, „Archivum philologicum“, II (Kaunas, 1931), S. 197.

104 Im Liederbuch gibt es auch eine kürzere Form, jedoch mit einer a-Stammauslautung (nicht ja!), z. B. n. sg. Welnas II 94₁₀, g. sg. welna I 56₂, d. sg. Welnuy II 103₁, n. pl. welnay II 118₁₁. Dass die längere Form nicht das Werk sprachlicher Korrektoren ist, zeigt der Reim der Lieder; vgl. n. sg. welinas II 116₆ mit a. pl. f. amžinas ‚ewig‘, a. pl. welinus II 76₁₈ mit a. pl. kalinius.

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zum Sprachbestand des untersuchten Denkmals gehören, die genannten Dialekte zu lokalisieren, den Prozess der Übertragung der Lieder ins Litauische zu klären sowie die Bedeutung der aus dem genannten Denkmal gewonnenen Daten für die Geschichte und die historische Dialektologie der litauischen Sprache zu bestimmen.

Die detaillierte Analyse der sprachlichen Merkmale des Denkmals ergab, dass es Elemente von nur drei Dialekten aufweist, nämlich: 1) dem žemaitischen aus der Umgebung von Nemakščiai–Viduklė, 2) dem aukštaitischen aus der Umgebung von Kėdainiai und 3) dem ostlitauischen (Stadt Vilnius).

Zunächst wurden die Lieder in den žemaitischen Dialekt (den heimischen Dialekt des Übersetzers) übertragen, wobei einige aukštaitische Elemente hinzugefügt wurden, die der Übersetzer hauptsächlich aus metrischen Gründen verwendete, vor allem bei der Suche nach dem erforderlichen Reim. Denjenigen, die die Herausgabe des Liederbuchs organisierten, gefielen die auf diese Weise ins Litauische übertragenen geistlichen Lieder jedoch nicht. Daher wurde der Text später überarbeitet (offenbar nicht nur vom Übersetzer selbst, sondern auch von anderen Personen), um, soweit es die Versform zuließ, žemaitische Formen durch solche aukštaitischen Formen zu ersetzen, die der damals in Litauen, vor allem in der žemaitischen Diözese, gebräuchlichen Schriftsprache eigen waren. Nach Ansicht des Verfassers des vorliegenden Artikels entstand diese Schriftsprache auf der Grundlage des Dialekts der Umgebung von Kėdainiai.

Die wenigen in den Liedern festgestellten ostlitauischen Elemente traten aus zwei Gründen auf: 1) Der Übersetzer benutzte umfassend das ostlitauische Wörterbuch von K. Sirvydas (Širvydas). 2) Einen Teil der genannten Elemente übernahm der Übersetzer unmittelbar aus der ostlitauischen Koine der Stadt Vilnius, wo er während seines Studiums an der Vilniuser Akademie lebte.

Im untersuchten Denkmal wurden zahlreiche wertvolle Daten für die Geschichte und die historische Dialektologie der litauischen Sprache entdeckt. Sie belegen beispielsweise, dass der südžemaitische Dialekt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bereits lange Monophthonge ī, ī (anstelle von uo, ie der modernen Standardsprache) und Diphthonge uo, ie (aus o, ē) aufwies; außerdem zeichnete sich bereits der Übergang des anlautenden e- zu a- ab, doch waren die akutierten Lautverbindungen u, i+r, l, m, n in der Umgebung von Nemakščiai–Viduklė noch nicht diphthongiert. Im Bereich des Konsonantismus ist vor allem der erfolgte Übergang der Konsonanten zd zu z zu nennen. Die Palatalisierung des Konsonantismus vor Vokalen vom Typ e war damals anders als im modernen Dialekt: Einer deutlichen Erweichung unterlagen nur k, g und teilweise š, ž (č, dž), während die übrigen Konsonanten ihre ursprüngliche Härte mehr oder weniger bewahrten. Der genannte Dialekt bewahrte damals viele alte morphologische Formen, die heute vollständig oder nahezu vollständig verschwunden sind, z. B. den Dual, den Illativ, den Adessiv, den Allativ, Lokativformen im Plural auf -sa, Dativformen im Singular auf -iej bei Substantiven mit einem Stamm auf -i, enklitische Pronominalformen mi, ti, athematische Verbformen; außerdem wurde die reflexive Partikel -se häufig verwendet. Daneben finden sich im Denkmal bereits einige neue Elemente, die für den modernen südžemaitischen Dialekt kennzeichnend sind.

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Die Arbeit behandelt außerdem Daten, die Aufschluss über die Geschichte der Dialekte des aukštaitischen Dialekts geben.

Abschließend werden die Linguisten auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Erforschung der alten litauischen Schriftdenkmäler unter dialektologischem Aspekt zu vertiefen.

Eingegangen am 5.V.1971

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