Page 1LIETUVIŲ AREALINĖS LINGVISTIKOS KLAUSIMAI
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
J. LIPSKIENĖ
CHARAKTERISTISCHE GEOGRAPHISCHE MERKMALE PHRASEOLOGISCHER VERBINDUNGEN
Atlanten verschiedener Sprachen zeigen, dass viele Wörter, phonetische Merkmale und morphologische Formen im Gebiet der jeweiligen Sprache sehr klar abgegrenzte Verbreitungszonen haben. Einige Phraseologismen sind ebenfalls nur für bestimmte Areale charakteristisch. Zwar neigen Phraseologismen im Vergleich zu einzelnen Wörtern gewöhnlich dazu, sich weiter auszubreiten, doch einige von ihnen hängen stärker an ihrer „Heimat“ als etwa Sprichwörter. Ihre Verbreitung wird nicht selten dadurch erschwert, dass sie nur im Satzkontext als Phraseologismen erkennbar werden und ihre Semantik nur aus der sie begleitenden notwendigen Umgebung erschlossen werden kann; vgl. die einfache Aussage danties ant danties nesuleidžia1, die ungleichmäßig, schief gewachsene Zähne bezeichnet, und den Phraseologismus — (es ist kalt) danties ant danties nesuleidžiu, der „es ist sehr kalt“ bedeutet. Sprichwörter haben dagegen günstigere Bedingungen für ihre Verbreitung. Sie sind offenbar stärker gefestigte Formeln, die für sich genommen einen klaren Gedankeninhalt haben und deren Bedeutung auch ohne Kontext, ohne die notwendige Umgebung des Phraseologismus leichter erschließbar ist, z. B. kas nedirba, tas nevalgo; verkia duona tinginio valgoma usw.
Da bislang noch kein umfangreicheres Tatsachenmaterial zusammengetragen wurde, lassen sich die genaue Verbreitung einzelner bildhafter Wendungen nicht angeben und keine interessanteren oder besser fundierten Schlussfolgerungen ziehen; einige allgemeine Tendenzen können jedoch durchaus erkannt werden. In diesem Artikel wird daher auf der Grundlage des verfügbaren, wenn auch unvollständigen Materials (Phraseologismen wurden nicht gründlich im gesamten litauischen Sprachgebiet gesammelt) versucht, diese allgemeinen Tendenzen und, wo möglich, auch die Verbreitungsgebiete einiger konkreter Phraseologismen zu beschreiben, da die Geographie phraseologischer Verbindungen in der litauischen Sprachwissenschaft bislang überhaupt nicht untersucht worden ist2. Die im Artikel geäußerten Gedanken und gezogenen Schlussfolgerungen können in vielen Fällen noch präzisiert werden.
Bei der Untersuchung der Geographie von Phraseologismen stellen wir fest, dass einige von ihnen sehr große Areale einnehmen, nicht nur in allen litauischen Dialekten verwendet werden, sondern auch Entsprechungen in anderen Sprachen haben, während andere in kleineren Gebieten bekannt sind – sie werden im Gebiet einer bestimmten Sprache oder nur in einzelnen ihrer Dialekte verwendet.
Die größten Areale sind wohl für viele somatische Phraseologismen charakteristisch, die eine der ältesten Schichten der Phraseologie bilden. Viele Phraseologismen dieser Art
1 Um Uneinheitlichkeit zu vermeiden, wird das illustrative Material im Artikel ohne Akzentzeichen wiedergegeben, da es nicht nur aus der gesprochenen Sprache, sondern auch aus verschiedenen nicht akzentuierten schriftlichen Quellen gesammelt wurde; beim Versuch, einen Text in einem nicht eigenen Dialekt zu verfassen, kann man verschiedene Fehler machen.
2 In einzelnen Arbeiten wird lediglich die Verbreitung des einen oder anderen Phraseologismus mit einem bestimmten Terminusbestandteil behandelt, vgl.: B. Rokaitė, Vaivorykštės pavadinimai lietuvių kalbos tarmėse, „Lietuvos TSR MA darbai, Serija A“, 2(15), 1963, S. 275—295; Lietuvių kalbos atlasas, I, Leksika, žemėl. Nr. 58.
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Page 2Aufgrund der identischen Funktionen, die entsprechenden Körperteilen zukommen, sowie gemeinsamer, allen Menschen eigener psychischer Prozesse und praktischer Erfahrungen sind sie in verschiedenen Völkern gleich. So hat beispielsweise die litauische Phraseologismusverbindung galvą muilesti (nukarti) „den Mut verlieren“ Entsprechungen in zahlreichen anderen Sprachen (vgl. Lettisch — nokārt galvu; Russisch — повесить голову; Polnisch — opuścić głowę; Deutsch — den Kopf hängen lassen; Englisch — hang down one's head; Französisch — baisser la tête; Estnisch — pead norgu laskma). Dieser Gedanke wird auch durch eine Tabelle somatischer lettischer Phraseologismen mit dem Wort „Auge“ bestätigt, in der lettische Phraseologismen hinsichtlich Form und Bedeutung mit ähnlichen Phraseologismen verschiedener Völker, darunter auch der Litauer, verglichen werden3.
Gemeinsamkeiten somatischer Phraseologismen wurden nicht nur in den Sprachen europäischer Völker festgestellt, sondern auch zwischen europäischen und sehr weit entfernten Sprachen. So führt der estnische Sprachwissenschaftler F. Vakk Belege dafür an, dass einige estnische somatische Phraseologismen Entsprechungen in westafrikanischen Sprachen haben4.
Es gibt jedoch nicht selten auch umgekehrte Fälle, das heißt, ein somatischer Phraseologismus einer Sprache hat in anderen Sprachen keine Entsprechung. So wird in dem bereits erwähnten Artikel lettischer Sprachwissenschaftler darauf hingewiesen, dass sich bislang in anderen Sprachen keine Entsprechung zum lettischen somatischen Phraseologismus ceļa kāja „das letzte Gläschen oder Bier, das getrunken wird, bevor die Gäste auseinandergehen oder abreisen“5 finden ließ, weder hinsichtlich seiner Bestandteile noch seiner Semantik. Hier lässt sich hinzufügen, dass dieser Phraseologismus mit derselben Bedeutung aus dem Lettischen auch in einige litauische Mundarten im lettischen Grenzgebiet übernommen wurde, zum Beispiel in die Gegend von Biržai, Joniškis, Skaistgirys, Žagarė, Kruopiai und Šakyna, vgl.: Nu, kaimyne, nieko nebūs, išgerk dar celia kaja Sk; Daugiau kaip sau nori, ale celia kaja tai reikia išgert, ir tiek Škn. In einzelnen Fällen wird er sogar als Lehnübersetzung gebraucht, vgl. Palauk, dar neik, dar turi išgert kelio koją, kitaip neišleisiu Jnš.
Welche Faktoren die unterschiedlichen Verbreitungsgebiete einzelner Phraseologismen innerhalb einer Sprache bestimmen, lässt sich nur schwer, bisweilen kaum feststellen. Vermutlich spielen hier verschiedene Faktoren eine Rolle: unterschiedliche soziale und wirtschaftliche Bedingungen, Variationen ethnografischer Gegebenheiten und Bräuche, Beziehungen zu benachbarten Völkern usw. Darüber hinaus wird die Verbreitung einer bildhaften Wendung teilweise durch eine Mundart oder eine Gruppe nahe verwandter Mundarten begrenzt (z. B. durch die žemaitische, ostaukštaitische Mundart usw.). Der Einfluss der Mundart auf das Verbreitungsgebiet eines Phraseologismus zeigt sich jedoch meist indirekt, durch einzelne lexikalische Einheiten, aus denen die Phraseologismen gebildet sind und die in der einen oder anderen Mundart verbreitet sind.
Es kommt vor, dass ein Wort, das einen Bestandteil eines Phraseologismus bildet, nicht im gesamten litauischen Sprachgebiet, sondern nur in einigen Mundarten gebräuchlich ist. Die Isoglosse der Verbreitung dieses Wortes zeichnet häufig zumindest annähernd auch die Verbreitungsgebiete der mit ihm gebildeten bildhaften Wendungen nach.
Somit können wir selbst ohne vollständige Daten die Verbreitung einiger geläufiger Phraseologismen und ihrer Varianten annähernd anhand der Hauptwörter erschließen, die in diese Phraseologismen eingehen und deren Verbreitung uns bereits bekannt ist. So gibt es in den litauischen Mundarten zahlreiche Phraseologismen, die mit den Wörtern — kiškis und zuikis gebildet sind. Die Verbreitungsgebiete dieser beiden Synonyme sind vergleichsweise regelmäßig verteilt. Zuikis oder seine Variante zuikys ist in den žemaitischen, westlichen und mittleren aukštaitischen Mundarten sowie in den dzūkischen Mundarten am linken Ufer des Nemunas gebräuchlich.
3 Ж. Э. Кагайне, С. Раге, Некоторые параллели соматических фразеологизмов в языке латышей и их соседей, — Взаимосвязи балтов и прибалтийских финнов, Рига, 1970, p. 181–6.
4 Ф. Вакк, О соматической фразеологии в современном эстонском литературном языке (filol. m. kand. disertacijos autoreferatas), Таллин, 1964, p. 7.
5 Э. Кагайне, С. Раге, min. str., p. 175–6.
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Page 3Der Hase ist hier vor allem aus der Literatursprache bekannt. Bei den Ostoberlitauern und fast allen Dzukern am rechten Ufer des Nemunas ist eher kiškis oder seine Variante kiškys gebräuchlich, während zuikis hier meist mit dem Vermerk „neuer“ belegt ist. Daher dürften sich die Verbreitungsgebiete der Phraseologismen kiškį pagauti und ihrer Variante zuikį pagauti (sugauti) ‚schwer heimzubringen‘ ungefähr mit den Arealen der Wörter kiškis (kiškys) und zuikis (zuikys) decken, und in der Überschneidungszone dieser Wörter dürften beide Varianten des Phraseologismus bekannt sein. Natürlich wird im Verbreitungsgebiet von zuikį pagauti (sugauti) unter dem Einfluss der Literatursprache gegenwärtig zweifellos auch eine Variante mit dem Wort kiškis vorkommen.
Ähnlich dürften sich wohl auch andere beliebte bildhafte Wendungen und terminologische Phraseologismen verteilen, die mit diesen Wörtern gebildet sind, zum Beispiel: kiškio (zuikio) pyragas ‚Mitbringsel‘; kiškio (zuikio) kopūstai ‚Sauerklee‘; die vergleichende Phraseologismus (bailus kaip kiškis (zuikis)) ‚ängstlich wie ein Hase‘ usw. In den Verbreitungsgebieten des letztgenannten Phraseologismus und seiner Varianten dürften sich natürlich nicht nur die Morphologie der Wörter kiškis, zuikis widerspiegeln, etwa (bailus kaip kiškys (zuikys)), sondern auch die Variation des Adjektivs (bailus | baikštus | baugus…), denn das Adjektiv ist ein notwendiger Bestandteil des Phraseologismus und trägt dazu bei, seine Bedeutung zu erschließen.
Aufgrund derselben Annahmen ließen sich ähnliche Verallgemeinerungen auch zur Geografie anderer Phraseologismen anstellen. So gibt es in den litauischen Dialekten einen Phraseologismus mit dem Wort žarna, vgl. žarna žarną ryja ‚sehr hungrig‘: Mama, duok valgyt – žarna žarną ryja Kair. Das Wort žarna wird in der Bedeutung ‚Verdauungsorgan‘ in einem großen Teil des litauischen Sprachgebiets verwendet – es ist bei den Dzukern, den Ost- und Mitteloberlitauern sowie im größten Teil des westoberlitauischen Sprachgebiets belegt. Wie das spärliche Belegmaterial zeigt, ist auch der erwähnte Phraseologismus genau aus diesem Gebiet dokumentiert (z. B. An, Bgs, Bsg, Btg, Čb, Dglš, Drsk, Glv, Jnš, Jnšk, Kair, Ker, Kps, Krs, Kš, Kvr, KzR, Lnkv, Ml, Mrk, Plv, Pn, Pun, Rd, Rdm, Šd, Švnc, Ukm, Vp). Außerdem sind vereinzelt auch seltenere Varianten dieses Phraseologismus belegt, zum Beispiel: žarna žarną ėda Ut; žarna žarną valgo Rš; žarna žarną loja Grv; žarna žarną veja Užp. Daneben kommen auch Synonyme vor, etwa žarna į žarną lenda Plk. Letzterer begegnet auch in der schönen Literatur, in den Werken des Kupiškėner J. Baltušis, vgl. O kad man žarna žarnon lenda, be pietų dar aš⁶… Dass diese Wendung keine Neubildung ist, zeigt, dass sie bereits von A. Schleicher aus dem ehemaligen Ostpreußen (Umgebung von Ragnit) aufgezeichnet wurde⁷. In Gervėčiai wird mit derselben Bedeutung beispielsweise der Phraseologismus žarnos maršą ūžia (= groja) gebraucht; vgl. Itai kaip alkanas, tada ir klega (=šneka): ot noriu valgyt – žarnos maršą ūžia. Er hat genaue Entsprechungen im Polnischen (kiszki grają marsza⁸) und Belarussischen (кіуші маршам граюць⁹). Möglicherweise ist er aus einer dieser beiden slawischen Sprachen in den Dialekt von Gervėčiai gelangt.
Die Žemaiten und die hochlitauischen Mundarten am Rand des Žemaitischen Sprachgebiets verwenden anstelle von žarna das Wort grobas. Im Verbreitungsgebiet des Wortes grobas ist eine Variante des Phraseologismus žarna žarną ryja belegt, nämlich grobas grobą ryja, vgl. Trečią dieną ėsti neduoda, grobas grobą ryja Krš¹⁰. Erž, Klm, Ms, Mžk, Rdn, Rt, Skd, Škn, Vn, Žr. Aus einem Ort ist außerdem grobas grobą gainioja aufgezeichnet worden, vgl. Ėsti noriu – grobas grobą gainioja Sg.
6 J. Baltušis, Parduotos vasaros, II, Vilnius, 1969, p. 33.
7 A. Schleicher, Litauisches Lesebuch und Glossar, Praga, 1856, p. 113.
8 St. Skorupka, Słownik frazeologiczny języka polskiego, I, Warszawa, 1967, p. 423.
9 Ф. Янкоўскі, Беларускія прыказкі, прымаўкі, фразеалагізмы, Мінск, 1962, p. 478.
10 Die nach dem Semikolon angegebenen Abkürzungen der Ortsnamen zeigen, wo dieser Phraseologismus noch gebraucht wird.
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Page 4Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde die Variante ≈ s grobas grobą ryja greta žarna žarną ryja im Dorf Spirakiai am Rand des mitteloberlitauischen Sprachgebiets in der Nähe Lettlands verwendet (Angehörige der älteren Generation gebrauchen sie auch heute noch); dort wird das betreffende Verdauungsorgan heute žarna genannt. Dieses Phänomen ließe sich auf zweierlei Weise erklären: Entweder gehörte das Dorf früher zum Verbreitungsgebiet des Wortes grobas, oder das Verbreitungsgebiet des gesamten Phraseologismus ist aus verschiedenen Gründen größer als das Areal des einzelnen darin enthaltenen Wortes.
Vor allem in schriftlichen Quellen (in den Schriften von S. Daukantas und M. Valančius sowie in J. Basanavičius’ Märchensammlungen) ist mit derselben Bedeutung auch die Variante žarna į žarną lenda des Phraseologismus grobas į grobą lenda belegt, zum Beispiel: Grobos į grobą lenda, taip noriu valgyti M. Valanč; Bičiuli, valgyti didei noru – grobas į grobą lenda11.
Hier lässt sich noch hinzufügen, dass die Varianten anderer, an wenigen Orten mit diesen Wörtern belegter Phraseologismen ebenfalls durch die Verbreitungsgebiete der Synonyme žarna und grobas begrenzt sind; manche davon sind nur mit jeweils einem der beiden Synonyme belegt. So kommt etwa die Wendung eina kaip grobą pūtęs ‚mit leeren Händen, niedergeschlagen, unzufrieden‘ überhaupt nicht in der verbreiteteren, mit dem Wort žarna gebildeten Variante vor. Ihr Verbreitungsgebiet kann daher kaum über das Verwendungsgebiet des Wortes grobas hinausreichen, das heißt, es muss auf die žemaitischen Dialekte beschränkt sein.
Die Annahme, dass die geografische Verteilung einzelner Wörter auch die Verbreitungsgebiete von Phraseologismen bestimmt, wird teilweise durch das Beispiel der Wörter epušė, apušė, drebulė, drebuolė und der mit ihnen gebildeten Phraseologismen gestützt. So wird im litauischen Sprachgebiet der Phraseologismus mit der Bedeutung ‚Angst haben‘ verwendet: dreba (virpa) kaip epušė (apušė, apušis, drebulė) arba dreba (virpa) kaip epušės (apušės, apušies, drebulės, drebuolės) lapas. Eine weitere Variante dieses Phraseologismus kommt in den Mundarten vor, die anstelle des Wortes lapas das Synonym lakštas verwenden, zum Beispiel: Vilkenyčia (= vilkė) sv irpt peršoko, e aš kap apušės lakštas drebu Grv. In einzelnen Fällen, üblicherweise in stärker von slawischen Sprachen beeinflussten Mundarten, weicht auch die morphologische Struktur des Phraseologismus ab: Anstelle des Genitivs des Substantivs steht nach slawischem Vorbild ein Adjektiv, zum Beispiel Vaikai dreba kaip lapai apušiniai Dbg.
Unter den hier angeführten vergleichenden Phraseologismen ist die Variante dreba (virpa) kaip apušės lapas am weitesten verbreitet. Abgesehen vom südlicheren Teil des westoberlitauischen Sprachgebiets und einigen ostdzukischen Mundarten sind Belege für ihren Gebrauch ungefähr im gesamten litauischen Sprachgebiet dokumentiert (z. B.: Bdr, Dbč, Drsk, Grz, Eiš, Jnš, Kri, Klm, Knv, Krs, Krš, Lkm, Lkv, Lnkv, Lp, Mrk, Ob, Plm, Pp, Rgv, Rud, Sk, Škn, Užv, Vg, Žg). Es sei darauf hingewiesen, dass dieser Phraseologismus nicht nur in der litauischen Literatursprache und in den Dialekten bekannt ist – er hat Entsprechungen in anderen Sprachen und ist internationalen Charakters, vgl. Lettisch – trīc (dreb) kā apšu (apses rt.) lapa12; Russisch – как осиновый лист дрожит (трясется)13; Polnisch – trząsi się jak liść (jak listek) osiki14; Deutsch – zittern wie Espenlaub15; Englisch – quake (quiver, shake, trembling) like an aspen leaf16.
11 Lietuviškos pasakos įvairios, surinko J. Basanavičius, II, Kaunas, 1928, p. 13.
12 K. Mūlenbacha Latviešu valodas vārdnīca, I, Rīga, 1923—1925, p. 118; D. Caubuliņa, N. Ozoliņa, A. Plēsuma, Latviešu—krievu frazeoloģiskā vārdnīca, Rīga, 1965, p. 56.
13 Фразеологический словарь русского языка, под редакцией А. И. Молоткова, Москва, 1967, p. 226—227.
14 St. Skorupka, Słownik frazeologiczny języka polskiego, II, Warszawa, 1968, p. 396.
15 D. Šlapoberskis, Vokiečių—lietuvių kalbų žodynas, Vilnius, 1972, p. 311; Немецко-русский фразеологический словарь, под редакцией Малиге—Клаппенбах и К. Агрикола, Москва, 1975, p. 160.
16 A. B. Кунин, Англо-русский фразеологический словарь, Москва, 1956, p. 628.
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Page 5Warum diese Phraseologismen in verschiedenen Sprachen verwendet werden, lässt sich nur schwer feststellen. Doch dürfte man in diesem Fall wohl kaum von einem Ergebnis der Entlehnung oder des Sprachkontakts sprechen, da sie auch geografisch recht weit voneinander entfernte Gebiete verbindet. Vielleicht ist die Annahme zutreffender, dass sich ein gleicher Phraseologismus in vielen Sprachen selbstständig herausbilden konnte, d. h., dass man hier teilweise auf dieselben Faktoren trifft, die auch die geografischen Besonderheiten somatischer Phraseologismen bestimmen.
Im Verbreitungsgebiet des besprochenen Phraseologismus weisen andere Phraseologismen mit dem Wort apušė oder seinen Varianten in einzelnen litauischen Mundarten keine klareren Isoglossen auf, z. B.: dreba kaip apušė Grz, Kp, Lp, Mrc, Pkp, Pnd, Skp, Slnt, Vs, Vvr; dreba kap apušis Alz, Srv. In einigen ostaukštaitischen und ostdzūkischen Mundartinseln, vereinzelt sogar in žemaitischen Mundarten, sind Redewendungen mit der Variante epušė belegt, z. B.: dreba kaip epušė Als, Eig, Km, Kvr, Rk, Trš; dreba kaip epušės lapas An, Ds, Kvr, Ml, Trgn, Tršk, Užv.
In den Mundarten, in denen das Synonym drebulė für den Baumnamen gebräuchlich ist, werden auch verschiedene Varianten des betreffenden Phraseologismus mit diesem Wort gebildet, z. B.: dreba kaip dreb ulė Brt, Dt, Jrb, Kb, KzR, Pc, Rdm, Vl, Vlkj, Vlkv; dreba kaip dreb ulės lapas Šk, Vdk, || dreba kaip dreb ulė Dkš, Erž. Im Gebiet des Synonyms dreb uolė im Rajon Ignalina ist die Variante dreba kaip dreb uolės lapas Vds belegt. Übrigens wird sowohl in jenen Gegenden als auch im gesamten litauischen Sprachgebiet parallel dazu der Phraseologismus auch ohne Baumnamen verwendet, vgl. (dreba) kaip lapas (Dglš).
Man kann außerdem sagen, dass im größeren Teil Litauens, besonders wenn das Wort apušė (oder epušė) in den Phraseologismus eingeht, offenbar vorwiegend seine vollständigere Variante verwendet wird, d. h. die mit dem Substantiv lapas: dreba kaip apušės (seltener epušės) lapas. Die mit dem Synonym dreb ulė gebildeten Phraseologismusvarianten kommen meist ohne das Wort lapas aus: dreba kaip dreb ulė. Entsprechungen dieser kürzeren Variante in anderen Sprachen sind bislang nicht belegt. Daher lässt sich vermuten, dass sie jünger ist und in der litauischen Sprache durch Verkürzung der längeren Variante entstanden ist.
Wie bereits erwähnt, stimmen die Verbreitungsgebiete dieser einzelnen Wörter und der mit ihnen gebildeten Phraseologismen nahezu überein; wenige Abweichungen spiegeln meist wider, dass das Synonym apušės in einer bestimmten Mundart älter ist. Hier einige Fälle, in denen in einzelnen Mundarten beide Bezeichnungen für den Baum bekannt sind, der Phraseologismus aber nur mit einer davon gebildet wird, z. B. wird neben der Baumbzeichnung apušė auch die Bezeichnung dreb ulė verwendet, im Phraseologismus jedoch nur apušė Grz, Jnš, Khm, Lkm, Plm, Sk, Škn; apušė || apušis || dreb ulė || dreb ulis, im Phraseologismus aber nur apušė Dbg; epušė || dreb ulė, im Phraseologismus jedoch nur mit epušė Als. Der umgekehrte Fall, d. h. die Bezeichnung epušė || dreb ulė, während im Phraseologismus dreb ulė verwendet wird, ist bislang nur einmal belegt – in Urkuvėnai.
Da die geografische Verbreitung eines Phraseologismus gewöhnlich nicht stark von der Verbreitung des selbstständigen Wortes abweichen kann, das einen seiner Bestandteile bildet, ist auch das Verbreitungsgebiet des Phraseologismus, der dieses Wort enthält, nicht zusammenhängend, wenn das Wort selbst ein aufgesplittertes Areal hat (das manchmal sogar aus voneinander getrennten Teilgebieten besteht). So ist etwa der Vergleichsphraseologismus storas kaip užėtkas „sehr dick“ in den südlichsten dzūkischen Mundarten um Dubičiai belegt. Eine Entsprechung mit einer Variante desselben Wortes, ušėckas, findet sich in einigen aukštaitischen Mundarten nahe der lettischen Grenze (Grz, Jnš, Kri, Sk, Žml), wo damit wie auch in jenen dzūkischen Mundarten ein bestimmtes kleines Fass bezeichnet wird. Das Verbreitungsgebiet von Ušėcko / ušėtko wird durch Gebiete unterbrochen und in Teilbereiche zergliedert, in denen dasselbe Objekt anders benannt wird (cebras / ceberas / ceberkas); dort dürfte auch der betreffende Phraseologismus kaum bekannt sein.
Ein weiterer Fall liegt vor, wenn die in den Phraseologismus eingehenden Wörter im gesamten oder nahezu gesamten litauischen Sprachgebiet verwendet werden, der Phraseologis-
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Page 6mus selbst jedoch, der nach dem Muster D + V₁ (V₂, V₃...)17 gebildet ist, nur in einigen Mundarten vorkommt. So sind etwa das Substantiv žaibas (oder seine Variante žiebas) sowie die Verben mesti, pilti, pliekti in den meisten litauischen Mundarten gebräuchlich18. Das Verbreitungsgebiet des Phraseologismus žaibus mesti (pilti, pliekti) „blitzen“ beschränkt sich dagegen auf die Žemaiten, die nördlichen westlichen Aukštaiten sowie den nördlichen Teil der mittleren und östlichen Aukštaiten (vgl. z. B.: žaibus mesti Antz, Brs, Brž, Grz, Jnš, Jnšk, Kair, Kri, Krs, Krš, Lg, Lnkv, Mšk, Ms, Pbr, Pkr, Pš, Pvn, Rdn, Sk, Skd, Slnt, Škn, Šl, Šts, Šv, Užv, Vvr, Žg, Žml; žaibus pilti Pnm, Rk; žaibai plie-kia Škn, žaibus pliekti Jnš, Mšk, Sk, Šl; žeibus pilti Pvn). Die südlichen westlichen Aukštaiten, der südliche Teil der mittleren Aukštaiten, die Dzūken sowie ein Teil der östlichen Mundarten verwenden, soweit sich anhand des vorliegenden Materials urteilen lässt, offenbar statt dieses Phraseologismus das Verb žaibuoti. Eine Variante des Phraseologismus mit der lexikalischen Variante žiebas ist in einigen žemaitischen Mundarten gebräuchlich, z. B.: žiebus mesti Kv, Lkv, Prk, Šll, žiebus pliekti Pj.
Varianten des Phraseologismus žaibus (žiebus) mesti (pliekti…) sind auch in schriftlichen Quellen belegt, z. B.: žaibus mesti B, M, N, Žem; žaibus pliekti Sln; žiebus mesti JnE, Mit I 72; žėbus (= žiebus) mesti BzF 202, Mit I 72.
Dieser Phraseologismus ist also nicht neu. Für sein hohes Alter spricht auch die genaue lettische Entsprechung, die wie im Litauischen mit Wörtern derselben Wurzel gebildet ist, vgl.: zibenus meta allaž biežāk „es blitzte heftig“; pērkuons rūcis un zibens metis19.
Ein weiteres Beispiel eines Phraseologismus derselben Art und nach demselben Muster, dessen Varianten sich im Wesentlichen nur nach dem Verb der zweiten Komponente unterscheiden, sind Redewendungen für Erbrechen (gewöhnlich bei Betrunkenen oder Katernden), vgl.: Gėrei gėrei, kas iš to, kad gėrei, kad reikia ožius bielyti Vb; Gėrė, gėrė, kol pradėjo ožius draskyt Msn; Tai drėskiau ožius, į tvorą įsikabinęs Btg; Vakar gėrė, dabar ožius gainioja Dbg; Gersi, kol pradėsi ožius ganyt Bgs; Lupsi ožius kaip didelis, tik neik nuo stalo VIkv; Pradėsi ožius nerti, negerk tiek daug Šl; Tol sėdėjo prie stalo, kol ėmė ožį pjaut Mžk; Škn; Prisigėrė, o dabar ožius plėšia Ut; Ožius rauna, ir gana, atsikėlęs Glv.
Den vorliegenden Angaben zufolge sind die Verbreitungsgebiete der verschiedenen Varianten ungefähr wie folgt verteilt. Ožius bielyti ist vorwiegend nördlich der Linie Obeliai – Dusetos – Antalieptė – Daugailiai – Užpaliai – Debeikiai – Troškūnai – Karsakiškis – Šeduva – Pakruojis – Joniškis belegt (vgl.: An, Ant, Brž, Dgl, Ds, Jnš, Jnšk, Km, Kp, Krs, Lnkv, Ob, Pbr, Pkr, Ps, Rk, Šd, Užp, Vb). Die Variante ožius lupti ist (manchmal neben anderen) an einzelnen Orten südlich des Verbreitungsgebiets von ožius bielyti in ostaukštaitischen, ost- und westdzūkischen sowie sogenannten südlichen dzūkischen und südlichen westaukštaitischen Mundarten belegt, z. B.: Alk, An, Ant, Brt, Dbč, Dbg, Dglš, Dkšt, Ds, Dv, Grv, Jz, Klt, KzR, Lb, Lp, Lzd, Pls, Pun, Rod, Rš, Slk, Srj, Šlčn, Švn, Švnč, Trgn, Vdš, Vdšk, VIkv, VšR, Vv, Zr, Žl; ožius pjauti ist überwiegend westlich des Verbreitungsgebiets von ožius bielyti belegt, z. B.: Erž, Grz, Jnš, Krp, Mžk, Sk, Škn, Trk, Vkš, Žg. Ožius plėšti ist hauptsächlich im östlichen Teil des litauischen Sprachgebiets belegt, stellenweise neben der Variante ožius lupti, z. B.: Bgs, Čb, Dbg, Dv, Grv, Ign, Ker, Kvr, Ml, Mlt, Msn, Rud, Šlčn, Ut, Vp, Žl. Vereinzelt ist sie auch in südlichen westaukštaitischen Mundarten neben der Variante ožius lupti belegt: Vv. Auch die übrigen Varianten, die ebenfalls häufiger im östlichen Teil des litauischen Sprachgebiets vorkommen, werden vielerorts parallel zu anderen Varianten verwendet, z. B.:
17 D – Substantiv, V₁, V₂, V₃ – verschiedene Verben.
18 Das Wort žaibas fehlt offenbar nur in einigen östlichen litauischen Mundarten, etwa in der Gegend von Daugėliškis, Vidiškės und anderswo; an seiner Stelle wird offenbar bliskavica(?) verwendet.
19 K. Mülenbacha Latviešu valodas vārdnīca, IV, Rīga, 1929–1932, p. 716.
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Page 7Ziegen zerreißen Čb, Ker, Msn; Ziegen hetzen Dbg; Ziegen schinden Glv. Einzelne Fälle solcher selteneren Varianten kommen auch in den westaukštaitischen und žemaitischen Mundarten vor, z. B.: Ziegen aufschlitzen Ar, Bgt, Btg, Rs; Ziegen häuten Šl. Zu den selteneren gehört Ziegen das Fell abziehen, z. B.: Du hast gestern gut und nicht nur einer Ziege das Fell abgezogen Gdr.
Eine weitere Variante mit einem anderen zweiten und einem modifizierten ersten Bestandteil der Phraseologismusverbindung (wohl sogar als Synonym der bereits besprochenen Verbindung anzusehen), Ziegenböcke kaufen, wurde aus einzelnen žemaitischen Mundarten aufgezeichnet, z. B.: Er trank nur ein paar Gläschen und kauft schon hinter der Ecke Ziegenböcke; Vielleicht gehst auch du schon in den Hinterraum, um Zicklein zu kaufen; Na, kaufst du schon Ziegenböcke Sd.
Ergänzend sei erwähnt, dass es im Lettischen ebenfalls eine nach demselben Modell und mit demselben ersten Bestandteil gebildete Phraseologismusverbindung mit verschiedenen Varianten gibt, z. B.: āzi (āžus) dirāt (kaut, plēst) „Ziegen (Ziegenböcke) schinden (schlagen, zerreißen)“; āžu ādas spilēt „Ziegenhäute anziehen, spannen“; āžus durt „Ziegenböcke stechen“; ar āžu ādām braukt „mit Ziegenhäuten fahren“20.
Abschließend zu dieser Phraseologismusverbindung sei gesagt, dass es in den litauischen Dialekten auch verschiedene Synonyme gibt, die das Erbrechen bezeichnen, z. B.: Danke sagen; rückwärts wachsen; nach hinten werfen; Gold (Gulden) zählen; ein Gulden ist zwei Kopeken wert; der Magen ist übel (gelang, verdrehte sich); den Magen verdrehen; in die Kruste werfen; ein Kalb fahren; ein Kalb brüllen lassen und andere. Ihre Bildung und Verbreitung werden in diesem Artikel jedoch nicht untersucht.
Manchmal bilden einige Varianten dieser Art von Phraseologismen relativ klar abgegrenzte Areale. So gibt es in den litauischen Dialekten eine stark nach dem ersten Bestandteil variierende Phraseologismusverbindung, die nach dem Modell D₁ (D₂, D₃, D₄…) + D gebildet ist und Schneefall in Form großer, feuchter Flocken bezeichnet, z. B. Weiber- | Greise- | Hunde- | Bettler- | Wolfsbissen. Vgl.: Es schneit in Weiberbissen Grk; Es schneit in Greisenbissen, man kann kaum hinausgehen Ker; Na, es schüttet ja in Hundebissen Lk; Wie es in Bettlerbissen schneite, so schüttet es auch jetzt Lk; Als es anfing, in Wolfsbissen herunterzuschütten (= zu schneien), klebten die Augen zu Kl; J.
Von allen hier aufgeführten Varianten hat offenbar die Redewendung Bettlerbissen die deutlichste Isoglosse. Nach dem gegenwärtig verfügbaren Material liegt ihr Verbreitungsgebiet nördlich und westlich der Linie Biržai — Pabiržė — Pasvalys — Joniškėlis — Šeduva — Kelmė; von Kelmė aus ist ihre weitere südliche Grenze nicht mehr klar. Sie wird also hauptsächlich in den nördlichen žemaitischen und aukštaitischen Mundarten verwendet (z. B.: Brž, Grz, Grž, Jnš, Jnšk, Klk, Klm, Kri, Krp, Krš, Lnkv, Ms, Mšk, Mžk, Pbr, Plt, Ps, Rdn, Rd, Sk, Šd, Škn, Tl, Trš, Užv, Vvr, Žg, Žml). Das Verbreitungsgebiet der selteneren Variante — Weiberbissen — beginnt offenbar ungefähr bei Eržvilkas, Gir kalnis und Raseiniai und erstreckt sich südwärts über den Nemunas hinaus (z. B.: Erž, Grk, Gs, Kb, KzR, Rs, Šil, Šk, Švn, Vl, Vlkj, Vlkv). Vereinzelt wurde diese Variante in den ostaukštaitischen Mundarten aufgezeichnet (z. B.: Bgs, Er, Pn), ihr genaues Verbreitungsgebiet lässt sich derzeit jedoch nicht bestimmen. Aus einzelnen Aufzeichnungen scheint hervorzugehen, dass neben Weiberbissen in manchen Mundarten auch die Variante Bettlerbissen abwechselnd verwendet wird (z. B.: Kps, Plv).
Welche Verbreitungsgebiete die selteneren Varianten mit derselben Bedeutung — Greisenbissen, Hundebissen, Wolfsbissen — sowie die nur ein einziges Mal belegte Phraseologismusverbindung Brotbissen (vgl.: Es schneit in Brotbissen Grz) haben, lässt sich nicht sagen, solange unsere Phraseologismen nicht systematischer gesammelt werden.
20 K. Mūlenbacha Latviešu valodas vārdnīca, I, p. 246; D. Caubuliņa, N. Ozoliņa, A. Plēsuma, Latviešu—krievu frazeoloģiskā vārdnīca, p. 74.
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Page 8In den litauischen Dialekten gibt es zur Bezeichnung eines solchen Schneefalls auch andere Wendungen. So lässt sich beispielsweise aus dem im Wochenblatt „Tiesos Prietelius“ veröffentlichten Satz eines Kleinlitauers Pradėjo sniegas bobos kasniais kristi, tai bus bene gandro kepiai, kaip mūsų tėvai saky liubėjo21 schließen, dass in den Mundarten dieser Gegend früher wohl die Phraseologismus gandro kepiai gebräuchlich war; es liegen jedoch keine weiteren Belege vor, anhand derer sich seine Bedeutung genauer bestimmen und zumindest etwas über sein Verbreitungsgebiet sagen ließe. Das isoliert verwendete Wort kepis „flaches Brötchen“ scheint nur bei den Žemaiten belegt zu sein22. Das erste phraseologische Glied, die Vogelbezeichnung gandras, war früher wohl ebenfalls am weitesten in den žemaitischen Dialekten verbreitet23.
Etwas klarer lässt sich das Verbreitungsgebiet des vergleichenden Phraseologismus gleicher Bedeutung bestimmen: sninga (sniegti) kaip vištom. Den vorliegenden Belegen zufolge ist er offenbar in den Mundarten der westlichen Dzūken weiter verbreitet; Aufzeichnungen gibt es jedoch auch aus den östlichen dzūkischen Mundarten und anderen Gegenden (vgl.: Al, Alv, Dbč, Dg, Dv, Eiš, Grv, Kls, Knv, Mrc, Mrk, Nč, Pls, Pun, Rod, Vlk, Vrn). Mancherorts wurde noch die eine oder andere Variante aufgezeichnet, zum Beispiel: Krinta kaip viščiukai (kaip viščiukų galvos) Aln, Blnk; Sniegti tai sniegti kaip gaidžiais Rud.
Besonders viele vergleichende Phraseologismen gleicher Bedeutung wurden in den ostaukštaitischen und teilweise auch in den östlichen dzūkischen Mundarten aufgezeichnet, zum Beispiel: Nu ir drebia už lango kaip dribsniais Kp; Pagada, sergėk dieve, kaip katinais drebia Vdšk; Dl. Sninga kaip kačiukais Dl; Drobluoja, sninga kaip kačiokais Kp; Tai sninga, kaip lapais Čb; Kš, Ut, Zr; Lauke kaip lapsiais verčia Ut; Kad sninga, tai sninga, kaip lopiniais Lkm; Kaip nosinėm sninga Aln; Sninga kaip pirštinėm Bgs; Sninga kaip skarom Žl; Drebia kaip skepetom Aln; An, Blnk, Dbg, Ktk, Kur, Lkm, Mlt, Sdk, Skdt, Sv, Tršk, Užp; Lauke kaip skri duliais sniega Km; Visą dieną vertė sniegą kaip plostais – ir kailinaičiai, ir nešulaitis šlapias Grv. Für die Bestimmung der Verbreitungsgebiete all dieser Wendungen fehlen jedoch noch Belege.
Neben solchen Phraseologismen, deren beide Glieder aus Wörtern bestehen, die in allen oder zumindest in vielen unserer Dialekte vorkommen, gibt es auch solche, bei denen ein Glied aus einem Wort besteht, das isoliert betrachtet nur in einem sehr begrenzten Gebiet bekannt ist, während der damit gebildete Phraseologismus ein wesentlich größeres Verbreitungsgebiet hat. So ist beispielsweise aitas „Wanderer, Tunichtgut, unruhiger Geist“ nur in der Umgebung von Kupiškis bekannt24. Der Phraseologismus aitais eiti (išeiti, nueiti); aitų keliais nueiti; aitom eiti „zunichtewerden, zugrunde gehen“ ist dagegen in einem deutlich größeren Gebiet gebräuchlich, vgl.: Aitais ėjo, aitais ir išėjo Lnkv; Dirbau, dirbau, ir tas darbas aitais nuėjo Rm; Alz; Nieks jo nepržiūrėjo ir nuėjo žmogus aitų keliais Brž; Pbr, Ps; Aitom eina tas jos vaikas Ėr. Er findet sich auch in den Schriften von Schriftstellern und Kulturschaffenden aus diesen Gegenden, zum Beispiel: Aitais išėjo turtai ir pinigai P. Aviž.
Allein auf Grundlage dieses Materials lässt sich nur schwer genau bestimmen, wodurch die unterschiedliche geografische Verbreitung des gesamten Phraseologismus und des isoliert betrachteten Wortes aitas bedingt ist. Kaum zutreffend ist wohl
21 „Tiesos prietelius“. Verlag und Druck von G. Trauszies in Prökuls, 1881, Nr. 13, p. 3.
22 Vgl. LKŽ V 582–583.
23 Übrigens könnten mit dem Phraseologismus gandro kepiai vielleicht auch Wendungen wie Balandis kepį kepa Rt; Gegužė kepį kepa KrvP(Tv); Gegužė tur savo kepį atkepti, d. h. es muss Schneeregen geben, J; Dar gegužė iškeps savo kepį, d. h. es wird kalt, JI 588, verwandt sein, doch ihre Bedeutung ist etwas anders. Sie werden hauptsächlich verwendet, um das wechselhafte Wetter im Frühling zu beschreiben. (Vgl. außerdem eine weitere übertragene Bedeutung des Wortes kepis: etwas, das aufgewühlt, „gebacken“ wurde, „Exkremente“, siehe LKŽ V 582–3).
24 LKŽ I 44.
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Page 9diese Diskrepanz allein mit der großen Verbreitung einer eng lokal begrenzten Phraseologismusvariante zu erklären. Es kann auch sein, dass das Wort aitas früher weiter verbreitet war und sein Areal heute erheblich kleiner geworden ist25.
Übrigens kann ein Wort, das einen Bestandteil eines Phraseologismus bildet, den verfügbaren Daten zufolge für sich genommen überhaupt nicht gebraucht werden, d. h. kein eigenes Areal haben. So wird in den žemaitischen Dounininkai-Mundarten mit nahezu derselben Bedeutung („untätig sein, verkommen“) wie aitais eiti der Phraseologismus paiparibais (palparybais, papauribais, pauparibais eiti (išeiti, nueiti) gebraucht, z. B.: Juk anie visi paiparibais daba eita Ms; Tėvas dirbo, rūpinosi, vaikai palparybais eit Grg; Vos ponas atsitrauksi, darbininkai eit palparybais, t. y. vienas in vieną šalį, kitas in kitą J; Pln; Jie gėrė uliavojo — visas jo gyvenimas palparybais išėjo Sd; Eit pauparibais kiauras dienas, nu kas iš tokio gal būti? Slnt. Bemerkenswert ist, dass im Wörterbuch der litauischen Sprache zusammen mit einer Variante dieses Phraseologismus ein Satz aus den Schriften des Dichters und Kulturaktivisten Silvestras Gimžauskas belegt ist, z. B.: Petras nuvėjo papauribais, t. y. nuvėjo keliais nedorybės, nuvėjo ne tuomi keliu, kur reikėjo eiti26. S. Gimžauskas stammte aus der Gegend um Linkmenys in Ostlitauen. Wie die für die Žemaiten charakteristische Phraseologismusvariante in seine Schriften gelangte, ist nicht ganz klar. Bekannt ist jedoch, dass er mit den Werken seiner Zeitgenossen und früherer Schriftsteller und Sprachwissenschaftler gut vertraut war. Vielleicht hat er auch diesen Phraseologismus von žemaitischen Autoren übernommen. Auch andere litauische Sprachforscher haben festgestellt, dass die Sprache von S. Gimžauskas’ Schriften hinsichtlich der Mundarten uneinheitlich ist27.
Der erste Bestandteil all dieser Varianten (paiparibais, palparybais, papauribais, pauparibais) ist dasselbe Wort, das sich lediglich aus phonetischen Gründen jeweils etwas verändert hat. Als selbstständiges Einzelwort scheint es in keiner Mundart oder Sprachvarietät belegt zu sein.
Von ähnlicher Art ist auch die phraseologische Verbindung, die aus einer adverbialisierten Instrumentalform im Plural (su skarduliais) und einer Form eines Bewegungsverbs wie etwa bėgti, išbėgo, išdumti, eiti, eik, išlėkė usw. besteht; diese bildet die notwendige Ergänzung des Phraseologismus. Mit dieser phraseologischen Verbindung werden Intensität und Schnelligkeit der ausgeführten Handlung bezeichnet, z. B.: Bėk su skarduliais, kitaip neužspėsi Žyr; Visi vaikai su skarduliais išdumė pro duris Vv; Kai sykį rėžiau, tai su skarduliais nulėkė Vl; Šuo su skarduliais išbėgo iš kiemo Ilg; Nm. Es kommen auch Varianten dieser Verbindung vor. Sie kann um eine Vergleichspartikel erweitert werden (Eina greit, kaip su skarduliais Vl); das nominale Glied kann eine Variantenform haben (Nutilk, jei nori, o ne išeisi su skardūneliais Jrb. Kad paimsiu lazdą, tai su skardūneliais išeisi iš virtuvės Jrb); oder die Verbform – die notwendige Ergänzung des Phraseologismus – kann ausgelassen, aber mitgedacht werden (Pareina tėvas girtas, tai visi vaikai su skardūliais iš namų Lkš).
Wie aus den Beispielen ersichtlich ist, wurde diese phraseologische Verbindung aus den Mundarten von Veliuona, Zanavykai und dem nördlichsten Teil des Kapsai-Gebiets aufgezeichnet; gelegentlich kommt sie auch in angrenzenden Mundarten der nordwestlichen Aukštaiten vor. Sie ist auch in schriftlichen Quellen belegt, z. B. in Juškas Wörterbuch: Skarduliais ėjom, t. y. šokome smagiai, linksmai; in den Schriften von J. Jablonskis: Su skarduliais darbas eina; im Werk von P. Cvirka: Kaip šutri voverėlė iššliuožia Simukas iš medžio, pirma nusilaužia liekną ryškštelę ir su skarduliais
25 Die Geografie des Wortes aitas ist bereits früher untersucht worden, vgl.: K. Būga, Rinktiniai raštai, III, Vilnius, 1961, S. 487.
26 LKŽ IX 351.
27 V. Vanagas, A. Vidugiris, Silvestras Gimžauskas, — Ignalinos kraštas, Vilnius, 1966, p. 218, 221.
12. Užs. Nr. 1026
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Page 10läuft den Rindern hinterher28. Der Teufel und Perkūnas dachten, die laumė komme angefahren... Der eine sprang durchs Fenster, der andere durch den Schornstein, und mit skardūliais sausten sie davon29.
Einige Phraseologismen dieses Typs sind überhaupt nur aus jeweils einer Mundart aufgezeichnet, z. B. pakalstomis eiti „untätig sein“: Pakalstoms eita vaikai, šalinė[ja], nestova numie Šts; drauti atmesti „krank werden“: Užrišk skarelę, a nori drauti atmesti Sk; Pamtysi, kaip Liokadija drauti atmes teip nesisaugodama Sk; Sie sind bereits rein lokalen Charakters.
In diesen Fällen wird die Geografie des Phraseologismus durch seinen ersten Bestandteil bestimmt, nicht durch den zweiten Bestandteil – das Verb.
Neben phraseologischen Verbindungen, deren Geografie auf die eine oder andere Weise durch das Areal eines ihrer Bestandteile bildenden Wortes bestimmt wird, gibt es zahlreiche, deren Isoglosse nicht vom Wort als Ganzem abhängt, sondern von einer seiner Bedeutungen. So erstreckt sich das Wort drevė samt seinen Varianten über den größten Teil des litauischen Sprachgebiets; phraseologische Verbindungen mit diesem Wort, wie etwa storas kaip drevė „sehr dick“, sind jedoch nur aus einigen wenigen Mundarten der westlichen Dzūkai aufgezeichnet (Dbč, Vrn). Das liegt daran, dass nur in einem kleinen Teil des westdzūkischen Dialektgebiets eine dicke Kiefer drevė genannt wird, in der gewöhnlich Bienen gehalten wurden; überall sonst bedeutet das Wort Baumhöhlung, hohlen Baum oder Hohlraum.
Ein noch kleineres Gebiet nimmt der vergleichende Phraseologismus aukštas kaip drevė „sehr hoch“ Mrc ein, denn die Bedeutung „dicke, hohe Kiefer“ des Wortes drevė scheint in den westdzūkischen Mundarten insgesamt noch enger verbreitet zu sein. Möglicherweise wurde das Wort drevė oder eine seiner Varianten früher in dieser Bedeutung viel weiter verbreitet gebraucht; vgl. den in den nordwestlichen Aukštaiten aufgezeichneten Satz: Tai merga kaip dravis Jrb30.
In den Mundarten hingegen, in denen das Wort drevė in der Bedeutung „Baumhöhlung, hohler Baum“ gebraucht wird, sind Phraseologismen belegt, in denen genau diese Bedeutung zum Ausdruck kommt. So gibt es in einigen Mundarten der westlichen und mittleren Aukštaiten am Rand des lettischen Sprachgebiets (Jnš, Sk, Škn) den Phraseologismus įlindo kaip į drevę. Er wird gesagt, wenn etwas nicht gefunden wird, wenn etwas verschwindet (ein Gegenstand, ein Mensch, ein Tier).
Es gibt auch andere Varianten dieses Typs. Eine davon wollen wir hier erörtern.
Die gewöhnliche Diminutivform des Wortes dievas, dievaitis, ist in all jenen litauischen Mundarten möglich, die das Suffix -aitis aufweisen. Mit einer etwas spezielleren Bedeutung – „heidnischer Gott“ – wurde diese Ableitung in der Schriftsprache gebraucht31. In einigen südöstlichen Mundarten der westlichen Dzūkai (z. B. Arm, Dbč, Nč, Pls, Rod, Vrn) hat sie jedoch eine ganz andere Bedeutung: Hier bezeichnet sie den Mond. Daraus ergibt sich natürlich eine zweite Bedeutung – „Monat (der zwölfte Teil des Jahres)“. Somit wird dievaitis in diesem kleinen Areal in zwei Bedeutungen gebraucht, und die Areale des Wortes in beiden Bedeutungen scheinen übereinzustimmen. Auch die mit dieser Ableitung gebildeten Phraseologismen gehören hier zu zwei Gruppen, da ihre Bedeutungen klar motiviert sind, d. h. die Beziehung zwischen den Bedeutungen der einzelnen Wörter und den Bedeutungen der einzelnen Redewendungen …
28 P. Cvirka, Raštai, II, Vilnius, 1949, p. 10–11.
29 P. Cvirka, Raštai, V, Vilnius, 1949, p. 39.
30 Vgl. außerdem: „Dravies und seiner Verwandten ursprüngliche Bedeutung war nicht „Baumhöhlung“, „Grube“, „Hohlraum“, „Baumhöhle“, sondern „Baum“, „Kiefer“. Darauf deuten jedenfalls die Verwandten von dravies hin“... (K. Būga, Rinktiniai raštai, II, Vilnius, 1959, S. 63).
31 Erwähnenswert sind wohl auch solche Vergleichsredensarten, die sich aus jener Bedeutung entwickelt haben, wie z. B. Der Onkel liebte [den Sohn] wie seinen Augapfel und zog ihn wie einen Gott auf (sehr stolz, eingebildet) (I. Simonait y tė, Vilius Karalius, 1939, p. 395). Diksas, dieser Einfaltspinsel, zeigt in der Stadt, hochmütig und täglich in glänzende Kleider herausgeputzt, wie ein Gott unter den Bauern sein Käppchen (K. Donelaitis, „Pavasario linksmybės“, — Lietuvių literatūros istorijos chrestomatija, Vilnius, 1957, p. 165).
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Page 11Die Bedeutungen sind recht klar zu erfassen: Einige hängen mit der Bedeutung „Mond“ zusammen, andere mit „Monat“, vgl.: Schlechtes Essen — ein kleiner Gott scheint es zu sein (über dünne, wässrige Suppe) Nč, Pls, Rod; Jener bringt keinen kleinen Gott mit einem kleinen Gott zusammen (der Monatslohn reicht nicht aus) Dbč; Nč, Pls. Soweit sich anhand des vorliegenden Materials urteilen lässt, decken sich ebenso wie die Verbreitungsgebiete der beiden Bedeutungen von dievaičio auch die Verbreitungsgebiete der phraseologischen Wendungen beider Gruppen. Hier liegt ein Fall vor, in dem Phraseologismen, die mit mehreren verschiedenen Bedeutungen desselben Wortes gebildet wurden, ein gemeinsames Verbreitungsgebiet haben, das durch die sich überschneidenden Bedeutungsareale des Wortes bedingt ist.
Zu den bereits genannten Faktoren, die die Verbreitungsgebiete von Phraseologismen bestimmen, ist hinzuzufügen, dass diese Gebiete in bestimmten Fällen auch von geografischen, ethnografischen und anderen Besonderheiten einer Gegend (Region) abhängen. So bildeten die Dzuker, die sich früher in ihrem unfruchtbaren Sandland nur schwer ihren Lebensunterhalt verdienen konnten, die phraseologische Wendung von Körbchen leben, vgl.: Früher lebten hier alle nur von Körbchen – sie sammelten Pilze, sammelten Beeren und brachten sie in die Stadt Mrc. (Das Substantiv kašelė, das den ersten Bestandteil des Phraseologismus bildet, bedeutet in diesen Mundarten „Korb“.) Anderswo, wo das Beeren- und Pilzesammeln keine größere Bedeutung hatte, bezeichnen mit diesem Substantiv gebildete phraseologische Wendungen gewöhnlich nur das Betteln, vgl.: Soll er doch nicht arbeiten, wenn er nicht will; im Alter kann er sich einen Bettelsack umhängen Sk. Wenn du so weiter faulenzt, wirst du bald mit dem Bettelsack dastehen (Jñš, Lnkv, Žg). Im letzteren Fall ist auch die Bedeutung des Wortes kašė eine andere — hier bedeutet es häufiger „Beutel“ („Bettelsack“).
Die geografische Verbreitung von Phraseologismen und bildhaften Wendungen, deren Bestandteil ein Personenname, d. h. ein Vor- oder Familienname, ist, variiert ebenfalls stark. Mitunter wird eine solche Wendung nur in einem³² oder in einigen benachbarten Dörfern gebraucht. So sagt man beispielsweise im Dorf Spirakiai im Rajon Joniškis häufig zu jemandem, der aufdringlich weinerlich klagt und brummt: Was jammerst du immerzu wie Marcijana? Dir ist nie etwas recht, nie etwas recht — immer unzufrieden wie Marcė. Ältere Leute erklären, dass einst eine Frau, die hier lebte und besonders aufdringlich war, Anlass zu diesen Vergleichen gab. Man sagt, anfangs sei sogar noch der Familienname dieser Frau hinzugefügt worden, doch mit der Zeit sei er aus der Wendung verschwunden: Offenbar war der Name des Vaters nur so lange nötig, bis die Wendung sich von einem zufälligen Vergleich zu einer hier festen phraseologischen Verbindung entwickelt hatte.
Die Verbreitung einer lokal entstandenen phraseologischen Wendung mit einem Personennamen über ein größeres Gebiet wird vermutlich dadurch behindert, dass sie nur in der Gegend gut verständlich ist, in der die Person lebte, deren Eigenheiten des Charakters oder Aussehens auf die eine oder andere Weise Anlass zu der betreffenden Wendung gaben.
Ähnlich verhält es sich, wenn die bildhafte Wendung nicht mit einem Vornamen, sondern mit einem Familiennamen gebildet ist. So kann man beispielsweise in der Umgebung von Žarėnai–Latveliai im Rajon Šiauliai die Wendung hören: ungepflegt wie Šlauštas. Anlass zu diesem Vergleich gab ein aus dem nahe gelegenen Kruopiai stammender, geistig beeinträchtigter Bettler, der krankheitsbedingt nicht einmal ein wenig auf Körperpflege und Kleidung achten konnte. Kein anderer armer Mensch in jener Gegend konnte sich in dieser Hinsicht auch nur annähernd mit ihm messen. Da er auf seinen Wanderungen weit umherkam und weithin auf seine besondere Art bekannt war, begegnen in der Gegend an verschiedenen Orten unterschiedliche Vergleiche mit seinem Familiennamen, manchmal auch mit seinem Vornamen; ihr Inhalt ist jedoch ähnlich — alle heben irgendeine Besonderheit des Aussehens oder Verhaltens der genannten Person hervor, z. B.: Er kam, setzte sich hin und geht nicht mehr weg, wie Šlauštas Škn; Schau, da kommt er, mit Säcken behangen wie
32 Vgl. auch Б. Ф. Захаров, Личные имена и прозвища в составе диалектных фразеологизмов, — Ономастика поволжья, 2, Горький, 1971, S. 96.
12*
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Page 12Šlaustas Vincentas Škn; Zerlumpt und zerschlissen wie Šlaustas, hast du denn gar keine bessere Kleidung mehr Žar-Latv.
Zu den Besonderheiten der Verbreitung lokal entstandener phraseologischer Wendungen mit Personennamen lässt sich noch hinzufügen, dass Vergleiche mit Familiennamen offenbar größere Verbreitungsgebiete haben können als Vergleiche mit Vornamen. Das liegt daran, dass ein Familienname eine Person deutlicher aus ihrem Umfeld hervorhebt und man sie anhand des Familiennamens in einem viel größeren Umkreis kennt als anhand des Vornamens; dadurch wird zugleich auch ein größeres Verbreitungsgebiet der „familiennamenbasierten“ phraseologischen Wendung begünstigt. Lokal entstandene vergleichende Phraseologismen mit Vornamen dagegen, z. B.: wie Marcė; wie Marcijana, erfordern sogar im Nachbardorf zusätzliche Informationen — welche Marcė, welche Marcijana?33
Ein Teil der Phraseologismen und bildhaften Wendungen steht in engem Zusammenhang mit bestimmten ethnografischen Gegebenheiten. Das Verbreitungsgebiet solcher phraseologischen Wendungen wird durch die Verbreitung des jeweiligen ethnografischen Phänomens, der betreffenden Realie, bestimmt. So ist beispielsweise in jenem Winkel Litauens, in dem Hausbier gebraut wird, etwa in der Gegend von Žagarė, der Phraseologismus die Hexen brauen Bier belegt (gesagt, wenn nach Regen Nebel aus Sümpfen, von Flussufern und aus Waldgebieten aufzieht). Eine solche Wendung dürfte in Südlitauen kaum möglich sein, wo zu Hause vergleichsweise selten Bier gebraut wird. Vergleichen wir andere in den Mundarten bekannte Phraseologismen, die dasselbe Phänomen bezeichnen, aber keinen Bestandteil Bier enthalten, z. B.: Der Hase heizt die Sauna Slm; Der Fuchs bäckt Fische Grv; Die Laumė heizt den Ofen Tvr.
Eine besondere Schicht der Phraseologie bilden die sogenannten terminologischen Phraseologismen. Ihre geografische Verbreitung wird im Wesentlichen von denselben Faktoren bestimmt wie die Verbreitung der anderen von uns untersuchten Phraseologismen, weist aber auch einige spezifische Merkmale auf. Hier wollen wir kurz auf Besonderheiten der Verbreitung einiger terminologischer Phraseologismen aus den Bereichen Ethnografie, Botanik und Zoologie eingehen.
Das Verbreitungsgebiet eines ethnografischen terminologischen Phraseologismus hängt in erster Linie vom Verbreitungsgebiet der ethnografischen Realie (Gegenstand, Brauch, Glaubensvorstellung) ab. So führten unterschiedliche Wirtschaftsweisen, Bräuche und verschiedene Beziehungen zu den jeweiligen Nachbarvölkern in den einzelnen ethnografischen Regionen Litauens zu einer besonderen Zubereitung von Speisen und Getränken. Daher werden in begrenzten Gebieten auch einige bildhafte Speisenbezeichnungen gebraucht, die mit bestimmten ethnografischen Besonderheiten verbunden sind — terminologische Phraseologismen. So ist die aus dem Lettischen entlehnte Speisenbezeichnung (und teilweise auch die Zubereitungsart) skaba putra (vgl. lettisch skāb-putra34) nur in den Mundarten des Grenzgebiets zu Lettland verbreitet — eine Suppe aus gekochter Graupe und Quark oder aus gekochter Graupe und saurer Milch: Im Sommer, wenn es heiß ist, essen wir nichts anderes, wir sind alle ständig um den Topf mit skabos putros herum Sk; Mutter wird einen Topf skabos putros kochen, und wir löffeln sie im Nu aus (Jnš; Jnšk, Kri, Škn, Žml).
Nur in einem bestimmten Teil Žemaitijas und in angrenzenden Gebieten der Aukštaiten wird ein Brei aus geriebenen Kartoffeln mit Graupen, manchmal auch mit Mehl, gekocht. Das Verbreitungsgebiet seiner Bezeichnung šilkinė (šilkinė) košė geht nicht über das Verbreitungsgebiet der Speise selbst hinaus. Belegt ist sie beispielsweise aus den Umgebungen von Kušėnai, Lyduvėnai, Luokė, Padubysys und Pakapė.
Phraseologismen dieser Art können auch Synonyme oder Varianten haben. So kocht man vor allem im nördlichen Teil Žemaitijas und bei den benachbarten Westaukštaiten Kartoffelbrei mit Mehl. Aus den vorliegenden Aufzeichnungen geht hervor, dass die Bezeichnung dafür pusmarškonė košė lautet.
33 Vgl. auch den in derselben Publikation abgedruckten Aufsatz „Frazeologiniai junginiai su asmenvardžiais“, der einige Bemerkungen zur Verbreitung von Phraseologismen dieser Art (mit Personennamen) enthält.
34 Latviešu—krievu vārdnīca, Rīga, 1963, p. 676.
180
Page 13wird in den Umgebungen von Mažeikiai, Laižuva, Tirkšliai, Telšiai, Rietavas, Kuršėnai, Gargždai, Šakyna und Šlapgirė verwendet. Die Variante — pusinė košė ist aus der Gegend um Mosėdis, Šaukļiai, Grušlaukė, Papilė, Gadūnavas und Žlibinai belegt.
Die Bräuche einzelner ethnografischer Regionen, die auf bestimmten Traditionen beruhen oder Relikte früherer Glaubensvorstellungen widerspiegeln, begrenzen ebenfalls die Verbreitungsgebiete der damit verbundenen terminologischen Phraseologismen. So weisen einige bildhafte Redewendungen, die mit den Traditionen des Hochzeitsbrauchtums zusammenhängen, klar umrissene Verbreitungsgebiete auf. Einige davon, etwa piršli karti, sind nahezu in ganz Litauen bekannt, andere sind nur für einzelne Dialekte oder sogar Teile davon typisch. So gibt es offenbar nur in einem Teil Ostlitauens, vor allem in der Gegend um Kupiškis, zusätzlich zu allen sonstigen Hochzeitsbräuchen und den sie widerspiegelnden Phraseologismen wie etwa suolą pirkti; kertę pirkti; raktus pirkti; vartus pirkti oder suolą parduoti; kertę parduoti usw. auch den Brauch, sodą pirkti; sodą parduoti35.
Verschiedene mit den Bräuchen der Kalenderfeste verbundene Begriffe haben ebenfalls klare Verbreitungsgebiete, die durch die Verbreitung des jeweiligen Brauchs bestimmt werden. So zog in der Gegend um Dieveniškės Ende des 19. Jahrhunderts am Vorabend des Georgstags der eigens dafür gekleidete Hausherr aus, um die erste Furche zu ziehen. Er nahm eine Scheibe Brot und eine Prise Salz mit. Nachdem er ein bis zwei Furchen gezogen hatte, kehrte er nach Hause zurück und ließ alle Hausangehörigen von jenem Brot kosten, das užarinėjimo duona genannt wurde36.
In der Umgebung von Gervėčiai in der Weißrussischen SSR ging der Hausherr am Georgstag mit einem Brötchen über die Felder, in das ein Ei eingebacken war, das derliaus kiaušiniu genannt wurde; vgl.: Ė kap anas (der Hausherr) sugrįžta, deda kukelaitę (= ein Brötchen), pjauto — gaspadorius pats turi derliaus kiaušinį valgyt.
Heutzutage sind beide Bräuche und die mit ihnen verbundenen Begriffe — užarinėjimo duona ir derliaus kiaušinis — nur in diesen beiden Gegenden belegt. Wie weit ihre Verbreitungsgebiete in alter Zeit reichten, wissen wir nicht.
Mitunter begrenzt der Gegenstand selbst auch die Verbreitungsgebiete terminologischer Phraseologismen aus dem Bereich der Botanik. So wächst pelenėlė raktazolė (Primula farinosa) nur in Nordlitauen. In Südlitauen gibt es weder die Pflanze noch ihre Bezeichnungen37. Ein Teil davon sind terminologische Phraseologismen, die nur in sehr begrenzten Gebieten verwendet werden. So wird nach den verfügbaren Daten der Phraseologismus kregždės ašarėlės nur in der Gegend um Biržai und Pabiržė verwendet, in der Gegend um Vegeriai dagegen blezdingos akelės. Wie wir sehen, hängt hier das Verbreitungsgebiet des Phraseologismus seinerseits auch vom Verbreitungsgebiet des Wortes ab, das einen seiner Bestandteile bildet (d. h. hier spiegelt sich auch die Geographie von kregždė / blezdinga wider).
Manchmal wächst eine Pflanze im gesamten Gebiet Litauens, doch terminologische Phraseologismen, die als ihre Bezeichnungen dienen, sind vergleichsweise selten, da sie in den litauischen Dialekten meist mit einwortigen Namen bezeichnet wird. So wird die Gartenblume kurpelė (Aconitum), wohl wegen der Blütenform, am häufigsten auch bačiuku, čebatėliu, kurpute, sopagėliu, kanteple und anders genannt. Als terminologischer Phraseologismus für ihre Bezeichnung ist jedoch nur einer belegt, der verschiedene Varianten und Synonyme für das Wort „Schuh“ enthält; vgl.: Marijos čebatelis Nj, Pg; Marijos batelis Nm; Marijos batukas Kd, Kur, Vvr; Marijos kantaplelis Krkn, švenčiausios panelės Marijos kantapliukas Ukm.
Einige Pflanzen, die in ganz Litauen wachsen, haben neben einwortigen Bezeichnungen auch viele weitere, die aus terminologischen Phraseologismen bestehen und sich durch großen Reichtum auszeichnen.
35 Der Hochzeitssod— ein schmückendes Gebilde aus Strohhalmen und künstlichen Blumen, eine Art Gitterwerk, oder ein mit Früchten, Süßigkeiten und buntem Papier verzierter kleiner Tannenbaum, in dessen Zweigen sich eine Puppe befand — der „Gärtner“; siehe Lietuvių etnografijos bruožai, Vilnius, 1964, S. 497 (im Folgenden: LEB).
36 LEB 543.
37 J. Dagys, Lietuviškas botanikos žodynas, I, Kaunas, 1938, p. 280 (Toliau: J. Dagys, LBŽ).
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Page 14Synonymik. Leider lassen sich aufgrund der sehr spärlichen Daten keine genauen Areale einzelner Synonyme angeben. Zum Beispiel wird kiškio ašarėlės (Briza media) auch mit den folgenden terminologischen Phraseologismen bezeichnet: kiškio ašarėlės Pg, Pn, Rm; dievo ašarėlės Ob, Rk; kiškio kanapės Brž, Pbr, Pn; zuikio kanapės Škn; kiškio kruopos Pai, Pin, Pc, Pn, Šd; Marijos ašaros Pn; Vėjo avižos Brž; žvirblio ašarėlės Jnš, Sk; žvirblių kanapė Grz, Jnšk, Kri, Lnkv, Pkr, Žg. Aus schriftlichen Quellen sind außerdem bekannt: zuikio avižos T. Ivan; zuikio rugiai Mit, II 3(9).
Terminologische Phraseologismen, die nach Tieren benannt sind, die im gesamten Gebiet Litauens bekannt sind, weisen ebenfalls unterschiedliche Areale auf. So wird etwa der Käfer boružė (Coccinella septempunctata38) neben einfachen einwortigen Bezeichnungen auch mit verschiedenen terminologischen Phraseologismen benannt, die in den litauischen Dialekten ungleichmäßig verbreitet sind. Unter diesen terminologischen Phraseologismen ist dievo karvytė am weitesten verbreitet, ebenso wie seine Varianten, die durch morphologische Ableitungen des zweiten Bestandteils gebildet werden, z. B. dievo karvelė (karvikė / karvukė / karvutė). Das Gesamtareal von dievo karvytė (-elė, -ikė, -ukė, -utė) lässt sich den vorliegenden Daten zufolge ungefähr wie folgt umreißen: Seine westliche Grenze verläuft etwa über Žagarė – Šiauliai – Radviliškis – Dotnuva – Kėdainiai – Vilkija bis zum Nemunas. Dann folgt sie dem Nemunas bis Smalininkai. Die östliche und südliche Grenze verläuft ungefähr über Zarasai – Dūkštas – Ignalina – Švenčionėliai – Musninkai – Aukštadvaris – Birštonas – Simnas – Veisiejai.
Dievo karvytė wird vorwiegend in den ostaukštaitischen Dialekten verwendet. Weniger häufig, wahrscheinlich als jüngere Bezeichnung, kommt sie auch in anderen Dialekten vor: im nördlichen und südlichen Teil der Mittelaukštaiten sowie in den Kapsai-Zanavykai-Mundarten der Westaukštaiten (übrigens haben die südlichen Westaukštaiten auch verschiedene andere Bezeichnungen für diesen Käfer – barbulė, barbutė; boruška, poruška und andere). Wahrscheinlich als Zuwanderung aus dem östlichen Teil des litauischen Sprachgebiets kommt sie am östlichen Randgebiet des nordwestaukštaitischen Dialekts vor. Im östlichen Dzūkai-Dialekt ist sie am äußersten östlichen Rand des Areals selten; am südöstlichen Rand des westlichen Dzūkai-Dialekts wurde sie stellenweise neben der geläufigeren einwortigen Bezeichnung bobuška oder neben verschiedenen mit diesem Wort gebildeten Phraseologismusvarianten aufgezeichnet. Bei den Žemaiten wurde sie nur an einzelnen Orten verzeichnet; daher scheint sie in diesen Dialekten neu zu sein (dort überwiegt die Bezeichnung petronėlė sowie ihre Varianten – petrelis, petriukas und andere). Nach dem vorliegenden Material scheint das Zentrum des Areals von dievo karvytė in Ostlitauen zu liegen, am rechten Ufer der Neris, ungefähr östlich der Linie Pandėlys – Vabalninkas – Kupiškis – Anykščiai – Ukmergė – Čiobiškis; es erstreckt sich bis zur östlichen Grenze des von dieser Bezeichnung umrissenen Areals. (Im genannten Gebiet wurden kaum andere Varianten dieses terminologischen Phraseologismus oder einwortige Synonyme verzeichnet.)
Ergänzend sei erwähnt, dass es ein identisches Äquivalent unseres Phraseologismus im Lettischen gibt, allerdings nur in Form von Komposita (vgl. dievgoliņa39, dievgūšņina40) sowie in einigen slawischen Sprachen (vgl. Russisch – божья коровка41; Belarussisch – божая кароўка42; Polnisch – boża krówka43; Bulgarisch – божа кровица44).
38 Bei der Abhandlung über terminologische Phraseologismen wurden die Bestände des Atlas der litauischen Sprache im Institut für litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR herangezogen.
39 A. Bojāte, V. Subatnieks, Lieviškiu–latviešu vārdnīca, Rīgā, 1964, p. 98.
40 K. Mülenbach, Latviešu valodas vārdnīca, I, S. 484.
41 X. Лемхенас, Русско-литовский словарь, Kaunas, 1948, p. 26.
42 Белорусско-русский словарь, Москва, 1962, p. 128.
43 V. Vaitkevičiūtė, Lenkų–lietuvių kalbų žodynas, Vilnius, 1964, p. 182.
44 M. A. Леонова, Место собственного имени в лексической и фразеологической системе языка, „Годишник на Софийския Университет факультет по славянской филологии“, 1974, S. 110–111.
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Page 15Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die im genannten Areal von dievo karvytės vorkommenden Varianten dieses Phraseologismus seltener sind; einige von ihnen spiegeln lediglich suffigierte Ableitungen des zweiten Bestandteils wider, die für einzelne Mundarten charakteristisch sind. Vgl. ihre geografische Verteilung: dievo karvė, z. B.: Ign, Kzt, Mrkt, Švnč; dievo karvelė (pondievo karvelė Trš) wird häufiger am östlichen Rand des Gebiets um Dūkštas, Ignalina und Švenčionys verwendet; außerdem kommt sie (gewöhnlich neben einwortigen Bezeichnungen oder anderen selteneren terminologischen Phraseologismen und Varianten) im nördlichen Teil des žemaitischen Dounininkai-Dialekts etwas häufiger vor und wurde auch an einzelnen Orten anderer Dialekte verzeichnet, z. B.: Adm, Als, Brn, Btrm, Bržn, Dkšt, Dpš, Dsm, Eidž, Gml, Gnn, Grdž, Grg, Grl, Gršl, Grv, Gržl, Gžn, Kėg, Krtn, Ktv, Kvl, Lc. Ldv, Lž, Ml, Mnšk, Mrg, Mtj, Mžui, NmjB, NmŠ, Onš, Pa, Pčk, Pdv, Pršm, Rdm, Rš, Skd, Slnt, Šak, Ūd, Urv, Varn, Vg, Vl, Zbl, Zst, Žemt, Žlb, Žž, || dievo karvytė Ant, Brš, Ck, Čk, Ds, Erž, Yl, Yš, Jdp, Kkl, Klm, Kmn, Knk, Krsn, Kš, Ktn, Ktv, Kz, Mlt, Mrkt, Ob, Pdg, Piev, Pkš, Pp, KetS, Skrd, Smn, Šauk, Šmn, Šš, Švnč, Švnčn, Trk, Trm, Vlk, Vrk, Zr, Žg, Žsl. Die Variante dievo karvikė ist eher für den žemaitischen Dūnininkai-Dialekt charakteristisch, doch gibt es Belege auch aus benachbarten Mundarten, z. B.: Alj, Aukšt, Gně, Lky, Rgl, Strg, Šll, Šlpg, Trš, Užv, Vg, Žv, || dievo karvytė Ilgž, Skdv, Šauk; dievo karviukė Btg; dievo karvukė kommt (vergleichsweise häufig neben anderen Bezeichnungen) nicht selten im westlichen Dzūkai-Dialekt vor, z. B.: Btrm, Drc, Dsm, Ndz, Pvč, || dievo karvytė z. B.: Brb, Dg, Jv, Krsn, Lp, Lpln, Pv, Rdm, Vngr, Vs. Vergleichsweise selten kommt sie in einzelnen Mundarten der südlichen Westaukštaiten vor, z. B.: || dievo karvytė KzK, Lbv, Pšlv; außerdem im äußersten südlichen Teil der Mittelaukštaiten (im Priedūzūkai-Gebiet), z. B.: || dievo karvytė Brb, Jz. Die Variante dievo karvutė ist fast immer neben dievo karvytės oder anderen Bezeichnungen für die südlichen Aukštaiten und den südlichen Teil der Mittelaukštaiten charakteristisch, wurde jedoch vereinzelt auch in anderen Dialekten aufgezeichnet, z. B.: Alv, Alvt, Až, Brč, Dt, Grl, Grv, Jtj, Kriū, Lkč, Lnkv, Mčč, Pšlt, Rgn, Rt, Slp, Slv, Šlpb, Ūd, Varn, Vn, Všt, Žgr; || dievo karvytė, z. B.: Al, An, Antk, AukšP, Auk, AžB, Bj, Čkn, Dg, Dsm, Erž, Grv, Ig, Iš, Antr, Kbr, Klvr, Kngš, Knk, Kps, Krk, Krn, Krsn, Kš, Kt, Ktk, Ktv, Kulv, Ldvn, Lnkv, Mlt, Mrč, Mrg, Mrkt, Mrs, Msn, Mzr, NjŪ, Ob, Pc, Pdv, Pjv, Plut, Plv, Prn, Prv, Pšlv, Pvč, Rdm, Rgn, Rk, Rmš, Skrd, Slk, Ssk, Strg, Šnk, Šnp, Št, Varn, Vdn, Vygr, Vlč, Vlkj, Vn, Vp, Vrk, Zp, Žsl, Žž45.
In der Gegend um Kupiškis ist neben dievo karvytės eine Variante belegt, die mit der dort in der Kindersprache verwendeten Bezeichnung für die Kuh būbė – dievo būbė gebildet ist. In einem kleinen Gebiet hat der zweite Bestandteil des Phraseologismus eine Verkleinerungsform dieses Wortes – dievo būbytė (Kp, Nrn, Skp, Šmn).
Neben dievo karvytės und ihren morphologisch variierenden Formen kommen auch Varianten dieses Phraseologismus mit verändertem ersten Bestandteil vor, z. B.: Petro karvytė (Tvr); švento Petro karvė (Urv, Zst); švento Petro karvelė.
45 Mit Varianten dieses Phraseologismus wird mancherorts ein anderer hellroter, in der Erde lebender winziger Käfer bezeichnet – ein bestimmtes Entwicklungsstadium einer Milbe (Trombidium holosericium). So wird in der Gegend um Skaistgirys und im nordwestlichen Teil der Umgebung von Joniškis der Käfer Trombidium holosericium dievo karvytė genannt, während boružė (Coccinella septempunctata) die Bezeichnung barbolėlė trägt. Die Bedeutung des terminologischen Phraseologismus dievo karvytė (karvelė, karvikė, karvukė, karvutė) kann demnach zweierlei sein. Da sich anhand des gesammelten Materials nicht genau feststellen lässt, wo welcher der beiden Käfer mit der einen oder anderen Variante dieses terminologischen Phraseologismus bezeichnet wird, müssen die im Artikel dargestellten Areale der in der Bedeutung von boružė verwendeten Varianten dieses Phraseologismus möglicherweise noch erheblich korrigiert werden.
Übrigens kann erwähnt werden, dass auch ein im Wasser lebender Käfer (Gyrinus natator) dievo karvukė (Rdm) genannt wird; mancherorts heißt er dievo jautelis (NdŽ, Kps).
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Page 16(Antk, Brn, Klk, RdN, Grd, Tvr, Ždv); heilige-Petras-Käferchen || Gottes-Käferchen (Brkl, Klvr). Auf eine solche Veränderung der ersten Komponente könnten einwortige Marienkäferbezeichnungen wie petrelis, petrukas, petronėlė Einfluss gehabt haben.
Andere, ebenfalls seltene terminologische Phraseologismen derselben Bedeutung und ähnlicher Konstruktion, die mit Gattungsnamen gebildet sind, wurden nur an einzelnen Orten aufgezeichnet, z. B.: Gottes Großmütterchen Všt, || Gottes Käferchen Kpr, Skrd; Gottes Großmutter || Gottes Käferchen Vb; Gottes Mutter || Gottes Mütterchen Bič.
Neben Gottes Käferchen werden häufig, seltener auch dessen Varianten, verschiedene „hybride“ terminologische Phraseologismen derselben Bedeutung verwendet. Sie werden gebildet, indem an einwortige, meist aus Eigennamen hervorgegangene Bezeichnungen der Genitiv des Substantivs Gott angefügt wird (wahrscheinlich nach dem Vorbild des bereits besprochenen terminologischen Phraseologismus). Solche Bezeichnungen sind vor allem in den mittleren und östlichen oberlitauischen Dialekten verbreitet, d. h. östlich der Linie des bereits erwähnten westlichen Verbreitungsgebiets von Gottes Käferchen und seinen Varianten (Žagarė — Šiauliai — Radviliškis — Dotnuva — Kėdainiai — Vilkija). Vgl.: Gottes Barbütchen Er; Gottes Katrytchen Rm, Vrš (|| Gottes Käferchen); Gottes Petrelis Pašl; Gottes Petriukas Ob (|| Gottes Käferchen). Abgesehen davon hat Gottes Marytė besonders im östlichen Teil des Gebiets um Žeimelis, Biržai, Linkuva, Joniškėlis, Pasvalys, Vabalninkas, Pakruojis und Šeduva ein weites Verbreitungsgebiet, z. B.: Dkn, Er, Gst, Jrgn, Ljn, Nj, Rgn, Rgv, SmlB, Srk, Stgv, Stpr, Skt, || Gottes Käferchen Bčn, Der, Dknn, Gtč, Jnšk, Jrgn, Kngš, Kri, Krš, Lpč, NmjP, Nrn, Nrš, Obl, RdN, Pbr, Pkr, Ps, Šd, Škns, Šlčn, Šln, Užs, Vb, Žml. Das häufige Nebeneinander zweier terminologischer Phraseologismen gleicher Bedeutung in einem geografischen Gebiet lässt sich möglicherweise durch die dynamische Ausbreitung des weiter verbreiteten Phraseologismus Gottes Käferchen in das Gebiet älterer einwortiger Bezeichnungen erklären. Solche einwortigen Bezeichnungen sind dort auch heute noch verzeichnet, z. B. Marytė, seltener Marusytė, Marusia; ihr hohes Alter wird zudem durch entsprechende Marienkäferbezeichnungen in anderen Sprachen bezeugt, vgl. lettisch mārīte46, deutsch Marienkäferchen, Marienkäfer47, bulgarisch мáричка⁴⁸. Andererseits ist auch die Annahme möglich, dass hier Bezeichnungen für zwei verschiedene Lebewesen vermischt wurden — Coccinella septempunctata (Gottes Marytė) und Trombidium holosericium (Gottes Käferchen) —, die in diesem Gebiet früher wahrscheinlich unterschieden wurden und eigene Bezeichnungen hatten, während im Laufe der Zeit möglicherweise sowohl die Lebewesen als auch ihre Namen gleichgesetzt wurden.
Im Süden Litauens kommen wenig verbreitete terminologische Phraseologismen vor, bei denen eine der Komponenten wahrscheinlich nur um des Reims und Rhythmus willen entstanden ist, z. B.: Babuška — Rabuška Alv, Dsm, Kb, Ndz, Pvč, Škl, Tlt; Rabuška — Barabuška (älter || Gottes Käferchen) Jz; Babuška — Rapuška Dsm; Boruška — Poruška Šk; Marška — Pomparška Pls. Manchmal ist die zweite Komponente eines solchen terminologischen Phraseologismus eine Ableitung eines Personennamens, z. B.: Babuška — Mariuška Gnn, Babuška — Maruška (|| Gottes Käferchen) Mrc, Seln; Babuška — Maruška (|| Gottes Käferchen) Lpln, oder umgekehrt ist die Ableitung eines Personennamens die erste Komponente des terminologischen Phraseologismus, z. B.: Mariuška — Babučka (|| Gottes Käferchen) Mrc, Smn; Maruška — Babuška Avž; Petronėlė — Poruškėlė (|| Gottes Käferchen) Skrd; Petriukas — Broliukas (|| Gottes Käferchen) Ds.
Es gibt auch terminologische Phraseologismen dieser Art, bei denen beide Komponenten Ableitungen von Personennamen sind; so wird in der Umgebung von Joniškėlis, Panevėžys und Ramygala mancherorts neben Gottes Käfer-
46 A. Bojatė, V. Subatnieks, Lietuviešu — latviešu vārdnīca, p. 98.
47 J. Elisonas, Zoologijos sistematikos terminų žodynėlis, Kaunas, 1928, p. 19; D. Slapoberskis, Vokiečių-lietuvių kalbų žodynas, Vilnius, 1963, p. 602.
48 M. A. Леонидова, мин. veik., p. 111.
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Page 17-vytė wird verwendet marytė – katrytė Ėr, Jrgn, Nj, Pn, Rgv, Rm, Sml, Spr, Srk, Trs, || dievo katrytė Aukš, Brž, Gražš, Jnšk, Kvr, Pbr, Pšš, Srv, Ši, Tršk. Es kommen auch seltenere Varianten vor: katrytė – marytė || dievo karytė Kngš, Lnč, Pg; katriušytė – mariušytė (||dievo karytė) Vb; katriūtė – mariūtė (t. katriūta – mariūta) || dievo karytė Nrn; mariušytė – katriušytė Vb; marytė – karusytė Vb; marusytė – karusytė (|| dievo karytė) Pc; marusia – petrusia (|| dievo karytė) Pg; maruška – petruška⁴⁹ Slvk, || dievo karytė Psd, Jkt; petruška – maruška (|| dievo karytė) Kngš.
Wie die angeführten Beispiele zeigen, ist bei terminologischen Phraseologismen, die aus Reim- und Rhythmusgründen entstanden sind, eine Komponente vergleichsweise häufig eine in dem betreffenden Dialekt gebräuchliche einwortige Marienkäferbezeichnung, während die zweite wahrscheinlich aufgrund eines im Volk verbreiteten Brauchs⁵⁰ hinzugefügt wurde.
In den litauischen Dialekten gibt es für den Marienkäfer auch verschiedene andere, eher selten gebrauchte Phraseologismen, z. B.: Käferchen des heiligen Petrus Svb; Käferlein des heiligen Petrus Aks, Jdr, Šv, Tv, Tvsk; heiliger Petrus Brn, Klt, Ml, Tvr, Varn, Vsn; sowie dessen Varianten, z. B.: heiliger Petrelis Krkl, Pšt, Ptk; heiliger Petrukas Kv, Vn. Von einzelnen Orten sind außerdem etwa folgende Bezeichnungen verzeichnet: Gottes Käferchen Vndk; fliegende Wanze Skd; kleine Barbara Vndk.
Terminologische Phraseologismen, mit denen ein in ganz Litauen bekanntes Tier bezeichnet wird, weisen jedoch nicht immer eine solche Vielfalt auf wie im Fall der untersuchten Bezeichnungen des Marienkäfers. So gibt es beispielsweise bei den Synonymen der Bezeichnungen des Sumpfvogels — des Bekassinen⁵¹ (Capella gallinago) — insgesamt nur wenige, und auch terminologische Phraseologismen sind nicht zahlreich. Die weiter verbreiteten morphologischen Varianten des Bekassinen sind Gewitterziege, Gewitterzicklein und Ähnliches; sie sind wohl aufgrund einer Assoziation entstanden, aus dem Eindruck heraus, den die an das Blöken eines Lammes erinnernde Stimme hervorruft.
Das Verbreitungsgebiet des Regenpfeifers und seiner morphologischen Varianten umfasst den größten Teil des litauischen Sprachgebiets. Nur die östlichen und südöstlichen Randgebiete heben sich ab; dort sind einwortige Bezeichnungen stärker verbreitet. Die ungefähre östliche und südliche Grenze des Verbreitungsgebiets dieses terminologischen Phraseologismus verläuft etwa über Obeliai, Dusetos, Utena, Ignalina, Dubingiai, Musninkai, Kaišiadorys, Prienai, Alytus, Simnas und Veisiejai⁵². Im Verbreitungsgebiet des Regenpfeifers werden neben diesem terminologischen Phraseologismus mitunter auch die einwortigen Bezeichnungen Bock, Böckchen, Zicklein parallel verwendet (z. B.: Brž, Grl, Jnšk, Mrk, Ps, Smn, Vlk). Die žemaitischen Dūnininkai verwenden zwischen Varniai, Kelmė, Tauragė und Vainutas den Regenpfeifer neben der einwortigen zusammengesetzten Form perkūnožis (z. B.: Drb, Grd, Klm, Lkv, Pašl, Skdv, Strg, Šll, Šlpg, Tn, Varn, Vdk, Vn, Žv).
⁴⁹ Vgl.: (Maruška — Petruška „mit gepunkteten Flügeldecken, während Gottes Käferchen ein kleiner, leuchtend roter Käfer ist, der nicht fliegen kann“).
⁵⁰ Zum Beispiel sagten Hirtenjungen, wenn sie beim Hüten der Herde aus Langeweile einen Käfer auf die Handfläche setzten: „Boruškėlė — Poruškėlė, flieg zum Himmel, frag Gott, ob es schon Mittag ist oder noch nicht Šk; Petriuk — Broliuk, wenn es regnet, flieg, wenn nicht, dann flieg nicht! Ds. Marytė — Katrytė, zeig die Wahrheit: Wenn es regnet, bleib sitzen, und wenn der Himmel klar ist, dann flieg davon! Jnšk. Marška — Pomparška, wenn es warm ist, lasse ich dich frei, wenn es kalt ist, hänge ich dich auf Pls.
Ergänzend sei erwähnt, dass ein ähnlicher Brauch auch in Bulgarien besteht; dort glaubt man jedoch, dass der Marienkäfer, wenn er von der Handfläche eines Mädchens fortfliegt, den Weg zu ihrem Verlobten weist (vgl. Калинке — малинке, покажи ми пътя (М. А. Леонидова, a. a. O., S. 111).
⁵¹ Die attributive Funktion erfüllende Komponente Perkūnas könnte mit dem Namen eines Gottes des alten Glaubens in Verbindung stehen; daher könnte der Gebrauchsbeginn der mit diesem Namen gebildeten terminologischen Phraseologismen weit in die Vergangenheit zurückreichen.
⁵² Jenseits der angegebenen östlichen und südlichen Grenze von perkūno oželio kommt diese terminologische Phraseologie ebenfalls vor, dort sind jedoch Einwortbezeichnungen gebräuchlicher: das Lehnwort bekosas oder, seltener, meketys, tekutis und ihre Varianten.
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Page 18Die morphologische Variante perkūno ožys (Hybridform perūno ožys Prvn, Sug) hat kein zusammenhängendes Verbreitungsgebiet. Sie ist aus verschiedenen Orten belegt, meist neben der Hauptvariante perkūno oželis (z. B.: Adm, And, Dkn, Gml, Iš, Jc, Jknn, Jnšk, Jrgn, Krč, Kzk, Ljn, Lkš, Lpr, Lzd, Mrs, Mžč, Nj, Pd, Pj, Pkr, Prv, RdN, Rgv, Rk, Paśl, Pkl, Pn, Pp, Sug, KetS, Skrd, Ssk, Strg, Svn, Šauk, Šln, Tršk, Vdln, Žg, Žml). Dasselbe gilt für die Variante perkūno ožiukas; hinzuzufügen ist lediglich, dass sie im nordwestlichen Teil des donininkai-Dialektgebiets der Žemaiten fast völlig fehlt (vgl.: Auk, Alvt, AžB, Až, Brd, Brt, Čk, Ds, Erž, Gml, Grd, Jdp, Kb, Kč, Kkl, Klm, Kpr, Kps, Kri, KzR, Lbn, Ldv, Ldvn, Mln, Mnšk, Mrč, Mrg, Mšk, Mtl, Mzr, Nj, Nmk, Nrn, Nv, Ob, Onš, Pbr, Pbs, Pd, Pg, Pjv, Pkp, Pkrž, Plm, Pp, Prn, Prvj, Slm, Smn, Srj, Stpr, Škns, Ši, Šln, Šmn, Tn, Tr, Trš, Užš, Užv, Varn, Vb, Vg, Vn, Vrk, Vs, Zp, Žl, Žml, Žv). In den südlichen litauischen Mundarten kommt die Variante perkūno ožiukas vor (z. B.: Dg, Glč, Gnn, Mrs, Smn, Srj).
Relativ selten sind neben perkūno oželio (bisweilen auch neben seinen Varianten) belegte Varianten mit verändertem oder ganz anderem ersten Bestandteil anzutreffen, z. B. perkūnijos ožys (Šlpg, Varn); perkūnijos ožiukas (Strg); dangaus oželis (Brč, Klv); deguto oželis (Trs); dievo ožys53 (Kdn, Ml), dievo oželis (Ant, Dgl, Dkšt, Ilgn, Antr, Kd, Šlpg, Št); dievo ožiukas (Ds, Ig, Klvr, Kps, Mlt, Mnkn, Prvn); velnio ožys (vgl.: Velinio ožiai kai ožiukai šauk gerklę paleidę: rodos ka tę avių pilna to [je] pelkė[je] Jrb), velnio oželis (Alz, JnšM), velnio ožiukas Aln.
Außerdem sind aus einzelnen Orten weitere seltene terminologische Phraseologismen mit derselben Bedeutung belegt, z. B.: dievo avinėlis (Prv, Sug); perkūno baronas (Kpč).
Nach einem Überblick über einige Merkmale der Geographie der Phraseologismen lässt sich feststellen, dass die Verbreitungsgebiete der Phraseologismen von folgenden Faktoren beeinflusst werden:
a) die Geographie einzelner Wörter, die in den Phraseologismus eingehen;
b) die Geographie einzelner Bedeutungen eines in den Phraseologismus eingehenden Wortes;
c) die Geographie morphologischer Elemente der in den Phraseologismus eingehenden Wörter;
d) ein Personenname, der in Phraseologismen mit lokaler Bedeutung vorkommt;
e) in einzelnen Fällen natürliche Bedingungen, die Besonderheiten der Lebensweise der Einwohner eines bestimmten Landesteils Litauens oder Unterschiede in Flora und Fauna bedingen;
f) ethnografische Besonderheiten verschiedener Gebiete der Litauischen SSR, von denen die Verbreitungsgebiete der Phraseologismen abhängen, die mit der Lebensweise, verschiedenen Traditionen, Bräuchen und Glaubensvorstellungen verbunden sind;
g) der Einfluss anderer Sprachen.
Й. ЛИПСКЕНЕ
DIE BESONDERS CHARAKTERISTISCHEN MERKMALE DER GEOGRAPHIE PHRASEOLOGISCHER VERBINDUNGEN
Zusammenfassung
Der Artikel untersucht die Ursachen, die die Geographie phraseologischer Verbindungen bestimmen. Zu diesem Zweck wird die Geographie einer bestimmten Anzahl von Phraseologismen verschiedener Typen eingehend analysiert. Zum ersten Typ gehören Verbindungen, deren sämtliche Komponenten Wörter bilden, die nahezu im gesamten Verbreitungsgebiet der litauischen Sprache gebraucht werden, z. B.
53 „Gottes Ziegenbock / Zicklein / Zickel“, ebenso wie die Bezeichnungen für den Marienkäfer — dievo k arvy tė / karvelė / karvikė / karvutė, haben sich vermutlich später herausgebildet als „Perkūnas-Ziegenbock / Zicklein / Zickel“, da das erste Glied in der Einzahlform „Gott“ als verallgemeinerte Bezeichnung für viele Gottheiten wohl eine jüngere Bildung ist.
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Page 19bungen, deren sämtliche Komponenten Wörter bilden, die nahezu im gesamten Verbreitungsgebiet der litauischen Sprache gebraucht werden, z. B. ožius bielyti (piauti, lupti, drėksti, plėšti) „herumlungern“; zum zweiten Typ gehören Verbindungen, bei denen eine Komponente ein Wort bildet, das nur in einem größeren oder kleineren Teil des litauischen Sprachgebiets gebraucht wird, z. B. kiški pagauti, zuikį pagauti (sugauti) „hinfallen“; zum dritten Typ gehören Verbindungen, bei denen eine Komponente ein Wort bildet, das außerhalb dieses Phraseologismus in keinem litauischen Dialekt gebraucht wird, z. B. pairabiais (palpabiais) eiti „faul sein, verkommen“. Diese Haupttypen gliedern sich ihrerseits in kleinere strukturelle und semantische Gruppen. Auf Grundlage der durchgeführten Analyse wird festgestellt, dass die Geographie phraseologischer Verbindungen nicht nur von sprachlichen, sondern auch von außersprachlichen Faktoren abhängt: 1) von der Geographie einzelner Wörter, die Bestandteil der phraseologischen Verbindung sind; 2) von der Geographie einzelner Bedeutungen der Wörter, die Bestandteil der phraseologischen Verbindung sind; 3) von der Geographie morphologischer Elemente der Wörter, die Bestandteil der phraseologischen Verbindung sind; 4) von nomina propria, die eine Komponente von Verbindungen lokalen Ursprungs bilden; 5) vom Einfluss anderer Sprachen; 6) in manchen Fällen von den natürlichen Bedingungen, die die Besonderheiten der Lebensweise der Menschen sowie Unterschiede in Flora und Fauna bedingen; 7) von den Besonderheiten der verschiedenen ethnographischen Regionen Litauens, die die Verbreitungsgebiete der Phraseologismen bestimmen, welche mit der Lebensweise, den Glaubensvorstellungen, den Bräuchen und den Ritualen des Volkes zusammenhängen.