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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXIX (1998)

Saulius AMBRAZAS

Institut für Litauische Sprache, Vilnius

DIE ENTWICKLUNG DER BILDUNG LITAUISCHER BEZEICHNUNGEN FÜR TRÄGER VON EIGENSCHAFTEN MIT DEM SUFFIX *-no-

§ 1. Der Prozess der Substantivierung von Adjektiven mit dem Suffix *-no- und ihrer Entwicklung zu Bezeichnungen für Träger von Eigenschaften (nomina attributiva, im Folgenden NAttr) begann erheblich früher als bei Adjektiven mit *-io- (vgl. Verf. 1997). Aus *-no- entwickelten sich etwa 40 Suffixe, mit denen im Litauischen Bezeichnungen für Träger von Eigenschaften gebildet werden. Besonders produktiv ist darunter das Suffix -inis(-ė).

Bildungen mit den Suffixen -inas, -ina

§ 2. Bezeichnungen für Träger von Eigenschaften mit dem Suffix -inas gibt es nur wenige. Die Bezeichnung der Geldeinheit auksinas ist lediglich das substantivierte Adjektiv auksinas(-a) „golden“, das in den alten Schriften verwendet wurde; vgl. auch drōbinas „Leinentuch“ A.Baran; J; Sdb; Rm; Pg; Srv; Lnk; Jnšk (LKŽ II² 739) und drōbinas(-a) „leinen“ BB 2 Moz 28,42; 3 Moz 6,10; J; Š.

§ 3. Die Herkunft anderer entsprechender Bildungen mit -inas ist nicht so eindeutig.

Antai S. Karaliūnas (1974: 201–203) vedinyje ákštinas „spygluot as dyglys; spailis, padaigslis; šakalys; lazdelė rambi ems gyvuliams varyti“, kuris siejasi su akštis „smailas pagaliukas, kartele; virtinė, kibirnė“ (LKŽ I² 85–87), įžiūri het eroklitinę formą balt. *aśti: *aśtṇ, plg. s. ind. ásthi: gen. sing. asthnáḥ, av. asti: asta(n) (žr. dar Hamp 1953).

Es ist ungewiss, ob der Name des Totengottes Vėlinas > Vėln̄ias (vgl. lett. velns ME IV 532–533) eine baltische Bildung mit dem Suffix *-ino- ist¹, oder ob auch er sich aus einer heteroklitischen Flexionsform entwickelt hat; vgl. heth. wellu „Weide, Wiese der Toten“ (es kann aus *welnu oder *welśu stammen), gr. Ἡλύσιος (< *wḷnu-ti yo) „zur Wiese der Toten gehörig“, altostsl. Velesъ „Gott des Viehs“ usw.²

Man kann einen Wechsel der Bildungen kirmis: kirmuō: kirminas erkennen (sie werden alle überwiegend im samogitischen Dialekt verwendet, siehe LKA III 135–136); vgl. lett. cirmis: cirmens, cirmenis: cirminš, cirminis, cirmins (ME I 386; EH I 273); lat. vermis: vermen

1 Vgl. im Wörterbuch von A. Juška und in den von ihm gesammelten Liedern belegte ältere Form des Wortes vėlė: vėlė bei velės „Verstorbener“ VoK 121; TS 1898,5–6 (LKŽ XVIII 606, 633), vel(i)uoka „Teufel“ (Verf. 1996: 115), vor allem aber lett. Vels „Gott der Toten“, velis „Seele; Totengedenktag“ (ME IV 530; Gimbutienė 1970; 1985: 168 ff.).

2 Vgl. Puhvel 1969; Ivanov, Toporov 1973; Ind. 824.

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(vermina) „Wurm“ (Specht 1944: 181; Otkupščikov 1967: 263; 1967a: 125–126).

Mit i-kamieniu pentìs (dazu siehe DaiktvDrR 90) hängt auch die Ableitung pentìnas zusammen (vgl. altkirchenslawisch petъno3), vgl. ferner kūkštinas und kukšnìs.

§ 4. Eindeutig sekundär sind NAttr wie kelinai „Hosen“ C I 977 (vgl. kelinės, siehe § 6), pleperìnas „Schwätzer“ Tv; Šts (LKŽ X 146), stipìnas (: stipė „Zungenstück einer Schnalle“ Kos 54; Ds; Lkm; „Brett neben der Mühle, in das der Mühlstein geschoben wird“ Užp – LKŽ XIII 793), žirginàs J; Jsv; Krs, žirginai Bsg, žirginai Žr, žirginai „Pferdebestand“ Ds, žmogìnas „menschliche Exkremente“ Prk (LKŽK).

Eine beträchtliche Anzahl von Gewässer- und Sumpfnamen mit dem Suffix -inas (z. B.: Jūdri-nas Tl, Daūsinas Krž, Gardìnas Pn usw.; siehe Vanagas 1970: 154–156; Bilkis 1998: 105–106) zeigt, dass Adjektive mit dem Suffix -inas(-a) früher zur Substantivierung neigten; vgl. ferner pruß. asvìnan „Stutenmilch“ (Kolbmilch) E 694 (PJa A–D 135–138; PKEŽ I 106 mit Lit.; Eckert 1995: 54–56) und lit. ašvà „Stute“. Außerdem entstanden in den baltischen Sprachen aus solchen substantivierten Adjektiven Diminutive und nomina masculina mit *-ino-. Später wurde das Suffix *-ino- durch die jüngere Suffixform *-injo- verdrängt (siehe §§ 6–8).

Als sich also der silbische indogermanische Sonant *ṇ zum Diphthong in entwickelte, vermischten sich in den baltischen Sprachen die Überreste der alten heteroklitischen Flexion ununterscheidbar mit den jüngeren substantivierten Adjektiven auf *-ino-.

§ 5. Einige Bezeichnungen für Merkmalsträger sind auch mit der Variante -ina des Suffixes -inas gebildet, z. B.: auksina „Goldstück“ BB Ps 56,1; 57,1; 59,1; 60,1, smulkinà „Kleinigkeit“ Šlčn (LKŽ XIII 219).

Ableitungen mit dem Suffix -inis(-ė)

§ 6. Im Litauischen erhalten substantivierte Adjektive mit diesem jüngeren Suffix häufig die Bedeutung von Merkmalsträgern; auf diese Weise entstand ein sehr produktiver Wortbildungstyp für NAttr (ŽD 257–259; DaiktvDr 344–346).

Ableitungen dieses Typs sind bereits in Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts belegt. Seit den Anfängen der Schriftlichkeit ist die Ableitung krūtinė verbreitet. Häufig in älteren Schriftzeugnissen ist die heute ausgestorbene Ableitung kilpinis „Schussbogen“. Andere sind nur in einzelnen Texten belegt.

Ein Teil von ihnen ist auch heute noch in den Dialekten gebräuchlich, z. B.: bergždinė „unfruchtbare Kuh“ SD³ 84, 132, dešimtinė SD³ 38; Ch¹ Mt 23,23, kailiniai SD¹ 62; SD³ 126; Lex 67; SE 224₇, kaklinė „die Letzte“ DP 293₄₃, kaktinė „Stirnband“ BB Ekli 45,14; SD¹ 85, kelinės „Hosen“ SD¹ 32, 133, 184; SD³ 65, 301, 452; KlG 70 (vgl. auch die Kurzform kelnes Ch¹ Mr 28,42), kempinė VlnE 218₁₁–₁₂; SD³ 67, krūminis „Backenzahn“ Lex 12a, kruvinis „Aussätziger“ BP I 192, lapinė „Zelt“ BB 3 Moz 23,42; Ps 81,4; BP I 163₂₄; II 136₁₁; Lex 57a, 80a; „Fuchspelz“

³ Trautmann 1923: 214; ŽD 243; GJL II 187–188.

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Mütze“ Lex 38, 63, Hemden SD¹ 17, 62; SD³ 33, 80, 125; Lex 47, Bundschuhe Lex 66a, Handschuhe SD¹ 154; SD³ 154, 376, Morgenwind „Morgen“ VlnE 120₅; BP II 394; MP 325, Saatgut „Saatpflanze“ C II 351, Quelle BB Ps 74,15; SP IX, Seitenwind SD¹ 162; SD³ 398, Abendwind „Abendessen“ DP 3X; SD¹ 192; SD³ 477.

§ 7. Andere heute ausgestorbene oder seltene Formen, z. B.: apskritinė „Knolle, Klumpen“ SD³ 66, 69 (“Bauernland auf einem einzigen Flurstück“ Sut), apskritinis „Kugel, Ball“ Mž 315₂; BB Išm 11,7; Job 12,14; Ps 97,5; 98,10; BP II 32₂₃ (ebd. B; [K]; „Rad, Bogen“ J), ąžuolinė „Eichenholzscheit“ Lex 27, balsinė „Vokal“ Mž 7X (ebd. K II 320), beržinė „Birkenholzscheit“ Lex 18 (vgl. beržinė/beržinė „Birkenrute“ BM 290; Pln; „Arznei aus mit Schnaps übergossenen Birkenknospen“ Skr; Ggr; „Fronleichnam“ Kos 236 – LKŽ I² 727), drebulinė „Espenholzscheit“ Lex 33, dvibalsinė „Diphthong“ Mž 13₁₂ (ebd. K I 300), alksninė „Erlenholzscheit“ Lex 30, ypatinė „Person“ Mž 23₁₆,₁₇; 76₄; 373₈; BP I 65₁₈; DP 143X (“gesonderter Ort; Essen getrennt von allen anderen“ J; „Beet für Blumen“ BŽ 223), kadaginė „Wacholderholzscheit“ Lex 102a, kelinė „Socke, Gamasche“ SD¹ 98; „eine Hälfte der Hose“ C II 145 (ebd. J), kruopinė „Grützwurst“ Lex 44a, medinis „Auerhahn“ Lex 18; C I 336, pūkinė „eine Art flaumiger Wurm“ SD³ 679 (“Federbett“ Vaižg; GŠ 351; NdŽ), preskinės (siehe § 20), sanbalsinė „Konsonant“ Mž 7X, skroblinė „Hainbuchenholzscheit“ Lex 27, smegeninė „Wurst aus Gehirn“ Lex 60a (ebd. NdŽ; „Kopf“ LTR(Gršl); Alv; „Verstand, Vernunft“ VIkv; Mrj – LKŽ XIII 139), svietinis „Weltlicher“ DP 497₁₈, 499₄₉ (ebd. Sut), šiltinė „heiße Quellen“ SD³ 34 (ebd. Sut; N; [K]; NdŽ), vakarinė „Abendwind“ KIG 61; Lex 105 (ebd. Q 618; Bb Sir 43,18), velksninė „Schleuder“ BB Job 41,20 (vgl. vélksnė „Schleppspur“ BsP III 203(Brt); Pb – LKŽ XVIII 640), viršinė „Gipfel“ SD¹ 193; SP I 310₂₇ (ebd. KŽ).

Einige von ihnen sind offenkundige Neubildungen und zeigen, dass dieser Wortbildungstyp bereits zu Beginn der Schriftlichkeit produktiv war.

§ 8. Im Lettischen gibt es nur sehr wenige entsprechende Ableitungen mit -in(i)s(-inš), -ine, z. B.: austrinš „Ostwind“⁴, kaiminš „Nachbar“ (vgl. lit. káiminis/kaiminis, -ė „Dorfbewohner“ Alk; Gs; Srv – LKŽ V 56, siehe ferner Skardžius 1963: 316), zlecini „Menschen aus Zle-k“⁵, melines „Heidelbeeren“, zemines „Walderdbeeren“, vecine „alte Frau“ (LVG 312–313), celmine „Gemeiner Spaltblättling“ (vgl. lit. kelminė/kélminė „ebd.“, siehe Rėkėna 1995: 96). Im Lettischen werden mit diesem Suffix nämlich häufig Diminutive gebildet, die im Litauischen sehr selten sind (Aut. 1994: 146).

Bezeichnungen für Träger von Eigenschaften mit *-inįo- könnte es auch im Altpreußischen gegeben haben, vgl. lit. drėvinė „kleines Fass zur Aufbewahrung von Fett“ Pkr (LKŽ II² 692) und altpreußisch drevine „(drevinis)

⁴ Diese Ableitung wurde von einigen Forschern (LVG 313; BKGF 78; Aut. 1994a: 30) mit lit. auštrinis „Nordostwind“ KIp; Plng; Kim (LKŽ I² 515) verglichen. A. Girdenis brachte jedoch auf einer J. Kazlauskas gewidmeten Konferenz (1994 11 04) den Gedanken vor, dass lit. auštrinis ein Lehnwort aus dem Lettischen sein könnte.

⁵ In einigen südlichen und östlichen litauischen Dialekten werden mit dem Suffix -inis(-ė) ebenfalls Personenbezeichnungen nach dem Wohn- oder Herkunftsort gebildet, z. B.: adūtiškinis, kauninis, dūkštinis usw. (LKA III Karte Nr. 110, S. 116).

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„Kübel“ (Boᵉte) E 393 (PKEŽ I 223–226)⁶, lit. šōninė und altpreußisch gravyne „Seitenwand (Wagenbrett)“ (Tunebret) E 304 (PKEŽ I 404; Eckert 1995: 54). Unklar ist, ob auch altpreußisch aulinis „Schaft“ (Schaft) E 503 zu diesem Wortbildungstyp gehört (so BKGF 78), denn es könnte auch ein o-Stamm sein, d. h. mit *-ino- gebildet, vgl. die erwähnte Ableitung aswinan (siehe § 4). Für das Altpreußische scheint das Suffix *-ino- charakteristischer zu sein als *-inio- (Kaukienė 1994a: 16).

§ 8. Einzelne Wörter, die synchronisch als Ableitungen mit dem Suffix -inis(-ė) erscheinen, können aus Resten einer heteroklitischen Flexion hervorgegangen sein (vgl. Ableitungen mit dem Suffix -inas, siehe § 3). S. Karaliūnas (1992) meint, dass ožinis/óžinis „Südost-, Südwind“ keine Ableitung mit dem Suffix -inis vom Wort ožys ist (so GJL II 192), sondern wie lettisch āzenis, āzinis, az-aids „Mittag“ aus baltisch *āź(en/n) stammt, vgl. altindisch áhar-/áhan- „Tag, Tageslicht“ sowie lit. áudinis: áudenis „Nordostwind“: áudra Wandel (Karaliūnas 1990: 86).

Ableitungen mit dem Suffix -inys(-ė)

§ 9. In einigen Dialekten (vor allem in westlichen) und in schriftlichen Quellen wurden einzelne Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft auch mit der späteren Variante des Suffixes -inis(-ė), -inys(-ė), gebildet:

1) von Substantiven, z. B.: drobinys „Hemd, Kleidungsstück“ K; Vd (vgl. drobiniai/drobiniai/drobiniai „Leinenkleidung“ Plik; Dov; Klp; Skd, drobinis, -ė „aus Leinen“ LKŽ II² 739), galvinys „Schlaukopf“ Kair; Šauk; „gebildeter Mensch“ BsP II 74; „Dame im Kartenspiel“ Kv (vgl. gálvinis „Bündel Stroh für das Dach; Dame im Kartenspiel“, galvinis, -ė „des Kopfes; kopfförmig; wichtig“ LKŽ III 84), kailinys „Pelzkleidung“ Užv; Alv (V 52, vgl. kailiniai, siehe § 6), kūginys „Stall“ DP 412₇, 534₈; J; G 93; BM 434; Alz; Pnd; Pkp; Sl; Dkk; Kp (vgl. kūginis, -ė „kegelförmig“ Ggr – LKŽ VI 775), pakulinys „grobes Gewebe aus Werg“ Alk; Raud (vgl. pākulinis „ebd.“ Brs; Snt; Lnkv; Stak; Al; Gs; Žgn, pakulinis/pākulinis, -ė „aus Werg gewebt“ LKŽ IX 212), pašukinys „aus Hechelabfällen gewebtes Tuch“ Pbs; Srv; Vs; Stak; Al; Srv; Dv; „grobes Garn aus Hechelabfällen“ Mrk (vgl. pāšukinis/pašukinis „aus Hechelabfällen gewebtes Tuch“ Lnkv; Vgr; Brs; Lkm; Akm; Up; Er; Jrb; Ssk; Jnš; Lš; Ds, pašūkinis, -ė „aus Hechelabfällen gewebt“ LKŽ IX 588), pieninys „Milchtopf“ Krok; Smn; Vs; Pn (ŽD 262, vgl. pieninis/pieninis, -ė „milchgebend; zur Milchaufbewahrung bestimmt; aus Milch hergestellt; mit Milch verbunden; zur Milchverarbeitung bestimmt“), ratinys „Spinnrad“ LTR(Žg); Pš; Šl; Skn; Žml; Akm; „Menge, die in einen für Heutransporte bestimmten Wagen passt“ Rod (ŽD 262; LKŽ XI 243–244, vgl. ratinis „Spinnrad“, rātinis/ratinis, -ė), skalinys „Holzscheit zum Spalten von Kienspänen“ J; Vl (ŽD 262; LKŽ XII 705, vgl. skalinis „ebd.“ Šl; Als; Vkš; „Tanz mit Kienspänen“ Ggr, skalinis, -ė „aus Kienspänen geflochten; aus für Kienspäne geeignetem Holz; Kieselgestein enthaltend“ (LKŽ XII 705–706), skari-

6Anders siehe Trautmann 1910: 323; SV 162; Eckert 1993: 227–228.

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nyš „Handtuch“ Prl (vgl. skarinis „ebd.“ Nč; Mlt; Švnc; Kls; Rod; Lz; SkrT; „Stück Stoff“ Grv; Dv; Dbč, skarinis, -ė „zur Aufbewahrung von Kleidung bestimmt; schalähnlich“ LKŽ XII 757);

2) von Adjektiven, z. B.: baltinys „Augenweiß“ Lex 104a; C II 942; K; „Eiweiß“ Lex 33a; K; „zu bleichendes Gewebe“ J (vgl. baltinis, -ė „weiß“), bergždžinys(-ė) „unfruchtbares Tier“ Brs; „jemand, der keine Kinder hat“ J; Gl; Trk (LKŽ I² 763, vgl. bergždinė, siehe § 6, bergždžinis, -ė „unfruchtbar“), dryžinys „gestreifter Stoff“ M.Valanč; J; Šts; Als; „Kleidung, Erscheinungsbild eines Menschen“ Slnt (II² 735, vgl. dryžinis, -ė „gestreift“), ilginys „hochgewachsener Mensch“ Vlk (vgl. ilginis „Dachbalken, an dem die Sparren befestigt sind“ Dglš; Grv; Tvr; Dsn; „Stange zum Aufhängen“ Lš; „langstielige Sense“ Ad, ilginis, -ė „gerade, ganz, unzerknittert“ LKŽ IV 50), juodinys „Blutgericht“ J; Skdv; „selbstgewebter bunter Stoff“ J; Rdm; Bd (IV 403), marginys „ebd.“ J; Skr; Plv; Pn; Al; Up; Ds; Ob; „Muster, Ornament“ Vl; Bgs; „aus Gegenständen verschiedener Farben bestehend“ Tl (VII 853, vgl. marginis, -ė „aus buntem Stoff“), ploninys „dünner Stoff“ J; Als (ŽD 262; LKŽ X 305, vgl. ploninis, -ė „der Dünne, der Schlanke“), skaninys „Leckerbissen“ S.Dauk; M.Valanč; J; DūnŽ; Plng; Kal; Pp; Vkš; Vvr; Šts (LKŽ XII 737).

Deutlich häufiger werden mit dem Suffix -inys verbale Ableitungen gebildet, vor allem Bezeichnungen für Handlungsergebnisse (DaiktvDrR 63–64, 96, 195, 214–215).

Ableitungen mit den Suffixen -inga, -ingis(-ė); -angas(-a), -engė, -(i)ungis/-ungys(-ė)

§ 10. Im Litauischen werden, wie auch in den anderen baltischen Sprachen, mit dem Suffix -ingas(-a) weithin Adjektive gebildet (ŽD 106–120; Būd vDr 556–558). Mit ihnen sind jedoch nur wenige Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft verbunden. Das Suffix -inga findet sich in kregždinga „Schwalbe“ (seit Langem im žemaitischen Dialekt gebräuchlich, in den Schriften von D. Poška und S. Daukantas belegt, siehe LKŽ VI 121); vielleicht gehört auch lakštinga „Nachtigall“ BzF 132; Pgg (VII 96; zu seiner Bildung siehe LEW 337) hierher sowie teilweise die mit dem Suffix -ala erweiterte Ableitung lakštingala, sofern es sich nicht um eine umgebildete Entlehnung aus dem Deutschen Nachtigall handelt (so Szemerényi 1960: 221 ff.). Ganz unklarer Bildung, semantisch aber nahe stehen die Wörter blėzdinga „Schwalbe“ (bereits in BB 3 Moz 11,19 belegt, heute im žemaitischen Dialekt verbreitet, siehe LKŽ I² 907–908), kuolinga „Ratte“ Ds; Sb; Pnd (VI 912).

§ 11. Die paradigmatische Variante des Suffixes -ingas(-a), -ingis(-ė), findet sich in: blėzdingė/blezdingė „Schwalbe“ K; Klp; Skdv; „Stiefmütterchen“ Yl; Klp (LKŽ I² 908), burlingis „jemand, der beim Essen kleckert“ LMD(Šlv), burlingė „übervergorene Milch; schlechte Suppe“ Vlk (I² 1192), klibingis „ein Mensch oder Tier mit schiefem Gang, lahm“ J; Erž; VšR (VI 75), klivingis „jemand, der seitwärts schwankt“ N; [K]; J II 168, kriv ingis „ein verdrehtes Ding“ Br; Slnt (ŽD 121; LKŽ VI 660), kuolingė „Ratte“ Nj; Rm (LKŽ VI 912), lakštingė „Nachtigall“ LTR(Pnd); Psl; Ad (VII 97), rūsingis „Russe“ Zt (ZtŽ 567), šlivingis „jemand mit krummen Beinen“ N(Rg); [K]; BzBk III 70; KŽ.

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§ 12. Eine weitere vereinzelte Bezeichnung für einen Eigenschaftsträger ist auch mit diesen Ablautvarianten des Suffixes -ing- gebildet:

-angas (-a): žabángai (in den Schriftzeugnissen des 16.–17. Jh. weit verbreitet, wird auch heute noch in Dialekten verwendet: Pl; Brst; Užp; Ūd; Mšk; Kair; Ds), žabángos „Fallen“ VlnE 4; BM 72, 449; Tl; Všn; Pln; Plt; Plv; Tj; Gs; Mrc (LKŽK, vgl. pr. slango „Gebiss, Maulkorb“ (Gebys) E 452, siehe PKEŽ IV 128–130); -engė: juodengė „eine solche blaue Beere“ Dbč (LKŽ IV 399); -(i)ungis/-ungys (-ė): aklungys „blinder Mensch, blindes Pferd“ J I 9, burliungė „dünnflüssiger Schlamm“ Lp; „schlechte Suppe“ Dglš; Nmn; Kls; Dg, burliungis „Sumpf“ Q 401; Krz 158; [K]; „Dickerchen“ J; Skr; Gs; Vrn (LKŽ I² 1193), murungis „mürrischer Mensch“ Smk (VIII 433), pludūngė/plūdungė Ms; Als; Slnt; Dr; Plt, pludūngis/plūdungis/ plūdungys „leichtsinniger Mensch, Schwätzer“ J; Krp; Tv; Erž; Šv; Slnt; Pln; Užv; Krš (X 322), varliungis „Frosch, kleines Kind“ Rdm (LKŽ XVIII 275), žaliungis „grüner, unreifer Roggen, unreife Früchte“ Lkm; Trgn, žaliungė „grüne Beeren, Äpfel“ Klt (LKŽK); hierher gehören vielleicht die etymologisch unklaren Formen mešlūngis/mešlūngis/mešlungis K; J; Žem; Skr; Vlky; Lk; Šv; „Seidelbast“ J; Lnkv; Rm; Pc; „Wolfsmilch“ R; P; K, mešlungė „Wadenkrampf“ LC 1878,31; Kv; „Seidelbast“ Kos 238; Pc (VIII 97).

§ 13. Sehr selten sind entsprechende Ableitungen auch im Lettischen, z. B.: teterīga „Birkhuhn“, lakstīga-la (vgl. lit. lakštingala, lakštinga, siehe § 10), altlett. barīde „Stiefmütterchen“ (LVG 371).

In der preußischen Sprache wurden Adjektive mit dem Suffix *-ingo- wesentlich häufiger substantiviert und erhielten die Bedeutung eines Eigenschaftsträgers, z. B.: nauningas „Neusiedler“ (Newling) III 87, ragingis „Hirsch“ (Hircz) E 65, Akk. Pl. paklusmingins „Untertanen“ (Unterthanen) III 91 (Kaukienė 1994: 9). Zu diesen Ableitungen gehört auch das Ethnonym jotvingiai, das ursprünglich wahrscheinlich „Bewohner von Jotva“ bedeutete (Būga 1961: 153–156; Salys 1985: 406–407).

Dass diese Wortbildung in den westbaltischen Sprachen alt ist, zeigen die prußischen, jatwingischen und kurischen Orts- und Personennamen mit -ing und dessen Varianten -ang-, -ung-.⁷ Außerdem sind in Gebieten, die von Prußen (vgl. z. B. Elbing, Marungen PKEŽ I 248–249; III 149–151), Kuriern und Jatwingern bewohnt waren, Gewässernamen und Helonyme mit -ing-, -ang-, -eng-, -ung- belegt, z. B.: Liōlinga Šlv, Alanga Trg (vgl. lett. aluōgs „Quelle, Tümpel“), Drabéngis Prn, Babrūngas Plt (Vanagas 1970: 91, 134, 168–169, 203; Bilkis 1998: 54, 126–127, 159).

Dabei ist ferner zu berücksichtigen, dass auch die erwähnten litauischen Bezeichnungen für Eigenschaftsträger mit -ing-, -ang-, -ung- überwiegend in westlichen und südlichen Dialekten verwendet werden (siehe §§ 11–12), die sich vermutlich auf dem Substrat der westbaltischen Sprachen herausgebildet haben (vgl. Mažiulis 1994; Vidugiris 1996).

7 Būga 1961: 136; Gerullis 1922: 247; Trautmann 1925: 174; Savukynas 1966: 172; Zinkevičius 1987: 20, 42; Vanagas 1994; 1996: 113–120.

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§ 14. Auch in den westbaltischen Sprachen lag ein Zentrum der Verbreitung von Adjektiven mit dem Suffix *-ingo-. Denn im Prußischen wurden damit Adjektive nicht nur von Nomina (wie im Litauischen und Lettischen), sondern sehr häufig auch von Verben abgeleitet, z. B.: auschaudwíngin „vertrauenswürdig“ (trewe) III 53₄: auschauditey „vertrauen“ (vertrawen) III 27₁₁, Druwingin „Gläubigen“ (glaubigen) III 119₁₃: druwit „glauben“ (gleuben) III 45₁₀ usw. (Kaukienė 1994: 9).

§ 15. K. Būga (1961: 789–796) wies auf die besondere Ähnlichkeit in der Wortbildung zwischen baltischen Adjektiven auf -ingas und germanischen Bezeichnungen für Eigenschaftsträger mit dem Suffix -ing hin (auch dieses hat die Varianten -ang-, -ung-), vgl. lit. vargingas, lett. vārdzīgs „arm“ und ahd. arming „armer Mensch“, lit. galingas, lett. varīgs „stark“ und ahd. mahting „starker Mensch“ usw. A. Vaillant (1970; 1974: 494) neigte dazu, das baltische Suffix -ingas als Germanismus anzusehen. Das ist jedoch völlig unglaubwürdig (Skardžius 1972: 96).

§ 16. Die Ableitungen mit *-ingo- sind in den baltischen Sprachen organisch in das gesamte Wortbildungssystem der baltischen Sprachen eingegliedert.

1. Neben dem Suffix *-ingo- gibt es in den baltischen Sprachen auch das alte Suffix *-ino- ohne das Determinativ *-g-. Bemerkenswert ist, dass bei einigen Adjektiven die Bedeutung der Suffixe *-ingo- und *-ino- vollständig übereinstimmt, vgl. altlit. kruvingas „blutig“ und krūvinas, altkirchenslaw. кръвьнъ „blutig“ (ŽD 120). Außerdem neigen auch Adjektive mit dem Suffix *-ino- (insbesondere mit der jüngeren Suffixform *-inio-) in den baltischen Sprachen bei ihrer Substantivierung dazu, die Bedeutung eines Eigenschaftsträgers anzunehmen (siehe §§ 4–8).

2. In den baltischen Sprachen ist an das Suffix *-ino- auch das Determinativ *-d- getreten. So ist mit -ind- das Ethnonym galindai gebildet, dessen ursprüngliche Bedeutung „die am Ende Wohnenden“ gewesen sein könnte (vgl. die litauischen Personennamen Galinis und Galindžius); seiner Bildung nach ähnelt es dem zuvor erwähnten Ethnonym jotvingiai (siehe § 13). Das Suffix -ind- findet sich in Ortsnamen: pr. Karwinden, Stubunden, lit. Gelind-énai Pln, Ne-rind-aičiai Tl, in litauischen Familiennamen Dalinda, Dubindys, Tilindys⁸, im Gewässernamen Kelinda Pln (Vanagas 1970: 167). Das Suffix -ind- hat die Variante -and-, mit der ebenso wie mit -ang- Gewässernamen gebildet wurden, z. B.: Gylánda Pgg, Samándis Smal u. a. (Vanagas 1970: 91); vgl. auch Ableitungen mit -und- (z. B.: klabūndas „Baumstumpf“, klabūnda „wer stolpert“ DaiktvDrR 152) und die erwähnten Ableitungen mit -ung-. Einige Ableitungen mit den Suffixen -ing-/-ang-/-ung- (bzw. -ind-/-and-/-und-) können aus Relikten erweiterter Formen der heteroklitischen Flexion hervorgegangen sein, vgl. lit. Suvìngis, pr. Sawangę und lit. Savėlis, Savėnė, pr. suge „Regen“ (Reynen) E 49; oder lit. Krūvandà und Krūoja, lett. kràuja „steiles Flussufer, Abhang“ (Karaliūnas 1987: 190–191, vgl. auch Krahe 1959: 242–243).

§ 17. Die germanischen Bezeichnungen für Eigenschaftsträger mit -ing haben dagegen keine so tiefen Wurzeln; ihre Herkunft ist unklar. Außerdem sind sie in den gotischen und einigen anderen ältesten Schriftdenkmälern der germanischen Sprachen sehr selten. Dieser Typ fehlt fast vollständig

8 Gerullis 1922: 223; Savukynas 1963: 322; Skardžius 1973: 55–56.

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Ableitungen, die Entsprechungen in allen oder vielen germanischen Sprachen haben müssten und als urgermanisch gelten könnten, erwähnt A. Bammesberger (1990) in seiner Monografie zur urgermanischen Nominalmorphologie überhaupt nicht. W. Meid (1967: 198 ff.) meint, sie hätten sich recht spät, erst in den einzelnen germanischen Sprachen, verbreitet, zudem nicht überall zugleich und gleich weit: Am zahlreichsten sind sie im Altisländischen belegt (Munske 1964: 8–38; Bennett 1966: 657). In Skandinavien sind auch die meisten Ortsnamen mit -ing- nachgewiesen (Udolph 1994: 149–161). Ist dort vielleicht auch ihr Verbreitungszentrum zu suchen?

Somit stellt sich die Frage, ob das Suffix *-ingo- nicht aus den westbaltischen Sprachen in die germanischen Sprachen gelangt sein könnte (oder ob vielleicht die lange Nachbarschaft mit den Sprachen der letztgenannten Gruppe das Suffix *-ingo- in den germanischen Sprachen lediglich aktiviert und seine ursprüngliche Form verändert hat?). Nimmt man diese Hypothese eines baltischen Einflusses an, lässt sich leichter erklären, warum das germanische Suffix -ing den Konsonanten g statt des erwarteten k enthält. Denn dem alten indogermanischen Determinativ *-g- entspricht germ. -k-. Wir finden es häufig in Diminutiven, die mit den Diminutiven mit dem baltischen Suffix -už- verglichen werden können (Aut. 1994: 138).

Auch das Suffix *-ōmen- könnte aus den westbaltischen Sprachen in die germanischen Sprachen gelangt sein. Vielleicht begann man aufgrund der Kontakte zwischen westbaltischen und germanischen Sprachen (ebenfalls überwiegend skandinavischen) in beiden Sprachgruppen, Bezeichnungen für Eigenschaften mit dem adjektivischen Suffix *-isko- zu bilden (Aut. 1994a: 31).

§ 18. Dass die Kontakte zwischen westbaltischen und germanischen Sprachen alt und offenbar langandauernd waren, lässt sich auch aus den Germanismen im Preußischen schließen. So entstanden aus demselben alten germanischen Wort *xelmaz „Helm; eine bestimmte Kopfbedeckung“ zwei Germanismen unterschiedlichen Alters im Preußischen. Der erste, kelmis „Mütze“ (Hūt) E 475, wurde sehr früh entlehnt, lange vor Christi Geburt, der zweite, ilmis „Schuppenbau“ (Bark) E 234, wahrscheinlich in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt.9

V. Mažiulis (1981a: 8) teigė, kad vakarų baltai su germanais išbuvo kaimynais apie tūkstantį metų: nuo VIII a. prieš Kr. ligi III a. po Kr.10 W. P. Schmidtas (1986) irgi mano, kad germanų kalbos susiformavo baltų kalbų kaimynystėje. Archeologai pastebi nemaža senų bendrų bruožų tarp vakarų baltų ir gotų kultūrų (Žulkus 1995).

Möglicherweise zog außerdem ein Teil der westbaltischen Stämme gemeinsam mit den Germanen gegen das Römische Reich, und einige baltische (vielleicht mit Germanen vermischte) Stämme kehrten später zurück. Vielleicht zeugen Spuren des Namens der Galinder in Spanien und an einigen anderen Orten Süd- und Westeuropas von diesem Zug (PJa E–H 139–140; I–K 380; Toporov 1980; 1983; 1993 mit Lit.). Bis nach Mähren, in die Slowakei und nach Tschechien erstreckt sich auch das Gebiet, in dem Orts- und Personennamen festgestellt wurden, die vom Ethnonym

9 Būga 1961: 85–87; Salys 1985: 274; PJa I–K 42–43, 311–312; PKEŽ II 74, 160–161 su lit.

10 Beje, dabar V. Mažiulis (1995) iškėlė naują hipotezę, pagal kurią tiek slavų, tiek ir germanų kalbos kilusios iš protobaltų kalbos periferinio dialekto, tik skirtingu metu. Ji primena ir L. Palmai-čio (1995) nuomonę, kad prabaltų kalba esanti paskutinė liltinė ide. prokalbės raidos pakopa.

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prūsai (Nepokupnyj 1976: 92–103). Antra vertus, archeologiniai duomenys rodo, kad V–VI a. po Kr. Prūsijoje bei Vakarų ir Vidurio Lietuvoje pasirodė naujos politinės klajoklių gentys, savo materialine kultūra labai artimos gotams bei Romos provincijoms (Šimėnas 1992; 1994). Apie panašaus laikotarpio baltų ir gotų santykius rašoma Jordano „Getikoje“, ypač šiuo požiūriu svarbus Teodoriko Didžiojo laiškas aisčiams VI a. (Gudavičius 1982; 1987). Gal kai kurių baltų genčių sugrįžimas iš Romos atsispindi ir legendoje apie lietuvių romėniškąją kilmę bei kunigaikštį Videvutį (plg. Šimėnas 1989; 1994a; Beresnevičius 1995: 77 tt.). Tačiau visa tai reikalauja tolesnių studijų.

Ableitungen mit den Suffixen -ienas, -iena

§ 19. Bei der Substantivierung erhielten einige Adjektive mit dem Suffix -ienas(-a) (wahrscheinlich eine Ablautvariante des Suffixes -inas(-a)) die Bedeutung eines Merkmals- oder Eigenschaftsträgers.

Bezeichnungen für Merkmalsträger mit -ienas gibt es nur wenige, z. B.: beržienas „balžienas“ Dglš (LKŽ I² 776), kiaulienas „Eber“ Jnš; Žg (vgl. kiaulienas,-a „wie ein Schwein“ NS 812; (d.)Rm – LKŽ V 696), rugienai „Stoppeln abgeernteten Roggens“ BB 2 Moz 15,7; Dkš (XI 887). Vielleicht gehört auch kamienas hierzu (vgl. lett. kams, sl. *komъ „Klumpen, Block“, lit. kām-anos, dt. Ham „Pferdegeschirr“)11.

§ 20. Entsprechende feminine Ableitungen mit -iena sind häufig und bezeichnen gewöhnlich Fleischsorten (DaiktvDr 414–415).

Solche Ableitungen finden sich bereits in Texten des 16.–17. Jahrhunderts, z. B.: aviniena DP 294₉, jautiena SD¹ 196; SD³ 484; Lex 71, kuiniena SD³ 436, ožiena Lex 19, paršeliena SD¹ 140, vištiena SD³ 144, žąsiena SD¹ 34, žvėriena SD³ 157; Lex 106.

Eine etwas andere Bedeutung hat die Ableitung preškienos „ungegärter Teig“ C II 572; Q 516; N; „jüdisches Passahfest“ SD³ 347 (vgl. preškinės „ebd.“ VlnE 155, preškienà „ungegärter Teig“ N; „preška-Suppe“ J).

Fleischbezeichnungen mit *-eino- haben auch Entsprechungen in den slawischen und italischen Sprachen, vgl. lit. žvėriena und sl. *zvěrina, lat. ferīna12.

Ableitungen mit den Suffixen -ienis, -ienė, -eina/-einė

§ 21. Die Bedeutung „Träger einer Eigenschaft“ erhalten auch substantivierte Adjektive mit dem jüngeren Suffix -ienis(-ė).

Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft mit -ienis sind ebenso wie solche mit -ienas (vgl. § 19) selten. Einige Ableitungen dieses Typs bezeichnen Pflanzenstängel, z. B.: bulbienis „Kartoffelkraut“

11 Būga 1959: 35–37, 295–296; ŽD 287–288; LEW 213; EŚRJa II 300; EŚSJa X 179–180.

12 Leskien 1891: 413; Brugmann 1906: 276 ff.; ŽD 288; BKGF 79; GJL II 212; Butler 1971; Sławski 1974: 123; Vaillant 1974: 363 ff.

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Gg; Dbg; Plš; Nmč (vgl. bulbienis,-ė „kartoffelartig“ Sb; Sdk; Bb; Slm; Rk; Nmn; Drsk – ŽD 289; LKŽ I² 1149; LKA III 29, 143), bulvienis „Kartoffelkraut“ Kt; Alk; Smk (vgl. bulvienis,-ė „kartoffelartig“ Jnšk; Čk – LKŽ I² 1156; LKA III 29, 143), kamienis „Kartoffelkraut“ Kos 45; J(Ds); Ds; Sdk; Dgl; Zr (LKŽ V 176, vgl. kamienas, siehe § 19), ropienis „Rübenblatt“ Dglš; Str; Grv (XI 833).

Ableitungen mit dieser Bedeutung werden wesentlich häufiger mit dem zusammengesetzten Suffix -ien-ojas gebildet (Aut. 1997: 125).

§ 22. In den Dialekten kommen auch einige NAttr anderer Bedeutung mit -ienis vor, z. B.: beržienis „Birkenstock“ Rod (LKŽ I² 770), dryžienis „gestreifter grober Hanfstoff“ Prng; Vdš (II² 734), karštienis „Pfannkuchen“ Kb (V 325), kelniėnis „dicker Stoff aus Flachsabfällen für Hosen“ Ml; Dg; Ad (V 529), margienis „schlechter, selbstgewebter bunter Stoff“ Ad; Klt; Prng (VII 852), rugieniai „Roggenstroh“ JD 227; Dbg; Ds; Kair; Trgn; Pb (vgl. rugienis,-ė „roggenartig“ – LKŽ XI 887), saldiėnis „saldė“ Arm; Grv; Zt; „süße Speise“ Vrn; Žln (vgl. saldienė, siehe § 23, saldiėnis,-ė „ungegoren, süßlich“ Ėr; Nč – LKŽ XII 64).

§ 23. In einem großen Gebiet des ostlitauischen Dialekts werden mit dem Suffix -ienė verschiedene Speisenbezeichnungen gebildet (ŽD 289–290; DaiktvDr 347–348; LKA III Karte Nr. 125, S. 138–139).

Solche Ableitungen sind bereits im Wörterbuch von K. Sirvydas belegt. Das NAttr bėralienė „Brot aus ungeworfeltem Roggen“ SD³ 21, 29, miltienė „Mehlbrei“ SD³ 99, pautienė „Eierspeise“ SD¹ 45; SD³ 84 sind in den Dialekten gebräuchlich. Die Ableitung saldienė „Süßigkeit“ SD³ 164 (ebd. [K]) hat heute in den Dialekten die Bedeutungen „saldė“ Vdš; Grv; Lz; „süßes Brot“ Knv (LKŽ XII 64), džiovienė „Zwieback“ SD³ 78 – „Dürre“ Rd (vgl. džiovė „getrocknetes Brot“ Alvt; „Dürre“ Q 333; Ds; Prng; Dgl; Ktk – LKŽ II² 1022, 1023).

Außerdem bezeichnen Ableitungen mit dem Suffix -ienė häufig Ehefrauen und weibliche Tiere.

§ 24. Mit dem älteren Suffix -eina oder -einė (zu seiner Herkunft siehe DaiktvDrR 64–65) wurde der Name der Waldgöttin Medcina oder Medeinė¹³ gebildet; vgl. den Familiennamen Augš-teinis, den Stadtnamen Raseiniai (ŽD 290) sowie die Gewässernamen Kulėinis Mrk, Sto-reinis Sem, Kruteinė Klp (Vanagas 1970: 110).

Ableitungen mit den Suffixen -ainis/-ainys(-ė), -aina

§ 25. Das Suffix -ainis(-ė) ist eine Ablautvariante des Suffixes -ienis(-ė). Auch damit werden im Litauischen Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft gebildet, jedoch seltener als mit -ienė.

In Schriftzeugnissen des 16.–17. Jh. war die heute ausgestorbene Ableitung tėvainis „Erbe, Vermögensnachfolger“ sehr verbreitet (vgl. lett. tėvainis „alter, gut bekannter Mann“ ME IV 179; LVG 328). In den Schriften von J. Bretkūnas ist die Ableitung gentainis(-ė) häufig.

13 Skardžius 1954: 221; Gimbutienė 1985: 152; Zinkevičius 1987: 91; Eckert 1992: 3–4; Greimas 1993.

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„Angehöriger desselben Stammes, Mensch desselben Stammes, Freund“ BP 13X; BB GG 1,9; 1,15; Pat 8,4; die Form ist auch in den heutigen Dialekten des Memellandes belegt (Klp; Pj – LKŽ III 237). Im Wörterbuch „Clavis Germanico-Lithuana“ aus dem 17. Jh. (II 347) finden wir die Ableitung apvalainis „rundes Stück Holz“ (ferner R II 296; Kair; „Nudelholz“ Klvr, vgl. ferner apvalainis, -ė „rund; länglich-rund“ LKŽ I² 278).

§ 26. Heute werden mit dem Suffix -ainis(-ė), ebenso wie mit -ienė (vgl. § 23), vor allem Speisenbezeichnungen gebildet:

1) gewöhnlich aus Substantiven, z. B.: aguonainis „Mohnmilch“ Šmk; „Mohnkuchen“ Rs (LKŽ I² 28), avižainis „Hafermehlbrot“ Vks (vgl. avižainis, -ė „aus Hafer“ R; K; S.Dauk; J; Skr – LKŽ I² 531), bulvainė „Kartoffelsuppe“ Plv (vgl. bulvainis, -ė „aus Kartoffeln“ J – LKŽ I² 1154), cibulainė „Soße, flüssige Speise mit vielen Zwiebeln“ Grš; Snt (II² 19), duonainė „Suppe aus Brotaufguss, Brotkrusten oder Mehl“ J; Skr; Erž (II² 870), kravainis „mit Blut gebackenes Brot“ Vks (VI 485), kunkulainė „Knödelsuppe“ Skr (VI 900), medainis „Honigkuchen“ Ši (VII 982), miežainė „Gerstenbrot“ R II 169; „einfaches, grobes Brot“ Trkn, miežainiai „Gerstenmehl“ Vl, miežainis „Gerstenkuchen“ Kos 20; Brs; Skd (vgl. miežainis, -ė „aus Gerste“ R II 169; K; J; S.Dauk; Vl; Šts; Vks – LKŽ VIII 158), padažainis „Brei, der durch Eintunken gegessen wird“ Vdk (IX 41), paplotainis „dünnes Brotbrötchen“ J; Als; Šlc (vgl. paplotis LKŽ IX 377), uogainė „Beerensuppe“ Žvr (XVII 478), vyšnainė „Brot-Kirsch-Brei“ Nm; Žvr; Snt; Lkš; Šk; Grš; „Kirschbrei“ Snt (LKŽK).

2) gelegentlich aus Adjektiven, z. B.: apskritainis „Knödel“ Up (LKŽ I² 263), juodainis „Gebäck aus Blut“ Ll (IV 391, saldainis/saldainis/sáldainis (in den Dialekten verbreitet, besonders bei den Žemaiten), saldainė/saldainė „Bonbon“ (in Aukštaitija verbreitet; LKŽ XII 62), sausainis/sausainis „Zwieback“ J; JD 166; (d)Šln; „Teiggebäck“ Mšk; „Knödel mit hohlem Inneren“ Štk, sausainė „Teiggebäck“ Pv (XII 204).

§ 27. In den Dialekten (vor allem den westlichen) kommen auch andere Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft mit dem Suffix -ainis(-ė) vor:

1) aus Substantiven, z. B.: ausainis „hölzernes Gefäß mit Ohren; Großmaul“ Yl (LKŽ I² 500), barzdainis „Bärtiger“ Grg (I² 674), brólainis „Sohn des Bruders“ Skd; „Trauzeuge“ Jnš (I² 1068), griovainis „Dummkopf“ Rd (vgl. griovà, griovàs „Tölpel, ungeschickter Mensch oder ein ungeschicktes Tier“ LKŽ III 614–615), kelainis „Schuppen“ Pvn; Al; Gd (V 504), kylainis „jemand mit einer kylas“ Šts; Ms (V 773), lenšainis „Schlappschwanz“ Vdk (VII 369), meldainis „zugewachsener See“ Trg (ŽD 286), molainė „Lehm“ Lš (LKŽ VIII 334), pakelainis/pakelainis/pakelainys „Schuppen“ Smn; Al; Lš; Alv; Mrs; Krok (IX 163), pleperainė „jemand, der gern Unsinn redet“ Rs, plepetainė „Schwätzer“ Alk (ŽD 287), šakainis/šākainis „verzweigter Baum“ Tv; End (vgl. šakainis, -ė, šakainis, -ė „verzweigt“ Tv; Jdr – LKŽ XIV 400), šilainė Prn; Mrj; Lkč; Nm; KrR; Vlkj; Brt; Pkn; Gs, šilainis „sandiger, leichter Boden“ LTR(Dt); Jsv (vgl. šilainis, -ė „aus Kiefernwald“ J; Ss; Žvr – LKŽ XIV 778), žabarainis „krummer Balken“ Tv (LKŽK);

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2) von Adjektiven, z. B.: apskritainis „rundmäulig“ Lkš; Šk (vgl. apskritainis, -ė „länglich rund“ Slm – LKŽ I² 263), dryžainis „gestreifter Stoff, Kleidungsstück“ Sk; Škn (vgl. dryžainis/dryžanis, -ė „gestreift“ J; Lnkv – LKŽ II² 733), gyvainė „Lebewesen“ Pš, gyvainis „ebd.“ Prk; Stb; Klov; Brž; Sml; „Geschwürsflüssigkeit“ Sdb (III 361);

3) von Zahlwörtern, z. B.: ašmáinė „Gefäß mit einem Fassungsvermögen von acht gorčiai zum Abmessen oder Säen von Getreide“ Grk; Rs; Plt; „ein solches Hohlmaß für Schüttgut (acht gorčiai)“ Erž; Skdv; Vdk, ašmáinis „Gefäß für acht gorčiai“ Rp; Vdk; Rs; „ein solches Buttermaß“ B; [K]; „ein Achtel eines Landhufens“ Kos 216; Šd (vgl. ašmáinis, -ė „von der Größe von acht gorčiai“ J – LKŽ I² 338), ketvirtainis/ketvirtainis „Viertel“ N; K; J; NT Luk 3,19; A 1884,263; Nm (vgl. ketvirtainis/ketvirtainis, -ė „quadratisch“ LKŽ V 667–668).

§ 28. Die ältere Endung -aina hat das NAttr lebedáina „ein schlaksiger, unbeholfener, nachlässiger Mensch, lebėda“ Varn (LKŽ VII 218, vgl. plepáina DaiktyDrR 128).

§ 29. Im Lettischen ist die eine oder andere Bezeichnung eines Merkmalsträgers mit -ainis (-ė) belegt, z. B.: pirkstaini „Handschuhe“, vilnaine „großes Wolltuch“ (LVG 327–328). Dass Adjektive mit *-oino- in den baltischen Sprachen schon vor langer Zeit substantiviert wurden und sich zu Bezeichnungen von Merkmalsträgern entwickelten, zeigt auch preuß. deynayno „Morgenstern“ (Morgenstern) E 5 (PJa A–D 318; PKEŽ I 188 mit Lit.).

Ableitungen mit den Suffixen -ynas (-ė), -yna

§ 30. Mit dem Suffix -ynas (-ė) sind nur einzelne Bezeichnungen von Merkmalsträgern gebildet.

Zunächst ist die alte baltische Ableitung kaimýnas/kaimýnas (-ė)14 zu nennen, vgl. preuß. Akk. Sg. kaimīnan „Nachbarn“ (Nachbar) III 6915, teilweise auch lett. dial. ciemiņš (LVG 319; BKGF 79; PKEŽ II 75–76).

Schon im Wörterbuch von K. Sirvydas (SD³ 152, 170) finden wir das NAttr lazdynas. In den Schriften Kleinlitauens (C II 96; Q 96; N; [K]) und J. Pabrėžas ist die Ableitung moterýnas „Wiesen-Frauenmantel“ belegt, im Wörterbuch von A. Juška (I 398) ežerýnas „ausgetrockneter See“.

Die Bedeutung eines Merkmalsträgers haben noch einige dialektale Ableitungen mit -ynas (-ė), z. B.: kojýnas „Untergestell, Fußstütze“ Dov (LKŽ VI 295), kūlynas „ein aus einer Eberesche gewachsener Strauch“ –

14 Diese Ableitung hatte in Schriftzeugnissen des 16.–17. Jh. neben der heute üblichen Bedeutung „eine Person, die nebenan wohnt“ (SD³ 39; Lex 63) auch die Bedeutung „Untertan, unfreier Mensch“ DP 3X; PK 120. Die Ableitung kaimýnas gelangte in in der Kanzleisprache verfasste Schriftstücke des Großfürstentums Litauen in slawischer und polnischer Sprache, wo sie eine bestimmte Kategorie leibeigener Bauern bezeichnete (Jablonskis 1930; Jurginis 1962). S. Daukantas war ebenfalls noch die Bedeutung von kaimýno „Bauer, Dorfbewohner“ bekannt (Subačius 1993a: 64; DaukŽ I 511). Somit ist die Ableitung kaimýnas wahrscheinlich ein substantiviertes Adjektiv, das einst die Bedeutung „im Dorf lebend, zum Dorf gehörig, aus dem Dorf stammend“ hatte (Mezger 1960: 297–298; Lingys 1970: 297–299).

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„aus dem Stamm no“ BM 140; BsMt II 201; LTR(Jnš); Jnšk; Krp (VI 833), lebedýnas „Schwächling“ Trak (VII 218), motynė „alte Kartoffel, aus der neue wachsen“ Šts (VIII 369), senýnas „sehr alter Mensch“ LMD(Tvr) (LKŽ XII 390), šūpuoklynas „Moor“ Lz (XIV 205), šaltynas „Quelle“ Rm (XIV 268).

§ 31. Den Bezeichnungen für Merkmalsträger sehr nahe stehen die für den südausėitischen Dialekt charakteristischen, mit diesem Suffix gebildeten Diminutive, die Jungvögel bezeichnen (z. B.: genýnas „Junges eines Spechts“, karvelýnas „Junges einer Taube“, kranklýnas „Junges einer Krähe“ usw., siehe ŽD 267), Familiennamen patronymischer Herkunft (z. B.: Aleksýnas, Kasulýnas, Vitukýnas usw.), die offenbar Entsprechungen im Preußischen haben (z. B.: Antōnyn, Disernyn, Kickenyn usw., siehe Savukynas 1966: 172–173; Zinkevičius 1987: 42), sowie einige Verwandtschaftsbezeichnungen, die vorwiegend in den Schriften Kleinlitauens belegt sind (Aut. 1994: 144–145).

Das mit dem Suffix -yna gebildete Derivat kaimyna „Nachbarin“ Q 356 und der Name der Göttin Žemyna15.

§ 32. Adjektive mit *-ino- erhalten bisweilen auch in einigen anderen verwandten Sprachen die Bedeutung von Merkmalsträgerbezeichnungen. So ist lit. kaimýnas (siehe § 30) in Bildung und Bedeutung dem lett. vīcinus „in der Nachbarschaft befindlich“ und „Nachbar“ sowie dem kirchenslaw. sěminъ „zur Hausgemeinschaft gehörig“ und „Sklave“ sehr ähnlich (BKGF 79; PJa I–K 149–151). Vielleicht entspricht lit. svỹnas „Schweinetrog“ Trš; Akm; Trk; Lž; Mžk (LKŽ XIV 363) germ. *svīnam, teilweise auch sl. *svinъja „Schwein“; vgl. jedoch lett. svīns „schmutzig, verunreinigt“, kirchenslaw. svinъ, lit. svīnus „Schweine-“ (Karaliūnas 1994: 128–129; PKEŽ IV 176–177, siehe auch Aut. 1995: 186).

In den slawischen Sprachen sind singulative Derivate mit *-ino-, die aus Kollektivbezeichnungen oder Stammesnamen gebildet sind, ziemlich verbreitet, z. B. sl. *bratinъ „Bruder“: *bratьja „Brüder“, *Rusinъ: *Rusь (Sławski 1974: 120).

Die Bedeutung eines Merkmalsträgers haben einige Derivate mit *-ino- auch im Altgriechischen, z. B.: φοξῖνος „eine bestimmte Flussfischart“: φοξός „spitz“ (Brugmann 1906: 276; Chantraine 1933: 204).

Adjektive mit *-ino- neigten also schon früh dazu, zu Substantiven zu werden und die Bedeutung von Merkmalsträgerbezeichnungen anzunehmen. Dieser Derivationstyp verbreitete sich jedoch nicht in den baltischen Sprachen. In den baltischen Sprachen werden mit dem Suffix *-ino- hauptsächlich Kollektivbezeichnungen (Aut. 1995: 184) und Diminutive (Aut. 1994: 144–145) gebildet.

Derivate mit den Suffixen -umynas, -umyna, -umynė

§ 33. Im Litauischen gibt es etwas mehr Bezeichnungen für Merkmalsträger, die mit dem zusammengesetzten Suffix -um-ynas gebildet sind, z. B.: brangumýnas/brangumýnas „wertvoller Gegenstand“ BsP II 261; Vd; Mrj; Alk (LKŽ I² 998, vgl. brangùmas), gardumýnai/gar-

15 ŽD 269, 270; Skardžius 1954: 223; Meid 1957: 125; Gimbutienė 1985: 151–152; Zinkevičius 1987: 90; Greimas 1990: 434 ff.; York 1993: 247.

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dumynai „schmackhafte Speise“ DP 3X; SE 166; K; J; Ldvn; Lp (III 123), gilumynas „tiefer Ort“ Nč (III 304, vgl. gilūmas, gilumā), juodūmynai „Schmutz, schwarzer Gegenstand“ K I 266, 309, 698 (vgl. juodūmas), kartumynai/kartumynai/kartumynai „bitterer Gegenstand“ RB Rd 3,15; K; J II 47; Ds (ŽD 268; LKŽ V 346, vgl. kartū-mas), klampumynas „Sumpfland“ Km; Mrs; Rud; Kb (LKŽ V 958, vgl. klampūmas), margumynai „verschiedene bunte Gegenstände“ K I 269, margumynai „Buntverzierung, Muster“ Jrb (LKŽ VII 857, vgl. margūmas), retumynai „spärliche Sträucher und Bäume“ Škn (XI 495, vgl. retūmas, retumā), riebumynai „fette Speisen“ K.Donel; N; K (vgl. riebumas), saldumynai/saldumynai/saldumynai K; Mit I 19(Rg); J; J.Bil; V.Krėv; Zp; Jrb;Sdk; Ds (ŽD 268; LKŽ XII 70, vgl. saldūmas), skanumynai/skanumynai „Leckerbissen“ Sch 178; Mit I 19(Rg); K; Slnt; Lk (LKŽ XII 738, vgl. skanūmas), tankumynas (in vielen Dialekten verbreitet LKŽ XV 815, vgl. tankūmas, tankumā), žalumynai Jdr; PumŽ; Pgg; Graž; Krs; Ut; Mžš; Kair; Alv; Snt (vgl. žalūmas, žalumā), žirgumynai/žirgumynai „Hülsen der Körner von Laubbäumen“ Lkm; Dkk; Ds; Švnč; Dbč (LKŽK).

§ 34. Das Suffix -umynas hat folgende seltene paradigmatische Varianten:

-umyna, z. B.: lygumyna „Ebene“ MŽ II 186; N, tankumyną „Dickicht“ Rdm; Pls; Rod (LKŽ XV 815);

-umynė, z. B.: gardumynės „schmackhafte Speisen“ R (vgl. gardumynai), juodumynė „schwarzer Rost“ Ml (LKŽ IV 411, vgl. juodumynai), klampumynė „Sumpfigkeit“ Sdk; Ut (V 958), tankumynė „Dickicht“ BsP II 592; LTR(Dkk); DS 66(Rs); Skdt; Ds (XV 815).

Mit dem Suffix -umynas und seiner Variante -umyna werden in einigen litauischen Dialekten Bezeichnungen für Eigenschaften gebildet (Aut. 1992: 43). Außerdem stehen Derivate dieses Typs auch mit Kollektivbezeichnungen mit den Suffixen -ynas, -yna, -ynė in Zusammenhang (Aut. 1995: 184–186).

Derivate mit dem Suffix -(i)ūnas (-ė)

§ 35. Heute werden mehr als anderthalbhundert Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft mit diesem Suffix verwendet (DaiktvDr 349–350; DaiktvDrR 148–149).

In den Schriften des 16.–17. Jahrhunderts finden sich dagegen nur wenige davon. Schon damals war das Derivat viršūnė weit verbreitet. In den Dialekten wird auch NAttr dykinas C II 89 verwendet. Die Derivate didžiūnas „Adliger“ SD³ 56, 99, 248, 478; SP 9X; SIG 7X; SE 19; Ch¹ Apr 6,15, galūnas „Starker“ SD³ 177, 181; SP II 94₁₆; SE 22₂₆, 63₁₃; Ch¹ 6X; Ch 1 Sam 17, 51; „Adliger“ MP 44 („Mörder“ M.Valanč; S.Dauk), karaliūnas „Königssohn“ (in den Schriften des 16.–17. Jahrhunderts weit verbreitet), žygūnas „Bote“ Lex 70a; C II 299 (ebenso Krz 413; R II 81; MŽ II 107; N; [K]; L 523; BŽ 100, 600; M und in anderen Schriften) sind für die heutige Sprache nicht mehr typisch. Das Derivat gerūnas „dem Vergnügen ergeben“ ist allgemein nur aus SD³ 379 bekannt. Einige weitere Derivate in alten Schriften mit -(i)ūnas (-ė) stehen sowohl mit Substantiven als auch mit Verben in Zusammenhang (DaiktvDrR 148).

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Alte Dokumente und Ortsnamen zeigen, dass in der Mitte Litauens im 17. Jahrhundert mit dem Suffix -(i)ūnas weithin Patronyme gebildet wurden, die sich mit der Zeit zu Familiennamen entwickelten, z. B.: Aleksiejūnas, Balčiūnas, Tamošiūnas usw.16

§ 36. Auch im Altpreußischen gab es zahlreiche Personennamen mit -ūn-. Besonders alt ist der Göttername Perkūnas, der dem Litauischen, Lettischen und Altpreußischen gemeinsam ist: daher lit. perkūnas, lett. dial. pērkūns, altpr. perkunis (Donner) E 50, vgl. außerdem lit. Medūnas und altpr. Medun, lit. Norūnas und altpr. Norune (sowie den lettischen Ortsnamen Nārūni, siehe Arumaa 1963: 78), lit. Vilūnas und altpr. Willune (Trautmann 1925: 168–169; SV 46).

Gemeinsprachliche Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft mit -ūn- gibt es dagegen, so lässt sich sagen, in den altpreußischen Texten nicht, vielleicht mit der einzigen Ausnahme von alkunis (Ellbogen) E 110 (vgl. lit. alkūnė, lett. dial. ēlkūne), das sich nur etymologisch als Ableitung mit dem Suffix -ūn- auffassen lässt (PKEŽ I 67–68). Ihr Vorkommen könnten zwei Personenbezeichnungen mit -ūn- belegen (DaiktvDrR 149).

Im Lettischen sind Ableitungen mit dem entsprechenden Suffix -ūns insgesamt sehr selten und kommen nur in einigen Dialekten vor, vgl. lit. viršūnė und lett. virsūne (LVG 320; Reķēna 1995: 96).

§ 37. Die genannten baltischen Sprachdaten lassen vermuten, dass gemeinsprachliche Substantive mit -(i)ūnas im heutigen Litauischen erst in jüngerer Zeit verbreitet worden sein könnten. Vielleicht spricht auch ihre Akzentuierung dafür. Denn Eigennamen mit -(i)ūnas haben im Litauischen den älteren Zirkumflex bewahrt, während die meisten gemeinsprachlichen Substantive dieses Typs mit dem Akut akzentuiert zu werden begannen. Eine Ausnahme bilden nur wenige Ableitungen, darunter auch die in älteren Schriften (siehe § 35) verbreiteten viršūnė, karaliūnas sowie in einigen Dialekten didžiūnas neben dem häufigeren didžiūnas (Pakerys 1994: 93–94, 121; Stundžia 1995: 65–66 mit Lit.). In den litauischen Dialekten haben sich einige nicht substantivierte, ebenfalls mit dem Akut akzentuierte Adjektive erhalten, z. B.: saldūnas „süß“ (DaiktvDrR 150). Ein Teil der gemeinsprachlichen litauischen Substantive mit Akut könnten demnach kürzlich substantivierte Adjektive sein, vgl. saldūnas „süß“ und „süße Frucht“. Außerdem hat wohl eine Kontamination von Ableitungen mit den Suffixen *-ūno- und *-ōn- stattgefunden. Mit anderen Worten: Die Ableitungen mit dem Suffix *-ūno- begannen, ältere Ableitungen mit *-ōn- zu verdrängen, von denen viele durch oxytonische Akzentuierung gekennzeichnet sind. Vielleicht entstanden auf diese Weise auch die von K. Būga (1959: 333 ff.) erörterten Dubletten mit -(i)ūnas und -uon- (vgl. atskalūnas und atskaluonis, pasalūnas und pasaluonis usw.) sowie das neue Suffix -uonas (DaiktvDrR 151 mit Lit.). Außerdem begann man, auch einen beträchtlichen Teil ähnlicher Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft mit -onas mit dem Akut zu akzentuieren (vgl. § 44). Diese Akzentuierung könnte auch durch die allgemeine Tendenz beeinflusst worden sein, Substantive der o-Stämme oxytonisch zu akzentuieren, die mit einem einst vorhandenen kollektiven Plural zusammenhing (vgl. Stundžia 1994: 20–21; Mikulėnienė 1996). Natürlich lässt sich auch die Möglichkeit nicht völlig ausschließen, dass slawische Sprachen, in denen es zahlreiche entsprechende Ableitungen mit einem ähnlich ursprungsverwandten Suffix -unb gibt (siehe § 38), die Verbreitung der Ableitungen mit dem Suffix -(i)ūnas beeinflusst haben könnten.

16 Salys 1930: 138–139; Zinkevičius 1977: 153–155; Maciejauskienė 1977: 162–163.

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geeigneter Ableitungen mit einem Suffix ähnlicher Herkunft -unb (siehe § 38). Dieser Einfluss kann jedoch nicht sehr groß gewesen sein, denn im Litauischen gibt es nur wenige eindeutige Slawismen auf -ūnas, z. B.: apiekūnas „Beschützer“.

§ 38. Die Herkunft des Suffixes -ūnas ist unklar; dazu sind allerlei Hypothesen aufgestellt worden (zu ihnen siehe aut. 1991: 30–31; DaiktvDrR 149–150). Hinsichtlich ihrer Form stehen Ableitungen mit diesem Suffix dem lat. tribūnus „Bezirksvorsteher“: tribus „Bezirk“, Portūnus „Hafengott“: portus „Hafen“¹⁷ und dem altind. dāmūnas- „zum Haus gehörig; Hüter des Hauses“ am nächsten (vgl. lat. domus, altkirchenslaw. domb, lit. namūn-aitis)¹⁸. Andererseits ist das Suffix -ūnas (< *-ūno-) seiner Funktion nach eng mit slaw. -unъ (< *-ouno-) verbunden. Mit diesem Suffix werden auch in den slawischen Sprachen weithin Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft gebildet¹⁹, vgl. lit. saldūnas und serb.-kroat. slàdun „süße Frucht“ (Martynov 1973: 39). Die Formen der balt. *-ūno- und slaw. *-ouno-Suffixe unterscheiden sich jedoch. In den slawischen Sprachen gibt es übrigens einige Ableitungen auf -unъ, die genau dem balt. -ūnas entsprechen, vgl. slaw. *Perynъ // *Perunъ „Perkūnas“, *pehynъ // *pelunъ „Wermut, Minze“ (Sławski 1974: 134).

§ 39. Der baltische Göttername Perkūnas wird mit altisländ. Fjorgyn „Mutter des Donnergottes Thor“, got. fārguni „Berg“, kelt. Hercynia silva sowie slaw. *Perunъ und heth. perunas „Fels“ verglichen (letzteres kann auch ganz anderer Herkunft sein, siehe Watkins 1995: 530). Auf dieser Grundlage versuchen einige Forscher, einen indogermanischen Götternamen *per(kʷ)uno/per(kʷ)ūno- zu rekonstruieren.²⁰ Doch auch hier stellt sich das Problem, wie die unterschiedliche Form dieser Ableitungen zu erklären ist (vgl. außerdem lett. pērkāns, pērkauns, pērkuons ME III 208, 209). Wahrscheinlich entstanden die genannten Ableitungen in einzelnen indogermanischen Sprachen, jedoch aufgrund ähnlicher semantischer Motive, möglicherweise als Beiwörter (Reimwörter) eines alten Himmelsgottes. Darüber hinaus ist unklar, ob die baltische Ableitung Perkūnas vom indogermanischen, in den baltischen Sprachen ausgestorbenen Eichenwort *perkʷu-²¹ oder vom Verb *per- „schlagen“ (vgl. lit. pérti) gebildet wurde, das durch das Determinativ -k-²² erweitert war. Die erste

17 Kretschmer 1896: 133; Brugmann 1906: 280; Hofmann, Leumann 1928: 223; Schulze 1966: 361; Specht 1932: 215–216 ir kiti.

18 Specht 1932: 216; Wackernagel, Debrunner 1954: 499; Meid 1957a.

19 Vondrak 1924: 549 ff.; Sławski 1974: 134; Vaillant 1974: 624–626.

20 Ivanov 1958; Ivanov, Toporov 1974; Ind 615, 792 ff.; Danka, Witczak 1995: 128, vgl. außerdem Porzig 1954: 120, 196; Nagy 1974.

21 Hirt 1892: 480–481; Güntert 1914: 203 tt.; Brückner 1922; 1974: 414; Specht 1939: 57; ŽD 281; IEW; Meid 1957: 125–126; 1993; Szemérenyi 1964: 307–308; Friedrich 1970: 21; Maher 1973: 457–459; Markey 1986: 256; Dunkel 1988–1990; Bader 1989: 33 tt.; LEV II 38–39; Hamp 1995; PKĖŽ III 265–266.

22 Grienberger 1896; Trautmann 1910: 395–396; ME III 209; LEW 575; Skardžius 1963; Gimbutas 1973 mit Lit.; Jakobson 1985: 19 ff.; Mayrhofer 1996: 969; Laurinkienė 1996: 23–32. W. Krogmann (1955: 4 ff.) verbindet Perkūnas mit einem anderen Verb der Wurzel *per-, das „spritzen, sich ergießen, verstreuen, blasen“ bedeutete; vgl. lit. pirškšnis „winzige Glut in heißer Asche“, altir. riches „Kohleglut“, gr. πρηστήρ „Blitz; heftiger Wind“. Noch weniger überzeugend ist J. Otrebskis (1962: 64–65) Versuch, in der Ableitung Perkūnas zwei Wurzeln zu erkennen: *per- (vgl. lit. pérti) und *ker- (vgl. lit. kirsti).

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Diese Annahme würde durch den Umstand gestützt, dass in den baltischen Sprachen mit dem Suffix -ūnas (wie auch mit seinen Verwandten in anderen indogermanischen Sprachen) meist substantivische und nicht verbale Ableitungen gebildet werden (vgl. DaiktvDrR 148–150).

§ 40. Den Grundstein für die Entstehung von Bezeichnungen für Träger einer Eigenschaft mit dem Suffix -ūnas legte wohl am ehesten eine alte, möglicherweise bis in die spätindogermanische Grundsprachenzeit zurückreichende Tendenz, mit dem adjektivischen Suffix *-no- soziale Termini mit der Bedeutung „Herr, Anführer“ zu bilden; neben den bereits erwähnten lat. tribūnus, ai. dámūnas- (s. § 38), vgl. auch lat. dominus „Herr“, got. kindins „Stammesführer“, aisl. drottinn, gr. χοίρανος „Heerführer“, got. Þiudans „König“ usw.23 Besonders eng damit verbunden sind der Gottesname Perkūnas sowie die für das Alt litauische (vielleicht auch Altpreußische?) teilweise charakteristischen Patronyme und andere Personennamen mit -(i)ūnas (sie hängen mit der sozial bedeutsamen Institution der Erbfolge zusammen), die mit festem Anlautakzent gebildeten Ableitungen didžiūnas, karaliūnas (s. §§ 35, 37). Ableitungen mit -(i)ūnas als eigenständiger Bildungstyp für Bezeichnungen von Eigenschaftsträgern entstanden jedoch wohl auf baltischem Boden (vgl. Arumaa 1963: 77–78).

In den baltischen Sprachen gibt es neben dem Suffix *-ū-no- auch die Suffixe *-ou-no-, *-u-no-, die aus demselben alten Suffix *-no- hervorgegangen sind, als dieses sich mit verschiedenen Stammendungen verband (s. §§ 42–43).

Ableitungen mit den Suffixen -(i)ūna, -ūnis/-ūnys; -aun-, -un-

§ 41. Neben dem Suffix -(i)ūnas könnte es einst seine feminine Form -(i)ūna gegeben haben, die sich wahrscheinlich später zu -ūnė wandelte; vgl. den Namen der Waldgöttin Žvėrūna „Herrin der Tiere, Jägerin“ (Greimas 1990: 393–395; 1993), die samogitischen Familiennamen Stankūna, Girdžiūna (Salys 1985: 196), die Ableitung zvogūna „Schwätzer, Plaudertasche“ (Senkus 1972: 169), Hydronyme Beržūna Šlčn, Martūna Dv, Šerūna Šll (Vanagas 1970: 202), lett. bricūna „ungezogenes Kind“ (LVG 150, vgl. auch DaiktvDrR 150). Denn früher wurden nomina feminina häufig mit der Bildungsausgang *-ā- gebildet; erst später wurden sie in den baltischen Sprachen zunehmend durch entsprechende Ableitungen mit der Bildungsausgang *-(i)ē- verdrängt (Aut. 1993: 38–39).

Einige Ableitungen mit dem Suffix -ūnas(-ė) weisen Stammformen auf io auf, z. B.: geležūnys „eine Pferdekrankheit“ Dglš; Ds (vgl. geležūnės Dglš – LKŽ III 214, 217), viršūnis „Gipfel“ C II 990; N, vgl. auch den Gewässernamen Sykūnė und Sykūnis Ašm (Vanagas 1970: 202), sowie die Adjektive kartūnis „bitter“, saldūnis „süßlich“, tankūnis „dicht wachsend“ (ŽD 281). In den Schriften von S. Daukantas ist das i-stämmige Suffix -ūnis verbreiteter (z. B. atskalūnis, marūnis, palikūnis, siehe Būga 1959: 333); es entstand wahrscheinlich aus phonologischen Gründen aus -uonis, vgl. atskaluonis, maruonis, palikuonis24.

23 Plg. Saussure 1965: 309–310; Meid 1957; 1957a; 1966; Watkins 1966: 45t.; 1990: 296–297; Benveniste 1970: 301 tt.; Dunkel 1988–1990: 3–4.

24 Specht 1932: 223–224; Skardžius 1937: 129–130; ŽD 281–282.

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§ 42. Mit dem Suffix -aunė und seiner Variante -aunys gebildete NAttr geležau nė?

geležau nės

rōnas „Buckliger“ B; MŽ; K; J.Jabl; Lkm; Rš (LKŽ VI 934), ligōnas „Kranker“ R II 231; M. Valanč; J; End; Tk; Slnt (VII 478), mārškonas „Leinen-, Hanftuch“ Lex 58a; B; MŽ II 323; Vv; Krok; Skr; Dkšt; Vlkv (vgl. mārškonas,-a „aus Leinen, aus Hanf“ BB 3 Moz 16,4; B; MŽ II 323; K; S.Dauk; J; Lž; Vkš; Ms – LKŽ VII 881), salakōnas „Einwohner von Salakas“ Slk; Ant; Avl; Ds (XII 60), seilōnas „Sabberer“ Grš (XII 311), tevōnas „Großvater“ Sn (ŽD 273).

§ 45. Bildungen dieses Typs haben Entsprechungen im Lettischen (z. B.: nešķi stāns „Ungeheuer, Missgeburt“, druvāns „Brachland“ LVG 305), im Slawischen (z. B.: urslaw. brotanъ „Sohn des Bruders“, županъ „Gebietsverwalter“, russ. velikan „Riese“26) sowie in den italischen Sprachen (z. B.: lat. Silvānus „Waldgott“, Romānus „Römer“, insulānus „Einwohner einer Insel“27). Sie entstanden durch Substantivierung von Adjektiven (DaiktvDrR 147).

Bildungen mit dem Suffix -(i)onis/-onys(-ė)

§ 46. Im 16.–17. Jahrhundert wurden in einem großen Teil des oberlitauischen Dialektgebiets weithin Vatersnamen mit diesem Suffix gebildet, z. B.: Janonis, Jurgionis, Petronis usw.28

Auch Bildungen in älteren Schriften wie dievonis „Sohn Gottes“ MT XXXV, kiemionis(-ė) „Bauer“ (in vielen Schriften belegt, vgl. kiemionas, siehe § 44), pilionis „Burgherr“ Lex 46; C II 734 (ebenso Q 246; R; MŽ; N 402); „Stadtbürger“ BP II 480 (ebenso LC 1883,7; „Burgbewohner“ S.Dauk; „Einwohner einer Stadt oder eines Guts“ K.Donel; Gmž; K – LKŽ IX 985), tėvyksčionis „Einheimischer“ SD¹ 104, tēvonis „Erbe“ (in vielen Schriften belegt, vgl. tevōnas, siehe § 44), ferner vgl. užgironis „Bewohner des Gebiets jenseits des Waldes“ MŽ; N; KŽ; NdŽ, das dialektale sodžionis/sodžionis „Dorfbewohner“ S.Dauk; P; J; Vkš; Žd; Pkl (LKŽ XIII 287).

In Kleinlitauen und in einigen ostoberlitauischen Mundarten werden mehrere ähnliche Personenbezeichnungen verwendet, die von Städtenamen abgeleitet sind, z. B.: danckionis „Einwohner von Danzig“ SapGr 19, karaliaučionis „Mensch aus Königsberg“ KIG 47; KIC 25; R; MŽ II 305; K; LC 1878,31; Kel 1862,38; StngŽ 27; Rsn (LKŽ V 258; LKA III 116)29, rygionis „Rigenser“ Ps; Grž; Lnkv; RdN; Brž (LKŽ XI 594; LKA III 116), tilžionis „Tilsiter“ BzBk XVIII 243; StngŽ 27; Rsn (LKŽ XVI 354; LKA III 117), vilnionis „Wilnaer“ Arn (LKA III 116).

S. Daukantas hatte auch Völkernamen mit -onis gebildet, z. B.: norvegionis „Norweger“, kitajonis „Chinese“ usw. (Subačius 1993: 172).

§ 47. Einige wenige Bildungen mit -(i)onis/-onys(-ė) haben eine andere Bedeutung, z. B.: gyslōnis „Wegerich“ Ds (LKŽ III 356, vgl. gyslōnas, siehe § 44), gyvōnė Pmp, gyvo-

26 Vondrák 1924: 546; Vaillant 1974: 616–618.

27 Brugmann 1906: 280; Hofmann, Leumann 1928: 223–224.

28 Maciejauskienė 1977: 161–162; Zinkevičius 1977.

29 Vgl. karaliaučionas (siehe § 44). Es könnte nach dem Polnischen królewczianin gebildet sein (Leskien 1891: 395; Skardžius 1931: 96).

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nìs/gývonis/gyvonys „Lebewesen“ R; K; J; Kč; Lš; Pns; Krok; Vs; Mrk (III 384), gražionis(-ė) „Schönling“ Vlkv; Gs (III 542), kójonis „kleiner Sprung zum Abstellen eines Brottrogs“ Prk (VI 206), ligónis(-ė) (bereits im 16. Jh. weit verbreitet, vgl. ligónas, siehe § 44), marškònis „Leinen-, Leinwandstoff“ R; K.Donel; Grš; Plv; „Tuch“ Srv (vgl. marškònis/márškonis, -ė „leinen, aus Leinen“ B; K; Rp; J; LTR(Grk); Jnš; Vkš; Rs; Krš; Grš; Srv – LKŽ VII 882, marškõnas, siehe § 44), pirmõnės „erste reife Früchte“ RB 2 Moz 22,29; K.Donel; KGr 190; K I 131, pirmonis „Erstgeborener“ C I 612; B; H; R; K; „der Erste unter anderen“ Bb PvR 16,5; LC 1884,39; Ns 1832,3, šakonė „Astgabel“ Grž (LKŽ XIV 442), velionis/veliónis Koss 265 (An); J I 326; Ds; Sv; Rk; Jž; Užp; Brž (LKŽ XVIII 633).

§ 48. Entsprechungen dieser Ableitungen in den anderen baltischen Sprachen sind nicht eindeutig; allenfalls lassen sich lit. Bajonis und pruß. Bayone vergleichen (Trautmann 1925: 169), oder lett. dial. baznīcāni „Leute, die bei der Kirche wohnen“, tirdžāni „Leute, die beim Markt wohnen“ (sofern es sich dabei um Bildungen zu einem ā- oder i̇o-Stamm handelt, siehe LVG 305; BKGF 76; Frenkelis 1969: 62).

Auch die Herkunft des Suffixes -onis ist nicht ganz klar. Im Litauischen sind Slavismen mit diesem Suffix belegt, z. B.: dvarionis, krikščionis, miestčionis u. a. (Eckert 1971: 38–40), während Ableitungen mit -(j)an- in den slawischen Sprachen Formen der konsonantischen Deklination aufwiesen (vgl. aksl. graždane „Stadtbewohner“, siehe Vondrák 1924: 542–543). Daher vertrat A. Leskien (1891: 394–395) die Auffassung, dass auch das Suffix -onis selbst, das zur Bildung von Personenbezeichnungen nach ihrem Wohnort verwendet wird, aus den slawischen Sprachen entlehnt sein könnte. P. Skardžius (ŽD 275), J. Prinz (1968: 110) und R. Eckert (1971: 40–42) hingegen sind der Ansicht, ohne einen gewissen Einfluss der slawischen Sprachen zu bestreiten, dass das Suffix -onis baltischen Ursprungs ist. Der Wechsel von -onas zu -onis könnte durch das ähnliche Suffix -uonis begünstigt worden sein, vgl. gyvonis und gyvuonis, pirmonis und pirmuonis, tėvonis und tėvuonis.

Ableitungen mit den Suffixen -enas, -ena

§ 49. Die Ableitung gluõdenas „Blindschleiche“ S.Dauk; Vp 48; Kv; Ms; Vvr; Slnt; Trk; Šts (LKŽ III 440) hat das Suffix -enas und entspricht lett. gluõdens, gluõdena, gluõdene (ME I 631; LEW 158). Ähnlich gebildet ist auch pruß. glosano „Blindschleiche, gluodenas“ (Blintsleche) E 778 (PJa E–I 266; PKEŽ I 383–384 mit Lit.); vgl. ferner die Gewässernamen Duõbenas Vg, Laukėnas Lp, Laũmenas Dbg (Vanagas 1970: 132).

§ 50. Nominale Ableitungen mit dem Suffix -ena bezeichnen meist Pelze und Häute (gelegentlich daraus gefertigte Gegenstände) und werden von Tierbezeichnungen abgeleitet.

Zwei solche Ableitungen sind bereits in Schriftzeugnissen des 17. Jahrhunderts belegt: meškenà „Bärenfell“ Lex 12a (ebenso Q 66; B; S.Dauk; Jn), oženà „Ziegenfell“ SD³ 126, 143; Lex 19 (ebenso Q 98; N; J; JV 210, 1061; Vvr – LKŽ VIII 1025).

Weitere sind vor allem im žemaitischen Dialekt gebräuchlich, von wo sie auch in die Standardsprache gelangten, z. B.: arklenà „Pferdehaut“ S.Dauk; Grg; Vvr (LKŽ I² 303), ėrenà „Lamm

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„Fell“ Kltn (II² 1141), ėženà „Ziegenhaut“ S.Dauk; Šts; Grg (II² 1168), jautenà „Rinderhaut“ S.Dauk; M.Valanč; J; Vvr (IV 322), katenà „Katzenfell“ J; Šts; Vvr; Lš; „Geldbörse am Gürtel“ Kv (V 407), kiškenà „Hasenfell“ J; „Pelzmütze aus Hasenfell“ Grz (V 884), lapenà „Fuchsfell“ Vvr; Plng (VII 147), ožkenà „Ziegenfell“ J; JD 1345; Žem; LMD(Užv); Sk; Brs; Vvr; Vrd (VIII 1035), šeškenà „Frettchenfell“ PP 75; LTR(Šv); Lpl; Vvr (XIV 693), šunenà „Hundefell“ JV 310; Vvr; „Decke, Überwurf aus Hundefellen“ Kl; Pln; Rt (XV 358), veršenà „Kalbsfell“ S.Dauk; I; JD 1002; BM 308(Šll); Krž; Ggr; Užv; Šll; Trg, vilkenà „Wolfsfell“ I; M.Valanč; Žem; PP 28; (d)Vlkš; Vvr; Ši, zuikenà „Hasenfell“ Slnt; Ms; Vvr; End; Plng; Als (LKŽK).

§ 51. Haut wird auch durch das eine oder andere Derivat bezeichnet, das von anderen Substantiven abgeleitet ist, z. B.: galvenà/galvẽna „Haut, die vom Kopf eines Tieres abgezogen wurde“ S.Dauk; Žml (hat außerdem die Bedeutung „Leinköpfchen mit Samen“ J; Trgn; Rs; Km; Pš; Vdk; Jnš; Sml; „Leinzweige, an denen die Köpfchen wachsen“ Mrj; Alk – LKŽ III 83), kojenà „Haut an den Beinen eines Tieres“ J; Škn; Dr (hat außerdem die Bedeutung „aus Tierhaut gegerbte Opanken“ J; Sd; Žr; Brs; Užv; Vkš; KlvrŽ; „kurze Wolle von den Beinen oder vom Kopf“ Šd – LKŽ VI 295), žandenos „Wangenhaut“ Als; Trš (hat außerdem die Bedeutung „Wangenhaare“ I; Štk; Šv; Jdr; Pln; Kltn; Mrj – LKŽK), vgl. noch pruß. nognan (<*nõgenan) „Haut (zugerichtetes Fell)“ (Leder) E 498 (PKEŽ III 194–195).

§ 52. Eigenschaftsträgerbezeichnungen mit einer anderen Bedeutung auf -ena gibt es nur sehr wenige. Weit verbreitet ist das Derivat sniegena „Vogel aus der Finkenfamilie“, das bereits in Lex 76a belegt ist.

Andere sind in den Dialekten belegt (vorwiegend in den ostlitauischen Mundarten), z. B.: aūsenos „Getreidekörner, die zusammen mit den Ähren durch die Öffnung der Dreschmaschine hinausgeflogen sind“ Sut; Žvr; Stk; Al; Ūd (LKŽ I² 500), blakenà „von Wanzen beschmutztes Leinentuch“ J I 214, dalgenà „größte Schwanzfeder eines Hahns oder eines anderen Vogels“ Ln (LKŽ II² 239), kotenà „Teil des Pflanzenstängels nahe der Wurzel“ J(Ilg; Vl), mẽsena „Fleisch“ Šts (LKŽ VIII 49), muilenos „Seifenwasser, Waschlauge“ Alk (LKŽ VIII 387), rañkena/rankenà (weit verbreitet, siehe LKŽ XI 164; LKA I Karte Nr. 51, 70, S. 112, 117, 129, 137), skanenà „Leckerbissen“ GŠ 105; Rt (LKŽ XII 735), skūjenos „abgefallene Nadeln“ Grž; „Fischschuppen“ Sml (XII 1126), šaknẽnos „Wurzeln von Flachsstängeln“ J.Jabl(Mrj); Vklv; Gs; Lp (XIV 412).

Im Litauischen gibt es wesentlich mehr von Verben abgeleitete Bildungen mit dem Suffix -ena, insbesondere solche, die das Ergebnis einer Handlung bezeichnen (DaiktvDrR 60, 95, 126, 194, 213).

Bildungen mit den Suffixen -enis(-ė), -enius

§ 53. Eigenschaftsträgerbezeichnungen mit dem neueren Suffix -enis(-ė) gibt es noch weniger als mit -ena. Das Derivat kaĩmenė ist bereits in den alten Schriften verbreitet.

Mit Ausnahme des Derivats šaltenis „Quelle“, das in einem großen Teil des žemaitischen Dialekts und in einigen benachbarten ostlitauischen Mundarten verwendet wird und bereits in den Schriften von D. Poška, S. Daukantas und M. Valančius belegt ist (LKA I Karte Nr. 104, S. 181; LKŽ XIV 474–475), sind die übrigen recht selten, z. B.: bergždėnis(-ė) „unfruchtbares, nicht trächtiges Tier“ Ds;

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Sml; Rod; „jemand, der keine Kinder hat“ Ds (LKŽ I² 763), garždenis „Futtergras aus der Familie der Hülsenfrüchtler“ Dglš (III 132), kartėnė „Kraut aus der Familie der Kreuzblütler“ Ps (V 333), margėnis „gemustertes, kariertes Gewebe“ Ds; Rk; Sdk (vgl. margėnis, -ė „kariert, bunt“ Ds – LKŽ VII 852), mėlenė „Blaubeere“ Žem; Vkš; Als; Pj; Ms; Up; Rs; Vž; Krš; Trk; KlvrŽ (vgl. mėlenas, -a/mėlenas, -à „blau“ Stk; Prk; Krš; Užv; Rdn; Pp; Pvn – LKŽ VII 1029), raudėnė „Schneeball“ Trgn (XI 249), sūrėnis(-ė) „jemand, der gern salzig isst“ Sml (XIV 211), šaltėnė „Wasserminze“ Trgn; „Quelle“ Grž (XIV 474), šykštėnis „Geizhals“ SkrT; ŠI (XIV 768), vgl. ferner die Familiennamen Barzdėnis, Kalvėnis, Šakėnis, Gewässernamen Bliūdenis Dglš, Juodėnis Lkm, Raudėnis Klvr, Skardėnis Šd, Lygenė Jšn (ŽD 235; Vanagas 1970: 132–133), Flurnamen Juodėnis Sdbr, Saldėnis Št, Palėnis Gdr; Čiubėnė Švnč, Pelkėnė Všt, Pievėnė Glv, Pūkenė Antz; Km; Krns, Rudėnė Kp, Šlapėnė Rd, Žilėnė Dl (Bilkis 1998: 88).

§ 54. Im Lettischen gibt es wesentlich mehr Bildungen dieses Typs, z. B.: vecenis „Greis“, rītenis „Ostwind“, gailenes „Pfifferlinge (Pilze)“, mēlenes „Blaubeeren“, jērene „Schafpelzmütze“ usw. (LVG 298–302; BKGF 74–75).

Möglicherweise gab es Bildungen für Merkmalsträger mit *-enio- auch im Altpreußischen; vgl. warene „Kupferkessel“ (Messingkessel) E 356, wissene „Gail“ (Pors) E 622³⁰, sowie die Personennamen Drutene, Jodenne (SV 44–45).

§ 55. Mit dem Suffix -enius wurde K. Sirvydas’ Neubildung šakenius gebildet: „Sklave, dem vor der Auspeitschung ein gegabelter Stock auf den Rücken gelegt und an diesem die Hände festgebunden wurden“ SD¹ 101; „jemand, der das Erhängen verdient“ SD¹ 101; vgl. ferner den Gewässernamen Kibėnius Trgn (Vanagas 1970: 133)³¹, den Flurnamen Čiuotėnius Kpč und Čiuotėnis Ab (Bilkis 1998: 88).

Bildungen mit den Suffixen -anas, -ana

§ 56. Bezeichnungen für Merkmalsträger mit diesen Suffixen gibt es nur wenige, z. B.: dykana „Müßiggänger“ Tv (LKŽ II² 534), ratānas „Kreis, Ring“ J; Krš; Užv; Lk; Rdn; „eine bestimmte geschlossene Bewegungsbahn“ Žem; Ub; Als; Trk; Rs; „Gruppe“ Trk; Žr; Lk (XI 237), snēgana/snieganà „Vogel aus der Finkenfamilie“ SD³ 146; D.Pošk; Sut; N; J; JD 219; Lkm; Ktk; Trgn; Krt; Ign; Lb; „Schneeflocke“ Ds; „tiefer Schnee“ J (LKA I Žemėl. Nr. 76, S. 150; LKŽ XIII 249, vgl. sniegena, siehe § 52), vgl. ferner kamanas „Zügel“ C II 1069, kāmanos, kamans „Rand eines Gewebes“ (ME II 148; ŽD 226; PKEŽ II 102–103, siehe § 19), die Flurnamen Kamānos, Kamānai Vkš, Mólana Rm, Stāganos Pg, Ilgānis Al (Bilkis 1998: 54).

Mit -anas, -ana sind auch einige wenige litauische Agensbezeichnungen gebildet (DaiktvDrR 126).

30 Apie jo kilmę žr. Būga 1959: 326–327; LEW 1249–1250; PKEŽ IV 255 su lit.

31 Tik jis veikiausiai padarytas iš veiksmažodžio kībti (Vanagas 1981: 156).

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Schlussfolgerungen

1. Die Substantivierung von Adjektiven mit dem Suffix *-no- und ihre Entwicklung zu Bezeichnungen für Merkmalsträger begann früh. Möglicherweise wurden bereits im Späturindogermanischen mit *-no- Sozialbezeichnungen mit der Bedeutung „Herr, Anführer“ gebildet. Aus ihnen entwickelten sich dann im baltischen Sprachgebiet Bezeichnungen für Merkmalsträger mit dem Suffix -ūnas, die sich besonders im Litauischen verbreiteten. In den baltischen, slawischen und italischen Sprachen werden Bezeichnungen für Merkmalsträger mit *-āno-, *-eino- gebildet. Auch seltene Bezeichnungen für Merkmalsträger mit *-īno- haben Parallelen in vielen verwandten Sprachen.

2. Die Bildung von Bezeichnungen für Merkmalsträger mit anderen aus *-no- hervorgegangenen Suffixen setzte ein, nachdem sich die baltischen Sprachen von den übrigen indogermanischen Sprachdialekten getrennt hatten. Die besonders im Litauischen produktiven Bildungen mit dem Suffix -inis(-ė) haben nur sehr wenige Entsprechungen im Lettischen und Altpreußischen. In den westbaltischen Sprachen begann man, Bezeichnungen für Merkmalsträger in großem Umfang mit einem anderen Suffix zu bilden, -ing-. Vielleicht verbreiteten sich durch ihren Einfluss auch in den germanischen Sprachen Bildungen mit -ing.

Eingegangen am 26.01.1998

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THE DEVELOPMENT OF NOMINA ATTRIBUTIVA WITH THE SUFFIX *-no- IN LITHUANIAN

Summary

There are about 20 suffixes of nomina attributiva, originated from Indo-European adjective suffix *-no-, in Lithuanian.

The process of substantivization of adjectives on *-no- is very old. Some social terms on *-no- with the meaning „master, lord, leader“ must have been already used in Late Indo-European, cf. Balt. Perkúnas „the god of thunder“, Lat. tribūnus „lord of district“ and Lat. dominus „master, lord“, Goth. þiudans „king“. The derivative type of nomina attributiva on *-ū-no-, which became very productive in Lithuanian, was formed in the Baltic languages on the basis of such terms.

The suffixes *-ā-no- (cf. Lith. dirvónas, Latv. druvāns „longfallow land“, OLith. kiemionas „countryman“ and OSlav. brotanú „nephew“, Lat. Romānus „Roman“) and *-ei-no- (cf. Lith. žvėriena and Slav. *zvěrina, Lat. ferīna „game“) was used to form nomina attributiva in Baltic, Slavic and Italic languages. Baltic nomina attributiva on *-ī-no- also have equivalents in other related languages, cf. Lith. kaimýnas „neighbour“, OPr. acc. sing. kaimīnan (Nachbar) III 6915 and Lat. vīcīnus „neighbouring; neighbour“, OSlav. sěmьni „domestic; slave“.

The other Baltic suffixes, originated from *-no-, were introduced into the derivative category of nomina attributiva later. Derivatives on *-inio- are very productive in Lithuanian and much rarer in Latvian and Old Prussian, cf. Lith. káiminis/kaimìnis (-ė) „countryman“ and Latv. kaimiņš „neighbour“, Lith. šóninė and OPr. grawne (Tunebret) E 304. In the West Baltic languages the suffix *-ingo- was widely used to form nomina attributiva, cf. OPr. ragingis (Hircz) E 65, naunings (Newling) III 87. The productivity of corresponding derivatives on -ing in the Germanic languages (cf. OHG mahting „strong man“) can be the result of the influence of the West Baltic languages.

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