Page 1GESCHICHTE DER TERMINOLOGIE
Stasys KEINYS
Institut für Litauische Sprache
AUS A. DAMBRAUSKAS SPRACHLICHER UND TERMINOLOGISCHER TÄTIGKEIT
Den litauischen Intellektuellen, die Mitte und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geboren wurden, fiel die heilige Pflicht zu, die nationale Wiedergeburtsbewegung zu entfachen und/oder voranzutreiben, die innerhalb eines Dritteljahrhunderts die Lage Litauens grundlegend veränderte. Mit dieser Bewegung begannen und erweiterten sich die Arbeiten zur Schaffung, Entwicklung und Lehre einer gemeinsamen vorbildlichen Sprache aller Litauer, die es dieser Sprache in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal in ihrer gesamten Geschichte ermöglichten, alle Bereiche des Lebens im Land und des Wirkens seiner Menschen zu umfassen. Dies war eine Zeit der nationalen Einigung und raschen Reifung der litauischen Nation für ein neues selbstständiges Leben. Zugleich waren es Zeiten eines beispiellosen Wachstums der litauischen Sprache, der Ausweitung ihrer Rolle und der Entstehung der heutigen Standardsprache.
Der bedeutendste Begründer der Grundlagen der heutigen Standardsprache, ihr Förderer und Lehrer, war zweifellos Jonas Jablonskis (1860–1930). Neben ihm arbeitete jedoch eine recht große Schar von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft, Technik, Kultur und Religion: einige stimmten ihm zu und unterstützten ihn fortwährend, andere stritten leidenschaftlich mit ihm, berücksichtigten aber dennoch seine Meinung. Diese Menschen legten, oft indem sie sich untereinander berieten und sich bisweilen für längere oder kürzere Zeit sogar gemeinsam zusammensetzten, die Grundlagen der heutigen Fach- und Literatursprache, erneuerten die religiöse Sprache und schufen und entwickelten die Terminologie des staatlichen Lebens, der Wirtschaft, der mittleren und höheren Bildung, der reinen Wissenschaft und anderer Bereiche. Wenn man auf jene Zeiten zurückblickt, darf man den äußerst aktiven Zeitgenossen J. Jablonskis, Professor und Prälaten Aleksandras Dambrauskas, der in verschiedenen Bereichen große Wirkung entfaltete, sehr viel schrieb, redigierte und andere unterrichtete, weder verschweigen noch übersehen. In unserer Kulturgeschichte ist er besser bekannt und wird meist unter dem Namen Adomas Jakštas erwähnt, obwohl er auch mit den Pseudonymen Druskiaus und anderen unterzeichnete.
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Page 2A. Dambrauskas und J. Jablonskis waren nicht nur Zeitgenossen, sondern auch gleich alt – beide wurden im selben Jahr 1860 geboren, wobei A. Dambrauskas drei Monate älter war (geboren am 8. September, J. Jablonskis am 30. Dezember). Beide wurden zu bedeutenden Männern der Wissenschaft und Kultur während der nationalen Wiedergeburt und der Zeit der verbotenen und wiedererlangten Presse; beide wurden wegen ihrer Arbeit von der Zarenregierung verfolgt und sogar bestraft. Ihre Wege kreuzten sich, besonders auf sprachlichem Gebiet, häufig, und nicht selten sprühten an diesen Berührungspunkten Funken. J. Jablonskis’ sprachliche Vorschläge fanden bei A. Dambrauskas gewöhnlich keinen Anklang. Allein in dem zweibändigen Werk „Mūsų naujoji literatūra“ ist J. Jablonskis (Rygiškių Jonas) gut fünfzigmal direkt und mindestens halb so oft mit der verallgemeinernden, stellenweise spöttisch verwendeten Bezeichnung „Philologen“ anzutreffen. A. Dambrauskas missfiel J. Jablonskis’ Rechtschreibung; viele seiner eingeführten Fachwörter hielt er für misslungen, und an Grammatik sowie anderen Suvalkija-, Žemaitija- oder gar Dusetos-Eigenheiten nahm er immer wieder Anstoß (A. Dambrauskas selbst stammte aus der Gemeinde Pagiriai in Mittellitauen, im heutigen Rajon Kėdainiai, also vom Rand des ostlitauischen Dialektgebiets). Man muss sagen, dass J. Jablonskis, den A. Dambrauskas über mehrere Jahrzehnte hinweg angriff, seine Würde bewahrte: Nur zu einigen wenigen sachlichen Meinungsverschiedenheiten antwortete er seinem Kritiker ausführlicher, und einige Dutzend Mal gab er kurz eine Erklärung. A. Dambrauskas selbst hingegen erscheint, auch hundert oder beinahe hundert Jahre nach jenen Tagen, voreingenommen, J. Jablonskis gegenüber ohne brüderliche Zuneigung und in vielen Fällen als ungerechter Nörgler – zumal es vorkam, dass er einen Vorschlag J. Jablonskis’ an einer Stelle tadelte oder gar verspottete, ihn an anderer Stelle aber selbst verwendete.
A. Dambrauskas’ Tätigkeit war sehr vielseitig. Die Autoren des Artikels über ihn in der „Lietuviškoji enciklopedija“, Pr. Dovydaitis und Vacl. Biržiška, schrieben dazu: „D., obwohl er dazu neigte, ein Gelehrter und Spezialist im Studierzimmer zu werden [= Gelehrter und Spezialist. – St. K.], konnte sich nicht auf ein einziges Arbeitsgebiet beschränken, sondern musste wohl oder übel zum Enzyklopädisten werden. Er ist Kirchenmann und theoretischer Theologe, Mathematiker und Philosoph, Dichter und Satiriker, Politiker und Publizist, Sprachwissenschaftler, Historiker und Literaturkritiker und schließlich wohl der erste litauische Esperantist. Während er mehr als 50 Jahre auf diesen Gebieten tätig war, schuf er überall Eigenes und hinterließ dem litauischen öffentlichen Leben überall sein Eigenes, den jakštischen Gegenentwurf…“
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Page 3Presse1. Ohne Zweifel stimmt das. A. Dambrauskas war von der Zeit der „Aušra“ an ein äußerst produktiver Mitarbeiter der litauischen Presse; darüber hinaus gründete und redigierte er selbst mehr als eine periodische Publikation. Zu seinen Lebzeiten veröffentlichte er über ein halbes Hundert eigener Bücher und Büchlein. Der größte Teil seines schriftlichen Nachlasses wurde auf Litauisch verfasst und veröffentlicht, doch gibt es auch Veröffentlichungen in polnischer, lateinischer, französischer, russischer und Esperanto-Sprache.
Ohne sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob es angemessen ist, ihn Sprachwissenschaftler zu nennen oder nicht (er selbst bezeichnete sich als Amateurphilologen2), ist A. Dambrauskas in die Geschichte der litauischen Sprachwissenschaft eingegangen. Man kann sagen, dass er sich während seiner gesamten Tätigkeit und seines Schaffens lebhaft für Fragen der litauischen Gemeinsprache interessierte, sich um deren Pflege kümmerte und unmittelbar zu ihrer Schaffung und Weiterentwicklung beitrug. Bei der Ausarbeitung von Lehrbüchern für Logik, Geometrie und Trigonometrie sowie beim Verfassen von Arbeiten aus den Bereichen Philosophie, Theologie, Mathematik und anderen war er einer der Begründer der heutigen Fachsprache und Terminologie dieser Gebiete. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erörterte er gemeinsam mit J. Laukaitis, J. Jablonskis, K. Būga und anderen Priestern und Sprachwissenschaftlern Fragen der Erneuerung der Sprache und Terminologie religiöser Riten, der Gebete und allgemein der Kirchensprache3 und stellte selbst Gebet- und Gesangbücher zusammen. Später war er Mitglied der Anfang des dritten Jahrzehnts für Staats- und Wissenschaftsangelegenheiten gegründeten Terminologiekommission, die dem Bildungsministerium unterstand; Mitte des vierten Jahrzehnts interessierte er sich für allgemeine Fragen der philosophischen Terminologie, die in der Terminologiesektion der Gesellschaft für litauische Sprache erörtert wurden4. A. Dambrauskas reagierte lebhaft auf litauische Bücher und andere Publikationen nahezu aller Fachgebiete, seien es schöngeistige, künstlerische oder wissenschaftliche Literatur oder Publizistik. Über viele davon verfasste er längere oder kürzere Artikel, Rezensionen oder zumindest Anmerkungen, und wichtig ist hier, dass
1 Pr. D. ir Vc. B-ka. Dambrauskas (Aleksandras) // Lietuviškoji enciklopedija. Kaunas, [1937]. T. 5. Sk. 1399.
2 Jakštas A. Mūsų naujoji literatūra (1904–1923). T. 2: Mūsų naujoji prozos literatūra (1904–1923). Kaunas, 1923. P. 39.
3 Piročkinas A. J. Jablonskis – bendrinės kalbos puoselėtojas: 1904–1930. Vilnius, 1978. P. 62.
4 Šalkauskis St. Raštai. Vilnius, 1991. T. 2. P. 127.
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Page 4dass er fast nie versäumte, wenn auch nicht ausführlicher, so doch wenigstens ein oder zwei Worte über ihre Sprache zu sagen. Wer beide Bücher von A. Jakštas „Mūsų naujosios literatūros“ gelesen hat – „Mūsų naująją poeziją (1904–1923)“ und „Mūsų naująją prozos literatūrą (1904–1923)“, die 1923 in Kaunas erschienen –, der hat es mit eigenen Augen gesehen.
Aus den Anmerkungen zur Sprache verschiedener Veröffentlichungen wird deutlich, dass A. Dambrauskas die Litauischkeit und die Einheitlichkeit der Schriftsprache am Herzen lagen. Immer wieder lenkte er die Aufmerksamkeit von Autoren – Schriftstellern ebenso wie Wissenschaftlern und Publizisten – darauf, dass Fremdwörter zu vermeiden seien. Dies warf er auch den Gedichten aus Maironis’ „Pavasario balsai“ vor – ihnen schadeten die syntaktischen Polonismen sehr (Bd. 1, S. 34)⁵. Die Verwendung von Dialektismen, die er meist als Provinzialismen bezeichnete, missfiel ihm sehr; deshalb rügte er auch so manchen Schriftsteller. So schrieb A. Dambrauskas 1913 in der „Draugija“ über L. Girās Stück „Beauštanti aušrelė“ (Vilnius, 1913): „<…> die Sprache ist vollgestopft mit allerlei örtlichen Provinzialismen: loc, butau, niaugi, porinti, uogela, širdela, kumula, ledokas und Ähnlichem. Anstelle von mano, tavo, savo werden ma, ta, sa verwendet. Von diesen drei Kürzungen gebrauchen die litauischen Kaunaser nur sa, doch wird auch dieses nur beim Ansprechen eines Hundes gesagt (sa, sa, sa), nicht aber von Menschen. Ähnliche Provinzialismen in die Schriftsprache einzuschleusen heißt, sie geradezu zu verderben. Wir haben bereits dagegen protestiert und werden auch weiterhin protestieren“ (Bd. 1, S. 140). Seine Anmerkungen zu der Gedichtsammlung desselben Autors, „Tėvynės keliais“, fasste er mit den Worten zusammen: „L. Girą betrachten wir nicht nur als Vilniuser und Dzūke, sondern auch als Sänger ganz Litauens; daher haben wir das Recht zu verlangen, dass er nicht auf Vilniuserisch, sondern reines Litauisch singt“ (Bd. 1, S. 139). Putinė riet er, sich vor der „verhängnisvollen suvalkischen Verkürzung der Verben im Präteritum“ zu hüten (skambė, spindė; skambėjo, spindėjo) – das sei eine „widerliche Sprachverderbung“; weder in Žemaitija noch in Aukštaitija kürze jemand so (Bd. 1, S. 209). V. Krėvė dagegen „ist zwar kein Baron, besitzt aber eine wahrhaft baronische Fantasie – unsere Grammatik und Konjugation zu verdzuken“, denn er verwendet nicht die gemeinlitauischen Formen bū-
5 Neben Zitaten, wiedergegebenen Aussagen und Beispielen werden Band und Seite von „Mūsų naujosios literatūros“ angegeben. In den Zitaten wurde nichts verändert (Korrekturen größerer Fehler sind in eckigen Klammern in Klammern gesetzt).
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Page 5čiau, būtumei, būtumet sowie die dzūkischen Formen būtų, būtai, būtut und dergleichen (Bd. 1, S. 385). Als eine Art Zusammenfassung all dessen lassen sich seine leidenschaftlichen Anmerkungen zur Sprache von „Šarūnas“ und „Dainavos šalies senų žmonių padavimai“ betrachten. In dem letztgenannten kurzen Artikel heißt es: „Die eigene Heimat und den eigenen Dialekt zu lieben ist notwendig, aber man darf sie nicht zu Götzen machen und andere nicht zwingen, sie anzubeten“, und gleich darauf: „Der Dialekt von V. Krėvė ist eine Tatsache, aber auch die litauische Schriftsprache ist eine andere Tatsache. Die erste zu schätzen und die zweite zu verachten hieße, schädlichen Separatismus und törichten Provinzialismus in unsere Literatur einzuführen. Dialekte haben das volle Recht, zu herrschen, aber nur im Bereich der Folklore, nicht der schönen Literatur“ (Bd. 2, S. 56). Heute wie damals würden viele den Schriftstellern und Schöpfern künstlerischer Sprache mehr Freiheit gewähren (etwas anderes wäre die Fachsprache), selbst wenn sie wüssten, dass A. Dambrauskas vor allem den Gebrauch lautlicher und grammatischer Varianten von Wörtern und Wortverbindungen im Sinn hatte. Wiederholt tadelte er „kantionalsmäßige Versmacherei“ und „Akzentverfälschungen“. Als er das für die zweite und dritte Klasse der Grundschule bestimmte Buch „Vaikų žvaigždutė“ (Vilnius, 1909) rezensierte, zusammengestellt von Lehrer P. Bendorius, und daraus einige kurze Gedichtstellen zitierte (z. B.: Der Grashüpfer vertrieb fröhlich den Tag, / indem er den Frühling besang), schrieb A. Dambrauskas treffend, dass „das Kind durch diese Verse, ob es will oder nicht, lernen muss, entweder seine Sprache zu verunstalten oder die Gesetze der Poesie zu brechen“ (Bd. 2, S. 479). Diese Gedanken sind auch heute sehr wichtig.
Als tatkräftiger Pressearbeiter hatte A. Dambrauskas mit zahlreichen Fragen der Rechtschreibung zu tun. Die Orthografie der Veröffentlichungen vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war uneinheitlich; über sie waren sich sowohl Sprachwissenschaftler als auch die Redakteure verschiedener Publikationen uneinig. A. Dambrauskas hatte eigene Rechtschreibprinzipien entwickelt (sie legte er in dem 1914 erschienenen Büchlein „Mūsų alfabeto klausimas“ dar), hatte diese Fragen aber schon viel früher erörtert (zum Beispiel in dem 1900 in „Tėvynės sargas“ veröffentlichten Artikel „Ar jau turim gerą rašybą?“) und auch später wieder aufgegriffen. Besonders unzufrieden war er mit J. Jablonskios Rechtschreibung und kritisierte sie bei passender Gelegenheit aus diesem oder jenem Grund. Offenbar ärgerte ihn die Durchsetzung einer ihm nicht genehmen Orthografie; als disziplinierter Mensch hielt er sich dennoch im Wesentlichen daran. Übrigens dürften einige orthografische Ansichten A. Dambrauskas’ den späteren Reformern der Rechtschreibung nach Jablonskis sehr zugesagt haben, insbesondere sein Grundsatz, dass für jeden Laut ein eigenes Zeichen erforderlich sei,
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Page 6und bei dieser Gelegenheit wurde J. Jablonskis offenbar sogar ohne tragfähige Grundlage „Schreibkonservatismus und Unentschlossenheit“ zugeschrieben6.
In beiden Bänden von „Unsere neue Literatur“ finden sich zahlreiche Bemerkungen zu den in den rezensierten Publikationen verwendeten Termini. Besonders viele stehen im zweiten Band mit dem Titel „Unsere neue Prosaliteratur“, der Rezensionen und Annotationen zu Prosawerken im weiteren Sinne enthält (nicht nur zur schönen Literatur, sondern auch zu wissenschaftlichen, religiösen, Lehr- und staatlichen Schriften sowie zu periodischen und anderen Publikationen), die in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nach Wiedererlangung der Pressefreiheit erschienen. Hier werden Fragen der litauischen oder internationalen Herkunft der Termini, ihrer Beständigkeit, Einheitlichkeit und Variantenvielfalt sowie der Quellen entlehnter Termini und ihrer Anpassung ans Litauische aufgeworfen.
A. Dambrauskas wandte sich uneingeschränkt gegen jene sprachlichen und terminologischen Fremdheiten der damaligen Zeit, die meist als Barbarismen bezeichnet werden. Als er 1907 in „Draugija“ das aus dem Polnischen übersetzte zweibändige Werk „Betrachtungen oder geistliche Meditationen“ rezensierte, das seiner Ansicht nach in Seminaren als Handbuch für Meditationen angenommen werden und „zum geistlichen Führer der meisten litauischen Priester“ werden würde, lobte er die Sprache als elegant und korrekt (es hieß, die Übersetzung sei von „unserem wohlbekannten jungen Philologen K. Būga“ überarbeitet worden) und erwähnte, dass anstelle der meisten Polonismen litauische Wörter verwendet würden, zum Beispiel: yščius / yščius (heute iščios), malonė, mirtis statt živatas, loska, smertis usw. Gleich darauf weist er darauf hin, dass die Polonismen asaba, apiera, griekas, pasikłonioti, Traice usw. beibehalten wurden, und fügt hinzu: „Offenbar hielt der Korrektor die Überarbeitung theologischer Termini nicht für seine Aufgabe. Genau genommen ist diese Aufgabe auch für einen Laien unüberwindlich. Hier müssen unbedingt die Priester selbst mitwirken“ (Bd. 2, S. 212). Die Rezension schließt mit der Bemerkung, dass es für eine Neuauflage „ratsam wäre, auch eine litauischere theologische Terminologie bereitzustellen“ (ebd.).
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Sprache religiöser Publikationen überarbeitet; liturgische Bücher, Katechismen, Gebetbücher, Gesänge und andere Texte wurden korrigiert. Es gab sowohl Uneinheitlichkeiten als auch Widerstand gegen die Überarbeitung dieser etablierten Texte. Bei der Vorstellung des 1916 für das Bistum Samogitien herausgegebenen „Ersten Lehrbuchs der Religion—
6 Salys A. A†A. A. Dambrauskas-Jakštas (1860–1938) // Gimtoji kalba. 1938. Sąs. 2 (52). P. 18. Tas pats: Salys A. Raštai. Roma, 1985. T. 3. P. 126.
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Page 7mokslių“ (str. „Nauji tikybos vadovėliai“. – „Ateitis“, 1917, Nr. 2), dėl naujos poterų redakcijos A. Dambrauskas rašė: „Tiesa, vienam kitam kritikui, rasit, nepatiks naujai ištaisytoji ir čia pirmoj vietoj padėtieji poteriai. Kai kas, nesugebėdamas surasti, kuo nauji terminai bei posakiai pakeisti, gal pagailestaus, kodėl nesilaikyta senovės teksto. Tiems čia primenam, kad poteriuose yra du dalyku: 1) glūdinti juose Dievo apreišktoji mintis ir 2) tą Dievo mintį žmogiškais žodžiais išreiškiančioji forma. Dievo mintis palikta nepaliesta ir naujuose poteriuose; jei čia kas pakeista, tai vienas kitas žodis bei sakinio sustatymas, t. y. jų išorinė forma. Ši gi, kaip ir visa, kas yr žmogiška, nėra nekintama. Kas tuo abejotų, tepasiklausia istorijos: iš ten sužinos, jog poterių tekstas XVI ir XVII amžiais buvo kitoks, negu XVIII ir XIX. Tai yra faktas, gal kam ir nemalonus, bet nieko čia nepadarysi. Kintant šiaipjau gyvai žmonių kalbai, negali nekisti ir poterių tekstas, gyva kalba kalbamasi. Ne mūsų galioje tas kitimas sustabdyti. Kas šiandien nauja, ryt bus visai paprasta, poryt jau sena. Kritikai pamurmėję nusiramins, o jaunuomenė naują tekstą su padėka priims. Dievas gi, kursai ne niekino senų poterių, lygiai mielai klausys ir naujųjų, nes jam rūpi mintis ir meilė, o ne raidė bei žodžiai. Tai žinom iš jo paties pamokymo apie tai, kad „raidė užmuša, dvasia gaivina” (t. 2, p. 241–242). Teisingai ir labai įtikinamai pasakyta.
Auch bei einigen anderen Gelegenheiten hat A. Dambrauskas erklärt, dass litauische Termini verwendet werden sollten. In seiner Rezension von „Vorlesungen über Biologie und Bakteriologie“ (Brooklyn, 1912) wirft er dem Verfasser A. Garmus vor, dieser sei „offenbar blind den russischen Quellen gefolgt“, wie die unpassenden Termini ličinkos, probirkos usw. zeigten (Bd. 2, S. 432). In der Rezension des von A. L. Graičiūnas verfassten Lehrbuchs „Gesundheit oder der gerade und kurze Weg zur Gesundheit. Grundkenntnisse in Anatomie, Physiologie und Hygiene“, das 1911 in Chicago für Grundschulen und die Allgemeinheit herausgegeben wurde, schreibt er: „Die Namen der Parasiten sind alle in lateinischer Form belassen. Der Verfasser konnte sie offenbar nicht auf Litauisch benennen. In einem für Schulen bestimmten Lehrbuch sollte das nicht vorkommen“ (Bd. 2, S. 429). Diese Auffassung vertrat er auch zehn Jahre später, als er das Büchlein „Fußball“ von S. Garbačiauskas (Kaunas, 1921) besprach, das seiner Ansicht nach „wegen der zahlreichen Fremdwörter schwer verständlich sein wird
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Page 8„Zum Beispiel: Wer versteht Sätze wie ‚Der Mittelstürmer muss ein guter Spieler sein‘ oder ‚Die Läufer – die Havbacks – müssen sich einmal den Stürmern, einmal den Verteidigern anschließen‘ (16)? Unseres Erachtens hätten all diese bekai, inseitai, golkiperiai und korneriai unbedingt litauisiert werden müssen, denn als englische Wörter passen sie für Litauer ebenso wenig wie für andere Völker“ (Bd. 2, S. 572). Später wurden die Fußballtermini, wie heute allgemein bekannt ist, ausgezeichnet litauisiert; nur die englischstämmige Bezeichnung des Spiels selbst blieb erhalten. Wahrscheinlich hat auch A. Dambrauskas mit seiner damaligen Bemerkung zu diesem Vorhaben beigetragen. Insgesamt hat A. Dambrauskas für eine ganze Reihe verschiedener entlehnter Termini litauische oder bisweilen andere, gebräuchlichere Lehnwörter als Ersatz vorgeschlagen oder den Vorschlägen anderer zugestimmt, zum Beispiel (alle hier angeführten Beispiele stammen aus dem zweiten Band von „Unsere neue Literatur“): ataka = antpuolis (S. 544), distancija = atstumas, atstogumas, tolis (S. 544), kielikas = taurė (S. 138), linza = lęšis (S. 338), nervas = dirksnis (S. 339 usw.; heute schreibt man dirgsnis), objektas = dalykas, regimentas = pulkas, sousas = padažas (S. 141; wohlgemerkt: das war 1910!), spižius = ketus (S. 338), škicas = eskizas (S. 178) usw. Nicht passend erschien ihm das „völlig unnötig“ im Heft „Kommandos und Termini der Infanterieformation“ (Kaunas, 1919) beibehaltene, „aus dem Französischen entlehnte russische“ marš; daher schlug er die Kommandos bėgte bėk, žengte ženk vor (S. 543; übrigens werden in den Kommandos bėgte marš, žengte marš ungewöhnlicherweise Adverbialpartizipien verwendet, weshalb sie tatsächlich seltsam und außergewöhnlich sind). Zu den damals ausgearbeiteten Statuten und Dienstvorschriften der litauischen Armee machte A. Dambrauskas zahlreiche interessante und treffende Bemerkungen und Vorschläge (siehe Bd. 2, S. 541–553); einigen davon wurde in den Neuauflagen dieser Dokumente Rechnung getragen.
A. Dambrauskas rezensierte nahezu alle gegen Ende des zweiten Jahrzehnts erschienenen litauischen Terminologiewörterbücher. Besonders viele Einwände erhob er gegen M. Šikšnys’ „Wörterbuch der Arithmetik- und Algebra-Terminologie“ (Vilnius, 1919), gegen dessen „Entwurf mathematischer Termini“ („Lietuvos mokykla“, 1918, Nr. 11) sowie gegen Z. Žemaitis’ „Sammlung geometrischer und trigonometrischer Termini“ (Kaunas, 1920). Obwohl der Rezensent anerkannte, dass der größere Teil der Termini in diesen Wörterbüchern gut und geeignet sei, begründete er leidenschaftlich, warum eine beträchtliche Anzahl der darin aufgenommenen Termini ungeeignet sei. Er begann mit den seiner Ansicht nach misslungenen Bezeichnungen für die vier Grundrechenarten (sudėtis, atimtis, daugyba, dalyba). Hier,
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Page 9wie auch an manch anderer Stelle zeigt sich deutlich ein oberflächliches, äußerliches Verständnis der sprachlichen Fragen durch den Kritiker, außerdem eine hartnäckige und vielleicht sogar blinde Verteidigung dessen, was er selbst erdacht oder übernommen hat (wie erwähnt, hat auch A. Dambrauskas selbst Mathematiklehrbücher und andere Arbeiten verfasst). So wird zum Beispiel die Unzulänglichkeit jener Bezeichnungen für Rechenoperationen erklärt: „Addition hat bereits ihre eigene Bedeutung – sostav, Subtraktion wird eher vyčet sein als vyčitanie; Division heißt auf Russisch dielež, Multiplikation – pomnožka. Von Infinitiven abgeleitete Substantive bezeichnen die Ergebnisse einer Handlung; die arithmetischen Operationen sind hingegen tatsächliche Operationen und Prozesse, daher wurden sie viel besser von den Mathematikern aus Vilnius benannt: dėstymas, imstymas, dauginimas und dalymas“ (Bd. 2, S. 332). Weder mögliche russische Entsprechungen litauischer Wörter noch erst recht die unbegründete Behauptung, von Infinitiven gebildete Substantive könnten keine Handlungsbezeichnungen sein, beweisen, dass die beanstandeten Termini misslungen sind. In diesem wie auch in einigen anderen Aufsätzen möchte A. Dambrauskas die litauischen Termini unbedingt mit den russischen verknüpfen; außerdem verteidigt er hier, anders als im zuvor genannten Fall, mit großer Hartnäckigkeit die sogenannten internationalen Termini und betrachtet ihre Litauisierung als polnischen Einfluss. Das sei ein Fehler, denn „Die Wissenschaft ist eine internationale Angelegenheit, also müssen auch die Termini international bleiben. Solche Termini wie perpendicularis, paralėlis, katetas, hipotenuzė, diametras, perimetras, diagonale, mediana, bisektrisė, elipsė, parabolė, hiperbolė usw. bedürfen keines nationalen Taufakts. Wenn wir sie nationalisieren, erschweren wir nur den künftigen litauischen Generationen die Nutzung der fremdsprachigen mathematischen Literatur und den Fremdsprachigen die Lektüre unserer künftigen mathematischen Werke“ (Bd. 2, S. 335–336). Offenbar ist dieses Argument ewig, wenn auch naiv, und lebt in den Köpfen der heutigen Verfechter internationaler Wörter weiter. Übrigens ist es interessant, dass manche Physiker auch heute noch, obwohl sich der Terminus Strahl fest etabliert hat, wie A. Dambrauskas der Ansicht sind, Speiche sei besser. Zu diesem Terminus schrieb A. Dambrauskas: „Radius – spindulys ist ein reiner Polonismus (vgl. poln. promien). So wie für krug’ nur das litauische ratas oder ratilas [=Abk. – St. K.] geeignet ist, gibt es auch für radius keinen passenderen Terminus als stipinas“ (Bd. 2, S. 348–349).
Auch den Mathematiklehrbüchern wurde viel Aufmerksamkeit gewidmet – mindestens 15 davon wurden besprochen. Auch hier wurde an den Termini in einem Teil dieser Lehrbücher, insbesondere in denen von P. Ma- viel ausgesetzt.
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Page 10šiotis und M. Šikšnys, viel beanstandet (übrigens schufen und ordneten die Mathematiklehrer P. Mašiotas, M. Šikšnys und Z. Žemaitis zusammen mit J. Jablonskis während des Ersten Weltkriegs, als sie mit ihrem Gymnasium nach Woronesch gelangt waren, jene mathematischen Termini; deshalb nannte A. Dambrauskas sie die Terminologie der Woronescher). Zweifellos war es nicht gut, dass in den damaligen Lehrbüchern zwei verschiedene Terminologien verwendet wurden, daher kann man A. Dambrauskas’ Vorschlag, die mathematischen Termini zu vereinheitlichen, zustimmen (Bd. 2, S. 416–417). Offenbar wurden sie aber bereits vereinheitlicht, wobei der von den Kritikern als unzureichend bezeichneten sogenannten Woronescher Terminologie der Vorrang eingeräumt wurde. Davon zeugt das Schicksal der Termini in A. Smetonas „Theorie der Arithmetik“: 1918 erschien eine zweite, überarbeitete Auflage, in der die Termini aus Vilnius der ersten Auflage durch die Woronescher ersetzt wurden, während die Vilniuser Termini zusätzlich in Klammern angegeben waren (A. Dambrauskas lobte in seiner Anmerkung, dass diese Termini beibehalten worden waren, Bd. 2, S. 407). Später jedoch verschwanden die Vilniuser Termini fast vollständig – im „Vorwort“ zur sechsten Auflage schrieb der Herausgeber des Lehrbuchs, A. Smetona: „Auch die litauischen Lehrer in Woronesch haben in jener schweren, aber arbeitsreichen Zeit der Besatzung und Verschleppung an Schulbüchern gearbeitet, und zwar mit größeren und leistungsfähigeren Kräften als wir, die wir in Vilnius geblieben waren. Unsere aus Russland zurückgekehrten Lehrer brachten eine nicht geringe Terminologie für alle Wissenschafts- und Unterrichtsbereiche mit. Für die zweite Druckauflage meiner ausgearbeiteten Theorie der Arithmetik passten der Sprachwissenschaftler J. Jablonskis und der Mathematiker P. Mašiotas die in Woronesch festgelegten Termini an und nahmen auch zahlreiche weitere Änderungen vor <...>. Diese sechste Auflage ist nur insofern überarbeitet, als die meisten der ursprünglichen Termini, die in Klammern stehen geblieben waren, nun gestrichen sind“7. Insgesamt scheint A. Dambrauskas den Mathematikunterricht sehr, bisweilen wohl sogar übermäßig hoch bewertet zu haben. Unter den damaligen Umständen ebenso wie heute völlig unannehmbar ist sein Vorschlag, Grundschüler Geometrie zu lehren, indem man dafür die für Sprachfächer vorgesehene Zeit kürzt. Bei der Besprechung des 1920 erschienenen Büchleins von A. Busilas „Der junge Landvermesser. Ein Geometrielehrbuch für die Grundschule“ schrieb A. Dambrauskas: „Wir empfehlen Busilas Lehrbuch gern allen Lehrern. Wenn irgendwo Zeitmangel der Einführung eines Geometriekurses entgegensteht
7 Theorie der Arithmetik. 7. Aufl. Kaunas – Vilnius, 1924. S. 3.
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Page 11so würden wir empfehlen, den Unterricht in litauischer Grammatik und Rechtschreibung zu kürzen und die so gewonnene Zeit dem Geometrieunterricht zu widmen. Denn Geometriekenntnisse werden den Schülern im Leben wirklich nützlich sein, während die trockene und fruchtlose Theorie aller möglichen Nasal- und Langvokale ihr Ziel in der Grundschule ohnehin nicht erreichen wird [= nicht erreichen. – St. K.]. Also sollte man die Kinder an Grundschulen nicht unnötig damit quälen“ (Bd. 2, S. 423). Sind solche Gedanken vielleicht aus der heftigen Gegnerschaft zu J. Jablonskis’ Arbeiten erwachsen?
A. Dambrauskas pflegte die bewerteten Termini mit Entsprechungen in anderen Sprachen zu vergleichen und tadelte sie häufig, wenn sich die Grundlage der Benennung im litauischen Terminus von diesen unterschied. So bezeichnete er beispielsweise den Terminus voratinklio indai („Haargefäße“), der in J. Elisonas „Kurzem Entwurf zoologischer Termini“ vorkommt, veröffentlicht 1919 in „Lietuvos mokykla“, als „von zweifelhafter Güte“, weil er weder dem Lateinischen noch dem Russischen noch anderen Sprachen entspreche; seiner Meinung nach wäre es am besten, волосный mit plaukiniu oder kapiliaru zu bezeichnen (Bd. 2, S. 339–340). Zu dieser Art von Fällen gehören unter anderem auch die Geschichten um deguonies und vandenilio: In der Rezension von J. Baronas „Einführung in die Naturkunde“ (Tilsit, 1920) heißt es: „<...> Der Autor nennt das Säurebildende nach Jablonskis deguoniu, das Wasserbildende vandeniu <...>. Wenn Baron schon die alten Bezeichnungen rūgštigamis und vandengamis nicht gefallen, wäre es besser gewesen, bei den international gebräuchlichen Bezeichnungen oksigeno und hidrogeno zu bleiben“ (Bd. 2, S. 437–438; siehe auch die Rezension von V. Ruokys „Chemielehrbuch“, Vilnius, 1920, S. 439–440). In solchen Fällen geht A. Dambrauskas von einer anderen Grundlage der Terminusbildung aus als J. Jablonskis: J. Jablonskis bemühte sich zuerst zu klären, was mit dem betreffenden Terminus bezeichnet wird, und suchte erst danach nach einem litauischen Ausdruck, wobei er sich vor allem auf die Sprache der Menschen stützte8; A. Dambrauskas dagegen neigte stärker dazu, anderen Sprachen zu folgen. Übrigens ist diese Neigung auch heute für Fachleute verschiedener Gebiete sehr typisch. Deshalb gibt es in der Terminologie zahlreiche Nachbildungen und sogar Lehnübersetzungen, obwohl das bei ernsthafter Betrachtung keine gute Sache ist.
A. Dambrauskas hat wiederholt auch die Frage der Einbürgerung von Entlehnungen, vor allem der sogenannten internationalen Wörter, aufgeworfen und erörtert. Er vertrat nachdrück-
8 Ausführlicher siehe Kalbotyra. Vilnius, 1967. Bd. 18. S. 22–23.
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Page 12Daher hielt er an der Auffassung fest, dass in solchen Wörtern la, lo, lu verwendet werden müsse; die Verwendung von lia, lio, liu (z. B.: iliuzija, ventilacija usw.) betrachtete er als Folge des Einflusses der russischen Aussprache (Bd. 2, S. 341, 453 usw.); sinusas, kosinusas erinnerten ihn an den „aus der Mode gekommenen“ Jezusą Kristusą (Bd. 2, S. 335) oder an šabas, kutosus (Bd. 2, S. 411). Viele solcher Dinge korrigierte A. Dambrauskas, und etliche seiner Korrekturen setzten sich durch. So widersetzte er sich wiederholt entschieden und unmittelbar der Neigung von Autoren oder Verlegern, Lehnwörter nach der Aussprache anderer Sprachen zu verwenden – französisch egoizmė, klasikis, kulturelis (Bd. 1, S. 274), russisch kamanda, kamendantas = statt komanda, komendantas (Bd. 2, S. 546, 549). Dabei fügte er hinzu: „Die russische Aussprache muss nicht die Norm unserer Rechtschreibung sein“ (Bd. 2, S. 550); ebenso wandte er sich gegen das Deutsche špora = statt spora (Bd. 2, S. 433). Unter Verweis auf Beispiele aus dem Griechischen und anderen Sprachen riet er V. Ruokis, chemija statt chimija zu verwenden (Bd. 2, S. 438, 452). Er spottete über die Vermeider von f, ch, h und schrieb, K. Jaunius habe „auf die Frage, wie Wörter wie fizika, fiziologija, tip, gimn, ieroglif usw. zu schreiben seien, geantwortet, wenn man allein die Philologie berücksichtige, müsse man sie puzikė, puziologija, tupas, umnas, ieroglupas usw. schreiben. Da er aber die Seltsamkeit all dieser Formen gut erkannte und noch mehr solche Formen wie pizikė, piziologija usw. für ungeeignet hielt, forderte er dazu auf, sie durch ganz litauische Kunstbildungen zu ersetzen, zum Beispiel statt puzikė oder pizikė esybmokslis zu verwenden usw.“ (Bd. 2, S. 568; siehe auch Bd. 1, S. 379 usw.). Wiederholt trat er gegen Entstellungen internationaler Wörter auf, z. B.: eroplanas = statt aeroplanas (Bd. 2, S. 546), divizė = statt divizija (Bd. 2, S. 547, 552) usw. Übrigens ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, dass A. Dambrauskas einige (wenn auch nicht sehr viele) Termini in der Schreibweise der Originalsprache, also völlig unlitauisiert – weder phonetisch noch grammatisch –, verwendete, zum Beispiel französische chef d’oeuvre’as (Bd. 2, S. 40), „edition [=édition. – St. K.] de luxe“ (Bd. 2, S. 362), évadés für „aus dem Priesterstand Ausgetretene, entpfarrte Priester“ (Bd. 2, S. 231), russische „otečestvoviedenije“ (Bd. 2, S. 435), „otsiebiatina“ (Bd. 2, S. 44) und deutsche „Durchsichtigkeit (Bd. 2, S. 410: Dem Text fehlt das, was die Deutschen „Durchsichtigkeit“ nennen), „Kunststück’as“ (Bd. 1, S. 323), „Lebenslauf“ (Bd. 2, S. 260), „Lebensphilosophie“ (Bd. 2, S. 745), „Liebesgeschichte“ (Bd. 2, S. 72), „Sachregister’is“ (Bd. 2, S. 248), „übermenschizmas“ (Bd. 1, S. 255) und „uebermensch’as“ (Bd. 2, S. 9). Fast alle diese Termini stehen in Anführungszeichen und sind daher offenbar als Zitate zu verstehen; vielleicht wurden sie bisweilen auch aus stilistischen Gründen verwendet.
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Page 13Zitate; vielleicht sind sie gelegentlich auch aus stilistischen Gründen verwendet worden. Das zeigt zweifellos die Verwendung des russischen Ausdrucks кукольная комедия: Unter Verwendung der russischen Terminologie könnte man dieses Werk „kukolnaja komedija“ – Puppenkomödie – nennen (Bd. 2, S. 197). Und noch ein ganz sonderbarer Vorwurf gegen den Übersetzer von Molières „Der Geizige“ (Marijampolė, 1920), A. Iešmantas: Er habe das französische Gericht ragout zu einem „litauischen Ragout“ gemacht (Bd. 2, S. 178). Schade, dass dieser Vorwurf nicht näher ausgeführt wurde und unklar bleibt, wie man dieses ragout nach A. Dambrauskas’ Meinung hätte litauisieren sollen.
In seinen Anmerkungen zu Termini, die in verschiedenen Publikationen verwendet wurden, unterstützte A. Dambrauskas bisweilen bestimmte terminologische Forderungen. So sei vora in der Bedeutung ‚Säule‘ wegen seiner Kürze sehr passend, in der lebendigen Sprache jedoch nicht zu hören (Bd. 2, S. 544). parlamentininkas (russ. парламентёр) sei ein „langer, schwerfälliger und geradezu lächerlicher“ Terminus, denn „parlamentioras hat doch nichts mit parlamentas [‚Parlament‘] zu tun“; offenbar schlug er das nach dem Familiennamen Tarlos gebildete Wort tarlys vor, denn „so wie der Mensch, der zum Werben und Einladen geschickt wird, piršlys, kvieslys heißt, wird der Mensch, der zum Verhandeln geschickt wird, tarlys oder tarla heißen“ (Bd. 2, S. 547). rikiuotę schlug er vor, durch rike zu ersetzen (Bd. 2, S. 543, 549). Andererseits sei iskriestinio apskritimo spindulys in der Bedeutung von „Apothem“ [= „Apothem“. – St. K.] „kein Terminus, sondern eher eine Definition, nur ungeschickt formuliert“ (Bd. 2, S. 346); die vaškuota paukščių snapo odelė sei als Entsprechung des russischen восковица „eine Beschreibung und kein Terminus. Für einen Terminus würde ein einziges Wort, vaškuotinė, genügen“ (Bd. 2, S. 340). Mitunter vertrat er jedoch keine einheitliche Auffassung. So empfahl er bei der Besprechung von Arithmetik-Lehrbüchern an einer Stelle, „für jeden Begriff nur eine Bezeichnung zu verwenden, nicht zwei oder mehr, denn das erschwert den Kindern das Lernen“ (Bd. 2, S. 416; siehe auch S. 405), während er andernorts die Verwendung zweier Termini lobte, da die Schüler, besonders die Lehrer, selbst „vergleichen können, welcher Terminus besser ist“ (Bd. 2, S. 407). Aus demselben Grund begrüßte er die 1920 begonnene Zeitschrift „Medicina“, Nr. 1, und erinnerte bei dieser Gelegenheit erneut an mathematische Termini: „Bei den Termini will man keine Einschränkungen machen und ihre Auslese dem Prozess der natürlichen Selektion überlassen. Eine sehr richtige Haltung. Schade, dass unsere Mathematiker sich nicht an dieses Prinzip halten und darauf beharren, ihre ungeeigneten voronežischen Termini für immer [= ewig. – St. K.] zu etablieren“ (Bd. 2, S. 699). Schließlich …
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Page 14… sieht er in den dem Leser überlassenen Freiheiten bei der Terminuswahl sowohl gute als auch schlechte Seiten (Bd. 2, S. 338). Bisweilen gilt die Lebendigkeit der Termini als Vorzug, bisweilen wird ihnen Leblosigkeit und Künstlichkeit vorgeworfen. Den meisten Termini aus J. Elisonos bereits erwähntem „Kurzen Entwurf zoologischer Termini“ lasse sich nichts vorwerfen; die meisten stammten aus der lebendigen Sprache und daher „wäre es nützlich, diese Sammlung spezieller anatomischer Termini jedem Liebhaber der Muttersprache, insbesondere jedem Literaten, zur Lektüre zu empfehlen“ (Bd. 2, S. 340). Auch ihre Stimmigkeit wird gelobt: „Ihre wichtigste Eigenschaft ist ihre Natürlichkeit; beim Lesen spürt man keinerlei Künstlichkeit oder Gezwungenheit, selbst dort nicht, wo sie zweifellos gekünstelt sind“ (Bd. 2, S. 339). Außerdem lobte A. Dambrauskas Vaižgantas für seine Kenntnis der volkstümlichen Terminologie. Über „Pragiedruliai“ schrieb er: „Nur wenige unserer Schriftsteller kennen das Leben unserer Menschen so gut wie Vaižgantas. Man kann sagen, keine Ecke dieses Lebens ist ihm unbekannt. Wenn er über die Kunst des Webens zu sprechen beginnt, erweist er sich sofort als echter Fachmann, der die gesamte Webterminologie besser kennt als so mancher alternde Weber. Musste er das Anschirren eines Pferdes beschreiben, so zeichnete er auch hier alles bis ins Kleinste nach und zählte die einzelnen Teile des Geschirrs mit größter Genauigkeit auf, wie ein wirklicher Kenner“ (Bd. 2, S. 38). Dann fügt er hinzu: „Als dilettierender Philologe waren mir all die Namen der Kräuter, Geschirrteile, Gürtelmuster und Webarten interessant und lieb, doch als einfacher Leser fühlte ich mich hier und da dadurch bedrückt und aufgehalten, als hätte ich statt Poesie einen Abstecher in die Philologie gemacht. Denn auch gute Dinge können lästig werden, wenn sie maßlos aufgedrängt werden“ (Bd. 2, S. 39). Damit ist bereits die Verwendung von Termini oder fachsprachlichen Ausdrücken in der schönen Literatur und die Frage nach ihrer Zweckmäßigkeit angesprochen.
* * *
A. Dambrauskas schuf selbst Termini und setzte sich zugleich lebhaft mit den litauischen Termini auseinander, die in den verschiedensten Fachgebieten von anderen geschaffen oder verändert wurden, ebenso wie mit allgemeinen Sprachfragen. Das zeigt, dass er in der Entstehungszeit der heutigen Standardsprache ein äußerst aktiver Mitgestalter war. Mit seiner Tätigkeit trug er merklich zur Entwicklung und Verbreitung der Standardsprache bei. Seiner Arbeit zur Sprache und auch zur Terminologie schadete jedoch erheblich, dass ihm fundiertere Kenntnisse der Sprachwissenschaft und dieses Fachgebiets … fehlten.
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Page 15das Fehlen einer Grundlage für die Arbeit, ein mangelndes Verständnis des Sprachsystems selbst. Daher sind viele seiner Sprachkorrekturen, Anmerkungen und Vorschläge unzureichend begründet, nicht wenige völlig unbegründet; vor allem deshalb wurde ein großer Teil davon nicht berücksichtigt, zumal er selbst nicht selten inkonsequent, ja sogar widersprüchlich war. A. Dambrauskas’ Ansehen als Sprachpfleger wurde auch durch seinen nahezu ständigen Widerstand gegen J. Jablonskios Arbeiten, einen Teil seiner Vorschläge und bisweilen sogar durch deren Herabsetzung oder Verspottung nicht gestärkt. An Mut und Schärfe fehlte es J. Jablonskios Kritiker nicht. Wer nur A. Dambrauskas gelesen hätte, könnte meinen, J. Jablonskis sei ein geradezu unfähiger Philologe gewesen, der der Sprache mehr geschadet als genützt habe. Das Leben hat jedoch gezeigt, dass vieles von dem, was A. Dambrauskas an J. Jablonskis’ Sprachgebrauch tadelte, in der Standardsprache festen Fuß gefasst hat, bis heute verwendet wird und zweifellos noch lange erhalten bleiben wird. Dies zeigt, dass J. Jablonskis in jener schon recht weit zurückliegenden Zeit der Entstehung der heutigen Standardsprache als professioneller Linguist die gesprochene und geschriebene Sprache am besten kannte und das System und den Geist unserer Sprache am besten erfasste. A. Dambrauskas fehlte es an diesen Kenntnissen. Deshalb lernte er zweifellos selbst zahlreiche sprachliche Dinge von J. Jablonskis und hatte sie von ihm gelernt. Es wäre gut, wenn künftig jemand A. Dambrauskas’ sprachliche Ansichten und seine eigene Sprache gründlich untersuchte und bei dieser Gelegenheit auch prüfte, inwieweit er sich an die von J. Jablonskis empfohlenen Regeln und Vorschläge zu Rechtschreibung, Grammatik und Wortschatz hielt. Als einer der bedeutenden Persönlichkeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat er das wirklich verdient.
Abschließend ist noch zu sagen, dass A. Salys A. Dambrauskas’ sprachliches Wirken in einem unmittelbar nach dessen Tod in der Zeitschrift „Gimtoji kalba“ veröffentlichten Nachruf recht treffend beschrieben hat, als er schrieb: „Wie in allem, so war A. Jakštas auch in Sprachfragen streng, bisweilen sogar übermäßig scharf, aber stets aufrichtig“.9.
9 Salys A. Min. veik, ebenda.
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Page 16Aus A. Dambrauskas’ sprachlichem und terminologischem Wirken
Zusammenfassung
Dieser Beitrag behandelt das sprachliche und insbesondere das terminologische Wirken von A. Dambrauskas (1860–1938), der Schriftsteller, Priester, Mann der Religion und Wissenschaft sowie Kultur- und Pressearbeiter war. Die Analyse stützt sich vor allem auf die Sammlung seiner Artikel und Rezensionen in zwei Bänden „Mūsų naujoji literatūra (1904–1923)“, die 1923 in Kaunas unter dem bekannten Pseudonym A. Jakštas veröffentlicht wurde. In nahezu jedem Artikel dieser Sammlung bewertete A. Dambrauskas die Sprache wissenschaftlicher und religiöser Literatur, von Lehrbüchern und Belletristik. Häufig erörterte er Fragen der sprachlichen und terminologischen Korrektheit und ihrer Akzeptabilität. Einige seiner Korrekturen und Vorschläge wurden in der modernen Sprache übernommen, doch ein ziemlich großer Teil setzte sich nicht durch, weil sie nicht ausreichend fundiert und zu subjektiv waren. Sein Wirken wurde durch die ständige Auseinandersetzung mit den Arbeiten und Vorschlägen des Linguisten J. Jablonskis (1860–1930) beeinträchtigt, der damals die Hauptrichtung bei der Entwicklung des modernen litauischen Standards vertrat.
Das breite und vielseitige Wirken von A. Dambrauskas erlaubt die Feststellung, dass er in der Zeit der Entstehung des modernen litauischen Standards eine herausragende Persönlichkeit und ein aktiver Teilnehmer dieses Prozesses war.
Stasys KEINYS Lietuvių kalbos institutas Antakalnio g. 6 LT-2055, Vilnius
Eingegangen am 17.11.2000
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