Go to originalLocalized version was produced by AI. It may contain inaccuracies.
Preparing document pages…
Page 1
doi.org/10.35321/term26-13
Elektronisches Wörterbuch der Wirtschaftsfachbegriffe e-terminai.lt
AUŠRA RIMKUTĖ-GANUSAUSKIENĖ
Institut für Litauische Sprache
XX a. a. Mit dem Aufkommen elektronischer Terminologiewörterbücher in Litauen haben sich, wie bei elektronischen (digitalen)1 Wörterbüchern allgemein, die Nutzungsmöglichkeiten von Terminologiewörterbüchern grundlegend verändert: Im Vergleich zu herkömmlichen gedruckten (Papier-)Wörterbüchern, die nicht nur teuer sind, sondern in der Regel auch in begrenzter Auflage erscheinen, sind elektronische Wörterbücher für die meisten Nutzer leichter zugänglich geworden. Die Erstellung eines herkömmlichen Terminologiewörterbuchs dauert mehrere Jahre, sodass ein Teil seiner Informationen gewöhnlich veraltet, das heißt, den tatsächlichen Sprachgebrauch und Bedarf nicht mehr widerspiegelt. In der sich rasch wandelnden Welt der Informationstechnologien kann der Nutzer eines elektronischen Wörterbuchs die gewünschten Informationen schneller und einfacher finden; die Suchfunktionen ermöglichen eine wesentlich bequemere Nutzung einer solchen Quelle, und das Wörterbuch lässt sich leichter aktualisieren, ergänzen oder ändern. In einer umfangreichen Terminologiesammlung kann anhand verschiedener Kriterien nach Informationen gesucht werden: nach dem Terminus, seinen Synonymen, Definitionen, Entsprechungen in anderen Sprachen, Abkürzungen, Quellen usw.; die Antwort auf eine Anfrage erhält man innerhalb weniger Sekunden.
Für elektronische Fachwörterbücher gelten die von der Staatlichen Kommission für die Litauische Sprache verabschiedeten Allgemeinen Anforderungen an die Erstellung von Fachwörterbüchern2. Darin wird empfohlen, Termini nicht in Textdateien, sondern in Computerdatenbanken oder elektronischen Tabellen zu verwalten, da dies die Datensuche erleichtert und es ermöglicht, die Daten nach verschiedenen Gesichtspunkten zu sortieren oder zu gruppieren. Die Anforderungen weisen darauf hin, dass in elektronischen Texten
1 Rimvydas Laužikas stellte vor einem Jahrzehnt die Frage nach dem Gebrauch der Termini digital und elektronisch (Terminologen betrachten Adjektive nicht als Termini – Anm. d. Verf.). In seinem Artikel „Digital oder elektronisch“ versuchte er, die Unterschiede zu benennen: „Das Wort elektronisch hat eine wesentlich breitere Bedeutung. Als elektronisch können wir alle Tätigkeiten, Daten und Informationen sowie Dokumente bezeichnen, für deren Ausführung, Betrachtung, Erstellung oder vollständiges Auslesen Strom und elektrische Geräte erforderlich sind (zum Beispiel ein Tonbandgerät, ein Computer, ein Videorekorder usw.)“ (Laužikas 2008: 277). Ein digitales Dokument ist seiner Auffassung nach nur eine Art elektronischer Dokumente; daher ist es nicht sachgerecht, diese Termini synonym zu verwenden.
Es müssen korrekte Satz- und Rechtschreibzeichen verwendet werden (Anführungszeichen, Gedankenstrich, Bindestrich usw.).
Die computergestützte Terminografie ist heute also eine rasch an Popularität gewinnende Methode zur Verwaltung terminologischer Daten, die dabei hilft, offensichtliche Mängel in der Terminologieverwaltung schneller zu erkennen und zu korrigieren. Ein moderner Terminograf ist ein Fachmann, der die Terminologie eines bestimmten Fachgebiets methodisch bearbeitet, wie sie in gedruckten und elektronischen Fachwörterbüchern, Terminologienormen, terminologischen Datenbanken oder Terminologiebanken veröffentlicht wird.
Ziel dieser Rezension ist es, die Termini und ihre Definitionen im öffentlich zugänglichen elektronischen Wörterbuch der Wirtschaftsfachbegriffe e-terminai.lt (im Internet verfügbar unter: http://e-terminai.lt/)3) zu untersuchen.
Wie auf der besprochenen Website angegeben, finden sich dort „mehr als 1500 Begriffe aus den Bereichen Wirtschaft, Management, Marketing, Finanzen und Investitionen, die Ihre Fragen beantworten (= Begriffe aus den Bereichen Finanzen und Investitionen, die Ihnen helfen, Ihre Fragen zu beantworten)“4:
Es gibt viele wirtschaftliche Fachbegriffe, denen Sie im Alltag begegnen (= Begriffe aus der Wirtschaft, denen Sie begegnen). In manchen Fällen haben Sie eine vage Vorstellung von der Bedeutung eines Begriffs, kennen aber nicht seine genaue Bedeutung (= genaue). Dann kann es schwierig sein, den Sinn des Kontexts zu erfassen und zu verstehen, wie ein bestimmter Begriff verwendet wird (= den Kontext und wie ein bestimmter Begriff verwendet wird).
Diese Terminologie-Website umfasst viele wichtige wirtschaftliche Begriffe (= Begriffe aus der Wirtschaft), stellt deren Beziehungen zu ähnlichen Begriffen dar und erklärt ihre Bedeutung in klarer (= klaren) und leicht verständlicher Sprache. Die Begriffsliste ist nicht vollständig und wird von Zeit zu Zeit aktualisiert (= gelegentlich (regelmäßig (?)) aktualisiert).
Aus der kurzen Beschreibung geht hervor, dass es sich um eine Datenbank mit Begriffen aus der Wirtschaft und verwandten Bereichen handelt, deren Auswahlkriterien abstrakt und unklar sind. Vermutlich richtet sich die Quelle an alle – nicht nur an Fachleute, das heißt an Wirtschaftswissenschaftler, sondern auch an Fachleute anderer Gebiete. Wann diese Datenbank eingerichtet wurde, wird nicht angegeben. Den Informationen im öffentlichen Raum zufolge lässt sich vermuten, dass dies um 2011 geschah. Das ist also schon lange her. Daher sollte der Leser des Artikels
3 Zofija Babickienė hat die Verbreitung grammatischer und lexikalischer Formen der Wirtschaftsfachbegriffe dieser Website im litauischen Standardsprachgebrauch untersucht. Sie erklärte, sie habe die Website „aus drei Gründen ausgewählt: Erstens ist sie noch nicht fertiggestellt, und ihre Autoren könnten die dort bereitgestellten Informationen noch überarbeiten, damit den Nutzern überhaupt keine fehlerhaften Beispiele begegnen. Zweitens sind die Besucher der Website überwiegend Studierende der Wirtschaftswissenschaften, des Bankwesens oder anderer Studienfächer, für die eine korrekte Sprache des Fachgebiets und der Spezialisierung besonders wichtig ist; daher bestehen keinerlei Zweifel am Nutzen, an der Zugänglichkeit und an der Benutzerfreundlichkeit der Website. Drittens besteht ein Vorteil der Website darin, dass sich dort neu aufkommende Wirtschaftsbegriffe, die für uns bei der Entwicklung und Ausgestaltung einer korrekten litauischen Terminologie wichtig sind, zeitnah erfassen lassen“ (Babickienė 2012: 52–53).
4 In Klammern werden nach dem Gleichheitszeichen Sprachfehler korrigiert.
266
Aušra Rimkutė-Ganusauskienė
Elektroninis ekonomikos terminų žodynas
e-terminai.lt
Page 3
Es mag sich die Frage stellen, ob es sich lohnt, die Informationen aus einer Quelle zu untersuchen, die vor fast einem Jahrzehnt erschienen ist. Das ist notwendig, denn immer mehr Menschen nutzen das Internet und verschiedene Dienste der Informationstechnologie.
Außerdem sei darauf hingewiesen, dass dieses elektronische Terminologiewörterbuch als umfangreiche und benutzerfreundliche Website zu Wirtschaftstermini in litauischer Sprache, auf der „zahlreiche Termini aus den Bereichen Wirtschaft, Management, Marketing, Finanzen und Investitionen“ bereitgestellt werden, auf der Website des Staatlichen Kollegs Šiauliai verlinkt ist (https://svako.lt/lt/elektroniniai-informaciniai-istekliai).). Sie wird auch auf der Website der Litauischen Technischen Bibliothek aufgeführt. Dort wird das Wörterbuch als „das erste in Litauen erstellte umfassende und präzise elektronische Wörterbuch der Wirtschaftstermini“ beschrieben (http://www.tb.lt/IB/Temos/ekonomika.htm).). Dieser Link ist auch auf den Websites anderer Hochschulen und Bibliotheken zu finden. So wird e-terminai.lt überall als eine maßgebliche Quelle für wichtige Wirtschaftstermini beschrieben.
Von anderen ähnlichen, bislang erstellten Terminologiedatenbanken für die Wirtschaft und verwandte Bereiche unterscheidet sich diese dadurch, dass ihre Autoren, Entwickler oder Herausgeber nicht genannt werden: „Das Projekt e-terminai.lt wurde durch die Bemühungen von Tomas P (= P.)5 und Karolis P (= P.)6 geschaffen. Tomas installierte die technische Plattform der Website (– Webseite7), die es ermöglichte, wirtschaftliche Fachbegriffe leicht zugänglich bereitzustellen. Karolis entwickelte das Website-Design und stellte hochwertige, zielgerichtete Inhalte bereit, die kontinuierlich ergänzt werden, um die Projektmission zu verwirklichen.“ Weitere Informationen gibt es nicht – weder zum Projektnamen noch zum Jahr oder zur Herkunft der Fachbegriffe und ihrer Definitionen. Die Ziele sind jedoch groß und vollmundig: Die Mission besteht darin, „wirtschaftliche Fachbegriffe in leicht verständlicher Sprache auszudrücken“, die Vision darin, „in Litauen zur meistgenutzten Quelle für wirtschaftliche Fachbegriffe zu werden“.
Es lässt sich schwer beurteilen, ob das elektronische Wörterbuch viele Nutzer hat; doch schon die Sprache der kurzen Beschreibung und die Informationen zu den Autoren wecken Zweifel an der Zuverlässigkeit der Quelle. Die Sprache sollte korrekt sein. Außerdem hätte man angesichts der bereits veröffentlichten Wörterbücher wirtschaftlicher und verwandter Fachbegriffe auf die vorhandene Vorarbeit zurückgreifen können, zum Beispiel auf Antanas Buračas’ 1980 erschienenes Anglų–lietuvių ekonomikos terminų žodynas, auf das 1991 von Petras Auštrevičius, Dainius Pupkevičius und Dalia Treigienė herausgegebene Šiuolaikinių ekonomikos terminų enciklopedinis žodynas lietuvių–anglų–vokiečių–rusų kalbomis sowie auch auf das 1994,
5 Tomas Petrašiūnas.
6 Karolis Pulokas.
7 Obwohl das Wort tinklapis korrekt ist, wird dennoch empfohlen, den Begriff der Informatik tinklalapis (EKŽ 2008: 201; TB) als systematischer zu verwenden, vgl.: tinklaraštis, tinkladraugis, tinklavietė, tinklakalbė, tinklažmogis usw.
Terminologija | 2019 | 26
267
Page 4
1997 – Christopher Pass’, Bryan Lowes’ u. a. Ekonomikos terminų žodynas: vertimas iš anglų kalbos leidinio (2., überarbeitete und ergänzte Auflage); 1999 – das Buch Ekonomikos terminai ir sąvokos: mokomasis žodynas (1999, online verfügbar unter: www.biblioteka.vpu.lt/elvpu/15260.pdf); 2005 und 2008 (2. Auflage) – Rūta Vainienės Ekonomikos terminų žodynas; 2005 – Žemės ūkio ekonomikos terminų aiškinamasis žodynas: lietuvių, anglų, vokiečių, prancūzų, rusų kalbomis (online verfügbar unter: https://zodynas.laei.lt/),); 2006 – das übersetzte Aiškinamasis ekonomikos anglų–lietuvių kalbų žodynas (herausgegeben von David W. Pearce, mit fachlicher Beratung durch die Terminologieabteilung des Instituts für Litauische Sprache) und weitere Werke. Neben der Wirtschaft wurden auch Wörterbücher und Glossare zu Fachbegriffen aus den Bereichen Bankwesen, Markt, Rechnungswesen, Investitionen, Besteuerung, Marketing, Management, Finanzen usw. erstellt. Auch die für Hochschulen bestimmten Wirtschaftslehrbücher, in denen verschiedene wirtschaftliche Konzepte erläutert werden, sollten nicht vergessen werden. Leider wird keine Liste der lexikografischen Quellen angegeben.
Werfen wir einen genaueren Blick darauf, was dieses elektronische Terminologiewörterbuch enthält.
Zunächst interessiert uns, was Wirtschaft ist. Gibt man das genannte Wort in das Suchfeld ein, erscheinen zahlreiche zusammengesetzte Fachbegriffe, die dieses Element enthalten. Der Nutzer sieht also alle „verknüpften Begriffe“ (nicht unbedingt alle verwandten Fachbegriffe – Anm. d. Verf.). Der Begriff Wirtschaft wird folgendermaßen erklärt:
Beschreibung eines Landes auf der Grundlage seiner gesamtwirtschaftlichen Tätigkeit und deren Bestandteile.
Der jährliche Gesamtwert der wirtschaftlichen Güter und Dienstleistungen wird als Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezeichnet. Produktion wirtschaftlicher Güter mit dem Ziel, möglichst viel Vermögen zu schaffen oder ein Vermögen bestimmter Höhe mit möglichst geringem Ressourceneinsatz zu erwerben8.
Ein aufmerksamerer Leser mit Kenntnissen der Terminografie sollte stutzig werden, wenn er liest, Wirtschaft sei eine „Beschreibung eines Landes“. In seriösen Fachwörterbüchern wird man das nicht finden. Dort wird erklärt, dass Wirtschaft entweder eine Wissenschaft oder eine bestimmte Tätigkeit ist. Im zweiten Satz des zweiten Absatzes wird versucht zu erklären, Wirtschaft sei die Produktion wirtschaftlicher Güter. Doch auch das ist ungenau. Außerdem ist unklar, weshalb in einem Artikel zu diesem Begriff ein anderer Begriff samt Erklärung auftaucht: Der jährliche Gesamtwert der wirtschaftlichen Güter und Dienstleistungen wird als Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezeichnet. Den Autoren sollte bekannt sein, dass
8 Dieselbe Definition des Begriffs Wirtschaft findet sich im Lehrwörterbuch Ekonomikos terminai ir sąvokos, das vor fast zwei Jahrzehnten, 1999, erschienen ist (ETS 1999: 45). Dieses Wörterbuch ist, wie Jolanta Gaivenytė schreibt, „ein Hilfsmittel für Studierende wirtschaftswissenschaftlicher Fächer. Es enthält grundlegende wirtschaftliche Fachbegriffe und ausführliche Erläuterungen dazu“ (Gaivenytė 2000: 108).
268
Aušra Rimkutė-Ganusauskienė
Elektroninis ekonomikos terminų žodynas
e-terminai.lt
Page 5
Als Begriff hat sich der Terminus Bruttoinlandsprodukt durchgesetzt. Übrigens wird der Terminus Bruttoinnenprodukt auch in einem eigenen Eintrag aufgeführt.
Schon nach der Durchsicht des Eintrags zu nur einem einzigen Terminus wird einem unwohl: erstens wegen der sprachlichen Korrektheit der Termini, zweitens wegen der Genauigkeit ihrer Definitionen. Daher liegt der Schluss nahe, dass die Website e-terminai.lt nicht normgerecht ist. In diesem Eintrag wie auch in den anderen gibt es keinerlei lexikalische Hinweise darauf, ob ein Terminus verwendet werden sollte oder nicht.
Auch zu anderen Wörterbucheinträgen, die terminologisch nicht umfassend sind, könnten wir Anmerkungen machen. Sie sind nicht für erklärende, sondern eher für enzyklopädische Terminologiewörterbücher charakteristisch. Zwar enthalten die Einträge zu den Termini meist eine Definition (manchmal sogar mehr als eine!) und/oder eine ausführlichere Erläuterung, doch fehlen weitere Angaben: Die Termini sind nicht mit Akzentzeichen versehen, es gibt keine Entsprechungen und keine Quellen; außerdem werden keine Synonyme angegeben, sofern es welche gibt. In den Wörterbucheinträgen werden häufig untergeordnete Termini aufgeführt, obwohl sie auch als eigene Einträge erscheinen. Mithilfe entsprechender Abkürzungen und Verweise ließen sie sich normieren.
Wie Abbildung 1 zeigt, werden alle verfügbaren Informationen zum Terminus sowie „verwandte Termini“ angegeben. Obwohl die Betreiber der Website von „verwandten Termini“ sprechen, handelt es sich lediglich um verknüpfte Termini, die in manchen Fällen sogar nicht miteinander verwandt sein können. Mit dem Terminus Makroökonomie ist nur ein Terminus verknüpft, nämlich Wirtschaft, während mit Mikroökonomie nur der Terminus Ressourcen verknüpft ist (siehe Abb. 2). Weder zu Wirtschaft noch zu Makroökonomie besteht eine Verknüpfung. Der Terminus Wirtschaft ist ebenfalls weder mit den hier behandelten Termini Makro- und Mikroökonomie noch mit anderen unter- und übergeordneten Termini verknüpft. Dass die Verknüpfungen zwischen den Termini unklar sind, zeigt auch ein weiteres Beispiel. So werden am Ende des Eintrags zum Terminus Boykott die „verwandten Termini“ Streik und Generalstreik aufgeführt (Abb. 3), nicht jedoch beispielsweise der Terminus Steuerzahlerboykott, obwohl er in dieser Datenbank enthalten ist. Offensichtlich hatten die Herausgeber keine klaren Auswahl- und Darstellungskriterien.
Leider muss man einräumen, dass die guten Absichten der Herausgeber des elektronischen Terminologiewörterbuchs bloße Absichten bleiben. Auch zu den aufgeführten Termini selbst gibt es vieles anzumerken. Zunächst sind nicht zu empfehlende Fremdwörter zu nennen, zum Beispiel: Repo-Geschäft (= Rückkaufgeschäft) (siehe LBTB, vgl. engl. repo agreement; repurchase agreement, siehe auch TB), Barter (= Tauschhandel) (vgl. engl. barter, AEŽ 2006: 61), Dealer (= Handelsvertreter) (vgl. engl. dealer; im Europäischen Terminologiewörterbuch Eurovoc wird der Terminus (zugelassener Handelsvertreter) sowie Handelsvertreter (Dealer) (= Handelsvertreter), Holding (= Holdinggesellschaft, vgl. engl. holding, siehe Eurovoc; im LBTB wird jedoch ein von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache nicht gebilligter Terminus aufgeführt
Terminologija | 2019 | 26
269
Page 6
Abb. 1. Eintrag zum Terminus Makroökonomie
Abb. 2. Eintrag zum Terminus Mikroökonomie
Abb. 3. Eintrag zum Terminus Boykott
270
Aušra Rimkutė-Ganusauskienė
Elektroninis ekonomikos terminų žodynas e-terminai.lt
Page 7
Finanzholdinggesellschaft, Clearing (= Abrechnung, siehe LBTB, vgl. engl. clearing procedure)9, Listing= (Aufnahme in das Börsenverzeichnis, siehe LBTB, vgl. engl. listing), Option (= Optionsgeschäft10, siehe LBTB, AEŽ 2006: 462, vgl. engl. option), siehe auch gedeckte Verkaufsoption, gedeckte Kaufoption usw. Der nicht zu verwendende Begriff arenda (vgl. russ. аренда) ist durch den Begriff Miete zu ersetzen. Übrigens gibt es im e-terminai.lt den Begriff nuoma. Statt Allokationseffizienz wäre es besser, Verteilungseffizienz zu verwenden. Der Begriff außerbörsliches Geschäft ist durch außerbörsliches Geschäft zu ersetzen (siehe auch außerbörsliche Geschäfte). Auch der nichtlitauische Begriff know-how, der folgendermaßen definiert wird: Fortschrittliche wissenschaftliche, technische, kommerzielle oder sonstige Kenntnisse, die ganz oder teilweise nicht veröffentlicht werden, weil ihr Besitz einen gewissen Vorteil gewährleistet, sollte nicht verwendet werden. Vielleicht ließe er sich durch den im europäischen Terminologiewörterbuch Eurovoc angebotenen Begriff praktische Erfahrung ersetzen. In Vitas Bitinaitės Lehrwörterbuch englisch-litauischer Rechtsterminologie finden wir weitere litauische Entsprechungen des englischen Begriffs know-how: 1. technologische Neuerungen, fortgeschrittene Erfahrung; 2. industrielle und kommerzielle Geheimnisse (Bitinaitė 2008: 153). Gesondert ließe sich der Begriff marketingas und sein Gebrauch erörtern, über den bis heute keine Einigkeit besteht. Fachleute begründen dies damit, dass marketingas nicht dasselbe sei wie rinkodara. „In Litauen entsprechen dem Konzept Marketing zwei Begriffe – „rinkodara“ und „rinkotyra“. Diese Begriffe haben sogar die Wissenschaftsgemeinschaft verwirrt. Auch die Verbreitung des Begriffs „rinkodara“ hat Menschen verunsichert, die keine Marketingwissenschaften studiert haben. „Rinkotyra“ ist grundsätzlich nur ein Teil des Marketings“, heißt es im Artikel „Marketing oder rinkodara“ der Agentur Marketingo valdymas (MAR 2016). In der Beratungsdatenbank der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache heißt es, dass marketingas ein nicht zu verwendender Fremdbegriff sei (http://www.vlkk.lt/konsultacijos/1717-marketingas-rinkodara). Interessanterweise steht im elektronischen Wirtschaftsfachwörterbuch e-terminai.lt im Eintrag zum Begriff marketingas (engl. marketing) der litauische Begriff rinkodara in Klammern daneben angegeben ist; außerdem steht dort: „Auf Litauisch ist der Begriff Rinkodara vorzuziehen.“ Zusammengesetzte Begriffe mit dem Bestandteil marketingas gibt es ebenfalls nicht. Sie enthalten alle den litauischen Bestandteil rinkodara: probeweise, differen-
9 Im Erklärenden Wirtschaftsenglisch-litauischen Wörterbuch gibt es den Begriff kliringas nicht. Es finden sich darin jedoch zusammengesetzte Begriffe mit diesem fremdsprachigen Bestandteil, zum Beispiel Clearing-/Verrechnungsbank, Clearing-/Verrechnungskammer (AEŽ 2006: 102). Die Wörterbuchredakteure geben dem fremdsprachigen Begriff den Vorzug und führen den litauischen nach einem Schrägstrich an. Was kliringas ist, wird im Eintrag zum Begriff clearing house definiert (AEŽ 2006: 102).
10 Auf E-terminai.lt gibt es einen Eintrag „Optionsgeschäft“. Darin steht, dass „das Wahl- (= Options-)geschäft (= Geschäft) bisweilen auch Option genannt wird (engl. option)“.
Terminologija | 2019 | 26
271
Page 8
zierte, irrationale, kommerzielle, konzentrierte, undifferenzierte, unterstützende, überschüssige, expansive Rinkodara. Somit wird bei der systematischen Bildung zusammengesetzter Begriffe in der Quelle dem litauischen Begriff der Vorzug gegeben.
Die Art eines Gegenstands und seine unterscheidenden Merkmale werden in zusammengesetzten Begriffen gewöhnlich durch die pronominale Adjektivform ausgedrückt, z. B.: versicherte (= die versicherten) Anleihen, gemeinsame (= die gemeinschaftliche) Unternehmen, fundamentale (= die fundamentale) Analyse, natürliches (= das natürliche) Arbeitslosigkeitsniveau, unbewegliches (= das unbewegliche) Vermögen, befristetes (= das befristete) Darlehen usw.
Die korrekt an die litauische Sprache angepasste Form des französischen Wortes franchise lautet franšizė und nicht frančizas, vgl. Franchisegebühr= (). Es gibt Schreibvarianten: an einer Stelle Lizenz, andernorts licenzija (= Lizenz) (siehe den Eintrag zum Begriff Joint Venture (?)), Schmuggel (= Schmuggel), das Gresham=sche Gesetz (vgl. engl. Gresham’s Law; Vainienė 2005: 100); auch die Schreibweise von Gedankenstrich und Bindestrich variiert, z. B.: Heckscher-Ohlin-Gesetz (= Heckscher-und-Ohlin-Modell) (Vainienė 2005: 103), wissenschaftlich-technologischer (= Wissenschafts- und Technologie-) Park, Kauf-Verkaufs-(= Kauf- und Verkaufs-)geschäfte (siehe Händler). Zwischen Wörtern, die zweiseitige Beziehungen bezeichnen, sollte kein Bindestrich, sondern ein Gedankenstrich stehen, z. B.: Kauf–Verkaufsvertrag (= Kauf–Verkauf, Kauf) (siehe Tausch). Dieses Abkommen wird im europäischen Terminologiewörterbuch Eurovoc als Handelsabkommen bezeichnet (vgl. engl. trade treaty).
Auch weitere Begriffe sollten geändert werden, z. B. Gewinn je Aktie (P/E) (= Verhältnis von Aktienkurs zu Gewinn) (siehe LBTB, ETŽ 1994: 102, vgl. auch engl. price earnings ratio12. Die Abkürzung sollte offenbar als gegebenenfalls synonym verwendbare Variante angegeben werden; zudem sollte sie litauisch sein. Interessanterweise finden sich auf dieser Website sogar drei Einträge zum Begriff Gewinn je Aktie, in denen derselbe Sachverhalt dreimal auf dieselbe Weise definiert wird: einmal wird eine litauische Abkürzung definiert (Abb. 4), an anderer Stelle derselbe Begriff mit denselben Worten (Abb. 5), und an dritter Stelle eine englische Abkürzung (Abb. 6). Solche Beispiele gibt es nicht nur vereinzelt.
11 In der Datenbank fehlt der Begriff Zeitarbeitnehmer.
12 Im Erklärenden Wirtschaftsenglisch-litauischen Wörterbuch gibt es den Begriff Kurs-Gewinn-Verhältnis (AEŽ 2006: 500).
272
Aušra Rimkutė-Ganusauskienė
Elektroninis ekonomikos terminų žodynas
e-terminai.lt
Page 9
4. Abb. Artikel zur litauischen Abkürzung des Begriffs Gewinn je Aktie
5. Abb. Artikel zum Begriff Gewinn je Aktie
6. Abb. Artikel zur englischen Abkürzung des Begriffs Gewinn je Aktie
Wie festgestellt wurde, sind die im Wörterbuch aufgeführten Abkürzungen meist aus den englischen Entsprechungen gebildet, z. B.: REPO, vgl. engl. repurchase agreement. In der Terminologiedatenbank und in R. Vainienės Wörterbuch der Wirtschaftsterminologie finden wir, wie bereits erwähnt, den Begriff Rückkaufgeschäft ohne Abkürzung. Auf der Website gibt es noch einen weiteren Eintrag: Rückkaufgeschäft (Repo-Geschäft). Offenbar ließen sich beide Einträge zusammenführen und auf einen einzigen reduzieren; außerdem sollte der Begriff Rückkaufgeschäft eindeutig definiert werden.
Bei näherer Untersuchung des elektronischen Wörterbuchs zeigt sich, dass die Darstellung von Synonymen den Bearbeitern Schwierigkeiten bereitet. Man sollte nicht vergessen: ein Begriff – eine Definition; daher ist es nicht sinnvoll, Definitionen von Synonymen zu wiederholen. Es genügt, die Definition im Eintrag des Hauptbegriffs anzugeben und ihn mit dem synonymen Begriff zu verknüpfen; im Eintrag des synonymen Begriffs, d. h. im Verweiseintrag, sollte lediglich ein Verweis auf den Hauptbegriff stehen. Vgl.:
Debitor
Debitor (Schuldner) – eine natürliche oder juristische Person, die einer anderen natürlichen oder juristischen Person etwas schuldet, oder, veraltet, der Aussteller eines Wechsels.
Schuldner
Natürliche oder juristische Person, die einer anderen natürlichen oder juristischen Person etwas schuldet.
Terminologija | 2019 | 26
273
Page 10
Beispiele für die Angabe synonymischer Begriffe gibt es in diesem elektronischen Terminologiewörterbuch zuhauf. Darüber hinaus sollte man vermeiden, Synonyme in Klammern anzugeben, z. B.: Kommanditgesellschaft (Treuhandgesellschaft) (= Kommanditgesellschaft) (siehe TB; der Begriff Treuhandgesellschaft könnte als Synonym angegeben werden), Ersatzmittel (Substitute) (= Ersatzmittel) (siehe engl. substitute, ATŽ 2006: 601), siehe auch Nebentätigkeit (Beschäftigung), demonstrativer (prestigeträchtiger) Konsum, Stundenlohn (Stundenvergütung), Reallohn (tatsächlicher Lohn) usw.
In E-terminai.lt finden wir die Termini Abschreibung und Amortisation. Letzterer Terminus wird in einem eigenen Eintrag aufgeführt, während bei Abschreibung in Klammern Amortisation steht: Abschreibung (Amortisation), Abschreibung (Amortisation) nach der Finanzberichterstattung, Abschreibung (Amortisation) nach der steuerlichen Rechnungslegung. Der Sprachwissenschaftler J. Klimavičius schrieb vor mehr als zehn Jahren, dass „das Wort Abschreibung als törichtes Modewort zu verwerfen ist, da es das System grob verletzt – schließlich wird hier nichts abgetragen“ (Klimavičius 2006: 205). Bis heute verwenden Ökonomen diese beiden Wörter – das litauische Abschreibung und das internationale Amortisation – entweder synonym oder als Termini für leicht unterschiedliche Sachverhalte. Obwohl, wie Angelė Kaulakienė schreibt, die Synonymie internationaler und litauischer Termini als begründet und unvermeidlich gelten kann (Kaulakienė 2009: 182), ist doch offensichtlich, dass sie normiert werden muss. In der Terminologiedatenbank finden sich beide Termini als zulässige Formen.
Ein weiteres Beispiel ist der internationale Terminus Stagnation und sein litauisches Äquivalent Stillstand. Beide werden im Wörterbuch aufgeführt und definiert:
Stillstand
Das Anhalten eines bestimmten Prozesses, einer Tätigkeit oder Entwicklung.
Stagnation
Eine wirtschaftliche Lage, die durch eine lang anhaltende Depression, Stagnation in Produktion, Handel und Investitionen (= Stagnation der Produktion, des Handels und der Investitionen), sowie hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist.
Im europäischen Terminologiewörterbuch Eurovoc finden wir einen Terminus mit dem Bestandteil Stillstand, z. B. wirtschaftlicher Stillstand. In anderen Quellen ist der Sprachgebrauch unterschiedlich. Offensichtlich bezeichnen das internationale Wort und sein litauisches Äquivalent unterschiedliche Sachverhalte.
Es ist nicht sinnvoll, neben einem litauischen Terminus dessen englisches Äquivalent in Klammern anzugeben, z. B. ausgelagerte Dienstleistungen (outsourcing):
Die teilweise Übertragung der Unternehmenstätigkeit an eine externe Organisation. Ausgelagerte Dienstleistungen werden üblicherweise eingerichtet, um Kosten zu senken oder die Tätigkeit des Unternehmens auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren (= auf das Kerngeschäft).
2 7 4
Aušra Rimkutė-Ganusauskienė
Elektroninis ekonomikos terminų žodynas e-terminai.lt
Page 11
Der Unterausschuss für Terminologie der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache hat den Terminus Auslagerung von Tätigkeiten gebilligt (eine Tätigkeit, die aufgrund einer Vereinbarung zwischen einem Unternehmen und einem Dienstleister ausgeführt wird und die, gäbe es diese Vereinbarung nicht, das Unternehmen selbst ausführen würde). Der Terminus Outsourcing-Leistungen ist Fachleuten zufolge sachlich ungenau.
Ein weiteres ähnliches Beispiel ist Unternehmensverlagerung (Offshoring), bei der neben einem bereits gebräuchlichen litauischen Terminus in Klammern ein nicht zu verwendender Anglizismus angeführt wird, vgl. offshoring. Auch im Wörterbuch finden sich mehrere solche Beispiele.
Bis heute gibt es Diskussionen über den Gebrauch des Terminus Kosten. Obwohl er in normativen Arbeiten negativ bewertet wird, ist er in verschiedenen wirtschaftswissenschaftlichen Texten recht weit verbreitet. Auch im besprochenen Wörterbuch finden wir diesen Terminus:
Kosten
(Engl. costs) Geldbetrag der für die Herstellung der Unternehmensprodukte verbrauchten Ressourcen. In allgemeinerem Sinne werden Kosten als jeglicher Aufwand verstanden, der zur Erreichung eines Ziels erforderlich ist.
Es gibt auch spezifische Termini mit dem Bestandteil Kosten: Opportunitätskosten, Gemeinkosten, wirtschaftliche Kosten, explizite (direkte, buchhalterische) Kosten, implizite Kosten, externe (Nebenkosten), variable Kosten, indirekte Kosten, Hauptkosten, Fixkosten, Grenzkosten, interne Kosten, gesellschaftliche Kosten, soziale (gesellschaftliche) Kosten und andere.
Dass sich Wirtschaftswissenschaftler und Sprachwissenschaftler über den Terminus Kosten uneinig sind, hat Zofija Babickienė festgestellt (Babickienė 2012: 55). Ramunė Vaskelaitė schreibt in ihrem Artikel „Kosten – zu meidender Fremdwortgebrauch oder Unvermeidlichkeit der Wirtschaftstheorie?“: „Die Frage der Kosten als wirtschaftswissenschaftlicher Terminus wurde auf der dritten Konferenz des Terminologieforums der Institutionen und Einrichtungen der Europäischen Union und Litauens erörtert, die am 7. Juni 2013 stattfand“ (Vaskelaitė 2013: 266). Die Sprachwissenschaftlerin erklärt, dass das Wort Kosten, „dessen Gebrauch vor fast vierzig Jahren zu korrigieren begonnen wurde, aus dem Sprachgebrauch nicht verschwindet“ (ebd.). Ihrer Ansicht nach ist „einer der Faktoren, die das Wort Kosten in der Wirtschaftstheorie stützen, das Bestreben, ein allgemeines Schema zur Klassifizierung von Kosten vorzulegen; dieses Bestreben wird von der auf Englisch entwickelten Wirtschaftstheorie und der Darstellung von Begriffen im Englischen beeinflusst. Dies bestätigen die aus dem Englischen übersetzten oder unter Berücksichtigung der englischen Terminologie im Wirtschaftsbereich erstellten Wörterbücher der Wirtschaftsterminologie“ (Vaskelaitė 2013: 303).
In der Sitzung der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache am 19. Dezember 2013 wurde beschlossen, dass das Wort Kosten als Terminus der Wirtschafts- und Managementbuchhaltung verwendet werden darf. Daher sollte die im Wörterbuch angegebene Definition präzisiert werden. Es sei darauf hingewiesen, dass man, wenn von Buchführung und Rechnungswesen die Rede ist
Terminologija | 2019 | 26
275
Page 12
Zu verwenden sind die üblichen Begriffe Kosten, Ausgaben, Mittel oder Selbstkosten. Das Wort kaštai ist nicht in der Bedeutung „Preis“ zu verwenden. Neben dem Begriff kaštai enthält das Wörterbuch auch Artikel zu den Begriffen Kosten, Ausgaben, Mittel, Selbstkosten, Preis. Ein Vergleich der Definitionen all dieser Begriffe zeigt, dass ihr semantischer Gehalt teilweise sehr ähnlich ist.
Wirtschaftswissenschaftler verwenden, wie Fachleute anderer Bereiche, gelegentlich auch metaphorische Begriffe zur Bezeichnung spezieller wirtschaftlicher Konzepte. Besonders hervorzuheben sind Begriffe, die Tiere bezeichnen, z. B.: Bullen (vgl. engl. bulls), Bären (vgl. engl. bears), sowie Bullenmarkt, Bärenmarkt. Im bereits erwähnten Wirtschaftsterminologiewörterbuch von R. Vainienė finden sich die Begriffe Bär, Bärenmarkt, doch im Englisch-litauischen Glossar der Wirtschaftsterminologie von Dalia Gulbinskienė wird der englische Begriff bull als Makler erklärt, der Wertpapiere kauft, weil er mit steigenden Kursen rechnet (Gulbinskienė 2013: 9). Im Erklärenden englisch-litauischen Wirtschaftswörterbuch wird der Begriff Bullen in Anführungszeichen gesetzt (AEŽ 2006: 81); ebenso wird auch der Begriff Bären in Anführungszeichen gesetzt (AEŽ 2006: 63). Eines ist klar: Solche metaphorischen Begriffe sollten eindeutig definiert werden, damit Nichtfachleute nicht erst herausfinden müssen, was beispielsweise mit dem Begriff Bulle bezeichnet wird. Im Artikel zum Begriff Bullenmarkt finden wir folgende Informationen:
Bulle – ein Begriff zur Bezeichnung eines Börsenmaklers, der mit steigenden Wertpapierkursen rechnet und deshalb Wertpapiere kauft, um sie später zu höheren Preisen zu verkaufen.
Ein Börsenmakler, der zuvor gekaufte Wertpapiere nicht zu höheren Preisen verkaufen kann, wird als müder (erschöpfter) Bulle bezeichnet.
Wenn wir das Wort Bullen in das Suchfeld eingeben, erfahren wir, dass damit Anleger gemeint sind, die davon ausgehen, dass Aktien- und Anleihekurse steigen werden (=,) und sie deshalb kaufen, in der Hoffnung, sie zu einem höheren Preis zu verkaufen. Allgemein kann ein Wertpapiermarkt, wenn die Kurse steigen, auch als Bullenmarkt bezeichnet werden. Spekulanten, die davon ausgehen, dass der Aktienkurs fallen wird (=,) werden als Bären (=,) oder Bären bezeichnet.
Vergleichen wir, wie erklärt wird, was Bären sind:
Bären (engl. bears) sind Investoren, die mit einem Rückgang des Wertpapierwerts rechnen (=,) und sie daher verkaufen, in der Hoffnung, sie später billiger zurückkaufen zu können. Ein „geschützter Bär“ ist ein Makler, der Wertpapiere verkauft, die er besitzt (= Wertpapiere). Der Verkauf von Wertpapieren, ohne sie zu besitzen, wird Leerverkauf genannt. Leerverkäufe sind typisch für einen Bullenmarkt. Ein Spekulant mit gegenteiliger Erwartung wird „Bulle“ genannt.
Nach der Lektüre bleibt unklar, ob Wirtschaftswissenschaftler mit dem metaphorischen Begriff Bulle einen Börsenmakler oder einen Anleger beziehungsweise Spekulanten meinen. Eines ist offensichtlich: Der Grund für das Entstehen solcher Begriffe liegt in der Übersetzung
276
Aušra Rimkutė-Ganusauskienė
Elektroninis ekonomikos terminų žodynas
e-terminai.lt
Page 13
aus einer anderen Sprache, ohne nach einer bequemeren und verständlicheren Bezeichnung oder einer Entsprechung zu suchen, indem man Personen schlicht Tiereigenschaften zuschreibt.
Im besprochenen elektronischen Terminologiewörterbuch finden sich noch weitere Beispiele für Fachjargon, z. B.: Zahl dir selbst, ein Vertrauter, Fensterputzen, Kerzen usw. Es sei darauf hingewiesen, dass Fachjargon nicht in ein Terminologiewörterbuch gehört, zum Beispiel:
Zahl dir selbst (= Zahl dir selbst) Eine in der Literatur häufig verwendete Wendung (= Eine häufig in der Literatur vorkommende Wendung) über persönliche Finanzen. Damit soll gesagt werden, dass ein Teil des eigenen Einkommens auf ein Spar- oder Anlagekonto eingezahlt (–überwiesen (?)) werden sollte (= Spar- oder Anlagekonto).
Eine Termini-Definition wird üblicherweise nach bestimmten Regeln verfasst: Sie muss die wesentlichen Merkmale des Begriffs, seine wichtigsten Eigenschaften sowie die systemischen Beziehungen offenlegen. Leider haben die meisten Stichwörter auf der Website e-terminai.lt keine wissenschaftliche Definition. Definitionen dürfen keinen Zirkelschluss oder eine Tautologie enthalten; so wird beispielsweise der Begriff Bericht durch das Wort Bericht: Finanzbericht einer Organisation oder einer Einzelperson, erstellt auf der Grundlage eines Systems registrierter Finanztransaktionen. <...>. Der Begriff Markteintritt wird folgendermaßen definiert: Eintritt eines neuen Unternehmens in den Markt <...>. Wie aus der Definition ersichtlich ist, muss entweder der Begriff oder seine Definition geändert werden.
Der Begriff Währungszonen wird merkwürdig definiert: Währungsgruppen von Ländern, die ihre Devisenpolitik koordinieren. Die wichtigsten Währungszonen sind die Dollar-, Sterling- und Eurozone. So bleibt unklar, was diese Währungsgruppen eigentlich sind.
Ein weiterer Begriff, langfristige Schulden, wird ebenfalls ungewöhnlich definiert: Bankdarlehen und sonstige Kredite mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr. Wie ersichtlich, ist in der Definition von Krediten die Rede, obwohl definiert werden sollte, was eine Schuld ist. Im Erklärenden Wörterbuch der Unternehmensführungsterminologie von Bronislovas Martinkus, Bronius Neverauskas u. a. finden wir folgende Definition: Schulden, die über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr zurückgezahlt werden, z. B. eine Hypothek.
Es sei darauf hingewiesen, dass gleichartige Termini einheitlich definiert werden sollten. Vergleichen wir: Anleihe – ein Wertpapier, dessen Inhaber sich verpflichtet, regelmäßig Zinsen in festgelegter Höhe zu zahlen und zu einem festgesetzten Zeitpunkt den für die Anleihen gezahlten Betrag zurückzuerstatten (die Anleihe einzulösen); Einmaltilgungsanleihe – einmalige Rückzahlung der Schuld am Ende ihrer Laufzeit, d. h. (= das heißt) das Gegenteil regelmäßiger Rückzahlungen; unbesicherte Anleihen – typische, von vielen Unternehmen ausgegebene Anleihen (=,), auf die festgelegte Zinsen gezahlt werden und die am Ende der Laufzeit (= Laufzeit,) eingelöst werden; garantierte Anleihe – eine Anleihe, deren
Terminologija | 2019 | 26
277
Page 14
Emittent eine Aktiengesellschaft ist und deren Einlösung und/oder Zinszahlungen von einer anderen Aktiengesellschaft garantiert werden. In diesem Fall ließen sich die Unterbegriffe am einfachsten durch das Wort Anleihe definieren.
Die Definitionen enthalten zahlreiche lexikalische, syntaktische, grammatische, stilistische, orthografische, interpunktorische, korrektur- und sonstige Fehler. Besonders störend ist die nichtlitauische Schreibung, zum Beispiel lit. Paskutinis Gautas Pirmas Parduotas (= zuletzt eingegangen, zuerst verkauft (siehe LIFO-Methode13, vgl. engl. Last In, First Out), lit. Kainos ir Pelno (= Kurs-Gewinn)-Verhältnis (siehe Gewinn je Aktie), Zahl dir selbst (= zahl dir selbst), Theorie des größeren Narren (= Theorie des größeren Narren), Kaufen-und-Halten-Prinzip (= „kaufen und halten“-Prinzip) (siehe passive Verwaltung) usw. Auch werden Fälle falsch verwendet, zum Beispiel der Inessiv: Als Folge davon (= Infolgedessen) werden große Geldbeträge in Materialien oder Produkte investiert, doch man muss warten, bis dieses Geld zurückkommt (siehe Overtrading). Mancherorts ist der Dativ erforderlich, zum Beispiel: Index des allgemeinen Preisniveaus, der zur Berechnung des realen Bruttonationalprodukts verwendet wird (= verwendet zur Berechnung des realen Bruttonationalprodukts) (siehe Deflator).
In den Definitionen werden ungenaue Termini verwendet, z. B.: Tauschhandel (= Naturaltausch) (siehe Barter), natürlicher (= Natural-)Tausch (siehe Barter), Einrichtungen (= Ausrüstung, Geräte) (siehe Gemeinschaftsunternehmen, Kosten), außerbörsliche Geschäfte (= außerbörsliches Geschäft, siehe OTC), kontraktuelle (= vertragliche) Beziehungen zwischen Unternehmen (siehe Gemeinschaftsunternehmen-Artikel), wirtschaftliche (= volkswirtschaftliche) Terminologie (= Terminologie) (siehe Gemeinschaftsunternehmen-Artikel), Rechnung-Faktura (= Rechnung, Faktura) (siehe Mehrwertsteuer (MwSt.)) usw. Durch Hast oder Unachtsamkeit werden die Wörter Unternehmen und Kampagne verwechselt. Derzeit gründen viele Banken eigene Leasingunternehmen (= Kampagnen) und vermieten Anlagen an Unternehmen, die sie nicht kaufen können (siehe Miete).
Neben diesen ließen sich noch etliche weitere Bemerkungen zu den auf der Website e-terminai.lt angebotenen Termini machen. Eines ist klar: Diese elektronische Ressource zur Wirtschaftsterminologie sollte nicht bloß eine alphabetisch geordnete Liste von Termini mit Definitionen sein. Wünschenswert wären ein Vorwort oder eine Einleitung sowie eine Beschreibung des Wörterbuchaufbaus, Erläuterungen zu Abkürzungen, die Angabe der verwendeten Quellen und die korrekte Verwendung von Rechtschreibung und Interpunktion (wie man sieht, bereiten die litauischen Anführungszeichen sowie die Verwendung von Gedankenstrich und Bindestrich erhebliche Schwierigkeiten). Die Termini mit Akzentzeichen zu versehen ist nicht schwierig – die technischen Möglichkeiten erlauben dies heute.
13 Im Wörterbuch von R. Vainienė steht es etwas anders: LIFO (engl. last in, first out – zuletzt hinein, zuerst hinaus) – „ein Verfahren der Vorratsbewertung, bei dem zuerst jene Rohstoffe und Materialien den Aufwendungen zugerechnet werden, die zuletzt eingekauft wurden“ (Vainienė 2005: 157).
278 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Elektroninis ekonomikos terminų žodynas e-terminai.lt
Page 15
Man möchte hoffen, dass dieses Projekt irgendwann in Ordnung gebracht wird und die Website nützlich, umfassend und normativ wird. Man kann jederzeit einen Terminologen und einen Fachmann aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften hinzuziehen, in der Hoffnung, eines der Ziele eines elektronischen Terminologiewörterbuchs zu verwirklichen – den sich rasch wandelnden Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden. Leider bleibt die Mission der Verfasser, „wirtschaftliche Begriffe in leicht verständlicher Sprache auszudrücken“, vorerst nur eine Mission.
LITERATŪRA
AEŽ 2006: Aiškinamasis ekonomikos anglų–lietuvių kalbų žodynas. Sudarė Dawid W. Pearce. Vilnius: TEV.
Babickienė Z. 2012: Ekonomikos terminų gramatinių ir leksinių variantų sklaida: norma ir realybė. – Specialybės kalba: gramatika ir logika. Mokslinių straipsnių rinkinys, Vilnius: Mykolo Romerio universiteto leidykla, 51–64.
Bitinaitė V. 2008: Mokomasi anglų–lietuvių kalbų teisės terminų žodynas. 3-iasis patais. ir papild. leid., Vilnius: Eugrimas.
EKŽ 1994, 1997: Ekonomikos terminų žodynas, Vilnius: UAB „Baltijos biznis“.
EKŽ 2008: Dagienė V., Grigas G., Jevsikova T. Enciklopedinis kompiuterijos žodynas. 2-asis papild. leid., Vilnius: TEV.
ETS 1999: Ekonomikos terminai ir sąvokos, Vilnius: Vilniaus pedagoginis universitetas.
Eurovoc – Europos terminų žodynas. Prieiga per internetą: www3.lrs.lt/pls/ev/ev.main.
Gulbinskienė D. 2013: Glossary of English–Lithuanian economic terms = Anglų–lietuvių kalbų ekonomikos terminų žodynėlis [e. išteklius], Vilnius: Lietuvos edukologijos universitetas.
Kaulakienė A. 2009: Lietuvių fizikos terminijos raida, Vilnius: Technika.
Klimavičius J. 2006: Rūta Vainienė. Ekonomikos terminų žodynas (recenzija). – Terminologija 13, 202–206.
Laužikas R. 2008: Skaitmeninis ar elektroninis? – Knygotyra 51, 275–279.
LBTB – Lietuvos banko terminų bazė. Prieiga per internetą: http://www.rastija.lt/LBTB/.
MAR 2016: Marketingas ar rinkodara. Prieiga per internetą: https://marketingovalymas.lt/marketingas/marketingas-ar-rinkodara/ (paskelbta 2016-05-26, žiūrėta 2019-12-14).
ŠETEŽ 1991: Auštrevičius P., Pupkevičius D., Treigienė D. Šiuolaikinių ekonomikos terminų enciklopedinis žodynas lietuvių–anglų–vokiečių–rusų kalbomis, Vilnius: Lietuvos laisvosios rinkos institutas, Lietuvos komersantas.
TB – Lietuvos Respublikos terminų bankas. Prieiga per internetą: terminai.vlkk.lt/pls/tb/tb.search.
Vainienė R. 2005: Ekonomikos terminų žodynas, Vilnius: Tyto alba.
Vaskelaitė R. 2013: „Kaštai“ – vengtina svetimybė ar ekonomikos teorijos neišvengiamybė? – Kalbos kultūra 86, 265–308.