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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, I LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

DER DIALEKT DES ERSTEN LITAUISCHEN BUCHES

J. SENKUS

I. EINLEITENDE BEMERKUNGEN

1. Gegenwärtige Vermutungen und Untersuchungen zum Dialekt von Mažvydas’ Katechismus

Dass die Grundlage der Sprache des Katechismus1 der žemaitische Dialekt ist, gilt seit Langem als anerkannt. A. Schleicher (siehe [1] XI) ordnete den Katechismus dem Dialekt von Klaipėda zu (vgl. [2] 45). Diese Theorie wurde lange Zeit angenommen und anerkannt. 1922 verwarf der Herausgeber der Ausgabe von Mažvydas’ Schriften diese Theorie mit den Worten: „Tatsächlich können wir über seinen Dialekt vorläufig nur so viel urteilen, dass er žemaitisch ist. Die Grenzen genauer zu bestimmen vermögen wir noch nicht“ ([1] XI). K. Būga ([3] LVII und 6) hält den Dialekt des Katechismus und seines Übersetzers Mažvydas für den nordwestlichen žemaitischen Dialekt. Doch weder der eine noch der andere begründet seine Behauptungen klarer und ausführlicher oder bemüht sich, sie zu untermauern und zu beweisen. Auch die übrigen litauischen Sprachwissenschaftler tun dies nicht und versuchen es nicht. So erwähnt A. Salys beispielsweise, wenn er davon spricht, dass einige Žemaiten die Diphthonge am, an, em, en unverändert bewahren, lediglich, dass auch „Mažvydas an, am und en, em schreibt, sie also unverändert bewahrt hat. Aber seiner Herkunft nach stammt er wohl ebenfalls aus der südlichen Ecke Žemaitijas“ ([4] 15). Dies leistet der Norweger Ch. Stang in seinem Werk „Die Sprache des litauischen Katechismus von Mažvydas“.

Ch. Stang gelangt bei seiner Untersuchung der Sprache des Katechismus, nachdem er A. Schleichers Beweise zwar nicht ganz überzeugend widerlegt hat, zu folgenden Schlussfolgerungen (siehe [5] § 340): 1. Mažvydas war ein Žemaite aus Großlitauen. 2. Die sprachliche Grundlage seines gesamten Werks ist der nordwestliche oder mittlere žemaitische Dialekt. 3. Der Dialekt des Katechismus ist nicht rein žemaitisch, sondern žemaitisch mit hochlitauischen Beimischungen.

Mažvydas’ Sprache ist jedoch kein vermischtes Durcheinander aus žemaitischen und hochlitauischen Dialekten, sondern ein durch hochlitauische Elemente modifizierter žemaitischer Dialekt. Das heißt, neben den normalen (žemaitischen) Formen kommen auch hochlitauische Formen vor.

2. Der Wandel der litauischen Sprache und das Gebiet des žemaitischen Dialekts

Den Angaben der historischen Grammatik des Litauischen zufolge sprachen und flektierten die alten Litauer noch vor etwa 500 Jahren beispielsweise das Wort medį folgendermaßen: *medjai, *medjuon, *medjamus, *medjuons, *medjais, *medjuonsen. So sprachen auch

1 Hier ist das von M. Mažvydas übersetzte Werk Catechismusa prasty szadei...., Karaliavczvi, 1547, gemeint.

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flektierte jautì und andere Wörter. Aus den Beispielen sehen wir, dass im Flexionssystem und in der Aussprache des Alt-Litauischen anstelle der heutigen Laute dž, č die Lautverbindungen dž, tj standen. Später wurde in den Formen, in denen nach diesen tj, dj ein altes kurzes oder damals bereits gekürztes a stand (außer im Diphthong au), dieses im nordwestlichen Litauen wie e ausgesprochen; j, das vor e auftrat, musste nach dem Gesetz der historischen litauischen Phonetik schwinden (siehe [6] § 88 und [5] § 28), also tja, dja > tje, dje > te, de. Auf diese Weise begann man anstelle des altlitauischen *medjai, *medjamus, *medjais hier medei, medem(u)s, medeis. auszusprechen.

Der so entstandene Sprachgebrauch im nordwestlichen Teil Litauens wurde schon seit alters her Žemaičiai (Niederlitauer) genannt, der im Südosten dagegen Aukštaičiai (Hochlitauer).

Dieser Lautwandel, der die litauische Sprache in die žemaitischen und aukštaitischen Dialekte gliederte, wird heute von Stangas (siehe [5] § 28) als „žemaitisches Lautgesetz“ bezeichnet. Er trat im 15. Jahrhundert auf. In Dokumenten und Chroniken des 14. Jahrhunderts finden wir Ortsnamen (siehe [7] 23 ff.), die mit t, d geschrieben sind, z. B.: Gederaiten (Giedraičiai), Wandeiagel (Vandžiogala). Auch die Namen Aukštaičių ir Žemaičių werden in diesen Quellen mit t geschrieben. In Dokumenten vom Ende des 14. Jahrhunderts finden sich bereits Ortsnamen, die so geschrieben sind: Saltzeniken, Salsemiken (Šalčininkai), Salse (Šalčia – der Name eines Baches südlich von Vilnius), Anse (Ančia – Juodoji und Baltoji – Nebenflüsse des Nemunas). Die žemaitische Ančia derselben Quellen und aus derselben Zeit ist jedoch als Ante verzeichnet. Somit ergibt sich, dass die žemaitischen und aukštaitischen Dialekte Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts entstanden sind – genau kurz vor dem Druck des ersten Buches in litauischer Sprache.

Das Gebiet der žemaitischen Sprache (des Dialekts) war früher größer als heute: Die historische Grenze zwischen Žemaitija und Aukštaitija verlief entlang des Nevėžis. Heute wird das Viereck im Nordwesten der Litauischen SSR zwischen Darbenų, Vegėrių, Raseinių ir Žemaičių Naumiesčio zu Žemaitija gerechnet. Nach dem žemaitischen Lautgesetz wird auch das Dreieck zwischen Šilutės, Sartininkų ir Labguvos zu Žemaitija gerechnet – auch hier sagt man mėdei, jáutei … Außerdem wird hier auch der Lokativ Plural žemaitisch ausgesprochen: lauku’s ~ laukuse (auf den Feldern), und i, u > ė, o (mit Ausnahme der Fischermundart); der Dativ Singular wird jedoch aukštaitisch ausgesprochen: vi’roj, sū’noj ~ vyrui, sūnui. Somit handelt es sich hier um einen Übergangsdialekt zwischen Žemaitija und Aukštaitija.

3. Entwicklung und Hauptmerkmale des žemaitischen Dialekts

Die Verbreitungsgrenze des žemaitischen Lautgesetzes (t, d: č, dž) und die Grenze der unterschiedlichen Aussprache der Diphthonge ie, uo stimmen nahezu überein, mit Ausnahme des erwähnten Dreiecks. Heute unterscheiden wir aufgrund der unterschiedlichen Aussprache von ie, uo nicht nur Žemaitija von Aukštaitija, sondern gliedern auch Žemaitija in drei Unterdialekte – anstelle der Diphthonge uo, ie, die die Aukštaiten bereits damals hatten, sprachen die Žemaiten diese auf drei verschiedene Arten aus:

aukštaitisch uo: žemaitisch 1. ọˑ — dọˑna 2. uˑ — duˑna 3. ọu — dọuna ~ duona

aukštaitisch ie: žemaitisch 1. ẹˑ — pẹˑns 2. iˑ — piˑns 3. ẹi — pẹins ~ pienas

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Nach der unterschiedlichen Aussprache von „Brot“ werden die drei žemaitischen Mundarten Donininkai, Dūnininkai und Dounininkai genannt; nach der jeweils wichtigsten zugehörigen Stadt Klaipėda, Raseiniai oder Telšiai können wir sie Klaipėdiškiai, Raseiniškiai und Telšiškiai nennen. Eine Diagonale Upyna—Tverai—Judrėnai trennt die Telšiškiai von den Raseiniškiai. Den Klaipėdiškiai gehört das Küstengebiet von Kretinga bis Šilutė an. Man vermutet, dass e°, o° der Klaipėdiškiai (de'na, do'na) die alten Aussprachelaute aller Litauer sind, aus denen später die hochlitauischen Formen ie, uo sowie die žemaitischen Formen der Dūnininkai und Dounininkai entstanden (vgl. die volkssprachliche lateinische Form novo, italienisch nuovo, französisch nouveau). Daher nimmt man an, dass „Jaunius offenbar allein aus phonetischen Gründen behauptete, de'na und do'na der Klaipėdiškiai seien die Vorformen der Formen anderer Žemaiten: deina, di'na und douma, du'na. Tatsächlich weisen die in den Akten unseres Staates aus dem 16. Jh. erhalten gebliebenen Ortsnamen in ruthenischer Sprache darauf hin, dass die Žemaiten damals noch e, o ausgesprochen haben dürften. Unter den Ortsnamen, die auf das Gebiet der Dounininkai entfallen, konnte ich keinerlei Spuren von ei, ou finden. Die Akten schreiben gewöhnlich e, o, im Gebiet der Dūnininkai mitunter auch u, y. Das zeigt, dass hier die Entwicklung von e°, o° > i°, u° bereits eingesetzt hatte“ ([7] 26).

Zusammenfassend lässt sich diesen vermuteten Lautwandel kurz folgendermaßen darstellen.

Alt-litauisch ē, ō >

→ Hochlitauisch ie, uo → Žemaitisch e°, o° → Klaipėdisch e°, o° → Raseiniai i°, u° → Telšiai ei, ou

Nach den Ortsnamenformen in den alten Dokumenten ergibt sich, dass die heutigen drei žemaitischen Mundarten zwischen dem Ende des 16. Jh. und dem Beginn des 17. Jh. entstanden sind—also erst nach 1547, nach Mažvydas.

II. MUNDARTLICHE MERKMALE DES KATECHISMUS VON MAŽVYDAS

1. Phonetik

a) Vokale und Diphthonge

ė

Das geschlossene ė (aus *ē entstanden) wird bei den Žemaiten (mit Ausnahme einiger Orte um Priekulė) sowie früher stellenweise in Ostpreußen (z. B. um Tilžė u. a.) als ie ausgesprochen. Beispiele: bei den Telšiškiai unter den Žemaiten: t’ėlęs ~ Vater, tepied,āms ~ während man sich hinlegt ([8] 11), bei den Raseiniškiai: t’ėlęs ~ Vater ([8] 17), tupiedams ([9] 88), bei den Fischern: tieps ~ Vater ([10] 61), tupiedams ([10] 62). (Zum gleichen Wandel in anderen Sprachen vgl. die volkssprachliche lateinische Form cēlo, italienisch cielo, französisch ciel.)

Wann dieser Wandel in der litauischen Sprache einsetzte, lässt sich schwer mit Sicherheit sagen. Im Katechismus wird anstelle des ė der heutigen Literatursprache gewöhnlich e und bisweilen ie geschrieben. Nach k, g steht stets ie, doch kann das i hier ein Palatalisierungszeichen sein. Der Diphthong ie wird anstelle von ė in den folgenden Beispielen aus dem Katechismus geschrieben (siehe [1] und vgl. [5] § 26):

1) in der Wortmitte: cziesa (44, 2°; 54, 17; 69, 2), cziesi (57, 24), drebieghimu (36, 18/19), kieliese (21, 16), miliekiet (33, 11), milieia (33, 12),

2 Die erste Zahl bezeichnet die Seite des Katechismus, die zweite die Zeile.

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milieti (33, 19), niekakiui (35, 7), riedik (59, 1), sątiewąnems (33, 7/8), stawieti (12, 2), Tiewa (24, 11; 41, 2; 59, 8), Tiewai (35, 11), Tiewe (45, 2 ir 6; 48, 19; 54, 2), Tiews (65, 13), Tiewu (35, 8; 45, 15), turieti (37, 2), turietu (37, 21);

2) sekundär im Wortauslaut: miliek (38, 21; 58, 7), naktie (78, 5) ~ naktė(je), padiek (66, 24), pawizdiek (79, 5), rustibien (35, 11), szirdė (34, 20) ~ širdė(je), traiczie (45, 16), turiet (59, 6).

Dass hier lediglich eine Palatalisierung bezeichnet wird, wäre schwer zu glauben – hier ist das į viel häufiger als gegenüber dem alten kurzen ė (*ė). Wie das alte ē (lang) hier ausgesprochen wurde, lässt sich ebenfalls schwer sagen. Die häufigere Schreibung e statt ie könnte auch phonetisch nicht ganz zuverlässig sein. Die heutige žemaitische Aussprache ie anstelle des hochlitauischen ē (mit einem nicht ganz deutlichen i): dėt ~ dėl, tóp ied,á’ms ~ tupėdamas ([8] 15) erlaubt uns, zumindest teilweise zu vermuten, dass auch die Autoren des Katechismus so gesprochen und ausgesprochen haben.

o

Anstelle von ūk wird im Katechismus a und seltener o geschrieben. Wie es ausgesprochen wurde, können wir nur vermuten.

Heute sprechen die östlichen Hochlitauer ā, stellenweise ā (ā mit einem o-Beiklang und einer entsprechenden Färbung sowie ein reines ā). Auch bei den westlichen Hochlitauern, die heute o aussprechen, wurde früher ā gesprochen, später wurde es als å ausgesprochen. Heute haben außer den östlichen Hochlitauern auch einige der Klaipėdaer Žemaiten å, zum Beispiel: rāpe ~ ropė. Außerdem ist im Gebiet von Klaipėda näher bei Priekulė heute noch o gebräuchlich; alle übrigen Žemaiten verwenden in der Wortmitte anstelle des alten ā sowie des schriftsprachlichen o uo oder uo: muōtīnas ([8] 11) ~ motinos, muót, í’nas ([8] 17), nuórᵒ ([8] 10) ~ noru, nuórᵒ ([8] 17) ~ noru (noriu). Die Entwicklung verlief folgendermaßen: ā > å > ō > uo. Die Fischer Ostpreußens diphthongieren anders – sie wandeln o in oᵤ um (mit einem undeutlichen u nach o): šóuku ~ šoku, póunai ~ ponai ([10] 12).

Zur Zeit der Veröffentlichung unseres ersten Buches gab es in der litauischen Sprache, genauer gesagt im Dialekt des Katechismusautors, offenbar die zweite Entwicklungsstufe, denn neben Wörtern, die meist mit a geschrieben sind (z. B.: bralėi (8, 4), szadei (17, 2), szmaniu (17, 3) ~ žmonių, paczias (8, 2) ~ pačios), kommen auch etliche mit o vor. Mit uo geschriebene Formen finden sich gar nicht; dieser Laut ist offenbar viel später in Žemaitija entstanden.

Die Schreibung o kommt nur in den nachstehend aufgeführten Beispielen vor (siehe [1] und vgl. [5] § 22).

1) In der Wortmitte: altoriaus (28, 10), bilodams (26, 7), dony (32, 18 zweimal), klausitoius (36, 16), malonei (54, 10), malones (58, 12), mokik (67, 1), mokslas (13, 1), nota, notas (68, 2 und 4; 72, 4), Ponas (30, 19), raschose (13, 14), roda (10, 11), Rosza (73, 7) ~ rožė, skaitose (13, 14), schlowinni (58, 24), szodzia (30, 17).

2) In einer sekundären (später entstandenen) Endung: baszniczio (11, 6) ~ bažnyčio(je), iog (9, 9) ~ jogei, losko (63, 3), makitos (16, 17), saugok (57, 5), walio (12, 12), zwenok (31, 3).

Insgesamt (nach Stangos Zählung) 25 Belege mit o gegenüber 610 Belegen mit a, d. h. knapp 4%. Stangas meint, dass dieser geringe Prozentsatz lediglich ein zufälliges sporadisches Element aus dem Hochlitauischen (wahrscheinlich aus dem westlichen Hochlitauischen – J. S.) ist.

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Dialekte. Oder es wäre noch eine andere Vermutung möglich: Im Dialekt des Katechismusautors (der Žemaiten) wurde das alte ā damals als å ausgesprochen; bei schwankender Aussprache kann es natürlich gelegentlich auch beim Schreiben zu Schwankungen und Varianten kommen.

Hier müssen außerdem der ursprüngliche absolute unbetonte Auslaut und die Silbe des betonten Auslauts erwähnt und zugeordnet werden, in der auf ã (mit fallendem Ton; ã mit steigendem Ton war nach dem F.-de-Saussure—Fortunatov-Gesetz bereits verkürzt) ein s folgt; z. B.: szadėia (51, 17), szito (8, 6), wegen tawa (53, 25), nog amsžinas (55, 11), išz Marias mergas (21, 10), tos (9, 21).

In der absoluten betonten Endung zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Nach Stangos Berechnung wurden von 115 solchen Endungen im Katechismus 40 statt mit ã (dem langen a mit fallendem Ton) mit o geschrieben, d. h. 34,80%. Z. B.: Bo ant to (11, 20), taipo, kaipo (24, 7), ano (25, 17); ant ta (44, 1), ia (48, 2, 9), kaipa (54, 2). Im ersten Teil des Katechismus kommt o häufiger vor, im zweiten a.

Hier handelt es sich um Pronomen oder Partikeln; in solchen Fällen sind Einflüsse anderer Dialekte (und Schreibfehler) gewöhnlich am geringsten. Daher kann man annehmen, dass die Aussprache hier deutlich schwankte – es wurde ein tatsächlicher Zwischenlaut zwischen a und o gesprochen.

Aus alledem können wir schließen, dass im Katechismus neben dem alten ã auch bereits o vorkommt. Dies ist weniger auf den Einfluss eines anderen Dialekts oder Schreibfehler zurückzuführen als vielmehr eine Eigenheit des Dialekts des Katechismusautors. Dieses dialektale Phänomen setzte sich bei den Žemaiten vor 400 Jahren in Gang; Reste davon finden sich noch heute im Gebiet von Klaipėda. In den heutigen ostlitauischen Dialekten sind das alte ã und die Übergangsstufe å noch erhalten. Hinzuzufügen ist, dass das heutige žemaitische uo im Katechismus noch überhaupt nicht vorkommt; es ist demnach später (aus o) bei den Žemaiten entstanden.

e, u

Das unbetonte kurze e in der Wortmitte wird von den heutigen Žemaiten eng, also als i, ausgesprochen, z. B. bei den Dounininkai: pėimėni ~ piemenį, oudėga ~ uodega. Wie es zur Zeit des Erscheinens des Katechismus und im Dialekt seines Autors ausgesprochen wurde, bleibt unklar. Unbetontes e in der Wortmitte und im sekundären Auslaut wird im Katechismus stets als e geschrieben: neprietelius (52, 13; 58, 7), senigi (37, 13), atmen (10, 26). Ob dieses e im Katechismus ein Aukštaitismus ist oder ob sich dieses e bei den Žemaiten später verengt hat, lässt sich schwer sagen.

Das alte kurze i der litauischen Sprache wird heute in einigen Gegenden Žemaitijas offen, als e, ausgesprochen: kėts, pėrms ~ kitas, pirmas. Wie es vor 400 Jahren ausgesprochen wurde, können wir dem Katechismus nicht entnehmen. Aufgrund von Schreibfehlern wird es manchmal nicht von y unterschieden. An vielen Stellen wechselt im Katechismus kurzes i mit e, z. B.: preimtumbet (39, 15), miletumbetese (32, 22). Das deutet jedoch darauf hin, dass hier eine gewisse lautliche Verbindung mit der heutigen žemaitischen Aussprache besteht.

Das kurze u der Aukštaiten wird in einigen Gegenden Žemaitijas als ọ ausgesprochen: bộva ~ buvo, bu·tộmet ~ būtumėte. Im Katechismus finden wir diese Veränderung überhaupt nicht – entweder gab es sie damals in Žemaitija noch nicht oder sie wurde nicht gekennzeichnet; geschrieben wird: apturim (53, 20), žmagus (17, 8).

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ie

Anstelle des oberlitauischen ie wird im Katechismus gewöhnlich e geschrieben: ischletas (27, 3), letu-wynika (11, 26), wzenas (10, 1). Wie es tatsächlich ausgesprochen wurde, ist unklar. Nicht selten wird es auch mit ie und i geschrieben. Die Schreibweise ie ist offensichtlich oberlitauisch. Hier müssen jedoch noch Wörter unterschieden werden, die sowohl bei den Oberlitauern als auch bei den Niederlitauern mit ie ausgesprochen werden. Diese werden auch im Katechismus mit ie geschrieben (vgl. [5] 53). Dazu gehören: 1. slawische Lehnwörter (wiera), 2. Wörter mit nie- (niekakiu 35, 7) und 3. dievas. In diesen Fällen wird häufig auch e geschrieben: dewas (9, 25), Dewa (8, 18), greschnas (49, 3), greku (58, 11). Außerdem kommen im Katechismus gelegentlich Oberlitauismen auch dort vor, wo gewöhnlich e geschrieben wird. Eindeutige Oberlitauismen dieser Art (ie) gibt es etwa 65. Insgesamt ist das nicht viel. Daher sprechen Oberlitauismen dieser Art nicht dafür, dass der Verfasser und Übersetzer des Katechismus ein Oberlitauer gewesen sei. Im Gegenteil: Auch dort, wo ie nicht verwendet wird, finden sich einige typische Niederlitauismen. Die Form prisch entspricht niederlitauisch priš; die Oberlitauer haben prieš. Prisch kommt 14-mal vor, priesch dagegen nur einmal. Das oberlitauische mielas wird im Katechismus milas geschrieben und entspricht dem niederlitauischen mi·ls.

Niederlitauisch ist die Dativform des Plurals der Adjektive und Pronomen auf -im(u)s, die 21-mal neben fünf oberlitauischen Formen auf -iem(u)s, -em(u)s verwendet wird. Beispiele: Artimims (52, 3), darantimus (32, 2), gailintims (65, 12), Liantinnims (62, 10), sweikims (77, 3), tims (28, 1), wiresnims (32, 12). Dies ist eine rein niederlitauische Plural-Dativform — außerhalb des Niederlitauischen kommt sie nirgends vor. Die Schreibweisen temus (20, 14), tiemus (25, 4) sind, wie erwähnt, Oberlitauismen. Sie sind jedoch nicht so häufig wie diena (9, 5; 12, 13; 19, 2 u. a.), das sich offenbar als alltägliches Wort leichter mit fremder Phonetik verbreitet. Die übrigen Oberlitauismen sind fast alle Einzelbelege. Der Nominativ Plural der maskulinen pronominalen Adjektive mit -igi (= -iji) lässt sich nur auf Grundlage des niederlitauischen Dialekts erklären — das ältere niederlitauische e wird vor j assimiliert und zu i: wysagalintigi (21, 3), senigi (37, 13). Manchmal wird auch mit e geschrieben: schitegi (28, 5). Silvarta ist ebenfalls eine niederlitauische Form. Somit ist die Schreibung all dieser Formen mit i, dem im Oberlitauischen ie entspricht, ein wichtiges niederlitauisches Merkmal des Katechismus. Kein oberlitauischer Dialekt weist in diesen Fällen dieses i auf.

uo

Anstelle des oberlitauischen uo wird im Katechismus gewöhnlich o geschrieben, außer in Fällen, in denen der allen Niederlitauern gemeinsame lange ū-Laut vorliegt. Wie dieser Laut (o) ausgesprochen wurde, ist jedoch ebenfalls unklar. Zum Beispiel: Dona (23, 11), doty (9, 21), ischdotas (26, 4), schwentosius (20, 19), wando (24, 5). Oberlitauisches uo ist hier überhaupt nicht zu finden. Doch wie bereits erwähnt, ist auch in diesem Fall nicht zu erwarten, dass die Phonetik der Dūnininkai oder Dounininkai anzutreffen ist. Beschränken wir die Verwendung von uo und vergleichen sie mit den oberlitauischen Formen, finden wir hier auch einige typische Erscheinungen, die allen Niederlitauern gemeinsam sind. Niederlitauisch ist der Lokativ Plural der a-Stämme auf -usu (die heutige Form aller Niederlitauer auf -ūse, -ūs(e): hukiusu (8, 15), Metusu (79, 22), wargusu (54, 22) usw.; Ausnahme ist der Oberlitauismus Visosu daiktosu (8, 21)).

Niederlitauisch ist auch der maskuline Akkusativ Plural auf -usius: schaukien-cziusius (50, 10), der neben nur fünf Beispielen auf -osius (oberlitauisch -uosius) steht.

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Girtukle (29, 14), girtukles (30, 5) lassen sich mit Daukantas und Valančius’ girtūklis, dem dounininkischen gęrtūklis ~ girtūklis (girtuoklis), dem dūnininkischen girtūklis ~ girtūklis (vgl. [9] § 74, 12) vergleichen.

ai, ei

In Niederlitauen und Ostpreußen neigen diese Diphthonge zur Monophthongierung: mamāˑtė ([8] 17) ~ mamaite, āˑtė ([8] 15) ~ eiti. Im Katechismus werden jedoch überall Diphthonge geschrieben. Die vorkommenden Formen papekti (67, 12), neaplestumbi (79, 14) sind als Druckfehler anzusehen (vgl. [5] § 35). Es wird vermutet, dass diese Monophthongierung in den litauischen Dialekten erst in späterer Zeit auftrat.

b) Das žemaitische Lautgesetz

Dieses Gesetz muss auch hier noch genauer erörtert werden. Ausgehend vom Dialekt der Dūnininkai lässt sich die Wirkung dieses Gesetzes folgendermaßen beschreiben: Vor den auslautenden ia, iai (aus dem alten ā, āi nach einem weichen Konsonanten), iams der Literatursprache kennt der žemaitische Dialekt keine Affrikaten, mit Ausnahme der Substantive der IV. Deklination (iu- Stamm): gaidē̇ ~ gaidžiai, jāu̇tė ~ jaučiai, gaidē̇ms ~ gaidžiams, grȧu̇.dė ~ graudžiai, āˑud, kęˑnt... (siehe [9] § 55); aber rāˑtšių ~ rāčius, rāˑtšēˑ ~ račiai... ([9] § 91). Ausführlicher wird es in der Monographie „Der Dialekt der litauischen Fischer in Preußen“ erläutert — insofern seine Wirkung dort (am Kurischen Haff, im Gebiet südlich von Rusnė und Labguva) auftritt (siehe [10] S. 19 ff.): Vor ia, iai der Literatursprache bleiben d, t erhalten: mėˑld ~ meldžia, kęˑnt ~ kenčia, žōˑudemus ~ žōdžiams, trēts ~ trēčias, jautēˑms ~ jaučiams, širdēi ~ širdžiai, grȧu̇.dei ~ graudžiai, gaidēi ~ gaidžiai, βōˑkietei ~ žōbėdžiai, sū jautēis ~ sū jaučiāš; dagegen werden vor ią, iau, io, iu (iū), ių der Literatursprache sowie vor ia, das sich aus einem alten langen Vokal verkürzt hat, die Affrikaten dž, tš gesprochen: sal.džē ~ saldžia, βaˑl.džē ~ valdžia, plāˑtše ~ plačia, māˑr.tše ~ marčia, gul.džā.u ~ guldžiau, saldžā.us ~ saldžiaus, matša.u ~ mačiau, saldžōˑus ~ saldžios, mēˑdžē ~ medžio, daˑn.gtsē ~ dangčio, kartšōˑus ~ karčios, gai.džū ~ gaidžiu, girdžū ~ girdžiu, kentšū ~ kenčiu, šir.džū ~ šir.džiu, βaˑltšū ~ valčių, βaldžē ~ valdžia (<*valdįā), deltšē ~ delčia (<*deltįā), sū širdžē ~ sū širdžia (<*širdįā), sū naktšē ~ sū nakčia (<*naktįā), didžēs ~ didžias (<*didįās), kartšēs ~ karčias (<*kartįās). (Siehe [3] 1, LIX ff. und vgl. [5] § 28.)

Nach diesem žemaitischen Lautgesetz sind Sprache und Dialekt des Katechismus von 1547 eindeutig žemaitisch. Das Gesetz ist konsequent bewahrt, mit Ausnahme nur einiger aukštaitischer Formen.

Zum Beispiel: kientenczius (61, 4) ~ kenčiančius, pateme (30, 15) ~ pačiame, tretes (21, 8) ~ trečias, geidenczius (50, 11; 59, 3) ~ geidžiančius, schirde (43, 4) ~ širdžia, szadei (auf dem Umschlag) ~ žodžiai,

aber: szadzia (12, 13) ~ žodžio, treczia (17, 15) ~ trečia, didziap (10, 7) ~ didžiop..., denn zur Zeit der Entstehung des žemaitischen Gesetzes gab es hier noch den alten litauischen Langvokal a (ā). Zu demselben (žemaitischen) Gesetz gehört auch nach

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weichen Konsonanten a > e. Auch in dieser Hinsicht ist das Gesetz bewahrt. Zum Beispiel: didesneme (28, 15) ~ didesniame, tiesausesis (25, 22) ~ tiesiausiasis.

Die Ausnahmen vom žemaitischen Gesetz sind nur einige aukštaitische Formen, nämlich: gieidža (29, 9) ~ geidžia, treczas (19, 1) ~ trečias, patvaraianczias (30, 9, 10) ~ patvaro-jančios, krauias (76, 5) ~ kraujas, nenauias (29, 20) ~ nenaujas, walia (36, 22) ~ valia (Singular Instrumental). (Siehe [5] § 28.)

Wenn wir alle Laute durchgehen, werden wir sehen, dass sowohl viele einzelne Laute – ganz abgesehen vom žemaitischen Lautgesetz – als auch die Gesamtheit der Laute žemaitisch ist oder sein kann und ein klares Bild des žemaitischen Lautsystems ergibt. Daneben treten nicht wenige aukštaitische Merkmale auf. Für diesmal beschränken wir uns hier auf die charakteristischsten und wichtigsten Fälle. Außerdem wurde hier gewöhnlich die Wortmitte herangezogen; die Endung wurde nur dort berücksichtigt, wo dies nahezu unvermeidlich war (z. B. bei der Erörterung von o).

c) Verkürzung der Endungen

In den Dialekten unterscheiden sich die lautlichen Veränderungen am Wortanfang oder im Wortinneren häufig von denen in der Endung. Nachdem wir die wichtigsten Besonderheiten der Laute im Wortinneren des Katechismus betrachtet haben, wenden wir uns nun gesondert den Endungen zu.

Heute hat sich die Wortendung vor allem in Nordlitauen und teilweise in Westlitauen verändert: Kurze Vokale schwinden fast immer, lange werden zu kurzen, Diphthonge zu Monophthongen.

Was geschieht mit der Wortendung im Katechismus?

a

Der unbetonte kurze Vokal a in der absoluten Endung fällt aus: atmen (10, 26), dirb (31, 10), gier (12, 14) ~ gera, piln (53, 12) ~ pilna. Dies entspricht der heutigen Aussprache der Žemaiten. Mit der žemaitischen Aussprache stimmt natürlich auch der Schwund des e überein, das gemäß dem žemaitischen Lautgesetz entstanden ist (e < *jā): gieid (29, 10) ~ geidžia, neapkient (20, 13) ~ neapkenčia; sogar eine ganze Silbe wird abgeworfen (-je < *-jā): karaliau (63, 5) ~ karaliauja.

Das auslautende a vor s, also nicht in der absoluten Endung, bleibt häufig erhalten; nach Stangos Zählung kommt das hier erhaltene a etwa 160-mal und das ausgefallene 38-mal vor. Beispiele für den Ausfall sind: deschuns (47, 11), gals (39, 16), ischganims (56, 22), Pans (44, 2), pilns (65, 10), stals (77, 7), welns (53, 10; 78, 9) usw. Diese Aussprache steht derjenigen der Žemaiten sowie einiger Litauer in Nordlitauen und in Ostpreußen am nächsten.

i

Das auslautende i der 3. Person des Verbs der I. Konjugation fällt im Katechismus fast immer aus: gal, mil, nar, tik, tur. Das auslautende i bei Verben mit konsonantischer Konjugation fällt bisweilen aus, bisweilen nicht, z. B.: est (28, 3; 30, 15 usw.), dost (71, 18), giest (63, 16 usw.), esti (17, 8 usw.), dosti (25, 4 usw.), serkti (70, 3). Somit ist im Katechismus der vollständige Schwund des auslautenden i in diesen Fällen noch nicht eingetreten, wie es in den heutigen Žemaiten bereits geschehen ist. Eine ähnliche Erscheinung

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Wir werden dies mit diesem und anderen Fällen vergleichen. Außerdem ist zu beachten, dass das į im Imperativ und mitunter auch anderswo gewöhnlich beibehalten wird, und zwar in den Zehn Geboten (also nicht in der Alltagssprache) — ne tureki, Ne gimki, Ne užsmuschki, ne waky…

Außerdem ist zu beachten, dass das im Katechismus erhaltene į unterschiedlichen Ursprungs ist, in den heutigen Mundarten verschieden ausgesprochen wird und im Katechismus meist im Wechsel mit e auftritt: z. B. im Singular-Lokativ: dąngugį (48, 1) und dąnguie (74, 22), dienagį (79, 23), izsguldimį (25, 7), stany (18, 8)…; galwoie (33, 10), kune (79, 10), szemeie (23, 10)… Offenbar lag hier eine schwankende Aussprache zwischen į und e vor, wie sie sich auch heute bei den Žemaiten oder in anderen Mundarten findet, z. B. bei den raseinischen Žemaiten påtēm,ę i.sėdėgem,ę ([8] 19) ~ beim eigentlichen Sich-Anzünden.

Etwa dasselbe lässt sich auch über das Reflexivpartikel -si. sagen. In nicht endständiger Stellung wird sein Vokal von manchen heutigen Žemaiten offen ausgesprochen (-se-); in der Endung ist er ebenfalls zu einem offenen Vokal geworden, nur noch halb hörbar oder ganz weggefallen: šokū'rọše ~ sich aufgeschwungen ([8] 19). Im Katechismus steht in den Endungen meist -se, gelegentlich auch -si: kieliese (21, 16), makinase (30, 23), raschose (13, 4), skaitose (13, 14)…; dabaiesy (34, 15), stebisi (72, 7). In den Džūken und in Ostpreußen ist das e hier deutlich ausgeprägt (-se). Das lässt vermuten, dass das e (-se) im Katechismus vielleicht weniger eine mundartliche Form als vielmehr ein Archaismus ist.

ė

Heute wird das unbetonte auslautende -ė in den Mundarten der Žemaiten, der nordwestlichen Aukštaiten sowie in den ostpreußischen Mundarten zu -i oder gekürzt: dã·vi ([8] 18) ~ gab, pamã·te ([8] 11) ~ sah. Im Katechismus wird hier gewöhnlich e geschrieben (gekürzt): padare (9, 26), milaschirdigiste (20, 14).

Zu ė in der sekundären Wortendung siehe oben. Über auslautendes o wurde ebenfalls bereits gesprochen. Ohne die übrigen auslautenden Laute einzeln zu erörtern, muss hier noch zumindest die Kürzung der Lokativformen erwähnt werden.

-je

Heute sind die Lokativformen in fast allen Mundarten größtenteils gekürzt und verändert. Dasselbe gilt für den Katechismus. Zum Beispiel: baszniczio (11, 6), diena (55, 10), wailo (12, 12), walia (67, 4), malane (47, 15), karaliste (63, 6), szeme (51, 8), dąngui (28, 22 und weitere), Karaliaučiu. Diese Merkmale der Endungskürzung finden sich heute in den Mundarten der Žemaiten, der nordwestlichen Aukštaiten und in anderen Mundarten.

2. Morphologie

In der Morphologie ergibt sich dasselbe Bild wie in der Phonetik, obwohl hier das hochlitauische Element deutlicher hervortritt. Ohne hier alle grammatischen Kategorien zu untersuchen (einiges wurde bereits in der Phonetik berührt), nehmen wir nur Beispiele für Substantive mit ia- und i-Stamm sowie das Pronomen tas (siehe Tab. 1). Bei ihrer Deklination vergleichen wir sie mit der Deklination in Salantai (Donininker-Dialekt) und Pagramantis (Dūnininker-Dialekt). Neben den in Pagramantis überall bewahrten Formen mit phonetischer Schreibweise werden Entsprechungen in der Schriftsprache angegeben.

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Tabelle 1

Katechismus 1 | Salantai 2 | Pagramantis 3 | Katechismus 1 | Salantai 2 | Pagramantis 3 N. | szadīs, krātus | jāutis krātus | blēs~vēs<veias | dalīs | akēs | sirātis G. | szadžia | krātujā | blēde~vējo | matkes, nak~tis, ognis | akēs, ognis | sirātis~sirdies D. | jauczinū | krātujū | blējū~vējo | szirdij, iš mūnzei | akēi | szirdē~sirdžiai (sirdėj) Akk. | szadī, krāngī | jāutis, krāngī | blējin~vēji | ogni | ari | sirādī Instr. | szadīzū | krāngū | blējū~vēju | szirai, -e | akē | sirādū, m. Vok. | szadēgi, krāngē | jāutē, vējē | blēgē~vēję | mateie, nakie | akē | sirādē~sirdie Lok. | smēti | bāldonai | (blēi~vēii) | vescėpate | — | (sirdis) N. | szadēi | krāngīe | blēiē~vēja | dalīs | akīs | sirādīs~sirdys G. | szadīzū | krāngū | blēiū~vēju | akēu | akēu | sirādēu D. | szadēnis | krāngēnis | blēiams~vēiams | akēnis | sesērinis | sirādī~mis Akk. | szadītis | krāngītis | blēius~vēius | sēmeppatis | akēs | sirādīs Instr. | szadēns | krāngēns | blēiīs~vējas | akēnis | sesērinis | sirādē~m~sirdimis Vok. | lukštasu | krāngīas | blēiīs~vēju | — | sēseržes | sirādē Katechismus 1 | Salantai 2 | Pagramantis 3 N. | tas (aī) | tas | tas G. | to, ta | tito~tō | tūo~tō D. | tam | tam | tā~m Akk. | tā | to~n~tai | — Instr. | tu | toi~tuon | tū~tuo, tū~m., tumī, tū~m~tuom Vok. | tame, visamy | tame | — Lok. | — | — | — N. | te | tēi | tiė G. | tu | tum | tū D. | tims, t(2)em(u)s | tins | ti~m~tims Akk. | tis | tis | tis~tus Instr. | tais | tais | — Vok. | — | tūž | tū?s

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Entsprechungen in den Schriftzeichen der Sprache. Die Beispiele der ersten beiden Spalten stammen aus der Studie von Ch. Stang (siehe [8] 163), die der dritten wurden aus der Dialektbeschreibung von P. Jonikas zusammengestellt (siehe [9]).

Wir sehen, dass einige Kasusformen der Katechismusbeispiele stärker mit denen von Pagramantis übereinstimmen, andere wiederum mit den Formen von Salantai; es gibt auch gemeinsame žemaitische Merkmale, z. B. tims, tus. Darüber hinaus gibt es deutliche Abweichungen – hochlitauische Merkmale, z. B. jauczui, nakties, und altertümlichere žemaitische Formen, z. B. die Singular-Instrumentalform tu, die uns von Daukantas bezeugt wird. Die Form ischmintiei kommt im Memelland und um Kelmė vor. Dass sie auch den Dounininkern nicht fremd ist, zeigt das Salantaiser akēi. Dies ist eine jüngere Form. Die ältere Dativform lautet szirdij (mit der Endung -i oder -ij). Der Singular-Genitiv des i-Stamms tritt in drei Formen auf: die hochlitauische -ies (nakties), neben der häufiger -es vorkommt; dies ist meist bei Wörtern der Fall, die auf der Endung betont sind. Wörter mit Stammbetonung haben gewöhnlich -is: ugnis (zum Stammakzent von ugnies … siehe [11] § 66), doch ist diese Endung kaum žemaitisch. Vgl. [5] § 331. Die Plural-Lokativform hukiusu (= ūkiusu) ist ebenso wie tims, tus ein allgemein verbreitetes, typisches žemaitisches Merkmal. Von der heutigen žemaitischen Form unterscheidet sie sich nur dadurch, dass sie noch die alte Endung u aufweist. Vgl. ferner die Dūnininker-Formen βai kū's ~ vaikūse, gerū's ~ gerūse, die Dounininker-Form gerū's ([9] §§ 81 und 103) sowie die Form der ostpreußischen Fischer (zwischen Rusnė und Labguva) girtū:klis ~ girtūklis, βi:tū:klis ([10] 25). Die Singular-Lokativformen des Katechismus szadegi, kraugeie sind Formen des ė-Stamms, ebenso wie z. B. žemėje; dasselbe gilt für nakteie, naktie (die Silbe -je ist ausgefallen) ~ naktėje. Dasselbe Stammvokalismus findet sich in den Beispielen aus Salantai und Pagramantis: jáutie, βiejie ~ jautėje, vėjėje, ākie ~ akėje, ʒirdie ~ širdėje. Somit sind hier die ia- und i-Stämme in den ė-Stamm übergegangen. Dieser Übergang kommt auch bei anderen Stämmen vor. So ist es im Katechismus, offenbar in ganz Žemaitija und teilweise auch im Dialekt der ostpreußischen Fischer. (Vgl. [9] §§ 79, 83, 87 und [10] 31.) Die übrigen Kasus sind entweder durch Kürzung der Endungen, durch allgemeine phonetische Merkmale des žemaitischen Dialekts oder dadurch zu erklären, dass den Žemaiten zur Zeit der Herausgabe des Katechismus einige heutige Merkmale – sowohl phonetische als auch morphologische – noch fehlten. Außerdem gibt es, wie bereits erwähnt, einen beträchtlichen Anteil hochlitauischer Merkmale.

3. Wortbildung

Bereits anhand der Morphologie haben wir festgestellt, dass insbesondere im Singular-Lokativ des Katechizme, wie auch im gesamten Žemaitija, ein vom heutigen literarischen Sprachgebrauch abweichender Stamm vorliegt. Ähnliche Stammabweichungen fänden wir natürlich auch in allen Kasus. Anstelle des heute etablierten Adjektivstamms u- findet sich der ältere, allen Litauern gemeinsame a- Stamm: biauras, Gen. Sg. biauraia (41, 4), ramas, Nom. Pl. ramij (37, 13) ~ ruhig, stiprij (37, 14) ~ stark.

Bei den Žemaiten wird das Suffix -ima- in adjektivischen Substantiven stärker als anderswo bevorzugt: karštimas (heißer Umschlag – Vieksniai), plonimas (Schläfe – Endriejavas, Kvėdarna, Salantai). Mit diesem Suffix ist nur aus dem Katechismus das Wort biaurimas (53, 4) belegt (Unanständigkeit, Sünde) – anderswo ist es nicht bekannt. Auch skaitlius (31, 4) fällt durch seine Wortbildung auf; das Wort ist heute oder war früher vor allem bei den Žemaiten und in Ostpreußen bekannt. Vgl. [12] § 106. Besonders charakteristisch für den Katechismus ist das Suffix -auyima-: kiersch­taugimas (35, 15; 36, 9) ~ du rächst dich-

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-mas, paliauginimas (47, 9) ~ paliaujimas, kariaugimas (55, 3). Bildungen dieser Art begegnen uns noch in den Schriften Bretkūnas’ (vgl. [13] 2, 129 und [14] Josua IV 13) und sonst nirgendwo; daher lässt sich schwer sagen, ob es sich um ein Gebilde der Schriftsprache oder der Umgangssprache handelte. (Vgl. [12] §§ 126, 210.)

Wir wissen, dass die Žemaiten attributive Adjektive heute ebenso wie besonders früher gern verwenden. Auch im Katechismus gibt es davon reichlich. Hier seien nur einige aus einer einzigen Seite, S. 25, angeführt: piktai welna (2), milasjis die was (7), schwentągi kuna (11), teisusis kunas (16), teisjausesis liudimas (22).

Die Suffixe -ininka- und -inyka- sind beide in der gesprochenen Sprache weithin bekannt. Das erste verwenden hauptsächlich Žemaiten, die Hochlitauer südlich des Žemaitenlandes sowie die Dialekte Ostpreußens, das zweite die östlichen, mittleren und südwestlichen Hochlitauer (in der Gegend von Prienai, Kapsukas und Vilkaviškis). Früher war es weiter verbreitet. Es findet sich bei den älteren ostpreußischen Schriftstellern Bretkūnas, Vilentas, Vaišnora u. a. (vgl. [12] § 92). Es findet sich bei Valančius und Daukantas. Es ist, -inyka-, nicht -ininka-, auch im Katechismus belegt: Letuwininkump (8, 2), neteisininku (29, 1 und 4 von unten), hwkiniku (33, 1), Letuwinikus (39, 6).

Anstelle des Suffixes -aitė finden wir im Katechismus -eitė, etwa in tarneitė: Pl. Nom. tarneies (36, 13), Sg. Dat. tarneitei (57, 12). Es ist auch in Bretkūnas’ Schriften belegt.

Bei den Žemaiten ist der Imperativstamm in den -ia--Stamm übergegangen: z. B. in Pagramantis e.i.kâm ~ eîkiame, e.i.kât ~ eîkiate (vgl. [9] § 149). Hier könnte man auch die Formen des Katechismus vergleichen: garobkiem (48, 14), imkiet (8, 4; 29, 8), giwenkiet (9, 14), permanikiet (11, 7), makikiet (24, 10) usw. Hier ist i nach k ein Weichheitszeichen; e kann anstelle von a stehen, sofern es nicht auf i zurückgeht. (Vgl. [5] § 31.)

Unter den Hochlitauern ist das Suffix -ana bemerkenswert: daruona (47, 3 und 10) anstelle der žemaitischen Form -ena: dovena, dovenoti.

4. Wortschatz

Wie die Wortbildung, so bietet auch der Wortschatz selbst nur wenig, um den Dialekt des Katechismus kennenzulernen und zu bestimmen. Dem steht der Inhalt des Buches entgegen, für dessen Ausdruck sehr allgemeine sprachliche Mittel dienen, die sich anschließend meist in den Schriften anderer Autoren mit gleichem oder ähnlichem Inhalt wiederholen. Selbst ein so typisches Wort wie daugsinti ~ dauksink (50, 2) findet sich bei Bretkūnas, Daukša ([15] 106) und Donelaitis. Oder die zu einem Altertum und Archaismus gewordene Konjunktion betaig (52, 9), betaigi (37, 7) ist bei Bretkūnas ([14] 2, 104), Vilentas ([16] 15), Daukša ([15] 37 und 598) und in anderen alten Schriften belegt.

Dennoch finden wir das eine oder andere Wort, das den Žemaiten seiner Form oder Bedeutung nach eigen ist: druktybė (53, 5) ~ drūktybę („Stärke“) ist mit žemaitisch drūkst, ans zu vergleichen; weizdedauau (11, 4) („ich pflegte zu schauen“) ist ebenfalls den Žemaiten zuzuordnen. Außerdem seien hier didžiaus (31, 9) in der Bedeutung „besonders“ und weikiaus (10, 6) („eher“) erwähnt.

Unter den charakteristischeren hochlitauischen Wörtern seien genannt: trėkti—netrėkiet (16, 22) („nicht zerstören“, heute nur den Dzūken bekannt), vėzu (33, 13) ~ ūžu („für“), das Präfix ata-: attadokiet (32, 17) u. a. Natürlich können manche dieser Formen auch Archaismen sein.

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III. EINIGE SCHLUSSFOLGERUNGEN

1. Die Lokalisierung des Katechismus von Mažvydas in der samogitischen Mundart

Nachdem nachgewiesen ist, dass die dialektale Grundlage der Sprache des Katechismus die samogitische Mundart bildet, bleibt noch zu zeigen, welcher samogitischen Gegend und Untermundart er am nächsten steht. Das ist schon eine schwierigere Frage. Zwar kommt Ch. Stang, wie bereits eingangs erwähnt, auf der Grundlage seiner sorgfältigen wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Schluss, dass im Katechismus das nordwest-samogitische Dialektelement am deutlichsten hervortritt. Nach Ch. Stang müsste Mažvydas, sofern die dialektale Grenze zwischen den Dūnininkai und Dounininkai zu seiner Zeit dieselbe war wie heute, aus der Gegend westlich der Linie Švėkšna — Kvėdarna — Varniai — Raudėnai stammen (vgl. [5] S. 168). Mažvydas war demnach kein Dūnininkas. Im Folgenden (§ 335) versucht Ch. Stang, A. Schleicher’s Argumente zu widerlegen, denen zufolge Mažvydas dem Gebiet von Klaipėda zugeordnet wird. Mažvydas war also kein Donininkas. Insbesondere wenn man Ch. Stang folgt, bleibt nur, Mažvydas den Dounininkai, also den nordwestlichen Samogiten, zuzuordnen. Obwohl dies nicht ausdrücklich gesagt wird, scheint es nach einigen von Ch. Stang behandelten phonetischen Sprachdaten (vgl. [5] S. 169), dass er Mažvydas nicht in die äußerste nordwestliche Ecke verlegen möchte. Schließlich erklärt Stang (§ 337), dass er eine noch genauere Lokalisierung nicht zu wagen vermöge.

Ohne das gesamte von Ch. Stang verwendete Material eingehend überprüfen oder fehlendes Material ausreichend ergänzen und darauf gestützt eigenständig Schlussfolgerungen ziehen zu können, müssen wir fast alle seine Aussagen im Großen und Ganzen zustimmend aufnehmen. Ch. Stang hat sich um die litauische Philologie nicht nur durch diese eine Untersuchung verdient gemacht. Besonders zu erwähnen ist hier sein Beitrag zur Beschreibung der „Mundart der litauischen Fischer in Preußen“. Es ist geradezu erstaunlich, dass ein Ausländer – ein Norweger – so gelungene Untersuchungen litauischer Mundarten vorlegt. Das lässt auch seiner Studie über die Sprache des Katechismus von Mažvydas mit Vertrauen begegnen, in der die Dialektfrage, wenn auch nicht vollständig, behandelt wird. Der in der litauischen Philologie bekannte Professor E. Frenkel äußert sich sehr anerkennend zu dieser Studie und schreibt: „Was die Mundart von Mažvydas betrifft, die Stang im folgenden Teil seines Buches untersucht, können wir der Meinung dieses Gelehrten zustimmen, dass der Schriftsteller eine der nordwest-samogitischen Mundarten verwendet. Doch können wir vorläufig nicht genau feststellen, welche davon er spricht. Sicher ist nur, dass Mažvydas nicht im Gebiet von Klaipėda geboren wurde. Schon die Tatsache, dass er kein Deutsch konnte, lässt es nicht zu, Mažvydas’ Heimat in Kleinlitauen zu suchen. Ch. Stang nimmt an, dass die Ostgrenze der Mundart von Mažvydas durch eine Linie gebildet wird, die von Švėkšna über Kvėdarna und Varniai bis Raudėnai verläuft. Mažvydas schreibt nicht rein samogitisch; er verwendet auch einige Merkmale der hochlitauischen Mundarten. Das ist nicht verwunderlich: Mažvydas ist schließlich ein Cousin von Vilentas, das heißt eines Hochlitauers. Kirchliche Dinge gibt Mažvydas im Allgemeinen nach den Regeln der hochlitauischen Mundart wieder. Stang hat die heutigen samogitischen Mundarten gründlich erlernt. Er hat Litauen mehrmals besucht, insbesondere das Gebiet Samogitiens. Bei Zweifeln an der Form samogitischer Wörter wandte er sich an Wissenschaftler, die in dieser Gegend lebten, und stützte sich auf ihre Angaben, um die Mundart von Mažvydas zu untersuchen und deren Ort möglichst genau zu bestimmen, auch wenn er nicht verschweigt, dass die Grenzen der Mundarten von Mažvydas und der Gegenwart nicht in jedem Fall übereinstimmen“ ([17] 141).

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Dass Ch. Stangs Lokalisierung nicht unbegründet und nicht aus der Luft gegriffen ist, dafür wollen wir noch ein oder zwei Sprachdaten anführen (manches wurde bereits zuvor gesagt).

Der Wechsel im Lokativ Singular zwischen e (entstanden aus *en) und i (Galwagi 24, 9: galwaie 33, 10) lässt vermuten, dass in der Mundart des Katechismus ein enges e oder ein offenes i gesprochen wurde. Diesem Lautstand kommt die Aussprache der mittleren Samogiten am nächsten, die der südlichsten am wenigsten; die Aussprache der nördlichen ist wegen der Kürzung der Endungen unklar. So sagt man zum Beispiel in Pagramantis: patšėmė dugnė ([9] 88) ~ auf dem Grund selbst, in Švėkšna — pâtėm,ė i:sėdėgem,ė ([8] 19) ~ patėmi, -e įsidėgemi, -e, in Telšiai — pâtėm,ė dōgn,ė ([8] 11). Dasselbe gilt für den Instrumental Singular und andere ähnliche Fälle.

Wären die Verbreitungsgrenzen der Formen davė: devė im 16. Jahrhundert dieselben wie heute, könnte Mažvydas weder aus der südöstlichen Ecke Samogitiens noch aus dem Küstengebiet westlich der Linie Veiviržėnai — Kartena — Salantai — Mosėdis stammen. (Vgl. [5] 168.) Die ältere Form sei davė, doch Mažvydas hat bereits devė: deve (11, 10; 26, 6), izadzewe (33, 13). Heute hat ganz Mittelsamogitien devė; so sagen es auch die Leute um Biržai und die Fischer Ostpreußens. Dass Mažvydas nicht aus dem Küstengebiet, also auch nicht aus dem Gebiet von Klaipėda, stammt, zeigen nach den heutigen Sprachdaten zudem die heutigen Küstensamogiten (Plungė, Salantai, Skuodas, Kretinga, Klaipėda), die in den Stammauslauten überhaupt keine Affrikaten haben. So sagen die Küstensamogiten, die Affrikaten vermeiden: būtio, matiau, vediau ~ būčiau, mačiau, vedžiau, während wir im Katechismus derartige Formen noch nicht antreffen.

Ist Mažvydas vielleicht gerade deshalb, weil er in Königsberg studierte und den Katechismus dort herausgab, als preußischer Litauer bezeichnet und für den ersten Schriftsteller Kleinlitauens gehalten worden; vgl. zum Beispiel folgende Aussage: „die ersten Schriftsteller Kleinlitauens (Mažvydas, Vilentas, Bretkūnas …)“ ([18] 14). Wahrscheinlich entsteht deshalb auch die Neigung, die Sprache und Mundart des Katechismus selbst mit dieser Gegend gleichzusetzen, zumal auch A. Schleicher den Katechismus von Mažvydas der Mundart von Klaipėda zuordnet, offenbar ohne das geografische Gebiet näher abzugrenzen.

Somit zeigen alle angeführten Sprachdaten vor allem, dass die Mundart des Katechismus den heutigen nordwestlichen (mit Ausnahme der äußersten Ecke) und mittleren samogitischen Mundarten am nächsten steht. Sprach- und Dialektdaten, die eindeutig dagegen sprächen, seinen Autor und Übersetzer dort zu verorten, haben wir offenbar nicht.

2. Das Element des hochlitauischen Dialekts in Mažvydas’ Katechismus

Auf einige im Katechismus vorkommende hochlitauische Merkmale haben wir bereits bei verschiedenen Gelegenheiten hingewiesen. Hier bleibt nur, manches an einer Stelle hervorzuheben oder zu wiederholen.

Betrachtet man die lautlichen Gesetze des Niederlitauischen, so finden wir insgesamt nur sechs hochlitauische Merkmale, z. B.: gieidza (29, 9), treczas (19, 1)… (vgl. Abschnitt II, 1, b dieses Artikels).

Auch zahlreiche hochlitauische Merkmale finden sich dort, wo der Diphthong ie gebraucht wird. Diese hochlitauischen Merkmale sind jedoch von zweierlei Art. Die einen, die man als gemeinsprachliche bezeichnen kann, werden von Hochlitauern und Niederlitauern gleich ausgesprochen; hierzu gehören die Wörter: a) dievas,

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b) irgendein (in der Verneinung nie-), c) slawische Lehnwörter, z. B. Tier. Andere kommen in verschiedenen Einzelfällen vor. Das häufigste hochlitauische Wort hier ist Tag, offenbar als besonders beliebtes und alltägliches Wort; für seltener oder nur einmal vorkommende Beispiele haben wir verschiedene: bleibt (22, 11 und 13), befiehl (56, 13 und 21), Licht (39, 19), schieb (47, 6), schied (73, 8), stieß (25, 4), Gericht (34, 20), Wein (54, 17), Weißspatz (55, 12).

Der hochlitauische Diphthong uo ließ sich im Katechismus überhaupt nicht finden. Als hochlitauische Merkmale können nur solche gelten, bei denen im Katechismus anstelle des bei allen Niederlitauern vorkommenden ū (bei Mažvydas gewöhnlich u) o geschrieben wird; davon gibt es nur: Visosu daiktosu (8, 21), schwen-tosius (20, 19).

Beim Pronomen man a sprechen die Niederlitauer an seiner Stelle o, u aus. Dass diese Erscheinung im Litauischen alt ist, dürfte ein Beispiel aus einem Dokument von 1572 zeigen: kaip mon dewas padieck ([19] 39, 16). Im Katechismus steht hier a – wie bei vielen Hochlitauern.

Anstelle der niederlitauischen duovena, duovina (~ dovena) steht im Katechismus dawana (47, 3) ~ dovana; ebenso dawanati (10, 4) ~ dovanoti.

Noch mehr solche oder andersartige hochlitauische Merkmale verschiedener Art ließen sich finden. Besonders fallen jedem außerdem lexikalische oder morphologische Besonderheiten ins Auge (z. B. a--Stamm-Dativ — jauczui (31, 11). Zu beachten ist jedoch auch, dass der Wortschatz angesichts des Inhalts so allgemein und begrenzt ist, dass es kaum ratsam erscheint, daraus irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen.

Dass unter den hochlitauischen Dialekten hier kein ostlitauisches oder dzukisches Element vorliegt, muss wohl nicht erst bewiesen werden. Solche Erscheinungen wie etwa attadokiet (32, 17) sind höchstwahrscheinlich Archaismen – sie finden sich auch in anderen alten, nicht ostlitauischen Schriften, z. B. bei Petkevičius ataduome ([20] 32). Die Verkürzung und Kürzung unbetonter langer Endungsvokale stimmt mit der Aussprache der nordwestlichen Hochlitauer überein. Allgemein lässt sich sagen, dass die hochlitauischen Merkmale aus der Sprache der nordwestlichen Hochlitauer stammen.

Da wir über die Ursachen dieses ausgeprägten hochlitauischen Dialektelements nichts Sicheres wissen, können wir nur Vermutungen anstellen. Zu nennen sind: 1) Verwandtschaft und Zusammenarbeit mit dem hochlitauischen Vilentas; 2) weitere hochlitauische Helfer und Mitarbeiter; 3) gemeinsame Studien Mažvydas’ und seiner Mitarbeiter sowie die Herausgabe des Katechismus in Königsberg; 4) die mündlich verkündeten religiösen Inhalte könnten bereits irgendwie verallgemeinert worden sein und versucht haben, sich anderen Dialekten anzupassen; das Ziel der Vereinheitlichung und Anpassung dürfte auch dem Verfasser des Katechismus nicht fremd gewesen sein, zumal er sich an die „milosius bralius ir seseris Letuwinikus ir szemaiczius“ (39,6) wendet.

LITERATŪRA

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6. Kalbotyros klausimai

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5. Ch. S. Stang, Die Sprache des litauischen Katechismus von Mažvydas, Oslo, 1929.

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14. Biblia, tatai esti Wissas Schwentas Rasztas Lietuwiszkai perguldytas per Janą Bretkuna... (1590, rankraštis).

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17. E. Fraenkelis, Archivum Philologicum, Nr. 2, 140–143, Kaunas (1931).

18. P. Skardžius, Archivum Philologicum, Nr. 4, 7–20, Kaunas (1933).

19. J. Gerullis, Senieji lietuvių skaitymai, Kaunas, 1927.

20. Polski z Litewskim Katekizm... Nakładem... Malchera Pietkiewicza,... w Wilnie... 1598.

ГОВОР ПЕРВОЙ ЛИТОВСКОЙ КНИГИ

Ю. Ю. СЕНКУС

Резюме

В статье указывается, какой говор литовского языка принят за основу в переведенной М. Мажвидасом и в 1547 году изданной первой литовской книге „Catechizmysa prasty szadei“ (в статье сокращенно называемой „Katekizmas“—„Катехизис“).

В вводной части статьи приводятся имеющиеся предположения и проведенные исследования по данному вопросу, который лучше всех решался X. Стангом в его труде „Die Sprache des litauischen Katechismus von Mažvydas“. Этому труду в статье и уделяется большое внимание. Станг приходит к следующим выводам: по происхождению Мажвидас был не из Восточной Пруссии; основа языка в „Катехизисе“ — северный или средне-жемайтский говор; говор „Катехизиса“ не чисто жемайтский, а с примесью аукштайтского. Далее, в статье коротко описываются некоторые изменения, происшедшие в литовском языке, территория жемайтского говора и его основные особенности, что является обязательным при решении избранного вопроса.

Во второй, основной, части статьи („Говоровые особенности Мажвидас-ского Катехизиса“) дается обзор фонетики, морфологии, словообразования и лексики первой литовской книги и указывается сходство ее языка с со-

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временным жемайтским говором. Указывается, например, что вместо имеющегося в современном литовском литературном языке е в Катехизисе пишется и е, и ie (tiews, milieti); вместо tiems, tuos — tims, tus, вместо žodyje—szadegi (žadėje).

Указывается, что в „Катехизисе“ чаще всего встречающийся a, вместо имеющегося в литовском литературном языке o, как, например, в словах bralei, szadei (broliai, žodžiai), характеризуется как древнебалтийское явление.

Тот факт, то в основу „Катехизиса“ положен жемайтский говор, подтверждается так называемым жемайтским звуковым законом. Суть этого закона заключается в том, что перед окончаниями слов литовского литературного языка -ia, -iai (происшедшими из -ā, -āi, после мягкого согласного), -iams жемайтский говор, за исключением имен существительных IV-го склонения (iu- основы) и имен прилагательных, напр., račius, račiai, не имеет аффрикат (č, dž), напр., kent, gaide (в литературном языке kenčia, gaidžiai).

Этот жемайтский звуковой закон подтверждает, что говор „Катехизиса“ 1547 года является жемайтским. В „Катехизисе“ этот закон, за исключением нескольких аукштайтских языковых особенностей, сохраняется совершенно последовательно.

В третьей — последней части статьи („Некоторые выводы“), придерживаясь мнения X. Станга, автор пытается локализировать язык „Катехизиса“ в жемайтском говоре. Хотя и нельзя ясно доказать, однако предполагается вывод, что в „Катехизисе“ яснее всего выступает северо-западный или среднежемайтский говоровый элемент (ср. в „Катехизисе“ чередование e с i в местном падеже: galwaie, dienagi). Встречающиеся в „Катехизисе“ особенности аукштайтского говора (аукштайтский говоровый элемент) являются общими для всех аукштайтов или только для западных аукштайтов. Причины возникновения в „Катехизисе“ аукштайтских говоровых элементов могли быть следующие: родство и сотрудничество Мажвидаса с аукштайтом Виленгасом; другие его сотрудники и помощники аукштайты; издание Мажвидасом и другими его сотрудниками коллективной студии и „Катехизиса“ в Кенигсберге и, в конце концов, попытка приспособить свой письменный язык к другим говорам.

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