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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, VI
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
ZUFÜSSE DER ŠEŠUPĖ UND DER JIESIA
J. SENKUS
I. Überblick über die Namen aus sprachwissenschaftlicher Sicht
Die Šešupė und die Jiesia münden von links in den Nemunas, die erste unweit von Ragainė, die zweite bei Kaunas. Der Lauf der Šešupė verläuft größtenteils durch das Gebiet der kapsischen und zanavyschen Dialekte, der der Jiesia durch das Gebiet der zweiten Kapsen und trennt einen Teil von ihnen von den mittleren Hochlitauern.
Unter den Namen der Zuflüsse der Šešupė und der Jiesia, wie auch der anderer Flussgebiete, finden sich etliche, die für die Sprachwissenschaft sehr interessant sind. Ein beträchtlicher Teil dieser Namen ist recht alt – baltischen oder sogar indoeuropäischen Ursprungs. Zu den interessanteren oder älteren Flussnamen der Einzugsgebiete der Šešupė und der Jiesia zählen beispielsweise: Aistà, Gazdà, Jotijà, Jūré, Keklys, Kisnà, Nóva, Orijà, Pentà, Pilvė, Sasnà, Sūduonìa (Sūduónė), Šeimenà, Vilkaujà usw. Zu solchen Namen gehören auch Šešupė und Jiesia.
Die oben erwähnten und einige ähnliche andere Flussnamen begegnen in unterschiedlicher Schreibweise auch in alten Dokumenten, wissenschaftlichen Arbeiten, Wörterbüchern und anderswo. So findet sich beispielsweise der Name Šešupės in Bd. III von „Scriptores rerum Prussicarum“, S. 189, 274, in zwei Schreibweisen, nämlich: Szeszupe und Suppe. In einem Brief Vytautas’ aus dem Jahr 1422 heißt es: „fluvium S c h r e v i n t a (weiter steht dort S c h i r w y n t a — J. S.) intrat in fluvium S c h i s s c h u p p a“1. J. Sprogis schreibt in seinem „Geographischen Wörterbuch des alten samogitischen Landes aus dem 16. Jahrhundert“, S. 332, Шешупя und verweist auf den Namen des Baches Шетупъ, dessen Wortnest wiederum den Namen Шешупя enthält2. R. Šmitlein zufolge wird die Šešupė in Inventaren in mehreren Varianten geschrieben, nämlich: Šešupa, Šesupa, Sesupa, Šešuv i Sesuv. Aufgrund der letztgenannten Form nimmt Šmitlein an, dass früher anstelle der Šešupė eine... hatte
1 Э. А. Волтер, Списки населенных мест Сувалкской губернии, Санктпетербург, 1901, р. 4.
In diesem Artikel werden alte Dokumente nur in geringem Umfang herangezogen; ebenso werden die Kriterien für das Alter der Hydronyme nur kurz behandelt. Wir werden versuchen, dies künftig ausführlicher zu tun.
2 Siehe I. J. Sprogis, Geografičeskij slovar’ drevnej žemojtskoj zemli XVI stoletija, Vil’na, 1888.
Warum Sprogis die Šešupė in dasselbe Wortnest wie Šetupė (Šetupis) einordnet und welcher Fluss hier mit Šešupė gemeint ist – der linke oder der rechte Nebenfluss des Nemunas –, ist unklar.
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*Šešuva³ zu sein. Es ist bedauerlich, dass der Autor nicht angibt, in welchen Inventaren genau der heutige Name Šešupė anders geschrieben wird. Es liegt der Verdacht nahe, dass Schmittlein diesen Fluss mit anderen Flussnamen verwechselt und deshalb auch seine Erklärung nicht besonders zuverlässig erscheint.
Flussnamen, insbesondere alte, erwähnt K. Būga häufig in seinen Arbeiten und zieht sie als Belege heran. Seine Aufmerksamkeit haben mehr als ein Flussname aus dem Einzugsgebiet der Šešupė oder der Jiesia auf sich gezogen. Zum Beispiel schreibt er: „Mit der vergleichenden Methode werden Sprachwissenschaftler, so ist anzunehmen, eine ganze Reihe von Flussnamen finden, die als aus der indogermanischen Ursprache ererbt anerkannt werden müssen. Zu solchen Namen können meines Erachtens... litauisch Nova⁴ gehören. Es ist zu betonen, dass die Sprachwissenschaftler als solche besonders alten baltischen oder indogermanischen Namen die zuvor genannten ansehen: Jūrė, Keklys, Kirsna, Orija, Pentà, Siesartis, Seimenà, Šešupė, Vilkaujà und andere⁵. So wird etwa die Wurzel von Siesartė mit altindisch sisarti ‚er fließt, läuft‘⁶ verglichen; Kirsna mit dem altpreußischen Wort kirsnan ‚schwarz‘, Sasnà mit dem Wort sasnis oder sasnas, das im Altpreußischen ‚Hase‘ bedeutete⁷, und Keklys Keklys gilt als Überrest der kurischen Sprache. Letzterer Name könnte mit der Bezeichnung der alten Landschaft im nordwestlichen Žemaitija identisch sein, die in den Quellen in zwei Formen geschrieben wird: Ceclis und Cecklis; man vermutet, dass ihre Wurzel kek- lautet (vgl. kėkė, kėkulas ‚Knäuel, Klumpen‘, kek-tà ‚Schar, Menge, Traube‘) und Entsprechungen in anderen indogermanischen Sprachen hat⁸.“
Einige der genannten Flussnamen sind auch mit anderen Namen wurzelverwandt. So ist Šuduonià wahrscheinlich untrennbar mit dem Namen Šuduvõs verbunden. Mit dem Namen des Flusses Nõva hängt, wie wir wissen, die Bezeichnung des zanavykų Dialekts zusammen; mit dem Namen des Flusses Jotijõs könnte vielleicht die Bezeichnung der jótvingių (jótvingų) in Verbindung gebracht werden. K. Būga weist darauf hin, dass jótvingas ein vom Grundnamen (Flussnamen) *Jotva abgeleitetes Wort ist und der Name des Flusses Jótva nicht vom Flussnamen Jotijà⁹ zu trennen ist.
Es ist bekannt, dass viele Siedlungsnamen aus Flussnamen entstanden sind. Zahlreiche solche Namen sind auch aus den Namen von Nebenflüssen der Šešupė oder der Jiesia hervorgegangen. Dass dies tatsächlich so ist, lässt sich beispielsweise durch einen Vergleich folgender Siedlungsnamen mit Flussnamen erkennen: a) Präfixlose Bildungen: Alksnėnai — Alkšnė, Gulbinai und Gulbiniškiai — Gulbinas, Pilviškiai — Pilvė, Pentiškiai — Pentà, Sasnavà — Sasnà, Vilkaviškis — Vilkaujà; b) mit Präfix gebildete Namen, besonders zahlreich mit dem Präfix pa-: Pajevonys — Jevónis, Pajiesys — Jiesià, Parausiai — Raùsvė, Pasūduonys — Šuduonià, Pašeimeniai — Seimenà; c) von Flussnamen abgeleitete te-
³ Žr. R. Schmittlein, Etudes sur la nationalité des Aestii, t. 1, Toponymie lituanienne, Hofstetten (Bade), 1948, p. 114—115.
⁴ Žr. K. Būga, Upių vardų studijos ir aisčių bei slavėnų senovė, „Tauta ir žodis“, kn. I, Kaunas, 1923, p. 14.
⁵ Plg. K. Būga, min. darbas, p. 17 ir kt., R. Schmittlein, min. darbas, p. 101, 109, 112, 114, 125, 127 ir kt.
⁶ Plg. P. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, Vilnius, 1941, p. 24.
⁷ Plg. K. Būga, Lietuvių kalbos žodynas, sąs. II, Kaunas, 1924, p. LXXX ir LXXIII.
⁸ Plg. K. Būga, Lietuvių įsikūrimas šių dienų Lietuvoje, „Tauta ir žodis“, kn. II, Kaunas, 1924, p. 12; V. Grinaveckis, Dėl kai kurių vietovardžių kilmės, „Lietuvių kalbotyros klausimai“, t. III, Vilnius, 1960, p. 322, 323.
⁹ Žr. K. Būga, Lietuvių kalbos žodynas, sąs. II, p. LXXXVIII.
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Ortsnamen, die sich durch ihre Stammendung von ihnen unterscheiden oder sich überhaupt nicht von ihnen unterscheiden: Guzdai — Gazdą, Jūrė — Jūrę, Krosnė — Krosną, Šlavanta, Šlavančiai — Šlavantą, Višakis — Višakį10.
Hinsichtlich ihrer Wortbildung sind viele Flussnamen in den Einzugsgebieten der Šešupė und der Jiesia zweistämmig. Einige davon sind recht interessant, wenn auch nicht immer leicht zu erklären. Unter den interessanteren zweistämmigen Flussnamen seien folgende genannt: Aukšpirtą, Klūšgiris, Leimantas, Menčtrakis, Mergūtrakė, Nóvar aistis, Sėnšėšupė, Sūrmiškis und andere. Darunter finden sich auch sehr ungewöhnliche, zum Beispiel: Striūngia-brūzis, Strūmbagalvė.
Es kommen auch Flussnamen wie Višakis vor, die auf den ersten Blick manchen als zweistämmig erscheinen mögen. Daher ist in diesem Fall eine eingehendere Analyse erforderlich. Višakį vergleicht K. Būga mit Merštakiu (einem Nebenfluss der Lielupė bei Žeimelis), Smalakiu und Várlakiu (Varlakys „Bach in der Umgebung von Betygala“); so sagt er beispielsweise, dass „der Flussname Smalakis seiner Zusammensetzung nach sich nicht vom Flussnamen Višakis aus dem Gebiet von Suvalkai unterscheidet“¹¹ und dass „Várlakis sich seiner Zusammensetzung nach in nichts von anderen Flussnamen mit der Endung -akis unterscheidet12“. P. Skardžius bezeichnet den Bestandteil des Wortes -akis als erweitertes Suffix, das Merštakis und Višakis aufweisen13.
Die meisten Namen der Nebenflüsse der Šešupė und der Jiesia sind wohl solche, deren erste Bestandteile Wurzeln verschiedener Gattungsnamen oder (seltener) Personennamen sind, während die zweiten Bestandteile upė, upis (upys), upa, upelis (upėlis, upaitis) lauten, zum Beispiel: Akmėnupis (Akmenupis), Báltupis, Bártupė, Dainupis, Églupis, Gėdupėlis, Gėdup is (Gedupỹs), Girnupėlis, Jótupis, Júodupė, Júodupelis, Kriokupỹs, Kumpupaitis, Lankupà, Molupỹs, Nėnupė, Ožkupỹs, Skriáudupis, Šveintupė, Vilkupis (Vil kupỹs) und andere. Im Einzugsgebiet der Šešupė und der Jiesia gibt es etwa 150 Flussnamen dieser Art. Die meisten davon finden sich in der Region Zanavykai. Allein unter den Nebenflüssen der Nova gibt es mehr als zehn Namen dieser Art. Zu nennen sind: Aíksnupis (auch Eíksnupis), Béržupis, Burliókupis, Kač̌upis, Mõčkupis, Poškupis, Rõgupis, Sparvinupis, Šilupė, Tamõšupis, Vinkšnupỹs. Flussnamen dieser Bildung sind auch in anderen Gebieten der Litauischen SSR zahlreich. Von diesen zweistämmigen Flussnamen der Nebenflüsse der Šešupė und der Jiesia tragen einige mehrere Bäche denselben Namen,
10 Vgl. Ю. Бальчиконис, Названия литовских населенных пунктов от названий рек и озер, „Lingua Posnaniensis“, Bd. 7, Poznan, 1959, S. 240—252.
Es gibt zahlreiche Ortsnamen, die man mit Flussnamen ähnlicher Wurzel sehr vorsichtig in Beziehung setzen sollte. So kann beispielsweise der Name des Dorfes Pentupiai in der Umgebung von Ąžuolų Būda im Rajon Kazlų Rūda nicht von der Penta abgeleitet sein: Erstens gibt es in diesem Rajon heute keinen Bach namens Penta (Pėnta-Bäche gibt es nur im Rajon Šakiai, etwa 40 km von Pentupiai entfernt); zweitens könnte Pentupiai auf phonologischem Wege aus Penkupiai entstanden sein, denn tatsächlich liegen in dieser Gegend fünf kleine Bäche nahe beieinander. Eine solche Erklärung ähnelt jedoch der Volksetymologie; daher ist anzunehmen, dass Penkupiai auf andere Weise entstanden ist: Einer der fünf kleinen Bäche könnte beispielsweise Pentupė geheißen haben, woraus auch Pentupiai entstanden sein könnte.
11 Siehe K. Būga, Upių vardų studijos ir aisčių bei slavėnų senovė, „Tauta ir žodis“, Bd. I, S. 37.
12 Siehe K. Būga, ebenda, S. 43; vgl. außerdem S. 14.
13 Siehe P. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, S. 125.
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z. B.: Bėržupis, Kiaulupė, Rūd upis gibt es jeweils 3, Juodupė, Mėckupis jeweils 4, Vil kupis (Vilkupys) 514.
Bei diesen zusammengesetzten Namen ist das erste Glied interessanter; außerdem sind auch die Variationen des zweiten Gliedes eigentümlich interessant15, besonders der Stammabschluss des Gliedes upa (Lankupė). Man kann annehmen, dass diese zusammengesetzten Flussnamen nicht sehr alt sind; genauer gesagt, ist das zweite Glied hier nicht alt. Dass dies tatsächlich so sein könnte, lässt sich zumindest teilweise auch aus dem eingangs erwähnten Beispiel der Šešupė schließen, deren alte Form möglicherweise Šešuva lautete.
Flussnamen, die aus Wortverbindungen gebildet sind, d. h. mehrteilige Flussnamen, gibt es vergleichsweise wenige – nennen können wir nur folgende: Barčių upėlis, Barsukyno upėlis, Mažoji Aukspirta, Palaičių upėlis, Paukštynių upėlis, Strepetinės upėlis. Solche Flussnamen sind nicht alt. Auch in anderen Gegenden der Litauischen SSR gibt es davon nicht viele. In Litauen gibt es etwas mehr zusammengesetzte Seenamen mit Genitivbildung.
Zusammengesetzte Flussnamen, deren erstes Glied ein attributives Adjektiv ist, lassen sich so gut wie nur mit folgendem Beispiel belegen: Mažoji Aukspirta.
Unter den Namen der Zuflüsse der Šešupė und der Jiesia gibt es nur wenige präfigierte Bildungen. Klarer und häufiger sind präfigierte Flussnamen nur mit dem Präfix pa-, z. B.: Pabališkis, Pagrau žys, Pašiekštupis. Mit anderen Präfixen gibt es, abgesehen von den jeweils einzigen zwei Namen mit at- und už-, nämlich: Atšlėtė, Užupis, offenbar keine Flussnamen dieser Gegend.
Der Name Ańtupelis ist zwar mit fallender Betonung versehen, könnte aber vielleicht zweistämmig sein und eine ähnliche Bildung aufweisen wie etwa Ančiupis.
Gesondert zu erwähnen sind die mit Suffixen gebildeten Flussnamen. Von den bei den Namen der Zuflüsse der Šešupė und der Jiesia vorkommenden konsonantischen Suffixen sind folgende zu nennen: -i j a (Jotija, Orija, Reketija), -e i k a (Judreika), -e i k i s (Brideikis), -u k a s, -u k ė (Jiesiūkė, Judriūkė, Lembūdukas, Trumpūkas, Žasinūkas), -i š k i s, -i š k ė (Adverniškė, Bagdžiškė, Dūdiškis, Kiauliškė, Pabališkis), -k l ė (Kafklė), -l y s (Krioklys), -e l i s, -e l ė (Graižėlis, Novėlė, Žarstėlė, Želsvėlė), -ė l i s (Ežerėlis, Šešupėlis), -a m a s (Dótamas), -i m a s (Lydimas), -e n a (Bambenà), -m e n a (Šeimenà), -i n i s, -i n ė (Eglinis, Dóvinė, Kermušinis, Meškinis, Meškinė, Plaušinė, Stirninė, Stumbrinė, Šarinis, Vilktinis, Žagarinis), -i n a s (Gulbinas), -y n a s, -y n ė (Kermušynas, Klio kynė, Ruškynas), -o n a (Lieponà), -o n i s, -u o n y s (Jevónis, Girmuonys), -r ė (Jūdrė), -o r ė (Kalnórė), -s ė (Bálsė), -a š a (Lašąšà), -y t ė (Vasakýtė), -o t a s (Laukščiotas), -u t ė (Pentūtė), -a n t a (Šlavantà), -a n t ė (Kregždantė), -a i t i s (Keklāitis, Kumpupaitis, Nópaitis), -(s)vė (Raušvė), -u v a (Valčiuvà).
Es kommen auch Namen gleicher Wurzel mit Diminutivsuffix vor, nämlich: Jiesia und Jiesiūkė, Jūdrė und Judriūkė, Keklys und Keklaitis, Nóva und Novėlė, Pentà und Pentūtė, Šešupė und Šešupėlis.
14 Natürlich gibt es auch Wiederholungen von Flussnamen anderer Bildungstypen, z. B.: Gulbinas, Orija, Pentà, Rūdė.
15 Nicht selten hat sogar ein und derselbe Bach zwei nebeneinander vorkommende Formen des zweiten Gliedes: dasselbe Genus, aber unterschiedliche Stammvokale, oder unterschiedliche Genera, z. B.: Gėdup is und Gedupys, Ožkupis und Ožkupys, Skriaudupė und Skriaudupis.
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Dies sind nur einige der für die Nebenflüsse von Šešupė und Jiesia charakteristischen Suffixe. Natürlich gibt es auch Flussnamen, z. B. Amalvė, Šeimena, deren Suffix selten ist oder unterschiedlich verstanden und erklärt werden kann.
In einigen Quellen findet sich auch Pentalė – ein rechter Nebenfluss der Penta II, die in die Penta I mündet, die ihrerseits in die Nova fließt16. Wir wissen, dass das Suffix -alė, abgesehen von substantivum-mobile-Wörtern, z. B. dreiskalius, -ė, žemaitisch ist. Daher kann der zanavykische Flussname Pentalė, sofern kein Korrekturfehler vorliegt, eine interessante sprachliche Tatsache sein, die Überreste der früheren Nähe der žemaitischen und zanavykischen Dialekte erkennen lässt.
Gesondert sei noch das Suffix -(i)ūtis im kapsischen (Pajevonys) Flussnamen Smailiūtis erwähnt, für das es in den Gemeinwörtern dieser Gegend überhaupt keine Entsprechungen gibt. Auch in Familiennamen hat man es hier nicht gehört.
Bemerkenswert ist, dass die Wurzeln und Suffixe der Flussnamen in den Einzugsgebieten von Šešupė und Jiesia mit sehr wenigen Ausnahmen litauisch oder baltisch sind. Nur vereinzelt kommen neue Namen fremder Herkunft oder ihre Bestandteile vor, und zwar gewöhnlich nur als Bezeichnungen für kleine oder nur wenigen bekannte Bäche, z. B.: Brazamōskas, Brōkinis, Reketkà (selten) neben Reketijos, Ute-linka. Wie bereits erwähnt, sind einige Flussnamen dieses Gebiets indoeuropäischen Ursprungs, auch wenn die Etymologie mancher Namen, beispielsweise Šeimenos, unterschiedlich erklärt werden kann17. Viele Flussnamen sind auch jüngeren Ursprungs. Davon gibt es möglicherweise die meisten unter den bereits erwähnten zweistämmigen Flussnamen mit dem Zweitglied -up-.
Viele Namen der Flüsse und Bäche in den Einzugsgebieten von Šešupė und Jiesia stehen ihrer Bedeutung oder Herkunft nach mit verschiedenen Merkmalen des Flussbetts, der Ufer oder des Wassers in Zusammenhang, nach denen die Menschen diese Flüsse auf die eine oder andere Weise benannt haben. Zu solchen Merkmalen und Besonderheiten sowie den danach gebildeten Flussnamen zählen zum Beispiel:
a) die Wasserfarbe: Juodupė, Juodupis, Raudenyčia, Rausvė, Rūdė, Skāistis; hierher gehört auch Kirsnà, das im Altpreußischen „die Schwarze, den schwarzen Fluss“ bedeutete;
b) die Strömung und der Lauf des Flusses (Wassers) – die Art des Fließens: Jūdrė, Judriū-kė, Grāužė, Grāužupis, Krioklys, Kriokupys;
c) Größe, Tiefe oder allgemein Gestalt des Flusses: Didupis, Ežerėlis, Prūdupėlis, Smailiūtis, Trumpūkas;
Natürlich können diese Merkmale, beispielsweise die Wasserfarbe, auch vom Flussgrund abhängen; daher lassen sich die Entstehung von Flussnamen und die hier genannten Merkmale bisweilen nicht eindeutig jeweils nur einem einzigen Merkmal zuordnen, zum Beispiel der Flussname
16 Z. B. siehe M. Lasinskas, J. Macevičius und J. Jablonskis, Lietuvos TSR upių kadastras, Bd. 1, Vilnius, 1959, S. 188. In dieser Veröffentlichung kommen auch weitere Namen vor, die nicht den heutigen volksmundlichen Sprachdaten entsprechen, z. B. Rokupė.
17 Siehe Die altpreussischen Ortsnamen gesammelt und sprachlich behandelt von G. Gerullis, Berlin und Leipzig, 1922, S. 251; P. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, S. 233; A. Vanagas, Akmena, Lašmuo ir kiti panašios darybos upėvardžiai, „Lietuvių kalbotyros klausimai“, Bd. 4, Vilnius, 1961.
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Rūdupis Entstehung könnten wir nicht nur mit der Beschaffenheit seines Flussbetts, sondern auch mit der Farbe des Wassers in Verbindung bringen; Geležynupis, Geležūpis nicht nur mit dem Flussbett, sondern auch mit der Wassertemperatur; oder beispielsweise die Flussnamen Krioklys, Kriokupys sind als lautmalerisch anzusehen und untrennbar auch mit der Stärke des Stroms und der Strömung verbunden.
Außerdem gibt es zahlreiche Flussnamen, die von verschiedenen Bäumen und Pflanzen sowie von Bezeichnungen für Vögel, wilde und domestizierte Tiere, Fische, Insekten und andere Lebewesen abgeleitet sind, zum Beispiel:
e) Insekten und andere Lebewesen: Blūsupis, Dėlupis, Vaŕliaupis, Vėžupis.
Zu den Entstehungsweisen von Flussnamen, die mit den physischen oder sonstigen Eigenschaften eines Flusses oder Baches zusammenhängen, ist anzumerken, dass es Flüsse und Bäche geben kann, deren Namensbedeutung heute nicht ihrer physischen oder vergleichbaren Wirklichkeit entspricht oder ihr sogar völlig widerspricht. So sind beispielsweise Didupis und Didžupis, Nebenflüsse der Nova und der Pilvė, ausgesprochen kleine Bäche. Oder Blūsupis heißt vermutlich deshalb so, weil er klein ist.
Es gibt Nebenflüsse der Šešupė und der Jiesia, deren Namen von Personen (meist Familiennamen) oder Ortsnamen (Dörfern usw.) abgeleitet sind, zum Beispiel: Močkupis, Pračkūpis, Švedupys, Tamošupis. An diesen wenigen Beispielen sehen wir bereits, dass die Namen zweistämmig sind und das Zweitglied die Wurzel up- enthält. Flussnamen dieser Herkunft sind nicht sehr zahlreich und wahrscheinlich nicht alt.
Hervorzuheben ist, dass es in den Flussnamen der Einzugsgebiete der Šešupė und der Jiesia etwa 50 Namen gibt, die an anderen Orten in der Litauischen SSR und unter den Namen von Nebenflüssen anderer Einzugsgebiete nicht vorkommen. Den größeren Teil und die wichtigeren davon führen wir hier an, nämlich: Aistą, Aukspirta, Dōvinė, Gazdą, Ūglė, Jevōnis, Jotiĭa, Jōtupis, Keklys, Keklaitis, Krosną, Laukščiōtas, Nėnupė, Nōva, Novėlė, Pāikis, Pentā, Pentūtė, Pilvė, Sasna, Sūduonia, Sėdvyga, Šeimenā, Šiulė, Tūrupis, Vaňdupė, Vasakytė, Viemuonia, Višakis, Žarstėlė.
Hier könnte man noch einige besonders interessante und einzigartige Flussnamen der Litauischen SSR hinzufügen, wie Vabalkšnė, Vilkauja, auch wenn ihre Wurzeln in anderen Toponymen wiederkehren können.
Unter den weniger interessanten Flussnamen seien folgende personenbezogene Flussnamen aus dem Einzugsgebiet der Šešupė genannt: Milupė, Noreikupė, Tamošupis und andere, die ebenfalls nirgendwo sonst vorkommen.
Eine weitere große Gruppe bilden Flussnamen, mit denen nicht nur Nebenflüsse der Einzugsgebiete der Šešupė und der Jiesia, sondern auch Nebenflüsse anderer litauischer Flüsse bezeichnet werden. Zu den interessanteren Namen, die im Gebiet der Litauischen SSR jeweils zwei-, drei- oder mehrfach vorkommen, gehören beispielsweise: Balsė, Gulbinas, Jūdrė, Jārė (: Jūria — Tauragė raj.), Juodupė, Orijà, Siesartis, Šaltupis, Širvinta, Švent-
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Fluss (Šventupis), Vėžupis (Vėžupis), Vinkšnupis (Vinkšnupis, Vinkšnupys). Unter diesen sind wohl Juodupė (Juodupis) und Šalupis. am häufigsten (jeweils mehrere Dutzend).
Es gibt die Auffassung18, dass häufig wiederkehrende Gewässernamen ein Merkmal hohen Alters aufweisen; diese Auffassung trifft jedoch nicht auf alle Namen zu, insbesondere nicht auf die Zuflüsse der Becken von Šešupė und Jiesia. Man kann annehmen, dass viele Namen der Zuflüsse von Šešupė und Jiesia, die gerade nirgendwo sonst im Gebiet der Litauischen SSR vorkommen (obwohl einige dieser Gewässernamen natürlich ähnliche Entsprechungen in anderen baltischen Sprachen haben können), zu den ältesten gehören. Vergleichen wir die oben genannten Gewässernamen, z. B.: Aistą, Gazdą, Jotiją, Keklįs, Pentą, Sūduonią, Šeimeną und andere.
Dass es zahlreiche Gewässernamen gibt, die nicht nur in einem Gebiet der Litauischen SSR bekannt sind, ist, wie K. Būga sagt, in der Tat kein Grund zum Erstaunen: Solche Namen sind, wenn auch nicht alle, noch zugleich entweder Gattungswörter oder von Gattungswörtern abgeleitete Formen19. Außerdem kann ein Teil der Gewässernamen auch mitgebracht worden sein. Als solche betrachtet K. Būga beispielsweise die Gewässernamen der Region Suwałki Širvirta und Siesartis. Ihrer Auffassung nach liegt die alte Heimat dieser Gewässernamen in Ostlitauen, wie er sagt – im Gebiet von Vilnius, wo es bis heute Širvintā und Siesartis20 gibt.
Auch die Akzentuierung der Gewässernamen verdient Beachtung.
Bei der Akzentuierung der Gewässernamen sind manche altertümlichen Merkmale stärker erhalten als bei Gattungswörtern. So ist beispielsweise der alte Stoßton in den Diminutivsuffixen -aitis und -ytė von Gewässernamen erhalten geblieben; bei Gattungswörtern werden diese Suffixe in dieser Gegend gewöhnlich bereits mit dem Schleifton betont. Vergleichen wir beispielsweise die Gewässernamen Keklaitis, Kumpupaitis, Vasakytė mit den Gattungswörtern kepalaitis, vežimaitis, mergytė, žuvytė. Die altertümliche Akzentuierung der Gewässernamen zeigt sich auch daran, dass einige von ihnen, beispielsweise solche mit dem Suffix -inė wie Dóvinė, Žvikinė, auf dem Stamm und nicht auf dem Suffix betont werden.
Ältere Menschen betonen solche Gewässernamen stets mit dem Stoßton, etwa Gráužė, Páukis, Pilvė, Váiliškas, während Jüngere sie manchmal bereits mit dem Schleifton betonen, z. B. Pilvė21.
Bei Gewässernamen kommen nicht nur Formvarianten, sondern auch unterschiedliche Akzentuierungen und Varianten nebeneinander vor. So werden beispielsweise zusammengesetzte Gewässernamen mit dem zweiten Bestandteil, dem Wort upis, auf zwei Arten betont: auf dem ersten und auf dem zweiten Bestandteil, genauer: a) auf dem Stamm oder dem Suffix des ersten Wortes, b) auf dem Stamm des zweiten Wortes. Zu den Namen, die auf dem Stamm des ersten Wortes oder mitunter auf dessen Suffix betont werden, gehören beispielsweise: Gražupis, Girnupis, Klamupis, Skriāudupis, Sparvinupis, Šiekštupis, Tamošupis, Tūrupis, Vilkupis, Vỹžupis. Gewässernamen, die auf dem Stamm des zweiten Wortes betont werden, gibt es weniger; zu nennen sind beispielsweise:
18 Vgl. R. Schmittlein, a. a. O., S. 76.
19 Siehe K. Būga, Studien zu Flussnamen und zur Vorzeit der Aisten und Slawen, „Tauta ir žodis“, Bd. I, S. 16. Ebenso kann man annehmen, dass alle Ortsnamen aus Gattungswörtern oder Personennamen entstanden sind.
20 Siehe K. Būga, ebenda. Die Quelle der Širvinta im Osten liegt im Rajon Nemenčinė, die der Siesartis im Rajon Molėtai; beide münden in die Šventoji.
21 Natürlich gibt es auch ähnliche Gewässernamen, die seit alters her mit dem Schleifton betont werden, z. B. Graižė.
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Geležupis, Gražupis, Obelupis, Sakalupis, Samanupis. Eine eindeutige Grundlage für diese doppelte Akzentuierung lässt sich offenbar nicht feststellen. Selbst ein und dieselben Flussnamen (für denselben oder einen anderen Bach mit demselben Namen) kommen mit zwei Akzentuierungen vor, z. B.: Akmenupis und Akmenupis, Vėžupis und Vežupis. Die erste Akzentuierung dürfte offenbar älter sein. Außerdem hängt die Akzentuierung möglicherweise auch mit der Wortbildung zusammen.
Weitere Beispiele für benachbarte Akzentuierungsvarianten finden sich auch in anderen Fällen, zum Beispiel: a) unterschiedliche Akzentstelle und Akzentklasse: Jūdrė und Judrė, Orijà — Gen. Orijos und Orijõs (vgl. Jotijà, Jotijõs); b) unterschiedliche Intonation, z. B.: Naũsupė und Náusupė (selten). Die fallende Intonation ist hier, wie man annehmen kann, neuer und möglicherweise aus dialektalen oder anderen Gründen entstanden.
Bei den Namen der Nebenflüsse der Šešupė und der Jiesia gehört das Verhältnis der dialektalen Elemente a und e am Wortanfang zu den schwierigsten und verwickeltsten Fragen. Diese Frage ist bei der Normierung von Orts- und Gewässernamen besonders aktuell; daher ist hier große Vorsicht geboten. So lässt sich beispielsweise der zanavykische Flussname Álnupio nicht zu Elnupį zurückführen, und zwar aus folgenden Gründen: erstens wandeln die Zanavyker das wortinitiale a im Hochlitauischen in e um — sie sprechen zum Beispiel ekėčios, ekmuõ, verfahren bei diesem Flussnamen jedoch nicht so; zweitens kennen sie das Wort elnias nicht, sondern nennen es briedžiu; drittens kann diesem Flussnamen tatsächlich auch die alte Wurzel al- zugrunde liegen, die auch durch andere Fluss- und Seenamen belegt ist, z. B.: Alnà (ein Bach im Rajon Lazdijai), dort auch der See Al̃nas22; außerdem vgl. Álnis (ein See im Rajon Molėtai), dort auch der Bach Álnės upėlis.
Dass Verwechslungen selbst in eindeutigen Fällen mit a und e am Wortanfang vorkommen, zeigen deutlich zwei Nebenflüsse desselben Namens, deren Schreibweise bisweilen variiert: Einige normierende Wörterbücher schreiben unter Berücksichtigung des Dialekts zum Beispiel Álksnė und Elksnė23. Obwohl es im Kapsai-Dialekt, in dem beide Flussnamen bekannt sind, tatsächlich zwei Aussprachen gibt, nämlich bei den Kapsai II (Kapsukas u. a.) — Álksnė, bei den Kapsai I dagegen mancherorts, zum Beispiel um Pilviškiai, — Elksnė, dürfte doch offenbar nur Álksnė die hochlitauische Form sein.
Interessant ist der Kapsai-Flussname Aistà. Heutzutage wagt man nicht, ihn in Eistą umzuwandeln; deshalb sollte auch der davon abgeleitete Dorfname Aistiškių nicht zu Eistiškius zurückgebildet werden, wie es einige Veröffentlichungen tun24. Zwar wird im Hochlitauischen e in jenem Teil des Kapsai-Dialekts, in dem vor allem Aistà bekannt ist, zu a umgewandelt; doch lässt sich die Frage des Verhältnisses von a und e in Ortsnamen mit dieser Wurzel nicht so leicht lösen, weshalb weder Aistõs noch zugleich Aistiškių als Dialektformen gelten können. Vgl. zum Beispiel auch Aisė (ein Bach im Rajon Kretinga), Aisetas (ein See in der Umgebung von Labanoras) u. a.25.
22 Den Flussnamen Alnà hält K. Būga (siehe sein Lietuvių kalbos žodynas, Lieferung I, S. 63) für jotwingisch.
23 Žr. Lietuvių kalbos rašybos žodynas, Kaunas, 1948, p. 384, 393. Be to, ypač nevykusiai daroma, rašant upėvardį Elksnė, o iš jo kilusį ten pat esantį gyvenamosios vietos vardą — Alksnėnai.
24 Siehe z. B. Lietuvos TSR administracinis-teritorinis suskirstymas, Vilnius, 1959, S. 687.
25 Ausführlicher siehe K. Būga, Lietuvių kalbos žodynas, Lieferung I, S. 24, 25; B. Savukynas, Ežerų vardai, „Lietuvių kalbotyros klausimai“, Bd. 3, S. 292.
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Es gibt auch andere schwerer zu erklärende, vielleicht mit dem Dialekt zusammenhängende Erscheinungen, zum Beispiel wird Yglė (ein Bach im Bezirk Kapsukas) stets so ausgesprochen und geschrieben, aber Igliūka und Igliškėliai (die Namen der dort gelegenen Siedlungen)26.
Die hier behandelten Flussnamen stehen alle nur im Singular. Allgemein ist der Plural bei Flussnamen eher selten. Häufiger kommt er bei Seenamen vor.
Man könnte und müsste die hier vorgelegten Flussnamen natürlich viel eingehender und auch unter einigen anderen Gesichtspunkten überblicken und untersuchen; der Autor möchte jedoch zunächst, soweit dies möglich war, wenigstens das Material selbst möglichst ausführlich und vollständig veröffentlichen. Zu diesem Zweck ist hier eine alphabetische Liste – ein Wörterverzeichnis – der Nebenflüsse von Šešupė und Jiesia beigefügt.
Wenn solches oder ähnliches Gewässernamenmaterial veröffentlicht und insbesondere ein Verzeichnis der Fluss- und Seenamen gedruckt wird, entsteht eine gute Grundlage für wertvolle und bedeutsame Erklärungen sowie weitreichende Schlussfolgerungen. Dies ist, so darf man annehmen, der sachgerechte Ablauf toponymischer Arbeit und Forschung.
Das Wörterverzeichnis enthält mehr als 400 Fluss- und Bachnamen. Etwa 50 Flüsse und Bäche tragen wiederholt vorkommende Namen, z. B.: Juodupė, Rūd-upis, Skriaudupis, Vilkupis usw.; somit gibt es etwa 350 Namen mit unterschiedlichen Wortstämmen, von denen der größte Teil zum Einzugsgebiet der Šešupė gehört, während nur ein kleiner Teil – etwa 30 Namen – Flüssen und Bächen im Einzugsgebiet der Jiesia zukommt.
Dieses Wörterverzeichnis wurde vorwiegend anhand des im Institut für Litauische Sprache und Literatur vorhandenen Ortsnamenmaterials (Kartei und Listen) zusammengestellt, das aus der Volkssprache gesammelt wurde. Einen beträchtlichen Teil dieses Materials hat der Verfasser des Wörterverzeichnisses selbst aufgezeichnet, nachdem er vor 25 Jahren mit dem Sammeln begonnen hatte. Die Angaben dazu, in welchen größeren (älteren) Fluss die im Wörterverzeichnis aufgeführten Flüsse und Bäche münden, wurden vorwiegend anhand der Daten des genannten Materials und des „Flusskatasters der Litauischen SSR“27 ermittelt. Bei einem Teil der Bäche, insbesondere bei kleineren, gelang es nicht, die Mündung festzustellen oder sie anderweitig zu lokalisieren. Im Wörterverzeichnis wurde soweit möglich versucht, den Akzentort und den Akzenttyp oder die Akzentklasse anzugeben; bei nicht allen Namen gelang es jedoch, die Betonung oder Ähnliches in Erfahrung zu bringen und festzustellen, obwohl man in letzter Zeit einige Dialektsprecher befragt oder verschiedene andere Quellen herangezogen hat28. Einige kleinere Bäche, deren Namen früher aufgezeichnet worden waren, sind inzwischen infolge von Melioration oder ähnlichen Ursachen verschwunden. Meist sind auch ihre Namen nicht mehr bekannt, sodass es nun nahezu unmöglich ist, sie bei Dialektsprechern zu überprüfen.
Hier beschränkt sich die Darstellung auf die Namen der auf dem Gebiet der Litauischen SSR gelegenen und ehemals vorhandenen Flüsse und Bäche. Die Namen der Flüsse und Bäche im Einzugsgebiet der Šešupė, die im Gebiet Kaliningrad und auf dem Gebiet der Volksrepublik Polen liegen, wurden nicht in das Wörterverzeichnis aufgenommen. Die bekannteren darunter seien beispielsweise für das Gebiet Kaliningrad genannt: Aiksnupė, Bālupė, Bādūpė, Dirvōnupė, Ežerūpė, Liepond, Lėpupė, Prūdūpė,
26 Zu einigen anderen dialektalen Besonderheiten siehe die Anmerkungen im hier beigefügten Wörterverzeichnis.
27 Vgl. M. Lasinskas, J. Macevičius und J. Jablonskis, Lietuvos TSR upių kadastras, Vilnius, 1959, d. I.
28 Z. B. M. Paškevičiūtė, Kalvarijos rajono vietovardžiai, Diplomarbeit, 1960 (Manuskript am Lehrstuhl für Litauische Sprache der Staatlichen Universität Vilnius V. Kapsukas). Die Arbeit enthält nur sehr wenige Fluss- und Bachnamen, und auch diese sind nicht besonders gut aufgezeichnet.
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Raušvė, Skūrupė, Vėžupė; der Volksrepublik Polen: Juodupė, Peisė, Vižainė.
Natürlich erhebt das Glossar keinen Anspruch darauf, eine vollständig erschöpfende und genaue Liste der Flüsse und Bäche des behandelten Gebiets zu bieten. Einige der hier aufgeführten Namen sind, wie bereits erwähnt, noch nicht abschließend geklärt. Ein Teil der im toponymischen Karteikatalog des Instituts für Litauische Sprache und Literatur vorhandenen Flussnamen, zum Beispiel Arkliūnykė (Šilavotas), wurde wegen gewisser Zweifel nicht in das Glossar aufgenommen. Dieses Glossar und die Liste können künftig erweitert und präzisiert werden. Zusätzliches Material ließe sich besonders in abgelegeneren Gegenden finden. Dass dies tatsächlich der Fall sein könnte, zeigt auch eine kürzlich in der Presse erschienene Meldung über die Bäche des Waldes Mikolavos im Forstrevier Ąžuolų Būda des Rajons Kazlų Rūda; dort heißt es: „Die Einheimischen bringen sie (d. h. die Bäche — J. S.) nicht durcheinander. Alle haben Namen: Šaltinbalis, Klevelių, Širvintos, Alkšnės, Lukošbalių, Gylės, Vabalkšnės und andere Bäche“29.
Im Glossar wird zunächst (in Spalte I) der Fluss- bzw. Bachname im Nominativ angegeben, gewöhnlich mit Akzent versehen; außerdem wird (in Spalte II) seine Akzentklasse genannt. Wie bereits erwähnt, ließen sich Akzent und Akzentklasse bei einigen Namen, besonders bei kleineren, nicht ermitteln. Soweit möglich, folgt dann die Lokalisierung des Flusses bzw. Baches: a) von welcher Seite (d. — rechts, k. — links) und in welchen größeren (wasserreicheren, weiter flussabwärts gelegenen) Fluss er mündet (Spalten III, IV); b) eine nahegelegene Ortschaft (Stadt, Kleinstadt, Umgebung, Dorf), durch die der Fluss bzw. Bach fließt oder an der sein Name besser bekannt, gehört und aufgezeichnet ist. Mit Abkürzungen, deren Verzeichnis gesondert aufgeführt ist, wird gewöhnlich eine größere Ortschaft bezeichnet; bei den Namen einiger, insbesondere kleinerer Bäche wird zusätzlich der Dorfname angegeben. Eine hohe Genauigkeit oder Einheitlichkeit ließ sich dabei nicht erreichen.
In der letzten (VI.) Spalte findet sich gelegentlich die eine oder andere Bemerkung unterschiedlicher Art (von denen es natürlich mehr geben sollte). Wenn ein Name im Volksmund weithin in einer dialektalen Form gebräuchlich ist, die in der Literatur weniger bekannt ist, wird manchmal auch diese Form im Glossar eingetragen; in den Anmerkungen (Spalte VI) verweist dann ein Hinweis auf die standardsprachliche Form, zum Beispiel: Overupelis, siehe Vóverupelis. Nicht in das Glossar aufgenommen wurden jedoch:
a) sehr klare, regelmäßige und weithin bekannte lautliche Dialektmerkmale, zum Beispiel: Aglinis, Ekmenupė, Elksnė;
b) gewisse Verformungen der Formen und der Betonung, zum Beispiel: Suduonia, Šūduonia.
Vorkommende Varianten werden gewöhnlich als separate Stichwörter aufgeführt. Im Norden gebräuchliche oder für die Literatursprache nicht zu empfehlende Formen werden meist auf die Grundformen verwiesen; eine strengere Normierung wurde hier jedoch nicht angestrebt — es wurde lediglich versucht, die Fakten auf die eine oder andere Weise festzuhalten.
29 G. Isokas, „Tiesa“, 1961. III. 1.
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Das Šešupė-Einzugsgebiet
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II. WÖRTERVERZEICHNIS DER FLÜSSE UND BÄCHE IM EINZUGSGEBIET VON ŠEŠUPĖ UND JIESIA
Name des Flusses bzw. Baches | Akzentklasse | Ufer der Einmündung | Mündungsgewässer | Nächstgelegener Ort | Bemerkungen | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
Adverniškė | 1 | | | Sk., Šlišai |
Aistà | 4 | rechts | Širvinta I | Brt. |
Akmėnupis | 1,2 | | Nova | Grš., Galiniai | Man spricht Ekmėnupis aus
Akmenu̇pys | 3⁴b | | Šlavanta | Gdl., Gražiškiai
Alksnė I | 2 | links | Šešupė | Alk. | Ältere sprechen Elksnė aus
Kad. — Kataster der Flüsse der Litauischen SSR, Teil 1, Vilnius, 1959.
Kbr. — Kybartai, Kreis Vilkaviškis.
Kdl. — Kiduliai, Kreis Šakiai.
Klvr. — Kalvarija.
km. — Dorf.
Kps. — Kapsukas (Marijampolė).
Krsn. — Krosna.
Kt. — Keturvalakiai, Kreis Vilkaviškis.
KzR. — Kazlų Rūda.
Lbv. — Liubavas, Kalvarijos.
Ldvn. — Liudvinavas, Kapsuko.
Lkš. — Lukšiai, Šakių.
Lzd. — Lazdijai.
mš. — Wald.
Nm. — Kudirkos Naumiestis, Šakių.
Pjv. — Pajevonys, Vilkaviškio.
Plk. — Plokščiai, Šakių.
Plv. — Pilviškiai, Vilkaviškio.
pvd. — Familienname.
30 Diese Abkürzung wird in der folgenden Abkürzungsliste nicht aufgeführt.
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Ras. — Rasiai, Kreis Kalvarija.
Rdm. — Rudamina, Kreis Lazdijai.
Iš. — Schriften.
Pns. — Punskas (Volksrepublik Polen).
Sdr. — Sudargas, Kreis Šakiai.
Skrd. — Skriaudžiai, Kreis Kazlų Rūda.
Škv. — Slavikai, Kreis Šakiai.
Smn. — Simnas, Kreis Alytus.
Snt. — Sintautai, Kreis Šakiai.
Ss. — Sasnava, Kreis Kapsukas.
Šil. — Šilavotas, Kreis Prienai.
Šk. — Šakiai.
Šn. — Šunskai, Kreis Kapsukas.
t. — Aussprache, dialektal.
Ūt. — Naujoji Ūta, Kreis Prienai.
VIkv. — Vilkaviškis.
Vrb. — Virbalis, Kreis Vilkaviškis.
VšR. — Višakio Rūda, Kreis Kazlų Rūda.
Všt. — Vištytis, Kreis Vilkaviškis.
Vv. — Veiveriai, Kreis Kazlų Rūda.
Žal. — Žalioji, Kreis Vilkaviškis.
ŽD — P. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, Vilnius, 1941.
Žvr. — Žvirgždaičiai, Kreis Šakiai.
ZUFÜSSE DER FLÜSSE ŠEŠUPĖ UND JIESIA
И. СЕНКУС
Zusammenfassung
Der Artikel besteht aus zwei Teilen: I. einem Überblick über die Namen aus sprachwissenschaftlicher Sicht, II. einem Wörterverzeichnis der Namen von Flüssen und Bächen in den Einzugsgebieten der Šešupė und der Jiesia.
Im ersten Teil wird ein systematischer Überblick über die wichtigsten Fluss- und Bachnamen in den Einzugsgebieten der Šešupė und der Jiesia aus sprachwissenschaftlicher Sicht gegeben. Zu den ältesten und interessantesten Namen gehören: Aista, Gazda, Jotija, Jūrė, Keklys, Kirsna, Nova, Orija, Penta, Pilvė, Sasna, Siesartis, Sūduonia, Šeimena, Vilkauja und andere. So wird beispielsweise die Wurzel Siesartis mit dem Altindischen sisarti „er fließt, läuft“ verglichen, Kirsna dagegen mit dem altpreußischen Wort kirsnan „schwarz“.
Es ist darauf hinzuweisen, dass die Wurzeln und Suffixe der Flussnamen in den Einzugsgebieten der Šešupė und der Jiesia, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, litauisch oder baltisch sind.
Das Wörterverzeichnis enthält über 400 Flussnamen, von denen etwa 350 verschiedene Wurzeln haben.