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LIETUVIŲ KALBOS MORFOLOGINĖ SANDARA IR JOS RAIDA

LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

ZUR ENTWICKLUNG DER IMPERATIVFORMEN

D. SKURKAITĖ

§ 1. In den litauischen Dialekten und älteren Schriften gibt es zwei Arten von Imperativformen: mit dem Formans -k (nešk, daryk) und ohne das Formans -k (neš, darai). Die Imperativformen der 1. Person Singular ohne -k sind bei den östlichen Dzūken noch in Gebrauch¹ (in Dūkštas, Ignalina, Švenčionėliai, Švenčionys, Tverečius); anderswo kommen nur vereinzelte Formen dieses Typs vor, z. B.: numėš Alks, Antz, Stlm, imi, neši Ds, Sv, Dgl, im Ssk, klausai Brd, Lknv, Pn, imį, bėgi, neši Krtn. Etwas häufiger werden Imperativformen ohne das Formans -k noch in der Umgebung von Dieveniškės, Rodūnia, Lazūnai, Gervėčiai und Apso gebraucht.

§ 2. A. Schleicher und A. Becenberger legten als Erste die Imperativformen der 2. Person Singular ohne das Formans -k in den litauischen älteren Schriften vor und versuchten, ihre Herkunft zu erklären. Sowohl sie als auch spätere Forscher erkannten an, dass ein Teil davon aus dem Optativ hervorgegangen ist, nämlich:

a) o-stämmige Verben, 2. Person Singular: graištai „greif“, valgai, guldais selten in Pn, Stlm, Ds; häufig: Dkšt, Rš, Sld, Lkm, Plš, Dglš, Ign, Tvr, Klt, Kret, Ršk, Ml, Dtn, Švnc, Žbl, Ad, Dv, Aps, Grv, Lz (hier wird die reflexive Form guldais gebraucht), Žt. (Diese Formen sind in den Dialekten am weitesten verbreitet.)³

b) i-stämmige Verben, 2. Person Singular⁴: ravì Dglš, Ign, Grv⁵, Lz,

¹ Das dialektale Material für diesen Aufsatz wurde aus einzelnen Dialektbeschreibungen (Dissertationen, Diplomarbeiten, Aufsätzen) gesammelt. Außerdem wurde das im Institut für Litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR zusammengetragene Material des litauischen Dialektatlasses herangezogen.

² Žr. A. Schleicher, Handbuch der litauischen Sprache, Prag, 1856, p. 230 tt. (toliau: Handbuch...); A. Bezzenberger, Beiträge zur Geschichte der litauischen Sprache, Göttingen, 1877, p. 208 tt., 222 tt. (toliau: Beiträge...).

³ Neben Imperativformen o-stämmiger Verben dieses Typs gibt es auch paródz, šildzies in Grv, nekliūd in Klt; sie sind nach den Imperativformen der (i)a-stämmigen Verben gebildet (vgl. § 5).

⁴ Zum Imperativ der i-stämmigen Verben siehe E. Nieminen, Der urindogermanische Ausgang ai des Nominativ—Akkusativ Pluralis des Neutrums im Baltischen, Helsinki, 1922, p. 108 (im Folgenden: Ausgang...).

⁵ Die in Gervėčiai aufgezeichneten Imperativformen der 2. Person Singular von i-stämmigen Verben pažiūr, til, tilė, sind offenbar ebenfalls nach dem Muster der Imperativformen der -(i)a-Stämme gebildet (vgl. Anm. 3).

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Zt, mi.lĭ Sv, ti.lĭ, tū.ri.s Dtn, ravī. Sld, Klt, Vsn, penī, turiēs Lkm, tū.ri, ravī, tū.ries, gulīēs Ad6, Plš.

c) In den Dialekten finden sich kaum Imperativformen der 2. Person Singular von (i)a-stämmigen Verben mit dem Formans te. Dieses Formans ist für die 3. Person des Imperativs charakteristisch (s. § 13). J. Endzelīns führt die Form vedzie7 an (vgl. auch die i-stämmige Form tilīe, s. Anm. 5).

§ 3. Die Optativformen erhielten offenbar bereits in gemeinbaltischer Zeit Imperativbedeutung: Im Preußischen werden auch Formen des alten Optativs in dieser Bedeutung verwendet (wedais, wedeys „führe“, endiris „sieh nach“, kirdijti „hört zu“ u. Ä.)8; die lettischen Imperativformen darait, daraities, lieciet, liecieties u. Ä. gelten ebenfalls als Relikte des alten Optativs9.

§ 4. Obwohl die Sprachwissenschaftler hinsichtlich der oben erwähnten optativischen Herkunft der Formen übereinstimmen, haben sie Formen wie die folgenden höchst unterschiedlich erklärt: gelb DP 7829, 809, dūd DP 8428, 10616, 11331, dūdi DP 8526, parōd DP 1618, atteid DP 113 28.10 Unserer Ansicht nach kommen F. Specht und E. Frenkel der Wahrheit am nächsten11: Die in den Dialekten vorkommende Form duō Dglš, Tvr, Ltk, Ml, Dtn, Ad, Grv, Lz... betrachten sie als alten Imperativ12. Es gibt Grund zu der Annahme, dass der alte Wurzelimperativ von stōti *stō lautete; in den Dialekten entsprechen ihm die Formen atstō, stā Lkm, acistā Plš, Ad, vgl. auch testā (§ 13). Ebenso alt könnten auch die Imperative miēk, gied Plš, miēk Dtn, pāweyzd PK 6614, pawiżd, wiżd KN 11,

6 Bei i-stämmigen Verben können die reflexiven Imperativformen auch auf der Wurzel betont sein: tu.ries Ad, vgl. J. Kardelytė, Liepiamosios nuosakos dvejopos formos ir jų vartojimas Rytų Lietuvos tarmėse, LKK, Bd. 1, Vilnius, 1957, S. 183 (im Folgenden: LKK, Bd. 1).

7 Žr. J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, § 691 (toliau: Gramatika...).

8 Žr. J. Endzelīns, Senprūšu valoda, Rīgā, 1940, p. 119 tt.

9 S. A. Bielenstein, Die lettische Sprache nach ihren Lauten und Formen, II, Berlin, 1864, S. 160 (§ 450) (im Folgenden: Die lettische Sprache...); Ф. О. Фортунатовъ, Критическій разборъ сочиненія Г. К. Ульянова «Значенія глагольныхъ основъ въ лит. — славянскомъ языкѣ», «Сборникъ Отдѣленія русскаго языка и словесности Имп. Ак. Наукъ», LXIV, № 11, Петербургъ, 1897, S. 143–148 (im Folgenden: Критическій разборъ...); K. Brugmann, Grundriss der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, II, 3, Strassburg, 1916, § 469 (im Folgenden: Grundriss...); J. Endzelīns, Gramatika, § 692.

10 S. A. Bielenstein, Die lettische Sprache..., S. 160; O. Wiedemann, Handbuch der litauischen Sprache, Strassburg, 1897, S. 112; J. Endzelīns, Gramatika..., § 691; J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, III, Warszawa, 1956, S. 277 (im Folgenden: Gramatyka...); J. Zubatý, Baltische Miscellen, IF, Bd. 4, S. 176 (im Folgenden: IF); A. Schleicher, Handbuch, S. 226 ff.; A. Bezzenberger, Beiträge..., S. 217 ff.; F. Specht, Širwyds Leben und Schriften, „Širwyds Punktay sakimu“, Göttingen, 1929, S. 41×–42× (im Folgenden: Širwyds Leben und Schriften...); ders., Zu den altpreussischen Verbalformen auf -ai, -ei, -sai, -sei, KZ, Bd. 55, Göttingen, 1928, S. 174 (im Folgenden: KZ, Bd. 55); A. Senn, Die athematischen Verba in Mikalojus Daukszas Schriften, St. Balt., Bd. 4, Roma, 1934–1935, S. 86; Ф. О. Фортунатовъ, Критическій разборъ..., S. 160; В. К. Поржезинскій, Къ исторіи формъ спряженія въ балтійскихъ языкахъ, Москва, 1901, S. 30 ff. (im Folgenden: Къ исторіи...).

11 S. F. Specht, KZ, Bd. 55, S. 182; E. Fraenkel, Der Stand der Erforschung des im Wilnagebiete gesprochenen Litauischen, BS, II, Wilno, 1936, S. 41 (im Folgenden: BS, II).

12 Vgl. V. Poržežinskis’ Erklärung zum Ursprung von (te)ei, s. B. K. Поржезинскій, Къ исторіи..., S. 30 ff.

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wey, pawėzd SD 7, 243, gelb Vln 20₂₄, DP 78₂₇, gelb DP 79₂₈, gelb DP 309₁₅, gelb DK 15₁₇, gelb DK 15₃₄, 45 usw.

§ 5. In den Dialekten finden sich sehr unterschiedliche Formen der 2. Person Singular des Imperativs von Verben mit (i)a-Stamm, z. B.: krau̇, rau̇, apsiau̇, ragau̇, šūkau̇ Dkšt, Krd, Dglš, Lkm, Klt, Ad, Tvr, Grv; šluȯ (und šluȯ), dainuȯ Sld, Lkm, Plš, Švnč, Ad, Grv; grȧ, atsistȧ, kapȧ Krd, Ign, Lkm, Plš, Dglš, Ml, Tvr, Ad; gi̇, bzw. gi̇, ri̇; padali̇ Plš, Ml, Dglš, Tvr, Dtn, Ad; bū̇, bzw. bū̇, supū̇ Lkm, Klt, Ad, Ml; dūj, naktūj Dtn, Ad.

Die Herkunft dieser Formen erklärt unseres Erachtens J. Kazlauskas zutreffend: Als einige Formen des alten Wurzelimperativs (duo, išej) mit dem Infinitivstamm des Verbs zusammenfielen, begann man, Letzteren mit der Bedeutung der 2. Person Singular des Imperativs zu verwenden. Nachdem eine Verbindung zwischen den Formen der 2. Person Singular des Imperativs und des Präsensindikativs entstanden war, bildeten sich J. Kazlauskas zufolge neben Formen wie bū̇, riešutaū̇ usw. nach dem Muster der Formen der 2. Person Indikativ būni, riešutaūni usw. auch Formen wie šluoj (šluoj, šluoj), meluoj Lkm, Plš, Dglš, Tvr, Dtn, Ad, Grv, Lz, griau̇n, šūkaūn Krd, Lkm, Plš, Klt, stoj (stoj), joj, kapȧj Lkm, Ign, Plš, Dglš, Dtn, Tvr, Ad, Lz, Aps, būn (būn), griūn Lkm, Klt, Ign. Neben den Formen stoj, šluoj entstanden būj, grūj, siūj Plš, Lkm, Tvr, Dtn, Ad.

§ 6. In der 2. Person Plural können ebenfalls Imperativformen wurzelimperativischen, optativischen und kontaminativen Ursprungs auftreten¹⁴. In den reflexiven Formen dieser Person kann die Reflexivpartikel vor oder nach der Personalendung stehen, z. B.: šūkuojtes, keltė̃s Ad, šilčtes „wärmt euch“, gultės Grv, gulties Dtn, Ml, liautės, liaunietės „hört auf“ Dglš, sėditės, klōjitės Lz, džiaugtės, džiaugietės Tvr und kelieṡte Ad, liaunietėste Dglš, džiaugiėste Tvr.

Diese reflexiven Formen werden in den Mundarten von Adutiškis, Daugėliškis, Mielagėnai und Tverečius häufig verwendet, wenn zwei bis drei Personen aufgefordert oder angewiesen werden; richtet sich die Aufforderung an eine größere Anzahl von Personen, wird die Endung der 2. Person Plural verdoppelt, z. B.: džiauktėtės Ml, Tvr, keltėtės Dglš, keltėtės Ad und keltėste Dglš¹⁵.

§ 7. In ganz Litauen kann für die 1. Person Plural des Imperativs (mit oder ohne das Formans -k) die Form der 1. Person Plural des Präsensindikativs verwendet werden (gaūdom „fangen wir“, vežam „fahren wir“). Die Verwendung von Indikativformen mit der Bedeutung der 1. Person Plural des Imperativs sowie die Seltenheit der Imperativformen dieser Person¹⁶ lassen vermuten, dass die Imperativformen der 1. Person Plural jüngeren Ursprungs sind als die Imperativformen der 2. Person Singular und Plural. Lange Zeit wurden in der 1. Person Plural des Imperativs wahrscheinlich Injunktivformen verwendet; vgl. die an vielen Orten Litauens erhaltenen Indikativformen des athematischen Verbs eiti, die mit der Bedeutung der 1. Person Plural des Imperativs gebraucht werden: eima, eimà Prg, eimė, a(i)mė Grš, Vilkv, eimė Jrb, aimė Raud, Knv, Rgv, Kp, Pl, ai(i)mė Lkm, amė Dglš, Tvr, Ad, a(i)mà Zt usw.; vgl. die Formen der 1. Person Dual aivà Raud, Vl, Vilkv, eivà Jrb, Grš.

¹³ Siehe J. Kazlauskas, Iš optatyvo istorijos, LKK, Bd. 4, Vilnius, 1961, S. 82—83.

¹⁴ Beispiele siehe J. Kardelytė, LKK, Bd. 1, S. 186. Es sei lediglich darauf hingewiesen, dass die Behauptung der Autorin, zweisilbige Imperativformen der 2. Person Plural würden nur auf der Endung betont, unbegründet zu sein scheint; vgl. dėjste, laīte „lasst“, rīcte, lañdže (und kemžtė), lipte, geñte, šākte (und larntė) Tvr.

¹⁵ Žr. ir J. Otrebski, Wschodniolitewskie narzecze twereckie, I, Kraków, 1934, p. 385.

¹⁶ Z. B. seltene Imperativformen der 1. Person Plural ohne -k: gañaimė, kraūmė, grēbme „lasst uns harken“, vakariūjome Ml, Ad, rāšaimė, tilīme, paṣākme, siedziēmės Tvr, ūlgaime Švnč, lēidme, ragāūnme, stātāime Aps.

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§ 8. Die Imperativform der 1. Person Plural mit der Endung -me bedeutet in einigen ostlitauischen dzukischen Mundarten einen Befehl, der an zwei Personen gerichtet ist – an den Hörer und an die angesprochene Person (z. B. amė, padėsi vežimą nukrauti). Wird an eine solche Form die Endung -te angefügt, richtet sich der Befehl an mehrere Personen (bōbos, amėte rīt viōgaut). Die Endung -te, die der Form eine Bedeutung des Plurals verleiht, ist hier nach dem Muster der 2. Person Plural angefügt.

§ 9. In den Formen der 3. Person des Imperativs (Permissiv) werden heute gewöhnlich die Partikeln te, tegu(l), testa, lai, laigul usw. verwendet.

Die Herkunft der Partikel te ist bis heute unklar. A. Becenberger identifizierte sie mit der deiktischen Partikel te, die gewöhnlich mit Verben verwendet wird (Kodelei tu man tikrai viena burtą... tedavei BB Joz 17, 14, Schitie pafkucziau/ieghi wiena hadiną te dirba. BB Mt 20, 12, Jauniau/is tebėra pas mu/ų Tiewą BB 1 Moz 42, 13)¹⁷. Ähnlich erklären te J. EndzelYnas und J. Otrembskis¹⁸.

Die Partikel te kann, wenn sie mit dem Verb verschmolzen ist, auch als selbständiges Wort verwendet werden. Schon in den älteren Schriften steht te in Sätzen mit mehreren Formen der 3. Person des Imperativs gewöhnlich nur vor dem ersten Verb, z. B.: Czia te dūdie wiens wienam Wenčianōnės Žėdus o Klebonas fudedade abejū dešinę Ranką Daw Pam 9, Te ne lipa ing namus ney ineina Bt 13, 15.

Mit te wird in den älteren Schriften auch die Partikel gi verwendet, z. B.: tėgistow BB 2 Krn 1, 9, tegiweifd BB 1 Moz 43, 33, tėgi parod (neben te parodig), tėgi ne regis DP 264₃₄, tegi ėssi DP 433₂.

In den älteren Schriften finden sich auch Beispiele, in denen sich der Vokal der Partikel te mit dem ersten Vokal des Verbs oder seines Präfixes kontrahiert, z. B.: totei „teateina“ KN 264, totliektis „teatsilieka“ DP 70₃, tėssi „teesie“ DP 51₄₁, tė/si DP 82₂₃, 194₅, 257₈.

Das Reflexivpartikel steht meist zwischen te (ta) und dem Verbstamm, z. B.: tesidėd DP₂₄, te/įskiria BB 1 PvP 7, 15, tesided AK 42₉ || tęsispardai Jrb, tesi-suk Grdž, tesizi.nai Šl, Sv, Plš, tesizi.no Uog, Plv, tesizi.na Pnm, Ad, tasiprausia Skp, tasdārai Rmš, tesizi.nai Tvr. In einigen Mundarten steht das Reflexivpartikel dieser Art von Formen am Ende, z. B.: tėpešas Krtn, temōkais Lkv, tegānos Gerv, tė.siuvas Ds.

§ 11. Viel häufiger als mit te wird zur Bildung der 3. Person des Imperativs eine Verbform mit dem Partikel tegul (tagul) oder seiner kürzeren Form tegu (tagu) verwendet, z. B.: tegul auga Smn, Lp, Glv, Bgs, Plš, Ad, Ds, tėgul būn Kal, Pgr, tegūl nėš Erž, Všk, tegul dāro Pgr, Grdž, Vs, tėgul ār Šl, Pkp, tegul’ lėkia Žsl, Kš, tegul dāro Knv, tegul kās Pš, Škn, tagūl eina Plv, Pnd, Dbk, tegūl tili Kp, Skp, Sv, Ktk, tegul sū.kas Aln ir tegu nėša Gršk, Smn, Vs, Lp, Knv, tegū būn, tegu atimie Jrb, Grdž, tagū mōkos Krtn, Lkv, tegu sāko Všk, Kal, Erž, Gerv, tegu dirb ret. Brž, tegū praišia Glv, Aln, Ktk, Ad, tagū mirksta Kp, Skp usw.¹⁹

¹⁷ Siehe A. Bezzenberger, Beiträge..., S. 211. Einmal wurde te sogar mit einem Adjektiv verwendet: tegaliau fioioje privartije BB Ez 40, 20 (vgl. heutige Beispiele: Kartą ten tebuvau. Jis ten tebėgyvena, siehe J. Otrębskis, Gramatyka..., S. 368).

¹⁸ Žr. J. Endzelynas, Baltų kalbų garsai ir formos, Vilnius, 1957, p. 191; J. Otrębskį, Gramatyka..., p. 368.

¹⁹ Das Partikel tegul wird auch in den älteren Schriften neben te verwendet. Offenbar findet es sich nur nicht in der Bibel von J. Chilinskis und in der Wolfenbütteler Postille; siehe A. Bezzenberger, Studien über die Sprache des preussischen Enchiridions, KZ, Bd. 41, Göttingen, 1907, S. 112 ff. (im Folgenden: KZ, Bd. 41). Im Gegensatz dazu wird tegul in den Schriften von K. Sirvydas besonders häufig verwendet: Bei te wurde in den „Punktai Sakymų“ nur eine einzige Form gefunden: te klausai 338₁ (F. Specht, Syrwids Leben und Schriften..., S. 42).

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In den ostlitauischen dzūkischen Mundarten kommen die erwähnten Formen noch mit den Partikeln testą, testau, vor, z. B.: testą eina Knv, testą lieka Ad, testą sėdas Tvr, testau pāravi „möge er das Land bestellen“ Ad. F. Kuršaitis20 hielt gulėti für einen permissiven Modus des Verbs21. A. Bezzenberger sah darin eine Verbindung der Partikeln te, gu und lai. Das gu dieser Verbindung sei eine Fragepartikel, die auch in anderen Wörtern vorkomme, z. B.: jeigu, negu, während lai dem altpreußischen lai entspreche (vgl. bōulai „damit es sei“, ēilai „er gehe, damit er gehe“), dem litauischen und lettischen lai, das mit Imperativformen gebraucht wird. Diese Auffassung A. Bezzenbergers, der sich später auch andere Sprachwissenschaftler anschlossen, wurde von E. Hermann22 zu Recht kritisiert. Begründet erscheint E. Hermanns Vermutung, dass tegu auf nichtphonologischem Wege aus tegul entstanden ist.

§ 12. Da die Partikel lai nur in den nördlichen litauischen Dialekten gebraucht wird (lange Zeit nahm man an, dass sie nur in den žemaitischen Mundarten vorkomme23), galt sie als Kuronismus oder Lettizismus24. K. Būga vermutete, gestützt auf den Umstand, dass auch die Preußen die Partikel lai gehabt hätten, vgl. ēilai, auotilai „sie wollen“, sie sei nichtlettischen Ursprungs25.

Über den Ursprung der Partikel lai gibt es zwei Auffassungen. Einige Sprachwissenschaftler betrachten das lettische lai und das litauische lai als Überrest des alten Imperativs des Verbs (lettisch laist, litauisch leisti)26. Sie stützen sich auf die in älteren lettischen Schriften anstelle von lai gebrauchte Form laid und auf entsprechende Partikeln in den slawischen Sprachen (russ. пусть (von пустить), пускай (von пускать), poln. niech, niechai, ukrain. нехай, weißruss. няхай), die ebenfalls alte Imperative sind.

A. Bezzenberger und K. Būga stimmten dieser Auffassung nicht zu; das in älteren Schriften vorkommende laid hielten sie für eine Bildung aus lai und der Postposition da27. Diese letztere Erklärung,

20 Žr. F. Kurschat, Grammatik der litauischen Sprache, Halle, 1876, p. 372 (§ 1369).

21 Ähnlich wird testą als permissive Form des Verbs stovėti angesehen, siehe J. Zubatý, IF, Bd. 4, S. 474.

22 E. Hermann, Litauische Studien, Berlin, 1926, p. 255 tt.

23 F. Kuršaitis (siehe F. Kurschat, Grammatik..., p. 301, § 1160) vertrat die Auffassung, dass lai in Klaipėda und Kretinga verwendet werde, während die östlichen Žemaiten tegul hätten. K. Būga (siehe K. Būga, Kalbos mažmožiai, „Švietimo darbas“, 3–4, Kaunas, 1921, p. 47) weist darauf hin, dass lai in Skuodas, Mosėdis, Alsėdžiai, Rietavas und Kvėdarnoje verwendet wird. Ergänzend lässt sich anführen, dass lai (oder lei) auch in Kretinga (lai eit), Viekšniai (lei miliė), Kalnalis (lai skaīto), Šelėniai (lai dirb), Kuršėnai (lei nōrie, selten lai einie), Šakyna (lai būnie, lei dirb), Šiauliai, Pakapė (lai ār'), Steigviliai (lei kabalīoji), Biržai (lei peīk), Pabiržė (lei paliek) und Svėdasai (lai gu.li) vorkommt.

24 Vgl. J. Endzelīns, Gramatika..., § 694.

25 Siehe K. Būga, Славяно-балтийские этимологии, „Rinktiniai raštai“, I, Vilnius, 1958, S. 452—453. (im Folgenden: RR, I).

26 Siehe A. Bielenstein, Die lettische Sprache..., S. 164, 208, 365; J. Zubatý, Über die sogenannten Flickvokale des lettischen Volkslieds; Věstník královské České společnosti náuk, Třída filosoficko-historicko jazy kopytná, Bd. 19, Prag, 1855, S. 13; ders., IF, Bd. 6, S. 294; J. Endzelin, Lettische Miszellen, KZ, Bd. 42, Göttingen, 1909, S. 375; ders., Gramatika..., § 690; ders., Kritische Anzeiger, AfslPh, Bd. 32, Berlin, 1911, S. 295. E. Fraenkel, BS, II, S. 64; ders., Litauisches etymologisches Wörterbuch, Göttingen, 1955, S. 328 ff.; Chr. S. Stang, Das slavische und baltische Verbum, Oslo, 1942, S. 245 (im Folgenden: Verbum...); J. Otrębski, Gramatyka..., III, S. 365. Keiner der beiden im Artikel erwähnten Auffassungen über den Ursprung von lai stimmten K. Brugmann, A. Trautmann, E. Berneker und andere zu (siehe K. Brugmann, Slavisch li und lettisch lai, IF, Bd. 15, Strassburg, 1903—1904, S. 380 (im Folgenden: IF, Bd. 15); ders., Grundriss..., II, 3, S. 974; A. Trautmann, Altpreussische Sprachdenkmäler, S. 285; E. Berneker, Slavisches etymologisches Wörterbuch, I, Heidelberg, 1913, S. 716, 698; F. Solmsen, KZ, Bd. 44, S. 184.

27 A. Bezzenberger, KZ, Bd. 41, S. 122; K. Būga, RR, I, S. 452—454.

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dem später auch E. Nieminen zustimmte,28 scheint zutreffender zu sein29. Denn die russischen möge, sollen sind eindeutig späteren Ursprungs: Im Altrussischen stand an ihrer Stelle das Partikel da (das die Formen ohne Partikel ersetzte). Im Lettischen wird die 3. Person des Imperativs nur mit lai. Dass die Imperativform lai bereits in sehr alter Zeit zu einem Partikel wurde (wie sich beispielsweise später vielleicht tegul oder die erwähnten slawischen Partikel wandelten), ist zweifelhaft.

§ 13. Formen der 3. Person des Imperativs der Verben mit o-Stamm und der Endung des alten Optativs -ai kommen, wenn auch recht selten, in den samogitischen sowie den west- und ostaukštaitischen Mundarten vor, z. B.: tarašai, tamokais Lkv, tegūnai Vds, terodai Prg, tesakai Šl, tesispardai, tegu suvalgai Jrb, Grdž, tesizinai GĮ, tedarai Pls, Dglš, Tvr, Dtn, Ad, tadarai Rš, tesiži.nai ret. Sv, Ktk.

Ältere Imperativformen werden heute auch bei Verben anderer Stämme verwendet, z. B.: leimūlė „möge er/sie lieben“, leibūnė, tevežie Vks, teneši, tepraušis Gerv, tanešie, tanaudie Lkv, tebūnie, težiūrie Pgr, tegulie, teguli, tedirbi ret. Kps, VIkv, tebėgie, tegu atimė Jrb, testovį, selten teeinie Sv, testovį, teneši selten Pnm, testą, testau, temiek, tevažiuoj, testovį, tepriraū, teišmok, tegied Dglš, Tvr, testą, téi „möge er/sie gehen“, testau, tepadali, teguli Ad.

§ 14. Viel häufiger wird die Bedeutung der 3. Person des Imperativs durch Formen der 3. Person des Präsens Indikativs mit einer Partikel ausgedrückt (te, tegu(l), testa, lai usw.). Solche Formen werden in ganz Litauen verwendet und sind auch in den alten Schriften zahlreich belegt. In manchen Mundarten kann die 3. Person des Imperativs auch durch die Form der 3. Person des Futur Indikativs ausgedrückt werden, z. B.: tėgu pamatīs Gerv, lai būs Škn, tegul važiuoš, tegū pavalgis Lp, testà ateis Knv; vgl. auch die in den alten Schriften vorkommenden Formen dieser Art: tegul bus SP I 25₂₀, 66₄, 152₁₇, tegul ne bus SP II 100₁₀, tegul bus SE 276; tegul karis paštatītus KN 25.

In der Mundart von Kaniava kann die 3. Person des Imperativs auch durch eine Form des Konjunktivs mit einer Partikel ausgedrückt werden: testà ateit.

§ 15. Wie wir gesehen haben, unterscheidet sich die 3. Person des Imperativs von den übrigen Personen des Imperativs durch das Vorhandensein einer bestimmten Partikel und durch die Verwendung von Indikativformen. Es gibt Grund zu der Annahme, dass die Formen der 3. Person des Imperativs jüngeren Ursprungs sind als die Formen der 2. Person Singular und Plural. Lange Zeit wurden in der litauischen und lettischen Sprache offenbar Indikativformen in der Bedeutung der 3. Person des Imperativs verwendet (vgl. die erstarrten Wendungen rūna tave giltinė, lettisch paraj vinu Jupis).30

Später setzten sich an ihrer Stelle Imperativformen der 2. Person durch, vgl. dies duo tau31, trauk tave kelmai „mögen dich die Baumstümpfe mit sich reißen“, šūk tave ubagas Krtn, rāu(k) aną pikį „möge sie der Teufel holen“, trauk jum paraliai, trenk tave perkūnas Škn32 und in den alten Schriften nicht...

28 Nach E. Nieminens Auffassung kann die Partikel lai aus *lāi oder *lāi hervorgegangen sein (E. Nieminen, Ausgang..., S. 112 ff.).

29 Vgl. litauisch lai, lettisch lai, preußisch -lai; zum Vergleich mit russisch ли siehe A. Leskien, Die Deklination im Slavisch-Litauischen und Germanischen, Lipsk, 1876, S. 49; F. Solmsen, KZ, Bd. 44, S. 184; W. Vondrák, Vergleichende slavische Grammatik, II, Göttingen, 1928, S. 288; K. Brugmann, IF, Bd. 15, S. 380; K. Büga, RR, I, S. 452—453; E. Nieminen, Ausgang..., S. 113.

30 Siehe J. Endzelīns, Gramatika..., § 694; J. Endzelynas, Baltų kalbų garsai ir formos..., S. 191 (§ 398).

31 Siehe J. Endzelīns, Gramatika..., § 694.

32 Vgl. russisch Отохни твой язык.

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(Karalius tho neded (chirdie)fp BB 2 Sam 19, 19), atmete „te atmeta“ BP 2625.33 Dass sie sich mit dieser Bedeutung durchsetzen konnten, wurde ihnen vielleicht dadurch erleichtert, dass die in § 2 erwähnten, aus dem Optativ hervorgegangenen Formen anstelle nichtparadigmatischer (injunktivischer oder anderer) Imperativformen der 3. Person verwendet wurden. Nachdem die Endung der 3. Person *t abgefallen war (*darai-f), waren die Formen *darai(s) und *darai(t) nicht mehr zu unterscheiden. Daher begann man, neben ihnen für die 3. Person des Imperativs das Partikel te zu verwenden (und anderswo vielleicht anfangs auch überall (?) lai). Dieses Partikel sollte die 3. Person des Imperativs spezifizieren. Mit der Zeit wurde es durch die zu abstrakten Formen gewordenen Imperative tegul, testa, laigul u. Ä. ersetzt. Sie konnten auch neben der älteren Imperativform der 3. Person mit dem Partikel te stehen, vgl. tegul tedūmo DP 22115, tegul te diūdes DK 12010 (in der Ausgabe von E. Zittig), kožnas tegul paties fawo darbą tedatina Bt PvG 6, 4, o tegul tenudalija Bt PvG 6, 6, tegul tedaro taip KIG 52134.

§ 16. Mit der 3. Person des Imperativs kann das Wörtchen sau verwendet werden, das die Bedeutung des Befehlens völlig abgeschwächt hat, z. B.: tegū sau rėkauna Tvr, tegul sau nė.šas Pnm. A. Brückner hält eine solche Form aus dem Dialekt von Merkinė (tegul sau eina) für eine Entlehnung aus den slawischen Sprachen (vgl. polnisch niech sobie idzie)35. Doch wird in den litauischen Dialekten der Imperativ tesižinai, tes ižino sehr häufig verwendet (vgl. § 9). An vielen Orten (Raguva, Palėvenė, Svėdasai, Alanta, Kuktiškės u. a.) ist das Partikel te nur in dieser Form neben dem in allen übrigen Fällen verwendeten tegul, tegu erhalten geblieben. Wie es scheint, blieb das Partikel te in der Form tesižinai, tes ižino wegen des Reflexivpartikels erhalten, das den Erlaubnischarakter hervorhebt: tesižino = tegul sau žinosi. Daher wäre vielleicht auch die Verwendung von sau mit der 3. Person des Imperativs als unabhängig von der entsprechenden polnischen Wendung niech sobie idzie entstanden anzusehen.

§ 17. Wie entstand im Litauischen der Imperativ mit dem Formans -k?

Die verschiedenen Nuancen des Befehlens beim Imperativ können in den idg. Sprachen durch bestimmte Partikeln hervorgehoben werden36. Diese Partikeln können manchmal zu echten Flexionsendungen werden (z. B. im Griechischen und Sanskrit -dhi). Ähnlich könnte auch das litauische Imperativformans -k entstanden sein.

Welche Bedeutungsnuance verlieh das Partikel -k der Imperativform? Nach J. Otrębskis Ansicht37 konnten die Formen mit -k einen abgeschwächten Befehl ausdrücken (daraus sei ihre Zukunftsbedeutung entstanden: Ein abgeschwächter Befehl verlangt keine sofortige Ausführung). Diese Ansicht scheint jedoch nicht begründet zu sein — wenn der alte Imperativ einen strengen Befehl ausdrückte, ist nicht einzusehen, warum er hätte verschwinden sollen.

Wie bereits gesagt wurde, gingen im Litauischen einige Imperativformen verloren, und an ihrer Stelle begann man, neue Formen zu verwenden. Der Imperativ optativischen Ursprungs ersetzte nicht alle früheren Imperativformen. Ein Teil dieser Formen ähnelte den Formen der 2. Person des Präsens Indikativs (vgl. § 5). Das neue Partikel sollte offenbar die Bedeutung des Befehlens verstärken und zugleich einige Imperativformen der 2. Person deutlicher von den Formen der 2. Person des Präsens Indikativs unterscheiden.

33 Wenn es sich nicht um Lehnübersetzungen handelt, wie es vielleicht im Katechismus von M. Daukša der Fall ist: Kuri mūmus duok’ Wieszpatie (Ktore nam day Panie) (in der Ausgabe von E. Zittig 8620).

34 Vgl. F. Kurschat, Grammatik..., S. 301 (§ 1160), 372 (§ 1369). Neben den Formen tegul pasilieket, teit, tegul eit kann man auch tegul tepasilieekt, tegul teit, tegul teina sagen.

35 Žr. A. Brückner, Litu-slavische Studien, I, Weimar, 1877, p. 164.

36 Z. B. gr. ἄγε, φέρε, lat. age agedum (zur Verstärkung der Aufforderung), lat. amabo sis (=si vis) (zur Abschwächung der Aufforderung), siehe K. Brugmann, Grundriss..., II 3, § 717.

37 Siehe J. Otrębski, Gramatyka..., III, S. 226 (§ 504).

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In den Dialekten lässt sich ein Zusammenhang zwischen den Formen des Imperativs und des Indikativs Futur beobachten: Die 1. (und 3., vgl. § 14) Person Plural des Imperativs ohne -k kann auch durch die Form des Indikativs Futur ausgedrückt werden (vgl. nešma „lasst uns tragen“ Lkv, pasidalìsma „lasst uns teilen“ Skp); in einigen Dialekten sind die Formen der 1. Person Plural des Imperativs mit -k nach den Formen des Indikativs Futur gebildet worden (siehe § 21)³⁸.

Spuren des Gebrauchs zweier Imperativtempora finden sich auch im Dialekt von Kretinga³⁹. Daher könnte es vielleicht Grund zu der Annahme geben, dass es auch in anderen Mundarten eine Zeit lang zwei Imperativtempora gab.

§ 18. Sowohl in den Dialekten als auch in den alten Schriften enden die Formen der 2. Person Singular des Imperativs meist auf das Formans -k. Vollständigere Formen sind sehr selten. Sie können enden auf⁴⁰:

-i: šūki selten Gršk, Plv; padėki Sb, siehe BM I 104, gulkį, palaukig Zt;

-ie: šūkie Smn, Jrb, darýkie Lp, Ršk, Grv, atadúokie Dglš, Tvr, Švnč, nesėdėkie Lz;

-a: vėskia Knv, baika „hör auf“ Kp;

-ai: sakíkai Krtn⁴¹, tilėkai Ds, pa-gi-kinķkai VoL 490₃, pa-gi-žiūrėkai VoL 490₅, palaukai VoL 364₆,₇;₇, pasakýkai VoL 366₂₁.

In den heutigen Dialekten enden die reflexiven Formen der 2. Person Singular des Imperativs meist auf -is, z. B.: neškis, juokis Ms, Vkš, Gerv, Jrb, KzR, Prn, sū.kis Rk, Sv, Tršk, Pnd, Ktk, Mlt usw. Recht selten sind reflexive Formen auf -ies, z. B.: juókies selten Grš, Vlkv, nėškies Jrb, liáukies Dglš, Ršk, Tvr, oder auf -ias, z. B.: kiškias Vkš, Trk, sūkias Kal, nėškias Lkv, kėlkias Krž.

§ 19. Wie die vollständige Partikel aussah, die zum Imperativformans -k geworden ist, lässt sich schwer sagen. A. Schleicher und K. Brugmann (später vermuteten Ähnliches Ch. Stang und J. Otrębski) nahmen eine Partikel k⁴² an. V. Poržežinskis⁴³ vertrat die Auffassung, es habe zwei Partikeln gegeben — ki und kie. F. Solmsen⁴⁴ hielt ko oder ka für möglich.

Auch die Herkunft des Formans -k wird unterschiedlich erklärt. Fast alle Sprachwissenschaftler⁴⁵ bringen dieses Formans mit der slawischen Partikel ka in Verbindung. Im Russischen wird diese Partikel mit Verben verwendet

³⁸ Außerdem lässt sich vermuten, dass sich das Konjugationsparadigma des Imperativs mit -k (eik(i), eik-i-me, eik-i-te...) nach dem Konjugationsmuster des Futurs (eisi, eisime...) gebildet hat, vgl. § 19.

³⁹ Siehe J. Aleksandravičius, Kretingos tarmės veiksmažodis, „Vilniaus Valstybinio pedagoginio instituto Mokslo darbai“, Bd. 8, 1959, S. 117 ff. (zu einem Teil dieser Formen siehe Fußnote 41).

⁴⁰ Beispiele aus den alten Schriften siehe A. Bezzenberger, Beiträge, S. 220 ff.; В. К. Поржезинский, Къ исторіи, S. 22 ff.

⁴¹ Im Dialekt von Kretinga haben diese Formen die Bedeutung des Imperativs Präsens (siehe J. Aleksandravičius, a. a. O., S. 117 ff.). -ai ist hier wahrscheinlich eine Partikel, die auch mit anderen Verbformen verwendet wird, z. B.: reikiai „es ist nötig“, eitai „geht“, reiksai „wird nötig sein“, ėsaị „wird sein“ Krtn. Diese Partikel kann kein Überrest des optativischen Imperativs sein, da sie auch bei Formen des a-Stamms vorkommt (wie wir gesehen haben, und zudem vermischen sich Imperative der a-Stämme nicht leicht).

⁴² A. Schleicher, Handbuch..., S. 230; K. Brugmann, Grundriss..., II, 3, S. 957, § 889; J. Otrebski, Gramatyka..., S. 226; Ch. S. Stang, Verbum..., S. 248.

⁴³ В. К. Поржезинский, Къ исторіи..., S. 34.

⁴⁴ F. Solmsen, Etymologien. I. Slav. ka, ko, griech. κᾶ, κέ(v), KZ, Bd. 35, 1899, S. 463 ff. (im Folgenden: KZ, Bd. 35).

⁴⁵ Siehe die in den Anmerkungen 42—44 genannte Literatur; vgl. außerdem F. Miklosich, Vergleichende Grammatik der slavischen Sprachen, IV, Wien, 1867, S. 798.

160

Imperative und Konjunktive, z. B. расскажи-ка, ложись-ко, поёшико, попейко, по-ёдему-ко, постоиму-ко46.

Die Endungen der litauischen Imperativformen der 1. und 2. Person Plural lauten -kime, -kite (und nicht *-mek(i), *-tek(i)). Eine ähnliche Infigierung der Partikel ist im Jaroslawler Dialekt des Russischen beobachtet worden: in der Umgangssprache gewöhnlich полюкаме (anstelle von полюме-ка) und im Lied выго-няйкаме46.

Wie man sieht, ist der Zusammenhang zwischen litauisch -k und slavisch -ka zutreffend erkannt worden. K. Brugmann nimmt ferner an, dass das litauische -k (wie auch altindisch kam, kám, avestisch kam, griechisch χέν, χέ, χά, dorisch κά und altslawisch κъ, russisch ко, ка) aus den indoeuropäischen Pronomina *quom, *quem, *quā hervorgegangen sei; V. Poržezinskis dagegen leitet es von indoeuropäischen Pronomina mit den Stämmen 47*qui (> litauisch ki), *quā (> litauisch -kie).

A. Schleicher48 stellte die Partikel -k p, po zur Seite (z. B. taip, alt taipo, kitaip, kaip, abgeleitet von den Stämmen ta, kita, ka)49. Ähnlich denkt auch E. Fraenkel; er bringt das Imperativformans -k mit der litauischen Postposition pi in Verbindung50.

V. Toporov und O. Trubačov51 haben eine ganz neue Auffassung vorgelegt. Ihrer Ansicht nach wurde der litauische und russische Imperativ mit -k nach dem finnisch-ugrischen Imperativ mit dem Formans -ka gebildet.

§ 20. An welche Formen trat die Partikel -k? Nach A. Schleicher und K. Brugmann sei diese Partikel in Imperativformen des Typs duodi, imi eingeschoben worden. duodi, imi sind jedoch Formen des Präsensstamms. Deshalb nahm A. Schleicher an, die Partikel sei in jene Formen eingeschoben worden, bei denen Präsens- und Infinitivstamm übereinstimmten. So sei neben dem alten Imperativ gelbi (1. Pers. Sg.), gelbite (2. Pers. Sg.) der neue gelbki, gelbkite entstanden (später gelbėk, gelbėkite).

Ch. Stang (und J. Otrębski) meinen, die Grundlage der Imperativformen mit -k seien Formen des Wurzelimperativs wie ei52 gewesen. Die Partikel -k trat offenbar zuletzt an Formen, die am Ende einen Konsonanten hatten (p, š oder andere). In einzelnen Dialekten wird das Imperativformans -k in der 2. Person auch heute manchmal nicht ausgesprochen, wenn ihm ein Konsonant vorausgeht, z. B.: nepil(k), paiń(k), kirp(k) (aber gėrk) Jrb (im Jurbarker Dialekt kann k hier nach allen Konsonanten ausfallen; es bleibt nur nach r erhalten); mė.s(k), lū.p(k), nė.š(k) Sy, at-nė.š(k) Plvn, atkimš(k) Kp, vėš šieną, nupėš vytą Dbk.

§ 21. Die Formen der 1. Person Plural des Imperativs mit -k können in einigen ostlitauischen Mundarten die Endung -ium haben, vgl. bėki'um selten Dkš, NŪt, Vlė, neš̌kium, neškiumės Prn, eikium Mrk, Prl, kėlki'um, kėlkiums, kėlkiumėms Slm, ferner lėkium Plvn, duokium, diokiumus, prašksiumėms gewöhnlich Pnm, vė.ški'um, vė.ški'um(e)s, vė.ški'umėms Sy53.

46 Vgl. F. Solmsen, KZ, Bd. 35, S. 463 ff.

47 Auch die Auffassungen anderer Sprachwissenschaftler gehen auseinander; vgl. H. Osthoff, Perfekt, S. 355; A. Bezzenberger, Beiträge..., 217 ff.; F. Solmsen, KZ, Bd. 35, 463 ff.

48 Siehe A. Schleicher, Handbuch..., S. 231.

49 Vgl. auch die slavischen Pronomina: russisch мне-ка, тебе-ка (Formen, die in russischen Bylinen vorkommen), serbisch тебе-ка „dir“, naske „uns“, vaske „euch“, bulgarisch азика, азка „ich“, менека „mich“, тебека „dich“.

50 Siehe E. Fraenkel, BS, II, S. 41 ff.

51 Siehe В. Н. Топоров и О. Н. Трубачёв, Лингвистический анализ гидронимов Верхнего Поднепровья, Москва, 1962, S. 249—250.

52 Dies bestätigt besonders die Form aik, die in Daugeliškis und Tverečius sowohl das Präsens als auch das Futur des Imperativs bezeichnet.

53 Vgl. ferner išmuškium (und atadūokiem) in Sb, išmuškium, eikium, siehe F. Specht, Litauische Mundarten, gesammelt von A. Baranowski, II, Leipzig, 1922, S. 193.

11. Lietuvių kalbos morfologinė sandara ir jos raida

161

Solche Formen sind nach der 1. Person Plural des Indikativ-Futurs entstanden: In den Dialekten, in denen die 1. Person Plural des Imperativs auf -kium endet, haben auch die Futurformen -siu⁵⁴. Dies bestätigt erneut den Zusammenhang zwischen den Formen des Imperativs und des Indikativ-Futurs (vgl. § 7).

§ 22. Wie wir gesehen haben, werden Imperativformen ohne -k nicht nur in den ostlitauischen dzūkischen Mundarten verwendet; gelegentlich finden sie sich auch in Kretinga, Linkuva, Panevėžys, Švedasai, Aleksandrãvelė und andernorts.

Die ältesten erhaltenen Imperativformen des Litauischen sind der sogenannte Wurzelimperativ (z. B. duo usw.). Diese Formen weisen heute ehemalige athematische und (i)a-stämmige Verben auf. Während der gemeinsamen baltischen Periode begann man, die optativische Form mit imperativischer Bedeutung zu verwenden. Der in den litauischen Mundarten heute gebrauchte Imperativ der o- und i-stämmigen Verben ist optativischen Ursprungs. Der optativische Imperativ der (i)a-stämmigen Verben ist beinahe nicht erhalten geblieben. Unklar ist, wann sich im Litauischen die Kontaminationsformen des Imperativs duod, šluoj, būn herausgebildet haben.

Die alten Formen der 3. Person des Imperativs konnten vollständig mit den Formen der 2. Person Singular des Imperativs zusammenfallen. Zur Kennzeichnung der 3. Person des Imperativs wurden zusammen mit dieser Form die Partikeln te, ta, lai verwendet, später tegu(l), tagu(l), testa(u), laigu(l), leigu(l). Heute wird die 3. Person des Imperativs meist durch die Form der 3. Person Singular des Indikativ-Präsens zusammen mit einer Partikel ausgedrückt.

Die Form der 1. Person Plural des Imperativs ist jüngeren Ursprungs als die Formen der 2. Person Singular und Plural. Die 1. Person Plural kann auch durch die Form der 1. Person Plural des Indikativ-Präsens ausgedrückt werden.

Die Imperativformen mit -k entstanden lange vor dem Erscheinen der ersten Schriftzeugnisse. Ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Imperativ mit dem Formans -k und den Formen des Indikativ-Futurs lässt sich feststellen.

A B K Ü R Z U N G E N⁵⁵

AfslPh — Archiv für slavische Philologie, Berlin (seit 1876).

AK — Anonymer Katechismus von 1605.

BB — (mit Verweisen auf den Bibeltext) Biblia tatai esti Wissas Schwentas Raschtas Lietuwischkai pergulditas per Jana Bretkuna Lietuwos Pleboną Karaliaucziuie (1590).

BM — Litauische Mundarten, gesammelt von A. Baranowski. Band I: Texte aus dem Weberschen Nachlass, herausgegeben von Dr. Franz Specht... Leipzig 1920.

BP — Postilla tatai esti Trumpas ir Prastas Ischguldimas Euangeliu... Per Jana Bretkuna... Karaliaucziuie... 1591, I.

BS — Balticoslavica, I—III, Vilnius (1933—1938).

Bt — (mit Verweisen auf den Bibeltext) S. Bythner, Naujās Testamentas... Pirma karta ant Svieto Lietuwiskzoj kalboj... Su didžiu dabojimu pergulditas. Lietuvos žmonėms ant iszganytingos naudos Iszspāustas. Drukawõjo arba iszspaude Spāustuwõj Reusnėro Karaliaucziuj’, Métu MDCCI.

54 Die Endung der Zukunftsform -sium ist höchstwahrscheinlich nach dem Verhältnis aisi-aisit = aisiu: x=aisium entstanden; siehe F. Specht, KZ, Bd. 55, S. 177.

55 Neben diesen Abkürzungen werden im Artikel auch die im „Lietuvių kalbos žodynas“ aufgenommenen Abkürzungen für Ortsnamen verwendet; siehe Lietuvių kalbos žodynas, Bd. 5. Vilnius, 1959.

162

Daw Pam — Dawadnas Pamokinimas, wie man sich in Litauen verhalten soll, wenn man das heilige Amt eines Pfarrers treu erfüllen möchte. Königsberg, im Jahre MDCCXXX.

dažn. — häufig, am häufigsten verwendete Form.

DK — Litauischer Katechismus von N. Daukša, nach der Ausgabe von 1595, neu gedruckt und mit Erläuterungen von E. Wolter versehen. Sankt Petersburg, 1886.

DP — Postilla Catholicka, Tai est: Auslegung der Evangelien für jeden Sonntag und die Feiertage des ganzen Jahres. Von dem Priester Mikalojus Daukša, Kanoniker von Medininkai, aus dem Polnischen übersetzt. Mit Genehmigung und Privileg des Oberen, in Vilnius, in der Druckerei der Akademie... 1599.

Dtn — Dotenėnai, Rajon Švenčionys.

Gerv — Gerviniai, Rajon Raseiniai.

IF — Indogermanische Forschungen, Straßburg, Berlin und Leipzig (seit 1892).

KlG — Die erste Grammatik der litauischen Sprache, Vilnius, 1957.

KN — (S. J. Telega). Kniga Nobaznistes Krikščioniszkos... zum zweiten Mal in Kėdainiai nachgedruckt... 1653.

Krd — Kirdeikiai, Rajon Utena.

Kret — Kretuonys, Rajon Švenčionys.

KZ — Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen, begründet von A. Kuhn, Göttingen (nuo 1852 m.).

LKK — Fragen der litauischen Sprachwissenschaft, Vilnius (seit 1957).

Ltk — Latakiškė, Rajon Ignalina.

Nūt — Naujoji Ūta, Rajon Prienai.

PK — Polski z Litewskim Katechism Albo Krótkie w jedno mieysce zebráníe, wiary y powinności Krześciańskiey... Auf Kosten Seiner Gnaden Herrn Málcher Pietkiewicz, Landschreiber von Wilna. In Wilna gedruckt von Stanisław Wierżeyski, im Jahre 1598.

Plvn — Palėvenė, Rajon Kupiškis.

ret. — selten, seltener gebrauchte Form.

Ršk — Riešutėnai, Rajon Švenčionys.

SD — Dictionarium trium lingvarum, In usum Studiosae Iuventutis, Avctore... Constantino Szyrwid... Quinta editio... Vilnae... MDCC.XIII.

SE — Summa Abā Trumpas iszguldimas Ewangeliw... Kiedaynise... 1653.

SP — Syrwids Punktay sakimu (Punkty kazań). Teil I: 1629. Teil II: 1644... herausgegeben von Dr. Franz Specht. Göttingen 1929.

St. balt. — Studi baltici, Roma, Instituto per L’Europa Orientale.

ukr. — ukrainisch.

Vln — Enchiridion, Catechismas maszas, dael paspalitu Plebónu ir Koznadiju... isch Wokischka lieszuwia ant Lietuwischka pilnai ir wier­nai pergulditas, per Baltramieju Wilentha Plebona Karalauczuje ant Schteindama. Ischspaustas Karalauczu per Jurgi Osterbergera, Metu... MDLXXXIX.

ÜBER DIE ENTWICKLUNG DER IMPERATIVFORMEN

Д. СКУРКАЙТЕ

Zusammenfassung

In einigen Mundarten Litauens und in alten schriftlichen Denkmälern werden zwei Arten von Imperativformen verwendet: mit dem Formans -k und ohne ihn. Der Imperativ ohne das Formans -k ist in den Mundarten der östlichen Dzūken verbreitet (Dūkštas, Ignalina, Švenčionėliai, Švenčionys, Tverečius); in anderen Mundarten finden sich nur einzelne Imperativformen-

11*

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Imperativformen ohne -k: imti, neši (Dusetos, Svėdasai, Daugailiai), im (Siesikai), klaušai (Bridai, Linkuva, Panevėžys), imti, begi (Kretinga).

Die älteste erhaltene Form des Imperativs ist der Imperativ vom Typ duo. Formen dieses Typs werden heute von Verben mit athematischem Stamm und mit einem Stamm auf -(i)a gebildet.

Seit der gemeinbaltischen Zeit sind Optativformen in das Imperativsystem eingegangen. Gegenwärtig sind in den litauischen Mundarten die Imperative der Verben mit einem Stamm auf -o und -i ihrem Ursprung nach Optativformen.

Die 3. Person des Imperativs wird heute durch die Indikativform der 3. Person Singular mit den Partikeln te, ta, lai, lei, tegu(l), tagu(l), testa(u), laigu(l), leigu(l) ausgedrückt. In vielen Mundarten sind auch andere Imperativformen der 3. Person erhalten geblieben, die mithilfe der Partikel te, tegu(l), lai, laigu(l), testa u. a. gebildet werden, ebenso wie Imperativformen der 2. Person ohne das Formans -k.

Die Imperativformen der 1. Person Plural entstanden im Litauischen später als die Formen der 2. Person Singular und Plural. Bis zu ihrer Entstehung (und auch gegenwärtig) wurden in der Funktion des Imperativs der 1. Person Plural die Indikativformen der 1. Person Plural Präsens verwendet.

Der Imperativ mit dem Formans -k entstand lange vor dem Auftreten der ersten schriftlichen Denkmäler. Der Zusammenhang dieser Bildungen mit den Indikativformen des Futurs lässt sich mit Sicherheit feststellen.

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