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K. Būgas’ Briefe an J. Endzelīns

Herausgegeben von J. Karaciejus und A. Sabaliauskas

Unter den epistolarischen Materialien von K. Būga nehmen seine Briefe an den lettischen Sprachwissenschaftler Jānis Endzelīns (1873–1961) einen besonders wichtigen Platz ein. Die Korrespondenz dieser beiden bedeutendsten Erforscher der baltischen Sprachen begann 1909 und dauerte bis zum Tod K. Būgas. Besonders wertvoll ist die Korrespondenz, weil darin nahezu ausschließlich Fragen der baltischen Sprachwissenschaft behandelt werden. Selbstverständlich finden sich darin auch interessante Bemerkungen, die helfen, verschiedene biografische Fakten beider Wissenschaftler besser zu klären. Der größte Teil von K. Būgas Korrespondenz an J. Endzelīns befindet sich im Manuskriptarchiv des Instituts für Litauische Sprache und Literatur. 11 der dort aufbewahrten Briefe wurden in „Literatūra ir kalba“ veröffentlicht (V., 1956, Bd. 1, S. 364–386; herausgegeben von E. Grinaveckienė und J. Kruopas). In den von Z. Zinkevičius zusammengestellten „Gesammelten Schriften“ von K. Būga (V., 1961, Bd. 3, S. 817–879) sind 44 Briefe veröffentlicht (36 aus dem Manuskriptarchiv des Instituts für Litauische Sprache und Literatur, darunter 10 erneut abgedruckte Briefe aus „Literatūra ir kalba“, sowie 8 aus dem Manuskriptarchiv der Republikanischen Bibliothek). Z. Zinkevičius gibt auch den Inhalt ihm bekannter, nirgendwo veröffentlichter Briefe wieder (Bd. 3, S. 994–996). Über K. Būgas Briefe an J. Endzelīns sagt Z. Zinkevičius, „es gibt noch welche bei ihrem Adressaten“ (Bd. 3, S. 817), doch wird keinerlei Beschreibung dieser Briefe gegeben.

Die lettische Sprachwissenschaftlerin M. Saulė-Sleinė, Lebensgefährtin J. Endzelīns’, sandte dem Verfasser dieser Zeilen im Februar 1979 mit einem entsprechenden Schreiben (I.31) 11 Briefe K. Būgas, die zwischen 1911 und 1921 verfasst worden waren. Einer dieser Briefe (1921.X.9) wurde nach dem erhaltenen Entwurf in K. Būgas „Gesammelten Schriften“ veröffentlicht (Bd. 3, S. 872–873). Die Texte des Entwurfs und des Originals unterscheiden sich durch die eine oder andere sprachliche und stilistische Korrektur (zum Beispiel steht im Original statt des im Entwurf verwendeten susivažiavimo das Wort susirinkimas; statt žadu duoti trumpą kritiką heißt es žadu parašyti trumpą kritiką usw.).

Zusammen mit den genannten Briefen sandte M. Saulė-Sleinė Abschriften von Briefen K. Būgas an den deutschen Sprachwissenschaftler M. Vasmer (1886–1962) und den finnischen Archäologen A. M. Tallgren (1885–1945), der von 1920 bis 1923 an der Universität Tartu tätig war; die Abschriften waren von K. Būga eigenhändig verfasst.

Laiškas M. Fasmeriui (1921.IV.12) pagal Vilniaus universiteto bibliotekos rankraštyne saugomą laiško juodraštį yra paskelbtas K. Būgos „Rinktiniuose raštuose“ (t. 3, p. 872 – 873). Tačiau šiuose tekstuose yra ir skirtumų.

Unter den übersandten Materialien befindet sich auch ein umfangreicher Brief (15 Seiten) ohne Datum und Unterschrift. In diesem Schreiben beantwortet K. Būga offenbar bestimmte Fragen. Die Antworten sind nummeriert (26).

Das von M. Saulė-Sleinė übersandte epistolarische Material K. Būgas wurde dem Manuskriptarchiv des Instituts für Litauische Sprache und Literatur übergeben.

A. Sabaliauskas

54

[1]

Vvedenskaya 10, кв. 76.

Petersburg, 5. Januar 1911.

Sehr geehrte Freundin!

Ein frohes neues Jahr!

Den Abzug aus KZ habe ich erhalten. Vielen Dank! Ich habe nicht gleich geschrieben, weil ich wirklich nicht wusste, wo Sie die Feiertage verbringen würden. Einige Anmerkungen zu Ihrem Artikel „О судьбе носовых звуков“...: 1) zem. sundau 3 = siundau Kvedarna, 2) lit. stamančioti 7 ist mit stamantrūs ‚elastisch‘ Šiauliai (= Шавли, vgl. Mież. 227 ~ stamantus ohne r!), 3) ruòbti 8 kann auch litauischen Ursprungs sein: iš-ruòpti, raupýti Jušk. Wörterb. I 622, 4) lett. kampis 9: Wie ist lett. kanapis zu verstehen? 5) lett. spēdz 15 kann auch mit lit. spiegia, spiègti ‚mit dünner, hoher Stimme rufen‘ Dusėtos zusammenhängen, 6) jėkti 21 aus apj-ėkti (mit e aus a nach j) ~ api+ąkti: a weist auf kupiškėnisch apjǵaᵏᵒᵃ (õ aus ã, vgl. mõatᵒᵃ = mãto), 7) vagúoti 22 ist unbekannt, es gibt nur vagóti (Kvedarna, Kretinga, Šiauliai, Dusėtos, Linkmenės, Seinai), 8) glúosnis 23: bekannt ist auch glúosis (ohne n!) Jūžintai.

Zu KZ.: 9) lett. trękns 57 = lit. trėknas ‚fett‘ Jušk. Wb. I 314: traknùs ‚Ernte, üppig?‘ = ‚üppig‘ l. c. 4, 10) būžiej ‚Insekten‘ 64 = būžiai ‚Insekten‘, Sg. būžys, būžio Butrimónys (Pl.), Kreis Trakai, Gouvernement Wilna, 11) aìnpalas ‚Eisbildung‘ 65 aus aĩ[t]-palas = iš-palas „ebenso“ Dusėtos ~ pìlti: von diesen Wörtern ist lett. pal’i ‚morastiges Seeufer‘ Biel. LŠpr. I 54 ~ pàlios, pàlių ‚weite Moorflächen = und Sümpfe (Dusėtos) = kūdros (Vilniaus Kaltnėnai)‘ Pilviškiai, Gouvernement Suvalki ~ lat. palūs, 12) saùbti, sautėti, apsaùsti 66 ff. sind aus solchen Mundarten bekannt, in denen š zu s geworden ist; mir sind nur siaùbti (zem.), siaùsti (hochlitauisch und zemaitisch) bekannt, 13) kakù brėkumus 69: šaukinas ‚Werst‘ Kvedarna (Daukšas Post.).

Daukšas Sprache ist eine sehr wertvolle Quelle für die litauische Sprache: Sie ist voller Material für jeden Zweck! Daukšas Akzentuierung ist recht eigenartig. Statt ugnis, šaknis, mirtis usw. finden sich in Daukšas Sprache ùgnis, šàknis, mìrtis!! Daran ist nichts Verwunderliches! Eine solche scheinbare „Fehlplatzierung“ des Akzents finden wir auch in heutigen Dialekten. Ūgnis f., grąžtis f. usw. finden sich in Dusėtos, Salos, Kamajai und Prienai.

Kà man ist mir nur aus der Wendung bekannt — kà výrai, tà výrai! Kvedarna „was für Männer, das sind Männer“ (Dusėtos)! = молодцы!“ vgl. kàs tà kàìtris Jušk. Wb. I 421 b „was für eine Hitze!“

Pri-ie-liešti žmonės DP. 364₂₂ „pri-liestė-ji“: liečiù, liẽsti „unterdrücken“ ~ liecę ‚sie bedrängen‘ DP. 136₃₁, liecże 136₃₄, liecze 363₇, ~ pa-lytėti: 3. Pers. Präs. pá-liti DP. 254₁₇. + liète naPlas „sie unterdrückten die Witwen“ = spáudė našlės” DP. 24₉: liečiù, liẽsti „berühren“ Dusėtos ~ negali jō až-lièst kaip vāpsvų gūžtōs! Ds. „ihn nicht berühren können …“

Jurkšaitis’ jūs ist eine echte Form, die auch anderswo bekannt ist (im Dialekt von Jablonskis: Naūmiestis = Владиславов, Gouvernement Suvalki). Vgl. Jablonskis (Pseud. P. Kriaušaitis), Lietuviškos kalbos gramatika. Tilžėje 1901, S. 23: jūs.

Paskui könnte dann auch Lok. Sg. Pàsku sein (neben zem. paskuõ ir pãskuo); dies würde eher darauf hindeuten, dass es sich um einen Dat. Sg. handelt; vgl. dovanai duoti ‚als Geschenk geben‘ (ein Adjektiv *dóvanas ist nicht belegt).

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Brugmanns acc. pl. vilkuns ist aus A. Leskiens Declination 104 entnommen, wo wir lesen: msc. a — st. lit. vilkùs = vilkuns, aus *vilka-ns, -ans noch preussisch. *Vilkuns finden wir weder in den alten Schriften noch in der heutigen Sprache. Eine solche Form ist auch theoretisch nicht möglich. -uns- als acc. pl., -unse als loc. pl. sind nur im südlitauischen Dialekt bekannt; die Aukštaiten haben sie nicht gehört. Könnte es sich hier nicht einfach um eine neue Nasalierung handeln, ähnlich wie südlit. mąstis = aukšt. mostis < r. масть ‘мазь’, mėš „мбы“ (Kalnujai nahe Raseiniai) = aukšt. mėš (Dusetos, Naumiestis), glūnsnis (in den Kalendern von L. Iwinskis) = glūsnis Kved. ~ glōusnis Rietavas = aukšt. glūosnis?

Janiaus Grammatik ist bereits fertig gedruckt; verkauft wird sie erst, wenn die russische Übersetzung erscheint, mit deren Anfertigung ich beauftragt bin. Ich habe versprochen, ein Orthographielehrbuch zu schreiben. Ich denke, diese Arbeit im Sommer abzuschließen. Jablonskis hat begonnen, seine Syntax monatsweise in der Zeitung „Vadovas“ (erscheint in Sejny) zu drucken; daraus wird ein separater Buchdruck hergestellt werden. Die Etymologie schreibt Jurgis Šlapelis (ein Schüler Jablonskis’); vermutlich wird sie bis zum Herbst gedruckt sein.

Šlapelis bearbeitet Juškevičius’ Wörterbuch ab dem Buchstaben m; bislang hat er erst drei Bogen gedruckt. Die Buchstaben k–l des Jušk.-Wörterbuchs liegen bei Ulijanov. Ulijanov hat bislang noch nichts getan, und es ist schwer zu hoffen, dass er etwas zustande bringen wird. Wenn es für einen Litauer, der seine eigene Sprache gut kennt, schwierig ist, Jušk.’s Wörterbuch zu redigieren, was soll man dann erst von Ulijanov sagen, der sie schon weitgehend vergessen hat. Ein fertiges Juškevičius-Wörterbuch werden wir vermutlich nicht so bald zu Gesicht bekommen! Das wäre schade. Aus Juškevičius’ Werk könnte die Sprachwissenschaft sehr, sehr viel gewinnen!

Der Bitte Eurer Gnaden, die Literatur über dat. pl. und loc. sg. durchzusehen, kann ich im Augenblick nicht nachkommen. Mir fehlt sehr die Zeit! Ich könnte es Ende Januar tun.

Wenn Ihr in Vilnius seid, solltet Ihr Euch vor allem mit Dr. Jonas Basanavičius, dem Vorsitzenden der Wissenschaftlichen Gesellschaft, bekannt machen (in der Bibliothek und im Archiv könntet Ihr, sofern Ihr Zeit habt, vieles nutzen) und mit Antanas Smetona, dem Redakteur der „Viltis“ (er beherrscht die Sprache praktisch recht gut). Die Adresse der „Viltis“ lautet: Кожевенная 5, кв. 25. Von Basanavičius oder Smetona könnt Ihr erfahren, mit wem Ihr sonst noch zusammenkommen solltet. Es wäre gut, den engagierten Priester Tumas kennenzulernen, der bis vor kurzem die „Viltis“ leitete, aber dank der polnischen Endeken von der kirchlichen Obrigkeit hinausgeworfen wurde. Vielleicht wird Tumas noch in Vilnius sein, solange Ihr dort seid.

Drucken Sie jetzt Ihre Untersuchungen über die Verwandtschaft der Aisten und Slawen oder etwas anderes? Auch mich beschäftigt die Frage der Verwandtschaft sehr.

Nach und nach geht die ganze Wissenschaft der aistischen Studien ihrem Ende entgegen! Jetzt habe ich klar erkannt, dass Eure Lehre über die lettischen Intonationen und die Herkunft von ė (ie) aus ei begründet ist. Wenn ich nun die litauischen Formen im Blick habe, sehe ich, dass ie am Wortanfang, in der Wortmitte und am Wortende aus aist. ei unter dem Akzent hervorgegangen ist.

Lėpa, siena, siela, pieva: šeiva, šeima, neiva ~ dienā, Neubildung aus dienā… Šiaul-iētis, daraus Neubildung vōk-ietis alle, die übrigen aus visiē < aist. *visei, daraus Neubildung gēdingi.

apiē, priē mit ie aus apiē-[linkę], priē-[taras]: nei ~ nei, bei, vei ‘schau!’, la, tei, šeī aus Proklise.

Lett. tris ‘drei’, nē, ne k ā = südlit. ne-kō, tei šeī haben einen Zirkumflex als Akzent aus dem älteren fallenden *tris usw. Mir scheint, dass das Lettische

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In der Ursprache war zuweilen ein Gesetz wirksam, nach dem die fallende Intonation in der Proklise in eine gebrochene überging. Wie erscheint es Ihnen?

Pralaty. *tris māsas (*tris proklitikon) ging in trīs māsas über, wie auch pra-l. *gālvā (= žem. der Telšiškiai gālvā – zu galva.

Ich beabsichtige, die Universität in diesem Frühjahr abzuschließen.

Ich wünsche Ihnen Erfolg bei Ihrer Arbeit!

Ihr Kaz. Būga.

NB. Ich sende Ihnen separat den Aufsatz über dat. sg. ~ pl., aus dem Sie Nutzen ziehen können. Später möchte ich Sie bitten, ihn mir zurückzugeben. KB.

[2]

Peterburg, 10. (23.) März (III) 1911.

Hochverehrter Freund!

Es wäre sehr gut, wenn Sie sich daranmachten, einen Aufsatz über die alten „Kuren“ zu schreiben und ihn im Organ der Litauischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, „Lietuvių Tauta“, zu veröffentlichen (Литовское Научное Общество. Вильно, Лидский переулок, д. № 7. Председатель Иван Юрьевич Басанович). Damit eine größere Zahl von Wissenschaftlern davon profitieren könnte, müsste auf Deutsch geschrieben werden. Ab dem II. Band von „Lietuvių Tauta“ werden auch deutsch verfasste Aufsätze aufgenommen. Der erste deutsche Aufsatz wird Adalbert Srbas (des Mährers Srba) „Monographie über die verba momentiva als Beitrag zur litauischen Syntax“ sein. Wenn Sie über die Kuren schreiben, würden Sie Eigennamen und einiges aus der kurischen Dialektologie verwerten.

Rucava (BW. 3840, 1; Bielenst. Grenzen 231) heißt, wie ich dieser Tage von den Žemaiten aus Palangõs [acc. Pālanga] erfahren habe, žem. nicht *Rūkiava, sondern Rūkiava (u kurz). BW. 12461, 3 var. Rūcava hat offenbar eine jüngere Länge; vgl. Bezzenberger, Ueber die Spr. d. preuss. Letten: āsdarīt ~ asgālda 117, sūwe sūwele 118, ūs- ~ usgāldu 120. Dass Rūk-iava = Rucava ein etymologisch kurzes u hat, können folgende nomina propria zeigen: Rukai – ein Dorf in der Pfarrei Mosėdis, Kreis Telšiai, Ruk-š-iai – Dorf in der Pfarrei Pašilė, Kreis Raseiniai, Ruk-ē-l-iai – Dorf in der Pfarrei Rokiškis, Bezirk Ežerėnai, Ruk-uiža – ein Familienname aus Liaudė (so heißt die Gegend nach dem Fluss Liaudė im Kreis Panevėžys).

Außer Venčio rago in Preußen ist noch der Ort Wentainen bekannt (Bezzenb. Ueber die spr. d. preuss-Letten 139¹) = * Ventāiniai; vgl. Jut-āiniai, Gebāiniai, Dorf in der Pfarrei Ramygala, Kreis Panevėžys, Ōk-ainiai, Dorf in der Pfarrei Truskava, Panevėžys, Vānt-ainiai, Dorf in der Pfarrei Radviliškis, Kreis Šiauliai.

Der Name des kurischen Flusses Otange Bielenst. Grenzen 226 =? *Uot-angā; vgl. Pal-angā am Ufer des Flusses Rāžė (= dial. Rõužė).

Jetzt zweifle ich überhaupt nicht mehr daran, dass in der kurischen Mundart an usw. erhalten blieb, wie es gewesen war, und nicht wie in der lettischen (= zemgalischen und lettgallischen) Mundart zu uo wurde. Von den Resten der alten kurischen Mundart in Kuršē ist offenbar nur wenig übrig geblieben: Im Laufe der Zeit eigneten sich die Kuren durch die Kolonisierung durch Semgallen und Lettgallen die „lettische“ Sprache an. Zu den Resten der kurischen Mundart können wir zählen:

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1) dzintars BW. 27421 Ēduolē; 13282 Vecpilī, Meženiekuos, Ēduolē, Irjen, Nicā, Ugālē, Dundangā, Liel-Ezerē, Kandavā sind die nächsten Nachbarn der Kuren, die Semgaller ~ Pienavā (13282 var.), Džūkstē (13282,5) = dzinterṣ BW. 27421 var.; 13246,1 Ciravā: zītars 13282,11 Liel-Iecavā (Kreis Bauska), P. Schmidt’as = ziters 13282,3 Erlaa (Kreis Cēsis). Aber weshalb heißt es dzintars auch in Altenē (Kreis Jaunjelgava) BW. 13282,3 var.? Ist das Wort von den Kuren zusammen mit der Ware (товар) hierhergelangt?

2) menčis BW. 30810 Nicā, menču rinda 18450 Ciravā: lit. menkė (sunu tie-was wede su sawęm… menkiu meszkierioti Palāngos Juze 5₁₀) ~ slaw. mьnb: men-cis Kursiten (Ulmann) „ein Mensch, der nichts fordert“ ~ merīkas.

3) danga „Ecke“ im nordwestlichen Kurland, Biel. LSpr. I 144, BW. 16787: 16876; 21130 Alsvāngā; 21631 Kasdangā:?garā danga „Südwestwind“ in Nicā (Ulmann): dandzis „Radfelge“ (wo wird es gebraucht?).

4) tencināt „danken“ BW. 11575 in Sarkanmuiža, Kreis Ventspils: ténkinuos „ich bin zufrieden“ Kv. ~ iš-téko „pakāko“.

5) devanta vasarinā BW. 8973; 12586, 8 in Sasmakā, Kreis Talsi: woher kommt hier das a?

6) lanka BW. 655 in Kabilē, Kreis Talsi: luocks „laņkas“.

7) jentere Angermünde (Ulmann): ieter, ieterit! Vok. BW. 23659 in Dzer̄vē, Susejā, Dignājā, Kreis Jaunjelgava.

8) blendu, blenst in Nicā, Biel. LSpr. I 144, blenzdamies „weinend“ BW. 22249 in Rāvā, Kreis Aizpute: blandaũ Jušk. Wörterbuch I 215.

9) blank-stities BW. 21205 in Ciravā: blānk-sterēti J. oder blānk-ti ~ nu-blanko „wurde blass“ in Marijampolė.

10) sklanda BW. 19788 in Rāvā, Kreis Aizpute = pa-sklānda vgl. Miež. 173 ~ pa-sklānda Ds., Užšpaliai, Jušk. Wörterbuch I 165 b. unter dem Stichwort atšlajē ~ paslāndis, -ies Joniškis „ein durch Kufen glatt gefegtes, glattes Stück eines winterlichen Weges“ (= pa-siautā Tverečius): sklendžiu.

11) dėlu māte at-linguoja BW. 23547 in Alsvāngā = at-lingúoja Ds.: liguot.

12) kanc-inā-t „ausforschen“ im nordwestlichen Kurland, Biel. LSpr. I 145 = lit. kan-k-in-ti ~ ken-t-ēti.

13) kur. lanktes Ulmann: laņktis Kv., Kēlmē.

14) denktṣ „stark“ O. Bartau (Ulm.): dencis „ein kleiner, kräftiger Junge“ (woher?).

15) kur. (?) duncis = dūcis P. Schmidt’as „so ein Messer“.

16) guņģis „eine Krümmung“ in Kurland (Ulm.): lit. guņga „Buckel, Knäuel“ ~ gugā, g. sg. gūgos „ebenso“: gauņ-aras.

17) vingr-ums Aizputē (Ulm.): lit. vingris „Windung“ Joniškis.

18) vink-alāt ‘ohne Arbeit umhergehen’ Ēduolē (Ulm.) aus vi-n-k: vỹk-ti ~ vaik-ýti.

19) rantēt „einen Baum fällen“ Dundangā (Bezz. Dial. 174): rantýti ~ ręsti ~ rāstas = lett. ruoti Saukā.

20) blezdelinga Bezz. Ueber die Spr. preuss. Lett. 144, sofern es nicht ein nach lit. blezdingā und lett. bezdelīga. umgebildetes Wort ist.

21) Dincis nom. propr. Bezz. l. c. 146:? Ob vanga, venga (Ulm.) in Kuršē bekannt sind, kann ich nicht wissen.

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Meite (P. Š[midt’as]), riñda P. Š., sence Oppekaln, skrañda P. Š., ceñšūos P. Š., balañda P. Š., bañga P. Š., treñkt sind weit entfernt vom kurländischen Gebiet als bekannte Wörter, weshalb es schwierig ist, diese Wörter als „Kurländismen“ zu lesen. Einige dieser Wörter könnten n aus m haben. Meite stimmt hinsichtlich seines Akzents überhaupt nicht mit lit. meñtė Kved. oder mentė, acc. meñte Skāpiškis. Seinai überein; cf. a̯lu m ė s t i „meñtēt“ Joniškis, Vadōkliai. Lett. mēnte (: mieturs = mentūris Ds.) ist höchstwahrscheinlich aus dem Finnischen oder aus verwandten litauischen Sprachen entlehnt; vgl. finn. mäntä „der Butterstössel“. – Treñkt ‘treiben’, bėgu unterscheidet sich nicht von triek-t = treñkti? Lett. treñkt könnte aus balt. trem-k- stammen: lit. trempti „niederwerfen“ ~ iš-tremti “verbannen, deportieren” J. žod. I 653: trimù ‘ich zittere’ Ness. Wb. 115.

Riñda = lit. rinda (Daukantas) aus *ri-n-dā ~ ir. rind ‘constellatio’ Walde 436: lett. riedu, ridu, rist ‘ordnen’ (cf. lieku, likt) ~ serb. rěd, réda ‘Reihe’ = lit. *riñdas: rinda, -õs, riñdą (Dusetos, Skāpiškis) „die jährlichen Ringe (Jahresringe) des Baumes, des Horns, nach denen man das Alter des Baumes, des Tieres zählt“ [kelmo medžio riñdos = žem. kar̃tos = слои]: Wurzel rei-d(h)-: rei-v- > lit. rievė rievę Aist. stud. I 8738 [: Jušk. ž. I 235 ~ rivē = žem. rivė < rievė] ags. rāw aus roi-v-: mhd. rihe ‘Reihe’ aus i.-eur. *rei-kā ~ lit. rikià ‘Reihe’ Daukša: rei-g(h) > žem. viskas eit pa-reižiu „alles geht der Reihe nach, wie es sich gehört“ Kved. = lett. pa-reizi: rei-s- > mhd. reise ‘Zug, Reise’ aus roi-sā: rei-dh- > ahd. rītan ‘fahren, reiten’ ir. riadaim ‘ich fahre’ ~ lit. riedù, riedėti ‘rollen’ Jūžintai = rietù rietėti ‘ebd.’ Dusetos < rei-t-. Lett. riñda lässt sich nur als Entlehnung aus dem Litauischen (oder vielleicht dem Kurischen?) erklären.

Lett. bañga (cf. lett. buogs ‘Schaar, Menge“: lit. pra-bangà ‘Übermaß’ Rupestis prabangì ape pianu. Лхр. 618, per bingusias rupestis 1. c. 8324 ~ liga į-biñgo ‘die Krankheit verschlimmerte sich’ Kved.) ist ebenfalls aus dem Litauischen entlehnt.

Lett. skrañda, balañda sind ebenfalls offenbar Lehnwörter. Skār-ti > sk(a)r-an-dā, bāl-tas > bal-andā, gen. balañdos und balandõs, acc. sg. balañdą und bālandą (beide Formen Duset.) [balandė, acc. bālandę Linkmenės] cf. slav. želǫdb lat. gl-and- ~ βάλ-αν-ος preuß. alisk-ande ~ alsk-n-is Širv., lett. galūoda aus *gal-andā, poln. łabędź aus *albh-an-d-i-, lett. til-andi „Kiebitz“ aus einem kurischen Dialekt, val-andā. Lett. balañda könnte wegen seiner Intonation aus der ostlitauischen Form balanda entlehnt sein [an mit gleichmäßig ansteigender Betonung]; cf. lett. riñda < rindà, bañga < bangà.

Die Formen sence, ceñšūos mit indoeuropäischem -n- kann ich als lettische nicht erklären. Diese Wörter könnten aus dem kurischen Dialekt über die in der Gegend von Cēsis lebenden Ventiner nach Livland gelangt sein. Trikātes speñdz „drückt“ wäre ebenfalls ein Wort der Ventiner.

Wenn Sie über die Kuren schreiben, seien Sie bitte so freundlich, die lettischen Dialektformen mit an usw. nochmals zu überprüfen. Ich wiederhole, dass ein Artikel über die alten Kuren sehr willkommen wäre.

Lett. piñ-ka ‘Haarbüschel’: pīt ‘flechten’; cincā „Kienholz“ ~ cink-slis ~ cim-slis Ulm. (falls kein Fehler. Das würde zeigen, dass kinka aus *kim-kā stammt), kankars ~ ka-kars, cinkurs Lubā-nė ~ ciekūrzis, en oder eį?, dzindz-ināt < ging-, (d)zint-ele, cenceres „Beine“ Kurl., blandīties ‘herumstreunen’.

Dass lett. kert nach dem Muster von – kart aus *cert umgebildet ist, kann nicht bezweifelt werden. Die Form *ceĭt ist den Ostlettinnen offenbar bekannt; cf. cēris „nimm dich in Acht!“ BW. 31393,1.

Preuß. 2. Pl. es-tei 71₂₈ billi-tei 79₃₆ druwētei 67₂ laikutei 55₂₉.

59

[3]

19 17 III 11 m.

Geehrter Freund!

Dignaja ist, wie das lettische Dybnõja zeigt (bei BW. Diesmal konnte ich die Stelle nicht finden), als Dignaja < aus vorlett. *Dubnãja [ub > ib auf dem Wege der Dissimilation] zu lesen. Dass litauisches bn zu gn wird, zeigen nicht nur dùgnas = gegenüber lett. dubens < *dubņs < *dubn(a)s < *dubna-s, sondern auch andere Wörter; vgl. lùbn i os „Ruinen“ in Šalakas > gegenüber lùgn ios in Ušpāliai: lùbos ~ slaw. lubo.

Dass in Flussnamen, etwa solchen wie lit. Daũgava und lett. Daũgava, lit. Šešuvìs im Kirchspiel Gaurė ~ lett. Sesava BW. 381, 11; 19283, 1 var. ~ lett. Sese, Fluss, Bielenstein Grenzen 97 ~ Ses-ile, Privatgut 1, S. 232, Pienaujā, jōs Pienaujā in Kvėd., Riet. < *Pein-avī, Gen. Sg. -avijās [vgl. gr. μυῖα ~ musia, Gen. Sg. musios in Dus.: Vilkaujì, -jōs Vilkaujā, Fluss > Vilkav-iškis, Stadt im Gouvernement Suvalkai] = lett. Pien-ava und dgl., -avā „Fluss“ bedeuten kann, damit bin ich völlig einverstanden; doch muss erwähnt werden, dass auch eine andere Erklärung möglich ist. Daũg-uva = Daũg-ava könnte ein „adjectivum“ mit dem Suffix -o-vo-, -o-vā- sein (vgl. Brugm. Gr. II², 1, S. 204: ai. kẽca-vā-s usw.). Pien-ava könnte man mit slaw. dǫbrova vergleichen (Vondrák, Vgl. Gr. I 410), lit. welinuwá DPost. ed. Volteri 97₂₈ (: węlinuwós 173₃₃, wēlinuwą 173₃₀): šun-avā in Dieveniškis, Kreis Ašmena (hier ist nicht „Leben“ gemeint, sondern šunavà), brol-avà, Gen. Sg. -āvos in Dus. (und brolãvoj prisėina sus’pūkyti „sogar zwischen Brüdern …“, russ. жидова: bendr-ovės (Gen. Sg.) „gemeinsame Wiesen“ in Dus. = ~ Viēst-ovė, Fluss im Kirchspiel Kuliai, Kreis Plungė, Kreis Telšiai, Kirkšn-ovė, Fluss in Raseiniškiai, Gin-ėvė, Fluss in Kauniškiai.

Flüsse: Bārtuva = lett. Bārtava, Blindži uva im Kirchspiel Salantai, Kreis Telšiai, Gerd-auja im Kirchspiel Gargždai, Kreis Telšiai, Várduva im Kirchspiel Alsėdžiai, Kreis Telšiai, Mituva im Kirchspiel Jurbarkas, Kreis Raseiniai, Sandruva im Kirchspiel Šidlava, Kreis Raseiniai (falls nicht aus San+druva), Vid-auja im Kirchspiel Eržvilkas, Kreis Raseiniai, Gard-uva im Kirchspiel Baisogala, Kreis Šiauliai, Ring-uva im Kirchspiel Kuršėnai, Kreis Šiauliai, Kūrtuva im Kirchspiel Kūrtuvėnai, Kreis Šiauliai, Maĩžuva im Kirchspiel Linkuva, Kreis Panevėžys, Liñkuva im Kirchspiel Linkuva, Lātava im Kirchspiel Troškūnai, Kreis Ukmergė, Vāduva im Kirchspiel Skāpiškis, Kreis Ukmergė, Mituva im Kirchspiel Skāpiškis.

Lett. Dignāja < Dubnāja können wir hinsichtlich des Suffixes mit lit. Lukõjus, einem See im Kirchspiel Linkmenys, vergleichen (: Luk-nā, ein Fluss im Kirchspiel Kuliai, Kreis Telšiai).

„Ni(e)granden“ klingt im Lettischen offenbar wie Nigranda|e, vgl. Nigrandnieki BW. 12866, 3 var. < Nigr-ande: Iv-ande. Alš-vanga ist nun auch mir klar: Alš- aus alš(ń)- < alšņa- oder aus alša- = balt. als-ja-, woraus der „kurische“ Gen. Pl. alkšu (rikšte) BW. 9778, 1 var. (Dundanga), falls nicht aus *alks[ń]io.

Kurisch Tā ringāja in Blinteniece, Amtsbezirk Gudenieki BW. 15642 in Alšvanga: lett. Rīga = lit. rìnga (vgl. svilpa < svilpti, rėka < rėkti) ~ Ringys, Fluss im Kirchspiel Pašilė, Kreis Raseiniai, und in Užpaliai, Kreis Ukmergė.

Kurisch ar spangnem kumelem BW. 14510, 2 in Dundangā: spāngas „Augenbinden“ in Suvalkų Naumiestis.

Kurisch siva, centra meitiņa BW. 12314 var. ‘dzedra’ im Gebiet Sasmakas, Kreis Talsi:?

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Eindringend 12785 BW. 607 skrundā kurš. meitas lenca BW. 11985 Alšvangā: lankvīti (= la. luocit) ‘betauen’. {vilk(u) māt(e) jēr(u)s lenc „Kerkerhaft“ BW. 23566,4 Rinde (Angermünde) kurš. Dzelde (Emboutes par.) > Dzeld-enieki BW. 12684, 1 var. zeigt, dass lit. gēlda „корыло“ ein eigenes Wort ist. Tuk-ums, vgl. la. Jaudz-umi, Hausname BW. 19079; 18314, kurš. sumi…ieraudžija… nuo-skrendušu kumelīņu ‘verendete, verendete’ BW. 19071 Vec-Sieksātuos Āzputes ap.:? skrōnda. kurš. rindāt ‘brüllen = murōti ~ maušti’ BW. 16518 Ventspilī, Vērgale, Rāvā:? Dulenka (gen. sg.?) strimalu kupči BW. 20724 Cīravā Āzputes aps. ~ Hausname (?): la. Suffix (e|in)-iek(a)-s < -enka-. Tinger-nieki BW. 20949 var. Dundangā < *Ting-ure: tingėti. Dundz-inieki BW. 20949 var.; 20957,3 Dundangā < *Dunga:? vīhante BW 21871,6 var. Ventspilī = vibuot-ne 21871,2:? planda kārta? (Bedeutung nicht sehr klar!) BW. 23583 Alšvangā, Ventspilī:? rank-ainis kakliņš BW. 25794,2 Kabilē Talsu ap.:? dt. Runzel < rṇ-d-, la. ruōbs < ran-ba-. Ri-n-dā ~ ri-k-idā ‘in einer Reihe’ ist ferner verwandt mit lat. rī-t-e* ‘in der Reihe’ loc. sg., rī-tu-s, ahd. rī-m ‘Reihe, Reihenfolge, Zahl’ Brugm. Gr. II², 2, p. 710: all diese Wörter stammen von der Wurzel rei- ‘fließen’ (: die Sonne geht auf, das Wasser fließt, das Mädchen heiratet, tākas, tekmē „лужа“) ~ slav. rě-ka, lat. rī-vus. Aus Rozwadowski’s nichtlettischer Form *ē-dzēris (= ie-dzēris) ist sie bereits in Brugmann’s Gr. II², 2, S.817 eingegangen; von dort, so lässt sich vermuten, wird sie sich weiter unter Leuten verbreiten, die kein Lettisch können! Locat. sg. vilkė könnte aus *vilkēn stammen: ved. Varuṇān-ī f. ‘Gemahlin Varuṇas’ aus dem Loc.; vgl. Agnāy-ī ‘Gemahlin Agnis’ Brugm., KGr. 384, Manāv-ī ‘Gemahlin des Manu’, eigentlich ‘die bei M.’ Brugm. KGr. 330, 384, Gr. II², 2, p. 514 ~ ai. sūrē duhitā Gr. II², 2, p. 514: Naujokie-nė ‘Frau des Naujōkas’ < loc. *Naujokie (vgl. svāi-nē ‘свояченница’ aus loc. sg. *svoi ‘bei sich’: ahd. swei-n ‘Knecht, Sohn’, av. XVᵃe-paiťis ‘selbst’): zem. Paknēnē ‘Frau des Paknys’ < loc. sg. Paknē(i) [nom. sg. Paknis]. *Vilken (vgl. Varuṇān[-ī]) wäre aus vilke [основа = Stamm] + en; vgl. ai. kṣām-an ‘auf der Erde’ Brugm. Gr. II², 2, p. 727??

Ich wünsche Ihnen viel Gutes. Kaz. Būga

[4]

Petersburg 1923⁄III 11.

Hochverehrter Freund!

Vielen Dank für die drei neuen Hefte Ihrer Studien! Auch darin finde ich viel Neues und Wissenswertes. Ihre Vermutung, dass nicht jedes ēu zu jau geworden sei, scheint mir recht zutreffend. Zur endgültigen Klärung der Frage müsste man eine vollständige Liste der Wörter mit jau und au haben. Es trifft zu, dass Formen mit jau bei weitem seltener sind als solche mit au. Zu pjaułai (: Akk. pjāulus Vilkaviškis = pjaułūs Kvėd.), kiaułai (: Akk. kiāutus ~ Nom. Sg. kiāutas Dus., Kvėd., Suv.

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Naumiestis) könnte man noch hinzufügen: pliaūtas, Plur. pliaūtai Tverečius ~ pliaūtas, pliaūtai Dus. „должен = Bienenstockbrett, Tür“, žem. šiau-t uvas „Weberschiffchen“, liáunas, -à „biegsam“, z. B. liauni pirštai Kved., Šiauliai, Joniškis = lett. launs, žiaunos, -ų Dus. „Wangen“, liaukà, -õs liaũką „Welle, große Woge“ Joniškis, nordwestl. žem. žiaudùs „streng“, jāura „Humusboden mit Lehm = grauer Boden (= šal-

tą-žemis)“ Dus., Tverečius, Linkmenės.

Сл.-балт. etüden 86: K. Jaunius erklärte žem. dėves jau aus *de-d-vēns = skr. dadvān; siehe Aist. stud. I 64*.

стр. 90 Laidaras [: auszulegen laj daro Dauk. Būdas 15₂₇, laidars a. a. O. 22₃₁, vgl. Jušk. žod. I 249a, Dauk. Lietuvos istorija I 189, II 169: laidars Jušk. žod. I 310 b] ist nur mit Zirkumflex belegt: laidaras in Joniškis (Aist. stud. I 75). Laidaras ist nur in den litauischen Grenzgebieten bekannt. Die Intonation würde darauf hindeuten, dass die Litauer dieses Wort entlehnt haben.

стр. 90. Pr. pelanno ‘очаг’ erkläre ich aus urpr. pelenā: lett aus le < le, vgl. ostlit. pelenai.

Pr. assaran aus urpr. ezeran: ostlit. (im Kreis Ašmena) āžaras neben žāmė ‘Erde’ (= pr. same V. 24)

Pr. glosano V. 778 ‘gluodenà’ dürfen wir nicht zu glodano korrigieren, da ein Lesefehler s für š kaum möglich ist. Ich lese glosano: aus urpr. glās-enā; vgl. ostlit. augš. šānas < šēnas neben dedù vedù nešù (Städtchen Dusetos, Šalakas usw.): pr. assanis V. 14 = осень.

Pr. pelanno aus pelenō, vgl. clattoy V. 292 < mhd. klette, ladis V. 56 = lād as in der Ortschaft Dusetos < lėdas in Pažiegė bei Dusetos, lagno V. 125 ‘Leber’ = aist. *leknā Pedersen Kelt. Gr. I 129, 177, lattako V. 543 ‘led-žinga’ = aist. *leda-takā, melato V. 743 = meleta „зофна“ Širvydas Dictionarium 457, pelanne V. 37 = pelenai Dus. < pelenai > žem. pelinai Kved., pelanno V. 223 = žem. pēlins „очаг“ Kved. pēlenas, plasmeno V. 148: plāsmas „lėtėna“ Dieveniškės (im Kreis Ašmena) < plesnas = lett. pleksna „das Fußblatt“.

Pr. au-klextes V. 280 klexto 333, clenan 194 (: klē-tis), pellekis 202 ‘Giebel = acies tecti’ [: ein langgestreckter Krebs schwimmt pelēką Jūžintai: pēlakas Dus. < pēlekas, pele-maygis 713 (vgl. petē-kautai ‘Mäusefanggerät=Falle’ Dus.), pleske 253 enthält e für ē.

Calene V. 231, kele-ranko 303, sylecke 575, scalenix 703 haben e für ī: kalinē, keli-rankā [vgl. nami-šōstas „Gehöft“ Linkmenės < nama-, blauzdi-kaulis Vadōkliai < blauzdā-, šōnikaulis Vadōkliai šāna-, pr. Crixti Lāiskas < kriksti-lāiskas ~ kriks-ta- ‘Taufe’], sili-kē (: slav. slb-db), skal-ini-k(a)-s.

Wilenikis V. 439 ist zu Eidenikis = eid-inika- zu berichtigen.

Aus dem oben Gesagten ist klar, dass in der Elbinger Mundart le durch le zu la wurde (= lā). In der Elbinger Mundart verhärteten sich vor e nicht nur unerwarteterweise l, sondern auch r, s und z.

rē > rē > r'a haben wir: kraclan V. 118 = ostlit. aug. *krākļai < krēklai „Brüste“, raples V. 520 = rāplās Šalakas < rēplēs Jūžintai, ratinsis V. 368, 540 = westlit. rētežb. Drawine V. 393 „hölzernes Bienenfass“ könnte mit gleichem Recht auch aus urpreuß. drey-inē [:drēvē „Baumhöhle“ Kvėdarna, Joniškis, Salantai] und aus drav-inē: lit. draves nom. plur. BW. 18360, 2 var. ~ dravās kuoks 15729 entstanden sein.

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se > sa: assanis V. 14 russ. осень, possi-ssawaite 20= lit. pùs-sevaitė: Semeno V. 752 (= sėmeną Debeikiai) und seveynis V. 229 „Schweinestall“ haben ein langes ē. Urpreuß. sēv-eina-s „suinus“ [vgl. lit. lap-iēnē Subst. aus Adj. lap-eina-]. Sēv-: sū- „ʒ“ = bhrēv- „Brane“; bhrū-.

Nose-proly V. 86 hat e aus i: nozy 85 „Nase“ ~ eina nósį-rakas Dus. „mit der Nase den Boden durchwühlend, hinfallend“. Wissene V. 622 „Hahn“ aus *vis-inē: s.-ind. višá- „Gift“.

Die Elbinger Mundartformen ladis „Eis“, pelanno „Asche“: raples „Zange“: glosano „Gluodeną“: assaran „See“ same „Erde“ unterscheiden sich in keiner Weise von den litauischen Formen der Ostlitauer im Kreis Ašmena und Trakai: ladas, pelanai, râples (ragēt < regėti, râtas < rėtas), sánas (< sēnas. In meiner Mundart sėnas, aber sanai, sanātuvė, sanýbė), ažaras, žãmė. Die preußische Elbinger Mundart ähnelt den litauischen Mundarten im äußersten Osten Litauens stark, und zwar nicht nur darin, dass le, re, se, ze zu la, ra, sa, za werden, sondern auch darin, dass am Wortanfang e- zu a- wird.

e- > a-: 1. addle V. 596 = ãgla Joniškis ãglā Linkmenės < ēglā Dus. miest. < ēglė Jūžintai = ēglė, 2. asy V. 241: ažìa, Gen. Sg. ažìas Linkmenės ažìa, ažìos Vilkija < ežia, ežios Dus.; 3. assaran V. 60 = ažaras Dieveniškis, Merkinė, až’aras Linkmenės < ēž’eras Dus., 4. asseges V. 572 aus *azigis: ažgỹs Linkmenės aus ežgỹs. In Salakai sagt man sowohl ažgỹs als auch ežgỹs „Eichel“.

Abse V. 606 „Eibe, -es Dus.“, aliskande 602 „Erle Dus.“, aketes 255 „Eggen“, arelis 710 „Erle“, assanis V. 15, aswinan 695 „Stutenmilch“, alkunis 110 können auch ein aist. a- enthalten.

Ar-warbs V. 301 „per-varas“ könnte ar- enthalten = lit. ar „mit“ (: lit. sa-varas: durių varai „Lisztwy“ Kved.). -war-b(a)-s „-varas“: vāras „Stange zum Einzäunen“ Dus. durių vāras „Band = Lisztwa“ Kv. = pa-skāl-ba „das Gerücht“ Kv.: pā-ska-las „ebd.“ Dus. -warbs ist nicht = virbas (falsch Aist. stud. I 139⁹).

Statt alne V. 647 „Tier“ lese ich zusammen mit Jaunius alue (vgl. Nesselmann Thes. 5. + Preartue V. 249) = alvē. Alvē ist ein Wort finnischen Ursprungs: finn. alävä „lebend, lebendig; das Tier“ (~ elo „das Leben; das Vieh“). Ein zweites Wort finnischen Ursprungs im Preußischen findet sich in der Form kal-ēt „ein ganz dünnes Getränk (Bier)“ Nesselm. Thes. 62 (Provin. aus dem Altpreußischen entlehnt): finn. kalja „das Schwach- oder Dünnbier“. Alue stammt aus *elvē.

Aloade V. 541 „Haspe“ ist seiner Herkunft nach unklar; wenn es mit lett. el-vede „el-vytė“ verwandt ist, ist es zu alvade zu berichtigen (zu v vgl. vdro V 667 „Ottern“); vgl. lit. al-varas „pervaras“.

Emelno V. 646 „ãmalas“ und esketres V. 567 „erškėtras“ haben aus unbekanntem Grund e- statt a-. Sollte man Bė nicht *ēmelnā lesen? Die Qualität des Vokals e in der Wortform emalas bei Širvydas ist unbekannt. Doch vgl. lett. āmuls „die Mistel“. Esketres = eskētras dürfte kein e verallgemeinert haben aus einem unbezeugten *erškėtis = ērškėtis Kved. „Dorn“?

Ennoys V. 158 „Fieber“ ist vielleicht zu eynoys zu berichtigen: aus ein-āis-a-s ~ russ. иней; zum Suffix vgl. caymoys V. 105 < *camoys = kam-āis[a]-s: lett. kamiesis Lidén Arm. Stud. 30 < aist. *kam-eisis.

Estur-eyto V. 776 „Eidechse“: ēstūr- aus *jēstūr- [vgl. eristian V. 681 aus jēra- = lett. jērs = lit. jėras „Lamm“ Lazdūnai Dieveniškis] = poln. jaszczur (vgl. борщ ≥ lit. barštis).

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Estūr-eitą können wir unter dem Gesichtspunkt des Suffixes vergleichen mit: pra-šal-iėtis „Fremdling“, gimin-iėtis ‚Verwandter‘.

Penpalo V. 770 ‚Pustel‘ korrigiere ich zu peypalo [np wäre zu mp geworden] und lese es als dasselbe Wort wie lit. piepala Baisogala (vgl. Aist. stud. I 82²⁴). Das aist. Femininum pei-palā ist durch Reduplikation aus der Wurzel pel-: pelē ‚мышь = *серая’ gr. πελιδνός πολιός entstanden. Zum Reduplikationsgrad vgl.: vie-versys, vie-versio Debelkiai, Panevėžys ‚жаворонок‘ žie-žulā, -ōs žiežulą Dus. Linkmenys ‚raudona-spanė Tverečius‘ (ein solcher Fisch), žie-žirba ‚искра‘, Sie-sartis, iēs Siesartį ‚речка Цесарка‘ in den Gouvernements Kaunas, Vilnius und Suvalkai (es gibt viele davon), lett. Cie-cere, ein Fluss bei Kuršė (: Kerēs-upis, ein Bach im Bezirk Užpaliai), Vei-viržas, ein Fluss im Kreis Raseiniai. Lett. pal-pala lässt sich vergleichen mit gai-galas, vai-vōras ‚журавина‘ (eine solche Beere), žai-žar-ōkas Jušk. žod. I 649 b. Das urgerm. per-pelo- weist eine entsprechende Reduplikation mit preuß. werwirsis V. 733 ‚vie-versys: ve-versys‘ Vadokliai: vo-versys, vóversio Vabalninkas ~ voveršis Dus.: vie-versis Linkmenės [hier wird *véveršis ausgesprochen, ebenso wie dēveris vor dem Akk. dieveri], var-vōr-ykstē ‚Regenbogen‘ Butrimonys ~ vai-vōr-ykštis Kv. (zum Suffix vgl. šeimyn-ykštis, band-ykštis).

стр. 92 švendrai = Rohrkolben, Akk. švėndrus Vilkaviškis: švėndrė Dus. (en > in).

стр. 97 žāsis ‚Gans‘ habe ich mit eigenen Ohren etwa zehnmal in Zasėčiai gehört (деп. Засец, Дятловской < XVI amž. Здетела, Слоним. у.): žāsis, iēs Nom. Pl. žāses, g. pl. žasū. Auch Zasėčiai ist ein preußischer Name; vgl. lit. Жосама, ein Fluss in der Gegend von Veliuona (zum Suffix vgl. Vės-etā, ein Fluss, der bei Upytė im Kreis Panevėžys vorbeifließt, Vēr-etos, ein Fluss im Bezirk Ylakiai, im 13.–17. Jahrhundert Dus-etā, ein Fluss, heute Šventoji bei Dusetos).

Preuß. Weware = vēveris vēveri Taurāgnai (Aist. stud. I 62¹⁵), Linkmenės und örtlich Dusėtiškiai (mānā dēveris < *dieveris wie vēveris).

стр. 99 *drēvis mit langem ē ist mir unbekannt. Drēvē Kv. Joniškis Salantai: drovē drōve ‚Baumhöhle‘ Skāpiškis.

стр. 101 lett. gliēmēzis kann seiner Endung wegen mit lit. glēmēžius Dus. ‚Schleim‘ verglichen werden (die Heringe sind mit Schleim überzogen).

Стр. 104 Preuß. naw-an(a)-s I Kat.: neuw-en-en II Kat. = lett. ostl. slyd-ōna- BW. 13597, 1: lett. westl. slid-ena BW. 13597.

стр. 109 lett. šlau-b-ums ‚Abhang‘: + pa-šliau-nuš ‚ukosný‘ Jušk. žod. I 557 a ~ lett. liki ragi, šlauni sāni BW. 28923 slauni sāni ebenda, Varianten, slauniem sāniem Instr. Pl. BW. 28956 < šlau-na- [>Šlaunis, ein Fluss im Bezirk Rietavas]?: kle-v(e) ~ k’le-j(e) >šliei ‚Abhang‘: kel(e) > ahd. hald ‚geneigt‘.

стр. 111 lett. atvēžēties. Dasselbe bedeutet auch lit. at-si-vēdėti Tverečius.

стр. 121 lett. klaips. Širvydas’ kliepas ‚bochen chleba‘, das nicht aus хлеб entlehnt sein kann, zeigt, dass auch lett. klaips ein ererbtes Wort sein könnte. Das finnische leipä lässt sich nur aus lit. kliepas erklären, nicht aber aus germ. hlaiba-

Стр. 125 Plikšas nicht aus *plik-sa-s, sondern aus plik-šas, vgl. varg-šas, gōb-šas, gūd-šas > gūčas, stit-šas > stičas, gint-šas > ginčas, trīd-šas > tričas, drib-šas usw.

Стр. 16 dumjū < dm-. Dumjū kann auch indogermanisches u enthalten; vgl. ϑύελλα, skr. dhū-ka-s ‚Wind‘.

стр. 18 Neben ungurys (: preuß. angurjis) haben wir auch ingurys Dus. Kupiškis (Aist. stud. I 109) Vyžuonos (in kann auch aus en stammen).

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S. 19 grumėti ‚dröhnen‘ Kv. kann u auch aus indogermanischem u haben; vgl. grūmoti ‚drohen‘ Kv.: grū-džiu, grąusti ‚dröhnen‘: nu-gramėti ‚mit Getöse irgendwo hineinstürzen‘ ~ βρομ[ῆ]: garmė-ti ‚mit Lärm und Krachen gehen; in den Abgrund stürzen‘ = *βρομῆ: grum-džiu ‚ich drohe‘.

S. 32 vėveršys: vė- ist aus der lebendigen Sprache überhaupt nicht belegt (siehe oben). malatà Dus., Linkmenės, Jušk. žod. I 426ᵇ ‚picus viridis‘: meletà Kved., Kurš., Širvydas = monomo: tenemo = gàrbana ‚Locke‘: *gerbenė > gerbenėtas Dus. ‚lockig‘.

S. 91 vėšelas ist ein nichtlitauisches Wort; es ist aus russ. вёшало ‚Gerüste, Zäune verschiedener Art zum Trocknen von etwas‘ entlehnt. Entlehnt aus einem solchen weißrussischen Dialekt, in dem š zu s wird: vėšalo > vėsalo > lit. vėsėlas. Zu š, ž > s, z vgl. die Lehnwörter: pažaras ‚Feuer‘ pažytkas ‚Nutzen‘ < пожитокъ.

Ich wünsche alles Gute. Kaz. Būga

[5]

Mósėdis (altlitauisch May-sedis, siehe Bielenstein, Grenzen…)

26. Dezember 1911

Sehr geehrter Freund!

Danke für das Briefchen! Ich dachte, dass Sie vor Weihnachten abgereist sein würden. Ich nahm an, Sie seien in Vilnius gewesen: In „Viltis“ wurde angekündigt, dass Sie über die baltischen Sprachen lesen würden. Ihren Brief mit Mülenbachs Adresse habe ich erhalten. Ich bin schuld daran, dass ich bis jetzt geschwiegen habe.

Jablonskio adresas: Гор. Брест-Литовск, мужская гимназия Преподавателю И. О. Ябл.

Dass ps zu pš geworden sei, bezweifle ich jetzt auch (cf. vapsà ~ vapsvà, Gen. Sg. vãpsvos Dus.). Mir schien, dass Dus. ėpušis, Gen. Sg. ėpušies (man sagt auch ėpušė. Vgl. šėrdìs, -iẽs, šėrdį und šėrdė Dus.) aus *ėpšis, Gen. Sg. *ėpšeis hervorgegangen ist. *Ėpšis erhielt sein u von pušis, iẽs. Ėpušis, iẽs könnte auch aus *ėpušis, iẽs mit š aus pušis hervorgegangen sein. Gen. Pl. ėpuš-ų (~ puš-ų) und ėpušių. Ėpuš- aus ėpuš- (nach puš-) verhält sich zu eps- (cf. lett. aps-e) wie els- (elks-nis < *els-nis, russ. лешина < els-) und elus- (cf. germ. aluz/s- russ. ёлха < *eloxa).

Die Anykščiai sagen kl’ėvas (mit offenem e), ganz ebenso wie jėvas, jėknos, kėvalas. l’a von le in den Suffixen unterscheiden alle östlichen Hochlitauer: kėlias, aber Akk. Pl. sáules oder sáulas. K’elīavo = anyk. kupišk. keliōᵃvoᵃ. mėzliava ~ gãniava oder (anderswo in Dus.) mėz-l’eva ~ gãneva neben devýni (d hart. Dus.). Die Kupiškėnai, die apjōᵃkoᵃ ‚erblindete‘ aussprechen, sagen nicht *kl’ōᵃvas. Das kupiškėnaische kl’āvas oder kl’ėvas (wie es tatsächlich ist, kann ich heute nicht sagen) lässt sich nur aus kl’ėvas verstehen: ā begann sich zu ō zu wandeln, als l’a bereits zu l’e geworden war. Anstelle von apjėko steht apjōᵃkoᵃ mit oᵃ aus *ōᵃkoᵃ. Apjāka (Dus.) mit a aus āka oder aus dem pradusetischen Präsens apjankù (> *apjunku): Die Ostlitauer konnten jan von en unterscheiden: vėrpja-n-ti > vėrpjunt Dus., vėrkja-n-ti > verkjunt Dus., aber sarbintà aus serbentà ‚Johannisbeere‘.

Neben apjāka sagen die Bewohner von Dusetos jėvas, jėknās (manche sagen auch ėknās, sogar āknās): e ist weder offen noch geschlossen. Jėvas und jėknās können indogermanisches e haben. Neben kl’ėvas

3. 599

65

Die Bewohner von Dusetos sagen nur kel’āvā (važ’āvā usw.), wobei ’ā anstelle des erwarteten e aus dem Infinitiv kel’āutē steht (t von mittlerer Härte), Fut. kel’āusū. Das betonte ’a wandelt sich nicht in ’e: jai D. Sg. Fem., jām D. Sg. Mask. „dieser“ ~ „diesem“ in Dus., arkliām D. Pl. Jāi, aber vāl’ei Dus. Akk. Pl. val’as, dvasias, Nom. Sg. valia, dvasia in Dus. Gāneva in Dus. (n weich).

„(Es gibt niemanden, der) dāra“ ist Nom. Pl. des Partizips von daras. Vgl. „es gibt niemanden, der dāras ist“.

In Linkmenysė sagt man Ciltas nicht: So sagt man in der Gegend um Kaltanenus, und t. āgla lautet ’āglā: Beide a sind gleich lang (mittlere Länge). Prāšam ist auch in Linkmenysė nicht gleich mit „wir (būlbas) kāsam ‘wir graben’“: prāšām (ā von mittlerer Länge), aber kāsām.

Der Gen. Sg. von širdis bei den Einwohnern von Linkmenysė kann, wie širdēs in der Pfarrei Tverečius zeigt (neben pìrčiēs „der Badestube“), ein baltisches -es aufweisen; vgl. Daukantas’ širdēs.

Was Bezzenberger über Trautmanns Grammatik sagt, weiß ich nicht: Diese Rezension habe ich nicht zu lesen bekommen.

Solche Adjektive (adjectiva) wie lett. led-uoja- ‘eisig’ BW. 13268¹, 25 var., celm-uoja- ‘mit Baumstümpfen bewachsen’ BW. 19604 var., dūm-uoja- ‘rauchig’ BW. 14594, naiz-uoja- ‘unzüchtig’ BW. 16278, diev-uoja- ‘gottgeweiht = gut’ BW. 12409, 1, waren einst auch der litauischen Sprache nicht fremd. Das Suffix -uoja- finde ich inzwischen nur im Ortsnamen Kaln-uoja-i (Preußisch-Litauen) = ž. Kaln-ūjai (Bezirk Raseiniai, wo man dūna < dūona sagt).

Kaln-uo-ta-s: *Kaln-uo-ja-s = apyn-ō-la-s ‘Hopfenfeld’ in Kved. Riet.: apyn-ō-ja-s ‘ebd.’ in Mósėdis, Salantai (mundartlich: apynuos, Gen. Sg. apynioję).

Wenn ruinis, ruišis auf ie. *rōinos, *(w)rōikōs zurückgeht, wie ist dann vārna neben vārnas zu verstehen? Bislang haben die Gelehrten nur behauptet, vārna stamme von ie. *wōrnā (aber *wōrnōs); vgl. vilkė neben vilkas: ie. wǝkʷyē, aber wī̆kʷos.

Vgl. zuikė ‘Häsin’ zu zuikis. Lett. astuotais wird, wie das žemaitische aštōnc der Einwohner von Telšiai zeigt (ōn nicht ganz lang), Gen. Sg. aštōnta (ōn ganz lang), nicht aus urlett. *astuontas, sondern aus *astantas hervorgegangen sein. Das telšiškische aštōnc (Hauptakzent auf der ersten Silbe. Mósėdis, Skuõdas, Salantai) kann, wie dūmblōs „Schlamm“, sunkōs „schwer“ zeigen (der erste Akzent ist stärker), nur aus *aštantas entstanden sein; vgl. rōnkā, Akk. Sg. rōnka, dąngōs ‘Himmel’, krōnta „Ufer, Rand“, pa-šōnkōs ‘Eicheln’.

Das žemaitische aštāntas zusammen mit lett. astuotais zeigt, dass ie. „ō + n + Cons“ bereits im baltischen Ursprachlichen zu „ō + n + Cons“ geworden sein muss, woraus „ā + n + Cons“ entstand. Lett. dial. *astūtais und lit. hochsprachlich aštūntas sind Neubildungen aus astuoni = aštuoni. Aštāntas + aštuoni > *aštuontas > *aštūntas > aštūntas.

Vilkui < *wī̆kʷōy: vilkais < *wī̆kʷōys = tū ‘τῶν’ < *tōm: aštāntas < *oktōntōs. Dass altind. vṛkais *wī̆kʷāis gewesen sei, lässt sich nicht nachweisen. Es gibt keinen ausreichenden Grund, λύκοις als Neubildung nach dem angeblich baltischen *vilkais < *wī̆kʷāis zu lesen.

Aštāntas zusammen mit vārna zeigt, dass ruinas, ruišas kein ui aus ie. ōi haben kann. Lett. Gen. Pl. tuo, *vilkuō > vilku könnte doch aus urlett. *tan *vilkān stammen? *Tan ‘τῶν’: tū < *tun < *tuon = vyrai D. Sg. in Debeikiai, Vabalninkas (Jaūnius): vyrui < *vyrui.

Stammt lett. tuo ‘τῶν’ aus *tuon, mit Schwund von n vor der Kürzung von uon zu un? Der lettische Dialektlaut astūtais würde zeigen, dass uon vor einer Entwicklung von an, un usw. zu uo, ū usw. gekürzt worden wäre. Wie erscheint Ihnen das?

Auf den Artikel über die Kuren warte ich sehr. Diese Frage liegt mir sehr am Herzen, und ich selbst habe schon einiges gesammelt. Valtaiki usw. könnte anstelle von *Valtaīti stehen (aus *Valtaiši, wie auch žem.

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jaunėkātė ‘junge Männer’). Sagen die Kurländer neben pairīt ‘übermorgen’ auch muims < mums (zem. acc. pl. mōmìs, i. pl. mōmìs: i eng und m vor i weich)? Zählst du solche Wörter wie lett. sklīdēt zu den Kurismen (cursismus)?

Das eine oder andere Wort der Telšiai-Schemaiten mit ui könnte ein Überbleibsel des Kurischen sein. Vgl. paukštuitis Mósėdis, Ylakiai. Kuisis ‘Mücke’ (-i- eng. Kártės ‘kārtis, ies’ — i offen = ē) Mósėdis, Skuõdas, Salantai = preuß. cussis. Ness. Wb. 302 der preußischen Litauer: puikỹs aus der Gegend von Klaipėda und von den Kurischen Nehrungskuršių erhalten? = pūkỹs in Tilžė = pūkis < puõkis m. Salantai. rūinis ‘Robbe’ der preußischen Litauer < *rūinis der Kuršių von der Nehrung und aus Klaipėda < *ruoʹnis = ruonis. Šliuizis РфВ. LXVI 231 — telšių schemaitisch < kurisch *šluʹzis, g. s. *šluʹža = *šluzis: šliužas ‘Schlittschuh’ Ds.

Dass all diese Wörter mit ui Überreste des „Kurischen“ seien, dessen bin ich nicht sicher. Kuisis sagt man auch in der Umgebung von Saločiai (Kreis Panevėžys), an der Mūša, nicht weit von Bauska. Mit paukštuitis lässt sich vielleicht der Ortsname Meszkucie vergleichen (Kreis Šiauliai, direkt südlich von Jelgava) — Meškūčičiai < *meškūitis ‘Bärenjunges’. Puikỹs, rūinis und šliuizis könnten kurische Wörter sein: Sie sind nur bei den Nachbarn der Kuršių bekannt.

Überreste der kurischen Sprache gibt es vielleicht auch in der Umgebung von Mosėdis, doch ist es mir bisher nicht gelungen, sie zu erkennen: Nur selten komme ich mit Schemaiten zusammen. Ich möchte im kommenden Sommer hinfahren. Wenn ich mehr freie Zeit habe, werde ich auch mehr erfahren. Hier gibt es einige besondere Mundarten. In Mosėdis sagt man: ōžūols ‘Eiche’ (das zweite ōu ist fallend betont — gestossen — und beinahe ebenso lang wie das erste), žõušės, g. s. žõušėis (die erste Betonung ist zwar kurz, aber stärker) „Gans, Gänse“, žõušū „der Gänse“, vỹrų „der Männer“ (u eng; aber dô vỹrō — u offen), kõu „was“, ānõu „jenen“.

In Salantai sagt man: ōžouls, žõsės (ō ist beinahe lang, aber nicht so lang wie im Accus. žõsi: i eng), g. s. žõšėis (ō von mittlerer, wenn nicht kurzer, Länge), žõšīm, vỹru (aber dô vỹrō), kõn, ānõn.

Die Telšiai-Schemaiten haben zwei Arten kurzer u und i: ein enges (узкое) und ein breites oder offenes (открытое) [ich schreibe: u und ō, i und ē]. Die Einwohner von Mosėdis und Salantai sagen:

sūnõs n. s. dô sūno, tris sūnus acc. pl. dõgnõs „Boden“ (ō von mittlerer Länge), dô dõgnō, tris dõgnùs tõ ‘ты’, sõ ‘сү’, c’ nõ „nunc“, tūs „тех, туо̃с“, ānùs acc. pl. šiūs acc. pl.

šēs ‘съ’, aber ši ‘си’ āķēs „Auge“, aber āķis n. pl. āķis ac. pl., āķi acc. sg. āķē i. sg., dvē āķē

āš tōriō, tō tōri (Reflexivum tō tōrỹs)

ìt, ìkì, lìg, nō-gì bzw. nō-gìs ‚jetzt‘

Die engen u und i sind aus den baltischen ū und ī entstanden.

tūs vỹrus < balt. *tūs vỹrūs

vẽšus sūnus < višūs sūnūs

(dō) sūno ist eine Neubildung nach (dō) vẽrgō; vgl. nom. pl. sūnā (ā länger als ū) und wie vergā.

Acc. sg. sūno ist eine Neubildung anstelle von sūnu, wie Daukantas sagte. Daukantas schreibt stets: sunu, alu, midu, medu, amžiu, aber dô sunō, medōmi etc. Accus. sg. sūno hat ō anstelle von u aus i. sg. sō sūno, n. ac. du. dô sūno. Zum accus. sg. āķi gehört i. sg. sō āķē [der erste Akzent ist auf die Präposition übergesprungen], n. du. dvē āķē.

3*

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tō, sō, nō sind baltische tū, sū, nù. ši = la. ši: gr. ἰ slav. cu.

aber šės = la. šis

ãkis n. pl. < *ãkis, akis Akk. Pl. < *akís, āki Akk. Sg. < *āki < āķi. sō akê = Dus. sū aki < *aken (wie saulė, pelė).

(dvė) ākė aus dem Baltischen (dvei) *akei anstelle von *akī nach *dvei peleí.

tō tōri < turī: Reflexivum tō tōrýs. Neben sūno sagt man auch sūnomi < *sūnū-mí.

Akk. Pl. und Instr. Pl. mòmis jōmis < mumīs jumīs: ostaukštaitisch mumi jumi Akk. und Instr. Pl. Nom. Sg. mōnė-mí, Instr. Pl. trėmės „drei“.

Akk. Sg. mōnì, tavì, savì = ostaukštaitisch (Dus. usw.) manì, tavì, savì < manī usw.; vgl. Akk. Pl. mumi „uns“, jumi „euch“.

Lig durch Proklise aus lýg.

it durch Assimilation aus *ēti (vgl. iti-n gut) < *itī (vgl. Kvedarniškisch tý-toks „was für einer“), wie iki aus ēki < *ikī.

nō-gi vgl. Dus. argī < *ar-gī.

In der protosamogitischen Sprache waren am Wortende noch lange nicht nur ū, ī, sondern auch ā, ē. Samogitisch vārna, aber Nom. Sg. Neutr. pėrmō ‚zuvor‘ = Dus. pirmà, mōn čė līnksmō (nicht *līṅksmō, wenn es ein u-stämmiges Wort wäre) neben dem Nom. Sg. Fem. līṅksmà. Nom. Pl. kãtės aus *kãtiės (vgl. saulė ~ pėliė), aber Akk. Pl. kãtės < *katēs.

Akk. Sg. vārna, šãka, aber Instr. Sg. vārnō, šãkō. Vgl. Aukštaitisch vārnā|ū: vārnā|ū.

-ēn, -ēn ergibt gleichermaßen -ē: saulė Akk. und Instr. Sg., pėlė Akk. pėlė Instr. Sg. Im Akkusativ Sg. haben die Telšiųer Samogiten -ē und nicht -e, weil in zwei- und mehrsilbigen Wörtern jedes -e zu -ē wurde (offenes -i). Vgl. Vok. Sg. výrė, Dėivė; estė 2. Pl. Präs. (bei Valančiauskas) nebė-bōva (ō von mittlerer Länge).

Aus einigen dieser Striche können Sie ersehen, wie wichtig die Mundarten aus der Gegend von Telšiai für die baltische vergleichende Sprachwissenschaft sind.

In Mósėdis sagt man: kėistė ‚leiden, ändern‘, tėistė ‚ausbreiten, tięsti‘ und tėistė „ziehen, tęsti“.

In Salantai sagt man: kėistė, tėistė, aber tėstė. Kėisōs, Gen. Sg. Kėisa ‚Kätzchen, kęsas‘ Mos. = kėsōs, kėsa Salantai. tėivs, Fem. tėivà Mos. = tėvs, f. tėvà Salantai = tėnvs, tėnvà Kvedarna = la. tievs.

Die Telšiškiai-Semaiten nennen das Land der Letten Kōršōs, Gen. Sg. Kōršā, seine Bewohner aber kōršėninks, Plur. kōršėninka. Kuršas ~ kuršininkas.

Die Semaiten von Mósėdis und Salantai kennen folgende Kuršō-Städtchen: Grāmse, Gen. Sg. Grāmzda = deutsch Gramsden. Nygrōnc, Gen. Sg. Nygrōnda = “Niegranden” Vūožpūtis Mask. < *Ōžputis < alt-sam. *Āžputis = kurisch Āz-pūtis „Aizpute/is“. Buotė, Gutshof = deutsch Bahten. Vėrga < alt-sam. Virga = kurisch Virga Pāur-ōpė, Stadt ~ (ein Teil von Rucava?) Lėipūojė, Lok. Sg. Lėipūojė = kurisch Liepāja. Der Fluss bei Mósėdis heißt Bārtōva < Bārtuva. Welche Intonation hat es im kurischen Dialekt?

Der Name von Riga bei den Telšiškiai-Semaiten, Riṅgā, Gen. Riṅuōs, Akk. Riṅga (im Akkusativ ist der Vokal länger als im Nominativ), ist offenbar ein kurisches Wort. Kurisch Riṅga > semaitisch Riṅgā. Das zemgalische Rīga > hochlettisch Rygā.

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Kuldiga „Goldingen“ hieß noch im 16. Jahrhundert (siehe Спрогис словарь др. жемойтской земли) auf Litauisch Kuldinga.

Mockвá wird im Litauischen (Dus. Mósėdis) zu Maksvā: sk+Cons. > ks+Cons. -isk- > -išk- (В Сл.-балт. эт. 54 сл.): twjβka „es blitzt, leuchtet“ Mielcke L.-d. Wb. 304, blyβkėti „funkeln, schimmern, glänzen“ ebenda 129, wikβwa „rotes kleines Gras, Spitzgras“ ebenda 329 ~ wikβris Mask. ‘Schnittgras’ ebenda 329 aus *višk-và ~ *višk-rìs. Dus. viksvà ist eine Neubildung (~ *visk-vā: *viskā = vaps-và: vapsà). *Viskā steht anstelle von *viškà mit -s nach dem benachbarten Femininum vizgā Kvėd.

Nach anderen Vokalen (nicht i) wird sk nicht zu šk; vgl. vóskurnoti, éškà, préškas, pléškė, maskatuoti, láškana, lùškis usw.

-sk+Cons. hätte sich zu -ks+Cons. entwickeln müssen. Dieses -ks- hätte sich wie auch i.-eur. -ks- zu -kš- entwickeln müssen.

Tràškana Dus. mit š aus trekšti < *trēks-tei < *trēsk-tei (poln. trzaska).

Pūkštė pā-pauškas (: poln. pysk) ~ pūkšt < *piūsk-ti

Taūkšti „plappern“: taūzyti

tėkšti ~ taškas. trūkšt ~ truška 3. Pers. Präs. (τερύσχω) pliaūkšti: poln. pluskać.

Šermukšnis Mask. kann aus baltisch-ursprachlich šermusk-nis stammen: slav. -ъха < -us-ā. Dus. ališk nys ‘Erle’ kann nur aus *alis-nis stammen: aus alisk-nis wäre *alikšnis.

*Alis-nis ~ ольха: preußisch alis-k-andē = slav. čermъx-a < -us-ā: *šermus-k-nis = úos-is: germ. as-ka-.

Rezgū ~ rēgztis Mask., vgl. lat. res[c]-tis. Mezgū ~ megztuvė Ds.

Veizd-ėti (vgl. der-ėti > der-lùs, tū-k-ti > tuk-lùs, jemù > *pa-jem-lùs > pajemb-lùs Kv.): *veizd-lùs d wird vor l zu g (poln. handlować > Dus. angliavóti): *veizd-lùs > *veizglùs. Durch Metathese entstand aus *veizglùs veizglùs РФВ.

Slav. -skn- > -sn-, baltisch > -ksn-, daraus -kšn-: Бльс[к]нѣти ~ lit. blikšnóti, ob sich nicht sein eigenes Haar löst, sei es das des Esels oder … o weh, welch ein Unglück.

Zogr. Leskien Hd.⁴193 = atā-rišā Ds.

разд-рѣшити… отъ жзѣ = iš-raišyti. Vgl. Slav.-balt. et. 69¹.

Russ. муж-ило: муж-[б]ло РФВ LXV 402 = preuß. krup-eyle: ostlit. deiv-ila-s „Götterbildchen, Idol“.

Kirchenslaw. агн-ицъ: агн-ыць = poln. dial. pal-ic: pal-ec, palca = jaun-eika „jüngerer Bruder“: jaun-ikis = jūod-eikis „schwarze Blutwurst“ Linkmenes: juod-ikis „Bezeichnung für eine Münze“ = Nam-eikis Familienname: Nam-ikas ‚ebenso‘.

Br. коро́ба: wr. ко́роб = воро́на: во́рон.

Skr. kljūna ‚Art Haken, Krampe‘: kljūn ‚etwas Gebogenes, Krummes‘ Berneker SEW. 529 = kl’ēiva „krummbeinig“: kl’ēivas Adjektiv = kvaiša ‚Dummkopf‘: kvaišas ‚dumm‘.

Wr. воло́ца ‚ein Mensch, der müßig umherstreift‘ Dal I³ 581: волоку́ = lett. luõža: lit. lendì.

Bėgėtė (laufen) vgl. δρόμῳ θεῖν ‚laufen‘, бегом бежать ist i. sg. aus *bēg-tē (die Leute aus Dusetos sagen bėgti bėgu); vgl. Širvydas (Dictionarium 1713): plaktė „Peitsche“ 25ᵇ (~ plaktę plakù), sutek te 44ᵃ, wogte 110ᵇ (~ vogtę pāvogė), gulte 131ᵃ (~ gultę gūla), patepte 252ᵇ (~ teptę tēpa).

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La. ostlit. olūts hat t aus v; vgl. āt-luša K̇vėd. aus *āt-vuša anstelle von āt-uša (so wird es auch gesagt) mit v aus āt-vaša ‘lett. Nachkomme’; Kirchspiel Telšiai vōnšōs, Gen. vōnša > ostlit. *vūšas, woraus lūšas (Vadōkliai) neben ūšas, Rohr> ostlit. *vuⁿzdys > luⁿzdys Dus. Kamajai.

Tekė-ti: tekė-stos, ėsty „heiraten“ Linkmenys = ženyties < женu-ться: žený-stos Linkmenys „Heirat“ = germ. bevanō-n „dienen“: bevanō-sta m. n. „Dienst“ Fick III⁴ 177.

In diesem Herbst war ich in der Pfarrei Ciskodas (12 Werst von Rēzekne — Режица), um die litauische Kolonie zu erforschen. Während ich die litauische Mundart erforschte, schrieb ich auch einiges Lettische auf. Hier einige Beispiele (ob ich sie richtig gehört habe, dafür kann ich nicht die Hand ins Feuer legen): màrga „reifes Mädchen, von der ersten Menstruation“, mirdzinuot „nieseln“, leitins kai mygla slacinōj, patmal’as „Mühle“, Ortsnamen ~ Cyskods, Vil’āni, nu, Gal’āni, -nu, Varkl’ōni, -nu, Rykova, Bykova, Drycāni, nu, Malnova, Lubuons—ēžeras, dīndōrzs ~ klāvs, V̄orkova, Raznas uzars, der Fluss Malta, ai vanagi, vanadžēni! Vok. (im Lied), pymu, pylñs, zeml’i „unter“, myl’ti, aviša „Himbeere“, sēni laiki, aber vacs cīlvāks; malny muni kumelēni, kai yudēna vogul’ēni; Gen. Pl. žūsu, ziv-u; syvāns, aber šīvenēnš, šīvenu jīmti, pyrmu dīn l’audavēna, caturdīn, sasdīn, ovu boltas kuojas, lyku lyku gal’vēnā (sc. vainučēnu), meita dzaltuohim motim, munu vainūku atpakal’ atnas. Kur lyki vainūku? lyku… kliepi. Naišu tautēnuos bez buol’ēna. Natak spūl’ēite, bez skrīmestēna. garvilce „Regenbogen“, carmuška (= in Rēzekne čermyuška), dzil’tēne, kuormi „Eingeweide, Gebäude“ aus dem Pralatgalischen. *kārmi < vor-russ. *хорми „Gemächer“.

In Ciskodas war ich nur vier Tage. Ich hatte keine rechte Gelegenheit, den Akzent zu erlernen. Inzwischen lagen mir die litauischen, nicht die lettischen Mundarten mehr am Herzen. Sowohl die lettische als auch die litauische Mundart erschien mir sehr interessant; ich habe vor, ein andermal wieder hinzufahren.

Noch etwas über die Kuren.

Die wichtigsten Merkmale der kurischen Sprache finden wir im Wort *Santace = lit. san-takys: „Fluss an der Bachmündung“ Sentatze, dort münden noch zwei Bäche zusammen, 1422 m. Bielenstein Grenzen 452.

kur. bruk Bente-pürge 1422. a. a. O. (eyn brok Sate-purve 1439 a. a. O. 455.

kur. up de brugge Grynde 1422 m. a. a. O. 452: lit. grind-inyš ~ lettg. zemg. grīda.

kur. Kandamer Vytzen sture a. a. O. 453.

kur. Cantimas 1387 a. a. O. 450, 1439 a. a. O. 455 ~ Cantyn 1290 a. a. O. 440.

kur. Mames-pintes a. a. O. 477 ~ pruß. pintis „Weg“?

kurš. Svente Gesinde-Namen unter Zabeln und unter Matkuln (beide unfern der unteren Aban) l. c. 344.

kur. Dzintere a. a. O. 282²¹⁸: lit. Gintara, Fluss.

{ Bach Zynthere 480

kur. Wanderen 1253 m. a. a. O. 233.

kur. Stembre 1386 a. a. O. 450: lettg. zemg. stiēbrs „Halm“ ~ žem. stembrai „Schilfart“ Mosėdis.

kur. Venzava a. a. O. 195. 198.

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Das kurische Alš-vanga (Biel. Grenzen 206) ist aus *Alšu vanga: *Alšu aus *alš(ń)juo „Erle“ entstanden. Alšu: *alsnis (> al’ksnis) = krašu Biel. Lett. Spr. II 4: krãsni-, vgl. Gen. Pl. zvaĩžu l. c. II 32 ~ *zvaizne.

Kur. Alšu muiža = Aĩkšnių (Gut).

Kur. levanga dürfte lev-vanga aus ievų vanga sein.

Wie scheint es Ihnen: Gibt es etwas Keltisches im baltischen Gebiet, wie A. Šachmatov (AfSPh. XXXIII 51 ff.) behauptet?

Ich finde nichts Keltisches unter den übrigen und den folgenden Namen: Nė-munas l. c. 77 (vgl. оз. Муна ~ застенок По-муне nahe dem Dykšnykšcio-See und dem Fluss Dysna. Kreis S̆venčionys. Vgl. He-vapda: Vãrd-uvos Fluss bei Alsėdžiai = не-веда: Вед-epa pruß. Wedera Wedir lacus Ness. = Ne-vėžis: Vėžio Fluss Kvěd. S. Не-коча > > zem. Nãkačia (hier sagt man na-žinau): Ком-pа = Не-мокшита озеро: Makštýs-See), Лучеса l. c. 79 = Laukėsà ein Nebenfluss der Düna bei Gryva, lett. Riga, l. c. 81 = riņga ~ Riņģys Bächlein bei Ušpaliai.

Vielleicht bleibe ich noch in Mosėdis. Bitte schreiben Sie an dieselbe Adresse. Ich wünsche Ihnen alles Gute zum bevorstehenden Neujahr.

Ich verbleibe mit Hochachtung Ihr Kazimieras Būga.

[6]

Mosėdis. 8. (21.) Januar 1912.

Ehrwürdiger Freund!

Das kl’ėvas der Dusetai- und Kupiškis-Dialekte ist mir nur aus dem urindogermanischen kl’avas verständlich; vgl. lett. klava. Aus urindogermanisch *klėvas wäre in Dusetos *klėvas zu erwarten, in Kupiškis — *klāvas. Wie man in Dusetos ausspricht, Kup. lėpinu, (iš)lėpęs, kann ich dagegen nicht sagen (ich erinnere mich nicht mehr).

Die Bewohner von Dusetos sagen: lėkia, slėgia, plėšia, tęsa, lėidas, plėkšta, klėtys Nom. Pl., glėbja Gen. Sg., lãidžiu, plãisėt, aber lėpšys „eine solche Pilzart“, tãvo aũsys nu-l’ėpę (= „herunterhängend“) wie bei Schweinen ~ l’ėpštų l’ėpti, l’eipstų juokù „ich breche in Lachen aus, kann mich vor Lachen nicht halten“ (vgl. leipti bei Jušk. žod. I 422ᵇ, 500ᵇ), bl’édis, -ies „Schaden“ (vgl. Лхр. 208₁₂), gl’eizoti „knacken“ in Linkmenys.

Bl’ėdis, ist offenbar ein Wort lettischen Ursprungs.

Zur Veränderung der Intonation (vãrna: vãrnas) lässt sich auch die folgende Beispielreihe vergleichen:

Preuße ~ fem. Preußin Kvěd. Rietavas

kaimýnas ~ fem. kaimýnė „ „ „, vgl. žemaitische Formen aus der Gemeinde Viekšniai dãktars ~ fem. daktãrė „Doktor (Frau)“.

Das ãštõnc der Bewohner von Telšiai, falls es auf *aštountas zurückgeht, wäre später entstanden, wie Gen. Pl. vỹru (mit engem u) aus < *vyrų < *vyrun < *vyruon. Útõnc wäre mit der Form der Telšiai-Schemaiten vėnc (Gen. Sg. vėina) „eins“ vergleichbar (aber nicht gleich!). [Das ė ist nicht nasal, d. h. nicht *vėnc!]. Die Schemaiten von Telšiai sagen ãštõunė.

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Telš. žem. acc. pl. tūs vyrus, kaip ir Tamsta, dabar aiškinu iš *tuns vỹrųns [cf. gen. pl. Mósėdžio šnektos: tũ vỹru greta su nom. du. tõu-do vỹrō] < *tións vỹruons. Acc. pl. telš. pėktũs vỹrus: rašėniškių žemaičių (Kved. Riet.) pėktūns-õs [Rasein. žemaičių nebeskiria trumpųjų u ~ õ, i ~ ė] vỹrõs.

Pėktas mergãs Kv.: pėktūns-es m. Kv. = pėktõs vỹrõs Kv.: pėktūns-õs v. Kv. Die Telšiųer Žemaiten sagen nur pėktũos-es (múotėris) < piktós-ias; vgl. Dus. piktãs-ias. Der acc. pl. der Telšiųer Žemaiten pėktũsius wäre aus *pėktūnsius entstanden; vgl. Telšiųer žem. skūšti.

Auf diese Weise zeigt sich, dass Wörter der ō-Stämme zuweilen im acc. pl. zwei Endungen hatten: -õs und -ōns.

Der acc. pl. der Telšiųer Žemaiten tūs vỹrus und der gen. pl. vỹru zeigen, dass aštõnc nicht aus *aštuontas entstanden sein kann. Aus *aštōunc (das wäre eine sehr junge Neubildung) könnte aštõnc: *aštōunc > *aštõnc entstanden sein [vgl. kąs vėn aus *vėin < *veinõ ntr. (vgl. Telšiųer žem. neutr. trūmpō) < *viė-nã]; > aštõnc; vgl. dat. du. dõm vỹrōm < *dōum.

Lit. kuodėlis ist meines Erachtens ein Wort russischen Ursprungs (vgl. žem. põukā und russ. < рус. пух. Zum uo vgl. lett. duoma, kuoma usw.). Das finnische Wort kuontalo hält Mikkola für russisch, doch könnte es auch baltisch sein. Wenn kuontalo ein baltisches Wort wäre, ließe sich daraus schließen, dass in der baltischen Ursprache ān + Cons. noch nicht mit ōn + Cons. zusammengefallen war.

Balt. kānd- > f. kuont-alo: Daukantas’ accus. sg. fem. aną tą [gegenüber msc. anou, tou. Prasmą lotinų kalbõs... Petrapilie 1837 S. 19. In allen seinen Schriften unterscheidet Daukantas tą, d. h. tā, von tou] < *anān *tān: tūs < *tōns: vilkui: ž. vỹru: pùlti.

Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht ausgeschlossen, -ui- aus -uoi- < i.-eur. -ōi- herzuleiten. Lit. lūina РФВ. LXVI 225 könnte aus i.-eur. lōinā entstanden sein: kelt. leino-; vgl. die Ausführungen von Bezzenb. K Z. XLIV 309 (ich konnte es in Vilnius bei der Wissenschaftlichen Gesellschaft lesen).

Könnte slūnkius „der Schleicher“ nicht aus *slōnk- stammen? Slūnkius < *slōnk-: slankius < slōnk-: slenkù = lett. kluinis: lett. klainis vgl. BW. 29840: kleinis „krummbeinig“ BW. 11308 var. = lett. krūilis: *krailis: kreilis РФВ. LXVI 222 = luitas ebenda 226: laitas: liėti ebenda 227 = muitā: maitā: meit-kaulis = puĩšos: paĩšos: piẽšos. = tūlp-in-ti Jušk. ž. I 554a: talp-inti: telpù = į-tumpas (bei Kuršaitis in Klammern): tampau: tęmpti = lett. tumsa: lit. tamsa: témti.

Die Frage des -ōi- ist mir noch unklar. Aus i.-eur. ōu wäre wohl ū zu erwarten:: ōu > *uou > uu (vgl. uoi > uū) > ū; vgl. pa-laid-uonas (vgl. Лхр. 70. Širvydas’ Dict. 9, 165, 277, 359 – palayduo) und pa-laidūnas < *-ōunos? Palaid-uō < *palaiduo[u]n, aber g. s. *palaidōn-ės > *palaidūn-?

Die livischen mändreks, kill, loiga, koidas können nicht žemaitischen Ursprungs sein, denn nach Bielensteins Zeugnis (Die Grenzen) waren die Liven keine Nachbarn der Žemaiten: livische Ortsnamen reichen nicht bis Gramždas. Liv. loiga, koidas müssen kurische Wörter sein. Das livische oi wäre aus kurischem ei (, wie auch bei den Telšiųer Žemaiten).

Könnten die Kuren nicht lettisierte Žemaiten sein? Das livische kill im Verhältnis zu lett. = la. dzilna würde darauf hindeuten, dass die Liven den Kuren – den Žemaiten – bereits vor der Lettisierung begegnet waren.

Alle ostlitauischen Sprecher kennen nur kiškį (Salõčiai im Kreis Panevėžys, Dus., Širvydas). Die Telšiųer und Raseiniai-Žemaiten sowie die Westaukštaiten (Tilžė, S. Naumiestis) sagen zuikis. Zuikis könnte ein kurisches Wort *zuojekias sein. Aus *zuojekio müsste im žemaitischen Dialekt *zuojikys entstanden sein: unbetontes e ergibt i ~ Telšiųer ōudėgā = ras. ūdėgā usw., aus uodigā <

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Schwanz. Trėjėtas > zemaitisch *trėjits > treits > trėits > trẽc „Dreier“ (Mos. Salantai). *Žuõjikys > *žõujikys > *žõu[j]ikys > žõikys (wie es die mōsėdischischen und salantischischen Žemaiten aussprechen) > tilž. zuikis.

In Tverečius lautet, wie es scheint, der Instrumental Singular sù širdziu, wie einige auch in Dusetos sagen — širdžiu.

Der Akkusativ Singular von vỹrs lautet bei den Žemaiten von Telšiai vỹra, der Instrumental Singular Femininum aber sõ bõrnõ. Zum Unterschied vgl. Dus. vỹrų, aber sù bũrnų, Suvalkų Naumiestis und Virbalis (Вержболово) — vỹrą, sù bùrną.

Könnte man nicht die Dzimtenes Vēstnesis bekommen, in der Tamsta über Šachmatovs Keltai geschrieben hast?

Aistere gibt es wohl auch Aistar-?, vgl. Aistar-nieki BW. 12684 (Rāvā).

Tuos-mare BW. 9593 (am Seeufer) ist mit seinem ersten Bestandteil verwandt mit dem Flussnamen Tuos-ele (Nebenfluss der leipus Nicā bei Bārtava. Konverzacijos Wārdnica 279). Mit seinem zweiten Bestandteil lässt sich Tuos-mare mit dem lettischen Ortsnamen Palc-mare (Konv. vārdn. 667) am Ufer des Flusses Palce (Nebenfluss der Gauja) vergleichen: litauisch Žiž[ma]-māriai, Stadt im Kreis Trakai, Žižmariškiai, Dorf in der Pfarrei Vabalninkas ~ vgl. Žižmà, 1) Fluss in der Pfarrei Tryškiai bei Kuršėnai, 2) Nebenfluss der Gauja in der Pfarrei Dieveniškės, Gouvernement Vilnius.

-mare: Marra, ein Nebenfluss der Ryva, die bei Labraggen in die Ostsee mündet. Bielenstein, Grenzen 480: litauisch der Fluss Mor-иха aus dem 16. Jahrhundert (Ревизия душь...50, 54) ~ vom Flurstück Поставяли (= Pastovėliai) eine Meile bis zum See Моря, 1, S. 54 (Kreis Seinai, Gouvernement Suwałki): Marūge, ein Fluss bei der Stadt Vidžiai — Vidžiai: Pa-mar-ēika, Fluss bei Zasečiai, Kreis Djatlowo, Bezirk Slonim; preußisch Pas-mar, Fluss bei Kreuzburg (Nesselmann, Thes.):? altindisch mārayati ‚taucht etwas unter, wirft ins Wasser‘.

Ob -mare mit mārē „Meer“ zusammenhängt, ist unklar.

Kurisch Vec- Sumber, Bauernhof im Gebiet Dondanga (Biel. Grenz. 288): sūbr-īti! BW. 30493 in Skrunda aus dem Semgallischen.

Kurisch And-ume bei Stende ~ Talsi (Konverz. vārdnīca 113, 1144):? slavisch qda.

{vgl. venter-kājis BW. 14517, 9 in Kuldīga

Venteru-Höfe, im tiefen Flusstal (bei Aizupe, Kreis Talsi). Konverz. vārdn. 47: vēnteris, maskulinum, Mosėdis, Dusetos; = russisch вѧтерь.

Rindz-ele in der Umgebung von Engure. Konverz. vārdn. 846: zemaitisch Ringà, < kurisch *Ringa, = semgallisch Rīga.

Kurisch Alšu muiza, Alš(u) vanga; vgl. mit alkšu rikste BW. 9778, 1 Variante, Dundanga: lagžu krūminā BW. 29316.

Wann Volter seine Untersuchungen zu Slanima veröffentlichen wird, weiß ich nicht (sie sollten Anfang 1912 in Изв. И.А.Н. erscheinen).

In wissenschaftlichen Artikeln würde ich, wenn Formen der Literatursprache angegeben werden, auch die literarische Orthographie verwenden (so wie Tamsta in Слав.-бал. эт. geschrieben hast): zum Beispiel vỹras, eĩsiu, žõdžio. Bei der Angabe dialektaler Formen sollte die wissenschaftliche Orthographie verwendet werden; vgl.: Dativ Singular der Žemaiten von Telšiai vīrou, Futur der 1. Person Singular dōusō, Žemaitisch aus Telšiai būužava, Tverečius žãgìs, žìdel’is.

Bei Beispielen aus der Schriftsprache würde ich empfehlen, sich an die gewöhnliche heutige Schreibweise der Schriftsprachen zu halten, d. h. zu schreiben: vỹras, vērksiu, mēdžio.

73

Das Wort paveikslas ist auch nicht auf diesem Weg entstanden: pa-veid + tlas (cf. *ár-tlas > ar-klas) > *pa-veistlas > *paveikslas [nicht *paveišklas, da es, als es taut-iškas mit š war, paveikslas noch ein dentales t vor s hatte] > paveikslas.

In der nächsten Nummer von РфБ erscheint meine „Славяно-балт. этимологии“.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr K. Būga.

PS. Die Rezension von Bezzemb. habe ich gelesen, als ich in Vilnius war.

[7]

Mósėdis, Januar (I)30 1912.

Hochgeehrter Freund!

Aus dem Indogermanischen ōu würde ich im Litauischen ū erwarten: ōu > *uou (vgl. -uoi > -ui) > *uu > ū. Neben dem Nom. Sg. žmuo hat Daukša den Akk. Sg. žmūnį, die ich folgendermaßen verstehen möchte: žmuo < *žmō < *žmō(n) aus *žmōun, vgl. ákmūo ~ ἄκμων, aber žmūnį aus *žmōun-m. So wäre auch Širvydas’ širšuo zusammen mit dem žemaitischen širšūns < širšūnas aus Telšiai zu verstehen.

Lett. pērk-uon-s: perkūnas

did(u)omenė Dus.: didūmenė Salantai

sūodys Pl. ‘Sachse’: sūdys Telšiai, žem.

grūodas: slav. gruda < *grōuda?

šuokoti Intensivform: šuk-snis msc. ‘Sprung’

liūbas: slav. lubъ < *loub(h)os: liūbos

ὠμός: ūmas ‚roh‘: um-ēdē ‚Täubling‘

miegūostas (vgl. russ. зуб-аст: miegūstas

snaigulė: telš. žem. snaigūlė.

Das aštōnc der Telšiai-Schemaiten im Sinne von „achter“ ist mir nicht klar: aus *aštōuntas wäre *aštūnc zu erwarten; vgl. neben pōudōnktis ‚Topfdeckel‘ auch pūndōnktis. Diese letztere Form ist aus *pōuddōnktis entstanden (dissimilation duorum d. Vgl. die Form andiot < *adduoti> aus dem Dorf Zasėčiai (Bezirk Slā-nimo)) *pōundōnktis (vgl. >kailiniai < dus. kalniai > *kailniai) > *pōndōnktis > *pūndōnktis pūndōnktis. Pūndōnktis geht eher auf *pōndānktis zurück (als an + Con. noch nicht zu ōn + Con⟧ geworden war).

Pērkuons ~ perkūnas lässt sich auch anders erklären; vgl. χελῶνη ~ χελῶνα.

Das telš. Schemaitische aštōnc lässt sich meiner Ansicht nach nur aus *aštāntas herleiten, was darauf hindeuten würde, dass ōn nicht zu un, sondern zu an wird. Aštāntas neben dem Instrumental Plural auf -ais = gr. -οις skr. aiś würde zeigen, dass ō in geschlossenen Silben im baltischen Ursprachlichen gekürzt wurde. Die Nichtkürzung der Diphthonge -ōi (vilkui) und -ōn (žąs-ų ἔχην-ῶν) lässt sich durch Sandhi erklären ([in positione] vor dem Vokal des folgenden Wortes). Bei dieser Erklärung bleiben die Formen des schemaitischen Akkusativ Plural auf -us unverständlich: telš. tūs vėlkuos (neben dô vėlkō!). Der telš. Schemaitische Akkusativ Plural tūs geht auf *tūns zurück; zur Enge des Vokals u vgl. pūdamenc, Gen. Sg. pūdamēnta ‚Fundament‘ neben pūndamēnc, Gen. Sg. pūndamēnta.

74

Tùs < [*tųs?] < *tūns < *tūons (vgl. gr. τούς) = Gen. Pl. vārṭu < *vārṭu < *vārṭun < *vārṭuon.

Das hochlitauische tuõs wäre aus *tuõns < *tuõns nur dann erklärbar, wenn wir anerkennen würden, dass in der hochlitauischen Mundart „Vokal+n+s“ früher als im Schemaitischen zu „nasaler Vokal+s“ wurde und dass jene Diphthonge als „nasale Vokale“ zunächst zu uon zu un verkürzt wurden. -uont- war noch ungekürzt zu -unt-, als die Hochlitauer bereits *tuõš auszusprechen begannen.

Dass -uøs zu -uos werden konnte, daran dürfte wohl kein Zweifel bestehen.

Dass an+s, en+s in der hochlitauischen Mundart schon früh zu ąs, ęs wurden, können wir an den Dzūken im Kreis Trakai und Sejny sehen: Neben ranką, renkų sagen sie žūsis, tįsų < žąsis, tęsiu.

In den Mundarten der Schemaiten wurde *žansis viel später als bei den Hochlitauern zu *žęsís.

Die Schemaiten der Pfarrei Žvingiai (Kreis Raseiniai) sagen noch heute žansės (mit nasalem a+n). Kvėd. žąnsės: Kuliąi, Salantai žōsės: Mōsedis, Darbėnai žōusės.

Der Akkusativ Plural der Telšiai-Schemaiten tùs = und der Hochlitauer tuõs zeigt, dass o in geschlossenen Silben im baltischen Ursprachlichen nicht zu a gekürzt wurde (doch wie ist *aštañtą zu verstehen?).

Lit. lėkas ist offenbar aus idg. *leikʷont-s entstanden (vgl. skr. bhāran ~ *bhāras t-), nicht aus *leikʷōnts (vgl. gr. φέρων[t], slav. bery).

Rūšis: rāisas = schemaitisch rūinis ‚Schecke‘ (Jaunius): schemaitisch rāinas = klūkis: *klaikas > pa-klaikti (vgl. sveikas > pa-sveikti).

Lett. krūlis: kreil(a)-s = lett. kluinis: kleins.

Gruinys: grýnas.

Hier haben wir eine ganze Reihe von Substantiven mit ui, die von Adjektiven abgeleitet sind. Könnte ui hier aus idg. ōi stammen? Woher ui in diesem Fall sonst käme, ist schwer zu verstehen.

Wie beim Riegel sollten wir auch eine Art haben; ebenso müsste man zum Sieb *sānis haben und zum Sieb – *šūomis. Ohne *sānis und *šūomis müsste man auch das Wort rūšis nicht aus *rōišīs erklären. Wenn rūšis nicht *rōišis ist, was ist es dann? Das lettische krūlis und kluinis zeigen, dass die Wörter für die Sorten von rūšis aus der gemeinsamen lettisch-litauischen Ursprache stammen.

Sēnis, šēmis können offenbar keine Neubildungen anstelle von *sānis, *šūomis sein.

Die Frage des Diphthongs ui ist sehr verwickelt und meiner Meinung nach bis heute noch nicht gelöst.

Zuikis galėtų būti kuršių *zuicis. Šitas žodis būtų paskolintas dar tada, kada kuršiai tebesakė *zuikis; plg. kuršių Rucava = telš. žem. Rōkava (ō vidutinio ilgumo) < Rūkava. Kuršių *zuicis iš *zuoicis (su i epentezimi) < *zuõčis; la. zakis vietoje *zacis su dial. k (ventinių?? zemgalių??), arba su k iš *zak(a)s?. *Zuočis: *zacis turėtų įvairų balsių laipsnį (Ablaut!). Santykis su заяц, rus. зайка, заенька, заинька nėra aiškus.

Заяц < *Žo-j-en-ko-s, заень-[ька] < *žo-j-en-[ikā] aus idg. *ǵ(h)ō[u?]-jo-ar ǵ(h)ōj-o- < ǵ(h)ō[i]-.

Kur. *zuõ-c-is ~ lett. za-k-is: slav. za-j-en- = lat. ō-yum lett. uo-l-a „Ei“: slav. ja-j-e.

1) Lietuvjų-latvjų dvibalsis ie suomjų kalboję duoda ei: heinā < šienas, seinā < siena.

Baltų ei (iš kur lie. — la. ie) duoda fin. ai: taivas < *deivas, paimen < *peimen-, vāivel['] iš *vaives < *veives-[ā] (iš kur lie. vievesà, -õs, acc. vievesą. Kv. Mōsedis).

75

2) Litauisch – Lettisch. uo = finnisch uu: juutas < juõds, luuta < šluota.

Baltisches ō = finnisch ou: routa < *grōdas „grúodas“.

Daraus erkennen wir zwei Perioden in den baltisch-finnischen Beziehungen: 1) die ältere – die baltische Periode, 2) die jüngere – die lettisch-litauische (oder rein litauische?) Periode. Das finnische morsian „Schwiegertochter“, lohi „Lachs“, toe „lettisch tacis“ wären Wörter aus der älteren baltischen Periode, als kurzes a noch vom kurzen o getrennt war. Der baltische Ursprung dieser Wörter ist unzweifelhaft. Das finnische olut kann sowohl germanisch als auch baltisch sein (vgl. prußisch alu aus *alut). Das finnische o in den genannten Wörtern lässt sich nur aus baltischem ō erklären: aus a hätten wir auch finnisches a. Morsian usw. wäre älter als die Wörter aus der baltischen Periode taivas und routa. Morsian usw. könnten auch gleich alt sein wie taivas, routa, wenn man annimmt, dass ō in den Endungen (unbetont?) früher zu ā wurde als in anderen Positionen (unter dem Akzent oder auch unbetont?).

Die Frage des kurzen o ist sehr wichtig. Man müsste sich hier bei Finnologen erkundigen, was sie über morsian usw. sagen. Mir scheint, dass sich morsian nicht anders erklären lässt.

Ist das finnische kuontalo ein baltisches Wort (lettisch kuodel’a, sofern es kein russisches Wort ist) oder ein slawisches Wort? Aus slawisch *kođĕlь ist mir das f. -uont- unverständlich.

Wenn dažgys aus *dagijas stammt (=der livische tagijas), warum ist dann galvijas nicht *galvys? (kalavijas usw.). Žemaitisch und ostoberlitauisch kirvys ließe sich auch aus *kirvij(a)s erklären (a weit vom Akzent entfernt!). Wenn das livische tagijas „Dorn“ unmöglich anders als aus *dagijas erklärt werden kann, dann wird man dagy̌s als aus *dagijas hervorgegangen lesen müssen. Gibt es im Finnischen noch weitere -ija(s) aus baltischem -is? Ich habe Thomsen’s Arbeit derzeit nicht zur Hand und kann deshalb nicht nach weiteren Wörtern mit -ija(s) suchen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Hochachtungsvoll, Kaz. Būga.

Meine neue Adresse werde ich Ihnen aus Vilnius schicken, wo ich am 3. und 4. II. sein werde. Bitte schreiben Sie nach Vilnius an folgende Adresse:

Lederstraße Nr. 5, Redaktion der Zeitung „Viltis“.

[8]

Einzelgehöft Pažiegė, Kreis Dusetos, am 17. (30.) März (III) 1912.

Hochverehrter Freund!

Herzlichen Glückwunsch, dass Sie Ihre Dissertation erfolgreich verteidigt haben! Ich wünsche, dass das Ministerium Sie möglichst bald zum Professor ernennt!

Baudouin ist ein sonderbarer und unverständlicher Mensch. Obwohl er mein Lehrer ist, missfällt mir vieles an seinem Charakter und seinem Verhalten. B. hat sich in den letzten Jahren am stärksten verschlechtert. Die Einwände, die Šachmatov erhoben hatte, müssen wohl gedruckt werden. Man sagt, Š. habe einige Ergänzungen zu Ihrer Schrift. Darüber hatte ich keine Gelegenheit, mit Š. zu sprechen.

Ihr Artikel über -ui- wird nicht nur von mir, sondern auch von den europäischen Wissenschaftlern erwartet. Die Frage des Diphthongs -ui- ist auch den europäischen Sprachwissenschaftlern noch nicht klar. Sehr gern gestatte ich Ihnen, meine wissenschaftlichen Kleinigkeiten über die Žemaiten aus Telšiai zu veröffentlichen.

76

Die Akkusativ-Plural-Endung -us. Gegen Ende des Sommers möchte auch ich selbst den „Auslaut“ der Telšiai-Schemaiten beschreiben (-ė: -i, -ō: -u etc.).

Auch mir ist die Deutung des Diphthongs -ui- nun klar geworden. Unter anderem kann -ui- auch aus idg. -ōi- stammen. Ihre Überlegung, dass -ui- nur aus betontem -ōi- entstanden sei, scheint mir richtig. Rūnis neben rainas, rūišis neben raišas, kluikis neben klaik-šas ‘fatulus’ bestätigen diese Überlegung völlig.

lui-ta-s ‘zamazka’ (mit unbeweglicher Betonung. Cf. grąž-tai, kál-tai, saī-tai, skāb-tai etc.: gr. φόρ-το-ς, πλοῦ-το-ς) aus *lōitos: praet. lėjau (cf. Dus.: šlėjau, lėjau).

-ui- haben wir weit weniger als -ai-; doch darüber braucht man sich nicht zu wundern. -ai- anstelle des erwarteten -ui- ist eine litauisch-lettische Neubildung, ebenso wie -ā- anstelle von -uo-; vgl. sėdu, bėgu, slėgiu, aber sodinù, boginù, sloginù anstelle von *suodinù (cf. slūogas, rūozas < režiu. plūoštas = slav. пласть < plėšiu etc.).

Piẽšà: paišà: puišà Ds.¹ = slìnkìus (Kuršaitis’ slinkis in Klammern. Cf. mižnius: mižnìs Dus.): slankius: slùnkìus.

Lūiba PФB. LXVI 224: láibas = lūina: leìctas) = šlūina (la. slūns „бродяга“ Rīg. r. kr. XV 136): la. slaists l. c. 94 ~ šlaistāusi ~ šliēti. Wörter dieser Art haben festen Wurzelakzent; cf. klėiva: klėivas, kváila „дурак“: kváilas, kváisa ‘дурак’: kváisas.

La. gaiba ‘das vergeht’ könnte eine Neubildung anstelle von *guība sein: Adjektiv *gaibs = lit. *gaibùs (geibti: *gaibùs = teikti: taikùs = nėšti: našùs etc.). La. (viñs g luži sa-)guībis (Rīg. r. kr. XV 77: guībt) wäre eine Neubildung anstelle von *sa-gaibis aus *guība (cf. lit. gvāiba).

Neben mūistau, wie Koss. Litu. 48ª vermerkt, sagen die ostlitauischen Hochlitauer auch māistau ‘kiwam’. Aber ist die Wurzel nicht mēi-? (cf. lai-stau ~ lie-ti, sai-stau ~ sie-ti etc.)

uīdiju PФB. LXVI 231 ist aber nicht aus *vuōidijuo entstanden: vaidas.

La. plēst: pluosīt = lit. *mieti?: mūistau.

Maitā: muitā, Gen. Sg. muitos Ds. < Wurzel mei- = laitas: luitas ‘zamazka’.

Idg. ōu ergibt in den litauisch-lettischen Sprachen entweder uo oder au: ōu > uo, aber unbetontes ōu > au.

kúopa = slav. kupa

grúodas = “ gruda

liùobas = “ lubъ.

La. virsuone: virsaune, pērkuons: pērkauns.

Litauisch–Lettisch uo: au aus idg. ōu steht in vollständiger Analogie zu litauisch–lettisch ie: ei aus idg. ēi. Daraus folgt, dass litauisch–lettisch uo zweierlei Herkunft haben kann: aus idg. ō und ōu.

Nom. Pl. lýguos Tverečius: lýgūs ist gleichartig mit kárties Tverečius, Adūtiškis: kártis und vielleicht mit

didùomenė: didūmenė und

lapiẽnė: niederlitauisch lapinė.

Herzliche Grüße! Ihr Kaz. Būgà.

1 Puišà ist eine Neubildung anstelle von paišà aus dem Adjektiv puišinas < idg. pōfkino-s: kìrtis (Betonung) hatte ehemals festen Akzent (vgl. russ. красный, aber краса).

77

Postamt, Kreis Dusėtai, Gouvernement Kowno. Im Weiler Pažėte (Pažiegė). Nach Aussage von Kārlis Petersons in Aūčė heißen sie: suikis, ruize – Schweinenamen suikis „Halbschwein“, sivėns „Ferkel“.

Aūce.

[9]

Pažiegė (Kreis Dusetos), 24. Juli 1913.

Verehrter Freund!

Ich weiß nicht, ob dieser kleine Brief mich bei Ihnen am Meer erreichen wird. Ich hatte schon lange vor, Ihnen zu schreiben, weiß aber selbst nicht, wie es dazu kam, dass ich es bisher nicht getan habe. In Vilnius blieb ich 24 Tage. 15 Tage war ich im Gouvernement Suwałki (in der Pfarrei Naumiestis) zu Besuch. In Vilnius fand ich einiges Material für ein Wörterbuch der litauischen Sprache. Das gesamte Material konnte ich in diesen Tagen noch nicht verwerten. Ich werde noch einmal zu einer günstigeren Zeit hinfahren müssen. Handschriftliches Wörterbuchmaterial gibt es nicht nur in Vilnius, sondern auch in Kaunas, Sejny und anderen Orten. Ich fand noch zwei Fassungen von Juškevičius’ Wörterbuch, die nicht so vollständig sind wie die gedruckte.

Jetzt lerne ich Sanskrit. Im Herbst will ich Prüfungen in vergleichender Grammatik und Sanskrit ablegen. Im Frühjahr bleiben Latein und Griechisch. Zum Sanskritlernen benutze ich G. Bühlers Schrift „Leitfaden für den Elementarcursus des Sanskrit“ und Wackernagel.

Ihre „Miszellen“ aus „Lietuvių Tauta“ habe ich von Basanavičius erhalten, daher brauchen Sie sie mir nicht mehr zu schicken. Während ich auf dem Land war, habe ich noch nichts Neues gesehen, was in der Sprachwissenschaft erschienen ist.

In Pažiegė bleibe ich bis zum 10.–15. VIII. Ab dem 15. VIII. werde ich in Petersburg wieder an derselben Adresse wohnen, d. h. M. Дворянская № 7.

Nun werde ich Ihnen dies auf Ihren Brief antworten, den ich noch erhielt, als ich in Vilnius war.

1. Dass lit. srovė aus einer älteren Form strovė hervorgegangen sei, wird wohl kaum jemand glauben, denn dem widersprechen die Sprachfakten. Die Sprecher des Dusetos-Dialekts sagen stryptie, strėnos, strūkt’!, aber srėbtie, sriegas Pl. sriegaī, srauja ūpė; die Sprecher des Kvedarna-Dialekts sagen strėnos, strypailiōti, strūgas, aber srėbti, srauni ūpė. Die Dzūken des Kreises Trakai und Seinai haben anstelle von sr- und šr- sowie -sr- und -šr- überall str-; vgl. srėbė, auštrà.

2. Mir scheint ebenfalls, dass kirvio lett. cirvja keine Neubildung ist (vgl. plačios).

Lengvì, lengvìos: lengvūs statt *lengùs (mit v lengvì f.). Vgl. erdvì f. und > erdvūs m. (statt *erdūs). Obwohl lengvì, erdvì v aus den verwandten Formen lengvà, erdvà haben können (msc. lėngvas, eŕdvas).

Solche Fakten, die darauf hindeuten würden, dass kirvio keine Neubildung ist, kenne ich nicht.

3. In allen mir bekannten Mundarten gibt es neben Wörtern mit sl- auch solche mit skl-. Neben slidūs, sliekas, slėgiu, slapūkas, slāstai sagt man im Dusetos-Dialekt auch skl’ėdinas ‚voll wie ein Auge‘, pà-sklìtė 3. Prät. ‚verstreute‘, in-sklimbai Adv. „schräg“, skliaūtai.

Indoeuropäisches skl- wird in den litauischen Mundarten nicht zu sl-.

4. Jetzt glaube ich nicht, dass žaltys und žalktys (Dusetos, Dysna: nicht *žalktýś!) aus zwei getrennten Formen hervorgegangen seien. Žaltys = lett. záltis stammt aus *žalk-tyś: -kt-; phonetisch wird -kt- sowohl im Litauischen als auch im Lettischen zu -t-. -kt- bleibt nur dort erhalten, wo noch die Verbindung zu der Wurzel besteht, aus der das Wort gebildet ist.

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deren Zusammenhang nicht geschwunden ist. Smagītis, nicht aber *smaitis, wegen smeigiū, smāgas; rāktas, nicht aber *rātas, wegen rakinu, āt-rakas. In manchen Mundarten kann die Verbindung mit der Wurzel früher abgebrochen sein als in anderen. So lässt sich das hochlitauische drūtas neben dem niederlitauischen drūktas erklären. Doch die Wurzel selbst drūk- oder drūg- dürfte verloren gegangen sein. Wir haben dáiktą (nicht aber *dáitą), weil wir bis vor kurzem noch *dáika gehabt haben (vgl. lett. daiki, daiceklis). Das prußische aukta- ‚hoch‘ ergab in der samländischen Mundart (vgl. Gerullis) die Form auta-. Der altlitauische Name *Daugi-tāras wird heute nur noch Dautāras ausgesprochen (*Dauktāras). Vgl. Daug-vilā: Vaiš-tāras.

5. Die Formen der Žemaiten aus Teišiškiai eisina, bēgsina usw. können phonetisch aus eisena < *eisianga hervorgegangen sein. Vgl. Telšiai lētina, uodigà, kūpita usw. Das žemaitische -sina < -sena < -sjanā entspricht infolge eines Lautwandels dem niederžemaitischen Wort aus Telšiai mēdiga < *mēdega (vgl. niederžemaitisch uodigà) < *mēdjęga < uržemaitisch *mēdjugā = hochlitauisch mēdžiaga.

6. Auch der Deminutivsuffix -sn- in den lettischen Formen naksniņa, sirsniņa usw. ist mir unverständlich.

7. Balžiena aus Dusetos (niederžemaitisch balžena aus Kvėdarna) ist, wie mir scheint, seinem Suffix nach nicht gleichzusetzen mit lett. -ēns (edīens, metīens). Balž-iena (die Form balžienas habe ich in der Umgangssprache nicht gehört) ist ein Ableitungswort von *balžā-; vgl. kiaul-iena aus Dusetos (niederžemaitisch kiaul-ēna aus Kvėdarna, Mosėdis) || kiaulē.

8. Leskien’s molūjas ist keine wirkliche Wortform: Juškevičius hat, soweit ich mich erinnere (помню), den Akk. Sg. mólūji pūdą (von molus, moli?). Das lettische māluojis entspricht seiner Endung nach dem Ortsnamen Kalnuojai.

Zu Volters Chrestomathie soll ein Wörterverzeichnis erscheinen, dessen Manuskript bereits fertig ist (vorbereitet und abgeschlossen von Juozas Balčikonis, Absolvent der slawisch-russischen Abteilung der Universität Petersburg).

Ich trage noch einige Kleinigkeiten nach:

9. Lit. moteriškas ‚Frau‘: παῖ-ς-χος ‚Bursche‘.

10. Laiškūs, aber laikš-ūs. Aiškus: aikš-tē.

11. Pa-veikslas < *paveikslas (-skl- > -ksl-) < *paveistklas < *pa-vēizd-klas (: veizdēti: ār-klas, ir-klas usw.).

12. Boginti Neubildung, sodinti, sloginti: bėgu, sēdžiu, slēgiu, doch die alte Form ist in den Formen erhalten: bēga pa-šūokom(is) Dus. „sich hüpfend fortbewegend“, rūož-tas „Linie, Strich“ || rēžti, plūoštas || plēšti (zum Ablaut vgl. gr. φέρω-τος || φέρω, πλοῦ-τος || πλέω usw., lit. grāž-ta-s || grēžti, sai-tas || siēti usw.). Vgl. lett. pluosīt: plēst.

Šōku: pa-šūokom(is), slēgiu: slūogas zeigen, dass slogā, žem. sodā „Dorf“, žolē usw. Neubildungen sind.

13. Anstelle des russischen u haben die Litauer, ebenso wie die Letten, uo: kruōpos, kruōpų < крупа, kuo dėlis < кудель *къделъ, puōkas < пух.

14. Anstelle des russischen i haben wir ie im Wort pielā, pielōs, pielą (Dus.) < nunā.

15. Das preußische klanti- „verfluchen“ ist aus dem Polnischen nicht verständlich. Bē ist kein klanti(tvei) Denominativum von *klan-tā- „Eid“ < ieur. *klōn-tā (vgl. χολ-τη || χεῖμα, lit. lak-tā, g. lāktos || lekū, našta, g. nāš-tos || nešti usw.): slav. klьno, klēti < klen-?

16. Maitā „Aas“: meit-ēlis „penimis“ || mitas || mitinti = deutsch Aas „Aas“: essen.

17. Tūmulas „Knollen, Klumpen“ (Schneeklumpen hämmern gegen die Fensterläden. Viltis 1912 Nr. 36 Jušk. Wörterb. I 286ᵃ) lateinisch tumulus: lit. tum-tas.

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18. Mailius Samml. kleine Fischchen „мелзота“ Dus.: slav. mélz(k)o.

19. Naš-ystà, -ystos „Mode“ Svėdasai, Kūniškis: slaw. nosi-ti „не́си́ти“. Tekė-stos, tekėstų „Fließen, =выход замуж“ Linkmenės: tekė-ti „heiraten“. Gyva-stà, Gen. -àstos „Leben“ Dus.: gyva-s. Gáil-ysta „Mitleid, Bedauern“ Dus., An. šil.:? Žmon-ystà, -ystos usw.

Ist Tamsta diesen Sommer nicht wegen dialektologischer Angelegenheiten in Lettland unterwegs?

Herzliche Grüße!

Kaz. Būga

Poststation Dusėtos, Gouvernement Kowno

An Kazimieras Būga in Pažiegė

[10]

1. Die Litauer des Kreises Trakai verwandeln, soweit ich feststellen konnte, die Diphthonge an, en nicht in un, in, wie es die Bewohner von Dusetos, Anykščiai und Tverečius usw. tun.

In der Pfarrei Oniškis (Ганушишки) sagt man zum Beispiel: anciulė ‚Entchen‘ Лхр. 390₂₀, krantų Akk. Sg. fem. ebda. 390₂₂, mendr- ebda. 390₃₄₃₅₃₇, = duset. mindr-, nemieganciu Akk. Sg. fem. ebda. 391₃₈, danguĩ ebda. 394₈, peŕ langély ebda. 395₂₅ usw.

In der Gegend von Jieznas, Puniõs, Marcinkonys und Merkinė (= Меречь) sagt man ebenfalls dantis, rankà, dengiu usw.

Dat. Sg. žąsi (in Jieznas spricht man žāši, vgl. grąžtas < grąžtas), šuni usw. kenne ich durch Jablonskis.

Jablonskis hat im Dat. Sg. šuni ein kurzes (nicht mittellanges!) u gehört. Im Kreis Trakai scheint es überhaupt keine mittellangen Vokale zu geben; jedenfalls hat Jablonskis in Punia, Valkininkai und Jieznas keine gehört.

2. Die Endungen im Elbing-Wörterverzeichnis -ay (brookay 480 ‚Hose‘ Nom. Du.) und -oy (clattay 292 ‚Kiebitze‘) erklärte ich mit dem Akzent: -ay aus -aĩ (Nom. Du. fem.), und -oy aus -aĩ (Nom. Pl. masc.). -aĩ musste in der Mundart des Wörterverzeichnisses zu -ũĩ werden; vgl. dalgių 546 = dalgis, corbis 306 = kàrbas.

In der Mundart des Wörterverzeichnisses ist nicht immer klar, aus welchem Grund wir o statt des erwarteten a haben:

api-sorx 772 ‚der Eisvogel‘ < -šãrks?

bordus 101 ‘Bart’ < bàrdus?

dongo 403 ‘Refe’ < dāngà (vgl. litauisch dial. òmžinė ‘ewig’ neben āmžinas Baisogala)

carua-woytis 416 [Trautm. 353 schreibt falsch: carya-ą] < karjà-vāitis: kariowieſch-czias Randglosse zu Kariobalfus Bretkūnas (BGLSpr. 293) = kārio vieščias Akk. Pl. usw. usw.

3. Das e im Wort pētū ‘Süden’ der Dusetos-Dialektsprecher ist offen (von mittlerer Länge); vor ihm ist das p weder hart noch weich. Der Akkusativ piētūs bewahrt den Diphthong ungekürzt, dank Baranauskas’ „рефлексу ударения“. Formen wie piētūs entstehen dank Jaunius’ Gesetz über die „димощии сталкивающихся ударений“ (Понев. гов. I ч., стр. 97 сл.). Statt piētūs vérda sagt man häufiger piētus vérda; vgl. liētus sūnųšė

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Rugiūs. Die Akzentzurückziehung im Dusetos-Dialekt kommt auch in der Pause vor; vgl. ą’ras! ‘Geh weg!’ (so treibt man einen Hund fort) neben ãras, aik tãlin! < tolỹn, kur árklius vẽsma? = (Antwort:) vesmã Terpūravėn.

4. Gerãmui-jamui könnte sich zu gerãmujamui entwickelt haben, woraus sich dann >*gerãm-jam(ui) > gerãmjam (dissimilatio duorum m) > gerãjam ergab. Die Dusetos-Dialektsprecher sagen gerã-jam (Dat. und Lok. Sg.), mit a mittlerer Länge.

Dat. Sg. Fem. im Dusetos-Dialekt: gerãjei, mit a mittlerer Länge.

5. Buivydžių poniẽ ist meinem Freund Kilius, der ebenfalls aus Buivydžiai stammt, völlig fremd; er kennt nur pã’ni (mit zurückgezogenem Akzent, aber Mischlaut). Bei den aus dem Aufsatz von R. Gauthiot übernommenen Wortformen ist große Vorsicht geboten. Gauthiot war nicht ausreichend darauf vorbereitet, litauische Dialekte zu erforschen. Über Herrn G-t ist Folgendes anzumerken:

1) Er hat die Akzentarten nicht ganz zu unterscheiden gelernt: Er schreibt šẽmas 105, ruñka 35, tãmsta tãms-ta 106 [NB, denn so findet er es bei Kursaitis!!], während man in Buivydžiai (Petras Kily s) nur šẽmas, ruñka (gestossen!), tãmsta sagt;

2) Er kann das weiche p nicht von pj unterscheiden: Er schreibt pãuju 101 (vgl. Kurš. litauisch-deutsches Wörterbuch 308: piãuju!) statt pjãuju;

3) Er kann e (einen mittleren Laut zwischen e und i) nicht von e unterscheiden: trẽjų gírnų 83 stammt nicht von trijų, sondern von trẽjų, denn man sagt nicht *tris girnas, sondern trẽjas girnas;

4) Er schreibt gardži megójā, 1. Sg. 84, statt des gesprochenen gardž’ē mẽgojo: ē ā ō von mittlerer Länge;

5) Einen unbetonten Vokal mittlerer Länge hält er für kurz, einen betonten hingegen für lang: skãrsaẽi kẽl’ù 82₁₄ statt skãrsaẽi kẽl’ù;

6) Er schreibt alã’ 84, während man al’ã’ ausspricht;

7) Er schreibt pịã’nunt 83₆ pịã’nunt 83₁₃, wo man nur pãẽnunt sagt (anderswo pẽnint: Inf. penėti ‘füttern’).

6. Die Dusetos-Dialektsprecher sagen gewöhnlich apẽ ‘apiẽ’ (*apẽ habe ich nicht gehört) [mit offenem e]. Die litauischen Suvalker im Nordwesten (Naũmiestis, Slavikai, Sintautai) sagen: ãpė.

Neben ter̃p, terpù haben die Bewohner von Dusetos auch das Substantiv terpẽ „промежуток“, terpẽklis „т. с.“

7. Барановский Заметки 29 čianãi tenãi bedeutet „здесь = čia“, „там = tē“; kuriãi katrãi sind Dativ Singular. Den Dativ Singular Femininum kuriãi katrãi verwenden auch die Bewohner von Dusetos.

Neben čiãnãi tỹnãi sagen die Bewohner von Dusetos auch č’enãi tinãi ~ čianãi tynãi und čenãi ti-nãi. In Ramygala (unweit von Panevėžys) sagt man: činãi tinãi und činãjos tinãjos [vgl. jinãjos „jinãi = она“].

Das tinãi der Bewohner von Dusetos ist, wie die volle Länge des Wortauslauts und das ã zeigen, eine jüngst verkürzte Form einer längeren Gestalt. Tinãi < tinãjās anstelle von *tinãjās mit festem Zirkumflexakzent aus tinãi-gi.

Dass G-t’as pịã’nunt mit einem Diphthong las, können wir aus vijã’no 82₃ = viã’no „eines“ erschließen;

8) Weiches ś wird nicht von weichem š unterschieden: ušj 107 statt ũš (mit mittellangem u).

Gauthiots Gen. Sg. sūnũ’s 41 ist ein von ihm phonetisch missverstandenes sūnõs < *sūnõũs; vgl.: senõ 81 „früher“, tol’ọ 82, 83 „weiter“, sirgõ „ich war krank“ 103, aš bijãjā 83, megójā „ich schlief“. G-as kennzeichnete sūnõs in seiner Schreibweise als sūnõs (vgl. tol’ọ 82, 83 = tol’õ 106) und bildete nach dem Beispiel tadõ 82 = ta’ tadù 83 die Form sūnũs. Dieses frei erfundene sūnũs erscheint bereits bei Trautm. 240.

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Die Buivyžiai-*poniė, als sehr zweifelhafte Form, solltest Du nicht in Dein Schriftstück aufnehmen. Diesen Sommer hoffe ich, in Buivyždžiai zu sein und alles zu überprüfen.

Ich wiederhole nochmals, dass die Form *klėk < klėk dem Bewohner von Buivyžiai, Petras Kilius, völlig unbekannt ist; er sagt nur klėk.

8. Den Lok. Sg. *širdí, *suní vergleiche ich gemeinsam mit Jaunius mit ved. (RV.) vėdi (Gras-smann, Wb. zum Rig-Veda 1353) und čamū (a. a. O. 437).

9. 1605 m. Kat. mielup’ sunúp’, „apud carum filium“, kann nicht aus dem Accusativus singularis + p(i) entstanden sein, denn dann hätten wir *mielump’ *sunúmp’: Der „nasale“ Vokal vor pi wird zu „vocalis + m“; vgl. auch aus dem Kat. von 1605 sawimṕ 38₁₈,₁₉, sáwimp 59₃, szwintúmpium 55₁₆, músump’ 58₁₁, maldump 71₃; 72₁₅ darbump gierump 74₉.

Auch Daukšas žmogúp’ kann nicht aus dem Akk. Sg. žmogų + pi. stammen. Aus der letztgenannten Form ergäbe sich bei Daukša *žmogump’, aber niemals žmogúp’.

10. Vėlnjas kann aus der uralten Form *vél’ nas < vélinas; erklärt werden; vgl. russ. вольно = лит. vál nia Adv. (Dusetos) < *vál’na.

11. Daukšas úgnip’ kann nicht aus dem Akk. Sg. úgnį + pi stammen (es ergäbe sich dann: *úgnimp’).

12. Aus *akì (< i.-eur. *ogēi)+en wäre nicht akijė, sondern *akę. zu erwarten.

13. Wie úgnip’, ligónip’, Wieszgpatip usw. zu lesen sind, können die Mundarten von Lazdūnai, Dieveniškis und Zasečiai zeigen.

14. Im Lok. Sg. mergo-jė žėmėj-e akij-ė wollte ich nicht nach einem gr. ėv suchen, und zwar nur deshalb, weil ihm im Lettischen iė- = preußisch ēn- mit indogermanischem Zirkumflex entspricht.

15. Der litauische Lok. Sg. laiškė, sakramentė ist nicht von preußisch en… laisken III Kat. 63₁₆ und en Sacramenten 49₁₈,₂₉ zu unterscheiden.

16. Das dusetische túmsus ‚dunkel‘ ist aus tám sus entstanden, wie dies das tám sus, rankū der Pfarrei Seinai im Akk. Sg. sowie pėmpį im Akk. Sg. usw. zeigen.

17. Der zemaitische Dat. Sg. úgnie, ávie usw. kann den altertümlichen Ausgang -ie auch ohne Einfluss des Lok. Sg. *ugnie[je] haben (den die Žemaiten überhaupt nicht kennen!).

Dass in der žemaitischen Mundart ѵ -ie nicht zu -i wird, kann die 3. Person des Permissivs zeigen.

tavaguōji ~ tavaguōjėi

tavažiūji ~ tavažiūjėi

< dort gefahren, dort fuhr sie

Žem. talingūji ~ telingōvėi: tanešī ~ tānešēi = miēnū ~ miēnōū: šū ~ šōū

Doch žem. nėšti: nėštīs ~ nėšteis

{Gen. Sg. kartis: širdīs ~ širdėis

18. Das preußische ich ist = la. ihr < indogermanisch *ihr. Die Herleitung ich aus *ihr ist mein Versehen.

19. Daukšas bū, im Kat. von 1605 búo (1. Pl. búome), wird kaum aus *bū(v)o. entstanden sein. Neben būti: búvo > bū müsste man bei Daukša auch pūti: pūvo > *pū, žūti: žūvo > *žū erwarten usw.

Búo-me (mit diesem Akzent im Kat. von 1605): bú-kla = germanisch bō-pla n. bō-pōn f.: germanisch bū-pō f. Fick III⁴ 272.

20. Preußisch pirmois Mask., pirmoi Fem. werden aus *pirma-(j)is:[*pirma-(j)i (Ufchtai 37₃₁); vgl. südlitauisch geraji, szwentaji. Aist. stud. I S. 13.

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21. In Aist. stud. I 99* erklärte ich die Form nom. pl. žaislai als Neubildung aus acc. pl. žāslus (so spricht man in Slavikai, an der preußischen Grenze, Suv. g., neben nom. žaislai), nach dem Muster Jókūbaitis ~ Nau jokátis (beide Formen in Slavikai). Diese Erklärung lässt sich, scheint mir, annehmen.

Ąžuols statt ąžuols mit ai aus nom. pl. ąžuolai, eine Neubildung anstelle von ąžuolai, nach dem Muster daigai ~ dāgs. Dāigs wäre durch Kontamination aus daigai: dāgs. entstanden.

In einigen Mundarten hat zuweilen das Gesetz á: ai oder á: au gewirkt; vgl. Naujokátis, aber Jókūbaitis, Jūrgaitis;

jāns, aber jaunà

Eichen: x = { dāgs: Setzlinge / šiads: Stroh; x = { 1. Eichen / 2. aužuolai

Es gibt noch die Form āržuolas (Zasėčiai, Kreis Slānimas; Marijampolė, Garliava), die sich nur schwer von ąžuolas. ableiten lässt.

22. Das litauische vilkai kann nicht aus ieur. vľgai (: ϑeol, tol) mit akutierter Endung hergeleitet werden, denn dem widersprechen Formen wie būtai, pautai. Aus ieur. bhūtoí wäre litauisch *butai zu erwarten; vgl. tù sakai [: tu vedi ~ vedie-si < *védhei-(s)] < *sākā + éi, eher sākā+ē > *sākāi > *sakāi > sakai.

Oder muss man doch zur älteren Erklärung zurückkehren, dass vilkai ieur. neutr. *vľgai ist (cf. Trautmann, Altpr. Spr. 218 sq.)?

23. Das prieg kriksz tie im Katechismus von 1605, 31₂₁, ist offenbar der loc. sg. von i-Stämmen; vgl. Wieszpatie-p in der Bibel von Chilinskas, Psalmen XL, 4.

Daukšas Wiesznati-p’ (Post. orig. 537₂₉) kann, wenn es nach dem t ein kurzes i hat, loc. sg. eines konsonantischen Stammes sein; cf. gen. pl. Wieszpat-u, nom. pl. Wieszpat-es.

Vieš-pat-i-p’: Vieš-pat-ie-p’ = d. s. dañti: d. s. dañtie.

24. Terpù [= terpù móteru 1605 m. Kat. 56₃, terpì saui 79₁₃, aber terpu-sawi 46₁₇ terpu sawi 51₈, terpu mùsu 42₉; 52₁₀,₁₈ terpu Dētaru 85₁₈ terpu móteru 56₁₄ terpu kitu 69₁₈ < terpù mit sehr schwachem proklitischem Akzent] stammt von terpu < *térpu her, durch Analogie zu proklitischer Stellung; vgl. gr. ὀντὶ παντὸς ἔχειν < s.-ind. ánti, περί τάτρης < περί = s.-ind. pári.

Περὶ ἔρδος II. 6₃₀₁: ἔρδος περί II. 16₄₇₆ = steht nach der Ordnung: aus Kaūnas bin ich nachts zurückgekommen ‘abends fortgefahren, kam ich erst am Morgen zurück’ Kvedarna = deléig to ne sielókites D Post., or. 330₆ mìli ne deléi W. Dievo l. c. 331₁: Dievo dėliai, Dievo dėliai namõ parejau. Kupiškis ‘kaum, mit Mühe’ (das erste Wort [= Dievo] mit sehr schwachem Akzent).

Neben tarp: terp ~ terpu sind noch folgende Formen bekannt: tarpa ~ tarpo, tarpu, tarpe, terpei, tarpe; siehe Bezzenb. BgLS. 56, 71, 72, 331.

Terpei Pagonų (Bretkūnas) könnte loc. sg. fem. zu nom. sg. térpė (Dusetos) sein. Tarpe ist loc. sg. von tárpas, vgl. mūsų tárpę ‘zwischen uns’.

Bretkūnas tarpa ~ tarpo könnte lett. starpā entsprechen, d. h. loc. sg. von nom. *tarpa fem.

25. Daukšas Formen ik’ tam’ mėti Post., or. 392₂₁ entsprechen vollkommen 1605 m. Kat. ik tam-met 44₂₅; vgl. ikszammet 72₂₂.

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Daukšas prieg dvāri (Post., or. 434₁₇) vergleiche mit 1605 m. prieg stulpų 85₂₂ (: prieg krikštie 31₂₁).

(ik’) tam’ mėti sind beide Formen Lokative Singular: tam’ aus *tami, vgl. tami-p berneļip DPost., ed. Volt. 46₁₉: avest. aē-ta-hmi slav. to-mb Brugm. Gr. II², 2, S. 362 ff. tāmi-p(i) [diese Akzentstelle zeigt zasetisch kámṕ ‘bei wem’, támṕ ‘bei jenem’. Aus *kamipi hätten wir *kaṃp]: berneļi-p(i) [mir scheint dennoch, dass im Lokativ Singular ein langes i(u) stand]

= tamę: berneļį-e.

Ši-mė = preuß. *schi-s-men (schisman: a ist offenbar aᵉ oder eᵃ [Baranauskis]) aus aist. ši-mi + én ~ ši-smi + én. Aus *šīmī + én hätte sich šīmjen entwickelt (vgl. mes vėmja-me) > šī-menī [j nach Konsonant + e schwindet: aist. *svētjas ‘Gast’ ~ Vok. Sg. *svetjē > svetė] > *šimen > šimę.

Den urgerm. Lokativ Sg. ši-m[j]-en: ši-mi können wir mit osk. hūrtin aus *hortej-en ‘in horto’: comenei ‘in comitio’ vergleichen, Brugm. Gr. II², 2, S. 180.

Aus dem Lokativ Sg. ik’ gāli (DPost. or. 393₉), prieg dvāri (a. a. O. 434₁₇) können wir ganz leicht einen Lokativ mit dem nachgestellten Suffix -ėn herleiten.

Gāli + én, dvāri + én > gālien, dvārięn > gālēn, dvārēn > galēn, dvarēn > galę, dvarę.

Gāli dvāri sind in ihrer Endung unklar; zu erwarten wären *galē *dvārię.

26. Aus dem žyteliškischen Domeikai-p ‘bei Domeikis’ geht klar hervor, dass die Lokativendung Singular -āi einen Zirkumflex hatte.

Me’rgāi Dat. Sg.: meirgā’i Lok. Sg.

Mergā’i + én > mergāj-én > mergoj-ę

{lettisch malā oder malā stimmt nicht mit *mergājēn überein. Ist denn mergā’i + én nicht zu *mer-gā-jén geworden?: -āi, aber -āi + én > ājen = lett. malā = ā-jen?

[11]

1910. X. 14.

Den Brief ohne Schluss (bis „…valau Suv. Naumiestis“) veröffentlichte Z. Zinkevičius in K. Būgas „Rinktiniai raštai“ (V., 1961, Bd. 3, S. 832—834) mit dem Hinweis: „Der Briefschluss fehlt“. Bei einer kürzlich erfolgten Durchsicht des K. Būga-Archivs im Handschriftenarchiv des Instituts für Litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR (dort wird auch der gedruckte Brief aufbewahrt, Signatur F 7—30) wurde ein Blatt gleichen Formats, jedoch aus andersfarbigem Papier, gefunden, das von K. Būgas Hand beschrieben war. Beim Vergleich des Textes des gesamten Briefes mit dem des gefundenen Blattes zeigte sich, dass dieses den Schluss des genannten Briefes enthält. Da der veröffentlichte Text leicht zugänglich ist, wird hier nur der Briefteil wiederholt, mit dem die Etymologie des prußischen Wortes tlaku beginnt; der gefundene Briefteil wird erstmals veröffentlicht.

Das prußische tlaku ‘er drischt’ ist keine Entlehnung aus dem Polnischen tłoczyć, sondern ein aistisches Wort. Es ist mit litauisch östlich luōkiju, luōkyti ‘diese Art des Fischens ausüben, bei der Kinder eingesetzt werden, die das Eis mit Nägeln und Knüppeln durchstoßen’ aus Dusetos und Linkmenys verwandt.

Preuß. tlaku aus aist. *tlōkā (vgl. lāiku per-bānda): luōkija = (Hanf vom Feld) valau Suv. Naumiestis: vāliju Kv. Riet. = žārdau Dus. Tilžė: žārdiju Kv. Riet.

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Tlaku: luõkija = Tlokun-pelk ‚Sumpf an der Grenze zum galindisch-masurischen Gebiet, 1347 J.‘: lokys lõkio ‚Bär‘.

Das aist. tlõk- ist mit dem slawischen tolk- verwandt (poln. tłoczyć, russ. толочь).

Tlõk: tolk- = *ρο-τός *ρώ-γ-λη; τόρ-μο-ς ‚jedes Loch, in das ein Zapfen gesteckt wird‘, lat. ter-m(a)-s ‚Wurm‘ = ae. wlōh f. ‚Faser, Franse, Flocke‘ aus *vlo-kā oder *vlā-kā: altind. valkā- ‚Bast‘, russ. волокно (волоть ‚Faser‘).

Wie erscheint Ihnen diese Etymologie?

Ich habe viel zu tun. Ich bereite mich auf die Abschlussprüfungen im Frühjahr vor. Wie steht es mit Ihren Angelegenheiten? Bestätigt man Sie noch immer nicht als Professor?

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ihr Kaz. Būga

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