Page 1LIETUVIŲ ONOMASTIKOS TYRINĖJIMAI
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXI (1981)
JUOZAS ŠLIAVAS
PERSONENNAMEN AUS DER UMGEBUNG VON ŽEIMELIS IM 16. JAHRHUNDERT
Am 26. September 1585 wurde in der Umgebung von Žeimelis in Anwesenheit hoher Emissäre seiner Majestät, des Königs des Großfürstentums Litauen, sowie des Herzogs des Herzogtums Kurland, die Grenze zwischen dem Großfürstentum Litauen einerseits und dem Herzogtum Kurland und Semgallen andererseits vermessen. Ein Teil der Ländereien des Gutes Berstelė, das Hilbrant und Dytrich Grothus gehörte, einschließlich eines Teils der Stadt Žeimelis, die zuvor zum Herzogtum Kurland und Semgallen gehört hatten, kam unter die Verwaltung von Jonas Hlebavičius aus Dubrovna, der damals das Amt des Ältesten von Upytė innehatte, und fiel an das Großfürstentum Litauen. Bei dieser Gelegenheit wurde der an Jonas Hlebavičius gefallene Teil des Gutes Berstelė inventarisiert. In den Inventaren sind etwa 120 Bauern aus der Umgebung verzeichnet, die meist mit zwei Personennamen bezeichnet werden1. Ihre Besonderheit besteht darin, dass ihre Personennamen, als die Gegend vom Großfürstentum Litauen getrennt war, dem Einfluss der slawischen Sprachen (Weißrussisch und Polnisch) fast vollständig entgingen; diese Sprachen wurden damals in Litauen als offizielle staatliche Schriftsprachen und als Sprachen der herrschenden Schichten verwendet. Das Dokument ist auf Weißrussisch verfasst.
I. BESONDERHEITEN DER PERSONENNAMEN
1. Vor- und Familiennamen. Wie das Dokument zeigt, wurden Bauern in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts meist mit zwei Personennamen bezeichnet, z. B.: Якуб Балмуцис, Герман Мурникас usw. Interessant sind Bezeichnungen mit einem Personennamen und einem Beinamen, z. B.: Герман тъкачъ, Петръ ковал oder Кагняс Ушкурыс (Gaunės Užkūrys). Ein Beiname kann auch nach zwei Personennamen stehen, z. B.: Томашъ Юстанис пивовар. Im Dokument kommen auch andere dreigliedrige Bezeichnungen vor: Кегыкгос Крыкгалюс Кекъ (im Inventar von Kekai gibt es mindestens mehrere), Янис Мелвитисъ Кеканес, Мелюнис Чапанас Лидумникос. Doch gab es damals zahlreiche Fälle, in denen eine Person mit nur einem Personennamen bezeichnet wurde, z. B.: Балчус, Кегрыюс, Микрялис, Станюс usw.
Eine heute bestehende Grenze zwischen Vor- und Familiennamen gab es damals noch nicht; daher erfüllen Personennamen wie Балчус, Банис, Матюлис und andere in manchen Fällen die Funktion eines Vornamens, in anderen die eines Familiennamens. Die Personennamen Кепышс, Сэраико, Стамбро, Кляванис, Петюлис, Петрыкасъ treten im Dokument ausschließlich als Vornamen auf.
1 Jablonskis K. Istorijos archyvas (XVI a.). – K., 1934, p. 265–274.
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Page 2Ausschließlich Vornamensfunktion haben kirchliche Namen wie Янос, Юркгис, Мартинъ; doch können auch sie mitunter bestimmte Familiennamenfunktionen erfüllen, z. B. Кляванис Юркгисъ. Im weiteren Verlauf erhielten sie zudem für Familiennamen typische Suffixe, z. B.: Дырьхъ Андреюнос, Амбросос Янинос, Банис Яникайтис. Interessant sind Namen des beschreibenden Spitznamens-Typs. Z. B.: Алиусть Юркгис (der Bierbrauer Jurgis).
Im Dokument ist nur ein weiblicher Personenname belegt: вдова Юсеева. Frauennamen fehlen vollständig. Aus anderen Dokumenten jener Zeit geht hervor, dass in der Gegend damals folgende Frauennamen häufiger verwendet wurden: Анна (1611)2, Галена (1595)3, Катерина (1593)4. Bei adeligen Damen konnte der Name des Wohnorts die Funktion eines Familiennamens übernehmen: Катерина изъ Кромошина (1593)5.
2. Phonetik. Die Personennamen liefern nicht genügend Daten zur Bestimmung der Betonung; ein zurückgezogener Akzent ist jedoch auch in der Schreibung der Wurzel des Personennamens Антунюнайтну (wahrscheinlich: Antanaitis) erkennbar: Антун- < Антон-.
Der Schwund der Endungen könnte sich im Namen Муксъ zeigen; aus der Schreibung der Endungen anderer Personennamen geht jedoch hervor, dass dieser Prozess damals noch nicht so weit fortgeschritten war wie heute, da er in den Personennamen des vorliegenden Dokuments in vielen Fällen noch erhalten ist, z. B.: Мукос, Сымонисъ, Баличус usw. Da der Akzent im Dialekt damals bereits zurückgezogen war, werden bei der Rekonstruktion der Personennamen in dieser Arbeit die Endungen -is und -ys gleichermaßen als -is geschrieben, so wie sie damals bereits ausgesprochen wurden (und heute noch ausgesprochen werden). Ohne Kenntnis der Akzentart (ursprünglich oder zurückgezogen) lässt sich nicht feststellen, in welchem Fall ein Personenname die Endung -is und in welchem -ys hatte. Die Pluralendung -iai (Personennamen Клебочау, Круменеу, Застортэ) war noch nicht verengt, wie es heute im Lettischen der Fall ist. Die Öffnung der kurzen unbetonten Vokale i und u zeigen folgende Beispiele: Волонгжис (Volūngis), Мелвид (Milvydas), Поркгинисъ (Pūrg inis), Пунану (Pūpiniui), Стамбря (Stūmbras).
Das bereits erwähnte Beispiel Мелвид (Mėlyvdas < Milvydas) zeigt, dass der Akzent bereits damals gelegentlich dem heutigen litauischen Akzent entgegengesetzt war; vgl. lit. Milvydas6.
Nasale Vokale sind in den Personennamen des Dokuments mitunter erhalten geblieben, z. B.: Внъкус (Ūnkis), mitunter aber nicht (besonders deutlich ist dies am Suffix -ininkas von Personennamen zu erkennen), z. B.: Лидунинкос, Попежелънинкос, Жемининкос. Die Schreibung des Familiennamens Внъкус weist vermutlich darauf hin, dass der Vokal a des Diphthongs im Dialekt damals verengt war, wenn Внъкус = Unkis (dial. Ūnk(i)s < Ankìs, vgl. Ankėvičius). Die Konsonanten k und g vor vorderen Vokalen sind meist unverändert erhalten geblieben: Лаканец (von lit. lokỹs), Кегленас, Кагрдионас, Поркгинисъ, Смилгис; es gibt jedoch auch Fälle, in denen sie zu c, dz geworden sind, z. B.: Цыбрания (K 1., vgl. lit. kìras „Axt“ oder lit. kyrùs?).
2 Опись документов Виленского Центрального Архива древних актовых книг. — Вильна, 1912, т. 8, с. 446.
3Ebenda, S. 228.
4Ebenda, S. 214.
5Ebenda.
6Kuzavinis K., Savukynas B. Etymologisches Wörterbuch litauischer Namen. — In: Namen und Wörter. V., 1971, S. 119.
7 Endzelīns J. Latvijas PSR vietvārdi. — Rīgā, 1956, p. 169.
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Page 3Die Aussprache der Konsonantenverbindungen tj, dj ist nicht ganz klar. In einigen Fällen sind sie zu č, dž geworden, z. B.: Пикциос, Блюдчюнас, Гирдчюнас; oder vgl. den Dorfnamen im selben Dokument: Либеча (Akkusativ). Es gibt keine eindeutigen Fälle, in denen sie sich zu š, ž entwickelt hätten, wie es heute im Lettischen der Fall ist. Besonders deutlich zeigt dies der bereits erwähnte Ortsname Либеча, der heute von Letten Libieši ausgesprochen wird. Die Schreibweise einiger anderer Personennamen im Dokument lässt jedoch vermuten, dass die Konsonantenverbindungen tj, dj in manchen Fällen noch unverändert erhalten geblieben sein könnten, z. B.: Матюлис (Мотепс > Матъс > Матюлис), Петюлис (Пэтер > Пэтрыс > Петюлис), Одгюнаути.
Die Konsonanten s, z werden als š, ž ausgesprochen: Жеминикос (vgl. lett. zemnieks), Жеймис (vgl. lett. ziem-). Im selben Dokument wird der Flussname lit. Švitinis, lett. Svitene durchgehend als Швитыны (Akkusativ) geschrieben. Im Personennamen Застортэн ist der Konsonant z jedoch höchstwahrscheinlich noch erhalten geblieben (vgl. lit. žąstis).
Die Ermittlung des Fortbestands der vorbaltischen Vokale ā, ē ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Die Slawen schreiben anstelle des litauischen Vokals a gewöhnlich o und anstelle von o — a. In diesem Dokument geschieht dies jedoch sehr uneinheitlich. Besonders deutlich zeigt sich das an der Schreibweise der Endung lit. -onis, lett. -āns, z. B.: Романдис und Ромононис. Hier helfen andere Quellen ein wenig weiter. So ist beispielsweise in den Gerichtsbüchern des Kreises Upytė aus dem Jahr 1594 der Flussname Шовы (Akkusativ) unweit des Ortes Кротошинъ⁸ eingetragen. In diesem Dokument wird der Vokal o konsequent anstelle von a geschrieben; vgl. Кротошинъ, lit. Kratašinas, ein ehemaliges Gut in der Umgebung von Žeimelis. Der bereits erwähnte Bach wird also damals Šava (< *Šāva) geheißen haben; seine Etymologie hängt mit lit. šōva, lett. sāva „ausgehöhlte Furche, Loch“⁹ zusammen. Daraus geht hervor, dass das vorbaltische ā damals noch erhalten war.
Noch unklarer verhält es sich mit dem vorbaltischen ē. Die litauische Endung -ėnai wird in Dokumenten, die in slawischen Sprachen abgefasst sind, gewöhnlich als -яны geschrieben; vgl. Плоняны „Plonėnai“, ein ehemaliges Gut in der Umgebung von Žeimelis. In diesem Dokument wird die litauische Endung -ėnas, lett. -ēns, jedoch nur ein einziges Mal mit я geschrieben: Калвяна (Akkusativ). In den übrigen Fällen steht entweder е (Кегрленас) oder ы (Пачынас). Zum letzten Fall ist anzumerken, dass auch im Personennamen Чынас — Чанос „Čėpas“, wo das Litauische und Lettische ein offenes e haben, im Dokument der Buchstabe ы geschrieben wird. Umgekehrt zeigt die Schreibweise der Verkleinerungsendung -ėlis in den Personennamen Микрялис, Шекитялис, dass diese Endung wie im Lettischen mit engem ē ausgesprochen wurde.
Zusammenfassend lässt sich schließen, dass das vorbaltische ē in einigen Fällen, zumindest in der Endung -ėnas, erhalten geblieben war.
Nach dem weichen Konsonanten l ist der Vokal a offenbar nicht wie im Litauischen zu e geworden, z. B.: Кляванис (vgl. lett. klava, lit. klevas).
Der Diphthong au scheint in einigen Personennamen zu al geworden zu sein, z. B.: Алдрукеи (vgl. lit. áudra), Алдрукеи (vgl. lit. áusti, lett. āust). Diese Erscheinung kommt auch in den Ortsnamen dieser Gegend vor, z. B.: lit. Aldruvė, lett. Audruve, ein Fluss in der Umgebung von Joniškis—Elėja.¹⁰
8 Опись документов, с. 163.
9 Būga K. Rinktiniai raštai. — V., 1959, t. 2, p. 588.
10 Būga K. Rinktiniai raštai. — V., 1961, t. 3, p. 257.
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Page 43. Zweistämmige, einstämmige und zusammengesetzte Personennamen. Im Dokument sind nur wenige zweistämmige Personennamen belegt, die die älteste Schicht der Personennamen repräsentieren — Мельвуд: mil- + vid-; Нарбутанис: nar- + but-; Нарбунонис: nar- + bun- und vielleicht Застортэй (Plural, Zostartis): zos- (lit. žąsti?) + tart-. Ein zweistämmiger Personenname ist wahrscheinlich deutschen Ursprungs: Зыкеғалмос: sig- (ahd. sigu „Sieg“) + valt- (ahd. waltan „herrschen“).
Die Personennamen im Dokument sind jedoch überwiegend einstämig. Ihre Herkunft ist sehr vielfältig.
a. Verbal: Бурба (vgl. lit. burbėti), Кгирдюнас (lit. girdėti, lett. dzirdēt), Сэдеконис (Plural, lit. sėdėti, lett. sēdēt), Скробутис (vgl. lett. skrabināt „sich wundern“), Скрибикас (vgl. lett. skribināt „knistern“).
b. Adjektivisch: Алушто (lit. aluistas), Балчюс (lit. báltas, lett. balts), Илкя- ниц (lit. ilgas, lett. ilgs), Юдис (lit. juodas, lett. jods „Teufel“), Коперелис (lit. kairis oder lett. kairs „verführbar“), Кернис (lit. keršas), Пикчюос (lit. piktas, lett. pikts), Жебалис (lit. žebas¹¹).
c. Substantivisch. Personennamen dieser Art konnten sehr unterschiedlich sein: 1) ethnische Bezeichnungen: Лотвинос (lit. lātvīs, lett. latvis), Жеймоз (lit. žiem-, lett. ziem-<*zeim-); 2) Tierbezeichnungen: Брэдис (lit. brėdis, lett. briedis), Кгацкалас (lit. gaigalas, lett. gaigala), Кеглубынос (lit. gulbinas, lett. gulbis), Лаканес (lit. lokỹs, lett. lācis), Мешкаутис (lit. meška), Стамбро (lit. stumbras), Волонгекцис (lit. volungė); 3) Pflanzenbezeichnungen: Кербунос (lit. grybas), Кляваниц (lit. klevas, lett. kļava), Круменец (Plural, lit. krūmas, lett. krūms), Меиронис (lit. meirūnas), Пупану (Genitiv, lit. pupà, lett. pupa), Смилкгеиц (lit. smilga, lett. smilga); 4) Sachbezeichnungen: Алдрукеи (vgl. lit. áudra), Блавгдзюнас (lit. blauzdà), Цыгаиня (Akkusativ, liv. kīras „Axt“), Килис (lit. kylỹs, lett. ķilis), Кулаканес (lit. kulókas), Нянис (finn. nenä „Nase“), Шекиэтялис (lit. šiekštas, lett. sieksta), Шэреля (Akkusativ, lit. šerys); 5) Berufsbezeichnungen: Одьюнайти (Plural, lit. ódžius), Алдукеи (vgl. lit. áusti, lett. aust), Блюдзюс (lit. bliūdas, bliūdžius), Калвяна (Akkusativ, lit. kálvis, lett. kalvis), Кареля (Akkusativ, lit. karỹs), Кекъ (estn. köök „Küche“, finn. kokki „Koch“), Лидимникос (lett. līdumnieks „Neulandbauer“), Мурникась (lett. mūrnieks „Maurer“), Пачы- нас (lit. pãtis, lett. pats), Тивунас (lit. tijūnas), Ушкурис (lit. užkurys), Жеминикос (lett. zemnieks „Bauer“); 6) topographische Bezeichnungen: Клонис (lit. klónis), Ломенис (lit. lomà, lett. lāma), Пастолюс (lit. pastalė).
Es gibt auch Taufnamen als Personennamen: Андреюнос, Антинюнайти (Plural), Янелис, Яникос, Яникаутис, Янкунос, Янинос, Янишко, Юргкеис, Юстянис, Матюлис, Мартинайтис, Маэлюнос, Никелис, Никинонос, Петюлис, Пет- рыкась, Романанисъ, Станос, Шьманис (Сымонисъ).
Die Herkunft einiger dieser einstäm migen Personennamen ist heute nicht mehr klar, z. B.: Бухонове (Plural), Макулис, Сераико, Жекегунись.
Einige in diesem Dokument belegte Personennamen entwickelten sich später zu Dorfnamen (die Lokalisierung der früheren Personennamen im Dokument und der heutigen Dörfer in der Landschaft
11 Būga K. Rinktiniai raštai. – V., 1958, t. 1, p. 197.
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Page 5entspricht oder ist nicht weit davon entfernt): Ādžiūnai < Одьюнаити (seit 1921 lettisch), Blauzdžiūnai < Блавбдзюнас, Kairėliai < Корелис, Pāstališkiai < Пастолось (seit 1921 lettisch). Dass auch der Ursprung von Žeimelis anthroponymisch ist, zeigt der Personenname des Dokuments Жемос.
Einige Personennamen des Dokuments sind zusammengesetzt, wobei eine Komponente determinativ ist: Балташаец (lit. báltas, lett. balts + lit. šónas, lett. sāna), Нинеженис (? + lit. ženėklis „Bräutigam“), Пипеженис (vgl. lett. pipe „Gefäßschnabel“ + lit. ženėklis), Понежемоникос (? + lett. ziemnieks „Bauer“), Руножомникос (lett. runa „Sprache“ + lett. ziemnieks „Bauer“).
4. Suffigale und suffixale Bildung von Personennamen: Unter den Personennamen des Dokumentes vom Typ Familienname, die kein Arbeitsformat haben und mit einem Gattungsnamen übereinstimmen, gibt es nur wenige: Брэдис, Кангкаласъ, Килис, Клонисъ Стамбор, Ушкурыс.
Ein Arbeitsformat fehlt vor allem bei Taufnamen: Юргис, Петрос, Павилос, Ракас, Гансис, Германисъ, Матьс, Петрыс, Сымонисъ, Янус, Баннос, Ганус usw.
Ein charakteristisches Merkmal der damaligen Namen aus der Umgebung ist ihre Kürzung, z. B.: Амбросос (Ambraziejus), Двырхъ (Dvytrichas), Керыкеос (Grigalius), Матьс (Motiejus), Миксъ (Mikalojus), Никелис (Nikolajus), Петръс (Peteris), Станис (Stanislo-vas), Чапос (Steponas), Томас (Tamošius).
a. Suffigale Bildung (die Zahl in Klammern gibt die Anzahl der Personennamen an): -a, lett. -a (1): Бурба; -ė, lett. -e (1): Кагняс (K-Fall); -is, lett. -is (12): Балыс, Юдис, Керышь, Нянис, Пиктис, Смилгис, Волонгкелис; -(i)us, lett. -us (8): Балюс, Керыбюс, Пикюс.
b. Suffixbildung. Dies ist die umfangreichste Gruppe der Personennamen des Dokuments. Zur Bildung der Personennamen wurden folgende Suffixe verwendet: -ainis, lett. -ain- (1): Цыраиня (K-Fall); -aitis (6): Одьюнаити (Plural), Антинюнаити (Plural), Яникайтис, Мешкайтисъ, Скибилаити (Plural); -aitis (oder -otis) (1): Клебочаи (Plural); -eika (1): Сэранко; -elis, lett. -elis (9): Янелис, Корелис, Кареля (K-Fall), Микрэлис, Никелис, Шэреля (K-Fall), Шекиштис; -enis, lett. -enis (3): Илкянис, Ломенис; -ėnas, lett. -ēns (4): Кегрленас, Каляна (K-Fall), Пачынас, Скуденъ; -ikas, -ikus (5): Блюниккасъ, Яникос, Петръкасъ, Скрыпикас, Яникус; -inas, lett. -ins (2): Лотви-нос; -inis, lett. -en-¹² (3): Крумленец (Plural), Поркегинисъ; -ytis, lett. -ītis (1): Мелештис; -nykas, lett. -nieks (5): Лидимникос, Мурникасъ, Попежемъникос, Руножомникос, Жеминикос; -onis, lett. -āns (23): Чукуиланис, Дзьюрканис, Юстнанис, Кляванис, Кулаканес, Лаканес, Мартинанисъ, Нарбутанис, Романанисъ, Шыманис, Довешконисъ, Кашкалонис, Юхнонис, Мешро-нисъ, Нарбунонисъ, Пежьононис, Сэдейкони (Plural); -šta (1): Микшта; -ulis, lett. -ulis (4): Матюлис, Макулис, Петюлисъ; -ūnas (15): Андреюнас, Блав-
12 In lettischen Ortsnamen lautet dieses Suffix -ene, z. B.: Svitene, lit. Švitinis, Fluss in der Umgebung von Žeimelis–Pašvitinys.
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Page 6Džionas, Bluodžionas, Keirčionas, Яникūнос, Янūнос, Мацялюнос, Милюнос, Никнюнос, Полтошūнос, Векūнос; -unis, lett. -uns (1): Жекаūnis; -utis, lett. -ut- (2): Мелютис, Скробутис; -ušis (2): Балтуѕ̌ь; -uška (1): Янишко.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Die Phonetik der Personennamen aus dem 16. Jahrhundert im Gebiet von Žeimelis (das teilweise Fortbestehen von tj, dj; der Wandel von tj, dj zu č, dž; die Aussprache der Konsonanten s, z als š, ž) zeigt, dass die Menschen damals im Gebiet von Žeimelis Litauisch sprachen. Die meisten der alteingesessenen Bewohner der Gegend (möglicherweise Semgaller) wurden während der deutschen Aggression im 13. Jahrhundert und der darauf folgenden Kämpfe zwischen Schwertbrüdern und Litauern entweder vernichtet oder verließen diese Gegend. Danach wurde das Gebiet von Litauern besiedelt.
2. Das Fehlen rein lettischer Erscheinungen in den Personennamen zeigt, dass einige phonetische Dialektmerkmale (Zurückziehen des Akzents, Reduktion der Endungen, eine gegenüber dem Litauischen entgegengesetzte Akzentintonation, die urbaltschen Vokale ā, ē sowie das Fortbestehen des Vokals a nach dem palatalisierten Konsonanten l) keine Relikte der lettischen Sprache, sondern Relikte des semgallischen Substrats sind.
3. Die Verbreitung der kurzen Vokale i, u in unbetonter Stellung im Dialekt ist eine alte Erscheinung.
4. Die Reduktion der Endungen, die in der semgallischen Sprache bereits im 13. Jahrhundert einsetzte13, wurde durch den späteren Zustrom des Litauischen offenbar für einige Zeit erheblich aufgehalten und begann erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts wieder stärker fortzuschreiten, nachdem der Dialekt den Akzent endgültig an den Wortanfang zurückgezogen hatte.
5. Ein Teil der Semgaller überstand die deutsche Aggression und die Kriege in der Gegend dennoch. Dies wird durch das Fortbestehen eines älteren livischen Substrats belegt (Кеко̄, Нянис, Цыпа-ня (Kasus K)). Dieser erhaltene Teil der semgallischen Personennamen zeigt nicht, dass die semgallische Sprache ein Dialekt des Lettischen gewesen wäre. Im Gegenteil: In einigen Fällen muss sie dem Litauischen sogar näher gestanden haben. Das wird besonders deutlich an den Suffixen der Personennamen in diesem Dokument: Es gibt darin keine Suffixe, die es im Litauischen nicht gäbe oder die dort selten wären. Hinsichtlich der Phonetik (ā, ē, a nach l, s, z) und des Wortschatzes hingegen stand sie vermutlich dem Lettischen näher.
6. Als charakteristische Folge des semgallischen Sprachsubstrats im Dialekt ist die Verbreitung der Nominativendungen -is und -us bei Substantiven im Singular zu betrachten. Die Verwendung von Namen mit diesen Endungen in der Gegend lässt weder auf die damalige Volkszugehörigkeit ihrer Träger noch auf deren ethnische Herkunft schließen, da die Namen Янuc und Янoc im Dokument für Brüder derselben Familie belegt sind (siehe Abschnitt II, 1).
7. Deutsche Personennamen gelangten wahrscheinlich mit der Ausbreitung des Luthertums in die Gegend (die lutherisch-evangelische Kirche in Žeimelis wurde 1540 erbaut14), da im Dokument nur wenige weitere Personennamen deutscher Herkunft belegt sind (Звиквалмос, Мерыц).
8. Der Einfluss der slawischen Sprachen auf die Personennamen im Gebiet von Žeimelis war damals noch geringer.
13Šliavas J. Das Substrat im Namenbestand und Dialekt des Gebiets von Žeimelis. — In: Kraštotyra. V, 1970, S. 267.
14 Kallmeyer T. Die evangelischen Kirchen und Prediger Kurlands. — Riga, 1910, S. 202.
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Page 7II. VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN
In dem hier vorgelegten Verzeichnis sind die Personennamen alphabetisch nach dem zweiten Personennamen geordnet, der die Funktion eines Familiennamens erfüllt. Zusammenlebende Familienmitglieder (Brüder, wie an einer Stelle vermerkt) sind gemeinsam aufgeführt.
1. Янис, Балчюс, Петюлисъ, Якубос, Янос Одьюнайти
2. Матеи Алдрукеи
3. Янос Алдукеи
4. Дырыхъ Андреюнос
5. Мата, Петуляс Антунонайти
6. Юханись Балчыс
7. Балчус
8. Юстас, Томаш Балташанес
9. Ганус Балтушыс
10. Якуб Балтущыс
11. Баня (Kasus K)
12. Юркгис Банисъ
13. Ян Блавдзюнас
14. Ота Блавдзюнас
15. Миксь Блюдюнас
16. Щепан Блюникась
17. Юркги Брэдис
18. Матюлис, Янос, Мартинос, Яникос, Чыпас, Бухонове
19. Петръ Бурба
20. Яна Цырная (Kasus K)
21. Петюл, Томаш, Юркгисъ, Андреос, Каспор Чукуиланис, братья
22. Янелис Довешконисъ
23. Енисъ Дзьюркганис
24. Кершис Кгаикгалонис
25. Кавнас Ушкурыс
26. Мартинъ Кределнас
27. Чапас Киргдюнас
28. Крыбюс
29. Томас Кгулбыносъ
30. Герман Weber
31. Martinos Ilkganis
32. Janos, Jurgis Jankunas
33. Ambrosos Janusos
34. Janikus
35. Banis Janikaitis
36. Simonis, Petros, Jurgis Janikaitis
37. Makulis Juchnonis
38. Tomas Judis
39. Aluscht Jurgis
40. Kljavanis Jurgis
41. Witwe Juseva
42. Tomas Justanis, Brauer
43. Ambrosos Koirelis
44. Piktios Koirelis
45. Januszko, Janik, Koirelis
46. Dyrycha Kalvjana (K-Fall)
47. Никелис Каретkis
48. Якубъ Кекъ
49. Крыкюс Крыгаллос Кекъ
50. Андреос Кекис
51. Янис Мелвитись Кек(а)нес
52. Янос Килис
53. Янас, Ганис Клебочаи
54. Матюлис Клонись
55. Гануса Кареля (K-Fall)
56. Павел, Сэранко Круменеи
57. Юндилас Кулаканес
58. Матеос Лотвинос
59. Мелютис Чапанас Лидимникос
60. Янас, Крыкгась Лаканес
61. Кгаикгалась Ломенись
62. Лукаш Ломенис
63. Пупану Матъяло (N linksnis)
64. Пятэр Мартинянас
65. Юхно Мацялюнос
66. Юсть Мейронись
67. Блюдзюс Мерць
68. Юркгис, Банис Мешкакайтись
69. Микрялис
70. Андреос Милюнос
71. Микос Милюнос
72. Юркгис Мелвитис
73. Герман Мурникась
74. Стасис, Матеюс, Чапос, Мелвид Нарбунонисъ
75. Банис Нарбутанис
76. Петрыкас Неманис
77. Пятер Эннис
78. Юркгис Никнюнас
79. Lawryn Niknonos
80. Petr Nineežanis
81. Janas Pačynas
82. Jakub Poltošūnas
83. Ganės Mico Popėžemininkas
84. Justas Pastolys
85. Petr Koval
86. Jurgis Pežynonis
87. Pavėl Pikčius
88. Janus Piktis
89. Tenis Pipėženis
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Page 890. Станис Поркгинис
91. Юркгис Романонис
92. Матюлис Романанес
93. Мартин Романанис
94. Матис Романанис
95. Петръ Романанисъ
96. Германис Руножомникос
97. Петрас, Ракас Сэдейкиони
98. Станислав, Матюл Скибилайти
99. Пэтрыс Скроубтис
100. Якуб Скрибикас
101. Юргис Скуудень
102. Юстъ Скуудни
103. Станис, Юркгис Смилгис
104. Станос
105. Матеос Спусис
106. Яна Шпереля (K-Fall)
107. Янас Шекштэлис
108. (...) Шыманис
109. Юркгис Тивунюс
110. Янос Вънкис
111. Кгавняс Ушкурис
112. Янос Векунюс
113. Якубос Волонъгкис
114. (...) Зыгквалтос
115. Андреюс, Петрыкасъ Засторгэн
116. Микшта Жыбалис
117. Станис Жебалис
118. Павилос Жекгунисъ
119. Пэтэр Жеймо́с
120. Кгрыкосъ, Янис, Стамьро Жеминникос
ANTHROPONYMIE DER UMGEBUNG VON ŽEIMELIS IM 16. JAHRHUNDERT
Zusammenfassung
Die Anthroponyme des Inventars von Žeimelis aus dem Jahr 1585 werden eingehend analysiert. Sie werden unter phonologischen, wortbildungsmorphologischen und lexikalischen Gesichtspunkten untersucht. Auf der Grundlage der phonologischen Analyse der Anthroponyme werden einige Schlussfolgerungen über den Dialekt von Žeimelis im 16. Jahrhundert gezogen. Es wird versucht, Relikte des semgallischen Substrats in der Anthroponymie dieser Region Litauens aufzuspüren.