Skip to document
Back
Go to original Localized version was produced by AI. It may contain inaccuracies.
Preparing document pages…

LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XL (1998)

Vilija LAZAUSKAITĖ

Institut für Litauische Sprache, Vilnius

ZUR DARSTELLUNG DIALEKTALER WÖRTER IM „WÖRTERBUCH DER GEGENWÄRTIGEN LITAUISCHEN SPRACHE“

Bei der Erörterung der Probleme der Normierung des standardsprachlichen Wortschatzes wird bisweilen auch auf Mängel in der Erläuterung der Bedeutungen dialektaler Wörter im „Wörterbuch der gegenwärtigen litauischen Sprache“ hingewiesen. In allen drei Auflagen des Wörterbuchs variieren die Grundsätze für die Auswahl und Darstellung dialektaler Wörter (Morkūnas 1997: 43); zahlreiche dialektale Bedeutungen gelten in der Standardsprache als buchsprachlich (Klimavičius 1997: 22). Um die Methoden und Probleme der Erläuterung dialektaler Bedeutungen ausführlicher zu behandeln, wurde die vollständige Liste dieser Wörter im DŽ3 herangezogen1.

Die Bedeutungen dialektaler Wörter werden im DŽ3 nach den im Vorwort (S. XII–XIII) zur dritten Auflage des „Wörterbuchs der gegenwärtigen litauischen Sprache“ dargelegten Methoden zur Erläuterung von Wortbedeutungen dargestellt: durch Verweis, durch Definition – die beschreibende Methode – und durch Synonyme.

Bei der Erläuterung dialektaler Bedeutungen durch Verweis wird ausschließlich der Verweis žr. verwendet. Damit werden „weniger gebräuchliche, dialektale, veraltete, entlehnte und andere ähnliche Wörter oder Wortbildungsvarianten auf in der Standardsprache gebräuchlichere Wörter verwiesen“ (DŽ3 XII). Tatsächlich gilt diese Regel ausnahmslos bei der Erläuterung von Verbbedeutungen – gewöhnlich wird ein dialektales Wort auf ein standardsprachliches Wort verwiesen, z. B. kvãštelėti, ~ja, ~jo vak. žr. k v a i š t e l ė t i, stẽlgtis, ~iasi –ėsi žem. žr. s t e n g-t i s, 2 sukirpti, ~sta, ~o tarm. žr. s u g i ž t i usw. Die Analyse der Darstellung von Substantiv- und Adjektivbedeutungen zeigt, dass in manchen Fällen der Verweis žr. verwendet wird, in anderen dagegen nicht, z. B. spãras (4) 2. ryt., žem. žr. s p y r y s und vgl. spandà (4), spánda (1) ryt., dz. ‘Stütze, Strebepfeiler’; senagalys (3b, 3b) tarm. žr. d e l č i a, slidūkas (2) vak. žr. k a z l ė k a s und vgl. gydūolė (2) dz. ‘Heilkraut’, spúrgas (3) 3. ryt. ‘Quaste’ usw.

Manchmal wird der Verweis žr. nicht verwendet, obwohl die Wortbedeutungen nicht übereinstimmen, z. B. káltuvas (3a) ryt. ‘Dreschflegel’. Vgl. die Wortbedeutungen, wie sie im akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ und in der dritten Auflage des „Wörterbuchs der gegenwärtigen litauischen Sprache“ angegeben sind:

1 Nach den vorgeschlagenen Kriterien für die Auswahl dialektaler Wörter würde weniger als die Hälfte der im DŽ3 angeführten dialektalen Wörter in ein Wörterbuch der Standardsprache aufgenommen (ausführlicher siehe Lazauskaitė 1997: 14; 1998: 21).

233

kūltuvas (3a) 1. ‘ein altertümliches Gerät zum Dreschen von Getreide (ein an einem Stock befestigter Schlagklotz); Dreschflegel’ 2. ‘ein hölzernes Gerät zum Ausschlagen der Getreideähren’ 3. ‘Schlagklotz eines Dreschflegels’ LKŽ VI 859

spragilas (3b) 1. ethnogr. ‘ein Gerät zum Dreschen von Getreide – ein am Stiel befestigter Schlagklotz’ 2. östl. ‘der Schlagklotz dieses Geräts’ 3. ‘Längsstab der Dreschtrommel’ DŽ₃ 725

Ein Vergleich der in den Wörterbüchern verzeichneten Bedeutungen zeigt, dass sich die Bedeutungsfelder der besprochenen Wörter in zwei Bedeutungen unterscheiden. In einem Wörterbuch der Gemeinsprache sollten nur etablierte Wortbedeutungen angeführt werden; daher sollte zunächst berücksichtigt werden, wie verbreitet die Bedeutungen in der Gemeinsprache und in den Dialekten sind. In diesem Fall gibt es zwei Möglichkeiten, das Wort kūltuvas zu verzeichnen. Wird das Wort kūltuvas nur mit den Bedeutungen, die mit denen des Wortes spragilas übereinstimmen, in das Wörterbuch der Gemeinsprache aufgenommen, so lautet der Eintrag: kūltuvas (3a) 1. s. s p r a g i l a s 1, 2. östl. s. s p r a g i l a s 2. Unter Berücksichtigung der Verweise, die DŽ₃ bei den besprochenen Wörtern aufführt, ist auch folgende Erklärung möglich: kūltuvas (3a) östl. ‘Schlagklotz eines Dreschflegels’. In diesem Fall wird das Prinzip der Systematik befolgt; vgl. kermušė (3b) dial. ‘Schlagklotz eines Dreschflegels’, spragilinė (2) 2. östl. ‘Schlagklotz eines Dreschflegels’.

Bei der Wiedergabe von Dialektwörtern sollte der Verweis s. nicht verwendet werden, wenn ein Dialektwort auf ein anderes verweist, z. B. škūlas, ~à (4) žem. s. b a u ž a s, škūlis, ~ė dkt. (2) žem. s. b a u ž i s und vgl. baužas, ~à (4) östl. 1. ‘hornlos’, 2. ‘kahlköpfig’. Eine solche Wiedergabe zeigt, dass die Bedeutungen dieser Wörter in DŽ₃ gleich sind. Vgl. auch die im akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ angegebenen Bedeutungen des Wortes škūlas, ~à: 1. ‘baužas, hornlos’, 2. ‘glatt’, 3. ‘sehr kurz, beinahe kahl geschnitten’, 4. ‘mit glatten Seiten, ohne Vorsprünge’ (LKŽ XIV 991). Bei der Erklärung des žemaitischen Wortes šmùlas, ~à (4) wird nur die erste Bedeutung des Wortes baužas, ~à angeführt. Demnach sollte man sich am Prinzip der Systematik orientieren – die am häufigsten verwendeten Wortbedeutungen auswählen und sie analog erklären. Es ist fraglich, ob diese Art der Bedeutungserklärung auch dann für ein Wörterbuch der Gemeinsprache geeignet ist, wenn auf ein dialektales Wort mit derselben Wurzel verwiesen wird, z. B. náudas (1) östl. s. 2 n a u d a und vgl. 2 náuda b. (1) westl., dz. iron. ‘ein guter, lobenswerter Mensch’. Zu erwägen ist, ob die erste Dialektform überhaupt in ein Wörterbuch der Gemeinsprache aufgenommen werden sollte – die Formen des substantivum commune mit der Endung ~as werden seltener verwendet. Von diesen, d. h. von nominalen Dialektformen mit der Endung ~as, enthält DŽ₃ nur ein Paar, während es mehr als zehn Formen mit der Endung ~a gibt. Auf den Verweis s. sollte verzichtet werden, wenn das Wort, auf das das Dialektwort verweist, in der Gemeinsprache weit verbreitet ist, z. B. drabà (4), drabnà (4) dial. s. š l a p d r i b a, kūlis (2) žem. s. a k m u o, lytùs (3) dial. s. l i e t u s, siaustuvė (3b) 2. žem. s. v y s t y k l a s usw. Tatsächlich wird der Verweis s. in DŽ₃ in ähnlichen Fällen häufig nicht verwendet, z. B. atarà (3b) žem. ‘Querbalken’, birulỹs (3b) dz. ‘Krümel’, dvarystà (2) dial.

234

‘Leibeigenschaft’, 1 skarinis (2) dz., östl. ‘Handtuch’, staibis (1) žem. ‘Wade’ usw. Ohne jeden Zweifel sollten sogenannte Doppelverweise nicht im Wörterbuch stehen, z. B. pėrlaidas (1) žem. 2. s. į šautys, išautys (3ª) s. pertraukas usw.

Die Analyse der Bedeutungen dialektaler Wörter in DŽ₃ zeigt, dass der Verweis s. in bestimmten Fällen notwendig ist. Zunächst ist die Abkürzung s. zu verwenden, wenn bei der Erklärung der Bedeutung eines Dialektworts auf ein gemeinsprachliches Wort derselben Wurzel verwiesen wird (hier geht es um Wortbildungsvarianten), z. B. krūvinė (2) dz. s. kruvinoji, nešliava (1) žem. s. nešulys, pažinė (3ᵇ) žem. s. pažintis, pleiškas (2) westl. s. pleištas, ponýbė (1) 2. dial. s. ponija, sparus, ~i (4) dial. s. spartus, šeimynietis, ~ė Subst. (2) östl. s. šeiminykštis usw. Der Verweis s. ist notwendig, wenn das gemeinsprachliche Wort, auf das verwiesen wird, selten verwendet wird und einer ausführlicheren Erklärung bedarf (meist Bezeichnungen für Pflanzen, Tiere, Geräte, Krankheiten usw.), z. B. bamblys (4) westl. s. tranas, blusinės Pl. (2) žem. s. tymai, bruišė (2) dial. s. kuoja, kertėklė (2), kertėklis (2) žem. s. vėdega, šarkakojis (2) dial. 1. s. pentinius, 2. s. pataisas, 1 trilapis (2) östl. s. pupalaiškis usw. Sie ist auch dann gerechtfertigt, wenn das erklärende Wort als Ethnographismus gelten kann, z. B. plūktuvė (3ᵇ) dial. s. bruk­tuvė, spāras (4) 1. westl., žem. s. gegnė, žiūbčius (2) östl. s. žibikas usw. Der Vermerk s. ist besonders dann angebracht, wenn das gemeinsprachliche Wort, auf das verwiesen wird, mehrere Bedeutungen hat, das Dialektwort jedoch nur in einer seiner Bedeutungen verwendet wird oder in das Wörterbuch aufgenommen werden soll, z. B. kasninkas (2) dial. s. kaspinas 1, mėdė (2) žem. s. miškas 1, nešėnė (2) dial. 1. s. apdaras 1, pādis (2) žem. s. padėlys 4, raugienė (2) östl. s. raugalas 4, slanktas (2) östl. s. sloga 1 usw.

Gesondert zu erörtern ist das Verhältnis der synonymischen Bedeutungserklärung, das, wie die Analyse der Dialektwörter in DŽ₃ zeigt, nicht immer klar ist, z. B. duonkepė (3ª) 2. östl. s. duonkubilis, minkytuvis (1) žem. ‘duonkubilis’ und vgl. dūonkubilis (1) ‘Bottich zum Mischen von Brotteig, minkytuvis’ und Ähnliches. Bei der Erklärung einer Wortbedeutung ist mitunter zu erwägen, welche der genannten Methoden vorzuziehen ist. Es sollte außer Zweifel stehen, dass eine Verweiserklärung verwendet wird, wenn ein Dialektwort auf ein geläufigeres, stärker etabliertes gemeinsprachliches Wort verweist, eine synonymische Erklärung hingegen dann, wenn das Dialektwort mit anderen gemeinsprachlichen Wörtern gleicher oder ähnlicher Bedeutung definiert wird, z. B. ištekūolė (2) östl. 2. s. nuotaka 1 und vgl. mōčia (1) östl. fam. ‘Mutter’, mōtė (1) 2. dial. ‘Mutter’; kačiulti, ~a, ~o žem. 1. s. kutenti und vgl. glamžuoti, ~ūoja, ~āvo 2. žem. ‘streicheln, umarmen’ usw.

Die Bedeutungen der Dialektwörter in DŽ₃ werden meist definitorisch – beschreibend oder synonymisch – erklärt. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen eine Bedeutung mit Wörtern derselben Wurzel definiert wird, Wortbildungsbedeutungen aufgeführt und zusätzlich mit gemeinsprachlichen und dialektalen Wörtern gleicher oder ähnlicher Bedeutung erklärt werden. Deshalb sollten die beiden genannten Arten der Bedeutungserklärung gemeinsam erörtert werden, da bei der Wiedergabe von Dialektwörtern die synonymische Erklärung die definitorische gewöhnlich ergänzt.

235

– beschreibend, z. B. beržytė (1) tarm. „ein junger Birkenwald, Birkenhain“, ėskà (4) žem. „Esslust, Appetit“, kirtimas (2) 4. tarm. „eine Armvoll, eine Garbe“ usw. Doch auch in diesem Fall werden bei der Erklärung der Bedeutungen dialektaler Wörter neben Wörtern der Standardsprache auch Dialektwörter verwendet, z. B. avìkas (2) 2. tarm. „die aufbrechende Knospe der Weiden, Weidenkätzchen“ und vgl. avilė (3b) žem. „Kätzchen der Weide, Salweide oder Silberweide“, pūpuolė (1) ryt. „Knospe einer größeren Pflanze“ (die Dialektwörter avilė und pūpuolė sollten durch die in der Standardsprache üblichen Wörter pumpuras und spurgana ersetzt werden). Es gibt Fälle, in denen die Bedeutungen dialektaler Wörter durch Wörter erklärt werden, die in der Standardsprache selten verwendet werden und bei deren Angabe in den meisten Fällen der Verweis šnek. erforderlich ist, z. B. gvìzdė (2) žem. „eine leichtfertige Frau, ein Flittchen“, pliovóti, ~ja, ~jo tarm. „schwatzen, faseln“ usw.

Die Analyse der Bedeutungen dialektaler Wörter im DŽ₃, die verschiedene Speisen bezeichnen (ausführlicher siehe Tabelle 1), ergab ein unterschiedliches Verhältnis zwischen definierend-beschreibender und synonymischer Erklärung, z. B. bùrgė (2) vak. „schlechte Suppe, dünne Brühe; dicker, misslungener Brei“, kliùrkė (2) vak. „schlechte Suppe, dünne Brühe“, skiñkis (2) vak. 2. „schlechte Suppe“, veršputrė (1) žem. „schlechter Eintopf, dünner Brei“ usw. Aus dem angeführten Material geht hervor, dass die Wörter in synonymischen Erklärungen das bedeuten, was definierend-beschreibend ausgedrückt wird, z. B. miešimas, troškė, oder die Bedeutung weiter ausführen, z. B. kliurkalas, ragaišis. Eine solche Erklärung durch Synonyme, wie A. Gudavičius (1997: 34) festgestellt hat, nivelliert die Bedeutungsunterschiede zwischen nahe verwandten Sememen und hebt lediglich ihre Gemeinsamkeiten hervor. Dies zeigt, dass den systemischen Beziehungen zwischen Dialektwörtern und ihren Bedeutungen sowie der Struktur des lexikalischen Systems nicht immer Rechnung getragen wird (Lazauskaitė 1998: 22). Außerdem ist anzumerken, dass Wörter, die zur synonymischen Bedeutungserklärung gehören, gewöhnlich eine ausführlichere Erläuterung erfordern. Manchmal sind solche Wörter der Umgangssprache zuzurechnen, z. B. kliurkalas, troškė usw. (siehe Tabelle 1). Folglich sollten Dialektwörter so einfach wie möglich definiert werden, das heißt mit semantisch und stilistisch neutralen Wörtern. Ist ein Dialektwort allgemein bekannt und wird es in der Standardsprache verwendet, sollten auch seine Synonyme angegeben werden, wobei klar hervorzuheben ist, dass sie das Dialektwort nicht definieren.

J. Paulauskas (1974: 47) yra siūlęs tam tikromis trafaretinėmis formulėmis aiškinti atskiras grupes sudarančių žodžių reikšmes, pvz., gyvulių jauniklių pavadinimus. Iš DŽ₃ tarmybių sąrašo analizei parinkti tarminiai veiksmažodžiai, nusakantys kalbėjimą, ir jų galūnės ~a vediniai, žymintys pamatiniu žodžiu pasakyto veiksmo atlikėją. Tiksliau sakant, šio darybos tipo vediniai eina menkinamosios reikšmės veiksmažodinės ypatybės turėtojų pavadinimais ir yra bendrosios giminės (substantivum commune) daiktavardžiai (žr. 2 lentelę).

236

1 lentelė

Bedeutungen von DŽS-Dienststellen, die Speisen benennen

Dialektwort

Kennzeichnung

Arten der Bedeutungserklärung eines Wortes

Definierend-beschreibend

Synonymisch

Mit Wörtern der Standardsprache

Mit Wörtern, die eine ausführlichere Erklärung erfordern

Mit Wörtern der Standardsprache

Mit Wörtern, die eine ausführlichere Erklärung erfordern

1

2

3

4

5

6

Derivation (1)

Ethnogr. dz.

„Quark, mit süßer oder saurer Milch oder mit Sahne vermischt“

burokienė (2)

östl.

‘Rote-Bete-Salat’

Trockengericht (2)

westl.

‘trocken gekochte, geschmorte Kartoffeln,

Schmorgericht’ (=‘geschmorte Kartoffeln’)

Schmorgericht (2)

südl.

‘geschmorte Kartoffeln (meist mit Fleisch)’

Körnergericht (2)

südl.

‘Gericht aus gekochtem Getreide’

Gericht aus Graupen (2)

mundartl.

1. ‘Gerstenkörner’, 2. ‘deren Suppe’

Schuss (2)

geogr.

‘Blättersuppe,

Blätterbrei’

einfache Borschtschvariante (1)

mundartl.

‘einfache, unzubereitete Borschtsch’

zubereiten (=‘eine Speise mit einer Beilage verfeinern’)

Burgė (2)

westl.

‘einfache Suppe, Buza; dicker, misslungener Brei’

Buza (=3. siehe Pliurza 2)

Kliurkė (2)

westl.

‘einfache Suppe,

Kliurkals’ (=umg. ‘einfache Suppe, einfaches Getränk’)

Kalbsuppe (1)

landw.

„gewöhnliches Dünnbier,

Bierhefe“ (=siehe buza)

juōdikis (1)

östl.

„Blutsuppe, in Sauerampfer gekochte Suppe“

Sauerampferbrühe (= „saure Flüssigkeit, Säure“)

skiṅkis (2)

westl.

1. „schwaches Bier, Dünnbier“, 2. „schlechte Suppe“

237

1 2 3 4 5 6 misà (4) ostlit. ‘Brottrunk oder irgendein anderes Getränk, Gäransatz’ (= ‘saure Flüssigkeit, Säure’) sālymas (3b) ostlit. 1. ‘Brei aus gesalzenem Roggenmehl’, 2. ‘gesüßtes Wasser, Brei (=1. ‘Suppe aus Mehl oder Grütze’) Mischtrunk’ (=2. ‘gesüßtes Wasser’) pāmentalas (34b) ostlit. 1. ‘Brei aus Roggenmehl, Ansatz für Rote-Bete-Suppe, zum Ansetzen von Gärgetränk’, 2. ‘Säure, die aus Roggenmehl hergestellt wird’ Brei (=1. ‘Suppe aus Mehl oder Grütze’) Ansatz (=1. ‘Mehlmischen; eingestreuter Brei; angesetztes Malz’) kiūkis (2) westlit. 2. ‘zusammengefallenes Brot’ saldabandė (2) westlit. ‘süßes, ungesäuertes Brot, 2 Brot (=1. ‘Laib’) ragaišis’ (=’Brot aus grobem Weizen- oder Gerstenmehl’) 1 miežainis (2) niederlit. ‘Gerstenkuchen, ragaišis’ („ – “) 1 miežienis (2) ostlit. ‘Gerstenkuchen, ragaišis’ („ – “) lāistytinis (1) mundartl. ‘mit Speck übergossenes Gerstenküchlein’ Küchlein (1) mundartl. 2. ‘Knödel, großer Kartoffelknödel’ paliēpsnis (2) ostlit. ‘vor dem Ofenfeuer gebackenes Brötchen, Fladen’ pārpelis (1) ostlit. ‘Mehl- oder Kartoffelklößchen’ schvilpikas (2) ostlit. ‘ein aus Mehl oder Kartoffeln auf einem Sieb oder einer Reibe geformter Kloß’ 1 verštinis (2) mundartl. ‘dicker Kartoffelpuffer’

238

2 lentelė

DŽ₃ dialektale Verben, die das Sprechen bezeichnen, und ihre Ableitungen auf -a

Verb | Bedeutungserklärung der verbalen Ableitung | Verwendetes Grundwort | Wiederholte Bedeutungserklärung des Grundworts | Verwendete Synonyme usw. | sniaukróti ~ja, ~jo ostlit. ‘undeutlich durch die Nase sprechen’ | sniaukrà Subst. (4) ostlit. ‘jemand, der sniaukroja’ | švėnauti, ~auja, ~avo mundartl. ‘langsam Unsinn reden, schwätzen’ | švėna Subst. (1) mundartl. ‘jemand, der švėnuoja, Unsinn redet’ | varėzgoti, ~ja, ~jo mundartl. ‘Unsinn reden, plappern’ | varėzgà Subst. (2) mundartl. ‘jemand, der varėzgoja, Schwätzer’ | trailinti, ~a, ~o, trailúoti, -úoja, -ávo dz. ‘Unsinn reden, schwatzen, schwätzen’ | tráila Subst. (1) dz. ‘jemand, der Unsinn redet, Schwätzer’ | švotróti, ~ja, ~jo ostlit. ‘Unsinn schwätzen, plaudern’ | švótra Subst. (1), švótrà Subst. (2) ostlit. ‘Schwätzer, Plauderer’ | réntuoti, ~auja, ~avo ostlit., dz. 3. ‘Unsinn reden, plaudern’ | 1 rénta (1) ostlit. 3. Subst. ‘ein Mensch, der leeres Gerede führt’

Aus dem vorgelegten Material geht hervor, dass Bedeutungen in einem Wörterbuch der Standardsprache soweit wie möglich formalisiert werden müssen. Selbstverständlich sollte man bei der Erklärung der Bedeutungen dialektaler Wörter und ihrer Ableitungen nicht ausschließlich auf die formale Ebene wechseln. Bei den Ableitungen ist noch ein weiterer Aspekt zu beachten – das Verhältnis zwischen Grundwort und Ableitung. So zeigt die Analyse der verbalen Ableitungen in DŽ₃, dass man sich bei der Erklärung ihrer Bedeutungen von den Grundwörtern entfernt hat:

239

Aus dem erörterten Material geht hervor, dass bei der Bezeichnung semantisch analoger Sachverhalte das Verhältnis und die Anordnungsreihenfolge zwischen der im Definitionsansatz angegebenen Wortbildungsbedeutung der Ableitung, der definitorisch-beschreibenden und der synonymischen Erklärung festgelegt werden sollten.2

Bei der Erklärung polysemer dialektaler Wörter stößt man häufig auf das Problem der Bedeutungsselektion. Bei der Entscheidung, wie Wörter mit mehreren Bedeutungen angeführt werden sollen, sollten dieselben Kriterien der Auswahl von Dialektismen zugrunde gelegt werden: ihre Verbreitung in der Literatur und in Wörterbüchern sowie ihre Systemhaftigkeit; besonders hervorzuheben ist die Etablierung der Bedeutung in der Standardsprache und in den Dialekten. Meistens entspricht die Auswahl der Bedeutungen von Dialektismen in DŽ₃ diesen Kriterien, z. B. róti, ~ja, ~jo dz. ‘gemeinsam etwas zu tun schaffen, rechtzeitig fertig werden’, vgl. auch die im „Wörterbuch der litauischen Sprache“ angegebenen Bedeutungen: 1. ‘gemeinsam etwas zu tun schaffen, rechtzeitig fertig werden’ LKŽ XI 841 (Drsk, Svn, Lš, Lp, Srj, Smn, Mrk; J. Jabl, V. Krėv), 2. ‘mögen, sehr gern wollen’ LKŽ XI 841 (Gmž, Sv) usw. Manchmal ist jedoch fraglich, warum ein Dialektismus in DŽ₃ überhaupt nur mit einer Bedeutung angeführt wird, obwohl das Material des akademischen Wörterbuchs zeigt, dass es weitere gibt, z. B. užmainas (1) mundartl. ‘Ersatz’ und vgl. die im akademischen Wörterbuch belegten Bedeutungen: 1. ‘Austausch, Tausch’ LKŽ XVII 656 (Sut; MP 203), 2. ‘Wechsel, Ersatz’ LKŽ XVII 656 (NdŽ), 3. siehe 1 užvadas 1 LKŽ XVII 656 (DŽ; Prng)3 usw. Dasselbe gilt für Dialektismen, deren Bedeutungen in den Dialekten gleichermaßen verbreitet sind, z. B. tuntuoti, ~úoja, ~ávo ostlit. ‘ziellos umhergehen, herumtrippeln, auf der Stelle treten’ und vgl. die im akademischen Wörterbuch angegebenen Bedeutungen: 1. ‘ziellos umhergehen, müßiggehen, herumtrippeln, auf der Stelle treten’ LKŽ XVII 25 (Ds, Lkm, Dbk, Krd, Švd, Sug, Ant, Slk, Lb, Rk, Kzt, Klt, Dglš, NdŽ), 2. ‘langsam arbeiten, herumwerkeln’ LKŽ XVII 25 (Dkšt, Sld, Zr, Vžns, Dgl, Sdk, Ktk, An, Tr, Mlt, Antr, Mlk, Vj, Ktk, Lb, Slk, Lcl, Dglš), 3. ‘beaufsichtigen, versorgen’ LKŽ XVII 25 (Ktz, Trgn, Slk)4 usw. Mitunter ist das Prinzip der Bedeutungserklärung eines Dialektismus unklar, z. B. tùmpis, ~ė Subst. (1) mundartl. ‘ein stämmiger, kleiner, missratener Mensch oder ein Tier’ und vgl. die im akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ angegebenen Bedeutungen: 1. ‘ein gedrungenes Pferd’ LKŽ XVII 18 (Užv, LK, D޹), 2. ‘Versager, Taugenichts’ LKŽ XVII 18 (Plt, Žr, D޹)5 usw.

Tatsächlich ist die Abgrenzung und Auswahl von Bedeutungen eine der schwierigsten Aufgaben, denn bei einem Wort kann man mehr, stärker spezialisierte oder weniger, dafür allgemeinere und abstraktere Bedeutungen unterscheiden (Gudavičius 1997: 35). Bei der Erklärung dialektaler Wörter-

2 Manchmal wird die Bedeutung eines Wortes in DŽ₃ durch die Kombination mehrerer Varianten der definitorisch-beschreibenden Methode erläutert, z. B. vvėklis, ~ė Subst. (2) niederlit. ‘jemand, der ständig weinerlich klagt, Heulsuse, Nörgler, Bittsteller’ usw.

3 Nach den Daten des akademischen „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ sollte der Dialektismus užmainas wegen seiner seltenen Verwendung überhaupt nicht in ein Wörterbuch der Standardsprache aufgenommen werden.

4 Wegen der eingeschränkten Verwendung sollte die dritte Bedeutung des Verbs tuntuoti, ~úoja, ~ávo nicht in ein Wörterbuch der Standardsprache aufgenommen werden.

5 Die im zweiten Band des „Wörterbuchs der heutigen litauischen Sprache“ angeführten Bedeutungen des Wortes tùmpis, ~ė stimmen mit den im akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ angegebenen Bedeutungen überein.

240

Bei der Auswahl ihrer Bedeutungen ist es am wichtigsten, das Wörterbuchsystem und die Arten der Bedeutungsangabe zu berücksichtigen.

Eingegangen am 01.12.1998

LITERATŪRA

Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, Vilnius: Mintis, 1972.

DŽ₃ – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1993.

G u d a v i č i u s A. 1997: Dabartinės lietuvių kalbos žodynas leksikos sistemiškumo požiūriu. – Lietuvių kalbotyros klausimai 37, 33–39.

K l i m a v i č i u s J. 1997: Kas yra bendrinės kalbos leksika? Sampratos, nuomonės ir prietarai. Žodyno praktika ir teorija. Vartojimo reikmės ir problemos. – Lietuvių kalbotyros klausimai 37, 20–32.

L a z a u s k a i t ė V. Dėl dzūk ybių pateikimo „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“. – Jaunųjų kalbininkų konferencija. Konferencijos tezės. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 13–15.

L a z a u s k a i t ė V. 1998: Dėl tarmybių ir jų reikšmių pateikimo „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“. – Mokslinis seminaras, skirtas kalbininkės dialektologės A. Jonait ytės 70-mečiui. Pranešimų tezės. Šiauliai: Šiaulių universitetas, 21–24.

L y b e r i s A. 1983: Žodžių atrankos problema „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“. – Lietuvių kalbotyros klausimai 22, 147–154.

LKŽ II₂ – Lietuvių kalbos žodynas 2, Vilnius: Mintis, 1969.

LKŽ VI – Lietuvių kalbos žodynas 6, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 1962.

LKŽ VIII – Lietuvių kalbos žodynas 8, Vilnius: Mintis, 1970.

LKŽ XI – Lietuvių kalbos žodynas 11, Vilnius: Mokslas, 1978.

LKŽ XIV – Lietuvių kalbos žodynas 14, Vilnius: Mokslas, 1986.

LKŽ XVII – Lietuvių kalbos žodynas 17, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1996.

M o r k ū n a s K. 1997: Norminamasis žodynas ir lingvistinė geografija. – Lietuvių kalbotyros klausimai 37, 40–45.

P a u l a u s k a s J. 1974: Aktualios leksikos norminimo problemos ir žodynas. – Kalbos kultūra 27, 40–49.

P a u l a u s k a s J. 1985: Žodyno redagavimas žodžių grupėmis. – Kalbos kultūra 49, 6.

ZUR BEDEUTUNGSANGABE DER DIALEKTISMEN IM „WÖRTERBUCH DER LITAUISCHEN GEGENWARTSSPRACHE“ („DABARTINĖS LIETUVIŲ KALBOS ŽODYNAS“)

Zusammenfassung

Die Untersuchung der Bedeutungsangaben des in der dritten Auflage des „Wörterbuches der litauischen Gegenwartssprache“ („Dabartinės lietuvių kalbos žodynas“. – Vilnius, 1993) enthaltenen dialektalen Wortschatzes hat erwiesen, daß bei der semantischen Charakterisierung solcher Wörter nicht immer die in der „Einführung“ dieses Wörterbuches festgelegten Grundsätze eingehalten werden.

Hervorzuheben sind folgende Unzulänglichkeiten:

1. Analoge lexikalische Einheiten werden unterschiedlich erklärt;

241

2. Bei den zu derselben semantischen Gruppe gehörenden Dialektismen differiert das Verhältnis der umschreibenden und der synonymischen Deutung: Zum einen haben die sinnverwandten Wörter dieselbe Bedeutung, die die Definition angibt, zum anderen wirkt sie in Richtung der Einengung bzw. Erweiterung der Bedeutung des zu erklärenden Wortes.

Solch ein Vorgehen verwischt die semantischen Unterschiede der nahverwandten lexikalischen Einheiten. Dadurch wird lediglich das Gemeinsame unterstrichen. Das zeugt wiederum davon, daß nicht immer auf die systembedingten Verhältnisse der Dialektismen und ihrer Bedeutungen sowie auf die semantische Struktur der dialektalen Lexeme entsprechenderweise Rücksicht genommen wird.

Bei der Bedeutungsangabe der Dialektismen ist es deshalb unumgänglich,

1. ihre Bedeutungen mit semantisch und stilistisch neutraler Lexik zu definieren,

2. die Bedeutungen zu formalisieren und die analogen lexikalischen Einheiten auf dieselbe Art und Weise zu charakterisieren,

3. die Bedeutungsunterschiede der sinnverwandten Lexeme nicht zu nivellieren,

4. das Hauptprinzip des Aufbaus des Wörterbuches nach semantischen Gruppen konsequent durchzuführen.

242

Document details