Go to originalLocalized version was produced by AI. It may contain inaccuracies.
Preparing document pages…
3 short passages of this localized version are shown in the original language because they could not be localized reliably.
Page 1
ROLANDAS KREGŽDYS
Litauisches Sprachinstitut
Forschungsschwerpunkte: vergleichende Grammatik der baltischen und anderer indogermanischer Sprachen, Etymologie.
MORPHOLOGISCHE ENTWICKLUNG DES OSTBALTISCHEN PHYTONYMS AVIETĖ (RUBUS) UND PROBLEMATIK DER ETYMOLOGISCHEN BEZIEHUNGEN
Ostbaltische Bezeichnungen der Himbeere (Rubus): morphologische Analyse und Ermittlung der etymologischen Beziehungen des Phytonyms
ANNOTATION
Der Artikel analysiert die Wortbildung des ostbaltischen Phytonyms avietė (Rubus) und bewertet kritisch die Etymologie von lit. avietė 2, dial. avietė 3b, avietė 1, avietė 2, avietė 3a sowie lett. avene, die auf einer Verbindung von Lexemen mit zoonymischer Konnotation beruht.
Neben einer detaillierten Darstellung der strukturellen Verbreitung morphologischer Varianten der lettischen Bezeichnungen für die Himbeere werden Herkunftsbeschreibungen für lit. dial. aš(v)óklė, ašóklis, ašóklė, vašóklis, vaišóklis, vaišókšlis, vaišúoklis; lit. (dial.) vaivóras, dial. vąvóras, vavóras, lett. (dial.) vài̯vari(2), vaivāri, vai̯vāriņi, vàivàriņi, vaivariņas sowie der lettischen Dialektphrase àitu uôgas vorgelegt.
ANNOTATION
Der Artikel behandelt Besonderheiten der Wortbildung und Entwicklung der ostbaltischen Bezeichnungen des Phytonyms Rubus. Angesichts der gegenwärtigen zoonymischen Argumentation zur Herkunft des Phytonyms wird die jüngere etymologische Bewertung von lit. aviẽtė 2, dial. avietė 3b, avéte 1, avietė 2, avietė 3a, lett. avene kritisiert.
Neben der Wortbildungsanalyse der Lexeme des vielgestaltigen lettischen Phytonyms Rubus wird auch die etymologische Untersuchung der offensichtlichen morphologischen oder semantischen Entsprechungen von lit. dial. aš(v)óklė, ašóklis, ašóklė, vašóklis, vaišóklis, vaišókšlis, vaišúoklis, lett. dial. àitu uôgas vorgestellt.
Lit. aviētė 2, dial. avietē 3b, avētė 1, avētė 2, avētė 3a (mit ie > ē-Monophthongierung im žemaitischen Dialektgebiet [siehe Zinkevičius 1966: 86])¹ ‚Strauch mit süßen Beeren (Rubus); seine Beere‘ (LKŽe), die zu den späten Erbwörtern der ostbaltischen Grundsprache gerechnet werden (vgl. Zinkevičius 1984: 336, 1987: 152), leitet Ernst Fraenkel (LEW 28) unter Rückgriff auf frühere baltistische Arbeiten (vgl. Būga II 20; ME I 232) her, indem er eine semantische zoonymische Konnotation heranzieht und lit. dial. aš(v)óklė ‚Johannisbeere‘ als formal ähnliches Wort (d. h. als Ableitung) anführt (← lit. Subst. ašva ‚Stute; größere Stute; größere Zuchtstute‘ [LKŽe]). Das Phytonym leitet er somit vom lit. Subst. avis 4 ‚Nutztier, das wegen seiner Wolle, seines Fleisches (anderswo auch seiner Milch) usw. gehalten wird‘ (DLKŽ⁵) ab; lett. (dial.) avene, -es ‚Himbeere, -n; Himbeerstrauch mit Früchten‘ dagegen vom lett. Subst. avs ‚Schaf‘ (ME I 232). Diese etymologische Entwicklung der Phytonyme wird auch in den jüngsten Werken zur Herkunft litauischer Wörter postuliert (LEŽ 38; ALEW).
Die erwähnte Herleitung von lit. aviētė, avietē und lett. avene, -es ist offenbar der Volksetymologie zuzuschreiben (vgl. lett. dial. àitu uôgas ‚Himbeeren bzw. Schafsbeeren‘² Valka [LVDA 74]); sie führte zur Entstehung quasi-etymologischer Deutungen, vgl.: 1) Václav Macheks (1961: 346) Überlegung zu den Verbindungen dieses Phytonyms mit dem behaarten Tier Schaf, beruhend auf der angeblichen Ähnlichkeit der Oberfläche einer reifen Himbeere mit den Wollfasern dieses Tieres (siehe auch LEŽDB); 2) Wojciech Smoczyńskis (LEŽ 38) Erklärung, die Himbeeren seien angeblich Lämmern ähnlich; 3) Konstantin Karulis (LEV I: 93), der sich offenbar auf die identische Behauptung von Germanisten zu dt. Himbeere ‚Himbeere‘ stützte (dazu siehe weiter unten), deutet es als Motivierung durch das Säugetier aus der Familie der Hirsche, den „Damhirsch“ (vgl. Hermodsson 1990: 79), und rekonstruiert eine zoonymische Konnotation der Pflanze, die er mit den Himbeerblättern als beliebter Schafnahrung begründet.
Die Entstehung der zoonymischen Herkunftshypothese wurde offenbar durch gleichbedeutende deutsche Komposita vom Typ tatpuruṣa mit einem ganz anderen Wortbildungsmodell³ beeinflusst, deren Kompo-
1 Einige Forscher versuchen, lit. dial. aš(v)óklė mit lit. ašvōnės 1 (m.), ašvōnēys 3ᵇ ‚Arbeitspferd‘ (LKŽe) in Verbindung zu bringen (ausführlicher siehe Wodtko, Irslinger, Schneider 2008: 233).
2 Das heißt, es handelt sich um eine reflektierte pseudoetymologische Wortfügung, hervorgerufen durch die Homonyme lett. dial. aviētenes ‚Himbeeren‘ Bilska (LVDA 74) ↔ lett. avutiņa, avutiņa ‚Schäfchen‘ (ME I 232); vgl. ferner lett. dial. avetene ‚Himbeere‘ Mazsalaca ↔ lett. dial. avetēna ‚Schäfchen‘ Rucava (EH I: 190).
3 Das heißt, es handelt sich nicht um Ableitungen, sondern um Komposita; vgl. den von Kazimieras Būga (RR II 20) angeführten morphologischen Alternanten des Phytonyms lit. ašvōklė ‚Johannisbeere‘, dt. Bocksbeere ‚Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum)‘ bzw. „Ziegenbeere“. Die Etymologie der letzteren wird von einigen durch eine odoronymische Motivierung begründet (so behauptet Richard Loewe [1913: 131], der üble Geruch des Schwarze-Johannisbeerstrauchs gleiche dem Bocksgestank), von anderen hingegen als später Wandel alter Strukturelemente infolge von Volksetymologie erklärt (ausführlicher siehe Prokosch 1916: 292–293).
64
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Page 3
Die morphologische Entwicklung des ostbaltischen Phytonyms avietė (rubus) und die Problematik etymologischer Zusammenhänge
zitas v. Himbeere ‚Hirschbeere bzw. Himbeere (Rubus idaeus)‘ < v. Hinde ‚Hirsch (Cercus dama); Hirschkuh‘ + v. Beere ‚Beere‘ (Frisch 1741: 454; Kluge 2002: 412), dessen Motivation4 mit dem Geweih dieses Tieres in Verbindung gebracht wird (Loewe 1913: 131, 161).
Es ist bedauerlich, dass Forschende, die die Struktur von Phytonymkomposita mit zoonymischen Konnotationen untersucht haben, einem für litauische Dialektismen charakteristischen, recht wichtigen p e j o r a t i v e n B e d e u t u n g s a n t e i l keine Beachtung geschenkt haben, wenn eines ihrer Glieder eine Tierbezeichnung widerspiegelt: lit. dial. kačuoġe 1 ‚(bot.) Steinbeere, Katzbeere (Rubus saxatilis); ihre Beere‘ ↔ Subst. lit. katė 4, kātė 2 ‚(zool.) Haustier aus der Familie der Raubtiere (Felis domestica)‘ / lit. dial. šūnuogė 1 ‚(bot.) Steinbeere (Rubus saxatilis); Beere der Steinbeere‘ ↔ Subst. lit. šuo, šuva 4 ‚(zool.) Tier, das zum Bewachen des Hauses, zur Jagd u. a. gehalten wird‘ (LKŽe) usw. (weitere Beispiele siehe Gritėnienė 2006: 133) – die Beeren dieser Pflanze werden nicht gesammelt und als Nahrung verwendet, da sie sauer und steinig sind (Gritėnienė 2006: 134). Hervorzuheben ist, dass eine solche Bedeutung dem fraglichen Phytonym ohne zoonymisches Glied nicht eigen ist bzw. der virtuelle Referent „Himbeere“ reflektiert wird, vgl. lett. dial. aveņuogas2, avēņuogas2 ‚Himbeeren‘, die in Livland, Kurland und Semgallen verwendet werden, sowie lett. dial. avesenuogas ‚ebd.‘, belegt in Naukšēni (LVDA 73 [siehe unten]). Eine solche Deutung ist also hinsichtlich des semantischen Ausdrucks der genannten ostbaltischen Phytonyme widersprüchlich, die den virtuellen Denotat „Beere“ ohne pejorative Konnotation widerspiegeln.
Der morphologische Status des vermeintlichen lettischen avietė, avietė-Äquivalents (bzw. Derivats), des bislang semantisch nicht motivierten litauischen Dialektworts aš(v)óklė ‚Johannisbeere‘ (siehe auch ALEW), ist vermutlich ganz anders beschaffen, als bisher zu erklären versucht wurde (vgl. Blažek 2010: 14), d. h. er beruht auf strukturellen Merkmalen des Referenten und nicht auf einer zoonymischen Motivation. Vorsichtig lässt sich vermuten, dass litauisch dialektal ašóklis 1 ‚(bot.) Vašoklis, Johannisbeere (Strauch und Beere) (Ribes rubrum)‘ (LKŽe) / litauisch dialektal ašóklė5 1 ‚ebd.‘ ↔ litauisch dialektal ašvóklis 1 ‚ebd.‘ / litauisch ašóklė 2 ‚ebd.‘ und litauisch dialektal ašvóklė ‚ebd.‘ (mit sporadischem epenthetischem bzw. nicht etymologischem zweitem -š-) entgegen der Vermutung von Kazimieras Būga (RR II 20) (siehe oben) aus litauisch vašóklis 1 ‚(bot.) Johannisbeere mit roten, gelblichen oder schwarzen Beeren (Ribes); Beere dieses Fruchtstrauchs; Rote Johannisbeere (Ribes rubrum); Beere dieses Fruchtstrauchs‘ (LKŽe) < substantiviertes litauisches vãžas 4 ‚Haken (gewöhnlich an einer Stange, einem Draht oder einer Kette) zum Aufhängen eines Kessels beim Kochen über der Feuerstelle oder im Kamin; Stange mit Haken an einer Brunnenwippe zum Einhaken des Eimers; Wandarm, Dieb; gegabelter Stock, Holzhaken zum Drehen von Fesseln und Seilen; Eiszapfen usw.‘ (LKŽe), das den Referenten ‚Stock / Stange mit Haken ↔ etwas, das herabhängt wie“},{
4 Sie wird mit einer für Volksetymologien typischen Faktendarstellung begründet (ausführlicher siehe Hermodsson 1990: 82–83).
5 Su pradžios v- afereze dėl lyties *vašvoklis (su antriniu -v-) [plg. Zinkevičius 1966: 199] ↔ *(v-)ašvoklisanalogiško proceso – šios lyties v- nykimas dėsningas dėl dviejų v...v (plg. Endzelīns 1961: 7; ME IV 654–655) ir dialektinių ypatumų bei pirmojo sando pamatinio žodžio pradžios v- kitimo tendencijų (plg. Zinkevičius 1966: 177–178) – morfologinio išlyginimo.
Straipsniai / Articles
65
Page 4
ROLANDAS KREGŽDYS
ein Stock; ein Stock / eine Stange, an der etwas befestigt ist‘ + (sekundäres) Suffix lit. -öklių- (dazu siehe Skardžius I 198). Folglich könnte dieses Phytonym den Assoziativa zugeordnet werden; seine semantische Konnotation ist durch die Form der Johannisbeertrauben motiviert, die von den Zweigen des Strauchs herabhängen wie Stangen oder Stöcke, an denen Beeren haften.
Neben der Wurzel vaš- kommen in litauischen Mundarten auch Ableitungen mit der gleichstämmigen Wurzel vaiš- vor (← lit. dial. vaišas 4 ‚ein beliebiger Haken oder ein Werkzeug mit Haken‘ [LKŽe]), vgl. lit. dial. vaišōklis 1 ‚Rote Johannisbeere (Ribes rubrum); Beere dieses Obststrauchs‘ / lit. dial. vaišvuokliai ‚ebd.‘ ↔ lit. dial. vaišōkšlis 1 ‚ebd.‘ // lit. dial. vaišvōklis 1 ‚Rote Johannisbeere (Ribes rubrum); Beere dieses Obststrauchs‘ ↔ lit. dial. vaišvōkšlis 1 ‚ebd.‘ (LKŽe), die eine hypernormale Ableitungsgruppe dieses Phytonyms voraussetzen (näher dazu siehe Vitkauskas 1994: 107ff.; Urbutis 1998: 55, 2009: 146, 241; Kabašinskaitė 1998: 50).
Fitonimo forma su šaknies -ą- (resp. tautosilabiniu *an, plg. lie. dial. vanšas ‘vašas’ [LEW 1207]), matyt, nunyko dėl hipernormalizmų fonetinių variantų gausos (kai kuriose žemaičių šnektose ir dėl ą > ǭ, ū kitimo – dėl jo nyko ir žodžio pradžios v- [žr. Zinkevičius 1966: 178; LEW ibd.]), lėmusios pirminio darbybinio pamato semantinę neutralizaciją, ilgainiui galėjusią implikuoti liaudies etimologinę sąsają su verb. lie. vešėti, vėša (vėši, -ėja), -ėjo ‘gerai augti, tarpti ir kt.’ ~ subst. lie. dial. veša 4 ‘vešlumas, geras augimas’ (↔ subst. lie. vašà 4 ‘vešėjimas, tar pimas, augimas ir kt.’ [LKŽe]) (plg. Kabašinskaitė 1998: 32), t. y. e veiksmažodžio (ir daiktavardžio) eilės darbybinio elemento radimasis galėjo suponuoti -ą- (< an) eliminaciją (plg. Urbutis 1981: 102), plg. subst. lie. dial. ešōklė 2 (ppr. pl.) ‘(bot.) vašoklis, serbentas (krūmas ir uoga) (Ribes rubrum)’ (LKŽe).
1. STRUKTURELLE VERBREITUNG MORPHOLOGISCHER VARIANTEN DER LETTISCHEN HIMBEERBEZEICHNUNGEN
Die Herkunft von lit. avietė, avietė (dial. avėtė, avėtė, avietė) lässt sich nicht losgelöst von lettischen dialektalen Kontaminationsformen erklären, die die Wurzel aiv-6 widerspiegeln; vgl. lett. dial. aiviėkstenes in Vecpiebalga (LVDA 72; siehe auch ME I 14) ← (*aiv-iet-es ‘Himbeeren’, vgl. lett. dial. aviėtes usw. [siehe unten]) *aiv- + Suffix -iet- (siehe Endzelīns 1951: 389) infolge der Kontamination mit: 1. lett. (dial.) av-enes ‘Himbeeren’ (mit lett. Suffix -enes [siehe Endzelīns
6Befürworter einer zoonymischen Motivation würden sie offenbar gern von lett. àita ‘Schaf’ herleiten (ME I 14); ein Wort mit dentalem Wurzelauslaut -t- ist jedoch nicht belegt.
66
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Page 5
Morphologische Entwicklung und Problematik etymologischer Zusammenhänge des ostbaltischen Phytonyms avietė (rubus)
1951: 298]) sowie dieser beiden Kontaminationsformen 1a. lett. dial. aviētenes (aviētenes, aviētenes, aviētenes2 [LVDA 74]); 2. lett. dial. aviškes ‘ebd.’ (~ lett. dial. aviškas [LVDA 74]) mit lett. Suffix -išk-ē- (< -iškiō- [vgl. Endzelīns 1951: 365–368] und lett. dial. aviškas [LVDA ibd.] -šk- > -šk- [siehe Endzelīns 1951: 186, 367; zu einer Erklärung der Ätiologie dieses Wandels siehe Rudzīte 1993: 338]), 2a. lett. dial. avīkšas ‘ebd.’ (← lett. dial. av-ie-kšas [LVDA 73] bzw. -ie- > -ī- [ausführlicher siehe Endzelīns 1951: 137–138; Rudzīte 1993: 243]), das eine Metathese der Strukturelemente -šk- > -kš- widerspiegelt [vgl. Endzelīns 1951: 234; siehe Typ I.2.1.; siehe auch ME III 524–525 (s. v. riksis)]). Somit lassen sich drei Hauptmodelle der Wortbildung des Phytonyms „Himbeere“ in der lettischen Standardsprache und ihren Dialekten unterscheiden, das durch besonders ausgeprägte phonomorphologische Veränderungen gekennzeichnet ist und die lettischen Wurzeln av- / aiv- aufweist (siehe auch Schema):
I. Suff. lett. -iet-Bildungen, vgl. ē Kam. (fem.): aviētes, aviētes, aviētes2, avietes2 / avītes (mit -ī- < -ie- [siehe Typ I.1.2]) (LVDA 74); įō Kam. (mask.) (s.) lett. (dial.) avieši (ME I 232; LVDA 74) (< lett. *avietīs [siehe Typ I.2.1.1] ~ litauisch dialektal avietỹs3 [Sg.] ‚Strauchgewächs mit süßen Beeren (Rubus); seine Beere‘ [LKŽe]) > ē / iā Kam. (fem.) lett. dial. aviečas2, aviečes in Semgallen (LVDA 73) mit dem Wechsel -tj- > -č- (siehe Rudzīte 1993: 288) und seinen Varianten (Kontaminationsformen):
I.1. Suff. lett. -iet- + Suff. lett. -ene, vgl. lett. dial. aviētenes, avietenes, aviētenes2, avietenes / avitenes mit dem Wechsel -ie- > -ī- > -ī- (LVDA 74; siehe Typ I.1.2);
I.1.1. lett. dial. Suffix -et- (< lett. Suffix -iet- [LVDA 73]) + lett. Suffix -ene; vgl. lett. dial. avetenes (LVDA 73);
I.1.1.1. mit Absorption des ersten -e- des Strukturelements; vgl. lett. dial. avtene (ME I 232; LVDA 74) ← lett. dial. av-e-tene(s) (siehe Typ I.1.1.);
I.1.1.2. mit Absorption des Strukturelements -iet-; vgl. lett. av(iet)enes (ME I 230);
I.1.2. Suff. lett. dial. -īt- (< Suff. lett. -iet- [vgl. Rudzīte 1993: 243]) + Suff. lett. -ene, vgl. lett. dial. avitenes (LVDA 74) mit dem Wechsel -ī- < -ī- (vgl. Rudzīte 1993: 128);
I.2. suff. la. -iet- + III tipo suff. la. dial. -išk- (> -išk- [žr. anksčiau]), plg. la. dial. aviēskas, aviēškas, aviēskas2 / aviēški (LVDA 74) / aveškas (su -e- < -ie- [LVDA 73]) su -ti- absorbcija (resp. *av-ie-[ti]-škī);
I.2.1.1. su nunykusiu -k-, plg. la. dial. aviēšas, aviēšas2 / aviēši, aviēši2, avīši2 [< su -ī- < -ie- (žr. I.1.2. tipą)] [LVDA 73, 74] ← aviē-k-šas, aviē-k-šas2 / aviē-k-ši, aviē-k-ši2 [žr. I.2.1., I.2.2.1. tipus; plg. Endzelīns 1951: 224–226, 230tt.; Rudzīte 1993: 338, 354]; tiesa, Jānis Endzelīnas (1951: 389) la. avieši (masc.) sieja su lie. aviečiai (pl. masc.), t. y. suponuojama prala. *aveitjō- ‘avietė’ (masc.), nors minėtos
Straipsniai / Articles
67
Page 6
ROLANDAS KREGŽDYS
Formen mit –k- und ohne dieses Element werden nebeneinander verwendet, vgl. lett. dial. aviēkši Malta ↔ aviēši Kaunata (LVDA 73, 74); daher lässt sich vermuten, dass es zwei homophone Formen gab: lett. aviēši, das auch in älteren Schriften erwähnt wird (vgl. Aweeschi Madbeern XVI 325 [Fennell 1989: 10]), mit sekundärem suff. lett. –ietiō-, und eine dialektale Bildung mit absorbiertem –k-, resp. lett. dial. avie(k)ši (siehe Typ I.2.1.);
I.2.1.2. mit Wechsel der Strukturelemente –kš- > –ž- (zu diesem ausführlicher siehe Endzelīns 1951: 251), vgl. lett. dial. aviēžas (LVDA 74) ← aviē-kš-as (siehe Typ I.2.1.);
I.2.1.3. mit epenthetischem resp. nichtetymologischem –r-, vgl. lett. dial. aviērkšas, aviīrkšas (mit Wechsel von –ī- < –ī- < –ie- [siehe Typ I.2.1.]) (LVDA 73, 74);
I.2.2. suff. lett. –iet- (> –īt- [mit Transposition von –t- und –k- und/oder Absorption von –t-]) + suff. lett. –iskō- + suff. lett. –ene (zur Strukturierung des dreifachen Affixes siehe auch Ambrazas 1993: 184), d. h. lett. dial. āiviekštenes, àiviekštenes, àiviekštenes², àiviekštenes², àiviekštenes² / aviēkstenes, aviēkstenes, aviēkstenes, aviēkstenes², aviēkstenes / avīks-tenes, avīks tenes² // àivēkstines², àivēkstines² / aviēkstines, aviēkstines, aviēkstines² / avēkšēnes, avīkšines mit suff. –ine < –ene (siehe Endzelīns 1951: 300; siehe Typ II.1.) und Wechsel von –ie- > –ī- / –ie- > –e- sowie –šk- > –šk- (daher auch š < s [vgl. Rudzīte 1993: 291]) ← lett. dial. aviētenes u. a. / avītenes (siehe Typen I.1., I.1.2.), durch Kontamination mit Lexemen des Typs I.2.1.;
I.2.2.1. mit Strukturelement –šḳ- (< –stj- [ausführlicher siehe Endzelīns 1951: 178–179; Rudzīte 1993: 286, 308]), vgl. lett. dial. aviēkškenes (LVDA 73) ← lett. dial. aviēkstenes (siehe Typ I.2.2.) mit –kšk- nach Analogie zu lett. dial. (Gen. Pl.)? *aviek-šku (vgl. Rudzīte 1993: 309) ← lett. dial. aviēkstes, aviēkstes, aviēkstes, aviēkstes² (siehe Typ I.2.2.4.c.);
I.2.2.2. mit Absorption des Strukturelements –k-, vgl. lett. dial. àiviēstenes² / aviēstenes², aviēstenes ← lett. dial. aviē-k-stenes² (LVDA 73);
I.2.2.3. mit Absorption der Strukturelemente –k-, –t- und Wechsel der Wurzel –e- < –ie- (siehe Typ I.1.1.) oder ohne diesen Wechsel, vgl. lett. dial. avēsenes, avēsenes, avēsenes², avēsenes / avīēsenes, aviēsenes, aviēsenes², aviēsenes, aviēsenes² / aviēsenes, aviēsenes², avisenes (mit Wechsel von –ī- < –ī- < –ie-) (ME I: 232; LVDA 73, 74) ← lett. dial. av-ie-k-s-t-enes (siehe Typ I.2.2.);
I.2.2.4. mit Absorption des Strukturelements –ne-: a) Bildungen des Typs I.2.2.3., vgl. lett. dial. aviēses, aviēses², aviēses² ← lett. dial. avies-en-es (siehe Typ I.2.2.3.); b) Bildungen des Typs I.2.2.1., vgl. lett. dial. avēkšḳes (LVDA 73) mit –e- < –ie- (siehe Typ I.1.1.) ← lett. dial. aviēkšḳe-ne-s (siehe Typ I.2.2.1.); c) Bildungen des Typs I.2.2., vgl. lett. dial. àiviēkstes², àiviēkstes², àivīkstes² / aviēkstes, aviēkstes, aviēkstes, aviēkstes² (LVDA 72, 73) ← lett. dial. àiviēkst-en-es, àiviēkst-en-es² / aviēkst-en-es, aviēkst-en-es, aviēkst-en-es, aviēkst-en-es² (siehe Typ I.2.2.);
I.2.2.5. mit Absorption des Strukturelements –e-: a) Bildungen des Typs I.2.2.3., vgl. lett. dial. aviesnes² ← lett. dial. avies-e-nes (siehe Typ I.2.2.3.); b) Bildungen des Typs I.2.2., vgl. lett. dial. aviēkšnes (Apv) ↔ lett. dial. avekšenes (siehe Typ I.2.2.);
68
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Page 7
Rytų baltų fitonimo avietė (rubus) morfologinė raida ir etimologinių sąsajų problematika
S C H E M A. Verbreitung der Veränderungen der Derivationselemente und phonotaktischen Sequenzen des lettischen Phytonyms „Himbeere“
I.2.2.6. mit regressiver Dissimilation des Strukturelements -t- >-n-, vgl. lett. aviesnenes, avieksnenes (Lange 1773: 44; LVDA 74) ← lett. dial. aviès-t-enes2 ← lett. dial. avieks-t-enes (siehe auch Typ I.2.2.2);
I.2.2.7. mit Absorption der strukturellen Elemente -t- / -te-, vgl. lett. dial. àviėkšines2 (LVDA 73) ← lett. dial. àiviėks-t-ines2, àiviėks-t-ines2; lett. dial. aviėksenes, aviėksenes (LVDA ibd.) ← lett. dial. aviėks-t-enes; lett. dial. aviėksnes (LVDA ibd.) ← lett. dial. aviėks-te-nes; lett. dial. aviėksnes (LVDA ibd.) ← lett. dial. aviėks-te-nes (siehe Typ I.2.2.);
II. Bildungen mit lett. Suff. -ene, vgl. lett. ē-Stamm (dial.) avenes (fem.), aveņi (masc.) (LVDA 73) und seine Kontaminationsvarianten mit Suff. -iet- (siehe oben):
II.1. mit Wechsel des Suff. -ene > -ine, vgl. lett. dial. avines (LVDA 74; siehe Typ I.2.2.);
III. Bildungen mit Suff. -iškē (zu lett. Suff. -iškō-, -iški̇̄ō- [< *-iškjō-] siehe auch Ambrazas 2000: 183), vgl. lett. dial. aviškas (mit -šk- < -šḳ- [ME I 232]), aviškes, aviškas (LVDA 74); die Annahme, dass diese Formen aus lett. dial. aviėškas, aviėškas, aviėškas2 / aviėški (siehe Typ I.2.) abgeleitet werden könnten bzw. die Sequenz av-ī-škas ← *av-ī-škas ← *av-ie-škas vorauszusetzen, ist offenbar aufgrund der Beispiele des Typs III.1. nicht möglich:
III.1. mit Wechsel des lett. dial. Suff. -išk- > -ušk- (dialektales Merkmal der Hochlettischen [siehe Endzelīns 1951: 366]), vgl. lett. dial. avuoškas (LVDA 74), d. h. -ū-šk- > -ū-šk- (ursprüngliche Dehnung, charakteristisch für die Mundarten Latgales [siehe Breidaks I 371, II 243])
Straipsniai / Articles
69
Page 8
ROLANDAS KREGŽDYS
> -uo-šk- (vgl. Breidaks II 325);
III.1.1. mit lett. Suff. -ene, vgl. lett. dial. auuoškenes (LVDA 74);
III.1.2. mit Absorption des strukturellen Elements -k-, vgl. lett. dial. avuoši (masc.) bzw. Awohschi (Depkin 1704 I: 89) ↔ lett. dial. avuõš-k-as (fem.) (siehe Typ III.1.);
III.2. mit Absorption des strukturellen Elements -i-, vgl. lett. dial. aûškenes (← *av-i-šḳ- + lett. Suff. -ene [ME I 230; LVDA 72]);
III.2.1. mit epenthetischem -k-, vgl. lett. dial. aûkškenes (LVDA 73) ← lett. dial. aûškenes (dies ist ein ungewöhnlicher Wandel, da für die hochlettischen Mundarten eine Tendenz zum Schwund des ersten oder zweiten -kšk--Elements -k- charakteristisch ist [siehe Rudzīte 1993: 336]);
III.2.2. mit Metathese von -šk- (< -šk- [siehe oben]) > -kš-, vgl. lett. dial. aûkškenes (LVDA 73) ← lett. dial. aû-šk-enes (siehe Typ III.2.);
III.2.3. mit Absorption von -k-, vgl. lett. dial. aušenes (ME I 230) ← lett. dial. aû-k-šenes (siehe Typ III.2.1.).
Die Annahme, dass die Bezeichnungen des Phytonyms „Himbeere“ mit der Wurzel aiv- in lettischen Mundarten Innovationen sind bzw. als Reflexe eines epenthetischen (nicht etymologischen) -i- zu deuten sind (vgl. lit. dial. mé-i-linkas 1 ‚Müller‘ ↔ lit. mėlninkas [–nykas] 1 [< weißruss. мельник ‚dasselbe‘] ‚dasselbe‘ usw. [LKŽe]; lit. dial. Top. A-i-riógala ↔ lit. Top. Ariógala ‚Name eines Städtchens im Rajon Raseiniai‘ [Būga III 333; Zinkevičius 1966: 136; Kabašinskaitė 1998: 33–34]) ist nicht nur wegen der erwähnten positionsbedingten Beschränkung dieses phonetischen Phänomens auszuschließen (-i- wird in litauischen ebenso wie in lettischen Dialektwörtern zwischen einem Vokal und einem Nasal- oder Liquidenkonsonanten eingeschoben [siehe Zinkevičius ibd.; Endzelīns 1951: 152–153]), sondern auch wegen der äußerst geringen geographischen Verbreitung. In lettischen Dialekten sind Formen mit der Wurzel aiv- in zahlreichen Mundarten Vidzemes und Latgales belegt (siehe LVDA 72–73). Daher sollte man wohl nicht an ihrer Historizität zweifeln.
Endzelīnas (1961: 7), mėgindamas nustatyti toponimų ir hidronimų la. aivieks-ta vs. Sāviena, àiviekste² vs., up. Meirāni, eivieksts up. Līvāni (pastarojo ei- < ai- resp. /ai/ su palataliniu elementu į [apie tokį kitimą plačiau žr. DI III1 534; Rudzīte 1993: 241]) kilmę, rekonstruoja prolytę *vai-viekst- ir abejodamas jos pirminę formą nurodo la. viēksta ‘gili upės vieta’ (ME IV 654–655). Tokiu spėjimu, žinoma, galima būtų tikėti be išlygų, jei juo būtų įvardijami tik hidronimai, bet tik toponimas (resp. be vandenvardinio alternanto) la. aivieksta vs. Sāviena gali reflektuoti ir la. dial. àiviekstes2 ‘avietės’ Vīpe (šias šnektas skiria tik Mednių tarminis plotas). Vadinasi, minėtų latvių vandenvardžių denotatas gali būti *‘avietėmis apaugusi, užžėlusi vieta’ (jos dažnai veši upių šlaituose), plg. lie. Avietinė mėš. / b., Avietinė grv., Avietynė mėš. / b. ir kt., kildinamus iš lie. avietė, avietė (LVŽ I 242–243). Jei toks spėjimas teisingas, Endzelīno rekonstruota lytis *vai-viekst- suponuotų pradžios v- aferėzę (apie šį fenomeną plačiau žr. Vanagas 1981: 379).
70
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Page 9
Rytų baltų fitonimo avietė (rubus) morfologinė raida ir etimologinių sąsajų problematika
2. ETYMOLOGISCHE ENTWICKLUNG DES OSTBALTISCHEN PHITONYMS RUBUS
Auf Grundlage der in der Einleitung und im ersten Unterabschnitt dargelegten Argumente lässt sich vorsichtig vermuten, dass lit. avietė, avietė̃, lett. dial. avietes usw. (siehe oben) nicht mit dem s e m a n t i s c h d i f f e r e n z i e r e n d e n Zoonym lit. avis, lett. avs, sondern mit Phytonymen verbunden sind: lit. vaivóras 1 „(bot.) Rauschbeere (Vaccinium uliginasum); ihre Beere; Heidelbeere (Vaccinium myrtillus); Krähenbeere (Empatr um nigrum); Borretsch (Borrago officinalis)“ / vaivóras 1 „(bot.) Rauschbeere (Vaccinium uliginasum); ihre Beere“ (LKŽe); lett. vàivari², vaîvari², vaīvariņi, vàivariņi, vaivariņas usw. „Sumpfporst (Ledum)“ (ME IV 444–445), gebildet von derselben Wurzel (v)aiv- / (v)av- mit dem Suffix lit. -ora- (dazu ausführlicher Skardžius I 307; vgl. LEŽ 714) und dem Suffix lett. -ar- (dazu siehe Endzelīns 1951: 339).
Tatsächlich werden die bisher genannten Phytonyme traditionell den reduplikativen Bildungen zugerechnet (Būga II 323; Skardžius I 24; Endzelīns 1951: 265; Buivydienė 2006: 333), deren Bildung durch eine etymologische Verbindung mit lit. vaivórykštis 1, vaivorykštis 1 „buntes, bogenförmiges Band, das durch die Brechung der Sonnenstrahlen in Regentropfen entsteht, Regenbogen“ usw. (LKŽe) begründet wird; dieses wird entweder aus balt. dial. *vār- / *ver- „hellblau, blau“ abgeleitet oder aus einer indogermanischen Verbform mit ganz anderer Konnotation (s. unten); vgl. lit. voverykštis 1 „Regenbogen“ (LKŽe; Būga II 323; Skardžius I 373, 404).
Die Rekonstruktion der Formen *vār- / *ver- wurde von Endzelīns zu Recht kritisiert (DI III¹ 495–496; s. auch LEŽDB), der geltend machte, dass der Vokalwechsel ā ↔ e schwer nachzuweisen sei. Daher führt er die Herkunft der genannten litauischen Bezeichnungen für „Heidelbeere (Vaccinium uliginosum) bzw. Rauschbeere“ und der lettischen Bezeichnung „Sumpfporst“ auf eine angeblich diesen Pflanzen gemeinsame funktionale Eigenschaft bzw. die Auslösung von Schwindel zurück; das heißt, er setzt eine reduplizierte Form lett. *vavar- an und vergleicht sie mit tschech. uráv orati „schwanken, taumeln“ < und idg. *u̯er- „drehen, biegen“ (s. auch DI III¹ 494–496; LEW 1185; LEV II 486; Laumane 2005: 236). Leider ist auch diese Erklärung fragwürdig, denn die funktionale Konnotation der Heidelbeeren ist nicht durch die berauschende Eigenschaft dieser Pflanze (bzw. das Taumeln nach übermäßigem Verzehr) bestimmt, sondern durch die Farbe ihrer Beeren; vgl. Muno ranka lig tiek mėlena kaip tik vaivóras Varn; Mėlynos akys kaip vaivorai linksmai blizgėjo Žem (LKŽe; s. v. vaivóras). Die Bezeichnung „Rauschbeere“ ist gleichermaßen durch dieselbe Assoziation – „blaue Beere“ – motiviert, denn das Gesicht trinkender Menschen ist geschwollen und bläulich verfärbt; vgl. Pamėlen uo(ja) (girtuokliai) kaip vaivórai i miršta Rdn (LKŽe; s. v. vaivóras). Aufgrund dieser assoziativen Konnotation und des gemeinsamen Standorts von Heidelbeeren und Sumpfporst hat sich offenbar auch die Bedeutung von lett. vàivari², vaîvari² „Sumpfporst“ (← *„Heidelbeere / Rauschbeere“) gewandelt; vgl. Vaivóru daug užvalg yk, būsi kaip girtas KIp ← Nu vaivórų vien nepasigersi, kad gailių nebūs arti Trg; Vaivórai yra aptraukti (apsukti) su gailiais Rsn (LKŽe; s. v. vaivóras).
Tatsächlich ist Būgas (RR II 322) Versuch, lit. vaivóras mit lit. vaivorykštis in Verbindung zu bringen, offenbar völlig zutreffend. Der Urheber der Hypothese jedoch, nachdem er die Historizität des Adj. lit. widerlegt hatte,
Straipsniai / Articles
71
Page 10
ROLANDAS KREGŽDYS
vaĩvas, -à 4 ‘šviesus’, adv. lie. vaivai ‘šviesiai’ (LKŽe) istoriškumą resp. suponavęs jo dirbtinio žodžio statusą, neatsižvelgė į galimą trumpinio7 (suformuotą pagal h i p o k o r i s t i k ų d a r y b o s m o d e l i u s8 [dar žr. 7 išn.]) asociatyvo vartoseną, t. y. lie. vaivorykštis, -ė suponuoto trumpinio adj. lie. *vaivas reikšme *‘spalvingas; toks kaip vaivorykštė’ egzistavimą, plg. subst. lie. vovorākis, -ė 2 (smob.) ‘kas žydrų akių’ NdŽ, N, [K], KŽ (LKŽe).
Eine solche Annahme ist angesichts des Mangels an Verwandten der von Būga (ebd.) rekonstruierten balt. dial. Formen *vār- / *ver- „hellblau, blau“ in anderen indogermanischen Sprachen und der bislang wenig überzeugenden Etymologie von lit. vaivorykštis / vaivórykštė möglich, die auf ausdruckshafter Onomatopoesie beruht (ausführlicher dazu s. Bopp 2009: 676, 730; Gamkrelidze, Ivanov I 224, II: 800; s. auch IEW 759; PEŽ III 194), die etiologisch mit der Ausdrucksweise des indogermanischen Plurals in Verbindung gebracht wird (Gamkrelidze, Ivanov I 265) und im Gegensatz zur empirischen Onomatopoesie („visual onomatopoeia“ [Gamkrelidze, Ivanov I 224, 225; s. auch Masica 1991: 78]) steht, die auf der Nachahmung von Lauten und Bewegungen sowie auf Reduplikation beruht9. Wie bereits erwähnt (s. oben), führen Būga (RR II 323), der die Hypothese eines reduplikativen Modells vorgeschlagen hatte, und Endzelīns (ME IV 484; DI III¹ 494–496), der ihm zustimmte, subst. lit. voverýkštis 1 (m.) „buntes, bogenförmiges Band, das durch die Brechung der Sonnenstrahlen in Regentropfen entsteht, Regenbogen“ K. Būg, LV IV 483, FrnW, NdŽ, KŽ, LKA I 181 (Krtv) an, das zunächst mit subst. lit. vоверýkštė 1 (f.) LKA I 181 (Skd, Žd, Akm, Vgr, Lk), Ms, Brs, vóverykštė 1 „dasselbe“ LKA I 181 (Krn), Sut, PnmŽ (LKŽe) zu vergleichen ist. Neben diesen Lexemen nennt Būga (ebd.) auch subst. lit. vuovóras 1 (m.) „Rauschbeere (Vaccinium uliginasum); ihre Beere“ K. Būg, LV IV 512, FrnW, NdŽ, KŽ, N (Rg), [K], Mit II 135 (Prk) (LKŽe) als eines der unumstößlichen Beispiele für partielle Reduplikation. Einer solchen Erklärung könnte man Glauben schenken, wenn ihre Urheber die Herkunft des Reduplikanten vai- gemäß ihrer Hypothese erklärt und die strukturellen Merkmale von subst. lit. vovārykštė 1 (f.) „Regenbogen“ LKA I 181 (Bt), subst. voverýkštė 1 (f.) LKA I 181 (Skd, Žd, Akm, Vgr, Lk), Ms, Brs, vóverykštė 1 „dasselbe“ LKA I 181 (Krn), Sut, PnmŽ sowie subst. lit. varvórykštė 1 (f.) „dasselbe“ K. Būg (Btrm), NdŽ, KŽ (LKŽe) erläutert hätten.
7 Vgl. subst. lit. kiaũliabudė 1 „Wolliger Milchling (Lactarius trivialis); Birken-Reizker (Lactarius turpis); Schwärzender Täubling (Russula adusta)“ (LKŽe) ↔ subst. lit. kiaũlė 2 „weißer, dem Täubling ähnlicher, aber größerer und dickerer Pilz; kiauliabudė“ (LKŽe; ZtŽ 289; ZŠT II: 213); subst. lit. meškāgrybis 1 (m.) „ein solcher Pilz“ ↔ subst. lit. meškā 4 (f.) „ein solcher minderwertiger brauner Pilz“; subst. lit. tramāžolė 1 (f.) „(bot.) mehrjährige Heilpflanze aus der Familie der Lippenblütler (Glechoma)“ ↔ subst. lit. trāmas 4 (m.) „dasselbe“; subst. lit. treĩniažolė 1 (f.) „(bot.) Sauergras aus der Familie der Riedgräser, das an feuchten Standorten wächst (Carex panicea)“ ↔ subst. lit. treinys 4 (m.), treĩnis 2 „dasselbe“; subst. lit. vilkalapis 1 (m.) „Klette; ihre Blüte“ ↔ subst. lit. vìlkas 4 (m.) „(bot.) Klettenfrucht (Arctium)“ (LKŽe) und viele andere.
8 Apie juos žr. Kuryłowicz 1987: 213tt.; Szpyra-Kozłowska 2000: 59tt.
9 S. auch Brugmann 1895: 10–24; Gamkrelidze, Ivanov I 21, 23, 37, 87, 189–191, 260, II 441, 453, 459, 622; Beekes II 967; IEW 1166; PEŽ IV 234.
72
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Page 11
Rytų baltų fitonimo avietė (rubus) morfologinė raida ir etimologinių sąsajų problematika
Vorsichtig lässt sich vermuten, dass die von den genannten Forschern als Primärformen bezeichneten Formen tatsächlich spätere Umgestaltungen sind, die auf assimilatorische lautliche Veränderungsprozesse in den Mundarten zurückgehen, d. h.: 1) Subst. lit. vovó̄ras Rg ← lit. vaivóras (mit -ai- > *-a- > -o- infolge der für die Mundart von Ragainė charakteristischen Monophthongierung von Diphthongen [darunter auch ai] [ausführlicher siehe Zinkevičius 1966: 91, 2006: 187; Grinaveckis 1973: 221; ferner siehe Kregždys 2012: 39, 41–42]); 2) Subst. lit. vovėrykštė / vóverykštė (mit -e- < -a- infolge regressiver Assimilation oder Vokalharmonie) ← vovārykštė (mit -a- < -ai- bzw. Monophthongierung des Diphthongs infolge Vokalharmonie [vgl. lit. dial. v-ei-vor-ý-kšt-ė (zu dieser Form siehe weiter unten)], bedingt durch strukturellen Wechsel) ← *vovairykštė (mit Metathese von -ai- und -o-) ← vaivórykštė; 3) Subst. lit. varvórykštė ← vaivórykštė (mit assimilatorischem Wechsel des Frikativs /ž/ und des Sonoranten r). Folglich lässt sich schließen, dass die erste Silbe der Primärform, die eine blaue Beere und den Regenbogen bezeichnet, einen Diphthong und keinen Monophthong reflektiert.
Trotz der wohlbekannten Tatsache, dass die Struktur reduplizierter Wortteile häufig variiert (ausführlicher siehe Bopp 2009: 657, 672), wäre die Annahme, dass ein Reduplikant mit komplexerer (in diesem Fall dreimoriger) Struktur eine gewöhnliche (in diesem Fall zweimorige) Wurzelsilbe voraussetzt, offenbar falsch; denn nach Franz Bopp (2009: 672) ist für die baltischen und slawischen Sprachen eine triviale Reduplikation charakteristisch (vorausgesetzt durch die etymologischen Prinzipien dieses Typs [Bopp 2009: 674, 684, 716, 756, 767, 775; Kuryłowicz 1964: 70–71; Masica 1991: 79–80; Mallory, Adams 2006: 65]), nicht aber eine durch innovative Elemente erweiterte (oder lautliche Veränderungen reflektierende) reduplizierte Silbe.
Die von Būga (RR III: 323) vorgeschlagene (ihm folgen Pranas Skardžius [RR I 373], Fraenkel [LEW 1185] und Smoczyński [LEŽ 714]) morphologische Zerlegung dieser Formen in vaivór- und das Suffix lit. -ykštis ist aus semantischen Gründen kaum plausibel, denn am Himmel sieht niemand vaivorai; der Referent ist auch nicht lit. vaivóras ‘Rauschbeere (Vaccinium uliginasum)’, wie Būga (ebd.) zu erklären versucht. Daher ist die Herkunft von lit. vaivórykštė 1, vaivorykštė 1 ‘buntes, bogenförmiges Band, das entsteht, wenn Sonnenstrahlen in Regentropfen gebrochen werden, Regenbogen; leuchtender Ring um Sonne oder Mond; Schwade, die noch nicht gebunden wurde’ (LKŽe) bzw. lett. varavīksna, var(a)-vīksne, varavīksna u. a. ‘Regenbogen u. a.’ (ME IV 483–484) bis heute ungeklärt.
Vorsichtig lässt sich vermuten, dass das im Gebiet der nordžemaitischen Kretingaer Mundart belegte lit. dial. Regenbogen ‚ebd.‘ Endriejavas (mit -ei- < -ie- [siehe Zinkevičius 1966: 84]) die archaischste Struktur der Wurzel *vaiv- widerspiegelt, d. h., dass entgegen der vorherrschenden Ansicht über die Herkunft einer denominativen oder verbalen Ableitung mit dem Suff. -ykštė (siehe oben) lit. *viev- (> lit. dial. veiv-) offenbar ein Tatpuruṣa-Kompositum lit. *viev-a-riš-ka- (-i̯ō-) / *veiv-a-riška- (-i̯ō-) (→ *vaiv-a-riška- [-i̯ō-] ‚Farbenpracht / Helligkeit des Himmels‘ mit regressivem Wandel der Strukturelemente -ei-…-a-…-a- > -ai-…-a-…-a- sowie assimilatorischer Wirkung der beiden Verschlusslaute v…r des Stammes auf den Verschlusslaut d, d. h.,
Straipsniai / Articles
73
Page 12
ROLANDAS KREGŽDYS
d-…-v-…-r- → v-…-v-…-r-) ← lit. *diev-a-rišk- ‘Farbenpracht, Helligkeit des Himmels’ < balt. *deivas ‘Himmel; Gott’ (> lit. dievas 4 ‘[myth.] eines der höchsten Wesen mit Macht über Mensch und Natur’ u. a. [LKŽe] / lett. diēvs ‘Himmel; Gott’ [ME I 485–486; ferner siehe PEŽ I 192; Anttila 1969: 120] + Subst. lit. ryškis 2 ‘Helligkeit, Leuchtkraft’ ↔ Adj. lit. ryškùs, -ì 4 ‘sehr deutlich, prägnant, gut erkennbar; von auffälliger Farbe, leuchtend u. a.’ [LKŽe]) mit epenthetischem -t- infolge Kontamination mit lit. rýkš-t-ė 1 ‘reflektierender Streifen’, vgl. die Syntagmen: lit. dangaũs rýkštė ‘Regenbogen’, Diēvo rýkštė ‘ebd.’ Pn (LKŽe), lett. dieva rīkste ‘ebd.’ (Laumane 2005: 239; ferner siehe Непокупный 1976: 65).
Lett. varavīksna, var(a)vīksne, varavīksna u. a. ‘Regenbogen u. a.’, deren Bildung Būga (RR II 323) völlig unklar war, leitet Karulis (LEV II 486) auf Grundlage von Endzelīns Vermutung, die sich auf Būgas Hypothese stützt (Būga II 323; ME IV 484; DI III¹ 494–496), vom Reduplikanten *vavar- ‘? Drehung, Krümmung’ + lett. riksna ‘Band’ her (→? riksna ‘Regenbogen’ [ME III 525] ← lett. driksna, driksna ‘ebd.’ [ME I 499, 500; ferner siehe Laumane 2005: 248] ~ lit. dial. drignė 2, drignė 4 ‘heller Ring um Mond oder Sonne; Regenbogen’ [LKŽe] – eine assoziative Verbindung, die auf das Verb idg. *der- ‘reißen’ zurückgeführt wird [ME I 500; LEV I 230]), reflektiert offenbar dieselbe Wurzel *vaiv-a- + Subst. lett. rīksna ‘Band’ → lett. *vaiv-a-rīksna ‘Himmelsband’ → lett. *vai-r-a-v-ī-ksna ‘ebd.’ (mit Metathese v…r > r…v [ME ebd.]) → lett. *va-r-a-vīksna ‘ebd.’ → lett. va-r-avīksna / va-r-avīksna ‘ebd.’ (mit sekundärem r̄, vorausgesetzt durch die volksetymologische Verbindung mit lett. varš ‘Kupfer’ [ME IV 484; DI III¹ 494; LEV II 486; Laumane 2005: 235–236]).
Die Rekonstruktion der Kurzform adj. ostbalt. *vaiv- / *vav- ‚blau, rot‘ (siehe unten) lässt sich auch durch die Herkunft von lit. dial. vaivōras ‚Heidelbeere‘ begründen, dessen -a- bzw. -an- (vgl. lit. wanvoras ‚ebd.‘ [Būga II 323]) eine Kurzform *vanu- sein kann, die durch lit. v-an-garykštė 1 ‚Regenbogen‘ / v-an-garykštis ‚ebd.‘ (LKŽe) nahegelegt wird und infolge einer Kontamination (bzw. Volksetymologie) mit lit. Biegung 1 ‚bogenförmige Richtungsänderung, Wendung, Krümmung; gekrümmte Linie, Biegung usw.‘ (LKŽe) sowie des regressiven Wandels -in-…-a- > -an-…-a- entstanden ist, als Reflex.
Somit könnte lit. vaivōras nicht als ursprüngliche Derivationsbasis von lit. vaivorykštis / vaivorykštė in dieser Hinsicht behandelt werden (siehe Būga ebd.); vielmehr lässt sich aufgrund des Denotats des Referenten ‘Regenbogen’, „ein vielfarbiger Bogen, dessen Außenseite rot und dessen Innenseite violett ist (dazwischen liegen die übrigen Spektralfarben)“¹⁰ (LTE XII 10; ferner siehe LE XXXII 508), eine retrograde Folge ansetzen: vaiv-(o)-(rykštis, -ė) ‘regenbogenartig bzw. rot oder violett’ → vaiv-oras ‘ebd.’ u. a.
10 Vgl. Formen mit koloristischer Konnotation: lett. dial. varuotne ‘Regenbogen’ (ME IV 484) ↔ Verb lett. varuot ‘in Kupferfarben glänzen’ (EH II 759; Laumane 2005: 247), lett. dial. raudava ‘ebd.’ (ME III 482) ↔ Adj. lett. rauds ‘(dunkel)rot; hellbraun’ (ME III 483; Laumane ebd.).
74
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Page 13
Rytų baltų fitonimo avietė (rubus) morfologinė raida ir etimologinių sąsajų problematika
An die Kürzung *vaiv- wurden im Litauischen und Lettischen verschiedene Affixe angefügt (siehe oben), wodurch die hier erörterten Pflanzennamen gebildet wurden. Außerdem entstanden aufgrund volksetymologischer und assimilatorischer Prozesse (siehe auch Buivydienė 2006: 334ff.) zahlreiche phonetische Varianten: vaiv- / vanv- / varu- / vav-.
3. ZUSAMMENFASSUNG
Auf Grundlage der in den Abschnitten 1 und 2 dargelegten Argumente lässt sich vorsichtig vermuten, dass lit. avietė, avietė̃ bzw. lett. dial. aviētes auf Kürzungen des Adjektivs ostbalt. *(v)vaiv- / *(v)vav- ‚von solchen Farben wie der Regenbogen bzw. rot/blau‘ + ostbalt. Suffix -eitē (mit possessiver Konnotation [siehe Skardžius I 360], obwohl Endzelīnas [1951: 389] es als diminutivisch interpretiert) zurückgehen, wobei eine Aphärese des anlautenden v- eingetreten ist (vgl. den Schwund des ersten v- vor dem Schwund von -ie- in lit. Ortsnamen Viēvis ↔ Jewie [siehe Vanagas 1981: 379]). Falls diese Herkunftserklärung für lit. avietė, avietė̃ bzw. lett. dial. aviētes zutrifft, unterscheidet sich der Referent dieser Lexeme, „rote Beere“, de origine von der semantischen Extension der Zoonyme lit. avis, lett. avs.
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Es lassen sich drei Hauptbildungsmuster des Pflanzennamens „Himbeere“ in der lettischen Standardsprache und ihren Dialekten unterscheiden, der durch besonders ausgeprägte phonologische und morphologische Veränderungen gekennzeichnet ist und auf den Wurzeln lett. av- / aiv- beruht: a) Bildungen mit dem Suffix lett. -iet- (-iet- / dial. -īt- + a1. -ene, a2. dial. -išk-, a3. -iskō- + -ene); b) Bildungen mit dem Suffix lett. -ene; c) Bildungen mit dem Suffix -iškē (+ lett. -ene).
2. Lit. avietė, avietė̃, lett. dial. aviētes und andere sind etymologisch mit den Pflanzennamen lit. vaivóras ‚Rauschbeere (Vaccinium uliginasum); ihre Beere; Heidelbeere (Vaccinium myrtillus); Krähenbeere (Empatr um nigrum); Echter Borretsch (Borrago officinalis)‘ / lit. vavóras 1 ‚Rauschbeere (Vaccinium uliginasum); ihre Beere‘; lett. vàivari⁽²⁾, vaivāri², vaivārini, vàivariņi, vaivariņas und andere ‚Gagelsträucher (Ledum)‘ verbunden. Sie spiegeln Kürzungen des Adjektivs ostbalt. *(v)aiv- / *(v)av- ‚*bunt; regenbogenfarben → blau, rot‘ wider, die mit den Bildungen ostbalt. -eitē // lit. Suffix -ora- / -ar versehen sind.
3. Lett. vàivari⁽²⁾, vaivāri², vaivārini, vàivariņi, vaivariņas und andere ‚Gagelsträucher (Ledum)‘ weisen einen Bedeutungswandel ‚Gagelsträucher‘ ← *‚Heidelbeere/Rauschbeere‘ auf, der durch den gleichen Vegetationsstandort dieser Pflanzen bedingt ist.
4. Die Kürzungen des Adjektivs ostbalt. *(v)aiv- / *(v)av- ‚von solchen Farben wie der Regenbogen bzw. rot/blau‘ setzen lit. vaivorykštis / vaivorykštė ‚vielfarbiges Regenbogen-
Straipsniai / Articles
75
Page 14
ROLANDAS KREGŽDYS
das, dessen Außenseite rot und Innenseite violett ist (dazwischen liegen die anderen Spektralfarben)’, lett. vaɾaūksna, vaɾ(a)ūksne, varavūksna u. a. ‘Regenbogen u. a.’.
5. Der Referent der Phytonyme lit. aviētē, avietē bzw. lett. dial. avietes „rote Beere“ ist de origine ein semantischer Erweiterungsbereich, der sich von den Zoonymen lit. avīs, lett. avs unterscheidet.
LITERATŪRA
ALEW – Altlitauisches etymologisches Wörterbuch. Projektleitung: Prof. Dr. Wolfgang Hock, Mitarbeiter: Dr. Rainer Fecht, PD Dr. Anna Helene Feulner, PD Dr. Eugen Hill, PD Dr. Christiane Schiller, PD Dr. Dagmar S. Wodtko, Fördereinrichtung: DFG, 2007–2013 (http://www2.hu-berlin.de/indogermanistik/alew.php).
Apv – Latvijas Universitātes Latviešu valodas institūta apvidvārdu kartotēka.
Beekes I–II – B e e k e s R o b e r t. Etymological Dictionary of Greek 1–2. Leiden & Boston: Brill, 2010.
Breidaks I–II – B r e i d a k s A n t o n s. Darbu izlase 1–2. Rīga: LU Latviešu valodas institūts, 2007.
Būga I–III – B ū g a K a z i m i e r a s. Rinktiniai raštai 1–3, sud. Zigmas Zinkevičius. Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 1958–1961.
DI I–IV(1–2) – Jānis Endzelīns. Darbu izlase 1–4(1–2). Rīga: Zinātne, 1971–1982.
DLKŽ5 – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, elektroninis variantas, vyr. redaktorius Stasys Keinys. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
EH I–II – E n d z e l ī n s J ā n i s, H a u z e n b e r g a E d ī t e. Papildinājumi un labojumi K. Mūlenbacha Latviešu valodas vārdnīcai 1–2. Rīgā: Kultūras fonds, 1934–1938 (sj. 1), 1938–1946 (sj. 2).
Gamkrelidze, Ivanov I–II – G a m k r e l i d z e T h o m a s V., I v a n o v V j a č e s l a v V. Indo-European and the Indo-Europeans. A Reconstruction and Historical Analysis of a Proto-Language and a Proto-Culture 1–2. Berlin & New York: Mouton de Gruyter, 1995.
IEW – P o k o r n y J u l i u s. Indogermanisches etymologisches Wörterbuch 1–2. Bern und München: A. Francke AG-Verlag, 1959–1969.
LE I–XXXVII – Lietuvių enciklopedija 1–37. Bostonas: Lietuvių enciklopedijos leidykla, 1953–1985.
LEV I–II – K a r u l i s K o n s t a n t ī n s. Latviešu etimoloģijas vārdnīca 1–2. Rīga: Avots, 1992.
LEW – F r a e n k e l E r n s t. Litauisches etymologisches Wörterbuch 1–2. Heidelberg: Van-denhoeck & Ruprecht, 1962–1965.
76
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Page 15
Rytų baltų fitonimo avietė (rubus) morfologinė raida ir etimologinių sąsajų problematika
LEŽDB – Lietuvių kalbos etimologinio žodyno duomenų bazė. Vilniaus universitetas: Baltistikos katedra. Prieiga internete: http://etimologija.baltnexus.lt/
LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas, antrasis elektroninis leidimas, red. kolegija: Gertrūda Naktinienė ir kt. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2013. Prieiga internete: www.lkz.lt.
LVDA – Bušmane Brigita, Laumane Benita, Stafecka Anna. Latviešu valodas dialektu atlants. Leksika. Darba zin. vad. B. Laumane. Rīga: Zinātne, 1999.
LVŽ I... – Lietuvių vietovardžių žodynas 1 (A–B). Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2008...
ME I–IV – K. Mūlenbacha Latviešu valodas vārdnīca 1–4, red. Jānis Endzelīns. Rīga: Izglītības ministerija (sj. 1); Kultūras fonds (sj. 2–4), 1923–1932.
PEŽ I–IV – Mažiulis Vytautas. Prūsų kalbos etimologijos žodynas 1–4. Vilnius: Mokslas (t. 1), Mokslo ir enciklopedijų leidykla (t. 2, 3), Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas (t. 4), 1988–1997.
Skardžius I–VII – Skardžius Pranas. Rinktiniai raštai 1–7, par. Albertas Rosinas. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1996–2013.
ZŠT I–II – Zietelos šnektos tekstai 1–2, sud. Aloyzas Vidugiris, Danguolė Mikulėnienė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005–2010.
Ambrazas Saulius 1993: Daiktavardžių darybos raida. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla.
Ambrazas Saulius 2000: Daiktavardžių darybos raida II. Lietuvių kalbos vardažodiniai vediniai. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Anttila Raimo 1969: Proto-Indo-European Schwebeablaut. Berkeley and Los Angeles: University of California Press.
Blažek Václav 2010: On ‘horse’ in Slavic. – Proceedings of the 21st Annual UCLA Indo-European Conference: Los Angeles, October 30th and 31st, 2009, red. S. W. Jamison, H. C. Melchert, B. Vine. Bremen: Hempen, 13–25.
Bopp Franz 2009: A Comparative Grammar of the Sanscrit, Zend, Greek, Latin, Lithuanian, Gothic, German and Sclavonic Languages (vol. 2), ed. by H. S. Wilson. Cambridge & Tokyo: Cambridge University Press.
Brugmann Karl 1895: A comparative Grammar of the Indo-Germanic Languages (vol. 4, Morphology; part 3 [verbs]). London: Kegan Paul, Trench, Trübner & Co. Ltd.
Straipsniai / Articles
77
Page 16
ROLANDAS KREGŽDYS
Buivy dienė Rūta 2006: Dėl keleto ret esnių liaudinių vaivorykštės pavadinimų. – Baltistica 41(2), 333–337.
Endzelīns Jānis 1951: Latviešu valodas gramatika. Rīga: Latvijas valsts izdevniecība.
Endzelīns Jānis 1961: Latvijas PSR vietvārdi. I daļa. 2 sējums (K–Ō). Rīga: Latvijas PSR zinātņu akadēmijas izdevniecība.
Fennell Trevor Garth 1989: A Latvian-German Revision of G. Mancelius’ «Phraseologia Lettica» (1638). Melbourne: Latvian Tertiary Committee.
Frisch J. L. 1741: Teutsch-Lateinisches Wörter-Buch Darinnen Nicht nur die ursprünglichen, nebst denen davon hergeleiteten und zusammengesetzten allgemein gebräuchlichen Wörter; Sondern auch die bey den meisten Künsten und Handwerken, bey Berg- und Saltzwerken, Fischereyen, Jagd-, Forst- und Hauß-Wesen, u.a.m. gewöhnliche teutsche Benennungen befindlich... Mit allem Fleiß viel Jahr über zusammengetragen... Nebst einem Register der Lateinischen Wörter. Berlin: Georg Olms Verlag.
Grinaveckis Vladas 1973: Žemaičių tarmių istorija. Vilnius: Mintis.
Gritėnienė Aurelia 2006: Aug alų pavadinimų motyvacija šiaurės panevėžiškių patarmėje. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
Hermodsson Lars 1990: Pflanzennamen und verschollenes Wortgut. Zur Deutung von Himbeere, Hirschbeere, Hindläufte, Hindlaub. – Studia Neophilologica 62(1). Stockholm: Routledge, 79–84.
Kabašinskaitė Birutė 1998: Lietuvių kalbos liaudies etimologija ir artimi reiškiniai. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Kluge Friedrich 2002: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24 Aufl. Bearb. von Elmar Seebold. Berlin & New York: Walter de Gruyter.
Kregždys Rolandas 2012: Baltų mitologemų etimologijos žodynas I: Kristburgo sutartis. Vilnius: Lietuvos kultūros tyrimų institutas.
Kuryłowicz Jerzy 1964: The inflectional Categories of Indo-European. Heidelberg: Carl Winter & Universitätsverlag.
Kuryłowicz Jerzy 1987: O niektórych właściwościach imion skróconych. – Studia językoznawcze. Warszawa: PWN, 213–218.
Lange 1773: Lettisch-Deutscher Theil des vollständigen Lettischen Lexici, darinnen nicht nur sämtliche Stammwörter dieser Sprache samt ihren Abstämlingen, sondern auch die seltene, nur in gewißen Gegenden gebräuchliche Wörter, zum Nachschlagen, angezeigt werden. Schloß Ober// Pahlen.
Laumane Benita 2005: Smalki līja zelta lietus. Dabas parādību nosaukumi latviešu valodā 1. Liepāja: Liepājas Pedagoģijas akadēmija.
78
Acta Linguistica Lithuanica LXIX
Page 17
Rytų baltų fitonimo avietė (rubus) morfologinė raida ir etimologinių sąsajų problematika
L o e w e R i c h a r d 1913: Germanische Pflanzennamen. Etymologische Untersuchungen über Hirschbeere, Hindebeere, Rehbockbeere und ihre Verwandten (Germanische Bibliothek, herausgegeben von W. Streitberg, II 6). Heidelberg: Winter.
M a c h e k V á c l a v 1961: Zum Wortschatz des Litauischen. Teil 2. – Zeitschrift für slavische Philologie 29(2), 345–356.
M a l l o r y J a m e s P., A d a m s D o u g l a s Q. 2006: The Oxford Introduction to Proto-Indo-European and the Proto-Indo-European World. Oxford & New York: Oxford University Press.
M a s i c a C o l i n P. 1991: The Indo-Aryan Languages. Cambridge & Sydney: Cambridge University Press.
P r o k o s c h E d u a r d 1916: [Review] Heinrich Marzell, Die Tiere in deutschen Pflanzennamen, Ein botanischer Beitrag zum deutschen Sprachschatze by Heinrich Marzell; Richard Loewe. Germanische Pflanzennamen. Etymologische Untersuchungen über Hirschbeere, Hindebeere, Rehbockbeere und ihreVerwandten. II 6 by Richard Loewe; W. Streitberg. – The Journal of English and Germanic Philology 15(2), 289–293.
R u d z ī t e M a r t a 1993: Latviešu valodas vēsturiskā fonētika. Rīga: Zvaigzne.
S z p y r a - K o z ł o w s k a J o l a n t a 2000: Słowotwórstwo bez morfemów czyli o morfologii prozodycznej i formach uciętych. – Bulletin de la société polonaise de linguistique, fasc. LVI. Kraków: Instytut Języka Polskiego PAN, 59–78.
U r b u t i s V i n c a s 1981: Baltų etimologijos etiudai. Vilnius: Mokslas.
U r b u t i s V i n c a s 1998: Lie. pāšinas ir (trm.) pašaiža – bendrasakniai sinonimai. – Baltistica 33(1), 49–57.
U r b u t i s V i n c a s 2009: Baltų etimologijos etiudai 2. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla.
V a n a g a s A l e k s a n d r a s 1981: Lietuvių hidronimų etimologinis žodynas. Vilnius: Mokslas.
V i t k a u s k a s V y t a u t a s 1994: Senųjų an (> ą), en (> ę), in (> į), un (> ų) variantai tam tikrų žodžių šaknyse ir formose. – Lietuvių kalbotyros klausimai 34, 107–111.
W o d t k o D a g m a r S., I r s l i n g e r B r i t t a, S c h n e i d e r C a r o l i n 2008: Nomina im Indogermanischen Lexikon. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.
Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1966: Lietuvių dialektologija. Vilnius: Mintis.
Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1984: Lietuvių kalbos kilmė. Lietuvių kalbos istorija 1. Vilnius: Mokslas.
Z i n k e v i č i u s Z i g m a s 1987: Iki pirmųjų raštų. Lietuvių kalbos istorija 2. Vilnius: Mokslas.
Непокупный Анатолий Павлович 1976: Балто-севернославянские языковые связи. Киев: Наукова думка.
Straipsniai / Articles
79
Page 18
ROLANDAS KREGŽDYS
East Baltic names of the raspberry (Rubus): morphological analysis, retrieval of the etymological links of the phytonym
SUMMARY
The article deals with derivation and development peculiarities of the East Baltic names of the phytonym Rubus. Etymological analysis of the apparent morphological or semantic equivalents, for example, Lith. dial. aš(v)óklė ‘currant’, Latv. dial. aitu uōgas ‘raspberries resp. berries of the sheep’, is also presented.
Due to the analysis suggested here the following conclusions are proposed:
1. 3 prime derivational models of the roots Latv. av- / aiv- meaning raspberry with outstanding multitude of structural variation are to be distinguished: a) derivatives with the suffix -iet- (–iet- / dial. –īt– + a1. –ene, a2. dial. –išk–, a3. –iskō- + –ene); b) derivatives with the suff. –ene; c) derivatives with the suff. –iškē (+ –ene).
2. Lith. aviētė, avietė, Latv. dial. aviētes et al., etymologically related to Lith. vaivóras ‘blueberry (Vaccinium uliginasum); whortleberry (Vaccinium myrtillus); heathberry (Empatrum nigrum); borage (Borrago officinalis)’ / Lith. vavóras 1 ‘blueberry (Vaccinium uliginasum)’; la. vāivari(2), vāivari², vāivariņi, vàivariņi, vaivariņas et al. ‘Labrador tea (Ledum)’, presuppose derivational model of the clipping type, i.e. adj. EastBalt. *(v)aiv- / *(v)av- ‘colourful; iridescent → blue, red’ + suff. EastBalt. –eitē // suff. Lith. –ora- / suff. Latv. –ar.
3. Semantic innovation resp. alternation of the semantemes ‘Labrador tea’ ← *‘blueberry / whortleberry’ of the Latv. vāivari(2), vāivari², vāivariņi, vàivariņi, vaivariņas et al. ‘Labrador tea (Ledum)’ is determined by the growing localization of the plants.
4. Roots of the clipping type of adj. EastBalt. *(v)aiv- / *(v)av- ‘iridescent resp. blue / red’ are to be derived from subst. Lith. vaivorýkštis / vaivórykštė ‘polychrome arc colored in red from the outside and violet from inside (with the other dyes of the spectrum between them)’, Latv. vaŗavīksna, vaŗ(a)vīksne, varavīksna et al. ‘rainbow et al.’.
5. Referent “berry of the red colour” of the plant names Lith. aviētė, avietė, Latv. dial. aviētes has nothing in common with the semantic extensional of the zoonyms Lith. avis ‘sheep’, Latv. avs ‘ditto’, which is different de origine.