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Litauische Universität für Bildungswissenschaften
Forschungsschwerpunkte: Dialektologie, Morphologie, alte Schriften.
TENDENZEN DES SUBSTANTIVISCHEN STAMMWANDELS IN TEXTEN DES 19. JAHRHUNDERTS IM OST-AUKŠTAITISCHEN DIALEKT
Tendenzen des Substantivstammwandels in Texten des 19th. Jahrhunderts im ostaukštaitischen Dialekt
ZUSAMMENFASSUNG
Der Beitrag untersucht Aspekte der Morphologie in Texten des 19. Jahrhunderts, die im ostaukštaitischen Dialekt verfasst wurden. Überblickt wird die Sprache religiöser Texte mehrerer Vertreter des damaligen Schrifttums – Mykolas Cerauskas, Laurynas Bortkevičius, Henrikas Balevičius, Mykolas Smolskis, Tadas Lichodzejauskas, Kazimieras Michnevičius-Mikėnas, Antanas Kitkevičius und Andrius Benediktas Klungys. Besonderes Augenmerk gilt Fragen der Substantivmorphologie. Der Beitrag behandelt Tendenzen des Substantivstammwandels. Es wurde festgestellt, dass viele Schwankungen der Substantivstämme auch für den heutigen ostaukštaitischen Dialekt charakteristisch sind.
SCHLÜSSELWÖRTER: 19. Jahrhundert, religiöse Texte, ostaukštaitischer Dialekt, Substantivstämme, Mischformen.
ANNOTATION
Der Artikel befasst sich mit Fragen der Morphologie in Texten des 19.th Jahrhunderts, die im ostaukschtaitischen Dialekt verfasst wurden. Er behandelt die Sprache religiöser Texte mehrerer Autoren jener Zeit – Mykolas Cerauskas, Laurynas Bortkevičius, Henrikas Balevičius, Mykolas Smolskis, Tadas Lichodzejauskas, Kazimieras Michnevičius-Mikėnas, Antanas Kitkevičius und Andrius Benediktas Klungys. Der Artikel konzentriert sich auf Fragen der Morphologie des Substantivs. Erörtert werden die Tendenzen zum Wechsel der Substantivstämme. Es wurde beobachtet
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dass der Wechsel der Substantivstämme in den meisten Fällen auch für den heutigen ostaukschtaitischen Dialekt kennzeichnend ist.
SCHLÜSSELWÖRTER: 19th. Jahrhundert, religiöse Texte, ostaukschtaitischer Dialekt, Substantivstämme, Vermischung.
Das Phänomen der Vermischung von Substantivstämmen ist nicht nur allen litauischen Dialekten, sondern auch der Standardsprache eigen. Ziel dieses Artikels ist es, die in Texten des 19. Jahrhunderts auftretenden Fälle von Schwankungen der Substantivstämme zu untersuchen, die im ostaukschtaitischen Dialekt verfasst wurden. Das Material wurde aus dem Buch von Kazimieras Michnevičius-Mikėnas Šventas Izidorius artojas (1859), dem litauischen Gesangbuch von Antanas Kitkevičius Hymny ojców świętych (1848), dem Büchlein von Andrius Benediktas Klungys Litanijos su maldomis (1842), dem Buch von Laurynas Bortkevičius Giesmės apie keturiolika stacijų (1810), den Büchlein von Mykolas Cerauskas Senas katekizmas (1803) und Kozonis padėkavonės (1803), dem Buch von Mykolas Smolskis Uovogos apie išganymą dūšios (1823), der Predigt von Tadas Lichodzejauskas Gailus atminimas (1841) sowie dem Büchlein von Henrikas Balevičius Keliavedys (1857)1 zusammengestellt. Bei der Analyse des Materials kamen beschreibende und vergleichende Methoden zum Einsatz.
STÄMME DER MASKULINEN DEKLINATION
Zum System der maskulinen Deklination gehören die produktiven und stabilen Stämme a, ia, įa sowie die weniger stabilen Stämme u, iu, die dazu neigen, in andere Stämme überzugehen und sich mit ihnen zu vermischen.
1 Zur genaueren Bestimmung der Herkunft der Autoren, das heißt, welcher konkreten ostaukschtaitischen Dialektgruppe sie zugeordnet werden können, wurden mehrere Quellen herangezogen (Biržiška 1963; Zinkevičius 1990; Vanagas 1996; LE 1954; LE 1963). Mykolas Cerauskas und Laurynas Bortkevičius stammen aus der ostaukschtaitischen Untergruppe der Panevėžys-Dialektsprecher, Henrikas Balevičius und Tadas Lichodzejauskas aus der ostaukschtaitischen Untergruppe der Utena-Dialektsprecher, Mykolas Smolskis und Antanas Kitkevičius aus der ostaukschtaitischen Untergruppe der Anykščiai-Dialektsprecher. Über den Dialekt von Kazimieras Michnevičius-Mikėnas lässt sich nur schwer Genaueres sagen. Der Hinweis von Z. Zinkevičius, dass der genannte Autor aus der Gegend von Anykščiai stamme, ist nicht eindeutig, da in der Umgebung von Anykščiai sowohl der Anykščiai-, der Utena- als auch der Širvintos-Dialekt gesprochen werden kann. Auch der Dialekt von A. B. Klungys lässt sich nicht leicht genau bestimmen, da als Geburtsort lediglich „irgendwo in der Nähe Lettlands“ angegeben wird. Als Bildungsorte wird der Kreis Alūkšta (lett. Ilūkste) genannt. Man kann lediglich vermuten, dass A. B. Klungys ein ostaukschtaitischer Sprecher des Utena-Dialekts gewesen sein könnte, denn auch heute gibt es Sprachinseln des Utena-Dialekts auf lettischem Gebiet: bei Aknīste und Subate sowie im westlichen Teil der Umgebung von Daugavpils.
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In den Texten des 19. Jahrhunderts, die im ostaukštaitischen Dialekt verfasst wurden, sind die Tendenzen zur gegenseitigen Vermischung der Maskulinstämme in Abbildung 1 dargestellt (siehe Abbildung 1).
a
a
įia
įa
įa
įia
u
įu
įu
įia
ABB. 1. Gegenseitige Vermischung der Maskulinstämme
Nicht nur unproduktive und instabile Stämme gehen leicht in stabile und produktive über, sondern es wurden auch umgekehrte Prozesse beobachtet. Bei den a-Stamm-Substantiven sapnas und dugnas sind Formen des įia-Stammes belegt: regėjos jog par sapni diedas 17₁₅ ABK; tumsiben inmes be dugnia 125₂₁ MS. Die Substantive sapnys und dugnys sind für ostaukštaitische Dialekte charakteristisch: Im Wörterbuch der litauischen Sprache (www.lkz.lt) sind beide Substantive in fast allen ostaukštaitischen Dialekten belegt. Es wurde auch ein umgekehrter Fall gefunden: świeta paleyśtuwas 40₇ MS. Die gelegentlich auftretenden u-stämmigen Instrumental-Singular-Formen von a-Stamm-Substantiven (Ju tarnum tawa 82₂ LB; buwa <...> Klabonum² tas bažniczias 19₁₈ TL) sollten durch den anhaltenden Wechsel zwischen a- und u-Stämmen erklärt werden, der für viele aukštaitische Dialekte charakteristisch ist. Nicht nur in den Dialekten, sondern auch in der Standardsprache erhalten u-Stamm-Substantive im Pluralparadigma häufig a-Stamm-Endungen, zum Beispiel: sūnai, sūnams, sūnais, turgai, turgams, turgais usw. Offenbar sind aus diesem Grund auch a-stämmige Nominativ-Singular-Formen von u-Stamm-Substantiven entstanden: da liji lietas³ 10₃ MC; žmogas⁴ unt Diewa ažmiršta 100₁₁ MS. In Texten des 19. Jahrhunderts wurden bei dem Substantiv dangus, das im Singular steht, a-stämmige Lokativ-Plural-Formen gefunden: kuris ira Danguosia 18₁₆ ABK; Ir dungúosna ataduótu 227₁₆ AK; kuris ira dangose 45₂ LB; jeygu nieturietu dunguosie ta Tiewa 15₂₃ TL. Dieses Substantiv bedeutet den Aufenthaltsort Gottes (oder der Götter), der Engel, der Heiligen und der Seelen guter Menschen nach der Vorstellung der Gläubigen, also Himmel, Paradies. Eine a-stämmige Nominativ-Plural-Form ist auch in kirchlichen Texten belegt und im Wörterbuch der litauischen Sprache verzeichnet (Tesidžiaugia dangai, ir žemė tesilinksmina brš.).
Ähnliche Prozesse sind auch zwischen den ia-, įia- und įu-Stämmen zu beobachten. Einige Substantive des įu-Stammes, die Formen des įia-Stammes angenommen haben, sind belegt. Die įia-stämmige Form amžis des Substantivs amžius (vienas umžis <...> mumis tieks 18₂₆ MS; per
2 Dieselbe Form ist in den Märchen von J. Basanavičius aufgezeichnet: Nachdem der Priester Monkevičius in Šeduva Pfarrer geworden war, kam er nach Raginėnai und segnete die Felder BsMtIII193.
3 Im Wörterbuch der litauischen Sprache (www.lkz.lt) ist nur das Adjektiv lietas in der Bedeutung ‚regnerisch‘ belegt.
4 Die a-stämmige Substantivform žmogas ist aus einem handschriftlichen ostlitauischen Wörterverzeichnis bekannt, das im Manuskriptarchiv des Instituts für Litauische Literatur und Folklore aufbewahrt wird.
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wiffą umži musu 827 MC) ist unter allen ostlitauischen Mundarten nur für die Panevėžys-Mundart charakteristisch5. Im 19. Jahrhundert könnte dieses Substantiv weiter verbreitet gewesen sein; darauf weisen die in den Werken von M. Cerauskas, M. Smolskis und T. Lichdžejauskas verwendeten Formen hin6. Eine iia-stämmige Form des Substantivs karalius iia ist nur in M. Cerauskas’ Buch belegt: ku Dowidas karalis rafza8 MC. Das Wörterbuch der litauischen Sprache führt ein Beispiel aus dem Gebiet der Utena-Mundart an: Arelis, visų paukščių karalis, visa pundavojo (d.) (Užp.). Aufgrund des ständigen Schwankens zwischen den ia, iia- und iu-Stämmen nehmen Substantive mit ia- oder iia-Stamm die Endungen der iu-Stämme an: pagal parsiergeima Įžganitojaus8 TL (vgl. Įžganitois Jezus Kristus183 TL); negale but mokitinium 7320 LB; begdami nog viena križielous 8425 MS. Dies ist besonders charakteristisch für Substantive mit dem Suffix -toj-: pamietiem Tiewu, palinksmintoi, wienatii apda-rytoi musu niedalas 1025 TL; Įžganitojau mana 2014 TL.
In den Schriften des 19. Jahrhunderts findet sich eine ia-stämmige Form jaučias (tu nie jauczias ir nie ar-klis 9511 MS). Das von Ž. Markevičienė veröffentlichte Material zeigt, dass das Substantiv jaučias auch in der Anykščiai-Mundart verwendet wird (Markevičienė 2001: 18). Belegt ist eine für die Panevėžys-Mundart charakteristische iia-stämmige Form des Substantivs kraujas iia: tikra kuna Jawa, ir Kraujj 869 LB.
STÄMME DER FEMININEN DEKLINATION
Alle drei Stämme des Systems der femininen Deklination ā, iā, ē sind recht stabil und produktiv.
In den im 19. Jahrhundert in der ostlitauischen Mundart verfassten Schriften wurden folgende Tendenzen der gegenseitigen Vermischung femininer Deklinationsstämme beobachtet (siehe Abbildung 2).
ā ↕ ē ē ↓ iā
ABB. 2. Gegenseitige Vermischung femininer Deklinationsstämme
Sehr häufig ist die wechselseitige Vermischung der ā- und ē-Stämme: iszłasidawa del ju geriausiu ganikly 1312 KMM; ing umžynų palaymę 149 MC; palaymes žmoniu iejzka 313 MC; aszmenies strielos ira asztesniey 803 MS. Die Substantive ganyklė, palai̇mė
⁵ Z. Zinkevičius dar mini keletą žemaičių tarmės punktų (Zinkevičius 1966: 255).
⁶ In T. Lichdžejauskas’ Werk werden nebeneinander zwei Formen des Substantivs amžius verwendet, nämlich Formen mit iia- und iu-Stamm; vgl.: jaunam ir stipram umži ar pacziau senutuwiey 1318 TL; niežiuri <...> niey umžiaus 1423 TL.
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Im ostaukštaitischen Sprachgebiet werden sie nicht verwendet, sind jedoch aus älteren Schriftquellen bekannt. Das Substantiv strėlė könnte seine a-Stamm-Form durch die im ostaukštaitischen Dialekt hart ausgesprochenen Verbindungen le, lė erworben haben. Das Wörterbuch der litauischen Sprache führt einen Satz von Jonas Biliūnas mit der a-Stamm-Form an (Nachdem ich zehn Schritte abgemessen hatte, blieb ich stehen, nahm den Bogen von der Schulter, spannte den Pfeil ein und begann zu zielen. J.Bil.). Auch M. Smolskis stammt ursprünglich aus Anykščiai. Z. Zinkevičius erwähnt außerdem Linkmenys, wo das Substantiv strėlė als a-Stamm-Form strėla vorkommt (Zinkevičius, 1966: 229).
In den Arbeiten vieler Autoren ist auch das derzeit im ostaukštaitischen Sprachgebiet weit verbreitete Substantiv mit iā-Stamm belegt: iā kamieno daiktavardis eilia: té éjlos Mėrgėlu stoja 239₈ AK; ajlu <...> pasatatiti pa liepam 33₂ KMM; niepastatik mani wienoy eyloy 44₉ MS.
STÄMME DES ÜBERGANGS VON DER FEMININEN ZUR MASKULINEN DEKLINATION
Bei der Untersuchung der Sprache der Schriftquellen des 19. Jahrhunderts wurde festgestellt, dass die Stämme der femininen Deklination dazu neigen, nicht nur untereinander, sondern auch mit den Stämmen der maskulinen Deklination zu verschmelzen (siehe Abbildung 3).
ā ↓ iā ↓ ē ↓ a (i)ia (i)ia
3 ABB. Mischung der Stämme der femininen Deklination mit den Stämmen der maskulinen Deklination
Die meisten Substantive schwanken zwischen ā- und a-Stämmen: pėda / pēdas⁷ (bus palayrninti piedey 10₁₅ HB; buczioł szwintus piedus 10₁₁ HB; užusżoka nietikietey pedus giwenima 14₁₅ TL; eytumem Jo pedeys 84₈ MS); pabaiga / pabaigas⁸ (pabeyguy priżadu 72₁₁ HB); żabangos / żabangai (užkludijim żabangus welnia 58₁₀ LB; żmoniu żabungus 236₁₃ AK; perk albe imaj ira kajp żab un gaj 29₂ KMM); narsa / narsas (korojj iżz nopikantos, iżz narła 3₆ MC). Einige aus den Texten von M. Smolskis ausgewählte Beispiele lassen sich wahrscheinlich nicht mit einem anderen Substantiv
⁷ Z. Zinkevičius führt das maskuline Substantiv pėdas aus zahlreichen ostaukštaitischen Belegorten an (Zinkevičius1966: 214).
⁸ Die maskuline Form ist im Wörterbuch der litauischen Sprache nur aus Jonas Bretkūnas’ Postille: Am Ende werden die Unruhen der Welt gemeinsam sein, sowohl die guten als auch die bösen BPI208 belegt.
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Stämmen sowie mit Reflexen der Mundartphonetik in der damaligen Schreibweise9: Wisus dowanus nog Diewa 31 MS (vgl. dowanom Tawi Diewas apweyzdi 129 MS)10; bedus ir wargus <...> kinczia 616 MS (vgl. bedos ir wargey 2822 MS); turi <....> giediszkus kalbus ir mislīs 2224 MS; runkus ir kojas kapotu 4611 MS; tas bedus, ligas ir suspaudimus 4926 MS; par kitu maldus ir potierius 508 MS. Dieses Phänomen lässt sich durch unmittelbar nebeneinander verwendete Formen belegen; vergleichen wir: runkus ir kojas kapotu 4611 MS und runkus, koius apkoleczija 9915 MS.
Zu erwähnen sind Fälle schwankender Stämme vom Typ īa und (i)ia. Die Substantive marios / mariai (dideli Mariey kruta 810 MC); žarija / žarijas (žarijus ugnetus jukuopſi 2224 MC) könnten das Ergebnis einer Übersetzung sein, die einfach aus einer religiösen Schrift in andere übernommen wurde, denn beispielsweise bietet das Lietuvių kalbos žodynas folgenden Satz: Žarijus ugnėtus sukuopsi ant galvos (Katechismus von 1680).
Fälle der Vermischung der Stämme ē̄ und (i)ia wurden nur zwei gefunden: arba su meliniejis unt kuna 4612 KMM; efme dulkiéys ir pelenais 124 MC).
STÄMME DER MASKULINEN → FEMININEN DEKLINATION
In den Schriften des 19. Jahrhunderts ist auch der umgekehrte Prozess belegt: Die Stämme der maskulinen Deklination neigen dazu, sich mit den Stämmen der femininen Deklination zu vermischen. Die Tendenzen dieser Vermischung sind in der Abbildung dargestellt (siehe Abbildung 4).
a ↓ a ↓ (i)ia ↓ (i)ia ↓ ā ē iā ē
ABB. 4. Vermischung der Stämme der maskulinen Deklination mit den Stämmen der femininen Deklination
Am häufigsten sind Substantive belegt, die zwischen den Stämmen (i)ia und ē schwanken, zum Beispiel: atsiartina unt Kunigu be gailestes 675 KMM; barnesų be perstogies 972 MS; warejas girditi unt czistas upeles 1314 KMM; su didely rupiesty 643 HB.
9Solche reduzierten Vokale sind für die Mundarten der Schirwintischen und südlichen Panevėžiškiai typischer (ŠT 2009: 35; RAP 2014: 29). Nach den Angaben von Ž. Markevičienė können im Grenzgebiet der Anykščiai-Mundart zu den Panevėžiškiai anstelle der kurzen a, e am Wortende klare oder leicht abgeschwächte Vokale u, i ausgesprochen werden (Markevičienė 2001: 29).
10 Ein Substantiv mit a-Stamm dowanas ist im „Lietuvių kalbos žodynas“ nur aus den Werken von B. Vilentas (16. Jahrhundert) belegt.
11 Z. Zinkevičius führt ein Substantiv dieses Stammes, barnė, aus der benachbarten Utena-Mundart an, genauer aus dem Ort Užpaliai (Zinkevičius 1966: 219).
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Weitere Fälle von Stammvermischung wurden jeweils nur einmal belegt: nu̇stume galinus nog ʃoſtos 239 LB; wienoy Leywiej12 sedietu 747 MS; kusciomis muſztas 172 LB. Die Substantive sosta und kumščia sind für die ostaukštaitischen Dialekte untypisch. Lietuvių kalbos žodynas (www.lkz.lt) führt sie aus alten Schriften oder aus dem žemaitischen Gebiet an. Da die Herausgeber der Schriften des 19. Jahrhunderts nicht in einem einheitlichen reinen Dialekt schrieben, lässt sich annehmen, dass diese Substantive aus anderen Unterdialekten übernommen worden sein könnten.
GEMISCHTE DEKLINATION
Die zur gemischten Deklination gehörenden Stämme i und C sind am instabilsten und neigen dazu, in die starken Stämme der maskulinen oder femininen Deklination überzugehen. Die in den Schriften des 19. Jahrhunderts beobachteten Tendenzen zur Vermischung der Stämme der gemischten Deklination sind in der Abbildung dargestellt (siehe Abbildung 5).
im ↓ | if ↓ | if ↓ | if ↓ | if ↓ | Cm ↓ | Cm ↓ | Cf ↓; iā | i̇ā | ē | ā | (i)i̇a | im | (i)i̇a | if
5 Abb. Tendenzen zur Vermischung der Stämme der gemischten Deklination
Es sind zahlreiche Substantive mit i-Stamm belegt, die Formen anderer Stämme angenommen haben: širdis (szirdžiu nabażnu 109 HB; karsztu szirdžiu 5918 MS; Netiktev žinksneys, bet [zirdziu 108 LB; ir asz suspaustas szirdžiu atsilepiu 1026 TL; dekawoiu tau [zirždžia karſzcziausia 303 MC; Isz wisas szirdes sawa 43 KMM; wisu szirdžiu tikraj Jam tiki 362 KMM; atidodu szirdžiuy Tawa 11318 MS; idant futrinta szirde <...> atrasciau 1110 LB); tulžis (tilžiu <...> but girditu 709 HB; tulžiu pagirdžiau 1205 MS; su tulži, pritaise gierima 769 LB); akis (po akiu tiek swieta 145 LB; po akiu wisa świeta 4115 MS); viltis (džaugias tuo saldžiu wilcziu smertes 7116 KMM); žvėris (wiſſi žwerey lauka giartu 816 MC; Wiſſi Žwerey unt Lauka 75 MC; tuos Žwerius giariausiey yžleyka Diewas 811 MC); ugnis (nog ugnies 817 LB; dega ugniu 819 LB; ne perła-jstu tawi <...> ładeis, ugni, liggu 608 KMM; dabar <...> karsztoy ugniey 4512 MS); kandis (po tawim gules kundžios 10119 MS); dalis13 (dala pirma 71 MC; kiatwirtą dalą meatu 1024 MC); šaknis (daug runda [zakniu 1121 MC); smegenys (diega smagienos 984 MS).
12 Nach den Angaben von Z. Zikevičius ist das Substantiv laivė im Gebiet der Panevėžys-, Kupiškis- und Utena-Dialekte belegt (Zinkevičius 1966: 229).
13 Ein solches Substantiv mit i̇ā-Stamm, dalia (dalis), wurde bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts in K. Sirvydas’ Werk Punktai sakymų verwendet (Zinkevičius 1966: 247).
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Ähnliche Prozesse wirken auch auf die konsonantischen Deklinationsstämme; meist neigen sie dazu, Formen der starken Stämme der maskulinen oder femininen Deklination anzunehmen: šuo (Szunies krauju wadina 34₇ KMM; keȳp nog szunia pasiutusia 21₂₁ MS); vanduo (unt wiena undienia 55₂₉ MS; idant undieniey <...> nieuzupiltu 20₁₁ HB); piemuo (pa waldziu wiena péménia 11₂₈ ABK); mėnuo (pirmuoasias menesis pagivenima sawa, wiras ir pati, karszcziausiu <...> turi mejly 41₅ KMM; du menesej perejna 41₈ KMM); ašmuo (aszmenies strielos ira asztresniey 80₃ MS); akmuo (ażukluwa naragas ažu akmenia 34₁₁ KMM; akmenies pliszta 112₁₇ MS); ruduo (ilgais rudenia wakarajs 28₁₄ KMM); sesuo (Izydorius ir ja sužadeta, giwena kajp brolis su seseri 39₁ KMM).
Auch der umgekehrte Prozess ist zu beobachten, das heißt, starke Deklinationsstämme sind mit Substantiven des i-Stamms vermischt worden: barnis (wilßos barnis rundas 16₁₃ MC); rūpestis (Keip didžiaujia ira, to mana rupeftis 1₁₅ MC; rupefties ne turi 24₂₈ MC); žmonės (burtiniku, žmonis wilojenti 8₇ ABK); malonė (taj ira malonis 68₈ KMM; malonis Jezusą <...> kas Tawi apsakis 13₂₃ MS); krikščionis (nepradieiey but Krikščionim 32₂₀ LB).
In den Schriften des 19. Jahrhunderts wurde eine feminine Form des Substantivs žveris belegt¹⁴ (bekim ir saugokimes, kaip nog pikto žalggczia ir žweries sztrosznos 64₂₂ MS); ferner der Nominativ des konsonantischen Stamms des Substantivs geluonìs¹⁵ (gielo unt pacziu szirdi preyna 79₂₇ MS) und eine maskuline Form des i-Stamm-Substantivs avis (senas szuwa, jautrus awja sargas 16₁₄ KMM).
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Schriften des 19. Jahrhunderts spiegeln ein archaischeres Bild der Morphologie der ostaukštaitischen Mundart wider. Die belegten Fälle von Stammvermischungen bei Substantiven beruhen in erster Linie auf den Tatsachen der heimischen Mundarten der Autoren. Wie auch in der heutigen ostaukštaitischen Mundart gehen unproduktive Stämme leicht in produktive über oder nehmen deren Formen an (u → a, Cₘ → (i)ia usw.), obwohl es auch umgekehrte Fälle gibt (a → u; (i)ia → iu). Ein Wechsel der Substantivstämme ist nicht nur zwischen Substantiven desselben Genus zu beobachten (iu → ia, ā → ē), sondern auch zwischen maskulinen und femininen Substantiven (ā → a, ē → ia). Ein besonders seltener Fall findet sich in der Arbeit von K. Michnevičius-Mikėnas: senas szuwa, jautrus awja (= avio) sargas 16₁₄.
14 Im Wörterbuch der litauischen Sprache (www.lkz.lt) sind feminine Formen nur aus dem Gebiet der Südaukštaiten aufgeführt.
15 Z. Zinkevičius zufolge handelt es sich bei diesem Substantiv nicht um ein altes Konsonantenstammwort, sondern um eine spätere Bildung. Es ist in vielen ostaukštaitischen Mundarten belegt (Zinkevičius 1966: 266).
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ABKÜRZUNGEN
ABK – Andrius Benediktas Klungys
AK – Antanas Kitkevičius
HB – Henrikas Balevičius
KMM – Kazimieras Michnevičius-Mikėnas
LB – Laurynas Bortkevičius
MC – Mykolas Cerauskas
MS – Mykolas Smолskis
TL – Tadas Lichodzejauskas
LITERATŪRA
Biržiška Vaclovas 1963: Aleksandrynas: senųjų lietuvių rašytojų, rašiusių prieš 1865, biografijos, bibliografijos ir biobibliografijos 2. Čikaga: JAV LB Kultūros fondas.
LE – Lietuvių enciklopedija 2, red. Vaclovas Biržiška. Boston: Lietuvių enciklopedijos leidykla, 1954.
LE – Lietuvių enciklopedija 28, red. Jonas Grinius. Boston: Lietuvių enciklopedijos leidykla, 1963.
Markevičienė Žaneta 2001: Aukštaičių tarmių tekstai 2. Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla.
LKŽ – Lietuvių kalbos žodynas 1–20, 1941–2002. Elektroninė versija, redaktorių kolegija: Gertrūda Naktinienė (vyr. redaktorė), Jonas Paulauskas, Ritutė Petrokienė, Vytautas Vitkauskas, Jolanta Zabarskaitė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Prieiga per internetą www.lkz.lt.
RAP – rytų aukštaičiai panevėžiškiai, sud. Violeta Meiliūnaitė, Vida Marcišauskaitė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2014.
ŠT – Širvintiškių tekstai, sud. Žaneta Markevičienė, Valdimantas Markevičius, Aurimas Markevičius. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2009.
Vanagas Vytautas 1996: Lietuvos rašytojų sąvadas. Vilnius: Lietuvos rašytojų sąjungos leidykla.
Zinkevičius Zigmas 1966: Lietuvių dialektologija. Vilnius: Mintis.
Zinkevičius Zigmas 1990: Lietuvių kalbos istorija 4: Lietuvių kalba XVIII–XIX a. Vilnius: Mokslas.
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The Tendencies of Substantive Stem Alteration in 19th Century Texts Written in the Eastern Aukštaitian Dialect
S U M M A R Y
The analysis of the texts of the 19th century religious authors written in the Eastern Aukštaitian dialect (the following little-studied authors were selected for the research: Henrikas Balevičius, Laurynas Bortkevičius, Andrius Benediktas Klungys, Mykolas Cer- auskas, Antanas Kitkevičius, Tadas Lichodzejauskas, Mykolas Smोलskis and Kazimieras Michnevičius-Mikėnas) reveals the following tendencies of substantive stem alteration: ā → a (bus palayminti piedev 1015 HB; pabeyguy prižadu 7211 HB; užkludijim žabangus welnia 5810 LB); ā → ē (iszlasidawa del ju geriausiu ganikly 1312 KMM; ing umžyną palaymę 149 MC); iā → ia (dideli Mariey kruta 810 MC); ia → iā (kusciomis mufztas 172 LB); ia → ē (atsiartina unt Kunigu be gajl estes 675 KMM; barnes be perstogies 972 MS; warejas girditi unt czistas upeles 1314 KMM); a → ā (nuſtume galingus nog foſtos 239 LB); a → ia (regiejos jog par sapni diedas 1715 ABK; tumsiben innes be dugnia 12521 MS); ē → ia (arba su meliniejis unt kuna 4612 KMM); ē → iā (té éilos Mérgélu stoja 2398 AK); iu → ia (vienas umzīs <...> mumis tieks 1826 MS; ku Dowidas karalis raſza 88 MC).
The nouns of non-productive stems often acquire the forms of productive stems, for example: szirdžiu nabażnu 109 HB; tilžiu <...> but girditu 709 HB; po akiu tiek swieta 145 LB; džiaugias tuo saldžiu wilcziu smertes 7116 KMM; keep nog szunia pasiutusja 2121 MS; su pilnu wilcziu 2111 TL; pa waldziu wena pémenia 1128 ABK; unt wena undenia 5529 MS; ilgais rudenia wakarajs 2814 KMM. Opposite cases were also identified, for example: łu tarnum tawa 822 LB; pagal parsiergieima Ižganitojaus 89 TL; buwa <...> Klabonum tas bažniczias 1918 TL; aszmėnies strielos ira asztsreniey 803 MS; begdami nog wena križielous 8425 MS.
Įteikta 2015 m. balandžio 2 d.
R E G I N A R I N K A U S K I E N Ė
Lietuvos edukologijos universitetas
Taraso Ševčenkos g. 31, LT-03111 Vilnius, Lietuva
[email protected]
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