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Acta Linguistica Lituanica 2026, Bd. 94, S. 1–13 Inhaltsverzeichnis-Link / Contents link ISSN 2669–218X (elektronisch / online)

TENDENZEN DER MORPHOLOGISCHEN INTEGRATION VON SUBSTANTIVEN SLAVISCHER HERKUNFT IN K. SIRVYDAS’ PROMPTUARIUM DICTIONUM POLONICARUM, LATINARUM ET LITUANICARUM

Muster der morphologischen Integration slawischer Lehnsubstantive in K. Sirvydas’ Promptuarium dictionum Polonicarum, Latinarum et Lituanicarum

ANŽELIKA SMETONIENĖ Institut für Litauische Sprache E-Mail: [email protected] ORCID-ID: https://orcid.org/0000-0003-0352-884XForschungsgebiet: Morphologie.

https://doi.org/10.35321/all94-09

ABSTRAKT In dem Wörterbuch von Konstantinas Sirvydas aus dem Jahr 1620 Promptuarium dictionum Polonicarum, Latinarum et Lituanicarum wird die morphologische Integration der darin verwendeten slawischen Substantive in die litauische Sprache untersucht sowie der Zusammenhang zwischen den Wortausgängen und dem Genus in den slawischen Sprachen und den litauischen Stämmen, in die die Slawismen integriert wurden. Zu diesem Zweck wurden aus dem untersuchten Wörterbuch alle Wörter slawischer Herkunft ausgewählt, Hybride abgesondert sowie die Stämme und Bedeutungen der Slawismen bestimmt. In Wörterbüchern der slawischen Sprachen aus dem entsprechenden Zeitraum wurden Entsprechungen der Slawismen gesucht; durch den Vergleich der Daten des Litauischen und der slawischen Sprachen wurden im Wörterbuch von K. Sirvydas aus dem Jahr 1620 Gesetzmäßigkeiten der Integration der Slawismen in das morphologische System der litauischen Sprache festgestellt. SCHLÜSSELWÖRTER: Wörterbuch von Sirvydas, Slawismen, morphologische Integration, slawische Sprachen.

ZUSAMMENFASSUNG Der Artikel untersucht die morphologische Integration slawischer Lehnsubstantive im Wörterbuch Promptuarium dictionum Polonicarum, Latinarum et Lituanicarum (1620) von Konstantinas Sirvydas in die litauische Sprache sowie den Zusammenhang zwischen den Ausgängen und dem Genus der Wörter in den slawischen Sprachen und den litauischen Stämmen, in die die slawischen Lehnwörter integriert wurden. Zu diesem Zweck wurden alle Wörter slawischer Herkunft aus dem Wörterbuch ausgewählt, Hybride ausgeschlossen und die Stämme sowie Bedeutungen der slawischen Lehnwörter bestimmt. In Wörterbüchern der slawischen Sprachen aus dem entsprechenden Zeitraum wurden Entsprechungen der Lehnwörter gesucht; durch den Vergleich litauischer und slawischer Sprachdaten wurden die Muster der Integration slawischer Lehnwörter in das litauische morphologische System im Wörterbuch von K. Sirvydas aus dem Jahr 1620 ermittelt. SCHLÜSSELWÖRTER: Wörterbuch von Sirvydas, slawische Lehnwörter, morphologische Integration, slawische Sprachen.

EINLEITUNG Obwohl die Slawismen der litauischen Sprache bereits im 19. Jahrhundert zu erforschen begannen, widmeten spätere Arbeiten der Bestimmung der Herkunft der Slawismen und der Entsprechungen der Laute der Lehnwörter im Litauischen (Skardžius 1931; Būga 1958; Pokorny 1959; Fraenkel 1962; Palionis 1967; Urbutis 1992; 1993; Zinkevičius 2002; Smoczyński 2026) oder allgemein der Lehnlexik der alten Schriften (Lebedys 1977; Zinkevičius 1968; 1988; Siaurukienė 1987; Sabaliauskas 1990;

Copyright © 2026 Anželika Smetonienė. Herausgegeben vom Institut für Litauische Sprache. Dies ist ein Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Creative-Commons-Namensnennungslizenz verbreitet wird; diese gestattet die uneingeschränkte Nutzung, Verbreitung und Vervielfältigung in jedem Medium, sofern der ursprüngliche Autor und die Quelle angegeben werden. // Herausgegeben vom Institut für Litauische Sprache. Dieser Artikel ist frei zugänglich und wird gemäß den Bedingungen der „Creative Commons“-Namensnennungslizenz verbreitet, die eine uneingeschränkte Nutzung, Verbreitung und Vervielfältigung des Inhalts in jedem Medium gestattet, sofern der Autor und die Quelle angegeben werden. Eingegangen: / Gauta: 2025–05–14. Angenommen: / Priimta: 2026–06–12.

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Čepienė 2013; Vasiliauskienė 2022), die Integration der Substantive mit Slavismen in die litauische Sprache im Wörterbuch von K. Sirvydas Promptuarium dictum Polonicarum, Latinarum et Lituanicarum (SPr) ist bislang nur wenig untersucht worden. Insgesamt gibt es nur wenige Arbeiten zur morphologischen Integration entlehnter Substantive (Valeckienė 1967; Laučiūtė 2007; Rudzinskas 2011a; 2011b; Smetonienė 2019; 2022). Am ausführlichsten behandelte wohl Božena Vojtkevič (2010) die morphologische Integration von Slavismen. Ihrer Auffassung nach lässt sich anhand der Gebersprache erklären, warum ein Lehnwort in den einen oder anderen Stamm gelangt; diesen Gedanken fasst sie in folgendem Schema zusammen: slavisch -C → Slavismen -as (Mask.); slavisch (br.) -Č, (poln.) -C → Slavismen -is, -ius (Mask.) (Vojtkevič 2010: 248).

In den Wörterbüchern von K. Sirvydas finden sich im Vergleich zu den übrigen litauischsprachigen Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts im Großfürstentum Litauen zahlreiche „Wörter der damaligen Umgangssprache“ (Pakalka 1997: 24), denn sie unterscheiden sich durch ihre Thematik von anderen Schriften und stellen daher eine besonders wertvolle Quelle für die Erforschung des Litauischen des 17. Jahrhunderts dar. Ziel dieses Beitrags ist es festzustellen, wie die substantivischen Slavismen in SPr auf die Stämme der litauischen Sprache verteilt sind. Zu diesem Zweck wurden aus SPr alle Wörter mit entlehnter Wurzel exzerpiert und morphologisch sowie etymologisch analysiert, um Slavismen von Hybriden zu unterscheiden. Anschließend wurden die substantivischen Slavismen nach Stämmen gruppiert, damit festgestellt werden kann, welche Gesetzmäßigkeiten der Integration von Slavismen in das morphologische System des Litauischen in SPr sichtbar werden. Insgesamt wurden aus SPr 322 nicht wiederholte substantivische Slavismen exzerpiert. Nach möglichen Entsprechungen der Slavismen wurde in Wörterbüchern der slawischen Sprachen aus dem entsprechenden Zeitraum gesucht. Als Entsprechungen werden Wörter bezeichnet, die aufgrund ihrer Wurzel und Bedeutungen potenziell als Quellen des Lehnworts gelten könnten. Der Kürze halber werden neben den Wörtern nur die in SPr verwendeten Bedeutungen angegeben; es wird vermerkt, wenn sie in LKŽᵉ aufgenommen sind.

Gegenstand dieses Beitrags sind Slavismen; internationale Wörter und Hybride wurden daher ausgeklammert. Der Hauptunterschied zwischen Slavismen (d. h. Entlehnungen aus benachbarten slawischen Sprachen) und internationalen Wörtern liegt in der Quelle der Entlehnung: Als Quelle internationaler Wörter gilt die Sprache, aus der sich das Wort in den Sprachen der Welt verbreitet hat, bei Slavismen dagegen die Sprache, aus der das Wort unmittelbar übernommen wurde. Wenn beispielsweise ein deutsches Wort über das Polnische ins Litauische gelangt ist, gilt es als Polonismus, nicht als Germanismus. Hybride hingegen enthalten sowohl litauische als auch entlehnte Morpheme. In die litauische Sprache integrierte nominale Lehnwörter sind keine Hybride, da ihre Endung ausschließlich eine grammatische Funktion erfüllt (Keinys 1984: 115). Außerdem ist das Vorliegen eines Basisworts keine notwendige Voraussetzung für die Entstehung eines Hybrids (ebd.: 114). Dennoch gibt es in SPr zahlreiche Hybride; meist handelt es sich um Wörter mit entlehnter Wurzel, aber einheimischem Suffix, oder um Komposita, deren eines Glied fremder Herkunft ist. Nicht in die Analyse einbezogen wurden Wörter wie abrūšelis 163, alvenykėlis 65, karalėlius 64, karaliūnas 64, karči̇amystė 52, lojęjas 163, lȯjikas 57, mašnapjovys 161 usw.

SPR SLAVIZMŲ KAMIENAI

Damit Wörter fremder Herkunft in die litauische Sprache integriert werden können, ist nicht nur eine phonetische Substitution erforderlich. Entlehnte Nomina müssen auch in das Flexionssystem der litauischen Sprache eingegliedert und einem bestimmten Genus zugeordnet werden. Die substantivischen Slavismen in SPr verteilen sich auf neun Stämme: ō, iō, iio, ā, iā, iu, u, ī, ē. In diesem Wörterbuch von K. Sirvydas kamen auch keine Slavismen des heute unproduktiven konsonantischen Stamms vor.

ō-Stamm. Die meisten Slavismen in SPr gehören zum ō-Stamm – 134: abrazas 102 ‘Bild (gewöhnlich von Heiligen)’ LKŽᵉ; abrūšas 154 ‘Handtuch, Tuch’ LKŽᵉ; advernykas 109 ‘Türwächter’ LKŽᵉ; akrūtas 112 ‘Schiff, Dampfschiff’ LKŽᵉ; alubnykas 37 ‘Taubenschlag’; alvenykas 65 ‘Gefäß zum Händewaschen (Übergießen)’ LKŽᵉ; anūkas 195 ‘Kindeskind’ LKŽᵉ; aprašnykas 54 ‘Kaufmann’; artas 115 ‘antike Münze’ LKŽᵉ; asetras 147 ‘Stör’ LKŽᵉ; bajoras 168 ‘privilegierter Grundbesitzer, gewöhnlich mittlerer Gutsbesitzer; privilegierter Adeliger, Schlachta’ LKŽᵉ; botagas 60 ‘Viehtriebinstrument, Peitsche’ LKŽᵉ; chvoldas 30 ‘Falte’; čebatas 167 ‘langer Stiefel’ LKŽᵉ; čeraunykas 40 ‘Zauberer’ LKŽᵉ; česnakas 18 ‘Gemüse mit scharfem Geruch’ LKŽᵉ; četvergas 19 ‘Donnerstag’ LKŽᵉ; čiepas 178 ‘Zweig oder Trieb, mit dem eine andere Pflanze veredelt wird, Edelreis, Pfropfreis’ LKŽᵉ; čiobras 16 ‘duftende, kleinblütige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler’ LKŽᵉ; funtas 32 ‘Pfund’ LKŽᵉ; furmonas 32 ‘Fuhrmann, Kutscher’

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LKŽė; grabas 182 ‘Sarg; Grab’ LKŽė; grybas 40 ‘Organismus, der gewöhnlich einen Stiel und einen Hut ausbildet, Pilz’ LKŽė; griekas 158 ‘Sünde’ LKŽė; gvaltas 40 ‘Gewalt, Unterdrückung’ LKŽė; herbas 32 ‘Erkennungszeichen eines Staates, einer Stadt, eines Standes oder einer Familie, dargestellt auf Fahnen, Münzen und Siegeln’ LKŽė; heretikas 50 ‘Anhänger einer Häresie, Häretiker’ LKŽė; hetmanas 32 ‘oberster Heerführer im litauisch-polnischen Staat (16.–18. Jh.)’ LKŽė; jermėkas 35 ‘weibliches Untergewand’ LKŽė; jubileušas 81 ‘Jubilar’ LKŽė; kalpokas 59 ‘eine Filzmütze’ LKŽė; kamarnykas 59 ‘oberster Verwalter des fürstlichen Hofes; Zehnter; irgendein höherer Beamter’ LKŽė; kapeniėkas 60 ‘ein solches Obergewand’ LKŽė; kaptonas 50 ‘Winterjacke, wattierte Jacke’ LKŽė; karosas 51 ‘knochenreicher Fisch mit Schwimmblase aus der Familie der Karpfen (Cyprinidae), Karausche’ LKŽė; kauras 51 ‘Matte, Decke, Teppich’ LKŽė; kazokas 62 ‘leicht bewaffneter Reiter’ LKŽė; kažemiekas 33 ‘Ledergerber, Lederarbeiter, Lederer, Gerber’ LKŽė; kilepas 17 ‘alte Waffe – ein Beil und ein Hammer an einem langen Stiel’ LKŽė; kilupas 54 ‘Werkzeug’; klumkas 181 ‘Bündel, Last, Ballen’ LKŽė; kolytynkas 50 ‘Hersteller oder Verkäufer alter Geldbörsen’ LKŽė; koplūnas 51 ‘kastrierter Hahn’ LKŽė usw.

Bei der Übernahme eines Lehnworts aus den slawischen Sprachen und seiner Eingliederung in das litauische System bleibt sein Genus gewöhnlich erhalten (Voitkevič 2010: 248). Die Entsprechungen der meisten SPr-Slavismen mit ǫ-Stamm gehören auch in den Gebersprachen dem Maskulinum an und weisen zudem einen harten Auslaut auf, beispielsweise grabas (< alt-russ. гробъ 1. ‘Grube; Begräbnisstätte, Grab’; 2. ‘Sarg, Grabmal’ (SRJA IV 137); ruthen. гробъ 1. ‘Grabkammer, Grabmal, Grube’; 2. ‘Grabhügel, Grab’; 3. ‘Sarg’ (HSBM VII 164); poln. grob ‘Ort, an dem ein Verstorbener beigesetzt wird, Grab, Grabmal, Sarkophag, Grabstätte’ (SPol VIII 119)); levas 72 (< alt-russ. левъ, львъ ‘Löwe’ (SRJA VIII 183); ruthen. леѵъ ‘Löwe’ (HSBM XVI 316); poln. lew ‘zool. Felis leo’ (SPol XII 162)); majestotas 76 (< alt-russ. маестатъ ‘Erhabenheit, Majestät’ (SRJA IX 7); ruthen. маестать ‘Größe, Ehrwürdigkeit; Ruhm, Lob’ (HSBM XVII 216); poln. majestat ‘Würde der Herrschaft’ (SPol XIII 34)); svietas 177 (< alt-russ. свѣтъ ‘Erde, Universum, alle Länder; Welt, Weltordnung’ (SRJA XXIII 134); ruthen. светъ, свѣтъ ‘Erdkugel; Erde mit allem, was auf ihr existiert’ (HSBM XXXI 113); poln. świat ‘Erde als Aufenthaltsort der Menschen mit allem, was sich auf ihr befindet, auch das sie umgebende Universum’ (SS IX 48)); sūdas 162 (< alt-russ. судь ‘Verurteilung, Gericht’ (MSDJA III 603); ruthen. судъ ‘Gerichtsentscheidung, Urteil’ (HSBM XXXIII 51 und weitere) usw.

Im Unterschied zum Litauischen haben die slawischen Sprachen bis heute das Neutrum bewahrt; wird daher ein Substantiv dieses Genus übernommen, erhält es heute wahrscheinlich aufgrund der phonetischen Nähe der Vokale o und a die femininen Endungen des ą-Stamms (Gird­enis 2001: 385). Vor dem Leskienschen Gesetz, d. h. im 13.–14. Jahrhundert, besaß jedoch auch das Litauische ein Neutrum, und erst nach dem Wirksamwerden dieses Gesetzes gingen die zuvor entlehnten neutra der slawischen Sprachen zusammen mit den litauischen Erbwörtern in das Maskulinum über und gelangten in die ǫ-Stamm-Paradigmatik (ebd.: 385). In SPr gibt es vergleichsweise viele Substantive, die zum ǫ-Stamm gehören und deren Entsprechungen in den slawischen Sprachen dem Neutrum angehören. Diese Slavismen wurden aus ostslawischen Sprachen entlehnt: blūdas 81 ‘Schüssel; die darin enthaltene Menge’ LKŽė (< alt-russ. блюдо ‘Schüssel’ (SRJA I 247); ruthen. блюдо ‘Teller’ (HSBM II 74)); čerėslas 183 ‘Bündel, Gürtel für Geld, Geldbörse’ LKŽė (< alt-russ. чересла (Pl.) ‘Lende’ (MSDJA III 1501); ruthen. чересло ‘Ledergürtel für Geld und andere Wertsachen’ (HSBM XXXVI 36)); kodlyas 50 ‘gelbliches, wohlriechendes Harz, das gewöhnlich bei kirchlichen Zeremonien als Räucherwerk verwendet wird’ LKŽė (< alt-russ. кадило ‘wohlriechender Stoff, Weihrauch, brennender Weihrauch’ (SRJA VII 12); ruthen. кадило ‘duftender Stoff zum Räuchern während des Gottesdienstes’ (HSBM XIV 216)); krapylas 65 ‘Büschel zum Besprengen, Weihwedel’ LKŽė (< ruthen. кропило ‘Weihwedel’ (HSBM XVI 172)); rętnas 10 ‘Fleck, Zeichen’ LKŽė (< alt-russ. пятно ‘Fleck’ (SRJA XXI 98); ruthen. пятно, петно, пятмо ‘Zeichen, Makel’ (HSBM XXIX 418)); remeslas 161 ‘Handwerk’ LKŽė (< alt-russ. ремесло ‘Kunst, Geschicklichkeit, Handwerk’ (SRJA XXII 143); ruthen. ремесло ‘Beschäftigung, Beruf’ (HSBM XXX 69)); viedras 192 ‘Eimer’ LKŽė (< alt-russ. ведро ‘Eimer’ (SRJA II 49); ruthen. вядро ‘Eimer’ (HSBM III 61)); vynas 194 ‘alkoholisches Getränk aus Weintrauben,

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„verschiedene Fruchtsäfte“ LKŽe (< alt. russ. вино „вино“ (SRJA II 182); ruthenisch вино „вино“ (HSBM III 281)).

In SPr gibt es auch Entlehnungen älterer Schicht, die bereits vor dem Schwund der reduzierten Vokale in den slawischen Sprachen ins Litauische gelangten: asilas 115 „ein dem Pferd ähnliches Haustier“ LKŽe (< alt. russ. осель, осьль „осёл“ (SRJA XIII 84); pulkas 15 „Truppenteil“ LKŽe (< alt. russ. пълкъ, полк „воинское подразделение, полк“ (SRJA XVI 220)).

Unter allen Substantivslavismen des ǫ-Stamms in SPr heben sich blekai 31 „Eingeweide, Därme; daraus zubereitete Speise“ LKŽe und č́erai „Zauber“ LKŽe ab. Die Entsprechungen des Letzteren sind in den slawischen Sprachen Pluraliatantum oder werden zumindest gewöhnlich nur im Plural gebraucht: alt. russ. чары (постоянно во множ. ч.) „чародейство, колдовство“ (MSDJA III 1474), ruthenisch чары, чapu „чары, чараўніцтва, ведьмарство“ (HSBM XXXVI 279), poln. czar, czary „zjawi­sko nadprzyrodzone o charakterze demonicznym; gusła, sztuki magiczne, wróżenie“ (im Wörterbuch ist vermerkt, dass von 148 Belegen nur 1 im Singular steht) (SPol IV 6). Auch im LKŽe wird dieses Substantiv als Plurale tantum angesetzt. Beim Slavismus blekas, obwohl angegeben wird, dass der Singular im Wörterbuch von Frydrichas Kuršaitis gebraucht wird, verweist LKŽe auf den gebräuchlicheren Plural blekai. Dies ist eine Entlehnung aus dem Polnischen, dessen Entsprechung des Slavismus poln. flak „kiszka, jelito, wnętrzności, żołądek u zwierząt przežuvaj­ančių, gorszy gatunek mięsa, ochłap“ (SPol VII 77) lautet; dieses Substantiv hat im Polnischen Singular und Plural, obwohl wiederum der Plural gebräuchlicher ist. Somit werden die aus Substantiven der slawischen Sprachen hervorgegangenen Entlehnungen in SPr, die gewöhnlich im Plural gebraucht werden, ebenfalls als Pluraliatantum angesetzt.

ā-Stamm. 79 SPr-Slavismen werden dem ā-Stamm zugeordnet: abyda 150 „Unrecht, Kränkung, Beleidigung“ LKŽe; afiera 100 „Opfer“ LKŽe; akvata 104 „Verlangen, Anziehung“ LKŽe; alyva 113 „Baum und Frucht warmer Länder“ LKŽe; arielka 37 „Wodka“ LKŽe; artauga 178 „eine alte Münze, Schilling“ LKŽe; būda 67 „Zelt, Unterstand, Häuschen (eines Wächters, Hirten usw.)“ LKŽe; čėra 17 „Becher“ LKŽe; dėka 29 „Dank, Danksagung“ LKŽe; dieška 30 „Fass, Bottich“ LKŽe; farba 31 „Farbe“ LKŽe; farbatka 31 „Spitze“; fijo­lka 31 „Veilchen“ LKŽe; galka 33 „Kügelchen, Klümpchen“ LKŽe; gromata 73 „Brief; Schriftstück, Dokument“ LKŽe; juka 48 „Suppe aus dem Blut von Vögeln oder Tieren“ LKŽe; jupa 176 „langes Obergewand für Frauen (früher auch für Männer) mit Ärmeln, das über den Kopf gezogen wird; Kleid“ LKŽe; kalėda 59 „Weihnachtsgeschenk“ LKŽe; kamara 59 „Raum im Bauernhaus oder in der Scheune zur Aufbewahrung verschiedener Erzeugnisse und Gegenstände, Vorratsraum, Lager“ LKŽe; karčiama 51 „Schenke“ LKŽe; karūna 11 „metallener Kopfschmuck; Symbol der Herrschergewalt; Kranz“ LKŽe; kleka 55; klėtka 55 „Käfig, Käfigchen“ LKŽe; kolyta 50 „alte Geldbörse; Tabakbeutel“ LKŽe; kotauka 52 „Häckchen“; krota 63 „Käfigchen“ LKŽe; kurapka 68 „Wildvogel aus der Familie der Hühnervögel, Wildhuhn, Rebhuhn“ LKŽe; kurva 68 „ausschweifende Frau, Hure“ LKŽe; kvarma 31 „Form, Modell, Muster, nach dem etwas hergestellt wird“ LKŽe usw.

Unter den SPr-Slavismen des ā-Stamms gibt es wie unter denen des ǫ-Stamms solche, die aus sächlichen Substantiven der slawischen Sprachen hervorgegangen sind: futra 32 „Pelz“ LKŽe (< ruthenisch футро „выработанная шкура пушного зверя, а так сама некалькі такіх шкур, сшытых разам“ (HSBM XXXVI 42); poln. futro „wyprawiona skóra zwierzęca z włosem, błam futrzany, też odzienie podbite futrem“ (SPol VII 159)); pekla 121 „Hölle“ LKŽe (< alt. russ. пекло (SRJA XIV 186); ruthenisch пекло „пекла“ (HSBM XXIV 66); poln. piekło „równych religiach: miejsce przebywania zmarłych lub ich dusz“ (SPol XXIV 57)); stadala 38 „Gasthaus mit einem Unterstand zum Einstellen der Pferde“ LKŽe (< alt. russ. стодола „крытое гумно, сарай“ (SRJA XXVIII 72); ruthenisch стодола „заезны двор з карчмой“ (HSBM XXXII 399); poln. stodola „budynek w gospodarstwie wiejskim, służący do przechowywania nie wymłóconego zboża i słomy“ (SS VIII 446)). Diese Entlehnungen wurden erst nach Leskiens Gesetz ins Litauische übernommen und gehören daher nicht zum ǫ-, sondern zum ā-Stamm.

Zum ā-Stamm gehören in SPr nicht nur feminine Substantive, sondern auch einige maskuline, überwiegend jedoch Substantive des gemeinsamen Genus. Der Slavismus sirata 165 „Waise“ LKŽe ist im Litauischen ein Substantiv des gemeinsamen Genus; dasselbe Genus haben auch seine Entsprechungen in den slawischen Sprachen: alt. russ. сирота „ребенек, подросток, оставшийся без одного или обоих

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Eltern“ (SRJA XXIV 156); ruthenisch сипота „сірата“ (HSBM XXXI 271); poln. sirota „dziecko, które utraciło obydwoje rodziców lub jedno z nich“ (SS VIII 191). Das Substantiv vaivada 95 „Statthalter des Herrschers, Verwalter eines bestimmten Landesgebiets“ LKŽe ist maskulin, ebenso wie seine Entsprechungen in den Gebersprachen: alt. russ. воевода „лицо, представляющее высшую власть на местах“ (SRJA II 261); ruthenisch воевода „начальник города і градской акругі“ (HSBM IV 85); poln. wojewoda „początkowo urzędnik nadworny, dowódca wojska w zastępstwie panującego, z czasem wysoki urzędnik ziemski“ (SS X 279)). Wie man sieht, gilt das Prinzip, dass sich das Genus der Substantive auf ihrem Weg aus den slawischen Sprachen ins Litauische nicht verändert. Ein SPr-Wort entspricht jedoch nicht dem System: čerevyka 182 „Schuh“ LKŽe. In SPr ist es nur einmal belegt; im späteren Wörterbuch von K. Sirvydas findet sich bereits die maskuline Entlehnung čeverykas SD 448. In den ostslawischen Sprachen, aus denen diese Entlehnung stammt, sind die Entsprechungen maskulin: alt. russ. черевик „башмак, сапогъ“ (MSDJA III 1500); ruthenisch черевик „чapaвік“ (HSBM XXXVI 343). Die reguläre Entlehnung müsste maskulin sein: čerevykas.

iu-Stamm. Zu diesem Stamm gehören etwas weniger SPr-Substantivslavismen als zum ā-Stamm – 50. Es handelt sich um maskuline Wörter mit der Endung -ius oder mit der Endung -us nach dem Konsonanten j: aliejus 113 „Pflanzenfett“ LKŽe; bardišius 41 „Axt mit langem Stiel (Kriegswaffe)“ LKŽe; brylius 51 „Hut“ LKŽe; cielius 10 „Zielscheibe“ LKŽe; ciesorius 10 „Monarch, Kaiser“ LKŽe; čebatorius 177 „Schuhmacher“ LKŽe; čepčius 17 „von verheirateten Frauen früher getragene Haube“ LKŽe; činšius 18 „Abgabe an den Grundbesitzer für die Nutzung des Landes“ LKŽe; čyščius 18 „Fegefeuer“; driaučius 60 „Lanze, Lanzenspitze“ LKŽe; drukorius 26 „Drucker“ LKŽe; dvarčius 31 „kleines Gut“ LKŽe; falsierius 30 „Fälscher, Betrüger“; falsius 30 „Fehler, Mangel, Fälschung“ LKŽe; gojus 34 „kleines, schönes Wäldchen, Hain“ LKŽe; kaganijus 50 „Topf“; katlerius 57 „Hersteller, Reparateur oder Verkäufer von Kesseln“ LKŽe; kavalierius 52 „unverheirateter Mann; Mann, der um ein Mädchen wirbt“ LKŽe; kytrius 13 „listiger, gerissener Mensch“ LKŽe; kleštarius 55 „Kloster“ LKŽe; kukorius 67 „Koch“ LKŽe; kušn i erius 68 „Kürschner“ LKŽe; liktarius 177 „Leuchter“; moliarius 76 „Maler“; mečius 79 „Schwert“ LKŽe; mincorius 81 „Münzpräger“ LKŽe; morčius 77 „März“ LKŽe; mūror ius 84 „Maurer“ LKŽe; nepr i etelius 107 „Feind, Gegner; Nichtsnutz“ LKŽe; pakajus 95 „Frieden, Ruhe“ LKŽe usw.

Alle Substantive dieses Stamms sind maskulin, und bei der Entlehnung kam es meist zu keinem Genuswechsel. Für den iu-Stamm ist charakteristisch, dass ihre Entsprechungen in den ruthenischen, alt-russischen und polnischen Sprachen eine Nullendung haben (z. B. pakajus 130 „gut eingerichtetes Zimmer“ LKŽe (< alt. russ. pokой „комната, помещение“ (SRJA XVI 164); ruthenisch покой, покою „комната“ (SSM II 178); poln. pokoj „miejsce odosobnienia, ustronie“ (SPol XXVI 321)), oder einen weichen Konsonanten (z. B. karalius 64 „Herrscher- oder Monarchentitel in manchen Ländern; die diesen Titel tragende Person“ LKŽe (< alt. russ. король „король“ (SRJA VII 338); ruthenisch король „кароль, манарх“ (HSBM XVI 21)), oder ž, š, č, r (z. B. retežius 70 „Kette, Fesseln“ LKŽe (< alt. russ. ретьязь „цепь, ожерелье“ (SRJA XXII 149); ruthenisch ретьязь, ретежь „ланцуг“ (HSBM XXX 82)); mečius 79 „Schwert“ LKŽe (< alt. russ. мечь „холодное рубящее и колющее оружие“ (SRJA IX 136); ruthenisch мечь „меч“ (HSBM XVIII 22); poln. miecz „broń sieczna“ (SPol XIII 404)); altorius 113 „Altar; eine bestimmte Tafel in der Kirche, an der der Gottesdienst abgehalten wird“ LKŽe (< alt. russ. алтарь, олтарь „жертвенныйник“ (SRJA I 31); ruthenisch алтарь, олтарь, олтарь „altar“ (HSBM I 103); poln. ołtarz „miejsce składania ofiar bóstwu“ (SPol XXI 327)). Im Altslawischen waren ž, š, č, c, r ursprünglich weich und begannen im 14. Jahrhundert zu verhärten (JAM 2005: 44); daher gelangten die vor ihrer Verhärtung ins Litauische übernommenen Wörter in den iu-Stamm.

Aus dieser Wortgruppe hebt sich pečius 121 „Ofen zum Heizen eines Raumes, zum Kochen und Backen, Brotbackofen“ LKŽe ab, da seine Entsprechungen in den ostslawischen Sprachen feminin sind (alt. russ. печь „сооружение для обогрева помещения, приготовления пищи“ (SRJA XV 41); ruthenisch печь, печь „цаглянае збудаванне, дзе разводзяць агонь, каб нагрэць нам iškanne, прыгатаваць ежу“ (HSBM XXIV 291)), im Polnischen dagegen maskulin (poln. piec „urządzenie

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aus nicht brennbarem Material hergestellt, in dem eine hohe Temperatur erreicht wird’ (SPol XXIV 30)).

į̄a-Stamm. 38 Lehnwörter haben den į̄a-Stamm: adverija 128 ‘Türpfosten’ LKŽe; asilyčia 115 ‘Eselin’ LKŽe; atkonýčia 181 ‘Kopfschmuck, Band’ LKŽe; bažnyčia 61 ‘Gebetshaus (meist der Katholiken und Protestanten)’ LKŽe; čerpyčia 50 ‘Kachel zum Bau eines Ofens, Ofenkachel’ LKŽe; delija 20 ‘altertümlicher Mantel’; dronyčia 25 ‘dünnes Brett, dünnes Dachbrett, Schindel’ LKŽe; dūšia 27 ‘in Mythologie, Religion und Philosophie – das unsterbliche immaterielle Wesen des Menschen, das unabhängig vom Körper existiert, Geist; Seele’ LKŽe; grūšia 40 ‘Birnbaum’ LKŽe; herezija 50 ‘eine religiöse Lehre, die die herrschende Religion für falsch hält, Ketzerei’ LKŽe; karbija 11 ‘eine solche Trage mit Deckel zum Einfüllen von etwas’ LKŽe; kodvlynčia 50 ‘Gefäß, in dem Weihrauch verbrannt wird, Weihrauchfass’ LKŽe; koplyčia 51 ‘kleine Kirche; separater Teil einer großen Kirche oder eines anderen Gebäudes, in dem Gottesdienste abgehalten werden können’ LKŽe; kuknia 67 ‘Küche’ LKŽe; leternia 71 ‘Laterne’; malmazija 76 ‘eine bestimmte Weinsorte’; melnyčia 82 ‘Mühle’ LKŽe; mišiа 83 ‘Messe’ LKŽe usw.

Fast alle Substantive des į̄a-Stamms sind femininen Genus; ihre Entsprechungen in den slawischen Sprachen haben nach einem palatalen Stammende die Endung -a (im Ostslawischen als -я, im Polnischen -ia geschrieben), zum Beispiel drukarnia 26 ‘Druckerei’ LKŽe (< alt. Russ. друкарня ‘типография’ (SRJA IV 365); ruthen. друкарня ‘Druckerei’ (HSBM IX 86); poln. drukarnia ‘Ort, Werkstatt, wo Bücher und Drucksachen gedruckt werden’ (SPol VI 83)), nedėlia 93 ‘Woche, Sonntag’ LKŽe (< alt. Russ. недѣля ‘воскресенье’ (SRJA XI 74); ruthen. неделя ‘Sonntag’ (HSBM XX 67); poln. niedziela ‘letzter, kirchlicher Tag der Woche’ (SPol XVI 263)), skomia 175 ‘altertümlicher Tisch, Gestell’ LKŽe (< ruthen. скамья ‘Bank, Bänkchen’ (HSBM XXXI 293)), skrynia 60 ‘eine bestimmte hölzerne, mit Deckel und Füßen versehene, verzierte Kiste zur Aufbewahrung von etwas (meist Kleidung, Aussteuer)’ LKŽe (< ruthen. скрыня, скрыня ‘Truhe, Koffer’ (HSBM XXXI 388); poln. skrzynia ‘Holzkiste mit Deckel, zur Aufbewahrung von Kleidung, Bettzeug usw. dienende Truhe’ (SS VIII 261)) usw. Nur eines dieser Substantive ist maskulinen Genus – sudžia ‘Richter’ LKŽe (< alt. Russ. судья, судия ‘derjenige, der jemanden oder etwas bewertet, über jemanden oder etwas urteilt’ (SRJA XXVIII 264); ruthen. судия, судиа, судія, судія, судья ‘Richter’ (SSM II 398). Bei diesem Substantiv führte die Endung -я in der ostslawischen Sprache dazu, dass es im Litauischen in den phonetisch ähnlichen į̄a-Stamm gelangte; auch das entsprechende Lehnwort in den slawischen Sprachen gehört dem maskulinen Genus an. Andere slawische Substantive – mögliche Quellen der Lehnwörter –, die ein palatales Stammende haben, bewahrten ebenfalls ihr Genus und wurden als Slawismen femininen Genus in den į̄a-Stamm integriert.

Einige Substantive des į̄a-Stamms in SPr werden als Pluraliatantum verwendet: gačios 30 ‘Hosen’; liesvyčios 25 ‘Leiter’. Die Entsprechungen des ersten Wortes werden auch in den slawischen Sprachen gewöhnlich nur im Plural verwendet: ruthen. кгачи ‘Hosen, Beinlinge’ (HSBM XV 33); poln. gacie ‘unterer Teil der Männerkleidung, Hose’ (SPol VII 163). Das Substantiv liesvyčios könnte jedoch, ausgehend von den Gebersprachen, auch im Singular verwendet werden: alt. Russ. лѣствица ‘Leiter’ (SRJA VIII 211); ruthen. лесвица ‘Leiter’ (HSBM XVI 358).

i-Stamm. Zu diesem Stamm gehören 10 Lehnwörter: čėstis 84 ‘Ehre, Achtung’ LKŽe; donis 18 ‘Tribut’ LKŽe; dvarionis 28 ‘Gutsarbeiter, Bediensteter eines Gutshofs, Gutsbewohner’ LKŽe; liūbasis 74 ‘Liebe’; mostis 77 ‘weiche Arzneimasse mit Fett, zur Behandlung verwendet, Salbe’ LKŽe; pečėtis 121 ‘Werkzeug zum Aufdrücken eines Zeichens; Abdruck oder mit diesem Werkzeug aufgedrücktes Zeichen; Siegel’ LKŽe; pomėtis 118 ‘Gedächtnis’ LKŽe; skoteris 102 ‘Tischdecke’ LKŽe; smertis 170 ‘Tod’ LKŽe; spaviedis 172 ‘Beichte’ LKŽe.

Heute ist dieser Stamm nicht produktiv; ihm gehören wie auch in SPr überwiegend Substantive femininen Genus an. Substantive des i-Stamms mit maskulinem Genus kommen auch in der heutigen Sprache vor (z. B. geluonis, dantis usw.); in diesem Fall gibt es unter den SPr-Slawismen nur eines – dvarionis. Dass dieses Substantiv zu diesem Stamm gehört, ist an seinen in den alten Schriften belegten Formen zu erkennen: dvaronies BPII 476 (LKŽe). Man nimmt an, dass die litauische Sprache zunächst den Plural des Wortes dvarionys (vgl. alt. Russ. дворянинъ ‘Person, die im Dienst am Hof eines Fürsten steht’ (SRJA IV 194)) übernahm; auf dieser Grundlage entstand der Singular dvarionis (Smoczyński 2026: 388).

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Die übrigen Slawismen sind femininen Genus und bewahrten dieses im Vergleich zu den entsprechenden Formen in den Gebersprachen unverändert. Die Quellen all dieser Slawismen haben in den slawischen Sprachen am Wortende palatale Konsonanten, zum Beispiel čėstis (< ruthen. честь ‘Ehre, Ehrenbezeugung, Achtung’ (MDSUM II 480); poln. cześć ‘Achtung, Hochachtung, Anerkennung; Bewunderung; Ehre’ (SPol IV 150)), donis (< alt. Russ. дань ‘das, was jemandem gegeben wurde’ (SRJA IV 170); ruthen. дань ‘das, was jemandem gegeben wurde’ (HSBM VII 242); poln. dań ‘Natural- oder Geldleistung, Abgabe, Steuer, Zins’ (SPol IV 490)), smertis (< ruthen. смерть ‘Tod; Beendigung der Existenz eines Menschen oder Tieres’ (HSBM XXXI 483); poln. śmierć ‘Ende, Verlust des Lebens, Tod, ausnahmsweise Tötung einer Person’ (SS IX 24)), spaviedis (< ruthen. споведь ‘Beichte’ (HSBM XXXII 163); poln. spowiedź ‘Bekenntnis der Sünden vor einem Priester zur Erlangung der Absolution’ (SS VIII 359)).

ē-Stamm. Dies ist ein weiterer wenig produktiver Lehnwortstamm in SPr; die Zahl der ihm zugehörigen Substantive beträgt 6: kaniukšnė 175 ‘Pferdestall’ LKŽ; kižė 10 ‘alte Hütte, kleine Hütte, armselige Behausung’ LKŽ; maliaʋonė 76 ‘Malerei’ LKŽ; mincė 81 ‘Münze’ LKŽ; prababė 129 ‘Urgroßmutter’; ragažė 77 ‘Flechtkorb; Menge, die in einen solchen Korb passt’ LKŽ.

Diese kleine Wortgruppe ist recht heterogen: Obwohl die Entsprechungen der meisten Slawismen femininen Genus haben, sind ihre Endungen unterschiedlich. Zum Beispiel haben die Entsprechungen des Substantivs kaniukšnė (< alt. Russ. конюшня ‘Pferdestall, Gebäude, in dem Pferde gehalten werden’ (SRJA VII 291); ruthen. канюшня ‘Pferdestall’ (HSBM XV 291)) die Endung -ia, kižė, mincė (< alt. Russ. хижа, хиза ‘Hütte, Haus’ (MSDJА III 1368); ruthen. хижа ‘Hütte’ (HSBM XXXVI 73); poln. minca ‘Münze, geprägtes Geld’ (SPol XIV 272)) dagegen -a; daher könnten diese Slawismen in die Stämme ia und ā integriert worden sein. Die Quelle eines Substantivs ist sächlichen Genus: maliaʋonė (< ruthen. малеванье, малевание ‘Handlung zum Verb малевати’ (HSBM XVII 234); poln. malowanie ‘Bezeichnung der Handlung zu malować’ (SPol XIII 60)).

Andere Stämme. Die übrigen Stämme, denen die substantivischen SPr-Slawismen angehören, sind sehr schwach vertreten. Zwei Wörter gehören zum į-Stamm: kisielis 54 ‘flüssiger Brei (Speise) aus vergorener Hafermehllösung oder Beerensaft mit Stärke’ LKŽ; kriaučias 63 ‘Schneider’ LKŽ. Zum į-Stamm gehören drei Substantive: čemerys 14 ‘mehrjährige giftige Heilpflanze aus der Familie der Liliengewächse, Nieswurz’ LKŽ; grašis 39 ‘kleine Münze, halbe Kopeke; zu verschiedenen Zeiten Geld von unterschiedlichem Wert; Münze’ LKŽ, maneliai 77 ‘Ärmelspangen’, zum u-Stamm dagegen nur eines – turgus 180.

Aus heutiger Sicht wirken die Substantive kisielias und kriaučias ungewöhnlich. Beide werden gewöhnlich in den iu-Stamm integriert, also als kisielius und kriaučius. Im späteren Wörterbuch von K. Sirvydas wird kisielias aufgegeben und nur die iu-stämmige Variante kisielius SD 103 angegeben (kriaučias / kriaučius wird überhaupt nicht erwähnt). Warum für diese Substantive in SPr der iǫ-Stamm gewählt wurde, ist unbekannt, denn unter Berücksichtigung der Entsprechungen in den slawischen Sprachen (alt. Russ. кусель ‘Speise aus Mehl, das mit Wasser oder Beerensaft zubereitet wird, Kissel’ (SRJA VII 137); ruthen. кусель ‘saures Gericht aus Mehl, Kissel’ (HSBM XV 93); poln. kisiel ‘Speise aus mit Wasser angerührtem und fermentiertem Mehl’ (SPol X 330); alt. Russ. краѳецъ ‘Schneider’ (SRJA VII 402); ruthen. кравець ‘Spezialist für das Nähen von Kleidung’ (HSBM XVI 80); poln. krawiec ‘Handwerker, der Kleidung näht’ (SPol XI 134)) sind die Stämme iu und ō systematischer.

Das Substantiv maneliai wird in SPr als Pluralwort angegeben, obwohl das LKŽ auch manelė und manelis verzeichnet. Die Daten der slawischen Sprachen (alt. Russ. манелы ‘Schmuck, eine Art Armband, das über dem Ärmel getragen wurde (Ärmelband, Handgelenkschmuck)’ (SRJA IX 27); ruthen. манеля, манела, манелле ‘Armband; Perlenkette’ (HSBM XVII 93); poln. manella ‘kostbarer Schmuck, der am Arm getragen wird, Armband, Armschutz’ (SPol XIII 143)) zeigen, dass das Substantiv richtigerweise als feminines manelia oder manelė (wegen des palatalen l) übernommen worden sein müsste. Somit lag in diesem Fall, anders als bei den Substantiven kisielias, kriaučias, čemerys und grašis, auch ein Genuswechsel vor.

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SCHLUSSFOLGERUNGEN

SPr umfasst Substantive mit slavischer Wurzel, die den Stämmen ō (abrazas, abrūzas, advernykas, akrūtas, alubnykas usw.), iō (kisielias, kriaušias), iō (čemer ys, grašis, maneliai), ā (abyda, afiera, akvata, alyva, arielka usw.), iā (adverija, asilyčia, atkon yčia, bažnyčia, čerpyčia usw.), iu (aliejus, altorius, bardišius, brylius, cielius usw.), u (turgus), i (čestis, donis, dvarionis, liūbastis, mostis usw.) und ē (kaniukšnė, kižė, maliavonė, mincė, prababė usw.) angehören. In dieser Quelle sind keine Slavismen mit konsonantischem Stamm belegt.

Der häufigste Stamm ist ō – ihm gehören 41,6 Prozent der gefundenen slavischen Substantive in SPr an. Ebenfalls vergleichsweise häufig sind die Stämme ā, iu und iā – auf sie entfallen jeweils 24,5 Prozent, 15,5 Prozent und 11,8 Prozent aller ausgewählten Wörter. Slavismen des i-Stamms machen 3,1 Prozent und solche des ē-Stamms 1,7 Prozent der untersuchten Slavismen aus. Die übrigen Stämme sind äußerst selten und machen nur einen sehr kleinen Teil aller in SPr gefundenen slavischen Substantive aus.

Unter Berücksichtigung der Entsprechungen der Slavismen in den Gebersprachen ist in SPr in bestimmten Fällen ein klares System erkennbar, in welche Stammparadigmen das jeweilige entlehnte Wort fällt:

• Wenn die Entsprechungen in den slavischen Sprachen Maskulina sind und am Ende einen harten Konsonanten aufweisen, wird das Lehnwort im Litauischen in den ō-Stamm integriert;

• Substantive des Neutrums in den slavischen Sprachen, die am Ende –o aufweisen, gehören im Litauischen entweder zum ō-Stamm (ältere Entlehnungen aus dem ruthenischen Bestand) oder zum ā-Stamm;

• Wörter des Femininums und Maskulinums (meist des gemeinsamen Genus), die in den slavischen Sprachen am Ende –a aufweisen, werden im Litauischen in den ā-Stamm integriert;

• Maskuline Substantive mit Nullendung in den slavischen Sprachen; Maskulina mit einem weichen Konsonanten in den slavischen Sprachen (meist l); Maskulina mit historisch weichen ž, š, č, c, r in den ostslavischen Sprachen, die im Polnischen bereits hart sind, werden im Litauischen in den iu-Stamm integriert;

• Substantive, die in den ostslavischen Sprachen am Ende –я und im Polnischen – –ia aufweisen, werden im Litauischen in den iā-Stamm integriert;

• Substantive, die in den slavischen Sprachen am Ende die weichen Konsonanten t, n, d aufweisen, sind in SPr in den i-Stamm integriert.

In die übrigen Stämme werden die slavischen Substantive in SPr auf unterschiedliche Weise integriert; allein auf Grundlage dieser Quelle ist kein einheitliches System erkennbar.

Die Slavismen in SPr haben, wie üblich, meist dasselbe Genus wie ihre Entsprechung in den Gebersprachen, d. h. beispielsweise wird ein maskulines Wort der slavischen Sprachen als maskulines Lehnwort ins Litauische integriert. Genusveränderungen, die nur für SPr charakteristisch sind, gibt es lediglich vereinzelt (čerevyka, maneliai). In SPr wird auch die Entsprechung der Numerus beibehalten – Lehnwörter, die aus Substantiven der slavischen Sprachen hervorgegangen sind, die meist im Plural verwendet werden, werden ebenfalls als Pluralia aufgeführt (blekai, čėrai, gačios). Einige Substantive (liesuvyčios, maneliai) sollten nicht als Pluralia integriert werden.

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