Page 1Gintarė ŽALKAUSKAITĖ, Valerijonas ŽALKAUSKAS
Universität Vilnius
ZU DEN COMPUTERTERMINI SPEICHERMEDIUM, SPEICHERGERÄT, LESER, TREIBER UND SPEICHERUNG
Die Computerterminologie verändert sich ständig, weil sich die Technik auf diesem Gebiet rasch entwickelt. Die amerikanische Computersprache spiegelt die von verschiedenen Firmen unterschiedlich verwendeten Begriffe wider und zeichnet sich durch Variantenreichtum und Mehrdeutigkeit aus. Ein Beispiel für Mehrdeutigkeit ist der Begriff drive 1. Antrieb, 2. Laufwerk, 3. Leser, 4. Speichermedium. Dieser Begriff spiegelt ebenso wie sein mehrdeutiges russisches Äquivalent накопитель die Entwicklung von Computergeräten und zugleich den Wandel ihrer Bezeichnungen wider. In den vergangenen 10 Jahren hat sich die Computerausstattung stark verändert, und mit ihr haben sich auch die verwendeten Begriffe und Termini gewandelt. So wird beispielsweise der früher verwendete Begriff Verzeichnis (engl. directory, frz. répertoire, russ. каталог) jetzt durch Ordner (engl. folder, frz. dossier, russ. папка) ersetzt. Die Franzosen überarbeiten ihre Terminologie laufend, deshalb finden wir in älteren Wörterbüchern [1] andere französische Entsprechungen für englische Termini als in der französischen Version von Windows 95 oder im Wörterbuch der offiziellen Informatikterminologie [2].
Die litauische Computerterminologie besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil wurde nach den russischen Termini für Großrechner gebildet. Der zweite Teil wird heute nach den englischen Termini für grafische Benutzeroberflächen auf Personalcomputern gebildet. Einige Termini des ersten Teils sind veraltet. Es kommt vor, dass die Termini des älteren und des neueren Teils einander widersprechen oder dass dasselbe Wort unterschiedliche Begriffe bezeichnet. Zum Beispiel das ältere Speichergerät und das neuere Speichermedium. In der Sprache der Computerfachleute hat sich Speichermedium bereits eingebürgert. Wir fragten Computerfachleute, wie sie den Begriff Speichermedium verstehen. Die meisten antworteten, dass ein Speichermedium eine Diskette, eine Festplatte oder ein Magnetband sei. Daraus würde folgen, dass Speichermedium als Sammelbezeichnung für verschiedene Vorrichtungen zur Informationsspeicherung aufgefasst wird. Im Wörterbuch [3] wird Speichermedium jedoch definiert als: engl. medium, carrier, russ. носитель. Im Wörterbuch [4] wird Speichermedium definiert als engl. medium, media, russ. носитель und als „materielles Medium zur Aufzeichnung und Speicherung von Daten“ erläutert. Das Medium selbst wird defini-
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Page 2… als Umgebung verstanden. Es ist schwer nachzuvollziehen, was dieses Datenspeichermedium oder diese Datenspeicherumgebung sein soll. Ein weiterer [3] Wörterbucheintrag lautet Speicher a. accumulator, counter-type adder, storage unit, drive, r. аккумулятор, сумматор. Im Wörterbuch [4] bedeutet Speicher a. drive, storage, accumulator, memory unit, r. накопитель, und im Wörterbuch [5] Speicher a. accumulator, drive, pool, storage. Es ist offensichtlich, dass der Begriff Speicher aus dem russischen накопитель übersetzt ist. Es ist jedoch völlig unklar, warum diesem Begriff verschiedene englische Bedeutungen zugeordnet werden: 1. ein Gerät zur Informationsspeicherung (storage, memory unit), 2. ein Akkumulator (accumulator), 3. ein Zähleraddierer (counter-type adder). In [4] wird Speicher als „Sammelbezeichnung für Geräte zum Schreiben und Speichern von Daten“ definiert, also als Datenspeichergerät. Dort wird auch das Diskettenlaufwerk als „Speicher, dessen Datenträger eine austauschbare Diskette ist“ definiert. Die Diskette („Diskette“) ist also bereits ein Datenträger. Doch dürfte es kaum passend sein, die Diskette als Medium zu bezeichnen. In [5] findet sich auch das Diskettenlaufwerk (a. diskette drive, floppy drive). Unklar ist, wer hier was speichert und worin sich der Datenträger vom Speicher unterscheidet. Offenbar sind dies Begriffe mit derselben Bedeutung. Doch verdrängt der alte Begriff Speicher den Datenträger, weshalb Letzterem nicht sehr klare Entsprechungen in anderen Sprachen zugewiesen werden. Weder im Englischen noch im Französischen wird bei den Sammelbezeichnungen für Festplatten, Disketten und Bänder das Speichern hervorgehoben. Der Begriff Speicher sollte nicht länger zur Bezeichnung von Geräten zur Informationsspeicherung verwendet werden. Dafür eignet sich der Begriff Datenträger mit folgenden Entsprechungen in anderen Sprachen:
• Datenträger a. storage unit, storage, drive, p. mémoire de stockage, support de données, r. накопитель, носитель данных.
Wir führen einige spezifische Begriffe für Datenträger an:
• Banddatenträger a. tape drive, tape storage, p. mémoire à bande magnétique, r. накопитель на магнитной ленте;
• Diskettenlaufwerk a. disk drive, diskette drive, p. mémoire à disquettes, r. накопитель на дискетах;
• Festplattenlaufwerk a. disk drive, disk unit, p. mémoire à disques, r. накопитель на дисках.
Informationen werden auf Datenträger geschrieben. Die Aussage „Wir werden ein Lied auf eine Schallplatte oder ein Magnetband aufnehmen“ ist bereits geläufig. Daher zur Bezeichnung Aufzeichnung a. recording, saving, p. enregistrement, écriture, r. запись,
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Page 3Über сохранение, so scheint es, sollte man nicht mehr sprechen. Zumal in den litauischen Versionen der Betriebssysteme OS/2 Warp [6] oder IBM Words und in anderen für Litauen angepassten Computerprogrammen anstelle des englischen Befehls save der litauische Befehl įrašyti zu finden ist. Doch [5] a. save – speichern. Der aus dem russischen сохранение übersetzte Begriff „išsaugojimas“ sollte als veraltet gelten, wenn es um das Speichern von Informationen geht. Dort, wo Informationen tatsächlich sicher aufbewahrt werden, verwendet man einen anderen Begriff: saugojimas, sauga, apsauga a. protection, safeguarding, p. protection, sauvegarde, r. защита, охрана.
Auf Datenträger geschriebene Dateien werden in Schränken und Schubladen aufbewahrt. Hier haben wir einen eindeutigen Begriff: laikymas a. storage, p. stockage, r. хранение.
Der dem įrašymui entgegengesetzte Vorgang ist das skaitymas a. reading, p. lecture, r. считывание, отсчёт. Bei Computern werden Informationen anders als bei Tonbandgeräten zunächst eingelesen, in den Arbeitsspeicher geladen und erst danach wiedergegeben, angezeigt oder verarbeitet. Am Begriff „Lesen“ bestehen keine Zweifel. Etwas schwieriger ist es mit den Lesegeräten für Datenträger. In [4,6] wird das Gerät zum Lesen von Platten als diskasukių bezeichnet. Dieser Begriff ist keine sehr genaue Übersetzung des russischen дисковод. Das russische Wort betont ebenso wie das englische Äquivalent drive das Antreiben, Bewegen und Steuern, während das litauische diskasukis die Drehung betont. Doch die Drehung ist hier nicht der Hauptvorgang. Außerdem wird diskasukis als kaupiklis definiert. Demnach ist ein „Kaupiklis“ inzwischen ein Lese- und kein Speichergerät. In [4] wird das Lesegerät für Disketten disketsukiu genannt, das für Bänder juostatraukiu. Diese Begriffe bilden kein System, da eine gemeinsame Bezeichnung für sie benötigt wird. Die Franzosen verwenden für alle Lese- und Schreibgeräte das Wort lecteur. Es entspricht gut dem litauischen skaitys. Wenn wir skaityti verwenden, ergibt sich folgendes Terminologiesystem:
• Lesegerät a. reader, drive, p, lecteur, r. читатель, дисковод;
• disko skaitys a. hard disk drive, HDD, p. lecteur de disque dur, r. дисковод, считывающее устройство диска;
• Diskettenlesegerät a. floppy disk drive, FDD, p. lecteur de disquettes, r. дисковод, считывающее устройство дискет;
• Bandlesegerät a. tape drive, tape deck, tape reader, lecteur de bande, r. считывающее устройство ленты;
• CD-ROM-Lesegerät a. compact disk ROM drive, p. lecteur
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Page 4für CD-ROM-Laufwerk, russ. optisches Lesegerät;
• optisches Lesegerät engl. optical reader, frz. lecteur optique, russ. оптическое считывающее устройство.
Den letztgenannten Leser, der Strichcodes von Waren liest, findet man in Geschäften. Er ist ein optischer Scanner – er hat keinen Drehmechanismus. Disketten- und Festplattenleser haben nicht nur einen Lesekopf, sondern auch einen Drehmechanismus – einen Spindelmotor, Festplattenantrieb a. disk drive, p. entraînement de disque, r. дисковод.
Wir stellen fest, dass das englische Äquivalent des Hauptworts vieler hier besprochener Termini drive lautet. Auch ein weiteres verwandtes Wort ist zu erörtern: driver, device driver, das eine Software bezeichnet, die technische Geräte – Leseeinheiten und Drucker – steuert. Eine ähnliche Bedeutung hat auch der andere englische Begriff manager. Im Sprachgebrauch hat sich bereits das litauische Äquivalent driver, tvarkyklė, eingebürgert. Die Franzosen übersetzen driver und manager mit einem einzigen Wort, gestionnaire, d. h. valdyklė. Obwohl zwischen driver und manager ein Unterschied besteht, ist es vorerst schwierig, tvarkyklė von valdyklė abzugrenzen. Daher könnte tvarkyklė in einem weiteren Sinne verwendet werden, zum Beispiel:
• Steuerprogramm engl. driver, manager, frz. gestionnaire, russ. Treiberprogramm, Steuerprogramm;
• Druckertreiber engl. printer driver, frz. gestionnaire d’imprimante, russ. Druckertreiber;
• Drucksteuerung engl. print manager, frz. gestionnaire d’impression, russ. Drucksteuerungsprogramm;
• Gerätetreiber engl. device driver, frz. gestionnaire de périphérique, russ. Gerätetreiber;
• Dateiverwaltung engl. file manager, frz. gestionnaire de fichiers, russ. Dateiverwaltung;
• Programmverwaltung engl. program manager, frz. gestionnaire de programmes, russ. Programmverwaltung;
• Fensterverwaltung engl. windows manager, frz. gestionnaire de fenêtres, russ. Fensterverwaltung;
• Interrupt-Handler engl. interrupt handler, frz. gestionnaire de interruption, russ. Interrupt-Handler.
Ein weiterer Begriff, der erörtert werden sollte, ist Pufferung [3,4]. Weder im Englischen noch im Französischen gibt es das Wort bufferisation. Daher das Wort
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Page 5Die Pufferung ist unklaren Ursprungs. In der Informatik bezeichnet engl. buffer, franz. tampon, mémoire tampon einen Teil des Speichers, in dem Informationen vorübergehend gesammelt werden. Das Puffern ermöglicht es, den Betrieb von Geräten oder Programmen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aufeinander abzustimmen [2]. Demnach bedeutet engl. buffering, franz. tamponnage das vorübergehende Sammeln von Informationen. Eine sehr ähnliche Bedeutung hat in der Informatik auch der englische Terminus spooling – Sammeln, Pufferung [5]. Dateien werden in einem Spooler für den späteren Druck gesammelt. Für beide Vorgänge eignet sich der Terminus Pufferung gut, zum Beispiel:
• Pufferung, sich puffern engl. spooling, buffering, franz. spoulage, tamponnage, russ. подкачка, буфферирование, буфферизация.
Wir führen einige spezifische Termini an:
• Fernpufferung engl. remote spooling, franz. tamponnage à distance, russ. дистанционное буфферирование;
• doppelte Pufferung engl. double buffering, franz. tamponnage double, russ. двойное буфферирование;
• dynamische Pufferung engl. dynamic buffering, franz. tamponnage dynamique, russ. динамическая подкачка, динамическая буфферизация;
• Pufferausdruck engl. spooled print, franz. impression à tamponnage, russ. печать с буфферизацией.
Neben diesen Termini sollte es auch einen Puffer geben – einen Teil des Speichers zur Aufbewahrung von Zwischenergebnissen:
• Puffer engl. spooler, buffer, franz. spoule, tampon, russ. накопитель, буфер;
• Bildpuffer engl. video buffer, franz. tampon d’image, russ. буфер изображения, видеопамять;
• Tastaturpuffer engl. type head buffer, franz. tampon de clavier, russ. буфер клавиатуры;
• Druckerpuffer engl. printing spooler, franz. tampon d’impression, russ. буферное ЗУ печатающего устройства.
Literatūra
1. Б а р к о в с к и й А. Б., З а й ч и к Б. И., Б о р о в и к о в а Л. И. Словарь по программированию. Москва: Русский язык, 1991.
2. Lexique informatique officieux de la Commission ministérielle de terminologie informatique. http://www-rocq.inria.fr/~deschamp/www/CMTI/LAF.html.
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Page 63. Valatkaitė R., Kudirka Z. Informatika. V.: Lietuvos informacijos institutas, 1998.
4. Paulauskas K. V., Jasinevičius R. Aiškinamasis kompiuterijos žodynas. K.: Technologija, 1995.
5. Aiškinamasis anglų-lietuvių kalbų kompiuterijos žodynas. Red A. Kirejevas, K.: Smaltija, 1997.
6. OS/2 vartotojo vadovas. V.: UAB „Baltic Amadeus“, 1997.
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