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Ein handschriftliches kleines Verzeichnis nomenklatorischer Bezeichnungen von Laurynas Ivinskis
ALBINA AUKSORIŪTĖ
Institut für Litauische Sprache
SCHLÜSSELWÖRTER: Handschrift von Laurynas Ivinskis, nomenklatorische Bezeichnung, Józef Ignacy Kraszewski
XIX a. vidurio švietėjo ir pedagogo Lauryno Ivinskio (1810–1881) kūrybinis palikimas įvairiapusis ir gausus, tačiau dauguma jo taip ir liko neišspausdinta. Didžioji dalis L. Ivinskio rankraščių saugoma Lietuvos bibliotekose, keletas jo darbų yra ir užsienyje – Krokuvoje ir Sankt Peterburge (plačiau žr. Auksoriūtė 1998: 102–110). Daugiausia L. Ivinskio rankraščių saugoma Lietuvių literatūros ir tautosakos instituto bibliotekos Rankraštyne (LLTI BR), apie kai kuriuos ten saugomus rankraščius jau rašyta 2012 m. išleistame straipsnių rinkinyje Priešaušrio mokslas, kultūra ir švietimas: Lauryno Ivinskio 200-osioms gimimo metinėms (žr. Auksoriūtė 2012: 217–243; Kažukauskaitė 2012: 161–174), o L. Ivinskio grybų atlaso rankraštis publikuotas prie minėto straipsnių rinkinio pridėtoje plokštelėje.
Im Archiv der Bibliothek des Instituts für Litauische Sprache befindet sich unter den übrigen Handschriften von L. Ivinskis eine Mappe, die im Katalog „Philologisches Material aus dem Bereich der Botanik“ genannt wird, Bestandsnummer FI–645. Diese Mappe enthält 48 Blätter unterschiedlichen Formats ohne Nummerierung, auf denen sich Listen litauischer Wörter finden, überwiegend Pflanzennamen, mit polnischen sowie einigen lateinischen und griechischen Entsprechungen. Auf zwei Doppelblättern der genannten Mappe sind litauische Wörter mit polnischen Entsprechungen verzeichnet; zu einigen Wörtern finden sich auch kurze Erläuterungen auf Polnisch. Auf beiden Seiten des ersten Blattes des ersten Doppelblatts steht eine Liste verschiedener litauischer Wörter; sie enthält Namen von Sternbildern, einige Pflanzennamen und weitere Wörter. Auf beiden Seiten des zweiten Blattes dieses Doppelblatts befindet sich ein kleines Verzeichnis nomenklatorischer Bezeichnungen aus Botanik und Zoologie in Litauisch mit polnischen Entsprechungen sowie vereinzelt lateinischen Entsprechungen, das sich auch auf der ersten Seite des zweiten Doppelblatts fortsetzt. Auf der zweiten und dritten Seite des zweiten Doppelblatts
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steht ein kleines Verzeichnis litauischer Ortsnamen mit polnischen Kommentaren, auf der vierten Seite dagegen stehen einige Musikinstrumentenbezeichnungen und weitere litauische Wörter mit polnischen Entsprechungen.
Oben auf drei Seiten des hier besprochenen Manuskripts steht die Abkürzung Krasz; dabei handelt es sich um die von L. Ivinskis verwendete Abkürzung des Familiennamens seines Zeitgenossen, des polnischen Kulturakteurs und Historikers Józef Ignacy Kraszewski (1812–1887). Wie Ona Kažukauskaitė (2012: 169) schreibt: „...eifrig studierte L. Ivinskis das sehr maßgebliche, sprachliches Material umfassende Werk des bedeutenden polnischen Kulturakteurs J. Kraszewski Litwa. Starożytne dzieje, ustawy, język, wiara, obyczaje, pieśni, przysłowia, podania i t. d., das 1847 in Warschau veröffentlicht wurde. An einer Stelle hat er die bibliografischen Angaben des Buches kurz vermerkt: (Krasz. Litwa. ed. 1847 r. War.), in anderen Fällen nur Kr., Krasz.“ Der Meinung der Lexikografin O. Kažukauskaitė kann man voll und ganz zustimmen, denn ein Vergleich der von L. Ivinskis auf beiden Doppelblättern aufgezeichneten Wörter mit dem genannten Werk von J. I. Kraszewski zeigt eindeutig, dass es sich um Exzerpte aus J. I. Kraszewskis Buch handelt.
Dieser Artikel untersucht eingehender nur das auf drei Seiten der Doppelblätter enthaltene Verzeichnis nomenklatorischer Bezeichnungen aus Botanik und Zoologie (im Folgenden NPS) (siehe Abb. 1). Ziel des Artikels ist es, die litauischen nomenklatorischen Bezeichnungen in L. Ivinskis’ Manuskript zu erörtern und mit dem Verzeichnis in J. I. Kraszewskis Werk zu vergleichen, die von L. Ivinskis selbst angegebenen Bezeichnungen im NPS zu untersuchen und sie mit L. Ivinskis’ Termini in einem anderen seiner Werke zu vergleichen – dem polnisch-litauischen Wörterbuch (im Folgenden IŽ)1.
In J. I. Kraszewskis Buch Litwa. Starożytne dzieje, ustawy, język, wiara, obyczaje, pieśni, przysłowia, podania i t. d. (im Folgenden Kr)2 findet sich ein Verzeichnis von Tieren, Vögeln und Pflanzen (Przypiski. Nazwania zwierząt, ptaków, drzew i kwiatów znanych Litwie) (S. 274–283), aus dem auch die Auszüge im hier untersuchten kleinen Verzeichnis des Manuskripts von L. Ivinskis stammen. In J. I. Kraszewskis Werk wird zuerst das polnische Wort angegeben und daneben seine litauische Entsprechung, zum Beispiel: Chart, Kurtas3 Kr 274; Bóbr, Bebrus Kr 275; Bocian, Gandras Kr 277;
1 L. Ivinskis’ polnisch-litauisches Wörterbuch umfasst die Buchstaben A–R (2060 Seiten); das Manuskript wird in der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau aufbewahrt und 2010 von der Lexikografin O. Kažukauskaitė vom Institut für Litauische Sprache veröffentlicht (Lauryno Ivinskio lenkų–lietuvių kalbų žodynas. Vilnius, 2010, 524 S.: Faks. + 1 Bildplatte (DVD)).
2 Verwendet wurde eine elektronische Kopie des Buches, die von Google digitalisiert wurde; im Internet verfügbar unter – http://books.google.lt/books?id=zQTVAAAAAMAAJ&printsec=frontcover&hl=lt&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false
Certa, Karszis Kr 279; Bób, Pupa Kr 279. An einigen Stellen ist ein kurzer polnischer Kommentar hinzugefügt, z. B. Koń, Ark lis (wiele innych nazwań) Kr 275, oder ein lateinisches Äquivalent, z. B. Cielę, Telas (Vitulus) Kr 274, und zu einigen litauischen Namen ist ein Synonym hinzugefügt, z. B. Zająć, Kiszkisz, Zujkis Kr
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276, Jaskółcze ziele, Akiū zole, Krekzdine Kr 280. Das Verzeichnis ist in einzelne Abschnitte unterteilt: Haustiere (Zwierzęta domowe Kr 274), wilde Tiere (Zwierż dziki Kr 275), Würmer und Kriechtiere (Robaki, płazy i t. d. Kr 276), Vögel (Ptaki Kr 277), Fische (Ryby Kr 279), Bäume und Pflanzen (Drzewa, rośliny i t. p. Kr 279) sowie Fossilien (Rzeczy kopalne (Kastinej) Kr 282).
Die aus dem Verzeichnis von J. I. Kraszewski abgeschriebenen nomenklatorischen Bezeichnungen sind im Manuskript von L. Ivinskis anders angeordnet – zuerst steht der litauische Name, danach sein polnisches Äquivalent, z. B.: Telas. Cielę NPS, Briedis. Łoś NPS, Kriklė. Cyranka NPS, Szapalas. Jaź NPS, Skroblas. Grab NPS. Das Verzeichnis selbst ist anders als in J. I. Kraszewskis Werk nicht in Abschnitte gegliedert; die nomenklatorischen Bezeichnungen aller Gruppen sind fortlaufend aufgeführt. Bemerkenswert ist, dass L. Ivinskis nicht alle Namen abgeschrieben hat: Im Verzeichnis von J. I. Kraszewski finden sich insgesamt 251 Taxonnamen, in dem von L. Ivinskis 159 Taxonnamen, Synonyme und Varianten nicht mitgerechnet4 (siehe Tabelle).
Gruppen nomenklatorischer Bezeichnungen | Zahl der im Verzeichnis von J. I. Kraszewski benannten Taxa | Zahl der im Verzeichnis von L. Ivinskis benannten Taxa | Haustiere | 21 | 5 | Wildtiere | 28 | 14 | Insekten, Kriechtiere | 25 | 16 | Vögel | 53 | 35 | Fische | 19 | 17 | Pflanzen | 87 | 62 | Fossilien | 18 | 10
L. Ivinskis las das Werk von J. I. Kraszewski nicht nur aufmerksam und schrieb die darin verwendeten nomenklatorischen Bezeichnungen ab, sondern korrigierte einige davon auch oder fügte eigene Synonyme beziehungsweise Varianten hinzu. Darauf weist auch O. Kažukauskaitė hin: „Bei einigen von J. Kraszewski angegebenen Wörtern (eigentlich von K. Sirvydas) schrieb er p. (powinno) und seine eigene Variante hinzu <...>“ (Kažukauskaitė 2012: 171). Solche Korrekturen von L. Ivinskis mit dem Zusatz p. NPS sind selten; sie finden sich nur bei neun nomenklatorischen Bezeichnungen:
4 In diesem Artikel gelten Wörter unterschiedlicher Wortstämme als Synonyme, während Varianten Wörter gleichen Wortstamms mit orthografischen, phonetischen oder morphologischen Unterschieden sind.
Kremblys. p Kremblis⁵. Grzyb NPS, vgl. Grzyb, (u ks. Szyrwida Gribas ale w istocie) Kremblys Kr 280; Grzyb, –a. m. Gríbas, –a. m. –bek, –bka. m. IŽ 88 (348)⁶;
Užuolas. p Anžuolas NPS⁷, vgl. Dąb, Užuolas Kr 280; Dąb, dębu. m. Ànžuolas, –a. uòžuolas, ąžuolas, –ła. w. (mèdis). Quercus IŽ 41 (160);
Warnalesza p Warnalieža i Warnarieža. Tussilago Petasites⁸ NPS, vgl. Łopuch, Warnelesza Kr 281. Diese Varianten lassen sich mit den Namen vergleichen, die in einem anderen Werk von L. Ivinskis, Prigimtūmenė⁹ (im Folgenden Pr), angegeben sind – vgl. Pàstrìelka. Warnarièža (Warnalièža). Petasites. Gaertn. Lepieżnik. S. Pestilenzwurzel Pr 258; wie sich zeigt, führte L. Ivinskis dieselben Namen auch in Prigimtūmenė an. Den Pflanzennamen varnaleža entnahm er dem žemaitischen Dialekt; vgl. varnaleža 1. P, S.Dauk, LBŽ siehe varnaleša: DūnŽ, J. 3. P bot. „Breitblättrige Pestwurz (Petasites officinalis)“ (LKŽe); dieses Wort verwendete er jedoch ebenso wie Jurgis Ambraziejus Pabrėža nicht für lat. Arctium, sondern für Petasites. Anhand des polnischen Äquivalents von J. I. Kraszewski (Łopuch) lässt sich schließen, dass Letzterer eine litauische Bezeichnung für lat. Arctium angab. Das Wort varnareža ist im LKŽ nicht verzeichnet und könnte eine Eigenbildung von L. Ivinskis sein. In diesem Fall ersetzte L. Ivinskis den von den Aukštaiten gebrauchten Namen durch einen žemaitischen. O. Kažukauskaitė zufolge: „<…> In J. Kraszewskis Buch sind die meisten litauischen Wortbelege aukštaitisch, weil sie aus der Studie von K. Boguš, dem Wörterbuch von K. Sirvydas sowie weiteren Wörtern aus K. Sirvydas’ Wörterbuch übernommen wurden“ (Kažukauskaitė 2012: 171);
Errelis. p Erelis. Orzeł NPS; vgl. Orzeł, Errelis Kr 278; Orzeł, –rła. m. Àrlas, –a. w. Erèlis, –ia. w. Pàukštis: Aquila. IŽ 252 (1005);
Krajwasnukis, Krajwas paukštis p Krejwāšnapis. Krzywonos, krzywodziób NPS, vgl. Krzywonos, Krajwasnukis, lub Krajwaspaukštis Kr 278; im Lietuvių kalbos žodynas ist das von L. Ivinskis angegebene Synonym verzeichnet,
5 Ein von L. Ivinskis angegebenes Synonym oder eine Variante, das beziehungsweise die im Verzeichnis von J. I. Kraszewski nicht vorkommt, ist von der Artikelautorin gesperrt gesetzt.
6 Die erste Zahl gibt die Seite des veröffentlichten polnisch-litauischen Wörterbuchs von Laurynas Ivinskis an; die Zahl in Klammern bezeichnet die Seite des Manuskripts.
7 Das polnische Äquivalent ist nicht angegeben.
8 L. Ivinskis gab kein polnisches Äquivalent an, sondern fügte den lateinischen Pflanzennamen hinzu.
9 Das größte naturwissenschaftliche Werk von L. Ivinskis ist ein zweiteiliges wissenschaftliches Werk, „Prigimtūmenė turenti savieje dalijkus žemies, žoliun ir givunrun su parodimu anų wartojimo“, das um 1870 verfasst wurde. Im ersten Teil, „Žemėmina“, werden verschiedene Gegenstände der Mineralogie beschrieben, im zweiten, „Žolėmina“, findet sich ein systematisches Verzeichnis der Pilz- und Pflanzennamen mit litauischen Bezeichnungen für 218 Familien und über 2520 Gattungen. Das Manuskript wird in der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau aufbewahrt; ein Entwurf des ersten Teils sowie dessen Verzeichnisse mit litauischen, lateinischen, polnischen und deutschen Entsprechungen befinden sich in der LLTI BR (ausführlicher siehe Jankevičius, Jankevičienė 1962: 151–163; Aukšoriūtė 1998: 102–110).
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tačiau ne iš tarmių, o iš Lietuvių rašomosios kalbos žodyno (1932–1968), plg. kreivasnapis 2. NdŽ „kumpasnapis skujokas (Loxia curvirostra)“ (LKŽe), tad jį L. Ivinskis greičiausiai pateikė sekdamas lenkiškais atitikmenimis;
Kania. Pestis. p Peslis. NPS, vgl. Kania, Pestis Kr 277; Kania, -i. f. Sùpis, klièkis, -ia. w. paukštis. IŽ 103 (407). Im polnisch-litauischen Wörterbuch werden zwei Synonyme angegeben: Das erste, sūpis, ist eine samogitische Bezeichnung; beim zweiten, kliekis, ist der Diphthong ie eine Hypernormalisierung; solche Fälle gibt es auch in seinen anderen Werken. Bemerkenswert ist, dass klykis und peslys in Dialekten und verschiedenen älteren Quellen synonym verwendet werden, vgl. klykis 1. K.Būg, NdŽ zool. „Mäusebussard (Buteo buteo)“; 3. Sut, Kos123, Als, Ms, Slnt zool. „Rotmilan (Milvus milvus)“ (LKŽe); suopis 1. D.Pošk, I, J; Kos34, E, Rtr, BŽ500, DŽ, NdŽ, KŽ, LTR(Al), Knt „Vogel aus der Familie der Falkenartigen (Buteo)“; 2. Kos123, K.Būg, Jrb, Kv, J.Jabl, Š, NdŽ „Milan (Milvus)“ (LKŽe);
Pylė p Pilė v, Pielė. Kaczka NPS, vgl. Kaczka, Untis (z niem.) lepiej Pyle Kr 277, Kaczka, -i. f Ántis, -ties. m. IŽ 101 (399); in der von NPS angeführten Variante pielė ist der Diphthong ie eine Hypernormalisierung; vgl. auch pylė Als, Ms, Vn, KlvrŽ, Ggr, Yl, pýlė (1) [K], NdŽ, pylė (4), MŽ155, J, Žlb „Ente“ (LKŽe). Letzteres Wort ist für den samogitischen Dialekt charakteristisch; die von L. Ivinskis in seinem Manuskript nicht eingetragene Bezeichnung dieses Vogels, untis, wird im aukštaitischen Dialekt verwendet;
Žilė p Žielė. Sikora NPS, vgl. Sikora, Žile Kr 278; im von L. Ivinskis angegebenen Vogelnamen ist der Diphthong ie eine Hypernormalisierung.
NPS enthält bei den weiteren von L. Ivinskis angegebenen Synonymen und Varianten nicht die Abkürzung p; die meisten davon übernahm er aus seinem samogitischen Dialekt, zum Beispiel:
Udas. Komór. Kujis NPS, vgl. Komor, Udas Kr 276; Komór, -ra. m. Wàrmas, -ma; kūjsis, -sia. w. IŽ 114 (451). Das angeführte Synonym kuisis sowie das im Wörterbuch angegebene varmas sind Bezeichnungen für Mücken, die von den Samogiten verwendet werden; vgl. kuisis „Mücke, Gelse“ DūnŽ und varmas „Mücke“ DūnŽ;
Szirśuo. Osa (wapsa) NPS, vgl. Osa, Szirśuo Kr 276; Osa, -sy. f. wābalas: Wàpsa, -sōs. m (Vespa) IŽ 253 (1006), vapsa „Wespe (Vespa vulgaris)“ DūnŽ;
Unter den besprochenen nomenklatorischen Bezeichnungen kann noch der Name eines weiteren Vogels genannt werden – Paukštvanagis. Krogulec NPS, vgl. Krogulec, Wanagas Kr 278, Krogulec, -ca. w. Pāukštvanāgis, -ia. w. IŽ 121 (477), paūkštvanagis sm. (1) J, I, Brs, Kv zool. „Habicht, der Vögel jagt (Accipiter nisus)“: Lkv, Brž, Žlb, Mžk (LKŽe). L. Ivinskis gab in beiden seiner Handschriften als litauische Entsprechung des polnischen Krogulec nur paukštvana-gis an; vanagą hingegen übernahm J. I. Kraszewski wahrscheinlich aus dem Wörterbuch von K. Sirvydas, in dem vanagas sowohl als litauische Entsprechung zu krogulec angegeben wird, vgl. SŽ 152 (64), als auch zu jastrząb, vgl. SŽ 116 (46). Wie die Daten des LKŽ zeigen, ist das Wort paukštvanagis praktisch nur aus dem Gebiet des žemaitischen Dialekts belegt; als Verfasser schriftlicher Quellen werden lediglich zwei genannt: L. Ivinskis und Antanas Juška.
Sechs von L. Ivinskis hinzugefügte Synonyme sind in einem größeren Gebiet als dem des žemaitischen Dialekts gebräuchlich:
Dilginė. Dilgė. Urtica10 NPS, vgl. Pokrzywa, Dilgine Kr 281; Pokrzywa, -wy. f. Nōtrielė, nōtnierė, dilgė, -es. m. IŽ 298 (1187), dilgė Ds, siehe dilgelė: Trgn, Ut, Zt, JV641 (LKŽe). Wie die Daten des LKŽ zeigen, wird das Synonym dilgė nur im aukštaitischen Dialekt verwendet; daher hat L. Ivinskis in diesem Fall angegeben
10 Der lateinische Pflanzenname ist angegeben.
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nicht im žemaitischen Dialekt verwendete Bezeichnungen, die er in das polnisch-litauische Wörterbuch aufnahm.
Gesondert zu behandeln sind die im NPS angeführten Synonyme, die wahrscheinlich von L. Ivinskis selbst gebildet wurden:
Bebrus. v Nerìs NPS, plg. Bóbr, Bebrus Kr 275; Bobr, -ra, m. Bãbras, nẽris, -ra, -ria. w. IŽ 19 (74), LKŽ duomenys rodo, kad žodis neris yra iš L. Ivinskio raštų, plg. nerìs, -iẽs (nẽrio; Kos3911) sm. (4) NdŽ zool. „bebras (Castor fiber)“: Nerio strajus I (LKŽe), tad galima manyti, kad šis gyvūno vardas yra L. Ivinskio naujadaras;
Warnenas. Kos. Tràkszlīs NPS, vgl. Kos, Warnenas Kr 278; Kos, -a. m. Tràkšzlīs, -lia. w. pāukštis IŽ 118 (465). Die in beiden Handschriften von L. Ivinskis angeführte litauische Bezeichnung trakšlys ist wahrscheinlich eine Neubildung von L. Ivinskis, vgl. trakšlys BŽ129, NdŽ, BII77; I, Kos32(Jms12), FrnW zool. „Amsel (Turdus merula)“ (LKŽe);
Ledinné druska. Kasamojé druska NPS, vgl. Kamienna sól, Ledinne Druska Kr 282; die von L. Ivinskis angeführte zusammengesetzte Bezeichnung ist vermutlich von ihm gebildet.
In das NPS trug L. Ivinskis die Bezeichnungen zweier Fische und eines Baumes ein, die in der Liste von J. I. Kraszewski nicht vorkommen:
Wijunas. Lampred NPS, vgl. Lampred, -a. m. Wijūnas, -na. w. jeszkok: Minóg IŽ 130 (513), Minog, -a, -u. m. Wijunas, -a. w. žūwis: IŽ 148 (588);
Plėksznė. Fladia13 NPS;
Jeglis. Modrzew NPS, vgl. Modrzew, -wiu. m. Jẽglùs, -glaus. w. mẽdis. (Larix europaea.) IŽ 150 (597).
Bei etwas weniger als einem Drittel der aus der Liste von J. I. Kraszewski abgeschriebenen nomenklatorischen Bezeichnungen gab L. Ivinskis Varianten an, indem er die Wörter von J. I. Kraszewski korrigierte oder präzisierte, z. B.:
Jaučzias v. Jautis.Wól NPS, vgl. Wól, Jauczias Kr 275;
Žabinkśztis. v. Žébenkśztis. Gronostoj. Łasica NPS, vgl. Łasica, Ża-binkśztis Kr 275; Łasica, -y. f. Ziàbėnkśztis, -ties. m. ğiùolis: Mustela IŽ 130 (515);
Sabalus. Kr. Sabałas NPS, vgl. Sobol, Sabalus Kr 276;
11 Siehe den Aufsatz von O. Kažukauskaitė über die Sammlung von A. Kašarauskas und die darin enthaltenen Auszüge aus dem Wörterbuch von L. Ivinskis (Kažukauskaitė 2003: 19–31).
12 O. Kažukauskaitė stellte fest, dass diese Abkürzung unzutreffend ist – zitiert wird nicht das Wörterbuch von Jumskis, sondern das von L. Ivinskis (Kažukauskaitė 2003: 19–31).
13 L. Ivinskis gab ein lateinisches und kein polnisches Äquivalent an.
Waras. Waris. miedz. NPS, vgl. Miedź, Waras Kr 282; Miedź, -zi. f. Wãriš, -ria. w. IŽ 146 (578).
Vergleicht man NPS mit dem Verzeichnis von J. I. Kraszewski, lässt sich feststellen, dass L. Ivinskis bei mehreren Bezeichnungen keine Varianten angab, sondern sie einfach korrigierte, da er davon ausging, dass J. I. Kraszewski sie falsch geschrieben hatte, z. B.:
Bei der Untersuchung der nomenklatorischen Bezeichnungen im Manuskript von L. Ivinskis lässt sich feststellen, dass L. Ivinskis nicht nur das Buch von J. I. Kraszewski aufmerksam las und die darin angegebenen litauischen Wörter abschrieb, sondern offenbar auch an deren Aufnahme in seine eigenen Arbeiten dachte, denn er korrigierte Fehler und fügte daneben Synonyme oder Varianten hinzu, die in seinem eigenen Dialekt verwendet wurden, wobei er auch einige in anderen Dialekten gebräuchliche nomenklatorische Bezeichnungen berücksichtigte.
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und zwar in ihre Aufnahme in seine Arbeiten, denn er korrigierte Fehler und fügte daneben Synonyme oder Varianten hinzu, die in seinem eigenen Dialekt verwendet wurden, wobei er auch einige in anderen Dialekten gebräuchliche nomenklatorische Bezeichnungen nicht ausschloss.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Das Verzeichnis nomenklatorischer Bezeichnungen (NPS) im Manuskriptordner „Philologisches Material aus dem Bereich der Botanik“ von L. Ivinskis (LLTI BR, Nr. FI–645) wurde von L. Ivinskis aus dem Buch von J. I. Kraszewski abgeschrieben: Litwa. Starożytne dzieje, ustawy, język, wiara, obyczaje, pieśni, przysłowia, podania i t. d. Dies belegen nicht nur die im Manuskript angegebene Abkürzung des Namens J. I. Kraszewski, Krasz., sondern auch der Vergleich beider Verzeichnisse.
2. Das NPS ist keine vollständige Abschrift der Liste der Tiere, Vögel und Pflanzen von J. I. Kraszewski; auch die Anordnung unterscheidet sich: J. I. Kraszewski nennt zuerst die polnische und dann die litauische Bezeichnung, während die Reihenfolge im Manuskript von L. Ivinskis umgekehrt ist. Außerdem enthält das NPS nur etwa zwei Drittel der nomenklatorischen Bezeichnungen von J. I. Kraszewski, und bei etwa der Hälfte davon ergänzte L. Ivinskis Synonyme oder Varianten.
3. Die große Mehrheit der von L. Ivinskis angegebenen Synonyme stammt aus seinem heimischen samogitischen Dialekt (apušis, kuisis, paukštvanagis, vapsa); einige Bezeichnungen hat er wahrscheinlich selbst gebildet (neris, trakšlys, varnareža, kasamoji druska). Bei fast einem Drittel der aus der Liste von J. I. Kraszewski abgeschriebenen Bezeichnungen wurden morphologische, phonetische oder orthografische Varianten ergänzt, da L. Ivinskis die fehlerhaft geschriebenen Bezeichnungen von J. I. Kraszewski korrigierte.
4. Ein Vergleich der im untersuchten Manuskript angegebenen Synonyme und Varianten von L. Ivinskis mit den nomenklatorischen Bezeichnungen in seinem polnisch-litauischen Wörterbuch zeigt deutlich, dass die meisten davon in beiden Manuskripten übereinstimmen.
QUELLE
NPS – L. Ivinskis. Philologisches Material aus dem Bereich der Botanik, Manuskript, aufbewahrt im Handschriftenarchiv der Bibliothek des Instituts für Litauische Literatur und Folklore, F1–645.
Auksoriūtė 2012: Lauryno Ivinskio grybų atlaso rankraštis. – Priešaušrio mokslas, kultūra ir švietimas: Lauryno Ivinskio 200-osioms gimimo metinėms, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 217–243.
DūnŽ – V. Vitkauskas. Šiaurės rytų dūnininkų šnektų žodynas, Vilnius: Mokslas, 1976.
IŽ – Wörterbuch der polnischen und litauischen Sprache von Laurynas Ivinskis, Vilnius: Institut für Litauische Sprache, 2010.
Jankev ičius K., Jankev ičienė R. 1962: Kai kurie nauji duomenys apie L. Ivinskio darbus lietuviškos botanikos terminijos srityje. – Botanikos klausimai 2, 151–163.
Kažukauskaitė O. 2003: Ne Jumskis, o Ivinskis. – Leksikografijos ir leksikologijos problemos, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla, 19–31.
Kažukauskaitė O. 2012: Iš Lauryno Ivinskio kalbinių užrašų. – Priešaušrio mokslas, kultūra ir švietimas: Lauryno Ivinskio 200-osioms gimimo metinėms, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 161–174.
Kr – J. I. Kraszewski. Litauen. Alte Geschichte, Gesetze, Sprache, Glaube, Sitten, Lieder, Sprichwörter, Überlieferungen usw., Warschau: In der Druckerei von Stanisław Strąbski, 1847, Band I (elektronische Buchkopie – http://books.google.lt/books?id=zQZTVAAAAAMAAJ&printsec=frontcover&hl=lt&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false).
LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas (I–XX, 1941–2002), elektroninis variantas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005. – www.lkz.lt.
Pr – L. Ivinskis. Prigimtūmenė (Prigimtūmenė, die in sich die Dinge der Erde, Pflanzen und Tiere enthält, mit Angaben zu ihrer Verwendung), Manuskript, aufbewahrt in der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau, Teil 1, Katalog-Nr. 1801; Teil 2, Katalog-Nr. 2824.
SŽ – Das alte Wörterbuch von Konstantinas Sirvydas, Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädieverlage, 1997.
MANUSKRIPTVERZEICHNIS DER NOMENKLATURNAMEN VON LAURYNAS IVINSKIS
Der Artikel behandelt nomenklatorische Namen aus der Botanik und Zoologie, die in einem dreiseitigen Verzeichnis in Laurynas Ivinskis’ Manuskript Philologinė medžiaga iš botanikos srities (Philologisches Material aus dem Bereich der Botanik) (Bestand Nr. FI–645) enthalten sind. Dieses Manuskript wird in der Handschriftenabteilung der Bibliothek des Instituts für Litauische Literatur und Folklore aufbewahrt. Oben auf den drei Manuskriptseiten steht die Abkürzung Krasz, die Ivinskis verwendete, um den Nachnamen des zeitgenössischen polnischen Kulturschaffenden und Historikers Józef Ignacy Kraszewski (1812–1887) abzukürzen. Der Vergleich zwischen Ivinskis’ Verzeichnis und der Liste der Tiere, Vögel und Pflanzen (Przypiski. Nazwania zwierząt, ptaków, drzew i kwiatów znanych Litwie (Anmerkungen. Namen der in Litauen bekannten Tiere, Vögel, Bäume und Blumen)) (S. 274–283), die in Kraszewskis Buch Litwa. Starożytne dzieje, ustawy, język, wiara, obyczaje, pieśni, przysłowia, podania i t. d. (Litauen. Alte Geschichte, Gesetze, Sprache, Glaube, Sitten, Lieder, Sprichwörter, Überlieferungen usw.) (1847) enthalten ist, zeigt, dass Ivinskis die Namen aus Kraszewskis Werk abschrieb.
Ivinskis’ Verzeichnis der Nomenklaturnamen ist keine genaue Abschrift von Kraszewskis Liste der Tiere, Vögel und Pflanzen. Die Wiedergabe der Namen unterscheidet sich: Ivinskis übernahm nur etwa zwei Drittel von Kraszewskis Nomenklaturnamen, und etwa der Hälfte davon fügte er Synonyme oder Varianten hinzu.
Die meisten von Ivinskis hinzugefügten Synonyme stammten aus seinem heimischen samogitischen Dialekt (apušis (Espe), kuišis (Mücke), paukštvanagis (Sperber), vapsa (Wespe) usw.); einige Namen wurden höchstwahrscheinlich von Ivinskis selbst gebildet (neris (Biber), trakšlys (Star), varnarėža (Klette), kasamoji druska (Steinsalz)). Die meisten Varianten sind orthografischer Art oder stammen aus dem samogitischen Dialekt, da Ivinskis von Kraszewski falsch geschriebene Namen korrigierte.
Eingegangen am 15.11.2013
Albina Auksoriūtė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected]