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ALGIRDAS SABALIAUSKAS
Institut für Litauische Sprache
IN MEMORIAM KAZYS PAKALKA (1928–2009)
Am 16. September 2009 verließ uns, von schwerer Krankheit gezeichnet, der fleißige Lexikograf und bedeutende Erforscher der Geschichte der litauischen Lexikografie Kazys Pakalka. Er ging still (still war er auch im Leben), ohne Blumen, ohne Abschiedsreden und ohne seine engsten Freunde oder Bekannten stören zu wollen. Er starb in Vilnius, wo der größte Teil seines Lebens verstrichen war; die Urne mit seiner Asche kehrte jedoch in seine Heimat zurück, auf das Grab seiner Eltern auf dem kleinen Friedhof des Dorfes Gedžiūnėliai.
Nicht weit von hier liegt auch sein Geburtsdorf Jūodalaukis (Gemeinde Daugėliškis, Rajon Ignalina). Der Familientradition zufolge kam Kazys Pakalka mitten während des Flachsbrechens zur Welt. Der Organist trug jedoch in die Pfarrbücher ein: das Jahr 1928
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Page 2am 1. Januar. Neugeborene jünger zu machen, war damals recht üblich – später mussten sie ja zum Militär.
1941 begann Kazys Pakalka den Unterricht am berühmten Vilniuser Vytautas-Großgymnasium. Der Verstorbene erinnerte sich oft mit anerkennenden Worten an den sogenannten Generalberater für Bildung während der deutschen Besatzungszeit, den Arzt Pranas Germantas (Meškauskas)1, der sich besonders um die litauischen Schulen im Gebiet von Vilnius kümmerte. Den Weg zur Bildung erleichterte dem künftigen Sprachwissenschaftler auch sein Onkel, der langjährige Pfarrer von Marcinkonys Nikodemas Pakalka, an den sich seine Gemeindemitglieder sehr gern erinnern. Er hatte einst in der Schweiz an der Universität Freiburg gemeinsam mit Vincas Mykolaitis-Putinas studiert und eine Zeit lang auch am Vilniuser Vytautas-Großgymnasium gearbeitet. Nikodemas Pakalka war, könnte man sagen, Sprachwissenschaftlern gegenüber sehr gastfreundlich. Professor Juozas Balčikonis verbrachte hier nicht nur die Sommer; auch die Bienen des Professors fanden nahe dem Pfarrhaus eine angenehme Unterkunft. Häufige Gäste waren hier außerdem Kazio Pakalkas Freunde Aloyzas Vidugiris und Antanas Balašaitis. Die Einheimischen verdächtigten die drei jungen Männer, Kleriker zu sein.
Unter den Litauistikstudenten, die im Herbst 1948 ihr Studium an der Universität Vilnius begannen, war Kazys Pakalka zunächst nicht. Er kam etwas später hinzu, nachdem er von der Forstwirtschaftlichen Fakultät „übergewechselt“ war. Bei seinem Verzicht auf den für einen Dorfmenschen eigentlich begehrteren Beruf des Forstmanns spielten vermutlich die Litauischstunden seines Lehrers am Vytautas-Großgymnasium, Lionginas Vaitiekūnas, keine geringe Rolle. Bei den Formalitäten des „Wechsels“ half seiner ehemaligen Schülerin ihr Lateinlehrer, die spätere Universitätsdozentin Jadv yga Tijūnelytė (Šimkauskienė).
Seine Kommilitonen erinnern sich an Kazys Pakalka als einen Studenten von außergewöhnlichem Fleiß. Zu Prüfungen erschien er nie unzureichend vorbereitet. Der Verfasser dieses kurzen Beitrags könnte das nachdrücklich bezeugen – denn er legte die Prüfungen gewöhnlich unmittelbar nach seinem Freund ab. Nur selten konnte man ihn in Tanzsälen oder anderen Vergnügungslokalen antreffen. In Stadien schrie er nie. Allerdings kommt mir eine lustige Episode in den Sinn: Der Sportlehrer sah, wie mühelos sein Student am Seil hinaufkletterte, und hier
1 Pranas Germantas (1903–1945) 1936 m. Leipcigo universitete apgynė disertaciją „Liaudies papročiai lietuvių šeimos gyvenime“. 1941 m. buvo paskirtas Švietimo generaliniu tarėju. 1943 m. suimtas už priešinimąsi nacių politikai, ypač paskelbtai mobilizacijai į SS dalinius. Mirė Štuthofo koncentracijos stovykloje apsikrėtęs šiltine. Lietuviai kaliniai, papirke krematoriumo viršininką, išgavo jo urną ir bėgdami iš stovyklos išsigabeno į Švediją. Vėliau palaidojo vienose Kopenhagos kapinėse. Deja, kapas 1960 m. buvo sunaikintas. P. Germanto brolis, lituanistas mokytojas, įvairių redakcijų darbuotojas, aktyvus Lietuvių kalbos draugijos narys Kastas Meškauskas (1906–1932) nuskendo prie Palangos. Plačiau apie P. Germanto veiklą žr. M a c k o n y t ė B. Vilnius karo karuselėje. – Vilniaus kultūrinis gyvenimas. 1939–1945. Vilnius, 1999, 78–88.
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Page 3Er untersuchte sogar noch einmal dessen Muskeln und drängte ihn nachdrücklich, zum Boxtraining zu gehen. Doch solche Angebote vermochten den fleißigen Litauisten nicht im Geringsten zu reizen. Kazys Pakalka, der wie andere aus dem Gebiet von Vilnius stammende Studenten in seiner Kindheit nationale Unterdrückung erlebt hatte, war uns, die wir aus anderen Gegenden Litauens an die Universität gekommen waren, wohl erheblich litauischer und reagierte empfindlicher auf jede Absicht der Fremden.
Bald wurde Kazys Pakalka ein aktiver Sammler von Wörtern für das akademische Lietuvių kalbos žodyno. Wir Kursfreunde blickten vielleicht manchmal auch ein wenig neidisch zu, wenn Professor Juozas Balčikonis seinem Studenten während der Vorlesung einen Beleg überreichte und erklärte, dass er in Antakalnis für die mitgebrachten Wörter etwas Geld bekommen werde. Im Laufe seines Lebens trug Kazys Pakalka wohl mehr als 20.000 Wörter für das Wörterbuch zusammen. Die meisten Wörter hat er vermutlich seiner Mutter Anelė Pakalkienė (Cicėnaitė) abgelauscht. Pakalkienė beherrschte ihren heimischen Dialekt sehr gut; ihre Sprache war von seltener Anschaulichkeit und Wortfülle. Es sei daran erinnert, dass Kazys Pakalka seine Mutter über alles liebte. Die Ehefrau des Verfassers dieses Artikels, die als Ärztin mit Pakalkienė zu tun hatte, sagte, sie habe in ihrem Leben keinen anderen Menschen getroffen, der sich so um seine Mutter gekümmert habe wie Kazys Pakalka.
Schon früh beschäftigte sich der künftige Sprachwissenschaftler auch mit der Erforschung der Geschichte der litauischen Lexikografie. Unter der Leitung von Professor Jonas Palionis verfasste er eine wertvolle Diplomarbeit über das handschriftliche Wörterbuch von Dionizas Poška2.
Nach seinem Universitätsabschluss im Jahr 1953 unterrichtete Kazys Pakalka einige Jahre am Pädagogischen Institut Vilnius. Seine gesamte weitere wissenschaftliche Tätigkeit war jedoch vor allem mit dem Institut für Litauische Sprache verbunden. Während seiner Aspirantur verfasste er dort eine Dissertation Pirmasis lietuvių kalbos žodynas (Konstantino Širvydo3 „Dictionarium trium linguarum“ 1629 m.). Betreuer war Dozent Jonas Kruopas. Der offizielle Gutachter der Dissertation, Professor Juozas Balčikonis, schloss sein Gutachten mit den Worten: „Die geleistete Arbeit verdient es mehr als verdient, dass der Wissenschaftliche Rat der Verleihung des Kandidatengrads der Philologie an K. Pakalka zustimmt.“ Sowohl Professor Juozas Balčikonis als auch die Mitglieder des Wissenschaftlichen Rates waren besonders beeindruckt vom zweiten Teil der Dissertation – einem 917 Seiten umfassenden Register litauischer Wörter. „Es versteht sich von selbst“, sagte J. Balčikonis, „dass für ein derart umfangreiches Register eine Unmenge Arbeit aufgewendet wurde. Man sollte es sofort veröffentlichen. Andernfalls,
2 Siehe P a k a l k a K. Die Entstehung und das Schicksal des Wörterbuchs von D. Poška. – Lietuvių kalbotyros klausimai 29, 1991, 113–117.
3 Die Mitarbeiter des Instituts für Litauische Sprache und Literatur mussten damals diese Form des Nachnamens unseres Lexikografen verwenden.
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Page 4wäre das Kapital in der Erde vergraben.“4 Nach Ansicht von Professor Kosto Korsakas sollte man Dissertationen solchen Umfangs überhaupt verbieten.
Man kann sagen, dass die Arbeit an diesem Denkmal der litauischen Lexikografie mit der Verteidigung der Dissertation erst begann. Kazys Pakalka veröffentlichte zahlreiche Artikel über das Wörterbuch und seinen Verfasser, er ermittelte die Quellen des polnischen Teils des Wörterbuchs, korrigierte die Datierung der Erstausgabe und untersuchte die Neologismen. Vor allem aber bereitete er mit einleitenden Studien und Registern litauischer Wörter Faksimile-Neuausgaben der sogenannten ersten (um 1620) und dritten (1631) Ausgabe vor – prächtige Ausgaben, die heute allen zugänglich sind (Pirmasis lietuvių kalbos žodynas, 1979; Senasis Konstantino Sirvydo žodynas, 1997).
Man könnte sagen, dass Konstantinas Sirvydas die große Liebe Kazio Pakalkas als Forscher war und ihn bis in seine letzten Lebenstage begleitete.
Ein weiteres Gebiet der litauischen Sprachwissenschaft, auf dem der Verstorbene ebenfalls viel geleistet hat, war das akademische Lietuvių kalbos žodyno. Kazys Pakalka kam mit diesem wichtigsten Werk unserer Lexikografie, an dem das litauische Volk, könnte man sagen, genau hundert Jahre lang arbeitete, bereits als Student in Berührung und wirkte fast vier Jahrzehnte lang aktiv daran mit. Für diese Arbeit wurde ihm 1996 gemeinsam mit anderen Lexikografen der Wissenschaftspreis der Republik Litauen verliehen.
Kazys Pakalka interessierte sich auch für die Geschichte einzelner litauischer Wörter, für Fragen der litauischen Sprachforschung, für Sprachpflege und für den Dialekt seiner Heimat Daugėliškis.
Wissenschaftliche Weggefährten und Arbeitskollegen erinnern sich an Kazys Pakalka als einen besonders sensiblen, stets konzentrierten und aufrichtigen Menschen.
Lieber Freund, ruhe in Frieden, nachdem du für immer in den Winkel unserer Erde zurückgekehrt bist, der deinem Herzen am teuersten war.
4 Balčikonis J. Rinktiniai raštai. Bd. 1. Vilnius, 1978, 367–370.
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