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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, II LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

BESONDERE FORMEN DES GENUS, NUMERUS UND KASUS IM DIALEKT DES MITUVA-FLUSSGEBIETS1

EL. GRINAVECKIENĖ

I. Genus

1. Genus der Substantive. a) Neben Substantiven männlichen und weiblichen Geschlechts werden im Dialekt auch Substantive des gemeinsamen Geschlechts recht häufig verwendet (natürlich ist ihre Zahl deutlich geringer als die der Substantive männlichen und weiblichen Geschlechts). Alle Substantive des gemeinsamen Geschlechts haben eine abwertende Bedeutung. Diese Substantive können ein- oder zweistämmig sein, z. B.: hvežė (Dummkopf), góbdašėra (Geizhals). Meist haben sie einen verbalstämmigen Wortstamm. Die meisten Substantive des gemeinsamen Geschlechts im Dialekt sind o-Stämme; es kommen jedoch auch Bildungen mit den Stämmen a-, ia-, ē-vor, z. B.: (o-Stamm) akiplėša, badvasa (jemand, der abgemagert ist oder Hunger leidet), čupā (jemand, der lange herumwerkelt und herumtastet), dărnba (Schlaffi, jemand von unansehnlichem Äußeren), geibā (vertrocknetes Wesen), glāumã (schorfiges Wesen), gróva (jemand, der leicht hinfällt), gu˙ra (jemand, der durchnässt ist und es nicht scheut, noch nasser zu werden), gu˙stã~gušta (jemand, der lange herumwerkelt), gvēra (Dummkopf, Tölpel), kebėžā (jemand, der ungeschickt ist), kerėpla (jemand, der sich breitmacht), klipirã (jemand, der krumm ist), kvarnã (Tölpel), liežūvnešā (jemand, der Klatsch verbreitet), nakūbalda, pičkūrna, plū̄rpa (jemand, der sich aufregt), plūmpa (jemand, der so breit wie lang ist; sehr dick angezogen), popā (jemand, der verwöhnt ist und keinen Schmerz erträgt), ruknã (mürrisches Wesen), snarglā (Unreifer), susnā (jemand, der erschöpft und heruntergekommen ist), skretna (jemand, der verkrustet ist), terlā (jemand, der sich im Schmutz herumwälzt), užžomirša, žūgara (frecher Mensch); (a-Stamm) bā.r.šrāls~barškalas (jemand, der klirrend spricht), mākals~mākalas (jemand, der unachtsam etwas tut und alles durcheinanderbringt), ta.r.šrāls~tarškalas (jemand, der klirrend spricht); (ia-Stamm) glōbis (Geizhals), gōželis (Tölpel, Dummkopf), vēpelis (Tölpel); (ē-Stamm) kuislē (jemand, der lange herumwerkelt), loj˙nē~lojyne (Schwätzer), memē (Dummkopf, jemand mit langsamer Auffassungsgabe).

Substantive des gemeinsamen Geschlechts stehen im Satz meist als nominaler Prädikatsteil, z. B.: i_bū˙k tu_mā tōka glāumã, kō_tu tōks grōva; mū˙su tieus tōks plū˙rpa; ji tōka gu˙stã

1Der vorliegende Aufsatz ist das Kapitel zur Morphologie aus Teil II der „Dialekte des Mituvagebiets“. Der erste Teil dieser Arbeit, „Die Phonetik der Dialekte des Mituvagebiets“, wurde im ersten Band der „Fragen der litauischen Sprachwissenschaft“ (Vilnius, 1957, S. 119–180) veröffentlicht. Die dialektalen Beispiele in diesem Aufsatz sind auf der Grundlage der phonetischen Transkription des „Programms zur Sammlung von Material für den Atlas der litauischen Sprache“ (Vilnius, 1956) wiedergegeben und nur dann in die Schriftsprache übertragen, wenn sie unklar sind oder unterschiedlich verstanden werden können.

12. Kalbotyros klausimai II.

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b) Die Substantive arklys, avis, karvė, kiaulė, meška, pamatinė, rupūžė, šuo, varna, velnias, višta u. a. werden im Dialekt häufig in übertragener Bedeutung als Schimpfwörter oder zur Charakterisierung von Personen verwendet. In diesem Fall nehmen sie bestimmte Merkmale von Substantiven des gemeinsamen Geschlechts an; die mit ihnen verwendeten Pronomen (jis, tas, toks, koks, šitas) und Adjektive (tikras, didelis, baisus) müssen sich grammatisch nicht unbedingt im Genus an sie angleichen, z. B.: jis didelis kaulė; ji tóka arklės; jis tikras rupūžė; toks meška sėd acėdęs; šitoks pamatinė dáži akís leṇda; tikra velnes ta jō bóba

c) Aus der Schriftsprache übernommene Substantive, die eine Tätigkeit oder einen Beruf von Menschen bezeichnen oder typische Merkmale der Angehörigen dieses Berufs aufweisen, werden im Dialekt ebenfalls als Substantive des gemeinsamen Geschlechts verwendet, z. B.: ji gerà advikàč būtų (sie wäre eine gute Anwalt); ale tóka tard’tojis ta tava bóba (deine Frau ist wie ein Vernehmer).

d) Wie in der Schriftsprache haben die Dialektsubstantive, die Handelnde oder Personen bezeichnen, männliches oder weibliches Genus. Feminine Bildungen werden meist aus maskulinen Bildungen gebildet, indem die Endung -ė angefügt wird, z. B.: augi’tinis~augtinis und augi’tine~augintinė, kveisli’s, kveisle, raibūks~raibūkas (gesprenkelter Hahn), raibūke~raibūke (gesprenkelte Henne). Besonders zahlreich sind im Dialekt diese Substantive (darunter alle Bildungen mit den Suffixen -škis, -škė, -(s)kus, -(s)kė, -(s)lys, -(s)lė, -(s)nys, -(s)nė u. a.), die eine abwertende Bedeutung haben, z. B.: čerksli’s, čerkš-lė, dičkis (<did + škis), dičke~dičke, drū’čkis, drū’čke~drūčke, rū’gli’s (Heulsuse), rū’glė, ręksni’s (Heulsuse), ręksnė, snaudā’lus, snaudā’le~snaudālė, šaukli’s, šauklė, zi’žli’s, zi’žlė, zurzli’s, zurzlė, žopli’s, žoplė | Feminine Bildungen, die aus zweisilbigen maskulinen Ableitungen mit den Suffixen -(s)kus, -lius (aus (i)u-Stämmen) gebildet sind, werden im Dialekt parallel mit zwei Suffixen verwendet: -ė und -uvienė, z. B.: āklus und āklė, ākluvienė, džū’skus, džū’ske, džū’skuvienė, dri̇̄pkus, dri̇̄pke, dri̇̄pkuvienė, gē.l.čkus, gē.l.čke, gē.l.čkuvienė, li̇̄pkus, li̇̄pke, li̇̄pkuvienė, plū.r.phkus, plū.r.phe, plū.r.phkuvienė, smi̇.r.skus, smi̇.r.ske, smi̇.r.skuvienė, sė.i.lus, sė.i.le, sė.i.luvienė, škāplus (Mensch mit Zahnlücke), škāple, škāpluvienė | In diesem Fall bezeichnen die mit dem Suffix -uvienė gebildeten Formen jede Frau (unverheiratet oder verheiratet), die abwertend konnotierte Eigenschaften hat oder denen solche zugeschrieben werden.

e) Im Dialekt gibt es Substantive, deren Genus sich von dem der entsprechenden Substantive der Schriftsprache unterscheidet. Die meisten dieser Substantive sind im Dialekt neu und von anderswoher übernommen, z. B.: ā.n.cpauda (Stempel), fílma (Film), kāima (Dorf), kombāina (Mähdrescher), mȯ.rkes (Karotte), paštā (Post), pi’pkis (Pfeife), pōpiera (Papier), sli’rus (Pflaume), smakrà (Kinn), kantōrs (Kontor) u. a. Bei einigen dieser Wörter könnte es sich um Kontamination handeln: Anstelle des Fremdworts könnte man begonnen haben, eine litauische Wurzel zu verwenden, während das Genus des Fremdworts erhalten blieb (vgl. ā.n.cpauda und pečėlis, kāima und ūlyčia).

f) Unregelmäßig werden einige i-Stamm-Substantive im Dialekt parallel sowohl maskulin als auch feminin gebraucht. Entsprechend variieren auch ihre Stammschlüsse, z. B.: juoc debesys~juodas debesis, júoda debesė~júodo debesio und júoda debesīs, júodos debesės, stōrs kietis, stōra kiečė~stōro

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kiečio ir storà žiẽtė, storõs kiẽtės, juodì suõdžei (suodžiai), juõdas suõdi~juó-dos súodys, bã.i.sus žvẽris, baisã.u.s žvẽre (žvėrio) ir baìsi žvẽris, baìsõs žvẽries

g) Die Substantive „dėdė, tėtė“ „dėdė, tėtė“, die im Litauischen zur männlichen Gattung gehören, werden im Dialekt häufiger mit ia-stämmigen Endungen gebraucht, z. B.: „dėdis, tėtis, dėdže~dėdžio, tėče~tėčio, dėdžui, tėčiui, dėdi~dėdį, tėtin~tėtį, dėdžų, tėčių, dėdį || dėdžau, tėti, dėdžei~dėdžiai, tėčei~tėčiai, dėdžems, tėčems, dėdžus, tėčus, dėdžės~dėdžiais, tėčės~tėčiais.“

h) Alle Nachnamen mit o-, io- und ė-Stamm, die männliche Personen bezeichnen, sind im Plural vollständig in den für das männliche Geschlecht charakteristischen a- bzw. ia-Stamm übergegangen, z. B.: „bi·là~Bylà und bi·lã.i.~Bylai, pémpė~Pėmpė und pempẽ.i.~Pempiai, sa-deikà~Sadeikà und sadeikã.i.~Sadeikai, pætrãvi·če~Petra vyčia und pætrãvi·čẽ.i.~Petravyčiai.“

2. Genus der Adjektive. a) Neben dem Maskulinum und Femininum wird im Dialekt auch das Neutrum der Adjektive verwendet. Es ist adverbialisiert und unflektiert, wie auch in der Standardsprache, z. B.: „bãlta, gražù, grašù, nuobodu, šalt“ | Das Neutrum der Adjektive ist seltener als das Maskulinum und Femininum. Adjektive mit ia- und ė-Stamm, die nur im Plural vorkommen, haben es überhaupt nicht. Das Neutrum bezeichnet eine allgemeine Eigenschaft eines Gegenstands und kommt meist in unpersönlichen Sätzen vor, z. B.: „mã næ-gražu, vižems trõšku, va.i.kui šalt, ši.l.t kõjums“ (warm an den Füßen), „bã.i.sei gražu“ (sehr schön), „drù.čei šviesu“ (sehr hell).

b) Mitunter wird in unpersönlichen Sätzen im Dialekt anstelle des Neutrums das Femininum verwendet, z. B.: „mėnesienà, laukė šviesì; še.n.de sklidì, gal neva-žuõs; šìr·t laba.i. sklidì; ta.i šenakt šviesì; ta.i smagì laukė; ta.i gražì važiuot“. Dies ist eine im Dialekt mit den Žemaiten gemeinsame Besonderheit.

3. Genus der Partizipien. Wie die Adjektive haben auch die Partizipien (meist im Passiv) im Dialekt ein Neutrum. Das Neutrum der Partizipien im Passiv Präteritum ist ebenso häufig wie das Maskulinum und Femininum, während die Präsensform seltener gebraucht wird. Das Neutrum beider Tempora unterscheidet sich in seiner Form in nichts vom Nominativ Singular Femininum, wird aber wie der Nominativ Singular Maskulinum betont (bei Partizipien im Neutrum mit akutierter Wurzel fällt die Betonung stets mit der Betonungsstelle des Nominativs Singular der männlichen und weiblichen Partizipformen zusammen), z. B.: „tàva aukštì: bùva šukuojama“ (die Haare); „ka·bù·t mėsta i juõdus, bù·t išėję·s gẽrs“ (wenn mit schwarzer Farbe gefärbt worden wäre, wäre der Pullover gut geworden); „dá màna nešérta, dá màna negìrdita; bù·t buve· gerã.u., kà-piena bù·t nesusìota nẽšti, senẽi. bù·t numẽšta i pã.r.nẽšta; mẽdžẽs nusodì·ta eilõ.ms“ (mit Bäumen in Reihen bepflanzt); „snìega privarì·ta aukščã.u. langù; i·r pritìrta senù: žmõnù“|

Das Neutrum haben auch einige Partizipien im Aktiv, die von unpersönlichen Verben oder von Verben gebildet werden, die mitunter eine unpersönliche Bedeutung haben. Das Neutrum solcher Partizipien stimmt in seiner Form, Betonungsstelle und Intonation mit dem Nominativ Plural der maskulinen Partizipien überein. Das Neutrum der Aktivpartizipien bezeichnet meist eine vermutete,

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nicht überprüfte, angezweifelte oder wiedergegebene Handlung. Im Dialekt findet sich am häufigsten die Neutrumform der Aktivpartizipien im Präsens, doch kommen auch andere Tempora vor, z. B.: „jam šalt esą; jei pagąlsta jo (jai pagailsta jo); jam skauda pilva; duonas dá užtenka; jei (jai) buvę kieta; nebuva nieka likę; jau viskas pradusę; jam reikėję palaukti; jei (jai) būtų sunku; jei (jai) neužtekę kantrybės; dá reikia gėrt“ (man muss noch trinken).

4) Genus der Numeralia. Alle adjektivischen² Numeralia haben im Dialekt wie auch in der Standardsprache ein Maskulinum und ein Femininum, z. B.: „vieną~vienas, vieną, penktą~penktas, penktą, treči, trejas~trejos.“

Auch zusammengesetzte Kardinalzahlen haben ein Genus, wenn ihr zweiter Bestandteil das Zahlwort „du, dvi“ ist, z. B.: „abūdu, abidvi || abidi, vienudu, vienudvi || vienudi.“

Alle substantivischen³ Numeralia haben im Dialekt wie auch in der Standardsprache kein Genus.

5. Genus der Pronomina. Bei den Pronomina aš, tu, jis, ji, šitas, šita, anas, ana, katras, katra, tas, ta wird im Dialekt im Dual das Genus flektiert, z. B.: „mūdu, mūdvi || mūdi, jūdu, jūdvi || jūdi, jūodu, jūodvi || jūodi, anuodu, anuodvi || anuodi, katruodu, katruodvi || katruodi, šituodu, šituodvi || šituodi, tiodu, tiodvi || tiodi“|

6. Genus der Halbpartizipien. Wie auch in der Standardsprache werden die Halbpartizipien des Dialekts nach dem Genus flektiert, z. B.: „eidams, eidama, pasišokinėdami, pasišokinėdamas.“ Präfixlose reflexive Halbpartizipien haben für beide Genera (und ebenso für beide Numeri) eine verallgemeinerte Neutrumform und sind unflektiert, z. B.: „jis, ji, jie, jos, juodu, juodvi šnek vaip’damos, ein bardamos“|

Im Dialekt kommen selten auch reflexive Halbpartizipien im Nominativ Plural Maskulinum vor: „nają (gingen), šnekėdamiese, išėję rauk’damiese“|

II. Zahl

1. Allgemeine Bemerkungen. Neben Singular und Plural kommen in der Mundart auch Dualformen vor; der Dual ist hier jedoch seltener, und seine Formen haben meist bereits keine Dualbedeutung mehr. Von den Dualformen werden die Kasusformen der Zahlwörter du, dvi, der Dativ aller Substantive und Pronomen sowie deren feminine Instrumentalformen verwendet, z. B.: štiem penkiem dra’siem vaikām; visiem keturiem geriem arkliem; patiem pirmiem piemenim; aniem trim iškirmijusiem dantim; štiem dviem didelėm šunim; šitom penkom didelom vištom; su anō.m dviem šēnem ža’sim|

Die Beispiele zeigen, dass die Dualformen dieser Kasus zur Bezeichnung des Plurals verwendet werden und dass sie für sich allein, ohne das Zahlwort du, dvi, keinen Dual anzeigen; ebenso werden auch Pluralformen nur mit den Zahlwörtern du, dvi (und häufiger) neben Dualformen zur Bezeichnung des Duals verwendet, z. B.: štiems dviem dideliems beržams, anōms dviem bangōms avims, su tām dviēm storām skepetām || storūns skepetūns|

2 Siehe J. Žiugžda, Lietuvių kalbos gramatika, 1, 116, Kaunas, 1957.

3 Siehe ebenda, 117.

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2. Numerus der Substantive und Adjektive. a) Alle a-, ia-, u- und iu-stämmigen Substantive und Adjektive sowie alle maskulinen i-stämmigen Substantive haben in der Mundart die Akkusativformen des Duals bewahrt, z. B.: surašk du senų šluotražių; įdėk du didelu morkų; sutalpina.u. i du gerų vežimų; padarīk du naujų ąviių; išgėrau du alų (du bocalus); baigā.u. liaudies (pradžios mokyklos) du skir’iu; įsidėjau du naujų dančių

b) Von den in der Mundart vorkommenden Singulariatantum sind folgende erwähnenswert: ãtkuaps (Atemholen), atlajūs (Abfluss von Wasser aus einem größeren Fluss), ārajus (Wiederkäuen, Bolus), džovà (Trocknung), gri’nčalà (anhaltende Kälte ohne Nachlassen), gi’vuonis (Viehstecher), mutini’s (Speise aus Brot, Zucker und Wasser), pìpsas (Bruch), rāks~rākas (Zeit, in der die Vögel schlüpfen sollen), rìntis (tägliche, stets zur selben Stunde wiederkehrende Zeit), sótis, šutiene (trocken gekochte Kartoffeln).

Von den Pluraliatantum sind folgende erwähnenswert: apmatā.i. (Kettfäden), atauda.i. (Schussfäden), dėtis (Vogelorgan, in dem die Eier heranreifen), išėdas~išėdos, mintuva.i., mestuvai, išdėvas~išdėvos, išnaras~išnaros, naščei~naščiai, pagrīres~pagrīrios, pašukas~pašukos, pažāndes~pažāndės, skiemenc (Silben), smaugā.i. (Diphtherie), spāstai, šū.r.les~šiūrlės (minderwertiges Getreide), šū’ti’s (Menge, Haufen), vi’tuvai, žāptai~žābtai, žibkštei (Angina), žōmenc (Gaumen).

3. Numerus der Zahlwörter. Die Zahlwörter du, dvi, abūdu, abīdvi, vienudu, vienudvi haben in der Mundart durchgehend Formen aller Dualkasus, z. B.: dviejų, dviem, dū, dvi, abiedviejų || abiediejų, abiedviem || abiedem, abūdu, abīdvi, vienudujevų, vienudviem || vienudem, vienudu, vienudvi || vienudi.

4. Numerus der Pronomen. Die Pronomen aš, tu, jis, ji, anas, ana, tas, ta, šitas, šita, katrōs, katrā haben in der Mundart zwei Arten von Dualformen. Einige dieser Formen sind Pluralformen ohne auslautendes s, z. B.: mūm, mūm, jūm, jūm, jiem, jiem, jōm, jō.m, aniem, aniem, anōm, anō.m, tiem, tiem, tóm, tō.m, š tiem, šitom, katriem, katriem, katrōm, katrō.m. Diese Dualformen sind in der Mundart seltener und werden wesentlich seltener zur Bezeichnung des Duals verwendet. Meist bezeichnen sie den Plural. Die anderen Dualformen dieser Pronomen sind zusammengesetzt. Ihr zweiter Bestandteil ist du, dvi, z. B.: mūdu, mūdvi || mūdi, jūdu, jūdvi || jūdi, jūodu, jūodvi || jūodi, anūodu, anūodvi || anūodi, tūodu, tūodvi || tūodi, šītuodu, šītuodvi || šītuodi, katrūodu, katrūodvi. Diese Dualformen haben alle Dualkasus und werden genauso flektiert wie das zusammengesetzte Zahlwort vienudu, vienudvi, z. B.: katrūodu, katrūodvi || katrūodi, katrūodujevų || katrūodiejų, katrūodem || katrūodviem. Der erste Bestandteil dieser zusammengesetzten Pronomen ist in allen Kasus, sowohl im Maskulinum als auch im Femininum, der verallgemeinerte maskuline Dualnominativ oder -akkusativ. Bemerkenswert ist ferner, dass der zweite Bestandteil der zusammengesetzten Zahlwörter im Femininum (und, wenn die Kasusformen übereinstimmen, auch im Maskulinum) in der Mundart zwei Formen haben kann: mit bewahrtem oder phonetisch geschwundenem Laut v, obwohl das Zahlwort dvi in der Mundart niemals das v verliert.

5. Numerus der Verben. In der Mundart ist der verbale Dual sehr lebendig. Seine Formen sind keineswegs seltener als die Formen der beiden anderen Numeri-

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…mas. Den Dual besitzen im Dialekt alle Modi und alle Tempora, z. B.: mūdu ẽ.i.nava, nėšavos, ẽjova, e.i.davova, e.i.siva, e.i.tumėva, e.i.kiva, prã.u.skiros; judu e.i.na-ta, nėšatos, ẽjota, e.i.davota, e.i.sita, e.i.tumėta, e.i.kita, prã.u.skitos

III. Kasus

1. A l l g e m e i n e B e m e r k u n g e n. Im Dialekt werden wie auch in der Standardsprache sieben Kasus verwendet: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ und Vokativ. Abgesehen vom Lokativ und Vokativ unterscheiden sich alle übrigen Kasus nicht von der Standardsprache.

2. D e r L o k a t i v. Im Dialekt fehlt der Lokativ bei den Substantiven und Pronomen, die Personen und Lebewesen sowie deren Bezeichnungen benennen, z. B.: tėvas, merga, katė, šuo und dergleichen. Diese Wörter können jedoch, wenn sie eine übertragene Bedeutung angenommen haben, auch im Lokativ verwendet werden, z. B.: buvɑ.u. tēvũos (ich war bei den Eltern; ich war im Elternhaus); vienc jōs va.i.ks mergosē (eines ihrer Kinder ist ein angenommenes Kind).

Von den Lokativformen ist im Dialekt nur der inessive Lokativ noch lebendig erhalten geblieben, während alle übrigen alten Lokative verschwunden sind. Im Dialekt sind nur einige adverbialisierte Substantive erhalten geblieben, die Reste alter Lokativendungen aufweisen, z. B.: e.i.k lā.u.ka (<laukan); bėk lā.uk; aškāc lā.uk; e.i.k šali.n.; viskas e.i.n vel-nõ.p | Die Endungen der einzelnen Stämme im inessiven Lokativ sind ebenso wie die anderer Kasus von den dialektalen Lautgesetzen am Wortende beeinflusst, z. B.: didelã.m tvãrtē~didelame tvārte, gilã.m šulini~giliname šulinyje, aukštã.m kūpeti~aukštame kūpetyje, marškiniuos~marškinuose, šlašō pièvo~šlapioje pievoje, didelōs vi.r.kščōs (didelėse virkščiose), gerō žēmē~geroje žemėje, šitose li.sēse, sveikō aki~sveikoje akyje, ausisē (ausyse), gerã.m meduj~gerame meduje, visã.m spiēcju~visame spiēčiuje, šiltam raumenī~šitame raumenyje, smegeni-sē (smegenyse).

Anstelle des illativen Lokativs wird im Dialekt der Akkusativ mit der Präposition į verwendet, z. B.: einū į miestą, į gire, į lā.u.ka~į miestą, į girią, į lauką. Im Dialekt kommen Fälle vor, in denen der inessive Lokativ anstelle des illativen verwendet wird, z. B.: aš žōles lovī supī'lau~aš žolės lovyje supyliau.

3. D e r V o k a t i v. a) Der Vokativ kommt im Dialekt seltener vor als die übrigen Kasus. Er kann auftreten bei: 1) allen Substantiven, die Lebewesen bezeichnen, z. B.: vaikē, šunīe, šunūk; 2) Substantiven, die bestimmte Abstrakta bezeichnen, z. B.: va.rge, dievē; 3) in der Volksdichtung haben bisweilen auch andere Substantive den Vokativ, z. B.: api'nēli ka' du'mōji (1. d.); tu_eglūte, tu_žalōje~tu eglūte, tu žalioja; 4) seltener Adjektive, z. B.: ō_tu mana mažīti; sveikā brangōje mamīte; 5) Pronomen, z. B.: jūs padūkai (o ihr Wildfänge); 6) sehr selten Numeralien, z. B.: tu antrōje kva.i.le; 7) in seltenen Fällen Partizipien, z. B.: o_tu išlēpi'c pikčiūrna~o du verwöhnte pikčiūrna.

b) Der Singularvokativ der Substantive unterscheidet sich, mit Ausnahme der a-Stämme, stets seiner Form nach vom Nominativ.

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a-Stämme. Der Vokativ Singular der Substantive hat zwei Formen: mit der Endung -e und mit der Partikel -ai. Der Vokativ Singular mit der Endung -e ist häufiger und weiter verbreitet, z. B.: vìre, pā.r.še, žẽnte, và.rge, kàtine, āvine, vežtìke, pìrmininke. Die Betonung des Vokativs Singular unterscheidet sich in keiner Weise von der des Nominativs Singular; lediglich zweisilbige Wörter der IV. Akzentklasse können ohne jeden Bedeutungsunterschied auf zwei Arten betont werden: auf dem Stamm und auf der Endung, z. B.: dieve, dievè, và.rge, vargè, và.zike, vaikè, šẽške, šeškè, vì.l-ke, vilkè.

Eigennamen und die an ihrer Stelle stehenden Wörter mit a-Stamm haben im Vokativ Singular die Partikel -ai, z. B.: jõnai, antānai, rōkai, tēvai pã-trai, tētūkai. Die Partikel ist gewöhnlich unbetont. Mehrsilbige Wörter können im Vokativ Singular auch ohne Partikel auftreten, z. B.: juozap, kazimier, tētūk, brolūk

Alle Wörter mit ia-Stamm und nicht endungsbetonter Akzentuierung haben im Vokativ Singular einen unbetonten Stammauslaut -i, z. B.: juōdi, sã.r.ti, kãlvi, tēti, gi˙vuoli, vaikēli, katinēli Wörter mit endungsbetonter Akzentuierung haben im Vokativ Singular stets die betonte Endung -i, z. B.: arklì, ešerì, gaidì, garnì, ožì, vi˙turì.

Das Substantiv brólis hat einen zweifachen Vokativ: mit der Endung -i und mit dem Stammauslaut -au der Substantive mit u-Stamm, z. B.: bróli und brolã.u.

Substantive mit o-, io- und ē-Stamm haben im Vokativ Singular als Endung den unveränderten Stammauslaut, der gewöhnlich unbetont ist, z. B.: tēta, mā.r.čė~marčia, óška, vīšta, li˙dėka, rā˙gana, kàte, kumēle

Substantive mit i-Stamm und konsonantischem Stamm haben im Vokativ Singular die Endung -ie. Wörter mit endungsbetonter Akzentuierung betonen diese Endung, während Wörter mit Stammakzent den Akzent auf dem Stamm behalten, z. B.: avìe, āntie, vagìe, grobuonìe, šūnie, obelìe | Feminine Substantive mit i-Stamm können hier neben ihrer Stammendung auch die Endung -ē der Substantive mit ē-Stamm haben; diese ist im Dialekt seltener, z. B.: ānte, žāse, āve | Möglicherweise handelt es sich dabei um einen Einfluss des Samogitischen, da einige feminine Substantive mit i-Stamm in den benachbarten samogitischen Dialekten⁴ vollständig in die ē-Stämme übergegangen sind. Einige maskuline Substantive mit konsonantischem Stamm haben hier bisweilen auch die Endung -i des ia-Stamms, z. B.: piemenì | In erstarrten Wendungen kommen Beispiele des Vokativs Singular mit reinem konsonantischem Stamm vor, z. B.: vōver, vōver netingēk

Alle Substantive mit u- und iu-Stamm haben im Vokativ Singular als Endung den unveränderten Stammauslaut -au; bei Wörtern mit Stammakzent ist dieser unbetont, bei Wörtern mit Endungsakzent betont, z. B.: kẽ.r.džau~kerždžiau, alā.u., sunā.u.

c) Der Vokativ Plural stimmt mit Ausnahme von vaìkai in Form und Akzentstelle mit dem Nominativ Plural überein, z. B.: bóbas ~ bóbos, mā.r.gas ~ mèr.gos.

d) Der Vokativ anderer Wortarten ist im Dialekt selten; seine Singular- wie auch seine Pluralform stimmt gewöhnlich mit dem Nominativ überein, z. B.: gerāsis vaikēli; pasìlktōje sesūte ~ pasilgētōja sesūte; o jūs kvà.i.las bóbas ~ o jūs kvailos bóbos; māna mì˙lemi vaikēlei (meine geliebten Kinder).

4 Žr. P. Jonikas, Pagramančio tarmė, § 90, Kaunas, 1939.

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Adjektive mit mehrsilbigen ia- und ē-Stämmen können im Vok. Sg. doppelte Endungen haben: die Anrede- und die Nominativendung, z. B.: o tu mė́tini || mė́tinis me.i.tėli; o tu sta.i.nini || sta.i.ninis drigą.nte; o tu mažė.tėli || mažė.tėlis vaikėli

e) Bei einer an jemanden gerichteten Anrede, die Erstaunen ausdrückt, etwas Wichtiges mitteilt oder um etwas bittet, kann der Akzent des Vok. Sg. bei Substantiven in einigen seltenen Fällen von seiner gewöhnlichen Stelle auf die Wortwurzel verlagert werden, z. B.: dū·krel; sū·nel; o tu mana vā.r.kseli maželi| Anreden mit solcher Akzentuierung sind auch in Ostlitauen, besonders in den dzūkischen Mundarten, häufig, z. B.: (Druskininkai) jiuozuli, vai.keli, jūzele; (Perloja, Nedingė) bōbute, ōnute| In der beschriebenen Mundart sind derart akzentuierte Anreden selten und im Rückgang begriffen. Man nimmt an, dass sie alt sind⁵.

Gelegentlich kann bei einer pathetischen Anrede der Akzent des Vok. Sg. von seiner gewöhnlichen Stelle ans Wortende springen, z. B.: elenutė~Elenutė, genutė~Genutė, onutė~Onutė, jeninutė~Janutė, dėdė, jonā.i, ma·mà, tėtukā.i| Eine solche Akzentuierung des Vok. ist in der Mundart seltener als die gewöhnliche, die im Beispiel unter 1k angeführt ist.

Da der Akzent nur selten ans Wortende verlagert wird, behält die ursprüngliche Akzentstelle, die in diesem Fall unbetont ist, ihre ursprüngliche Länge (möglicherweise nach dem Muster gewöhnlich akzentuierter Anreden), z. B.: ma·mà (vgl. māmā), te·tā (vgl. tētā), ele·nā (vgl. elēnā).

BESONDERS CHARAKTERISTISCHE FORMEN VON GENUS, NUMERUS UND KASUS IN DER MUNDART DES MITUVA-FLUSSGEBIETS

Э. И. ГРИНАВЕЦКЕНЕ

Zusammenfassung

1. a) Der Artikel weist darauf hin, dass es in der Mundart neben dem Maskulinum und dem Femininum auch ein gemeinsames Genus der Substantive gibt. Alle Substantive dieses gemeinsamen Genus haben in der Mundart eine abwertende Bedeutung. Sie können einsilbig sein (kēbsa „Maulaffe“) oder zweistämmig (gōbdēsra „gieriger Mensch“). Die meisten Substantive des gemeinsamen Genus haben einen o-Stamm (kliputā „Schlurfer“, sūsnā „Räudiger, -e“); es kommen jedoch auch a-Stämme vor (tarškālas „schwatzhafter Mensch“), ia-Stämme (glōbis „gieriger Mensch“) und ē-Stämme (kuislē „jemand, der lange herumwerkelt“).

b) Das Neutrum der Adjektive ist in der Mundart ebenso wie in der Standardsprache adverbialisiert. Anstelle von Adjektiven im Neutrum steht in unpersönlichen Sätzen nach dem Muster benachbarter žemaitischer Dialekte in der Mundart häufig das Femininum, z. B.: tai gražī važiuot „wie schön es ist zu fahren“, tai gražī laukē „wie schön es draußen ist“.

c) Auch Partizipien, insbesondere Passivpartizipien, haben ein Neutrum, z. B.: tāvo aukštyn šukuojama „dein (Haar) wird nach oben gekämmt“.

5 Plg. K. Būga, Kalbos dalykai, § 27. Perspausta iš „Draugijos“, Kaunas, 1909 ir Lietuvių kalbos žodynas, 1, § 36, Kaunas, 1924.

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2. a) Neben Singular und Plural gibt es im Dialekt in seltenen Fällen auch einen Dual. Dativ, Akkusativ und Instrumental des Duals sind für Substantive, Adjektive und Pronomen charakteristisch, z. B.: išgėriau du alù „ich trank zwei Gläser Bier“; šìtiem dviem mažiem vaikam daviau daugiau „diesen zwei kleinen Kindern gab ich mehr“; ėjau namõ su anõm dviem senõm tetõm „ich ging mit diesen zwei alten Tanten nach Hause“.

b) Die Zahlwörter dù „zwei“ und dvì „zwei“ haben in allen Fällen ausschließlich Dualformen.

в) Im Dialekt sind sämtliche Dualformen von Pronomen wie às „ich“, tù „du“, jìs „er“, jì „sie“, katrãs „welcher“, katrà „welche“, tàs „dieser“, tà „diese“, anàs „jener“, anà „jene“, šìtas „dieser“, šìta „diese“ sowie der Zahlwörter abìdu, abìdvi „beide“ und viẽnudu, viẽnudvi „jeweils einer“ weit verbreitet, z. B.: mìdu „wir zwei (männlich)“, mìdvi „wir zwei (weiblich)“, jùdu „ihr zwei“, jùodu „sie zwei (männlich)“, tùodu „diese zwei (männlich)“, tùodvi „diese zwei (weiblich)“, anùodu „jene zwei (männlich)“ anùodvi „jene zwei (weiblich)“.

3. a) Der Dialekt hat wie die Standardsprache sieben Fälle: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ und Vokativ.

b) Lebewesen bezeichnende Substantive haben keinen Lokativ; in seltenen Fällen kommt der Lokativ jedoch auch bei ihnen in übertragener Bedeutung vor, z. B.: rugiùs piõvėm savẽjė „der Roggen wurde von den Eigenen gemäht“; buvau tėvuõs „ich war bei den Eltern“.

в) Andere alte Lokalfälle sind im Dialekt verschwunden. Anstelle des Illativs steht der Akkusativ mit der Präposition į „in“ (einù į girìą „ich gehe in den Wald“); es kommen jedoch Fälle vor, in denen anstelle des Illativs der Inessiv steht, z. B.: aš supýliau lovõj „ich goss es in den Trog“. In seltenen Fällen begegnen im Dialekt andere, bereits adverbialisierte Lokalfälle, z. B.: eik lašùk „geh von hier weg“, eik šalin „geh fort, geh weg“, eik velniõp „geh zum Teufel“.

г) Der Vokativ der Substantive unterscheidet sich in seinen Endungen vom Nominativ nur im Singular (mit Ausnahme von Stämmen auf a); im Plural fällt er mit dem Nominativ zusammen. Der Vokativ anderer Wortarten kommt im Dialekt seltener vor als bei Substantiven; sowohl im Singular als auch im Plural stimmen seine Formen mit den Formen des Nominativs überein.

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