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LIETUVIŲ KALBOS GRAMATIKOS TYRINĖJIMAI

LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

ÜBER DAS ŽEMAITISCHE mun- und num-

B. VANAGIENĖ ir V. VITKAUSKAS

Im indirekten Kasus des Personalpronomens aš und in der Wurzel des Wortes numas „Haus“ haben die Žemaiten den Vokal u (mundartlich o, ū).

Die Singularparadigma ihres Pronomens aš lautet also wie folgt:

1. nördliche (Dounininker) Mundarten

Judrėnai

Mósėdis

Kretingà1

aš

aš

aš

mō·nes

mō·nes

mō·nes

mōnẹi

mōnẹi

mō·n | mōnẹi

mōnẹ

mūni

mōni

mōnẹ·m

mōnẹ·m

mōnẹ·m

mōnie

mōnie

mōnie

2. Südliche (Dūnininker) Mundarten

Kuršėnai

Vainutas

Viduklė

aš

aš

aš

mūnī·s

mōnes

mīnes

mūn

mō·n || mōnī·

muon2

mūnị

monẹ

muni

mūnịm

monẹ·m

mūnịm

mūnie

monie

mūnie

3. westliche (donininkische) Mundarten3

1 J. Aleksandravičius, Das Pronomen im Dialekt von Kretinga, „Kalbotyra“, Bd. 10, S. 121.

mūon < mūn, denn in den Mundarten von Viduklė und Nemakščiai entsprechen il, im, in, ir, ul, um, un, ur > iel, iem, ien, ier, uol, uom, uon, uor.

3 In einigen westlichen žemaitischen Mundarten werden heute Formen mit dem Stamm mun- verwendet (siehe Lietuvių kalbos gramatika, Bd. 1, Vilnius, 1965, S. 647), doch stammen sie wahrscheinlich aus der religiösen Literatur in westhochlitauischer Mundart, die dort früher verbreitet war. Dass die westlichen Žemaiten früher Formen mit mun- verwendeten, zeigen die von uns angeführten Paradigmen der Mundarten von Karklė und Rusnė sowie einzelne an anderen Orten aufgezeichnete Beispiele, vgl.: atpjā'uk mūnē vėsa (duonos) kā'mpa; mūni sakī'k, uo as tēvi Rmč; ē'k so mūnē·m, pariodī·so Sg; āna mūni ozī·ika gerō Krg; mūni, mūna Sausg alviai, Šilutės raj., mūn Šilininkai, Šilutės raj. usw. Dass eine in der Kirche verwendete Form der Literatursprache die Aussprache einzelner Dialektwörter beeinflussen kann, sehen wir an der literatursprachlich geprägten Form diegs || diēvas || dievas, die in den südlichen und vielen nördlichen žemaitischen Mundarten neben sūdrų, dī·valau, dī·val·čau Krš, sōdėję, diēvola'č'au, pūondėnė Lk, Trš, dēivāla'u Jdr, Ms verwendet wird. Zur früher und heute in den westlichen Žemaiten verwendeten Wurzel mun- siehe J. Lebedys, V. Urbutis, Du žemaitiški XVIII a. vidurio tekstai, „Baltistica“, IV (2), 1968, S. 301.

14*

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Kārklė4 ich? mọn mọnė? —

Rùsnė ich mùnės mùn || mùne mùnį mung·m —

Den Wurzelvokal u haben auch die Žemaiten: a) das Possessivpronomen mein, vgl.: mūna Grd, Klm, Krš, Skdv, Šauk, Vdk, Žgč; mòna Kārklė⁵, NmŠ, Pj, Rsn, Šv, Tn, Vn; mõ·na, mõ·na in allen nordžemaitischen Dialekten und im Südžemaitischen um Laukuva, Pāvandenė, Užventis und Varniai; b) die betonten Formen meiner, meine, vgl.: mònā·sis, mònūo-jė Rdn, Trš; mònā·ses Lk, Pvn, Užv; mònūoje Rsn; munūoji Krš, Šauk; c) verschiedene andere Ableitungen dieser Wurzel, vgl.: wie ich, nach meinem Vorbild Krš; der/die Meinige Ms, Pp, Rdn, Trš, Skd; mọnė·škes Jdr, Vvr; mọnėškes Pj, Tn, Vn; munā·tis: ach, mein Liebling Krš; munė·li: ach, mein Liebling Krš.

Sowohl Formen des Personal- als auch des Possessivpronomens mit dem Stamm mun- finden sich auch in den Schriften žemaitischer Autoren des 18.–19. Jahrhunderts⁶, z. B.: Tas tay ira muna oblubiencius, wiras muna, yr fargas Pannifies muna ŽCh 5; anfay muni sawa žyidu saw usłubawoie ŽCh 6; tu daugiaus m unes tayp geray ne szersy ney dabosy StnD (Anmerkung zum 17. Lied, Zweig I); Szenden dar žmona sako i sawą wiriszki mąno pats, wijtoie mąno wiriszkys Dauk B 83; tóret mąn pirmó pazadieti vissus pritarus atmesti DaukBi VII; Bene mąna dukrele? Bene mana jaunoiė? D 6; Nier mąn brotajtio žirgams balnoti D 84; Dalis žmoniu mąna wiskupistie giwenqntiu ValančŽV II 11; Saule! nedziowink tu mun upala Klementas LCh 261.

Formen mit dem Stamm mun- haben schon lange die Aufmerksamkeit der Linguisten auf sich gezogen, und zur Herkunft ihres Stammvokals wurden verschiedene Ansichten geäußert. Einige meinen, dass u hier aus a entstanden sei, das zwischen zwei Nasalen neben Vokalen gemäß dem Lautgesetz der žemaitischen Mundarten verdunkelt, d. h. zu u (o, u) wurde; nach Ansicht anderer ist der Stamm mun- mit ähnlichen Formen in anderen Sprachen (mun in den hochlettischen Mundarten mun „mich“, altslaw. мънѣ) zu verbinden.

Die Argumente der Befürworter der ersten Ansicht:

K. Būga: „… die Žemaiten wandeln a zwischen m und n oder n und m in den Vokal u um. Die Wörter namai, man, kamanos ir kamanė sprechen die Žemaiten aus als: numai, mùn arba mùnie, kāmunos ir kamunė ‚Wildbiene‘⁷.

P. Skardžius: „… anstelle des vermeintlichen žemaitischen numo gibt es tatsächlich nur namas. Hier wurde zwischen n und m a zu u (genauer: zu einem bestimmten Laut zwischen u und o) verändert, ebenso wie in den Wörtern kāmunos, mūnie aus kamanos, mūnie8.

V. Grinaveckis: „Der zweite Bestandteil (der Diphthonge am, an — B. V., V. V.) hat in vielen litauischen Mundarten den ersten Bestandteil nach hinten verlagert, verdunkelt und weniger offen gemacht … Diese Auffassung wird durch den Wandel von a zu o nicht bestätigt

4 J. Gerullis ir Chr. Stang’as, Lietuvių žvejų tarmė Prūsuose, Kaunas, 1933, p. XIV–XV.

5 Ebenda, S. XV.

6 Zu den Formen mit man- in den Schriften von Mažvydas siehe J. Senkus, Pirmosios lietuviškos knygos tarmė, LKK, Bd. 1, S. 81.

7 K. Būga, Rinktiniai raštai, Bd. 2, Vilnius, 1959, S. 282.

8 „Gimtoji kalba“, Kaunas, 1937, S. 95 (P. Skardžiaus Zusatz zu J. Labokas Aufsatz „Žemaičių namas“).

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nicht nur in diesen Diphthongen, sondern auch in anderen Fällen in der Umgebung von m, n, z. B.: nòmā ~ namāi, mònì ~ mànie…9

K. Kuzavinis: „Die Form mùnie des žemaitischen Dialekts ist phonetisch aus mànie entstanden10.“

Dieser Auffassung folgend, wird das žemaitische mun- im „Wörterbuch der litauischen Sprache“ ebenfalls meist als transponiertes man- dargestellt11.

Da P. Jonikas nach den Lautgesetzen des von ihm beschriebenen Dialekts von Pagramantis mun- phonetisch nicht aus man- transponieren kann (in Pagramantis bleiben am, an in allen Fällen unverändert), transponiert er die Formen mìnes, mùn, mùni, muni.m̄. zu mùnes, mùn, mùni, munimi und fügt die Bemerkung hinzu, dass die Wurzel mun- „wahrscheinlich auf man- zurückzuführen ist12.“

Ähnlich verfährt auch Z. Zinkevičius in seiner „Litauischen Dialektologie“, indem er sagt: „Anstelle des hochlitauischen Stammes man- haben die Žemaiten mun- (mùnes). Die Veränderung kann lautlicher Art sein, denn auch anstelle der Wörter kamãnė ‚Wildbiene‘, kãmanos, nãmas haben die Žemaiten kamunẽ, kãmunos, nùmas… Das heißt, a wird in der Umgebung eines Nasalkonsonanten zu u…“13

Im Text gibt er diese Formen überall mit dem Vokal u an, z. B.: mùn (S. 301), mùnes (S. 297), mumũ (S. 403), numiẽ (S. 403), numiẽn (S. 405) usw.

Chr. Stang weist ebenfalls darauf hin, dass das mun- der žemaitischen Dialekte aus man- hervorgegangen sein könnte14.

Die Argumente der Anhänger der zweiten Auffassung:

A. Meillet: „Die baltischen und slawischen Sprachen entwickelten eine neue (Dativkasusbildung – B. V., V. V.), zweifellos unter dem Einfluss des Genitivs: altpreußisch mennei und, mit einem anderen Ablaut der Wurzel, litauisch dialektal mùnei, urslawisch мънѣ“15.

J. Endzelīns: „Dieselbe mun- (d. h. wie im Dialekt der lettischen Augšzemnieki – B. V., V. V.) weisen die litauischen (žemaitischen) Dialekte in allen obliquen Kasus des Personalpronomens und im Possessivpronomen auf … Und Gauthiot … hat sie wahrscheinlich zu Recht mit dem slawischen mъn- im Instrumental mъnojo und im Dativ mъně…“16 Dieselbe Auffassung vertrat J. Endzelīns auch später17. (Auch heute erklären lettische Linguisten nach J. Endzelīns die Formen der Augšzemnieki-Dialekte mit u, z. B.: mu:n ‚mich‘18).

9 Vl. Grinaveckis, Phonetische Besonderheiten der nordwestlichen dünininkai-Dialekte und ihre Entwicklung, Wissenschaftliche Arbeiten des Staatlichen Pädagogischen Instituts Vilnius, Bd. 11, Vilnius, 1960, S. 77.

10 K. Kuzavins, Einige Fragen zur Geschichte der Pronomen in der litauischen Sprache. Konferenz zu Fragen der Geschichte der baltischen Sprachen. Programm und Thesen der Vorträge. Vilnius, 1964, S. 13.

11 Vgl.: Nach dem Kuckuckruf, nach dem Wiegen, scheint es, meine (orig. muna) Töchterlein, scheint es, meine (orig. muna) junge Frau (StnD 23) LKŽ VI 792; Meine (orig. mano) Töchterlein singt… (D 23) LKŽ VI 82; Wie sehr hat er mich (dial. mùni) doch gekuckuckt… (Krš) LKŽ VI 794; Er ist schneller – er wird mich wohl (dial. mùni) überholen (Klvž) LKŽ VI 49; Schon knarren und krachen meine (dial. mùna) alten Knochen (Šauk) LKŽ VI 79; Hat man schon lange einen Litauer zu mir (dial. mòne˙s) geschickt… (Plt) LKŽ VII 19; Mutter, lass mich (dial. mùni) durch die Tür hinaus… (Dr) LKŽ VII 21, obwohl in den letzten Bänden manchmal auch andere Schreibweisen vorkommen, z. B.: Du konntest zu mùni kommen (KlvrŽ) LKŽ VI 49; Ich legte es in den Mörser, damit mùni sich daran erinnere (Trk) LKŽ VI 155; Maliūtalì mano! (Lk) LKŽ VII 799; Ihr fürchtet euch, und mich werft ihr in den Schlamm (Krš) LKŽ VII 756; O mein Mädchen, o meine junge Frau… (D 34) LKŽ VII 816.

12 P. Jonikas, Pagramančio tarmė, Kaunas, 1939, p. 59.

13 Z. Zinkevičius, Lietuvių dialektologija, Vilnius, 1966, p. 299.

14 Chr. S. Stang, Vergleichende Grammatik der Baltischen Sprachen, Oslo – Bergen – Tromsø, 1966, S. 251.

15 A. Meйe, Общеславянский язык, Москва, 1951, p. 365.

16 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīga, 1951, p. 509.

17 J. Endzelīns, Senie slavu un baltu valodu sakari, „Latvijas PSR Zinātņu Akademijas Vēstis“, Rīga, 1952, Nr. 3, S. 40.

18 M. Rudzīte, Latviešu dialektoloģija, Rīga, 1964, p. 350.

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J. Otrembskis: „Das Morphem mun- wiederholt sich in allen obliquen Kasusformen des Personalpronomens der ersten Person. Seine Altertümlichkeit wird durch den altrussischen Dativ Singular мънѣ19 bewiesen.“

A. Valeckienė: „Im žemaitischen Dialekt haben alle obliquen Singularformen des Pronomens aš den Stamm mun-: munęs, mun, mune usw. … Das žemaitische mun- ist höchstwahrscheinlich ein alter Stamm und keine phonetische dialektale Umgestaltung von man-. Im Dativ Singular findet sich mun auch in Teilen der ostlettischen Mundarten“20.

Uneinheitlich wird auch der Stammvokal u. des žemaitischen Dialektwortes numas (nõ˙ms, nũms) erklärt.

Dieses Wort ist im gesamten Gebiet der žemaitischen Dialekte gebräuchlich und bedeutet: 1. Wohnhaus: Yl, Pvn, Šlnt, Užv; 2. im Plural Heimat, Elternhaus: Akm, Klk, Krš, Pp, Šauk, Trš, Vkš; 3. Stall: Pln, Rs, Vdk,; 4. Vorraum: Dov, Klp, Krg, Plik, Prk21 Besonders verbreitet sind die Adverbien: nọmēi „zu Hause, nach Hause“ Dr, Jdr, Krtn, Lk, Ms, Pp, Sd, Trš, Vvr; nõmi˙ Lkv, Pj, Pvn, Užv, Varn, Vds; nūmi˙ Grd, Pgr, Rs, Skdv, Trg, Vdk, Vn; nọmē˙ Kaŕklē22, Rsn, Sg; nọmi˙n Kv, Pj, Šv; nọmē˙n Krg; ṇumē˙n Kin Sg, Šlu; ṇumuõ Klm, Nmk, Šauk, Vg.

Den Stammvokal u haben auch abgeleitete Wörter, z. B.: numi.nis „häuslich“ Lk, Pp, Rdn, Sd, Trš; ṇumi˙nis Krš, Krtv, Skdv, Šauk; nọmē˙škes „Hausgenosse“ Jdr, Kv, Vvr; nu-mi˙škis Ms, Pp, Rdn, Trš; nọmē˙škes Pj, Šv, Vn, Žv; i˙nomi˙s „Einwohner“ Jdr, Pvn, Rdn, Trš, Vds; i˙nomā˙ute „bei jemandem wohnen“ Ms, Pp, Sd, Trš, Vn, Vvr, Žv; i˙numauti Krš, Krtv, Šauk; i˙nomēni˙nks „Einwohner“: a[š] statā˙so dide bōta, kõr galē˙so kētures i˙nomēni˙nkos i˙silē˙tē˙s Prk; nõ˙mnēšis „zu Hause tragbar“: paskuõli˙n[k] kiõke nūors koskē˙le nõ˙mnēše Ms; nõ˙msā˙rks „Hausverwalter, Aufseher“ Mžk; nõ˙msā˙rks Klk, Pp, Pvn, Rdn, Trš, Užv, Vds; ṇumsārks Krš, Krtv, Šauk; prýnumis „Vorraum“ Kalotė23.

Das Wort inumys, das wahrscheinlich aus dem Žemaitischen stammt, ist im westaukštaitischen Dialekt in der Gegend von Šakyna, Gruzdžiai und Šimkaičiai belegt.

Die Form inums wird im lettischen Dialekt von Gramzda und in den Schriften einiger Schriftsteller verwendet; in lettischen Schriften findet sich auch die Form inumnieks24.

Den Stamm num- finden wir auch in den Schriften žemaitischer Schriftsteller des 17.–19. Jahrhunderts: Broley idant nuog wilka ne atrafumime|Laukie bandos draſkomos | n u m a n tekiekime Slavočinskis LCh 77; … nu n u m u iki n u m u wayksčio, galpadas prasidama ŽCh 25; … tynay nameluſu ubagiſzkuſy, kaypo ubagay, ubagiſzka kamarely n u n u w m o j e ŽCh 43; Palinkai tusztczius N u m u s, dyrbat nor apylſi Poška LCh 269; Buwa garsas apłynkyw yr wysy žynoja Jog n u m u s to Žemaycze aytoras dabōja Stanevičius LCh 313; Sesu sesery wiszne wadyn todel jog jy ysztekiedama netrukus palaus buty n u m y s z k e

19 J. Otrebski, Gramatyka języka litewskiego, t. 3, Warszawa, 1956, p. 136.

20 Grammatik der litauischen Sprache, Bd. 1 (Hauptred. K. Ulvydas), Vilnius, 1965, S. 647 (Autorin des Kapitels A. Valeckienė); siehe außerdem A. Valeckienė, Zur morphologischen Struktur der litauischen Sprache und ihrer Entwicklung, in: Morphologische Struktur der litauischen Sprache und ihre Entwicklung, Vilnius, 1964, S. 10; A. Valeckienė, Zur Entstehung und Entwicklung der Deklinationssysteme der nichtgenusbezogenen Pronomen im heutigen Litauischen, „Baltistica“, I (2), Vilnius, 1966, S. 131.

21 Vgl. J. Balčikonis, Vorraum und Synonyme, „Baltistica“, II (2), Vilnius, 1966, S. 191.

22 J. Gerullis und Chr. Stang’as, a. a. O., S. XV.

23 J. Balčikonis, a. a. Aufsatz, S. 191.

24 J. Endzelīns un E. Hauzenberga, Papildinājumi un labojumi K. Mühlenbacha Latviešu valodas vārdnīcai, t. 1, Rīgā, 1934—1938, p. 501.

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Stn D 20 (Zusatz): Toki wissą sawą gyvenimą szenden dar kalnienaj ir Žamajteį teb waden nómąjs nu wissópirmojo ir wissóweczojo savo trobesio nómó wadınamo DaukB 30; Wadinoji Nomiejó, nu žodį nu mieji is, kórs wissados savo nómusi lin-doje Dauk B 83; Kajp asz beparejsiu? Kajp asz beatseksiu? I matuszes sódneli I senusius numelus D 10; Numaj ju buwa žemi bet gan plati, katrusi wargą wenkart su wisajs numiszkiejs giwolejs Valanč ŽV I 8.

Zur Herkunft des Vokals u in num- wird neben der bereits erörterten Auffassung, der zufolge der Vokal a zwischen Nasalkonsonanten einem lautlichen Wandel unterlag25, auch die Ansicht vertreten, dass dieser Vokal hier durch Ablaut entstanden sein könnte. Diese Auffassung vertreten R. Trautmann26 und E. Frenkel27. Auch R. Schmitlein28 neigt dazu, das Wort numai durch dialektalen Ablaut zu erklären.

Das „Wörterbuch der litauischen Sprache“ setzt die Wurzel num- gewöhnlich als nam- an; nur wenn ein Belegbeispiel aus den Schriften der alten samogitischen Autoren stammt, wird num- beibehalten29.

Aus den genannten Quellen geht hervor, dass die Forschungsgeschichte zu den obliquen Kasus des Personalpronomens der 1. Person und zur Wurzel num- in den samogitischen Dialekten eng mit der Untersuchung des Schicksals des Vokals a zwischen Nasalkonsonanten verbunden ist. Daher muss zunächst eingehender untersucht werden, ob der Vokal a zwischen m und n stets zu u wird. Handelt es sich dabei um ein für alle samogitischen Dialekte geltendes Lautgesetz, dann sind auch die Wurzeln mun-, num- lautgesetzlich aus älteren Formen – man-, nam-. entstanden.

In den samogitischen Dialekten sind nur wenige Wörter mit dem Vokal a zwischen m und n aufgezeichnet; sie zeigen jedoch Folgendes.

1. Die Wörter kāmanos, kamānė werden in Samogitien kā˙manas, kā˙manie (kāmunie) nur westlich der Linie Mažeikiai — Telšiai — Tverai — Kvėdarna30 (s. unten) ausgesprochen. Das heißt, nicht im gesamten Gebiet der samogitischen Dialekte, wie einige angeführte Zitate vermuten lassen könnten, wird in diesen Wörtern der Vokal a zwischen den Konsonanten m und n zu u. Im östlichen Teil Samogitiens spricht man diese Wörter mit a aus, z. B.: āpmest'r's, pagrā˙ž'įntas kā˙manas blęzgó˙nčes Vds; kamā˙nę i˙gė˙ls Pvn; ššperėis i kamamę.kę e golles pri šeimó˙nta (die beheizte Ofenwand) Rdn; kā˙manas gražė˙šnes — i svečės kō˙r važūji Trs; kamā˙nų bl-jāu iš tuola Krš (Dorf Rūdėnai); a piršlė˙s važū˙si, ka su kamanūms arklī˙s Krš (Dorf Pažiužmė); a tas kamani̇nis medūs Grd; kā˙manas jau švenčums, ne kuožna˙ di˙na˙ Grd; so kamanūoms arklī˙s pastati˙c ki˙mė Vn; kamā˙nes kė˙rpiese sugūlūses Skdv; sū kamanūms važū˙dava Skdv; sū kamanūoms pamā˙ue arklī˙s Pašilė (westlich von Kražiai). Schwankungen wurden sogar im Verbreitungsgebiet von kā˙manie, kā˙manas festgestellt. So sagt man beispielsweise in Tirkšliai kā˙manas (bisweilen auch kā˙manas), aber immer nur kā˙manie31. Die Wörter kā˙manie, kā˙manas sind demnach noch kein uneingeschränkter Beleg dafür, dass man-, nam-

25 Zu den Vertretern dieser Auffassung siehe die Fußnoten 7, 8, 9, 10, 12, 13, 14. Außerdem V. Pisani, Il tema baltico *nama- „Studi Baltici“, Bd. 4, 1934—1935, S. 52, zweite Fußnote.

26 R. Trautmann, Baltisch-slavisches Wörterbuch, Göttingen, 1923, p. 123.

27 E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, Heidelberg-Göttingen, 1962, p. 482.

28 R. Schmittlein, Études sur la nationalité des Aestii, Baden, 1948, p. 90.

29 Die Klykai schnattern wie Schwäne, die Hausgänse (mundartl. nómė.nės) dagegen: tar, tar, tar, kler, kler, kler (Šts) LKŽ VI 53; Die Mutter ließ das Kind zu Hause (mundartl. nómę) zurück, während es vor sich hin lallte, und ich ging auf den Markt (Grg) LKŽ VI 79; Nicht einmal die Hausangehörigen (mundartl. nómėškė) wissen, was der Grund dafür war, dass sie dorthin geriet (Brs) LKŽ VI 163; Sie selbst brachte das Kindlein nach Hause und wiegte es (S. Dauk) LKŽ VI 20; Alle Helfer gingen plaudernd nach Hause (M. Valanč) LKŽ VI 27.

30 Es ließ sich nicht herausfinden, wie die Bewohner Klaipėdas diese Wörter aussprechen. Unter den älteren Aufzeichnungen in der Zettelkartei des LKŽ gibt es einen Zettel aus Dovilai, auf dem die Form kāmanos verzeichnet ist; ob es sich dabei um eine Dialektform oder eine literatursprachlich angeglichene Form handelt, lässt sich jedoch schwer sagen.

31 Auskunft von A. Girdenis.

215

1. Grenzen der žemaitischen Dialekte; 2. Aussprachegrenze von mun-, num-; 3. Verbreitungsgebiet der Ausspracheformen kāmunos, kamunė; 4. Grenze des Übergangs von am, an > zu om (um), on (un); 5. inumyš außerhalb des žemaitischen Gebiets.

in allen žemaitischen Mundarten zu mun-, num-. Vielmehr handelt es sich um andere Suffixe der Wörter kamunė, kãmunos in den westlichen žemaitischen Mundarten (vgl. auch die in Mosėdis erzählte Form kã·menas neben kã·monas).

2. Der in Nordžemaiten weithin bekannte Name der Moore wird ausgesprochen kamã·nas ~ Kamãnos: põ·rus (Bachname) prasę·ded ęs kamã·nu, ės tū· pė·lku in Vkš (Dorf Purvėnai); in Akm, Krš, Lc, Lž, Mžk, Pp, Trš, Vgr ist der Name des kleinen dort verbliebenen Sees ka-mã·nu ẽžė·rs ~ Kamanų ežeras in Akm, Klk, Vgr, Vkš, und das Dorf nahe diesen Mooren heißt pãkamanė ~ Pãkamānai.

3. Das Verb manýti mit seinen zahlreichen Bedeutungen und Ableitungen wird in allen žemaitischen Mundarten mit dem Wurzelvokal a³² ausgesprochen, z. B.: manī·k tã·msta, mõ·ms i· gã·lva dėjiuos Vds; gė-rã· manã·us pri· mali·na Pj; ons jau manėjis sė·rktę, vọ dã·r isigõ·ndęs Šts; ašọ lãbã· manī·ta, nē·kė·ntọ leĩžọnušeu Rdn; vi·nã· buoba· su vaikū· bũ·rũ sunīkū manī·ti·s Krš; neapmanã·u kọu bedarī·tę: pięstę ẽ·tọ·nt er pǫ·snaktę ãtė·s Šts; i·šmanã·u Kv; neẽšmaniem kọu badarī·tę Brs; kã·p ãnė· tė·rp šėves kã·lb, mėš neišmanė·m Prk; ọ·nc pri tūo dã·rba nieka nepã·rmana Vvr; nepã·rmanau kan. tu cė sakãi· Ll; pėrmjã·u buobas, nu·manī·k, lī·sa pī·na cėlendrọ·ka pri·selė·da — i·viedra e nė·šã·s Lkv; kad ãnī· pã·tes nenu·šemã·na, kọ·r aš ãĩ·sọ praši·tę Pvn; kàs par ešmanī·tuoje: paiī·mso dė·rža — ešlakstī·s vėšė nēkė· Rdn. Eine Ausnahme bilden lediglich die Formen, die im Dorf Skomantai in der Umgebung von Švėkšna gehört wurden: kõ· to monã· tã·b dẽ·rbdã·ms; monī·te gãlė kã·p niore, tęķ ti·lieķ; mõna mõnī·mo, cẽ nēgerã·. Nach den Formen des Švėkšnaer Dialekts zu urteilen, z. B. den Dativformen im Singular und Plural anõm, gerõ·m, senõ·m, gražõ·m, laukõ·ms, vakõ·ms, vi·rõ·ms, arklė·ms, ist auch das erwähnte manýti wohl eine neue Aussprache (die durch Anlehnung an andere Wörter, vielleicht sogar an die Wurzel mun- des Pronomens entstanden sein könnte).

4. In den Formen der passiven Partizipien der Vergangenheit und ihren Ableitungen bleibt der Vokal a stets erhalten, z. B.: trẽnamũ·n vãisto tòrọ Pvn; marė· nama gõ·ĩ Jdr; je važõ·nama, važõuk Trš; ãnios pėnamė va·nėkã· Pj; tõrõ trės pė·namos, trī·s pė·nclã· žvī·g Užv; rõgė· pjã·uname Pkl; vagõ·rklã· ė·r ī· daigė·namis Plng; ãnà bõ·va nu sē·na gã·rbenama Ms; sũ·nkė· i· gã·unamės Vvr; penamuoji kã·ulė Yl usw.

Alle diese Fälle lassen es nicht zu, den kategorischen Behauptungen zuzustimmen, dass die Wurzeln mun- und num- phonetisch aus man-, nam- entstanden seien. Außerdem sei daran erinnert, dass das Verbreitungsgebiet von mun-, num- viel größer ist als das Verbreitungsgebiet des Übergangs der Diphthonge am, an zu ọm (am), ọṇ(un). Somit scheint das a in diesen Wurzeln unabhängig von der genannten Entwicklung der Diphthonge zu ọ (u) überzugehen, was wenig überzeugend ist.

Da festgestellt wurde, dass a in der Umgebung von Nasalkonsonanten nicht sehr regelmäßig zu u wird, lässt sich die Wurzel mun- in den obliquen Kasus des žemaitischen Personalpronomens der ersten Person Singular mutiger mit der lettischen Dialektform des Dativs Singular mun, dem altkirchenslawischen мѫнѣ und, wie S. Karaliūnas³³ angibt, sogar mit den Pronomina anatolischer Sprachen vergleichen: hethitisch am (m)uk „mich, ich, mir“, lykisch emu und amu, lydisch amu „ich, mir“.

Das žemaitische numas hat keine Entsprechung in verwandten Sprachen. Angesichts der Bedingtheit des Übergangs von a zu u zwischen Nasalkonsonanten neigen wir jedoch zu der Auffassung, dass die Annahme vorzuziehen ist, das žemaitische num- habe einen anderen Wurzelvokal.

³² Vgl. auch ältere Schriftquellen: Dwy paskutynnes atgrąžas tayp reyk yszmaniti StnD 17 (Nachtrag); Wysados wyneyp teyszmana Pabrėža; wislab parmanyset DaukBi VII; nelabs žmonių pramanimas DaukBi IX usw.

³³ S. Karaliūnas, Die ältesten Beziehungen zwischen den baltischen und slawischen Sprachen (Dissertation zur Erlangung des Kandidatengrads der philologischen Wissenschaften, maschinenschriftlich), Vilnius, 1966, S. 288; C. Каралюнас, Древнейшие отношения балтийских и славянских языков (автореферат), Вильнюс, 1967, S. 11.

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ZU DEN ŽEMAITISCHEN tip- und pit-

Б. ВАНАГЕНЕ, В. ВИТКАУСКАС

Zusammenfassung

Die obliquen Kasus des Personalpronomens aš „ich“ und das Wort namas „Haus, Hütte“ sprechen die Žemaiten mit dem Stammvokal u aus (anstelle des aukštaitischen a), z. B. mòṇèi (mòm), mò nì, mùn „mir“; nộ·ms, núms „Haus“.

Der Auffassung, dass der Vokal i in tip-, pit- phonetisch aus dem Vokal a hervorgegangen sei, kann man kaum zustimmen, da sich a zwischen zwei Nasalkonsonanten nicht in allen žemaitischen Mundarten in i „verwandelt“. Und zwar: a) Die Wörter kàmanos „Zaum“ und katànė „Hummel“ mit u, also kamunos und katunė, werden nur westlich der Linie Mažeikiai–Telšiai–Tverai–Kvedarna ausgesprochen; b) Die nördlichen Žemaiten sprechen ihre Toponyme Kamanos „Name eines Moores“, Kamanu ežeras „Kamanu-See“, Pakamaniai „Name eines Dorfes“ mit a aus: kamà·nas, kamà·ni ežė·rs, pàkamanė; c) Das Wort manyti „1. denken, meinen; 2. beabsichtigen, vermuten“ sprechen fast alle Žemaiten mit a im Stamm aus, u. a. Außerdem ist das Verbreitungsgebiet von tip-, pit- wesentlich größer als das Verbreitungsgebiet der žemaitischen Diphthongverbindungen at, ap (it, ip) < am, an. Daher ist das žemaitische Pronomen tip-, höchstwahrscheinlich mit der dialektalen Form des Dativs Singular des Lettischen tip- und dem altkirchenslawischen мьнѣ in Verbindung zu bringen. Im Wort namas könnte ein anderer Stammvokal vorliegen.

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