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Л И Е Т У В И У Т Е Р М И Н О Л О Г И Я

Л И Е Т У В О С Т С Р М О К С Л У А К А Д Е М И Ј А

E. GRINAVJACKENE, J. F. MATZKEWITSCH, E. M. ROMANOWITSCH, E. I. TSCHEBERUK

HAUSWORTSCHATZ LITAUISCHEN URSPRUNGS IN WESTBELARUSSLAND

Dialektale Daten, die auf dem Gebiet der BSSR an Orten gesammelt wurden, an denen baltische und slawische Sprachen über mehrere Jahrhunderte hinweg in Kontakt standen, besitzen einen wichtigen Erkenntniswert. Die Analyse dieser Daten und ihr Vergleich mit entsprechenden Fakten aus anderen belarussischen und litauischen Mundarten ermöglichen es, das Bild der wechselseitigen litauisch-belarussischen Beeinflussung vollständiger darzustellen, neue, noch nicht hinreichend erforschte Seiten dieser Beeinflussung sowie ihre Erscheinungsformen und ihren Aktivitätsgrad aufzudecken. Die Heranziehung neuesten Materials wirft in vielen Fällen Licht auf die allgemeine Erforschung der baltisch-slawischen Problematik und erweitert Umfang und Reichweite historisch-linguistischer und ethnogenetischer Untersuchungen.

Die Gebiete Grodno und Minsk der BSSR bilden gerade einen solchen Raum, in dem das baltische Substrat in der slawischen Sprachschicht besonders deutlich zu spüren ist.

In der vorliegenden Untersuchung werden Sprachdaten verwendet, die wir 1972–1973 im Nordwesten der Gebiete Grodno und Minsk (in den Bezirken Iwje, Woronowo, Aschmjany und Wilejka) gesammelt haben.

Die Analyse der Sprachdaten gibt Anlass zu der Feststellung, dass sich in den lexikalischen und grammatischen sowie teilweise auch in den phonetischen Systemen der hier gesprochenen belarussischen Volksmundarten klar Mikrostrukturen litauischen Ursprungs mit einem engen oder begrenzten Anwendungsbereich zeigen, die den lokalen Charakter dieser Mundarten prägen. Besonders deutlich treten sie im Wortschatz hervor.

Bei der Auswahl und Charakterisierung des belarussischen Hauswortschatzes litauischen Ursprungs aus diesem Raum spielte das Kriterium der Sprachgeographie die wichtigste Rolle; gewöhnlich wird es in Verbindung sowohl mit phonetischen und wortbildungsmorphologischen als auch mit semantischen Kriterien angewandt.

Der untersuchte Dialektwortschatz wird im Artikel in alphabetischer Reihenfolge unter Angabe der Bedeutung jeder Lexem angeführt. Außerdem wird jedes Lexem durch einen oder mehrere Sätze aus den Feldaufzeichnungen veranschaulicht. Für die Orte, aus denen das Anschauungsmaterial stammt, werden entsprechende Abkürzungen verwendet (Гр=Граужишки, Bezirk Aschmjany, Ж=Жили, Bezirk Iwje, С=Солоное, Bezirk Wilejka, СС=Старые Смильгини, Bezirk Woronowo). Im Anschluss an das Anschauungsmaterial

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Es werden phonetisch, grammatisch und semantisch mögliche litauische (in seltenen Fällen lettische und prußische) Entsprechungen angeführt (wenn die Bedeutung der litauischen Entsprechung mit der belarussischen übereinstimmt, wird sie nicht erneut angegeben).

In einigen Fällen wird im Artikel die vorhandene Etymologie eines Lexems überprüft und eine neue vorgeschlagen.

абрымзацца dial. „sich abtrennen“: абрымзалася спаніца S. Die Wortwurzel ist höchstwahrscheinlich mit брынд- verwandt, siehe брынд(-а, -аць, -ацца u. a.). Diese Variante der Wurzel entstand aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine Verengung ihres Anwendungsbereichs infolge einer allmählichen Verdunkelung der Semantik.

абрындацца „nass werden, sich mit Schlamm beschmutzen“: абрындалася да фартуха, уся прамокла SS, vgl. lit. apsibrindoti (mit derselben Bedeutung), siehe брынд(-а, -аць, -ацца).

абрызгацца „sich abtragen, abbröckeln“: абрызгаўся падал, трэба падшыць B, vgl. lit. apibrigzti, siehe брызга́ць.

абцу́рыць „übergießen, durchnässen“: абцу́рыў мяне дощч SS, vgl. lit. apšiūrinti, vgl. lett. čurēt (МЕ I 422).

адвайца̄ць „beschimpfen“: адвайца̄ць я́н¹ трэба Гр; адвайца̄ў яё добра Ж, siehe вайцаць.

аджа́рыць „verprügeln (gewöhnlich mit einer Rute)“: аджа́рыла ма́тка Янцкі, што хадзіў у кусты; аджа́рыў дзяцей скараём SS, vgl. lit. žārinti „schlagen, essen, gehen“, nu-žārinti „durchprügeln“, žarūnas „Gebüsch“, vgl. ferner žāras „Rute, Zweig“, auch LEW 1290. Der semantische Zusammenhang von аджа́рыць mit žāras ist unserer Ansicht nach durchaus möglich; die Autoren des Artikels schließen jedoch nicht aus, dass es auch mit slav. жа́рить verwandt ist.

адлі́на „Tauwetter“: мáкci ве́цер падаўся, бу́дзе адлі́на ў; на адлі́ну маладзік праста́еца Ж, vgl. lit. atlydà, atlėgà, atlaigà (СЛЯ I 391, 395, 397, LEW 350). Die Formen dieses Wortes, адлі́га, адле́га, gelten als standardsprachliche Formen des Belarussischen (БСЛ 59).

адсці́ра abwertend „Eigenbrötler (von einer Person)“: ён такі́ адсці́ра — жыве адзін Ж, vgl. lit. ātstiras „jemand, der alles absichtlich anders macht“.

адсці́рлівы abwertend „unzugänglich, menschenscheu (von einer Person)“: наш Юзюк на дзе́ўкі не па́ча — такі́ адсці́рлівы Ж < адсці́ра (s. dort) + -лівы.

аксны́ „Federkiele“: аксны́ растуць у курэй Гр; адны аксны́ ў курцы, пе́р’яў німа́ Ж, vgl. Varianten dieser Wurzel in anderen belarussischen Dialekten: асны, аксне́, асце́нцы (Араш 1971 90), аксне́ „Federkiele“ (Сцяшк 26). Das Wort stammt höchstwahrscheinlich aus dem Litauischen akstinai „Federkiele“, vgl. ferner акцючкі.

акцючкі „Grannen“, z. B.: акцючкі ў ячменя SS, vgl. lit. akščiukai.

а́мал „Schmarotzer, der auf Birken wächst“ (Viscum album): а́мал расце́ на бярозе SS. Der Form nach ist das Wort mit lit. āmālas sowie lett. amuols, amuls, āmuls, āmals gemeinsam (МЕ I 70, LEW 9).

антара́плу́сцы „Hechelwerg zweiter Hechelung“: антара́плу́сцы ля шэрэ́ка (Leinentuch aus Werg) SS, vgl. lit. antarāpluostės (dial. antarāplūstės, uo > ū, Radun) < āntaras „zweiter“ + plūostas „Faser“.

1Der belarussische Frikativlaut wird im Text mit dem lateinischen Buchstaben h wiedergegeben.

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а́палы „rund“: ein fettes Lämmchen, so rund Ж, vgl. lit. āpalas, āpalias, apalùs (< āpvalas, āpvalias, apvalùs), lett. apals.

апі́кула abwertend „faul, schwerfällig, dumm“ (von einem Menschen, einem Tier): ach du апі́кула — mit ihm kann man nicht weiden: wie ein Baumstumpf — ob man ihn schlägt oder nicht Гр; апі́кула — steht da, die Seiten herausgestreckt² Ж, vgl. lit. apíkula, arùkula: kulti „schlagen“.

асцюкі „Grannen“: Die Grannen stechen Гр; die Grannen muss man fangen Ж, vgl. andere Varianten dieses Stammes: асцю́к, аўсцю́к (Сцяшк 36, 37). Zweifellos sind dies Varianten des Wortes акцюкі (s. d.).

арта́й „Ackermann“: der kleine Ackermann blieb zurück Гр; der Ackermann betreute die Ochsen Ж; der Ackermann pflügt mit dem Pferd С; der Ackermann pflügt das Feld СС, vgl. lit. artójas und das litauisch-polnische ortai (Зд 345).

ару́д „Getreidespeicher“: im Speicher gibt es arúdy Гр; Getreidespeicher für Roggen Б; das Getreide wurde in die Speicher geschüttet С; Getreide in den Speichern СС, vgl. ару́д, das auch in anderen belarussischen sowie russischen Mundarten verwendet wird (С VIII 85, Урб 47, ВЯ 102, БЯ 42, Араш БЛ 27), lit. arjodas. Б Сл 98 bezeichnet das Wort ару́д als regional; auf seine Verbreitung in belarussischen Mundarten wird in den Karten in Араш БЛ 33 und ДС 113 hingewiesen.

асві́р, асве́р(х) „Ziehbrunnen“: Der асві́р ist nur ein Hebel; асве́рх ist das, womit man Wasser schöpft; unser Brunnen ist mit einem асве́р С. Die Bezeichnung асве́р begegnet auch in anderen belarussischen Mundarten (Сцяшк 33) sowie in russischen Mundarten des Pskower Gebiets (Яз 78). Der Stamm ist wahrscheinlich aus dem litauischen svir- (: svirtis „Ziehbrunnen“) mit einem hinzugefügten anlautenden a gebildet, das in der Mundart häufig zu Lehnwörtern tritt (z. B. акі́ндар „uneheliches Kind“ < aus dem Deutschen das Kind „Kind“, die Kinder „Kinder“), siehe auch сві́рня.

асе́кля „Schachtelhalm“: Der Schachtelhalm ist von Nyrki Ж; hier wächst viel Schachtelhalm Б, vgl. lit. asiūkliai, auch litauisch-polnisch osiekła, osiukła (Яз 98), siehe асю́клі.

асла́ 1. „Fußboden“ (aus gestampfter Erde): ein Boden aus Lehm СС; 2. „Herdplatte“: im Ofen muss man die Herdplatte ausbessern СС, vgl. lit. aslà „Fußboden“ (aus gestampfter Erde).

асю́клі „Schachtelhalm“: Schachtelhalm wächst auf den Wiesen СС, vgl. lit. asiūkliai.

ато́сій, ато́сы „Wagenketten“: Die атосии sind eiserne Wagenketten СС; an den Wagen legte man neue ато́сы Ж; die ато́сы werden hinter den Rädern befestigt С, vgl. lit. atājijos: siēti „binden, zusammenbinden“. Die Form ато́са führen Урб 48 und Сцяшк 36 auch für andere belarussische Mundarten an; die Varianten ото́с, ато́с verzeichnet Яз 83 in russischen Mundarten des Pskower Gebiets, die Variante otosa findet Зд 345 in polnischen Mundarten bei Sejny.

²Hier und in anderen Fällen wird in einigen Ortschaften fakultativ anstelle des Konsonanten х ein к ausgesprochen (клен = хлеб, ката = хата).

³In bestimmten Fällen weichen das grammatische Geschlecht und auch der Numerus der Substantive in der Mundart des Dorfes Starye Smiljiny von den üblichen Normen der belarussischen Sprache ab.

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ато́жал, ато́жалка, ато́жалля „Trieb, Nachwuchs“: ато́жал хру́шы адро́с то́льки ато́жалы – m junger Wald СС; ато́жалкі разбе́глісь; ато́жалля расту́ць С, vgl. lit. atãžalas: žélti „bewachsen, aufgehen“. ато́жалнік „Jungwuchs“ (von Sträuchern): нлядзі – ато́жалнік jaki вырас Гр, siehe ато́жала.

ašaki „Granne“: jak zémlim jačmén’, ašaki astajuščyja Gr. Das Wort ašaki ist auch aus anderen belarussischen (sowie russischen) Mundarten bekannt (Urb 49, Jaz 79, Stjašk 39), vgl. lit. ãšakos.

ašurci „eine Gänsehaut bekommen“: jak mójny viéciar, ašurne čalaviék Gr; ašurn ja – zimna Ž, vgl. lit. pašiurpti, siehe šurp (-a, -aty).

balanda 1. „Gemüsesuppe, dünne Brühe“: zavaryli balandú, i dobra SS; 2. übertragen „Schwätzer“: oj balanda mužyk: balandzić i balandzić – kanca kraju níma B. In den angegebenen Bedeutungen ist balanda weiter verbreitet (Urb 49, Jaz 79). Das Wort stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus lit. balánda „Melde“ (Chenopodium), das auch in den Bedeutungen „dünne Brühe, Suppe aus Melde“ verwendet wird (Radun), vgl. außerdem S VIII 85.

balandzić, umgangsspr. „schwatzen“: balanda niéta: balandzić i balandzić siedziačy, jak u ciabié cjarplivaści chvatáje B; ach, balandzić aby što S, vgl. die zweite Bedeutung von balanda und lit. balandiúoti „klopfen, lärmen, schwatzen“. Andererseits lässt sich nicht ausschließen, dass balandzić zu lautnachahmenden Wörtern wie balbatúoti, tabalúoti u. Ä. gehört.

baltušnik „Kürschner“: baltušnik – što škuru vyrabljay̆ Gr; da baltušnika skūru paniós SS. Das Wort in der angegebenen Bedeutung ist auch aus polnischen Mundarten bei Sejny bekannt (Zd 336), vgl. lit. baltùšnykas, baltùšniṅkas (< baltùšininkas), baltùšis „Kürschner“, „sauber, hellhäutig“. Daraus baltušnik < bál tas + -ùšis + -ìnykas (-ininkas).

barykuli 1. „Klappertöpfe“ (Alectorolophus): barykuléy̆ набрала SS; prypséli barykuli, treba kasić siéna SS; 2. „Glöckchen“: barykuli – zvanóčki, što kanju viéšajuc SS, vgl. lit. barškūliai: barškėti „klirren, klappern“.

basćilaja „Landstreicherin, Umherziehende“: jana byla pryjéchay̆šaja – takaja basćilaja, pataskúcha S, vgl. lit. bastýtis „umherstreifen, herumirren, wandern“, bastūnas „Wanderer“.

begun „Türvorhang“: dźviery na begunie varaščajuc SS, vgl. lit. bėgūnas. Andererseits kann das Wort auch den baltischen und slawischen Sprachen gemeinsam sein, da die Wurzeln selbst etymologisch verwandt sind.

beral „Körner mit Spreu“: zmaloj berala, treba padać svíniam SS, vgl. lit. bėralas.

berlica „Körner mit Spreu“: z berlicy chleb pjakli, ziorny z mjakinaj S; u chleb dabavljali mjakiny i nazyvali berlicaj S, vgl. beral.

bizdris „schwanzlos“: kot bizdris; bizdris karova – ohne Schwanz SS, vgl. lit. bizdrỹs (Radun), bizas (Jurbarkas), bizdris, biznis „kurzschwänzig“, bizdūkas (Jurbarkas), bizdžiukas „kleinwüchsig“, bizinti „verkürzen“.

birbaty „schwanzlos“: birbatyja karova Gr. Das Wort ist zweifellos eine Variante von virbaty (siehe dort), da die Angehörigen der älteren Generation in dieser Gegend virbaty aussprechen, die jüngeren dagegen birbaty. Die Variante bir-

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ба́мбы entstand durch eine allmähliche Bedeutungsverdunkelung des Wortes вiрбáты.

блі́кшчук „Blitz“: адны блікшчукі С, vgl. lit. dial. (Radun) blyksčiū-kai: blýkścioti „blitzen, glänzen“.

блі́нда, блі́ндзя „Korbweide, Bruchweide“: стаіць у лесе голая блі́нда, блі́ндзя — такая лаза — буйныя лісця Гр; дзе́рава блі́ндзя найлепшае: дзярэцца з вязны, пака́ не прылякаліся Ж; з блі́ндзі кашыкі пляцём; блі́ндзя бляшчыць СС, vgl. lit. blinda, blindė, blindis. Блі́нда ist von uns auch in den polnischen Mundarten Litauens belegt worden, z. B.: blinda — miętko drzewo (Aukštadvaris, Kreis Trakai); блі́ндзя ist auch in anderen belarussischen und in russischen Mundarten bekannt (С VIII 85, Урб. 50, БСС 387).

бо́нда 1. „rundes Brotlaib, ein Mehlerzeugnis, ein rundes Brötchen“: купі́ла баба бо́нду хлеба Б; дзяцём па бо́ндзе далі С; 2. „Kartoffelpuffer oder Pfannkuchen aus geriebenen Kartoffeln“, „Fladen aus Kartoffeln oder Mehl mit Brennnesselzusatz“: бо́нды бульбяныя — як добра; пяклі бо́нды з крапівы пасля вайны, да не хватала крапівы Б; 3. „rundes Teigstück im Gärbottich zum Ansetzen des Sauerteigs“: зрабіла бо́нду; бо́нду ў боршч апусцілі С; 4. „kleine Wurstscheibe“: бо́нда — маленькая кілбаса С; 5. „Mitbringsel für den Tagelöhner bei der Abrechnung“: у бо́нду даюць кумпяк Гр; яму ў бо́нду даюць каўбасу, і ён ездзя дамой Б. Die Form бо́нда kommt auch in Vergleichsausdrücken vor: якны (= Leber) dick wie бо́нды СС. In den genannten und weiteren Bedeutungen ist das Wort бо́нда weiter verbreitet (Араш 1969 133, Урб 50–1, С XII 9, БСС 385, Сцяшк 55, Араш БЛ 28, 33, sowie die dort enthaltene Karte). Wir haben es auch in den polnischen Mundarten Litauens festgestellt, z. B.: napiekli wielką bondą; bondą upiekli tarkowaną; on bondą zjadł (Aukštadvaris). Das Verbreitungsgebiet des Wortes in den belarussischen Mundarten ist in ДС 105 angegeben und dort auch auf Karte Nr. 5 verzeichnet. Das Wort stammt vom litauischen bandà, das in sechs ähnlichen Bedeutungen verwendet wird (СЛЯ I 638).

бо́ндачка „rundes Brötchen, Fladen“: дзяці пасхваталі ўсё бо́ндачкі СС; бо́ндачкі бульбяныя — што за яда́ Б, siehe бо́нда.

брадзіць „fischen“: пашоў брадзіць рыбу, а п’яўкі паўпіваліся ў сце́нны — свярбела многа часу С, vgl. lit. bradyti, braidýti „waten“ (СЛЯ I 983), vgl. außerdem bradinėti, bradà, brádas „Fischfang“ (СЛЯ I 981–2), бро́дзень.

бра́згаць 1. „klopfen, zuschlagen“: яму не це́рніца: бра́згая і бра́згая; гра́бель вісіць над сцяно́й і бра́згая СС; не бра́згай дзвярамі Б; 2. „bewegen“: ве́цяр па ха́це бра́згая Гр; 3. „schnalzen“: воўк зуба́мі бра́згая СС; 4. „klirren, scheppern“: бра́згаю касо́й — дрэна́ сенажаць СС. Die reflexive Verbform haben wir auch in den polnischen Mundarten Litauens belegt, z. B.: on paczał brazgać się, a do chaty nie poszedł (Aukštadvaris). Das Wort stammt von lit. brązginti, brązgėti, brązdėti, vgl. auch Балт VI 198 und das in Wörterbüchern der polnischen Sprache gefundene Wort brazgać, das in ähnlichen Bedeutungen gebraucht wird (Яз. 95).

бра́згулі́ „Glöckchen“: бра́згулі́ кало́ на шыю; з бра́згулямі е́халі маладыя Гр, vgl. lit. brazgūliai: brazgėti „scheppern, klingeln“ (Jurbarkas).

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бразгу́льник „Riemen zur Befestigung der Schellen“: бразгу́льнік я́шчэ ві- сіць у се́нях Гр, siehe бразгу́лі.

бразгу́ны „Glöckchen“: пад бразгуна́мі е́ду; пажы́ў бразгуно́ў Б, vgl. lit. brazgūnai: brazgėti „klingen, scheppern“ (Jurbarkas).

бразгу́нник „Riemen zur Befestigung der Schellen“: бразгу́ннік — на што навязваюць бразгуны Б, siehe бразгуны Б, vgl. бразгу́лі.

бразды „Kartoffelbrei“: нашарава́ла браздо́ў, бу́ду бліны печь СС, vgl. lit. brazdai.

бро́дзень „eine Art Fischernetz“: у бро́дзень папа́лі два шчупакі Ж; но́вы бро́дзень зрабілі С; з бро́дзеням то бро́йдаюць па рэ́цы; бро́дзень вяза́ны СС, vgl. lit. bradinýs (siehe auch Г I 369).

бро́йдаць „fischen“: з бро́дзенямі то бро́йдаюць па рэ́цы СС, vgl. lit. braidžioti, braidýti, vgl. außerdem браздиць, бро́дзень.

бро́нкт, бру́нта „Deichsel“ (am Wagen, Pflug, Egge): на бро́нкта ло́жыць пастро́нкі СС; бру́нта бу́йная, дзарабя́ная Б, vgl. lit. brañktas; zum Wurzelmorphem un (< vom litauischen Dialektwort un < an) siehe Урб 51.

брузду́кель, бру́зукель 1. „Holzknopf“: ко́лькі ты брузду́кляў тут нашыў Гр; брузу́клі з дзерава рабілі; брузукель у сярэдзіне прарэзан СС; 2. „Schraube“ (in einer Mühle): брузукель дзераўляны жорны падымаля́я СС; 3. „Griff, an dem die Fäden im Webstuhl befestigt werden“: ні́чальнікі паве́шаны на брузуклях СС, vgl. lit. brūžiklis, bruzdùklis; bruzdùklis (Raduń).

брызга́цца „ausfransen“: падрубі́ць трэба по́дал, каб не брызга́ўся Б, vgl. lit. brizgintis, brizgti.

брызга́ч „ausgefranste Kleidungsränder, Fransen“: брызга́ч баўта́ючы ў по́дала Б. In dieser Bedeutung ist das Wort auch bei Сцяшк 60 belegt. Wie брызга́цца geht es auf die litauische Wurzel brizg- zurück, vgl. brizgótis „ausfransen“, brizgalas, brizgenos, brizginýs „Lappen“, brizgas, brizgis „ausgefranste Ränder (von etwas)“.

бры́нда 1. „Bauchfett, Netz“: усе кі́шкі ўчапі́ліся за бры́нду; парсю́к так сабе́, а бры́нда вялі́кая — скруці́ўшыся і як скруці́ўшыся! СС; 2. „sich ausweitender Spitzenkragen, der bisweilen auch die Schultern bedeckt“: бры́нда як фалеры́на на шы́ю СС; 3. nur Pl. „ausgefranste Kleidungsränder“: целе́паюцца ў фа́ртусе бры́нды Б; бры́нды віся́ць — не ў па- ра́дку спа́ніца СС; 4. übertr. „dünne Brühe“: бры́нды яко́й да́лі пахлеба́ць С; 5. übertr., abwertend „unzüchtige Frau, Hure“: яна́ бры́нда така́я СС.

Das russische Wort бры́нды „weite Ärmel der bäuerlichen Festkleidung“ ЭСРЯ I 222 hält Berneker folgend, ebenso wie poln. brynda „Scherz, Unfug“ und tschech. brynda „Plörre, Gesöff“, für ein aus dem Deutschen über das Französische entlehntes Wort bringe dir’s „ich bringe es dir“. brynda „Scherz“ hält Brück 43 für ein polnisches, im 16. Jahrhundert in Vergessenheit geratenes Wort, das „na Matej i Białej Rusi i na Litwie“ übernommen worden sei; Ф Сл führt jedoch überhaupt keine Etymologie des polnischen brynda an. Auch das tschechische brynda „Plörre“ als Umgestaltung der Wurzel brizg-ati „spritzen“ zu erklären (В Мах 70), erscheint uns phonetisch und semantisch wenig plausibel. So

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Da uns keine der oben angeführten Etymologien überzeugend erscheint, schlagen wir eine neue vor. Zahlreiche mit брынде verwandte Wörter finden sich im Litauischen. So hat das litauische brinda, brindos neun Bedeutungen, darunter nahezu alle, die für das belarussische (sowie auch russische) брында belegt sind (vgl. СЛЯ I 1050-1). brynda, bryndy werden in den Bedeutungen „Talg“, „Spitze“, „ausgefranste Kleidungsränder“ nach Angaben der Verfasser der vorliegenden Untersuchung auch in den polnischen Mundarten Litauens (Aukštadvaris, Širvintos u. a.) häufig verwendet. Darüber hinaus sind Bildungen von dieser Wurzel im Litauischen produktiv (vgl. auch СЛЯ I 992—5, 1050-1). Die Annahme, брында sei nicht baltischen Ursprungs, ist auch deshalb fragwürdig, weil für slawische Wurzeln keine Diphthongverbindungen charakteristisch sind, darunter -ын- (-ин-), das in der Wurzel des untersuchten Wortes vorkommt (vgl. belarussisch гніда < *гнѣда, litauisch glinda). Daher lässt sich annehmen, dass брында auf litauisch brinda „Talg“, „Spitze“, „Fetzen“, „ausgefranste Kleidungsränder“ u. a. zurückgeht, das höchstwahrscheinlich mit bręsti (bręsta, brindo), brendėti „anschwellen, sich ausdehnen, sich aufblähen“, brindimas, brindumas „Anschwellung“ u. a. zusammenhängt. Dem widersprechen weder die Grundbedeutungen noch die übertragenen Bedeutungen des slawischen брында. Nimmt man diese Annahme zur Grundlage, kann man davon ausgehen, dass litauisch brinda in die benachbarten belarussischen und polnischen Mundarten gelangte und von dort möglicherweise auch ins Tschechische, wo es lediglich als umgangssprachlich eingestuft wird (ЧРС 39).

брындаць, брындацца 1. „laufen“: карова туды брындая ў нэны канец Гр; не брындай, скубі на месце, а то яна — нюх нюх С; 2. „umherstreifen, herumlungern“: які ён мужычына: ён брындаіць па чужых С; ён нежанаты так і будзе брындацца Гр, siehe брында.

брэйдацца „herumlungern“: дзеці брэйдаюцца каля кутоў СС, vgl. (?) litauisch braidė „Landstreicher“.

бужук „Käfer, Tausendfüßler“: дзе вілгаць, там і бужукі СС, vgl. litauisch bužys „Käfer“.

букса „hornlos“: добры цялё, але букса; баран букса СС; букса дае шмат малака Ж, vgl. außerdem букса (mit derselben Bedeutung) Сцяшк 62, litauisch buksa.

булдава „Stampfer für Kartoffelbrei“: булдавай як качалка, а на канцы тоўстая С, vgl. litauisch buldė „runder, unförmiger Gegenstand, Wesen“, buldė „Dummkopf“ (Jurbarkas), buldakojis „dickbeinig“, būlas, bulūndas „hornlos, kahl“.

бумчэць „poltern, dröhnen“: бумчэць дупляватая брушка С, vgl. litauisch bitčioti, bumpsėti, bumsėti.

бурбаліць, бурбуліць „plätschern, Blasen werfen; brummen“: вада бурбаліць па камнях Б; вада бурбулюя — нэта на дошч; піва бурбулюя Гр; чано́ ты бурбулюеш Ж; бурбуляла, бурбуляла і сціхла С, vgl. litauisch burbuliuoti.

бурбалка „Wasserbläschen“: бырбалкі на вадзе насталі — от бальшой дошч Ж; бырбалкі на вадзе мятушюцца Б; утануй — аж бырбалкі паказаліся СС; як станавіцца на вадзе бырбалкі — нэта на дошч С. Das Wort ist auch weiter verbreitet (Урб 51, Сцяшк 563), vgl. litauisch burbulas.

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бу́рбала́чка „Bläschen“: бу́рбала́чкі падыма́юцца Гр, siehe бу́рбалка.

бу́рбулка „voll, schön“: ба́ба — як бу́рбулка Ж. Das Wort ist auch in den weißrussischen Mundarten Litauens bekannt (БСС 403), vgl. бу́рбалка, бу́рбалі́цо, бу́рбулі́ць.

бу́рга́ „dünner Brei“: ма́сла як бу́рга́ С, vgl. lit. bùrgė „Schlamm, schlechtes Gebräu, dünner Brei, Selbstgebrannter“.

бу́рзукель „Holzknopf“: бурзукель — кало́чык, а на сярабзі́не такая зару́пка, каб увяза́ць дра́твай; з лячыны бурзуклі́ рабі́лі Ж, vgl. lit. buržùklis (Jurbarkas), burždìklas.

бу́рлага́, бурлёга „dünner Brei, Schlamm“: ма́сла зробі́цца як бурлага́; капу́ста ў каду́шцы як бурлага́; зва́рыла ты сёння заці́рку — як бурлага́; ей і рына́ў бурлаго́й Б; ма́сла як бурлёга СС, vgl. lit. bùrlegà „dickes Gebräu, Schlamm“, außerdem vgl. bùrlas, burlýne, burliùga „flüssiger Schlamm“.

бу́ча „Beerenkörbchen“: у бу́чы яга́ды збіралі С, vgl. буч.

буч „Fischreuse aus Ruten“: пе́рад калядзямі́ бальшу́й буч ста́віцца СС, vgl. lit. vìčius. Zur Etymologie des Wortes siehe МЕ I 344, Зд 337, Урб 51–2.

бучо́к, бу́чык „kleines Fischernetz aus Ruten“: бучо́к з кары яловай ля ракаў С; бу́чык спле́цяны з жыву́цай СС; я зраблю табе́ бу́чык з кары С, siehe буч.

бырчэць „surren“: зык (= овад) бырчыць, тады цялу́хі зыка́юць; пачаў зык бырчэць С, vgl. lit. bìrgzti, bìrbti.

бярнуць „Spinnradschaufel“: бярнуць кру́ціць кол калаве́рота СС, vgl. lit. bernýtis „Diener“: bérnas „Knecht“.

вайдава́ць „sich streiten“: п’а́ныя іду́ць і вайду́юць Гр. Das Wort ist auch weiter verbreitet (Араш 1969 132, Урб 52). Es stammt vom lit. vaid-ytis⁴ und dem slawischen Suffix -аваць.

ва́йдзіцца „schimpfen, sich streiten“: у друго́й хаце б’юцца, вайдзіцца Гр, vgl. lit. vaidytis.

вайцу́ць „ächzen, stöhnen“: ён вайцу́я — пад лыжачкай баліць Гр; не тру́ба вайцу́ць: не памо́жа Ж. Das Wort ist auch darüber hinaus bekannt (Сцяшк 71, БЯ 20, БУИ 52), vgl. lit. vaitóti.

валкава́ты „feucht“ (vom Heu): се́на валкава́тае, но мо́жна класць у стог Гр, vgl. lit. valk-ùs „feucht, biegsam“ + slawisches Suffix -аваты. Das Wort ist weiter verbreitet (Араш 1971 92).

ва́рыць regional „gießen“ (vom Regen): от ва́ра до́щи Гр; до́щи пача́ў ва́рыць як з ве́дра Ж, vgl. lit. varýti (vàro, vàrė).

вашава́ць „ziehen, schleppen“, вывашава́ць „mit Mühe herausziehen“: вашавай се́на з бало́та; це́лую ноч вашау́ ві́ку СС; вывашава́лі дзе́рава з ре́чкі Б. In weißrussischen Mundarten ist вашава́ць auch mit weiteren Bedeutungen verbreitet (Урб 52, Араш 1969 130, БУИ 54, Араш БЛ 32, ДС 106). Das Verbreitungsgebiet des Wortes ist in ДС 106 angegeben.

4Die litauischen Beispiele ab den Buchstaben r–ž stammen hauptsächlich aus der Kartei des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ (aufbewahrt in den Handschriftenbeständen der Abteilung für Wörterbücher des Instituts für Litauische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR).

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Das Wort stammt aus lit. vaš-úoti „mit einem Haken ziehen, schwer arbeiten“ + slaw. Suffix -аваць.

вэ́нцар, венцар „eine Art Fischernetz“: наш вэ́нцар балышы С; вэ́нцар ста́віцца на дно рэчкі Б. Varianten von вэнцара sind auch aus anderen belarussischen sowie russischen und polnischen Mundarten bekannt (Урб 52, С VIII 89, Сцяшк 79, БЯ 44, Л 124, БЯ 102, 104, Яз 79, Зд 351). Das Wort stammt aus lit. vénteris.

ве́рціна, ві́рціна „Bündel, Faden“: ве́рціна блізозі Ж; з дроту ві́рціна; ві́рціна абаранак Гр, vgl. lit. virtinė.

ві́лгаць „Feuchtigkeit“: пацяну́ў ві́лгацю брыке́т СС, vgl. lit. vilgatis. Die Form ві́лгаць wird auch in der belarussischen Literatursprache verwendet (Б СЛ 152).

ві́лготны „feucht“: се́на ві́лготнае; на спо́дзе брыке́т ві́лготны СС, vgl. lit. vilg-ūs + slaw. Suffix -отны, siehe auch ві́лгаць.

вірба́ты „mit kurzem, unbehaartem Schwanz“: мы ме́лі вірба́тую каро́ву — на́тта шмат малака дава́ла Гр, vgl. lit. virbti „dünn werden“, virbas „Reisig, Rute, Gerte“.

віць „treiben“: я в’ю іх ро́згай Гр. Es handelt sich um eine semantische Entlehnung, vgl. lit. výti.

ві́юн, в’юн, юн „Schlammpeitzger“: ві́оны ла́паем бі́чём СС; ві́оны ў вадзе́ на дне рэчкі, ў ту́ле Гр; в’юн быў пау́но ў бало́це Ж; юны слі́зкія, іх не ўдзе́ржыш у руках С, vgl. lit. vijūnas (Misgurnus fossilis). Das Wort ist weiter verbreitet (Сцяшк 85). Seine Form вюн gilt als standardsprachlich belarussisch (Б Сл 977).

П. Скаргджюс (Lw 237) und Я. Отрембский (N Twer III 63) halten lit. vijūnas nach А. Брукнер (Fr 152) für eine belarussische oder russische Entlehnung. Ihre Ansicht wird in LEW 1248 wiederholt. In ihren etymologischen Wörterbüchern führen jedoch weder А. Брукнер noch М. Фасмер eine Etymologie des Wortes вьюна (wijuna) an. Dies lässt sich wahrscheinlich durch Zweifel an seiner slawischen Herkunft erklären. In den anderen slawischen Sprachen ist das untersuchte Wort wenig verbreitet und sein Gebrauch eingeschränkt. Im Russischen ist es zwar polysem, wird aber am häufigsten umgangssprachlich verwendet. Außerdem begegnet es vorwiegend in alten Dokumenten sowie in Vergleichsformeln (siehe Wörterbuch der modernen russischen Literatursprache, Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Moskau–Leningrad, II 1343). In russischen Mundarten ist es nicht belegt (siehe Wörterbuch der russischen Volksmundarten, Heft IV, Leningrad, 1969). Auch im Polnischen wird es als äußerst seltenes regionales Wort aufgeführt (siehe Słownik języka polskiego, IX, Warszawa, 1967, 1094). In der litauischen Sprache und ihren Mundarten ist das Wort weit verbreitet, produktiv und polysem. Neben der Bedeutung „Schlammpeitzger“ wird es auch in den Bedeutungen „Aal“ und „Rankpflanze“ (bei Kartoffeln, im Flachs) verwendet; außerdem gibt es das Verb vijūnauti „Schlammpeitzger fangen“. Daher besteht Grund, es den Litauismen zuzuordnen. So verfährt auch Г I 322.

ву́жарыць „verprügeln, auspeitschen“: дзі́ця скара́чом ву́жарыш, і дзі́ця як дзі́ця Гр; тро́ба ано́ добра ву́жарыць Б, vgl. lit. žarinti, siehe аджарыць.

во́рля во́чкі „Margeriten“: які́я тут кве́ткі — во́рля во́чкі СС, vgl. (?) lit. varlė „Frosch“.

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вя́гал „Quappe“: вя́гал бардза слі́скі Гр, vgl. lit. vēgelė, siehe außerdem БСС 390, Араш БЛ 29. Das Gebiet, in dem вя́гал gebraucht wird, ist in ДС 107 angegeben.

вярпята „Wirbel, Strudel“: сві́ні на спіне вярпята — на са́ла до́брая СС, vgl. lit. verpėtas, dial. verpetà.

гайдук „Hinterhauptbein, erster Wirbel“: гайдук я не згібаю СС, vgl. lit. dial. gaidžiūkas „Spinnradfuß; gezahntes Eisen, das die Wagendeichsel festhält“.

ге́гні „Dachsparren“: ге́гні ураза́ючы ў ашча́п Гр. Das Wort ist weiter verbreitet (Араш БЛ 29). Das Gebiet seiner Verbreitung ist in ДС 107 angegeben. Es geht auf lit. gėgnės zurück.

ге́ліць 1. „dumpf schmerzen“: мне жыво́т ге́ліць; усю ноч нага́ ге́ліла Ж; 2. „steif werden“: мне ге́ліць нага́ — зі́мна; мне ў шыю ге́ліць — зі́мна СС; 3. „übel werden“: ката́ ге́ліць і чалаве́ка ге́ліць С, vgl. lit. gélti „dumpf schmerzen, steif werden“.

гігеле́ўнік, гіге́ль, гіге́льнік „Sporangienähre des Schachtelhalms im zeitigen Frühjahr“: гіге́ль ад ну́ркаў п’юць; які гігелеўнік — нало́ўкі бальшыя С; гіге́льнікі растуць у лу́зе Гр, vgl. lit. gigėlis. Das Wort ist auch aus anderen belarussischen sowie russischen Mundarten bekannt (Урб 53, Яз 79, ВЯ 102, 105).

гі́ло̄нь 1. „Stachel“: гі́ло̄нь упусці́ла пчала́ СС; 2. „Nagelbett“: з гі́ло̄нем адре́зала паляц СС, vgl. lit. dial. gyluonìs, gyluonỹs, lit. geluonìs.

гі́ль „Bremse“: які гі́ль вялікі — жоўты такі; гі́лі — што куса́юць каро́ў Ж, vgl. lit. gylỹs: gélti „stechen“. Das Wort ist auch aus anderen belarussischen Mundarten bekannt (Урб 53, Сцяшк 119, БСС 388).

гі́ляваць „(im Sommer wegen der Bremsen) toben, herumtollen“: каро́вы гі́лююць Ж; ко́ні пача́лі гі́ляваць; пашлі́ дзе́ці гі́ляваць, усё палама́лі СС, vgl. lit. gyl-juoti + slav. Suffix -яваць. Das Wort ist auch aus anderen belarussischen sowie polnischen Mundarten bekannt (Урб 53, Араш 1969 132, Зд 339).

гі́рса „Kreuzkraut“ (Unkraut): гі́рса ў жьце расце́ СС; шмат гі́рсы ў жьце Гр; адна́ гі́рса ў жьце С, vgl. lit. dial. girsė < dirsė. Das Wort ist auch aus anderen belarussischen sowie russischen Mundarten bekannt (С VIII 86, Урб 53—4, Сцяшк 120, Яз 80).

глі́нда „Kleiderlaus“: адну́ глі́нды ў нало́ве СС, vgl. lit. glinda, belaruss. гні́да.

гні́бацца „kneifen“: што ты гні́баешся СС, vgl. lit. gnybinėti, gnáibytis.

гні́біцца „kneifen“: ён мяне гні́біць, а я яго — за волосы Гр, vgl. lit. gnybti. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 54).

гні́буць „kneifen“: рак гні́бне і озяру́ разам СС, vgl. lit. gnybtelėti: gnybti „kneifen“.

гні́бур „Kralle“: гні́бурэ ў каршу́на, варо́ны, ў ку́рыцы, ў саба́кі, ката́; каршу́н упусці́ў ў ку́рыцу гні́бурэ і папёр; злама́ла ку́рыца гні́бур Б, vgl. lit. gnyblės, gnybliȧi „Zange“ oder kniblis „Finger“, knibùs „gekrümmt“.

гні́ч „Scherenklaue“: на нага́х ра́ка ёсць гні́чы; чатыры гні́чы ма́я рак СС, vgl. lit. gnibčiai „Finger, mit denen man kneifen kann“.

го́кты 1. „vorderer Teil des Schlittens“: го́кты — gebogener Teil des Schlittens Гр; го́кты пералама́ліся Ж; 2. „Teil eines Netzes, der am Flussgrund entlangläuft“: го́кты ў ве́нцяры іду́ць па дне Б, vgl. lit. gáktos „vorderer Teil des Schlittens“.

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грабу́зда „essbares Kraut mit breiten Blättern“: грабу́зда — кудла́тая, ў мо́крам ме́сце расце́; халадні́к до́бры з грабу́зды СС, vgl. lit. grabūz-das. Die Variante грабу́зды ist weiter verbreitet (Араш 1969 125, БСС 387), vgl. хро́буст.

грамбу́ль „Maikäfer“: у маю грамбу́лі на дзёраве; прусак як грамбу́ль СС, vgl. lit. grambulõys.

гро́мдаць „kreuzen“: не гро́мдай так — хіба там зо́лата СС, vgl. lit. grām-dyti.

гру́ндацца „sich abmühen“: лядзі, як гру́ндаіцца рабачо́к СС, vgl. lit. grūm-dytis, dial. grùndytis.

грэбя́ст „Dachsparren“: да грэбя́стай прымайцо́ваюца ла́ты Ж; грэбя́сты но́выя СС, vgl. lit. grebėstai. Varianten dieser Wortwurzel sind weiter verbreitet (Араш 1969 133, БСС 379, Сцяшик 130, БУИ 56, ВЯ 102, 104).

гу́дакарклі „gelbe Weide, Sumpfweide“ (Salix): у рацэ гу́дакарклі адны СС, vgl. lit. gùdakar(k)lis.

гу́льды „vom Vieh abgeweidete oder nach Regen niederliegende Saaten“: адны гу́льды ў аўсе — коні паходзілі; як лен пакру́чаны, то кажуць — адны гу́льды — ці куры пакруці́йшы Ж, vgl. lit. guldýti „niederwerfen“, siehe гулта.

гу́лта „Lager“ (von Schweinen, Hunden): свіня гу́лти мая, а жывёла на гнаю ляжыць; кінь салома, яны зробяць сама́ гу́лту Гр; гу́лту свіння нарабіла Б, vgl. lit. gùltas. Das Wort ist weiter verbreitet (С VIII 86, Урб 54).

гу́шта „Nest, Lager“: свіня зрабілася гу́шту, ку́рыца гу́шту нарабіла; гу́штачку зробіць пта́шка СС, vgl. lit. gùždą.

гушчыня́цца „nisten“: ку́рыца гушчыня́цца, буду́ць нясьці СС, vgl. lit. gùžinėtis, gùžiuotis.

дарыняць „ausweiden“: рыбу трэ́ба дарыняць; я дарыняю рыбу СС, vgl. lit. darinėti.

дзіндзяле́й „Schöllkraut“ (Chelidonium): каля плоту шмат расце́ дзіндзяле́ю Ж, vgl. lit. dzindziliùkas.

дзірва́н „Brachland, Neuland“: дзірва́н — поле якое не пайшчэца Гр; па́сіву на дзірване́ СС; у дзірване́ расце́ць бульба; калі будуць там дзірване́, я ні буду палоць С, vgl. lit. dirvónas: dirvà „Ackerland, Feld“. Das Wort ist in belarussischen, russischen und polnischen Mundarten weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet dieses Wortes und seiner Varianten in belarussischen Mundarten ist in ДАБМ, Karte 275 dargestellt; siehe auch С VIII 85, Зд 339, Урб 55, Сцяшик 144, ВЯ 104, Яз 80, БЯ 94—97, ДС 104.

дзірване́ць „brachliegen, ein Jahr lang brachliegen“: сто́лькі зямлі, і ўся дзірване́іць С, vgl. lit. dirvonuoti, siehe дзірва́н.

дзяўгаць übertragen, expressiv „schelten, tadeln“: до́сі табе дзяўгаць як су́ца, ба я цябе не баюся; хоць яна сястра твая, але яна дзяўгала мяне Б, vgl. lit. žiāugoti „den Mund aufsperren, rülpsen“, žiāugčioti, žiāugseti „übel sein“, „bellen, kläffen“ (vom Hund), siehe жа́ўгать.

drys „Lumpen, Fetzen, zerlumpte Kleidung“: alles ist in Fetzen zerrissen С, vgl. lit. driskà, drìskalas: drìksti „reißen“.

drjožyn „Eidechse“: der drjožyn glänzt, einer Hechtart ähnlich СС, vgl. lit. driežinas, driežas.

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duleć 1. „verstauben“: der Roggen verstaubt während der Blüte Б; 2. „schimmelig werden“: das Heu im Schober begann zu schimmeln Гр, vgl. lit. dūlėti „sich in Staub verwandeln“.

dulka 1. „Staub“: ich schüttelte den Teppich aus, und Staub rieselte herab СС; 2. „Staub von Flachs, Hanf“ (beim Reinigen): Flachsstaub, wenn man ihn bricht Б; Staub vom Flachs Гр, Ж; man bricht den Flachs, Staub bleibt zurück; Staub häufte sich an С, vgl. lit. dulkės „Staub“. Das Wort ist auch weiter verbreitet (Араш 1969 133, Урб 57, Сцяшк 154, БСС 388, Араш БЛ 29, 33 und die dort vorhandene Karte. Seine Verbreitung in den belarussischen Mundarten wird in ДС 105–6 und auf der dort beigefügten Karte Nr. 5 angegeben.

durbac „(jemandem) einhämmern“: sie hämmert ihm immer wieder dasselbe in den Kopf Ж, vgl. lit. dur̃binti „eine Höhlung aushöhlen“.

žabanki „Falle“: die Spinne hat die žabanki gesponnen und fängt Fliegen СС, vgl. lit. dial. žabankai, žabankai, lit. žabàngai.

žagary „Reisig“: der Ofen wird mit Reisig geheizt СС, vgl. lit. žagarai, siehe auch Араш 1972 81.

žagarčyki „Reisig“: žagarčyki zum Anfeuern СС, vgl. lit. žagariùkas „Reisigzweig“: žagaras „Reisig“.

žar „glühende Kohlen“: Hirten backen gern Kartoffeln in der Glut Гр, vgl. lit. dial. žaira, lit. žarija, vgl. auch žarà „Feuerschein“, žioruoti „funkeln, brennen“.

žarnic express. „schlagen“: die Kuh gab einen Tritt, und sie schlug ihm gegen die Brust; als sie zuschlug, blieb dort der Fleck С, vgl. (?) lit. žerti.

žaugac „kauen“: der alte Mann ohne Zähne kaut СС, vgl. lit. žiaugoti, žiaumoti.

žuvikšč „Schnur zum Anbinden der Litzen“: an der Weblade bindet man žuvikščy fest СС, vgl. lit. žiùvkštė.

žudžic „zugrunde richten, quälen“: und auch der Schwiegervater quält mich: Er schreit, nimmt dich aufs Korn, du seist so und so — ich weiß nicht, zu wem ich beten soll, zum Mann oder zum Schwiegervater; er hat mich gequält, quält mich und wird mich weiter quälen С, vgl. lit. žudyti.

žur „Haferkissel“: Hafermehl wurde für žur ausgesiebt Ж; žur wird aus Hafer gekocht; Glut legte man in den žur С; žur ist ein gutes Gericht für das Totenmahl am Heiligabend Гр; žur aus Hafer ist selten Б. Zur Verbreitung des Wortes žur in den slawischen Sprachen siehe Труб 16. O. N. Trubačëv (Труб 16) und M. Vasmer (ЭСΡЯ II 67) neigen dazu, žur als germanisches Lehnwort anzusehen (von dt. sauer „sauer“). Das Wort ist auch in den baltischen Sprachen weit verbreitet. In der litauischen Sprache werden žiūrė, žiūra in folgenden Bedeutungen gebraucht: „Haferkissel“, „misslungener, wässriger Brei“, „flüssige Speise aus angesäuertem Roggenteig“, „Speise aus Brot und Wasser“, „ungeklärte Fastensuppe“, „Brotteig“. In der lettischen Sprache haben žūra, žūre folgende Bedeutungen: „Spülwasser“, „trübe Flüssigkeit“, „wässriger Brei“, „schmutziges Wasser“, „nicht ausgegorenes Bier“, „Haferkissel“, „Kartoffelsuppe mit Roggenmehl“, „mit Mehl zubereitetes Tierfutter“, „anhaltendes Regenwetter“, „starker Regen“, „Wolkenbruch“, „Jauche“, „flüssiger Schmutz“ u. a. (МЕ IV 836–7). E. Fraenkel (LEV 1316) ordnet das baltische ž(i)ur- den slawischen Lehnwörtern zu. Angesichts der oben genannten Bedeutungsvielfalt des baltischen žur- und des Umstands jedoch, dass žur in den slawischen Gebieten mit vergleichsweise begrenzten Bedeutungen vorwiegend in Belarus und im östlichen-

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im Grenzgebiet der Ukraine (Trub 16) gibt es einen recht gewichtigen Grund, die vorliegenden Etymologien des жур sowohl slawischer als auch baltischer Herkunft für zweifelhaft zu halten. Mit der Wurzel ž(i)ūr- sind semantisch viele litauische Wörter eng verbunden, z. B.: žiūrai „lichte, durchsichtige Büsche“, „leicht entflammbares dünnes Reisig“, žiūrėlis „abgeschöpfte Milch“ (gewöhnlich durchscheinend, bläulich), žiurturiuotas medis „spaltenreicher Baum“, žiūras „Uhu“ u. a. Außerdem wird žiūrė im Litauischen auch in der Bedeutung „Feuer“ gebraucht (z. B.: žiūrėlė žiūtura miškė „ein Flämmchen leuchtet im Wald“; lempelītė dēga, čiut žiūrėlė „die Lampe glimmt, kaum sichtbar“). Berücksichtigt werden kann auch der Umstand, dass man in die Hafermilch, aus der die Grütze жур gekocht wird, um die Bitterkeit herauszuziehen, gewöhnlich große Stücke heißer Kohle (litauisch žarijos) wirft, die beim Erlöschen feurig aufglimmen.

Die Semantik der oben angeführten Wörter ist ebenso wie diejenige von ž(i)ūr- und жур eng mit den Bedeutungen „durchsichtig, durchscheinend, funkelnd“ verbunden (vgl. auch die semantisch verwandten Wörter žiburys „mageres Fleisch in einem Eintopf“, wörtlich „Feuer“, „Licht“, žiburinė jukà „magere, durchscheinende Hirtenbrühe, gekocht aus einer halben Gänsemagenhälfte, dem Hals, einem Fuß und einem Flügel, die mit Därmen umwickelt sind“, žibulys „glänzende Schlange“, „stacheliges Gras, dessen Grannen glänzen“). Auf Grundlage des Dargelegten besteht Anlass zu der Annahme, dass die untersuchte Wurzel höchstwahrscheinlich baltischen Ursprungs ist; vgl. ferner semantisch verwandte Wörter: žioruoti, žėrėti „funkeln“, žiūrėti „blicken“, pra-žiūrti „wieder sehen können“, žara, žaras, lettisch zars „Strahl“.

журала „Quelle, Quell“: vadā nāmma dōbraya – з журалы бяжыць, з кры-ніц C, vgl. litauisch žiūrėlė „Flämmchen, heller Strahl“, žioruoti „funkeln“.

жыбулька „stacheliges Gras, dessen Grannen glänzen“ (Ranunculus sceleratus): жы-булькай дужа – ямка ямень вязаць у снопы; я ў кубіл (= Bottich) за муку, мяне жыбулька – за рукі (= du hast mir nicht geholfen, die Gerste zu schneiden; ich kann dir kein Mehl geben), vgl. litauisch žibulys „stacheliges Gras, dessen Grannen glänzen“; „glänzende Schlange“: žibėti „glänzen“ (von den Stacheln und Grannen der жыбулька).

жыбуры „Froschlaich“: жыбуры жаб як лупіна ў кудры SS, vgl. litauisch dialektal žiburiai, vgl. auch žiburys „Hirtenportion – eine Suppe aus einer halben Gänsemagenhälfte, dem Hals, einem Fuß und einem mit Därmen umwickelten Flügel“ (in dieser durchsichtigen Brühe sind sie gut zu sehen), wörtlich „Feuer“, „Licht“, žiburinė jukà „durchscheinende Hirtenbrühe“, mergà – kaip žiburys „das Mädchen ist wie ein Strahl“, žolės žiburiuoja ir be lietaus „die Gräser leuchten (sprießen) auch ohne Regen“ u. a. Semantisch ist das Wort žiburiai (жыбуры) zweifellos mit Lichtausstrahlung, Funkeln und Glanz verbunden, was unserer Ansicht nach auch die damit bezeichnete Erscheinung erklärt; vgl. ferner журала, жыбулька.

жыгуль, жылбуць, жылгвуць, жылгуль, жылгуць, жыльць, жэльтуць „Weide, Salweide“: ой колькі жыгулей нарасло тут Б; знімай рыбу на жылбуць і нясе да хаты СС; з жылбіцей колькі кашоў ён наплёўшы Ж; кашы плятуць з жылгвяцей СС; бычы сплецены з жылбілей Гр; збіралі жылгуці і плялі палукашкі Ж; плот з жылгачу Гр; жыльві не лопаюць

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SS; паўду́ нарэжу жэлтуцу́ Ж, vgl. litauisch žilbūtis, žilgutis, žilgvūtis, žilvūtis, žilgulis, žilgas, žilvis.

Die lautgesetzlich nicht erklärbaren Varianten жэлтуць, жыг-ейль und andere sind höchstwahrscheinlich infolge einer Einschränkung ihres Gebrauchs durch allmähliche Verdunkelung der Semantik entstanden. Die Form жыглгуць, litauisch žilgyūtis, stellt höchstwahrscheinlich eine Kontamination der Formen žilgūtis und žilvūtis dar. Varianten der untersuchten Wurzel sind weiter verbreitet (БСС 388, Яз 100).

Die Wortbildung aller oben angeführten Varianten der Wurzel жыг-, die zweifellos mit litauisch žilvitis verwandt sind, berechtigt dazu, die bestehende Etymologie von žilvitis zu überprüfen.

Das Wort žilvitis hält Fraenkel (LEV 1309) für zweistämmig: žilas „grau“ und vytis „Ranke, Rute“ (siehe auch С VIII 24), doch erklärt er nicht, auf welchem Weg das unbetonte lange Vokal des zweiten Bestandteils (vytis) zu kurzem i verkürzt und anschließend betont wurde. Daher bleibt die angeführte Etymologie zweifelhaft. Zudem widersprechen die Varianten dieses Wortes žilvis, žilvė, žilvūtis, также žilgas, žilgūtis, žilbūtis … unserer Ansicht nach dieser Auffassung und weisen darauf hin, dass ihre Formanten -v-(is), -v-(ė), -v-ut-(is), -g-(as), -g-ut-(is), -b-ut-(is) und vermutlich auch -v-it-(is) Suffixe der Wurzel žil- sind. Somit ist žilvitis ebenso wie seine oben genannten Varianten offensichtlich kein zwei-, sondern einstämmiges Suffixwort. Zwar ist das angenommene komplexe Suffix -v-it-(is) etwas ungewöhnlich, doch sind neben žilvitis in litauischen Dialekten auch andere Varianten belegt: žilvītys (Salantai, Trimiesėdis; vgl. mikūtys „Häschen“, mažītys „klein“, Sebītys „Familienname“, siehe R. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, Vilnius, 1943, p. 355), žilvītis (Mažeikiai, Varduva), žilvȳtys (Viekšniai, Tirkšliai, Mosėdis), žilvȳtis (Jurbarkas, Šakiai, Papilė, Skaistgirys), žilvȳtė (Židikai u. a.). Sie sprechen unserer Ansicht nach für die mögliche Bildung von žilvitis mithilfe komplexer Suffixe -v-it(is), -v-yt-(is), -v-it-(ys).

жэрга́ць „überschreiten, einen Schritt machen“: не жэргай праз плот Gr, vgl. litauisch žergti, vgl. ferner жарагаць (Urb 59), (об)жеренгнуть (Яз 82).

забарбе́ць „zu trommeln beginnen“: пуста́я бручка забарбі́ць Gr, vgl. litauisch barbėti.

забрынданіца abwertend „Schlampe, ungepflegte Person“: забрынданіца такая і ходзіць: з фарту-хам можна сабаку закалоць B, siehe брында.

заві́няць „umwickeln, verbinden“: завіні мне пальцы: кроў цячэ SS; трэба рану добра заві́няць Ž, vgl. litauisch (už-)-vynioti.

задзіраване́лы „brachliegend“: задзіраване́лая зямля, там пало́ць ні будзі́ш S, vgl. litauisch dirvonuoti „brachliegen“, siehe дзірван.

заплякаць „mit Erde bedecken“ (vom Regenwasser): дошч заплякаў бульбу Gr, vgl. (?) litauisch užplakti.

зáтверaлы „Scheidewand, Zwerchfell“: зáтверaлы — das ist so eine Haut, die den Darm vom Herzen trennt СС, vgl. lit. užtveralai, dial. žutveralai.

зашыпулі́ць, зашыпуля́ць „Holzspäne verstreuen“: Er hat mir das ganze Haus mit Spänen vollgemacht СС; Verstreu das ganze Holzlager mit Spänen Ж, vgl. lit. (pri)šipuliuoti, siehe шыпуль.

звайця́ць „beschimpfen“: Ich habe ihn ordentlich beschimpft СС, vgl. вайця́ць.

звашава́ць „durchwühlen“: Die Schweine haben alle Kartoffeln durchwühlt Б, vgl. lit. (iš)vašioti, siehe вашаваць.

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згеліць 1. „übel werden“: Ach, mir ist schlecht geworden; der Katze wurde schlecht: Sie hat ein Mäuschen gefressen; 2. übertragen „befallen“ (von einer Krankheit): Mich hat es am Bauch gepackt, ich lag den ganzen Tag С, siehe геліць.

здулець „schimmelig werden“: Das Heu ist verschimmelt, weil man es nass aufgeschichtet hat Гр; Das Heu ist verschimmelt und grau geworden СС, vgl. lit. (su) dulėti, siehe дуле́ць.

здзяўгаць, зжаўгаць expressiv „aufessen“: Sie hat zwei Kilo Tomaten gekauft und alles aufgegessen Ж; und hast du den ganzen Speck aufgegessen? СС, vgl. lit. (su) žiaugoti, siehe жжаўгаць, дзяўгаць.

з крастом „mit Begrenzung, wenig, nicht ausreichend“: Mit dem Rest aß ich gerade noch ein Brötchen Гр, vgl. lit. kràštas „Grenze“, su kraštù „mit einer Grenze“.

змайначыць „lügen“: Wie hässlich, dass er dich angelogen hat Гр; Was für ein Schuft – er hat sie angelogen СС, vgl. (?) lit. main-ýti „ändern“ und slaw. Suffix -ачыць, siehe майначыць.

зурза „Miesepeter“: Was für ein Kind – ein richtiger Miesepeter Ж; er packte zu – so ein Miesepeter Гр, vgl. lit. zùrza.

зурзець „murren“: Er murrt und murrt – es nimmt kein Ende Гр; Der Vater murrt über Jusik СС, vgl. lit. zùržti, zùržėti, siehe зурза.

зурзлівы „mürrisch“: Mein Alter ist ein mürrischer Kerl Гр; Ach, so ein mürrisches Weib – sie brummt und brummt СС, vgl. zurzl-ýš „Miesepeter“ + slaw. Suffix -івы, siehe зурза.

інкстукі „Nieren“: Sie haben Nieren für die Katze gekauft – welche Frauen СС, vgl. lit. inkstai, inkstùkai.

ісак „Pferd mit kurzem Schweif“: Mein Isak-Pferd fliegt dahin wie ein Blitz; er pflügt mit dem Isak Гр, vgl. lit. ís-as, lett. iss „kurz“ + slaw. Suffix -ак.

ісачок „Pferd mit kurzem Schweif“: Mein Isatschok ist jung und gut, er fliegt wie der Wind Гр, siehe ісак.

ійльць 1. „Eckzahn“: Eckzähne bei Schweinen СС; 2. „Zahn, Zunge, Stachel“: die Zunge eines Frosches СС, vgl. lit. iltis „Eckzahn“.

какля „Kachel“: па каклі злеталі ў Дайнінава С; каклі выпісала, і ён канём прывёз SS, vgl. litauisch kóklė (aus dem Deutschen Kachel). Die litauisierte Form der Bezeichnung ist weiter verbreitet: какля (Сцяшик 225).

карністы „wählerisch beim Essen“: ён карністы чалавек – бліноў не любя SS, vgl. litauisch karn-is und das slawische Suffix -isty.

карпа „Warze“: карпы селі на руку SS; карпа расце на твары Gr, vgl. litauisch karpa. Das Wort wird auch in den polnischen Mundarten bei Sejny verwendet (Zd 341).

карпаты „mit Warzen“: карпатые рукі Gr; карпаты пальцы SS, vgl. litauisch kárp-a „Warze“ und das slawische Suffix -aty; vgl. außerdem БСС 385.

карпаць „wedeln, bewegen“: свіня лычэм карпаў S, vgl. litauisch karpúti „bewegen“.

каснік „Band, Schleife“ (im Haar, in Zöpfen): ў галаве новыя каснікі Gr; каснікі ў косы плятуць SS, vgl. litauisch kasnýkas.

каўкаць „durchdringend miauen“: лядзі, як кошка каўкае S, vgl. litauisch kaùkti „mit wilder Stimme schreien“. Das Wort ist weiter verbreitet (Балт VI 199).

каўкнуць „aufschreien“: каб яна ані каўкнула малая – ляжыць і маўчыць S, vgl. litauisch kaùktelėti: kaùkti „schreien, weinen“, vgl. polnisch kauknać (Zd 341).

12. Lietuvių terminologija

177

каўш „Schöpfkelle“: Bring das Mehl in einer Schöpfkelle СС, vgl. lit. kaũšas, siehe коу́ш.

каўшнуць „schlagen“: mit der Hand ein paarmal zuschlagenа Гр; Schläge auf die Stirn, damit sie nicht herumlaufen СС, vgl. lit. (йг) kaũšti, vgl. auch kaũštelėti „leicht schlagen“.

квіркнуць „schreien“: die Henne schreit, wie die eingesperrten Frösche quaken СС, vgl. lit. kvérkčioti: kvérkšti, kvìrkšti „schreien“.

келойша „Hosenbein“: zwei Hosenbeine in der Hose; er geht wie ein Hosenbein СС, vgl. lit. kelaišė.

керноз, кірноз „Eber, unkastrierter Keiler“: er kam, um den Eber zu kastrieren; ob ein kastrierter Eber oder ein unkastrierter СС. Das Wort ist weiter verbreitet (Сцяшк 229). Das russische кирно́с, кирно́з führt Vasmer als westliches Wort auf Polonismen zurück (ЭСРЯ II 238), während F Сл II 155–6 die Etymologie des polnischen kiernoza für zweifelhaft hält. Phonetisch und auch semantisch bleiben ebenso sämtliche von F Сл II 155–6 angeführten, von anderen Forschern vorgeschlagenen Etymologien von kiernoza zweifelhaft. Lautbildung, Wortbildung und Semantik von kiernoza (керно́за, кирно́за) sprechen am ehesten für baltischen Ursprung; vgl. lit. kernėzas, kernãzas „jemand von kleinem Wuchs, mit breiten Schultern; jemand, der stark ist und gern kämpft“ < kern-à „jemand von kleinem Wuchs“ + Suffix -ėžas, -ãžas, siehe Г I 334: kernėti „schlecht wachsen“, kėras „Baumstumpf, Strauch“, keróti „tiefe Wurzeln schlagen“.

кершаваты „scheckig“: ein scheckiger Ochse, ein bger СС, vgl. lit. kéršas und das slawische Suffix -аваты.

кершыс „scheckiger Ochse, scheckiges Pferd“: Halt, scheckiger! СС, vgl. lit. keršis.

керэйша „kleiner Kerl“: er ist klein – so ein kleiner Kerl Гр, vgl. lit. kereĩša „Spreizbein“, keraišóti „die Beine weit auseinanderstellen“, kerėzis, kerėkšla „kleinwüchsig“ (Mensch, Baum):kėras „Baumstumpf“.

кету́рка „Hosenschlitz“: sie haben den Hosenschlitz aufgetrennt Гр, vgl. lit. ketùrka. Das Wort kommt auch im Russischen vor (ВЯ 104, Яз 82).

клёк „Lake“: der Salzfisch liegt in der Lake; sie aßen Lake mit Kartoffeln Ж, vgl. lit. kliõkė, klėkas „Schlamm“, kliõgė „zu dicke Suppe“, vgl. auch kliõkinti „gießen“. In den belarussischen Mundarten ist das Wort weiter verbreitet (Сцяшк 231).

кліпа́нікі „verformte Schuhe schlechter Qualität“: er ging in Klipaniki: aus verschiedenen Baststreifen geflochtene Bastschuhe С, vgl. lit. klýpkė „abgetragener Holzschuh“, klipūtai „schlechter, quietschender Wagen“, klipūtà „krummbeinig“, vgl. auch klupà (Зд 342).

клепо́ны „Schwätzer“: sie waren alle solche Schwätzer С; vgl. lit. plepónas, plepỹs „Schwätzer“. Möglicherweise ging das anlautende p infolge der Verdunkelung der Wortbedeutung in k über; vgl. poln. tłumaczyć und lit. dial. klimóčyti „erklären“, belaruss. тлусты, dial. klūsty „dick“.

клу́мпы „Holzschuhe“: sie tanzten in Holzschuhen СС; Holzschuhe mit Seegrassohlen; nach den ersten Deutschen trug man Holzschuhe Ж; Holzschuhe – einfach eine Augenweide Б, vgl. lit. klùmpės. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 61, БСС 385); vgl. auch russ. клу́мба (mit derselben Bedeutung, ВЯ 102), poln. klump (Зд 342).

клу́нкі „Holzschuhe“: man ging in Holzschuhen Б, vgl. lit. klùmpės. Die irreguläre Veränderung des Wortstamms ist höchstwahrscheinlich das Ergebnis des Vergessens seiner Bedeutung; vgl. poln. plumpie, lit. klùmpės Яз 98.

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Klunda 1. „dicker Hanfbrei“: Wer früher Klunda gegessen hat, ist satt С. In dieser Bedeutung ist das Wort weiter verbreitet (Араш 1972 83); 2. „gekrümmt“: dem Menschen tut der Rücken weh, er geht wie eine Klunda Б; 3. „Fett, Schmalz“: heb deine Klundas nicht hoch Б, vgl. (?) lit. sklindis „großer runder Pfannkuchen“. Zu sk: k vgl. lit. skerdžius: ker džius „Oberhirte“, lit. dial. klinyčia, poln. dial. sklenica „Glas“.

клышава́ты „krummbeinig“: клышава́тая каро́ва на малако́ до́брая; клышава́тая дзе́ўчына SS, vgl. lit. kliš-as und das slawische Suffix -аваты.

клышано́гі „krummbeinig“: клыша́ногі чалаве́к Gr; клыша́нога каро́ва Ž, vgl. lit. klišas und belaruss. nahá. Zur Verbreitung von клыша́ногі siehe S VIII 86.

клы́шы „krummbeinig“: клы́шая каро́ва SS, vgl. lit. klišas.

кны́паць „herumstochern, stopfen, stricken“: вязьму́ кны́паць панчо́ху B, vgl. lit. knūroti „mühsam arbeiten, herumstochern“, knibinėti; knibčius „herumstochend“.

кны́ціць „sich interessieren, wollen“: кны́ціць мне, каб што зрабі́ць; кны́ціць зачыня́цца, каб выпіць; кны́ціць, каб дзе́ўчыне угані́ўну ў бок SS, vgl. lit. knitinti.

кны́цець „jucken, kratzen“: як пальцы папа́рацца, то ка́жныце кны́цаць Ž, vgl. lit. knieti.

кнэ́пцы „Nägel, Finger“: куды́ ты ле́зіш сваі́мі кнэ́пцямі SS, vgl. lit. knibčiai, auch knābė, knābis „Haken“, knabėklis „Mistgabelhaken“, knablys „Haken zum Kartoffelausgraben“, kneba „einer mit gebogener Nase“, knebe „gebogene Nase“.

коўш „Schöpfkelle“: коўш — як лы́шка вялі́кая S, vgl. lit. kaušas. Das Wort ist weiter verbreitet (Urb 62), siehe auch Jaz 81–82, Balt VI 185–192, vgl. ferner кауш.

крамзля́ 1. „Knorpel“: як зубы ма́еш, так і крамзлю́ ску́шаеш; мой дзе́вяра злама́ў крамзлю́ ў носе SS; 2. „ein dünner Mensch“: ён крамзля́ такі́ Gr, vgl. lit. kremzlė.

крамзлява́ты „dünn, missraten“: бры́ткі хлопе́ц — такі́ крамзлява́ты Gr, vgl. lit. kremzl-ė „Knorpel“ und das slawische Suffix -аваты.

кра́таць „schütteln“: як мяне́ кра́таюць, мне ле́нча станові́цца S, vgl. lit. kratyti.

кра́тацца „sich schütteln, etwas gern und lebhaft tun“: яна́ кра́таецца ў поез-дзе; праз бульбу іхню ляжу́ — вы кра́таетесь у по́ле S, vgl. lit. kratýtis.

краўня́ „abgespültes Ufer“: краўні рэ́чкі; пашлі́ у краўню́ рэ́чкі, вон ракаў наламалі; дзе краўня́, там вады́ німа SS, vgl. lit. kriauna, kriaunos „Messergiff, Kante, Brotrinde“.

кро́йка „Dachfirst“: бу́сел ся́дзець на кро́йцы B, vgl. lit. kraikas.

кро́пштаць „sich stechen, herumwerkeln, lange zum Aufbruch brauchen, herumstochern“: цэ́лы дзень кро́пштаю і кро́пштаю і неві́дна што; што ты там кро́пштаеш? — в’ю вяро́ўку SS, vgl. lit. krapštyti, vgl. ferner кро́пштаць „in der Nase bohren“ (Urb 62).

кру́мкаць „quaken“: жабы кру́мкаюць С, vgl. (?) lit. dial. krunkėti < krankti. Der unregelmäßige Übergang des wurzelanlautenden n zu m ist Folge des Vergessens der Semantik des Wortes.

12*

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des Wortes, vgl. auch крункаць. Das Wort wird auch in der belarussischen Literatursprache verwendet (Б Сл 402).

крумкач „Rabe“: крумкачы прылляцелі Гр, vgl. (?) lit. dial. krunklÿs, krunköčius < kranklÿs, kranköčius. Zum Wechsel n: m siehe крумкаць, vgl. ferner крумкач. Das Wort ist in der belarussischen Literatursprache normgerecht geworden (Б Сл 402).

крумплі „Fingergelenke“: крумплі рукі; крумплямі пастукаў; па другіх крумплёх адрэзана СС, vgl. lit. krumpliai.

крункаць „quaken“: жабы крункаюць у күдры Б, vgl. (?) lit. dial. krünkti < krañkti.

крункач „Rabe“: крункачы сідзяць на дубе Б, vgl. (?) lit. dial. krunklÿs, krunköčius < kranklÿs, kranköčius.

кру́сня, кру́шня „Steinhaufen auf dem Feld“: віржы ў крісне вядзецца і дрэа; лісок гадзіны тойцы калі крісні ляжыць СС; дудык у крішне вядзецца Гр; у крішне верабі вядзецца С, vgl. lit. kräsnis. Das Wort ist auch weiter verbreitet (Араш 1969 133, Урб 62, Сцяшк 244, Зд 342, ВЯ 104, 105, Араш БП 30, 33, ДС 106).

крутаць „sich bewegen“: палажы на скавародке, і ён (der Aal) крутае; крутая рыба ў бродні; за плечы хто-та крутая мяне СС, vgl. lit. krutėti.

крывалу́пец, крывалу́пы abwertend „schiefmäulig“: ён крывалупец такі СС; такі крывалупы, але страшны Ж; ён некрасівы — крывалупы такі С, vgl. lit. lūra „Lippe“.

крыпу́ль „plattfüßig“: на і выбрала сабе мужыка — крыпуля такога С, vgl. lit. kruīkas „Gänseküken“, kruīке „Ente“, kruīuoti „wanken, schwanken“.

крэ́йка „Dachfirst“: ён па крэйцы ідзе Гр; у самой крэйцэ дзі́рка, трэба замкнуць Б; наша крэйка дзіравая СС, vgl. lit. kreikas. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 62, Сцяшк. 246), vgl. poln. kreiga (Зд 342).

крэ́ктаць 1. „schmatzen“: сарока крэкча на плоце С, vgl. (?) lit. kreksėti, krakčioti „schmatzen“; 2. „quaken“: жабы перад дожджом крэкчуць С, vgl. (?) lit. kraksėti, kreksėti „quaken“; 3. „eindicken, gerinnen“ (von Brei beim Kochen); крэкча каша Ж, vgl. lit. krėkti, krekėti.

ку́бар „Büschel, Traube, Haufen“: цэлы кубар пшёл; кубарам пшёллы паляцелі Б; vgl. lit. kūburė, gūburas.

ку́біздзель „Bovist“ (Lycoperdon, Bovista): от кубіздзеляў нарасло СС, vgl. lit. dial. kubizdelis.

кудра 1. „Teich, künstliches Gewässer“: у кудру хадзілі, там многа п'явак СС; 2. „gutes Waldstück an einem Gewässer“: кудра — харошае месца ў лесе: пазёмкі растуць, баравікоў яшчэ — заваліся; меў харошую кудру леса Б, vgl. lit. kūdra „künstliches Gewässer“. In den genannten Bedeutungen ist das Wort weiter verbreitet (Урб 62, Араш 1971 91, Сцяшк 248).

кульну́цца übertragen, expressiv „herausspringen, an die Stirn treten“ (von den Augen): вочы ў лоб кульнуліся С, vgl. lit. (пu-)kulniūoti „gehen“.

кульша 1. „Oberschenkel“ (bei Vögeln): у курэй і пятуха кульшы харошыя Б; 2. „Schuppenanbau“ (in der Scheune): прыстаўлены лабок у гумне называлі кульша; кульша поўная жыта СС; снапы складалі ў кульшу С, vgl. lit. kūlšis, kūlšė.

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Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 62–3, БСС 384, Сцяшк 250), siehe auch С VIII 86–7, ВЯ 105, Яз 82, Зд 343.

кульшак „einer der äußeren Heuschober in der Scheune“: чатыры кульшакі ёсць у гумне; кульшак сена наладжыу Ж, vgl. lit. kūlš-ė, kūlš-is „Schuppenanbau“ (in der Scheune) und das slawische Suffix -ак.

кумпісты „breithüftig“: кумпістая была такая дзеўчына СС, vgl. lit. kim̃tr-is „Hüfte“ und das slawische Suffix -исть.

кумпяк „Hüfte“ (eines Menschen oder Tieres), „Schweineschinken“: у кумпякі давалі ўко́лы; у сві́рне кумпякі вісяць СС; жырны кумпяк С; кумпяк у парасё́нка Б; кумпяк у бо́нду даюць Гр, vgl. lit. kim̃tr-is und das slawische Suffix -як. Das Wort ist weiter verbreitet (С VIII 87, Урб 63, Сцяшк 250, Зд 343), auch in der belarussischen Literatursprache (Б Сл 407).

кумстаць „berühren, anstoßen“: яно кумстаў кумстаў – і не можна разбуздзіць Б, vgl. lit. kūmstīti, kūmštyti, кумшчок.

кумшчо́к „Stückchen, Büschel“: ён бярэць кумшчо́к шэрсці СС, vgl. lit. kumš-čйkas „Büschel“: kūmštis „Faust“.

кункаць „quaken, schreien“: жабы кункаюць на дошч СС, vgl. lit. kūnkti „quaken“.

купраты „bucklig“: стары стаў купраты Гр; купратая дзеўка СС, vgl. lit. kuprótas.

купро „Buckel, Rücken“: расце́ купро СС; мне купро баліць Гр, vgl. lit. kuprà. Das Wort ist weiter verbreitet (Араш 1969 129).

курняў „lautmalende Interjektion, ähnlich wie „miau“: котка курняў пяець; котка курняў курняў – прысьціца ў хату С, vgl. (?) lit. kurniau, belaruss. курняўкаць „miauen“ (Сцяшк 252).

курстацца „rauchen“: дрэныя дрова ў печкі: не араць, толькі курстаюцца С, vgl. lit. kìrstyti „anzünden“ (Feuer), siehe auch Урб 64, Зд 343.

курэль „glimmender Holzscheit zum Vertreiben von Wildschweinen“: дзікі спужаюць курэля Гр; дзіке, дзе курэль араць, не пайдуць Ж, vgl. (?) lit. kuorėlis „Wegmarke“ oder kūrelis, kūrelis „Knüppel“.

ку́шлы „blind“: кушлы не відзіць СС, vgl. lit. kìšlas.

лабу́ніць „schmeicheln, sich anbiedern, schmeichlerisch reden“: яна лабу́чіла лабу́ніла, но не прылабу́ніла С, vgl. lit. làbinti (in derselben Bedeutung), làbinimas „Schmeichelei“.

ла́мбы, ла́мбачкі „Stängel“: ла́мбачкі буракой мяненькія Гр; ла́мбы буракой парсонку даў С; ла́мбы цыбулі СС, vgl. lit. làmbas, làmbas „Rübenkraut“. Die Variante ле́мбы ist mit einer anderen Bedeutung belegt (БСС 387).

„Brotschaufel“: Das Brot wurde auf der Brotschaufel zerteilt SS, vgl. lit. lìžė.

„regnen“: Es nieselt ein wenig SS. Zur Semantik vgl. lit. lýti.

„Wiese“: Auf den Wiesen wachsen Maiglöckchen SS, vgl. lit. lanka, poln. łąka.

„Lippe“: Er nahm die Lippe, hängte sie auf, und dann wurde es... Gr; seine Lippen sind aufgeblasen S; ihre Lippen sind schön – das Mädchen ist wie ein Stern; die Oberlippe ist dick SS; die Lippen eines Pferdes Gr; das Pferd riss die Lippen hoch S, vgl. lit. lū́pa, ferner Urbutis 64, Zdancewicz 344.

1. „dicklippig“: eine dicklippige Frau Gr; was für ein dicklippiger Kerl, und wie hässlich S; 2. „dick“ (von der Lippe): sieh, die Schnurrbärte sind lang, nicht dick S; vgl. lit.

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lip- und slaw. Suffix -aty. Das Wort ist weiter verbreitet (Stiaškov 268); siehe auch Jaz 82.

„Schale, Abfälle, Schale“: Die Schale von Kartoffeln und Erbsen ist dick B; Kartoffeln mit Schale kochen Ž; Eierschale S, vgl. lit. lupyna, lūpena, lūpūne. Das Wort ist weiter verbreitet (Stiaškov 268). Wortbildung und geografische Verbreitung sprechen unseres Erachtens dafür, dass auch das polnische lupina auf das Litauische zurückgeht.

1. „hervorstehen, geduckt sitzen oder liegen“: Was hockst du hier auf dem Ofen herum; wenn die Kühe ins Gebüsch gegangen sind, lungern sie dort nur herum Gr; 2. „sich geduckt herumdrücken“: Was drückst du dich hier herum – geh arbeiten Gr; den ganzen Tag herumlungern, ohne zu arbeiten S; so ein Mann arbeitet nicht, sondern lungert nur herum Gr; 3. „umherstreifen, herumziehen“: So ein Säufer: Er streift überall auf der Welt umher S, vgl. lit. lindoti, lindėti (in derselben Bedeutung), ferner vgl. lindikas, lindišius „Eindringling“, lindojimas „Hervorstehen“: lįsti „hineinkriechen“.

„Knie“: Sie zeigt ihre Knie (über ein Mädchen mit kurzem Rock) SS, vgl. lit. linda „jemand, der sitzend oder liegend geduckt hervorsteht“: (iš)lįsti „herauskommen, hervorschauen“. Die Lautgestalt von лынды ebenso wie die von лындаць lässt unseres Erachtens die Ansicht von M. Vasmer (ESRJ II 541) fragwürdig erscheinen, der das russische лында für verwandt mit лынать hält.

„faulenzen“: So ein Junge arbeitet nicht, sondern faulenzt nur SS, vgl. лындаць Bedeutung 2.

„lecken“: Die Katze begann, Milch zu lecken Gr, vgl. (?) lit. lėmžti.

„lecken“: Die Katze leckte Milch und leckte die Schweine sauber Gr, vgl. (?) lit. lėmžti.

„plötzlich hinfallen“: Sie fiel hin, als wäre sie klein (Tochter) plumpste Ž, vgl. lit. lėptelėti.

„dicke Wangen“: Die Zügel reißen, die dicken Wangen aber nicht S; was für dicke Wangen Ž, vgl. lit. liùrba „dicker Holzspan“: liùrbis, liùrba „dummer Mensch, Gaffer“. Lautgestalt und Bedeutung des polnischen lurba „großer Holzspan“ berechtigen dazu, es den Litauismen zuzurechnen; vgl. poln. lypbas (Zdancewicz 343).

1. „tauschen“: Warum wechselst du die Arbeit? SS; 2. „sein Wort nicht halten“: Ein unzuverlässiger Mensch hält sein Wort nicht SS; er hält sein Wort nicht – man kann ihm nicht trauen Gr, vgl. lit. mainyti. Das Wort wird auch in anderen, semantisch entfernteren Bedeutungen gebraucht (Arash 1969, 131).

„Schwätzer“: von malná: allerlei Unsinn erzählen SS; Er ist so ein Schwätzer – mit ihm nimmt es kein Ende Gr, vgl. lit. malna: malli „schwatzen“.

мárгic „bunt“ (Ochse, Hund): стои мárгic SS, vgl. lit. margis.

мармуза „Schweiger, wortkarger Mensch“: ён такі мармуза — маўклівы Ж; от чалавек мармуза: зурзіць і зурзіць — таксама не люблю SS, vgl. lit. marmūza „Schweiger, Taugenichts, Fratze“, vgl. auch marmūzė „Fratze“, marmalas „jemand, der schnell und undeutlich spricht“, marmažúoti „undeutlich sprechen“, marmaliuoti, marmėti „brummen“.

маўна „Schwätzer“: ой, ён такі маўна вялікі — варзуліць і варзуліць B, vgl. мална.

182

маўнуць expressiv-abwertend „hinfallen, umkippen“: так слізка — адзін лёд: дашла да хаты і маўнула на бок Б; vgl. lit. тāiti „umfallen“.

мёнта „Wetzstein, Schleifstein für die Sense“: мёнта — што касу менціць Б, vgl. lit. menētē. Das Wort und seine Varianten sind weiter verbreitet (ДАБМ, Karte 264, Урб 65—6, ДС 103).

менціць „schärfen, wetzen“: касу́ менціць бруском Гр; ён не ўмее касу мен-ціць Б, vgl. lit. menčioti „schärfen“.

мілта „Speise aus Hafermehl“: мілты наробяць: авёс параць, высушаць, аптаўкуць, у жорны змелюць Б; смачная мілта была Б; трэба закал-батаць мілту Ж; мілту зрабілі з аўсянай мукі, і як добра было С; vgl. lit. milta „Speise aus Sauermilch und Buchweizen“, miltai „Mehl“. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 65, БСС 386, Араш БЛ 30—1, 33, ДС 107).

мітата „Pfahl, Pfosten“: сядзіць як мітата СС, vgl. litauischen Dialekt (Radun) tūtata, das höchstwahrscheinlich eine Reduplikationsbildung aus lit. mietas (mit derselben Bedeutung) ist; der Wechsel ie: y ist in diesem Dialekt phonetisch möglich, vgl. literarisch piemtō, dial. pūtī „Hirte“).

му́нкі „Wüstlinge“: яны ўсе му́нкі такія — нафта хабалі былі, да баб хадзілі С, vgl. lit. Dialekt tūnka < tānka „Wüstlingin“: mānkyti „kneten, zerknüllen, drücken“.

мэма „Gaffer, Versager, wortkarger Mensch“: ах ты мэма: ты сам чапаў ваду з свірна і не ведаеш Б, vgl. lit. tētē.

мяндры „Schilf“: мяндры растуць у балоце, цвішкі такія СС, vgl. lit. Dialekt mēndrē, literarisch pēndrē.

мянцюшка „Wetzstein für die Sense“: мянцюшка — што намёнеціць касу СС, vgl. lit. menētē, menčià und das slavische Suffix -юшка.

мянця „Rührspatel für Teig“: рашыцельню хлеб і мешаю мян-цей СС, vgl. lit. menētē, menčià.

навашаваць „mit Mühe rupfen, heranschleppen, herbeitragen“, навашавацца „sich mühsam etwas heranschaffen, sich vollfressen“: навашаваў саломы добра Гр; ну і наваша-вайся сена СС, vgl. lit. (pri-) vąšuoti, (prisi-) vąšuoti.

наге́ліць „sich übergeben (Mageninhalt herauswürgen)“: наге́ліў ту́така ён С, siehe ге́ліць.

наке́рзаць „aus Ungeschicklichkeit etwas verpfuschen“: яко́е твае аране — вот не-удаўлічы: наке́рзаў, наме́рзаў СС, vgl. lit. keržinti, keržēnti „sich langsam bewegen“, kevē rža „jemand, der etwas unbeholfen macht“.

наку́рстацца „sich berußen“: er hat sich rußig gemacht wie ein Schornsteinfeger, man sieht ihn kaum noch С, siehe ку́рстацца.

наменціць „schärfen“: Er hat die Sense gut geschärft und ging Heu mähen СС, vgl. lit. (iš)menčioti, siehe менціць.

начоўка, нечоўка „Trog“: Im Trog geht der Teig auf Ж; der Trog wurde umgedreht, und aus meinem (= im Viehfutter) rieselt Roggen Б. Aufgrund der Semantik dieses Wortes lässt sich annehmen, dass начоўка ein verwandtes Wort zu lit. pakosčia, piekočia „Trog“ ist, das durch Metathese gebildet wurde: pakosčia > начоўка, vgl. außerdem piekóti „Korn in der Wanne worfeln“ sowie russ. но́чва „flacher Trog“.

183

нашакаліняць „zerhacken“: Sie hat die Holzspäne gut zerhackt СС, vgl. lit. šakal-ys (siehe шакаль) + slav. Suffix -іняць und Präfix на-.

нашыпуліць „kleinschneiden, zerhacken“: Du hast das Fleisch gut kleingeschnitten Ж; na, du hast den Fisch ordentlich kleingehackt Гр, vgl. lit. šipul-ys (siehe шыпунь) + slav. Suffix -іць und Präfix на-.

нёгалда abwertend „Versager, Schwächling, kränklicher Mensch“: So ein Nëgalda ist ganz schwach С; und der andere Nëgalda ist kaum noch am Leben, und der dritte geht С. Möglicherweise ist die Wurzel -галд- baltischen Ursprungs, vgl. (?) lit. gvald-us „leicht aus der Schale lösend“.

недарайда abwertend „Schmutzfink, unordentlicher Mensch“: Die недарайда ging ungekämmt hinaus, in einem schmutzigen Kleid – sie achtet nicht auf sich selbst Б. Möglicherweise ist недарайда (Wurzel -райда-) durch Metathese aus lit. *nedadaira gebildet, vgl. nepadairà „unvorsichtiger Mensch“, dairà „Aufräumen“, dairýtis „aufräumen“.

нёмарасць „Unruhe“: Ein Mensch hat sich aus Unruhe selbst den Tod bereitet; aus Unruhe trinkt ein anderer Mensch; aus Unruhe verliert der Mensch den Verstand, wenn er erschrickt Б. Нёмарасць entstand durch Metathese aus lit. nētimastis (siehe не́рымасць).

не́рымасць „Unruhe“: Mich packt die Unruhe СС, vgl. lit. nētimastis.

пабра́згаць „anstoßen“: Wir stoßen mit den Gläsern an Гр, vgl. lit. pabrāzginti, vgl. außerdem бра́згаць.

павайдаваць, павайдзіцца „sich zerstreiten“: Wir haben uns mit ihm zerstritten Гр; sie streiten sich, versöhnen sich, leben aber zusammen С; Sie streitet sich manchmal mit den Nachbarinnen С; wir haben uns mit der Alten zerstritten Б; ich habe mich mit den Nachbarn zerstritten Ж, vgl. lit. vaidy-tis, siehe вайдзіцца, вайдаваць.

паварыць übertragen „verleumden“: Sei still, ich habe über sie geredet С, vgl. lit. pavaryti.

пагрэдзінь „Ofenbank, Platz zum Trocknen von Brennholz“: auf dem Ofen пагрэдзінь СС, vgl. lit. pagrėdinys (Валкнинки), dessen Wurzel grėd- slawischen Ursprungs ist.

па́кальница, па́кільніца „Tuch aus Werg“: Aus Wergtuch nähten sie Unterröcke; das Wergtuch war dick, sie nähten Hosen С, vgl. lit. pākulinis und das slav. Suffix -іца. Die unregelmäßige Veränderung der Wurzel ist Folge des Vergessens der Semantik, da der Gegenstand im Haushalt kaum noch verwendet wird; siehe па́кульница.

паке́рзаць „etwas unbeholfen tun“: Wie du mähst – schau nur: du hast eine Weile unbeholfen gemäht und bist dann gegangen СС, vgl. lit. keržénti, keržinti „sich langsam bewegen“, vgl. наке́рзаць.

пакно́йсаць, пакні́саць, пакне́йсаць „aufwühlen, umgraben, durcheinandermischen“: Die Wildschweine haben das Stroh aufgewühlt Гр; die Schweine haben den Hof umgegraben СС; er hat mit dem Stock den Haufen durcheinandergewühlt; die Schweine haben die Kartoffeln umgewühlt; sie hat im Misthaufen gewühlt und ist gegangen Ж, vgl. lit. knáišioti, knyščioti, knisioti „aufwühlen, aufreißen“, knyšoti „eingegraben liegen“, knyšis „Graben“. Grammatik und Semantik des polnischen Dialektworts knysać zeigen entgegen Sławski (Ф Сл II 292), dass auch dieses ein Lithuanismus ist; vgl. außerdem Яз 97.

пако́мшкаць „eine Kleinigkeit essen, etwas zu sich nehmen“: я пако́мшкаю хлеба, і добра СС, vgl. lit. kamšiúoti: kimšti „hineinstopfen, vollstopfen“.

184

пакраціцца übertragen „sich schütteln, arbeiten“: пóйдзiцi ў поле, пакраціцца, і апа́ць рана дамо́ў С, vgl. lit. (pasi-) kratyti.

па́кула „Werg“: як чэшы лен, ляціць па́кула; па́кулу прядуць С, vgl. lit. pákulos, siehe па́кулы. Zum Numerus von па́кула vgl. russ. па́кля.

пакуляцца „die Faser abtrennen“: бярозавыя падрэзы пакуляюцца болінай СС, vgl. lit. pakulótis.

па́кулы, па́куля „Werg“: ха́ту забіваюць па́кулямі; бярозавыя санкі — аж па́кулі нанна́лі болінай; аж па́кулі задіраюць на бярозавых санках СС; па́кулі прядуць на дзярўні Гр; па́куля добрыя для путаў С, vgl. lit. pákulos. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 66, Сцяшик 339, Зд 345).

па́кульніца, па́кульня „Gewebe aus Werg“: добра (= много) па́кульніцы наткала СС; шмат сваёй па́кульні ў kúфру накладалі С, vgl. lit. pākilinis.

пакúрстаць „leicht räuchern“: у ла́зню занеслі, пакúрсталі троха кумпякі, і добра С, siehe кúрстацца.

па́лубніца „Spreusack“: па́лубніца ў торпе ля мякіны Ж. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um lit. paliudė und das slavische Suffix -ница, vgl. außerdem lit. dial. (Deveniškės) pelūdпica, pelūdпyca. Der unregelmäßige Wechsel d: b lässt sich durch das Vergessen der Wortsemantik erklären, da die bezeichnete Sache vergleichsweise selten ist.

па́льць „großes Stück Speck“: адна па́льць — палавіна тушы сві́ніны СС, vgl. lit. páltis (Entlehnung aus dem Slavischen, vgl. russ. полоть, полоть, weißruss. поуць).

паменціць „schärfen“: тре́ба паменціць касу СС, vgl. lit. menčioti, siehe менціць.

пана́дзіцца „Lust bekommen, verlangen“: каро́ва пана́дзілася ў канюшыну Б, vgl. (?) lit. panūsti (panūsta, panūdo) „Lust bekommen“, vgl. ferner pūstmas „leidenschaftliches Verlangen“, paidūti „wollen“, paudinėti „suchen“, siehe унадзіцца.

папу́жа, папу́жка „Bündel Blätter“ (Tabak, Ahorn, Kohl): папу́жа ту́тына Ж, Гр; лісця ў папу́жку злажыў СС, vgl. lit. rapužā, rapūžā, ferner vgl. rapūžė „Haubenhuhn“, rapūžōnas „eingewickeltes Kind“, rūžas, rūžlys, paužlys „Dicker, Dickwanst“, rūžoti „einwickeln“. Eine andere Etymologie der russischen Wörter пампушка, папуха, папуша „Bündel Blätter“ schlägt Fasmer vor (ЭСРЯ III 195). Das Wort ist weiter verbreitet (Сцяшик 349).

папу́шка „Pickel“: папу́шкі папу́шкі такіе́ былі на тва́ры як балваны СС, vgl. lit. rapūškā, rāpūška, rūškas, pauškulė (mit derselben Bedeutung), rūškuotas „pickelig“, puškėti, pauškėti „pickelig sein“.

па́разг „Zweig für einen Zaun“: пры́нёс паразго́ў; дай адна́го па́разга СС, vgl. lit. pāraizgas.

парсо́к, паршу́к „Ferkel“: жырны ёшкі парсо́к Ж; сасано́к парсо́к С; замеша́ў парсо́ку Ж; наплядзілі парсо́каў С; закало́ў паршука́ СС; наш паршу́к быў харо́шы Б; ме́лі паршука́, бу́дзем кало́ць Гр; vgl. lit. paršiūkas. парсо́к ist weiter verbreitet (ДАБМ, Karte 292, С VIII 87, Урб 66–67), vgl. auch БЯ 45, Яз 83; die Varianten poršuk, paršuk sind aus den polnischen Mundarten bei Sejny bekannt (Зд 346).

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парупіцца „sich kümmern“: er kümmerte sich darum, früh aufzustehen S, vgl. lit. pasirūpinti, siehe рӯniцца.

пасвіронак „Platz unter dem Getreidespeicher“: er legte sich auf den пасвіронak und liegt dort SS, vgl. lit. pasvirnỹs, siehe свіран.

перажаргнуць, перажэргаць „übertreten, hinübersteigen“: sie stieg über den Bach S; sie sah den Hund und stieg über den Zaun Ž; von einer Person: Er stieg über die Umzäunung und ging Gr, vgl. lit. (pėr-)žergti, siehe жэргаць.

печанік „Ofenbank, Liegestatt am Ofen“: er liegt auf der печанік SS, vgl. litauisch dialektal peči-nykas (Wurzel slawischen Ursprungs) „Platz am Ofen“.

піплівы „mühsam, langwierig“ (von einer Arbeit): Das ist so eine mühsame Arbeit: Man schreibt und schreibt Gr, vgl. lit. piplioti „mühsam arbeiten“, pūpnioti „herumstochern“, puplys „schwacher, kraftloser Mensch“.

пішкаць „knistern“: das Holz knistert SS, vgl. lit. pūškėti, piškėti.

пляўшы „Schuppen“: Auf dem Kopf sind viele Schuppen, und es juckt SS, vgl. lit. plaušai.

пожаг „Stiel“: пóжгa – ein biegsamer Stock zum Ausfegen des Ofens; der пожаг ist aus dem Besen gefallen SS, vgl. lit. pažagas. Das Wort kommt auch in polnischen Mundarten des litauischen Grenzgebiets vor (K 325): pożoch. Phonetik, Morphologie und Verbreitung des Wortes пóжгa (pożoch) bezeugen seinen litauischen Ursprung; vgl. ferner žāgas „Holzstoß“, žaginỹs „gefällte, dünne Fichte mit entasteten Zweigen; Kleiderstange“.

по́йсаць „die Grannen (der Gerste) abschlagen“: Die ganze Gerste muss entgrannt werden Gr; sie entgrannen die Gerste Ž; wir entgrannten früher die Gerste SS, vgl. lit. paišyti. Das Wort ist weiter verbreitet (S VIII 50, Urbutis 67, Stjaschik 337); die Varianten pejsować, pejsakować sind aus polnischen Mundarten bekannt (Zdancewicz 346).

по́шар „Futter“: Futter gibt es nicht, aber man muss mähen Ž; Spreu ist gutes Futter SS; er hat Futter zertrampelt Gr, vgl. lit. pašaras. Das Wort ist auch weiter verbreitet (Urbutis 67–8, BSS 387, VJ 104, außerdem Zdancewicz 346).

прадзяннік „älterer Hirte, den die Viehbesitzer reihum täglich verpflegen“: Das Dorf stellte einen прадзяннік ein Gr, vgl. lit. pradienininkas: pradienius „jeden zweiten Tag“, vgl. ferner BSS 383, auch S XII 27 (das Wort dieninis).

пралы́ндаць „versteckt herumsitzen, die Zeit untätig vertrödeln“: So vertrödelst du dein ganzes Leben hinter dem Ofen; er saß den ganzen Nachmittag zu Hause herum; wie konntest du den ganzen Sommer untätig vertrödeln, vgl. lit. pralindoti, siehe ferner лындаць.

праманіць „sich gewöhnen“: Das Kälbchen gewöhnte sich daran, Eier zu fressen; er gewöhnte die Kuh ans Melken SS, vgl. lit. pra(si)manýti.

праманўць „nennen“: Sie nannten ihn Linkshänder SS, vgl. lit. pramanýti, außerdem Urbutis 68.

прамуга „Platz neben dem Ofen“: Man lässt den Platz neben der Wand beim Ofen frei Gr, vgl. lit. pramigà: mūginti „einen freien Durchgang, einen freien Platz, eine Lücke schaffen“, mūgintis „sich in einer Menschenmenge mit Ellbogenbewegungen nach vorn drängen“. Das Wort праму́да (Aras 1969, 126) ist zweifellos eine Variante von праму́гі und ist höchstwahrscheinlich durch den Verlust der Bedeutung entstanden.

пру́вянь „Vorraum, Flur“: Im Vorraum hängen S; im Vorraum standen Heubündel B; die Tür öffnete sich – und der Vorraum SS, vgl. lit. prývenė (Mažeikiai, Tirkš-

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ляй) < prymenė, priemenė, wahrscheinlich durch Dissimilation. In den belarussischen Mundarten ist das Wort weiter verbreitet (Сцяшк 384), vgl. прымян.

прылабу́ніцъ, прылабу́ніца „sich einschmeicheln“: прылабу́ніла да яна́ i жыве́ць; яна́ хаце́ла прылабу́ніца да сябе С, vgl. lit. (prisi)lābinti, siehe лабу́ніцъ.

пры́мян „Vorderraum, Vorhalle“: наш прымян бальшы́й Гр, vgl. lit. priemenė. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 68, Сцяшк 397, ВЯ 105).

пужлі́с „dick, aufgebläht“, übertragen „Geck“: ён як пужліс ходзіць; капу́ста-пужлі́с СС, vgl. lit. pūžlys.

пужло́к „etwas Zerzaustes“: налава не бярэцца-пужло́к капу́ста СС, vgl. lit. pūžl-ys und das slawische Suffix -ок.

пумпа́шачка „Bäuchlein, Pummelchen“: мура́шачка пумпа́шачка СС. Die Phonetik und Semantik des Wortes erlauben es, es den Lithuanismen zuzuordnen, vgl. lit. pamp arùtė „rundlich, klein und bäuchig“ (von einer Person oder Sache), pamputỹs „Pickel; Krapfen“, pámpa, pámpė „Geschwulst, Auswuchs“, pāмpti „anschwellen, aufquellen“. Der Wurzelvokal -um- stammt wahrscheinlich aus litauisch dialektalem -um-, literarisch -am-. Das Russische пампуха, пампушка „eine Art Teiggebäck“ hält Fasmer jedoch für ein deutsches Wort (ЭСЯРЯ III 194), was angesichts der oben genannten Gründe unserer Ansicht nach zweifelhaft ist; vgl. außerdem die litauischen Hybridbildungen pampriškė „fülliges Mädchen“, pampriška „Krapfen“; „fülliger Mensch“; „Knospe“ u. a.

пу́ня 1. „Dreschtenne“: у пу́ні клалі жыта Гр; у пу́ню вазілі снапы С; 2. „Heuschuppen“: для сена пу́ня; завязлі сена на пу́ню С; 3. „Wagenschuppen“: у пу́не стаялі колы СС, vgl. lit. ri̇́pìa, ri̇́pė „Schuppen, Dreschtenne, Spreuspeicher“. Das Wort ist auch in anderen belarussischen sowie in russischen Mundarten verbreitet (ДЛАБМ, Karte 236, С XII 40–44, Урб 68, ВЯ 105, БЯ 45, ДС 103).

пу́тра „Suppe“: ба́цька хво́ры, і пі́тры не ей Ж, vgl. lit. putrà. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 149), vgl. auch Яз 83.

пу́ць übertragen „Kopf, Verstand“: яна́ здае́цца о́семьдзесяць ма́йць, а пу́цю ма́йць Гр, vgl. lit. pùtė „Henne“, übertragen „Verstand“. Zu lit. pùtė siehe LEW 680 (pùtė), 554 (paikštis „Vogel“), ЭСЯ III 398 (ptica).

пу́тачка „Hühnchen“: пу́тачка пу́тачка, сёла прр прр (sagt man, wenn man ein Huhn fangen will) Б, vgl. lit. putùtė, siehe пу́ця.

рага́лы „Rinnsale“: рага́лы пацяклі на та́вры, на шчы́біне С, vgl. lit. rãgės; wahrscheinlich auch mit ragėti „sehen“ und rãgana „Hexe“ verwandt.

ра́гі „Rinnsale“: на вокнах ра́гі цякуць, дошч бу́дзе; спаце́ла акно́ — ра́гі пацяклі на шкле; чалавек у ра́гі пашоў; вот іспёк мяне пот: увесь я ра́гамі сплыў Гр; человек у ра́гі пашоў Гр; вот іспёк мяне пот: увесь я ра́гамі сплыў Б, vgl. рага́лы.

раго́йшы́ла derb „Vieh“: якая баба раго́йшы́ла Гр; ах ты раго́йшы́ла, куды пашла (von einer Kuh) Гр, vgl. lit. ragúotas „gehörnt“, ragùolis „Kringel; Gabelung“: rãgas „Horn“, vgl. auch С VIII 87, Урб 149.

ра́йставы „sumpfig“ (von einer Birke): райставыя бярозы неве́лькія СС, vgl. lit. raistas „Strauch im Moor“.

раскра́тацца „durchgeschüttelt werden“: у такую́ даро́гу я до́бра раскра́талася С; я не раскра́таюся, не бо́йся С, vgl. lit. kratýtis „zittern“, siehe кра́тацца.

расхле́йдацца „sich ausstrecken“: прышоў дамо́й расхле́йдаўшыся і не зашпі́ліцца Ж, vgl. lit. (išsi)skleisti „sich entfalten, sich öffnen“.

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ройст, ро̄йста, ро̄йства „Strauch auf einem Torfmoor“: каровы ў ро̄йце SS; у ро̄йст уваліўся конь Ж; ро̄йства — мокрае балота — дажа чалавек не ўлезя: кусты, мох Gr; там такое ро̄йства большое — можна праваліцца Б, vgl. lit. raistas. Ро̄йст und ро̄йства sind weiter verbreitet (ДС 108, Сцяшк 425), vgl. auch С VIII 88.

рукуць „Knöterich (Polygonum)“: рукуць горькая; рукуць — такая трава ў агародзе расце SS, vgl. lit. rūgtis.

рупіць „beunruhigen, Sorgen bereiten“: усё жа табе рупіць Gr; дамоў трэба ісці — рупіцца; не ўбыў у Мінску — рупіць дамоў; добра была, каб не рупіла S; мне рупіць, каб печку напаліць; яму нішто не рупіць яшчэ SS; vgl. lit. rūpėti, rūpi, rūpėjo. Das Wort ist weiter verbreitet (Сцяшк 429), vgl. auch С VIII 88, Яз 84, ferner Зд 347.

рупіца „sich kümmern, sich sorgen, sich einsetzen“: трэба рупіцца і рупіцца, каб дзеці былі добрыя Gr, vgl. lit. rūpintis. Das Wort ist weiter verbreitet (Сцяшк 429), siehe auch Урб 149, Зд 347.

рупястлівы „fürsorglich“: рупястлівы бацька — сваіх дзяцей даглядае SS, vgl. lit. rūpintis „sich kümmern“, rūpest-is „Sorge“ und das slawische Suffix -ливый, siehe рупіца, рупіць.

ре̄згіні „Netz für Heu und Stroh“: ре̄згіні — што се̄на носяць Ж; поўныя ре̄згіні се̄на Gr; ты тожа маіш ре̄згіні Б, vgl. lit. rēzgines. Das Wort ist weiter verbreitet (ДАБМ, Karte 254, Сцяшк 432, ДС 103), siehe auch С VIII 88, Урб 150, Яз 84, Зд 347.

сала „Untiefe in einem Fluss, See oder Sumpf“: на сале́ вада бруіць і бруіць Б, vgl. lit. salà „Untiefe, trockene Stelle inmitten von Sümpfen“, ātsala „Untiefe, Bucht“. Das Wort ist weiter verbreitet (ДС 107).

салісты „seicht“: салістая рака Б, vgl. lit. sal-ā „Untiefe“ und das slawische Suffix -истый, siehe сала.

самтукі „Kaulquappen“: самтукі перамяняюцца на жэбы SS, vgl. (?) lit. samtūkai, belaruss. палаўнікі. Das Wort ist jedoch eine slawische Lehnübersetzung.

све̄ран, сві̄ран „Speicher“: све̄ран зна́ре̄ў Ж; све̄ран кро̄ты сало̄май SS; у свірне прымыў зерно Gr; у свірне дабро сіпем, сала вешаем S; новы сві̄ран зна́ре̄ў SS, vgl. lit. svī̄nas. Das Verbreitungsgebiet von сві̄ран in den belarussischen Mundarten ist in ДАБМ, Karte 239, dargestellt; siehe auch ДС 104, ferner С VIII 88, Урб 152, Сцяшк 443, Яз 84.

сві̄ршня „Ziehbrunnenwinde“: вада чарпа́іцца сві̄ршней Gr, Б, vgl. lit. svirtis: sverti „mit einem Hebel anheben“. Das Verbreitungsgebiet des Wortes in den belarussischen Mundarten ist in ДАБМ, Karte 243, dargestellt; siehe auch ДС 104 und Karte Nr. 4, ferner Урб 151, Сцяшк 443; das Wort kommt auch im Polnischen vor (Яз 100).

свор „Ziehbrunnenwinde“: свор — што воду чарпа́я SS, vgl. lit. svā̄ras, svirtis (mit derselben Bedeutung), vgl. belaruss. свер (mit derselben Bedeutung) Урб 151, siehe сві̄ршня.

сві̄рня „Ziehbrunnenwinde“: наш калодзеж з сві̄рняй Б, vgl. lit. svirtis. Die unregelmäßige Wurzelvariante ist das Ergebnis des Vergessens der Wortbedeutung, da auch die bezeichnete Sache außer Gebrauch kommt.

се̄меня „Leinsamen“: се̄меня ў бо̄рке (= im Sack) здуле̄лі Ж, vgl. lit. sēmenys. Das Wort ist weiter verbreitet (Сцяшк 445).

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ска́ба 1. „Rippe“: vom mageren Kalb – die Rippen ragen hervor; mager, die Rippen kann man zählen С; die Rippe brach; die Rippe des Pferdes; zwei Rippen ausgewählt Б. 2. „Reifen des Korbes“: die Reifen des Korbes sind aus Weidenruten СС. Die Wurzel ist gemein-indoeuropäisch (LEW 812 skabh-) und hat Verwandte in anderen slawischen Sprachen (ЭСРЯ III 643 скобель, 630 ска́ба, Brück 494 skobel) sowie auch in germanischen Sprachen (Kluge, 629 schaben); semantisch steht скаба jedoch lit. skobā „Rippe“ näher; vgl. außerdem skobinỹs „ausgehöhltes Brett, Holzklotz“, skōbnìs, skobnìs, skobnìā „alter Tisch“, skōbti „aushöhlen“, skobtinis „ausgehöhlt“, skāptas „Meißel“, skaptuoti „aushöhlen“.

скара́ч „breites Handtuch mit Fransen, mit dem der Küchentisch bedeckt wird“: das Kind mit einem alten Handtuch zudecken СС; auf dem Handtuch werden die Pfannkuchen aus dem Ofen geworfen Гр; ein Handtuch mit langen Fransen Ж; mit dem Handtuch deckte man den Tisch Б; vgl. lit. skarinỹs, Hybridbildung skarōčius (mit derselben Bedeutung), skarā „Tuch, Faser“, skārti „ausfransen, sich abschälen“. Das Wort ist weiter verbreitet (Араш 1969 131, Урб 152, Сцяшк 451) und kommt auch in der belarussischen Literatursprache vor (Б Сл 857).

скарпа́ць „abschneiden, aufwühlen“: die Schweine haben alles aufgewühlt С; vgl. lit. karpýti „graben, schneiden“; siehe карпа́ць.

склют „Dechsel“: mit der Dechsel behauen sie Holz Ж, Б; mager – wie eine Dechsel С; eine Nase wie eine Dechsel: wo ist dein Verstand СС; vgl. lit. skliūtas: skliūsti „gleiten“. Das Wort ist weiter verbreitet (Сцяшк 454); vgl. ferner Урб 152–3, ВЯ 102, 104, Яз 85.

склюта́ваць „behauen“: mit der Dechsel Holz behauen Б, СС; vgl. lit. skliutúoti. Das Wort ist weiter verbreitet (БУИ 58); vgl. склют.

sich krümmen „sich buckeln“: der Alte krümmte sich; warum hast du dich so gekrümmt, vgl. lit. (susi)kū́printi, siehe auch купра́ты, купро́.

скрэдзі „Fleischstück eines Tieres, das beim Schlachten verdorben wurde“: ich schlachtete das Ferkel und gab mir das скрэдзі СС; vgl. lit. skerdžiai (mit derselben Bedeutung):skersti „stechen, schlagen, schneiden“.

сло́ксны, сло́кшына „Bast aus Weidenruten“: ich riss Baststreifen ab und flocht einen Besen; Baststreifen werden von Weidenruten abgezogen СС; aus dem Haselstrauch zieht man Baststreifen Ж; der Bast wird im Frühling abgezogen Гр; vgl. lit. šliūksnas, šliūksna, šliūksnis „Bast zum Flechten“. сло́кшына ist weiter verbreitet (БСС 388).

смі́льгінкі „Schläfen“: die Schläfen tun weh СС; vgl. lit. dial. smilginėliai, smilginiai, lit. Standardsprache smilkiniai.

снаўдацца „kaum die Beine bewegen können, als wäre man im Traum“: und der Mensch schleppt sich hierhin und dorthin СС; vgl. lit. snaūdalíuoti; vgl. außerdem snáusti „dösen“, „sich langsam bewegen“.

спойсаць „verprügeln“: ich werde ihn wegen der Schulden verprügeln; sie hat ihn ordentlich verprügelt: sie hat ihm ins Gesicht gehauen Б; vgl. lit. paisýti „die Grannen abschlagen“ (bei Gerste); siehe по́йсаць.

aufessen „aufessen“: Ich habe die ganze Kartoffelernte aufgegessen, vgl. (?) lit. sémti „schöpfen, schlürfen“.

става́рук „trockener Ast“: bis zum trockenen Ast abgeschnitten СС; vgl. lit. stavarùkas; vgl. außerdem steverỹs, stavarỹs „Astgabel“.

189

стацок „Garbe für einen Getreideschober“: ён нясе стацокі — бабу стаіць будзя СС, vgl. lit. stačiukas, statūkas (mit derselben Bedeutung), vgl. ferner statà, statùs „aufgestellte Getreideschober“, statýti „stellen“.

стоўпніца „hineinpassen, Platz finden“: ліпа была: ў сярэдзіне чалавек стоўп-ніўся С, vgl. lit. talpinti „unterbringen“, tilpti „hineinpassen“, talpà „Fassungsvermögen“. Obwohl die litauischen talpinti, talpà mit slav. tolпа verwandt sind, ist das belarussische стоўпніца semantisch (vgl. seine Synonyme in der belarussischen Literatursprache змяшчацца, утоўплівацца) enger mit lit. talpinti verbunden als mit russ. толпа, belaruss. натоўп, was seine Einordnung als Litauismus ermöglicht.

страмбель „Stängel“: страмблі лупіна тўстэя; страмбель пусты СС, vgl. lit. stramblys.

сукаўца „um die Hand anhalten“: мужык да дзёўкі сукаўца Гр, vgl. lit. sūktis, sukiotis; vgl. russ. сукалить „abkratzen, reinigen“ und lit. sukalioti (БЯ 46).

сула „Birkensaft“: бярозавая сула СС, vgl. lit. sulà.

сцібкілі 1. „harter Teil der Feder“: адны сцібкілі ў курэй СС; 2. „Nadeln“ (von Kiefern, wenn…): у кваі сцібкілі зялёныя СС; 3. „Fasern des Flachses“: са льна сы-плюцца сцібкілі СС, vgl. lit. stibikliai, vgl. ferner stiblai „kahle Äste“.

сцібкіляты „mit Federkielen bedeckt“: курыцы сцібкілятыя СС, vgl. lit. stibikliūotas, siehe сцібкілі.

сціпіны „Stützböcke im Schlitten“: на гохтах кладзецца5 сціпіны СС, vgl. lit. stipinai.

сцірта „Schober, Holzstoß“: сцірта — большы стог саломы Гр, Б; сцірта сена Ж; сцірта дроў СС, vgl. lit. stirta. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 153, Сцяшк 484), vgl. auch С VIII 88, ВЯ 105, БЯ 124).

торя „Heuboden“: йзлую старану тарпой наклад Б, vgl. lit. tárpas „Fläche in der Tenne zwischen den Heuböden“. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 153–4, Сцяшк 498, ДС 104), siehe auch С VIII 88.

трайла „Schwätzer“: ён такі трайла: трайлобуць і трайлочыць СС, vgl. lit. tráila, tráilas, trailỹs, vgl. ferner trailė „fröhliches Liedchen“.

трайлоўцы „schwatzen“: ён трайлобуць, а мне нима часу СС, vgl. lit. trailinti, trailiuoti, vgl. ferner tráiloti „ein fröhliches Lied singen“, siehe трайла.

труша „Eiter, Fäulnis“: мяса трушой павярнулася СС, vgl. lit. dial. trūšà, lit. trąšà.

туркліс „Maulwurfsgrille“: у зямлі сядзіць туркліс такі жоўты СС, vgl. lit. turklỹs.

угнібнуць „kneifen“: подсуніш палец, так рак угнібне; ён моцна ўгнібнуў мянжа; рак мне ўгнібнуў; кніціць мне, каб дзёўчына ўгнібнуць СС, vgl. lit. (i)gnýbti, siehe гнібнуць, гнібацца, гнібіць.

удурбаць „jemandem in den Kopf setzen“: нёўку халеру ўдурбаў у галаву Ж, siehe дурбаць.

уназдзіцца „sich angewöhnen“: wie er sich daran gewöhnt hat, so geht und geht er Б; wenn sich eine Elster einmal etwas angewöhnt hat, rafft sie alles an sich С; er hat sich an das Mädchen gewöhnt СС, vgl. панадзіцца.

ускобліць übertragen „peitschen“ (vom Regen): wenn der Regen peitscht, steht man knietief im Wasser; der Regen hat mich ordentlich durchnässt С, vgl. russ. скоблить „kratzen“,

5Im Dialekt des Dorfes Starye Smilginy wird in bestimmten Fällen anstelle der Pluralform der Verben der 3. Person die Singularform der 3. Person verwendet.

190

„reißen, kratzen, fein, dünn hobeln“, lit. skal̇bti „peitschen“. Semantik und Akzentuierung des belarussischen ско́бліць sprechen höchstwahrscheinlich für seine Verwandtschaft mit lit. skal̇bti. Die Umstellung lb: bl könnte aller Wahrscheinlichkeit nach durch Metathese erfolgt sein.

успірнуць „andrängen; erhitzen“: wenn sie so andrängten, war die Seele schon weg СС, vgl. lit. (iǧ)spìrginti.

ўштаць „wiegen, schaukeln“: man muss es auf dem Arm wiegen, dann wiegt man es СС, vgl. (?) lit. i̇žčioti.

ўштацца „geschaukelt werden, schaukeln“: ach, ich habe mich ordentlich geschaukelt СС, vgl. (?) lit. i̇žčiotis.

хлу́сечь „gehorchen“: ihr gehorcht ihr nicht – ihr betrügt sie Б, vgl. (?) lit. klusýti, klū́sti „gehorsam werden“.

хлу́сціць „ausfragen, fragen“: ich werde warten, ob er mich nicht ausfragt С, vgl. (?) lit. klusčioti, klūsinti, klū́saūti, klūstelėti.

хро́бу́ст „essbares Sumpfkraut mit breiten Blättern; Schweinekohl“: хро́бу́ст wächst im Wald Б, vgl. lit. grabū́zdas, siehe грабу́зда.

чухо́нь „weicher Leinenschuh“: der Leinenschuh ist zerrissen, Bast- und Hanfschuhe flochten sie, die чухны aber nähten sie aus Stoff С. Semantik und Lautform des Wortes stehen nach unserer Ansicht nicht dagegen, es mit lit. čiuknà, kiuknà „Schludrige, zerzauste Person, Schlampe“, auch kiùkė „liederliche Frau, Frosch, Beule, Fest“, kiuglius „locker, nicht fest“, kiùginti „auflockern“, kiukénti „enthülsen“, in Verbindung zu bringen. Doch sollte man auch eine mögliche Verbindung mit russ. чо́ха „Oberbekleidungsstück“, чу́га „langer Kaftan“, чуха́ „Kaftan“, чехо́л (ЭСРЯ IV 355, 373, 377, 388) berücksichtigen.

ша́каль „Span“: ich warf die Hütte mit Spänen zu; ich machte viele Späne; sie ging wie auf Spänen Ж, vgl. lit. šakalỹs. Das Wort ist weiter verbreitet (Сцяшк 554, БСС 388, 403), vgl. auch С VIII 34, 88, Яз 85, Зд 349.

шака́лькі „Späne“: mit Spänen heizen wir an und kochen; ich sammelte Späne zum Anheizen СС, vgl. lit. šakaliūkai, siehe ша́каль.

шапштук „vertrocknet, trocken verfault“: die Zwiebel ist mit шапштук herausgewachsen СС, vgl. (?) lit. šarštùkas (Radun) „etwas, das vertrocknet ist“.

шаўно́к „tüchtiger, draufgängerischer Kerl“: so ein tüchtiger Bauer: Er brachte mich zur Kirche Гр, vgl. lit. šaunìs „draufgängerisch“.

шашо́к „Frettchen“: das Frettchen fraß zwei Küken; das Fell ist ein schönes Frettchenfell; die Frettchen sind groß; das Frettchen fraß die Küken С, vgl. lit. šeškas. Das Wort ist weiter verbreitet (Урб 155–6, Сцяшк 558), vgl. auch С VIII 88, ВЯ 104, Яз 85, Зд 349.

шві́рня „Kranich“: Wir schöpfen Wasser mit dem шві́рняй Gr, vgl. lit. svìrtis, siehe сві́рня.

шкілёнда, шкілёндзя „Labmagen, mit Schweinemagen gefüllter Magen“: шкілёнда schmackhaft (f); man muss eine шкілёнзю machen; шкілёнзю haben sie für den Sommer in den Heuschober gebracht (B), vgl. lit. skilandis. Beide Wortvarianten sind weiter verbreitet (Urb 156, Stjašk 559), siehe auch VJa 104.

шклёньдзя „Speise aus Blut und Mehl“: шклёньдзі haben sie gebacken (f), vgl. lit. skli̇ndžiai „runde Pfannkuchen, Plinsen“.

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шку́це „Abschnitte, Stofffetzen“: Das ganze Haus ist voll шку́цця (f); allerlei шку́цця habe ich gesammelt; шку́цце geben wir im Laden ab; aus шку́цця webt man Fußmatten S, vgl. lit. skūtas „Stofffetzen“. Das Wort ist auch weiter verbreitet (Stjašk 560).

шлін „schwerer hellblauer Lehm“: шлін ist graue Erde SS, vgl. lit. šlūnas.

шло́кшыні „Bast aus Weidenruten“: Die Sohle ist aus сло́кшыны bei den Körben Gr, vgl. lit. slūoksna. Das Wort ist auch in den polnischen Mundarten bei Sejny bekannt (Zd 349), siehe сло́ксны, сло́кшына.

шні́ршлі „Nüstern“: die Nüstern des Pferdes SS, vgl. lit. šnīršlės.

шо́рыцца „rollen“: Die Äpfel rollen auf dem Boden S, vgl. (?) lit. šorinti „schnell fahren“, šorúoti „laufen, eilen“.

шуждзе́ць „rauschen“: Die Wolke rauscht, der Regen hält lange an SS, vgl. (?) lit. šiugždėti.

шу́ла „Pfosten“: Für den Brunnen muss man einen шу́лау haben (f), B; der шу́ла steht im Brunnen S, vgl. lit. šūlas. Das Wort ist weiter verbreitet (Urb 156, Stjašk 566), vgl. auch S VIII 34, 88, VJa 105, BJa 124, Jaz 85.

шу́рпа 1. „Vogel mit zerzaustem Gefieder“: Das Huhn geht wie eine шу́рпа (B); шу́рпы-Hühner: die Federn stehen wie Nadeln (f); die Federn eines шу́рпы-Huhns liegen nicht an SS; 2. „Schauder“: Der ganze Körper bekam Schauer B, vgl. lit. širra, vgl. auch Urb 156—157.

шурпа́ты 1. „mit zerzaustem Gefieder, aufgeplustert“: Der Pfau ist aufgeplustert; du bist wie ein aufgeplustertes Huhn (f); aufgeplusterte Haut Gr; 2. „faltig“: ein шурпа́тае Kleid mit Volants S; 3. „gänsehautartig“ (von der Haut); der Körper bekam eine Gänsehaut SS, vgl. lit. šūrpotas „aufgeplustert“, vgl. ferner šūrṗti „sich aufplustern“, Jaz 86, siehe шу́рпа.

шу́рпачкі „Fältchen“: шу́рпачкі am Halsausschnitt (des Kleides) hat sie angenäht S, siehe шу́рпа.

шу́ршалы „Wespen“: шу́ршалы sind gelb und stechen stark SS, vgl. lit. širšalės, širšės.

шутурлі́вы „wirbelig“: ein wirbeliger Strudel in Bjarėza B, vgl. (?) lit. sūkur-ys „Wirbel“ und das slawische Suffix -ливый. Die regelwidrige Veränderung des Wortstamms ist höchstwahrscheinlich Folge einer Verdunkelung seiner Semantik.

шыпу́ль „Keil“: Man muss Keile hineintreiben, damit der Pfahl nicht umfällt SS, vgl. lit. širpùlys „Span“. Das Wort ist auch in den polnischen Mundarten bei Sejny bekannt (Zd 350).

шыпу́лькі „Splitter“: нашака́ліняла шыпу́лькой СС, vgl. lit. širpuliùkas, šipulỹs, siehe шыпу́ль.

шыро́га „dicke Stange zum Anhalten eines Floßes“: кідаюць шыро́гу бяро́завую, штоб астанаві́ць плот Б, vgl. lit. širìkas, šir̃kas, vgl. auch širỹs, šerỹs „Borste“. Das Wort ist weiter verbreitet (Араш БЛ 34).

шыршу́ль „Hornisse“: шыршу́ля бая́цца каро́вы: мо́цна куса́ецца СС, vgl. lit. širšùlė.

юнк „Joch“: юнк наклада́лі валу́ на шыю СС, vgl. lit. jùngas.

я́кны „Leber“: я́кны тоўстыя як бо́нды СС, vgl. lit. jė́knos.

Im vorliegenden Artikel haben wir uns bemüht, möglichst alle von uns im nordwestlichen Teil der Gebiete Grodno und Minsk aufgezeichneten Wörter anzuführen, die als Litauismen eingestuft werden können. Dies wird es ermöglichen, ein

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vollständigeres Bild von der Verbreitung der Litauismen in den Mundarten des untersuchten Gebiets zu gewinnen und festzustellen, worin diese Mundarten mit anderen belarussischen Mundarten übereinstimmen und wodurch sie sich von ihnen unterscheiden. Ein Teil der oben angeführten Litauismen (z. B. аксны, ашакі, блінда, бонда, вайдавайць, вайцяць, вашавайць, грэбесці, дулька, карпа, кудра, мілта, пойсаць, шыпуль u. a.) ist auch in einer Reihe anderer Gebiete des von uns untersuchten Areals belegt und wurde, wie im vorliegenden Artikel erwähnt, bereits in früher veröffentlichten Arbeiten zur baltisch-slawischen Problematik behandelt oder untersucht. Andere Lexeme (z. B. асцюкі, атожал, атобъ, брягецъ, гірса, клумпы, мента, пакула, пуня, рэзгіні, свірэн, шула u. a.) sind weit über die Gebiete Grodno und Minsk hinaus bekannt, einige sogar über die Grenzen der BSSR hinaus auch in anderen slawischen Sprachen. Davon zeugen sowohl einige Sprachkarten des belarussischen Sprachatlasses als auch die von uns angeführten Einzelstudien und Materialien aus arealen slawischen Wörterbüchern und anderen Quellen. Darüber hinaus ist im untersuchten Areal ein bestimmter Teil der Litauismen (z. B. адсұра, асёкла, апікула, вірбаты, гёліць, гулды, гушта, жабанкі, зурзейць, ісак, каўшніцъ, люрбы, ліжка, матнуць, недарайда, немарасцъ, піплівы, сукацца, скярдзі, шутурлівы u. a.) erfasst, die erstmals in belarussischen Mundarten nachgewiesen werden. Sie unterscheiden den nordwestlichen Teil des untersuchten Areals bis zu einem gewissen Grad vom übrigen belarussischen Sprachgebiet; dies erlaubt es, von deutlicheren Spuren eines baltischen Substrats in diesem Gebiet zu sprechen. Die im äußersten Westen des untersuchten Areals registrierten Litauismen (антраплуці, гілонь, крамзля, крамплы, сула, трицца, юнк u. a.) stellen unserer Auffassung nach die jüngste Schicht des Substratwortschatzes dar.

Fast alle oben angeführten Litauismen haben ihre alte lexikalische Bedeutung bewahrt, und viele von ihnen stimmen in ihrer Wurzelform mit den entsprechenden, im Litauischen verwendeten Wörtern überein. Einige von ihnen haben sich infolge des Verblassens der ursprünglichen Semantik verschiedenen lautlichen kombinatorischen Veränderungen unterzogen (meist Metathese, Assimilation, Dissimilation u. Ä.), die für fremdsprachige (fremdmundartliche) Wörter charakteristisch sind, wie sie sowohl in litauischen (z. B. grabikė < krabikė „Schachtel“, tvárka (Гервяты) < tvártas „Stall“, paranamá < panoramà „Panorama“) als auch in belarussischen Mundarten gebraucht werden. Die Litauismen der belarussischen Volksmundarten der Gebiete Grodno und Minsk sind jedoch größtenteils stark slawisiert, was von einem äußerst komplexen Sprachprozess zeugt, der sich im untersuchten Gebiet vollzieht. Wichtig ist auch hervorzuheben, dass der für das Litauische charakteristische Plosivlaut г in diesen Entlehnungen sehr häufig erhalten bleibt. Zugleich bewahren die Litauismen in vielen Fällen auch die für das Litauische typische Betonungsstelle (z. B. вірціна, апікула, блінда, брында...). Manchmal unterscheiden sich in der betonten Silbe sogar die Intonationen der Vokale (гулта: крэйка, vgl. auch БСС 128). Besonders deutlich ist die akutische Intonation in Diphthongverbindungen (кнойсаць, льндаць, клумпы). Der überwiegende Teil der Litauismen hat jedoch seine frühere Form vergleichsweise stark verändert (шутурлівы, вірбаты, жэлатухі, клындра...). Es besteht kein Zweifel, dass diese Wörter als Elemente einer vergleichsweise jungen

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des Substratwortschatzes. Ihre Form, die sich im weißrussischen Volksgebrauch noch nicht eingebürgert hat, ist am stärksten dem Einfluss des weißrussischen Sprachsystems ausgesetzt.

Die oben angeführten Litauismen, die in den modernen weißrussischen Volksmundarten des untersuchten Gebiets gebräuchlich sind, belegen, dass zur umfassenderen Erforschung baltischer und slawischer Dialekte vertiefte, komplexe Untersuchungen der Sprachsysteme jener Gebiete erforderlich sind, in denen baltische und slawische Sprachen in der Vergangenheit miteinander in Kontakt standen oder diesen Kontakt bis heute fortsetzen.

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Balt VI — Baltistica, VI(2), Vilnius, 1970.

weißruss. — weißrussisch, weißrussische Sprache, der weißrussischen Sprache …

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Schimpfwort — Schimpfwort.

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знач. — Bedeutung.

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Клуге — Fr. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 17 Auflage, Berlin 1957.

лат. — Lettisch, lettische Sprache, aus dem Lettischen …

лит. — Litauisch, litauische Sprache, aus dem Litauischen …

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нем. — Deutsch, deutsche Sprache, aus dem Deutschen …

перен. — übertragene Bedeutung.

польск. — Polnisch, polnische Sprache, aus dem Polnischen …

пренебр. — abwertende Bedeutung.

р. — selten, seltenes Wort, selten.

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см. — siehe.

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slaw. — slawisch.

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vgl. — vergleiche.

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