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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXIX (1998)
Anita OZOLIŅA
Latvijas Universitātes Matemātikas un informātikas institūts, Rīga
Software zur Erstellung eines Computerfonds für alte Texte
Heutzutage werden Computer vielfältig für die Bearbeitung sehr unterschiedlicher Aufgaben eingesetzt. Das gilt auch für sprachwissenschaftliche Untersuchungen, besonders in den Fällen, in denen das zu verarbeitende Informationsvolumen sehr groß ist. Es ist ein neuer Wissenschaftszweig entstanden – die Computerlinguistik, deren Aufgabe die Automatisierung sprachwissenschaftlicher Forschung ist. Der Computer ist zu einem unentbehrlichen Helfer bei der Erforschung von Sprache geworden. Die Digitalisierung sprachwissenschaftlicher Forschung ist auch ein Bestandteil der kulturellen und technischen Entwicklung, der bei der Erforschung, Bewahrung und Ergänzung kultureller Werte hilft. Es entsteht die Notwendigkeit, Sprachcomputerfonds einzurichten. Ein Computerfonds vereint linguistische Datenbanken (Wortschatzregister, Textsammlungen, Grammatikbestände usw.) und Computersoftware.
Die Automatisierung sprachwissenschaftlicher Forschung schreitet auch in Lettland erfolgreich voran. Es finden interessante Untersuchungen zu alten Texten statt.
Der Computerfonds für alte Texte, der am Institut für Mathematik und Informatik der Universität Lettlands (LU MII) eingerichtet wurde und derzeit im 17. Jahrhundert auf Lettisch gedruckte Texte enthält, ist ein notwendiger Bestandteil des lettischen Sprachcomputerfonds. Diese Texte bilden dessen historischen Teil. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen dieser Texte ermöglichen es, die Entwicklung der lettischen Sprache über die Jahrhunderte hinweg nachzuverfolgen; dies gelingt wesentlich erfolgreicher mithilfe eines Computers.
Seit Beginn der Arbeit mit alten lettischen Texten wurden folgende Texte in den Computer eingegeben:
– E. Glikas Bibelübersetzung (gedruckt von 1685 bis 1694), deren Buch Hiob den Anfang der computergestützten Verarbeitung alter Texte bildete. Der gesamte Text belegt im Computer ungefähr 6 Mb (Megabyte);
– G. Manceļs „Predigtbuch“ (1654). Es belegt im Computer etwa 2 Mb;
– der erste in Riga gedruckte lettische Katechismus (1586);
– das erste auf Lettisch gedruckte Kirchenliederbuch (1615);
– Liederbuch (1685);
– Lieder- und Gebetbuch (1686);
– Lieder-, Predigt- und Gebetbuch (1685);
– Kriegskriegsrecht (1649).
Da alle Texte in der sogenannten „alten Druckschrift“ vorliegen, wurde für ihre Eingabe in den Computer ein System zur Wiedergabe beziehungsweise Kodierung dieser Buchstaben entwickelt, damit beim Umkodieren der Texte
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Mithilfe einer Tabelle von Schriftarten für gotische Buchstaben erhält man eine Druckfassung dieses Textes, die dem Original entspricht (siehe Anhang 1). Daher verwenden die Programme ein eigens zusammengestelltes Alphabet.
Die Programme wurden in der Programmiersprache Turbo-Pascal für IBM-PC-Computer geschrieben.
Derzeit bietet die Software folgende bereits vorhandene sowie noch zu entwickelnde und zu erweiternde Funktionen:
– Erstellung von Häufigkeitstabellen (Indizes) für einzelne Textteile, Kapitel oder Bücher (siehe Anhang 2);
– Suche nach Wortgruppen in einer Häufigkeitstabelle (einem Index);
– Suche in der Tabelle nach dem Textkontext eines ausgewählten Wortes;
– Sortierung der Wortformen nach Grundformen und den hinzugefügten grammatischen Informationen;
– Erstellung von Textkonkordanzen;
– Erkennung von Vergleichskonstruktionen.
Obwohl die Programme auf Grundlage antiker Texte entwickelt wurden, sind sie universell einsetzbar und können auch zur Verarbeitung moderner Texte verwendet werden. Es ist lediglich erforderlich, die im Text vorkommenden Schriftzeichen sowie die Textstruktur zu prüfen, um festzustellen, ob der Text in Verse, Absätze oder Zeilen gegliedert ist.
Die erfolgreiche Verwendung der Werkzeuge zur Analyse antiker Texte bei der Analyse der Prosa von E. Veidenbaums und der lettischen Volkslieder (Lieder über Heilpflanzen und Bienen) belegt, dass sie auch auf andere Texte angewendet werden können.
Anhang 1.
E. Glika Bībeles (1685. – 1694.) Jaunās Derības teksta fragments.
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Das Wort hat er durch die Verkündigung kundgetan, die mir nach dem Gebot Gottes, unseres Erlösers, anvertraut worden ist.
4. Titus, meinem echten Sohn nach dem gemeinsamen Glauben: Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, unserem Erlöser.
5. Aus diesem Grund ließ ich dich auf Kreta zurück, damit du das, was noch mangelt, in Ordnung bringst und in jeder Stadt Älteste einsetzt, wie ich es dir aufgetragen habe.
[5. Alp: Darb: 14,23. 2.Tim: 2,2.]
6. Wenn jemand untadelig ist, Mann einer Frau, und gläubige Kinder hat, die nicht des ausschweifenden Lebenswandels oder der Widerspenstigkeit bezichtigt werden.
[m:6. 1.Tim: 3,2.]
7. Denn ein Aufseher muss untadelig sein als Verwalter Gottes: nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, kein Trinker, kein Schläger, nicht auf schändlichen Gewinn aus.
8. Vielmehr gastfreundlich, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig und beherrscht.
[m:8. 1.Tim: 3,2.]
9. Er soll am zuverlässigen Wort der Lehre festhalten, damit er imstande ist, sowohl durch die gesunde Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu widerlegen.
16. Sie bekennen, Gott zu kennen, verleugnen ihn aber durch ihre Werke; sie sind abscheulich und ungehorsam und zu jedem guten Werk untüchtig.
[m:16. 2.Tim: 3,5. Jud: m:4.]
Kapitel II. Abschnitt.
1. Du aber rede, was der gesunden Lehre entspricht.
[m:1. 1.Tim: 6,3. 2.Tim: 1,13.]
2. Dass die älteren Männer nüchtern, würdig, besonnen und gesund im Glauben, in der Liebe und in der Geduld sein sollen.
3. Ebenso die älteren Frauen: Sie sollen sich so verhalten, wie es Heiligen geziemt, keine Verleumderinnen sein, sich nicht dem vielen Wein hingeben und das Gute lehren.
[m:3. 1.Tim: 2,9. un: 5,13. 1.Pet: 3,3.]
4. Damit sie die jungen Frauen lehren, ihre Männer zu lieben und ihre Kinder zu lieben,
5. besonnen, keusch, häuslich, gütig und ihren Männern untertan zu sein, damit das Wort Gottes nicht gelästert werde.
10. Nicht davon abbringen, sondern unseren guten Glauben bezeugen: So lehrt Deema, unsere Erlöserin, uns alle.
[Lektionen an den Festtagen.]
11. Denn die Gnade der Erlöserin …
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… Deema, unserer Erlöserin, ist allen Menschen erschienen. [m:11. 1. Tim: 2,4. Tit: 3,4.]
12. Und sie lehrt uns, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben. [m:12. Emef: 1,4. Kol: 1,22. 2. Tim: 1,9. 1. Jahn: 2,16.]
13. Wir erwarten die selige Hoffnung und die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Deema und unseres Erlösers Jesus Christus. [m:13. 1. Kor: 1,7. Wilip: 3,20.]
14. Der sich selbst für uns hingegeben hat, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit erlöse und sich ein eigenes Volk reinige, das eifrig ist zu guten Werken. [m:14. 2. r: Moſ: 19,5. Emef: 2,10 un: 5,2. Gal: 1,4. un: 2,20. Ebr: 9,14.]
15. Rede dies und ermahne und weise mit allem Nachdruck zurecht; niemand soll dich verachten. [m:15. 1. Kor: 16,11. 1. Tim: 4,12. Das III. Kapitel.
1. Erinnere sie daran, den Obrigkeiten und Machthabern untertan und gehorsam zu sein und zu jedem guten Werk bereit zu sein. [m:1. Rom: 13,1. 1. Pet: 2,13.]
2. Niemanden zu verleumden, nicht streitsüchtig, sondern milde zu sein und allen Menschen gegenüber alle Sanftmut zu zeigen. [m:2. Wilip: 4,5. 2. Tim: 2,24,25.]
…
3. Denn auch wir waren einst unverständig, ungehorsam, irregeführt und Sklaven mancherlei Begierden und Lüste; wir lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten einander. [m:3. 1. Kor: 6,11. Emef: 2,1. un: 5,3,8. Kol: 3,7. 1. Pet: 4,3. Emef: 4,17,18.]
4. Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Erlösers, erschien, [m:4. Tit: 2,11.]
5. nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit, die wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit hat er uns gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung durch den Heiligen Geist. [m:5. Jahn: 3,3,1. Ap: Darb: 15,11. Rom: 3,20,28. un: 4,2,6. un: 9,11. un: 11,6. Emef: 1,4. un: 2,4,9. un: 5,26. Gal: 2,16. 2. Tim: 1,9.]
6. Diesen Geist hat er reichlich über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Erlöser. [m:6. Eſet: 36,25. Joel: 2,28. Ap: Darb: 2,33. Rom: 5,5.]
7. Damit wir durch seine Gnade gerechtfertigt und Erben des ewigen Lebens gemäß der Hoffnung würden.
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[m:7. Rom: 8,23,24.]
8. Dies ist ein wahrhaftiges Wort: Und dieses will ich, dass du fest bekräftigst, damit die, die an Gott gläubig geworden sind, darauf bedacht seien, sich guten Werken zu widmen; dies ist gut und nützlich für die Menschen.
9. Aber törichte Fragen und Geschlechtsregister und Streitigkeiten und Auseinandersetzungen über das Gesetz meide, denn sie sind nutzlos und nichtig: [m:9. 1.Tim: 1,4. un: 4,7. un: 6,20. 2.Tim: 2,23. Tit: 1,14.]
10. Einen ketzerischen Menschen weise nach einer und einer zweiten Ermahnung ab. [m:10. Matt: 18,17. Rom: 16,17. 2.Teſſ: 3,6. 2.Tim: 3,5. 2.Jahn: m:10.]
11. Du weißt, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt und sich selbst verurteilt.
12. Wenn ich Artemas zu dir sende, oder Tychikus, so beeile dich, zu mir nach Nikopolis zu kommen; denn dort habe ich beschlossen, den Winter zu verbringen. [m:12. Ap: Darb: 20,4. Emef: 6,21. Kol: 4,6. 2.Tim: 4,12.]
13. Zenas, den Gesetzesgelehrten, und Apollos geleite sorgfältig, damit ihnen nichts fehlt. [m:13. Ap: Darb: 18,24. 2.Kor: 1,12.]
14. Auch die Unsrigen sollen lernen, sich guten Werken zu widmen, wo es nötig ist, damit sie nicht unfruchtbar seien.
15. Es grüßen dich alle, die bei mir sind; grüße die, die uns im Glauben lieben. Die Gnade sei mit euch allen. Amen.
(Brief) an Zitu, den ersten eingesetzten Bischof der Gemeinde auf Kreta, geschrieben aus Nikopolis in Mazedonien.
Anhang 2.
E. Glika Bībeles (1685. – 1694.) Jaunās Derības indeksa fragments.
Abēba [(no) Gen Sg] Luht 11 51 1 Matt 23 35 1 [Abija S o-c.] Abijas [Nom Sg] Matt 1 7 1 Abiafu [Acc Sg] Matt 1 7 1 Abijafa [Gen Sg] Luht 1 5 1 [Abilene S ē-c.] Abilenes [Gen Sg] Luht 3 1 1 [Abihuds S o-c.] Abihuds [Nom S] Matt 1 13 1 Abihudu [Acc Sg] Matt 1 13 1 [Abjatars S o-c.] Abjatara [Gen Sg] Mart 2 26 1 [Ābrahāms S o-c.] Abraama [Gen Sg] Jahn 8 33 1 Abrahama [Gen Sg] Mart 12 26 1 Matt 1 1 1 Matt 1 17 1 Matt 8 11 1 Matt 22 32 1 Abrahamam [Dat Sg] Matt 3 9 1 Abrahams [Nom Sg] Matt 1 2 1
Eingegangen am 20.02.1998
COMPUTERISIERTE DATENBANKEN ALTER TEXTE
ERSTELLUNGSSOFTWARE
Zusammenfassung
Die ersten gedruckten Texte in lettischer Sprache (seit dem 17. Jahrhundert) werden auf den Computern des Instituts für Mathematik und Informatik der Universität Lettlands (Riga) aufbewahrt und erforscht. Dazu gehören die von E. Glika angefertigte erste Bibelübersetzung ins Lettische (gedruckt 1685–1694), G. Mancells Predigtbuch (1654), das erste Gesangbuch (1685), das Buch der Lieder und Gebete (1686) sowie weitere alte Texte. Es wurden Computerprogramme für die Analyse der Wortfrequenz, die Suche nach dem Vorkommen eines bestimmten Wortes im Text und Ähnliches entwickelt. Alle diese Untersuchungen lettischer alter Schriften bilden einen wichtigen Teil der diachronen Datenbank der lettischen Sprache.
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SOFTWARE ZUR ANALYSE ALTER LETTISCHER TEXTE
Zusammenfassung
Die ersten gedruckten lettischen Texte aus dem 17th Jahrhundert werden am Institut für Mathematik und Informatik in Riga elektronisch gespeichert und computergestützt verarbeitet. Zu diesen Texten zählen die erste Bibelübersetzung ins Lettische von E. Gliks (veröffentlicht 1685–1694), das Predigtbuch von G. Mancelis (veröffentlicht 1654), das Gesangbuch, das Gesang- und Gebetbuch (veröffentlicht 1685 und 1686) sowie weitere alte Texte. Es wurden Softwareprogramme für Worthäufigkeitsanalysen, zur Ermittlung der Umgebung eines beliebigen Wortes im Text usw. entwickelt. Außerdem wurden Experimente mit computergestützten Konkordanzen durchgeführt. All diese Forschungen zu alten lettischen Texten sind ein wichtiger Bestandteil der historischen Datenbank der lettischen Sprache.