Page 1Methoden der Bildung von Pflanzennamen in den Werken von Jānis Ilsters
LINDA KURMIŅA
Institut für Lettische Sprache der LU
SCHLAGWÖRTER: botanische Terminologie, Pflanzennamen, Wortbildung, Jānis Ilsters
Die Anfänge der Bildung botanischer Terminologie wurden in zahlreichen Arbeiten behandelt (Viksna 2002; Vimba 2001; Pīete 2008), und ihre ersten Errungenschaften wurden am häufigsten dem Botaniker, Lehrer und Dichter Jānis Ilsters (1851–1889) zugeschrieben, der 1883 das erste botanische Buch auf Lettisch veröffentlichte: Botānika tautas skolām un pašmācībai (Botanik für Volksschulen und zum Selbststudium) (Ilsters 1883). Dieses Werk enthielt nur wenige der am weitesten verbreiteten Pflanzennamen, die durch ausführlichere Beschreibungen ergänzt wurden.
Als Hauptquelle für die vorliegende Untersuchung der Methoden zur Bildung von Pflanzennamen am Ende des 19th. Jahrhunderts dienten die umfangreichsten Sammlungen botanischer Begriffe von Jānis Ilsters Latviešu botāniski nosaukumi (Lettische botanische Namen; Ilsters I, 1884; Ilsters II, 1885). Diese Sammlungen wurden 1884 und 1885 in den Zeitschriften der Rīgas Latviešu biedrības Zinību komisija (Wissenschaftskommission der Lettischen Gesellschaft Riga) veröffentlicht.
Der vorliegende Artikel erörtert die Bildungsmethoden der Namen, die Ilsters’ Pflanzenlisten entnommen wurden, und vergleicht sie außerdem mit Pflanzennamen, die in späteren Terminologiequellen, darunter modernen, dokumentiert sind, vor allem im Botāniskā vārdnīca von Pauls Galenieks (Botanisches Wörterbuch; BV 1950) und im Wörterbuch von Inese Ēdelmane und Ārija Ozola Latviešu valodas augu nosaukumi (Pflanzennamen der lettischen Sprache; LVAN 2003). Die Analyse der am Ende des 19th. Jahrhunderts veröffentlichten Pflanzennamen trägt dazu bei, die charakteristischsten Bildungsmethoden aufzudecken, die in der Anfangsphase der lettischen botanischen Terminologie verwendet wurden.
Ilsters rief die Menschen zur aktiven Beteiligung an der Sammlung von Pflanzennamen auf. Dies belegt sein Nachwort zur ersten 1884 veröffentlichten Liste von Pflanzennamen Latviešu botāniski nosaukumi: „Vēl ir pulks generu, kuriem gan viņu vispārīgas izplatīšanās dēļ latviski nosaukumi vienā vai otrā vidū
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Page 2… gefunden werden. Daher wäre es sinnvoll, wenn die Wissenschaftler sie künftig beachten und vielleicht der „Wissenschaftskommission“ der Lettischen Gesellschaft zur weiteren Verwendung zusenden würden, was den Verfassern botanischer Verzeichnisse bei ihrer Arbeit helfen würde“1 (Ilsters I, 1884: 81). Seinem Aufruf wurde ebenfalls Folge geleistet – bereits in der zweiten Liste der Latviešu botāniski nosaukumi (1885) veröffentlicht der Autor nicht nur Ergänzungen zu seiner Sammlung, sondern auch das zusammengetragene Material, das ihm zugesandt worden war.
Das bedeutet, dass Ilsters in beide seiner Pflanzen-Namenslisten sowohl die von ihm selbst gesammelten Namen aufgenommen hat (diese finden sich sowohl in der ersten als auch in der zweiten Liste) als auch jene, die ihm von anderen Sammlern zugesandt wurden (vor allem in der zweiten Liste). Dieses Material umfasst hauptsächlich Pflanzennamen aus Vidzeme; weniger stark vertreten sind Kurzeme und Zemgale. Die eigenen Sammlungen des Autors stammen aus Stukmaņi, Koknese, Vestiena und Dundaga. Die meisten von anderen Sammlern beigesteuerten Namen stammen hingegen aus Vidzeme (Liezere, Valmiera, Cēsis, Trikāta, Sigulda); Kurzeme (Aizpute, Kuldīga) und Zemgale (Dobele) sind weniger stark vertreten. Keine der beiden von Ilsters zusammengestellten Pflanzen-Namenslisten enthält Namen aus Latgale.
Das von Ilsters gesammelte Material umfasst hauptsächlich Artennamen, daneben aber auch einige Gattungsnamen. Im Vorwort zur ersten Liste (Ilsters 1884: 63–64) weist der Autor darauf hin, dass viele lettische Pflanzennamen noch nicht systematisch geordnet worden sind – häufig, weil Pflanzen aufgrund ihrer Ähnlichkeiten oder Unterschiede unzutreffende Namen erhalten haben könnten. In einigen Fällen tragen Pflanzen verschiedener Gattungen denselben Namen, während Namen von Pflanzen derselben Gattung synonym sind. Ilsters merkte an, dass sich Botanikfachleute künftig mit diesen Namen befassen müssten.
Beide Listen sind alphabetisch geordnet. Zuerst werden die lateinischen Namen aufgeführt, danach folgt eine oder mehrere ihrer lettischen Entsprechungen. In vielen Fällen sind neben dem Stichwort Kommentare des Zusammenstellers hinzugefügt oder mögliche Erklärungen zur Herkunft vorgeschlagen. Am Ende wird die deutsche Entsprechung angegeben. Zum Beispiel:
„Hypericum L., asinszāles, raganuakauli, krūstenes, (strutenes); die letztgenannte Bezeichnung stammt daher, dass diese Blume unter dem Kreuz Christi stand und Christi Blut auf sie herabtropfte. Johannisblut, Hartheu.2.
1 Übersetzung: „Es gibt noch viele Gattungen, für die sich aufgrund ihrer weiten Verbreitung in der einen oder anderen Gegend lettische Namen finden lassen. Deshalb wäre es nützlich, wenn diejenigen, die sie kennen, diese künftig notierten und vielleicht der „Wissenschaftskommission“ der Lettischen Gesellschaft zur weiteren Verwendung zuschickten; das würde den Verfassern botanischer Verzeichnisse bei ihrer Arbeit helfen.“
2 Übersetzung: „Hypericum L., asinszāles, raganuakauli, krūstenes, (strutenes); die letztgenannte Pflanze trägt diesen Namen, weil sie neben dem Kreuz Christi wuchs und Christi Blut auf sie herabtropfte. Johannisblut, Hartheu“
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Page 3Wie Anna Vulāne schreibt, befindet sich Sprache in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess, wobei Veränderungen auf der lexikalischen Ebene besonders aktiv sind. Mit der Entstehung und Einführung neuer Gegenstände und Begriffe infolge der sozioökonomischen Entwicklung entsteht auch der Bedarf, ihnen möglichst genaue Namen zu geben. Eine Möglichkeit, diesem Bedarf gerecht zu werden, ist die Bildung neuer Wörter und Namen. Auch wenn sich die Intensität der Verwendung der einen oder anderen Methode oder des jeweiligen Mittels, die Produktivität und Aktivität des Wortbildungstyps im Laufe der Zeit verändern und sogar neue Methoden und Mittel hinzukommen, bleibt die im Wort enthaltene Information erhalten (Vulāne 2008: 88). Beispiele aus der Pflanzenwelt können Folgendes bezeichnen: 1) den Wachstumsort (purvene, zemenes); 2) Ähnlichkeit im Aussehen (ķepaiņi, lācenes); 3) den Zeitpunkt der Blüte oder Reifung (jāņogas, mārtiņpuķes).
Bei der Analyse der entsprechenden Pflanzennamen wurde festgestellt, dass bei ihrer Bildung verschiedene Wortbildungsverfahren verwendet wurden:
Wortableitung oder Affigierung, zum Beispiel kazenāji3 (Rubus caesius), naktenēs (Solanum nigrum), rozītes (Bellis perennis);
Bildung von Komposita, zum Beispiel gaiļugriķes (Convolvulus);
Bildung von mehrgliedrigen Namen, zum Beispiel dzeltenās ķimenes (Anthemis tinctoria), veca vīra bārzdiņa (Thymus serpyllum);
Bildung von Namen mit Bindestrich, zum Beispiel buku-vītols (Salix viminalis), laumas-slota (Apasagus officinalis).
Im Folgenden wird jedes der oben genannten Verfahren ausführlicher behandelt.
1. D E R I V A T I O N O D E R A F F I G I E R U N G
In dem von Ilsters gesammelten Material finden sich viele Pflanzennamen, die durch Wortableitung oder Affigierung entstanden sind, das heißt, indem der Wortwurzel oder dem Wortstamm gemäß den in der Sprache bestehenden Wortbildungsmodellen ein Affix – ein Präfix, Suffix oder eine Ableitungsendung – hinzugefügt wurde. Dies ist eine der produktivsten Wortbildungsmethoden im Lettischen überhaupt und ebenso im Hinblick auf die Bildung von Pflanzennamen (VPSV 2007: 57; MLLVG I, 1959: 81; Kalme, Smiltniece 2001: 42).
Bei der Ableitung eines neuen Wortes wird gewöhnlich ein einzelnes Affix verwendet, zum Beispiel pār-cel-t → ne-pār-cel-t, pār-cel-šan-a, pār-cel-āj-s. Es gibt jedoch auch viele Wörter mit zwei oder mehr Affixen, deren Abfolge beim Hinzufügen schwer zu bestimmen ist, zum Beispiel das Adjektiv ie-zilg-an-s („bläulich“)
3 Hier und im Folgenden richtet sich die Transkription der Beispiele nach den Normen des modernen Lettischen.
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Page 4kann entweder vom Wort ie-zilg-s mithilfe des Suffixes -an- oder vom Wort zilg-an-s mit dem Präfix ie- abgeleitet worden sein. Einige Wörter werden weiterhin gleichzeitig mithilfe zweier Affixe abgeleitet – mit einem Präfix und einem Suffix, zum Beispiel pār-purv-o-t; mit einem Präfix und einer Ableitungsendung, zum Beispiel aiz-skap-e; mit zwei Suffixen, zum Beispiel ārst-niec-isk-s. Dies wird dadurch belegt, dass es zu diesen Wörtern keine entsprechenden motivierenden Wörter mit nur einem Affix gibt (pārpurus, purvot; aizskapis, skape usw.) (Kalme, Smiltniece 2001: 42–43).
Das zuvor Gesagte lässt sich auch auf die Ableitung von Pflanzennamen beziehen, zum Beispiel čūsk-en-āj-i (Orchis maculata), zirdz-en-āj-s (Rubus fruticosus).
Grundlage eines abgeleiteten Pflanzennamens kann ein Substantiv sein (zum Beispiel blusenes (Polygonum persicaria), ziepene (Saponaria officinalis)), ein Adjektiv (zum Beispiel skābenes (Rumex), zilenes (Vaccinium uliginosum)) oder auch ein Verb (zum Beispiel noartnes (Pimpinella)). Diese Pflanzennamen lassen sich in mehrere Gruppen einteilen:
Pflanzennamen, die mit einem Suffix abgeleitet sind – im untersuchten Material wurden folgende Suffixe zur Ableitung von Pflanzennamen gefunden: –āj–, –el–, –en–, –in–, –īt–;
Pflanzennamen, die mithilfe einer Ableitungsendung gebildet sind.
Pflanzennamen, die mit dem Suffix –āj- gebildet werden
MLLVG erwähnt, dass das Suffix –āj– (entsprechend die Endung –ājs) verwendet wird, um aus Nominalstämmen Pflanzennamen abzuleiten, während es heute bei der Namensbildung nur selten verwendet wird (MLLVG I, 1959: 90). Nach den von Ilsters gesammelten Pflanzennamen zu urteilen, lässt sich schließen, dass dieses Suffix bei der Bildung von Pflanzennamen recht häufig verwendet wurde.
MLLVG nennt mehrere Bedeutungen, die bei der Bildung von Pflanzennamen mit dem Suffix –āj– entstehen: a) Aus Beerenbezeichnungen werden mithilfe des Suffixes –āj– Wörter gebildet, die entweder eine einzelne Pflanze oder – häufiger – eine Gruppe solcher Pflanzen bezeichnen; b) aus verschiedenen Pflanzennamen werden Wörter abgeleitet, die eine größere oder kleinere Gruppe dieser Pflanzen oder einen Ort bezeichnen, an dem diese Pflanzen in großer Zahl vorkommen (MLLVG I, 1959: 92). Die Listen der Latviešu botāniski nosaukumi umfassen nur solche Pflanzennamen, die zur ersten Gruppe gehören, nämlich solche, die entweder eine einzelne Pflanze oder eine Gruppe davon bezeichnen. Darüber hinaus weist der Autor darauf hin, dass die Endungen –ājs, –āji häufig bei der Bildung von Bezeichnungen für Sträucher (darunter auch Flieder) verwendet werden: avenāji (Rubus idaeus), bruklenājs (Vaccinium vitis idaea),
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Page 5dundurnāji (Geum rivale), dzervenājs (Vaccinium oxycoccus), ērkšķogāji (Ribes grosularia), irbenājs (Viburnum opulus), kazēnāji (Rubus caesius), spradzenājs (Fragaria collina), zemenājs (Fragaria vesca).
Pflanzennamen, die mit dem Suffix -el- gebildet werden
Die mit dem Suffix -el- gebildeten Wörter könnten alte Ableitungen sein; heute ist dieses Suffix nur noch bei der Bildung von Verkleinerungsformen produktiv (MLLVG I, 1959: 93, 94). Auch in den Pflanzennamenlisten von Ilsters finden sich nur wenige Wörter mit diesem Suffix, und die belegten Formen haben eher keine Verkleinerungsbedeutung, zum Beispiel spīdeles (Bellis perennis).
Pflanzennamen, die mit dem Suffix -en- gebildet werden
Wie in MLLVG angegeben, wurde das Suffix -en- (entsprechend die Endung -ene) zur Bildung einer großen Gruppe von Pflanzen-, Beeren- und Pilznamen verwendet; dieses Suffix ist recht produktiv (MLLVG I, 1959: 95). Im von Ilsters gesammelten Material finden sich folgende Beispiele: cirvene (Alisma), elksnene (Agaricus subdulcis), kaulenes (Rubus saxatilis), lipene (Lychnis diurna), naktenes (Solanum nigrum), precenes (Aster salicifolius), rasenes (Drosera), trīsene (Briza media), vilnene (Agaricus subdulcis), vistēnes (Empetrum nigrum), zīdenes (Centaurea).
Pflanzennamen, die mit dem Suffix -iņ- abgeleitet sind
Üblicherweise wird das Suffix -iņ- zur Bildung von Verkleinerungsformen verwendet, denen sowohl eine tatsächliche Verkleinerungsbedeutung als auch eine emotional-subjektive Wertung zukommt. Die Verkleinerungsbedeutung wird jedoch neutralisiert, wenn Substantive mit den Auslauten -iņš, -iņa den Status eines Terminus erlangen (MLLVG I, 1959: 112–113, 117), wie etwa bei den folgenden Pflanzennamen: auniņi (Erigeron acer), liniņi (Linaria vulgaris), plakstiņi (Alectrolophus), žagatiņa (Majanthemum bifolium).
Pflanzennamen, die mit dem Suffix -īt- abgeleitet sind
Das Suffix -īt- ist ein echtes Verkleinerungssuffix. Wie beim Suffix -iņ- verlieren jedoch Wörter, die mit diesem Suffix gebildet wurden, mit dem Erwerb von Terminusmerkmalen sowohl die Kose- als auch die Verkleinerungsbedeutung (MLLVG I, 1959: 130–131). Im von Ilsters gesammelten Material scheint das Suffix -īt- bei der Bildung von Pflanzennamen häufig verwendet zu werden, zum Beispiel im Plural ancīši, dadzīši (Agrimonia eupatoria), bārenīte (Viola tricolor), cepurītes (Campanula), kumelītes (Matricaria chamomilla), kurpītes (Aconitum lycoc
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Page 6tonum), pulkstenītes (Campanula), rozītes (Bellis perennis), im Plural sunīši (Bidens), trepīte (Potentilla anserina).
Pflanzennamen, die mit einer Derivationsendung gebildet sind
Eine Derivationsendung wird hauptsächlich zur Bildung von Substantiven, Verben und Adverbien verwendet. Bei der Wortbildung kommen folgende Derivationsendungen zum Einsatz: –a, –e, –is, –s, –t, –ies, –i, –u (Vulāne 2008: 101). Zwei davon, nämlich –e und –is (Plural –i), finden sich bei der Bildung der ausgehobenen Pflanzennamen. Aus der Sammlung von Pflanzennamen lassen sich folgende Beispiele anführen: ziemele (wahrscheinlich von ziemelis ‚Norden‘) (Chrysanthemum leucanthemum) (vgl. ME IV, 1929–1932: 742), vizbuļi (Anemone) (vgl. Karulis II, 1992: 542). Pflanzennamen können auch durch ein Präfix und eine Derivationsendung gebildet werden, zum Beispiel egl-e → pa-egl-is (Juniperus communis); oder es kann ein Kompositum gebildet werden, dem eine Derivationsendung hinzugefügt wird, zum Beispiel sausa serde ‚trockener Kern‘ → saus- + serd-is (Lonicera xylosteum), tūtas (veida) lapa ‚Tüte (förmiges) Blatt‘ → tūt- + lap-e (Aquilegia vulgaris).
2. KOMPOSITABILDUNG
Im von Ilsters gesammelten Material zu Pflanzennamen kommen Komposita recht häufig vor.
Komposita sind Namen, die durch die Verbindung von mindestens zwei selbstständigen Wörtern oder Wortstämmen gebildet werden und in der Sprache als eine einzige lexikalische Einheit funktionieren. Die Verbindung von Wörtern zu Komposita ist – ebenso wie die Wortableitung – eine der produktivsten Methoden der Neubildung von Wörtern in der modernen lettischen Sprache (VPSV 2007: 338; MLLVG I, 1959: 84; Kalme, Smiltniece 2001: 47). Wie Vilma Kalme anmerkt, können verschiedene Wortarten als Erstglied eines Kompositums auftreten: Substantive, Adjektive, Numeralia, Pronomen, Verben und Adverbien (Kalme, Smiltniece 2001: 47–48). Bei zusammengesetzten Pflanzennamen ist das Erstglied in den meisten Fällen ein Substantiv, zum Beispiel miroņpuķe ‚Totenblume‘ (Linaria vulgaris), mežrozīte ‚Waldrose‘ (Geranium), oder ein Adjektiv, zum Beispiel baltvēderiņi ‚Weißbäuchlein‘ (Potentilla anserina), mazpurენīte ‚kleine Sumpfdotterblume‘ (Ranunculus ficaria). Dies sind die beiden produktivsten Typen der Bildung zusammengesetzter Pflanzennamen. Seltener finden sich in den von Ilsters zusammengestellten Listen von Pflanzennamen auch Komposita mit einem Numerale als Erstglied, zum Beispiel septiņstērīte ‚siebenstrahlig‘ (Trientalis europaea), vienlapa ‚Einblatt‘ (Parnassia palustris). Die als Komposita gebildeten Namen lassen sich in zweigliedrige und dreigliedrige Komposita unterteilen.
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Page 7Die zweigliedrigen Komposita lassen sich weiter in zwei Untergruppen unterteilen:
◦ Komposita, deren erster Bestandteil ein Substantiv im Genitiv ohne Endung ist; die meisten zusammengesetzten Namen im von Ilsters zusammengestellten Material gehören zu diesem Typ, zum Beispiel dzelzzale „Eisengras“ (Echium vulgare), kaķaste „Katzenschwanz“ (Amarantus), lāčauzas „Bärenhafer“ (Bromus secalinus), purveglīte „Moor-Tanne“ (Pedicularis), vārndeguns „Krähen-Nase“ (Delphinium consolida), velnābols „Teufelsapfel“ (Datura stramonium);
◦ In den Listen von Ilsters finden sich vergleichsweise häufig auch Komposita, deren erster Bestandteil ein Substantiv im Genitiv mit Endung ist, zum Beispiel celāboliņš „Wegklee“ (Melilotus tournef), dziparu-karkls „Garnweide“ (Salise acutifolia), meduspuķe „Honigblume“ (Galium verum), mežrozīte „Waldrose“ (Geranium), miroņupuķe „Leichenblume“ (Linaria vulgaris), varžukājas „Froschbeine“, vārnukājas „Krähenbeine“ (Comarum palustre).
Im Vergleich mit modernen Terminologiequellen, insbesondere Botāniskā vārdnīca von Galenieks und dem Wörterbuch von Ēdelmane und Ozola Latviešu valodas augu nosaukumi, wurde festgestellt, dass solche Komposita entweder die Endung des ersten Bestandteils verloren haben oder zu mehrgliedrigen Wortbezeichnungen geworden sind:
lat. Alchemilla vulgaris
– la. kroķulapas (Ilsters I, 1884: 65)
→ kroķu lapas (LVAN 2003: 312)
lat. Antennaria dioica
– la. kaķupēdiņas (Ilsters I, 1884: 66)
→ kaķpēdiņas (BV 1950: 29)
lat. Berberis vulgaris
– la. aluspuke (Ilsters I, 1884: 67)
→ alus puke (LVAN 2003: 41)
lat. Convallaria majalis
– la. zīdalapas (Ilsters I, 1884: 67; Ilsters II, 70)
→ zīdlapas (LVAN 2003: 159)
lat. Epilobium
– la. kazurozes (Ilsters I, 1884: 70)
→ kazrozes (LVAN 2003: 148)
lat. Mentha crispa
– la. krūzumētra (Ilsters I, 1884: 74)
→ krūzmētra (LVAN 2003: 219)
lat. Orchis
– la. džegužūpuķes (Ilsters I, 1884: 74)
→ džegužpuķes (BV 1950: 19)
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Page 8Dreigliedrige Zusammensetzungen sind selten; in Ilsters Sammlung von Pflanzennamen wurden nur zwei solche Pflanzennamen gefunden: ceļmallapas (Plantago) und caurduružāles (Datura stramonium).
3. BILDUNG VON WORTGRUPPENNAMEN
Eine weitere produktive Methode der Bildung von Pflanzennamen ist die Bildung von Wortgruppen. Meist bestehen solche Gruppen aus zwei oder drei Bestandteilen. Es gibt auch Wortgruppen mit vier Bestandteilen. Ein solches Beispiel liefert Ēdelmane – dižā baltā ūdens lēpe („große weiße Teichrose“) (Ēdelmane 1978: 101), doch solche Beispiele sind nicht zahlreich. In den von Ilsters zusammengestellten Pflanzenlisten finden sich keine.
Die in den Listen von Latviešu botāniski nosaukumi belegten Wortgruppen-Pflanzennamen lassen sich in zwei- und dreigliedrige Namen einteilen.
Laut Ēdelmane ist unter den Pflanzennamen der produktivste Typ zweigliedriger Wortgruppennamen derjenige, bei dem ein Substantiv im Genitiv als untergeordnetes Glied steht (Ēdelmane 1978: 100). Auch das von Ilsters zusammengestellte Material zu Pflanzennamen enthält eine beträchtliche Zahl solcher Pflanzennamen. Folgende Modelle von Wortgruppennamen wurden festgestellt:
◦ ein Substantiv im Genitiv Singular/Plural + unabhängiges Glied: dzeguzes sietavas „Kuckucksstulpen“ (Pinguicula vulgaris), mīlestības krūms „Liebesstrauch“ (Myrica gale), zaķu skābenes „Hasensauerampfer“ (Osealis acetosella);
◦ ein Adjektiv mit bestimmter Endung im Singular/Plural + unabhängiges Glied: dzeltenās ķumeles „die gelbe Kamille“ (Anthemis tictoria), mīkstās nātres „die weichen Brennnesseln“ (Lamium), pelēkais zirnis „die graue Erbse“ (Pisum arvense);
◦ ein Adjektiv mit unbestimmter Endung + unabhängiges Glied: skarainas auzas „Rispenhafer“ (Avena sativa);
◦ ein flektierbares Partizip Präsens Passiv + unabhängiges Glied: gremo jama zāle „Wiederkäuergras“ (Menyanthes trifoliata), vemjama zāle „Erbrechensgras“ (Morchella).
Dreigliedrige Wortgruppen sind seltener. Folgende Modelle dreigliedriger Wortgruppennamen wurden festgestellt:
◦ ein Adjektiv mit bestimmter Endung im Singular + Substantiv im Genitiv Singular + unabhängiges Glied: baltā Jāņa zāle „das weiße
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Page 9„Jāņa zāle“ (Galium mollugo), dzeltenā Jāņa zāle „gelbes Jānis-Gras“ (Galium verum);
zwei Substantive im Genitiv + unabhängige Komponente: Poļu ķēniņa puķe „Blume des polnischen Königs“ (Campanula glomerata);
ein Adjektiv mit unbestimmter Endung + ein Substantiv im Singulargenitiv + unabhängige Komponente: veca vīra bārzdina „Bart eines alten Mannes“ (Thymus serpyllum);
ein Zahlwort + ein Substantiv im Pluralgenitiv + unabhängige Komponente: deviņu vīru spēks „Kraft von neun Männern“ (Verodscum thapsus), septiņu vīru spēks „Kraft von sieben Männern“ (Phyteuma spicatum).
4. BILDUNG VON BINDESTRICHNAMEN
In vergleichsweise zahlreichen Fällen verwendet Ilsters in den Listen von Latviešu botāniski nosaukumi Namen, deren Bestandteile durch einen Bindestrich verbunden sind, nämlich die sogenannten Bindestrichnamen. Valentīna Skujiņa weist in ihrem Buch Latviešu terminoloģijas izstrādes principi (The principles of Latvian terminology development) darauf hin, dass „17.–19. gs. latviešu rakstu avotos defise, resp., savienojuma zīme (=), lietota, lai parādītu vārdu vai vārda daļu ciešo jēdzienisko saistījumu“4 (Skujiņa 2002: 115–116); so enthält beispielsweise das Wörterbuch von G. Mancelius Lettus (Rīga, 1638) die folgenden Bindestrich-Pflanzennamen: Bisscha=brehssliņi, ceļļa=lappa, Lahc=auzchi, die heute alle durch die entsprechenden Komposita ersetzt sind, sowie Musschates=zeedi, Zirr dzenes=sacknis, die heute mit Wortgruppen bezeichnet werden. Skujiņas terminologischer Forschung zufolge werden Bindestrichgruppen in der Terminologie des modernen Lettischen im Vergleich zur Entwicklung der lettischen Terminologie in den vergangenen Jahrhunderten nur selten verwendet. In den meisten Fällen von Pflanzennamen, die Ilsters in Form von Bindestrichnamen aufführt, etwa buku-vītols (Salix viminalis), lauka-naglene (Dianthus arenarius), laumas-slota (Asparagus officinalis), slotiņu-ciesa (Calamagrostis epigeios), zaķa-staipekņi (Lycopodium annotinum), vermeiden moderne Quellen die Verwendung des Bindestrichs und verwenden stattdessen entweder Komposita oder Wortgruppen.
4Übersetzung: „In Schriftquellen des 17.–19. Jahrhunderts wurde der Bindestrich bzw. das Verbindungssymbol (=) verwendet, um die enge begriffliche Beziehung von Wörtern oder Wortteilen zu zeigen.“
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Page 10SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Im von Ilsters zusammengetragenen Pflanzenmaterial sind die produktivsten Wortbildungsmethoden die Ableitung mit Suffixen und die Bildung von Komposita. Unter den verschiedenen Affixen werden am häufigsten die Suffixe -en-, -iņ-, -īt- verwendet. Die Diminutivsuffixe haben ihre Verkleinerungsbedeutung meist eingebüßt.
2. Unter den Kompositumnamen ist der produktivste Typ der aus zwei Bestandteilen bestehende Name; die Endung des ersten Bestandteils kann entweder erhalten bleiben oder wegfallen.
3. Die Komposita- und Wortgruppennamen bestehen überwiegend aus zwei Bestandteilen. Darüber hinaus werden Bindestrichnamen häufiger verwendet als im modernen Lettischen.
4. Obwohl Ilsters’ Werk Latviešu botāniski nosaukumi zu den ersten Versuchen gehört, umfangreiches botanisches Namenmaterial zusammenzutragen, weist das gesammelte und klassifizierte Material eine vergleichsweise große Vielfalt auf, die als Grundlage für die künftige Entwicklung der botanischen Terminologie dienen kann.
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Page 11AUGALŲ VARDŲ DARYBOS BŪDAI JANIO ILSTERIO PUBLIKACIJOSE
Der Artikel untersucht lettische Pflanzennamen aus dem späten 19. Jahrhundert, die in den Verzeichnissen von Jānis Ilsters (Jānis Ilsters) Latviešu botāniski nosaukumi (Lettische botanische Namen) enthalten sind und in zwei 1884 und 1885 erschienenen Schriften der Wissenschaftlichen Kommission der Lettischen Gesellschaft in Riga veröffentlicht wurden. Die Bildung dieser Namen wird überblicksartig dargestellt. Die in J. Ilsters’ Verzeichnissen aufgeführten Pflanzennamen werden mit Namen verglichen, die in späteren Quellen belegt sind.
Die häufigsten Bildungsverfahren der von J. Ilsters gesammelten lettischen Pflanzennamen sind Suffigierung und Zusammensetzung. Ein charakteristisches Merkmal der Suffigierung ist, dass Pflanzennamen meist mit den Suffixen -en-, -iņ-, -īt- gebildet werden. Die Diminutivsuffixe haben in vielen Fällen ihre diminutive Bedeutung verloren.
Am häufigsten kommen Zusammensetzungen mit zwei Gliedern und zusammengesetzte zweigliedrige Bezeichnungen vor. Es gibt Pflanzennamen mit Bindestrich. Eine solche Schreibweise ist in der heutigen botanischen Nomenklatur selten.
Obwohl J. Ilsters’ Pflanzennamenverzeichnisse zu den ersten Versuchen gehören, Material zu lettischen Pflanzennamen zu sammeln, zeigen die zusammengetragenen und geordneten Daten eine große Vielfalt an Bezeichnungen und können für die Weiterentwicklung der botanischen Nomenklatur nützlich sein.
Eingegangen am 05.11.2012
Linda Kurmiņa, Institut für Lettische Sprache der LU, Akadēmijas laukums 1, Riga, LV-1050, Lettland, E-Mail: [email protected]
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