Page 1Muttergesellschaft und Tochtergesellschaft: von Wörterbüchern bis zu Rechtsakten
ALVYDAS UMBRASAS
Institut für Litauische Sprache
SCHLÜSSELWÖRTER: Rechtsaktsbegriffe, Entwicklung von Fachbegriffen, Normierung von Fachbegriffen, Muttergesellschaft, Tochtergesellschaft
Der Beitrag analysiert die Entwicklung der problematischen Fachbegriffe Muttergesellschaft, Tochtergesellschaft in der Terminografie, gibt einen Überblick über die Haltung von Sprachwissenschaftlern zu diesen Begriffen und untersucht ihren Gebrauch in Rechtsakten. Ziel ist es, mit früheren und neuesten Korrekturvorschlägen vertraut zu machen und zugleich auf den gegenwärtigen Stand der Fachbegriffe sowie Lücken im Begriffssystem hinzuweisen.
Die inzwischen kurz vor dem Abschluss stehende Allgemeine Enzyklopädie der litauischen Sprache enthält im ersten Band: Sekundärgesellschaft, Tochtergesellschaft – „eine Aktiengesellschaft, die von einer anderen (Primärgesellschaft) kontrolliert wird. Die Primärgesellschaft besitzt das Kontrollaktienpaket der Sekundärgesellschaft, das ihr >50% der Stimmen in der Hauptversammlung der Aktionäre verleiht. Die Sekundärgesellschaft kann keine Aktien der Primärgesellschaft erwerben“ (VLE I 2001: 611). Die Enzyklopädie hat entschieden, der Primärgesellschaft keinen eigenen Artikel zu widmen (vielleicht nahm man an, dass aus dem vorgelegten Artikel alles klar hervorgeht, zumal eine Gesellschaft nur im Verhältnis zu einer Sekundärgesellschaft eine Primärgesellschaft ist). Als Synonym für Sekundärgesellschaft wird Tochtergesellschaft hinzugefügt; unklar bleibt jedoch, ob die Herausgeber der Enzyklopädie der Primärgesellschaft auch Muttergesellschaft als Synonym hinzugefügt hätten.
Obwohl der Begriff in der Enzyklopädie aufgeführt wird, hat Tochtergesellschaft (Unternehmen, Betrieb, Firma) bereits eine lange Korrekturtradition. Wer und wann mit der Korrektur dieses Begriffs begann, lässt sich heute schwer genau sagen; doch schon in der 1976 erschienenen Ausgabe der Ratschläge zur Sprachpraxis galten Tochter- (Unternehmen, Werk, Firma) als Sprachfehler und wurden durch sekundär, verwandt, voneinander abstammend, abhängig (Unternehmen, Werk, Firma) ersetzt (KPP 1976: 66). Allerdings wurde diese Korrektur aus einer neueren Ausgabe der Ratschläge (KPP 1985) aus irgendeinem Grund ent-
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Page 2fernt1, doch dadurch kam die Korrektur nicht zum Stillstand. Kazimieras Gaivenis trug maßgeblich dazu bei, dass sich diese Korrekturtradition herausbildete. Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die wirtschaftlichen Veränderungen bereits deutlich wurden, schrieb er in Kalbos kultūra, der kapitalistische wirtschaftliche Fachbegriff Tochtergesellschaft werde unzutreffend durch abhängige Gesellschaft ersetzt. Präziser wäre die Korrektur durch den Begriff abhängige Gesellschaft“ (Gaivenis 1989: 48). Drei Jahre später erinnerte er in Gimtoji kalba erneut an die seiner Ansicht nach unzutreffende Korrektur abhängige Gesellschaft, wies darauf hin, dass sich abhängige Gesellschaft nicht durchsetze, und schlug die später sehr verbreitete Bezeichnung Sekundärgesellschaft vor (Gaivenis 1992: 16). Muttergesellschaften erwähnte er nicht (sie fanden sich auch nicht in KPP 1976 und KPP 1985); bei Bedarf war der Begriff Primärgesellschaft jedoch systematisch mitzudenken, zumal er daneben vorschlug, Enkelgesellschaft durch Tertiärgesellschaft zu ersetzen. Damals unterstützte auch Kazys Linkevičius die Korrektur in Kalbos kultūra: „Die Wortverbindung Tochterfirma (Tochterunternehmen, Tochtergesellschaft) sollte durch abhängige, sekundäre Firma ersetzt werden; das Wort sekundär wäre wohl am besten geeignet und am präzisesten“ (Linkevičius 1993: 22). Zugleich erklärte er: „Das Unternehmen, das den Ausgangspunkt für ein Sekundärunternehmen bildete, kann als Hauptunternehmen bezeichnet werden. Beide Bezeichnungen (Hauptunternehmen, Sekundärunternehmen) stehen weder im Widerspruch zur Logik der Unternehmensgründung noch zum Wesen ihrer wechselseitigen Beziehungen“ (ebd.). Die problematischen Fachbegriffe fanden allerdings aus irgendeinem Grund keinen Eingang in Terminologijos taisymai, an dessen Herausgabe K. Gaivenis mitwirkte (TT 1992). Bei der Rezension dieses Korrekturbands vermisste Vytautas Vitkauskas gerade den seiner Aussage nach „schon früher in den Sprachgebrauch der Bürokraten eingegangenen und noch immer verbreiteten Ausdruck“ Tochtergesellschaft und nannte zugleich seinen eigenen Korrekturvorschlag: Unternehmensfiliale (Vitkauskas 1994: 94).
Redakteure und Lehrkräfte für Sprachpflege haben wohl alle genannten Korrekturen zur Kenntnis genommen, doch an Unsicherheit mangelte es nicht. Das 2003 von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache gebilligte Fachsprachenprogramm, in dem der Terminologie große Aufmerksamkeit gewidmet wurde, gab den Anstoß zur Veröffentlichung verschiedener Lehrmittel zur Fachsprache für Studierende. Darin gab es auch zahlreiche terminologische Korrekturen, darunter Mutter- und/oder Tochtergesellschaft; die Korrekturen zeigen jedoch, dass die Studierenden unterschiedliche Empfehlungen erhielten. So heißt es beispielsweise im Abschnitt zu semantischen Fehlern einer damaligen Publikation der Litauischen Rechtsuniversität: „Die heute besonders häufige Wendung m o t i n i n ė2 wird in der passenden Bedeutung verwendet, wenn etwas bezeichnet wird, das unmittelbar mit dem Wort Mutter zusammenhängt, z. B.: Mutterrecht (auf der Herrschaft der Mutter und ihrem Vorrang beruhend). Doch nicht …“
1 Vielleicht deshalb, weil Tochtergesellschaft bereits in einigen Wörterbüchern zu finden war? Siehe weiter unten im Beitrag.
2 In Korrekturquellen sind Sperrung oder Fettdruck häufig bereits im Original vorhanden; die im Folgenden angeführten Angaben aus Fachwörterbüchern u. Ä. sind jedoch vom Verfasser des Beitrags gesperrt gesetzt.
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Page 3reikia vartoti tokių junginių, kaip m o t i n i n ė įmonė, gamykla, kompanija, norint pabrėžti, kad ji yra pagrindinė, pirminė (plg.: dukterinė). Pvz.: Šio ekonomikos kurso naujovė yra ta, kad teorinės žinios įgyjamos dirbant m o- t i n i n ė j e (= pagrindinėje) įmonėje „Verslo bendrija“. Lietuvos draudimo m o t i n i n ė (= pagrindinė, pirminė) kompanija „Codan“ pirmąsias pardavimo telefonu paslaugas pradėjo teikti 1993 m. M o t i n i n ė (= Pirminė) kompanija „BLS VILNIUS“ priklauso Švedijos karališkajam paštui. Lygiai taip pat netinka vartoti tokių junginių, kaip d u k t e r i n ė įmonė, gamykla, kompanija, norint pabrėžti, kad ji yra pavaldı didesnei įmonei arba yra jos padalinys. Pvz.: Tokio pobūdžio tyrimai buvo atlikti ir akcinės bendrovės „Lietuvos avialinijos“ dukterinėje (= akcinei bendrovei „Lietuvos avialinijos“ pavaldžioje arba iš akcinės bendrovės „Lietuvos avialinijos“ kilusioje) įmonėje AB „Aviakompanija Lietuva“ (Kunevičienė, Pečkuvienė, Žilinskienė 2003: 78–79). Kaip matyti, visi pavyzdžiai taisomi skirtingai, lyg tai būtų ne termino, o stilistinis, nuo konteksto priklausantis dalykas (ypač tai matyti iš paskutinio sakinio), greta dėmens pirminė net nepasiūloma antrinė. Po poros metų iš dalies tos pačios autorės Mykolo Romerio universiteto leidinyje prideda dar vieną dėmenį – giminiška: d u k t e r i n ė (= antrinė, giminiška, priklausoma) įmonė, kompanija, gamykla; m o t i- n i n ė (= pirminė, pagrindinė) įmonė, gamykla, kompanija (Pečkuvienė, Žilinskienė 2005: 33, 39). Panašiai mokoma ir naujesniame to paties universiteto vadovėlyje: d u k t e r i n ė (= antrinė, priklausoma, giminiška) įmonė; taip pat m o t i n i n ė (= pagrindinė) įmonė (Akelaitis, Pečkuvienė, Žilinskienė 2009: 78). Tiesa, čia jau – atvirkščiai – yra antrinė, bet nėra pirminės. Vilniaus Gedimino technikos universiteto leidinyje teikiama sistemiškai, nesiblaškoma: d u k t e r i n ė (= antrinė) įmonė, m o t i n i n ė (= pirminė) įmonė (Kaulakienė, Petretienė, Rutkienė, Žukienė 2007: 63, 67; tai išlaikoma ir vėlesniuose knygos leidimuose, plg. Kaulakienė, Petretienė, Rutkienė, Žukienė 2010: 66, 71). Kartais studentams siūloma patiems pasukti galvą. Štai Kauno technologijos universiteto išleistame pratimų rinkinyje pateikiamas sakinys UAB „Rožė“ – susivienijimo „Gėlių rojus“ (dukterinė, pavaldžioji, antrinė) įmonė, įsteigta 2012 m. liepos 12 dieną (Ju¬zelienienė 2012: 32), kuriame reikia išbraukti neteiktinus terminų variantus iš pateiktų skliaustuose. Pasitikrinti raginama Valstybinės lietuvių kalbos komisijos svetainėje ir Lietuvos Respublikos terminų banke3. Panašių
3 Möglicherweise sind im Satz zwei richtige Antworten (von drei) gemeint, doch der Student wird in der Terminologiedatenbank eine weitere Antwort finden. Dazu mehr im weiteren Verlauf des Artikels.
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Page 4Korrekturen finden sich auch in Veröffentlichungen von Fachhochschulen. So enthält ein von der Litauischen Seefahrtshochschule herausgegebenes Studienbuch eine Liste unzulässiger Geschäftsterminologie, in der Tochterunternehmen (= abhängiges, sekundäres) Unternehmen korrigiert wird (Domarkienė 2005: 165). Mutterunternehmen steht aus irgendeinem Grund nicht daneben, dafür aber – vermutlich von K. Gaivenis übernommen – ein in anderen Publikationen gewöhnlich unerwähntes (weil im Sprachgebrauch nicht anzutreffendes) Enkelunternehmen (= tertiäres Unternehmen).
Was ist der Grund für die Korrektur? In Lehrbüchern wird er manchmal nicht genannt oder ergibt sich daraus, dass die Beispiele im Kapitel zu Semantismen angeführt werden. K. Linkevičius zufolge seien mütterlich, töchterlich im wirtschaftlichen Sprachgebrauch nach dem Vorbild russischer Wörter aufgekommen, während die litauischen Wörter Mutter und Tochter gewöhnlich nur Menschen und Bienen bezeichnen (Linkevičius 1993: 22). Obwohl damals vor allem das Russische aktuell war und man sich hauptsächlich daran orientierte, ist zu sagen, dass auch andere Sprachen mitgewirkt haben könnten, denn Verwandtschaftsbezeichnungen werden in vergleichbaren Situationen ausdrücklich oder zumindest implizit in vielen Sprachen verwendet (vgl. englisch parent company – affiliated/daughter company, französisch société mère – filiale, russisch материнская компания – дочерняя компания, deutsch Muttergesellschaft – Tochtergesellschaft, sogar lettisch mātesuzņēmums – meitasuzņēmums). Nicht auszuschließen ist, dass die Korrektur bei Verbindungen wie Mutterschwein begann (bereits 1962 setzte sich die empfohlene Bezeichnung Sau durch; außerdem wurde das allgemeinere Wort Zuchtsau vorgeschlagen; siehe Tolutienė 1962), später wurde die Korrektur breiter angewandt: „Nach jahrzehntelanger energischer Korrektur haben wir die unpassende Bezeichnung Mutterschwein abgeschafft und stattdessen den Terminus Sau etabliert. Physiker übersetzen den russischen Terminus дочернее вещество inzwischen ebenfalls mit Sekundärstoff, nicht mit Mutterstoff. Geologen könnten den Terminus Muttergestein ebenfalls problemlos aufgeben, Mikrobiologen den Terminus Mutterhefe“ (Gaivenis 1989: 48). Nach Beispielen wie Mutterpflanze, Mutterlinie, Mutterform, Vaterpflanze, Vaterlinie, Vaterform usw.4 kommt K. Gaivenis zu dem Schluss: „In der Terminologie der Genetik und Züchtung kann man auf die übersetzten Adjektive töchterlich, mütterlich, väterlich nicht verzichten. In der Terminologie anderer Fachgebiete sollten diese Lehnübersetzungen korrigiert werden“ (Gaivenis 1989: 49). Diese Schlussfolgerung einer Autorität hat die spätere Terminologiearbeit zweifellos beeinflusst.
Hier geht es im Wesentlichen um eine Lehnmetapher. Strenge sprachliche Kriterien dafür, wann Lehnmetaphern akzeptabel sind und wann nicht, lassen sich kaum
4 Ergänzend seien etwa Tochterchromosomen „Chromatiden nach der Metaphase der Mitose oder der Metaphase der zweiten Meiose“, väterlicher Spender „eines der Eltern (Pflanzen), dessen ein oder mehrere Gene in einen Empfänger übertragen werden“, mütterliche Vererbung „Vererbung, die ausschließlich von weiblichen Organismen weitergegeben wird“ (ŽŪASSTŽ 2010: 47, 63, 153).
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Page 5…sagen, doch in unserer Tradition der Normierung der Terminologie ist eine Tendenz erkennbar, sie zu vermeiden, insbesondere wenn die Metapher offensichtlich ungewohnt ist. Außerdem machen Metaphern die Termini anschaulich, was gewöhnlich nicht als wünschenswerte Eigenschaft von Termini gilt; geschätzt wird Neutralität, emotionale Konnotation wird vermieden. Rasuolė Vladarskienė stellt fest, dass die Wirtschaftsterminologie eine universelle Tendenz zur Metaphorisierung aufweist – den Anthropomorphismus, bei dem der Mensch als soziales Wesen das Modell der Metaphern bildet und Wörter, die menschliches Handeln beschreiben, die Grundlage der Bedeutungsübertragung sind (Vladarskienė 2012: 87). Bei der Bewertung von motininę įmonę könnten jedoch die emotionale Ausdruckskraft dieser Wortverbindung und die Angst vor einer Abwertung der Mutter als Wertvorstellung eine Rolle gespielt haben, zumal es in den Dialekten keine ähnlichen motininių Dinge gibt. Und generell neigt man nicht dazu, Wörter, die unmittelbar mit dem Menschen verbunden sind (z. B. veidas, gimdymas, mirtis), auf andere Bereiche (z. B. den Kontext von Tieren) zu übertragen.
Die Adjektive motininis, dukterinis sind in ihrer Ausdrucksform in der Sprache nicht geläufig. So schreibt einer der bekanntesten Sprachpfleger: „Zugehörigkeitsgenitive sind nicht durch Adjektive zu ersetzen (diese haben meist die Suffixe –inis, –iškas). Zwar sagt noch niemand tėvinis namas (russ. otcovskij dom), motininė (= motinos) skarelė, obwohl motininė kiaulė (= veislinė kiaulė, paršavedė) bereits als Bezeichnung einer Art verwendet wurde; doch es ist nicht sehr gut, dass sich dukterinės įmonės durchsetzen (besser wären įmonės padaliniai oder filialai, įmonės dukterys oder etwas anderes)“ (Šukys 1998: 124–125). Hier werden Ausdrucks- und Bedeutungsfragen vermengt, aber interessant ist, dass Jonas Šukys nur das Adjektiv nicht passend fand, die Metapher dukters hingegen schon; neben anderen Varianten schlägt er auch įmonės dukterys vor. Später erwähnte er diesen Vorschlag allerdings nicht mehr und machte generell keinen Vorschlag zur Korrektur, sondern bedauerte lediglich: „Leider gibt es bereits dukterinės firmos; in den Kolchosen gab es sogar motininė (= veislinė) kiaulė“ (Šukys 2003: 93).
Bei der Erörterung dieser Adjektive darf auch die Tatsache nicht übersehen werden, dass dukterinė įmonė in der ersten Ausgabe des Dabartinės lietuvių kalbos žodyne (DLKŽ₁1954) als Verwendungsbeispiel des Adjektivs dukterinis aufgeführt und von dort in das Lietuvių kalbos žodyną (LKŽ II₂ 1969⁵) übernommen wurde, obwohl der Terminus in der zweiten (DLKŽ₂ 1972) und den späteren Ausgaben des Dabartinės lietuvių kalbos žodyno nicht mehr vorkam (motininės įmonės war in keiner davon enthalten). Somit lässt sich annehmen, dass man bereits vor fast einem halben Jahrhundert Zweifel an der Güte dieses Terminus hatte. Das Wort filialas störte allerdings niemanden, obwohl auch in diesem Wort eine duktė steckt (lat. filia – duktė). Auf die Motivation internationaler Wörter wird gewöhnlich nicht geachtet.
5 Im zuvor erschienenen Band (LKŽ II₁ 1947) war es noch nicht enthalten.
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Page 6Interessant ist, dass das Adjektiv dukterinis im DLKŽ1 1954 durch die Beispiele dukterinė ląstelė, dukterinė įmonė veranschaulicht wird; im DLKŽ2 1972 blieb nur dukterinės ląstelės übrig (die Zahl wurde geändert; in dieser und den späteren Ausgaben wurde außerdem die Kennzeichnung bot. hinzugefügt). Von DLKŽ3 1993 bis DLKŽ7 2012 wird neben dukterinių ląstelių auch dukterinės gentys eingefügt. Seit DLKŽ5 2003 steht bei dukterinių ląstelių eine Kennzeichnung, die auf die übertragene Bedeutung hinweist (prk.), und dieses Beispiel ist durch zwei senkrechte Striche abgetrennt; dukterinės gentys dagegen gelten vermutlich als Beispiel für die wörtliche Bedeutung. Was ist diese Bedeutung? Wohl „Stämme, die von Töchtern abstammen“. Wahrscheinlich wurden dukterinės gentys auf Grundlage des 1969 in LKŽ II2 angeführten Satzes von Friedrich Engels in das Wörterbuch aufgenommen, der das Adjektiv dukterinis veranschaulicht: „Die Urstämme spalten sich mit zunehmender Bevölkerungszahl jeder in mehrere Tochterstämme.“
TERMINOGRAPHIE
Welchen Weg der terminologischen Empfehlung schlug die Terminographie ein? Wie bekannt, wurden zur Zeit der ersten Unabhängigkeit weder Rechts- noch Wirtschaftswörterbücher veröffentlicht. Im ersten und einzigen Rechtswörterbuch der Sowjetzeit, dem von Alfonsas Žiurlys verfassten Wörterbuch der Rechtsterminologie (TTŽ 1954), gab es weder motininės noch dukterinės įmonės. Solche Begriffe wurden für das damalige System offenbar insgesamt kaum benötigt. In Wirtschaftswörterbüchern wurden die Termini jedoch aufgenommen. Schon im 1966 erschienenen, vom Wirtschaftsinstitut der Litauischen Akademie der Wissenschaften der SSR (LTSR MA) erarbeiteten Rusiškai lietuviškame ekonomikos terminų žodyne finden wir: общество дочернее – d u k t e r i n ė b e n d r o v ė, общество-мать – bendrovė-m o t i n a, общество-внук – bendrovė-d u k r a i t ė (RLETŽ 1966: 123). Die Verbindung eines Bestimmungsworts mit Bindestrich ist hier natürlich unpassend (sie übernimmt die Ausdrucksweise russischer Termini), doch entscheidend ist, dass Verwandtschaftsbezeichnungen herangezogen wurden. Einheitlichkeit wurde allerdings nicht angestrebt – neben bendrovės motinos bildete man nicht auch die Verbindung bendrovė duktė (oder dukra). Übrigens wurde das Wörterbuch von der Terminologiekommission des Instituts für Litauische Sprache und Literatur der LTSR MA geprüft. Im Vorwort heißt es, dass die Mitglieder der genannten Kommission, Jonas Kruopas und K. Gaivenis, aktiv an der Erörterung der Termini beteiligt waren. Die Form mit einem Bestimmungswort verbreitete sich dennoch nicht. In dem etwa zehn Jahre später erschienenen, ebenfalls von Terminologen geprüften Wörterbuch von Antanas Buračas (Umschlagtitel Anglų-lietuvių kalbų ekonomikos terminų žodynas-minimumas, Titelblatt English–Lithuanian Dictionary of Economic Terms for Students) wurde parent Co6 – p a g r i n d i n ė (m o t i n i n ė) aufgeführt.
6 Im Lemmaartikel steht company = Co.
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Page 7bendrovė, subsidiary Co – dukterinė (kontroliuojamoji) bendrovė (ELDETS 1975: 33). Kaip matyti, čia jau pasiūlytas dėmuo pagrindinė (motininė tik kaip sinonimas), prie dukterinės prirašyta ir kontroliuojamoji7. Dar po penketo metų išleistame LTSR MA Mokslų akademijos Ekonomikos institute to paties A. Buračo parengtame ekonomikos terminų žodyne atitikmenys ima dar labiau įvairėti: affiliated company – susijusi / dukterinė/kontroliuojamoji8 bendrovė; parent company – pagrindinė/motininė bendrovė (ALKETŽ 1980: 89). Nors ir nurodyta subsidiary company žr. affiliated company (ALKETŽ 1980: 90), kažkodėl atskiru straipsniu su kitais atitikmenimis pateikta subsidiary – dukterinė / priklausomoji bendrovė (ALKETŽ 1980: 356). Žodynas taip pat buvo peržiūrėtas minėtos Terminologijos komisijos. Pratarmėje nurodyta, kad prie jo rengimo prisidėjo K. Gaivenis, Stasys Keinys, Angelė Kaulakienė. Šiame žodyne pasiūlyta atitikmenų įvairovė vienaip ar kitaip atsispindėjo tiek vėlesniuose žodynuose, tiek terminų taisymuose.
Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit entstand mit dem Aufkommen der Marktwirtschaft ein Bedarf an neuen wirtschaftswissenschaftlichen Termini sowie an übersetzenden und erklärenden Wörterbüchern zu Wirtschafts- und Rechtstermini. Dies führte zur Veröffentlichung von Wörterbüchern und Glossaren unterschiedlicher Qualität. Bereits 1991 erschien von Petras Auštrevičius, Dainius Pupkevičius und Dalia Treigienė Šiuolaikinių ekonomikos terminų enciklopedinis žodynas lietuvių–anglų–rusų–vokiečių kalbomis (rezensiert von K. Gaivenis), in dem das hier interessierende Begriffspaar aufgeführt ist: dukterinė bendrovė (subsidiary) – „ein Unternehmen, das einer Hauptaktiengesellschaft gehört“ (ŠETEŽ 1991: 55), motininė bendrovė9kompanija (parent company) – „ein Unternehmen, dessen Aktienkapital eines oder mehrere Unternehmen kontrolliert“ (ŠETEŽ 1991: 128). Wie man sieht, werden die Termini mit den Bestandteilen dukterinė, motininė ohne Synonyme aufgeführt, obwohl der Gegensatz in der Definition des ersten Terminus mit dem Wort pagrindinė ausgedrückt wird.
In den 1992 erschienenen ähnlichen kleinen Wörterbüchern von eher geringer terminografischer Qualität, die anonym10 veröffentlicht wurden und Englische hießen
7 Die Ergänzung kontroliuojamoji wurde vielleicht dadurch angeregt, dass daneben mit Erläuterung holding Co – holdingas (bendrovė, kontroliuojanti kitų bendrovių akcijų paketus) stand, und auch im zuvor erwähnten Wörterbuch bereits holding kompanų – kontroliuojančioji bendrovė angegeben war (RLETŽ 1966: 256).
8 Vgl. holding company – a. kontroliuojančioji bendrovė (bendrovė, turinti kitų bendrovių akcijų kontrolinius paketus); b. bendrovė steigėja (ALKETŽ 1980: 89).
9 Im Original wurde der Schrägstrich ausgelassen, in anderen Artikeln wird er jedoch verwendet.
10 Herausgegeben von „Balticon“; die Autoren sind nicht genannt, das Vorwort ist mit Autorių kolektyvas unterzeichnet. In einem Glossar stehen neben dem Copyright-Zeichen Buchstaben wie Initialen: VI.L.A.Ž, in einem anderen firma VILAŽ.
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Page 8terminų aiškinamasis žodynas: verslas, komercija ir Vokiečių–lietuvių rinkos terminų aiškinamasis žodynas erläutern die Begriffe ausführlicher und zeigen ihre Beziehung zu einer kontroliuojančiąja Gesellschaft: company parent11 – „motininė bendrovė (kompanija)12, die die Kontrollpakete der Aktien von Tochtergesellschaften hält und sich von einer kontrollierenden Gesellschaft (engl. holding company) dadurch unterscheidet, dass sie selbst einige Waren herstellt oder eigenständig bestimmte Finanzgeschäfte tätigt“ (ATAŽVK 1992: 14); subsidiary company – „dukterinė kompanija, d. h. ein formal selbstständiges Unternehmen (als selbstständig registriert), dessen Aktienkontrollpaket jedoch einem anderen (Mutter-)Unternehmen gehört (engl. company parent), das häufig der einzige Aktionär ist und in der Praxis die Hauptgeschäftsbereiche der Tochtergesellschaft bestimmt“ (ATAŽVK 1992: 46). Dasselbe findet sich auch im zweiten erwähnten Glossar unter Muttergesellschaft (VLRTĀŽ 1992: 36), Tochtergesellschaft (VLRTĀŽ 1992: 46), nur heißt es in der Definition des ersten Terminus nicht kontroliuojančioji, sondern holdingo kompanija (dt. Holdinggesellschaft).
Da es an guten einheimischen Wörterbüchern mangelte, versuchte man, im Ausland erschienene Werke zu übersetzen. Einer dieser Versuche kam 1994 heraus. Es handelte sich um das von Christopher Pass, Bryan Lowes und Leslie Davies verfasste Ekonomikos terminų žodynas. Wie es im Leidėjų ir Redakcijos tarybos žodyje heißt: „Diese Veröffentlichung ist ein Abschied von K. Marx und der Generation seiner Anhänger sowie von der gescheiterten Theorie der sozialistischen Produktionsweise.“ Neben den Wirtschaftswissenschaftlern arbeitete eine ganze Gruppe von Litauisch-Fachleuten am Wörterbuch mit: Aldonas Pupkis redigierte, A. Kaulakienė und Rita Miliūnaitė bearbeiteten die Termini beziehungsweise den Text, K. Gaivenis rezensierte es. Man bemühte sich, das Wörterbuch so weit wie möglich zu litauisieren. Darin finden sich weder dukterinės noch motininės bendrovės; stattdessen steht dort: pavaldžioji bendrovė (subsidiary company) – „eine Gesellschaft, die Eigentum einer anderen Gesellschaft ist (siehe Firma). Eine Tochtergesellschaft kann weiterhin unter eigenem Namen Handel treiben, wird jedoch ganz oder teilweise von der Hauptgesellschaft kontrolliert“ (ETŽ 1994: 190). Wie man sieht, wurde der von K. Gaivenis zuvor kritisierte Terminus gewählt. Der in der Definition erwähnte Terminus pagrindinė bendrovė wird nicht als eigener Eintrag aufgeführt (offenbar war dies bereits im Original so). Bemerkenswert ist, dass in der drei Jahre später erschienenen erweiterten und überarbeiteten Ausgabe pavaldžioji bendrovė durch dukterine bendrove ersetzt wurde, während die Definition unverändert blieb (ETŽ 1997: 90). Man kann nur vermuten, dass der Beitrag der Litauisch-Fachleute zur ersten Ausgabe so groß war, dass die Herausgeber beschlossen
11 Yra nuoroda parent company žr. company parent (ATAŽVK 1992: 40).
12 Im Glossar ist die Definition typografisch nicht vom Terminus abgesetzt; Kursivdruck wird nur hier im Artikel verwendet. Die Ausdrucksweise wurde nicht redigiert.
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Page 9… habe, dass er zu umfangreich sei (daher sind die genannten Nachnamen in der zweiten Auflage nicht mehr enthalten; dort heißt es, Aleksandras Vytautas Rutkauskas und Stasys Vaitkevičius hätten redigiert und überarbeitet; Letzterer war auch terminologischer Redaktionsberater der ersten Auflage).
Im selben Jahr 1994 erschien auch das von A. Buračas und Bronius Svecevičius verfasste Lietuvių–anglų–lietuvių biznio, bankų, biržos terminų žodynas–žinynas (Litauisch-Englisch-Litauisches Wörterbuch und Nachschlagewerk der Wirtschafts-, Banken- und Börsenterminologie). Darin werden mit Synonymen angegeben: dukterinė/ antrinė13 bendrovė – Tochter-/Sekundärgesellschaft – subsidiary/allied/affiliated/associate/constituent company; underlying company (mit Rechten, die nicht auf die Muttergesellschaft übertragen werden); motininė/pirminė bendrovė – Mutter-/Primärgesellschaft – parent company (BBBTŽŽ 1994: 43). Entsprechend finden sich auch dukterinė/ antrinė kompanija – Tochter-/Sekundärunternehmen – subsidiary company; motininė/ pirminė kompanija – Mutter-/Primärunternehmen – parent company (BBBTŽŽ 1994: 111). Das Wörterbuch wurde von K. Gaivenis begutachtet, ebenso wie das drei Jahre später erschienene, ebenfalls von ihm begutachtete Bankininkystės ir komercijos terminų aiškinamasis žodynas (Erklärendes Wörterbuch der Bank- und Handelsterminologie) von A. Buračas, in dessen Haupteinträgen die Synonyme nicht mehr aufgeführt werden: antrinė bendrovė – Sekundärgesellschaft – subsidiary/allied/affiliated/associate/constituent/underlying company; pirminė bendrovė – Primärgesellschaft – parent company (BKTAŽ 1997: 46, 47). Dukterinę ir motininę bendroves (Tochter- und Muttergesellschaften) finden sich nur in Verweisen (siehe) auf die Haupteinträge (BKTAŽ 1997: 47). Allerdings ist möglicherweise versehentlich noch dukterinės/antrinės bendrovės įsigijimas14 – Erwerb einer Tochtergesellschaft – acquisition of subsidiary stehen geblieben (BKTAŽ 1997: 134).
In etwa zur selben Zeit erschienene, von Terminologen nicht begutachtete Wörterbücher von Irena Č eikauskaitė und Ema Volungevičienė enthalten: Tochtergesellschaft – dukterinė bendrovė, filialas (VLLVKTTŽ 1995: 179), parent company – motininė kompanija (ALKETŽ 1995: 40). In beiden Wörterbüchern findet sich jeweils nur ein Glied des untersuchten Begriffspaars.
Als eine gewisse Zäsur in der litauischen Terminografie kann das Jahr 1997 gelten, denn Anfang des Jahres (am 30. Januar) wurde der Beschluss Nr. 59 der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache beim Seimas der Republik Litauen „Über die Anerkennung von Terminologiewörterbüchern“ (Žin., 1997, Nr. 12–257) gefasst, der die Herausgeber von Terminologiewörterbüchern verpflichtete, ihre Wörterbücher der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache (VLKK) zur Begutachtung vorzulegen. Eines der ersten Wörterbücher, das eine Anerkennung erhielt, war Vitas Bitinaitės Mokomajame anglų–lietuvių kalbų teisės terminų žodyne (Lehrwörterbuch englisch-litauischer Rechtsterminologie), das folgende Entsprechung enthält: parent company – pagrindinė, kontroliuojančioji įmonė;
13 Es gibt auch die Verweise antrinė bendrovė (Sekundärgesellschaft), siehe dukterinė bendrovė (Tochtergesellschaft); pirminė bendrovė (Primärgesellschaft), siehe motininė bendrovė (Muttergesellschaft) (BBBTŽŽ 1994: 43).
14 Auf diese Uneinheitlichkeit und zahlreiche weitere Mängel hat Jonas Klimavičius in seiner Rezension hingewiesen (2 2000: 27).
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Motininė įmonė ir dukterinė įmonė: nuo žodynų iki teisės aktų
Page 10subsidiary company – k o n t r o l i u o j a m o j i įmonė (MALKTȚŽ 1998: 44), nors kitoje vietoje subsidiary company – k o n t r o l i u o j a m o j i įmonė, f i - l i a l a s greta subsidiary – f i l i a l a s15 (MALKTȚŽ 1998: 173). Kaip matyti, čia bene pirmą kartą terminografijoje kaip pagrindinės įmonės sinonimas atsiranda kontroliuojančioji įmonė, nepaisant to, kad greta tame pačiame lizde yra holding company – kontroliuojančioji įmonė. Vėliau pasirodė dar pora to paties žodyno pataisytų ir papildytų leidimų (2002, 2008; jie svarstyti VLKK nebuvo teikti, nors aprobata įrašyta). Parent company atitikmenys juose nekeisti (MALKTȚŽ 2008: 53, 167), o prie antro termino pridėtas sinonimas: subsidiary company – k o n t r o l i u o j a - m o j i, a n t r i n ė įmonė (MALKTȚŽ 2008: 53), nors kitoje vietoje tebe- palikta subsidiary company – k o n t r o l i u o j a m o j i įmonė, f i l i a l a s (MALKTȚŽ 2008: 218).
Im selben Jahr erschien auch das von Olimpi-ja Armalytė und Lionginas Pažūsis zusammengestellte Anglų–lietuvių kalbų teisės žodyne (Englisch-litauisches Rechtswörterbuch), zeitgleich mit V. Bitinaitės erstem Wörterbuch. Darin finden wir erneut subsidiary (daughter) company – d u k t e r i n ė įmonė (ALKTŽ 1998: 94), an anderen Stellen des Wörterbuchs jedoch unterschiedliche Formen: subsidiary – d u k - t e r i n ė, p r i k l a u s o m o j i bendrovė (ALKTŽ 1998: 473), während daneben subsidiary company/corporation – p r i k l a u s o m o j i, d u k t e r i n ė įmonė steht (ALKTŽ 1998: 473). Bemerkenswert ist, dass dieses Wörterbuch eine in der früheren Terminografie nicht verzeichnete Entsprechung enthält: parent company – p a t r o n u o - j a n t i bendrovė (ALKTŽ 1998: 94). An anderer Stelle steht allerdings bereits parent company – p a g r i n d i n ė, p a t r o n u o j a n t i bendrovė, įmonė (ALKTŽ 1998: 329). Das Wörterbuch wurde von K. Gaivenis, einem Experten der VLKK, begutachtet, erhielt jedoch keine Anerkennung. Im selben Jahr 1998 erschien dagegen an der Universität Vilnius ein kleines Rechnungslegungswörterbuch (nicht von der VLKK begutachtet), das ein anderes Begriffspaar anführt: investments of subsidiary in capital stock of parent company – a n t r i n i ų įmonių investicijos į p i r m i n ė s įmonės kapitalą (ALATŽ 1998: 40).
Das in einigen Wörterbüchern früher neben dukterinės įmonės (Tochterunternehmen) anzutreffende filialas (Filiale) wird im 2000 an der Technischen Universität Kaunas erschienenen, von einem Autorenkollektiv erstellten Aiškinamajame įmonės vadybos terminų žodyne (Erklärendes Wörterbuch der Unternehmensführungsterminologie) zum Hauptterminus: f i l i a l a s, p a v a l d ž i o j i įmonė (Filiale, untergeordnetes Unternehmen) – „ein Unternehmen, dessen stimmberechtigte Aktien zu mehr als 50 Prozent von einem anderen Unternehmen gehalten werden“ (AĮVTŽ 2000: 53). Es gibt auch den Verweis pavaldžioji įmonė (untergeordnetes Unternehmen), siehe filialas (Filiale) (AĮVTŽ 2000: 55). Die VLKK hat keine Einwände dagegen (das Wörterbuch ist anerkannt).
15 Vgl. subsidiary – k o n t r o l i u o j a m o j i įmonė, f i l i a l a s (MALKTȚŽ 2008: 218).
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Page 112001 m. pasirodžiusiame terminografiškai labai prastame Romualdo Ra- kucevičiaus Lietuvių–vokiečių kalbų verslo ir teisės terminų žodyne randame greta kažkodėl dviem atskirais straipsniais pateiktus terminus m o t i n i n ė bendrovė – Muttergesellschaft; m o t i n i n ė bendrovė (kompanija) – Stammhaus (LVKVTTŽ 2001: 80). Yra ir p a g r i n d i n ė firma – Mutterfirma, Muttergesellschaft (LVKVTTŽ 2001: 31), p a g r i n d i n ė įmonė – Leitbetrieb (LVKVTTŽ 2001: 42), d u k t e r i n ė firma – Tochterfirma, Tochtergesellschaft (LVKVTTŽ 2001: 31). To paties autoriaus po trejeto metų išleistame priešingai išdėstytų kalbų žodyne yra panašiai: Muttergesellschaft – p a g r i n d i n ė akcinė bendrovė (VLKTVTŽ 2004: 169), Tochtergesellschaft – d u k t e r i n ė bendrovė, Tochterunternehmen – d u k t e r i n ė įmonė (VLKTVTŽ 2004: 232). Abu žodynai VLKK nevertinti, kaip ir 2004 m. Aušros Cesevičienės ir Danutės Čivilienės Verslo terminų anglų–lietuvių kalbų žodynas, kuriame panašiai teikiama parent company – p a g r i n d i n ė kompanija/įmonė (VTALKŽ 2004: 76), subsidiary – d u k t e r i n ė įmonė, pagalbininkas16 (VTALKŽ 2004: 108). Beje, taip pat pateikta nesistemiška ir kalbiškai nelabai vykusi pora partially-owned subsidiary – d a l i n a i v a l d o m a d u k t e r i n ė įmonė, wholly-owned subsidiary – v i s i š k a i p a v a l d i d u k t e r i n ė įmonė17 (VTALKŽ 2004: 108). Tuo pačiu metu išleistame VLKK ekspertų skaitytame (nors aprobatios ir neturinčiame) Vokiečių–lietuvių kalbų teisėtvarkos žodyne jau kitaip: Tochtergesellschaft – a n t r i n ė bendrovė, f i l i a l a s (VLKTŽ 2004: 258).
Einen besonderen Status neben anderen Wörterbüchern hat das Europäische Wörterbuch Eurovoc, das nach langen Beratungen von Übersetzern, Terminologen und anderen Fachleuten und mit Zustimmung der VLKK 2004 von der Kanzlei des litauischen Seimas herausgegeben wurde. Es ist kein eigentliches Terminologiewörterbuch, sondern eine systematische Liste von Termini und anderen Wörtern sowie Wortverbindungen, die der Klassifizierung von Rechtsakten und der Indexierung ihres Inhalts dient. Darin finden sich auch die hier interessierenden Termini: p a g r i n d i n ė bendrovė [įmonė] – parent company; société mère; Muttergesellschaft (Eurovoc 2004: 98), p a v a l d ž i o j i bendrovė – subsidiary; filiale; Tochtergesellschaft (Eurovoc 2004: 103).
Unter den genannten Wörterbüchern sticht das 2005 erschienene Wörterbuch der Wirtschaftsterminologie von Rūta Vainienė hervor. Darin ist wohl zum ersten und bislang einzigen Mal in der Terminografie eine strenge Bewertung verzeichnet: d u k t e r i n ė įmonė (subsidiary) – ntk. = a n t r i n ė įmonė (ETŽ 2005: 73); außerdem wird antrinė įmonė (subsidiary) definiert als „ein Unternehmen,“
16 Hier ist offensichtlich, dass eine andere Bedeutung missglückt als Synonym angegeben wird.
17 Vgl. ferner wholly-owned subsidiary – v i s i š k a i p r i k l a u s o m a d u k t e r i n ė bendrovė (ALKTŽ 1998: 473).
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Page 12nuosavybės teise priklausanti pagrindinei įmonei“ (ETŽ 2005: 22). Neteiktina laikoma ir patronuojanti įmonė – ntk. = pagrindinė įmonė (ETŽ 2005: 211). Terminas aiškinamas lakoniškai: pagrindinė įmonė (parent company) – „kitą įmonę kontroliuojanti įmonė“ (ETŽ 2005: 197). Žodynas buvo teiktas ekspertuoti VLKK (išsamią recenziją pateikė J. Klimavičius; tie griežti teikiniai yra jo), bet išleistas VLKK nesvarščius18.
Wie zu sehen ist, wurden in Wörterbüchern terminologischen Charakters, die im Erscheinungsjahr oder in den Jahren nach dem Wörterbuch von R. Vainienė herauskamen, die Einträge aus Trägheit weitergeführt: filiale – filialas, dukterinė kompanija, firma (MPLKVŽ 2005: 56), maison affiliée – dukterinė kompanija (MPLKVŽ 2005: 72), maison mère – pagrindinė kompanija (MPLKVŽ 2005: 72), dukterinė bendrovė – subsidiary (company), affiliate (5KŽEPT 2006: 67), dukterinė bendrovė – Tochtergesellschaft, Tochterunternehmen (LVKŽT 2006: 31), motininė bendrovė – Muttergesellschaft, Mutterunternehmen (LVKŽT 2006: 72). Wie bereits zu erahnen ist, wurden diese Wörterbücher von der VLKK nicht bewertet (im Grunde sind sie wohl keine echten Terminologiewörterbücher, da das Wort „Terminologie“ in den Titeln fehlt).
In erst vor Kurzem erschienenen Terminologiewörterbüchern (die der VLKK ebenfalls nicht zur Bewertung vorgelegt wurden) wird auf die Wortbestandteile dukterinis und motininis verzichtet. Im Erklärenden englisch-litauischen Wörterbuch der Rechts- und Wirtschaftssprache von V. Bitinaitė und Diana Snapkauskaitė werden Synonyme unterschiedlich wiedergegeben: parent company – pagrindinė (patronuojanti) įmonė, bendrovė; subsidiary company – antrinė, pavald(i) įmonė, bendrovė (AALKTVŽ 2013: 147). Im Englisch-litauischen und litauisch-englischen Wörterbuch der Wirtschaftsterminologie von Valentina Zemkauskienė gibt es keine Synonyme: parent company – pagrindinė bendrovė (ALLAKETŽ 2013: 40), subsidiary company – pavaldžioji bendrovė (ALLAKETŽ 2013: 41); hinzugefügt ist auch sister company – gimininga bendrovė (ALLAKETŽ 2013: 41).
Die genannte Terminografie beeinflusste zweifellos auch die allgemeinen Übersetzungswörterbücher der jüngeren Zeit, einschließlich der Lehrwörterbücher. Auch dort finden sich Einträge aus Terminologiewörterbüchern, häufig allerdings nur jeweils einer der beiden Termini eines Paares, zum Beispiel: Tochtergesellschaft – dukterinė bendrovė (VLKŽ II 1992: 319; DVLKŽ II 2006: 349), meitasuzņēmums – dukterinė įmonė (LLKŽ 2003: 406), maison mère – pagrindinė įmonė (MPKŽ 2009: 841). Auch in solchen Wörterbüchern wurde Synonymie nicht vermieden. So findet sich in einem Wörterbuch von B. Piesarskas parent company – pagrindinė bendrovė (DALKŽ
18 Deshalb bedauerte J. Klimavičius dies in seiner in Terminologija veröffentlichten Rezension (Klimavičius 2006).
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Page 132000: 646), subsidiary – Tochtergesellschaft/Tochterunternehmen (auch subsidiary company); Zweigstelle (DAKŽ 2000: 918), während die Auswahl der Entsprechungen im anderen Wörterbuch deutlich vielfältiger ist: parent company – Haupt-/Mutter-/Primärunternehmen (DAKŽ 2001: 462), subsidiary – Tochter-/Sekundärunternehmen (auch subsidiary company); Zweigstelle (DAKŽ 2001: 648).
Wie aus den angeführten Daten hervorgeht, werden in Wörterbüchern neben dem Bestandteil Mutter auch die Varianten Primär-, Haupt-, kontrollierende, herrschende verwendet; außerdem ist die missglückte Zusammensetzung Muttergesellschaft⟧ verzeichnet. Ein Tochterunternehmen (eine Tochtergesellschaft, ein Tochterunternehmen, eine Tochterfirma) wird auch mit den Bestandteilen Sekundär-, untergeordnet (abhängig), abhängiges, kontrolliertes, verbundenes bezeichnet oder schlicht Zweigstelle genannt. Das Wort Zweigstelle eignet sich für den vorliegenden Zweck nicht, da damit gewöhnlich eine Organisationseinheit desselben Unternehmens und kein anderes Unternehmen bezeichnet wird; verbundenes Unternehmen ist zu unspezifisch, während die anderen genannten Varianten mehr oder weniger möglich sind, jedoch jeweils etwas unterschiedliche Aspekte desselben Begriffs betonen. Der bereits erwähnte, auch von Sprachwissenschaftlern wenig überzeugende Vorschlag, den Bestandteil verwandt zu verwenden, ist ebenfalls nicht viel besser; ebenso wenig Neben-19; und eine aus der anderen hervorgegangene, entstandene ist überhaupt kein Fachausdruck.
K. Gaivenis trug einerseits wesentlich dazu bei, dass sich die Tradition herausbildete, die Bezeichnungen Mutter- und Tochterunternehmen zu korrigieren; andererseits wurden diese Begriffe in den von ihm geprüften Wörterbüchern häufig angesetzt. Dies zeugt zum Teil von seiner toleranten Haltung: „Terminologische Korrekturen sollten für Fachleute des jeweiligen Gebiets akzeptabel sein. Wenn wir keine geeignete Korrektur haben, sollten wir besser nicht korrigieren“ (Gaivenis 1992: 16). In Sitzungen hörte man K. Gaivenis sagen, dass manche Fachleute (darunter A. Buračas, Autor von Wirtschaftslexika) seine Vorschläge in Rezensionen nicht immer berücksichtigten.
Aus den Wörterbüchern geht hervor, dass Tochterunternehmen häufiger angesetzt wird als Mutterunternehmen (der zweite Begriff fehlt mitunter im Wörterbuch oder wird anders bezeichnet). Warum ist der Begriff Tochterunternehmen im Sprachgebrauch so verbreitet, obwohl Sprachwissenschaftler ihn beanstanden und Wörterbücher auch andere Begriffe vorschlagen? Einerseits spiegelten die Wörterbücher den Sprachgebrauch wider, andererseits schufen sie eine Tradition terminologischer Empfehlungen, da die Angaben eines Wörterbuchs in andere übernommen wurden. Wahrscheinlich trugen dazu möglicherweise gerade die erwähnten Terminologiewörterbücher aus der Sowjetzeit20 und aus der Anfangszeit der Unabhängigkeit bei. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Tochterunternehmen etwas wohlwollender betrachtet wurde als Mutterunternehmen.
19 Zofija Babickienė sagt, dass für Unternehmen die Begriffspaare Primär- – Sekundär-, Haupt- – Nebenunternehmen vorgeschlagen werden (Babickienė 2012: 59), doch Nebenunternehmen scheint sonst niemand vorgeschlagen zu haben.
20 Die Daten fanden auch Eingang in die damaligen Übersetzungswörterbücher, z. B. дочерние предприятия – Tochterunternehmen (RLKŽ I 1982: 519).
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Die wohl deutlichste Antwort auf die Frage nach der Beständigkeit der Begriffe findet sich in den Rechtsvorschriften. Bereits in Artikel 12 Absatz 3 des am 30. Juli 1990 vom Obersten Rat – Wiederherstellenden Seimas der Republik Litauen verabschiedeten Gesetzes der Republik Litauen über Aktiengesellschaften (Žin., 1990, Nr. 24-594) heißt es: „Erwirbt eine Gesellschaft ein kontrollierendes Aktienpaket einer anderen Gesellschaft (eines anderen Unternehmens), so wird diese zu einer kontrollierten Gesellschaft. Ein kontrollierendes Aktienpaket besteht aus Aktien, die ihrem Inhaber mehr als 50 Prozent der Stimmen in der Hauptversammlung verleihen. Die kontrollierte Gesellschaft ist eine Tochtergesellschaft, die sie kontrollierende Gesellschaft eine Muttergesellschaft. Eine Tochtergesellschaft darf keine Aktien der Muttergesellschaft erwerben.“ Heute lässt sich schwer sagen, was zur Wahl dieses etwas seltsamen, unsystematischen Begriffspaars herrschende–Tochtergesellschaft geführt hat (wenn Tochtergesellschaft geeignet war, warum dann nicht Muttergesellschaft; und umgekehrt: Wenn Muttergesellschaft ungeeignet war, warum dann Tochtergesellschaft?), zumal bis dahin in der Terminografie keine herrschende Gesellschaft belegt war. Diese Entscheidung hatte jedoch große Auswirkungen: Auch im geltenden Gesetz der Republik Litauen über Aktiengesellschaften (Žin., 2000, Nr. 64-1914) finden sich weiterhin dieselben Begriffe; Artikel 5 trägt die Überschrift „Herrschende und Tochtergesellschaften“21. Zwar findet man in dem in der Rechtsakte-Datenbank des Seimas veröffentlichten einen oder anderen Beschluss, Erlass oder Ausschussgutachten auch den Begriff Mutterunternehmen, doch handelt es sich um vereinzelte, uneinheitliche Fälle, die wahrscheinlich auf ein Versehen oder die Nichtbeachtung der gesetzlich festgelegten Terminologie zurückzuführen sind.
21 Darin heißt es: „1. Eine Gesellschaft gilt als herrschend, wenn sie in einer anderen Gesellschaft, die ihre Tochtergesellschaft ist, unmittelbar und/oder mittelbar die Mehrheit der Stimmen hält oder unmittelbar oder mittelbar maßgeblichen Einfluss auf die andere Gesellschaft ausüben kann. 2. Eine Gesellschaft gilt als unmittelbar im Besitz der Stimmenmehrheit einer anderen Gesellschaft, wenn sie Aktien der anderen Gesellschaft erworben hat, die in der Hauptversammlung mehr als die Hälfte der Stimmen verleihen. 3. Eine Gesellschaft gilt als mittelbar im Besitz der Stimmenmehrheit einer dritten Gesellschaft, wenn sie unmittelbar die Stimmenmehrheit an einer Gesellschaft hält, die unmittelbar oder mittelbar die Stimmenmehrheit an der dritten Gesellschaft hält. 4. Eine Gesellschaft, die Anteilseignerin der anderen Gesellschaft ist und: 1) das Recht hat, den Geschäftsführer der anderen Gesellschaft oder die Mehrheit der Mitglieder ihres Vorstands oder Aufsichtsrats zu bestellen oder abzuberufen, oder 2) aufgrund von Vereinbarungen mit anderen Anteilseignern die Stimmenmehrheit in dieser Gesellschaft hält, gilt als in der Lage, unmittelbar maßgeblichen Einfluss auf die andere Gesellschaft auszuüben. Eine Vollmacht, die einer Gesellschaft das Recht einräumt, einen anderen Anteilseigner zu vertreten und für ihn abzustimmen sowie Entscheidungen zu treffen, ist ein ausreichender Nachweis für eine solche Vereinbarung. 5. Als in der Lage, mittelbar maßgeblichen Einfluss auf eine dritte Gesellschaft auszuüben, gilt eine Gesellschaft, die mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt: 1) Die Gesellschaft kann unmittelbar maßgeblichen Einfluss auf eine andere Gesellschaft ausüben, die unmittelbar oder mittelbar die Stimmenmehrheit an der dritten Gesellschaft hält oder unmittelbar oder mittelbar maßgeblichen Einfluss auf die dritte Gesellschaft ausüben kann; 2) die Gesellschaft hält unmittelbar oder mittelbar die Stimmenmehrheit an einer anderen Gesellschaft, die unmittelbar oder mittelbar maßgeblichen Einfluss auf die dritte Gesellschaft ausüben kann; 3) zusammen mit anderen Gesellschaften, an denen diese Gesellschaft unmittelbar oder mittelbar die Stimmenmehrheit hält oder auf die sie unmittelbar oder mittelbar maßgeblichen Einfluss ausüben kann, hält sie die Stimmenmehrheit an der dritten Gesellschaft, oder die in diesem Unterabsatz genannten anderen Gesellschaften halten gemeinsam die Stimmenmehrheit an der dritten Gesellschaft.“
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Page 15Die Gegenüberstellung Muttergesellschaft–Tochtergesellschaft wurde in der Sitzung des Terminologie-Unterkomitees der VLKK am 3. April 2007 unter Beteiligung von Vertretern der interessierten Institutionen – der öffentlichen Einrichtung Rechnungslegungsinstitut der Republik Litauen (die die Frage aufwarf), des Finanzministeriums der Republik Litauen und des Wirtschaftsministeriums der Republik Litauen – erörtert. Damals äußerten die Fachleute, dass die von den Sprachwissenschaftlern vorgeschlagenen Begriffe Primärunternehmen und Sekundärunternehmen irreführend seien, da sie mit anderen Konzepten assoziiert würden – im Recht der Europäischen Union werde zwischen primärer und sekundärer Niederlassung von Unternehmen unterschieden (engl. primary/secondary establishment). Außerdem sei auch der zeitliche Aspekt problematisch, da ein Primärunternehmen später als ein Sekundärunternehmen gegründet werden könne (wenn ein jüngeres Unternehmen ein älteres erwerbe). Die Fachleute erklärten damals in der Sitzung, dass kontrollierendes Unternehmen und kontrolliertes Unternehmen (in Rechtsakten steht häufig kontrolliertes Unternehmen) ein Begriffspaar mit einer anderen Bedeutung seien (ein Mutterunternehmen übe stets Kontrolle aus, es gebe jedoch auch andere Kriterien, nach denen ein Unternehmen als kontrollierend gelten könne). In Anlehnung an dieses Paar kam in der Sitzung der Vorschlag (von J. Klimavičius) auf, entsprechend das Begriffspaar M u t t e r u n t e r n e h m e n und T o c h t e r u n t e r n e h m e n zu bilden (anstelle von Muttergesellschaft und Tochtergesellschaft). Dem Vorschlag wurde zugestimmt. Obwohl nur langsam, findet dieser Vorschlag nach und nach Eingang in Dokumente. Begriffe mit den Bestandteilen Mutterunternehmen–Tochterunternehmen wurden 2008 von der VLKK gebilligt und auf Grundlage des Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes der Republik Litauen über den konsolidierten Jahresabschluss von Unternehmensgruppen (nicht verabschiedet), später auf Grundlage des Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Versicherungsgesetzes der Republik Litauen, in die Terminologiedatenbank der Republik Litauen (LRTB) aufgenommen. Letzterer Entwurf wurde verabschiedet (Žin., 2012, Nr. 127-6385), sein Inkrafttreten jedoch verschoben (bis zum 1. Januar 2016; Žin., 2013, Nr. 140-7080). Um eine Verbindung zu anderen Rechtsakten herzustellen, wird im Begriffsabschnitt des Gesetzes tatsächlich mit Klammern geschrieben: Tochterunternehmen (Tochtergesellschaft). Später gelangte dieses Begriffspaar aus dem Entwurf des Gesetzes der Republik Litauen über die Betreiber von Wechselstuben sowie aus dem Entwurf des Gesetzes zur Änderung des Gesetzes der Republik Litauen über die zusätzliche Beaufsichtigung von Unternehmen, die einem Finanzkonglomerat angehören, in die LRTB (die Definitionen unterscheiden sich geringfügig, siehe LRTB). Die Begriffe werden inzwischen mitunter in Rechtsakten der Republik Litauen niedrigeren Ranges (Anordnungen, Beschlüssen) verwendet; auch in offiziellen litauischen Übersetzungen von Rechtsakten der Europäischen Union (Verordnungen, Richtlinien) kommen sie bereits recht häufig vor, was sich auf die Rechtsakte Litauens auswirkt. Die Zeit wird zeigen, wie erfolgreich die Entscheidung zu Mutterunternehmen und Tochterunternehmen war – in vielen Rechtsakten finden sich diese Begriffe noch nicht. Wichtig ist auch, dass der Begriff Mutter-Tochter-Verhältnis selbst nach wie vor nicht definiert ist und sein Verhältnis zu Kontrolle, Kontrollausübung Fragen aufwirft.
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Page 16So enthält beispielsweise das geltende Gesetz der Republik Litauen über Finanzinstitute (Žin., 2002, Nr. 91-3891) das Begriffspaar betreuendes (Mutter-)Unternehmen22 („ein Unternehmen, das einen Anteil am Stammkapital und/oder an den Stimmrechten eines anderen Unternehmens hält, der ihm das Recht verleiht, die Tätigkeit des Unternehmens zu kontrollieren“) und kontrolliertes Unternehmen („ein Unternehmen, an dem eine andere Person einen Anteil am Stammkapital und/oder an den Stimmrechten hält, der ihr das Recht verleiht, die Tätigkeit des Unternehmens zu kontrollieren“). Auch die von kontrollierten Unternehmen kontrollierten Unternehmen gelten als kontrollierte Unternehmen des ersten Unternehmens, das all diese Unternehmen betreut (als Mutterunternehmen).“ Wie ersichtlich, entspricht hier der Begriff kontrollierte Unternehmen dem gebilligten Begriff Tochterunternehmen (vgl. die Definitionen im am 17. Juli 2014 verabschiedeten Gesetz Nr. XII-1033 der Republik Litauen über die Betreiber von Wechselstuben: Mutterunternehmen – „ein Unternehmen, das einen Anteil am Stammkapital und/oder an den Stimmrechten eines anderen Unternehmens hält, der ihm das Recht verleiht, die Tätigkeit des Unternehmens zu kontrollieren“; Tochterunternehmen – „ein Unternehmen, an dem eine andere Person einen Anteil am Stammkapital und/oder an den Stimmrechten hält, der ihr das Recht verleiht, die Tätigkeit des Unternehmens zu kontrollieren“). Die Beziehungen zwischen den Begriffen gründen auf dem Begriff der Kontrolle (vgl. Mehrheitsbeteiligung); zu bedenken ist jedoch, dass Kontrolle, Kontrollausübung in Rechtsakten in verschiedenen Zusammenhängen breit verwendete Begriffe sind (oder Wörter, die nicht unbedingt als terminologisch definierte Begriffe verwendet werden), vgl. Alkoholkontrolle, Kontrolle der Haushaltspolitik, Finanzkontrolle, Nagetierbekämpfung, Kontrolle der Schweineproduktivität, Korruptionsbekämpfung, Lebensmittelkontrolle, Verbrechensbekämpfung, Grenzkontrolle, Verkehrskontrolle, interne Kontrolle, staatliche Kontrolle usw. (Beispiele aus der LRTB). Daraus wird ersichtlich, dass die Begriffe kontrollierendes Unternehmen und kontrolliertes Unternehmen als Entsprechungen von Muttergesellschaft und Tochtergesellschaft zwar teilweise möglich wären, ihnen aber die nötige Präzision fehlte. Außerdem steht dem entgegen, dass kontrollierendes Unternehmen schon lange als Entsprechung von holding company verwendet (und in der LRTB gebilligt) wird (vgl. auch kontrollierender Fonds (holding fund)); eine Holdinggesellschaft ist eine bestimmte Art von Mutterunternehmen (siehe beispielsweise im bereits erwähnten litauischen2324
22 Betreuendes Unternehmen ließ sich in der Terminografie nicht finden; es ist noch eine weitere Entsprechung für Muttergesellschaft. Übrigens wird in Artikel 59 des Gesetzes der Republik Litauen über Banken (Žin., 2004, Nr. 54-1832) auch ein betreutes (Mutter-)Unternehmen erwähnt, obwohl es in Rechtsakten nicht als Begriff definiert wurde. Offenbar war dieser Verwendungsfall nicht bekannt, als 2007 anstelle von Tochtergesellschaft der Begriff Tochterunternehmen vorgeschlagen wurde.
23 Im Vergleich zum Begriff Wechselstubenbetreiber wurde im Gesetzesentwurf unglücklicherweise der zuvor gute Titel Gesetz der Republik Litauen über die Betreiber von Wechselstuben geändert. Ebenso wurden die im Entwurf gebilligten Begriffe Aufsichtsbehörde für Wechselstubenbetreiber, Verzeichnis der Wechselstubenbetreiber im Gesetz unnötigerweise in Aufsichtsbehörde für Wechselstubenbetreiber, Verzeichnis der Wechselstubenbetreiber geändert. Das erweckt den Eindruck, dass eine Wechselstube viele Betreiber hat.
24 Offenbar wird zur Verdeutlichung in Rechtsakten häufig in Klammern ergänzt: kontrollierendes (Holding-)Unternehmen.
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Page 17im Gesetz zur Änderung des Versicherungsgesetzes der Republik). Andererseits ist auch folgender Begriff zu berücksichtigen: ein vom Staat (von einer Gemeinde) kontrolliertes Unternehmen25 – „ein Unternehmen, dessen Aktien, die mehr als die Hälfte der Stimmrechte in der Hauptversammlung der Aktionäre verleihen, im Eigentum des Staates oder einer Gemeinde stehen“ (Gesetz Nr. XII-792 zur Änderung des Gesetzes Nr. VIII-480 über die Privatisierung des Vermögens des Staates und der Gemeinden der Republik Litauen (TAR, 2014-04-03, Nr. 4032)). Obwohl die Kontrolle auch hier ähnlich ist, handelt es sich dabei ganz sicher nicht um ein Tochterunternehmen26, und es konnte auch keines sein. Vielleicht versucht man wegen der Mehrdeutigkeit oder der Schwierigkeiten im Verhältnis zur Patronage, im Entwurf des Gesetzes Nr. IX-576 zur Änderung des Gesetzes über den konsolidierten Jahresabschluss von Unternehmensgruppen der Republik Litauen (die Begriffe wurden von der LRTB gebilligt) den Begriff Kontrolle zu vermeiden; stattdessen wird der Begriff maßgeblicher Einfluss (direkt oder indirekt) herangezogen, und gerade auf diesen Begriff stützt sich das Verhältnis zwischen dem Mutterunternehmen („ein Unternehmen, das auf ein anderes Unternehmen direkt oder indirekt maßgeblichen Einfluss ausüben kann“) und dem Tochterunternehmen („ein Unternehmen, auf das ein anderes Unternehmen direkt oder indirekt maßgeblichen Einfluss ausüben kann“). Es sei daran erinnert, dass in den Beratungen des Terminologie-Unterkomitees der VLKK (auf Initiative von J. Klimavičius) das in älteren Rechtsakten häufige Wort Einfluss oft durch Wirkung ersetzt wird. Im früheren Gesetz über den konsolidierten Jahresabschluss von Unternehmen der Republik Litauen (Žin., 2001, Nr. 99-3517) wurde Kontrolle definiert als „das Recht eines Unternehmens, auf ein anderes Unternehmen maßgeblichen Einfluss auszuüben, dessen finanzielle und wirtschaftliche Tätigkeit zu leiten und zu beeinflussen, um daraus einen Nutzen zu ziehen. Kontrolle kann direkt oder indirekt sein“. Dass Kontrolle und maßgeblicher Einfluss im hier relevanten Kontext nun im Wesentlichen gleichgesetzt werden, zeigt sich beispielsweise im Gesetz der Republik Litauen über Organismen für gemeinsame Anlagen für informierte Anleger (Žin., 2013, Nr. 68-3410), denn dort wird schlicht auf folgende Definition verwiesen: Kontrolle – „direkter und/oder indirekter maßgeblicher Einfluss auf ein Unternehmen im Sinne der Definition im Gesetz der Republik Litauen über den konsolidierten Jahresabschluss von Unternehmensgruppen“. Daraus lässt sich schließen, dass das Begriffssystem noch nicht gefestigt ist und bisweilen an die Erfordernisse einzelner Rechtsakte angepasst wird; hier müssen Fachleute noch Lücken schließen.
25 Um Klammern zu vermeiden, hat die LRTB mit gutem Grund zwei Begriffe getrennt und in eigenen Artikeln aufgeführt.
26 Übrigens gibt es in der Rechtswissenschaft einige merkwürdige Aussagen zum Begriff des Tochterunternehmens. So wird etwa behauptet: „Eine Unternehmensgruppe besteht aus rechtlich selbstständigen Subjekten; die Form der rechtlichen Selbstständigkeit ist unerheblich. Daher können sowohl als Mutter- als auch als Tochterunternehmen Rechtssubjekte jeder Rechtsform anerkannt werden, darunter natürliche Personen und der Staat. Für die Feststellung, ob eine Gruppe besteht oder nicht, ist vor allem das Vorliegen eines Kontrollverhältnisses maßgeblich. Daher sind die Aussagen einiger Wissenschaftler zurückzuweisen, wonach der Staat oder eine natürliche Person kein Tochterunternehmen sein könne“ (Papijanc 2007: 87; Ausdruck unverändert).
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Page 18SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Die übersetzten metaphorischen Begriffe Mutter-/Tochterunternehmen (Gesellschaft, Firma, Kompanie) wurden, vermutlich unter dem Einfluss des Russischen (vgl. материнская/дочерняя компания), schon in der Sowjetzeit sprachlich beanstandet; am deutlichsten wurde die Notwendigkeit, diese Begriffe zu korrigieren, jedoch gegen Ende der 1980er-Jahre zum Ausdruck gebracht. K. Gaivenis’ Auffassung, dass die Wörter motininis, dukterinis in der Terminologie der Genetik und Züchtung notwendig, in anderen Fachgebieten jedoch zu korrigieren seien, trug zweifellos dazu bei, die Tradition der Korrektur der genannten Begriffe zu festigen, und beeinflusste die Terminografie.
2. Trotz der ablehnenden Beurteilung durch Sprachwissenschaftler wurden sowohl Mutterunternehmen als auch Tochterunternehmen in zahlreichen Wörterbüchern aufgeführt. Einige dieser Wörterbücher wurden von Sprachwissenschaftlern überarbeitet. In neueren Wörterbüchern ist Mutterunternehmen bereits selten, während Tochterunternehmen häufiger aufgeführt wird. Insgesamt gibt es zahlreiche Wörterbücher, in denen nur das zweite Element dieses Begriffspaars enthalten ist.
3. Das Mutterunternehmen (vereinzelt findet sich auch die missglückte Zusammensetzung Muttergesellschaft) wurde auf verschiedene Weise zu ersetzen versucht – belegt sind Begriffe mit den Bestandteilen primär, Haupt-, kontrollierend, beherrschend. Für Tochterunternehmen gibt es mehr vorgeschlagene Varianten – es wird mit den Bestandteilen sekundär, untergeordnet, abhängig, kontrolliert oder schlicht als Zweigniederlassung bezeichnet. Es kamen auch gemeinsame Vorschläge mit verbunden, verwandtschaftlich vor. Die meisten dieser Vorschläge sind mehr oder weniger brauchbar, aber zugleich nicht präzise genug, um unerwünschte Assoziationen auszuschließen. Das ist offenbar der Grund, weshalb die Begriffe in der Terminografie weiterhin miteinander konkurrieren. Man kann sagen, dass die Normierungsgeschichte dieser Begriffe im Wesentlichen noch nicht abgeschlossen ist.
4. Rechtsakte zeichnen sich durch einen eigenen Terminusgebrauch aus – seit Beginn der Unabhängigkeit wurde darin weithin das unsystematische Begriffspaar Mutterunternehmen (Muttergesellschaft) und Tochterunternehmen (Tochtergesellschaft) verwendet. Vereinzelt taucht ein betreuendes (beherrschendes) Unternehmen als Gegenbegriff zu einem kontrollierten Unternehmen auf, während betreutes (beherrschtes) Unternehmen offenbar nur ein einziges Mal verwendet wurde. Gerade die Rechtsakte sind heute der Grund für die Verbreitung des Begriffs Tochterunternehmen.
5. Unter Berücksichtigung des Gegensatzpaars kontrollierend–kontrolliert wurde 2007 auf einer Sitzung des Terminologie-Unterkomitees der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache vorgeschlagen, das Begriffspaar Mutterunternehmen und Tochterunternehmen zu verwenden. Diese Begriffe sind bereits in die Terminologiedatenbank der Republik Litauen sowie in Rechtsakte der Republik Litauen und der Europäischen Union eingegangen; das Begriffssystem ist jedoch noch nicht gefestigt, und es bestehen Lücken und Varianten.
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5KŽEPT 2006: 5 kalbų žodynas: ekonomika, politika, teisė. Sudarytojai E. I. Volungevičienė, R. Laurūšonie, R. Tamošaitienė, Vilnius: Teisinės informacijos centras.
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MOTININĖ ĮMONĖ (PARENT COMPANY) AND DUKTERINĖ ĮMONĖ (SUBSIDIARY COMPANY): FROM DICTIONARIES TO ACTS OF LEGISLATION
The article analyses the development of problematic terms motininė įmonė and dukterinė įmonė in terminology as well as the opinions of Lithuanian linguists on these terms and their usage in acts of legislation. It also provides an overview of the previously used and newest terms and at the same time highlights the current state of and gaps in the terminological system.
Doubt about the linguistic appropriateness of metaphorical loan translations motininė įmonė and dukterinė įmonė based on the influence of the Russian language (cf. маме-рская/дочерняя компания) arose already in Soviet times, though the necessity of the correction was most clearly pointed out at the end of the 1980s. Kazimieras Gaivenis’ suggestion that words motininis and dukterinis are necessary in the terminology of genetics and selection, but in other fields should be avoided, contributed to the establishment of the tradition to correct these terms and influenced terminography.
Despite the negative evaluation from linguists both motininė įmonė and dukterinė įmonė were included in a few dictionaries. Some of these dictionaries were reviewed or edited by linguists themselves. In the dictionaries of the later years motininė įmonė is rather rare, but dukterinė įmonė is included quite frequently. There were attempts to replace both motininė įmonė and dukterinė įmonė with some other terms, but they have not been established in the terminology and they are still competing. It can be concluded that standardisation of these terms is not yet finished.
The peculiar usage of terms can be observed in acts of legislation – from the beginning of independence in early 1990s a non-systemic pair of terms patronuojanti įmonė (bendrovė) and dukterinė įmonė (bendrovė) was widely used. Usage in acts of legislation is the reason for the spread of the term dukterinė įmonė.
At the meeting of the Terminology Sub-Commission of the State Commission of the Lithuanian Language in 2007 a suggestion was made to use the pair of terms patronuojančioji įmonė and patronuojamoji įmonė. Such terms are included in Lietuvos Respublikos terminų bankas (Term Bank of the Republic of Lithuania) as well as acts of legislation of the Republic of Lithuania and the European Union, though the system of terms is not yet established and some variation and shortcomings are still present.
Gauta 2014-09-29
Alvydas Umbrasas Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected]
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Alvydas Umbrasas
Motininė įmonė ir dukterinė įmonė: nuo žodynų iki teisės aktų