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RAMUNĖ VASKELAITĖ
Bank von Litauen
DER GEBRAUCH VON PLURALFORMEN ABSTRAKTER SUBSTANTIVE IN DER WIRTSCHAFTSSPRACHE UND DIE NORM
SCHLÜSSELWÖRTER: Singularia tantum, abstrakte Substantive, Numerusflexion, Konkretisierung der Bedeutung, Ableitungen, Norm, Sprachgebrauch.
EINLEITUNG
Die Normgemäßheit des Numerus bei Substantiven wäre wohl kaum besonders problematisch, gäbe es nicht Substantive, deren Norm die Anerkennung nur eines Numerus vorsieht – des Singulars oder des Plurals – oder den Gebrauch eines bestimmten Numerus unter bestimmten Umständen.
Diese Umstände werden in der Broschüre Kalbos patarimų mit dem Titel Gramatinės formos ir jų vartojimas erläutert, die die Norm für den Gebrauch des Numerus darstellt: Als für das litauische Standardsprachliche nicht akzeptabel gilt der Singular, wenn damit eine Pflanzen-, Tier- oder ähnliche Art nicht verallgemeinernd bezeichnet wird, mehr als eine Person gemeint ist oder Bezeichnungen von Veranstaltungen, Orten und anderem wiedergegeben werden (KP1 2002: 19–20). Im Sprachgebrauch besteht in solchen Fällen gerade eine Tendenz, den Singular zu wählen (KPIB 1995–2005). In aufschlussreichen Untersuchungen zum Verhältnis nichtnormgerechter Sprachphänomene zur kodifizierten Norm, die in der litauischen Linguistik wohl am aktivsten von Rita Miliūnaitė (2002; 2003a, b, c; 2004; 2006a, b; 2007) vorangetrieben werden, wird gezeigt, dass der beharrliche Widerstand des Sprachgebrauchs gegen die eine oder andere schriftlich festgelegte Norm nicht vorschnell als deren Verletzung oder als mangelnde Beherrschung der Standardsprache bezeichnet werden sollte. Manchmal weist ein solcher Widerstand lediglich auf syntaktische, semantische oder andere Umstände hin, die in der Tiefenstruktur der Sprache liegen und von den Normierern nicht erkannt oder ausreichend
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Page 2... bewertet. Deshalb sollte man den in der Sprachverwendung verbreiteten Fällen, die als nicht normgerecht gelten, Aufmerksamkeit schenken, sie noch eingehender untersuchen und, falls sich gewichtige Gründe dafür zeigen, möglicherweise sogar die kodifizierte Norm ändern.
Der Artikel untersucht eine in der Sprachverwendung häufig zu beobachtende Tendenz: Substantive, die als Singularia tantum gelten, in der Pluralform zu verwenden. Erörtert wird eine Untergruppe solcher Substantive, nämlich die abstrakten Substantive. Die Aktualität dieser Frage zeigt sich an einem Bereich des Gebrauchs der Standardsprache, der seit längerer Zeit beobachtet wird – der Wirtschaftssprache. In ihr sind Überweisungen, Zahlungen, Abrechnungen, Berechnungen, Schwankungen, Verpflichtungen, Kapazitäten, Risiken, Bedrohungen, Krisen, Defizite, Haushalte, Bilanzen, Volkswirtschaften, Wirtschaftstätigkeiten, Niveaus, Umfänge, Werte und andere auf den ersten Blick abstrakt bedeutende Substantive reichlich vertreten, obwohl in den Kalbos patarimai, die die Norm der Standardsprache vorgeben, der Plural abstrakter Substantive, die als Singularia tantum gelten, mit der negativsten von vier Bewertungsstufen beurteilt wird, die in diesem Werk zur Kennzeichnung des Verhältnisses eines Sprachphänomens zur Norm verwendet werden: mit dem Vermerk ntk. („nicht empfehlenswert“), der besagt, dass das Phänomen für die Standardsprache nicht zu empfehlen ist (KP1 2002: 20). Dennoch sollte man nicht vorschnell davon ausgehen, dass dieser Widerspruch einen Konflikt zwischen Sprachgebrauch und Norm darstellt – die Kalbos patarimai sehen zwei Ausnahmen vor. Eine davon – der Plural abstrakter Substantive kann als stilistisches Mittel zur Hervorhebung einer großen Menge verwendet werden – lässt sich allerdings nicht auf den hier untersuchten Sprachgebrauch anwenden. Untersucht wurden Texte des offiziellen Sachstils, die stellenweise sogar dem wissenschaftlichen Stil nahekommen; emotionale Ausdrucksmittel sind daher für ihre Sprache nicht charakteristisch. Mit dem allmählichen Verschwimmen der Grenzen zwischen Stilen und Textsorten kommen solche Mittel zwar gelegentlich vor, doch eine zur reichlichen Hervorhebung dienende Pluralverwendung wurde nicht festgestellt. In diesen Texten werden wirtschaftliche Prozesse, die sich in einem bestimmten Zeitraum (Jahr, Halbjahr, Quartal) ereignet haben, sachlich beschrieben und analysiert; deshalb ist hier Genauigkeit wesentlich wichtiger als Ausdruckskraft. Obwohl diese Texte offiziell teils als Übersichten, teils als Berichte bezeichnet werden, werden sie der Einfachheit halber in diesem Artikel zusammenfassend als Wirtschaftsberichte bezeichnet.
Sieht man von der Ausnahme der Hervorhebung einer großen Menge ab, bleibt als einziger in den Kalbos patarimai anerkannter Grund für den Plural abstrakter Substantive die Konkretisierung der Bedeutung des Substantivs. Die Norm scheint einfach: Ist ein Substantiv mit abstrakter Bedeutung konkretisiert, kann sein Plural verwendet werden; andernfalls verstößt die Verwendung des Plurals gegen die Norm. Doch ist die Grenze zwischen Norm und Fehler tatsächlich so eindeutig? Werden bei ihrer Festlegung alle Faktoren hinreichend berücksichtigt, die dazu führen, gerade die Pluralform zu verwenden? Dies dürfte die Untersuchung von Tendenzen im Sprachgebrauch zeigen. Bevor man sich ihr zuwendet, sollten jedoch die in den Kalbos patarimai wie auch in anderen normativen Arbeiten formulierten Regeln zum Gebrauch des Numerus abstrakter Substantive ausführlicher erörtert werden.
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Page 31. KODIFIZIERTE NORM UND VORGESEHENE AUSNAHMEN
Zum Numerus abstrakter Substantive wird in den Kalbos patarimai folgende Aussage formuliert: „Der Plural ist ntk. = Singular, wenn das Substantiv abstrakt ist, unteilbare (nicht zählbare) Dinge bezeichnet und ein Singularetantum ist“ (KP1 2002: 20). Weder in der Broschüre Gramatikos formos ir jų vartojimas, die die Regeln zum Numerusgebrauch enthält, noch in anderen Broschüren dieser Reihe werden die Begriffe „abstraktes Substantiv“, „Singularetantum“ oder „Substantiv, das unteilbare (nicht zählbare) Dinge bezeichnet“ definiert. Natürlich ist es auch nicht das Ziel einer Veröffentlichung dieser Art, sie zu definieren. Ohne jedoch zu erklären, welche Bedeutung ihnen beigemessen wird, besteht die Gefahr, die Aussage auf zwei Arten auszulegen: 1) Der Plural ist nicht empfehlenswert, wenn das Substantiv alle drei Bedingungen erfüllt (es ist abstrakt, ein Singularetantum und bezeichnet unteilbare oder nicht zählbare Dinge); 2) Der Plural ist nicht empfehlenswert, wenn das Substantiv eine der Bedingungen erfüllt.
Eine Antwort darauf, wie diese Aussage auszulegen ist, lässt sich in den Beschreibungen des Numerus litauischer Substantive nicht finden; aus ihnen ginge vielmehr hervor, dass keine der beiden Auslegungen möglich ist. In diesen Beschreibungen wird gewöhnlich eine Klassifikation vorgenommen, nach der abstrakte Substantive als eine der Untergruppen der Singularia tantum eingeordnet werden1; letztere wiederum bilden eine der Gruppen von Substantiven, die nicht nach dem Numerus flektiert werden und mit Bezeichnungen für nicht zählbare Dinge gleichgesetzt werden (Jakaitienė ir kt. 1976: 36–41; Paulauskienė 1983: 166–167; 1994: 149–150; 2004a: 148–149; 2006: 73–77; Paulauskienė, Tarvydaitė 1986: 67–77; DLKG 1997: 65–68). Es wäre unlogisch, zunächst eine Untergruppe und dann die gesamte Gruppe als nicht empfehlenswert einzustufen. Folglich beruht die Aussage der Kalbos patarimai nicht auf einer Klassifikation der Substantive nach dem Numerus, sondern auf ihrer allgemeinen Einteilung in Konkreta und Abstrakta; für Abstrakta wird die Verwendung der Pluralform bei Singularia tantum nicht empfohlen. Unklar ist lediglich die dritte Bedingung für die Einstufung als nicht empfehlenswert: dass das Substantiv außerdem unteilbare (nicht zählbare) Dinge bezeichnen muss. Nach der genannten Klassifikation bezeichnen alle Singularia tantum Gegenstände, die …
1 Die übrigen Untergruppen werden nicht einheitlich angegeben: Mancherorts werden außerdem Kollektiva (augalija, aukštuomenė, inteligentija), Eigennamen (Lietuva, Kaunas, Klaipėda) und Stoffbezeichnungen (actas, auksas, betonas) unterschieden (Jakaitienė ir kt. 1976: 38; DLKG 1997: 66), andernorts kommt eine Untergruppe von Krankheitsbezeichnungen hinzu (gripas, kokliušas, sloga) (Paulauskienė, Tarvydaitė 1986: 74); gesondert werden auch Bezeichnungen für Himmelsrichtungen und Winde angeführt (pietys, rytys, šiaurys) (LKŽin 1998: 100; Paulauskienė 1994: 150; 2004b: 300–301; 2006: 74). Adelė Valeckienė weist darauf hin, dass sowohl singularia tantum als auch pluralia tantum häufig dieselben Bedeutungen haben, und legt eine gemeinsame Klassifikation vor, die beide Arten von Substantiven umfasst (Valeckienė 1998: 218–219).
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Page 4… unteilbare (nicht zählbare) Dinge bezeichnen; Substantive, die teilbare (zählbare) Dinge bezeichnen, sind hingegen keine Singularia tantum mehr. Die Erläuterung in den Kalbos patarimai wäre demnach offenbar überflüssig. Wird ihr keine Bedeutung beigemessen, die hier lediglich nicht zu ermitteln versucht wurde, lässt sich die dort formulierte Norm wie folgt zusammenfassen: Der Plural von Singularia tantum unter den abstrakten Substantiven ist in der Standardsprache nicht empfehlenswert; ausgenommen sind Fälle, in denen die große Menge hervorgehoben oder die Bedeutung des Substantivs konkretisiert wird.
In einigen Handbüchern zur Sprachkultur wird die Ausnahme der Bedeutungspräzisierung nicht erwähnt; für die offiziellen Sprachstile wird empfohlen, keine Pluralformen von Singularia tantum, darunter auch abstrakte Substantive, zu verwenden. So heißt es in Jono Šukys’ Buch Kalbos kultūra visiems: „In den offiziellen Sprachstilen ist der Plural von Singularia tantum nicht zu verwenden, insbesondere wenn die Substantive abstrakt sind und Unteilbares bezeichnen“ (Šukys 2003: 105). In Aldonos Paulauskienės Lietuvių kalbos kultūroje wird hingegen angegeben, dass der Plural von Singularia tantum im neutralen Stil nicht angemessen ist (Paulauskienė 2004a: 152).
In der maßgeblichen Beschreibung der morphologischen Formen des heutigen Litauischen, der Dabartinės lietuvių kalbos gramatikoje (DLKG), wird die Ausnahme der Bedeutungspräzisierung vorgesehen: „Manchmal werden abstrakte Substantive konkretisiert und bezeichnen dann nicht mehr nur verallgemeinerte Handlungen, Zustände und Eigenschaften, sondern auch konkrete Erscheinungsformen dieser Handlungen, Zustände und Eigenschaften. Das abstrakte Substantiv, das ein Singularetantum ist, kann dann auch in der Pluralform verwendet werden, vgl.: džiaugsmas – džiaugsmai, rūpestis – rūpesčiai, skausmas – skausmai“ (DLKG 1997: 62). Aus den Formulierungen der DLKG geht jedoch hervor, dass der Grad der Konkretisierung unterschiedlich sein kann: Ein Substantiv kann nicht nur eine neue Bedeutung erhalten, sondern auch eine Bedeutungsnuance annehmen (DLKG 1997: 66). Ausdrücklich wird nur die Zulässigkeit des Plurals bei „konkretisierten“ Substantiven genannt; die Erläuterung der „Konkretisierung“ lässt jedoch darauf schließen, dass auch Fälle geringerer Bedeutungsänderung unter diesen Ausdruck fallen könnten. Die DLKG enthält keine klare Aussage dazu, ob der Plural nur bei Wörtern verwendet werden darf, die sich in ihrem Konkretisierungsgrad geringfügig vom Abstrakten unterscheiden. Doch selbst eine solche Aussage würde die Norm nicht vollständig klar machen, denn weder in der DLKG noch in anderen normativen Veröffentlichungen gibt es Listen abstrakter und konkreter Substantive, geschweige denn solcher, die lediglich einen bestimmten Konkretisierungsgrad erreicht haben. Weder der Abstraktheitsgrad einer Bedeutung noch die unterschiedlichen Grade ihrer Konkretisierung sind in Wörterbüchern gekennzeichnet. Unter diesen Umständen bleibt es dem Sprachgebrauch überlassen, zu entscheiden, wie viel Konkretheit einem abstrakten Substantiv zugeschrieben wird. Aber selbst wenn …
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Page 5Unabhängig davon, wie häufig sie auftreten, kann der Pluralgebrauch von Substantiven, die auch nur den geringsten Anflug von Konkretheit erhalten haben, nicht als Normverstoß gelten, wenn lediglich die äußersten Normgrenzen und die Grenzen des Fehlers angegeben werden.
Natürlich ist es nicht einfach, den Grad der Bedeutungsvergegenständlichung zu bestimmen. R. Miliūnaitė, die darauf hingewiesen hat, betrachtet den Gegensatz von Konkretheit und Abstraktheit als einen jener Gegensätze, die es erschweren, eine klarere Grenze zwischen normgerechten und nicht normgerechten Sprachphänomenen zu ziehen, und als einen der Gründe dafür, nicht nur zwischen für die Standardsprache empfehlenswerten und nicht empfehlenswerten, sondern auch zwischen intermediären Fällen zu unterscheiden (Miliūnaitė 2003a, b). Kalbos patarimuose wird ein System intermediärer Fälle tatsächlich angewandt: Neben empfehlenswerten und nicht empfehlenswerten Fällen werden auch zu vermeidende Fälle und nachrangige Normvarianten unterschieden. Bei der Bewertung des Numerus abstrakter Substantive werden jedoch nur die äußersten Grenzen gezogen, das heißt, der Plural eines rein singularischen abstrakten Substantivs gilt als Fehler, der eines konkretisierten als normgerecht. Demnach wird die Möglichkeit, intermediäre Fälle zu wählen, weder ausgeschlossen noch anerkannt.
In der vor fast drei Jahrzehnten erschienenen normativen Arbeit Gramatikos normos ir dabartinė vartosena wurde neben dem Kriterium der Bedeutungsvergegenständlichung noch ein weiteres aufgestellt: inwieweit der Pluralgebrauch eines Substantivs für das Litauische charakteristisch ist (Paulauskienė, Tarvydaitė 1986). So wurde etwa die Empfehlungswürdigkeit des pädagogischen Fachbegriffs mokėjimai und der damals im Journalismus verbreiteten Form medžiagų2 angezweifelt, weil darin unmittelbare Lehnübersetzungen aus dem Russischen gesehen wurden; dem Gebrauch von pajėgumams in konkretisierter Bedeutung wurde hingegen zugestimmt (Paulauskienė, Tarvydaitė 1986: 76–77). In später erschienenen Arbeiten der Mitautorin dieses Werks wurden dann auch pajėgumai, apimtys als Lehnübersetzungen bezeichnet (Paulauskienė 2004a: 152; 2004b: 304). Zwei Jahrzehnte nach Erscheinen des Werks stellte Ramunė Kasperavičienė in einem Artikel bereits nicht nur einen Einfluss des Russischen, sondern auch des Englischen fest (Kasperavičienė 2006: 217). Auf diesen stützt sich die im Konsultationsportal der Staatlichen Litauischen Sprachkommission begründete Korrektur des Abstraktums pardavimai: Diese Form sei unter dem Einfluss des Englischen entstanden, genauer gesagt durch engl. sales (siehe http://www.vlkk.lt/lit/2331).
In den normativen Publikationen zur litauischen Sprache werden außer der Bedeutungsvergegenständlichung und stilistischen Erwägungen keine weiteren Gründe dafür vorgesehen, den Plural singularischer abstrakter Substantive zu rechtfertigen. In morphologischen Beschreibungen wird beim Erörtern singularischer Substantive anderer Untergruppen beiläufig der eine oder andere Beweggrund erwähnt. Ihr Plural wird als Ausdruck eines Zustands beschrieben,
2 Der heutige Sprachgebrauch lässt darauf schließen, dass der Begriff medžiagos, mit dem vor zweieinhalb Jahrzehnten Artikel, Nachrichten und Reportagen zusammenfassend bezeichnet wurden, zumindest aus der öffentlichen Sprache verschwunden ist.
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Page 6būdingą ne vienam kartui, rodanti būsenos tęstinumą (Paulauskienė 1989: 166; 2004b: 305). A. Paulauskienės Lietuvių kalbos kultūroje atskirai minimi du atvejai, kai daugiskaitos forma pavartota dėl šalia einančių žodžių, nurodančių daugiau nei vieną objektą: Jis išgelbėjo ne vieno žmogaus gyvybes; Iki rugpjūčio pradžios reikia baigti mokyklų remontus (Paulauskienė 2004a: 152). Tokia daugiskaita laikoma neteiktina, bet šie atvejai išsamiau nenagrinėjami. Tvirtai laikantis nuostatos, kad vienaskaitiniai abstraktieji daiktavardžiai skaičiais nekaitomi, kad jų daugiskaita yra ne kait ymo, o leksinės reikšmės skirtumo požymis, pabrėžiama visuose autorės vienos ar su bendraautorėmis rašytuose darbuose (Paulauskienė 1983, 1989, 1994, 2004a, 2004b, 2006; Jakaitienė ir kt. 1976; Paulauskienė, Tarvydaitė 1986), šie atvejai įvardijami kaip paprasčiausias neapdairumas rašant, praleidimas redaguojant tekstą; vis dėlto tenka pridurti, kad kartais ir gyvybes, ir remontus žmonės suskaičiuoja (Paulauskienė 2004a: 152).
Weitere Beweggründe für den Gebrauch des Plurals abstrakter Substantive werden in zwei in den vergangenen Jahren erschienenen Artikeln über Numerustendenzen genannt. R. Kasperavičienė bringt den Plural einiger Substantive (džiaugsmai, verksmai) mit dem Bedürfnis in Verbindung, Intensität auszudrücken; den Plural anderer (gripai, skausmai, lietūs, darganos, sniegai) versteht sie als Ausdruck der Wiederholung (Kasperavičienė 2006: 218–219). Das Bedürfnis, Wiederholung hervorzuheben, wird zwar nicht ausführlicher als ein den Plural begünstigender Faktor untersucht; dass jedoch ausschließlich Beispiele aus der schönen Literatur angeführt werden, deutet darauf hin, dass ein solcher Plural als künstlerisches Ausdrucksmittel gilt. Das Bedürfnis, Wiederholung bei Abstrakta hervorzuheben, genauer gesagt bei Substantiven mit dem Suffix -imas (-ymas), wird im Artikel von Rasuolė Vladarskienė (2008) unmittelbar thematisiert. Die Empfehlungswürdigkeit eines solchen Plurals wird zwar angezweifelt, doch der Gebrauch von Substantiven in der Pluralform, die etwas Abstraktes bezeichnen, das unterteilt werden kann, verschiedene Arten umfasst oder zählbar ist, wird nicht für unmöglich gehalten. Anders als in den erwähnten morphologischen Beschreibungen stammen die Beispiele in diesem Artikel nicht aus der schönen Literatur, sondern aus dem offiziellen Sachstil. Insgesamt zeigt die Autorin des Artikels, dass der Plural von Substantiven, die früher als abstrakt galten, im heutigen Litauischen keine Einzelfälle mehr darstellt; sein Gebrauch wird als Tendenz bezeichnet (Vladarskienė 2008: 125).
Diese aktuelle Tendenz soll hier anhand des Sprachgebrauchs im Wirtschaftsbereich untersucht werden. Die Analyse konzentriert sich auf Faktoren, die den Gebrauch von als abstrakt geltenden Substantiven in der Pluralform fördern oder begünstigen.
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Page 72. GEBRAUCHSMERKMALE UND EINFLUSSFAKTOREN
2.1. Der Plural typischer Abstrakta
Als wohl typischste Abstrakta gelten üblicherweise von Verben mit dem Suffix -imas gebildete Ableitungen. Die DLKG räumt ein, dass dieses Suffix unter den zur Bildung von Abstrakta verwendeten Affixen am produktivsten ist und dass seine Ableitungen in einer sehr klaren und reinen Bedeutung als Bezeichnungen von Handlungen verwendet werden (DLKG 1997: 94)3. Das Suffix -ymas, das als Variante desselben Abstraktbildungsmusters gilt, wird als weniger produktiv angesehen (DLKG 1997: 95). Die große Zahl von Substantiven mit diesen Suffixen wurde zumindest in der Amtssprache bereits vor fast zwanzig Jahren festgestellt (Oginskienė 1994). Sie wurde mit dem Einfluss fremder Sprachen in Verbindung gebracht; als nicht minder wichtiger Grund für die Verbreitung solcher Substantive ist jedoch auch die Produktivität dieses Wortbildungstyps anzusehen.
Dennoch bedeutet die Tatsache, dass ein Wort das typischste Abstraktsuffix aufweist, noch nicht, dass es ein Abstraktum ist. Einige Ableitungen mit dem Suffix -imas (-ymas) sind vollständig konkretisiert, d. h. sie haben semantische Veränderungen erfahren4. Ein Teil von ihnen wird in der Bedeutung einer Veranstaltung, genauer gesagt einer bestimmten Zusammenkunft, verwendet. In Wirtschaftsberichten kommen Substantive mit dieser Bedeutung am häufigsten vor: Gedenken, Beratung, Versammlung, Treffen, Kongress, Erörterung, z. B.: Der Gouverneursrat tagt gewöhnlich zweimal jährlich – während der Frühjahrs- und Jahrestagungen der Gruppe der IWF und der Weltbank Treffen (LBMA 2012 05: 68); Bei diesen Treffen legte sie auch die Fragen fest, die in die Tagesordnung der Sitzungen der Arbeitsgruppe für sozialen Dialog des ESZB aufzunehmen waren SitzungenTagesordnung (MA 2011: 206); Darüber hinaus fanden Beratungen zwischen Fachleuten der EZB und Mitgliedern des Europäischen Parlaments Beratungen zu verschiedenen in die Zuständigkeit der EZB fallenden Fragen (MA 2008: 184).
Auch vollständig konkretisierte Ableitungen mit dem Suffix -imas (-ymas), die schriftliche Texte bezeichnen, sind im untersuchten Sprachgebrauch geläufig. Dabei handelt es sich vor allem um Dokumentenbezeichnungen: įsakymas, įstatymas, nurodymas, nutarimas, pažymėjimas, pranešimas, sprendimas usw. Soll angegeben werden, dass es mehr als ein Dokument gibt, wird die Pluralform verwendet, zum Beispiel: Die erforderlichen įstatymai, damit das dänische Einlagensicherungssystem das Verbot der monetären Finanzierung einhält (MA 2011: 118); Der EZB-Rat wies unter anderem auf
3Angesichts der Produktivität dieses Wortbildungstyps und der Nähe von Handlungsbezeichnungen (nomina actionis) zur Verbform wird sogar vorgeschlagen, solchen Ableitungen in der grammatischen Beschreibung einen besonderen Platz einzuräumen (Pakerys 2006).
4Die regelmäßigen semantischen Veränderungen bei verbalen Abstrakta und ihre Muster untersucht Zofija Babickienė (2012) eingehend.
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Page 8Erklärungen einiger Regierungen pareiškimus zu Maßnahmen und Reformen in den Bereichen der Fiskal- und Strukturpolitik (MA 2012: 15). Solche Substantive werden wie andere Substantive mit konkreter Bedeutung nach Zahl flektiert. Ihr Plural ist somit das Ergebnis der Numerusflexion und zugleich ein wesentlicher Anreiz für die Verbreitung des Plurals auch bei anderen Ableitungen mit dem Suffix -imas (-ymas).
Im Plural werden in der Wirtschaftssprache auch jene Substantive mit dem Suffix -imas (-ymas) verwendet, die sich allgemein als Wörter mit der Bedeutung eines Handlungsergebnisses oder -objekts beschreiben lassen. Im Satz Das Bankensystem jedes Landes konnte den Wert der gesendeten Zahlungen kompensieren, der mit den Nettoimporten von Waren und Dienstleistungen oder mit Einnahmen aus dem Erwerb von Vermögenswerten aus einem anderen Land des Euroraums zusammenhing (MA 2012: 35), wird das Substantiv mokėjimai in der Bedeutung des Handlungsobjekts verwendet; das Substantiv pervedimai hingegen, das im Satz Die Überweisungen der EU waren im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorquartal höher (LEA 2012 08: 12) vorkommt, ist eher mit dem Handlungsergebnis zu verbinden5. Unabhängig davon, in welcher dieser Bedeutungen solche Substantive verwendet werden, sind sie wesentlich konkreter als reine Abstrakta – Substantive mit der Bedeutung einer Handlungsbezeichnung. So entspräche mokėjimai hinsichtlich des Konkretisierungsgrades den durch Präfix- oder Suffigierung gebildeten Ableitungen mokesčiai, įmokos, o pervedimai der Ableitung perlaidos oder ähnlichen Wörtern. Aus der in der DLKG dargestellten Beschreibung der Substantivbildung geht hervor, dass es im Litauischen tatsächlich üblicher ist, Handlungsergebnisse oder -objekte nicht mit Ableitungen auf -imas (-ymas), sondern mit Wörtern anderer Suffix- oder Endungsbildungen zu benennen (DLKG 1997: 125–128).
Es wird vorgeschlagen, die Bedeutungen der Wortbildungstypen zu spezialisieren, d. h. Ableitungen mit dem Suffix -imas (-ymas) nur in der Bedeutung einer Handlungsbezeichnung zu verwenden und Handlungsergebnisse (sowie das System bestimmter Handlungen oder einen Tätigkeitsbereich) nicht mit Verbalabstrakta in der reinen Handlungsbedeutung, sondern mit Ableitungen anderer Suffixe (oder Präfix- bzw. Endungsbildungen) auszudrücken (Oginskienė 1994: 56). Leider lässt sich eine solche Empfehlung im untersuchten Sprachgebrauch nicht immer befolgen, da Ableitungen mit anderen Suffixen oder Präfixen gewöhnlich bereits „besetzt“ sind, d. h. im selben Bereich als Termini mit anderen Bedeutungen verwendet werden, während es wichtig ist, die Verbindung zum zugrunde liegenden handlungsbezeichnenden Verb zu bewahren. In der Wirtschaftssprache haben Ableitungen, die dieselbe Wurzel wie das Substantiv mokėjimas aufweisen, andere Bedeutungen angenommen: įmoka, mokestis. Vermutlich hat sich deshalb mokėjimai in der Bedeutung „gezahlte Beträge“ verbreitet.
5Bei der Unterscheidung semantischer Muster verbaler Abstrakta weist Z. Babickienė darauf hin, dass es in der litauischen Sprachwissenschaft üblich ist, der Gruppe der Handlungsergebnisse auch jene verbalen Abstrakta zuzuordnen, die man als Bezeichnungen von Handlungsobjekten bezeichnen könnte, und unterscheidet ein eigenes semantisches Modell nomina objectum (Babickienė 2012: 20).
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Page 9Bei Wörtern mit derselben Wortwurzel wie Abrechnungen, Verpflichtungen, Überweisungen werden in der Wirtschaftssprache keine entsprechenden Wörter verwendet; Ableitungen wären also möglich, doch das zugrunde liegende Verb ist selbst bereits eine Ableitung, weshalb es nicht einfach oder sogar überhaupt möglich ist, daraus weitere Ableitungen zu bilden. Dies ist offenbar ebenfalls ein Faktor, der die Verbreitung von Substantiven mit einem für Abstrakta typischen Suffix in der Bedeutung eines Handlungsobjekts oder -ergebnisses begünstigt. Natürlich könnte man diese Substantive nur bedingt als Abstrakta bezeichnen, da sie konkretisiert sind. Ihre Bedeutung unterscheidet sich von der reiner Abstrakta, und genau dieser Bedeutungsunterschied wird durch die Verwendung des Substantivs im Plural angezeigt. In diesen Fällen ist der Plural nicht das Ergebnis der Flexion der Substantive nach der Zahl, sondern der Bedeutungsdifferenzierung.
Eine beträchtliche Zahl von Substantiven dieser Gruppe hat im Sprachgebrauch den Status von Fachtermini erlangt. Solche Termini, meist als Bestandteile anderer Termini, wurden auch in Wörterbücher der Wirtschaftsterminologie aufgenommen. So finden sich etwa in einem der neuesten Werke dieser Art, D. W. Pearce’s Aiškinamajame ekonomikos anglų–lietuvių kalbų žodyne (AETŽ)6, folgende Einträge: mokėjimų balansas (AETŽ 2006: 205–207), tarptautinė mokėjimų sistema (AETŽ 2006: 154), pervedimų problema (AETŽ 2006: 628), neatidėliojamų atsiskaitymų rinka (AETŽ 2006: 588), būsimųjų atsiskaitymų sandoris, būsimųjų atsiskaitymų sandorių rinka (AETŽ 2006: 251), įsipareigojimai (AETŽ 2006: 362), einamieji įsipareigojimai (AETŽ 2006: 148), įdarbinimai (AETŽ 2006: 195), importo apribojimai (AETŽ 2006: 290), racionalieji vėlavimai (AETŽ 2006: 532) u. a. Noch mehr pluralische Fachtermini werden in diesem Wörterbuch bei der Erläuterung von Begriffen verwendet. Sie finden sich auch in der Terminologiedatenbank der Republik Litauen, die von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache verwaltet wird: atsiskaitymų rizika; atsiskaitymų sąskaita; atsiskaitymų tarpininkas; einamieji pervedimai; ekonominiai svyravimai; įsipareigojimai investuotojui; mokėjimų balansas; naudojimasis valstybės biudžeto, apskaitos ir mokėjimų sistema; trumpalaikiai įsipareigojimai; valstybės biudžeto, apskaitos ir mokėjimų sistema; veiklos segmento įsipareigojimai u. a. (LRTB 2012).
Der tatsächliche Sprachgebrauch bestätigt, dass Substantive mit dem Suffix -imas (–ymas) im Plural nicht nur in terminologischen Wörterbüchern vorkommen. Pervedimai,
6 Die Wirtschaft ist einer der Bereiche, dessen Terminologie einem der größten Umbrüche unterlag. In Litauen gab es 50 Jahre lang keine freie Marktwirtschaft und keine entsprechende Terminologie. Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit strömten englische Fachbegriffe ins Land. Man versuchte, mit diesem Zustrom umzugehen, indem man englische terminologische Wörterbücher übersetzte; da es jedoch keine Tradition im Gebrauch von Fachtermini gab, wurden nicht immer die treffendsten litauischen Entsprechungen gewählt – weder in fachlicher noch in sprachlicher Hinsicht. Dieses Übersetzungswörterbuch zeichnet sich dadurch aus, dass die meisten darin enthaltenen Fachtermini auf ihren Gebrauch geprüft und von Sprachexperten bewertet wurden; an der Erstellung des Wörterbuchs wirkte die Abteilung für Terminologie des Instituts für litauische Sprache mit.
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Page 10Laufende Überweisungen, Kapitaltransfers, Überweisungen von Migranten sind wohl die zentralen Begriffe der Zahlungsbilanz der Republik Litauen – eines statistischen Berichts, der alle externen Transaktionen zusammenfasst, an denen der Staat in einem bestimmten Zeitraum beteiligt ist. Die Bezeichnung dieses Berichts zeigt, dass auch mokėjimai den Status eines Fachterminus hat. Da staatliche Transaktionen untrennbar mit anderen wirtschaftlichen Prozessen verbunden sind, zählen solche Fachtermini auch zu den wichtigsten Begriffen in jeder Wirtschaftsübersicht. Sie werden in mehr oder weniger konkretisierter Bedeutung verwendet, zum Beispiel: Laufende Überweisungen bestehen im Wesentlichen aus nicht investiven Zahlungen aus EU-Fonds und Überweisungen von Emigranten; sie verbessern somit die Leistungsbilanz deutlich (LEA 2011 11: 10); Am stärksten stiegen die Ausgaben durch die im Jahresverlauf um ein Drittel gewachsenen laufenden Überweisungen und Kapitaltransfers, durch um ein Zehntel höhere Zinszahlungen sowie durch eine um knapp 2 Prozent gestiegene Vergütung der Beschäftigten (Pranešimas 2012 05: 20).
Fast keine Wirtschaftsübersicht kommt ohne Abrechnungen, Verpflichtungen, Verkäufe, Schwankungen aus, zum Beispiel: Durch die Anwendung des PvP-Mechanismus beseitigt das CLS-System im Wesentlichen das Hauptrisiko im Zusammenhang mit der Abwicklung von Devisengeschäften (MA 2011: 149); Der Entzug der Lizenz der AB bankas SNORAS kann das Kreditwachstum in Litauen ebenfalls verringern, da die Kreditverpflichtungen dieser Bank 2007–2011 3–4 Prozent aller Kreditverpflichtungen des Bankensystems ausmachten (Pranešimas 2011 12: 16); Mit zunehmenden Aufträgen und Verkäufen sowohl auf dem Inlands- als auch auf den Auslandsmärkten bleibt die Auslastung der vorhandenen Produktions-kapazitäten weiterhin hoch (LEA 2012 08: 21). Dass bestimmte formal gebildete Wörter sich als Fachtermini durchsetzen und in Wörterbüchern normiert werden, fördert natürlich die Bildung weiterer solcher Fachtermini.
Vor diesem Hintergrund ist leicht zu verstehen, warum die Korrektur des Substantivs pardavimai so wirkungslos ist (siehe Paulauskienė, Tarvydaitė 1986: 75; KP1 2002: 20; Šukys 2003: 105; Kasperavičienė 2006: 218). Der Sprachgebrauch passt dieses Substantiv nach dem Analogieverfahren lediglich dem Gesamtsystem an, zumal im Gesetz über das öffentliche Beschaffungswesen der Republik Litauen das antonymische Substantiv pirkimai7 als Fachterminus zugelassen ist und auch ein Amt für öffentliches Beschaffungswesen besteht. Der Fachterminus viešieji pirkimai wurde in Rūta Vainienė’s Ekonomikos terminų žodyną aufgenommen (Vainienė 2005: 287). In das erwähnte AETŽ wurden dagegen auch pardavimai als Bestandteil der Fachtermini pardavimų mokestis, pardavimų maksimizavimo hipotezė aufgenommen (AETŽ 2006: 557). Aus den in diesem Wörterbuch enthaltenen
7 1999 versuchte man, den Titel dieses Gesetzes in „Gesetz der Republik Litauen über die öffentliche Beschaffung“ zu ändern; in späteren Fassungen kehrte man jedoch wieder zum Plural pirkimai zurück.
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Page 11Aus der Erläuterung des Begriffs Werbe- und Umsatzverhältnis („Verhältnis der Werbeausgaben eines Unternehmens zu seinen gesamten Umsatzerlösen“) geht hervor, dass dem Substantiv Umsätze die Bedeutung „Umsatzerlöse“ zugewiesen wird (AETŽ 2006: 24). Auch die meisten anderen Substantive mit dem Suffix -imas (-ymas), deren Pluralform sich etabliert hat, werden im Sprachgebrauch gerade mit einem bestimmten Geldbetrag (überwiesenen, gezahlten o. Ä.) in Verbindung gebracht, z. B.: 2010 erhielt die EZB im Namen der EU vier Zahlungen und überwies diese Beträge an die Kreditnehmerländer (MA 2011: 122); Höhere Steuern und niedrigere Transfers des öffentlichen Sektors verringern das verfügbare Einkommen der Haushalte und Unternehmen (MA 2011: 74). Folglich fügt sich das Substantiv Umsätze sowohl seiner Bedeutung als auch seiner Funktion nach in eine ganze Terminologiegruppe ein.
Allerdings werden bei seiner Korrektur Beispiele angeführt (Eine Firma bietet eine Stelle im Software-Vertrieb (=Vertriebs-)Manager (KP1 2002: 20); Einer der größten Hersteller von Kunststofffenstern bietet in Vilnius eine Stelle als Vertriebs (=Vertriebs-)Manager (Kasperavičienė 2006: 218) deuten darauf hin, dass man dazu neigt, ein Substantiv zu korrigieren, das in der Bedeutung einer reinen Tätigkeitsbezeichnung verwendet wird. In den angeführten Beispielen hängt der Plural jedoch eher mit der Wiederholung der Handlung als mit der Tätigkeitsbezeichnung selbst zusammen. Diese Doppeldeutigkeit des Substantivplurals entspricht ebenfalls den Tendenzen beim Gebrauch anderer Substantive mit dem Suffix -imas (-ymas) in der Wirtschaftssprache. Denn Überweisungen, Abrechnungen, Zah-lungen beziehen sich ebenfalls nicht immer ausschließlich auf einen Geldbetrag. Häufig bezeichnen sie eine wiederholte Handlung, genauer gesagt eine Transaktion, oder mehrere gleichartige Handlungen, z. B.: T2S wird es ermöglichen, auszuführen, sowohl inländische als auch grenzüberschreitende Abrechnungen in Euro (LBMA 2008: 74); Das Eurosystem wendet klar definierte Grundsätze der Überwachungspolitik auf alle Großbetragszahlungssysteme an, die Abrechnungen durchführen in Euro (MA 2010: 142); Dort wurden weiterhin ausgeführt viele Zahlungen in Euro (MA 2011: 102); Zweitens, führte De Nederlandsche Bank durch Voraus- zahlungen, die mit dem dänischen Einlagensicherungssystem zusammenhingen (MA 2011: 118).
Im Sprachgebrauch zeigt sich der Versuch, unterschiedliche lexikalische Bedeutungen durch die Verwendung verschiedener Wortverbindungen zu differenzieren: Vor allem Zahlungen (189,5 Tsd.) wurden ausgeführt, und die größte Zahlungssumme (1,5 Mrd. Lt) wurde am 30. Dezember überwiesen (LBMA 2011: 69); 2009 wurden in Litauen 217,2 Mio. Zahlungs bargeldlose Transaktionen, davon 210,9 Mio. inländische (97%) und 6,3 Mio. grenzüberschreitende Zahlungen (3%). Der Wert dieser Zahlungstransaktionen belief sich auf 1 456 Mrd. Litas, davon der Wert der inländischen Zahlungen – 1 320 Mrd. Litas (91%), grenzüberschreitender Zahlungen – 136 Mrd. Litas (9%). Im Jahresvergleich gegenüber 2008 nahm die Zahl aller Zahlungs bargeldlosen Transaktionen um 3,5 Prozent zu; davon entfielen 3,5 Prozent auf inländische und 5,8 Prozent auf grenzüberschreitende Zahlungen. Der Gesamtwert aller bargeldlosen Zahlungstransaktionen
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Page 12Wert sank um 22,2 Prozent, davon der Wert inländischer Zahlungen um 20,3 und der grenzüberschreitender Zahlungen um 36,4 Prozent (LBMA 2012: 69). Längere Konstruktionen sind jedoch für eine Sprache, die auf ökonomische Ausdrucksweise ausgerichtet ist, unhandlich; bei einer ausführlichen Analyse wirtschaftlicher Phänomene müsste man sie häufig wiederholen, und der Text würde zudem stilistisch unbeholfen wirken. Dies dürfte ebenfalls dazu führen, dass man für beide Bedeutungen zunehmend ein und dasselbe Substantiv verwendet. Andererseits ist es oft nicht unbedingt wichtig, den Bedeutungsunterschied kenntlich zu machen, da der Kontext ihn erkennen lässt.
Andere besonders typische Abstrakta – Substantive mit dem Suffix -umas – kommen in Wirtschaftsberichten seltener vor, doch auch ihr Gebrauch zeigt ähnliche Regelmäßigkeiten. Bei der Erörterung der kodifizierten Norm wurde erwähnt, dass das im Plural gebrauchte Substantiv Kapazitäten hinsichtlich der Sprachnorm unterschiedlich bewertet wurde, aber in das Wörterbuch der litauischen Sprache (LKŽ) aufgenommen ist. Als Bestandteil von Termini wie Kapazitätsmodell, Kapazitätsauslastung (AETŽ 2006: 83) und Überkapazitäten, Theorie der Überkapazitäten wurde dieser Terminus auch in das AETŽ aufgenommen, was bereits die Voraussetzungen für den Gebrauch weiterer Termini mit diesem Suffix schafft. In Wirtschaftsberichten ist der Terminus Produktionskapazitäten recht verbreitet, z. B.: Diese Branche plant den weiteren Ausbau der Produktion und verfügt über freie Produktionskapazitäten, die eine rasche Produktionssteigerung ermöglichen (LEA 2011 11: 8); Seit einiger Zeit deutet der steigende Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten auf einen Investitionsbedarf im privaten Sektor hin. Vom zweiten Quartal 2009 bis zum ersten Quartal 2011 stieg die Auslastung der Produktionskapazitäten in Industrieunternehmen von 60 auf 69 Prozent (FSA 2011: 7).
Auch Ungleichgewichte neigen dazu, den Status eines Fachbegriffs zu erlangen, z. B.: Die Schuldenkrise der Eurozone ist eine Folge der über lange Zeit zunehmenden wirtschaftlichen und finanziellen Ungleichge-wichte in der Wirtschaft der Eurozone und der Welt (FSA 2012: 18); Deshalb wurde die estnische Wirtschaft erheblich angepasst, was dazu beitrug, bestimmte externe und interne Ungleichgewichte, die in den Jahren des raschen Wachstums entstanden waren (MA 2011: 126). In diesen Fällen könnte man den Gebrauch des Plurals vielleicht als kontextbedingt ansehen. In anderen Fällen gibt es jedoch keinen solchen Kontexteinfluss, und das Substantiv Ungleichgewichte wird dennoch verwendet, z. B.: In den Dokumenten der EZB, in denen die Wirtschaft von Ländern außerhalb der Eurozone analysiert wird, gibt es keine konkreten Empfehlungen für die Mitgliedstaaten zur Prävention makroökonomischer Ungleichgewichte und Überwachung (LBMA 2012: 67).
Im Englischen ist das Substantiv imbalances nach Zahl flektierbar; fraglich ist jedoch, ob dies der Hauptfaktor ist, der die Form seines litauischen Äquivalents bestimmt. Das Englische dürfte lediglich den Anstoß zur Bildung eines litauischen Äquivalents geben, dessen Form
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Page 13bestimmen innersprachliche Tendenzen: die Anwendung des Analogieprinzips, die Neigung von Abstrakta, durch die Annahme der Pluralform konkreter zu werden, die Möglichkeit, mit dieser Form einen Unterschied in der lexikalischen Bedeutung zu markieren usw. Dass die englische Sprache wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Numerusform des litauischen Äquivalents hat, zeigt auch der Gebrauch des etymologisch verwandten Substantivs disbalansas: Im Englischen wird disbalance nach Numerus flektiert (vgl. disbalances), das litauische Äquivalent hingegen wird zumindest in Wirtschaftsberichten nicht im Plural verwendet.
In anderen Fällen hat sich ein mit dem Suffix -heit gebildetes Substantiv bereits als Terminus in der Singularform etabliert (und wurde in Wörterbücher aufgenommen), wird jedoch auch im Plural verwendet, z. B.: Der 2011 anhand der Renditen litauischer und deutscher Staatsanleihen ausgedrückte Unterschied zwischen den langfristigen Zinssätzen für Litas und EuroErträge, gemessen an diesem Unterschied, erhöhte sich im zweiten Halbjahr, als sich die Schuldenkrise einiger Staaten der Eurozone verschärfte. Der Unterschied zwischen den Erträgen litauischer und deutscher Staatsanleihen mit Fälligkeit 2016 war 2011 um 211 Basispunkte auf 4,67 Prozent gestiegen (MA 2011: 34). In diesem Fall könnte man den Plural als kontextbedingt ansehen, dahinter verbergen sich jedoch auch regelmäßigere Faktoren. Diese werden durch die Tendenzen beim Gebrauch der Zahl in einer anderen Gruppe von Substantiven deutlicher sichtbar.
2.2. Der Plural als Ergebnis der Bedeutungspräzisierung
Eines der Substantive mit abstrakter Bedeutung, dessen Pluralform wohl am häufigsten beanstandet wird, ist apimtis (Šukys 2003: 105; Paulauskienė 2004a: 152; 2004b: 304; Kasperavičienė 2006: 218). Als Substantiv mit abstrakter Bedeutung ließe es sich jedoch nur aufgrund der in litauischen Wörterbüchern angegebenen Bedeutungen einstufen: 1) Größe, Weite; 2) Umfang, Ausmaß (LKŽ 2012; DLKŽ 2012). Im fachsprachlichen Gebrauch wird die Bedeutung dieses Substantivs erheblich konkretisiert. Andererseits sehen auch die Wörterbücher eine Konkretisierungsmöglichkeit vor: Als eine der Bedeutungen des Wortes apimtis wird dort „Größe“ angegeben, und eine der Bedeutungen des Substantivs ydis lautet „das, was man messen oder zählen kann“ (LKŽ 2012; DLKŽ 2012)8. In der Wirtschaftssprache ist die Bedeutung des Wortes apimtis häufig konkreter. So geht es im Satz Dies wurde durch positive, aber rückläufige Emissionsvolumina von Schuldverschreibungen und Aktien ausgeglichenskolos vertybinių popierių ir akcijų išleidimo apimtys (MA 2012: 47) nicht
8 Bei Substantiven, die bestimmte Maße bezeichnen, ist anzumerken, dass die mit ihnen verbundenen Zahlen zwar die Bedeutung dieser Substantive konkretisieren, sie aber nicht zwangsläufig zählbar machen (d. h. nach Numerus flektierbar), vgl. wir sagen nicht: ihre Gewichte unterscheiden sich um ein halbes Kilogramm. Der Plural solcher Substantive wäre nur dann gerechtfertigt, wenn nachgewiesen würde, dass er lexikalisiert ist, d. h. eine besondere lexikalische Bedeutung angenommen hat, oder dass das Substantiv zählbar geworden ist (vgl. eine Größe, zwei Größen). – Anm. d. Red.
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Page 14apskritai apie apimtį, o apie du skirtingus dydžius – vertybinių popierių išleidimo apimtį ir akcijų išleidimo apimtį; vienaskaita nurodytų bendrą vertybinių popierių ir akcijų išleidimą arba bendrą to išleidimo apimtį, vadinasi, būtų netiksli. O tikslumas yra oficialiojo dalykinio stiliaus tekstų būdingoji ypatybė. Tačiau dar labiau daiktavardžio apimtis reikšmę nagrinėjamoje vartosenoje konkretina tai, kad šis žodis paprastai siejamas su tam tikru skaičiumi, pvz.: Pirmąjį pusmetį ITRO, papildomų ITRO ir specialaus termino refinansavimo operacijoms, kurių terminas nebuvo pasibaigęs, suteikto likvidumo apimtis nuosekliai mažėjo – nuo 617 mlrd. eurų iki 309 mlrd. eurų (MA 2010: 98); Staiga sumažėjo pasaulio ekonominis aktyvumas ir gamybos apimtis krito 1,2% (2008 m. ketvirtąjį ketvirtį) ir 1,4% (2009 m. pirmąjį ketvirtį) (MA 2010: 98). Tokia ne visiškai tiesioginė sąsaja matyti ir iš pateikto pavyzdžio: jame pavartotas būdvardis teigiamas ekonomikos kalboje paprastai rodo didesnį už nulį, pliuso ženklą turintį skaičių. Sakinyje Bankai suteikė 1,4 mlrd. litų naujų paskolų ir sumažino atidėjinius 0,2 mlrd. litų, tačiau grįžtančių paskolų apimtis buvo didesnė, todėl bendras paskolų portfelio prieaugis tebebuvo neigiamas (Pranešimas 2011 05: 50) tokią netiesioginę sąsają su rodikliu rodo būdvardis didesnė.
Su konkrečiais skaičiais ekonomikos kalboje siejama ir daug panašių tam tikrus metus žyminčių daiktavardžių, pavyzdžiui, dydis, kiekis, lygis, kursas, norma, vertė, tempas: Euro realusis efektyvusis kursas, skaičiuojamas taikant VKI, 2011 m. buvo vidutiniškai šiek tiek žemesnis negu prieš metus (MA 2012: 25); Nedarbo lygis buvo 14,8 procento (antrąjį ketvirtį – 15,6%), trečią ketvirtį iš eilės jis buvo mažesnis nei prieš metus (Pranešimas 2011 12: 11); 2009 m. pirmąjį pusmetį gyvenamosios paskirties turto kainų metinis didėjimo tempas visoje euro zonoje sumažėjo iki maždaug 2,4% (2008 m. pirmąjį pusmetį buvo 2,8%, antrąjį pusmetį – 0,8%) (MA 2012: 61). Tokie daiktavardžiai ekonomikos kalboje taip sukonkretėja, kad tampa kaitomi skaičiumi, kaip ir kiti konkrečios reikšmės daiktavardžiai, pvz.: Atsižvelgdama į šiuos pažeidimus ir veiklos negeroves, Lietuvos banko valdyba AB bankui SNO-RAS taikė įvairias poveikio priemones, jam nustatydavo banko veiklą ribojančių normatyvų dydžius ir reikalavo mažinti banko veiklos riziką (LBMA 2012: 40); Euro realieji efektyvieji kursai, pagrįsti įvairiais sąnaudų ir kainų skaičiavimais, 2011 m. pirmąjį pusmetį pakilo, o vėliau nusmuko iki 2010 m. pabaigoje vyravusių lygių; Šių dviejų nacionalinių centrinių bankų pinigų palančių normos 2010 m. vasario mėn. buvo didžiausios ES – atitinkamai 5,75 ir 7% (MA 2010: 93); Ketvirtiniai prekių ir paslaugų importo duomenys
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Page 15gewichtet anhand der in der Eurostat-Datenbank „ComExt“ angegebenen Werte (LEA 2012 05: 15); Die Unterschiede bei den Wachstums-raten der verschiedenen Komponenten von P3 wurden durch niedrige Zinssätze und die stetig abnehmenden Zinsunterschiede bei verschiedenen Geldanlagen verursacht (MA 2010: 32).
In der Wirtschaftssprache ist die ausgeprägte Neigung, solche Substantive mit konkreten Zahlen zu verbinden, einer der wichtigsten Faktoren für die Konkretisierung ihrer Bedeutung und damit für den Gebrauch der Pluralform. Dazu trägt auch die Konkretisierung der Bedeutung bei, die sich aus der für spezialisierte Sprachgebrauchsbereiche typischen Einteilung von Erscheinungen, Prozessen und Objekten in Arten und der Benennung der so unterschiedenen Arten mit eigenen Termini ergibt. Daher finden sich Sätze wie Die Arbeitslosigkeit geht zurück; die während des Abschwungs stark gestiegenen Langzeit- und Jugendarbeitslosenquoten (LEA 2011 11: 3); Die Banken begannen, aktiver Kredite zu vergeben; der in den Vorjahren rasche Rückgang der Bankaktiva und Kreditvoluminaverlangsamte sich (LBMA 2011: 8). In diesen Fällen ist es wichtig, zwei Arten von Arbeitslosenquoten anzugeben – die Quote der Langzeitarbeitslosigkeit und die Jugendarbeitslosenquote – sowie zwei Volumina: das Volumen der Bankaktiva und das Kreditvolumen. Die Verwendung dieser separaten Termini ist unwirtschaftlich und stilistisch unschön; der Singular wäre mehrdeutig, weshalb die Pluralformen der Wörter Quote, Volumen gewählt werden. Übrigens beeinflussen solche Gesetzmäßigkeiten auch die Numerusform anderer Substantive, die für die Wirtschaftssprache (und nicht nur für sie) charakteristisch sind, zum Beispiel: Die Probleme dieser Region sind nicht einheitlich: Es geht nicht nur um die hohe Verschuldung des öffentlichen und privaten Sektors, sondern auch um die Probleme des Bankensektors, des Wirtschaftswachstums und der politischen Krisen (LEA 2012 08: 5); Die Investitionen wurden nur durch die Ausgaben des öffentlichen und privaten Sektorsfür den Nichtwohnungsbau erhöht (Pranešimas 2011 12: 10); Auf Gipfeltreffen der Eurozone werden Vorschläge für Banken-, Fiskal- und politische Unionender Region erörtert (LEA 2012: 08). Die Analyse einer weiteren Substantivgruppe dürfte die mit Klassifizierung und Einteilung verbundenen Besonderheiten des Numerusgebrauchs noch deutlicher aufzeigen.
2.3. Sortieren und Zählen
Internationale Wörter, die im Litauischen verwendet werden, legen nahe, nach Faktoren für den Gebrauch des für abstrakte Substantive untypischen Plurals zu suchen, etwa nach dem Einfluss fremder Sprachen. Da diese Wörter auch in anderen Sprachen gebraucht werden, könnten sie dort übliche Tendenzen zur Flexion nach Numerus übernommen haben; es ist jedoch fraglich, ob dies der einzige und wichtigste Faktor für die Neigung ist, sie im Litauischen im Plural zu verwenden.
In dem untersuchten Sprachgebrauch ist das internationale Substantiv Risiko weit verbreitet. Im Englischen, der vorherrschenden Sprache der Wirtschaftswissenschaften, in der die Wirtschaftstheorie hauptsächlich entwickelt wird, und der-
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Page 16Da dort vor allem Wirtschaftstheorie entwickelt wird, wird dieses Wort nach Numerus flektiert (vgl. risk, risks); der Gebrauch des Plurals des Substantivs Risiken legt jedoch die Annahme nahe, dass der ursprüngliche Anstoß nicht von den Tendenzen der englischen Sprache, sondern von der Einteilung von Erscheinungen, Prozessen, Eigenschaften und anderen abstrakten Dingen ausgeht. Eine solche Einteilung ist besonders typisch für Texte der ökonomischen Analyse und gelangt von dort auch in Wirtschaftsberichte. So werden beispielsweise die mit der Tätigkeit der Banken verbundenen Risiken gewöhnlich in Liquiditäts-, operationelle, Kredit- und andere Risikoarten eingeteilt. Um alle oder mehrere dieser Arten mit einem Wort zusammenzufassen, wird die Pluralform verwendet, zum Beispiel: Bei der Anlage der Währungsreserven ist die Lietuvos bankas mehreren Risiken ausgesetzt: Kreditrisiken, Wechselkursrisiken und Zinsrisiken. Zur Umsetzung des für die Währungsreserven geltenden Sicherheitsprinzips legt sie Normen und Beschränkungen für die Steuerung all dieser Risiken fest (LBMA 2012: 35); Der EZB-Rat beschloss, Rückstellungen für Wechselkurs-, Zins- und Goldpreisrisiken zu bilden (MA 2011: 210).
Im Litauischen gilt nur der zusammenfassende Plural von Stoffbezeichnungen als standardsprachlich. Allerdings wird er in Kalbos patarimai, wo ein System von Bewertungsstufen für Spracherscheinungen angewandt wird, nicht als Haupt-, sondern als Nebenvariante der Norm eingestuft – die Hauptvarianten lauten verschiedener Wein, Wein verschiedener Sorten, allerlei Tee, Joghurt (KP1 2002: 21). Bei einer anderen Untergruppe der Singularia tantum, den abstrakten Substantiven, wird der zusammenfassende Plural nicht ausdrücklich anerkannt; er ist jedoch unter der genannten Ausnahme der Bedeutungsverengung vorgesehen. Als Beispiele dafür werden angeführt: Ein Mensch kann von verschiedensten Ängsten befallen werden. Die Bedrohungen für eine Region lassen sich in mehrere Gruppen einteilen (KP1 2002: 20). Solche Pluralformen sind im Sprachgebrauch häufig, z. B.: Dies zeigt, dass die Finanzmärkte die wichtigsten Bedrohungen für Litauen in möglichen Auswirkungen aus dem Ausland sahen (LBMA 2012: 33); Die größten Bedrohung für den Finanzsektor des Landes und die Stabilität der Gesamtwirtschaft gehen von den begrenzten Wachstumsaussichten sowie von Bedrohungen aus, die mit den Problemen der öffentlichen Finanzen in der Peripherie der Eurozone und möglichen negativen Folgen für Litauens wichtigste Handelspartner zusammenhängen (MA 2010: 26). Andererseits werden bisweilen auch Varianten im Singular verwendet, die in Kalbos patarimai als Hauptvariante der Norm gelten, z. B.: Gemäß dem Sicherheitsgrundsatz begrenzt und steuert die Lietuvos bankas aktiv alle Arten finanzieller Risiken, denen sie bei der Anlage der Währungsreserven ausgesetzt ist (MA 2010: 40); Für Banken ist es wichtig, ihre Kapitalpolster weiter zu erhöhen, Risiken verschiedener Arten konservativ zu bewerten und angemessene Rückstellungen zu bilden (FSA 2012: 3). Allerdings ist es nicht immer möglich, diese Varianten zu ver-
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Page 17us. Zum Beispiel kann im Satz Bei der Inspektion wurde besonderes Augenmerk darauf gelegt, wie bestimmte Arten von Risiken gesteuert werden, viel Aufmerksamkeit wurde Kredit- und Liquiditätsrisiken sowie der Qualität der internen Steuerung(LBMA 2011: 41) gewidmet. Beim ersten Gebrauch des Substantivs Risiko kann die normative Variante verwendet werden, beim zweiten jedoch nur der Plural. Bei Verwendung des Singulars würden Kreditrisiko und Liquiditätsrisiko nicht als zwei Risikoarten unterschieden. Zur Präzision tragen auch stilistische Anforderungen und das Gebot der sprachlichen Ökonomie bei – das Wort Risiko zu wiederholen wäre sowohl unökonomisch als auch stilistisch unpassend; bei einer ausführlichen Erörterung der Risikoarten müsste es dagegen vielfach wiederholt werden.
Sehr ähnliche Tendenzen zeigt auch der Gebrauch des litauischen Wortes Tätigkeit, genauer gesagt: wirtschaftliche Tätigkeit . Nach der Veröffentlichung des Klassifikators der Wirtschaftszweige – einer systematisierten Zusammenstellung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Tätigkeitsarten, die in der Volkswirtschaft eines Landes vorkommen und deren Klassifikationseinheit der Wirtschaftszweig ist (z. B. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe, Verkehr und Lagerei, Beherbergung und Gastronomie usw.) – verschwand aus Wirtschaftsberichten zunehmend die für Texte aus der vorangegangenen Periode typische sektorale Analyse der Volkswirtschaft; zugleich verengte sich der Anwendungsbereich des Wortes Sektor . An seine Stelle trat jedoch die Wortverbindung wirtschaftliche Tätigkeit, die offenbar auch die räumliche Bedeutung des konkreteren Substantivs Sektor, das einen Bereich oder Ort bezeichnet, übernommen hat, z. B.: Der Anstieg der Löhne im privaten Sektor wurde vor allem durch die gestiegenen Löhne im Dienstleistungssektor getragen – insbesondere in den Bereichen Handel, Information und Kommunikation sowie Verkehr und Lagerei. Sie stiegen das ganze Jahr über auch in anderen wirtschaftlichen Bereichen des privaten Sektors – in Industrie, Baugewerbe und Landwirtschaft (LBMA 2011: 20).
Einige Fälle zeigen, dass die Wörter (wirtschaftliche) Tätigkeit und Sektor tatsächlich synonym verwendet werden, z. B.: Die Zahl der Beschäftigten wächst im privaten Sektor, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und im Groß- und Einzelhandel; in einigen Bereichen sinkt die Beschäftigung jedoch, zum Beispiel in den Bereichen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Bildung und Gesundheitswesen (LEA 2012 05: 3); Für den Anstieg der Löhne im privaten Sektor waren die steigenden Löhne im Dienstleistungs-sektor ausschlaggebend, insbesondere in den Bereichen Handel, Verkehr und Lagerei sowie Information und Kommunikation. Die Löhne stiegen auch in anderen Bereichen des privaten Sektors – in Industrie, Baugewerbe und Landwirtschaft. Mehr als die Hälfte des Lohnanstiegs im privaten Sektor ging auf gestiegene unregelmäßige Zahlungen zurück (LEA 2012 05: 10).
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Page 18Folglich ist die Bedeutung des unter solchen Umständen verwendeten Wortes Tätigkeit deutlich konkretisiert, und sein Plural wäre eine Folge davon, dass das konkretisierte Substantiv im Numerus flektiert wird. Dazu trägt jedoch auch ein weiterer Faktor bei. Bei der Analyse der Wirtschaft nach Wirtschaftszweigen, ebenso wie bei der Betrachtung des Finanzsektors nach den Arten der Risiken, denen er ausgesetzt ist, wird eine zusammenfassende Variante benötigt; dafür wird meist der Plural des Wortes Tätigkeit herangezogen, z. B.: Der Rückgang der litauischen Exporte traf zunächst direkt die stärker auf den Außenhandel ausgerichteten Wirtschaftszweige, d. h. Industrie, Bergbau, Handel, Verkehr und Landwirtschaft (FSA 2012: 26); Den größten Anteil am Kreditportfolio der Banken gegenüber nichtfinanziellen Unternehmen machten Kredite an das verarbeitende Gewerbe, den Handel, den Verkehr, das Bauwesen und die Immobilienwirtschaft aus Tätigkeiten (LBMA 2012: 24); Von den wichtigsten Zweigen des verarbeitenden Gewerbes Tätigkeiten war nur in der Lebensmittelindustrie, einem der am stärksten von der Inlandsnachfrage abhängigen Wirtschaftszweige, die Wertschöpfung geringer als 2009 (LBMA 2011: 14). In den Sprachhinweisen gilt die normative Variante als empfehlenswerter – Formulierungen mit den Adjektiven verschieden, allerlei eignen sich wegen ihrer unzureichenden Bestimmtheit nicht für Texte des offiziellen Sachstils, während die Wortgruppe Wirtschaftstätigkeiten verschiedener Art dem Grundsatz der sprachlichen Ökonomie widerspräche. Ökonomen achten besonders auf diesen Grundsatz.
Der Gebrauch des Internationalismus Wirtschaft im Plural lässt sich ebenfalls nur auf den ersten Blick mit dem Englischen in Verbindung bringen, in dem das Substantiv economy nach Numerus flektiert wird (vgl. economies)9. In litauischen Texten wird der Plural meist verwendet, um eine bestimmte Art von Wirtschaft zu bezeichnen. Allerdings wird der Bedarf, sie zu benennen, häufig durch einen aus dem Englischen übernommenen Begriff ausgelöst. Für die Übersetzung von developed economy verbreitete sich die Formulierung entwickelte Wirtschaft; die zur terminologischen Verwendung tendierende Wortgruppe small open economy wurde mit kleine und offene Wirtschaft (oder kleine, offene Wirtschaft; kleine offene Wirtschaft) wiedergegeben. Eine litauische Entsprechung für den Begriff emerging economy hat sich noch nicht etabliert; im Gebrauch begegnen Varianten wie aufstrebende Wirtschaft, Wirtschaft eines aufstrebenden Marktes, sich entwickelnde Wirtschaft, Wirtschaft eines sich entwickelnden Marktes und andere. Solche Formulierungen können die Wirtschaft eines bestimmten Landes bezeichnen, häufiger handelt es sich jedoch um Begriffe, die die Wirtschaft von mehr als einem Land umfassen, z. B.: Um die Effizienz der Überwachung zu steigern, erstellte der IWF 2011 erstmals der fünf größten Volkswirtschaften der Welt (des Euroraums, der USA, des Vereinigten Königreichs, Chinas und Japans) die Auswirkungen auf andere Länder und einen konsolidierten multilateralen Überwachungsbericht-
9 Für die Bedeutung „Wissenschaft von der Wirtschaft“ wird im Englischen das Substantiv economics im Plural verwendet.
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Page 19skaitas (LBMA 2012: 68); Vis dėlto šias mažas ir atviras ekonomikas stipriai veikia tarptautinė aplinka (LEA 2012 08); Sistemiškai svarbių ir didelių pasaulio ekonomikų, tokių kaip ES, Kinijos ar JAV, vidaus paklausos pokyčiai tiesioginiais ir netiesioginiais kanalais lemia Lietuvos eksporto paklausos kaitą (FSA 2012: 26); Išsivysčiusių ekonomikų augimas ir toliau buvo gana nedidelis. Kartu pasauliniam atsigavimui darė įtaką besiformuojančios ekonomi-kos, ypač Azijos, jos net kėlė susirūpinimą dėl perkaitimą galinčio lemti spaudimo kai kuriose šalyse (MA 2011: 23); Pagal pasaulinio augimo tendencijas toliau skyrėsi ne tik išsivysčiusios ir besiformuojančios ekonomikos, bet ir viena išsivysčiusi ekonomika nuo kitos (MA 2011: 20).
Das konkretere Substantiv ūkis (ūkiai), das als Übersetzung des englischen economy (economies) dienen könnte, wird in solchen Wortverbindungen mit Terminusbedeutung nicht verwendet, und das völlig zu Recht. Der Gebrauch dieser Wortverbindungen in englischen Texten zeigt, dass sie nicht die Wirtschaft einzelner Länder bezeichnen, sondern die Wirtschaft als System mit bestimmten strukturellen Merkmalen. Diese Bedeutung des Wortes Wirtschaft ist auch in Wörterbüchern der Internationalismen verzeichnet (TŽŽ 2003: 192; Vaitkevičiūtė 2007: 278). Ein System kann auch mehrfach vorkommen; wird eine Gruppe von Systemen bezeichnet, verwendet man den Plural Systeme. Folglich kann auch eine Gruppe von Wirtschaftssystemen als Wirtschaften bezeichnet werden; Systeme, die nach einem bestimmten Kriterium eingeteilt werden, können wiederum mit Artbezeichnungen benannt werden (sich entwickelnde Wirtschaften, aufstrebende Wirtschaften usw.).
Į tai, kad iš panašių paskatų kylanti daugiskaita nebėra pavieniai vartosenos atvejai, dėmesį yra atkreipusi ir R. Vladarskienė (2008: 126). Ji konstatavo tokį pokytį: anksčiau būdavo pažymima, jog kalbama apie tam tikras rūšis ar sritis, o dabar abstraktaus daiktavardžio daugiskaita jau net pavartojama šalia žodžio rūšys, pvz.: Konkurencingo verslo pasaulyje yra daugybė rizikų. Rizikų (=Rizikos) rūšys ir jų klasifikavimas daug priklauso nuo verslo pobūdžio. Šitaip pavartota daugiskaita laikoma nepateisinama, tačiau apskritai į rūšis skaidomų dalykų daugiskaitai linkstama pritarti: Įmonės pardavimų bendrasis ir grynasis pelningumai; Tokia taršos vertinimo tvarka neatitinka ES reglamento reikalavimų, nes šiame reglamente nurodyta registruoti ir gamybas, kurių metu išsiskiria net nedidelis kiekis 25 rūšių teršalų; Kaimo turizmas – viena populiariausių alternatyvių veiklų. Ji susiejama su abstrakčių dalykų skaičiavimo atvejais (Žmogaus psichika, atrodo, nepajėgi vienu metu pajusti dvi grėsmes, du pavojus. Čia reikėtų skirti kelias įtakas ir tendencijas), o pastarųjų normiškumas laikomas mažiausiai abejotinu. Vis dėlto šių atvejų priežastingumo seka greičiausiai yra atvirkštinė: reiškiniai
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Page 20(Prozesse, Eigenschaften usw.) werden zunächst klassifiziert, und erst dann beginnt man, die Klassifikationseinheiten (Arten, Gruppen usw.) zu zählen. Auch die Bewertungsfolge der Fälle sollte offenbar umgekehrt sein: Da die Klassifizierung von Phänomenen, Prozessen und Eigenschaften selbstverständlich ist und ihre Folge – konkretere Bedeutungen von Substantiven – von der kodifizierten Norm anerkannt wird, ist es wenig wahrscheinlich, dass auch der Plural anerkannt werden könnte, der die ausgesonderten Klassifikationseinheiten zusammenfassend bezeichnet. Eher lässt sich darüber nachdenken, inwieweit der nächste Schritt anerkannt werden könnte – das Zählen der ausgesonderten Arten. In der Sprachverwendung kommen Fälle vor, in denen sortierte Dinge unmittelbar gezählt werden, zum Beispiel: Angesichts der makroökonomischen Entwicklung Litauens und anderer Staaten sowie der sich daraus ergebenden Herausforderungen wurden für den Finanzsektor unseres Landes drei Hauptrisiken: a) die fiskalische Konsolidierung der wichtigsten litauischen Handelspartner, b) der Anstieg der Risikoprämien und c) die verringerte Liquidität der skandinavischen Mutterbanken (Pranešimas 2011 05: 54). Viel häufiger werden jedoch unsortierte Objekte gezählt, die durch die Substantive Bilanz, Bankrott, Haushalt, Reform, Schulden bezeichnet werden, zum Beispiel: Die deutlich gestiegene Zahl der Unternehmensinsolvenzen und die aufgetretenen Solvenzprobleme der Unternehmen erhöhten den Anteil notleidender Kredite im Kreditportfolio der MFIs und verringerten die Möglichkeit, Kredite aufzunehmen (LBMA 2010: 31); Eine Fiskalunion würde wahrscheinlich zusammen mit einer politischen Union verwirklicht und den Institutionen auf europäischer Ebene Einfluss auf die Festlegung der Haushalte der Mitgliedstaaten der Eurozone und auf die Durchführung wirtschaftlicher Reformen ermöglichen; außerdem würde sie die Staatsschulden der Länder zusammenführenSchulden und diese Verpflichtungen gemeinschaftlich tragen (LEA 2012 08: 5); Eine besonders große Bedrohung für die Wirtschaft Europas und der ganzen Welt stellt die sich ausbreitende und verschärfende Schuldenkrise des öffentlichen Sektors der Eurozone dar (Pranešimas 2011 12: 7).
Die kodifizierte Norm der Standardsprache erkennt bei Substantiven mit abstrakter Bedeutung – zumindest solchen wie Umfang, Umfeld, Einfluss, Leistungsfähigkeit, Wirkung, Reparatur – weder die Numerusflexion noch, folglich, das Zählen der durch sie bezeichneten Objekte an, und zwar ohne Ausnahmen für besondere Anwendungsbereiche (siehe Šukys 2003: 105; Paulauskienė 2004a: 152; KP1 2002: 20). In dieser Hinsicht scheint sie vollständig mit der in morphologischen Arbeiten dargestellten Theorie des Numerus bei Nomina übereinzustimmen. Diese unterscheidet zwischen Substantiven, die zählbare Dinge bezeichnen, und solchen, die nicht zählbare Dinge bezeichnen; entsprechend werden Substantive nach dem Numerus flektiert oder nicht. Abstrakte Substantive werden der Gruppe der nicht nach dem Numerus flektierten Substantive zugeordnet. Der Plural dieser Gruppe gilt nicht als eine andere Numerusform, sondern als Kennzeichen einer anderen lexikalischen Bedeutung (Paulauskienė 1983: 171; 1989: 165; 1994: 147–148; 2004: 149–151). Dieselbe Form wird in einem Fall als Flexionsform betrachtet,
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Page 21mit einem anderen – einem Wortbildungssuffix: „Zahlunveränderliche Substantive können sowohl Plural- als auch Singularformen haben. Zwischen diesen Formen kann auch eine bestimmte korrelative Beziehung bestehen. Zwischen den Gliedern einer Korrelation besteht jedoch immer ein Unterschied der lexikalischen Bedeutung. In diesem Fall können Wörter mit demselben Stamm, die unterschiedliche Numerusformen aufweisen, nicht als Formen desselben Wortes angesehen werden, weil die Glieder der Korrelation nicht durch Flexion, sondern durch Wortbildung miteinander verbunden sind. Die grammatische Numerusform dient hier als Indikator einer anderen Bedeutung“ (Paulauskienė 1989: 165). In der hier untersuchten Verwendung wird die Norm jedoch nicht verletzt, denn die Substantive mit abstrakter Bedeutung sind erheblich konkretisiert. So bezieht sich etwa das biudžetas, das im LKŽ als 1) Etat der Einnahmen und Ausgaben eines Staates, einer Einrichtung oder einer Person und 2) als Berechnung der für einen bestimmten Zeitraum geplanten Ausgaben erklärt wird (LKŽ 2012), ebenso wie skola, balansas gewöhnlich auf einen bestimmten Geldbetrag, bankrotas, reforma dagegen auf ein spezialisiertes Verfahren. Somit ist der Plural dieser Substantive eher als Ergebnis einer Rekategorisierung zu erklären – als Übergang ehemals numerusunveränderlicher Substantive in die Kategorie der flektierbaren Substantive (vgl. Roduner, Čižik-Prokaševa 2006).
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die untersuchte Sprache wirtschaftlicher Übersichtsberichte zeigt, dass der Gebrauch von Pluralformen bei Substantiven, die als abstrakte Singulariatantum gelten, von zahlreichen Faktoren bestimmt wird.
Auf Grundlage des untersuchten Sprachgebrauchs lassen sich bestimmte prototypische Faktoren unterscheiden, das heißt solche, die den Plural bestimmter Substantive begünstigen. Bei Abstrakta mit den Suffixen -imas (-ymas), -umas wird der Pluralgebrauch durch das Bedürfnis gefördert, lexikalische Bedeutungen zu unterscheiden, nämlich die Bedeutung des Handlungsobjekts oder -ergebnisses von der Bedeutung der Substantive, die eine Handlung (in der Wirtschaftssprache einen bestimmten Vorgang), einen Prozess oder ein Phänomen bezeichnen. Auch von Letzteren wird der Plural gebraucht, doch wird er vor allem durch das Bedürfnis nachdrücklicher Wiederholung begünstigt. Die Verbreitung von Substantiven mit der Bedeutung des Handlungsobjekts oder -ergebnisses, die eine Pluralform aufweisen, wird zudem dadurch gefördert, dass ein Teil von ihnen den Status eines Terminus erlangt und dieser Status in wirtschaftswissenschaftlichen Wörterbüchern verankert wird. Dies schafft die Voraussetzung für die Bildung weiterer analoger Termini. Das Prinzip der Analogie fördert den Pluralgebrauch auch zur Kennzeichnung von Wiederholung.
Der Pluralgebrauch bei Substantiven, die Maße bezeichnen, wird in wirtschaftlichen Übersichtsberichten vor allem dadurch bestimmt, dass diese Wörter häufig mit konkreten Zahlen –
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Page 22wirtschaftlichen Kennzahlen – verbunden werden. Dadurch wird die Bedeutung konkretisiert, und das Substantiv wird nach dem Numerus flektiert. Ein weiterer Impuls zur Konkretisierung der Bedeutung ist die für Texte der Wirtschaftsanalyse typische Aufgliederung und Spezialisierung von Begriffen, die aus der Neigung hervorgeht, Phänomene, Prozesse und Objekte zu klassifizieren. Diese Neigung bestimmt auch die Art der übergreifenden Benennung von Klassifikationseinheiten. Der untersuchte Sprachgebrauch zeigt, dass hierfür zunehmend die Pluralform gewählt wird. Die in normativen Arbeiten zur zusammenfassenden Bezeichnung von Arten vorgeschlagenen Varianten sind für den Sprachgebrauchsbereich, der besonders auf das Prinzip der Ökonomie achtet, wenig geeignet; häufig lässt sich mit ihnen überhaupt nicht arbeiten.
Bei der Klassifizierung von Phänomenen, Objekten und Eigenschaften stellt sich auch die Frage, die unterschiedenen Klassifikationseinheiten zu zählen. Beispiele für eine solche Zählung gibt es in der Wirtschaftssprache, doch wird dieses Phänomen im Hinblick auf die Norm nicht bewertet. Im Allgemeinen gilt in normativen Arbeiten der Plural von Singulariatantum in Texten des offiziellen Sachstils als nicht empfehlenswert; ausgenommen sind Fälle, in denen das Substantiv konkretisiert wird. In dieser Hinsicht stimmt die Norm vollständig mit der in Arbeiten zur Morphologie des Litauischen dargestellten Theorie des Numerus bei Nomina überein. In theoretischen Arbeiten werden abstrakte Substantive als Untergruppe der Singulariatantum bezeichnet; in normativen Arbeiten gilt ihr Gebrauch im Plural als nicht empfehlenswert.
Die derzeit kodifizierte Norm erkennt eindeutig nur eine Möglichkeit an, abstrakte Singulariatantum im Plural zu verwenden: die Konkretisierung des Substantivs. Die Konkretisierung kann jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sein; normative Arbeiten berücksichtigen dies nicht. Sie ziehen lediglich Grenzlinien: Der Pluralgebrauch eines abstrakten Singularsubstantivs gilt als Fehler, der eines konkretisierten Substantivs als normgerecht. Auch die unzureichende Bestimmtheit der Norm ist ein Faktor, der den Gebrauch des Plurals bei sogenannten Singulariatantum begünstigt.
Der unter solchen Bedingungen bestehende Sprachgebrauch, insbesondere die Wirtschaftssprache, zeigt, dass der Plural eines abstrakten Singularsubstantivs in den meisten Fällen mit einer Konkretisierung der Bedeutung verbunden ist. Der wichtigste Anreiz für seinen Gebrauch ist jedoch nicht die Konkretisierung der Bedeutung, sondern sind andere Faktoren. Diese werden in normativen Arbeiten nicht hinreichend berücksichtigt. Der vorliegende Artikel ist ein Versuch, solche Faktoren zu erörtern. Eine verlässlichere Antwort auf die Frage, ob die erörterten Faktoren und Gebrauchstendenzen nicht nur für die Wirtschaftssprache kennzeichnend sind, ließe sich gewinnen, wenn die Numerustendenzen in anderen Bereichen des Gebrauchs der Standardsprache, insbesondere in Fachsprachen, untersucht würden. Es ist daher zu hoffen, dass sich auch Sprachforscher, Sprachschaffende und Sprachbenutzer aus anderen Bereichen an der Erörterung dieser Frage beteiligen.
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Page 23ŠALTINIAI
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FSA 2012: Lietuvos bankas. Finansinio stabilumo apžvalga, 2012.
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LBMA 2010: Lietuvos banko metų ataskaita, 2009.
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Gauta 2012 11 06
THE USAGE OF ABSTRACT NOUNS IN PLURAL IN THE LANGUAGE OF ECONOMICS AND THE NORM
Summary
The article deals with the topical issue of singular abstract nouns used in plural in one particular domain of modern Lithuanian – the language of economics. Factors determining and supporting such usage are discussed. Insufficient determinacy of codified norm can be viewed as one of the factors: publications codifying the language mention only the exception when the meaning becomes more concrete, though concreteness can have a different degree. When only opposing margins of the norm and mistake are indicated (usage of a concrete noun is viewed as correct and of an abstract noun as incorrect) the users are entitled to make a decision about every borderline case.
Analysis of particular groups of nouns uncovers other factors supporting the usage of abstract nouns in plural. It appears that the plural of the most typical representative of abstract nouns – derivates with the suffix –imas (–ymas) is not only a sign of a change in meaning. Quite a few of such derivates are used in the plural in texts of economics as terms and some of them are included in dictionaries of economics; this encourages the creation and usage of new terms in plural based on analogy with existing terms.
Another group of abstracts in plural raises the importance of such a factor as avoidance of ambiguity – a noun in the singular could be ambiguous in a particular context. This factor ought to be related with previously mentioned factors of concreteness of the meaning and necessity to express an opposition “one – many”.
The codified norm allows an exception for one group of nouns in the singular – names of materials – to be used in plural in order to express a variety of
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Page 26kinds. The usage researched shows that this exception is also being applied to abstract nouns.
Probably the main factor supporting the abstracts in plural is the increase in concreteness of meaning which is recognized by the norm, although the usage shows that there are some secondary or separate factors. These factors are strong and complex, therefore norms ought to be evaluated appropriately and the usage of abstracts in plural should not be linked with the influence of other languages alone.
This article is an initial attempt to investigate this particular subject important for usage. It is being researched on the basis of data from one domain of the standard language, though this analysis might encourage the research to be extended to other domains. This would allow more reliable conclusions to be drawn about the spreading of abstract nouns in plural and their inherence in different styles.
KEYWORDS: abstract nouns, singularia tantum, inflectional change in number, increase in concreteness of meaning, derivates, norm, usage.
RAMUNĖ VASKELAITĖ
Lietuvos bankas
Gedimino pr. 6, LT-01103 Vilnius
[email protected]
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