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VAIDA KNABIKAITĖ

PROFESSOR KAZIMIERAS ROMUALDAS ŽUPERKA – BEGRÜNDER DER LITAUISCHEN SPRACHSTILISTIK

Der bekannte litauische Linguist und Stilist Kazimieras Župerka begeht in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Der befragte Wissenschaftler betont bei verschiedenen Gelegenheiten: „Die Stilistik war mir vorbestimmt.“

Kazimieras Župerkas wissenschaftlicher Horizont ist sehr breit. Die Forschungsthematik umfasst die allgemeine Theorie der Stilistik, funktionale und praktische Stilistik, die Konkurrenz sprachlicher Mittel, Kodierungs- und Dekodierungsstilistik, Metalinguistik, nichtprofessionelle Sprachwissenschaft, Stilistikdidaktik sowie Text- und Ethnostilistik. Diese Thematik spiegelt sich in K. Župerkas Dissertationen, Büchern, Artikeln, Konferenzvorträgen und deren Thesen sowie in den Themen der von ihm betreuten wissenschaftlichen Arbeiten wider. Seit Heft 75 ist K. Župerka Mitglied der Redaktion der wissenschaftlichen Zeitschrift Kalbos kultūra (seit 2014: Bendrinė kalba), in der er auch zahlreiche Artikel veröffentlicht hat.

Für K. Župerka war das Promotionsstudium am Lehrstuhl für Litauische Sprache der Universität Vilnius (1966–1969) als Wissenschaftler besonders wichtig. Sein wissenschaftlicher Betreuer, Professor Juozas Pikčilingis, Begründer der linguistischen litauischen Stilistik, legte sozusagen gemeinsam mit seinem begabten Doktoranden die Grundlagen für dieses neue sprachwissenschaftliche Fachgebiet. J. Pikčilingis lud K. Župerka ein, an dem Buch Leksinė ir gramatinė sinonimika (1969) mitzuwirken. K. Župerka wurde Mitautor dieses wissenschaftlichen Werks und wohl der herausragendste Schüler von J. Pikčilingis. 1969 verteidigte er erfolgreich seine Doktorarbeit (damals Kandidat der philologischen Wissenschaften) mit dem Titel „Synonymie von Nebensätzen und Konstruktionen mit Partizipien, Halbpartizipien und Gerundien in der Gegenwartssprache“, in der er den Forschungsgegenstand der Stilistik präzisierte. Ausgehend von der syntaktischen Ebene erörterte er die Bedeutung syntaktischer Synonyme

BENDRINĖ KALBA 90 (2017)

www.bendrinekalba.lt

ISSN 2351-7204

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für die syntaktische Stilistik und zeigte ihre stilistischen Unterschiede in den funktionalen Sprachstilen auf. 1971 wurde K. Župerka der Titel eines Dozenten verliehen.

1974–1975 absolvierte K. Župerka ein Studienaufenthalt an der Universität Brno in Tschechien. Dort erlernte er gut Tschechisch und Slowakisch und interessierte sich für die Theorie der Konkurrenz sprachlicher Mittel des Brünner Universitätsprofessors Milano Jelinekas (Jelínek). Von nun an lässt sich sagen, dass K. Župerka eine eigene Auffassung von Stilistik entwickelt und gleichsam ein Verbindungsglied zwischen den Theorien von J. Pikčilingis und M. Jelinek bildet. Er erweitert den Gegenstandsbereich der linguistischen litauischen Stilistik um Untersuchungen zur Konkurrenz sprachlicher Mittel.

Zum ersten Mal in der litauischen Sprachwissenschaft verankert K. Župerka den Begriff der Konkurrenz sprachlicher Ausdrucksmittel terminologisch in seinem Buch Praktinė stilistika (Sinonimai) (1978) und leistet einen fundierten Beitrag zur Entwicklung einer allgemeinen Theorie der litauischen Synonymik, denn die Auffassung von Synonymen war – nicht nur in der litauischen Sprachwissenschaft – bis in die 1980er-Jahre uneinheitlich und noch nicht gefestigt.

Konkurencijos aspektas plačiai taikomas ir Lietuvių kalbos stilistikoje (1983). Autorius apibūdina konkurencijos termino esmę, nusako būdingus šios sąvokos požymius. Pasak K. Župerkos, stilius – tai galėjimas rinktis. Tad knygoje daugiausia rašoma apie kalbos išteklius bei išgales. Į stilistinių išteklių skyrių patenka konkuruojantys vienetai (variantai, sinonimai, stiliaus figūros). Naujai aptariamos sinoniminių raiškos priemonių funkcijos. Šia knyga K. Župerka aprašomąją bei praktinę lietuvių kalbos stilistiką akivaizdžiau pasuko funkcinės stilistikos link.

Der Sprachwissenschaftler fasste seine wissenschaftliche Tätigkeit in seiner Habilitationsschrift von 1985 mit dem Titel „Die Konkurrenz sprachlicher Mittel als Gegenstand der litauischen Sprachstilistik“ zusammen, die 1996 an der Universität Vilnius verteidigt wurde. Im Jahr 2000 wurde K. Župerka der Professorentitel verliehen.

Anschließend untersuchte der Professor die Ausprägung der metalinguistischen Funktion in nichtlinguistischen Texten. In den in den 1990er-Jahren veröffentlichten Arbeiten werden die Begriffe metakalbinis komentaras und metakalbinis vienetas erläutert, metalinguistische Kommentare in nichtlinguistischen Texten ausführlich untersucht und aufgezeigt, wie die Gesellschaft Stilnormen versteht und welche neuen Spracherscheinungen sie vor allem wahrnimmt. Die Zweckmäßigkeit der Untersuchungen wird sowohl theoretisch als auch praktisch begründet. Besonders wertvoll sind jene metalinguistischen Einheiten, in denen metalinguistische Kommentare nicht auf ein neues Wort, sondern auf Tendenzen der zeitgenössischen Sprechweise aufmerksam machen. Aus zahlreichen Artikeln und Konferenzvorträgen zu diesem Thema ging die umfassende Monografie Metalingvistika. Nekalbininkų kalbotyra (2012) hervor.

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K. Župerka untersucht die Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen sprachlichen Mitteln (Konkurrenz) und die funktionalen Stile und bedient sich dabei moderner Methoden der pragmatischen Linguistik. Dies wird in der Studie Reklamos tekstas: pragmatika, stilius, kalba (2008) deutlich. Der Autor betont, dass der Blick auf die Werbung aus pragmatischer Perspektive nicht nur eine andere Analyse, sondern auch andere Termini voraussetzt.

Neue, originelle Erkenntnisse finden sich auch im Lehrbuch für die Schule Lietuvių kalba. Stilistika. Vadovėlis XII klasei (2001). Bei der Erläuterung des Verhältnisses zwischen Stil und Spracheinheiten schreibt der Autor nicht nur über Sprache und Wort, Stil und Wortform, sondern auch über Stil und Text. Im Mittelpunkt dieses Lehrbuchs stehen Klarheit, Folgerichtigkeit und Überzeugungskraft der Darstellung sowie die Einheit von Theorie und Praxis. Es ist ein vollkommenes Beispiel didaktischer Stilistik.

K. Župerka widmete der Eigenart des literarischen Stils, der stilistischen Analyse literarischer Werke, der Poetik und Stilistik sowie der Entwicklung der litauischen schönen Literatur große Aufmerksamkeit. Ihn interessierte die Stiltheorie als Grundlage der Textanalyse. Den Terminus literarischer Stil ersetzte er häufiger durch den sich in der Linguistik etablierenden Oberbegriff freie Stile, zu denen der literarische und der gesprochene Stil sowie das expressive Postil des publizistischen Stils gezählt werden. Eine völlig neue Sicht auf die freien Stile entfaltet sich in der ausführlichen Studie „Regioninės tapatybės raiška laisvųjų stilių tekstuose“ (2014). In ihnen wurde nach Ausdrucksformen der Identität und der Eigenart des Weltbildes der Bewohner der vier ethnografischen Regionen Litauens (Aukštaitija, Dzūkija, Suvalkija und Žemaitija) gesucht. Ausgewählt wurden drei mit regionaler Identität verbundene Komponenten: Raum (die Landschaft der Region), regionaler Charakter (Denken, Fühlen, Verhalten) und Sprache beziehungsweise Sprechweise. K. Župerka behandelt die ethnische Stilistik als Teilgebiet der Sprachwissenschaft in dem Artikel „Dėl kalbos etnostilistikos objekto“, der 2013 im Sammelband Šiuolaikinės stilistikos kryptys ir problemos veröffentlicht wurde. Ziel des Autors ist es, den Gegenstand der sprachlichen Ethnostilistik zu definieren und die Forschungsthemen dieses Zweigs der Stilistik zu erörtern. Im Fazit des Artikels werden die thematischen Grundzüge der Ethnostilistik als Teilgebiet der Sprachwissenschaft umrissen. K. Župerka kann somit als Begründer der Ethnostilistik in der litauischen Sprachwissenschaft gelten. In seinen Ausführungen zur litauischen Mentalität stellt er Vergleiche mit dem lettischen Nationalcharakter an und legt damit in dem Artikel „Dėl gretinamosios latvių ir lietuvių kalbų stilistikos“ (Linguistica Lettica, 1999) sowie in den Thesen zum Konferenzvortrag „Latviai ir lietuviai: tautinio charakterio ir tautinio stiliaus koreliacija“ (1998) die Grundlagen der kontrastiven Stilistik.

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Zu seinem 80. Geburtstag betonte K. Župerka, dass er heute am liebsten Ethnostilist genannt werden möchte, da er seit zwei Jahrzehnten Material zur Ethnostilistik sammelt, ordnet und systematisiert und untersucht, wie sich Merkmale des litauischen Volkes in der litauischen Sprechweise und in Texten widerspiegeln. Diese Arbeit erfordert umfassende Gelehrsamkeit und Sachkenntnis.

K. Župerka war auch Betreuer der Dissertation der Autorin dieses Artikels, „Lingvistinės lietuvių stilistikos raida XX amžiuje“, aus der die gleichnamige wissenschaftliche Monografie (2006) hervorging. Die Monografie enthält außerdem das Kapitel „Kalbos priemonių konkurencijos teorijos plėtotė“ (S. 154–165), das K. Župerkas wissenschaftliche Arbeiten zusammenfasst.

Anlässlich seines schönen Jubiläums möchte ich dem Professor herzlich dafür danken, dass er mir damals vertraute und mich nicht nur als junge Wissenschaftlerin, sondern auch als einen Menschen unterstützte, der Hilfe und Beistand benötigte. K. Župerka nahm sich meiner fachlichen Förderung an und führte mich von ersten Schüleraufsätzen bis zur gereiften Stilistin. Zum fruchtbaren und bedeutungsvollen Austausch mit seiner Doktorandin trugen nicht nur das pädagogische Talent, die Professionalität, Gelehrsamkeit und Sachkenntnis des herausragenden Wissenschaftlers bei, sondern auch sein angeborener Sinn für Humor und seine optimistische Lebenseinstellung. All dies durfte ich damals vom Professor lernen.

Heute, da ich von meinem verehrten Professor betreut und gefördert werde, fühle ich mich auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft viel stärker. Schließlich berät mich der herausragendste Stilist Litauens, Kazimieras Župerka. Ich danke Ihnen, Herr Professor.

Eingereicht am 27.10.2017

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