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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, III
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
PHONETIK DES SÜDLICHEN DIALEKTS DER OSTHOCHLITAUEN1
K. MORKŪNAS
Transkription
In der Arbeit wird die in der Materialsammlungsrichtlinie für den Atlas der litauischen Sprache angegebene Transkription verwendet2. Nur in bestimmten Fällen wurde sie geringfügig verändert, genauer gesagt, vereinfacht (vgl. unten).
1. Wortakzent, Intonation. Die Stelle des Wortakzents wird durch das Intonationszeichen markiert. Die Intonation unbetonter Silben wird nicht bezeichnet.
Intonationszeichen: a) für die kurze Intonation — Gravis (ˋ), b) für die fallende Intonation — Akut (ˊ), c) für die steigende Intonation — Zirkumflex (˜), d) für die mittlere Intonation — ein kleines s (ˀ) (das Zeichen der mittleren Intonation wird über verlängerte kurze Vokale sowie über lange Vokale und die Diphthonge ie, uo gesetzt, deren fallende und steigende Intonation im Dialekt so weit zusammengefallen sind, dass sie sich überhaupt nicht unterscheiden), e) für die gebrochene Intonation — ein kleines z (ˁ).
2. Länge. Da im Dialekt alle unbetonten Vokale kurz und die betonten (mit Ausnahme jener mit kurzer Intonation) lang sind, wird die Vokallänge nicht durch ein eigenes Zeichen markiert: Die Vokallänge wird durch das Intonationszeichen angezeigt (bei Monophthongen durch die Zeichen der mittleren und gebrochenen Intonation), z. B.: vìras ~ vyras, vaikų ~ vaikų. Betonte kurze Vokale werden mit dem Zeichen der kurzen Intonation markiert, das hier zugleich auch die Kürze des Vokals anzeigt, z. B. bùs.
Das Zeichen der fallenden Intonation bei Diphthongen und gemischten Diphthongen (bei Diphthongen nasalischen Ursprungs auch das Zeichen der mittleren Intonation) kennzeichnet ebenfalls die Länge des ersten Bestandteils, das Zeichen der steigenden Intonation die Länge des zweiten Bestandteils; das Zeichen der gebrochenen Intonation zeigt die Halblänge des zweiten Bestandteils an.
In Einzelfällen wird bei Bedarf zur Kennzeichnung eines langen Vokals ein Strich über dem Vokalzeichen verwendet (z. B.: ī, ū).
3. Palatalität. Die Palatalität von Konsonanten wird durch einen Bogen über dem Konsonantenzeichen markiert. So werden stets palatale und palatalisierte Konsonanten bezeichnet, die vor nach vorn verlagerten hinteren Vokalen, am Wortende und in Konsonantenverbindungen stehen, z. B.: galù ~ gulù, šžė́rt. Da Konsonanten, wenn sie unmittelbar vor Vorderzungenvokalen stehen
1 Diese Arbeit ist der gekürzte erste Teil der vom Verfasser verfassten Monographie über den südlichen Dialekt der Osthochlitauer (ohne das Kapitel „Wortakzent und Intonation“).
2 Siehe die Materialsammlungsrichtlinie für den Atlas der litauischen Sprache, 2. Aufl., 105—118, Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR, Institut für litauische Sprache und Literatur, Vilnius, 1956.
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ellės Vokale werden stets weich ausgesprochen; der Einfachheit der Transkription halber wird ihre Weichheit in dieser Arbeit daher nicht gekennzeichnet, außer an den Stellen, an denen ausdrücklich von der Weichheit der Konsonanten die Rede ist (§§ 14,79).
4. Härte. Ein vor e, ė verhärteter Konsonant l wird nicht durch ein eigenes Zeichen gekennzeichnet. Die Härte dieses l wird durch die danach auftretenden Hintervokale angezeigt (und vor e, ė wird l im Dialekt stets hart ausgesprochen). Aus demselben Grund wird auch die Härte anderer, sporadisch verhärteter Konsonanten nicht gekennzeichnet.
5. Aspiration. Ein aspirierter Konsonant am Wortende k wird nicht durch ein eigenes Zeichen gekennzeichnet, außer an der Stelle im Kapitel „Konsonantismus“, an der er behandelt wird (§ 83).
6. Vorderung der Vokale. Die durch den Einfluss von j bewirkte Vorderung der Hintervokale wird nicht gekennzeichnet. Ihre Vorverlagerung wird durch ein vorangehendes j oder durch erweichte Konsonanten angezeigt.
7. Sonstige Zeichen. Das Zeichen für die Übertragung von Dialektformen in die Standardsprache ist die Tilde (~). Die Übertragung erfolgt nach den Lautentsprechungen zwischen Dialekt und Standardsprache, z. B. grįžtė-la ~ grįžtelė. Wenn sich eine Dialektform lautlich nicht von der entsprechenden standardsprachlichen Form unterscheidet oder nur durch den Akzent oder eine regelmäßige Akzentzurückziehung abweicht, wird sie nicht in die Standardsprache übertragen. Aus Platzgründen wird sie auch dann nicht übertragen, wenn sich die Dialektform von der standardsprachlichen nur durch α unterscheidet, das dem kurzen standardsprachlichen a (< ã) entspricht, z. B. káulas.
Falls erforderlich, wird die Bedeutung von Dialektwörtern zusätzlich mit standardsprachlichen Wörtern erläutert, die meist in Anführungszeichen stehen.
Zur Kennzeichnung einer Nebenform werden zwei senkrechte Striche verwendet, z. B.: skabinõ-tis ‖ kabinėtis.
Einzelheiten zur Transkription werden außerdem an den entsprechenden Stellen in der Arbeit erläutert.
§ 1. Das Gebiet des untersuchten Dialekts erinnert an eine nicht ganz regelmäßige Birne, deren Spitze im Norden bis Ukmergė reicht und deren dickeres Ende im Süden in den Umgebungen von Mišni(nkų und Čiobiškis endet (siehe Karte — Abb. 1). Neben den genannten sind weitere wichtigere Siedlungen dieses Gebiets: Pašilė, Pabaiskas, Krikštėnai (die ältere Dorfbezeichnung lautete vilaikiai ~ Vileikiai), Bagaslaviškiai, Gelvonai, Vindeikiai. Nach der derzeitigen Verwaltungsgliederung reicht das genannte Gebiet mit seinem spitzen Ende in den südlichen Teil des Kreises Ukmergė hinein, während das breitere Ende fast den gesamten westlichen Teil des Kreises Širvintos einnimmt. Außerdem gehört zu diesem Dialekt auch die östliche Ecke des Kreises Jonava (Būda, Keižonys und andere Dörfer)*.
In der Mitte des Dialektgebiets gibt es, kann man sagen, keine größeren natürlichen Hindernisse, die die Kommunikation zwischen den Menschen ernsthaft hätten behindern können. An den Rändern finden sich jedoch vergleichsweise große Wälder und Flüsse. Diese natürlichen Grenzen bilden den größten Teil der Dialektgrenzen.
§ 2. Die wichtigsten phonologischen Merkmale des Dialekts, nach denen die Grenzen vor allem festgelegt wurden, sind folgende:
1. Die alten gemischten Diphthonge am, an, em, en > um, u(n), im, i(n), z. B.: samtis ~ sąmtis, gálvu (< *galvan) ~ gálva, miñkas ~ meñkas. Nach l em > und: lúnta ~ lenta.
* Anmerkung. Als der Artikel für den Druck abschließend redigiert wurde, war der Amtsbezirk Mančiūšėnai im Kreis Širvintos aufgehoben worden. Gleichzeitig wurden auch die Grenzen der Kreise Širvintos, Ukmergė und Jonava geringfügig verändert; vgl. Nachrichten des Obersten Sowjets und der Regierung der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik, 23, 434 (1959).
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2. Die unbetonten alten ā, ē (> 1k o, ē) und die Diphthonge uo, ie sind zu a, e geworden: stovėt ~ stovėti, vaiką ~ vaiko; sėdėt ~ sėdėti, darė ~ darė; padėlis ~ puodėlis, penėlis ~ pienėlis.
3. Anstelle des alten kurzen a am Wortende wird ein reduzierter Vokal gesprochen (mit dem Zeichen α wiedergegeben): dirba ~ dirba, vaikas.
4. Der Akzent wird von der kurzen Endung auf die vorletzte Silbe zurückgezogen, die aus einem langen Vokal oder dem Diphthong ie, uo besteht, z. B.: tvorą, dieną (aber: pirmą, sveiką).
§ 3. Das Schicksal der Diphthonge am, an, em, en zeigt, dass der untersuchte Dialekt zu den ostoberlitauischen Dialekten gehört. Das Gebiet der ostoberlitauischen Dialekte umfasst bekanntlich ungefähr ein Dreieck, dessen Eckpunkte Kriukai, Musninkai und Zarasai sind. Da der beschriebene Dialekt die südlichste Ecke dieses Dreiecks einnimmt, wurde er aufgrund seiner geografischen Lage als südlicher ostoberlitauischer Dialekt bezeichnet3.
Ein phonologisches Merkmal, das nur für den untersuchten Dialekt charakteristisch wäre und ihm eine Spitznamenbezeichnung geben könnte, wurde nicht gefunden. In diesem Fall würde die Bezeichnung südlicher Luntininker Dialekt am besten passen (zum Begriff siehe § 85).
§ 4. Auch im untersuchten Dialektgebiet, das sich von Norden nach Süden über etwa 40 km erstreckt, gibt es gewisse Unterschiede. Sie häufen sich jedoch vor allem an den Rändern, wo häufig auch Merkmale benachbarter Dialekte vorkommen. Einzelne kleinere Besonderheiten treten auch in der Sprache von Dialektsprechern auf, die weiter von den Grenzen entfernt leben. So hört man mancherorts — in Lapiškiai, Leščīūnai (Amtsbezirk Juknonys), Neveronys, Stavarygala (Amtsbezirk Bagaslaviškiai) u. a. — anstelle des alten kurzen a am Wortende häufig (aber nicht immer!) einen reduzierten Vokal mit gehauchtem u-Klang: stālus ~ stālas, vaikūs ~ vaikas (nach einem palatalisierten Konsonanten und j dagegen wie im gesamten Dialektgebiet: svėčis ~ svėčias, vėjis ~ vėjas).
§ 5. In dem Gebiet gibt es zahlreiche Menschen, die eine umgangssprachliche Varietät des Polnischen verwenden (ihrer Nationalität nach sind sie gewöhnlich Litauer). Die meisten von ihnen leben in den Umgebungen von Širvintos und Musninkai; weniger gibt es auch anderswo (bei Pabaiskas, Krikštėnai …). Diese Sprache, die früher über polonisierte Gutshöfe und Kirchen verbreitet war, hatte keinen größeren Einfluss auf die Phonologie und Grammatik des untersuchten Dialekts. Deutlicher beeinflusste sie lediglich den Wortschatz des örtlichen Dialekts.
In einigen Dörfern (Sukiniai, Amtsbezirk Kūlniškiai, Pakertušė, Amtsbezirk Krikštėnai u. a.) gibt es russische Familien, die bereits in den Jahren der Zarenherrschaft in das Dialektgebiet gezogen waren (vor allem Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts). Sie sind jedoch nur wenige; verständlicherweise konnten ihre Sprache und ihr Einfluss den allgemeinen Charakter des Dialekts nicht prägen.
Sozial gesehen bilden Kolchosbauern den größten Teil der Bevölkerung; Arbeiter und Angestellte sind wesentlich weniger zahlreich.
§ 6. Das Material wurde überwiegend in der Umgebung von Kūlniškiai (kulniški̇̀ ~ Kūlniškiai), dem Heimatort des Verfassers, aufgezeichnet, zu einem beträchtlichen Teil aber auch an anderen Orten. Zu nennen sind: Graužiečiai, Vaikalės, Mažeikiškiai, Žūkliai (ältere Leute sagen meist: žūkliji̇̀ ~ Žūklijai), Gailiūnai, Krikštėnai, Kelmai, Mikalajūnai, Neveronys, Mančiūšėnai, Vindeikiai, Pigašiai, Juknōnys, Čiobiškis u. a. Für die Festlegung der Grenzen mussten auch die wichtigsten Merkmale der benachbarten Dialekte geklärt werden. In diesem
3 Der untersuchte Dialekt, der nur einen sehr kleinen Teil des ostaukštaitischen Dialektgebiets einnimmt, wäre treffender als Sprechweise zu bezeichnen. Wenn wir ihn Dialekt nennen, berücksichtigen wir, dass: 1) der Begriff Dialekt sehr relativ ist; 2) in der litauischen linguistischen Literatur in ähnlichen Fällen meist der Begriff Dialekt statt enger gefasster Bezeichnungen (Unterdialekt, Sprechweise...) verwendet wird.
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Zu diesem Zweck mussten zahlreiche außerhalb des Gebiets des untersuchten Dialekts gelegene Orte besucht werden: Médinos, Kunigiškiai, Ūpninkai, Vėpriai, Labanošiai, Kalvėliai, Dovydiškiai, Jonuškai, Jogvilai, Rimešiai, Limónys u. a. Herangezogen wurde auch das gesammelte Material des Atlas der litauischen Sprache (aus dem Gebiet des untersuchten Dialekts und anderen Dialekten), das sich im Institut für Litauische Sprache und Literatur der Litauischen Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR befindet.
Bei der Materialsammlung und seiner Auswertung galt die größte Aufmerksamkeit der Sprache der älteren Generation; diese Menschen sind am wenigsten vom Einfluss der litauischen Standardsprache geprägt.
2. Die Dialektgrenzen
§ 7. Südwestgrenze. Diese Dialektgrenze beginnt etwas südöstlich von Čiobiškis und verläuft entlang der Neris flussabwärts ungefähr bis zum Dorf Keižionys. Sie trennt den untersuchten Dialekt vom mittleren Aukštaitischen. Auf der linken Seite der Neris sind demnach die gemischten Diphthonge am, an, em, en vollständig erhalten: šamtis, rankà, penkì. Auch das alte kurze a am Wortende ist hier unverändert: nėša, vaĩkas. Von dem untersuchten Dialekt unterscheiden sich diese mittleren Aukštaiten, könnte man sagen, nicht in der Aussprache der unbetonten alten ā, ē und der Diphthonge uo, ie (neben padelìs sagt man hier allerdings gelegentlich auch podėlis ~ puo-dėlis)4.
Die Bewohner des Rapt-Gebiets an der Neris nennen ihre jenseits der Neris lebenden Nachbarn wegen ihrer Aussprache des Wortes kaip als kàp kapūkai.
§ 8. Westgrenze. Auch diese Grenze besteht überwiegend aus natürlichen Barrieren. Von der Neris (bei Keižionys) ausgehend, verläuft sie zunächst durch Wälder nach Norden (der größte ist der Bėrkelių-Wald), erreicht bei Mančiūšėnai die Širvinta und folgt dann diesem Fluss flussabwärts bis zur Šventoji.
Da auch jenseits der Westgrenze mittlere Aukštaiten leben, bei denen die gemischten Diphthonge am, an, em, en5 erhalten sind, ist diese Grenze sozusagen eine Fortsetzung der Südwestgrenze. Doch manche Merkmale unterscheiden auch die mittleren Aukštaiten voneinander. Jenseits der westlichen Dialektgrenze sind die alten unbetonten ā, ē qualitativ nur am Wortende unverändert erhalten: gálvas ~ gálvos, dirba ~ dirbo, kárves ~ kárvės, máte ~ mátė; in der Wortmitte werden anstelle der genannten alten Vokale nun u, i ausgesprochen: dubilai ~ dobilai, mukinì ~ mokinti, mišūs ~ mėšūs, sidì ~ sėdėti. u, i könnten auf folgendem Weg entstanden sein: ā, ē > o, ē > u, i. Der unbetonte Diphthong uo der litauischen Standardsprache wird hier meist zu u: pudėlis ~ puo dėlis, dunėla ~ duonėlė, rātusi ~ rātuose; nur im offenen Wortauslaut wird er zu a: rėma ~ rėmuo. Anstelle des unbetonten Diphthongs ie der litauischen Standardsprache wird e gesprochen: žėmos ~ žiemòs, šite ~ šitie. Das alte kurze a am Wortende wird jenseits der Westgrenze wie im Rapt-Gebiet zu a: dĩrba, vaĩkas.
4 In früher erstellten dialektologischen Karten (vgl.: APh, 4 (1933); LKRŽ, 118) ist die südwestliche Grenze der žalininkai sehr unzutreffend angegeben. Tatsächlich wird das unbetonte baltische ā im Wortstamm selbst in den mittleren Aukštaiten-Gebieten von Žasliai, Palomenė und anderen Orten wie bei den žalininkai ausgesprochen; am Wortende ist es noch weiter südwestlich und westlich erhalten. Vgl. ferner: J. Senkus, Nauja medžiaga apie lietuvių kalbos tarmes, MADA, 1, 149 (1955); Č. Grenda, Palomenės tarmė, dipl. d. (rankr.), 15, 19, Vilniaus Valstybinio V. Kapsuko v. universiteto IFF Lietuvių kalbos katedra, 1957; B. Švenčionytė, Žaslių tarmė, dipl. d. (rankr.), 17, Vilniaus Valstybinio V. Kapsuko v. universiteto IFF Lietuvių kalbos katedra, 1956.
5 Näher an der Grenze (Kunigiškiai, Médinos...) werden die alten auslautenden an, en dieser mittleren Aukštaiten noch häufig wie im Rapt-Gebiet ausgesprochen: šáku ~ šaką, kàti ~ kątę, miški ~ miškę.
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Merkmale der mittleren Hochlitauer (samtis, šventą, blugai² ~ blogai, dubėlė ~ duobėlė, milinė ~ mėlynė) sind auch am Rand des untersuchten Dialekts, der an dessen westlicher Grenze liegt (Sližiai, Samantónys, Gavińonys…), recht häufig zu hören.
§ 9. Nordwestliche Grenze. Von der Mündung der Širvinta in die Šventoji verläuft sie flussaufwärts entlang der letztgenannten bis nach Ukmergė. Diese natürliche Dialektgrenze wird durch einen Waldstreifen, der fast das gesamte linke Flussufer entlang verläuft, noch „verstärkt“.
Im Nordwesten hat der untersuchte Dialekt zwei Nachbarn. Bis fast zum Dorf Kalveliai erstrecken sich weiterhin die mittleren Hochlitauer, weiter östlich beginnen dann die östlichen Hochlitauer—die puntininkai⁶. Erstere unterscheiden sich, so kann man sagen, nicht von den mittleren Hochlitauern, die jenseits der westlichen Dialektgrenze wohnen (§ 8). Nur jenseits der Šventoji hört man den reduzierten Vokal (hier wird er meist mit einem Hauch von gepresstem u ausgesprochen) nicht nur anstelle des alten kurzen a im Wortauslaut, sondern meist auch anstelle des alten Zirkumflexes -ā, z. B.: vārnu, šakų, senų. Dieses -ā sprechen auch die östlichen Hochlitauer aus, die am rechten Ufer der Šventoji wohnen. Die Letzteren stimmen mit den mittleren Hochlitauern auch in der Aussprache des alten unbetonten ā, ē und des Diphthongs uo überein (nurė̃t ~ norėti, dėjimas ~ dėjimas; ruñkas ~ rankos, dāvė ~ davė; kulālis ~ kūolėlis). Die übrigen phonetischen Merkmale der östlichen Hochlitauer jenseits der nordwestlichen Grenze unterscheiden sich kaum von denen des untersuchten Dialekts. Den Akzent ziehen sie jedoch von einer kurzen Endung auf alle langen Silben zurück: tōli, vė́tu, jaĩnu, rū́nku, pī́rmi (obwohl man manchmal noch sagt: valdžì ~ valdžia, pìrmi).
Unter den morphologischen Abweichungen lässt sich anführen, dass die östlichen Hochlitauer jenseits der erwähnten Grenze bei maskulinen Substantiven die Formen des Singular-Dativs mit -m verwenden, z. B.: vaĩkum, paršum, brōlum (|| brōlim) ~ brōlium, piršlum (|| piršlim) ~ piršlium, sūnum, piemenum (|| piemenim) ~ piemeniu. Dieses -m ist hier vermutlich nach der pronominalen Endung des Singular-Dativs entstanden (vgl.: anām pirmām kārum, šitām senām žmōgum sowie das lettische tam labam tēvam „jenem guten Vater“). Solche Formen (mit -m) werden am Ufer der Šventoji in Kalveliai, Baraučizna, Dovydiškiai und weiter nordwestlich in Dainava, Jakūtiškiai, Bielazariškiai und anderen Orten verwendet.
Die Bewohner am Flussufer des untersuchten Dialekts nennen die östlichen Hochlitauer, die jenseits der Šventoji wohnen, manchmal urėkai (angeblich wegen der Verwendung des Wortes aurė).
§ 10. Ostgrenze. Von Ukmergė verläuft diese Grenze zwischen den Dörfern Graužiečiai — Jogvilai und Paprėniškiai — Inkļiai, entlang der Ostseite von Petrašiūnai und Daugėliškiai, durch den Wald von Šašuoliai (die Bewohner von Pabaiskas nennen ihn gewöhnlich: Šašuolių girė), an Širvintos vorbei in Richtung Kaimynai.
Östlich jenseits der genannten Grenze leben zunächst die rotininkai, die, wie bekannt, ein gedehntes betontes nicht finales a in ein ungespanntes, wenig labialisiertes o mit schwachem a-Beiklang (ɔ) umwandeln: rĭtas ~ rātas, sŭka ~ sāko, māna (< * māna < * māna) ~ māno, lības ~ lāibas, kŭlnas ~ kālnas, kŭrve ~ kārvė. Hier wird auch e in derselben Position enger artikuliert (> ė): gėras ~ gēras, namėlis ~ namēlis, praštėsnė ~ praštēs-nė, pė́rnii ~ pė́rnai, žėlva ~ Žėlva.
Die Isoglosse des rotininkavimas, die an der Šventoji beginnt, ist durchgehend sehr deutlich. Nur ist es etwas schwieriger, ihren südlichen Endpunkt festzustellen, da der örtliche Dialekt dort unter dem Einfluss des Polnischen fast verschwunden ist (§ 5). Die letzten Dörfer mit eindeutigem rotininkai-Dialekt
8 In den vorhandenen dialektologischen Karten (APh, 4 (1933); LKRŽ, 118) ist die von ungefähr diesem Ort (Dorf Kalveliai) aus weiter in Richtung Musninkai durch den Zwischenraum zwischen Babaiskas und Gelvonai gezogene Grenze zwischen den mittleren und östlichen Hochlitauern ungenau; vgl. §§ 7,8.
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sind Beivýdžiai, Sudókiai, Limónys. Nach Aussage älterer Menschen wurde vor einigen Jahrzehnten auch in der Umgebung von Zibalai (Karašliškiai, Matūkai, Drubliónys...) so gesprochen. Tatsächlich lassen sich in der Sprache der Vertreter der älteren Generation dieser Gegend (obwohl auch sie meist nicht der unverfälschten alten lokalen Mundart entspricht) noch heute häufig Merkmale der Rotininker hören: pùkase ~ pàkase, tinži „dort“, gėras, didèsnis ~ didesnis, gėri ~ gerti.
Jenseits des übrigen Teils der östlichen Grenze (Širvintos — Kaimynai) wurden keine bedeutenderen phonetischen Unterschiede zur untersuchten Mundart festgestellt. Lediglich anstelle des Wortes šaknis ist beim alten Diphthong en, der auf l folgte, meist in zu finden: lintà ~ lentà, lîngvas ~ lengvas.
§ 11. Südgrenze. Bei Kaimynai beginnend, verläuft sie an der Südseite von Musninkai bis zur Neris und dann entlang der Neris bis zur Südwestgrenze (§ 7). Diese Grenze fällt mit der in dialektologischen Karten angegebenen Dzūkavimas-Isoglosse zusammen7. Tatsächlich aber
Abb. 1. Verbreitungsgebiet und Grenzen der südlichen osthochlitauischen Mundart. 1 — Grenze der südlichen osthochlitauischen Mundart, 2 — Grenze der zentralhochlitauischen Mundart, 3 — Grenze der Rotininker, 4 — Grenze der Dzūken, 5 — Grenzen der Verwaltungsbezirke, 6 — Waldgrenzen.
7 Vgl.: APh, 4 (1933); LKRŽ, 118.
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Merkmale des Dzūkavimas treten heute selbst weit südlich dieser Grenze nur selten auf; zum Beispiel sagt man in der Gegend um Kernavė, Miežionys und Paparčiai meist: dienà, tik, gaidžāi, švečāi. Vor 50—60 Jahren wurde hier, wie ältere Einheimische versichern, stärker dzūkisch gesprochen. Außerdem sagen ältere Menschen heute gelegentlich anstelle von gaidžāi, svečiai auch gaidėi, švetėi. Man kann sagen, dass die von Vertretern der älteren Generation regelmäßig verwendeten Formen der 1. Person Singular des Präteritums der Verben lauten: āudau „ich webte“, vedāu „ich führte“, matau „ich sah“, statāu „ich stellte“. Solche Formen kommen auch in näher gelegenen rapt-Gebieten vor (Janiūnys, Juknónys…).
Südlich der Grenze ist die Betonung nicht zurückgezogen (mit Ausnahme einzelner Wörter).
Lautsystem
1. Vokale
§ 12. In der Mundart gibt es folgende Vokale:
a — wie im Litauischen; kurz: šakà und lang: lãpe ~ lãpė.
æ — ein Hauchlaut (quantitativ und qualitativ reduziert) æ; kommt nur kurz vor: auga ~ aūga, stãlas ~ stēlas.
e — wie im Litauischen; kurz: vedì, senì und lang: vėde ~ vėdė.
æ — offen, weit (mit a-Färbung) æ; kurz: nešù ~ nešu und lang: nẽša ~ nẽša.
ē — wie das litauische ė; kommt nur lang vor: tēvas, katē.
ę — nach hinten verlagertes ė; kommt nur lang vor: lękti ~ lėkti, varlę ~ varlė.
i — wie im Litauischen; kurz: visi und lang (etwas weniger gespannt als litauisches y, i): vìras ~ vyras, žìsi ~ žįsti.
u — wie russisches u oder polnisches y; kurz: prapūlobs ~ prapūlęs und lang: strìkti ~ strykt.
o — etwas offener als litauisches o; kommt nur lang vor: žmónes ~ žmonės.
u — wie im Litauischen; kurz: gulì und lang (etwas weniger gespannt als litauisches ū, ų): rūkas ~ rūkās.
Nach palatalisierten Konsonanten werden die Vokale a, o, u weiter vorn artikuliert und gehen manchmal sogar in andere Vokale über (vgl. §§ 75, 76).
2. Nichtsilbische Vokale
§ 13. In der Mundart gibt es folgende nichtsilbische Vokale:
i — ein Zwischenlaut zwischen i und j: įimtì ~ imti, rõdį ~ rodėi.
ų — ein Zwischenlaut zwischen u und v: šõkau ~ šokau, turėjų ~ turėjau.
3. Konsonanten
§ 14. In der Mundart gibt es folgende Konsonanten: b, d, g, j, k, l, m, n, p, r, s, š, t, v, z, ž. Sie werden größtenteils genauso ausgesprochen wie in der lk⁹, z. B.: bãsas, dárbas, gãras, kùrmis,
8 Die Öffnung von e ist jedoch nicht immer gleich ausgeprägt. Aus diesem Grund und auch aus Gründen der Einfachheit der Transkription wird das geöffnete e im Folgenden nicht mit einem gesonderten Zeichen wiedergegeben, d. h. an seiner Stelle wird überall ein einfaches e geschrieben (mit Ausnahme der Stelle der Arbeit, an der die Öffnung von e behandelt wird, § 77).
9 Auf der Grundlage experimenteller Untersuchungen beschreibt V. Vaitkevičiūtė die Aussprache der Konsonanten der litauischen Literatursprache in ihrer Dissertation „Lietuvių literatūrinės kalbos priebalsinių fonemų sudėtis“, siehe LKK, 1, 5—66 (1957).
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mãžas, nãgas, pãdas, rãtas, saũsas, šaũkšas, tãkas, vãras, žùras, žãda. Das l der Mundart ist etwas härter als das des Litauischen. Der Konsonant n wird, wenn er vor den hinteren k, g steht, in der Mundart wie im Litauischen zu einem hinteren Zungenlaut, z. B.: iñka ~ tiñka, žiñge ~ žengė (n — hartes hinteres Zungen-n, ŋ — palatalisiertes hinteres Zungen-n; an anderen Stellen der Arbeit wird dieses n nicht durch ein gesondertes Zeichen gekennzeichnet, d. h. überall wird n geschrieben). Selten kommen, hauptsächlich in Wörtern nichtlitauischer Herkunft, auch die Konsonanten f, ch, h vor, z. B.: fãbrikas, cha-rãkteris, ahã
Vor vorderen und palatalisierten Vokalen werden die Konsonanten weich ausgesprochen, z. B.: bė́ržas, dir̃ba, lĩba. Der Konsonant j ist immer weich, z. B.: jẽ, jōji ~ jōji, jōja. Näheres zur Palatalisierung der Konsonanten siehe § 89.
4. Affrikaten
§ 15. In der Mundart gibt es folgende Affrikaten: c, č, dz, dž. Sie werden wie im Litauischen ausgesprochen; sie können hart oder weich sein, z. B.: cũkras ~ cūkrus, cỹpti ~ čỹpti, čáiža ~ čáižo, če-pšai, ažãki, džiimbinėt, adžabōt ~ atžabōti, džirkšt.
5. Diphthonge
§ 16. Es gibt zwei Arten von Diphthongen:
1. Diphthonge: ai, au, ai, au, ei, ei, ei, ie, ii, iu, oi, ui, uo, z. B.: laĩbas, maišas, káulas, lãukas, gálvoj ~ gálvai, dirbau ~ dirbau, vė́das, reĩki ~ reĩkia, žẽvi ~ žievėi, žãlė ~ žolėi, siẽna, kãtei ~ kãtei, žinōjū ~ žinōjau, galvōj ~ galvōj, zũkis, dũona.
2. Gemischte Diphthonge: al, am, an, ar, am, an, el, em, en, er, ėl, ėm, ėn, ėr, em, en, il, im, in, ir, ol, om, on, or, ul, um, un, ur, z. B.: šáltas, anám, kitán, várna, pẽžam, rùnkan ~ raĩnkon, délmas, kẽmš, sė́nt, vẽrki, vė́l, katám, gerẽsnėn, nẽr < nẽrą, didelėm ~ didelėm, žãlėn ~ žolėn, pĩlnas, šĩmtas, pĩnti, pĩrmas, kòl „kodėl“, laz̃dōm, galvōn, kūlį, stūmą, šūnčia, pùrvas.
Die Laute, die die einzelnen Bestandteile der Diphthonge und gemischten Diphthonge bilden, werden so ausgesprochen wie dieselben Laute, wenn sie nicht Bestandteil eines Diphthongs sind. Nur bei den Diphthongen ie, uo ist die Aussprache der einzelnen Bestandteile nicht hörbar. Der erste Bestandteil des Diphthongs au (gewöhnlich fallend betont) wird bisweilen (aber nicht immer!) mit einer schwachen o-Färbung ausgesprochen, z. B.: pãukštė ~ paukštė „Vogel“, saũsas ~ saũsas.
6. Triphthonge
§ 17. In der Mundart gibt es folgende Triphthonge: iel, iem, ien, ier, uol, uom, uon, uor, uoj (uọj), z. B.: abĩem, každien ~ kasdien, tuõm, duõnkepė ~ dúonkepė, pùolka ~ pùlka, šlorkas ~ šorkos „šorai“, trūoj. Die Triphthonge sind neu entstanden; einige von ihnen sind selten und kommen nur in Wörtern nichtlitauischer Herkunft vor.
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Vokalismus
I. Vokalquantität
§ 18. In der Mundart werden zwei Vokallängen unterschieden: Es gibt kurze und lange Vokale (zur Länge der einzelnen Bestandteile von Diphthongen siehe § 20). Die langen Vokale sind in der Mundart jedoch nicht so lang wie etwa in der südlichen Mundart des westlichen Aukštaitischen. Krapt sind sie etwas kürzer.
§ 19. Die Vokalquantität hängt in der Mundart hauptsächlich von der Betonung ab:
a) Alle unbetonten Vokale sind in der Mundart kurz, z. B.: (Vokale vor der betonten Silbe) grūdai ~ grūdai, grįštela ~ grįžtėlė, kušnėlis ~ kašnėlis, lapinis ~ lopynas, makėti ~ mokėti, šakinėti ~ šokinėti, užaliūkas ~ ažuoliukas, vejelis ~ vėjėlis, vitėla ~ vytėlė, žveris ~ žvėrys „žvėris“; (Vokale nach der betonten Silbe) aki ~ akį, akis ~ akys, galvu ~ galvą, gava ~ gavo, kati ~ katę, mokitu ~ mokytų, runkas ~ rankos, rōgesi ~ rōgėse, žēme ~ žemė.
b) Betonte Vokale sind in der Mundart lang, z. B.: bōga, ōbali ~ ōbuolį, narēs ~ norēs, gīdij ~ gydyti, sūlai ~ siūlai, visū ~ visų, žēvē ~ žievē, žveri ~ žvėrį!
Vokale mit einem fallenden Akzent werden etwas kürzer ausgesprochen als Vokale mit einem mittleren Akzent. Doch beide Gruppen sind lang.
Die alten kurzen Vokale werden in der Mundart unter Betonung gedehnt und sind ebenso lang wie die von Natur aus langen Vokale, z. B.: kasti ~ kasti, męsti, rīša, tūri.
Zu den Fällen, in denen betonte Vokale in der Mundart kurz sind, siehe §§ 21a, 27a, 35a, 52, 53, 56, 57, 60, 62—65.
§ 20. a) Jeder Diphthong, ob betont oder unbetont, bildet eine lange Silbe. Die einzelnen Bestandteile eines unbetonten Diphthongs sind kurz, z. B.: vaikīti ~ vaikytį, laukų, peiliu ~ peilių, puikybē ~ puikybė, kalbā, kartū, delnū ~ delnų, verki, mirkīti ~ mirkyti, stulpēlis, plumpsēl, pūrvīnas ~ purvynas.
b) Die Länge der einzelnen Bestandteile betonter Diphthonge hängt vom Akzent ab.
1) Bei Diphthongen mit Stoßton wird der erste Bestandteil lang, der zweite kurz ausgesprochen, z. B.: dālinti, kāulas, svēikinti, bāltas, sārka, gēl, bēri.
Die Vokale i und u werden, wenn sie als erste Bestandteile betonter Diphthonge mit Stoßton auftreten, gedehnt und scheinen ebenso lang ausgesprochen zu werden wie a und e in derselben Position (vgl. auch § 19b), z. B.: kilpa, dirba ~ dirba, skinti, stumda ~ stumdo, kūlt.
2) Auch die ersten Bestandteile von Diphthongen mit mittlerem Akzent werden lang ausgesprochen. Die zweiten Bestandteile dieser Diphthonge werden kurz ausgesprochen, z. B.: vėl, gerōj < gerojē, šakōn.
3) Bei Diphthongen mit fallender Intonation wird die zweite Komponente lang ausgesprochen, die erste hingegen ist kurz, z. B.: baigk ~ baigti, nāujis ~ nāujas, šveič ~ šveičia, šalnu ~ šalna, daržas, pērka, vilkas, dūmblas.
4) Bei Diphthongen mit Stoßintonation ist die zweite Komponente halblang, die erste hingegen kurz, z. B.: mažai, matau, sukei, visur, kitam, visam < visamē.
c) In der Mundart ist keine unterschiedliche Länge der Komponenten der Diphthonge ie, uo zu hören. Wegen der Angleichung der Stoß- und Fallintonation bei ie, uo werden vermutlich auch die einzelnen Komponenten dieser Diphthonge gleich lang ausgesprochen, z. B.: vienas, šienas, juodas, juokas. Dasselbe gilt für die Länge der ersten und zweiten Komponenten der Triphthonge, da diese Komponenten in der Mundart stets von den Diphthongen ie, uo gebildet werden. Die dritte Komponente der Triphthonge wird kurz ausgesprochen, z. B.: viengubas, dviem, tuom „tuo“.
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II. Vokalismus des Wortstamms
1. Vokale
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§ 21. Der Vokal a hat in der Mundart mehrere Ursprünge. Der Ursprung des mundartlichen a, das dem litauischen Standard a entspricht, ist derselbe wie im Standardlitauischen. Dieses a kann kurz oder lang sein.
a) Ein a dieses Ursprungs ist in unbetonter Stellung stets kurz, z. B.: akis, katė, maži, sakì ~ sakyti, varì ~ varyti.
2. Der Konjunktiv der primären Verben und die 3. Person des Futurs: kàščė ~ kaščia „kaščiau“, kàstum, kàstu ~ kàstų, kàstumem ~ kàstumėme, kàstumėt ~ kàstumėte, ràstu ~ ràstų; plàks, supràs, ràš.
3. Lautmalende Wörter und die daraus mit den Suffixen -ėti, -elėti, -erėti gebildeten Verben: bàkši, bràkši, kràpši, stàpši ~ stàbt; bàksi, bàksim, bàksit, bràkši, kràpsi; bàkštelai ~ bàkštelėti, bàkštelaje ~ bàkštelėjo, bàkštelak ~ bàkštelėk, stàptererė ~ stàbterėti.
4. Gelegentlich der Vokativ Singular, z. B.: kàti „Kätzchen“, màri „Marychen“.
b) In allen übrigen Fällen ist das alte kurze a in der Mundart unter Betonung lang. Es entspricht im Standardlitauischen:
1) einem betonten langen a mit Fallintonation, z. B.: àšis ~ àšys, dãra ~ dãro, mãžas; àtlapas, pàbiras ~ pàbiros, pràdalgi ~ pràdalgi;
2) einem betonten kurzen a (mit Ausnahme der in Abschnitt a) dieses Paragraphen genannten Fälle), z. B.: kàst, kàzdava ~ kàsdavo, kàsk, kàzdamas ~ kàsd amas; màna ~ màno, tàva ~ tàvo; àbdeda ~ àpdeda, àtveda, pàkelu ~ pàkeliu, pràdeda.
In den ersten beiden Fällen war der Akzent zweifellos die Ursache für die Dehnung des Vokals a. Es wird angenommen, dass a im zweiten Fall im lk den Akzent erst erhielt, nachdem die Dehnung des ursprünglich betonten a in der Wortmitte eingetreten war (deshalb blieb a im zweiten Fall im lk kurz)¹¹. In der Mundart könnte es sich folgendermaßen abgespielt haben: Entweder erhielt a im zweiten Fall (wo es im lk ebenfalls kurz und betont ist) den Akzent noch bevor das ursprünglich betonte a gedehnt wurde, oder a der Mundart wurde im ersten und zweiten Fall nicht zur selben Zeit gedehnt. Zum Schicksal des alten kurzen a am Wortende siehe § 53.
§ 22. Das mundartliche a, das dem unbetonten o im lk entspricht, kann zweierlei Ursprungs sein:
a) Es stammt vom alten baltischen ā ab, das in unbetonter Silbe gekürzt wurde, z. B.: dovanų ~ dovanų, lavīs ~ lovỹs, lapinīs ~ lopinỹs, pàmate ~ pàmotė, starai ~ storai, stàvėi ~ stovėti, žmànų ~ žmonių;
b) Es entstand aus o in Wörtern fremder Herkunft, z. B. advakàtas ~ advokàtas. In beiden Fällen ist dieses mundartliche a immer kurz und gewöhnlich unbetont. Betont kommt es nur in Singular-Vokativformen vor, z. B.: vàverì „Eichhörnchen, mein liebes“, žmànì „meine lieben Leute“, žmànel „liebe Leute“.
¹⁰ Der Untersuchung werden die phonetischen Fakten der Mundart zugrunde gelegt, und zwar wird zuerst betrachtet, welche Entsprechungen der Mundartlaut in der Standardsprache hat, nicht umgekehrt. Damit der Leser bei Bedarf leichter feststellen kann, welcher Laut im lk einem bestimmten Mundartlaut entspricht, sind am Ende der Arbeit Verzeichnisse der Entsprechungen der lk-Vokale und -Diphthonge in der Mundart beigefügt (siehe S. 56). Für Konsonanten ist ein solches Verzeichnis nicht erforderlich — die lk-Konsonanten haben in der untersuchten Mundart, von geringfügigen Ausnahmen abgesehen, dieselben Entsprechungen.
¹¹ Vgl. Būga, LKŽ, 1, XXIII.
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Zum a am Wortende der Mundart, das dem o im lk entspricht, siehe § 52.
§ 23. Das mundartliche a, das dem unbetonten uo im lk entspricht, stammt aus dem gekürzten Diphthong uo. Dieses a ist immer kurz, z. B.: aštanũ ~ aštuonių, danėla ~ duonėlė, kadėlis ~ kuodėlis, padėlis ~ puodėlis, šlatėla ~ šluotėlė.
Betont ist a dieser Herkunft gelegentlich nur im Singular-Vokativ, z. B. vãgį „Beere, mein liebes“.
Dieses a < uo entstand wahrscheinlich zur selben Zeit wie e < ie (vgl. § 29).
Zum mundartlichen a, das dem uo im lk am Wortende entspricht, siehe § 52₄.
§ 24. Das mundartliche a, das dem e im lk entspricht, tritt in folgenden Fällen auf:
a) Am Wortanfang. Dieses mundartliche a ist kurz (unbetont) und lang (betont), z. B.: aglīnas ~ eglýnas, ašerīs ~ ešerỹs, ažiūkas ~ ežiukas; ãšti ~ ésti, ãšeri ~ ešeri, ãžeras ~ ežeras.
Ebenso in den Diphthongen e- > a-, z. B.: ainù ~ einù, ait̃ ~ eiti, aižėt ~ iėžėti; alvira ~ Elvyrà, arškėtīs ~ erškėtỹs „Wacholder“, aržinĩ ~ erzinti.
Ein solches a- < e- steht in der Mundart auch nach Präfixen, die gewöhnlich auf einen Vokal enden, z. B.: póažere ~ póežere, paaglīnis ~ paeglinỹs; paaĩti ~ paeiti, praaĩti ~ praeiti, priaĩti ~ prieiti, suažė̃t ~ sueižėti; paãržiñti ~ paerzinti. Man sagt aber: išéit ~ išeiti, pėreĩt, apeĩ, ateĩ, užeĩ, neĩ (< neiti), aceĩt (< atsieiti), prisiẽt (< prisieiti); nuveĩt, suveĩt. Die Beispiele zeigen, dass der Stammvokal e- unverändert bleibt, wenn ihm ein Konsonant vorausgeht. Dieser Konsonant ist entweder seit alters vorhanden und bildet den Auslaut des Präfixes, oder er ist durch den Ausfall eines Präfixvokals (oder einer Reflexivpartikel) entstanden (es kam zur Elision), oder er ist eingeschoben (gewöhnlich v, vgl. § 99) zwischen den Vokalen des Präfixes und des Stammes. Diese Konsonanten verhinderten ebenfalls, dass e- zu a- wurde, da e- nach ihrem Eintritt in die erste Stammsilbe nicht mehr am absoluten Silbenanfang stand; vgl. die oben genannten Beispiele, die in der Mundart folgendermaßen silbisch gesprochen werden: i-šeĩt, pė-reĩt, a-paĩt, a-teĩt, u-žeĩt, neĩ, a-ceĩt, pri-seĩt, nu-veĩt, su-veĩt. Bei anderen (besonders neueren) Wörtern tritt jedoch auch in diesem Fall e- > a- auf, z. B.: išsaikvōt (neben iš-sėikvōt) ~ išsikevoti. Dies zeigt, dass das oben erwähnte Verb eiti mit einzelnen Präfixen in der Mundart bereits fest verwachsen war, bevor das anlautende e > a wurde.
Der Wandel des anlautenden e > a ist auch für einige andere (ost-, aber auch mittel- und west-)aukštaitische Mundarten kennzeichnend; er findet sich auch in den alten litauischen Sprachdenkmälern, vgl. K. Sirvydas: areli „den Adler“ PS I 298₉, Arelo „des Adlers“ PS II 123₂, neben essus¹² „seiend“ PS I 65₇, ežeran PS I 371₁₈, Ežeran PS II 42₁₉, ežeru PS II 52₁₃.
12 Einige Buchstaben in den alten Schriften wurden ersetzt: Statt ſ, β schreibt man s, š; statt mehrerer Zeichen, die den Konsonanten ž bezeichneten, schreibt man nur eines — ž.
13 Dass das anlautende e in K. Sirvydas’ Schriften nicht durchgängig zu einem Vokal a geworden ist, ließe sich teilweise damit erklären, dass es in einigen ostaukštaitischen Mundarten nur in bestimmten Fällen als a wiedergegeben wird. So sprechen die Dusetiškiai dieses e- > a- nur dann, wenn es niemals den Akzent trägt; in anderen Fällen wird es wie lk ausgesprochen (vgl. Būga, RR, 2, 20). In Sirvydas’ Schriften kommt jedoch vor, dass sogar im Anlaut desselben Wortes einmal e, andernorts a steht, vgl.: erszkiečiēs PS I 385₅, erszkiečius PS I 225₁₀₂₈, Erszkiečey PS I 225₈₁₀, erszkiediey PS II 163₁₉ und arškiečiu PS II 166₆. In anlautenden Diphthongen wird überwiegend e geschrieben, z. B.: eykšite PS I 6₂₄, eykite PS I 6₂₃, eylos PS II 42₁₀, eylas PS II 77₅, elgieta PS I 184₄. Im anonymen Katechismus von 1605 steht im Wortanlaut ausschließlich e, z. B.: ésus KA 11₁₄, Esmi KA 12₂₁, eydami KA 19₂₁. Außerdem finden wir in den genannten Denkmälern auch ergu PS I 32₅, Er „oder“ PS II 109₁₀, KA 25₉, Ess „ich“ KA 25₆. Daher lässt sich annehmen, dass in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in einigen ostaukštaitischen Mundarten e-
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Auch in neu in die Mundart gelangten Lehnwörtern ist das erwähnte e- > a-, z. B. agzama < egzema, vorkommen.
In einigen Gebieten von Rapt, die an der Westgrenze liegen (Sližiai, Samantónys, Gaviñonys…), wird wie bei den westlich dieser Grenze lebenden mittleren Aukštaiten (Mėdinos, Kunigiškiai, Ūpninkai…) statt e- meist ie- ausgesprochen, z. B.: iešerìs ~ ešerys, iežùkas ~ ežiukas, iežeras.
b) Nach dem in der Mundart verhärteten Konsonanten l (vgl. § 84).
§ 25. Zur Herkunft des mundartlichen a, das nach l dem lk e entspricht, siehe § 28.
§ 26. a unterschiedlicher Herkunft. In der Mundart kommt a anstelle von lk e recht häufig vor. Dieses a kann aus mehreren Gründen entstanden sein:
1. Durch sporadische Verhärtung eines Konsonanten in einigen Wörtern; vgl. § 90.
2. In den ostaukštaitischen Mundarten wird ein e, das niemals den Akzent trägt und auf g, k, š, ž folgt, vielerorts zum Vokal a¹⁴. Auf diese Weise könnte a auch in Rapt-Wörtern entstanden sein: mėnasìs „mėnesis“, menasìnis „mėnesinis“.
e
§ 27. Der Vokal e im Dialekt ist unterschiedlicher Herkunft. Das Dialekt-e, das dem schriftsprachlichen e entspricht, ist gleichen Ursprungs (< aus baltischem ė). Dieses e kann kurz oder lang sein.
a) Immer unbetont ist das kurze e, z. B.: genìs ~ genỹs, medaũs, nešù, senì, tekė́t.
Ein betontes kurzes e kommt nur vor in:
1. Einsilbigen Wörtchen: bè, hè, nè, tè, jedoch nèt „nėt“.
2. Im Konjunktiv der primären Verben und in der 3. Person Futur: tèpče ~ tèpčia „ich würde streuen“, tèptum, tèptu ~ tèptu, tèptumem ~ tèptumėme, tèptumet ~ tèptumėte, nèštu ~ nèštu, vèštu ~ vèštu; dègys ~ dègęs, mès, tèps, vès.
noch nicht regelmäßig zu a- geworden war. Vgl. außerdem K. Eigminas, Zur Dialektfrage in der anonymen litauischen Grammatik von 1737 „Universitas lingvarum Litvaniae“, MADA, 1 (8), 169 (1960).
Das a- einzelner Wörter, das in den Dialekten anstelle des schriftsprachlichen e- steht, kann auch aus wesentlich älterer Zeit ererbt sein (vgl. Otrębski, Gr JL, 1, §§ 293—296).
14 Vgl.: Būga, RR, 2, 21; Būga, LKŽ, 1, CXLVIII.
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2) das betonte kurze ė (mit Ausnahme der in Abschnitt a) dieses Paragraphen angeführten Fälle),
Die Dehnung des Dialektvokals ę, der aus baltischem ę hervorgegangen ist, erfolgte zweifellos infolge der Betonung gleichzeitig mit der entsprechenden Dehnung von a (vgl. § 21b).
Zum Dialektvokal ę, der am Wortende dem litauischen e entspricht, siehe § 54.
§ 28. Das Dialekt-ę, das dem unbetonten litauischen ė entspricht, ist aus baltischem ē entstanden, das in einer unbetonten Silbe gekürzt wurde, z. B.: mėšļnas ~ mėšlynas, rekšnis ~ rėkšnys, sedėti ~ sėdėti, tevaĩ ~ tėvai. Dieses e ist tatsächlich kurz und gewöhnlich unbetont. Betont tritt es nur in den Singular-Vokativformen auf, z. B. tėvuk „Väterchen!“
Po sukietėjusio l (§ 84) šis tarmės e > a, pvz.: lakimas ~ lėkimas, pla-nė ~ plėnė „plėvė“.
Zum e dieses Ursprungs am Wortende siehe § 54.
§ 29. Das Dialekt-ę, das dem unbetonten litauischen ie entspricht, ist aus dem gekürzten Diphthong ie entstanden. Dieses e ist immer kurz, z. B.: dienõs ~ dienos, megàlis ~ miegalius, me-žieńis ~ miežėnis, pevėla ~ pievėlė, šenauĩ ~ šienauti, venãi ~ vienai.
In Singular-Vokativformen tritt das e dieses Ursprungs gelegentlich auch betont auf, z. B. pėmenūk „Hirtenjunge“.
Die Monophthongierung des unbetonten ie erfolgte im Dialekt erst nach der Verhärtung des Konsonanten l (§§ 84, 85); vgl. die Aussprache der Wörter leptėlis ~ lieptėlis, ležūvis ~ liežūvis.
Zum Dialekt-e am Wortende, das litauischem ie entspricht, siehe § 54.
§ 31. Zum Dialekt-e, das durch Kontraktion oder Elision entstanden ist (und den in benachbarten Silben stehenden litauischen e und a entspricht), siehe § 78.
ė, ę, o
§ 32. Die Herkunft des dialektalen ė, o, das dem ė, o des Ik entspricht, ist dieselbe wie die des Ik – aus baltischem ē, ā. Die Vokale ė, o werden im Dialekt stets lang ausgesprochen und sind gewöhnlich betont:
1) mit altem Akzent, z. B.: bėras, degėsi̇̀ ~ degėsiai, pėdas, rėkį, sėstį, tėvas; mõ-tina, nórį, ōras, sōdas, stōvį, žinōt;
Nach einem im Dialekt verhärteten Konsonanten l (§ 84) entspricht ė > e, das ebenfalls genuin lang und betont ist, z. B.: (mit altem Akzent) palėpe ~ palėpė, pėlėda ~ pelėda, plėšti ~ plėšyti; (mit zurückgezogenem Akzent) glėbu ~ glėbiu, glėbis ~ glėbius.
Das alte ė in Rapt verengte sich offenbar noch vor der Verhärtung von l (§ 85), denn andernfalls hätten wir jetzt nach l nicht e, sondern einen anderen Vokal (wahrscheinlich o)¹⁵.
Zu ė, ę, o im Wortauslaut siehe § 55.
§ 33. Im Dialekt kommen ė, o vor, die durch Vokalkontraktion oder Elision entstanden sind. Zu diesen ė, o siehe § 78.
¹⁵ Vgl. die Formen aus dem Svėdasai-Dialekt: lėkt ~ lėkti, klėtis ~ klėtis, palėpe ~ palėpė (daneben: brōlis ~ brolis, mātėra ~ motera, nāri ~ nori); vgl. V. Valunta, Svėdasų tarmė, dipl. d. (Handschrift), 29, 31, Lehrstuhl für litauische Sprache des IFF der Staatlichen V. Kapsukas-Universität Vilnius, 1955.
2. Kalbotyros klausimai, III
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§ 34. Im Dialekt lautet der Nominativ Plural des Personalpronomens aš mės. In dieser Form ist der lange Vokal ė an die Stelle des alten kurzen e getreten, wahrscheinlich (wie auch im Litauischen) analog zu jūs16.
i, u, ī, ū
§ 35. Die Vokale i, u (kurz) haben im Dialekt verschiedene Ursprünge.
a) Die Herkunft der Dialektvokale i, u, die litauischem i, u entsprechen, ist dieselbe wie im Litauischen. Meist sind diese i, u unbetont, z. B.: kitų ~ kitų, libáit ~ lipdyti, plìkì, visái; buvaũ, guli ~ gulìu, rudùs, šuvà, turė́ti.
Betonte kurze i, u kommen nur vor bei:
1. Einsilbigen Wörtchen: gi, tik, vis; du, tu.
2. Dem Infinitiv primärer Verben, dem Präteritum Frequentativ dieser Verben, dem Konjunktiv, der dritten Person Futur und der zweiten Person Singular des Imperativs, z. B.:
3. Interjektionen, die den Eindruck einer sehr kurzen, schwachen Handlung bezeichnen, sowie die daraus mit den Suffixen -ėti, -elėti, -erėti gebildeten Verben, z. B.:
Man muss annehmen, dass die Vokale ī, ū in den Formen der 3. Person des Futurs in der Mundart bereits verkürzt wurden, bevor sich der Zirkumflex dieser Formen in einen Stoßton wandelte. Letzteren Akzent …
16 Vgl. Endzelynas, GF, § 305.
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Die genannten Formen, die diesen Akzent getragen hatten, haben die Länge von ī, ū überwiegend bewahrt, z. B.: išžiṙ̇ps ~ ištṙ̇yps, šṅ̇iṗs ~ šṅ̇yps, pūs ~ pūs (obwohl man manchmal auch nìks neben nìks ~ nỳks17 sagt).
Apie žodžio galo i, u < į, ū žr. §§ 57, 58, 65₂.
c) Mundartliche i, u, die den unbetonten litauischen į, ū entsprechen, sind aus den gemischten Diphthongen in, un entstanden. Nach dem Schwund des tautosyllabischen n dieser Diphthonge (§ 86) blieben deren erste Glieder – die Vokale į, ū – gedehnt. Da diese į, ū jedoch unbetont waren, bewahrten sie ihre Länge nicht und werden heute kurz ausgesprochen, z. B.: grįštėla ~ grįžtėlė, pažįstamū ~ pažįstamų, tišoti ~ tišoti; apksuštām ~ apskūstām, pasūstais ~ pasūstais.
Zu aus dieser Herkunft stammendem i, u im Wortauslaut siehe §§ 59, 65₃.
d) Mundartliche i, u, die den unbetonten litauischen ę, ǫ entsprechen, sind aus den gemischten Diphthongen en, an entstanden. Zunächst wurden die Diphthonge en, an in der Mundart zu >in, un18, und aus diesen entstanden į, u auf dieselbe Weise wie aus den alten in, un (siehe Abschnitt c) dieses Paragraphen). Beispiele: grįžimas ~ gręžimas; drusūmas ~ dražūmas, kušnėlis ~ kažnėlis, užalūkas ~ ąžuolūkas.
In Formen des Vokativs Singular können diese i, u auch betont sein, z. B. žūsinuk „Gänsehirt“.
Zu i, u im Wortauslaut aus dieser Herkunft siehe §§ 61, 65₄.
e) In der Mundart kommen auch kurze i, u anderer Herkunft vor.
1. Einsilbige Wörter čia, kai, tai, nei (nė), prie, nuo, vor allem wenn sie als Proklitika auftreten, sind zu či, ki, ti, ni, pri, nu. geworden.
2. Zu i, das durch die Frontierung hinterer Vokale entstanden ist, siehe § 76.
3. Die litauischen Wörter greičiau, (ne)rėkėjo, (ne)reikės werden in der Mundart oft ausgesprochen als: gričāu, (ne)rikėję, (ne)rikės.
§ 36. Die ī, ū des Dialekts sind wie auch į, u unterschiedlichen Ursprungs.
a) Die Vokale ī, ū, die dem hochlitauischen y, ū entsprechen, stammen aus dem baltischen ī, ū. Im Dialekt sind sie nur betont. Der Akzent ist hier:
2) der zurückgezogene, z. B.: skrinė ~ skrynia, skrīnis ~ skrynias, šlīva ~ slyva, slīvas ~ slyvas; krīvas ~ krūvas, sūnas ~ sūnus, sūras ~ sūrius.
b) Im Dialekt gibt es ī, ū, die aus den alten kurzen i, u entstanden sind. Diese dialektalen ī, ū entsprechen den kurzen betonten hochlitauischen i, u (mit Ausnahme der in § 35a genannten Fälle), z. B.: kītas, līka ~ liko, žīna ~ žino, išneše ~ išnešė, prīvežė ~ privežė; būva ~ buvo, mūša, rūdas, tūri, nūvedė ~ nuvedė, sūdave ~ sūdavo.
Die durch den Akzent bedingte Dehnung der alten kurzen i, u (zur Länge vgl. § 19b), die im Dialekt eingetreten ist, ist nicht sehr alt. Das zeigt auch die Tatsache, dass bestimmte Formen, die im Dialekt noch die alten kurzen betonten i, u bewahrt haben (vgl. § 35a), bereits häufig auch mit langen ī, ū ausgesprochen werden, z. B.:
līgdava ~ blieb, līgdavam ~ wir blieben; līktu ~ würde bleiben, līktumem ~ wir würden bleiben; štrīkši ~ flitzt;
17Im süddialektalen Westhochlitauischen (das als Grundlage des Hochlitauischen genommen wurde) waren vor dem Eintritt des Metatonie wohl nur į, ū in den Formen der 3. Person Futur primärer Verben verkürzt worden; bei den sekundären Verben hingegen war die Länge des į hier erhalten geblieben.
18Bei der Erörterung der Verhärtung des Konsonanten l (§ 85) wird auch die Frage nach dem Alter der Diphthonge am, an, em, en > um, un, im, in berührt. Deshalb wird im Kapitel „Vokalismus“ an keiner Stelle gesondert darauf eingegangen.
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mūždavau ~ ich pflegte zu schweigen, mūždava ~ er/sie pflegte zu schweigen; mūštum, mūštumei ~ ich würde schweigen; sūkėsi, sūkšit.
Das bedeutet, dass die Dehnung der kurzen betonten į, u im Dialekt in bestimmten Fällen auch heute noch stattfindet.
c) Die dialektalen į, ū, die den betonten į, ū der lk entsprechen, sind aus in, un auf demselben Weg entstanden wie die dialektalen i, u, die den unbetonten i, u der lk entsprechen (§ 35c); der Ursprung der dialektalen ī, ū, die den betonten ę, ą der lk entsprechen, ist derselbe wie der der dialektalen i, u, die den unbetonten ę, ą der lk entsprechen (§ 35d). Nur diese ī, ū wurden, da sie betont waren, im Dialekt nicht gekürzt, das heißt, sie bewahrten ihre Länge, z. B.:
§ 37. Im Wortstamm tritt bl anstelle von lk i, y nach sporadisch verhärteten Konsonanten auf (vorwiegend in Lautmalereien); vgl. § 90.
Zu bl, das am Wortende anstelle des alten en vorkommt, das auf l folgte, siehe § 85.
2. Diphthonge
Diphthonge
ai (ai)
§ 38. Der Diphthong ai des Dialekts hat mehrere Ursprünge.
a) Das dialektale ai, das dem standardlitauischen ai entspricht, hat denselben Ursprung wie das standardlitauische. Dieser Diphthong kommt im Dialekt unbetont und betont vor, z. B.: daiktù ~ daiktų, laikīt ~ laikyti; daiktas, raitas, kraĩpa ~ kraĩpo.
b) Im Dialekt kommt auch ein Diphthong ai sekundären Ursprungs vor:
1. Zum dialektalen ai, das dem anlautenden ei im standardlitauischen Wort entspricht, siehe § 24a.
2. Anstelle des standardlitauischen ei: 1) nach verhärtetem l (§ 84), 2) nach sporadisch verhärteten Konsonanten (§ 90).
3. In einigen Wörtern anstelle des standardlitauischen Diphthongs ui (§ 42).
4. Entstanden durch Vokal-Kontraktion oder Elision (§ 78).
Anstelle des ersten Bestandteils des unbetonten Diphthongs ai wird im Dialekt manchmal ein gespanntes a ausgesprochen (der zweite Bestandteil i > į), z. B.: baišáuse ~ baisiausia, gaĩdžiukai ~ gaidžiukai, kaĩlinė ~ kailiniai, vaĩkam ~ vaikám. Die Entwicklung des Diphthongs ai zu ąi ist jedoch nicht regelmäßig. Sie kommt häufiger in der Sprache älterer Dialektsprecher vor, während die jüngeren das unbetonte ai im Wortstamm fast immer wie im Standardlitauischen aussprechen.
Zum wortfinalen ai, ąi siehe §§ 66, 67.
au (aų)
§ 39. a) Das dialektale au, das dem standardlitauischen au entspricht, hat denselben Ursprung wie dieses. Im Dialekt kommt es unbetont und betont vor, z. B.: aus̃ti ~ aus̃ti, augiĩt, klausīt ~ klausyti; auga, kaũlas, laũkas.
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b) In Eigennamen nichtlitauischen Ursprungs entspricht dem dialektalen au selten das anlautende standardlitauische eu, z. B.: auriopa ∼ Europa, augienije ∼ Eugenija.
Anstelle des ersten Bestandteils a des unbetonten Diphthongs au ist im Dialekt manchmal ein Frikativ a zu hören (der zweite Bestandteil u > ų), z. B.: daugiau ∼ daugiau, daugiause ∼ daugiausia, sudaužau ∼ sudaužiau. Eine solche Aussprache ist jedoch eher (aber nicht regelhaft!) für Angehörige der älteren Generation kennzeichnend; die Jüngeren sprechen das unbetonte au im Wortstamm fast immer wie im Standardlitauischen aus (vgl. auch § 16).
Zum wortfinalen au, aų siehe §§ 66, 67.
ei (ii)
§ 40. a) Der dialektale ei ist größtenteils gleichen Ursprungs wie der standardlitauische. Dieses ei entspricht dem standardlitauischen ei (vgl. auch § 38b). Im Dialekt kommt ei sowohl unbetont als auch betont vor, z. B.: šveikatà, šeimìna ∼ šeimýna, meiženai ∼ Meižėnai „Dorf in der Umgebung von Kulniškiai“; veidas, sėila ∼ sėlė, kreivas.
b) Seltener kommt im Dialekt der Diphthong ei anderer Herkunft vor.
1. Zum dialektalen ei, das durch Kontraktion entstanden ist (und dem im Standardlitauischen e und i in benachbarten Silben entsprechen), siehe § 78.
2. Das Adverb taip wird im Dialekt tėp. ausgesprochen.
Unbetontes ei wird im Dialekt manchmal zu įi, z. B.: (ne)riikėję ∼ nereikėjo, gričią ∼ greičiau, kri̇̄varunkis ∼ kreivaraṅkis, kri̇̄vuliōt ∼ kreivuliuoti. Ein solcher ei> įi kommt jedoch häufiger nur in der Sprache der älteren Generation vor, während die Jüngeren diesen Diphthong im Wortstamm als lk aussprechen.
Zum wortfinalen ei, įi siehe §§ 66, 67.
ie, uo
§ 41. a) Die dialektalen ie, uo, die den hochsprachlichen ie, uo entsprechen, sind gleichen Ursprungs wie die der Hochsprache¹⁹. Im Dialekt kommen diese Diphthonge nur unter Betonung vor:
1) mit dem alten Wortakzent, z. B.: pienas, vienas, niekas, šienas; duona, juoktis, kuodas, púodas;
2) mit zurückgezogenem Akzent, z. B.: diena, šviesa, vieni; agūona, aštuoni, krūopa.
b) Die Diphthonge ie, uo kommen im Dialekt in Wörtern nichtlitauischen Ursprungs anstelle der kurzen betonten (oder im Dialekt betont gewordenen) hochsprachlichen e, o vor, z. B.: kieviškas „chemisch“, faniera „Sperrholz“, agranūmas, armūnikas, bikūnas „Speck“, kilūometras, papirbėsas. Der erwähnte Wandel von ė zum Diphthong ie ist seltener; das im Dialekt gedehnte hochsprachliche ò wird dagegen so gut wie regelmäßig zu uo.
c) ie, uo anderer Herkunft:
1. Der Diphthong uo wird im Dialekt in den folgenden Adverbien anstelle des hochsprachlichen o gesprochen: kuožai „bis“, lik šuolai „bis jetzt“, tuolai „bis dahin“.
2. Zum durch Kontraktion entstandenen dialektalen ie (entsprechend lk aus i und a in benachbarten Silben) siehe § 78.
Im Dialekt sind unbetonte ie, uo zu Monophthongen geworden (> e, a), siehe §§ 23, 29.
Zum ie, uo am Wortende siehe § 68.
19 Vgl. Endzelynas, GF, §§ 14, 15.
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ui
§ 42. Dem diphthongischen Laut ui der Mundart entspricht im Litauischen der Standardsprache ui, und beide sind gleichen Ursprungs20. Dieser Diphthong ist im Wortstamm selten. Er kommt nur in wenigen weiteren litauischen Wörtern vor, z. B.: išgūnīt ~ išgūnyti „vertreiben“, mūistītis ~ muistytis, zūit, (Futur, 3. Pers. Sg.) zuīs (daneben: žūjīt ~ žūjyti, žūjis ~ žūjys), sowie bisweilen in alten Entlehnungen aus den slawischen Sprachen (anstelle des slawischen y), z. B.: bužlis (vgl. russ. боль), smūike ~ smuikė „Geige“ (vgl. weißruss. смыкъ), tūnas (vgl. russ. тын, poln. tyn). In der Entlehnung muilas (vgl. russ. мыло) und seinen Ableitungen ist der Diphthong ui in der Mundart meist zu ai oder ai geworden, z. B.: maīlas | maīlas, išsimaīlinti || išsimažlinti < „sich einseifen“, mailūotas || mailūoras.
Zum Diphthong ui am Wortende siehe § 69.
Gemischte Diphthonge
Alte gemischte Diphthonge
§ 43. In der Mundart gibt es wie in der litauischen Standardsprache 16 alte gemischte Diphthonge. Einige von ihnen (am, an, em, en) kommen jedoch heute aufgrund ihrer Entwicklung zu anderen Diphthongen nur sehr selten vor.
al, ar
§ 44. Die mundartlichen Diphthonge al, ar sind entstanden: 1. aus den alten al, ar. In der litauischen Standardsprache entsprechen ihnen dieselben Diphthonge, z. B.: galvà, kâlt; kárvė ~ karvė, márti. 2. aus wortanlautendem el, er, vgl. § 24a.
el, er
§ 45. Die mundartlichen Diphthonge el, er entsprechen denselben Diphthongen der litauischen Standardsprache und sind gleichen Ursprungs, z. B.: delnâi, kélmas, velkù; šérdàs, béržas.
il, ul; ir, ur
§ 46. Die dialektalen il, ul, ir, ur, die Entsprechungen im Litauischen der Schriftsprache (lk) haben, sind gleicher Herkunft wie die Formen der Schriftsprache, z. B.: vilkai, pilnas, pilvas; pulkas, pūlti; kelžvirtas, mirtis, žirnis; gurklys ~ gurklys, pūrti ~ purtyti. Zu il, ul, ir, ur im Präsens von Verben, die durch Metathese entstanden sind, siehe § 94a.
im, um; in, un
§ 47. Die Diphthonge im, um, in, un des Dialekts sind unterschiedlichen Ursprungs. 1. Die dialektalen im, in, um, un, die Entsprechungen im Litauischen der Schriftsprache haben, sind gleicher Herkunft wie die Formen der Schriftsprache, z. B.: įimti ~ imti, kīmštas, gimdīti ~ gimdyti; gumbas, dūmt; atminītis, minkštas, plīnka; ungurys ~ ungurys, sūnkiai ~ sunkiai, smunka. 2. Die dialektalen um, im, un, in, die den Formen der Schriftsprache am, em, an, en entsprechen, stammen von den alten gemischten Diphthongen am, em, an, en ab, z. B.: kumpėlis ~ kampėlis, sūntis ~ sámtis, kùmpas ~ kampas; kimpinė ~ kempinė, pímpe ~ pémpė, tīnpīt ~ tenpti; lun-
Zu den Formen am, em, an, en> um, im, un, in im Dialekt siehe § 85.
3. Zu dialektalem un, das der Form der Schriftsprache en nach l entspricht, siehe § 85.
am, an, em, en
§ 48. Da die alten am, an, em, en zu anderen Diphthongen geworden sind (§ 47₂), sind diese Diphthonge in der Mundart heute selten. Sie kommen nur in folgenden Fällen vor:
1. em, en kommen im Infinitiv und seinen Ableitungen bei solchen Verben vor, bei denen diese Diphthonge im Präsens und im Präteritum oder nur im Präteritum zerfallen, d. h. der erste Bestandteil geht in die Bildung einer Silbe ein, der zweite Bestandteil in die einer anderen. Z. B.:
2. em, en kommen in Verben vor, in deren Stamm sie mit im, in (ī) wechseln, z. B.:
kimšti, kemša, kimša ~ kimšo;
krimšti, kremčia, krimta ~ krimto;
hineinkriechen ~ hineinkriechen, er kriecht hinein, er kroch hinein ~ hineingekrochen;
rinkti, renka, rinka ~ rinko;
šli̇nkti, šlenka, šlinka ~ šlinko.
Die durch den Wechsel der Stammvokale in denselben Verben entstandenen am, an sind im Dialekt zu um, un geworden, z. B.: kumšči̇t ~ kamšyti, krumti̇ ~ kramtyti, lūndžei ~ lāndžioti, rūnkėt ~ ránkioti, slūnkėt ~ slánkioti.
3. an, en (vor b, p > am, em) stehen im Präsensstamm, in dem sie durch Einschub von n entstanden sind, z. B.:
Das durch eine Infixbildung im Wortstamm entstandene en (em) bleibt stets erhalten, während an (am) in einigen Wörtern zu un (um) geworden ist, z. B.: acruñda < atsirañda, nesuprañta < nesuprañta. Dieses un (um) kommt jedoch hauptsächlich nur in der Sprache der älteren Generation vor; Vertreter der mittleren Generation (von den Jüngeren ganz zu schweigen) sprechen hier gewöhnlich an (am): acrañda, nesuprañta (vgl. auch § 94a).
4. In dem einen oder anderen Lautnachahmungswort, z. B.: ãm, am̃ „über die Stimme eines Hundes“, amsẽt, amsi; krañki-krañki „über die Stimme einer Krähe, eines Kolkraben“, grem̃ž-grem̃ž, gremši-grem̃šti ~ gremžt-gremžt „Geräusch des Kratzens, Schabens“.
5. In einzelnen Wörtern, meist solchen, die erst vor Kurzem in den Dialekt gelangt sind, z. B.: ãmžis ~ amžius, am̃žinas, kambaris ~ kambarys, bañgą, bañdimai ~ bañdymai, krañtas, mañkyt ~ manyti, sañdelis ~ sandėlys, vañgeriškė ~ vangiarỹkštė „vingiarykštė“, ańtkapis, ańtpečiai ~ antpečiai, beñgi < beñtgi.
6. In einigen Eigennamen, z. B.: patámsis ~ Patámsis (ein Familienname, der vermutlich von anderswo in den Dialekt gelangt ist), samantónis ~ Samantónys (ein Dorf), mančiū̃nai ~ Mančiūšėnai (ein Dorf).
7. In Wörtern nichtlitauischen Ursprungs, z. B.: ambulatorijoje „Ambulanz“, anglas, bankas, dakūmentas „Dokument“, fundámentas. In Wörtern dieser Herkunft entsprechen dem dialektalen am, an auch unbetontes om, on der Standardsprache, z. B.: kambáinas ~ kombáinas, kampúotas ~ kompótas, kantúora ~ kontorà.
Zu den sekundär entstandenen am, an, em, en im Wortstamm siehe § 49, am Wortende siehe §§ 72, 73.
Sekundär entstandene gemischte Diphthonge
§ 49. Wenn die Zahl der Silben eines Wortes abnimmt und die Laute zweier benachbarter Silben zu einer Silbe verschmelzen, entstehen neue gemischte Diphthonge. Als erste Bestandteile dieser Diphthonge können im Dialekt auftreten: a, e (entsprechend standardsprachlichem a, e und unbetontem o, uo; ė, ie), i, u (entsprechend standardsprachlichem unbetontem i, y; u, ū), ī, ū (entsprechend standardsprachlichem betontem i, y; u, ū), ė, o (entsprechend standardsprachlichem betontem ė, o); zweite Bestandteile sind die Konsonanten l, m, n, r (entsprechend standardsprachlich denselben Lauten).
Sekundär entstandene gemischte Diphthonge im Wortstamm sind selten. Häufiger treten sie nur in folgenden Fällen auf:
21Aus den Formen der ostaukschtaitischen Dialekte brenda, krenta, skrenda gelangten auch in die Literatursprache. Vgl. J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, 1, 264, Vilnius, 1957.
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2. Durch den Schwund oder Ausfall von Vokalen oder Diphthongen im Wortauslaut, z. B.: áns < ánas „er“, adgal || adgãl ~ atgal, ìr < yra, vidur, dėl ~ dėl (in Proklise), vėl, kòl, lìk šòl ~ lig šiol, šiñden < šiandieną, ūñtan „Antanai“, stàsiul „Stasiuli“.
3. Durch den Ausfall eines Vokals (meist i) im Wortinneren, z. B.: kėlnes < kėlinės, šulnìs < šulinys, dvìlika < dvylika, keturiòlika < keturiolika (weitere Beispiele siehe § 79).
Gemischte Diphthonge sekundärer Herkunft im Wortstamm werden, unabhängig davon, welchen Akzent die Silben hatten, aus denen diese Diphthonge gebildet wurden, meist mit fallendem Akzent ausgesprochen. Nur bei den betonten Diphthongen, deren erste Bestandteile ė oder o sind, ist der Akzent weniger deutlich hörbar (in diesem Fall wird überall das Zeichen für den mittleren Akzent gesetzt).
Die Länge der ersten Bestandteile i, u, die sowohl į, ū als auch ỹ, ū̃ entsprechen, ist gleich, z. B.: šùngrìbis ~ šungrybis, sùrmaišelis ~ sūrmaišelis (zur Länge der Bestandteile von Diphthongen siehe auch § 20).
Zu gemischten Diphthongen sekundärer Herkunft im Wortauslaut siehe §§ 71—73.
3. Triphthonge
§ 50. Triphthonge im Wortstamm sind selten und kommen nur in folgenden Fällen vor:
1. Wenn infolge von Wortzusammensetzung, Abschwächung der Endung oder Ausfall eines Vokals Diphthonge ie, uo und Konsonanten l, m, n, r, j aus benachbarten Silben zu einer einzigen Silbe verschmelzen, z. B.: pet’žiem ~ peržiem, pieṁburnis ~ pienburnis, šieṁpjovė ~ šienpjovė, kaž-dien ~ kasdien, šuolpalaikis, venuòlka < vienuòlika, venuòlktas < vienuòl iktas, duònkepė ~ duonkepė, tuòj < tuojau.
2. Der Triphthong ien kommt in den Präsensformen der Verben likti, migti vor, die das Infix n enthalten, z. B.: liẽnku „ich bleibe“, liẽnki „du bleibst“, liẽnka „er/sie bleibt“; užmiẽnga „er/sie schläft ein“, už-miẽga, užmiẽngam „wir schlafen ein“.
3. In Wörtern nichtlitauischer Herkunft sind die Triphthonge uol, uom, uon, uor aus den Diphthongen ol, om, on, or entstanden, weil kurzes o im Dialekt zu uo geworden ist (vgl. § 41b), z. B.: può lka ~ pòlka, pòmpa ~ pòmpa, frùontas ~ fròntas, nuòrma ~ nòrma.
Ähnlich sind Triphthonge auch in litauischen Wörtern entstanden: (ìki) kùol < (iki) kòl, (ìiki) tùol < (iki) tòl.
Triphthonge sind im Dialekt nur betont; unbetonte Triphthonge werden zu Diphthongen, z. B. papergalìs ~ popiergalys (vgl. auch § 49).
Zur Länge der einzelnen Bestandteile von Triphthongen siehe § 20c.
Zu Triphthongen im Wortauslaut siehe § 74.
4. Wechsel der Stammvokale
§ 51. Im Dialekt gibt es dieselben Reihen des Stammvokalwechsels wie im Ik. Einige Beispiele:
§ 52. In der Mundart ist das alte kurze auslautende a zu anderen Lauten geworden (vgl. § 53). Erhalten geblieben ist es nur in den Pronomen anàs, katràs, viskàs.
Das heute in der Mundart vorkommende auslautende a (es ist stets kurz) hat folgenden Ursprung:
1. Aus dem alten langen akuten (betonten und unbetonten) a. Im ostlitauischen Dialekt entspricht ihm ein kurzes a, z. B.: lazdà, galvà, šakà, gerà, visà; dúona, píeva, šlóta, stórą.
2. Aus dem alten langen unbetonten Zirkumflex-a. Dieses mundartliche a entspricht im Ostlitauischen einem unbetonten o, z. B.: laũka ~ laũko, stãla ~ stãlo, mãža ~ mãžo; lãzdas ~ lãzdo, siẽnas ~ sienos, stóras ~ stóras; áuga ~ áugo, áugdava ~ áugdavo, būva ~ būvo, dára ~ dáro.
Die Verkürzung des alten akuten und zirkumflektierten ā im Wortauslaut erfolgte nicht gleichzeitig.
Die Entwicklung des alten ā zum Vokal o (§§ 32, 55) zeigt, dass zum Zeitpunkt dieses Lautwandels in der Mundart nur das betonte (akute und zirkumflektierte) ā im Wortstamm sowie das betonte zirkumflektierte auslautende ā seine Länge bewahrt hatten. Alle übrigen alten ā (unbetont im Wortstamm und am Wortende sowie auch das betonte akute am Wortende) waren bereits verkürzt, weshalb der erwähnte Lautwandel (zum Vokal o) sie nicht erfasste.
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Das derzeit in allen litauischen Mundarten am Wortende vorkommende kurze a anstelle des alten unbetonten und betonten akutierten ā zeigt ebenfalls, dass seine Kürzung älter ist als die Kürzung des unbetonten zirkumflektierten ā, die nur den žemaitischen und den nördlichen aukštaitischen Mundarten gemeinsam ist. Außerdem ist in einigen nördlichen ostaukštaitischen Mundarten das unbetonte zirkumflektierte ā auch heute noch nicht vollständig gekürzt und wird als Halblänge ausgesprochen, z. B.: (Gen. Sg.) atóla ~ atólo, várga ~ várgo, (Gen. Sg., Nom. Pl.) ãdatos ~ ãdatos, rūnka.s ~ rankos (Debeikiai, Kamajai, Karsakiškis...).
3. Aus altem ē nach l, vgl. § 54.
4. Aus unbetontem uo am Wortstammauslaut. Dieses α entspricht uo, z. B.: rėma ~ rėmuo, rátasi ~ rátuose, šódasi ~ šóduose.
α
§ 53. a) Das mundartliche α, das dem kurzen a oder e der Schriftsprache entspricht, ist:
1. Anstelle des alten kurzen a nach einem harten Konsonanten, z. B.: (in offener Endung) áuga, ãuna, būna ~ būna, dirba, dúoda, kìla, nẽša; (ne)gẽra, kãršta, šálta; (in geschlossener Endung) áidamas ~ eidamas, ártas, báltas, dárbas, kárštas, laũkas, pìrmas, vìenas.
2. In der Akkusativ-Plural-Endung anstelle von:
1) a < ā nach harten Konsonanten, z. B.: (unbetont) báltas, gálvas, geltónas, póras, várnas; (betont) geràs, kasàs, kitàs, runkàs ~ rankas, šakàs, visàs.
2) e < ē nach l, z. B.: (unbetont) didelàs ~ didelės, žólas ~ žolės; (betont) kalès ~ kalės, kaulès ~ kiaulės, varlàs ~ varlės.
Das Entstehen des abgeschwächten (quantitativ und qualitativ reduzierten) a (α) ist zweifellos das Ergebnis der Kürzung der Wortendung²². Mundartliches α aus kurzem a muss recht früh entstanden sein — noch vor der Kürzung des zirkumflektierten (unbetonten) und des akutierten (unbetonten und betonten) ā am Wortende, d. h. vor deren Wandel zu kurzem a in der Mundart (§ 52). Andernfalls wäre auch das letztere a, das aus den erwähnten alten ā hervorgegangen ist, zu α geworden²³.
Das α in den Akkusativ-Plural-Formen entstand wahrscheinlich zur selben Zeit wie α aus altem kurzem a. Nachdem das tautosyllabische n²⁴ vor sehr langer Zeit aus den Endungen der genannten Formen geschwunden war, wurde offenbar auch der verbliebene erste Bestandteil des ehemaligen Diphthongs, ã, recht früh gekürzt (noch vor der Kürzung des alten -ā). Ebenso alt muss auch das ē > ē der Akkusativ-Plural-Endung gewesen sein, das nach dem Erhärten von l in der Mundart ebenfalls zu α wurde (vgl. auch § 64).
b) Der in der Mundart reduzierte Vokal α kommt auch anstelle eines unbetonten (ursprünglichen oder infolge des Zurückziehens des Akzents entstandenen) u am Wortende nach einem harten Konsonanten vor. u > α tritt jedoch nicht so regelmäßig auf wie kurzes a. α wird am häufigsten in geschlossener Endung ausgesprochen
²² Zur Endungskürzung in anderen aukštaitischen Mundarten siehe Vl. Grinaveckis, Galūnių trumpėjimas lietuvių kalbos tarmėse, PIMD, 8, 100 ff. (1959).
²³ Die Form der 3. Person Singular Präsens des Verbs būti wird in der Mundart meist ohne auslautendes a ausgesprochen: ãir (Negativform nẽr), doch kommt auch die ungekürzte Form vor: ẽira ~ yra (nẽra ~ nėra). Das a ist hier nicht zu α geworden, möglicherweise weil die Form als altes Substantiv anzusehen ist, das ebenfalls ein auslautendes ã hatte (vgl. Endzelynas, GF, § 334).
²⁴ Vgl.: K. Širvydo Akk. Pl. wisas PS I 4₉, weislingas PS I 48₅ und Instr. Sg. plunksnu PS I 106₃, nasztu PS I 52₁₁; in Debeikiai, Obeliai u. a. Akk. Pl. runkas ~ rankas und Instr. Sg. runku ~ rankų. Vgl. außerdem: Endzelynas, GF, § 212; Endzelīns, Gr, § 256.
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anstelle des dialektalen u < ū, z. B.: lietas ~ lietus, rūkštas ~ rūgštus, sūras ~ sūrus, sūnas ~ sūnūs, tuṙgas ~ turgus, žmogas ~ žmogus (|| lietus, sūrus, vgl. § 65); seltener tritt es auch anstelle des u dialektalen Ursprungs anderer Herkunft auf (< ū, ūo usw.), z. B.: saldas ~ saldūs, gražūs ~ gražūs, (Plural Gen.) pūodas ~ pūodis, sūnas ~ sūnus.
Zum Schicksal des dialektalen a nach palatalisierten Konsonanten und j siehe § 63.
e
§ 54. Im Dialekt gibt es nur ein kurzes e im Wortauslaut. Es gibt jedoch keine zuverlässigen Beispiele, in denen das alte kurze e erhalten geblieben wäre (zum e im Vokativ Singular siehe § 64).
Das heutige e im Wortauslaut ist entstanden:
1. aus altem unbetontem ē. Dieses dialektale e steht im offenen und geschlossenen Wortauslaut und entspricht dem unbetonten ė der Standardsprache, z. B.: kārve ~ kārvė, lāpe ~ lāpė, medine ~ medinė; āre ~ ārė, kāse ~ kāsė, māte ~ mātė, sāke ~ sākė; (Gen. Sg., Nom. Pl.) kārves ~ kārvės, lāpes ~ lāpės, žēmes ~ žēmės, medines ~ medinės.
Nach verhärtetem l (§ 84) entspricht dieses dialektale e > a, z. B.: sāula ~ sāulė, kēla ~ kēlė; sāulas ~ sāulės.
Die Kürzung des unbetonten ē (die auch für andere nordlitauische Hochdialekte charakteristisch ist) erfolgte zweifellos gleichzeitig mit der Kürzung des unbetonten Zirkumflex-ā im Wortauslaut (§ 52).
Rapt ist, wie in vielen anderen litauischen Dialekten, das -e < -ē aus den Formen der 1. und 2. Person Plural des Verbs (aller Modi und Tempora) geschwunden, z. B.: tūrim, turėjom ~ turėjome, turėdavom ~ turėdavome, turėsim, turėkim, turėtumen ~ turėtumėme; tūvit, turėjēt ~ turėjote, turėdavāt ~ turėdavote, turėsi̇t, turėkit, turėtumet ~ turėtumėte.
Das palatale Endungs-t²⁵ in den Formen der 2. Person Plural zeigt, dass das darauf folgende e im Dialekt erst vor nicht allzu langer Zeit geschwunden ist. Dasselbe zeigen auch die alten Schriftzeugnisse. So überwiegen etwa im anonymen Katechismus von 1605 und in K. Sirvydas’ „Punktai sakymų“ noch die Formen der 1. und 2. Person Plural mit auslautendem e: tūrime KA 27₁₂,₁₄, pramineme KA 11₇, bīsi̇me KA 53₂₈, daritume PS I 6₁₁, dirbome PS I 17₅, pirksime PS II 78₃, klausikime PS I 83₁₇, daritumi̇me PS II 182₃; žinote PS I 1₁₅, Sedesite PS I 5₅, Astrokite PS I 6₂₈, ne imtumite PS II 6₂₇. In denselben Schriftzeugnissen kommen jedoch die genannten Verbformen bereits auch ohne dieses -e vor, z. B.: norim PS I 85₂₉, nesimokiem PS I 17₁₀; pasiputet PS I 279₂₉, nepažinot PS II 109₁₇.
2. aus dem unbetonten Diphthong ie. Dieses dialektale e entspricht dem unbetonten ie der Standardsprache, z. B.: diṙpses ~ dirbsies, kārstises ~ karstysies, mōkises ~ mokysies.
3. Zum e, das aus dem vorderen dialektalen a entstanden ist (< á, unbetontem altem Zirkumflex-ā, unbetontem uo), siehe § 75.
ē, ė, o
§ 55. Das ē, o am Wortende ist aus den alten betonten stoßtonigen ē, ā entstanden. Im Lk entsprechen ihm betonte ė, o gleicher Herkunft, z. B.:
Nach dem verhärteten l (§ 84) entspricht ė dem e, z. B.: kalė ~ kalė, žalė ~ žolė; kalės ~ kalės, žalės ~ žolės. Am Wortende muss das alte betonte ė – wie auch im Stamm (§ 32) – in der Mundart schon vor der Verhärtung des l verengt worden sein; andernfalls würde nach l hier heute nicht e, sondern ein anderer Laut ausgesprochen> 26.
i, ī
§ 56. Das i der Mundart (kurz), aus dem alten kurzen i hervorgegangen, kommt am offenen und geschlossenen Wortende vor und entspricht dem i gleicher Herkunft im Lk, z. B.: aštì ~ ešti, nieštì ~ niežtì gālì, stōvì, tūri; (Nom. Sg.) akìs, ausìs, naktìs, vagìs.
Das alte kurze i am offenen Wortende ist manchmal abgefallen, z. B.: šiom < šiuomi, tuom < tuomi, manim < manimi, medum < medumi. (Vgl.: savim PS I 93₂₅, sunum PS I 24₁₂, 74₂, žmogum PS I 10₂₉, 19₁, 54₁₁ neben sunumi PS I 150₁₂,₁₅, žmogumi PS I 156₃.)
§ 57. Das i der Mundart (kurz), aus ī hervorgegangen, entspricht im Lk dem i gleicher Herkunft, z. B.: martì, patì, gražì, platì (vgl. Tverečius gražì, plačì, brungìja „die Teure“); (Akk. Pl.) akìs, ausìs, pìrìs27.
Die Kürzung des anlautbetonten -ī ist, so ist anzunehmen, gleichzeitig mit der Kürzung von -ā eingetreten (§ 52).
§ 58. Das i, ī der Mundart ist aus stoßtonigem ī hervorgegangen. Ein i (kurz) dieser Herkunft entspricht im Lk einem i oder unbetontem y, während ī (lang) einem betonten y entspricht. Diese i, ī kommen vor in:
1. Nominativ Singular der īa-Stämme bei Substantiven, z. B.: brėdis, miežis, žodis; arklys ~ arkys, dagys ~ dagys, gaidės ~ gaidys28.
2. Nominativ Plural der ī-Stämme bei Substantiven, z. B.: akìs ~ ākys, širdìs ~ širdys, pìrtìs ~ pìrtys29.
§ 59. Das i, ī der Mundart, die dem i des Lk entsprechen, sind aus dem stoßtonigen Diphthong in hervorgegangen, nachdem das tautosyllabische n geschwunden war (§ 86). Das i (kurz) dieser Herkunft ist unbetont, das ī (lang; selten) dagegen nur betont, z. B.: ākì ~ ākì, dūntì ~ dantì, pìrtì ~ pìrtì, vãgì ~ vãgì; kakõ ~ kokį „welchen“, takõ ~ tokį „solchen“.
§ 60. i, entstanden aus dem anlautbetonten -ēn der Lokativformen. Dieses -i der Mundart entspricht dem aus demselben -ēn hervorgegangenen -e im Lk, z. B.: laukì ~ laukė, miškì ~ miškė, sōdì ~ sodė, šieni ~ šiene, šieni ~ šienė. In der Mundart ist vor dem tautosyllabischen n am Wortende abge-
26 Vgl.: die Dialekte von Svedasai kalõ ~ kalė, pelõ ~ pelė, pelõs ~ pelės, pamylõs ~ pamylės; die Dialekte von Raguva pelõ ~ pelė, žulõ ~ žolė; žulõs ~ žolės (neben einem e mit Wortakzent im Wortinneren: lėkti ~ lėkti); vgl.: V. Valunta, a. a. O., 37; E. Žvirblytė, Der Dialekt von Raguva, Diplomarbeit (Manuskript), 18, Institut für Litauische Sprache der Staatlichen Universität Vilnius V. Kapsukas, 1954.
27 Zur Herkunft der Endung -is im Akkusativ Plural litauischer i-Stämme vgl. Endzelīnas, GF, § 236.
28 Näheres zur Herkunft der Singular-Nominativendungen -is, -ys litauischer īa-Stämme siehe: Endzelīnas, GF, § 194 (mit der dort angegebenen Literatur); J. Kazlauskas, Übergang von Substantiven der i-Deklination zur io-Deklination, UMD, 26, 41 ff. (1958).
29 Zur Herkunft der Plural-Nominativendung -ys litauischer i-Stämme (rapt > -is) siehe auch: Endzelīnas, GF, § 223; Endzelīns, Gr, § 281; J. Kazlauskas, a. a. O., 42.
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tung (§ 86) hat sich der erste Bestandteil -ė > -ī (-ėn > -in)30. Dieses unbetonte und betonte -ī verkürzte sich erheblich früher als das -ī, das aus unbetontem, schleiftonigem -in hervorgegangen ist (die Verkürzung des ersten Bestandteils des Diphthongs -ėn ist allen litauischen Dialekten gemeinsam).
Das Schicksal dieses alten -ėn nach l vgl. § 85.
Der Vokal -i < -ėn ist aus allen Formen des Singular-Lokativs der Nomina mit pronominaler Endung geschwunden, z. B.: baltam, geram, mažam, devintam, pinktam ~ penktame, kal’em ~ kokiame, pačėm ~ pačiame, šitam, artam, stovinčėm ~ stovinčiame. (Vgl.: kuriami PS I 4₂₆, 13₆, 18₃, 51₁₅, kokiamy PS I 42₁₇, szawyntami PS I 43₁₈, tami PS I 57₁₆,₁₉, táni KA 48₂₄.)
§ 61. i, hervorgegangen aus dem schleiftonigen en, dessen erster Bestandteil vor dem Schwund von n zu i wurde (-en > -in). Dieses i entspricht im Dialekt dem unbetonten ę derselben Herkunft, z. B.: kàrvi ~ kárvę, ląpi ~ ląpę, medìni ~ medinę, žėmi ~ žemę; būzi ~ būvę, dávi ~ dāvę, dirbi ~ dirbę; mátis ~ mátęs, sákis ~ sákęs, turėjis ~ turėjęs.
Zum Schicksal des schleiftonigen wortfinalen en nach l siehe § 85.
§ 62. i, hervorgegangen aus dem stoßtonigen Diphthong ie. Dieses i des Dialekts, das dem i derselben Herkunft in der Literatursprache entspricht, tritt auf:
1. Im offenen Wortauslaut:
die pronominale Plural-Nominativendung der Nomina, z. B.: balti, jauni, geri, kiti, matiti ~ matyti, parvešti ~ parvežti, žalgami ~ valgomi;
die Formen der 2. Person Singular im Präsens und Futur, z. B.: neši, peši, šnekėsi, suksi, turėsi, veši.
Fälle, in denen ie im offenen Wortauslaut nicht zu i geworden ist, siehe § 68.
2. Im geschlossenen Wortauslaut die reflexiven Formen der Verben:
2. Person Singular Imperativ, z. B.: gulki s, kėlkis, pilkis, sėskis.
Im Infinitiv und in der 2. Person Singular des Imperativs, die keine Reflexivpartikel aufweisen, ist der Vokal der Endung nach einem Konsonanten geschwunden, z. B.: ari, bauši, derėi, gėri, kàli, mìši, žadėi; aik ~ eik, baik, dirbk ~ dirbk, turėk, vešk, žinok.
Welcher Vokal der genannten Endungen geschwunden ist, lässt sich schwer mit Sicherheit sagen. Vertreter der älteren Generation gebrauchen neben den häufigeren Infinitivformen ohne Endungsvokal bisweilen noch: būti ~ būti, dirbti ~ dirbti und gàute (das mundartliche -e geht hier auf unbetontes -ie zurück), aite ~ eiti, gyvenite ~ gyventie (vgl. in Širvydas’ Schriften neben den häufigsten Infinitivformen turėt PS I 5₁₀, but PS I 8₂, imkult PS II 17₅ auch die ebenfalls vorkommenden Formen rasti PS I 34₁₁, II 94₂₂, buti PS I 37₂₅, turėti PS I 47₂₀, pasipustie PS II 184₁₇).
30 Weniger eindeutig ist die Postposition der Formen des Pluralsessivs, da in der Mundart nach -s- nicht nur der Vokal -i, sondern auch -e steht, z. B.: miškiuos, šakosė (im größeren Teil des Mundartgebiets) und miškiuose, šakosė (in der Umgebung von Musninkai und Čiobiškis). In Širvydas’ Schriften finden sich regelmäßig gebrauchte Singularessivformen: dzewiaty PS I 43₁₇, giwenimy PS I 43₁₈, mokimy PS I 34₂₂, sudy „im Gericht“ PS I 7₃ (offenbar nur zufällig: augime PS I 195₁₉). Dort sind jedoch die häufigsten Pluralessivformen: linksmbėse statt žsakose PS I 7₁₁, runkose PS I 27₂₆, úiose PS I 28₂₃, namuose PS I 32₁₄, purwuose PS I 36₁₃, karčiuose ir szaluose vandensė PS I 187₃, tumšibėse PS II 96₃₀, iose PS II 97₁, kuriose PS II 99₂₉; seltener sind: kuriosa PS II 94₂₆, dienuosa „an den Tagen“ PS II 95₂₇, žadži osa „in den Wörtern“ PS II 149₁₆, piktibėsa PS II 168₃, kitosa wietosa PS II 202₁; kuriosy PS II 94₂₂, laukuosa PS II 94₁₉, reykałuosy (folgt auf: wisokitos) PS II 96₂₇. Vgl. außerdem: Endzelynas, GF, § 190; Endzelīns, Gr, § 234 (mit der dort angegebenen Literatur).
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Ein in der offenen Endung der 2. Person Singular des Imperativs erhaltener Vokal war überhaupt nicht zu hören.
§ 63. a) i nach palatalisierten Konsonanten oder j anstelle von:
Die Entstehung dieses mundartlichen i ist höchstwahrscheinlich mit dem Wandel von kurzem auslautendem a zu α verbunden (§ 53). Als kurzer Vokal zu einem gehauchten α wurde, das dem kurz ausgesprochenen zentralen Vokal ы des Russischen sehr ähnlich war, konnte er nach palatalisierten Konsonanten und j nur zu vorderem i werden31.
Die Aussprache der Wörter audži ~ audžia, kinči ~ kenčia, lūdži ~ lūdžia „begleitet“, žūdži ~ žydžia „blüht“, laidži ~ leidžia, medži ~ medžia, spaudži ~ spaudžia, svėči ~ svečia, trėči ~ trečia lässt darauf schließen, dass kurzes a > zu α wurde und nach palatalisierten Konsonanten sowie j zu i wurde, und zwar erst nach dem Wandel der Verbindungen *dj und *tj zu den Affrikaten dž und č (zum Zeitraum der Entstehung der Affrikaten siehe § 82d).
b) Nach palatalisierten Konsonanten und j ist unbetontes mundartliches u meist zu i geworden, z. B.: gōjis ~ gōjus, križis ~ kryžius, rōjis ~ rojus, sūkčis ~ sūkčius; (Singularakkusativ) gōji ~ gōjų, križi ~ kryžių, sūkči ~ sūkčių, marči ~ marčią, sūpi ~ sūpą, valdži ~ valdžią; (Pluralakkusativ) kviečis ~ kviečius, pievėjis ~ pievėjus, suvėjis ~ suvejus; dagegen (Pluralgenitiv) križų ~ kryžių, sūkčų ~ sūkčių, kōjų ~ kōjų, sāujų ~ sāujų. Betontes mundartliches u bleibt in diesem Fall überwiegend unverändert, z. B.: naujūs, svēčūs ~ svečius; gelegentlich hört man jedoch auch medžis ~ medžius, žālis ~ žalius.
Die Entstehung dieses i lässt sich in bestimmten Fällen ebenfalls durch die Reduktion am Wortende erklären (vgl. § 53). Wie die Beispiele jedoch zeigen, steht i in der Mundart nicht nur anstelle des alten kurzen u, sondern ist ziemlich häufig auch aus einem u anderer Herkunft entstanden. Dafür könnte auch die Tatsache verantwortlich sein, dass der Vokal u nach palatalisierten Konsonanten und j besonders zur Vorderung neigt32.
§ 64. i, das anstelle von kurzem e entstanden ist, tritt in den Formen des Pluralakkusativs der ē-Stamm-Substantive auf (zum alten -ēs dieser Formen > -es vgl. § 53a), z. B.: (unbetont) drōbis ~ drōbes, kārvis ~ kārves, žievīs ~ žieves; (betont) katīs ~ katēs, medinīs ~ medinēs, senesnīs ~ senesnēs, virvīs ~ virvēs, žemīs ~ žemēs.
Völlig verlässliche Beispiele, in denen i in der Mundart auch anstelle des alten kurzen e aufträte, gibt es nicht. Erwähnt werden können lediglich die Singularvokativformen dievī, tēvī, zaikī. Wenn die Entstehung dieser Formen nicht mit der Morphologie zusammenhängt, wären die daneben vorkommenden Singularvokativformen vaikė, vīre ~ vyre als erneut, erst vor kurzem in die Mundart gelangt anzusehen. Ergänzend sei noch erwähnt, dass auch die Singularvokativformen der ē-Stamm-Substantive in der Mundart in zwei Varianten vorkommen: kārvī || kārve (nach l: vārla || vārla).
31 Das russische ы wird nach einem palatalisierten Konsonanten ebenfalls zu u (=i); vgl. P. И. Аванесов, Фонетика современного русского литературного языка, § 41, Москва, 1956.
32 Diese Erscheinung ist auch einigen anderen ostaukštaitischen Mundarten eigen (Ramygalos, Raguvos, Panevėžio u. a.); vgl.: Būga, RR, 2, 25—26; J. Šukys, Miežiškių tarmės vokalizmo bruožai, LKK, 2, 155, 160 (1959); E. Žvirblytė, min., veik., 22. Vgl. außerdem § 76.
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u, ū
§ 65. Das auslautende u eines Wortes ist kurz und lang. Es hat mehrere Ursprünge:
1. Aus altem kurzem u. In der Mundart ist es wie im Litauischen (lk) sowohl betont als auch unbetont kurz, z. B.: alùs, medùs, gardùs, gražùs, rajùs, balsù, gilù; lietùs, žmogùs, sòtus, šviesù.
2. Aus altem ū. Unbetont ist das u dieses Ursprungs in der Mundart kurz; im Litauischen (lk) entspricht ihm ū, z. B. pietùs ~ pietūs, baisùs ~ baisūs, rãmus ~ rãmūs, sãldus ~ sãldūs33.
3. Aus dem fallend betonten Diphthong im, nach dem Schwund des tautosyllabischen n (§ 86). Dieses mundartliche u ist kurz (unbetont) und lang (betont). Im Litauischen entspricht ihm stets ein langes u (= ū), z. B.: (kurz) ālu ~ ālų, mēdu ~ medų, sāldu ~ sāldų; kọ́ju ~ kojų, vīru ~ vyrų, jūsu ~ jūsų; ārtu ~ artų, nėštu ~ nėštų; (lang) galū ~ galvų, sunū ~ sunų, varlū ~ varlių, balū ~ baltų.
4. Aus fallend betonten Diphthongen:
1) an, dessen erster Bestandteil sich vor dem Schwund des u zu u entwickelte (-an > -un). Das u dieses Ursprungs ist in der Mundart meist kurz (unbetont); lang (betont) kommt es selten vor. Im Litauischen entspricht ihm stets ą, z. B.: lãzdų ~ lãzdą, mažų ~ mažą, šãku ~ šaką, gėrų ~ gėrą; kãku ~ kokią „welche“, tãkū ~ tokią „eine solche“.
2) en nach z, z. B.: didelù ~ didelę, žõlu ~ žolę (siehe auch § 85).
5. Aus dem steigend betonten Diphthong uo. Das u dieses Ursprungs ist in der Mundart wie im Litauischen (lk) stets kurz. Es findet sich:
1) am offenen Wortende in den Formen des Singulars Instrumental sowie der 1. Person Präsens und Futur, z. B.: gerù, mažù, medžù ~ medžiu, pačù ~ pačiu, ratù (siehe auch § 68); gulù ~ guliu, nešù, sukù, vedù; nešù ~ nešiu, suksù ~ suksiu, vežù ~ vešiu.
2) am geschlossenen Wortende im Akkusativ Plural, z. B.: gerùs, kálnus, pačiùs ~ pačius, piõdus, važiuojemus ~ važiuojamus (siehe auch § 68).
Anstelle des mundartlichen u wird nach harten Konsonanten mitunter auch α ausgesprochen (§ 53b), nach palatalisierten Konsonanten und j hingegen i (§ 63b).
2. Diphthonge
Diphthonge
ai, au, ei
§ 66. Am Wortende blieben die Diphthonge ai, au, ei nur unter dem Akzent erhalten, z. B.:
Eine ähnliche Entwicklung der alten Wortauslautdiphthonge ai, au (oder sogar ihre Monophthongierung) findet sich auch in einem großen Teil der übrigen ost- und mittellitauischen Mundarten. Diese Entwicklung scheint schon recht früh eingesetzt zu haben34 und hängt zweifellos mit der Kürzung unbetonter Endungen (in anderen Mundarten auch betonter Zirkumflex-Endungen) und ihrer schwächeren Aussprache (Reduktion) zusammen. Vgl. auch § 53.
Der Diphthong ai wird auch aus sekundär entstandenen unbetonten Wortauslaut-ai, z. B.:
1) -ai < -ai, entstanden durch Kürzung der Endung: dírvai (< dirvai < *dirvãje) ~ dirvoje, lóvai ~ lóvoj, runkai ~ rankoj; šitai (< šitai < *šitãji) ~ šitoj;
2) -ai < -ai < -ei (< -ei oder -ėi), entstanden nach einem erweichten Konsonanten l (§ 84): kėlai ~ kėlei, (Dat. Sg.) kaulai ~ kiaulei, sáulai ~ saulei, žólai ~ žolei; (Lok. Sg.) ėglai ~ ėglei, mélai ~ mėlei, sáulai ~ sáulėj.
Außer den genannten Fällen gibt es im Wortauslaut noch ai, das aus ui (ui) hervorgegangen ist, z. B.: maĩšai ~ maišui, mėdai ~ medui, námąi ~ namui, sūnai ~ sūnui, vaikai ~ vaikui, vírai ~ vyrui, žmõgai ~ žmogui. Allerdings kann diese Dat.-Sg.-Endung auch mit der Endung -ai desselben Kasus in der Debeikiai-Mundart identisch erscheinen (z. B. tam vyrai), deren Herkunft bislang nicht ganz klar ist35. In der Rapt-Mundart und auch sonst wird jedoch in anderen Fällen unbetontes und betontes Zirkumflex--ui (ui) > zu -ai, vgl.: paskai ~ paskui, turgai < turguį < turguje, vidai < vidui < viduje, viršai < viršui < viršuje. Dies lässt vermuten, dass auch die Dat.-Sg.-Endung -ai hier (durch Reduktion) aus -ui. entstanden ist.
Unbetontes und betontes Zirkumflex--ai in den Instrumentalformen des Singulars der o-Stämme (z. B.: gerai „gut“, gálvai „Kopf“, lazdai „Stock“), ist vermutlich ebenfalls aus -ui36 entstanden.
b) In der Rapt-Mundart wurden die ersten Bestandteile der Wortauslautdiphthonge ai, au, ui bei ihrer Reduktion zu α nach erweichten Konsonanten und j zusätzlich palatalisiert: anstelle von α trat hier i (vgl. auch § 63). Demnach stehen nach harten Konsonanten -ai und -au, nach erweichten Konsonanten und j dagegen in denselben Fällen die Diphthonge -ii und -iu, z. B.:
1) -ii und -iu aus den unbetonten alten -ai und -au:
34 Zum Beispiel lässt die doppelte Schreibung des Wortauslaut-ai bei M. Daukša (ai oder ei) vermuten, dass er in seiner Mundart weder ein reines ai noch ei, sondern ai oder ei gehört hat. Vgl. APh, 4, 18 (1933).
35 Plg. K. Būga, Tauta ir žodis, 1, 417—418, Kaunas (1923); Z. Zinkevičius, a(ō)-kamienių daiktavardžių vienaskaitos naudininkas, UMD, 5, 190—191 (1955); Otrębski, GrJ L, 3, § 17.
36 Zur Herkunft des letztgenannten Diphthongs in der erwähnten Endung siehe K. Morkūnas, Įvardžiuotinių būdvardžių liekanos rytų aukštaičių pietinėje tarmėje, MADA, 2 (7), 198 ff. (1959).
3) -i aus älterem und neu entstandenen unbetonten und betonten zirkumflektierten -ui: (Sg. Dat.) árklių ~ árkliui, jáučių ~ jáučiui, krýžių ~ krýžiui, pjovėjų ~ piovėjui, sūkčių ~ sūkčiui; (Sg. Lok.) ámžių ~ ámžiui, pěčių ~ pěčiui; pagrečių ~ pagrečiui.
Zum Diphthong -i am Wortende ist auch das unbetonte alte und sekundär entstandene -ei geworden (außer in dem Fall, wenn dieses -ei auf l folgt; vgl. Abschnitt a) dieses Paragraphen), z. B.: pjōvį ~ piovėj, ródį ~ ródei, sėmis ~ sėmeis; (Sg. Dat.) kåtį ~ káteį, kárvį ~ kárvei, sénį ~ sėnei; (Sg. Lok.) kóšį ~ kóšėj, purvynį ~ purvynėj, žémį ~ žémėj.
Zum -i, das in der Sg.-Instrumentalendung der Nomina mit io (ia)-, ē-, i-Stämmen auftritt, siehe MADA, 2 (7), 198 tt. (1959). Zum Sg. Lokativ -i ~ -yj siehe § 82b.
ie, uo
§ 68. Die vollen ie, uo, die am offenen Wortende erhalten geblieben sind, weisen eine betonte Endung bei den Pronomen anas (Demonstrativpronomen), jis, katras, koks, nė joks, šioks, tas, toks auf, z. B.: (Pl. Nom.) anie, jies, katrìes, kakìes ~ kokie, niekiẽ ~ nė jokiẽ, šėkiẽ ~ šiokie, tiẽ, takiẽ ~ tokie; (Sg. Instr.) anuo, juo, katruo, kokiuo ~ kokiuõ, niekuõ ~ nė jokiũ, šėkuo ~ šiokiuõ, tuo, takuo ~ tokiuõ.
Außerdem ist der Diphthong uo in der betonten Endung des Sg. Nom. der Substantive mit konsonantischem Stamm erhalten geblieben, z. B.: akmuo, piemuo, ruduo, sesuo. In allen anderen Fällen sind die unbetonten und betonten Diphthonge ie, uo am offenen Wortende monophthongiert, vgl. §§ 52₄, 62, 65₅.
Am geschlossenen Wortende bleibt der betonte Diphthong ie stets voll erhalten, z. B.: kerpìes, kitìes, nešìes, pra usìes, vedìes, vesìes; (Sg. Gen.) naktìes, pìrtìes, seserìes, ugnìes; jaunìeji. Der Diphthong uo bleibt unverändert nur dann erhalten, wenn er betont ist:
1) in der Endung reflexiver Verben, z. B.: dedùos, nešùos, nešùos „ich werde mich tragen“, vedùos, vešùos „ich werde mich fahren“, und
2) im Pl. Akk. der Pronomen anas, jis, katras, koks, nė joks, šioks, tas, toks, visokas, z. B.: anuõs, juõs, katruõs, kokiuõs ~ kokiuõs, niekuõs ~ nė jokiũs, šėkuõs ~ šiokiuõs, tuõs, takiuõs ~ tokiuõs, visakiuõs ~ visokiõs.
In den übrigen Fällen sind ie, uo am geschlossenen Wortende ebenfalls monophthongiert, vgl. §§ 52₄, 54₂, 62, 65₅.
ui (ui̯)
§ 69. Am Wortende ist der Diphthong ui wie auch im Wortstamm sehr selten. In der Mundart kommt er nur betont und mit fallender Intonation vor, z. B.: venùì vienas „ganz allein“, (Sing. Instr.) jūì < jāj < jājā, katruì < katrāj < katrājā.
Zum Schicksal des unbetonten und des betonten Zirkumflex-ui am Wortende siehe § 67.
éi, ėi, oi
§ 70. Durch die Verkürzung der Endung des Singular-Lokativs von Nomina mit ē-, (i)o--Stämmen in der Mundart entstehen neue Diphthonge éi (nach l ēi > ēi), oi, z. B.: varškėi ~ varškei (< varškėje), žėvėi ~ žievėi, skylėi ~ skylėi, žalėi ~ žolėi (vgl. auch § 82); anōi ~ anoj (< anojè), galvōi ~ galvoj, gražōi ~ gražioj, naujōi ~ naujoj.
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Der Diphthong oi kommt auch in der einen oder anderen Nominativform des Singulars weiblicher Pronomen vor, z. B.: anõj ~ anój (< anóji) „jene; Demonstrativpronomen“, katrõj ~ katrój „welche“.
Die Diphthonge ėi, ęi, oi sind in der Mundart nur betont. Zum Schicksal dieser sekundär entstandenen Diphthonge in unbetonter Stellung am Wortende siehe § 67.
Gemischte Diphthonge
§ 71. Die alten gemischten Diphthonge sind am Wortende meist zerfallen, ihre zweiten Bestandteile sind weggefallen (vgl. § 86). Die heute am Wortende vorkommenden gemischten Diphthonge sind überwiegend sekundären Ursprungs. Ihre Entstehung wurde gewöhnlich durch den Schwund von Vokalen oder Diphthongen in der Endung verursacht. Nach dem Wegfall eines Vokals (oder Diphthongs) trat der verbliebene Konsonant der letzten Silbe mit dem Vokal der vorletzten Silbe zusammen, wodurch neue Diphthonge entstanden. Somit sind die ersten Bestandteile der heute in der Mundart vorkommenden gemischten Diphthonge am Wortende meist Stammvokale a, ą, e, ė, ę, i, o, u, die zweiten Bestandteile dagegen die Konsonanten m und n.
§ 72. Gemischte Diphthonge mit m als zweitem Bestandteil kommen im Dativ und Lokativ Singular der Nomina, im Dativ und Instrumental Plural (=Dual) sowie in der 1. Person Plural der Verben vor.
a) -am (entspricht im Litauischen -am-, dem unbetonten -om- und dem unbetonten -ėm- nach l; vgl. auch § 75):
b) -am (entspricht im Litauischen dem -am- der 1. Person Plural des Präsens nach harten Konsonanten; vgl. § 53): dìrbam ~ dìrbame, dùodam ~ dùodame, mòkam ~ mòkame.
c) -em (entspricht im Litauischen dem unbetonten -ėm-): kárvem ~ kárvėm, lápem ~ lápėm; dàrem ~ dàrėme, màtem ~ màtėme.
d) -ėm, -em (entspricht im Litauischen dem betonten -ėm): giesmėm ~ giesmėm, kaũem, senesnėm; gerklėm ~ gerklėm, žõlėm ~ žolėm.
e) -im (entspricht im Litauischen -im- sowie dem -am- der 1. Person Plural des Präsens nach palatalisierten Konsonanten und nach j; vgl. § 63): gelàžim ~ geležìim, vitim ~ vytim; gūlim, dìrpsim ~ dirbsime, diõkim; áudžim ~ audžiame, baigim ~ baigiame, kėlim ~ keliame, važiuojim ~ važiuojame.
f) -om (im Litauischen entspricht dies dem betonten -om): lazdõm, naujõm, žãlõm ~ žaliõm.
g) -um (selten; im Litauischen entspricht dies -um): petūm ~ pietūm.
§ 73. Gemischte Diphthonge mit n als zweitem Bestandteil kommen überwiegend nur im Instrumental der Nomina vor.
a) -an ist nur betont und entspricht dem litauischen -an, z. B.: anán, baltán, gerán, miškan (vgl. auch § 75).
4) unbetontem -on nach palatalisierten Konsonanten oder j, z. B.: nekōčin ~ niekōčion, sáujin ~ sáujon;
5) -un nach palatalisierten Konsonanten oder j, z. B.: gōjin ~ gōjun, krīžin ~ krýžiun, pėčin ~ pėčiun.
Auch Diphthong -in hat die Illativformen des Plurals aller Stämme, z. B.: geruōsin, miškūosin, naujōsin, šakōsin, širdīsīn ~ širdysīn, žemēsīn.
3. Triphthonge
§ 74. Am Wortende treten in bestimmten Fällen Triphthonge iem, uom auf.
Den Triphthong iem weist die pronominale Dativendung des Plurals (= Duals) auf, z. B.: aniēm, baltīem, kitīem, mažīem. Unbetontes -iem >wird zu -em, z. B. geriausiem ~ geriausiem.
Den Triphthong -uom weist der Instrumental Singular einiger Pronomina des Maskulinums auf, z. B.: antōm, katrōm, kokiōm ~ kokiuōm, tokiōm ~ tokiuōm.
IV. Kombinatorische Vokalgesetze
1. Palatalisierung der Vokale
§ 75. Nach palatalisierten Konsonanten und j werden hintere Vokale stets nach vorn verlagert, z. B.: jáunas, dž̌áuči ~ džiauti, pjovė ~ piovė, žóvauti ~ žióvauti, jūdini, juosta, lūnas ~ liūnas. Das palatalisierte dialektale a wird manchmal sogar als Vokal e ausgesprochen. Deutlicher ist e in den folgenden Fällen zu hören:
Das durch die Palatalisierung entstandene lange a der Mundart (ein solches a steht in einer offenen betonten Silbe mit fallendem Ton sowie in betonten Diphthongen mit steigendem Ton) wird nicht zu e; in diesem Fall wird es ähnlich wie in der Standardsprache ausgesprochen, z. B.: jăvs, (Sg. Instr.) brungĭai ~ brangiai, naujăm, takăm ~ tokiam. So wird auch der palatalisierte erste Bestandteil des Diphthongs au ausgesprochen, z. B.: šaudai ~ šiaudai, šăuras ~ siauras, ganiău ~ ganiau, jăura, kăuras ~ kiauras.
Zum alten kurzen a > ė im Wortauslaut siehe § 63a.
§ 76. Anstelle des palatalisierten unbetonten u tritt in der Mundart häufig der Vokal i auf, z. B.: bliūd̃t ~ bliūvoti, bliūdžiukas ~ bliūdžiukas „Schüsselchen“, čipinė̃t ~ čiupinėti, čižinė̃t ~ čiūžinėti, džīvesei ~ džiuvesiai, Jir̃dnis ~ Jurdōnys „Dorf“, maņčišėnai ~ Mančiūšenai „Dorf“, siūbōt ~ siūbuoti, siūlėlis ~ siūlelis, siuntinė̃t ~ siuntinėti, siuvėjs ~ siuvėjas, šīndien < šiundien (vgl. Širvydas, Šiān diena PS II 99₃) < šiandiena, šniūrelis ~ šniurėlis, žiūrė̃t ~ žiūrėti. Vgl. ferner § 63b (mit der dort angegebenen Literatur).
2. Erweiterung des Vokals e
§ 77. Das e der Mundart weist unterschiedliche Öffnungsgrade auf. In manchen Fällen ist es geschlossener, in anderen wird es offener ausgesprochen, mit einem a-Klang, vgl.:
Die Beispiele zeigen, dass e geschlossener ausgesprochen wird, wenn ihm ein Vorderzungenvokal (oder ein palatalisierter Vokal) oder ein palatalisierter Konsonant folgt (Fälle 1), und offener, wenn ihm ein Hinterzungenvokal oder ein nicht palatalisierter Konsonant folgt (Fälle 2). Somit wird der Vokal e durch den ihm folgenden
38 Bemerkenswert ist die Tatsache, dass K. Širvydas, der sich überwiegend am phonetischen Schreibprinzip orientierte, nach einem palatalisierten Konsonanten und j die Endung -ai meist als (-i)ei schreibt, z. B.: žodžiey PS I 1₉, seney PS I 3₁₈, kurtiniey PS I 32₈, numerielei PS I 32₈, plačiey PS I 42₃₀, padėiey PS I 28₂₉, kursitioiey PS I 28₃₀, siun ditioiey PS I 29₁, turėiey PS I 25₅, weiey PS I 50₅, žodžieys PS I 18₁₇, pačieys PS I 18₁₈, punčieys PS I 39₁₁, brungieys PS I 45₁₅, (Sg. Instr.) kuriey PS I 14₂₃, pačiey PS I 169₂, bažničiey PS I 287₁₈, und nur erheblich seltener als (-)ai, z. B.: ne priderunczay PS I 43₇, dušay PS I 247₇, pinkłays PS II 230₁₅, weias PS I 280₈, didžays PS I 301₄. In anderen Fällen schreibt Širvydas nach einem palatalisierten Konsonanten und j meist (i)a, vgl.: gvayskčoja PS I 32₁, persekioja PS II 140₁, Kokia PS II 140₉, (Sg. Loc.) kuriami PS I 4₂₆, kokiamy PS I 42₁₇, (Sg. Instr.) ku nomasiam PS II 182₂₁, turinčiam PS II 141₅; e kommt nur selten vor, z. B.: nužengėi „den Herabsteigenden“ PS II 70₂₅.
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… Laute, die folgen (es findet regressive Assimilation statt). Darüber, was das e beeinflusst – ein Vokal oder ein Konsonant –, herrscht jedoch keine einheitliche Meinung³⁹. Bestimmte Beispiele lassen vermuten, dass dieser Vokal sowohl vom Vokal als auch vom Konsonanten beeinflusst werden kann, vgl.: bė akies ~ be akies, neartas ~ neártas, ne ãžeras ~ ne ėžeras; kęps ~ kėps, pęš ~ pėš.
Die Öffnung des Vokals e in der Mundart hängt außerdem von seiner Länge ab. Das kurze e (vejeliũkas ~ vėjeliukas, vėlniai ~ velniai) ist offenbar etwas enger, das lange e (vejelis ~ vėjėlis, vėlnis ~ vėlniais) dagegen offener; ebenso ist das kurze e (kepù ~ kepù, kelmù ~ kelmù) enger, das lange e (kėpą ~ kėpą, kelmù ~ kėlmą) offener.
In den ostaukštaitischen Mundarten ist die Öffnung des Vokals e in bestimmten Fällen ein recht altes Phänomen. Darauf lässt die Schreibung dieses Vokals in den alten Schriftdenkmälern schließen; vgl. K. Širvydas: daug giaro PS I 222₂, wisa siara PS I 172₂₆, Mięlas PS II 14₁₂, miatu „metų“ PS II 70₃₁, siamu „seną“ PS II 70₂₈, šiasztu „šeštą“ PS I 317₁₀₉, užkialdamas PS II 131₄₀.
Zur Wirkung eines in der Mundart palatalisierten Konsonanten auf den ihm folgenden Vokal e siehe §§ 84,90.
3. Zusammenziehung und Ausfall von Vokalen
(Kontraktion und Elision)
§ 78. a) In zusammengesetzten und präfigierten Wörtern, in reflexiven Formen oder nach dem Schwund eines Konsonanten im Wortinneren können zwei Vokale aufeinandertreffen. Diese beiden Vokale benachbarter Silben werden in der Mundart bisweilen zu einem Vokal oder Diphthong zusammengezogen, z. B.:
b) Wenn zwei Vokale benachbarter Silben (oder ein Vokal und ein Diphthong) aufeinandertreffen, kann einer dieser Vokale bisweilen ausfallen, z. B.: neparinétas ~ neaparimėtos, nep-laidži ~ neaplėidžia, nėpkìnte ~ neàpkentė, neteis ~ neateis, netlàida ~ neatlėido,
⁴⁰ Širvydas schreibt ia (bisweilen sogar ea, z. B. Petras PS II 186₁₁) und e jedoch in eindeutig unbestimmten Fällen und inkonsequent; vgl. ferner: žiame PS I 31₃, nužiamintas PS I 304₁₀, atmiatis PS II 67₁₉, didiasnio PS II 73₂₀, giwianimu PS II 76₄, diagina PS II 76₂₀, pianì PS II 80₁₂, žodialo PS II 158₄, miayly „meilę“ PS II 170₃, 183₂₆, prakìayktas PS II 76₁₀, piarpìszis PS II 188₂₂, niandri „vns. įnag.“ PS II 199₂₀, lampomis PS I 227₂₉, pirenkamia PS II 172₄, ir gieląži PS I 183₁₃, žiemes PS I 65₁₆, didesno PS I 57₂₅, giwianimu PS I 65₃, degunty PS I 20₂₅, peni PS II 80₁₄, žodelo PS I 371₀, meyly PS I 52₉, 58₂₀, 349₈, kieykia PS II 142₁₀, perkalbet PS II 16₄, iż nendres PS II 99₈, semkite PS I 214₁₃, apdengęs PS II 182₂₀. Mit den Zeichen ia wird in „Punktuose sakymų“ meist langes (betontes) e wiedergegeben. Außerdem kommt ia anstelle von e offenbar häufiger im zweiten Teil der „Punktų“ vor.
⁴¹ In der Mundart werden neben den Formen des Präteritums atãėmių ~ atãėmiau, atãėmėji ~ atãėmei…, pàėme ~ pàėmė, nėėme ~ nėėmė häufig auch atãėmių, atãėmį…, pàime, nėime verwendet.
⁴² Nach dem Muster von nusìeve ist in der Mundart wahrscheinlich auch nūjėve ~ nujevė „zog die Schuhe aus“ entstanden.
c) Nicht immer lässt sich erkennen, ob Vokale kontrahiert oder ausgelassen wurden; vgl. ferner: žvairãkis (<žvaĩra-ãkis), babaũšis (<boba-aũsis), nãũ (<ne-jaũ), nãũgi (<ne-jaũgi), nepaĩna (< ne-pa-eĩna), pasił̃t (<pa-si-ılgti), pasilsẽti (< pa-si-ilsėti > lk pasilsėti), pasĩmti (< pa-si-ı̄mti). Das heißt, Vokalkontraktion und -auslassung hängen in bestimmten Fällen eng miteinander zusammen⁴³.
4. Vokalschwund
(Synkope)
§ 79. a) In der Mundart tritt am häufigsten der Schwund des unbetonten kurzen i im Wortinneren auf, z. B.:
1. Wie auch im Litauischen der Literatursprache, aus den Wörtern: kẽlnes ~ kẽlnės (< kelinės), vẽlnis ~ vẽlnìas (vgl.: welinas PS I 14₃₂, welinas PS II 47₁₃, wėlino DK 13₂₁, 14₁₁ und welno KA 13₃₂, wėlno KA 14₁₂).
2. Aus den Wörtern: dešnẽ, dešnìs ~ dešnys (vgl. in der Literatursprache: dešinė, dešinys), šil̃ma (vgl. in der Literatursprache šil̃mą), šulnìs ~ šulnys (vgl. in der Literatursprache šulnys), amẽrka, amẽrkõnas (vgl. in der Literatursprache: Amerika, amerikõnas).
3. Aus den Zahlwörtern: veniuolka ~ vienuólka, veniuólktas ~ vienuólktas, dvỹlika ~ dvýlika, dvỹliktas ~ dvýliktas … deviniólka ~ devyniólka, deviniólktas ~ devyniólktas (vgl.: Dvylika PS I 104₁₇, septiniólika PS I 226₁₄ und dvỹlika KA 24₃,₁₅; in der Literatursprache: vienuólika, vienuóliktas …).
4. Aus dem Suffix -inykas, -ė (= in der Literatursprache -ininkas, -ė), z. B.: liūdinykas ~ liūdynykas (< liūdynykas), mȧtnikas ~ mȧtnykas (< mȧtinykas), gỉrinikas ~ gỉrnykas (<giri-nykas), mėšnikas ~ mėšnykas (< mėsinikas), ležūnnikas ~ ležūvnykas (< liežūvinikas). Mitunter werden die genannten Wörter auch mit i gesprochen, z. B. liūdinykas ~ liūdynykas. Im Suffix -inykas bleibt das i erhalten, wenn bei seinem Schwund eine Gruppe von mehr als zwei Konsonanten entstünde, z. B.: kȧltinik as ~ kaltinykas, rȧštinik as ~ raštinykas, kampi-nykas ~ kampinykas, dȧržinik as ~ daržinykas, obwohl auch sekundinikas ~ sekundnykas (neben sekundinikas), vȧlundnikas ~ valandnykas (neben vȧlundinikas) „Stundenanzeiger“ gesprochen wird. In der Mundart wurde ein Schwund dieses i auch nach den Konsonanten m, n und g, k nicht beobachtet, vgl.: niuomnikas ~ nuominykas, dainnikas ~ daininykas (zu malūnikas ~ malūnykas siehe § 102), valākinikas ~ valākinykas.
Das hohe Alter des Schwunds des Vokals i im Suffix -inykas wird durch einige Ortsnamen belegt, z. B.: mūšnikai ~ Mušnykai (< *Mūsinikai) „literatursprachlich Mūsininkai“, ūpnikai ~ Ūpnykai (< *Ūpinikai) „literatursprachlich Ūpninkai“, uličnikai ~ Ulýčnykai (< *Uličinikai) „Dorf in der Umgebung von Pabaiskas“, pasadnikai ~ Pasodnykai (< *Pasodinikai) „Dorf in der Umgebung von Gelvonai“, ferner durch alte Schriftzeugnisse, vgl.: priešzniko KA 53₃, liežuvnikay PS I 82₁₁
⁴³ Ähnlich verhält es sich auch in anderen Mundarten (vgl. E. Grinaveckienė, a. a. O., 163). Es ist daher offenbar kein Zufall, dass dieselben Beispiele von manchen Linguisten mitunter als Fälle von Vokalkontraktion, von anderen als Fälle von Vokalauslassung angeführt werden (vgl.: Endzelīnas, GF, § 34; Ot-rebski, GrJL, 1, § 360).
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(daneben: priešininko DK 53₂₃, priešininkas PS I 5₃₁, priešininkay PS I 14₄, priešininkus PS II 222₃₀).
5. Aus dem Reflexivpartikel -si-, z. B.: nešdáudą < ne-si-dúoda, nušinės < nu-si-nėš, pastráuk < pa-si-tráuk.
b) Das Schwinden anderer Vokale aus der Wortmitte ist eine recht seltene Erscheinung und tritt nur in vereinzelten Wörtern auf, z. B.: kėtrės < keturios, kėtris < keturis, keturias, keterėdešims < keturiasdešims (aber: keturi, keturių ~ keturių, keturìem…).
5. Schwund, Einschub und Hinzufügung von Vokalen
§ 80. Fälle von Vokalschwund, -einschub und -hinzufügung sind im Dialekt selten; sie treten überwiegend in Wörtern nichtlitauischer Herkunft auf.
c) Hinzufügung: uzbōnas (vgl. russ. звон) „Axtstiel“.
Konsonantismus
I. Herkunft und Aussprache
1. Konsonanten
b, d, g, k, m, p, r, s, š, t, v, z, ž
§ 81. Die Herkunft der Dialektkonsonanten b, d, g, k, m, p, r, s, š, t, v, z, ž ist dieselbe (und die Aussprache gleich, siehe § 14) wie die der ihnen entsprechenden Konsonanten des Litauischen, z. B.: burnà, dúodu, gãlas, kótas, márgas, putà, rõges ~ rõgės, sãmanas ~ sãmanos, šáltas, tùrfas, vãkaras, žùlinì, žãgaras.
j
§ 82. a) Das j des Dialekts hat dieselbe Herkunft (und Aussprache, siehe § 14) wie im Litauischen, z. B.: jáumas, jáura, júodas.
b) Im Dialekt ist j geschwunden: 1. Wie im Litauischen zwischen Konsonanten und vor vorderen Vokalen, z. B.: (Präsens, 1. Pers. Sg., 2. Pers.) glaudì, kelì, sùntì ~ siunti, verki̇̀, (Präteritum, 1. Pers. Sg., 2. Pers.) glaudėi, sùntei ~ siuntei, verkėi, (Nom. Pl.) šlapi̇̀, žali̇̀, (Instr.) šlapiēm, žaliēm. 2. Aus alten Konsonantenverbindungen: gj, kj, lj, mj, nj, rj, sj, šj, vj, zj, žj, die vor hinteren Vokalen standen. Beim Schwund aus diesen Verbindungen hinterließ j den vor ihm stehenden Konsonanten (d. h. das erste Glied der Verbindung) palatalisiert, z. B.: rugù ~ rugių, lakù ~ lekìu, žàle ~ žalià, ramiaũ ~ ramiaũ, ganiàũ ~ ganiaũ, šunarei ~ šąnariai, šiauràs ~ šiaũras, šaũdas ~ šiaũdas, daviaũ ~ daviaũ, zurziau ~ zurziau, ōže ~ ožio.
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3. Aus den betonten Endungen des Singular-Lokativs -ėj(e), -yj(e), z. B.: dabė, žėvė, žalė (|| dabėj, žėvėj, žalėj) < duobėje, žievėje, žolėje; akỹ < akyje, ausĩ < ausyje, pirtì < pirtyje, širdì < širdyje⁴⁴.
c) Wie in vielen Dialekten sind im Wortstamm rapt die Verbindungen der Lippenkonsonanten b, p mit j vor Vokalen der hinteren Reihe erhalten, z. B.: bjaurùs ~ biaurùs, (su)bjūra ~ (su)biūro, pjáuti ~ pjauti, pjáustyti ~ pjaustyti, pjévėjis ~ piovėjas, pjudĩ ~ piudyti, rugpjūtė ~ rugpjūtė, spiáuti ~ spiauti, spjaudalìs ~ spiaudalis, spjaudė ~ spjaudė. Am Wortende ist j nach b, p geschwunden (nachdem es diese Konsonanten zuvor palatalisiert hatte), z. B.: drėbù ~ drebù, drebāũ ~ drebiau, lāpù ~ lāpiu, verpù ~ verpiu, verpāũ ~ verpiau.
Vor einem Vorderzungenvokal wird j nach b nur im Adverb labīn ~ labyn ausgesprochen (wahrscheinlich nach labjau ~ labiau).
d) Die Verbindungen der dentalen Konsonanten d, t mit j, die vor Vokalen der hinteren Reihe standen, sind im Dialekt (wie auch im lk) verschwunden und zu den Affrikaten dž, č⁴⁵ geworden, z. B.: gaidžẽ ~ gaidžiai, gaidže ~ gaidžio, gaidžiū ~ gaidžiui, gaidžū ~ gaidžių; svečẽ ~ svečiai, sveče ~ svečio, svečiū ~ svečiui, svečū ~ svečių, verčiū ~ verčių, verčāu ~ verčiau, verčĩ ~ verčia.
l
§ 83. Die l des Dialekts sind gleichen Ursprungs wie im lk, z. B.: láibos, lāpe ~ lāpė, lāšas, lūbas ~ lūbos, lūpa ~ lūpa, lieptas, ligā, liktì.
§ 84. a) Im Dialekt tritt das harte l (das etwas härter als im lk ausgesprochen wird) nicht nur vor Vokalen der hinteren Reihe auf, sondern auch vor e (ebenso vor e als erstem Bestandteil eines Diphthongs) und ē. Die Vokale e, ē sind im Dialekt nach einem verhärteten l zu a, e geworden, z. B.: lādas ~ lēdas, lāki ~ lēkia, vėlanas ~ vėlenas, žalāla ~ žolėlė; lāisti ~ lēisti, laidīmas ~ leidimas, didelāi ~ didelēi „didelei“, lik šelāi ~ lig šiolēi „ligi šiolei“; gulēt ~ gulėti, išblēsa ~ išblēso, tilēt ~ tylėti, velēna ~ velēna, žalē ~ žolē.
Der Konsonant l wird im Dialekt auch in den Wörtern gēlbāt ~ gēlbėti, kalbēt ~ kalbėti, silsēt ~ silsėti „ilsėtis“ hart ausgesprochen. In anderen Wörtern wird l in solchen Fällen, d. h. wenn es nicht unmittelbar vor e, ē steht, aufgrund der Assimilation weich ausgesprochen, z. B.: kilpēla ~ kilpėlė, pilnēt ~ pilnėti (vgl. auch § 89d).
b) Der Konsonant l des Dialekts ist vor e, ē in den folgenden Fällen nicht verhärtet:
1. In Lautmalereien (Interjektionen, den daraus gebildeten Verben und anderen Wörtern), z. B.: klēpt, klēpsi, klēptelēje ~ klēptelėjo, klebetiū, lēpī, lēpsi, lēpterēt ~ lēpterėti, lēpsi ~ lēpsyš „lēpsis“, plēkši, plēškēi, plēpēi, plēpīs ~ plēpys, plēpus, plērpt, plērpi ~ plērpia, slēpti, slēpsēi.
⁴⁴ Es wird ferner angenommen, dass die Formen des Singular-Lokativs akỹ, ausỹ… in den Dialekten aus den Formen akij, ausij entstanden sein könnten, deren j mit į (kurz) zu langem į (= y) assimiliert wurde. Vgl. J. Kazlauskas, Lietuvių kalbos i- kamieno daiktavardžių vienaskaitos įnagininko ir vietininko formų kilmės klausimu, UMD, 26, 66–67 (1958).
⁴⁵ Aus litauischen Ortsnamen, die in alten Chroniken und anderen (in Fremdsprachen verfassten) Dokumenten vorkommen, wird geschlossen, dass *dj, *tj > etwa gegen Ende des 14. oder zu Beginn des 15. Jahrhunderts zu dž, č wurden. Dieser Wandel vollzog sich wahrscheinlich nicht in allen litauischen Dialekten gleichzeitig. Offenbar setzte er etwas früher im Südosten Litauens ein und später im Norden und Westen Litauens.
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2. Vor dem dialektalen e, das aus dem unbetonten Diphthong ie entstanden ist, z. B.: lemuõ ~ liemuõ, letãis ~ lietãis, ležùvis ~ liežùvis (vgl. auch § 29).
3. In Wörtern, die erst vor Kurzem in den Dialekt gelangt sind, in denen der Prozess der Härtung des l bereits abgeschlossen war. Es handelt sich hauptsächlich um Wörter nichtlitauischen Ursprungs, z. B.: kalãdas ~ kalė̃dos, kalėdóti ~ kalėdóti, kalendõris ~ kalendõrius, klebõnas ~ klebõnas, leñtas ~ leñtas⁴⁶ „langsam“, klė̃ka „Käfig“, blė̃ta || blė̃ka „Blech“, sklė̃pas „Keller“; das palatale l wird auch in den Wörtern glė̃ža „aufgeweichte Erde, Schlamm; dünner, klebriger Brei“, klė̃vas, lė̃nda, žal̃szi ~ žalėsiai gesprochen, die offenbar auch alte Dialektwörter sein können.
§ 85. Die Härtung des Konsonanten l vor e, ė, die auch für andere oberlitauische Dialekte charakteristisch ist⁴⁷, ist ein recht altes Phänomen. Den Beginn der Verhärtung des l ungefähr zu bestimmen, hilft ein weiteres, nicht weniger wichtiges Merkmal der Phonetik der ostoberlitauischen Dialekte (und der dzukischen Dialekte), nämlich der Wandel des alten Diphthongs en zu in.
Wie wir wissen, ist der alte Diphthong en in den ostoberlitauischen Dialekten zu in oder en geworden (eine Übergangsstufe von en zu in); vgl. die Aussprache des Wortes šventė in diesen Dialekten: švĩntė (Gelvonai), švũntė (Svėdasai, Obeliai), švẽntė (Panevėžys, Pakruojis). Nach dem Konsonanten l nahm das alte en in denselben Dialekten einen noch vielfältigeren Verlauf. An seiner Stelle sind hier nun weitere neue Diphthonge entstanden: in, ɘn, ǝn, un⁴⁸. Dieser unterschiedliche Verlauf des Diphthongs en nach l hing davon ab, welcher Vorgang in diesen Dialekten zuerst einsetzte – die Härtung des Konsonanten l oder der Wandel des Diphthongs en zu in.
In den Dialekten, in denen en > in zuerst eintrat, konnte das l, nachdem es vor i zu stehen gekommen war, später nicht mehr verhärtet werden. Daher sagt man hier heute linta ~ lenta, lingvas ~ lengvas. Diese Aussprache ist allen Ostoberlitauern eigen, die ungefähr östlich der Linie Parovėja — Biržai — Vabalninkas — Subačius — Troškūnai — Kavarskas — Vidiškiai — Širvintos — Kaimynai⁴⁹ leben. Somit umfasst dieses Gebiet den größten Teil der Puntininker (darunter alle ostdzukischen Sprecher). Diese Oberlitauer könnten wir nach lenta > lint(a) als Lintininker bezeichnen.
Anders verhielt es sich dort, wo das l zuvor verhärtet worden war. Nach dem verhärteten l wurde der erste Bestandteil des Diphthongs en zu a (so wie e nach l auch in anderen Fällen zu a wird, z. B.: lesa > lasa, leisti > laisti). So wurden lenta, lengvas hier zu lanta, langvas⁵⁰. Später, als der Wandel des alten Diphthongs an zu un einsetzte, wandelte sich zugleich auch das in der Aussprache nicht davon unterschiedene an < en mit. Daher entstanden in einigen ostoberlitauischen Dialekten aus lanta, langvas (< lenta, lengvas) die Formen lunt(a), lungvas (wie auch runk(a) < ranka). So spricht man heute in einem schmalen Streifen der Puntininker westlich der genannten westlichen Grenze der Lintininker. Wichtigere Ortschaften dieses Gebiets sind Smilgiai (Rajon Biržai), Krinčinas, Vabalninkas, Karsakiškis, Raguva, Šiesikai, Ukmergė, Pabaiskas, Gelvonai,
46 Zur Herkunft dieses Wortes vgl. Būga, RR, 2, 105.
47 Nur die westlichen Oberlitauer härten den Konsonanten l vor e, ė nicht; alle übrigen oberlitauischen Dialekte (die dzukischen, ost- und mitteloberlitauischen) sprechen in diesem Fall das l hart aus.
48 Ähnliches muss auch mit dem alten Diphthong em geschehen sein, der auf l folgte; vgl. bei K. Širvydas: nelýmiby PS I 114₁, nelymti PS I 125₁. Gegenwärtig sind jedoch nicht in allen Dialekten Belege für dieses em, das in der genannten Position stand, erhalten.
49 Bei der Angabe der Grenzen, die mit der Härtung des l zusammenhängen, wurde hauptsächlich auf das gesammelte Material des Atlas der litauischen Sprache zurückgegriffen.
50 So (mit dem Diphthong an) sprechen diese Wörter heute die mitteloberlitauischen Sprecher, die westlichen Dzuker und die Sprecher des Zietela-Dialekts aus, wo der Konsonant l vor e, ė gehärtet wird, die alten Diphthonge an, en jedoch nicht zu un, in.
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Čiobiškis, Musninkai, Kernavė. So sagen auch lunta die südlichen Pantininker (die Gegend um Truskavõs, Ramýgalos, Krekenavõs). Alle diese Hochlitauer, die lunt(a) aussprechen, können wir Luntininkai nennen51. Zu ihrem Gebiet gehört, wie wir bereits aus den oben aufgeführten Ortsnamen ersehen haben, auch das gesamte Gebiet der Rapt.
Der Diphthong an hatte, als er sich zu un wandelte, noch eine Übergangsstufe durchlaufen – den Diphthong ɔn (erstes Glied: enges, kurzes o). Diese Stufe hat sich bis heute bei einem Teil der östlichen hochlitauischen Dialekte erhalten. So entstand aus lanta (< „lenta“) auch die heutige Form dieser Dialekte, lont(a) (wie lonk(a)s < „lankas“). Die östlichen Hochlitauer, die so sprechen und Lontininkai genannt werden können, leben im gesamten Gebiet der Pontininkai sowie im nördlichen Teil des Gebiets der Pantininkai.
Wie erwähnt, kommt mancherorts anstelle des alten en, das auf l folgte, auch der Diphthong bɫn vor. Die Herkunft dieses Diphthongs ist offenbar weniger klar. Er kann nicht unmittelbar aus in (< en) entstanden sein, denn das vor in stehende l wäre später nicht verhärtet. Das zeigen auch die Wörter lindo, linguori, linkimas, deren l vor in in allen östlichen hochlitauischen Dialekten weich ausgesprochen wird. Daher scheint auch die Behauptung einiger Sprachwissenschaftler, in den Dialekten, in denen lɪnta ausgesprochen wird, sei zunächst en zu > in geworden und danach l verhärtet, nicht ganz zutreffend und zudem unverständlich. bɫnta konnte jedoch auch nicht aus lanta oder lunta entstanden sein, da es auch für einen solchen Wandel keine Belege gibt. Demnach muss dieses bɫ anstelle des alten en auf einem anderen Weg entstanden sein.
Möglicherweise war in einigen hochlitauischen Dialekten vor dem Beginn der Verhärtung von l das erste Glied des Diphthongs en bereits verengt, d. h. en > ęn. Beispielsweise wurden die Wörter šventė, žengti damals hier als šventė, žęngti ausgesprochen. Als die Verhärtungswelle von l vor e, ė einsetzte, begann man hier lenta (< lenta), lengvas (< lengvas) als lenta (lęnta), lęngvas (lęngvas) auszusprechen. In diesen Dialekten entwickelte sich en jedoch weiter zu in, d. h. šventė, žengti > švinti, žingti. Das nach dem harten l hinter artikulierte erste Glied ę (= ę) muss sich bei diesem weiteren Prozess (dem Wandel von en zu in) ebenfalls zu einem hinteren i (= bɫ) entwickelt haben.
Während die Isoglossen der Formen linta, lunta und lonta mehr oder weniger klar sind, können wir das Gebiet, in dem derzeit lɪnta gesagt wird, nicht genau abgrenzen. Das verfügbare Dialektmaterial zeigt, dass lɪnta heutzutage meist nur neben anderen Formen vorkommt: neben linta (z. B. in der Gegend um Dieveniškės, Adutiškis und anderswo), lunta (z. B. im Rapt-Gebiet um Musninkai, Čiobiškis, Pabaiskas und anderswo). Möglicherweise war die Isoglosse für den Gebrauch von lɪntos früher klarer, doch später wurde diese Form von den bereits erwähnten Formen linta und lunta verdrängt. Bei K. Širvydas steht beispielsweise überwiegend: nenusitynks PS I 10₁₇, lynktumes PS I 6₁₀, ne nusilynkiau PS I 24₂₄, aplinkis PS I 84₃, pralynkia PS I 138₁₃, nulink PS I 218₁₅, pralynktas PS I 327₁₄, nusilynkia PS II 12₂₄, nusilinimo PS II 90₁₄, pralynkt PS II 92₅, lyngwa PS I 51₂₀, lyngways PS I 52₂₈, tingwu PS I 243₉, lyngwesniu PS I 277₂₃, lyngwa PS II 36₁, lynciugas PS I 38₂₀, lyriciugays PS I 39₁₀, 127₂₉, lyničugais PS II 70₂₁. Nur selten kommen vor: pralynkia PS I 185₃₁, lyncingu PS I 38₁₀, linciugays PS I 11₁₆, linčiugay PS II 160₅, stanksti PS II 179₁₅, prylankk PS II 171₁₉, pasilankie PS II 183₁₆,
51 Man kann hinzufügen, dass auch die Luntininkai anstelle des alten en, das auf l folgte, manchmal in sagen. Beispielsweise sagt man im nördlichen Teil ihres Gebiets (von der lettischen Grenze fast bis Ukmergė) meist linkt ~ lenkti. Für diese Aussprache des Verbs könnte hier jedoch auch ein anderes Verb verantwortlich sein – linkti. Eine ähnliche Vermischung dieser Verben kommt auch im Rapt-Gebiet vor; dort sagt man allerdings entsprechend lunkšt < lenkti und anstelle von linkti lunkšti (vgl.: prikrovė vežimą — net ašys lunkšta „sie beluden den Wagen – sogar die Achsen biegen sich“).
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luncīgays PS I 374₁₉. Die letztgenannten Formen aus Širvydas’ Schriften lassen sich offenbar entweder als Druckfehler oder als aus anderen Dialekten übernommene Formen auffassen.
Doch heutzutage kommt lbnta, wie bereits gesagt, meist nur als Nebenform vor und außerdem häufiger an den Orten, wo die Lintininkai an die Luntininkai oder die westlichen Dzūken grenzen. Das legt die Annahme nahe, dass diese Form (zumindest mancherorts) auch einen anderen Ursprung haben kann als den oben angegebenen. So könnte lbnta an den Grenzen der genannten Dialekte in späterer Zeit durch Kontamination aus den Formen lunta oder lanta und linta entstanden sein (das verhärtete l der ersten Formen + der Diphthong in der letzten Form).
Nachdem wir kurz die Aussprache von l vor dem alten Diphthong en überblickt haben, wenden wir uns wieder der Frage zu, wie alt die Verhärtung von l ist.
Aus litauischen Eigennamen, die in alte, in anderen Sprachen abgefasste Dokumente eingegangen sind, erkennen wir, dass die gemischten Diphthonge am, an, em, en bereits um die Mitte des 14. Jahrhunderts in einigen östlichen Dialekten zu um, un, im, in geworden waren. Der Beginn dieses Wandels reicht wahrscheinlich noch weiter zurück. Außerdem setzten sowohl der Wandel der genannten Diphthonge als auch die Verhärtung des Konsonanten l, wie vermutet wird, im Osten ein und breiteten sich später nach Westen aus. Da die östlichsten litauischen Dialekte heute statt lentalinta sagen, muss die Verhärtung des Konsonanten l etwas später eingesetzt haben als der Wandel der Diphthonge am, an, em, en > um, un, im, in. Zwischen dem Beginn dieser beiden Erscheinungen kann jedoch kein langer Zeitraum gelegen haben, denn andere hochlitauische Dialekte, nämlich die der Luntininkai und Lontininkai, erreichte die Verhärtungswelle von l zuerst; erst später setzte in diesen Dialekten der erwähnte Wandel der gemischten Diphthonge ein.
Im Wortstamm war es jedoch so, am Wortende konnte es anders sein. Anstelle des alten Akkusativs Singular *saulen (> lk saulę) würden wir beispielsweise erwarten: im Gebiet der Lintininkai saulį (zum Schwund von n siehe § 86), bei den Luntininkai saulu und bei den Lontininkai saulo. Tatsächlich ist es aber nicht immer so. Die Lintininkai und die nördlichen Luntininkai, die im Gebiet der Puntininkai von der lettischen Grenze ungefähr bis Ukmergė leben, sagen heute meist saulb, während die Lontininkai und Luntininkai im Gebiet der Pantininkai saulę sagen. Im übrigen südlichen Teil des Gebiets der Luntininkai, den fast vollständig die Rapt einnimmt, lautet der Akkusativ Singular saulu.
Sehen wir uns an, wie neben linta und lunta die Form saulb entstehen konnte und wie neben lonta und lunta — saule entstand. Phonetisch könnten sich diese Formen folgendermaßen entwickelt haben. Der alte Akkusativ *saulen muss in den östlichen hochlitauischen Dialekten die Stufe *saulėn durchlaufen haben. Diese Stufe wurde von der Verhärtungswelle des l erfasst, und saulėn > wurde zu saulėṇ. Diese letztere Form entwickelte sich in einem Teil der genannten Hochlitauer (bei den Lintininkai und einem Teil der Luntininkai) weiter zu *saulbṇ > saulb, während sie sich im anderen Teil (bei den Lontininkai und einem Teil der Luntininkai) nicht weiter veränderte; als später das auslautende n schwand, entstand hier saule. Dies konnte jedoch nur geschehen,
1) wenn das Wortende länger als der Wortstamm die erste Stufe des Wandels von an, en zu den Diphthongen un, in bewahrte – die Diphthonge om, em –, oder
2) wenn der Wandel des auslautenden an, en zu den Diphthongen un, in (ebenfalls über die Übergangsstufe on, en) etwas später einsetzte als der Wandel derselben Diphthonge im Wortstamm.
In jedem Fall dürfte auch der Beginn des Wandlungsprozesses des auslautenden an, en älter sein als der Beginn der Verhärtung von l. Die Wandelwellen des an, en im Wortstamm und am Wortende müssen sich jedoch von Osten nach Westen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ausgebreitet haben. Die letztere Welle oder, genauer gesagt, die erste Stufe des Wandels der auslautenden Diphthonge an, en (> on, en) schritt wesentlich schneller voran, überholte den Wandel von an, en im Wortstamm und erreichte die Luntininkai und Lontininkai
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hatte sich noch vor der Verhärtung des l vollzogen. Am Wortende, ebenso wie im Stamm, wandelten sich Rapt an, en an, en > un, in erst nach der Verhärtung des l (vor e). Das Verhältnis zwischen dem Wandel der Diphthonge an, en im Stamm und am Wortende einerseits und der Verhärtung des l andererseits ließe sich anschaulicher in einer Tabelle darstellen (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1
Verhältnis des Wandels von altem stamm- und wortauslautendem (Akkusativ Singular) en zur Verhärtung des l in den ostaukštaitischen Dialekten
Ausgangsform: Stamm, Endung; en >: Stamm, Endung; Welle der l-Verhärtung; an, en >: Stamm, Endung; Dialektbezeichnung nach der Aussprache des Wortes lenta. lenta; *saulen; linta; *saulen; linta; *saulbn; saubl; lintininkai. lenta; lenta; *saulen; *saulen; lanta; *saulen; *saulan; lunta; *saulbn; saubl; lintininkai. lenta; lenta; *saulen; *saulen; lanta; *saulen; *saulen; lonta; *saulen; saulė; lontininkai.
Allerdings kommen in denselben Dialekten neben den oben erwähnten Akkusativ-Singular-Formen bisweilen auch noch andere Formen vor, z. B. im Gebiet der Lintininkai: saulė (Dieveniškės, einige Gegenden des Rajons Molėtai und anderswo), saulu (Šašuoliai, Lyduokiai, einige Gegenden des Rajons Anykščiai und anderswo). Letztere Formen können mancherorts ebenfalls alt sein und sich unmittelbar aus *saulen entwickelt haben. Man darf aber auch nicht vergessen, dass das Wortende viel unbeständiger ist als der Stamm und schneller auf die eine oder andere Weise vom Einfluss anderer Formen betroffen werden kann. So sind beispielsweise in den ostaukštaitischen Dialekten die Endungen vieler Kasus der ė-Stamm-Wörter, die einst die Lautfolge -lė aufwiesen, nach der Verhärtung des l völlig mit den Endungen der o-Stamm-Wörter zusammengefallen. Vgl. die Deklination der Wörter ranka und saulė im Dialekt von Debeikiai:
Singular N. ranka, saula. G. rankas, saulas. D. rankai, saulai. A. ranku., saubl., saulu. I. ranku, saulu. L. rankaj, saulaj (und ža.lōj neben ža.lēsj „im Gras“). Ill. rankan, saulan (ža.lōn neben ža.lēn „ins Gras“). Plural ranka.s, saula.s. ranku., saulu. ranka.m, saula.m. rankas, saulas. ranka.m, saula.m (ža.lōm neben ža.lēm „mit Gräsern“). (ža.lōs, ža.lēs „im Gras“). (ža.lōs, ža.lēs „ins Gras“).
Es ist verständlich, dass bei der Vermischung der Endungen der genannten ė-Stamm-Wortgruppe mit denen der o-Stämme auch die Nebenform des Akkusativs Singular šalù entstanden sein kann. Diese könnte neuer sein und sich nach rùkų gebildet haben.53 Dasselbe gilt für Formen anderer Kasus (z. B. des Instrumentals Singular), die am Wortende die Lautfolge *-len aufwiesen. Außerdem könnten auch andere Formen desselben Stammes diese Formenart beeinflusst haben.
Zum Beispiel wird Rapt anstelle des alten Lokativs *stalẽn, *šìlẽn heute meist stalì, šìli gebraucht. Einen solchen Lokativ haben auch viele andere ostaukštaitische Dialekte, vgl.: atòli, kubìli, stalì (Debeikiai, Svėdasai). Man kann annehmen, dass das stammtonige -en > -in noch vor der Verhärtung des l entstand. Es gibt jedoch auch Belege, die dieser Auffassung widersprechen. Erstens weist der Lokativ Singular dẽrkovy PS I 113₉, galỹ PS I 222₂₀, mezlỹ PS I 242₇, mokslỹ PS I 255₁₇, 287₁₂ bei Širvydas auf einen späteren Wandel dieses -ẽn zu einem anderen Diphthong hin; ebenso die heutigen Formen dieses Kasus in einigen Dialekten: galbì, katìbli, kubìli, šìlì (Obeliai), galù, šìlu (Miežiškiai). In den Dialekten, in denen heute meist šìl gesagt wird, kommt bisweilen auch eine andere Form vor, z. B. šìlb (Čiobiškis). Außerdem ist in diesen Dialekten die palatalisierte Form galù, galbì (Rapt), galì (Svėdasai54) häufig, entstanden aus *galẽn. Zweitens spricht das Schicksal des stammtonigen -ẽn des Instrumentals Singular nach l ebenfalls nicht dafür, dass sein Wandel früher eingesetzt hätte als der Wandel des endbetonten -en; vgl. die Instrumentalformen Singular: atvìkti PS I 82₂₉, paukšzẽly PS I 85₂₇; siùlbl, skarelbi (Linkmenys, Obeliai), pelù ~ pelė, šaulù ~ šaule (Miežiškiai, Raguva)55. Dies lässt vermuten, dass der Lokativ Singular šalì, šìli heute vielerorts jünger ist. Anstelle des harten l könnte hier ein palatales l nach den viel häufigeren Lokativformen Singular desselben Stammes entstanden sein, die einen palatalen Endkonsonanten des Stammes aufweisen, z. B.: mišì ~ miške (< *miškẽn), namì ~ name, sodì ~ sode, stogì ~ stoge. Außerdem entstanden in den Dialekten, in denen *šìlẽn > šìlì wurde, zwei Lokativendungen Singular desselben Stammes: -u und -i. Verständlicherweise konnte die seltener vorkommende Endung -u verdrängt werden.
Rapt und in einigen anderen östlichen Dialekten könnten auch die Formen des Partizips des Präteritums ähnlicher Herkunft sein: acigùlęs ~ ats igùlęs, acigùlì ~ ats igùlė, pakėlìs ~ pakėlęs, pakėlì ~ pakėlė, sušėlìs ~ sušėlęs, sušėlì ~ sušėlė. Diese Formen, die (Rapt und von Angehörigen der älteren Generation) neben acigùlbs (acigùlas), acigùlbl (acigùla), pakėlbls, pakėlbl, sušəlbls, sušėlbl gebraucht werden, könnten nach Partizipien wie būvis ~ buvęs, būvì ~ buvę, mātìs ~ matęs, māti ~ matę, vėžìs ~ vėžęs, vėžì ~ vėžę entstanden sein. Einen gewissen Einfluss kann auch das palatale l in den standardlitauischen Formen ats igùlęs, ats igùlė… ausüben.
Wie wir sehen, ist die Frage nach dem Schicksal der wortauslautenden Lautfolge *-len wesentlich komplizierter als die des Stammes. Leider verfügen wir zu dieser Frage auch vergleichsweise noch über wenig Material aus den verschiedenen Dialekten.
Zum Alter der Verhärtung des l in Rapt vgl. außerdem §§ 29, 32, 55.
n
§ 86. Der Ursprung des dialektalen n ist derselbe wie der des lk, z. B.: nãgas, naktìs, nẽrti, niẽkas, nìkti ~ nykti.
53Vgl. auch J. Šukys, a. a. O., 160.
54Vgl. auch Lietuvių kalbos žodynas, 3, 72, Vilnius, 1956.
55Die früheren Formen, aus denen der heutige Instrumental Singular šaulaĩ „mit der Sonne“, pelai, „mit der Maus“ hervorgegangen ist, könnten sowohl šaulu, pelù als auch šaulbt, pelbt gelautet haben (Näheres zur Entstehung der Instrumental-Singular-Formen Femininum lazdaĩ, katì… im Dialekt vgl. MADA, 2 (7), 198 ff. (1959).
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In den alten gemischten Diphthongen an, en, in, un blieb das tautosyllabische n erhalten, wenn diese Diphthonge vor den Konsonanten t, d, k, g, p, b standen, z. B.: unt̃ras ~ antras, pín-tė ~ pėntė „pentis“, kaũdis ~ kaũdys, sùnku, žiñgsnis ~ žingstnis, į̃mpilas ~ į̃mpilas (zu m < n vgl. § 91).
Aus den Diphthongen an, en, in, un, die vor s, š, z, ž, r, l, m, n, j, v sowie im offenen Wortauslaut standen, verschwand n. Der Schwund des tautosyllabischen n, der allmählich erfolgte, ist in vielen Fällen nicht alt. Erstens muss dieses n > wie auch in anderen östlichen Dialekten nach an, en, un, in geschwunden sein (§§ 35 d, 36 c, 60, 61, 65). Zweitens geht aus den alten Schriften hervor, dass noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts und sogar später einige Hochlitauer anstelle der alten Diphthonge an, en, in, un in den genannten Fällen a, e, i, u mit deutlicher n-Färbung, also nasalisiert, aussprachen. D. Klein behandelt in seiner Grammatik die Vokale dieses Ursprungs wegen ihrer besonderen Aussprache eigens56.
In einzelnen Formen (z. B. im Genitiv Plural, § 53) verschwand n im Dialekt wie auch in anderen Dialekten sehr früh57.
In Verben blieb n im Dialekt in bestimmten Fällen auch vor s erhalten, z. B.: givė̃nsu ~ gyvėnsu, givė̃ns ~ gyvens, sénstu, sė̃nsu ~ sénsiu, señs (zu diesem dialektalen en vgl. auch § 48), giñsu ~ ginsiu, giñs, žriñsu ~ trinsiu, žriñs. Hier wurde der Erhalt des tautosyllabischen n vor s durch die Analogie zu anderen Formen begünstigt, in denen dieses n vor anderen (Plosiv-)Konsonanten nicht regelgerecht ausfiel, vgl.: givė̃nti ~ gyventi, givė̃ndava ~ gyvendavo, givė̃nk ~ gyvenk, žriñti, žriñdava ~ trindavo, žriñk.
Im Präfix in- (das neben dem häufigeren un- < ant- vorkommt) blieb n im Dialekt vor allen Konsonanten erhalten, z. B.: iñdave ~ indavė, iñkė̃la ~ inkėlė, iñgėri ~ ingėrė, iñšėda ~ insėdo, iñmetė ~ įmetė, iñvė̃rti ~ inverti.
f, ch, h
§ 87. Die Konsonanten f, ch, h sind in der Mundart selten. Sie kommen vor:
1. In Laut- und Empfindungswörtern, z. B.: fė, fá „fe“, fít, fùchti (!fùkti), „zur Bezeichnung des plötzlichen Erlöschens eines Feuers“; màchti „makt“, trach „zur Bezeichnung eines Schussgeräuschs und anderer Geräusche“, žàch „zur Bezeichnung eines Fall- oder Sägelauts“; ahã, ohõ, į̃haha ~ ýhaha.
2. In Wörtern nichtlitauischen Ursprungs, z. B.: fanjėra „Sperrholz“, felčeris, frántas; chrõmas ~ chromas; hùonaras ~ honõras „Ehre, Ehrgeiz“.
Angehörige der älteren Mundartgeneration sprechen in aus anderen Sprachen übernommenen Wörtern anstelle von f, ch, h häufig p, k, g aus, z. B.: pabrìke ~ fabrikė „Fabrik“, panabėrija ~ fanabėrija, pùosfaras ~ fosforas; krizantėma ~ chrizantėma, tėchnìkas ~ tèchnikas; gusáras ~ husáras. Der Konsonant h wird bisweilen ganz weggelassen, z. B.: aktãras „Hektar“, iònaras „Honorar“. Angehörige der jüngeren Generation sprechen in Wörtern nichtlitauischen Ursprungs die Konsonanten f, ch, h gewöhnlich aus.
2. Affrikaten
§ 88. Zu den mundartlichen č, dž < *tj, *dj siehe § 82d.
In der Mundart kommen die Affrikaten c, č, dz, dž außerdem in folgenden Fällen vor:
56Vgl. Die erste Grammatik der litauischen Sprache, 418 ff., Vilnius, 1957. Außerdem vgl. K. Eigminas, a. a. O., 168–169.
57Vgl. auch Z. Zinkevičius, Züge aus der Geschichte der pronominalen Adjektive der litauischen Sprache, 25 ff., Vilnius, 1957.
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2. Entstanden durch Assimilation aus zwei anderen benachbarten Konsonanten (meist c < t-s, č < t-š, dz < t-z, dž < t-ž), z. B.: ackirė < at-skirti, ackėlė < at-sikelti, acminė < at-siminti, acnešė < at-sinešti, pač < pats; ačūlė < at-šalti, ačlaimas < at-š laimas, ačlauži < at-šla užti; ādžvimbė < at-žvimbė, adzbósta < at-sibósta, adzdūoda < at-sidūoda; adžagarei < at-žagar iai, adžnupė < at-žnybti, adžvingė < at-žvengė.
3. In Wörtern nichtlitauischer Herkunft, z. B.: cigònas „Zigeuner“, cimantas „Zement“, čolis; česnākas.
4. Die Affrikate c wird im Dialekt bisweilen auch anstelle von s ausgesprochen, vor allem in nichtlitauischen Suffixen vor dem Konsonanten k, z. B.: kvietkāučkas ~ Kvietkāučkas, jeblūonckas ~ Jablònskas, gelvańckas ~ gelvańskas „Einwohner von Gelvonai“, brudūlckas ~ Brudūlskas, kavārckas ~ Kavárskas „Familienname und Ortschaft“, pabaickas ~ Pabaiskas.
II. Kombinatorische Konsonantengesetze
1. Palatalisierung und Verhärtung der Konsonanten
Palatalisierung. § 89. a) Konsonanten sind immer palatalisiert, wenn sie unmittelbar stehen: 1) vor Vokalen der vorderen Reihe (vgl. außerdem §§ 84, 90), z. B.: bìlinėtis ~ bylinėtis, dègimas, kèškas, lėptas, ši̇emėniškas, fėtas, kėksmas, sėdynė ~ sėdynė, šilkas, ievvas, vēri ~ vėria, ēilas;
2) vor zentralisierten Vokalen der hinteren Reihe; siehe §§ 75, 82.
b) Nach dem Ausfall von Vokalen der vorderen Reihe am Wortende (gewöhnlich e, i, seltener die Diphthonge ei, ie) bleiben die ihnen vorausgehenden Konsonanten meist palatalisiert, z. B.: būt ~ būti (vgl. auch § 62)⁵⁸, būkit ~ būkite (vgl. auch § 54), kōtū „Kätzchen“; bādās ~ bādosi, gīris ~ giriasi, praūisis ~ praūsiasi; mān (vgl. maní (vgl. mánig DP 287₂₆ neben mań DP 1₁₁); dēl (vgl. del’ KA 48₃₀, 57₁₅) < dėlei, vėl (vgl.: vėl’ KA 48₁₂, vel KA 48₂₇) < vėlei, kōl ~ kólei, tōl < tõlei⁵⁹. Die Konsonanten k, m werden in diesem Fall hart ausgesprochen, z. B.: auk (vgl. auch §§ 62, 93), dirbam ~ dirbame, aišim ~ eīsime, senam ~ senamė (vgl. §§ 54, 60).
c) Fällt ein Vokal der vorderen Reihe aus dem Wortinneren aus, bleibt der ihm vorausgehende Konsonant meist palatalisiert (vgl. § 79); das Reflexivpartikel -s- < -si- verhärtet sich vor harten Konsonanten jedoch ebenfalls, z. B.: nėsmāta ~ nesimāto, paslaūdzī ~ pasilėidžia, pasrōda ~ pasirodo, parsūara ~ parsivāro.
d) In Konsonantenverbindungen palatalisiert ein palatalisierter Konsonant gewöhnlich auch alle ihm vorausgehenden Konsonanten, z. B.: baršti ~ barstyti, bēlštis, dūnīti ~ dantyti, drēške ~ drėškė, kēlvertas, skauterė ~ skiauterė, šmilkinīs ~ smilkinys, spīrti, šlaūži ~ šliaužti, trūškinti ~ triūškinti, sužlūnga ~ sužliūnga.
In Zusammensetzungen bleibt der harte Konsonant des ersten Bestandteils vor dem palatalisierten Konsonanten des zweiten Bestandteils bisweilen unpalatalisiert, z. B. dańkėpė (doch offenbar häufiger dańkėpė) ~ duonkepė.
⁵⁸ Im Dialekt ist auch das -t von Onomatopoetika stets palatalisiert, z. B.: kišt ~ kyšt, krūšt, šūst ~ šūst. Vermutlich stammt dieses -t < -ti von der alten Endung des Singular-Dativs auf -i. Vgl. Otrebski, GrJL, 3, § 843.
⁵⁹ Das palatalisierte l in den genannten Beispielen zeigt, dass -ei bereits vor der Verhärtung dieses Konsonanten ausgefallen ist (§§ 84, 85).
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Nicht alle in einer Konsonantenverbindung stehenden Konsonanten sind gleich stark palatalisiert. Am stärksten palatalisiert wird der Konsonant, der unmittelbar vor einem vorderen Vokal oder einem vorderisierten Vokal steht (oder stand); bei den weiter entfernten Konsonanten ist die Palatalisierung weniger deutlich.
Nicht alle Konsonanten werden gleichermaßen durch die Palatalisierung beeinflusst. Die velaren g, k und die labialen b, p, m, die durch andere Konsonanten von vorderen oder vorderisierten Vokalen getrennt sind, werden meist hart ausgesprochen, z. B.: aũglis ~ aũglius, ugnìs, brukšnìs ~ brúkš- nìs, trùkšėt ~ trūkčioti; kablìs ~ kablys, gõbšì ~ gobši, capšėt, bumpšėt ~ bamp- šėti, kamšì ~ kamšyti. Die genannten Konsonanten werden jedoch palatalisiert, wenn sie seit jeher oder neu im selben Syllabus mit den nachfolgenden anderen palatalisierten (oder palatalisierten) Konsonanten stehen60, z. B.: glìtus, gnìaušì ~ gniaužti, kveĩs ~ kvie- tỹs, kniaũkti ~ kniaukti, arkìs (silbisch ausgesprochen: ar-klìs) || arklys (: ark-lìs) ~ arklys; bliaũ ~ bliáuti, nubrizga ~ nubrizgo, kėblìnti (: kė-blìnti) || kėblìnti (: kėblìnti), pliaũpi ~ pliaũpti, trėpsė̃ti (: tre-pšė̃ti) || trepsė̃ti (: trep-sė̃ti), tìmpì.
Die vor den genannten harten velaren g, k und labialen b, p stehenden Konsonanten werden meist ebenfalls hart ausgesprochen; vor denselben palatalisierten velaren und labialen Konsonanten werden auch die übrigen Konsonanten palatalisiert, z. B.:
Vor dem am Wortende verhärteten velaren k werden die vorausgehenden Konsonanten stets hart ausgesprochen, z. B.: dìrbk ~ dirbk, graũšk ~ graušk, krėšk, pìrk, skìnk.
Der Konsonant l wird in den genannten Verbindungen meist palatalisiert ausgesprochen, z. B.: alkšnìs, dìlki ~ dilgt, sìlpìnėt, dìlpė̃t ~ dilbčioti, gùlk, kėlk (es heißt auch gùlk, kėlk).
e) Konsonanten werden palatalisiert, wenn sie in einer Verbindung mit j stehen, z. B.: bjaũris, subjūra ~ subjūro, pjaũti, špjáuti, atjùnkti ~ atjunkti, išjudìnti ~ išjudinti, parjòd, užjòd.
f) Die Palatalisierung von Konsonanten tritt in bestimmten Fällen auch an Wortgrenzen auf. Ein palatalisierter Konsonant am Wortanfang palatalisiert den harten Auslautkonsonanten des vorangehenden Wortes, z. B.: bèt kiẽk ~ bet kiek, dĩeną dĩeną ~ dien dieną „Tag für Tag, täglich“, gan gẽras ~ gan geras, kas dìrbs ~ kas dirbs, kad gẽras ~ kad geras.
g) Weitere Fälle der Palatalisierung von Konsonanten:
1. In einzelnen Wörtern, z. B.: ležuvis || ležùvis ~ liežuvis, šaũdiklė ~ šiaudykle „mit der Flinte“, šėmet < šiemet (< dieses Jahr).
2. In Wörtern nichtlitauischer Herkunft wird l häufig auch vor harten Konsonanten palatalisiert ausgesprochen, z. B.: bùlba „Kartoffel“, pùolka ~ polka. Tatsächlich ist hier in der Mundart lediglich ein palatalisiertes l bewahrt (nicht verhärtet), denn in diesem Fall wird es auch in den Sprachen, aus denen diese Wörter in die Mundart gelangten (polnisch, weißrussisch), so ausgesprochen.
Verhärtung. § 90. Regelmäßig ist in der Mundart nur der Konsonant l verhärtet worden, der vor e, ė stand (§ 84). In einzelnen Wörtern kommen auch verhärtete r, s, t und andere Konsonanten vor, z. B.:
60Allerdings ist zu sagen, dass die Palatalisierung der velaren g, k sehr gering ist. Deshalb wird sie an anderer Stelle der Arbeit auch nicht gekennzeichnet.
2. Der Konsonant s wird vor č zu š und z vor dž zu ž, z. B.: unkščiau ~ anksčiau, sugrēbščiu ~ sugrėbščiau, praščiausis ~ prasčiausias; laždžõke ~ lazdžiokė.
3. Das vordere Zungen-n wird vor den Lippenkonsonanten b, p zu Lippen-m, z. B.: imbērti, umbērti (< inbērti, unbērti) „hineinstreuen“, iṃpilas ~ įmpilas (< įnpilas), um punēs ~ an punės „am Scheunentor“.
Vor den hinteren Zungenkonsonanten g, k wird der Konsonant n zu einem hinteren Zungen-n, vgl. § 14.
4. In bestimmten Fällen kann aufgrund der Assimilation einer von zwei Konsonanten entfallen. Das geschieht, wenn innerhalb eines Wortes oder an einer Wortgrenze zwei gleiche Konsonanten aufeinandertreffen. Diese aufeinandertreffenden Konsonanten können von Natur aus gleich sein (1) oder später durch Assimilation gleich geworden sein (2), z. B.:
1) (d-d > d) ka duõs ~ kad duos, (g-g > g) dau gēra ~ daug gero, (k-k > k) ti kū ~ tik ką, (l-l > l) vē lāki ~ vėl lėkia, (n-n > n) unēšti < annešti „hineintragen“, (p-p > p) tei padāre ~ teip padarė, (r-r > r) pērišt ~ perrišti, (s-s > s) pūssesere ~ pusseserė,
61Eine sporadische Verhärtung mancher Konsonanten beobachten wir auch in anderen ostaukštaitischen Mundarten sowie in älteren Schriften, vgl.: Gravycianos PS I 45₁₁, (ne)greytay PS I 231₈, 315₁₃, II 61₉, grausmays PS I 83₈, grausmyngays PS II 117₃₀, traċias PS II 76₁₂, 171₁₇, aber: (ne) greytay PS II 61₂₀, 62₂₆, 70₁₀, 233₂₅, reykia PS I 188₂₅, II 61₁₉, regieimi PS I 90₉, Trečias PS II 161₁₅.
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(š - š > š) springt heraus ~ sprang heraus, zur Seite ~ von der Seite,
(t - t > t) nur laufen ~ aber nur,
(ž - ž > ž) wuchert zu ~ ist zugewachsen;
2) (d - t > t - t > t) dass es ist ~ dass es ist,
(t - d > d - d > d) aber viel ~ aber viel,
(g - k > k - k > k) viel was ~ viel was,
(k - g > g - g > g) geh schlafen ~ geh schlafen,
(s - š > š - š > š) wer rief ~ wer rief,
(š - s > s - s > s) hat sich ausgekocht ~ hat sich ausgekocht,
(ž - s > s - s > s) vergisst ~ vergisst,
(ž - z > z - z > z) hat zerdrückt ~ zu zerquetschen,
(ž - š > š - š > š) hat erschossen ~ hat erschossen,
(š - ž > ž - ž > ž) hat ausgeschüttet ~ hat ausgeschüttet.
In den genannten Fällen, besonders an der Wortgrenze, kann der Konsonant auch erhalten bleiben, wenn die Wörter oder einzelne ihrer Teile betont ausgesprochen werden.
5. Zu den Fällen, in denen zwei benachbarte Konsonanten infolge der Assimilation zu Affrikaten werden, siehe § 88.
b) Die Fernassimilation von Konsonanten kommt in der Mundart selten vor. In litauischen Wörtern wird s vor š, ž der folgenden Silbe manchmal zu š, z. B.: pašišaušė < pasišiaušė, nuššveitė < nusišveitė, pašišnibždė < pasišnibždėti, pašišnekėt < pasišnekėti, šližė < Šližiai „Dorf“. Ein solches š anstelle von s tritt jedoch unregelmäßig auf, meist aufgrund der schnellen Aussprache des Wortes. Das Ergebnis dieser Assimilationsart bleibt überwiegend nur in etymologisch unklaren Wörtern erhalten, gewöhnlich in Lehn- oder Fremdwörtern, z. B.: legulātaris < reguliatorius, šiečka, šiečke ~ šieckė „kleingehacktes Stroh als Futter; Häcksler“ (vgl.: russ., weißruss. сечка, poln. sieczka), šėkšlōt < siečkuoti „schneiden, hacken“ (vgl.: russ. сечь, poln. siec).
c) Über die durch Assimilation bedingte Erweichung der Konsonanten wurde bereits in § 89 gesprochen.
3. Dissimilation
§ 92. In der Mundart tritt die Konsonantendissimilation (progressive und regressive) überwiegend nur in Wörtern nichtlitauischer Herkunft auf, z. B.: añtilerije < Artillerie, kal̃daris < Korridor, malinārka || marinārka „Jacke“ (vgl. poln. marynarka), párkelis < párkeris.
4. Aspiration
§ 93. Das auslautende k (< k, g) des Mundartwortes wird aspiriert ausgesprochen, z. B.: baikʰ, daukʰ ~ viel, dūrʰ, škėrškʰ, skinkʰ. An der Wortgrenze, wenn es vor anderen Lauten steht, wird dieses k meist ohne Aspiration ausgesprochen, z. B.: dauk nēr ~ viel ist nicht, daũg aina ~ viel geht, vešk šienu ~ fahr Heu.
5. Metathese
§ 94. In der Mundart kommen nahe und entfernte Metathese vor.
a) Zur alten Metathese benachbarter Konsonanten (ks < sk, kš < šk, gz < zg), die auch anderen litauischen Mundarten eigen ist, siehe: Būga, RR, 2, 184; Endzelynas, GF, § 73 a; Otrębski, GrJL, 1, §§ 509, 510.
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Der Präsens-Infix n der Rapt-Verben ergibt mit den Stammauslauten l, r die Verbindungen ln, mn, z. B.: dilna < di̇̀nla > lk dyla, skilna < ski̇̀nla > lk skýla, svilna < svi̇̀nla > lk svỹla, (pri)šilnù < (pri)šinli > lk (pri)šyli, atpùlna < atpùla (atpuonla) „lk atpuola“; (nu)švirna < (nu)svi̇̀ra > lk (nu)svỹra, prakūrna < prakiūra > lk prakiūra.
Ob die Metathese der genannten Konsonanten vor dem an > un oder danach eingetreten ist, lässt sich schwer sagen, da die Mundartformen abžabalna „apžabala“, nukȧ̀rna „nukara“ für das eine sprechen, die Formen bulna „bȧ̀la“, sulna „sȧ̀la“, šulna „šȧ̀la“ jedoch für das andere. Diese Uneinheitlichkeit könnte durch den Einfluss anderer Formen entstanden sein. In der Wurzel der ersten Formen kann der Vokal a anstelle von u (vor l, r) nach Formen wie den folgenden stehen: abžabálì ~ apžabálti, abžabàla ~ apžabálo, nukãrì, nukãra ~ nukãro; in den zweiten Formen könnte u anstelle von a nach būla ~ bãla, sūla ~ šãla, šūla ~ šãla entstanden sein (diese Formen sind auch in der Mundart gebräuchlich)62. Außerdem ist es möglich, dass der Infix n nicht in allen Verben gleichzeitig entstanden ist63. Folglich könnte auch die Metathese in einigen Präsensformen früher, in anderen später eingetreten sein.
Seltener sind Fälle, in denen in der Mundart ln > nl ergibt, z. B. aukštžė̃nlikas < augštielnykas (neben der häufigsten Mundartform aukštienikas, vgl. § 95).
b) Fernmetathese tritt in der Mundart unregelmäßig auf, nur in dem einen oder anderen Wort, z. B.: keremėkas || (häufiger) kemerėkas „krummer, astiger Baum; unbeholfener, klobiger Mensch“, varãtliñkis || varãtinklis ~ vorãtinklis.
Eine Metathese dieser Art ist bisweilen in Wörtern nichtlitauischen Ursprungs und in Eigennamen eingetreten (oder tritt ein), z. B.: čevẽrikas ~ čeverỹkos „Halbschuhe mit Schaft“ (vgl. russ. черевик „Damenschuh mit Schaft“, sowie Sirvydas’ čie-rewi̇̀kos PS I 69₁₇), raũlas ~ Raũlas, raulõkas ~ Rauliõkas (von den älteren Mundartsprechern am häufigsten anstelle von laũras ~ Laũras, laurõkas ~ Lauriõkas gesagt).
6. Schwund der Konsonanten
§ 95. Zum regelmäßigen Schwund des tautosilbischen n aus dem Wortinneren und am Wortende siehe § 86.
Andere Konsonanten schwinden aus dem Wortinneren nur in einzelnen Wörtern, z. B.: apìnis (< apvynys) ~ apynys, aukštiẽninkas (< augštielnykas) ~ augštienykas (vgl. auch § 94a), dešìmis < dešimts, dešimė̃tis < dešimtmetis, dešim̃tas < dešimtnytas, kãrkvabalis < kãrkl(a)vabalis, kūrbez̃dalis < kūrm(ia)bez̃dalis „runder Pilz, der ausgereift voller braunem Staub ist“, plūkšna < plūnksna (vgl. Sirvydas: plūkšno-mis PS I 85₂₁, plūksnu „Singular Instrumental“ PS I 18₆), žìmpti (< zvim̃bti) ~ žim̃bti. Das Lehnwort liekarstwa „Medizin“ (vgl. poln. lekartstwo, russ. лекарство) wird mancherorts liekarsta ausgesprochen.
Zum Ausfall von Konsonanten aus dem Wortinneren infolge von Assimilation siehe § 91a₄.
§ 96. Ein Konsonant am Wortanfang wird nur sehr selten abgeworfen. Nur Sprecher der älteren Generation sagen ohne v- ùnta ~ únta „Besen“, ebenso die Lehnwörter õpna || võpna „Kalk“ (vgl. poln. wapno), õpninis || võpninis „kalkhaltig“.
62Vgl. auch die in der Mundart vorkommenden Formen: sūla „erkaltete“, šūla „erkaltete“, šált „erkalten“, šūlt „erkalten“, die wahrscheinlich ebenfalls nach sūla, šūla entstanden sind.
63Die durch den Infix entstandenen gemischten Diphthonge an, en bleiben in der Mundart sehr häufig unverändert erhalten (vgl. § 48₃), obwohl diese Diphthonge in anderen ostaukštaitischen Mundarten und in den alten Schriften meist zu anderen Lautverbindungen geworden sind, z. B.: rundà KA 13₃₀, PS II 44₂, tumpa „wird“ PS I 89₂₇, ginda PS I 95₄.
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§ 97. Zum Schwund von į am Wortende siehe § 82b. Andere Konsonanten fallen am Wortende selten aus, meist in kurzen Wörtchen (Konjunktionen, Präpositionen usw.), z. B.: à < ar, bèn < bent, dà < dar, ì < ir, ùn < ant, palà < palauk.
Zum Schwund eines Konsonanten am Wortende durch Assimilation siehe 91a.
7. Hinzufügung und Einschub von Konsonanten
§ 98. Am Wortanfang wird im Dialekt vor vorderen Vokalen (i, ī, e, ē) und dem Diphthong ie stets j ausgesprochen, z. B.: įinkštas ~ inkstas, įilė ~ ylė „Nadel“, įėglis ~ ėglis, ieškõti ~ ieškoti, įiena ~ ėna.
Dieses j wird nach Präfixen, die auf einen Vokal enden, vor denselben Stammvokalen stets eingeschoben, z. B.: ap̃įilgïs ~ apyilgïs, paĩlgas ~ pailgas, nuĩmit ~ nuimti; nujėjaũ ~ nuėjau, prãjemu ~ praėmiau; nujõde ~ nuėdė, prijiẽde ~ pridėdė, sujẽde ~ suėdė; paiẽška ~ paieško, sujẽško ~ suieško. Nach Präfixen, die auf einen Konsonanten enden, wird vor den genannten Vokalen į nur dann ausgesprochen, wenn der Präfixkonsonant nicht zur Stammsilbe gehört, z. B.:
§ 99. Vor anlautendem uo ist im Dialekt ein v hinzugetreten, z. B.: vuõdas ~ úodas, vuõga ~ úoga, vuõsis ~ úosis, vuõstìti ~ úostyti. Wahrscheinlich entstand hier v bereits vor dem unbetonten uo > a; vgl.: vadegà < vuodegà < uodegà, vagáuti < vuogáuti < uogáuti, vagenjõjas < vuogienõjas < uogienõjas, vašinė́ti < vuostinė́ti < uostinė́ti. In Sirvydas’ „Punktai sakymų“ fehlt dieses v- vor uo, vgl.: uoday I 260₁₈, uoga I 321₂₀.
Vor den genannten uo wird v im Dialekt a auch nach Präfixen ausgesprochen, z. B.: prìvagãva ~ priuogãvo, išivagãva ~ išuogãvo, apvùoste ~ apúostė, suvuõde ~ suúodė.
Bei Wörtern, die erst neuerdings in den Dialekt gelangt sind und mit uo- beginnen, wird der Konsonant v nicht hinzugefügt, z. B.: ùostas ~ úostas. Ohne dieses v werden auch folgende Wörter ausgesprochen: ùošvis, ùošvene ~ úošvienė, ašvìje || ašvijė ~ uošvija.
Vor o- v ist es nur im Wort vòpus (vòpas), -ì < opùs, -ì entstanden.
Der Konsonant v wird im Dialekt manchmal zwischen den Präfixen nu-, su- und dem Stammvokal e- (< ē-), ē-, ei- eingeschoben, z. B.: nuvejau ~ nuėjau, nuvẽje ~ nuėjo, nuveiti ~ nueiti; suvejau ~ suėjau, suvẽde ~ suėdė, suveina ~ sueina (siehe auch § 24a).
§ 100. Am Wortanfang wird manchmal der Konsonant s hinzugefügt. Dieses s tritt am häufigsten vor k- und seltener vor anderen Lauten auf, z. B.:
Tatsächlich ist nicht immer klar, ob in den genannten Fällen der Konsonant s hinzugefügt wurde oder weggefallen ist. In Verben kann dieses s- in den meisten Fällen aus dem reflexiven Partikel -s(i)- entstanden sein: Nach den präfigierten reflexiven Formen ap-sikabinėti, nu-sitvėrti, pa-siūlsėti, die im Dialekt zu ap-skabinėti, nu-švėrti, pa-silsėti wurden, begann man auch die präfixlosen Formen skabinėti, šivėrti, silsėti zu verwenden⁶⁴.
§ 101. Das Einschieben eines Konsonanten in die Wortmitte ist eine recht seltene Erscheinung, z. B. api naširis „Nasenriemen“; etwas häufiger tritt es in Wörtern nichtlitauischer Herkunft auf, z. B.: aksfáltas „Asphalt“, čerėkšne ~ čerėkšne „Süßkirsche“ (vgl.: russ. черешня, poln. czereśnia).
8. Auslassung einer Silbe
§ 102. Stehen zwei gleiche oder ähnliche Silben (mit gleichen Konsonanten) nebeneinander, wird manchmal eine davon ausgelassen, z. B.: aštantas (~ aštuonýtas) < aštuonianẏtas, aštantis (~ aštuonẏtis) < aštuonianẏtis, malūnikas (~ malūnykas) < malūnininkas, vargoninkas (~ vargonykas) < vargonininkas.
9. Wechsel von k und g
§ 103. Am Wortanfang der Wurzel wechselt k manchmal mit g, z. B.: ap-kėpti || ab-gėpti „umarmen, in Besitz nehmen“, nu-keipti || nu-geipti „verkümmern, verfallen, verenden“, kirkšnis ~ kirkšnys || girkšnis ~ girkšnys „Leiste“.
Abkürzungen⁶⁵
APh — Archivum Philologicum, Kaunas. (Fettdruckzahlen bezeichnen Bücher, Normalschriftzahlen Seiten und Zahlen in Klammern die Jahre.)
brus. — belarussisch.
Būga, LKŽ — K. Būga, Lietuvių kalbos žodynas, 1, Kaunas, 1924.
Būga, RR — K. Būga, Rinktiniai raštai, 2, Vilnius, 1959.
dipl. d. — Diplomarbeit.
DK, KA — Der polnische Katechismus des Ledezma und die litauischen Katechismen des Daugsa und des Anonymus vom Jahre 1605… herausgeg. von Ernst Sittig, Göttingen, 1929. DK — Daukšos 1595 m. katekizmo tekstas. KA — Anoniminio 1605 m. katekizmo tekstas.
64Vgl. Otrębski, GrJL, 1, § 543. Zum anlautenden s- im Litauischen und in anderen Sprachen vgl. auch Būga, RR, 2, 104.
65Hier sind Abkürzungen grammatischer Termini angegeben. Sie entsprechen denen im „Wörterbuch der litauischen Gegenwartssprache“, Vilnius, 1954.
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DP — Postilla Catholicka. Tái est: Ižguldimas Ewangeliu... Per Kúnigą Mikalojv Davkszą... Wilniui Drukárnioi Akademios... 1599.
Endzelynas, GF.— J. Endzelynas, Baltų kalbų garsai ir formos, Vilnius, 1957.
Endzelīns, Gr — J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīga, 1951.
IFF — Historisch-philologische Fakultät.
KA — siehe DK.
le. — polnisch.
lk — Literatursprache.
LKK — Fragen der litauischen Sprachwissenschaft, Vilnius. (Fett gedruckte Ziffern bezeichnen die Bände, normal gedruckte die Seiten, Ziffern in Klammern die Jahre.)
LKRŽ — Wörterbuch der Rechtschreibung der litauischen Sprache, Kaunas, 1948.
MADA — Arbeiten der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR, Reihe A, Vilnius. (Fett gedruckte Ziffern bezeichnen die Bände, normal gedruckte die Seiten, Ziffern in Klammern die Jahre.)
min. veik. — genanntes Werk.
Otrębski, GrJL — J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, 1 (1958), 3 (1956), Warszawa.
PIMD — Wissenschaftliche Arbeiten des Staatlichen Pädagogischen Instituts Vilnius, Vilnius. (Fett gedruckte Ziffern bezeichnen die Bände, normal gedruckte die Seiten, Ziffern in Klammern die Jahre.)
PS — Širwyds Punktay sakimu (Punkty Kazań). Teil I: 1629, Teil II: 1644… herausgeg. von Dr. Franz Specht, Göttingen, 1929.
raj. — Bezirk.
rankr. — Manuskript.
rapt — süddialekt des östlichen Aukštaitischen.
rus. — russisch.
tt. — und folgende (Seiten, Paragraphen).
UMD — Wissenschaftliche Arbeiten der Staatlichen Universität Vilnius V. Kapsukas, Vilnius. (Fett gedruckte Ziffern bezeichnen die Bände, normal gedruckte die Seiten, Zahlen in Klammern die Jahre.)
Universitas — Universitas lingvarum Litvaniae...1737, Vilnae.
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VERZEICHNIS DER ENTSPRECHUNGEN DER VOKALE UND DIPHTHONGE DER LITERATURSPRACHE IN DER MUNDSART
Die Vokale der Literatursprache entsprechen in der Mundart:
Verzeichnis 1
lk | M u n d a r t e n | im Wortstamm | am Wortende a | a (§ 21), e (§ 75) | a (§ 52), α (§ 53a), e (§ 75), į (§ 63a)⁶⁶ ą | u (§ 35d), ū (§ 36c) | u, ū (§ 65₄) e | e (§ 27), ae (§ 77), a (§§ 24,26), ie (§ 41) | i (§§ 60, 64), a (§ 53a), bl (§ 85)⁶⁶ ė | i (§ 35d), ī (§ 36c) | i (§§ 61, 85), bl (§ 85), u (§§ 65₄, 85) ē | ē, e (§ 32), e (§ 28), ae (§ 77) | ē, e (§ 55), e, a (§ 54₁) i | i (§ 35a, b), ī (§ 36b), bl (§ 37) | i (§§ 56–58, 62) y | i (§ 35b), ī (§ 36a), bl (§ 37) | ī, i (§ 58) į | i (§ 35c), ī (§ 36c) | ī, i (§ 59) o | o (§ 32), a (§ 22), e (§ 75), uo (§ 41) | o (§ 55), a (§ 52ₐ), e (§ 75) u | u (§ 35a, b), ū (§ 36b), i (§ 76) | u (§ 65₁,₅), a (§ 53b), i (§ 63b) ū | u (§ 35b), ū (§ 36a) | u (§ 65₂) ų | u (§ 35c), ū (§ 35c) | u, ū (§ 65₃)
Die Diphthonge der Literatursprache entsprechen in der Mundart:
Verzeichnis 2
lk | M u n d a r t e n | im Wortstamm | am Wortende ai | ai, αi (§ 38) | ai (§ 66), αi, ii (§ 67), ei (§ 75) au | au, αu (§ 39), āu (§ 16) | au (§ 66), αu, iu (§ 67) ei | ei, ii (§ 40), ai (§ 38) | ei, ai (§ 66), αi, ii (§ 67) ie | ie (§ 41), e (§ 29), ae (§ 77) | ie (§ 68), e (§ 54₂) ui | ui, ai, αi (§ 42) | ui (§ 69), αi, ii (§ 67) uo | uo (§ 41), a (§ 23), e (§ 75) | uo (§ 68), a (§ 52ₐ), e (§ 75) al, ar | al, ar (§ 44) | el, er | el, er (§ 45), al, ar (§ 44) | il, ir, ul, ur | il, ir, ul, ur (§ 46) | im, in, um, un | im, in, um, un (§ 47₁) | am, an, em | um, un, im (§ 47₂), am, an, em (§ 48) | en | in (§ 47₂), un, um (§ 85), en (§ 48) |
PHONETIK DES SÜDLICHEN DIALEKTS DER OSTHOCHLITAUER
К. Ф. МОРКУНАС
Zusammenfassung
In der Arbeit werden der Lautbestand, der Vokalismus und der Konsonantismus des Dialekts untersucht. Der Ansatz zur Erklärung der phonetischen Erscheinungen ist historisch. Die Fakten des untersuchten Dialekts werden mit entsprechenden Fakten der Literatur-
66 Statt des litauischen Singular-Instrumentals auf -a, -e (< -ān, -ēn) gibt es im Dialekt auch -αi, -ii, doch ist die Entstehung dieser Diphthonge wahrscheinlich keine phonetische, sondern eine morphologische Erscheinung (siehe § 67).
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tursprache und anderer Dialekte verglichen. Einige Parallelen aus alten Schriftdenkmälern werden angeführt (am häufigsten aus K. Širvydas’ „Punktai sakymų“).
In der Einleitung wird das Gebiet des Dialekts abgegrenzt. Die wichtigeren Ortschaften dieses Dialekts sind Pašilė, Pabaiskas, Krikštėnai (Bezirk Ukmergė), Gelvonai, Bagaslaviškis, Čiobiškis, Musninkai (Bezirk Širvintos). Die alten Verbindungen am, an, em, en werden im Dialekt als um, u(n), im, i(n) ausgesprochen, z. B.: súntis ~ sámtis ‘Schöpfkelle’, rùṅka (< *rankan) ~ rãṅka ‘Hand’, tĩmpt ~ těmpti ‘ziehen’, pìṅki ~ peṅki ‘fünf’. Aufgrund dieses Merkmals gehört der untersuchte Dialekt zur Gruppe der osthochlitauischen Dialekte. Im Südwesten und Westen (ungefähr entlang der Linie Čiobiškis — Keižėnai — Mančiušėnai — Samantonys — Kalveliai) grenzt er an den mittelhochlitauischen Dialekt, in dem die genannten Verbindungen wie in der Standardsprache ausgesprochen werden. Es sei darauf hingewiesen, dass die Grenze zwischen den osthochlitauischen und mittelhochlitauischen Dialekten von Kalveliai nach Südosten zuvor nicht genau festgelegt worden war (vgl. Archivum Philologicum, 4, Kaunas (1933)).
Durch einige phonetische Besonderheiten unterscheidet sich der untersuchte Dialekt auch von anderen osthochlitauischen Dialekten. Jenseits des Flusses Šventoji, von Kalveliai bis Ukmergė (d. h. jenseits der nordwestlichen Dialektgrenze), wird statt des alten -á ein reduzierter Vokal o ausgesprochen (piẽvų ~ piẽva ‘Wiese’, galvù ~ galvà ‘Kopf’); unbetonte Vokale o, ė in der Wortmitte sind zu u, i geworden (sudėlis ~ sodėlis ‘Gärtchen’, sidėti ~ sėdėti ‘sitzen’). Dort wird der Vokal u auch anstelle des unbetonten Diphthongs uo ausgesprochen (dunelà ~ duonėlė ‘Brotchen’). Die Ostgrenze verläuft zwischen den Ortschaften Graužėčiai — Jogvilai, Papreniškiai — Inkilai und dann durch die Wälder in Richtung Širvintos und weiter nach Süden bis Kaiminai. Jenseits dieser Grenze leben vom Fluss Šventoji fast bis Širvintos die sogenannten rotinininkai (das lange betonte a in der Wortmitte sprechen sie als ein wenig labialisiertes o mit leichter a-Färbung aus, z. B.: rōtài ~ rãtai ‘Räder; Wagen, Karren’, kólnas ~ kálnas ‘Berg’). Östlich der Linie Širvintos — Kaiminai wurden keine wesentlichen phonetischen Unterschiede festgestellt; nur wird dort nach dem Konsonanten l meistens in statt en ausgesprochen (lintà ~ lentà ‘Brett’), während im beschriebenen Dialekt un ausgesprochen wird (luntà ~ lentà).
Im Süden grenzt der untersuchte Dialekt an den dzukischen Dialekt.
Lautbestand.
Im Dialekt gibt es folgende Vokale: a, ą, e, æ, ė, ę, i, y, o, u. Die Aussprache der Vokale a, e, ė, i, o, u ist im Wesentlichen dieselbe wie in der Literatursprache. Die übrigen Vokale werden wie folgt ausgesprochen: ą — wie ein quantitativ und qualitativ reduziertes a (stãlas ‘Tisch’), æ — als Laut mit einer Artikulation zwischen e und a (žẽmas ~ žēmas ‘niedrig’), ė — wie ein hinteres ē (kalbė̃t ~ kalbėti ‘sprechen’), y — wie ы im Russischen (prapuolìs ~ prapúolęs ‘verschwunden’). Die Vokale a, e, æ, i, y, u können kurz oder lang sein, ē, ę, o nur lang, während ą stets kurz ausgesprochen wird. Außerdem kommen noch sogenannte nichtsilbische i (= į — wird als Laut mit einer Artikulation zwischen i und j ausgesprochen), u (= ų — zwischen u und v) vor.
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Im Dialekt gibt es 23 Konsonanten (davon 4 Affrikaten): b, d, g, j, ž, l, m, n, p, r, s, š, t, v, z, ž, f, ch, h; c, č, dz, dž. Die Konsonanten f, ch, h kommen sehr selten vor (meist in Wörtern fremder Herkunft). Alle Konsonanten können hart oder weich sein; nur j ist immer weich. Ihre Aussprache unterscheidet sich kaum von der Aussprache der entsprechenden Konsonanten in der Literatursprache. Nur das harte l wird hier etwas härter ausgesprochen als in der Literatursprache.
Im Dialekt sind folgende Diphthonge bekannt: ai, au, ai̯, au̯, ei, ēi, ēi̯, ie, ii, iu, oi, ui, uo. Außerdem gibt es im Dialekt diphthongische (alte und sekundäre) und triphthongische (allesamt sekundäre) Verbindungen: Vokal + l, m, n, r oder Diphthong ie, uo + l, m, n, r, j.
Vokalismus. In diesem Abschnitt werden Quantität, Herkunft und kombinatorische Gesetzmäßigkeiten der Vokale untersucht. Die charakteristischsten Merkmale des Vokalismus des Dialekts (außer den bereits oben erwähnten) sind:
1. Die Quantität der Vokale hängt von der Betonung ab, denn alle unbetonten Vokale (in der Wortmitte und am Wortende) sind im Dialekt kurz, während betonte Vokale (auch ursprünglich kurze, von einigen Fällen abgesehen) lang sind.
2. In unbetonter Stellung sind die alten langen a, e erhalten geblieben, die in der Literatursprache zu o, ē geworden sind: stavēt ~ stovėti ‘stehen’, gálvas ~ gálvos ‘(Nominativ Plural) Köpfe’, sedēt ~ sedėti ‘sitzen’, sākę~sākė ‘sagte, sagten’.
3. Die unbetonten Diphthonge ie, uo sind zu e, a geworden: pēnelis ~ pienēlis ‘Milchchen’, šlatela~šluotėlė ‘Besen’.
4. Anstelle von e wird am Wortanfang a ausgesprochen: ažeras~ēžeras ‘See’, ait̃~ēiti ‘gehen’.
5. Anstelle des alten kurzen a, manchmal auch anstelle von u, werden am Wortende folgende Laute ausgesprochen:
nach einem harten Konsonanten der reduzierte Vokal α: dirba ~ dɪrba ‘arbeitet, arbeiten’, gãlas~gãlas ‘Ende’, sūnas (|sūnus)~sūnūs ‘Sohn’; nach j und einem weichen Konsonanten i: geri~gēria ‘trinkt, trinken’, vējis ~ vējas ‘Wind’, sūkcis ~ sūkčius ‘Betrüger’. Anstelle des alten ā wird im Dialekt wie auch in der Literatursprache am Wortende ein kurzes a ausgesprochen: galvā ‘Kopf’, várna ‘Krähe’.
6. Am unbetonten Wortende nach einem harten Konsonanten werden die Diphthonge ai, ui > ai: virai~vyr ai, vỹrui ‘(Nominativ Plural, Dativ Singular) Männer, Mann’, au > au: dɪrbau ~ dɪrbau ‘arbeitete’; nach j und einem weichen Konsonanten ai, ui > īi: peili̯is~peiliais ‘mit Messern’, sveči̯i~svečiu ‘Gast’, au > ių: žinojių ~ žinojau ‘wusste’. Anstelle des unbetonten Diphthongs ei in der Endung wird ebenfalls ii ausgesprochen: kárvii~kárvei ‘der Kuh’.
Konsonantismus. Abgesehen von geringfügigen Ausnahmen entspricht die Herkunft der Konsonanten des Dialekts derjenigen der entsprechenden Konsonanten der Literatursprache.
j ist vor hinteren Vokalen im Wortstamm nach den Lippenlauten b, p erhalten geblieben, z. B.: bjauribe ~ bjaurỹbė ‘Abscheulichkeit, Ekel’, pjāut ~ pjāuti
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„schneiden, sägen“. Aus Verbindungen mit anderen Konsonanten verschwand j, und *tj, *dj verwandelten sich vor hinteren Vokalen in č, dž. j schwindet auch in der betonten Endung einiger Formen des Lokativs Singular, z. B.: dabēz || dabēs < duobējē „in der Grube“, šterblē || šterblē < sterblejē „im Mond“.
Der Konsonant l wird vor e, ē als hart ausgesprochen (nach dem depalatalisierten l lauten die Vokale e, ē > a, э), z. B.: lādas ~ lēdas „Eis“, lāiš ~ lēisti „lassen, erlauben“ lēkē ~ lēkti „fliegen“. Der Fortgang der alten Verbindung en nach dem Konsonanten l zeigt, dass in einigen ostaukštaitischen Mundarten die Depalatalisierung von l erfolgte, nachdem die Verbindungen am, an, em, en > um, un, im, in sich verändert hatten, während in anderen Mundarten l bereits früher depalatalisiert worden war und sich erst danach die genannten Verbindungen veränderten. Zu den letzteren gehört auch die hier untersuchte Mundart, denn lunta konnte hier nur aus lanta < lenta „Brett“ entstanden sein. In der beschriebenen Mundart und in einigen anderen Mundarten findet sich nach l noch die Verbindung bln: lъnta. Sie könnte offenbar auf folgende Weise entstanden sein: 1) lenta>lenta>lęnta (die Depalatalisierung von l trat ein) > lъnta oder 2) durch Kontamination der Formen lunta oder lanta und linta. In der Endung finden sich nach l anstelle des alten en nicht immer dieselben Laute wie in der Wortmitte. Dies erklärt sich vor allem dadurch, dass: 1) in einigen Mundarten die Veränderung von en in der Wortmitte und am Wortende nicht gleichzeitig erfolgte, 2) in der Endung einige Veränderungen später und unter dem Einfluss anderer Formen eintreten konnten.
In diesem Abschnitt werden auch andere Erscheinungen des Konsonantismus behandelt: Palatalisierung, Assimilation, Dissimilation, Metathese von Konsonanten u. a.