Page 1GRAMATINĖS KATEGORIJOS IR JŲ RAIDA
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XVIII (1978)
Diskussionen
V. GRINAVECKIS
ZUR HERKUNFT DER ENTSPRECHUNGEN VON *-ān IN DEN ENDUNGEN LIT. *ā-STÄMMIGER NOMINA UND PRONOMINA
1. ENTSPRECHUNG VON -a, -ā (OSTLIT. -u, -ū)
Fast im gesamten litauischen Sprachgebiet ist der alte akute Wortauslaut *-án zu kurzem -a geworden (: im Litauischen Singular Instrumental tā riba višta, Plural Genitiv tās rības vištās), der sich in verschiedenen Mundarten abhängig von ihrem phonologischen System entsprechend weiterentwickelt hat². Stellenweise ist in den nord- und südwestaukštaitischen Mundarten die Endung -a < *-ān als Relikt lang (obwohl daneben unter dem Einfluss der litauischen Standardsprache die normgemäße Entsprechung – das kurze a – inzwischen ebenfalls vertraut ist und ausgesprochen wird). In der Mundart von Mitu vos upynas wird ein solches -a im Unterschied zur litauischen Standardsprache auch in den Endungen des Singular-Instrumentals und Plural-Genitivs der Pronomen anà, jì, jìjė ’joji’, katrà, ši, šità, šiojė ’šioji’, tà, tojė ’toji’ sowie der pronominalen Adjektive, Zahlwörter und Partizipien lang ausgesprochen, z. B.: su anà, jà, jàje, katrà, šìę, šìeje, šità, tà, tojė; anàs, jàs, jàsias, katràs, šiàs, šiàsias, šìtas, tà, tàsias; baltàja, pirmàja, audžiančiàja; baltàsias, pirmàsias, audžiančiàsias (Grinaveckienė 1957: 152—153; Zinkevičius 1966: 278, 310). Langes a < *-ān trat in denselben Fällen auch früher in der benachbarten Mundart des Gebiets Smalininkai–Viešvilė (Rajon Jurbarkas) auf (: su geràja, geràsias, tàs, kitàsias ’kitas’). Ein langes -a dieser Herkunft wird auch im zweiten Bestandteil des pronominalen Pronomens jòji bei Višakio Rūda lang ausgesprochen (: su jèje) und in weiteren Fällen. In den Kapsai-Zanavykai-Mundarten werden die Singular-Instrumental- und Plural-Genitiv-Formen der Pronomen jì, tà mit langem -a ausgesprochen (: su tà, jà, tàs, jàs || jàs, Senkus 1962: 213); in der westaukštaitischen Mundart an der lettischen Grenze die Plural-Genitiv-Formen anà, jì, katrà, ši, tà (: anà’s, jà’s, š’à’s, katrà’s, tà’s, Jonai tyte 1969: 201, 203, 204; LKT: 156). Nach der Aussage von A. Jonai ty tė ist -a in der Šakyna-Mundart auch im Plural-Genitiv des Pronomens šita lang: šita’s ’šitas’. Das a dieser Pronomenformen wird auch in manchen zentralaukštaitischen Mundarten lang ausgesprochen, z. B.: tà’s ’tas’ (LKT: 226). Fr. Kuršaitis kennt die Formen su tà, šià; tàs, šiàs, J. Jablonskis die Formen su jà, šią; jàs, šiàs, tàs (Kuršaitis 1876: 236—237; Kriaušaitis 1901: 23, 25; Jablonskis 1957: 227). Z. Zinkevičius (1966: 310—311) verzeichnet die Formen tą ’ta’, tàs ’tas’ im Gebiet der südwestaukštaitischen Mundarten, tū, tū. ~ tà (< *tān) — in den ostaukštaitischen Mundarten (vgl. außerdem Valeckienė 1965:
1Dass das akzentuierte *-ān ursprünglich nur eine einzige, dem gesamten litauischen Sprachgebiet gemeinsame Endung des Pl. Gen. der *ā-Stämme (und der Pronomina) war, hat J. Kazlauskas (1968: 162, 163, 189) fundiert und überzeugend nachgewiesen. Dies wird vollständig auch durch die Daten anderer Forscher bestätigt (Šukys 1959: 159; Jasińskaitė 1959: 191; Vidugiris 1969: 167).
2Das kurze offene wortauslautende -a dieser Herkunft entspricht im Gebiet der žemaitischen Mundarten nordwestlich von Klykolių, Akmenės, Alsėdžių und Gargždų (Grinaveckis 1973: 214) einem reduzierten -ǝ (: mažò ~ mažà „klein“, kójo ~ kója „Bein“, gerójo ~ geràja „mit der guten“), in den ostoberlitauischen und dzūkischen Mundarten einem kurzen (stellenweise reduzierten) -u (: mažù, mažù, maž ~ mažà, kóju, kóji, kój ~ kója). Im geschlossenen Wortauslaut wird es in diesen Mundarten ebenso wie jedes -a dieser Herkunft im geschlossenen und offenen Wortauslaut im übrigen litauischen Dialektgebiet kurz ausgesprochen und nach j zudem weiter vorne artikuliert.
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Page 2: 655). In der Mundart von Zietela ist ein Einzelfall belegt, in dem die Endung des Sg. Instr. eines *ā-stämmigen Sachnomens auf -a langes -a aufweist, z. B.: xmoraˈ ~ chmoràˈ „mit der Wolke“ (Arumaa 1931: 51)³.
Das akzentuierte *-án des ersten Gliedes pronominaler Formen ist in der Schriftsprache und in den südlichen sowie nordwestlichen oberlitauischen Mundarten zu langem -a geworden (orthografisch, der Herkunft entsprechend, als -ą wiedergegeben); das unbetonte *-ān ihres zweiten Gliedes, das zu -ā geworden ist, wurde hier ebenfalls gekürzt (: baltāja, baltāsias, gerāusia, gerāusias).
Im Gebiet der ostoberlitauischen Mundarten um Medeikiai, Užžsilinai, Biržai, Virškupėnai, Geidžiūnai, Pāpilis, Antāzavė, Vabalninkas, Panemunis, Lukštai, Svōbiškis, Antāšava, Subāčius, Žārasai, Rukiškė und Šeimatis entspricht dem akzentuierten *-ān des ersten Gliedes pronominaler Endungen regelmäßig das mundartliche -ū (: baltūjų⁴ ~ baltāja, baltūs’as ~ baltāsias, vgl. jų kūsnis ~ kāsnis)⁵. Zwischen Suvainiskis, Rokiškis, Kūpiškis, Svėdasai, Rubikiai, Leliūnai, Balninkai, Molėtai, Bijūtiškis, Nemenčinė, Kuktiškės, Daugailiai, Degučiai und Sūviekas kommt das mundartliche -ū nur in der Endung des ersten Gliedes im Sg. Instr. pronominaler Formen vor (gerūju ~ gerąja). An den Grenzen von Mundarten und kleineren Sprachinseln werden jedoch aufgrund enger wechselseitiger Kontakte neben diesen Formen häufig parallel auch Formen mit anderen Reflexen des alten akzentuierten *-ān verwendet. So sagt man neben baltūj ~ baltāja, baltūs’s ~ baltāsias in Parōvėja auch baltuoj ~ baltāja, baltūos’s ~ baltāsias, bei Imbradas auch baltōs’as ~ baltāsias, bei Kāršakiškis⁶ auch baltōju ~ baltāja, baltōs’as ~ baltāsias, bei Raguvelė und Biržai⁷ auch baltuos’s ~ baltāsias, bei Kazitiškis auch gerūju ~ gerąja, gerōs’as ~ gerāsias und bei Spitrėnai auch gerō ~ gerāja. Offenbar hält Z. Zinkevičius (1957: 75) deshalb die ostoberlitauischen Formen baltūjū ~ baltāja, baltūsbs ~ baltāsias für im Verschwinden begriffen.
Wie konnte das alte akzentuierte *-ān in den Endungen der nördlichen und südlichen oberlitauischen Mundarten sowie im ersten Glied pronominaler Formen der Schriftsprache (wie im Wortstamm) langes -a ergeben, im genannten Gebiet der ostoberlitauischen Mundarten in den angeführten Fällen langes -ū, in allen übrigen Fällen aber kurzes a, u? Daraus, dass das lange und kurze -a aus *-ān in den nördlichen und südlichen oberlitauischen Mundarten sowie in der Schriftsprache weit verbreitet ist und keinerlei Nasalierung aufweist, lässt sich begründet schließen, dass -n in den akzentuierten Endungen (wie auch im Wortstamm) hier verschwand, ohne den Vokal zu nasalieren, und daher keinen Nasalvokal bildete. Folglich muss der Schwund von -n hier so rasch verlaufen sein, dass der erste Bestandteil dieses Diphthongs, der Vokal -ā, von -n lediglich seine Länge erbte. Daher wurde das von Natur aus lange stammbildende -a der *ā-Stämme hier lediglich noch weiter verlängert. J. Kazlauskas (1972: 83–84) vertritt mit guten Gründen die Auffassung, dass sich vor der Veränderung der akzentuierten Endungen im Litauischen „im Wortauslaut und im Wortinneren vor Frikativen Nasalvokale aus Diphthongen mit einem Nasalkonsonanten als zweitem Bestandteil gebildet hatten“. Diese Auffassung erscheint uns realistisch, denn in späterer Zeit wiederholt sich der Schwund von n in akzentuierten Diphthongen in denselben litauischen Dialekten nicht mehr. Somit ist es durchaus möglich, dass auch der Konsonant -n des akzentuierten *-ān gerade zu jener Zeit in diesen Mundarten bereits verschwunden war. Sein Nachkomme, das lange -a, wurde im Wortauslaut gekürzt (: gerà < *gerān, geràs < *gerāns, pirmāją < *pirmān, pirmāsias < *pirmāns- jāns), während es im ersten Glied pronominaler Formen (wie auch im Wortstamm) lang blieb (: gerāja < *gerājan, gerāsias < *gerānsjāns). Wie wir jedoch gesehen haben, ist -a dieser Herkunft in einzelnen westoberlitauischen Mundarten auch in der Endung lang geblieben. In Pronominalendungen konnte langes -a hier wahrscheinlich aufgrund der Endbetonung erhalten bleiben (vgl. aną, anų, katrą, katrų..., ją, jų, tą, tų... sowie aną „jene“, anās „jene“, tą „jene“, tęs „jene“, katrą „welche“, katrās „welche“).
3 Abejotina, mums rodosi, E. Fraenkelio (1936: 47) nuomonė, jog Žietelos xmoraˈ ilgasis -a galūnėje galėtų būti kilęs iš -ai (< -aija) dėl apokopės, kadangi apokopė paprastai vyksta tik nekirčiuotuose skiemenyse ir jai būdingas vien mechaniskas garso numetimas. Greičiau, kad ilgasis -a, šiuo atveju būdamas vienišas, traktuotinas kaip reliktinis, esantis šnektoje iš seno ir, galima sakyti, yra atsiradęs tiesiog iš *-ān (> -ā).
4Im Gebiet der stärksten Endungsreduktion (im Einzugsgebiet der Mūša und den angrenzenden Mundarten) sind die Endungen des zweiten Gliedes pronominaler Formen reduziert oder sogar ganz geschwunden. In den hier (und andernorts) angeführten Beispielen werden die betreffenden lautlichen Veränderungen nicht gekennzeichnet, wenn der genaue Ort nicht angegeben ist.
5 Dar plg. rytų aukštaičių senėji ~ sendžio (Drotvinas — Grinaveckis 1970: 97; dar žr. Zinkevičius 1957: 95; Jasińskaitė 1959: 191; Zinkevičius 1966: 291).
6 Vns. in. formą baltōja iš Kāršakiškio pateikia ir Z. Zinkevičius (1966: 290).
7 Z. Zinkevičius (1957: 95) iš Biržų pateikia tik formas baltūjų ir baltūsos.
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Page 3und dergleichen), in den Endungen des zweiten Glieds der pronominalen Formen – wohl aufgrund der Analogie von Formen, die vom endungsbetonten Akzent der Pronomen beeinflusst waren (nach tą, tās, ją, jās und dergleichen – auch jąją, jąsias, tąją, tąsias sowie gerąją, gerąsias … und dergleichen).
In den erwähnten ostaukštaitischen Mundarten wird das -n des akutierten Diphthongs *-án ebenfalls zur von J. Kazlauskas angegebenen Zeit geschwunden sein; hier dürfte dieser Prozess jedoch anders verlaufen sein. Daraus, dass der Reflex von *-án im ersten Glied der pronominalen Formen hier ein enges langes -ū ist (im zweiten Glied wird -u ausgesprochen), lässt sich schließen, dass -n in diesen Mundarten allmählich geschwunden sein dürfte. Daher wurde dem Vokal -ā zusammen mit der Länge auch die Nasalierung des -n übertragen. Unter deren Einfluss verengte sich ā rasch und am stärksten (Kazlauskas 1972: 84; Zinkevičius 1972: 227–228); als enges langes -ū (im zweiten Glied als kurzes -u) erreichte es die Gegenwart.
Argumente gegen eine solche Entwicklung von *-án sind in den betreffenden Mundarten zumindest vorläufig nicht erkennbar, da sie unmittelbar aus dem Lautsystem dieser Mundarten folgt, das diese Entwicklung im Wesentlichen erst aufzudecken und herauszuarbeiten half.
2. ENTSPRECHUNG VON -ai
In den südlichen west- und mittelaukštaitischen Mundarten zwischen Kudirkos Naumiestis, Griškabūdis, Garliava, Jieznas, Nemajūnai und Navininkai steht heute anstelle des betonten alten akutierten *-án (neben neueren, unter dem Einfluss der Schriftsprache entstandenen normgerechten Formen) der Reflex -ai. Er kommt hier im Wortstamm, in den Endungen von Pronomen und Adjektiven sowie in den Endungen des ersten Glieds pronominaler Formen vor, z. B.: kãisnis, sáispāra, pagelaišk; su tái gerãi mergà; anáis móteris; su gerãja, gerãsiais usw.; vgl. auch Senkus 1955: 64, 126–127; 1960: 146–147; 1962: 213, Zinkevičius 1966: 137; LKT: 193–213, 232, 234–235). Beispiele für ein solches betontes -ai < *-án neben Fällen mit neuerem -a < *-án führt zweifellos auch Fr. Kuršaitis an, 1883: báino Bai, 419, Sãņobai, 366, Sãņabos, 365; laibis, 218, lėbūkas, 228; ebenso LKŽ, I: ážuolas ~ ąžuolas, 48; LKŽ, III: graižas ’grįžtė, ryšys’, 504, gražtis ’t. p.’, 544, graižyti (rankas) ’laužyti, sukioti’, 504, gražinti (rankas) ’t. p.’, 541 usw. In Girdžiskė treten neben žemaitischen Formen mit -an ~ -a, wahrscheinlich aufgrund des Einflusses benachbarter westaukštaitischer Mundarten, selten auch Formen mit -ai auf (: gerānsias || gerãsias ~ gerãsias). Beispiele für die Wiedergabe des alten *-án durch -ai führen J. Gerulis und Chr. Stang an (1933: 11, 41, 42, 44), z. B.: geresnė:ises ~ geresniās, saldžė:ises ~ saldžiāsias; ážiuols ~ ąžuolas, kã’isti ~ kãsti usw. In der Mundart von Zietela kommt anstelle des alten *-án der akutierte Diphthong ai im Wortstamm und in der offenen Endung von Nomina (besonders Substantiven) vor, z. B.: kãisnis ~ kãśnis; sa savái pã’č’ai ’su sava pačia’ und vieles andere (Arumaa 1931: 42, 43, 44, 45, 47, 50, 51, 70; Stang 1958: 184–190; Vidugiris 1959: 198, 201, 204, 206, 207, 209; 1960: 119, 121, 122, 125, 130; 1969: 166; 1974: 283, 286). In der Mundart von Zietela kommt der Diphthong ei entsprechend anstelle von *-ēn am offenen Wortende von *ē-Stamm-Substantiven vor, z. B.: kultuvėi ’su kultuve’, bitėi ’su bite’. Der Diphthong ai anstelle von *-án ist bei Palomenė und Žasliai nur in der offenen betonten Adjektiv- und Pronominalendung bekannt, z. B.: su tái, gražiai, šitokiai baltai, tokiai jaunai usw. (Valeckienė 1965: 483, 655); su tái, su jãi sagt man auch bei Gegużinė, Vandžiogala usw. (LKT: 222). Auch bei Šaki̇̀nė und Aukščiai findet sich der Diphthong ai in der offenen Pronominalendung, z. B.: anái || añai ’su ana’, šė’i ’šia’, tá’i ’ta’, katrā’i ’katra’ (Jonaitvtė 1964: 169; 1969: 201, 203, 204; LKT: 155),⁸ ebenso bei Šaukėnai, z. B.: tái ’su ta’ (Grinaveckis 1973: 215; Rosinas 1975: 77). Bei Pabaiskas, Vepriai, Žeimiai und Bagaslaviškis hat sich bei *ā-Stamm-Nomina im Singular-Instrumental die reduzierte Endung -ąi durchgesetzt (betont mit Zirkumflex), z. B.: su lazdąi, bobąi, savąi, gerąi, runkąi ’su lazda, boba, sava, gera, ranka’. Diese Formen sind wohl nicht direkt aus den alten Formen *lazdān, *gerān … hervorgegangen, sondern, wie es scheint, spätere Neubildungen, die entstanden sind
⁸ Die Form ãnai ’su ana’ (später von A. Jonaitvtė festgestellt) ist im System dieser Mundart, kann man sagen, noch nicht sehr geläufig (neben katrāi, anái ’su katra, su ana’) und ist wahrscheinlich als neue Variante von anái zu betrachten, die durch Akzentrückverlagerung entstanden ist; vgl. auch entsprechende Beispiele aus benachbarten Mundarten: ãną ~ añą, añie ~ añīe (LKT: 151, 152, 155).
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Page 4bereits aus den Dialektformen lazdų ~ lazdą, gerų ~ gerą …, gegebenenfalls unter Hinzufügung eines epenthetischen -i. Ähnlich fügen die Mundarten der Dzūken und ihrer nächsten Nachbarn am offenen Wortende (meist einem langen) -i(-i) hinzu, wahrscheinlich weil es in der Flexionsparadigmatik weniger Formen mit offener Endung gibt (wie auch im Flexionssystem insgesamt) und diese deshalb den Formen der Mehrzahl der Kasus mit geschlossener Endung „angenähert“ werden. So wird -i(-j) wahrscheinlich aus diesem Grund in den südlichen westlichen Dzūkischen Mundarten an die Singular-Nominativendung von Vokalstamm-Substantiven angefügt (: piemuoji ~ piemuo, akmuoji ~ akmuo, sesuoj — sesuō, vgl. Fraenkel 1936: 47; Zinkevičius 1965: 256, Karte Nr. 60), in den ostdzūkischen Mundarten dagegen an die Plural-Lokativendung, z. B.: šakōsui ’šakose’ Tvr, miškuosui ’miškuose’ Ign, kūnuosui ’kuriuose’, vartuosui ’vart uose’ Lz (vgl. auch Fraenkel 1936: 37, 47; Morkūnas 1964: 149—150). Vgl. ferner die ganz analoge, angefügte Endung, die vorwiegend in den Singular-Instrumental- und Plural-Nominativendungen von Pronomen in dzūkischen und benachbarten Mundarten vorkommt, z. B.: kuoji ’kuo’ (LKT: 380), šituoji ’šituo’ (LKT: 386), šita (LKT: 390); kuriei ’kurie’, katŗiei ’katrie’ (LKT: 378), aniei ’anie’ (LKT: 382), šičiei ’šitie’ (LKT: 381, 402) usw.
Dass Formen wie lazdai... -(a)i wohl ein direktes Gegenstück des früheren dialektalen -u (< *-ān) und des angefügten -i, also des neu entstandenen Diphthongs -ui (nicht ai!), sind, der sich aufgrund der Gesetzmäßigkeiten des heutigen Lautsystems dieser Mundarten verändert hat und in seiner Aussprache vollständig mit dem älteren dialektalen -aį (< -ui, nicht aus -ai!) zusammengefallen ist, zeigt sein Vergleich mit den anderen hier vorliegenden Reflexen -aį aus -ui und -aį aus -ai. Tatsächlich ist er nur mit betontem und unbetontem -aį < -ui vollständig zusammengefallen, z. B.: bōbči ’su boba’, lazdai ’su lazda’ und vaikui ~ vaiki, vidai ~ viduj ’viduje’. Da er sich von betontem -aį < -ai unterscheidet (: vaikai, nicht vaikąi ~ vaikai) und nur mit unbetontem -aį < -ai zusammenfällt (: vyrai ~ vyrai), ist seine unmittelbare Ableitung aus -ai abzulehnen. Eine schwächer reduzierte Form dieses neu entstandenen Diphthongs -ui findet sich in der benachbarten Mundart von Čiobiškis, z. B.: su lazdų ’su lazda’. Hier hebt er sich also besonders deutlich vom dialektalen -aį < -ai ab und fällt vollständig mit dem ui dieser Mundart zusammen (Morkūnas 1959: 199; 1960: 32—35; Zinkevičius 1966: 93, 208). Die Formen von Pabaiskas, Vėpriai und benachbarten Mundarten lazdai, gerai... sowie die von Čiobiškis lazdų, gerų ’su lazda, su gera’ sind folglich Neuerungen. Ihre Endung -aį (-ui) steht in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem alten akuierten *-ān (nur mittelbar über das dialektale -u < *-ān). Das -i wurde hier, wie K. Morkūnas (1959: 201) zutreffend anmerkt, erst hinzugefügt, nachdem sich in diesen Mundarten die Akzentverlagerung vollzogen hatte. Unserer Ansicht nach sind ganz analog auch die von O. Broch (1960: 28—29) ohne hinreichende Grundlage als pronominale Formen angesehenen Formen des Femininum-Singular-Instrumentals in den Mundarten von Azi ėrkai und Pãditvis zu beurteilen: šitų || šitų ’šita’, tūj || tuj ’ta’ usw.
Eine betonte Endung -ai mit Zirkumflex haben wir auch im Femininum-Singular-Instrumental der Zahlwörter und Pronomen in der Mundart von Lazūnai festgestellt, z. B.: Raikia gerc triskart pa vienai; kartų pa vienai; ānas po jat skučāu ’jis jos liūdėjo’.
Wohl die meisten kontroversen Meinungen hat dieser *-ān-Lokativ hervorgerufen. Woher stammt der Reflex -ai tatsächlich? Was ist sein Vorläufer? P. Arumaa (1931: 70) vermutete, dass die Endung -ai im Singular-Instrumental der *ā-Stamm-Nomina in der Mundart von Zietela aus den pronominalen Formen hervorgegangen sei, als diese verkürzt wurden: jāja > jā’i. Ohne die Frage eingehender zu behandeln, wiederholen auch andere Sprachwissenschaftler zusammenfassend P. Arumas Auffassung (Fraenkel 1936: 49; Zinkevičius 1957: 100; Vidugiris 1959: 201; 1960: 125; 1969: 167; 1974: 283), darunter auch solche, die nicht den Reflex -ai anstelle von *-ān in der Mundart von Zietela untersucht haben (Senkus 1962: 213; Zinkevičius 1966: 312—313; Rosinas 1968: 249). Diese Auffassung ist jedoch wenig überzeugend, da in den Mundarten, in denen dieser Reflex vorkommt, die Endungen dieses Kasus akutierter Herkunft tatsächlich nicht schwinden. Das zeigt unter anderem auch das von Z. Zinkevičius (1966: 137) angeführte Beispiel tā’je ’taja’ neben žemā’ises ’žemąsias’. Daher fällt es schwer zu glauben (Zinkevičius 1966: 310), dass tai in der Gegend von Liubavas, Vilkaviškis, Garliava, Punia, Zietela, Šakyna und sogar Kuršėnai tai aus tāj entstanden sein könnte (dort ist die Form tāj von niemandem belegt; phonetisch ist sie in diesen Mundarten auch unmöglich). Deshalb beginnen manche Sprachwissenschaftler, die auf Formen des Singular-Instrumentals von *ā-Stamm-Nomina und Pronomen mit der Endung -ai in verschiedenen Mundarten stoßen und sich nicht sicher sind, ob P. Arumas Auffassung zutrifft, bisweilen andere mögliche Erklärungen für die Herkunft des Reflexes -ai (und auch -aį) vorzuschlagen. A. Vidugiris (1969: 167) vermutet beispielsweise, dass die Endung -ai des Singular-Instrumentals in der Mundart von Zietela
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Page 5(und anderswo) könnte „aufgrund des Nichtverlusts der Nasalität“ aus -ą entstanden sein, doch gerade die Formen mit -ai weisen tatsächlich keinerlei Spur von Nasalität auf. Z. Zinkevičius (1966: 137) vermutet zweifelnd, dass die Formen kaisti’ ‘graben’, ‘tais’ ‘dieser’, gerais ‘der gute’ mit -ai statt lit. -ą in einem Teil der westlichen Aukštaitenmundarten und in den Mundarten von Zietela aus -ain stammen. Doch hier scheint Z. Zinkevičius sich selbst zu widersprechen. Wenn akzentuiertes -ą zu -ai geworden wäre, könnte dieses -ai zugleich nicht aus -ain stammen (das im Übrigen von niemandem belegt ist). *-ain kann somit nur Folge des hier erörterten Vorgangs sein, nicht seine Ursache. K. Morkūnas, der daran zweifelt, dass die Einflussnahme der artikulierten Formen die Formen des Singulars Instrumental der *-ā-stämmigen Substantive und Pronomina mit der Endung -ai in den südlichen östlichen Aukštaitenmundarten beeinflusst habe, die in der Gegend von Pabaiskas, Gélvonys und den benachbarten Orten gesprochen werden, vermutet wegen der unterschiedlichen Akzentuierung, dass diese Endung morphologisch durch den Einfluss der artikulierten Pronomina entstanden sei (Morkūnas 1959: 199–201; 1969: 111, 130). Doch auch diese Herleitung der Endung, die sich im Wesentlichen kaum von der früheren unterscheidet, scheint an der Sachlage nichts zu ändern: Die Singular-Instrumentalform des artikulierten Pronomens, die, wie vermutet wird, die entsprechende einfache Pronominalform beeinflusst haben könnte, weist in der Endung des ersten Bestandteils ebenfalls einen Zirkumflex auf.
J. Kazlauskas (1958: 57), remdamasis tuo, kad lietuvių kalboje nėra P. Arumos nuomonei paremti paralelių reiškinių, stačiai pripažįsta ją nepatikima ir iškelia naują hipotezę. Atmetęs morfologinę mot. g. vns. įn. galūnės -ai kilmę, J. Kazlauskas čia spėja ją esant fonetiniu keliu atsiradusią iš senesnės to linksnio galūnės *-ajan (plg. *rankajan, slavų rąkoją), galėjusios lietuvių kalbos senovėje egzistuoti šalia įprastinės galūnės *-ān (plg. *rankān, slavų rąką). Tačiau savo gramatikoje (Kazlauskas 1968: 188) mot. g. vns. įn. galūnę *-ān jis pripažįsta esant bendrą lietuvių-latvių ir slavų kalboms, o slavų galūnę -oją (rąkoją) laiko vėlyvesne.
In der litauischen dialektologischen Literatur hat sich seit Langem die vermutlich erstmals von J. Senkus veröffentlichte Auffassung durchgesetzt (Сенкус 1955: 10; Senkus 1960: 147), dass der fragliche Reflex -ai in den südlichen westlichen Aukštaitenmundarten phonetisch aus *-ān entstanden sein könnte. Diese Auffassung widerspricht tatsächlich weder den Lautgesetzen der südlichen westlichen Aukštaitenmundarten noch denen der benachbarten übrigen litauischen Mundarten und erscheint recht zuverlässig. Daher ist es nicht unbegründet, dass wir (Grinaveckis 1973: 215) auch die seltene Singular-Instrumentalendung -ai in den Mundarten von Šaukėnai und Kuršėnai damit in Verbindung gebracht haben.
A. Girdenis und A. Rosinas schreiben uns diese Auffassung zu und qualifizieren sie ohne Belege als Versuch, Erscheinungen, die durch morphologische Faktoren entstanden sind, phonetisch zu interpretieren (Girdenis – Rosinas 1974: 202). Sie behaupten (Girdenis – Rosinas 1974: 203): „Der Instrumental kann also … nur entweder morphologisch aus artikulierten Formen entstanden sein (eine nicht sehr wahrscheinliche Annahme) oder neu unter dem Einfluss des Singular-Dativs gebildet worden sein (vgl. Baltistica, XI(1)“. Die hier angeführten zwei einander widersprechenden Annahmen zur morphologischen Herkunft der Reflexe -ai wirken jedoch nicht überzeugend.
Außerdem beruht die zweite Annahme auf ungenauen und unvollständigen Lautdaten dieses Kasus aus der Mundart von Šaukėnai. Unsere 1976 durchgeführten Untersuchungen der Mundart von Šaukėnai zeigen nämlich, dass der Singular-Dativ des femininen Pronomens tą hier zweifach ausgeprägt ist. Bei den älteren Mundartsprechern ist die phonetisch veränderte Form tá- ~ tái üblicher und geläufiger, z. B.: sakáu táː búobą ~ sakáu (= sakau) tái bóbaì; reik dùːti gérti táː mùno kárveː ~ reikia duoti gerti tái mùno (= mano) kárvei; dùːk mẽːžų táː vĩšta ~ duok miežių tái vištai (Vincas Kasparas, 89 Jahre, geboren, aufgewachsen und wohnhaft in Šaukėnai); kas irà táː mùna gáːlvà / skàust ~ kąs vẽːta tái mùno (= mano) gá lvai – skaišta (Stanislovas Jurgilas, 86 Jahre, geboren, aufgewachsen und wohnhaft in Šaukėnai); bluõg gi véːntį táː mergẽle ~ blõga gyvẽnti tái mergelèi; nulūːža gáːls táː làza ~ nulūžo galas tái lazai (= lazdai) (Julius Raila, 88 Jahre, wohnhaft in Šaukėnai, geboren und bis zum Alter von 16 Jahren im Dorf Pašilėnai, 5 km westlich von Šaukėnai, aufgewachsen); reik dùːti lẽsti táː vĩšta ~ reikia duoti lesti tái vištai; táː mùotriška bùva viežːrs ~ tái mótriškai (= moteriškai) buvo vėžys (Konstancija Kvietkienė, 70 Jahre, geboren, aufgewachsen und wohnhaft im Dorf Laiškiai, 4 km südlich von Šaukėnai). Auf den Lippen der jüngeren und mittleren Generation ist die mit lit. übereinstimmende Form tái häufiger.
9. Gramatinės kategorijos ir jų raida
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Page 6Form tái. Doppelte Formen sind auch beim Singular-Dativ der femininen Pronomina anderer Genera dieser Mundart bekannt: aná | anā’i, pacė’ | pacė’i ‘pačiai’. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den benachbarten Mundarten von Vidsodis und Kuršėnai (vgl. LKT, 97; siehe auch Vitkauskas 1960: 65). A. Rosinas (1975: 78) erwähnt jedoch die kürzere (monophthongierte) Singular-Dativform des Pronomens tā überhaupt nicht und behauptet: „In der Mundart von Šaukėnai wäre nach der allgemeinen Regel der feminine Singular-Dativ *tā zu erwarten, vgl. būobā; bei den Pronomina anderer Genera ist hier jedoch der feminine Singular-Dativ mit -ái erhalten, d. h. tái (bzw. aná’i, katrā’i usw.).“ Analog verfährt A. Rosinas (1975: 79) auch mit den femininen Singular-Dativformen der Pronomina anderer Genera in der Mundart von Kuršėnai, indem er hier nur die ihm genehmeren längeren Formen anführt.
Zweifelhaft ist auch die theoretische Begründung dieser Annahme. Zur Erklärung, warum das Dat. Sg. -ai im Dialekt von Šaukėnai zu langem -a hätte monophthongiert werden müssen, aber nicht monophthongiert wurde, sagt A. Rosinas (1975: 78): „…die Hauptfunktion des Pronomens tā im Dialekt ist die Artikel-Funktion (diese Auffassung A. Rosinas wurde fundiert kritisiert, siehe Valeckienė 1974: 37; Anmerkung von uns — V. G.). Deshalb konnte die Pronomenform, die häufig in unbetonter Stellung auftrat, den unveränderten Diphthong -ái… bewahren.“ Doch im Litauischen und seinen Dialekten (darunter auch im Dialekt von Šaukėnai) verhält es sich gerade umgekehrt: Wörter in unbetonter Stellung werden gewöhnlich verkürzt und reduziert. Das ist auch an den von A. Rosinas selbst aus Šaukėnai aufgezeichneten Beispielen gut zu erkennen, z. B.: p’rįeim p’ri (= pry) stūla (LKT: 100); nūmiri ti (= tai) nūmiri; du kartū gimīs, ne (= nė, nei) kartā ne-krikšt’ic; isigėlbieti nu (= nuo) mirt’i-s; tarnāju pri (= pry) pūonu usw. (Rosinas 1960: Reg. Nr. 590 / 194). Folglich ist die Behauptung, die unbetonte Stellung habe dazu beigetragen, dass der Diphthong -ai im Šaukėnai-Pronomen tái unmonophthongiert erhalten blieb, zweifellos falsch. Zugleich ist anzumerken, dass im Dialekt von Šaukėnai (ebenso wie in dem von Kuršėnai) sowohl die zweisilbigen Pronomen katrā, visā als auch die *ā-stämmigen Adjektive über doppelte Formen des Dat. Sg. Fem. verfügen — mit monophthongiertem a (nach Auskunft von Dialektsprechern die ältere und geläufigere Form) und mit erhaltenem ungekürztem -ai: katrā || katrā’i, visā || visā’i, baltā || baltā’i, nudjē || nudjā’i. Das könnte darauf hindeuten, dass zur Verbreitung der Form mit -ai (im Dialekt als neuere Form; dass sie jüngeren Datums ist, räumt auch A. Rosinas 1975: 78 ein) der Einfluss der Schriftsprache und benachbarter westaukštaitischer Dialekte beigetragen hat. Vgl. auch folgende unter dem Einfluss der Schriftsprache von Vertretern der jüngeren Generation im Dialekt von Šaukėnai gebrauchte Formen: žieda (ne žī’da), artī’n (ne artī’), jis (ne uñs), jī (ne ānā), jā’i (ne anā’i), mū’n (ne mū’n) usw.
Am wenigsten begründet ist wohl der Teil von A. Rosinas Annahme, dem zufolge die feminine Singular-Dativendung -ai der Pronomina anderer Genera in der Mundart von Šaukėnai unter dem Druck des Paradigmas die Funktionen der älteren Singular-Instrumentalform (t)ā übernommen habe. Hier seine Formulierung: „Durch die Kürzung des femininen Plural-Instrumentals (tum̄s) und des maskulinen Singular-Instrumentals (tum̄) trat das Verhältnis zwischen Dativ- und Instrumentalformen noch deutlicher hervor und lässt sich mit folgenden Proportionen darstellen: tūms: tāi = tūm̄s: x und tām: tāi = tūm̄: x. Somit zeigen beide Proportionen, dass x = tāi… Folglich wird nach diesem Verhältnis die ältere Endung -ā der Singular-Instrumentalform des Pronomens (t)-a durch -ái ersetzt (dieselbe Endung wie im Singular-Dativ)“ (Rosinas 1975: 79). Doch dürfte sich diese Annahme anhand der litauischen Sprachdaten kaum belegen lassen. Denn die Daten des Litauischen und seiner Mundarten bestätigen sie überhaupt nicht. So findet sich ein sehr ähnliches Verhältnis zwischen Dativ- und Instrumentalformen nicht nur bei Pronomina, sondern auch bei Substantiven (und zwar ebenso deutlich wie in der Mundart von Šaukėnai!) auch in anderen unserer Mundarten. Auch für dieses Verhältnis eignet sich das von A. Rosinas angeführte Proportionsmodell durchaus. Dort hat der feminine Singular-Dativ der Pronomina anderer Genera tái übrigens nicht den geringsten Einfluss auf die Singular-Instrumentalform tā ausgeübt (und übt ihn auch nicht aus) und übernimmt deren Funktion nicht. Zudem wird im Artikel überhaupt nicht erklärt, weshalb und zu welchem Zweck der Druck des Paradigmas hier nur den femininen Singular-Dativ dazu veranlasst haben soll, den Singular-Instrumental zu beeinflussen. Dafür ist weder die von A. Rosinas hervorgehobene lautliche Kürzung des femininen Plural-Instrumentals und sogar des maskulinen Singular-Instrumentals maßgeblich, die sich im Übrigen schon vor geraumer Zeit nicht nur in der untersuchten Mundart, sondern auch in vielen anderen litauischen Mundarten vollzogen hat. Schließlich stehen in derselben Mundart von Šaukėnai die femininen Plural-Dativ- und Instrumentalformen einander viel näher, doch sind bei keiner von ihnen Folgen eines gegenseitigen Paradigmadrucks zu beobachten. Wenn ferner eine Proportion als „Gleichheit zweier Verhältnisse“ definiert wird (TŽŽ: 623), lässt sich der Wert der Unbekannten in den zitierten Proportionen nur erwarten
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Page 7des zirkumflexen Reflexes (sagen wir etwa *tai, keinesfalls aber tái, wie es A. Rosinas Auffassung entspricht).
All dies zeigt, dass die in der „Baltistica“ von A. Girdenis und A. Rosinas veröffentlichte Erklärung der morphologischen Herkunft der Endung -ai im Instruktiv Singular der Femininum-Pronomina im Šaukėner Dialekt zur Lösung der Frage zumindest vorerst nichts beigetragen hat.
Doch wie konnte auf phonetischem Wege aus *-án -ai entstehen?
Es ist festzuhalten, dass der Reflex -ai, der das alte *-án vertritt, keinerlei Nasalierung aufweist. Darauf gestützt gibt es Grund zu der Annahme, dass das zweite Glied des akzentuierten *-án in dem genannten Teil der südlichen litauischen Dialekte ebenso wie im Fall von *-án > ā in anderen westlichen Aukštaitisch-Dialekten schon sehr früh verschwand, ebenfalls ohne am Vokal ā Nasalierung zu hinterlassen. Nach deren Verlust dürfte sich in der Silbe, die das alte *-án bildete, ein ungewöhnlicher akzentuierter Vokal herausgebildet haben, dessen Länge der Summe der Längen zweier Vokale entsprach (: Länge des akzentuierten ā + die durch den Schwund von n hinzugekommene Länge). Durch diese übermäßige Länge musste sich dieser akzentuierte Vokal stark vom übrigen System der Langvokale abheben (und hat sich zweifellos abgehoben). Da er sehr lang war und einen fallenden Akzent trug, konnte er sich in diesem System nicht lange halten. Es entstanden phonetische Bedingungen (vgl. Зиндер 1960: 217 – 222; Vaitkevičiūtė 1960: 213; 1961: 39), unter denen er zum Diphthong werden konnte. Deshalb dürfte er am wahrscheinlichsten auch diphthongiert worden sein und sich dem Diphthong ai angepasst haben (zur Entwicklung des langen ā zu ai und nicht zu einem anderen Diphthong vgl. den umgekehrten Prozess der Entwicklung von ai zu a˙, der in den žemaitischen Dialekten stattfindet: matā˙ || matā˙ < matái, vā˙kā˙ < vaikai). Nachdem dieser Reflex von *-án zum Diphthong geworden war, konnte er sich im Wortstamm nicht weiter verändern und ist bis heute so erhalten geblieben (ká˙isnis, gerá˙ija, gerá˙isias). In den Endungen der oxytonischen Pronomina hingegen blieb er aufgrund des Akzents von der Kürzung der akzentuierten Endungen unberührt und blieb unversehrt (su tái, anái, katrái; táis, anáis, katráis). In den Endungen einfacher Adjektive dürfte der unversehrte Reflex -ái aus *-án aufgrund der Analogie zu den pronominalen Formen erhalten geblieben sein (gerái, ’gera’, geráis ’geras’). All dies lässt vermuten, dass der Reflex -ai die älteste und allererste Folge des Schwunds des zweiten Glieds des alten akzentuierten *-án ist, die sich in ferner Vorzeit am frühesten herausgebildet hat und hinsichtlich Länge und Enge ihrem Vorläufer *-án am nächsten geblieben ist.
Doch nicht in jedem Dialekt kann -ai (-a̜i, -u̜i), das an die Stelle des alten *-án getreten ist, denselben Ursprung haben. Wie die bereits erwähnten Daten aus den Dialekten von Gėlvonys und Čiobiškis deutlich zeigen, kann dieses -ai in der Instrumental-Singular-Endung der *ā-Stamm-Substantive jüngeren Datums sein: Es entstand, nachdem *-án zum Monophthong geworden war, durch nachträgliches Anfügen eines auslautenden j. Dass -ai hier später infolge der Angleichung einzelner *ā-Stamm-Formen an das System der meisten Kasus mit geschlossener Endung entstanden sein könnte, wird am besten zunächst dadurch belegt, dass es in der Akkusativ-Plural-Form fehlt. Wahrscheinlich ist -ai auf ähnliche Weise auch in der Instrumental-Singular-Endung der Adjektive auf *ā-Stämme (und derjenigen, die in diesen Stamm übergetreten sind) in den Dialekten von Palomenė und Žasliai entstanden. Im Žietelaer Dialekt ist der Reflex -ai anstelle von *-án als regelmäßigere Form, wie auch in den übrigen südlichen westlichen Aukštaitisch-Dialekten, wahrscheinlich alt. Sein Fehlen in der Akkusativ-Plural-Endung der *ā-Stämme lässt jedoch vermuten, dass er in den Instrumental-Singular-Formen dieses Stammes, wie auch in den Dialekten von Gėlvonys–Žasliai, jüngeren Datums sein könnte. Anders gesagt: Im Žietelaer Dialekt könnte es neben dem direkt aus *-án entstandenen Reflex -ai auch ein -ai jüngeren Ursprungs geben. Außerdem könnte, wie A. Vidugiris (1959: 201) mit Scharfsinn behauptet, das Slawische hier die Entstehung des jüngeren -ai beeinflusst haben. Dass diese Möglichkeit durchaus real ist, zeigt unserer Ansicht nach am besten das Beispiel aus dem Dialekt von Lazūnai pa vienai, dessen slawischer Ursprung (auch aus syntaktischer Sicht) unzweifelhaft ist.
3. ENTSPRECHUNG VON -an (an, on, o˙, un, ou)
Die Endung *-án des ersten Glieds akzentuierter pronominaler Formen ist in den dunininkischen Dialekten um Kuršėnai, Užventis, Kelmė, Tytuvėnai, Lioliai, Kražiai, Upyna, Žemaičių Naumiestis, Vainutas, Žvingiai, Pagramantis, Skaudvilė, Nemakščiai, Viduklė, Tauragė, Gaurė und Eržvilkas ganz unversehrt erhalten geblieben, z. B.: geránje ~ gerája, geránses ~ gerásias, laimínganje ~ laimíngaja, laimínganses ~ laimíngasias usw. (siehe auch Jonikas 1939: 53; Zinkevičius 1957: 30, 78; 1965: 136; Drotvinas – Grinaveckis 1970: 96).
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Page 8vgl. auch ihr regelmäßig ausgesprochenes kánsnis ~ kąsnis⁹. Dieses -an- kommt ganz unversehrt auch in der Endung des zweiten Glieds pronominaler Formen einiger Aukštaitisch-Dialekte vor, die an dieses Gebiet angrenzen, z. B.: su tájan ~ su tája (Pakalpė), su jájen ~ su jája (Kairiai, Rajon Šiauliai). Es hat sich auch in der Endung des ersten Glieds pronominaler Formen in einigen alten Schriften erhalten (: pirmanes, schaukenzans, BP I: 170₁₃; II: 5₁₂). Um Rietavas, Kvėdarna, Šilalė, Laukuva, Tryškiai, Vidsodis und Varniai ist das alte *-ān des ersten Glieds regelmäßig zu -on- geworden (: gerónję ~ geróją, gerónęs ~ gerósias usw.: Zinkevičius 1957: 78, 92, 96; 1966: 136; Drotvinas – Grinaveckis 1970: 96, 148 – 149; vgl. ihr regelmäßig ausgesprochenes kónsnes ~ kąsnis), obwohl um Raudėnai (so baltúoje – LKT: 74), Požerė und bisweilen auch Laukuva die Form gerúoje ~ gerója ‚die Gute‘ bekannt ist (zu ihrer Herkunft siehe unten). Um Pajūris, Girdiškė und Karklenai ist die Endung *-ān des ersten Glieds der pronominalen Formen zu un geworden (: gerúnję ~ gerója, gerúnses ~ gerósias, ju-kíngunses ~ juokíngąsias, vgl. ihre Aussprache kúnsnis ~ kąsnis).
Andernorts in den litauischen Dialekten ist das zweite Glied (n) des akzentuierten *-ān in den Endungen des ersten Glieds pronominaler Formen geschwunden und hat das erste Glied (den Vokal a) auf verschiedene Weise modifiziert. Um Švėkšna, Priekulė und Dovilūs entspricht dem akzentuierten *-ān ein enger Monophthong -o° (: baltóję ~ baltúją, baltósęs ~ baltúosias, raštóję ~ raštýąją, obwohl man um Būdviečiai auch baltúoje ~ baltúja sagt; vgl. ferner das in Švėkšna und Dovilai gesprochene kósnis ~ kąsnis); um Palanga, Darbėnai und Lenkimai dagegen der Diphthong -ou (: baltóuję ~ baltúoja, baltóuses ~ baltósias, vgl. ferner ihr kóusnes ~ kąsnis). Zu -o° ist regelmäßig auch das *-ān des ersten Glieds im Instrumental Singular in den dunininkischen Dialekten um Skuodas, Židikai, Ylakiai, Laižuva, Seda, Mosėdis, Šalantai, Kretinga, Kartenai, Gargždai und Vėžaičiai geworden (: geróję ~ gerója, vgl. kósnes).
4. ENTSPRECHUNG VON -o
In den ostoberlitauischen Mundarten um Lygumai, Kriukai, Daglėnai, Šeduva, Palonai, Pūšalotas, Joniškėlis, Linkuva, Pašvitinys, Lauksodis, Vaškai, Pasvalys, Guostagalis und Panevėžys hat das alte *-ān die Entsprechung -o° (: geróji || geróji ~ gerája, gerósis || gerós’s ~ ~ gerósias¹⁰, vgl. auch ihr kósnis || kósn’s ~ kąsnis); die Endung des ersten Gliedes variiert hier jedoch infolge des Einflusses benachbarter Mundarten gelegentlich auch hier und dort. Zwischen Joniškėlis, Linkuva, Pašvitinys, Lauksodis, Vaškai und Pasvalys setzt sich im Pluralakkusativ zunehmend auch der Reflex -uo durch, z. B.: storóji || storói ~ storája, aber storúos’s || storúosias (Grinaveckienė 1962: 164 – 165. Die Form baltója aus Vaškai führt auch Z. Zinkevičius 1957: 78 an), und in Šeduva kommen auch die Formen gerúoji ~ gerája, gerúosis ~ gerósias vor. Der Reflex -o° (samogitisch -uo) anstelle des akuten *-ān wird auch in einem ganz schmalen Gebiet samogitischer Mundarten um Pikeliškės, Leckava, Žemalė, Papilė, Vaiduva, Alsėdžiai, Gadūnava, Šateikiai, Lauko Soda, Stalgėnai, Tverai und Medingėnai verwendet (jaunúoje ~ jaunúja, jaunúosės ~ jaunósias); nur in den Endungen des ersten Gliedes von pronominalisierten Pluralakkusativformen ostoberlitauischer Mundarten außerdem um Suvain iškis, Onuškis, Juodupė, Pandėlys, Kuprėliškis, Kazliš kis, Skemai, Salamiestis, Alizava, Jūžintai, Rokiškis, Obeliai, Kresčionys, Aleksandravėlė, Šuvieka, Tūrmantas, Tilžė, Kupiškis, Skapiškis, Palėvenė, Aukštupėnai, Puožas, Kamajai, Kamajėliai, Sidabravas, Svedasai, Šimonys, Užpaliai, Antalieptė, Degučiai, Dusetos, Andrioniškis, Debeikiai, Vyžuonos, Sudeikiai, Daugailiai, Rubikiai, Tauragnai, Kazitiškis, Kirdeikiai, Ignalina, Kačergiškė, Labanoras, Paliūšė, Tverėčius, Rimšė, Mielagėnai, Antaliedė, Švenčionėliai, Švenčionys, Skiemonys, Leliūnai, Alanta, Skudutiškis, Suginčiai, Kuktiškės, Balninkai, Šešuoliai, Molėtai, Pastovėlis, Kretuonis, Bijūtiškis, Pažeimenė und Nemenčinė (: gerós’as ~ gerósias; siehe auch Zinkevičius 1957: 27 – 28, 78; 1966: 291. Hier wird unter anderem darauf hingewiesen, dass -o° im ersten Glied pronominalisierter Pluralakkusativformen auch in alten … verwendet wird
⁹ Erwähnenswert sind hier auch einige rein lautliche Schwankungen der Formen. So gibt es in Pagramantis neben baltá·n’je || bá·ltan’je infolge der n:j-Metathese auch baltá·ine || bá·ltaine; in Laukuva und Lauko Soda wird infolge desselben n:j-Wechsels neben baltónje auch baltáoję gesagt (< baltó·nje).
¹⁰ Die Form didžiausias neben didžiausias wird auch in den westoberlitauischen Mundarten am Rand von Lettland um Skaistgirys verwendet, infolge der Kontakte mit der benachbarten ostoberlitauischen Mundart von Kriukai (Jonaitytė 1969:191).
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Page 9… in diesen Schriften), in samogitischen Mundarten – zwischen Laižuva, Mažeikiai, Salantai, Kartena, Gargždai, Kretinga und Skuodas (: mažūosės ~ mažūosias; siehe auch Явниц 1908–1916: 32, 115; LKT ⁷⁰; Zinkevičius 1957: 28), in einigen westdzukischen Mundarten (:gerósias ~ geręsias Vs; dzidziósės ~ didžiasias Vng, LKT: 374; siehe auch Zinkevičius 1957: 79, 94, 99). Doch auch hier kommen Formenvarianten häufig vor (wahrscheinlich ebenfalls infolge des Einflusses benachbarter Mundarten). Neben der Form gerós’as ~ gerę́as um Šalakas und Liūkmenys (Kardelytė 1961: 14–15) hört man auch gerūju und gerūoju ~ gerąja; in Palėvenėlė, Skapiškis, Utena und Viešintos auch gerūju sowie saldójū¹¹ ~ gerąja, saldója ‚saldžiaja‘; anstelle des *-ān im Singularinstrumental ist auch UL: 15 (: mažoja ‚mažaja‘) belegt.
Über den Reflex -o anstelle von *-ān im ersten Glied pronominalisierter Endungen sagt Z. Zinkevičius (1957: 27): „Der Schwund des tautosilbischen n begann schon in grauer Vorzeit und erfasste die verschiedenen Formen zu unterschiedlichen Zeiten, also auch die pronominalisierten. Sehr früh verschwand n auch im maskulinen Pluralakkusativ baltūosius … Ebenso früh verlor der feminine Pluralakkusativ baltósias ‚die Weißen‘ sein n.“ Das Zitat spricht also von der unzweifelhaften lautlichen Herkunft des Reflexes -o. Später bestätigt Z. Zinkevičius (1966: 291) in Übereinstimmung mit K. Būga nochmals, dass gerósias eine alte Form ist. A. Valeckienė (1965: 498) und J. Kazlauskas (1968: 163) dürften völlig recht haben, wenn sie gerósias als lautgesetzlich entstandene Form nach dem Muster der einfachen Adjektive *gerās ansehen. Tatsächlich könnte die Form *gerós (< *gerāns, wobei n vor s schwand und a sich verengte), neben anderem, ebenfalls zum Schwund von -n auch im ersten Glied pronominalisierter Formen beigetragen haben. Somit dürfte die lautliche Herkunft dieser Form und die Annahme, dass der Reflex -o alt ist, durchaus zutreffen.
In den litauischen Mundarten begann, wie J. Kazlauskas und Z. Zinkevičius zu Recht behaupten, das tautosilbische n tatsächlich schon sehr früh zu schwinden. Doch hing dieser Schwund, wie wir zuvor gesehen haben, stark von der jeweiligen lautlichen Umgebung und den Entwicklungstendenzen der einzelnen Mundarten ab; er verlief nicht überall und nicht gleichzeitig mit gleicher Intensität, und entsprechend verengte sich der lange Vokal a nicht überall gleichermaßen. Dort, wo heute gerója, gerósias gesagt wird, muss n rasch geschwunden sein, und das dadurch verlorene a begann sich zunächst nicht aus eigener Kraft zu verengen. Daher müssen hier -a- aus *-ān und -a- aus indogermanischem *-ā zusammengefallen sein; als dann die Zeit für den Wandel von a˙ zu o kam, muss auch -a- aus *-ān zusammen mit -a- aus *-ā zu o geworden sein. Dass dies tatsächlich möglich war, zeigt wohl der Zusammenfall der Reflexe von -a- aus *-ā und -a- aus *-ān in allen Fällen in einigen pantininkai- und pontininkai-Mundarten¹²; vgl. pantininkai und pontininkai ōžals ~ ęžuolas sowie gerōji || gerōj ~ gerąja, gerósias ~ geręsias. Gerade diese Parallele erlaubt es A. Jonaitis (1969: 191), die lautliche Herkunft des in der Mundart von Skaistgirys verwendeten Lehnworts didžiójas aus der Mundart von Kriūkai zu bestätigen.
Angesichts all dessen fällt es uns schwer, Z. Zinkevičius darin zuzustimmen, dass zwischen den Formen baltóju ~ baltąja und baltós’as ~ baltęsias kein Zusammenhang bestehe. Auch die Vermutung, die Form „baltója mit o stamme wahrscheinlich aus anderen Kasus“ (Zinkevičius 1966: 290), ist recht zweifelhaft. Welcher Kasus könnte tatsächlich als Vorbild für ostoberlitauisch baltóju ~ baltąja gedient haben? Weder der Genitiv noch der Lokativ, da die Akzentuierung verschieden ist (vgl. Singularinstrumental baltóju, Singulargenitiv baltósia.s, Singularlokativ baltója.), noch das ostoberlitauische Singularallativ balta, aus dem ‚baltajai‘ entstanden wäre, und der Singularakkusativ balta.ju ‚baltąją‘, da sich die Akzentstelle unterscheidet und deren o, wie Z. Zinkevičius (1966: 286, 290) meint, wiederum „wahrscheinlich aus anderen Kasus“ stammt; schließlich auch nicht der Singularnominativ, da die Endung verschieden ist (vgl. baltóju ‚baltąja‘ und baltója ‚baltoji‘). Auch die Behauptung hilft bei der Klärung der Frage nicht weiter, es gebe eine „Tendenz, die Formen anderer Kasus an den häufiger verwendeten Singularnominativ anzugleichen, indem die Flexion des ersten Gliedes durch den Vokal o der Nominativendung ersetzt wird, der zusammen mit dem Jot dazu neigt, ein besonderes Suffix oj zu bilden“ (Zinkevičius 1966: 282). Wäre -oj hier tatsächlich ein Suffix, müsste ein solches Suffix in allen Kasus normalerweise gesetzmäßig dieselbe Akzentstelle und denselben Akzenttyp bewahren. Wie wir aber sehen, ist das nicht der Fall. Die Lage wird außerdem durch das als Suffix eingestufte -oj in der maskulinen Singularakkusativform baltóji kompliziert. Es ist schwer zu glauben, dass auch das -oj dieser Form ebenfalls … widerspiegeln könnte
¹¹ Formą saldójū ~ saldája ‘saldžiąja’ iš Skapiškio pateikia ir Z. Zinkevičius (1966: 278, 310). Čia lk. u, į ką meninius būdvardžius atliepia *o, ką kam.: saldā.
¹² Z. Zinkevičius (1966: 291) tokį refleksų -a < *-ān ir -o < *-ā sutapimą (abiem atvejais tariamą o) vadina suplakimu.
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Page 10die besprochene Tendenz zur Angleichung. Am Wesen der Sache ändert auch das Nebeneinander der benachbarten Geschlechtsformen baltojų und baltųjų ~ baltąja in den Mundarten von Skãpiškis und Karšakiškis nichts. Ihre Entstehungszeit, ihre Ursachen und ihre Verwender sind ohnehin meist verschieden, obwohl es ebenfalls manchmal vorkommt, dass benachbarte phonetische Varianten in derselben Mundart, sogar im Sprachgebrauch desselben Sprechers, möglich sind. So werden beispielsweise in der Umgebung von Ukmergė neben den Formen vãikas, vàrpas usw. mitunter auch vìkas, vỹrpas¹³ gebraucht. Zudem ist das Vorhandensein benachbarter Formen in den Mundarten durchaus verständlich, insbesondere in der heutigen Zeit, da ihre wechselseitigen Kontakte und ihr Einfluss aufeinander so intensiv sind.
Die Anerkennung der Tatsache, dass das -o des ersten Bestandteils in den Formen geróju ~ gerąja und gerósias ~ gerąsias ein ihnen beiden gemeinsames Phänomen ist, das aus denselben phonetischen Gründen entstanden ist, könnte möglicherweise zumindest vorläufig eine Antwort auf ihre Herkunft geben und zugleich zur Klärung der Herkunft jener Flexionsformen mit pronominalen Endungen beitragen, die bislang noch nicht endgültig erklärt worden sind¹⁴.
5. -uo ENTSPRECHUNG
Der Diphthong -uo anstelle des akzentuierten *-ãn wird in den Endungen des ersten Bestandteils der pronominalen Formen ausnahmslos in der Gegend von Nemunėlio Radviliškis, Suosta, Smilgiùs (Rajon Biržai), Pabiržė, Puodžiai, Krinčinas, Pãmpėnai, Daujėnai, Gaižūnai (Rajon Pakruojis), Klovainiai und Miežiškiai gesprochen, z. B.: gerójo, geróju ~ gerąja, gerós'as ~ gerąsias (vgl. auch Zinkevičius 1966: 290–292; Grinaveckienė 1972: 56,62). Das mundartliche -uo wird in der Endung des ersten Bestandteils der pronominalen Formen im Singular auch in der Umgebung von Pándėlys, Tùrmantas, Tìlžė, Tauragnùs, Kazìtiškis, Kìrdeikiai, Ignalina, Kačergiškė, Labanòras, Palūšė, Tverẽčius, Rìmšė, Mielagėnai, Antãliedė, Švenčionėliai und Švenčionys gesprochen, z. B.: geróju ~ gerąja (siehe auch Otrębski 1934: 252–253; Zinkevičius 1957: 24,79), ebenso vereinzelt in westlichen dzūkischen Mundarten, z. B.: su geróju ‚mit der guten‘ Vs, margúoju ~ margąja (LKT: 397, ebenso Lipskienė — Vidugiris 1967: 198).
Die Feminina baltóju ‚mit der weißen‘, baltúos'as ‚die weißen‘ werden von Sprachwissenschaftlern als maskuline Formen angesehen, deren Entstehung durch den Zusammenfall der Formen einfacher Adjektive ausgelöst wurde (Zinkevičius 1957: 75,79; Kardelytė 1961: 14–15;
¹³ Die Beispiele stammen aus der Beschreibung der Mundart von Juodãusiai (Rajon Ukmergė) in der Kartei des alten „Atlas der litauischen Sprache“ (zusammengestellt von Z. Zinkevičius; seine heimische Mundart), die im Institut für litauische Sprache und Literatur aufbewahrt wird (siehe Programmfrage Nr. 259, Antwort Nr. 447).
¹⁴ Bislang bestehen noch erhebliche Zweifel hinsichtlich der Herkunft der mundartlichen Formen im Singular Dativ und Akkusativ von Maskulina und Feminina báltójam ‚dem Weißen‘, báltoji, báltąja ‚der Weißen‘; báltoji, báltąją ‚die Weiße‘. Bei näherer Betrachtung spiegeln jedoch alle diese Formen eine unbestreitbare und regelhafte phonetische Entwicklung recht deutlich wider. J. Endzelīns (1951: 469) betrachtet das -o des ersten Bestandteils der Formen gérojai ‚der Guten‘ in einigen ostlitauischen und žemaitischen Mundarten sehr zutreffend als Reflex von *-ākam (vgl. *gērái + jai). Und tatsächlich verschmolz das -i des ersten Bestandteils dieser Formen schon in alter Zeit (Zinkevičius 1957: 43) mit dem -i in diesen Mundarten und bildete die Form *baltāi; das -ā des ersten Bestandteils dürfte seiner Quantität und Qualität nach dem -ā < idg. *-ā entsprochen haben. Als -ā (< idg. *-ā) zu -o wurde, muss zugleich auch -ā zu -o geworden sein (< *-ā-i + j). Auf diese Weise entstand auch die Form báltoji (*baltā-i + -iai, vgl. Endzelynas 1957: 140; Valeckienė 1965: 497; Otrębski 1956: 116). Das -ā in den nichtpronominalen Endungen und im zweiten Bestandteil der pronominalen Endungen verkürzte sich als Teil eines Diphthongs und blieb als -ai erhalten. In anderen ostlitauischen Mundarten (Vilkaviškis, Jurbarkas, Šakyna u. a.) blieb das -ā des ersten Bestandteils in Formen bálta jai lang, wahrscheinlich weil der Diphthong -āi > -ā (báltai — jai > baltąja) erst nach *ā > o entstanden ist. Möglicherweise kann auch die maskuline Dativform im Singular báltoju ‚dem Weißen‘ in den žemaitischen Mundarten auf phonetischem Wege entstanden sein. Erkennt man die sehr plausible und überzeugende Möglichkeit an, dass die Endung -uo aus idg. *-o stammt (Mažiulis 1970: 106–118), und folgt man der Auffassung, dass unbetontes idg. *ō im Litauischen ō, im Lettischen ā ergeben hat (Kazlauskas 1968: 115–116; Mažiulis 1970: 21), so gibt es gute Gründe, die Form báltoju als aus *baltójō hervorgegangen anzusehen; vgl. auch den entsprechenden Fall in lettischen Mundarten mazajam (Endzelīns 1951:467). Das báltoju der Mundart von Šakyna (Jonaitė 1969: 190), das baltójame in LŽTPr: 40 (< wahrscheinlich aus baltójam durch Diphthongierung des o) und die Formen mit o im ersten Bestandteil in alten Schriften (artimoiui, mehdnoiam …) könnten zwar als ganz selbstständig gelten, sind aber wahrscheinlich als durch den Einfluss der benachbarten žemaitischen Mundarten entstanden zu erklären. Vielleicht ist auch für die Akkusativformen im Singular báltoji (< *baltānjąn), die in den dūnininkai- sowie einem Teil der pontininkai- und puntininkai-Mundarten gebraucht werden, ein phonetischer Ursprung anzunehmen. In diesen Mundarten ist das -n des ersten Bestandteils dieser Formen offenbar schon sehr früh geschwunden, noch vor *-an- > -ōn bzw. -un und *-ān > -ā > -ū. Beim Schwund des -n dürfte, wie in vergleichbaren Fällen üblich, das -ā verlängert worden sein; es glich sich dem ā (< idg. *ā) an und entwickelte sich zusammen mit diesem zu o. Vor diesem Hintergrund entfällt begründeterweise die Hypothese, diese Formen seien nach anderen Kasus analogisch verallgemeinert worden.
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Page 11Valeckienė 1965: 498; Zinkevicius 1966: 292; 1970: 596—597). Tačiau, mūsų nuomone, vargu ar yra pagrindo jas tokiomis laikyti. Tas tiesa, kad šių šnektų paprastųjų vyr. ir mot. g. būdvardžių (kaip ir *o ir *a kam. daiktavardžių!) vns. įn. formos sutampa, bet tas sutapimas yra grynai fonetinis, ir mot. g. forma į lk. dėsningai atstatoma tik su -a (: su baltu skardžiu, su balt skār ~ su balta skara). Visai tas pats ir su įvardžiuotine šio linksnio forma. Čia irgi mot. g. forma, laikantis šių šnektų fonetinių dėsnių, visai teisėtai į lk. atstatytina baltuoja, ne *baltuoju (plg. dar Linkmenyse greta baltuoju vartojamą žal’ūju, kurios atitikmenį lk. ir pati J. Kardelytė (1961: 15) pripažįsta tik žalįja, o ne *žalįju. Taigi ją laikyti vyr. g. lytimi nėra pamato. O kalbėti apie formą geruôs’as’ kaip apie vyr. g. lytį, iš viso neįmanoma, nes ne tik paprastųjų, bet ir įvardžiuotinių būdvardžių vyr. ir mot. g. dgs. gĭn. galūnė šiose šnektose niekada nesutampa (plg. gerùs, gerùos’us ir geràs, gerùos’as; dar plg. baltūs’as ir baltōs’as)¹⁵. Iš viso to matyti, kad kalbamųjų mot. g. formų kilmės šaknys tikrai ne čia. Esame linkę manyti, kad jos, būdamos paplitusios gana nemažame areale, negalėtų būti koks atsitiktinis, naujas ar nedėsningas reiškinys, nesiderinantis prie visos tų šnektų fonetinės sistemos ar iš jos iškrintantis. Padėti gerokai praskaidrina aukščiau nurodytoje tam tikroje paribinėje tų šnektų ploto dalyje šalia geruoju ~ gerąja vartojama sena fonetinės kilmės forma gerōs’as ~ ~ gerąsias. Turėdami tai prieš akis, drįstame manyti, kad ir formos geruoju ~ gerąja, geruôs’as ~ gerąsias gali būti tokios pat senos, kaip ir gerōs’as, gerùs’as ar geroju, gerūju, tik vartojamos kitoje (gretimoje) šnektoje. Jų fonetika visai nesunkiai leidžia jas kildinti iš tų pačių senųjų lyčių *gerānjān, *gerānsjāns, tik tautosilabinio n ir priklausomai nuo jo ā raidą bei jų abiejų tarpusavio santykis čia bus buvęs kiek kitoks. Taigi ten, kur dabar tariama geruoja, geruôsias, n bus nykęs ne taip sparčiai, ir prieš jį ėjęs ā siaurėjęs taip pat silpniau ir dėl to bus išvirtęs į *ō, kuris bus sutapęs su senuoju *ō. Atėjus senojo *ō virtimo laikui į uo, kartu į uo bus išvirtęs ir *-ō < *-ān. Fonetinės -uo iš *-ān kilmės galimybę akivaizdžiai patvirtina latvių kalba (Endzelīns 1951: 170, 171, plg. dar liet. lăngas, lat. luogs ir kt.). Kad ir liet. kalbos šiaurėje fonetiškai tikrai galimas -uo vietoj *-ān, -ą (be geruoju ~ gerąja, geruôsias ~ gerąsias, gerai rodo vietomis tarmėse vartojami ąžuolas formų ir jų vedinių variantai su uo vietoj ą, pvz.: vuožuolas (Senkus 1959: 219; Grinaveckienė 1960: 200), vuožuolinis Lz. Taigi senesnės (arba pirminės) jų formos turbūt bus buvusios *ąnžuolas, *anžuolinis, t. y. tokios pat, kaip ir tų žodžių formos, davusios kitose liet. k. tarmėse ir lk. ąžuolą.
Wahrscheinlich ist infolge der in den ostlitauischen Mundarten erfolgten Entwicklung von *-ān zu -uo auch der Instrumental Singular verwandter maskuliner und femininer Pronomen phonetisch zusammengefallen, ebenso der Genitiv Plural: tuoj ‚mit dem, mit der‘, juoj ‚mit ihm, mit ihr‘; tūos ‚jene‘, jūs ‚sie‘.
Wenn man den phonetischen Ursprung von -uo aus *-ān anerkennt, wird das Nebeneinander der Formen geruoja, aber gerōsias; gerūja, aber gerōsias usw. in den zuvor genannten Gebieten der ostlitauischen Mundarten verständlich. Die übereinstimmenden Reflexe (gerōja: gerōsias; gerūja: gerōsias, geruoja: geruōsias) zeigen, dass der Schwund von n hier sowohl vor s als auch dort, wo kein s vorhanden war, gleichmäßig verlief; die nicht übereinstimmenden dagegen zeigen, dass n vor s (*gerānsjāns) schneller schwand als dort, wo der Einfluss dieses s fehlte (*gerānjān).
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15 Ryšium su tuo vargu ar teisingai daro Z. Zinkevicius (1970: 597) pontininkų šnektos mot. g. dgs. gĭn. forma baltuōs’as atstatydamas į baltuosius ir pagal tai darydamas apibendrinančias išvadas.
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В. ГРИНАВЕЦКИС
ОТНОСИТЕЛЬНО ПРОИСХОЖДЕНИЯ СООТВЕТСТВИЙ *-ān В ОКОНЧАНИЯХ ЛИТ. ИМЕН И МЕСТОИМЕНИЙ С ОСНОВОЙ НА *ā
Резюме
В окончаниях имен и местоимений с основой на *-ā в литовском языке и его говорах вместо древнего акутового *-án (твор. пад. ед. ч. и вин. пад. мн. ч.) выступает 5 соответствий (с вариантами): 1) a (в местоименных формах ā, в диал. u, ū ~ a, a); 2) ai; 3) an (варианты: on, o°, un, ū); 4) o; 5) uo.
В статье дается география каждого из указанных соответствий и анализ прежних исследований по данному вопросу, выдвигается и защищается мнение о возможности происхождения всех соответствий древнего *-ān фонетическим путем. В свете новых данных подробно исследуются также и причины возникновения этих соответствий, делается предположение, что есть основание считать их результатом множества различных условий, создавшихся в фонетических системах отдельных говоров с течением времени. Отпадение второго компонента зависит от хронологии и способа его исчезновения, и с этим связаны соответствующие изменения первого компонента, его приобщение к различным долгим гласным (в некоторых случаях и взаимодействие местоименных и простых форм имен). По мнению автора статьи, данные изменения и могли быть решающими факторами, обусловившими образование указанных выше соответствий древнего *-ān.
V. GRINAVECKIS
ÜBER DIE ENTSTEHUNG DER *-ān ÄQUIVALENTE IN DEN ENDUNGEN DER LIT. *ā-STÄMMIGEN NOMEN UND PRONOMEN
Zusammenfassung
Im Litauischen und seinen Dialekten werden anstatt des alten akuten *-ān in bestimmten und gelegentlich auch in unbestimmten Endungen der ā-stämmigen Nomen und Pronomen (Sg. Instr., Pl. Akk.) 5 verschiedene Äquivalente gebraucht: 1. a (in den bestimmten Formen ā, a, dialektisch u, ū ~ a, a); 2. ai; 3. an (Varianten: on, o°, un, ū); 4. o; 5. uo.
In dem Artikel wird die Analyse der früheren Forschungen darüber dargelegt, die Geographie jedes *-ān Äquivalentes angewiesen. Auf Grund des an den Dialekten gesammelten Materials werden hier die Ursachen der Entstehung dieser Äquivalente untersucht. Es ist als Resultat vieler phonetischen Änderungen zu betrachten, die in verschiedener Zeit in den sprachlichen Systemen einzelner Dialekte vorgegangen sind.
Der Autor ist der Meinung, daß unterschiedliche Zeit des Verschwindens des tautosyllabischen -n, die davon abhängige Anschließung des Vokals a(<ān) an verschiedene lange Vokale, verschiedene *-ān Entwicklung unter Wirkung von phonetischen Gesetzen der Dialekte und gelegentlich auch von den Wechselbeziehungen zwischen den bestimmten und unbestimmten Formen, konnten die Hauptbedingungen der Entstehung von untersuchten Äquivalenten sein.
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