Page 1IŠ LIETUVIŲ KALBOTYROS ISTORIJOS
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XX (1980)
A. SABALIAUSKAS
K. BŪGA – ETYMOLOGE
Für Simonas Daukantas schien das Wort pyrāgas aus den Wörtern pūrai ‚Winterweizen‘ und rāgas hervorgegangen zu sein (denn die Menschen tranken aus Hörnern und aßen dazu Weizenbrot); kalėdās brachte er mit dem Wort kálti in Verbindung (weil der Hausherr am Jahresende einen Nagel in den Balken der Stube schlägt); Liepōja leitete er vom Verb līpti ab (vom Meer aus kann man leicht an diesem Ort an Land gehen)1. Für Mikalojus Akelaitis waren sūris, siauras, svīrnas verwandte Wörter. Auch vagā, angā, lāngas schienen ihm etymologisch verwandt. In eine Gruppe ordnete er die Wörter pjáuti, piemuo, píeva2 ein. „Mit Hilfe der Natur habe ich Entdeckungen gemacht, die den Sprachwissenschaftlern bis heute unbekannt sind. Wenn Gott es will, werde ich sie der Welt verkünden und die Regeln angeben, nach denen man durch das Erlernen einer Sprache alle lebenden und ausgestorbenen Sprachen kennenlernen kann“, schrieb dieser Kulturträger unserer Nation aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in einem Brief3.
Dies ist die „Vorgeschichte“ unserer Etymologie. Genau genommen unterscheidet sie sich kaum von den ersten Wortherleitungen, die in den Schriften der Letten, Polen, Russen, Deutschen und vieler anderer Völker festgehalten wurden.
Auch solche Schriftsteller, Kultur- oder Wissenschaftspersönlichkeiten wie Jonas Basanavičius, Vincas Pietaris und Antanas Šmulkštys (Paparonis) versuchten, die Herkunft litauischer Wörter zu erklären. Doch auch sie konnten mangels einer speziellen linguistischen Ausbildung kaum mehr erreichen als jene zuvor erwähnten, um K. Būgas anschaulichen Ausdruck zu verwenden, „Haus-und-Hof-Etymologen“.
Auch die ersten bedeutenderen litauischen Forscher der litauischen Sprache waren überwiegend Autodidakten oder verfügten nur über eine recht begrenzte spezielle linguistische Ausbildung. Sie beschäftigten sich häufig auch mit etymologischen Fragen.
Andrius Morkus Ugianskis (1816–1870), Absolvent der Universität Kasan und später Professor für klassische Philologie an derselben Universität, arbeitete an einem umfangreichen Wörterbuch der litauischen Sprache, das auch etymologische Anmerkungen enthalten sollte4.
Jonas Juška (1815–1886), der an der Universität Charkiw klassische Philologie studiert hatte, versuchte auf Anregung seines ehemaligen Professors Izmail Sreznevskis, ein „Wurzelwörterbuch der litauischen Sprache“ („Литовский корнеслов“) zu verfassen. Wie aus J. Juškas Briefen und den dem genannten russischen Gelehrten zugesandten Probeartikeln für das Wörterbuch hervorgeht, dies
1 Daukantas S. Raštai. V., 1976, t. 1, p. 421, 471, 547; Būga K. Rinktiniai raštai. V., 1958, t. 1, p. 199 (toliau: Būga).
2 Akielewicz M. Gramatyka języka litewskiego. Głosowania. Poznań, 1890, p. 48, 57, 65; Kruopas J. M. Akelaitis leksikografas. – LKK, 1970, t. 12, p. 167–168.
3 Janulaitis A. Mikalojus Akelaitis. V., 1969, p. 65.
4 Drotvinas V. Andrius Morkus Ugianskis. – Literatūra ir menas, 1970.X.10, p. 13; Drotvinas V. A. Ugianskio 100-sioms mirties metinėms. – Kalbotyra, 1971, t. 23(1), p. 110–112.
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Page 2Es sollte ein vergleichendes Wörterbuch der litauischen, lettischen und altpreußischen Sprachen mit Entsprechungen aus den slawischen Sprachen sein. Im Archiv von I. Sreznevskij wurde kürzlich ein von J. Juška zusammengestelltes Wörterverzeichnis der Entsprechungen zwischen dem Litauischen und dem Sanskrit gefunden („Словарь литовско-санскритских соответствий“)5.
Von A. Ugianskis Wörterbuchmanuskripten ist nichts erhalten geblieben; daher lässt sich über den Wert seiner etymologischen Anmerkungen kaum etwas sagen. Doch dürften sie sich wohl kaum von den Versuchen anderer litauischer Sprachwissenschaftler jener Zeit auf diesem Gebiet unterschieden haben. Auch die erwähnten Manuskripte von J. Juška sind lediglich Versuche, die für den Historiker der litauischen Sprachwissenschaft von Interesse sind, ansonsten jedoch keinen nennenswerten wissenschaftlichen Wert besitzen.
Große Erfolge auf einzelnen Gebieten der litauischen Sprachwissenschaft erzielten Fridrichas Kuršaitis und Antanas Baranauskas. Mit Etymologie beschäftigten sie sich jedoch kaum: Sie interessierten sich mehr für andere Aspekte der litauischen Sprache und hatten möglicherweise zudem das Gefühl, für dieses Gebiet der Sprachwissenschaft nicht hinreichend vorbereitet zu sein.
Auch der autodidaktische Sprachwissenschaftler Jonas Spudulis interessierte sich ein wenig für etymologische Fragen.
Der erste unserer Sprachwissenschaftler, dem etymologische Fragen besonders am Herzen lagen, war Kazimieras Jaunius. Auch K. Jaunius war zum Teil Autodidakt, doch übertraf er mit seiner linguistischen Ausbildung alle früheren litauischen Sprachwissenschaftler. Neben dem Griechischen und Lateinischen, die er sehr gut beherrschte, war K. Jaunius der erste litauische Sprachwissenschaftler, der mit der wichtigsten indogermanistischen Sprache jener Zeit — dem Sanskrit — gut vertraut war; außerdem kannte er Hebräisch, lernte selbstständig Finnisch und hatte Lettisch und Altpreußisch gründlich studiert. Andererseits konnte K. Jaunius, der Schulen mit religiösem Schwerpunkt besucht hatte, keine systematische theoretische Grundausbildung in Linguistik erhalten, wie sie damals bereits an den besten Universitäten Russlands und Westeuropas vermittelt wurde. Diese Lücken in seiner Ausbildung vermochte Jaunius trotz seiner großen Begabung als Autodidakt nicht zu schließen. Er stellte Lautwandelgesetze auf, die durch das Faktenmaterial nicht belegt waren, und versuchte, semantisch verwandte, phonetisch jedoch recht unterschiedliche Wörter von einer einzigen Grundform abzuleiten.
K. Jaunius weckte auch bei seinem jungen Schüler Kazimieras Būga das Interesse an etymologischen Fragen. Die etymologischen Prinzipien von K. Jaunius spiegeln sich deutlich auch in K. Būgas erster umfangreicherer Arbeit „Aistiškuose studijuose“ (St. Petersburg, 1908), die 1905 verfasst wurde. Wie die angeführten Quellen und das entsprechende Literaturverzeichnis zeigen, waren der Verfasser des Buches und zweifellos auch sein Lehrer K. Jaunius mit der wichtigsten Literatur jener Zeit zu Fragen der Etymologie der indogermanischen Sprachen vertraut. Bei ihren Untersuchungen zur Herkunft litauischer Wörter entnahmen sie dieser Literatur jedoch nur einzelne, isolierte Fakten und beachteten dabei überhaupt nicht die dort angewandte Forschungsmethodik und die Lautgesetze, die zu jener Zeit bereits mehr oder weniger festgestellt waren und bei etymologischen Arbeiten berücksichtigt wurden. Um einen klareren Eindruck von den Etymologien K. Jaunius’ und den früheren Etymologien K. Būgas zu vermitteln, führen wir einige Beispiele aus „Aistiškuose studijuose“ an (die Schreibweise ist vereinfacht).
5 Венедиктов Г. К. Материалы к истории литуанистики из архива И. И. Срезневского. — ЛКК, 1975, т. 16, р. 203—224.
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Page 3Lit. arklys < *arv(a)-k(a)lij-: Skr. árvā ‚Schnellfüßiger (Renner)‘⁶, Altpreuß. arwaykis ‚junges Pferd‘ (S. 51).
Lit. gurbas ‚fest‘ < *gu-rabā-: gu- ‚Rind, Bulle, Kuh (βοῦς)‘ + raba- ‚Dach, Haus (tectum)‘: gr. ὀροφός ‚bedeckend (deckend)‘ (S. 52).
Lit. lopšys, lopišys < (š)lop-išys < *slop-išys: Got. slēps ‚Schlaf (Schlaf)‘ (S. 52).
Lit. marti < (di)marti < *dam-arty ‚ins Haus gekommen‘: gr. δάμ-αρ(τ) ‚Hausherrin (Hausfrau)‘ (S. 52–53).
Lit. brikas ‚zweisitziger Wagen‘ < *dvi-br-ikā aus *dvibra-s = gr. δίφρο ‚Wagen (Wagen)‘ (S. 55).
Lit. meleta ‚picus viridis‘ < *mélē-ta ‚gesprochen, gesagt (linguata)‘: Lat. mēle-liežuvis (lingua) < *mēlēm < *mēlām < Nom. *mēlā < mālā: molata > mola ta ‚picus viridis‘ (S. 65).
Lit. tarnas < tar(u)nai < *teruna-s = Osset. thūryn ‚Junge (Knabe)‘: Skr. taruna-s ‚jung, zart (jung, zart)‘, gr. τερίωνης ‚schwach, aufgerieben (schwach aufgerieben)‘, Lat. tener ‚zart, weich (zart, weich)‘ (S. 72)⁷.
Lit. kipšas < *kap(ro)-šō-: Lat. caper ‚Ziegenbock‘ (S. 102).
Lit. kiškis < *kaškys: *qasqos ‚grau (grau)‘ = Lat. cas-cu-s ‚altgrau (altersgrau)‘: Lat. cānus ‚grau, aschfarben, ergraut, alt (grau, aschgrau)‘ < *cas-no-s, Angelsächs. hasu ‚graubraun (graubraun)‘ (S. 102).
So wird die Herkunft des Stadtnamens Ukmergė anschaulich „erklärt“, über die auch heute noch viel gestritten wird.
U(r)k-mergė < *Urk(a)-mergė (Dissimilation der beiden r) = Vilka-mergė, altlitauisch Wilke-merge 1384 m. Scriptores rer. prus. II 694: vilka- aus virka (: Dissimilation r–r > l–r) = urka- „Wall“, lett. virdze „Haufen (Haufe)“, lett. Virkus–muiža+-mer-gė „Umgebung (Grenzgebiet, Bezirk)“, ahd. marka „Grenze, Grenzland (Grenze, Grenzgebiet)“, got. marka „Grenze (Grenze)“, kymrisch bro „Umgebung, Gegend (Bezirk, Land, Gegend)“, lat. margo „Rand, Kante (Rand)“; Vilka-mergė — „eine Stadt, die innerhalb ihrer Mauern einen Wall bzw. eine Burg hat“ (S. 178).
Wie wir wissen, kritisierte K. Būga seine „Aistiški studijai“ scharf und bezeichnete sie als „misslungenes, von Grund auf falsches Schriftstück“.
Ende 1909 veröffentlichte K. Būga auf eigene Kosten eine Selbstkritik zu den „Aistiški studijai“, in der er die von K. Jaunius aufgestellten Lautwandelgesetze widerlegte und darauf hinwies, dass seine Arbeit „может послужить лишь материалом для совершенно других выводов“⁸.
Trotz der scharfen Selbstkritik gingen K. Būgas „Aistiški studijai“ in die linguistische Literatur ein; ihre Abkürzung findet sich häufig auch in den heutigen bedeutendsten Werken der Baltistik. Der bleibende Wert dieses Buches liegt nicht nur im faktischen Material, sondern auch in interessanten Beobachtungen und Vergleichen zu einzelnen Fällen.
6In Klammern stehen die von K. Būga gegebenen Bedeutungserklärungen.
7 Einer solchen Etymologie des litauischen tarnas stimmen auch heute viele Forscher zu; die hier angeführten lautlichen Veränderungen des litauischen Wortes lassen sich jedoch durch keinerlei Lautgesetze erklären.
8 Vgl. ausführlicher Zinkevičius Z., Kabelka J. Kazimieras Būga. – In: Būga K. Rinktiniai raštai. V., 1958, Bd. 1, S. 31.
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Page 4So schrieb der finnische Linguist V. Kiparsky 1958 in einem sehr interessanten Vortrag über die Chronologie der lexikalischen Beziehungen zwischen dem Finnischen und den slawischen Sprachen, den er auf dem IV. Internationalen Slavistenkongress in Moskau hielt: „Was diese drei Wörter betrifft (ies, kimalainen, hirsi.—A. S.), nimmt Kalima keine ganz eindeutige Position ein: Den Vergleich hirsi ~ жердь lehnt er nur deshalb ab, weil es keine weiteren ebenso alten Entlehnungen gibt … Es ist jedoch bekannt, dass hirsi, wie bereits der litauische Gelehrte Būga 1920 (es muss 1908 heißen. — A.S.) zeigte (Aistiški studijai I 29 und 189) und wie kürzlich einige andere Gelehrte bestätigten, leicht aus den baltischen Sprachen erklärt werden kann, wo lit. žardis ‚ein mit einem Pfahlzaun umschlossenes Feldstück, Pferdeweide‘ und lett. žurds ‚Gestell oder Zaun aus astigen Pfählen‘ belegt sind und wo es auch *žirdis mit ungefähr derselben Bedeutung gegeben haben könnte“⁹.
1911, also noch vor Abschluss seines Universitätsstudiums, veröffentlichte K. Būga einen umfangreichen Aufsatz „Baltica“, der neben verschiedenen Fragen der historischen Phonetik auch mehrere Dutzend Etymologien litauischer, lettischer und altpreußischer Wörter enthält¹⁰. Während seines Studiums verfasste K. Būga noch zwei größere, vor allem etymologischen Problemen gewidmete Aufsätze — „Slavų-baltų etimologijos“¹¹ und „Lituanica“¹².
Diese Aufsätze lassen sich schon nicht annähernd mit den „Aistiški studijai“ vergleichen. Es sind Arbeiten eines ernsthaften Wissenschaftlers, der nicht nur das außerordentlich umfangreiche Faktenmaterial der baltischen Sprachen und die vielfältige etymologische Literatur ausgezeichnet kennt, sondern auch die präzise Forschungsmethodik sicher anzuwenden weiß. Zwar lassen sich auch in diesen Aufsätzen hier und da noch gewisse Spuren des Einflusses von K. Jaunius erkennen, doch zeugt dies vielleicht auch von K. Būgas Mut, der für einen Etymologen ohnehin sehr nötig ist. Wenn er etwa Wörter mit verwandter Bedeutung miteinander verbinden wollte, ging er bisweilen allzu kühn mit verschiedenen Lautveränderungen um. Vgl.:
„kuilỹs, kūilio = lett. kūilis ‚der Eber‘: kūkis ‚Eber‘, kũkė ‚Schwein‘ Akielewicz Głosownia 114, kĩkut’ Vok. ‚Ferkel‘, Dusjat: kiaũ-lė ‚Schwein‘ aus keu-, preuß. skew-re Vok. 865 ‚Sau‘: lett. cūka ‚Schwein‘ aus *k’ū-kā mit „weichem“ k aus kiau-< keu-“ (Būga, I, 296—297).
Oder hier werden etwa folgende litauische Wörter ohne jeden Vorbehalt miteinander verbunden: kui-nas, kui-kė, ku-m-ėlė, kū-žis, kužiukas (S. 297). Lit. pūka ‚Blume‘ wird als einheimisches Wort mit lett. puķe ‚Blume‘, lit. pokštė (ein Wort aus F. Nessels Wörterbuch, es müsste puokštė heißen — A. S.) und skr. pūš-pa- ‚Blume‘ verbunden (S. 300). Lit. karštas wird als ererbtes Wort mit lett. šķirsts ‚Kiste, Sarg‘ und skr. kartā- ‚Grube, Höhle, Loch (Grube, Loch)‘ verbunden, das nach K. Būgas Auffassung einer vorlitauischen Form *kartas ‚Trog, Wanne (корыто)‘ entspräche, aus der finn. kartta ‚Wanne, Trog (der Trog)‘ hervorgegangen wäre: lit. pra-kartas ‚Wanne, Trog; Krippe‘
9 Кипарский В. О хронологии славяно-финских лексических отношений. — Scando-Slavica, 1958, т. 4, р. 128.
10 Буга К. К. Baltica. — РФВ, 1911, 65, с. 302—326; 1911, 66, с. 218—255; atskiru leidiniu — Варшава, 1911; Būga, t 1, p. 273—322.
11 Буга К. К. Славяно-балтийские этимологии. — РФВ, 1912, 67, с. 232—250; Būga, t. 1, p. 323—338.
12 Буга К. К. Lituanica. — Известия Отделения русского языка и словесности Императорской академии наук, 1912, 17 (1), с. 1—49; atskiru leidiniu — СПб., 1912; Būga, t. 1, p. 339—383.
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Page 5(Būga, I, 308). Das Lehnwort aus dem Belarussischen aršūs verbindet K. Būga, als einheimisches Wort, mit gr. ἔρχομαι ‚ich gehe‘ und sk. rèčhāti ‚ich treffe, erreiche‘ (Būga, I, 355).
Auf einen Teil ähnlicher Etymologien verzichtete K. Būga später selbst.
Ein beträchtlicher Teil der in diesen Artikeln veröffentlichten Etymologien K. Būgas hat sich bewährt und wird heute in der etymologischen Literatur als überzeugende Herleitungen angeführt; dies gilt besonders für das Material der baltischen und slawischen Sprachen. Als solche Etymologien seien beispielsweise genannt:
Lit. aukšlė ‚eine bestimmte Fischart‘; russ. уклея (Būga, I, 274). Diese Etymologie behandelte Būga auch in späteren Arbeiten (Būga, I, 490; II, 643). Als völlig zweifelsfrei wurde sie in die grundlegenden etymologischen Werke zu den baltischen und slawischen Sprachen aufgenommen (Trautmann, 18; Fraenkel, 26; Machek, 668; Фасмер, IV, 156).
Lit. būrýs ‚Regen- oder Schneeschauer, überhaupt eine Wetterfront‘ wurde von A. Brückner und E. Berneker als Entlehnung aus den slawischen Sprachen angesehen (vgl. russ. буря ‚Sturm‘ usw.). K. Būga wies hinreichend überzeugend nach, dass lit. lietaũs būrýs untrennbar mit žmonių (pauǩščių, avių) būrýs ‚eine Schar von Menschen (Vögeln, Schafen)‘ verbunden ist und dass aus der Wendung lietaũs būrýs auch die neue Bedeutung von būrýs hervorging (Būga, I, 306).
Lit. glusnùs ‚folgsam, gehorsam‘ verband K. Būga mit slaw. глухъ ‚taub‘ (vgl. russ. глухой) und verglich hinsichtlich der Semantik das samogitische klūsas ‚schwerhörig‘: lit. klausýti (Būga, I, 306–307). Diese Etymologie K. Būgas findet sich in den Wörterbüchern von R. Trautmann (Trautmann, 91) und M. Fasmer (Фасмер, I, 417).
Für lit. godóti ‚denken, träumen‘, das E. Berneker für einen Slawismus hielt, wies K. Būga nach, dass es ein einheimisches Wort ist (Būga, I, 307). Auch spätere Etymologen bezweifeln diesen Ursprung des Wortes nicht (Fraenkel, 159–160; Фасмер, I, 381).
Wohl erstmals in der etymologischen Literatur erörterte K. Būga ausführlicher das Verhältnis von lit. lópa ‚Pfote‘ zu slaw. лапа (vgl. russ. лапа) (Būga, I, 312–313; vgl. auch Fraenkel, 339–340; Trautmann, 160; Фасмер, II, 458).
Sehr anschaulich erklärt K. Būga den Ursprung von lit. umedė, indem er die erste Komponente dieser Pilzbezeichnung mit lit. ūmas ‚grün, feucht, ungetrocknet‘ und ūmùs verbindet, die zweite dagegen mit lit. ėsti; als semantische Parallele führt er russ. сыроежка ‚umedė‘ an (Būga, I, 382–383; vgl. auch Fraenkel, 1162; Фасмер III, 819).
Lit. žiáunos verband K. Būga wohl als Erster mit bulg. ჟуна ‚Lippe, Mund‘ (Būga, I, 383; vgl. auch Trautmann, 372; Fraenkel, 1302–1303; Фасмер, II, 39–40).
Der Ursprung von lit. žlùgtas ‚eingeweichte Wäsche; Waschzuber‘ wird sehr ausführlich und überzeugend untersucht (zu lit. žlùgti, žlūginti, žlūgsóti ‚nass sein‘, žliūgė ‚eine Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse‘ usw.). Auch hier wies Būga darauf hin, dass belaruss. жлукто ‚Waschzuber; Vieltrinker und Vielfraß‘ und poln. żłukto ‚Waschzuber‘ Entlehnungen aus dem Litauischen sind (Būga, I, 320–321; vgl. auch Fraenkel, 1318; Фасмер, II, 58).
Der Aufsatz über lit. taūras und slaw. туро́ zeichnet sich durch reiches sprachliches und historisches Quellenmaterial aus (Būga, I, 375–378).
Interessant ist K. Būgas Versuch, den Ursprung von lit. laĩvas zu erklären. Er versuchte, dieses Wort mit lit. lovýs, luõtas zu verbinden (Būga, I, 309–311). Zwar ist der Ursprung von lit. laĩvas auch heute noch nicht endgültig geklärt (möglicherweise handelt es sich um eine Entlehnung aus den ostseefinnischen Sprachen), doch ist ein Zusammenhang zwischen lit. laĩvas und lovýs sowohl semantisch als auch phonetisch durchaus möglich.
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Page 6Bereits während seines Studiums verfasste K. Būga eine sehr wertvolle Arbeit über litauische Personennamen¹³, in der auch etymologische Fragen häufig behandelt werden.
Eine wichtige etymologische Arbeit K. Būgas war die Studie „Slawisch-baltische Etymologien“¹⁴, die 1913—1916 in der Zeitschrift „Русский филологический вестник“ veröffentlicht wurde. In dieser Studie legt K. Būga Etymologien von Wörtern vor, die den baltischen und den slawischen Sprachen gemeinsam sind (insgesamt 325). Ein Teil dieser Etymologien ergänzt und berichtigt das „Etymologische Wörterbuch der slawischen Sprachen“ von E. Berneker („Slavisches etymologisches Wörterbuch“. Heidelberg, 1908—1913).
Unter den hier veröffentlichten interessanteren Etymologien K. Būgas seien folgende genannt:
Für das slawische Wort duda (vgl. russ. dial. dyda ‚Dudelsack‘ u. a.) gab K. Būga ein genaues litauisches Gegenstück an: *dauda, vgl. die Verkleinerungsform daudýtė ‚Pfeifchen‘: lit. dudénti ‚klopfen, leise donnern, sprechen‘ (Būga, I, 327, 437; vgl. auch Fraenkel, 84; Trautmann, 46—47; Фасмер, I, 550).
Lit. dailė ‚Kunst‘, dailùs brachte K. Būga mit dem Slawischen dělo in Verbindung (russ. дело ‚Angelegenheit, Sache, Unternehmen‘ u. a.). Diese Etymologie ist bis heute umstritten. Die Slawisten stimmen ihr nicht zu (vgl. Būga, I, 436—437; Фасмер, I, 496—497; Sławski, I, 190; Trautmann, 48). In jüngster Zeit hat B. Jėgeris¹⁵ diese Etymologie K. Būgas wieder aufgegriffen.
In dieser Arbeit wird der Gedanke einer Verwandtschaft von lit. piētūs mit slav. pirō (vgl. russ. пуп ‚Festmahl‘ u. a.), piti (vgl. russ. numь ‚trinken‘ u. a.) aufgeworfen. Auch dies ist eine sehr umstrittene, jedoch mögliche Etymologie (Būga, I, 473; Fraenkel, 587—588).
Für slav. razь (vgl. russ. раз ‚Mal‘ u. a.) gab K. Būga ein genaues litauisches Gegenstück an: rūožas (Būga, I, 476; vgl. auch Trautmann, 245; Фасмер, III, 432—433).
Ausführlich behandelt wird das Verhältnis von lit. slaugýti, slav. sluga (vgl. russ. слуга ‚Diener‘ u. a.) und slav. slu žiti (vgl. russ. служить ‚dienen‘ u. a.) (Būga, I, 484; vgl. auch Trautmann, 268; Фасмер, III, 676). Auf den Zusammenhang dieser Wörter hatte K. Būga bereits in einer früheren Arbeit hingewiesen (Būga, I, 316—317).
Für slav. stryjb (vgl. poln. stryj ‚Onkel (Bruder des Vaters)‘ u. a.) fand K. Būga in den älteren Schriftquellen ein genaues litauisches Gegenstück: strùjus ‚Großvater‘ (Būga, I, 486; vgl. auch Trautmann, 290; Фасмер, III, 780; Трубачев, 79—81).
Die Herkunft von lit. talkà wird erklärt (: telkti); außerdem werden Entsprechungen dieses Wortes in den slawischen Sprachen angeführt (Būga, I, 488; vgl. auch Fraenkel, 1053—1954; Trautmann, 322; Фасмер, IV, 73).
Bei der Erörterung des Verhältnisses von lit. vénteris ‚ein bestimmtes Fischernetz‘ zu den entsprechenden slawischen Bezeichnungen mit derselben Wurzel (russ. вятерь, poln. wiecierz u. a.) äußert K. Būga wohl als Erster den Gedanken, dass die slawischen Wörter Entlehnungen aus den baltischen Sprachen sein könnten (Būga, I, 491; vgl. auch Fraenkel, 1223—1224; Фасмер, I, 292, 376).
Ein großer Teil der in dieser Studie entwickelten Gedanken K. Būgas fand in der späteren etymologischen Literatur Widerhall; besonders häufig wird auf sie bei E. Frenkel, R. Trautmann,
13 Būga K. Apie lietuvių asmens vardus. — Lietuvių tauta, 1911, t. 2, p. 1—50; atskiru leidiniu — Vilnius, 1911; Būga, t. I, p. 201—269.
14 Буга К. К. Славяно-балтийские этимологии. — РФВ, 1912, 67, с. 232—250; 1913, 70, с. 100—108, 248—256; 1914, 71, с. 50—60, 464—471; 1914, 72, с. 187—202; 1915, 73, с. 335—343; 1916, 75, с. 141—156; Būga, t. I, p. 323—338, 433—495.
15 Jēgers B. Verwandte Bedeutungsverwandtschaften baltischer Wörter. — KZ, 1966, B. 80, p. 81—87.
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Page 7in den Wörterbüchern von M. Fasmer. Auch wenn spätere Forscher K. Būgas Etymologien nicht zustimmten, nutzten sie häufig das wertvolle Faktenmaterial der litauischen Sprache, das, wie K. Būga selbst in einem Brief an die Redaktion der Zeitschrift „Русский филологический вестник“ mitteilte, größtenteils „aus der lebendigen Umgangssprache“ gesammelt worden war (Būga, I, 433).
Besonders viele etymologische Probleme behandelte K. Būga in seinem Werk „Kalba ir senovė“ (K., 1922). In diesem Werk erschienen bekannte Aufsätze von ihm wie „Visuomeniniai lietuvių santykiai su germanais“, „Marios ir jūrės“, die ganze Reihe von Aufsätzen „Mūsų žodžių giminaičiai“ und andere.
Von den interessanteren Etymologien K. Būgas, die in „Kalba ir senovė“ abgedruckt wurden, seien folgende genannt:
Lit. kūdikis: lat. kūdīt ‘aufmuntern, antreiben’, vgl. die semantische Parallele vaikas: veikus ‘schnell’, vikrūs, veikti, vykti (Būga, II, 43; Fraenkel, 304, 1214).
Lit. rambùs ‘träge, d. h. einer, den man mit der Peitsche schlagen muss (рубнуть)’, rėmbėti, rùmbėti ‘Rückenstriemen bekommen, покрываться рубцами, заживать’, rìmbas ‘Peitschengeflecht, mit dem man das Pferd schlägt (рубить)’, lat. rùmba ‘Baumstumpf, d. h. ein Holzabschnitt (обрубок)’, slav. rąbiti usw. (Būga, II, 111; Fraenkel, 696).
Lit. gãtvė, lat. gatva, deren ursprüngliche Bedeutung ‘Treibweg, Einfriedung zum Treiben des Viehs auf die Weide’ gewesen sei, wird als Entlehnung aus dem Gotischen oder Nordgermanischen gatwō angesehen. Wäre lit. gãtvė ein Erbwort, würde es heute *gadve ausgesprochen (Būga, II, 136—139; Fraenkel, 139—140).
Lit. õras ‘Luft, das Freie’; K. Būga zufolge sei die ursprüngliche Bedeutung ‘Ackerland’, ‘Pflugland’ gewesen; somit ist das Wort mit dem Verb árti ‘pflügen’ in Verbindung zu bringen (Būga, II, 256—257; Fraenkel, 17, 518). Diesen Gedanken hatte K. Būga teilweise bereits in „Aistiškuose studijuose“ vorgebracht (vgl. S. 97, 207).
Lit. našlė: lat. nex ‘Tötung’, necare ‘töten’, nocēre ‘schaden’, skr. našati ‘vergeht, kommt um’, av. nasu- ‘Leichnam’, gr. νέκυς, νεκρός ‘Leichnam, Verstorbener’ (Būga, II, 299; Fraenkel, 486). Interessanterweise hatte später auch der amerikanische Linguist F. R. Preveden eine solche Etymologie veröffentlicht. Als Urheber dieser Etymologie wird er auch in K. D. Bucks Wörterbuch indoeuropäischer Sprachsynonyme genannt (Buck C. D. A Dictionary of Selected Synonyms in the Principal Indoeuropean Languages. Chicago, 1949). Der bekannte sowjetische Etymologe O. Trubačiovas schrieb zu dieser Frage: „справедливость требует указать, что на самом деле эта интересная этимология впервые была предложена К. Бугой, умершим в 1924 г. В печатном виде эта этимология фигурировала в достаточно известном труде К. Буги (turima galvoje „Kalba ir senovė“. — A. S.) (Трубачев, 114).
Lit. spãnguolė: lit. spãngas ‘einer, dessen Augen trüb geworden sind, ein Blinder’ und andere Wörter mit der Wurzel speng- ‘leuchten, glänzen’ (Būga, II, 310; Fraenkel, 860).
Insgesamt ist festzustellen, dass K. Būga etymologische Fragen in fast jedem seiner Aufsätze berührt. Besonders viel wertvolles Material für ein etymologisches Wörterbuch der litauischen Sprache findet sich in seiner Studie „Priesagos -ūnas ir dvibalsio uo kilmė“ (Būga, II, 331—376) und in der postum veröffentlichten Arbeit über die Metatonie im Litauischen und Lettischen — „Die Metatonie im Litauischen und Lettischen“ (Būga, II, 386—483). Viele etymologische Anmerkungen finden sich auch in den erschienenen Lieferungen des „Lietuvių kalbos žodynas“ (Būga, III, 9—480).
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Page 8Būgas umfangreiches etymologisches Werk wurde erst fünfunddreißig Jahre nach dem Tod des Autors veröffentlicht – es handelt sich um Anmerkungen und Ergänzungen zu A. Preobraženskijs etymologischem Wörterbuch der russischen Sprache – „Замечания и дополнения к этимологическому словарю русского языка А. Преображенского“ (Būga, II, 499—688). Dieses unvollendete Werk umfasst 413 solcher Anmerkungen und Ergänzungen, die mitunter um ein Mehrfaches, ja sogar um ein Vielfaches umfangreicher sind als die Wörterbuchartikel von A. Preobraženskij selbst.
In dieser Arbeit führt K. Būga zahlreiche interessante lexikalische Entsprechungen zwischen den baltischen und den slawischen Sprachen an; neues Tatsachenmaterial ergänzt seine früheren Etymologien, weist auf Ungenauigkeiten zu den baltischen Sprachen in A. Preobraženskijs Wörterbuch hin und bietet auch völlig neue Etymologien litauischer Wörter. Es ist sehr bedauerlich, dass diese hervorragende Studie K. Būgas so spät veröffentlicht wurde und M. Fasmer sie bei der Abfassung seines etymologischen Wörterbuchs der russischen Sprache nicht nutzen konnte.
Als besonders bedeutenden Beitrag K. Būgas zur Etymologie der baltischen Sprachen sollte man seine Mitarbeit an R. Trautmanns „Wörterbuch der baltischen und slawischen Sprachen“ („Baltisch-Slavisches Wörterbuch“. Göttingen, 1923) erwähnen. Das vor mehr als einem halben Jahrhundert veröffentlichte Werk des deutschen Sprachwissenschaftlers hat auch heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Zu verschiedenen Anlässen greifen die Erforschenden der alten Beziehungen zwischen den baltischen und slawischen Sprachen darauf zurück (vgl. die Arbeiten von Chr. S. Stang, A. Nepokupno, J. Safarewicz, F. Sławski u. a.).
Wohl gibt es in der Geschichte der Sprachwissenschaft nicht viele Beispiele dafür, dass ein Wissenschaftler einem Kollegen so geholfen hat, wie K. Būga R. Trautmann unterstützte. Wie wir wissen, las K. Būga die Korrekturfahnen dieses Werkes vollständig durch und schickte dem Autor seine Anmerkungen, nachdem er sie auf einzelne Papierzettel geschrieben hatte. Daher finden sich in R. Trautmanns Wörterbuch neben zahlreichen Verweisen auf die Werke K. Būgas auch viele Kürzel wie B. oder Būga, die die Korrekturanmerkungen unseres Sprachwissenschaftlers kennzeichnen.
Als gewissenhafter Wissenschaftler widmete R. Trautmann sein Wörterbuch „K. Būga, dem hervorragenden Kenner seiner litauischen Muttersprache“. Im Vorwort beschrieb er K. Būgas Hilfe folgendermaßen: „Vor allem bin ich K. Būga zu Dank verpflichtet, dem ich das Buch widmete, um meinen aufrichtigen Dank auszudrücken: Mit außerordentlicher Sorgfalt las er die ermüdenden Korrekturfahnen mit mir durch, verbesserte, gestützt auf sein umfassendes Wissen, wo nötig die baltischen Wörter und stellte mir mit seltener Freigebigkeit Material aus seinen unerschöpflichen Sammlungen zur Verfügung“ (S. VII).
Da R. Trautmann wegen des Widerstands des Verlegers nicht alle Anmerkungen berücksichtigen konnte, hatte K. Būga vor, eine Ergänzung zu diesem Wörterbuch zu verfassen und sie in der Zeitschrift „Tauta ir žodis“ zu veröffentlichen (vgl. Būga, III, 779—781).
K. Būgas Talent als Etymologe kommt besonders schön in seinen onomastischen Arbeiten zur Geltung; dies ist jedoch bereits das Thema eines eigenen Artikels.
Sein wichtigstes etymologisches Werk konnte K. Būga leider nicht vollenden: Nach seinem Tod blieb eine über mehrere Jahrzehnte hinweg angelegte Kartei für ein etymologisches Wörterbuch der litauischen Sprache zurück, die rund zwanzigtausend Karten umfasste. Sie enthält Exzerpte aus den wichtigsten etymologischen Werken jener Zeit und aus verschiedenen linguistischen Untersuchungen, die in der einen oder anderen Hinsicht mit der Herkunft litauischer Wörter zusammenhängen können, sowie Tatsachenmaterial aus den Dialekten des Litauischen und Lettischen und aus den Denkmälern der alten baltischen Sprachen, häufig ergänzt durch entsprechende Anmerkungen des Autors.
K. Būga war kein Sprachwissenschaftler, dem die Theorie der Sprachwissenschaft oder die Forschungsmethodik besonders am Herzen lag; nirgends formulierte er seine linguistischen Ansichten. Also K. Būga
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Page 9Er ähnelte seinem großen Lehrer Jan Baudouin de Courtenay nicht. K. Būga war ein praktischer Forscher. Am nächsten stand ihm die Forschungsmethodik der Junggrammatiker. In dieser Hinsicht erinnern uns K. Būgas Arbeiten besonders an die Werke seiner berühmten Freunde Jānis Endzelīns und Max Vasmer.
Nirgendwo erörterte K. Būga ausdrücklich die Methodik seiner etymologischen Untersuchungen. Allerdings streifte er diese Fragen gelegentlich. „Ein Litauer, der sich daran gewöhnt hat, die Herkunft eines beliebigen Wortes zu verfolgen, muss sofort, kaum dass er ein Wörtchen aus dem Wörterbuch herausgeschlagen hat, ohne jeden Zusammenhang mit anderen, in das ferne Indien, nach Griechenland und (heutzutage sehr in Mode) sogar ins armenische Land eilen. Vor allem suchen wir für das etymologisch zu erklärende Wort eine Erklärung im Wörterbuch der litauischen Sprache. Nachdem wir uns mit dem Wörterbuch unserer eigenen Sprache auseinandergesetzt haben, wenden wir uns unseren Sprachbrüdern, den Letten und Preußen, zu. Von dort ziehen wir ins slawische Land. Und erst nachdem wir uns auch dort zurechtgefunden haben, dürfen wir einen Blick in die Wörterbücher des Sanskrit, Griechischen, Lateinischen, Germanischen, Keltischen und anderer Sprachfamilien werfen“, schrieb K. Būga in seiner Rezension von H. Hirts „Indogermanischer Grammatik“ („Indogermanische Grammatik“. Heidelberg, 1921, Bd. 2) (Būga, II, 260).
Beim Lesen von K. Būgas etymologischen Arbeiten fällt zunächst die außerordentliche Fülle des Tatsachenmaterials aus der lebendigen Sprache und den alten Schriften ins Auge. Zwar griffen auch andere Etymologen, beispielsweise E. Fraenkel, umfassend auf das Material der alten litauischen Schriften zurück. Doch kann ihm keiner an Belegen aus der lebendigen Sprache und den Dialekten gleichkommen. Bei der Untersuchung der Herkunft einzelner Wörter schenkte K. Būga auch der Geschichte der betreffenden Realien große Aufmerksamkeit; vgl. die Erklärungen zu lit. taūras (Būga, I, 375—378) und lit. karštas (Būga, II, 192—195). In dieser Hinsicht erinnern seine Arbeiten mitunter an die Untersuchungen der Etymologen der Richtung „Wörter und Sachen“ („Wörter und Sachen“).
Die sowjetische litauische Sprachwissenschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten auf verschiedenen Gebieten der litauischen Sprachforschung viele bemerkenswerte Erfolge erzielt, auch in der Etymologie. Doch Kazimieras Būga bleibt auch heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod, der bedeutendste litauische Etymologe.
Man kann sich darüber freuen, dass die etymologischen Untersuchungen unseres großen Sprachwissenschaftlers durch die vorbildliche Herausgabe von K. Būgas „Gesammelten Schriften“ (herausgegeben von Z. Zinkevičius) einem breiten Kreis von Fachleuten zugänglich geworden sind. Es ist anzunehmen, dass sie zusammen mit E. Fraenkels „Etymologischem Wörterbuch der litauischen Sprache“ („Litauisches etymologisches Wörterbuch“) und dem akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ eine solide Grundlage für ein künftiges etymologisches Wörterbuch der litauischen Sprache bilden werden, wie es in jüngster Zeit die Völker unserer Nachbarländer (Polen, Belarussen und Ukrainer) herausgeben.
Abkürzungen der Literatur:
Būga — Būga K. Rinktiniai raštai. V., 1958—1961, Bd. 1—3. Fraenkel — Fraenkel E. Litauisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg — Göttingen, 1955—1966. K Z — Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen. Berlin, 1852. LKK — Lietuvių kalbotyros klausimai. V., 1957. Machek — Machek V. Etymologický slovník jazyka českého. Praha, 1968. Sławski — Sławski F. Słownik etymologiczny języka polskiego. Kraków, 1952—1969, Bd. 1—3.
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Page 10Trautmann — Trautmann R. Baltisch-Slavisches Wörterbuch. Göttingen, 1923.
РФБ — Russischer Philologischer Bote. Warschau, 1879—1918.
Trubačov — Trubačov O. Geschichte der slawischen Verwandtschaftsbezeichnungen und einiger ältester Begriffe der Gesellschaftsordnung. Moskau, 1959.
Vasmer — Vasmer M. Etymologisches Wörterbuch der russischen Sprache. Aus dem Deutschen übersetzt und ergänzt von O. N. Trubačov. Moskau, 1964—1973, Bd. 1—4.
А. САБАЛЯЎСКАС
K. BŪGA — ETYMOLOGE
Z u s a m m e n f a s s u n g
Der herausragende Erforscher der litauischen Sprache K. Būga begann als Erster unter den litauischen Sprachwissenschaftlern, Probleme der Etymologie mit einer strengen wissenschaftlichen Methode zu untersuchen.
In den frühen etymologischen Untersuchungen K. Būgas ist noch der Einfluss der fehlerhaften Methodik seines Lehrers K. Jaunius erkennbar; bereits 1911 veröffentlichte er jedoch mehrere Arbeiten, die ihn als hervorragenden Fachmann ausweisen. Mit Fragen der Etymologie beschäftigte sich K. Būga während seiner gesamten wissenschaftlichen Tätigkeit. Viele Entdeckungen K. Būgas fanden Eingang in die etymologischen Wörterbücher von E. Fraenkel, R. Trautmann, M. Vasmer, F. Sławski, V. Machek u. a. K. Būga beabsichtigte, ein etymologisches Wörterbuch der litauischen Sprache zu verfassen. Dafür legte er eine umfangreiche Zettelsammlung an, doch die begonnene Arbeit wurde durch seinen plötzlichen Tod (1924) unterbrochen.