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ACTA LINGUISTICA LITHUANICA

XLIX (2003), 153–170

ÜBERSICHT ÜBER NEUE ARBEITEN

Survey of Recent Publications

LITAUISCHE SPRACHWISSENSCHAFT IM JAHR 2002: IN LITAUEN VERÖFFENTLICHTE ARBEITEN

Das Jahr 2002 ist als Zeit einer sich erholenden Wirtschaft und einer ruhigeren wissenschaftlichen Arbeit in Erinnerung geblieben. Ins Gedächtnis eingeprägt haben sich die weithin beachteten großen Ereignisse der litauischen Sprachwissenschaft: der Abschluss des akademischen Lietuvių kalbos žodyno (Wörterbuchs der litauischen Sprache) und der 400. Jahrestag der litauischen Bibelübersetzung von Jonas Bretkūnas. Es erschienen etwa ein Dutzend sprachwissenschaftlicher Bücher, von denen acht in dieser Übersicht besprochen werden. Zunächst werden Monografien behandelt, anschließend Dissertationen in monografischer Form sowie eine wissenschaftliche Edition alter Schriftdenkmäler; den Abschluss bilden ausgewählte Schriften.

1. Die Monografie Lietuvių kalbos veiksmažodžio istorija (Geschichte des litauischen Verbs) von Audronė Kaukienė, Band zwei (Klaipėda: Universität Klaipėda, 2002, 400 S.), setzt die vor acht Jahren veröffentlichte Untersuchung der Wurzelverben des Litauischen fort (Kaukienė 1994). In diesem Band werden a-stämmige (oder historisch ō-stämmige) Verben untersucht, deren Wurzel kurzes i oder u beziehungsweise langes y oder ū enthält. Das Buch besteht aus einem Vorwort, fünf Kapiteln, Schlussbemerkungen (auf Litauisch und Englisch) und Abkürzungsverzeichnissen. In jedem Kapitel werden zunächst kurze und danach lange Wurzeln behandelt.

Das Buch beginnt mit einem etymologischen Verzeichnis der untersuchten Verben, dessen Ziel es ist, „das Material zu überprüfen und auszuwählen und für die weitere Analyse auf verschiedenen Ebenen aufzubereiten“ (S. 3). Im Verzeichnis werden die Verben zunächst in regelmäßige (die eine aktive Handlung bezeichnen) und unregelmäßige (Mutativa und Durativa), dann in grundlegende (im Wörterbuch der heutigen litauischen Sprache verzeichnete) und dialektale (nur aus bestimmten Dialekten oder Schriftdenkmälern bekannte) eingeteilt. Auf die Frage der Zuverlässigkeit eines Wortes oder einer Form wird hingewiesen. Die Etymologie regelmäßiger Verben wird angegeben, unregelmäßige Verben werden lediglich verzeichnet. Die Ansichten verschiedener Autoren zur Herkunft des jeweiligen untersuchten Verbs werden recht genau wiedergegeben. Unterschiede zwischen Herkunftserklärungen werden nicht verschwiegen, und mitunter wird auch deren Zuverlässigkeit beurteilt – das macht das Buch wertvoller.

Im zweiten Kapitel werden neben den ō-stämmigen Verben bestehende Präsens- und Präteritalvarianten anderer Stämme untersucht. Den Ausgangspunkt bilden litauische und lettische Dialektformen (iō-stämmige und nasalinfigierte Formen); anschließend werden die gemeinsamen Varianten der ostbaltischen Sprachen ermittelt. Danach werden alle litauischen Verben mit Entsprechungen in anderen Sprachen verglichen, die dieselbe Wurzelstruktur aufweisen. Bei der Untersuchung der Präsensentsprechungen werden Verben mit Nullformans, mit Infix sowie mit den Formantien i oder n unterschieden. In diesem Teil der Monografie geht die Untersuchung im Wesentlichen vom morphologischen Vergleich verwandter Formen zum etymologischen Wortvergleich über, da die Entsprechungen in anderen Sprachen gewöhnlich als Lexeme angegeben werden (in manchen Fällen als Präsensform, in anderen nur als Infinitiv).

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Im weiteren Verlauf des Buches werden der ablautende und der derivationelle Wechsel der Wurzelvokale in benachbarten litauischen Dialektformen und verwandten Wörtern anderer Sprachen untersucht. Diachrone Veränderungen von Verben derselben Wurzel werden als einst synchrone Varianten dargestellt; so gilt etwa im Fall von bruka: braukia der Ablaut als ablautender Wechsel, weil „viele derartige Paare einst eine einzige Paradigmenreihe gebildet haben müssen“ (S. 119). Dieses Kapitel hängt eng mit dem vorherigen zusammen und wiederholt einige dort formulierte Aussagen. So werden bei der Behandlung des ablautenden Vokalwechsels von CiC-Verben in Präsensformen (S. 122) einige Schlussfolgerungen der Übersicht über die Präsensstammformen wiederholt (vgl. S. 100). Im Buch wird mehrfach (S. 100 u. a.) betont, dass die Struktur der untersuchten Verben (und ihrer Entsprechungen in verwandten Sprachen) mit dem Wurzelvokalismus zusammenhängt; daher ist die Entscheidung, Stammendungsvarianten und Ablaut getrennt zu untersuchen, fragwürdig.

Das vierte Kapitel der Monografie beschreibt die Semantik der Verben mit ō-Stämmen. Die Autorin entwickelt eine semantische Verbklassifikation auf zwei Ebenen: Die abstrakten Bedeutungen umfassen die Oppositionen aktive: spontane Handlung oder Zustand sowie Transitivität: Intransitivität; die konkreten Bedeutungen werden in semantische Untergruppen wie Zerstörungs-, Bewegungs- und biologische Verben usw. eingeteilt. Die historische Analyse der Verbsemantik stützt sich auf die ursprüngliche Wurzelbedeutung und den Vergleich mit Entsprechungen in verwandten Sprachen, nicht auf die Methode semantischer Felder (vgl. Karaliūnas 1987: 26 ff.). Anders als Karaliūnas, der der Semantik Vorrang vor der Morpho(no)logie einräumt (vgl.: „die Feststellung semantischer Verwandtschaften, die Ermittlung der Bedeutungsverwandtschaft <...> ist der Beweis für die etymologische Identität entsprechender, d. h. gleichlautender Lexeme“ 1987: 50), weist Kaukienė der Verbsemantik lediglich eine Hilfsfunktion zu und verschiebt ihre Behandlung ans Ende der Untersuchung. Die semantische Analyse der Verben ermöglicht der Autorin die Schlussfolgerung, dass den Verben mit kurzen Wurzeln als semantischer Kern sogenannte Kontaktverben vom Typ kišti mit möglicher Wirkungskomponente zugrunde liegen, während viele Verben mit langem Vokalismus eine Intensitätskomponente aufweisen (S. 198–199). Aus dem Vergleich der Verben mit ō- und i̯ō-Stämmen wird geschlossen, dass „Je stärker sich [ihr] Bedeutungsumfang unterscheidet, desto größer ist die Möglichkeit, dass Verben beider Strukturtypen nebeneinander bestehen“ (S. 199).

Der größte Teil des Buches (mehr als ein Drittel der Monografie) ist der Untersuchung der derivationellen Beziehungen zwischen Verben und ihren Ableitungen gewidmet. Es wird die Auffassung vertreten, dass die Untersuchung der Ableitungen für die Bestimmung der Herkunft der Grundverben nützlich ist (S. 201). Die Ableitungen werden nach Wortbildungskategorien beschrieben. Ihre Bildung, Bedeutung, ihr Vokalismus und ihre Akzentuierung werden erörtert.

Die Schlussbemerkungen des Buches beginnen mit der gemeinindoeuropäischen Verbschicht, obwohl die Monografie über diese kaum etwas enthält... In diesem Teil des Buches hätte es völlig ausgereicht, die Entwicklung der Verben während der litauischen, ostbaltischen und gemeinbaltischen Sprachperiode zusammenzufassen.

Die Monografie enthält zahlreiche neue Gedanken, doch scheint sie eine Auseinandersetzung zu vermeiden: Die Ansichten anderer Autoren werden nur selten erwähnt und erörtert (eine Ausnahme bildet das etymologische Verzeichnis der Verben). So werden die in Karaliūnas’ thematisch sehr nahestehender Monografie und seinen Artikeln vertretenen abweichenden Ansichten zum Verhältnis und zur Entwicklung der Verben mit ō- und i̯ō-Stämmen in den baltischen Sprachen überhaupt nicht erwähnt; seine Ansicht zum Wechsel ei: i und ei: y wird nur in einer Fußnote erwähnt (S. 130–131) usw. Im Buch werden synchrone und diachrone Untersuchungsebenen vermischt (beispielsweise werden im zweiten Kapitel litauische Daten unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Zuverlässigkeit mit Daten aus anderen indoeuropäischen Sprachen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Zuverlässigkeit verglichen, mitunter sogar mit rekonstruierten Formen dieser Sprachen), ebenso strukturelle und wortbildende, strukturelle und etymologische sowie wortbildende und etymologische Untersuchungsaspekte. Das Material verwandter Sprachen wurde für die Arbeit größtenteils aus etymologischen Wörterbüchern verschiedener Autoren und unterschiedlichen Datums zusammengestellt (dies ist am deutlichsten

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(wie das Literatur- und Quellenverzeichnis zeigt). Untersuchungen zur Grammatik indogermanischer Sprachen, erst recht neuere Arbeiten (z. B. Koch 1990, Jasanoff 1994 u. Ä.), wurden kaum herangezogen. Es ist fraglich, ob solches Material eine hinreichende Grundlage für ein derart ambitioniertes Vorhaben sein kann, die historischen Verben des Litauischen unter morphologischen, morphonologischen und wortbildungsbezogenen Gesichtspunkten zu untersuchen. In einem Werk von der Art der hier besprochenen Monografie sollte ein Wort- und Formenregister selbstverständlich sein. Trotz einiger hier angeführter Mängel ist die Monografie zweifellos eine der bedeutendsten Untersuchungen zur Geschichte des baltischen Verbs.

2. Antano Pakerio Buch Akcentologija 2: Skaitvardis, įvardis, veiksmažodis, prieveiksmis, dalelytė, prielinksnis, jungtukas, jaustukas, ištiktukas (Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2002, 630p.) führt die vor acht Jahren erschienene Monografie (Pakerys 1994) fort, in der die Akzentuierung der Substantive und Adjektive beschrieben wurde. Im zweiten Buch werden dieselben Grundsätze zur Erhebung und Darstellung des Materials befolgt. Angestrebt wird eine möglichst gründliche Untersuchung der Akzentuierung der Wörter der Standardsprache, „ohne seltenere Fälle auszulassen und die Unregelmäßigkeiten und Schwankungen des Systems sichtbar zu machen“ (S. 12). Das Buch ist also deskriptiv angelegt; tiefere Einsichten, theoretische Erörterungen oder zusammenfassende Schlussfolgerungen sollte man darin nicht suchen: All dies verspricht der Autor in einer späteren, zusammenfassenden Arbeit zu leisten (S. 12).

Die Grundlage des untersuchten Materials bilden, wie schon im ersten Buch, die Daten der dritten Auflage des Dabartinės lietuvių kalbos žodyno (Keinys, Hrsg. 1993). Im Vorwort wird auch die vor einigen Jahren erschienene vierte Auflage dieses Wörterbuchs erwähnt (Keinys, Hrsg. 2000), die „mit der dritten Auflage dieses Wörterbuchs nahezu übereinstimmt“ (S. 12). Unklar bleibt, ob der Autor wenigstens die darin korrigierten Fehler und Druckfehler der dritten Auflage berücksichtigt hat: Wie aus der „Liste der Berichtigungen“ (Keinys, Hrsg. 2000: 968) hervorgeht, wurden in der vierten Wörterbuchauflage auch einige Akzentuierungsfehler berichtigt. Übrigens erschien 2002 eine elektronische Fassung der vierten Auflage des Dabartinės lietuvių kalbos žodyno (Keinys, Hrsg. 2002), die der Autor offenbar nicht mehr verwenden konnte. Das Buch stützt sich außerdem vielfach auf Daten aus anderen Wörterbüchern, Dialektbeschreibungen und Artikeln, ohne jedoch jemals die Zuverlässigkeit dieses Materials, die Grundsätze seiner Darstellung, den Grad seiner Kodifizierung u. Ä. zu erörtern. Auf Daten der gesprochenen Standardsprache greift das Werk nur mittelbar zurück – über die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von Studierenden. Diese Untersuchungsmethodik macht das Werk weniger zu einer Untersuchung und Beschreibung von Daten der tatsächlich gesprochenen Sprache als vielmehr zu einer vergleichenden Darstellung der Geschichte der Akzentuierungskodifizierung oder der (in sprachwissenschaftlichen Arbeiten dokumentierten) Dialekte und kodifizierten Varianten.

In der Monografie wird eine umfangreiche Menge an Faktenmaterial untersucht und zusammengefasst. Es wird beschrieben und die Beispiele werden nach den Kriterien der Häufigkeit und Frequenz angeführt. Diese Kriterien werden sogar übermäßig konsequent eingehalten: Merkwürdig wirkt die Reihenfolge der nebeneinander aufgeführten Beispiele aštuoni, aštuonios, devyni, devynios, septyni, septynios (S. 15). Bereits im Vorwort zeigen sich gewisse Widersprüche bei der Auswahl der untersuchten Beispiele. Da es sich das Werk zum Ziel setzt, die Akzentuierung der Wörter der Standardsprache zu beschreiben, ist es verständlich, dass Dialektismen ebenso wie veraltete (und nicht normgerechte) Wörter des Dabartinės lietuvių kalbos žodyno nicht behandelt werden (S. 11). An anderer Stelle betont der Autor jedoch, dass in beiden Teilen des Buches „zahlreiche Dialektdaten und weitere Daten nichtkodifizierter Sprache vorgelegt werden“, die es erlauben, „wesentliche Merkmale der dialektalen Akzentuierung zu erfassen“ (S. 13). Tatsächlich werden dialektale phonetische und akzentuelle Varianten von Wörtern häufig als Fälle nichtkodifizierter Sprache angeführt. So werden beispielsweise Varianten des Zahlworts dešimt aus drei Orten im akademischen Lietuvių kalbos žodyno, aus dem Wörterbuch der Dūnininkai-Mundart sowie aus den Dialektwörterbüchern von Druskininkai, Lazūnai und Zietela angeführt; hinzu kommen fast ein Dutzend Verweise auf Veröffentlichungen anderer Autoren (S. 17). Da ist unklar, warum dann auf dialektale Formen des Da-

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bartinės lietuvių kalbos žodyno lyčių verzichtet wird (zum Beispiel wird das im Wörterbuch mit der Abkürzung ryt. angeführte Ordinalzahlwort penkiolikis nicht besprochen; S. 538).

Der Autor folgt den Grundsätzen der traditionellen morphologischen oder wortbildungsbezogenen Akzentologie: Er setzt die Akzentuierung mit der Wortbildung in Beziehung. So werden bei der Untersuchung der Akzentuierung der Zahlwörter zunächst die einfachen Zahlwörter behandelt, danach Ableitungen, Zusammensetzungen und unflektierbare verschmolzene Zahlwörter. Vollständige Konsequenz erreicht der Autor jedoch nicht, da neben dem Kriterium der wortbildungsbezogenen Anordnung des untersuchten Materials auch das Kriterium der Wortherkunft angewandt wird (das im Vorwort nicht erwähnt wird): Am Ende des Kapitels wird die Akzentuierung von Zahlwörtern fremder Herkunft gesondert behandelt (S. 25). Letzterem Kriterium wird nur bei der Untersuchung einfacher Zahlwörter fremder Herkunft Vorrang eingeräumt; bei ihren Ableitungen hat dagegen wieder das Wortbildungskriterium Vorrang – Ableitungen mit fremden Endungen werden zusammen mit den entsprechenden einheimischen Wortbildungen behandelt: milijardas, -a neben tūkstantas, -a (S. 20), milijonas, -a neben šimtas, -a (S. 21). Im Kapitel über Pronomen werden einfache, abgeleitete, zusammengesetzte, verschmolzene und mehrteilige Pronomen, Pronomen mit zwei betonten Bestandteilen, pronominale Pronomen und zu Pronomen gewordene Wörter getrennt behandelt. Offensichtlich kann es in einer synchronischen Untersuchung keine eigenen Abschnitte zu verschmolzenen Pronomen und zu Pronomen gewordenen Wörtern geben: Erstere könnten als einfache oder zusammengesetzte, Letztere als einfache Zahlwörter beschrieben werden (übrigens ist es selbst historisch nicht leicht nachzuweisen, dass das Wort pats ein zum Pronomen gewordenes Substantiv und kein altes Pronomen ist: Ernst Fraenkel betrachtet die Bedeutung ‘sėbst’ als Grundbedeutung von idg. *potis (Fraenkel 1962: 552), hält den pronominalen Gebrauch also für ursprünglich). Auch ist es inkonsequent, den Abschnitt über mehrteilige Pronomen – Pronomen mit zwei betonten Bestandteilen – getrennt von den übrigen mehrteiligen Pronomen zu behandeln. Im Pronomenkapitel ist die Hierarchie der Einteilungskriterien unklar. Das Inhaltsverzeichnis macht diese Hierarchie noch verworrener: Dort stehen die Überschriften „Mehrteilige Pronomen“, „Pronomen mit Betonung auf dem ersten Bestandteil“, „Pronomen mit Betonung auf dem zweiten Bestandteil“ und „Pronomen mit zwei betonten Bestandteilen“ als gleichrangige Einträge (S. 6). Im Kapitel über Partikeln scheinen verschmolzene Wörter und zusammengesetzte (mehrteilige) Partikeln den Überschriftenformaten nach als Teil der zu Partikeln gewordenen Wörter oder ihrer Verbindungen aufgefasst zu werden, obwohl es am Kapitelanfang heißt: „Gesondert [von den übrigen?] sind zusammengesetzte (mehrteilige) sowie Partikeln fremder Herkunft zu nennen“ (S. 581). Ähnliche Inkonsequenzen finden sich auch in anderen Kapiteln des Buches.

Relativ viel Raum in der Monografie wird den Ergebnissen der deutlichen Befragung von Studierenden eingeräumt: Fast jeder Unterabschnitt schließt mit einer Erörterung der Akzentuierungstendenzen der Studierenden. Angegeben werden die relative Statistik der normgerechten Akzentuierung und die durch Befragung ermittelten Varianten. Die Befragungsmethodik und die Verarbeitung ihrer Daten werden jedoch unzureichend beschrieben, weshalb Zweifel an deren Zuverlässigkeit aufkommen. So akzentuieren die Studierenden den Daten der Befragung zufolge stets aštuoni (49: 0); doch jeder von uns hat auch schon die Varianten aštuoni, net aštuoni gehört, die in den Befragungsdaten gar nicht erscheinen (vielleicht aufgrund ihres deutlichen Charakters, vielleicht weil nur Studierende der Litauistik befragt wurden?).

Gelegentlich werden Termini inkonsequent verwendet. So wird bei der Untersuchung der Akzentuierung von Partikeln der Terminus einfache Wörter nicht mehr den Termini abgeleitete Wörter (Derivate), zusammengesetzte Wörter gegenübergestellt (wie im vorhergehenden Teil des Buches), sondern dem Terminus zu Partikeln gewordene Wörter: Die wortbildungsbezogene Bedeutung wird durch eine historische ersetzt (vgl.: „In dieser Arbeit wird versucht, einfache Partikeln von solchen zu unterscheiden, die durch Erstarrung einzelner Wörter oder ihrer Verbindungen entstanden sind“ (S. 581).

Pakeris hat eine umfangreiche Arbeit geleistet, die viel Sorgfalt und Geduld erforderte (das Verzeichnis der verwendeten Literatur und Quellen ist beeindruckend!). Sie wird zweifellos für die weitere Erforschung der Akzentuierung im Litauischen – nicht nur der Standardsprache – nützlich sein.

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3. In Juozas Abaravičius’ Buch Stilistik der Interpunktion (Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädienverlag, 2002, 288 S.) werden die stilistischen Möglichkeiten der Interpunktion und der stilistische Gebrauch der Interpunktionszeichen untersucht (vgl. S. 7). Dies ist die erste Monografie dieser Art in der litauischen Sprachwissenschaft. Der Autor begründet die Interpunktion mit der grammatischen, semantischen und intonatorischen Gliederung des Textes und seiner Einheiten (S. 8). Dieses Verständnis der Interpunktion steht den Auffassungen von A. Valeckienė nahe (vgl. Slizienė, Valeckienė 1992: 128–129; Morkūnas, Hrsg., 1999: 585–586) und unterscheidet sich vom rein syntaktischen Verständnis von K. Gaivenis und S. Keinys (vgl. Gaivenis, Keinys 1990: 186). Das Hauptaugenmerk des Buches gilt der semantischen (insbesondere der emotionalen und expressiven) sowie der intonatorischen Grundlage der Interpunktion. Stilistik wird im Wesentlichen mit dem stilistischen Gebrauch sprachlicher Einheiten gleichgesetzt, was ihre propädeutische Bedeutung begründet. Bei einer ähnlichen Auffassung ließen sich wohl auch „Stilistiken“ der Orthografie (Gebrauch von Klein- und Großbuchstaben, Zusammenschreibung und Getrenntschreibung usw.), der Prosodie (Betonung von Klitika, Satzintonation usw.) und anderer Bereiche unterscheiden. In der westlichen Linguistik gilt die Interpunktionsstilistik als Teil der Graphostilistik (vgl. Bußmann, Hrsg., 2002: 265).

Die theoretische Grundlage der Monografie bilden Arbeiten russischer Autoren (besonders häufig werden die Werke von N. S. Valgina und L. G. Vedenina herangezogen). Obwohl im Literaturverzeichnis mehrere westeuropäische Autoren aufgeführt sind, die sich mit Problemen der Interpunktion befasst haben, werden ihre Auffassungen gewöhnlich nur erwähnt; hauptsächlich werden sie dort herangezogen und ihre Werke zitiert, wo Fragen der Geschichte der Interpunktion behandelt werden.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten werden das Verhältnis von Interpunktion und Stilistik untersucht, die grundlegenden Begriffe definiert und die Funktionen der Interpunktionszeichen überblicksartig dargestellt. Dieser Teil ist gleichsam eine Einführung in die anschließende Untersuchung der Interpunktionszeichen der litauischen Sprache, die den zweiten Teil des Buches bildet.

In der Monografie werden die Funktionen der Interpunktionszeichen ausführlich erörtert. Davon werden, als semiologische Funktionen bezeichnet und nach der Klassifikation von R. Makarova, nicht weniger als sechzehn unterschieden: trennende, ausgliedernde, entgegensetzende, erläuternde, verbindende, warnende, hinzufügende, aufzählende, Grenzen markierende, Ganzheiten markierende, Unabgeschlossenheit markierende, Ellipsen markierende, emotional-expressive, modale, kompositorische, emblematische … (S. 12 ff.). Die unterschiedenen Funktionen sind unterschiedlichen Ebenen zugeordnet und von unterschiedlicher Reichweite. Die einzelnen Funktionen sind nicht hinreichend definiert, ihre Beziehungen zueinander sind nicht geklärt. So ist etwa die Funktion, Unabgeschlossenheit zu markieren, lediglich ein Teil der emotionalen und/oder expressiven Funktion; die ausgliedernde, verbindende und Grenzen markierende Funktion sowie möglicherweise weitere Funktionen sind Teile der kompositorischen Funktion usw. Im weiteren Verlauf des Buches werden fakultative Interpunktion, die Interpunktion des Autors (und die autorenspezifische Interpunktion) sowie Texte ohne Interpunktionszeichen (zeichenlose Interpunktion) behandelt. Unter theoretischem Gesichtspunkt wird wohl der Begriff der Interpunktion des Autors (der autorenspezifischen Interpunktion) am sorgfältigsten erörtert (S. 37–47), doch bleibt ihr Verhältnis zur fakultativen Interpunktion dennoch unklar (in beiden Kapiteln ist von Zeichen des Autors usw. die Rede, vgl. S. 26 und 38 ff.). Die Entstehung und Entwicklung der westeuropäischen Interpunktion werden knapp und anschaulich dargestellt.

Im zweiten Teil, der den größten Teil des Buches ausmacht, werden der Gebrauch der Interpunktionszeichen und ihre stilistischen Möglichkeiten behandelt. Im Litauischen werden zehn Interpunktionszeichen unterschieden. Der Gebrauch jedes einzelnen Zeichens wird gesondert beschrieben: Zunächst werden kurz die wesentlichen Punkte dargelegt, anschließend wird er ausführlicher untersucht. Zahlreiche Beispiele stammen aus der schönen Literatur.

Die recht ausführlichen Schlussfolgerungen der Monografie (S. 245–253) wären eher als Zusammenfassung zu bezeichnen: Sie enthalten keine theoretischen Verallgemeinerungen.

Der Autor hat ein recht detailliertes „Verzeichnis wichtigerer Termini, Begriffe und Beschreibungen“ zusammengestellt (S. 271–284). Leider erfüllt es seine Funktion nur teilweise, da es nicht alphabetisch, sondern systematisch angeordnet ist: Das Verzeichnis selbst benötigt noch ein Register oder zumindest ein Inhaltsverzeichnis …

Das Buch ist in lebendiger Umgangssprache geschrieben, die reich an rhetorischen Figuren und stilistisch markierter Interpunktion ist. Eine solche Sprache eignet sich sehr gut für ein populärwissenschaftliches Werk, vielleicht auch für ein Lehrmittel (so der Au-

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toriaus; ihre Grundlage bildet ein Vorlesungskurs, der für Studierende der Litauistik gehalten wurde), doch handelt es sich um eine ungewöhnliche wissenschaftliche Monografie. Wie im Vorwort steht, ist das Buch das Ergebnis von Untersuchungen zur Interpunktion unter stilistischem Gesichtspunkt; es richtet sich jedoch nicht an die wissenschaftliche Gemeinschaft, sondern an Lehrende, Studierende, Redakteure, Stilisten und Autoren (S. 6). Diese doppelte Natur des Buches ist kein Vorzug...

4. Das Buch von Kazimieras Gaivenis Lietuvių terminologija: teorijos ir tvarkybos metmenys (Vilnius: Verlag des LKI, 148 S.) ist aus Artikeln hervorgegangen, die zu verschiedenen Zeiten und über unterschiedliche Themen verfasst wurden (vgl. Gaivenis 1979, 1983, 1985, 1994, 1996a, 1996b, 1997, 2000 u. a.). Es handelt sich jedoch nicht um eine Artikelsammlung: Frühere Veröffentlichungen wurden überarbeitet und so angepasst, dass sie als Teile eines größeren Werks dienen.

Das Buch ist zusammenfassenden Charakters und krönt die vier Jahrzehnte wissenschaftlicher Arbeit des Autors auf dem Gebiet der Terminologie. So beschreibt es auch der Autor selbst im Vorwort und betont, dass es „weder ein Lehrbuch der Terminologie noch irgendeine wissenschaftliche Untersuchungsschrift“ sei (S. 11). Dieses unbestimmte Genre des Werks sowie sein unklarer Zweck und Adressatenkreis schaden dem Buch erheblich. Am ehesten weist es Merkmale eines Lehrbuchs auf, da darin elementare Grundlagen der Terminologie dargelegt werden. Die Darstellung ist jedoch nicht hinreichend systematisch und durchdacht. So fand ich beispielsweise in dem Büchlein keine Definition des Terminus, obwohl gerade diesem Thema das erste Kapitel gewidmet ist. Anstelle einer Definition werden einige wesentliche Merkmale des Begriffs „Terminus“ genannt; ferner ist von einem engen (unter Berufung auf S. Šalkauskis und E. Jakaitienė) und einem weiten Terminusbegriff (unter Berufung auf Lietuviškoji tarybinė enciklopedija) die Rede. Bereits im ersten Kapitel des Buches (S. 17) werden die undefinierten Begriffe Intensional und Implikational verwendet, während der Begriff der Intension eines Terminus erst im dritten Kapitel (S. 28 ff.) erklärt wird. Es entsteht der Eindruck, als schirme sich der Autor mit Zitaten und Verweisen ab und vermeide es, seine eigene Meinung zu äußern und seine Gedanken direkt und präzise darzulegen.

Gaivenis betrachtet die Terminologie als Teilgebiet der Lexikologie, betont jedoch zugleich, dass sie stark von anderen Wissenschaften abhängt und diesen dient (19). Diese in Litauen verbreitete „linguistische“ Auffassung der Terminologie wurde unmittelbar durch Arbeiten russischer Terminologen einer entsprechenden Richtung (z. B. V. Danilenko) beeinflusst und steht den Ansichten der Prager und kanadischen Terminologen nahe (vgl. Laurén, Picht, Hrsg. 1993: 533 ff.). Sie unterscheidet sich deutlich von den derzeit in Westeuropa vorherrschenden Auffassungen der Wiener Schule und der nordischen Terminologen, nach denen die Terminologie als eigenständiger Wissenschaftszweig gilt, der sich im Grenzbereich von Linguistik, Logik, Ontologie, Informatik und Fachwissenschaften herausbildet (Wüster 1974/2001:131 ff.), oder als Konstellation von Fachwissenschaften, Linguistik, allgemeiner Wissenschaftstheorie und Philosophie (Laurén, Myking, Picht 1998: 47). Wesentlich verschieden sind auch die Auffassungen dieser terminologischen Richtungen zum Verhältnis von Terminus und Begriff sowie von Terminologie zu Sprachpflege und Normierung (vgl. Laurn, Picht, Hg. 1993: 493 ff.).

Das Buch behandelt getrennt die Anforderungen an Termini (im ersten Kapitel) und die Grundsätze der Terminusbildung und -normierung (im vierten Kapitel). Obwohl der Autor die allgemeinen Anforderungen an Termini zugleich als Bewertungskriterien betrachtet und zwischen den Begriffen „Grundsatz“ und „Kriterium“ ein Verhältnis der Koordination, nicht aber der Subordination sieht (Gaivenis 1996a: 75–76), lässt sich ihr Zusammenhang nicht leugnen. Ihre Behandlung an verschiedenen Stellen führt zwangsläufig zu Wiederholungen und einer gewissen Verwirrung. So erweist sich der Grundsatz der Korrektheit als nichts anderes denn als Anforderung an die Korrektheit von Termini; der Autor verweist sogar auf die entsprechende Seite eines anderen Kapitels. Der Grundsatz der Systemhaftigkeit wird in diesem Kapitel überhaupt nicht behandelt (es wird lediglich sein Verhältnis zur Korrektheit angegeben) – offenbar kann er nichts anderes sein als das Kriterium der Systemhaftigkeit, das an Termini gestellt und im ersten Kapitel erörtert wird. In diesen Fällen stimmen die Bezeichnungen der Kriterien und Grundsätze überein. Sie können sich jedoch auch unterscheiden: Aus der Erläuterung des Ökonomieprinzips („Das Ökonomieprinzip besagt,“

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dass kürzeren Spracheinheiten der Vorzug zu geben ist“, S. 96) geht hervor, dass es mit der Anforderung an Termini nach Kürze übereinstimmt. Viele Anforderungen an Termini (Korrektheit, Präzision, Systemhaftigkeit, Kürze, stilistische Neutralität) entsprechen den Anforderungen, die sowjetische Terminologen an Termini stellten. Der Begriff „Terminuspragmatik“ stammt dagegen aus der westlichen Terminologie (der Autor nennt die Namen Cabré und Gajdos). Was umfasst dieser Begriff? In einem gleichnamigen Artikel wird die Auffassung der Terminuspragmatik auf die Anforderungen an die Zuverlässigkeit und Präzision von Termini eingeengt (Gaivenis 2000: 7). Im untersuchten Buch wird Terminuspragmatik lediglich als Zuverlässigkeit von Termini erklärt, während die Präzision von Termini als eigenständige Anforderung behandelt wird. Dieser oberflächliche Versuch, unterschiedliche linguistische Traditionen miteinander zu verbinden, erscheint nicht gelungen. Die Zuverlässigkeit von Termini ließe sich auch mit dem Autoritätsprinzip verknüpfen: Nicht zufällig geht es in beiden Abschnitten um standardisierte und von staatlichen Institutionen gebilligte Termini (vgl. S. 33 und 94 ff.).

Im zweiten Kapitel werden die Quellen der litauischen Terminologie erörtert. Darin werden die Auffassungen von S. Šalkauskis weiterentwickelt (vgl. S. 51, 57–58). Die Meinung des Autors weicht etwas von den Quellen der Terminologie ab, die S. Keinas nennt: das Wörterbuch der Literatursprache, volkstümliche Termini, Wortbildung, Entlehnung von Termini und Lehnübersetzungen (vgl. Keinys 1980: 60–96).

Die Geschichte der litauischen Terminologie wird im dritten Kapitel des Buches ausführlicher als Geschichte der Terminografie untersucht. Im fünften Kapitel, „Richtungen, Schulen und bedeutende Forscher der Terminologie“, wird sie nur in groben Zügen skizziert. In diesem Kapitel werden die Besonderheiten der litauischen Terminologie der Nachkriegszeit kurz und recht treffend beschrieben: ideologische Fesseln, Abhängigkeit von der russischen Terminologie und Mangel an ausländischer theoretischer Literatur. Diese Umstände spiegeln sich zum Teil auch im untersuchten Werk wider. Die Theorien von E. Wüster und H. Felber werden äußerst knapp und nur in allgemeinen Zügen dargestellt. Etwas eingehender behandelt wird die Monografie von S. Gajda Wprowadzenie do teorii terminu. Weitaus ausführlicher werden die Theorien sowjetischer Terminologen behandelt – D. Lotte, T. Kandelaki, V. Danilenko, S. Superanskaja, N. Podolskaja und N. Vasil’eva. Der Abschnitt über S. Šalkauskis’ Terminologietheorie stützt sich auf einen Artikel, der veröffentlicht wurde, nachdem die ideologische Aufsicht über die Wissenschaft nachgelassen hatte (Gaivenis 1983). Im Übrigen ist im Buch der Einfluss von Šalkauskis’ Auffassungen auf den Autor erkennbar; in mancher Hinsicht könnte man ihn als Fortführer von Šalkauskis’ Ideen betrachten: Es werden dieselben grundlegenden Quellen der Terminologie unterschieden (sogar ihre Rangordnung im Buch entspricht derjenigen in Šalkauskis’ Arbeiten), die allgemeinen Grundsätze der Reinheit und Stabilität der Terminologie sowie der Zweckmäßigkeit der Wortbildung hervorgehoben und die Extension und Intension von Termini erörtert. Im Buch ist der starke Einfluss der Terminologen der ehemaligen Sowjetunion (insbesondere Lotte und Danilenko) auf den Autor sichtbar: die Untersuchung des Verhältnisses zwischen Professionalismen und Terminologie, die vier grundlegenden Arten der Terminusbildung und die normierende Bewertung der Terminologie. In den seltenen Fällen, in denen Auffassungen westlicher Terminologen skizziert werden, stützt sich der Autor nur auf Sekundärquellen (vgl. S. 16, 19, 22, 110–112). Eine Ausnahme bildet wohl nur die Monografie von S. Gajda. Im Literaturverzeichnis fand ich nur vier Veröffentlichungen westlicher Terminologen (das ins Litauische übersetzte Moderniosios literatūros teorijos žinynas von J. Hawthorn nicht mitgerechnet). Heute ist dies bereits ein ernstes Defizit der Monografie (und der litauischen Terminologie insgesamt?), das so schnell wie möglich behoben werden muss. Im Übrigen ist die Angabe bibliografischer Daten im Literaturverzeichnis uneinheitlich; außerdem vermisste ich die Arbeiten des Autors selbst. Die Namen ausländischer Linguisten werden im Buch uneinheitlich wiedergegeben. Ein Sachregister wäre für das Buch sehr nützlich gewesen.

Das Buch als Ganzes lenkt den Leser in die Vergangenheit der Terminologie, auf das, was war und wie es war, und nicht in die Zukunft: Es stellt weder die Aufgaben dar, vor denen die litauische Terminologie steht, noch benennt es ihre Schwachstellen; problematische Fragen werden kaum erörtert. Es ist eine Zusammenfassung des bereits zurückgelegten Weges der litauischen Terminologie.

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5. Jolanta Gelumbeckaitės Buch Syntax der Kasus- und Präpositionalkonstruktionen im Lukasevangelium der Bibel von Jonas Bretkūnas (Vilnius: Verlag des Instituts für Litauische Sprache, 2002, 300 S.) Das Institut für Litauische Sprache begründet eine neue Reihe „Opera linguistica Lithuanica“, in der Monografien veröffentlicht werden sollen, die auf der Grundlage verteidigter Dissertationen verfasst wurden. Mit dieser Reihe sollen wertvollere Forschungsarbeiten junger Litauisten der Wissenschaftsgemeinschaft leichter zugänglich gemacht werden. Gelumbeckaitės Monografie wurde auf der Grundlage ihrer 1999 verteidigten Dissertation (Betreuer – V. Ambrazas) erstellt. Wie auf dem Buchumschlag steht, handelt es sich um „eine nur geringfügig überarbeitete Dissertation“.

Das von der Autorin gewählte Forschungsthema ist interessant und aktuell, denn bislang gibt es in der litauischen Sprachwissenschaft nur wenige syntaktische Untersuchungen, die auf einer textologischen Analyse der Übersetzungsbeziehungen zum Original (oder zu den Originalen) beruhen. Es ist nicht verwunderlich, dass die Monografie bereits eine positive Rezension erhalten hat (vgl. Švambarytė 2003). Das Buch besteht aus einer Einleitung, zwei Kapiteln („Ergänzung“ und „Adverbialbestimmungen“), Schlussfolgerungen, einem Quellen- und Literaturverzeichnis, Erläuterungen der Abkürzungen und einer deutschen Zusammenfassung. Die Einleitung und beide Kapitel beginnen mit Zitaten aus den Briefen des heiligen Hieronymus.

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Synonymie von Kasus- und Präpositionalfügungen zu untersuchen und durch den Vergleich mit den Originalen das Entstehen dieser syntaktischen Muster sowie Entwicklungstendenzen zu bestimmen (vgl. S. 11 f.). In der Einleitung erklärt die Autorin, sie habe sich vor allem auf das „Verhältnis zwischen vom Verb abhängigen Kasus- und Präpositionalfügungen, den Ersatz von Kasus durch Präpositionalfügungen und umgekehrt“ konzentriert (S. 13), also auf syntaktische Synonymie. Obwohl die syntaktischen Einheiten im Folgenden semantisch interpretiert werden, gehört die syntaktische Semantik nicht zum Gegenstand dieser Arbeit. Einen gewissen Ausgangspunkt auf der semantischen Ebene benötigte die Autorin, um Varianten des syntaktischen Ausdrucks zu gruppieren und ihre Beziehungen zueinander zu untersuchen. Dafür hätte es völlig ausgereicht, sich auf die Bedeutung der Verben zu stützen, die Kasus oder Präpositionalfügungen regieren, also auf die lexikalische Semantik (genau so gruppiert die Autorin selbst das untersuchte Material). Die Berufung auf die Valenztheorie und die Einführung von Begriffen für semantische Funktionen in die Arbeit erscheinen weder durch das untersuchte Material noch durch die formulierten Forschungsziele begründet oder notwendig (bezeichnenderweise sind in den Schlussfolgerungen der Arbeit kaum noch semantische Begriffe zu finden). Darüber hinaus führt dies zu einer gewissen Verwirrung, da Begriffe der semantischen Sprachebene wahllos mit Begriffen der syntaktischen Ebene vermischt werden; die Notwendigkeit, sie strikt zu unterscheiden, hat auch der Betreuer dieser Arbeit, Vytautas Ambrazas, mehrfach betont (vgl.: „Die syntaktische und semantische Ebene in der ersten Analysestufe zu unterscheiden ist notwendig <...>, damit wir ihre Beziehungen genauer bestimmen können“ (Ambrazas 1986: 29)). So wird beispielsweise der syntaktische Begriff Ergänzung nicht nur anhand eines syntaktischen Merkmals definiert (sie ist durch eine subordinierende Beziehung mit dem Prädikat verbunden), sondern auch durch semantische Beziehungen – sie „ist dessen [des Prädikats!] notwendiger Begleiter“ (S. 15); auch die Beziehungen zwischen syntaktischen Einheiten – Prädikat und Ergänzungen – werden „nach der semantischen Valenz der Verben“ bestimmt (S. 15) usw. Vgl. auch folgende Vermischung semantischer Funktionen, syntaktischer Funktionen (Satzglieder) und Kasusbedeutungen: „In der Vulgata fungieren Präpositionalfügungen de+abl. als Instrumentalergänzung (sie werden synonym zum instrumentalen Ablativ verwendet und weisen einen partitiven Genitiv-Nebensinn auf [...])“ (S. 81).

In der Monografie behandelt die Autorin die syntaktischen Konstruktionen von Bretkūnas und den Bearbeitern seiner Arbeit (Haupttext und Korrekturen) als gleichwertige Varianten. Auf diese Weise werden Erscheinungen, die unterschiedlichen Idiolekten (vielleicht sogar unterschiedlichen Dialekten) angehören, miteinander vermischt. Die Arbeit wäre wertvoller, wenn Bretkūnas’ eigene Sprache und ihre Varianten getrennt von der Sprache der Übersetzungsbearbeiter untersucht würden.

Im ersten Kapitel der Monografie wird der Ausdruck objektiver semantischer Funktionen in der ausgewählten Quelle untersucht. Bei der Interpretation einzelner Übersetzungsstellen treten Ungenauigkeiten auf. So wird etwa im Beispiel Lk 2,26 (Tabelle 2, S. 38) der Akkusativ Chriſtų nicht, wie behauptet, von einem negativen, sondern von einem positiven Partizip regėjęs regiert; das Wörtchen net ist in diesem Satz eine Konjunktion und keine Negationspartikel (dasselbe gilt für die Fußnote 56

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auf S. 40). Im Satz Lk 14,24 (S. 39) wird der Akkusativ nach dem Verb ragauti durch die Valenz dieses Verbs erklärt. Diese Erklärung ist vollkommen richtig, doch das Beispiel selbst eignet sich überhaupt nicht für eine Erörterung mit den Negationsakkusativen, da das Verb darin (wie auch in den lateinischen und deutschen Texten) ohne Negation steht! Die Form dufches im Satz Lk 14,26 (S. 39) wird als Negationsakkusativ aufgefasst, der in einer vom ihn regierenden negativen Verb entfernten Position verwendet wird. Plausibler wäre es jedoch, sie als Genitiv Singular anzusehen (dufche: dufches), denn auch im lateinischen (ebenso wie im deutschen) Original stehen die entsprechenden Formen im Singular; außerdem ersetzte Gallus dieses Wort durch fsziwata, das zweifellos im Genitiv Singular steht (diese Korrektur wird von der Autorin weder gekennzeichnet noch besprochen). Das Wörtchen neg im Lk-Satz 22,68 (Tabelle 3, S. 41) ist nicht als Negationspartikel, sondern als Konjunktion anzusehen; die darauf folgende Verbform ist positiv. Bei der Besprechung der Wörter, die Ergänzungen mit Kontentivfunktion regieren, werden auch „nominale Fügungen mit Adjektiven, die einen psychischen bzw. physischen Zustand bezeichnen, pilnas, gyvas“ erwähnt (S. 48). Gemeint sind hier vermutlich nominale Prädikate, die mit den genannten Adjektiven durch die Kopula būti gebildet werden (vgl. S. 62); man könnte sie zwar auch als Fügungen ansehen, aber nicht als nominale, sondern als verbale. Der Instrumental bei dem Verb pasotinti in Lk 15,16 und der Fügung sočiam būti in Lk 16,21 wird als Instrumental des Mittels angesehen (S. 81). Es gibt hier jedoch mehr Anlass, eine semantische Kontentivfunktion anzunehmen, zumal sie in der lateinischen Quelle nicht durch einen Ablativ, sondern durch Konstruktionen mit der Präposition de wiedergegeben werden.

Im zweiten Kapitel, das den größten Teil der Monografie ausmacht, werden adverbiale semantische Funktionen untersucht. Die Adverbialbestimmungen werden in diesem Kapitel kurzerhand mit semantischen Funktionen gleichgesetzt (vgl. S. 84–85), doch bei Weitem nicht alle von ihnen besetzen Argumentpositionen, die von Prädikaten eröffnet werden. Nach der traditionellen Klassifikation der Adverbialbestimmungen werden die semantischen Funktionen von Ort, Zeit, Art und Weise, Grund und Zweck unterschieden.

Die semantische Ortsfunktion wird weiter in einen Ort im Inneren und einen Ort außerhalb untergliedert. Der Ort zwischen etwas wird aufgrund der Bedeutung der syntaktischen Konstruktion oder des abhängigen Wortes als Unterklasse des Ortes im Inneren behandelt (S. 116). Der Ort im Inneren wird seinerseits in einen Ort in einem begrenzten Raum, einen Ort auf einer Fläche und einen Ort in einer Umgebung unterteilt (S. 86). Dabei stützt man sich auf die lexikalische Semantik: konkrete Substantive mit Ortsbedeutung (dangus, tėviškė etc.) werden der ersten Gruppe zugeordnet (S. 88), abstrakte Substantive (tamsuma) und Personenbezeichnungen dagegen der dritten Gruppe (S. 106); Substantive, die eine Fläche bezeichnen (patalas) – im Grunde eine Unterklasse der konkreten Substantive – werden als dritte Gruppe ausgesondert (S. 104). Außerdem wird dem Ort im Inneren die Funktion des inneren Zustands zugeordnet. Dabei stützt man sich auf die Bedeutung des abhängigen Substantivs, des regierenden Verbs oder der Konstruktion (S. 110–111). Die Funktion des Handelns im Bewusstsein wird anhand der Bedeutung des regierenden Verbs (verba dicendi, sentiendo, cogitandi) und des abhängigen Substantivs (gewöhnlich eines Personalpronomens) bestimmt (S. 114). Der Ort außerhalb wird weiter in einen Ort auf einer Oberfläche, darunter oder daneben unterteilt. Wie ersichtlich, beruht diese recht komplexe Klassifikation auf unterschiedlichen Kriterien und ist nicht besonders konsequent. Die Bedeutung des inneren Zustands kann sich von der des Handelns im Bewusstsein nur durch die Bedeutung des regierenden Verbs unterscheiden; daher dürfte das Beispiel Apd 19,21 (S. 111) mit dem verbo cogitandi nudumoio eher der letztgenannten Gruppe zuzuordnen sein. Auch die Grenze zwischen konkreten und abstrakten Substantiven ist unscharf; daher unterscheidet sich das Beispiel Mt 4,16 (sėdėti šešėlyje) (S. 107) kaum von Lk 23,25 (apkal tas buvo turme) (S. 92). Vermutlich hätte es genügt, eine einzige semantische Ortsfunktion anzusetzen und den Einfluss der semantischen Oppositionen ‘innen’: ‘außen’; ‘konkret’: ‘abstrakt’, ‘belebt’: ‘unbelebt’, ‘Mensch’: ‘Nicht-Mensch’ auf den syntaktischen Ausdruck in Übersetzung und Originalen zu untersuchen. Schwerer wiegt die Uneinheitlichkeit der Klassifikationskriterien: Auf ein und derselben Klassifikationsebene stützt man sich auf die Bedeutung des abhängigen (Ort im Inneren und dessen Unterklassen, teilweise innerer Zustand) und/oder des regierenden Elements (teilweise innerer Zustand,

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… (Vorgang im Bewusstsein) die Bedeutung des Wortes. Im letztgenannten Fall werden nicht mehr die semantischen Funktionen der Aktanten, sondern die Prädikate selbst untersucht.

Die semantische Zeitfunktion wird in zwei Unterklassen eingeteilt – einen bestimmten Zeitraum und eine begrenzte Zeit. Die Begriffe liegen zu nahe beieinander; die Autorin schlägt dafür bessere Synonyme vor (S. 185). Die Ausdrucksweise der Zeitfunktion wird durch die Oppositionen ‚Moment‘: ‚Periode‘ (Zeitmenge) und ‚Zeitbegriff‘: ‚kein Zeitbegriff‘ beeinflusst, die man zusammenfassend an einer Stelle hätte behandeln können.

Im Kapitel über Zeitangaben überschreitet die Autorin in mehreren Fällen die Grenzen des für die Dissertation gewählten Themas und behandelt den Ausdruck von Zeit durch Adverbien (S. 196, 197; Tabellen 27 und 30). Solche Fälle bestätigen, dass die Autorin das Material für ihre Arbeit unter Berücksichtigung sowohl des lateinischen als auch des litauischen Textes gesammelt hat (vgl. S. 85). Das ist natürlich kein Vergehen – dadurch wird der Text nur interessanter zu lesen und praktischer zu nutzen.

Die Schlussfolgerungen der Monografie (S. 227–249) sind übermäßig ausführlich. In etwas anderer Reihenfolge wird darin, nach dem Verhältnis der Übersetzung zum Original, wiederholt, was im Hauptteil ausgeführt wurde. Es handelt sich eher um eine Zusammenfassung der Arbeit als um Schlussfolgerungen; nicht zufällig bildet gerade dieser Teil der Arbeit die Grundlage der deutschen Zusammenfassung (Zusammenfassung!). (Hinzugefügt sind einige in der Arbeit kürzer behandelte Gegenstände.) In den Schlussfolgerungen sollten allgemeine methodische Fragen (Kapitel 1 und 2) nicht wiederholt werden, da sie lediglich Voraussetzungen der Arbeit darstellen. Neu in diesem Kapitel der Monografie ist die von der Autorin vorgelegte Typologie der Beziehungen zwischen Übersetzung und ihren Quellen (Abschnitt 3). Jeder Beziehungstyp wird gesondert behandelt. Erst bei der Untersuchung dieser Typen und Untertypen werden die Umstände und das Ausmaß des Einflusses der lateinischen und deutschen Originale bewertet (S. 245).

Den Wert der Monografie bilden die thematische Sammlung der Daten, ihre systematische Darstellung (das Buch enthält nicht weniger als 33 Tabellen!), die festgestellte Synonymie von Kasus- und Präpositionalfügungen in der Übersetzung, der konsequente Vergleich der Übersetzung mit den Originalen sowie die aufgezeigte Wirkung der Originale auf die Syntax der Übersetzung.

6. Daiva Atkočait ytės Studie Prosodie und Vokalismus der südsamogitischen Raseiniai-Mundart (Vilnius: Verlag des Instituts für Litauische Sprache, 2002, 224 S.) ist das zweite Buch der Reihe „Opera Linguistica Lithuanica“ und beruht auf der 2000 verteidigten Dissertation der Autorin. Das Buch ist ein gutes Beispiel für Arbeiten aus der Schule von Alekas Girdenis, dem Betreuer der Dissertation. Mit anderen Arbeiten dieser Schule verbindet es das Thema, die allgemeinen theoretischen Prämissen, die Terminologie, die Forschungsmethodik und die zahlreichen Verweise auf die Arbeiten des Lehrers und anderer Vertreter der Schule. Auch das Literaturverzeichnis (S. 191–197) ist recht typisch: Es enthält kaum theoretische Werke ausländischer Linguisten des betreffenden Fachgebiets.

Das Material hat die Autorin selbstständig gesammelt und gründlich experimentell untersucht. Die Forschungsergebnisse werden in nicht weniger als 44 Tabellen und 56 Abbildungen zusammengefasst; formuliert werden 12 abschließende Schlussfolgerungen. Die Selbstständigkeit zeigt sich auch im Aufbau des Buches, der sich in einigen wesentlichen Punkten vom Aufbau anderer Arbeiten derselben Schule mit ähnlicher Thematik unterscheidet (vgl. Bacevičiūtė 2001, Leskauskaitė 2001, Mažiulienė 1996, Murinienė 2000). Wertvoll sind die am Ende des Buches (S. 205–217) beigefügten Texte in der südsamogitischen Raseiniai-Mundart. Das von Violeta Meiliūnaitė erstellte Ortsnamenregister (S. 219–220) erleichtert das Auffinden der benötigten Sprachbelege.

Atkočait ytės Buch hat bereits eine ausführlichere Rezension von Vytautas Vitkauskas erhalten (Vitkauskas 2003) und wird daher in dieser Übersicht nicht näher behandelt.

7. In dem von Giedrius Subačius herausgegebenen dritten Band der vom Archivum Lithuanicum eingerichteten Reihe Bibliotheca Archivii Lithuanici X.D.K.P.S. Grammatik der litauischen Sprache: Anfang des 19. Jahrhunderts (Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädieverlag, 2002, 368) wird eine handschriftliche polnischsprachige Grammatik der litauischen Sprache veröffentlicht, Prawidła lęzyka Litewskiego Czyli Grammatyka Litewska.

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Das Buch besteht aus einem Vorwort, zwei analytischen Aufsätzen, einer kurzen Darlegung der Prinzipien zur Edition der Grammatiktexte, den fotografischen und transliterierten Texten der Grammatik selbst, der Übersetzung der Grammatik, einem vom Herausgeber anhand der Handschriftenüberschrift erstellten Inhaltsverzeichnis der Grammatik, einem Index litauischer Wörter und einem Sachregister.

Subačiaus straipsnis „X.D.K.P.S. gramatika (apie 1820–1830)“ (p. 10–49) remiasi, kaip pats autorius nurodo, jo monografijos „Žemaičių bendrinės kalbos idėjos. XIX amžiaus pradžia“ septintuoju skyriumi (Subačius 1998, 313–331). Šioje knygoje jis paredaguotas ir papildytas nauja medžiaga apie rankraštį ir jo istoriją. Pastaroji straipsnyje aprašyta ypač išsamiai (skyrius sudaro ketvirtadalį straipsnio). Gyvas pasakojimas skaitytoją intriguoja, kartais net įgauna detektyvo bruožų. Palyginti su monografija, gerokai papildytas skyrius apie gramatikos autoriaus problemą. Jis baigiamas svarbia išvada, kad skelbiamosios gramatika esanti „seniausioji, arba pirmoji, išlikusi žemaitiška lietuvių kalbos gramatika“ (p. 2). Specialiai šiai publikacijai parašytas skyrius apie gramatikos sandarą. Tačiau jis per daug trumpas ir bendras. Nuo pačios gramatikos nagrinėjimo greit nuslystama prie to meto kultūros konteksto (svarstomos galimos įtakos). Skyriuje „Kalbos ypatybės. Tarmės pasirinkimo intencijos“ daromos išvados, kad gramatikoje „ryškios tendencijos rašyti žemaitiškai“ (p. 32) ir „autorius orientavosi į žemaičius“ (ten pat). Tolesniems gramatikos kalbos studijoms svarbus skyrius apie jos aprašymo įvairovę. Silpniausi atrodo baigiamieji straipsnio skyriai, kuriuose autoriaus nagrinėjamos vadinamosios „mąstymo apie bendrinę kalbą kategorijos“ (Subačius 1998: 27t): gramatikos paskirtis ir jos autoriaus bendrinės kalbos samprata, rašomosios ir šnekamosios bendrinės kalbos skyrimas, taisyklių ir vartosenos santykis gramatikoje. Šių temų imtis autorių greičiausiai paskatino Petro Joniko studija (plg. Jonikas 1972: 25t). Šioje straipsnio dalyje daug spėlionių, neapibrėžtų, net neįrodomų teiginių, pavyzdžiui: „Tikriausiai autoriaus sąmonėje garsinis požymis turėjo metonimišką reikšmę – kaip dalis vietoj visumos atstovavo visiems sinkretiškai tesuvokiamiems požymiams“ (p. 40), „Tikėtiniausia, kad autorius turėjo būsimosios bk teritoriją įsivaizduoti sutampančią su Didžiosios Lietuvos lietuviškais etniniais plotais, neišskirti atskirai vien Žemaičių“ (p. 38).

Im Aufsatz vermisste ich Angaben zum Format der Handschrift: Ohne sie lässt sich nicht feststellen, ob die Fotokopien die Größe des Originals haben (bei der Erläuterung der Prinzipien zur Edition der Grammatiktexte (S. 88) wird dies nicht erwähnt). Es ist ungenau zu erklären, dass „nach den Paradigmen des Autors der sechste Kasus der Lokativ ist“ (S. 37). So ist im Paradigma des Substantivs brolis der sechste Kasus der Instrumental (S. 111); auch im ersten Deklinationsparadigma der Adjektive ist der sechste Singular-Kasus der Instrumental und nicht der Lokativ (S. 123). Die Stellung dieser Kasus im Paradigma wird also vom Verfasser der Grammatik verwechselt. Im Aufsatz variiert die Schreibung von Personennamen unbegründet, vgl. Sienkiewiczius (S. 15); Kamolowa, Rutkowskis (S. 17) und Malevskis, Čartoriskiui (S. 15); Sobolevskis (S. 16). Beim Lesen stört gelegentlich der Stil des Autors (z. B. der phonetische Aspekt könnte den Wunsch aufkommen lassen zu fragen, S. 39) oder die Gedankenführung (z. B. Man könnte annehmen, der Autor habe eine gewisse neue Tradition, einen Ansatz, einen Kern begründen wollen – obwohl er noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder allgemeine Verbindlichkeit erhob, S. 37). Unnötigerweise werden die vollständigen bibliografischen Angaben zu allen zitierten oder angeführten Werken zweimal aufgeführt: sowohl in den Fußnoten am Seitenende als auch im Literaturverzeichnis am Ende des Aufsatzes. Am meisten vermisste ich im Aufsatz eine zusammenhängende, systematische Beschreibung des litauischen Sprachmaterials in der Grammatik (es gibt lediglich eine Analyse ausgewählter phonetischer Merkmale) sowie eine Untersuchung des Aufbaus der Grammatik und ihres theoretischen Apparats (Definitionen, Termini) und einen Vergleich mit anderen Grammatiken jener Zeit.

Einen angenehmen Eindruck hinterlässt Halina Karaś’ interessanter und nützlicher Aufsatz „Die Besonderheiten der polnischen Sprache in der Grammatik X.D.K.P.S.“ (S. 50–87): Die Erforschung des Polnischen in Litauen und seines Zusammenwirkens mit dem Litauischen

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wird in der litauischen Sprachwissenschaft und Philologie kaum berücksichtigt; man gewinnt den Eindruck, dass diese Arbeiten schlicht unbekannt sind. Der Aufsatz untersucht die polnische Rechtschreibung und Phonetik des Verfassers der Grammatik, deren Morphologie, einige syntaktische Besonderheiten sowie Wörter, die sich vom heutigen Polnisch unterscheiden. Offenbar hatte sich die Autorin auch vorgenommen, „die in der Arbeit X.D.K.P.S. verwendete grammatische Terminologie zu beschreiben“ (S. 50); leider fand ich im Aufsatz nichts zu diesem Thema. Nach der Untersuchung des Polnischen in der Grammatik gelangt die Autorin zu dem bedeutenden Schluss, dass „die Grammatik in einer žemaitischen Variante der nördlichen Randdialekte der polnischen Sprache verfasst wurde“ (S. 84). Subačius’ Aufsatz ist recht gut übersetzt; nur die eine oder andere Kleinigkeit fiel störend auf. So scheint etwa statt des Terminus Kategorie der belebten Dinge („dies ist ein Beispiel für die Ausweitung der Kategorie der belebten Dinge <…>“, S. 71) Belebtheitskategorie besser; statt Regionalismus (S. 75 und fortfolgende) Regionismus. Bei der Übersetzung werden keine einheitlichen Grundsätze für die Schreibung von Eigennamen eingehalten, vgl.: Franciszko Mickeviciaus (S. 60), Franciszko Mickiewicziaus (S. 62) und Franciczeko Zabockio (S. 61, Fußnote 30); Adomo Mickevičiaus (S. 82), Kraševskio (ebd.), aber Słowackio (ebd.) usw. Die Informationen in den Fußnoten des Aufsatzes werden im Literaturverzeichnis nicht wiederholt – das spart sowohl Platz als auch Zeit für die Leser.

Die im Buch abgedruckten Fotokopien der Grammatik sind von recht guter Qualität. Das Original wurde sorgfältig und gewissenhaft abgeschrieben: Bei der Durchsicht von etwa einem Dutzend Seiten bemerkte ich nur einen eindeutigen Fehler: Męskego (=Męskiego), S. 113. Subačius’ Grammatik ist recht gut ins Litauische übersetzt. Dennoch gibt es in der Übersetzung noch Stellen, die korrigiert werden sollten, z. B.: „die besonderen werden genannt“ vadinami <…> und „Präsens Aktiv (=Passiv) Partizipien“ (S. 298, Fußnote 80); „Bei litauischen Verben wird die dritte Person sowohl im Singular als auch im Plural gleich ausgedrückt. [Die Personen] (=[Die Zahl]) werden ausgedrückt durch [=wird ausgedrückt] Substantive, Pronomen oder pronominale Partikeln“ (S. 299); „jedes beliebige litauische Pronomen (=jede beliebige Präposition), vorangestellt, lässt das auslautende s oder es weg“ (S. 314), vgl. w litewskim zaś dodany poprzednio jakikolwiek Przyimek; usuwa końcowe s. lub es. (S. 217); „Sollte diese Anmerkung mit dem Wort ‚wende dich ab‘ beginnen? Mit einem Substantiv, einem Pronomen (=einer Präposition), oder einem Adverb?“ (S. 317). In vielen Fällen wurden passende Entsprechungen für polnische Termini gewählt, etwa Trennzeichen (vgl. Die litauische Schrift hat dieselben Trennzeichen, die auch die Polen verwenden, S. 279) und Demonstrativpronomen, S. 290 f. (vgl. ukazujące Zaimki, S. 139 f.): Letztere entsprechen unseren Demonstrativpronomen nur teilweise. Den in der Grammatik besonders häufig verwendeten Terminus Form würde ich durch den Terminus Paradigma ersetzen; so wäre etwa Pięć Form Regularnych na Imiona Litewkie Rzeczowne mit Fünf regelmäßige Formen litauischer Substantive (=Paradigmen) (S. 281) zu übersetzen; und den Terminus Kon|trukcya (S. 231 f.) durch Syntax, wie es auch im Sachregister geschehen ist (S. 366).

Das von Subačius erstellte Inhaltsverzeichnis der Grammatik (S. 329–333) hilft, das Gesamtwerk, seinen Aufbau und die Proportionen seiner Abschnitte zu erfassen, und ist für den Leser durchaus nützlich. Gut ist, dass der Herausgeber den Bezeichnungen der Flexionsabschnitte jeweils ein Beispielwort hinzugefügt hat. Ähnlich hätte man auch den Inhalt der Anmerkungen, die der Verfasser der Grammatik lediglich nummeriert hat, kurz erläutern können, zum Beispiel: Anmerkung 4 [Grundformen der Verben].

Den benötigten litauischen Wortstamm oder seine Form zu finden, wird durch den von Subačius erstellten Wortindex (S. 334–362) erheblich erleichtert. Die Prinzipien seiner Erstellung werden im Buch nicht erläutert; daher kann ein Leser, der beispielsweise nach reflexiven Verben oder Substantiven mit verschiedenen Stammendungen sucht, mehr Zeit benötigen. Die Wortformen sind im Index in der Originalschreibung aufgeführt, die Stichwortformen hingegen in transponierter Schreibung.

Formen desselben Substantivs mit verschiedenen Stämmen werden im Index in getrennten Einträgen aufgeführt, jeweils unter unterschiedlichen Stichwörtern. So sind etwa die Formen Akmenis nom. sg. 13, akmeny gen. sg. 13, akmeney nom. pl. (nicht sg.!) 13 und Akmeniui gen. pl. 13 unter dem Eintrag akmenis aufgeführt.

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(zur Transponierung siehe unten), während die Formen akmow nom. sg. 13, akmenis nom. pl. 13 – im Artikel akmuo (S. 336) stehen. Auf diese Weise erwecken die angegebenen Formen nicht mehr den Eindruck eines einzelnen, sondern mehrerer Wörter: Es scheint, als habe der Verfasser der Grammatik zwei dieselbe Bedeutung aufweisende, aber unterschiedlich deklinierte Substantive, akmuo und akmenis, unterschieden. Hielte man konsequent an dem gewählten Prinzip fest, müsste auch die Form Žmones nom. pl. 72, die im Artikel žmogus (S. 362) angegeben ist, in einem anderen Artikel stehen als die Form Žmoneys nom. pl. 15, 16.

Die Formen der Personalpronomen der ersten und zweiten Person Singular und Plural (aš ir mes, tu ir jis) werden in einem Artikel angegeben, als wären es Singular- und Pluralformen derselben Pronomen (vgl. S. 337 und 359). Diese Art der Darstellung von Personalpronomen ist in der litauischen Lexikografie fest verankert (vgl. Girdenis, Girdenienė 1997: 72 ff. und 336 ff.). Gleichwohl wäre es nach den Arbeiten von V. Žulys und A. Rosinas (siehe Žulys 1969: 174–175, Rosinas 1995: 35 ff.) schwierig, eine solche Entscheidung zu begründen.

Zweifel weckte auch die Transponierung einiger Stichwortformen des Index. Die Stichwortform des Nominativs Singular von Substantiven, die dieselbe graphische Form – die Endung -is – aufweisen, wird uneinheitlich transponiert: teils mit kurzem -is, teils mit langem -ys, vgl.: aulys Aulis nom. sg. 87, kadagys Kadagis nom. sg. 91, vėžys Wiežis nom. sg. 99; dagegen brolis Bralis nom. sg. 39, Brolis nom. sg. 6, 10 usw. Die Transponierung mancher Formen ist zweifelhaft, z. B.: Aus Eyta nom. sg. 89, Eyra [=Eyta] nom. sg. 90 ist eilė (=eila), S. 342, transponiert (vgl. eilā, Vitkauskas 1976: 84); aus der Verbform Ketu praes. 1 sg. 91 ist die mit einem Suffix versehene Form ketinti (=ketėti), S. 347, transponiert (vgl. ketėti, kėta, -ėjo, LKŽ 5: 649); aus Kurtas nom. sg. m. 91 – kurčias, -a (=kurtas, -a), S. 347 (vgl. kurtas, -à, Vitkauskas 1976: 162; 2 kurtùs, -à, LKŽ 6: 973); aus Mądrus nom. sg. m. 93, Mądresnis nom. sg. m. comp. 77 – mandras, -a (=mandrus, -i), S. 348 (vgl. mandrùs, -ì, Vitkauskas 1976: 187) und dergleichen. Auch bei den Verweisen auf Indexformen kommen Fehler vor, z. B.: akis im Artikel 14 akis (S. 336) ist nicht acc. pl., sondern nom. pl.; Akmeney im Artikel 13 akmenis (S. 336) ist nicht nom. sg., sondern nom. pl.; das Wort arba (S. 336) ist keine Präposition (praep.), sondern eine Konjunktion (conj.) usw.

Am Ende des Buches steht ein Sachregister zur Grammatik (S. 363–366). Wie der Inhalt der Grammatik ist auch dieses nach den Zwischenüberschriften des Manuskripts angelegt. Ob der Leser im Register Themen wie nacionaliniai būdvardžiai, ypatingieji būdvardžiai, jungiamoji nuosaka usw. suchen wird, ist fraglich. Nützlicher wäre wohl ein Register gewesen, das anhand der heutigen Entsprechungen für die Beschreibung der grammatischen Struktur erstellt worden wäre.

Die umfangreiche und schwierige Arbeit, die Subačius geleistet hat, ist in vielerlei Hinsicht positiv zu bewerten. Besonders lobenswert sind die Übertragung des Manuskripts, seine Vorstellung und der Überblick über seine Geschichte sowie die Beschaffung des Artikels von Karas. Nun ist diese handschriftliche Grammatik der litauischen Sprache für Wissenschaftler leicht zugänglich, was auf spezielle Untersuchungen zu ihr hoffen lässt.

8. Gesammelte Aufsätze von Zigmas Zinkevičius Gesammelte Aufsätze In den ersten Bänden (I: Ursprung der litauischen Sprache und ihre Beziehungen zu den Nachbarsprachen. Historische Grammatik. Ursprung der Dialekte. Dialektologie. Ursprung der Schriftsprache, Vilnius: Litauische Katholische Akademie der Wissenschaften, 2002, 646 S.; II: Staat und Sprache. Die Sprache der alten Schriften. Schriftsprache des 18.–19. Jahrhunderts. Das 20. Jahrhundert. Ostlitauen, Vilnius: Litauische Katholische Akademie der Wissenschaften, 2002, 624 S.) werden wissenschaftliche Artikel, die über vier Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Publikationen erschienen sind, sowie zu aktuellen Fragen für die Öffentlichkeit verfasste Beiträge erneut veröffentlicht. So steht beispielsweise neben dem in Baltistica veröffentlichten Artikel „Über den Ursprung der litauischen Schriftsprache“ (I: 516–525) ein populärwissenschaftlicher Artikel zum selben Thema aus der Zeitschrift Wissenschaft und Leben, „Wie die Sprache der litauischen Schriften entstand“ (I: 499–502), sowie ein auf Grundlage beider verfasster französischer Artikel „Quelques remarques sur les sources de la langue des écrits lituaniens au

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XVIe et au XVIIe siècles“ (I, S. 503–508). Selbstverständlich lässt sich in einer solchen Sammlung Wiederholung nicht vermeiden; der Autor hat dies auch nicht beabsichtigt (vgl. I, S. 7). Dennoch muss man einräumen, dass die Kriterien für die Auswahl der Beiträge weder streng noch klar formuliert waren. Die Grundidee des Werkes, sein Zweck und seine Zielgruppe bleiben unklar. Das Signet der Litauischen Katholischen Akademie der Wissenschaften, der Redaktionsrat und die Redaktionskommission, das Format und das zurückhaltende Design weisen in Richtung einer wissenschaftlichen akademischen Publikation (solche Aufsätze machen den größten Teil der ersten Bände aus). Die für die Öffentlichkeit bestimmten populären Beiträge hätten eine eigene Publikation oder zumindest einen eigenen Band dieser Ausgabe bilden können. Zweifel weckt auch die Entscheidung des Autors, öffentliche Erklärungen in die Sammlung aufzunehmen, die er nicht selbst verfasst, sondern „nur ergänzt oder korrigiert, in seltenen Fällen lediglich unterschrieben“ hat (II, S. 5). Begründet wird diese Entscheidung mit den Schwierigkeiten, in solchen Beiträgen den vom Autor verfassten Text abzugrenzen, sowie mit der inhaltlichen Nähe der dargelegten Gedanken zu den Ansichten des Autors. Dennoch hätte man die öffentlichen Erklärungen von den wissenschaftlichen Aufsätzen trennen können (etwa indem man sie in den geplanten Band mit Gesprächen mit Pressevertretern aufnahm).

Im Vorwort zum ersten Band erklärt der Autor, die nachgedruckten „Texte [würden] im Allgemeinen nicht redigiert, sondern so wiedergegeben, wie sie seinerzeit veröffentlicht wurden“ (I, S. 8), „an einigen Stellen seien lediglich linguistische Termini vereinheitlicht“ (ebd.) und „Druckfehler korrigiert“ worden (I, S. 9). Diese Aussagen sind unzutreffend: Die nachgedruckten Texte wurden von der erfahrenen Redakteurin Agota Striubienė sorgfältig durchgesehen. Ein Vergleich des im ersten Band nachgedruckten Aufsatzes „Rytietiškoji XVII a. lietuvių raštų kalba, jos kilmė ir išnykimas“ (I, S. 477–499) mit seiner Erstveröffentlichung in der Zeitschrift Baltisticos (Zinkevičius 1972) zeigt beispielsweise zahlreiche Korrekturen von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Verwendungen, die den heutigen Sprachnormen nicht entsprechen.

Bei der Aktualisierung der Rechtschreibung wurde die Getrennt- oder Zusammenschreibung der Partikeln galbūt (I, S. 481, 484) und der Wörter šiaip jau (I, S. 486, 487, 488, 491x2, 492 usw.) konsequent geändert. Gebetsnamen werden nun großgeschrieben, z. B. Viešpaties maldos (I, S. 489), Tikėjimo išpažinimo (ebd.). Übertrieben wurde bei der Kleinschreibung von iki spalio revoliucijos (I, S. 490, Fußnote 80): Erstens ist es die Bezeichnung einer Revolution; zweitens wurde der Buchtitel korrigiert.

In vielen Fällen wurde die Zeichensetzung bearbeitet. antai (I, S. 487, 494), apskritai (I, S. 479), galbūt (I, S. 481, 484), greičiausiai (I, S. 486), taigi (I, S. 481, 488, Fußnote 68) werden nicht mehr durch Kommas abgetrennt. Umgekehrt gelten matyt (die frühesten handschriftlichen Texte <...> wurden offenbar noch vor der Herausbildung der Schriftsprache verfasst, I, S. 481) und be abejonės (der Schreiber des Textes stammt zweifellos aus dem Gebiet von t(v), d(v) > c(v), dz(v), I, S. 484) als Einschübe und werden im Nachdruck beidseitig durch Kommas abgetrennt. Erweiterte Partizipial- und Gerundialbestimmungen werden nicht mehr durch Kommas abgetrennt: Šis žodynas turėjo didelę reikšmę norminant rytietišką raštų kalbą (I, S. 478), Einant pietų link nėrnyški izofona vis išnyksta sulenki tame plote (I, S. 486; vgl. auch I, S. 490, 496). Es gibt auch gegenteilige Fälle, zum Beispiel wird eine erläuternde Bestimmung im Nachdruck durch Kommas abgetrennt: Po 72 metų, t. y. 1977 m., Vilniuje buvo išleistas antras rytietiškas katekizmas (I, S. 479). Vergleichende Wendungen werden nicht mehr durch Kommas abgetrennt (I, S. 477, 485, 494), z. B.: reformatų veikėjai neįvertino lietuvių kalbos kaip priemonės siekti savo tikslų (I, S. 493). Der Gedankenstrich zwischen den Zahlwörtern po vieną du wurde auf S. 484 in Band I entfernt. In manchen Fällen hätte die Zeichensetzung noch weiter vereinfacht werden können, zum Beispiel im Satz Reikia manyti, kad, įsteigus Vilniaus (1387 m.), vėliau ir žemaičių (1417 m.) vyskupystes, jau būta išverstu į lietuvių kalbą ne tik poteriu (I, S. 491).

Beim Nachdruck wurde in vielen Fällen eine Verbesserung des Stils angestrebt, z. B.: J. Jaknavičiaus, taip pat kilusio iš vietovės (<vietos), esančios toliau nuo an || un izofonos I, S. 483; kurios dar gerokai įvairuoja priklausomai nuo kirčio ir priegaidės (<žiūrint kirčio ir priegaidės) I, S. 484; Čia ieškoti mums rūpimos raštų kalbos ištakų, žinoma, nėra prasmės (<netenka) I, S. 484; Vilniaus artimųjų apylinkių (< apylinkių) vor der Konvergenz gehörte man wahrscheinlich (<greičiausia) zum Gebiet II, I, S. 486; wo

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Es hat, wie wir gesehen haben, keinen Sinn, nach den Ursprüngen der Schriftsprache des 17. Jahrhunderts zu suchen (<es lohnt sich nicht) I, S. 486; Polonisierung (<Polonisierungsprozess) hatte auch sie bereits erfasst I, S. 492; im öffentlichen Staatsleben (<im staatlichen Leben) I, S. 493; die Jesuiten erkannten die Bedeutung der Verbreitung der Glaubenswahrheiten (<religiösen Wahrheiten) in einer für alle Landesbewohner (<breitere Bevölkerungsschichten) verständlichen Sprache I, S. 493; Die Buchautoren und Übersetzer stammten aus den privilegierten Bevölkerungsschichten von Vilnius (< waren Vertreter der privilegierten Bevölkerungsschichten von Vilnius) I, S. 493; die Sprache des Katechismus ist relativ einheitlich (<vereinheitlicht) I, S. 495; Der Grad ihrer Einheitlichkeit (<Vereinheitlichung) wurde durch die damaligen Bedingungen bestimmt (<festgelegt) I, S. 495; sie belegen die starke Polonisierung (<den Grad der Polonisierung) der damaligen litauischen Priester, die diese Texte verfassten I, S. 497; es kommen auch Korrekturen in die entgegengesetzte Richtung vor: die meisten (<die Mehrheit) der Geistlichen, besonders der höheren, waren Polen I, S. 492.

Die Bildung und der Gebrauch einiger Formen wurden korrigiert. Die Bildung der Komparativformen von Adjektiven wurde vereinfacht: früherer > früher (I, S. 479, 497), späterer> später (I, S. 479, 483x2, 484 und andernorts); beibehalten wurden jedoch im früheren (I, S. 490), in den früheren (I, S. 495), in den späteren (I, S. 495, Fußnote 101). In ähnlicher Weise wurde die Bildung von Adverbien korrigiert, z. B.: Hier werden sie überall fakultativ (<fakultativisch) gebraucht (I, S. 486). Die neutrale Form des Superlativs von Adjektiven wurde durch entsprechende Adverbien ersetzt: In der Stadt Vilnius <...> schwankte man damals wahrscheinlich (<am wahrscheinlichsten) übermäßig zwischen č, dž und c, dz I, S. 485; wahrscheinlich (<am wahrscheinlichsten) verlief sie an der nordwestlichen Seite der näheren Umgebung Vilnius’ I, S. 486. Maskuline Formen wurden durch feminine ersetzt, z. B.: hier sind die Formen mit Jot sehr verbreitet (<verbreitete) sowie entsprechende Formen anderer Wortarten mit pronominaler Flexion I, S. 484–485. Auch der Gebrauch der Kasus wurde korrigiert: es gibt <...> in vielen kurzen Texten nicht (sie könnten zufällig nicht hineingelangt sein (<in ihnen)) I, S. 487; sie schrieben in ihren Mutterdialekten, die mit Merkmalen anderer Dialekte durchsetzt waren (<mit Merkmalen) I, S. 497;

Folgende lexikalische Korrekturen sind zu beobachten: hier und da schimmerten (<traten hervor) einzelne Elemente des Mutterdialekts durch (I, S. 481x2; ähnlich korrigiert auch I, S. 495); keine (<nicht einmal) der heutigen Unterdialekte des ostaukštaitischen Dialekts I, S. 482; Andererseits (<von der anderen Seite), scheint es überhaupt keine Belege zu geben, die gegen den vilniusischen Ursprung der untersuchten Schriftsprache sprächen; jedenfalls ist es bisher nicht gelungen, solche zu entdecken (<aufzuspüren) I, S. 488; Liebe zur litauischen Sprache <...> ist in den ostlitauischen Schriften nicht zu finden (<nicht aufzuspüren) I, S. 493–494; Glaubensbücher waren hauptsächlich nicht unmittelbar (<direkt) für das Volk bestimmt I, S. 494; In den ersten (<früheren) Schriften gab es viel mehr sprachliche Schwankungen <...> als in den späteren (<später entstandenen) I, S. 494; sie verwendeten (<gebrauchten) <...> Bücher religiösen Inhalts I, S. 496.

Obwohl sorgfältig korrigiert wurde, blieben dennoch einige im Hinblick auf die heutigen Normen fragwürdige Stellen erhalten, vgl.: darüber wird weiter unten gesprochen I, S. 483; im Gegensatz zu den oben erwähnten Gebieten I, S. 485; in dieser Region nach den Ursprüngen der Schriftsprache des 17. Jahrhunderts zu suchen, erübrigt sich, wie wir gesehen haben I, S. 487, Fußnote 67; Die Sprache der Schriften von K. Sirvydas <...> unterscheidet sich im Wesentlichen in nichts von der Sprache des gesamten übrigen ostlitauischen Schrifttums des 17. Jahrhunderts I, S. 488.

Einige Korrekturen der Herausgeberin verändern die Bedeutung des Textes geringfügig, vgl.: sprachliche Unterschiede (sie alle sind (<ganz) unbedeutend) I, S. 481; In den ersten (<frühen) kleinen Texten I, S. 483; in der Ausgabe von „Agenda parva“ aus dem Jahr 1616 (<Ausgabe) I, S. 488, Fußnote 69 (ähnlich wurde auch in I, S. 497, Fußnote 112 korrigiert); Die ersten Vaterunser mussten in den ostaukštaitischen Dialekt gesprochen (<übersetzt) werden (<Dialekt) I, S. 490; in ihm nahm die Zahl der Vertreter anderer Dialekte zu <...> (< der Vertreter <...> Element) I, S. 490 (der Satz blieb unklar); [handschriftliche Texte] blieben auf einer leeren Seite des gedruckten Buches eingetragen (<eingebunden) I, S. 492; die Sprache dieser Literatur <...> ist vergleichsweise einheitlich (<homogen) I, S. 494; Die Person, die die Vaterunser eingetragen hat, <...> lässt sich möglicherweise aus der Gegend nordöstlich von Vilnius erschließen (<erschließen) I, S. 494.

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ARTŪRAS JUDŽENTIS

Nicht selten wurde die Wortstellung des Autors verändert, zum Beispiel: Der Autor untersuchte die Sprache des Katechismus von 1605 aus dialektologischer Perspektive und stellte fest I, S. 481, vgl. Der Autor untersuchte die Sprache des Katechismus von 1605 aus dialektologischer Perspektive und stellte fest Zinkevičius 1972: 83; in der St.-Johannes-Kirche und anderen Kirchen hielt er sogar zehn Jahre lang auf Litauisch Predigten für die Stadtbewohner I, S. 488, vgl.: sogar zehn Jahre lang auf Litauisch Predigten für die Stadtbewohner in der St.-Johannes-Kirche und anderen Kirchen gehalten Zinkevičius 1972: 90. Die Wortstellung blieb unkorrigiert: hier sind Formen mit Jot sehr verbreitet (<verbreitete) <...>: baltój, baltiej > balčiej, baltuoj I, S. 485–486.

Citatos straipsnį rengiant perspausdinti nepatikrintos ir nepataisytos. Pavyzdžiui, cituojant K. Jablonskio straipsnį jau 1972 m. bendra kalba pakeista į bendrinė kalba (Zinkevičius 1972: 91; plg. I 490), platesniems klodams – į platesiesiems klodams (ten pat); perspausdinant straipsnį citata dar panorminta: Ta tarmė <...> nebuvo, žinoma, nustatyta, ja (<ji) savaime virto centro tarmė (I, p. 490).

Auch die englische Zusammenfassung des Artikels wurde geringfügig überarbeitet, I 498–499: Im Titel wurde rise ‚Ursprung‘ durch origin; Great Dukedom of Lithuania ersetzt; Grand Duchy of Lithuania wurde durchgehend verwendet, einige syntaktische Konstruktionen sowie jeweils einige Präpositionen und Artikel wurden korrigiert.

Beim Nachdruck wurden Druckfehler korrigiert, zum Beispiel: die letzten (<pasukutini) (I, S. 485, Fußnote 59); Gwagnini (<Gwagnin) (I, S. 494, Fußnote 98), orthodoxen (<provoslavų) (I, S. 490). Nicht korrigiert wurden unter anderem: Merkinės (Dialekt von Turgeliai (>Turgelių) I, S. 489; aiškai (>deutlich) I, S. 494; diese Texte waren besonders im 18. Jahrhundert von Polonismen nur so durchsetzt I, S. 497.

Wie so oft sind beim Nachdruck neue Fehler entstanden. So war das Kabel in Fußnote 52 (I, S. 484) weder vorhanden noch erforderlich; der Titel des Werkes von J. Otrębski in Fußnote 34 (I, S. 480) wurde kleingeschrieben; in der Übersetzung des Titels von R. Belarmins Katechismus in Fußnote 18 (I, S. 479) ist ein überflüssiges Kabel hinzugekommen (nach dem Wort Anno).

Im Vorwort des Autors wird festgelegt, die Schreibweise ausländischer Familiennamen und Personennamen nicht zu vereinheitlichen, da sie „in Litauen ständig wechselte und keine Einheitlichkeit aufwies“ (I, S. 8). Dennoch wäre es nicht besonders schwierig gewesen, die Schreibweise der Personennamen beim erneuten Druck zu verschiedenen Zeiten veröffentlichter Beiträge zu vereinheitlichen; der Band wäre dadurch geschlossener und leichter benutzbar geworden.

Im Band wurde die Darstellung bibliografischer Angaben zu Publikationen in den Fußnoten und Literaturverzeichnissen nicht vereinheitlicht. Auch Fehler in den Verweisen blieben stehen. So wird etwa in Fußnote 76 auf S. 489 angegeben: K. Jablonskis, Senoji lietuviška knyga, Kaunas, 1947, 104–105. Tatsächlich ist K. Jablonskis weder der Autor des genannten Buches noch dessen Herausgeber (verantwortlicher Herausgeber war V. Mykolaitis) – in diesem Sammelband ist sein Artikel „Mažvydo gyvenimas ir aplinka“ enthalten, der in der Fußnote hätte angegeben werden müssen. Derselbe Fehler wird auch in den Fußnoten 90 und 93 des Artikels wiederholt. Fehler finden sich ebenfalls bei den Titeln alter litauischer Schriften. So steht im Titel von K. Sirvydas’ Punktų sakymų (S. 478, Fußnote 8): kazan (>kazan), Jezykiem (>Językiem); nach dem Wort Litewſkiem fehlt das Wort Przez, W Wilne (>W Wilnie); auch die Verwendung und Nichtverwendung einiger diakritischer Zeichen ist fragwürdig.

In den Fußnoten wirken die Vermerke wird gedruckt bei längst erschienenen und sogar im selben Band erneut veröffentlichten Artikeln des Autors befremdlich (vgl. I, S. 479, 482, 490, 494, 496...). Auch der Verweis auf die künftige Monografie des Autors Die litauische Sprache in Vilnius im 17. Jahrhundert (I, S. 494, Fußnote 97) blieb stehen; soweit mir bekannt, ist sie bis heute nicht erschienen... (gemeint war wahrscheinlich das Buch Lietuvių antroponimika. Vilniaus lietuvių asmenvardžiai XVII a. pradžioje, Vilnius: Mokslas, 1977).

Auch in anderen Fällen fehlen Anmerkungen des Autors und Hinweise auf Zusammenhänge zwischen zu verschiedenen Zeiten erschienenen Artikeln. So werden in den Fußnoten 58 und 100 des im ersten Band abgedruckten Artikels „Die ostlitauische Schriftsprache des 17. Jahrhunderts, ihr Ursprung und ihr Verschwinden“ Einzelheiten zu einem früher erschienenen und im zweiten Band nachgedruckten

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Die Aussagen des erwähnten Artikels „Über den Dialekt des Katechismus von etwa 1605“ (I, S. 485, 495) werden jedoch an der entsprechenden Stelle dieses Artikels nicht präzisiert; nicht einmal Verweise auf den späteren, im ersten Band der Sammlung abgedruckten Artikel werden angegeben (vgl. II, S. 48, 115). Solche und andere Fälle wecken Zweifel an der Anordnung der Artikel in der Sammlung. Die im letzten Kapitel des ersten Bandes, „Der Ursprung der Schriftsprache“, veröffentlichten Artikel stehen in engem Zusammenhang mit den im Kapitel „Die Sprache der alten Schriften“ des zweiten Bandes nachgedruckten Artikeln; daher wäre es zweckmäßig gewesen, sie in denselben Band aufzunehmen.

Die Artikelsammlung von Zinkevičius ist für jeden Linguisten (und Baltisten) ein nützliches Buch. Die in dieser Besprechung dargelegten Anmerkungen zur Vorbereitung der Publikation schmälern keineswegs den Wert der Artikel selbst.

Zum Abschluss der Besprechung seien, wenn auch nur kurz, einige nicht behandelte sprachwissenschaftliche Werke erwähnt, die 2002 erschienen sind. Dazu gehören Wörterbücher: vor allem der abschließende, zwanzigste Band des Lietuvių kalbos žodyno (Buchstabe Ž, Chefredakteur Vytautas Vitkauskas, Vilnius: Verlag des Instituts für Litauische Sprache, XXII, 1158 S.), die zweite, überarbeitete Ausgabe von Antanas Lyberis’ Sinonimų žodyno (Redakteur Jonas Paulauskas, Vilnius: Verlag des Instituts für Litauische Sprache, XIV, 586 S.) sowie eine elektronische Version der vierten Ausgabe des Dabartinės lietuvių kalbos žodyno (Chefredakteur Stasys Keinys, Vilnius: Institut für Litauische Sprache). An bedeutende Jubiläen der Sprachwissenschaft erinnern die von Zita Šimėnaitė und Jolanta Zabarskaitė herausgegebene Sammlung von Festschriftbeiträgen Dvidešimt Lietuvių kalbos žodyno tomų (Vilnius: Institut für Litauische Sprache, 48 S.) sowie der von Ona Aleknavičienė und Jolanta Zabarskaitė herausgegebene Katalog der internationalen Ausstellung Biblijos vertėjas Jonas Bretkūnas (Vilnius: Litauisches Kunstmuseum, 159 S.). Ein schönes Buch über die Lexikografin Bronė Vosylyte wurde von Kazys Morkūnas und Klementina Vosilytė herausgegeben (Bronė Vosylytė: kelias į didįjį Žodyną, Vilnius: Verlag des Instituts für Litauische Sprache, 198 S.).

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Artūras Judžentis

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