Page 1JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Institut für Litauische Sprache
Forschungsschwerpunkte: Dialektanalyse schriftlicher Quellen, Dialektlexikografie und -lexikologie, Soziolinguistik.
DAS HANDSCHRIFTLICHE WÖRTERBUCH VON MATAS SLANČIAUSKAS = AUS DER ENZYKLOPÄDIE. 1903
Das Wörterbuch = Aus der Enzyklopädie. 1903 – Das handschriftliche Wörterbuch von Matas Slančiauskas
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel stellt erstmals der wissenschaftlichen Öffentlichkeit das handschriftliche Wörterbuch von Matas Slančiauskas Žodynėlis = iš enciklopedijos. 1903 vor, das in der historischen Abteilung des Šiauliai-Museums „Aušra“ aufbewahrt wird. Besprochen werden die Struktur des Manuskripts sowie Lehnwörter aus verschiedenen Sprachen (Latein, Griechisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Sanskrit). Eine Abschrift des Wörterbuchs aus dem Jahr 1910 mit dem Zusatz „K. Barauskė“ wird mit dem Wörterbuch von 1903 verglichen. Die Unterschiede zwischen beiden Wörterbüchern werden herausgearbeitet. Das Material des handschriftlichen Žodynėlio = iš enciklopedijos. 1903 wird in den Anhängen des Artikels präsentiert.
ZUSAMMENFASSUNG
Der Artikel stellt erstmals der Öffentlichkeit das handschriftliche Wörterbuch von Matas Slančiauskas Das Wörterbuch = Aus der Enzyklopädie. 1903 vor. Das Wörterbuch wird in der historischen Abteilung des Šiauliai-Museums „Aušra“ aufbewahrt. Erörtert wird die Struktur des Manuskripts; außerdem werden Lehnwörter aus verschiedenen Sprachen (Latein, Griechisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Sanskrit) vorgestellt. Die Abschrift des Wörterbuchs von 1910 mit dem Nachtrag „K. Barauske“ wird mit dem Wörterbuch von 1903 verglichen. Die Unterschiede zwischen beiden Wörterbüchern werden hervorgehoben. Das Material aus dem Manuskript von Das Wörterbuch = Aus der Enzyklopädie. 1903 wird in den Anhängen des Artikels präsentiert.
STICHWÖRTER: Geschichte der Lexikografie, Lehnwörter, Personalien, Redewendungen, Abschrift des Wörterbuchs.
SCHLAGWÖRTER: Geschichte der Lexikografie, Lehnwörter, Personalien, Ausdrücke, eine Abschrift des Wörterbuchs.
64
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 2Mato Slančiausko rankraštinis Žodynėlis = Iš enciklopedijos. 1903
EINLEITUNG
Der Folklorist Norbertas Vėlius erwähnt in der Sammlung Šiaurės Lietuvos pasakos, dass Matas Slančiauskas 1903 ein Wörterverzeichnis internationaler Wörter und Personennamen zusammengestellt hatte1. Es konnte in der historischen Abteilung des „Aušra“-Museums in Šiauliai aufgefunden werden. Auf dem Umschlag des gehefteten Heftes steht: „Wörterverzeichnis = aus einer Enzyklopädie. 1903. A B C D E F M.“2. Auf der ersten Seite findet sich, so könnte man sagen, eine Ergänzung des Titels – Ein kleines Wörterverzeichnis3. Die Signatur des Manuskripts lautet ŠAM GEK 15819, die Signatur der Sammlung und die Inventarnummer I–R 1964. In Slančiauskas’ Manuskriptenmappe wurde auch eine Abschrift des Wörterverzeichnisses gefunden, die mit dem Datum 1910 versehen ist. Auf dem Umschlag der Abschrift steht kein Titel, sondern nur rechts oben ein Nachname: K. Barauskis, auf der ersten Seite hingegen K. Barauskė5. Auf der ersten Seite sind die Wörter „Ein kleines Wörterverzeichnis“ unterstrichen; vermutlich ist dies der Titel. Am Ende des Wörterverzeichnisses notierte Slančiauskas: „1910 kopiert.“ Die Signatur der Abschrift lautet ŠAM GEK 15814, die Signatur der Sammlung und die Inventarnummer I–R 1306.
Ziel dieses Beitrags ist es, das von Slančiauskas zusammengestellte handschriftliche Wörterverzeichnis fremder Wörter und Personennamen aus dem Jahr 1903 ausführlicher zu erörtern und mit der Abschrift von 1910 zu vergleichen7. Zur Erreichung dieses Ziels wurden folgende Aufgaben gestellt: a) die Struktur von Slančiauskas’ Manuskript Wörterverzeichnis = aus einer Enzyklopädie. 1903 (im Folgenden Wörterverzeichnis oder Ž) zu analysieren und zu beschreiben, wobei auch die Struktur heutiger Wörterbücher internationaler Wörter berücksichtigt wird; b) die Fremdwörter nach den Sprachen zu erörtern, aus denen sie in das Verzeichnis gelangt sind; c) die Verfahren zur Erläuterung der Fremdwörter zu beschreiben; d) das Wörterverzeichnis von 1903 Wörterverzeichnis = aus einer Enzyklopädie mit der Abschrift von 1910 Ein kleines Wörterverzeichnis (im Folgenden Abschrift oder P) zu vergleichen; e) die Reflexe der westaukštaitischen šiauliškiai-Subdialektgruppe in beiden Manuskripten zu erörtern.
1 „1903 stellte er selbst ein kleines (28 S.) Wörterverzeichnis internationaler Wörter und Personennamen (bedeutender Wissenschaftler, Schriftsteller usw. der Welt) zusammen, das er später mehrere Male abschrieb“ (Vėlius 1974: 27).
2 Die im Titel genannte Jahreszahl 1903 bezeichnet das Jahr der Fertigstellung des Wörterverzeichnisses, da dasselbe Datum auch auf der letzten Seite des Wörterverzeichnisses angegeben ist. Die Bezeichnung Wörterverzeichnis = aus einer Enzyklopädie muss möglicherweise gar kein Titel sein, sondern könnte auf eine Publikation verweisen, aus der das Material (der Wortschatz) gesammelt wurde. Welche Enzyklopädie (oder Enzyklopädien) dies sein könnte, bleibt Gegenstand weiterer Forschungen der Autorin.
3 Man könnte annehmen, dass Dies und das für ein Wörterbüchlein und Dies, das Wörterbüchlein der eigentliche Titel sowohl des Wörterbüchleins als auch seiner Abschrift ist, denn nur er ist auf den ersten Seiten beider Manuskripte vermerkt.
4 Aufgrund des zu großen Umfangs des Beitrags erörtert die Autorin keine möglichen extralinguistischen Daten zur Entstehung des Wörterverzeichnisses.
5 Wahrscheinlich fertigte Slančiauskas die Abschrift des Wörterverzeichnisses für den Folkloreinformanten Barauskis an, der in der Siedlung Bijeikiai (heute in der Gemeinde Skaistgirys) lebte und von dem Slančiauskas zwischen 1901 und 1910 Überlieferungen zu Glaubensvorstellungen, Zauberei, Aberglauben und Ähnlichem aufgezeichnet hat.
6 Die Autorin hat sich bislang nicht zum Ziel gesetzt, herauszufinden, wie diese beiden (einzelnen) Manuskripte in das „Aušra“-Museum in Šiauliai gelangten, da sie auch andere dort aufbewahrte Manuskriptenmappen von Slančiauskas untersuchen und anschließend klären möchte, wie all diese in das Museum gelangten.
7 Bislang konnte nur diese eine Abschrift gefunden werden; daher wird auch nur sie mit dem Wörterverzeichnis verglichen.
Straipsniai / Articles
65
Page 3JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Die Veröffentlichung eines weiteren Manuskripts aus dem frühen 20. Jahrhundert und seiner Abschrift dürfte nicht nur für die Erforschung der Sprachgeschichte und Dialektologie, sondern auch der Probleme der Lexikologie und Lexikografie von Bedeutung sein.
Im Artikel werden beschreibende, vergleichende und kontrastive Methoden sowie Verfahren zur Strukturierung des Materials angewandt.
ÜBERBLICK ÜBER DAS MANUSKRIPT WÖRTERVERZEICHNIS =AUS DER ENZYKLOPÄDIE. 1903
Aufbau des Wörterverzeichnisses. Die Wörter im Wörterverzeichnis sind alphabetisch angeordnet. Die Buchstaben des Alphabets sind jeweils separat aufgeführt, z. B.: A., B., C. usw. Der Buchstabe Š ist weder separat aufgeführt noch überhaupt gekennzeichnet. Er steht beim Buchstaben S, nach einem längeren Strich. Insgesamt sind im Wörterverzeichnis 422 Fremdwörter aus verschiedenen Sprachen verzeichnet: Latein, Griechisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Sanskrit8. Neben den Wörtern finden sich auch Wortverbindungen und verschiedene Redewendungen; einige Persönlichkeiten werden mit Angaben zu ihrer Tätigkeit und ihren Lebensdaten erwähnt. Auf jeder Seite des Wörterverzeichnisses stehen 11 bis 15 Wörter mit Erläuterungen (je länger die Erläuterung, desto weniger Wörter sind auf der Seite verzeichnet). Nach den Wörtern unter jedem Buchstaben folgt eine kurze oder längere Wellenlinie beziehungsweise ein längerer Strich, um die Buchstaben und die aufgeführte Lexik voneinander abzugrenzen. Wörter, Wortverbindungen, Redewendungen und Personennamen sind unterstrichen. Danach wird die Herkunft in Klammern abgekürzt oder ausgeschrieben angegeben, z. B.: (auf Sanskrit), (auf Italienisch), (gr.) oder (griech.), (lat.), (engl.) usw. Wird die Herkunft wiederholt, setzt man ein Komma und einen Strich ohne Klammern:, –. Zur Trennung und Erläuterung der Wörter dient das Gleichheitszeichen (=). Die Abkürzung itt. hat eine doppelte Funktion: Sie steht sowohl für die Abkürzung (auf Italienisch) als auch für (und so weiter). Am Ende von S. 26 sind mit Bleistift von einer anderen Hand die Zahlen 2–3 notiert. Auf S. 27 sind nach drei sternförmig angeordneten Sternchen (*) vier nummerierte Wörter abgesetzt. Die Nummerierung ist kräftiger als der Text. Auf S. 28 sind Datum, Ort und Autor angegeben (23. X. 1903, in Reibeniai); in der nächsten Zeile steht „M. Slančiauskas“, danach folgt ein traditioneller, nur für Slančiauskas charakteristischer Satz. Das Wörterverzeichnis umfasst 28 Seiten (mit Einband 30). Auf der Rückseite des Umschlags sind 19 deutsche Wörter zu sehen – Bezeichnungen für das Vermessen eines Nähstücks. Neben einigen stehen mit Bleistift schwer lesbare Zahlen, z. B.: Taille 27, Vorderlänge 204, Brust-falten 1, Achselbreite 54 usw.9. Auf der ersten Seite steht: Dies und das
8 „Ein Lehnwort wird als Nachahmung (Reproduktion) eines sprachlichen Modells in einer anderen Sprache auf zwei Ebenen verstanden: der äußeren Form und des semantischen Inhalts“ (Lanza 2009: 15), vgl.: „il prestito consiste nella riproduzione di un elemento linguistico alloglotto nel dupline, aspetto del significante e del significato“ (Gusmani 1987: 94).
9 Slančiauskas war Schneider. Für den Umschlag verwendete er gebrauchtes Papier, auf dem er die Maße eines für jemanden genähten Kleidungsstücks notiert hatte.
66
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 4Mato Slančiausko rankraštinis Žodynelis = Iš enciklopedijos. 1903
Wörterverzeichnis. Erst danach folgen die Fremdwörter, Wortverbindungen, Redewendungen oder Personennamen unter dem Buchstaben A. Das Wörterverzeichnis ist 9,5 cm breit und 17,3 cm hoch.
Lexik des Wörterverzeichnisses. Lateinische Wörter. Von den bereits erwähnten 422 Wörtern sind ganze 172 von Slančiauskas mit der Angabe (auf Latein) in Klammern oder der Abkürzung (lat.) versehen; werden mehrere lateinische Wörter aufgeführt, verwendet er einen Strich und ein Komma (–),¹⁰. Anhang 1 des Artikels enthält 62 adaptierte Wörter und 110 nicht adaptierte lateinische Wörter, Wortverbindungen und Redewendungen. Die adaptierten Wörter, zum Beispiel Agitacija, das Slančiauskas als „Bewegung, Rascheln“ (1) erklärt, Egoizmas „Selbstliebe“ (7), Humanista „menschlich, vielseitig gebildet, ein scharfsinniger Mensch“ (11), Oponentas „Widersacher, Einwender“ (15), Rizika „auf gut Glück, um jeden Preis“ (21) usw. – werden bis heute im litauischen Standardsprachgebrauch verwendet. Nicht adaptierte Wörter, beispielsweise Ego „ich“ (6), Gaudium „Heiterkeit, Freude“ (10), Licet „es ist erlaubt, erlaubt“ (14), Pars „Teil“ (17), Scientia „Wissenschaft, Wissen“ (22), Studio „Wissenschaft, Bildung“ (23), Ultimus „letzter, jüngster“ (26), Vivat! „es lebe!“ (27), sind etwa 40 an der Zahl¹¹. Am häufigsten finden sich im Wörterverzeichnis nicht adaptierte Wortverbindungen und Redewendungen, die in vielen Sprachen der Welt weit verbreitet sind, zum Beispiel: Amicus Plato sed magis amica veritas „Platon ist mir lieb, aber die Wahrheit ist mir lieber“ (2), Errare humanum est „Irren ist menschlich“ (7), Nolens volens „ob man will oder nicht“ (15), O tempora! O mores! „O Zeiten! O Sitten!“ (15), P. s. = post scriptum „Nachschrift nach irgendeinem Schreiben“ (19), Volens nolens „wollend oder nicht wollend“ (27) usw.¹²
Die Fremdwörter bezeichnen unterschiedliche Lebenssituationen (soziale Ausgrenzung, Einheit, zwischenmenschliche Beziehungen, Unterscheidung anhand bestimmter Merkmale usw.); historische Realien des römischen Volkes (Roms); Begriffe aus Schriftwesen, Wissenschaft und Kunst sowie verschiedene lehrhafte Redewendungen.
Griechische Wörter. Im behandelten Wörterverzeichnis finden sich zahlreiche Fremdwörter, bei denen in Klammern die Angaben (auf Griechisch), (griech.), (gr.), (gr. Mythol.) stehen; muss die Angabe bei einem Wort wiederholt werden, folgt ein Komma und ein Strich (–). Insgesamt sind 69 Wörter mit den genannten Herkunftsangaben versehen (siehe Anhang 2). Bemerkenswert ist, dass im Wörterverzeichnis keine griechischen Redewendungen oder Wortverbindungen aufgeführt sind. Als nicht adaptierte Wörter seien genannt: Kosmos „Erde, Welt, Welt“ (14), Panegirik „Lobrede, Schrift oder Gedicht“ (16), Panoptikon „Sammlung vieler sehenswerter Dinge“ (16), Polypkon „vielstimmig“ (18), Pseudo „falsch, lügenhaft“ (20), Zeus (= Dzeus) „griechischer Gott, Vater der Götter und Menschen, höchster Herrscher der ganzen Schöpfung; bei den Römern unter dem Namen Jovis verehrt; – auch bei den Litauern Perunas, der Himmel und Erde zeugte usw.“ (28).
10 Herkunftsangaben zu Fremdwörtern finden sich auch in modernen Wörterbüchern, vgl.: Wörterbuch der Internationalismen 2001: 6–7.
11 Die Autorin behandelt im Artikel nicht die Frage, ob das Fremdwort authentisch abgeschrieben wurde.
12 Vgl.: Im 1985 erschienenen Wörterverzeichnis der Internationalismen sind authentische Redewendungen gesondert auf den Seiten 522–527 aufgeführt. Ganze 17 davon stimmen mit den im Wörterverzeichnis von Slančiauskas verzeichneten Redewendungen überein.
Straipsniai / Articles
67
Page 5JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Alle übrigen Wörter sind adaptiert, vgl.: Epilogas „Abschluss einer Rede, eines Gedichts, eines Märchens usw.“ (7), Gramatika „Sprachwissenschaft“ (10), Kosmopolitas „jemand, der die ganze Welt als sein Vaterland betrachtet“ (14), Pseudonimas „Unterschrift mit einem erfundenen Namen – falsch“ (20), Tyronas „grausame Herrscher – böse bei den alten Griechen“ (25).
Dabei handelt es sich vor allem um Fachbegriffe aus Wissenschaft, Religion, Kunst und Musik. Zu erinnern ist daran, dass die meisten Fremdwörter der Standardsprache aus dem Griechischen und Lateinischen oder aus Wortverbindungen beider Sprachen stammen; daher sind sie auch in Slančiauskas’ Manuskript am zahlreichsten13.
Französische Wörter. Bei 26 im Wörterverzeichnis aufgeführten Wörtern und Redewendungen vermerkte Slančiauskas die Kurzformen: (franc.), (fran.), (fr.), (—,). Im Anhang 4 des Artikels finden sich nicht adaptierte Wörter Pardon „Verzeihung, Entschuldigung“ (17), Vis à vis „gegenüber, davor“ (27) sowie adaptierte Formen Charakteris „eigene Veranlagung“ (5), Šarlatanas „Scharlatan, Verführer, Betrüger“ (24). Außerdem sind einige Wortverbindungen und Redewendungen aufgeführt, z. B.: Qui vive? „Wer da? Was ist dort?“ (20), Qui vivra verra „Wer lebt, wird sehen“ (20).
Französische Wörter bezeichnen Handels- und Baubegriffe, menschliche Eigenschaften und ein Schimpfwort14.
Englische, deutsche, italienische, spanische und Sanskritwörter. Vierzehn Wörter aus anderen Sprachen sind im Wörterverzeichnis mit folgenden Hinweisen versehen: (angl.) oder (ang.), (vok.) oder (vokiš.), (itališkai) oder (itt.) sowie (sanskritiškai), (išpaniškai). Von den sieben mit (angl.) oder (ang.) gekennzeichneten Einträgen sind zwei Personenangaben (Darvinas Erazmas „gelehrter Zoologe 1731–1802“ (5) und Darvinas Karalius Robertas „Naturforscher und Reisender 1809–1882“ (5)), mehrere Einzelwörter (Draperis „Schriftsteller 1811–1882“ (6), Flaga „Fähnchen, Farn“ (9), Snob „jemand, der Freundschaft nicht kennt“ (23)) und zwei Redewendungen (God – dam „Gott möge mich bestrafen“ (10), Tobe ar not to be „sein oder nicht sein (Shakespeare, aus Hamlet)“ (25) (siehe Anhang 5). Drei deutsche Wörter werden erläutert: Cypelis „eine ins Meer ragende Felsenspitze“ (5), Feleris „Irrtum, Verirrung“ (9), Frei „umsonst, gratis, frei“ (9) (siehe Anhang 3). Die Abkürzung einer Wortverbindung und eine Redewendung tragen einen Hinweis auf ihre italienische Herkunft: Etc (et ceter) „und so weiter“ (7), Se non è vero è ben trovato „wenn das auch nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden“ (22) (siehe Anhang 6). Bei einem Wort vermerkte Slančiauskas: (aus dem Spanischen) – Uraga-nas, Orkanas „heftiger Wirbelsturm“ (26); ein weiteres ist mit einem Hinweis versehen: (auf Sanskrit) – Tri-murti „Dreieinigkeit, drei Gottheiten: Brahma, Vishnu und Giva“ (25) (siehe Anhang 7). Aus den Beispielen geht hervor, dass einige einzelne Fremdwörter adaptiert sind, andere nicht; Wortverbindungen und Redewendungen hingegen werden in nicht adaptierter Form wiedergegeben.
Mit Wörtern aus den genannten Sprachen werden Bezeichnungen für Haushaltsgegenstände und Naturerscheinungen wiedergegeben, Gottheiten benannt, Wissenschaftler bezeichnet sowie Abkürzungen und Zitate aus der Literatur angeführt. Forschende haben festgestellt, dass deutsche Lehnwörter im Litauischen nur
13 Siehe: LKE 1999: 641.
14 Lietuvių bk esama internacionalizmų iš prancūzų kalbos. Žr.: LKE 1999: 641.
68
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 6Mato S lančiausko rankraštinis Žodynelis = Iš enciklopedijos. 1903
ungefähr 0,5% ausmachen15. Forschende neigen zu der Annahme, dass Anglizismen nicht unmittelbar aus dem Englischen, sondern über Vermittlersprachen übernommen wurden16. Es wurde festgestellt, dass es in der litauischen Standardsprache auch Internationalismen aus dem Spanischen gibt17.
Wörter ohne Herkunftsangaben. Im Wörterverzeichnis haben die meisten Wörter keinerlei Sprachangabe. Insgesamt sind es 116 Einträge, darunter nicht nur Wörter, sondern auch Wortverbindungen und Redewendungen (siehe Anhang 8). Einige davon sind adaptiert, und man könnte ihnen ohne Weiteres die Abkürzung „lat.“ hinzufügen, vgl.: Specialista „jemand, der sich in einem bestimmten Fach am besten ausgebildet hat und es versteht“ (23), Projektas „Versuch“ (19), Patrijotas „Vaterlandsliebender“ (17), Filologas „Liebhaber der Wissenschaften“ (9), Autobiografija „Beschreibung des eigenen Lebenslaufs“ (3). Andere sind nicht adaptierte Wörter verschiedener Sprachen (Latein, Griechisch, Französisch, Deutsch), z. B.: Aceront „Unterwelt“ (1), Centrum „Mittelpunkt“ (5), Novelle „Prosadichtung“ (15), Scurra „armer Bewohner Roms“ (22). Redewendungen und Wortverbindungen sind in nicht adaptierter Form verzeichnet, vgl.: Capite censi „die ärmste Bevölkerungsklasse in Rom“ (5), Panem et circenses! „Brot und Spiele (so lautete der Ruf der Römer zur Zeit des Verfalls der Menschlichkeit)“ (16), Per aspera ad astra „durch Dornen zu den Sternen“ (17).
Vorherrschend ist der Wortschatz aus den Bereichen Gesellschaft, Alltag und Literatur. Insgesamt gibt es 95 Einzelwörter sowie 21 Wortverbindungen und Redewendungen. Warum Slančiauskas bei ihnen keine Herkunftsangabe vermerkte, lässt sich nur vermuten: Vielleicht waren diese Wörter gebräuchlicher und bekannter; vielleicht vergaß Slančiauskas schlicht, einen Herkunftshinweis einzutragen; vielleicht gab es andere Gründe, die Herkunft eines Wortes nicht anzugeben. Diese Fremdwörter sind Fachbegriffe aus Krieg, Musik, Theater, Psychologie, Literatur, Geschichte und Malerei, Bezeichnungen für Teile des Weltalls, für medizinische Pioniere, Erfinder und Erfindungen sowie verschiedene Redewendungen.
1 T A B E L L E. Fremdwörter mit von Slančiauskas angegebener (bzw. nicht angegebener) Herkunft
Lateinisch | Griechisch | Französisch | Englisch | Deutsch | Italienisch | Spanisch | Sanskrit | Herkunft nicht angegeben 172 | 69 | 26 | 7 | 3 | 2 | 1 | 1 | 116
Personenangaben. Im Wörterverzeichnis von Slančiauskas werden 30 Personen erwähnt (siehe Anhang 9) – Schriftsteller, Dichter, Reisende, Philosophen, Naturforscher und Erfinder. So sind etwa folgende Historiker und Philosophen der östlichen und westlichen Welt verzeichnet: Aristoteles „griechischer Philosoph und Gelehrter Platons 384–322 v. Chr.“ (3), Bruno Giordoni „Philosoph 1550–1600, in Rom verbrannt“ (4), Herodotas „Vater der Geschichte, erster griechischer Schriftsteller 484–424 v. Chr.“ (10), Konfucas, Kong=Fu=Tse „das ist der chinesische Philosoph 551–479 v. Chr.“ (13), Pytagoras „griechischer Philosoph 540–500 v. Chr.“ (20), Xanthus aus Lydien „berühmter griechischer Historiker-
15 Plačiau žr.: Sabaliauskas 1990: 259.
16 Siehe: LKE 1999: 214.
17 Siehe LKE 1999: 641.
Straipsniai / Articles
69
Page 7JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
die im V. und VI. Jahrhundert v. Chr. lebten“ (27). Am ausführlichsten wird Sokrates beschrieben: „der berühmteste griechische Philosoph, geboren 470 v. Chr.; im Alter von 69 Jahren wurde er von der Obrigkeit wegen Gottlosigkeit und der Verderbung der Jugend, angeklagt vom Dichter Meletos, dem Redner Lykon und dem Gerber Anytos, zum Trinken von Gift verurteilt und starb. Sokrates ist der Schöpfer der wissenschaftlichen Dialektik und ihrer wissenschaftlichen Methode“ (23). Unter den Schriftstellern, Dichtern und Schreibkundigen werden erwähnt: Dante Alighieri „Dichter, 1265–1321“ (5), Draperis „Schriftsteller, 1811–1882“ (6), Gibbons „englischer Schriftsteller, 1737–1794“ (10), Homer „großer griechischer Dichter des 9. Jahrhunderts v. Chr.“ (11), Rousseau (Jean-Jacques Rousseau) „Literat und Philosoph, 1712–1778“ (21), Shakespeare „(William Shakespeare) 1564–1616“ (22), Tindalius „anglikanischer Schriftsteller, 1657–1738“ (25), Volney „französischer Schriftsteller, 1757–1820“ (27), Voltaire „französischer Schriftsteller, 1694–1778“ (27), Vergilius „Schriftsteller, geboren 1470“ (27), Virgilius (Maro Publius) „römischer Dichter, 70–19 v. Chr.“ (27). Im Wörterbüchlein von Slančiauskas werden folgende Reisende und Naturforscher erwähnt: Darvinas Erazmas „gelehrter Zoologe, 1731–1802“ (5), Darvinas Karalius Robertas „Naturforscher und Reisender, 1809–1882“ (5), Humboldtas Frid. Henr. Alek. „Reisender und Naturforscher, 1769–1859“ (11), Huxley „englischer Zoologe, geb. 1825“ (11), Pytheas (Putejus) aus Massilia „zu Beginn des III. Jahrhunderts v. Chr. Er bereiste Europa; seine Schriften und Litauen reichen weit zurück“ (20). Slančiauskas verzeichnete die berühmtesten Forscher und Erfinder: Galilejus, Galileo „Physiker, 1564–1642. Er erkannte als Erster die Bewegung der Welt. Seine Worte: „E pur si muove“ =und doch bewegt sie sich“ (9), Gutenbergis Jonas „Erfinder der Buchdruckerei, 1397–1468“ (10), Hippokrates „Vater der Medizin aller Zeiten, 460–364 v. Chr.“ (11). Ins Wörterbüchlein wurden auch Theologen unter den Gelehrten aufgenommen: Husas oder Gusas Jons „1369–1415. Auf dem ‚heiligen Inquisitionsgericht‘ verbrannt“ (11), Straussas Dovidas Fridr. „Theologe; er verfasste ‚Das Leben Jesu‘, 1804–1874“ (23). Aus den aufgeführten Persönlichkeiten wird deutlich, dass Slančiauskas Schriftsteller, Philosophen und Reisende wichtiger waren und erst danach Erfinder und Förderer der Religion (siehe Tabelle 2).
TABELLE 2. Persönlichkeiten nach Tätigkeitsbereichen und Ländern
Persönlichkeiten
Anzahl
Zugehörigkeit zu einem Land
Schreibkundige, Schriftsteller, Dichter
11
Griechen, Engländer, Franzosen, Römer
Philosophen
5
Griechen, Chinesen, Römer
Naturforscher, Reisende
3
Ohne Angabe
Zoologen
2
Engländer
Erfinder
2
Amerikaner
Historiker
2
Griechen
Theologen
2
Ohne Verweis
Physiker
1
Ohne Verweis
Begründer der medizinischen Wissenschaft
1
Ohne Verweis
Ohne Namensnennung
1
Ohne Verweis
70
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 8Mato Slančiausko rankraštinis
Žodynelis = Iš enciklopedijos. 1903
Redewendungen. Im Glossar gibt es nicht weniger als 64 Redewendungen (siehe Anhang 10). Es überwiegen lateinische Redewendungen; je eine stammt aus dem Italienischen und Englischen, z. B.: Tobe ar not to be „(Aussprache: tu bi or not tu bi), but ar nebut (Shakespeares Hamlet)“ (25), Se non è vero è ben trovato „wenn das auch nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden“ (22). Die Redewendungen sind unterschiedlich aufgebaut, das heißt, sie reichen von zwei Wörtern bis zu längeren Sätzen; vgl.: Sapienti satis „für einen klugen Kopf genügt ein Wort – dem Weisen genügt ein Wort“ (22), Vita brevis, ars langa „das Leben ist kurz, die Kunst lang“ (27), Tempora mutantur, et nos mutamus in illis „die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen“ (25). Zu den Redewendungen zählen auch zwei Abkürzungen, z. B.: A. a. u. c. Anno ab urbe condita „im Jahr seit der Gründung der Stadt (Rom)“ (1), P. U. C. = post urbem conditam „nach der Gründung der Stadt (Rom). 753 v. Chr. – von diesem Datum an zählten die Römer die Jahre“ (20). Als Redewendungen hob Slančiauskas Zitate von Horaz und Shakespeare hervor und wählte Wendungen, die Einstellungen zu Unterdrückung, Vaterland, dem Wandel von Sitten und Leben sowie der Weitergabe von Erfahrungen an andere ausdrücken; vgl. die Redewendung: Verba volent, scripta manent „das gesprochene Wort verfliegt, das Geschriebene bleibt“ (26).
Wortverbindungen. Zu den Wortverbindungen gehören die im Glossar verzeichneten 27 Verbindungen aus zwei Wörtern oder Abkürzungen (siehe Anhang 11). Zwei davon gibt Slančiauskas in adaptierter Form wieder, z. B.: Absolutiška monarchija „uneingeschränkte Herrschaft des Monarchen“ (1), Ariškos kalbos „indoeuropäische Sprachen“ (2). Alle übrigen sind in der Originalsprache aufgeführt, vgl.: Nefasti dies „Unglückstage“ (15), Poste restante „Aufschrift auf Briefen oder Paketen: damit der Empfänger sie selbst abholen kann“ (18), Sua sponta „aus freiem Willen“ (24). Zu den Wortverbindungen zählen auch vier Abkürzungen, etwa: P. s. = post scriptum „Nachschrift unter irgendeinem Schriftstück“ (19), U. C. (urbis conditos, lat.) „Datum: seit der Gründung der Stadt (Rom)“ (25), U. i. (ut infra) „wie unten“ (26), U. s. (ut supra) „wie oben“ (26). In den Redewendungen spiegelt sich die Erweiterung der Lebens- und Sprachwelt des Menschen wider.
Struktur der Worterklärungen. Gesondert ist die Erklärung der im Glossar aufgeführten Wörter zu erörtern, der Slančiauskas, wie die zuvor angeführten Beispiele zeigen, große Aufmerksamkeit widmete, damit die Bedeutung eines jeden Wortes für Lernende oder Sprachverwender klar sei (die Arten der Worterklärung sind in Tabelle 3 dargestellt). Fremdwörter werden gewöhnlich mit einem Wort erklärt, vgl.: Anonimas, namenlos. (2), Errata –, Fehler. (7), Pars (lat.), Teil. (17), Sui generis –, eigentümlich (24)18. Eine solche Erklärung ist nicht häufig. Slančiauskas bevorzugt ausführlichere, synonyme Erklärungen, vgl.: Apage, geh weg, verschwinde. (2), Licet (lat.), erlaubt, gestattet. (14), Qui vive? (fr.), wer ist da? Was ist dort? (20), Vulgo (lat.), allgemein, gemeinsam. (27). Meistens fallen die Erklärungen ausführlicher aus: Sie bestehen nicht nur aus Synonymen, sondern auch aus Wortverbindungen, vgl.: Data oder datum, Eintragung des= Tages, Monats und Jahres. (5), Improvizacija, Singen oder Vortragen aus dem Gedächtnis ohne Vorbereitung. (12),
18 Die Bedeutung eines Lehnworts kann ganz oder teilweise bewahrt bleiben oder sich verändern, das heißt: eingeengt, erweitert oder vollständig vom Original entfernt werden. Siehe ausführlicher Lanza 2009: 74–80.
Straipsniai / Articles
71
Page 9JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Psychologija (gr.), dalis filosofijos, patyrimas ape dušę. (20), Vacat (lot.), trukst, laisvi vieta neužimta. (26). Aiškinimuose nevengiama išsakyti ir savo pažiūrų, pvz.: Pangermanizmas (gr.), susivienijimas visų vokiškų tautų skiličiu (– Panlietyvz=mas! Kada bus?) (16). Slančiausko mėgstama svetimžodį paaiškinti ir nusakomuojų būdu, pvz.: Autoritetas, pripažinimas sav aukšto mokslo. (3), Fonografas, išradimas Edisono dėl suturėjimo balso skambėjimo itt. (9), Kosmopolitas –, gyventojus laikas visą pasaulę už savo tėvynę. (14), Teka (lot.), tarba dėl poperiu ir knygu (25). Prie personalijų Slančiauskas pateikia daugiau informacijos: laiką, profesiją, asmenybės vertinimą, kartais nurodydamas ir sąsajas su Lietuva, plg.: Galilejus, Galileo, fizikas 1564 – 1642. Jis pirmasis suprato krutėjimą pasaules. Jo žodžiai „ė pursi muove=o bet gi ji kruta“. (9), Pytheas (Putejus) iš Massylijos pradžioj III. šimtmečio pr. Kristų. Jis apvažiavo Europą, jo raštai ir Lietuva siekias. (20), Zeus (=Dzeus, Dievas) (gr.), Dievas graikiškas, tevas dievu ir žmoniu, augščiausis valdy=tojus viso Sutverimo; pas romenus garbintas po vardu Jovišo; – ogi ir pas Lietuvius Perunas išperėjas dangu, Že=me itt. (28). Slančiauskas, aiškindamas svetimų kalbų žodžių junginius ir posakius, vengia plataus aiškinimo, stengiasi tiksliai atspindėti prasmę, tik ten, kur ji gali būti nesuprantama, aiškinimas būna kiek platesnis, pvz.: Per aspera ad astra, par erškėčius pas žvaizdes. (17), P. U. C. = post urbem conditam, Po už=dejimo miesto (Romo). 753 pr. Kristu, – nuo tos datos romenai skaite metus. (20); Si vis pacem parabellum –, jei nori ra=mybes, taisykis į kova (muši). (23) (žr. 3 lentelę).
3 TABELLE. Arten der Erklärung von Fremdwörtern
Erklärung mit einem Wort | Erklärung durch Synonym(e) | Erklärung mit einem beschreibenden Satz | Erklärung unter Angabe des Berufs, des Datums usw. | Gemischte Erklärung (mit einem Wort und einem Satz, einem Wort und Synonym sowie ergänzendem Satz usw.) | 72 | 119 | 196 | 26 | 9
Die Erklärungen von Wörtern und Redewendungen stehen nach Abkürzungen und einem Komma oder nur nach einem Komma, das fast durchgehend verwendet wird, außer auf den Seiten 2, 6, 9, 10 und 15, wo nach der Abkürzung kein Komma steht, sowie auf Seite 27, wo nach dem Wort kein Komma steht. Das Gleichheitszeichen = verwendet Slančiauskas in zwei Fällen: als Zeichen für die Trennung eines Wortes (z. B.: vargin=giause (5), ami=ca (2), apšvies=ta (12), pa=skirta (21)) und als Zeichen für eine Worterklärung in Klammern, z. B.: sveiks! (=sveiks gyvs) (26), Zeus (=Dzeus, Dievas) (28). Auf den Seiten 10, 14, 15 und 17 gibt es bei den Wörtern keine Trennungszeichen: pirmiau (auf die nächste Zeile umgebrochen) šis, nesupu (umgebrochen) ves, tamsu (umgebrochen) nas, už (umgebrochen) auginima. Im Glossar gibt es Wörter, deren Buchstaben nicht alle verbunden sind, das heißt, zwischen den Buchstaben stehen Abstände, z. B.: Problema tas (19), Pro paganda (19). Es gibt Korrekturen (21) und durchgestrichene Wörter
72
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 10Mato Slančiausko rankraštinis Žodynėlis = Iš enciklopedijos. 1903
(15), über die vom Verfasser Slančiauskas selbst hinzugefügten Wörter, die über der Erklärung notiert sind (18, 21). Das Pluszeichen (+) (26) und die mit Bleistift eingetragenen Zahlen 2–3 (26) könnten nicht vom Verfasser stammen, sondern von einem Nutzer des Žodynėlio (oder einem Museumsmitarbeiter?).
Nach der Erklärung setzt Slančiauskas einen Punkt, doch auf den Seiten 1–4, 6, 7, 13, 14, 20, 22 und 25–27 fehlen solche Punkte.
Man kann sagen, dass die Erläuterungsmethoden für die Stichwörter traditionell sind und sich kaum von der heutigen Erklärung internationaler Wörter unterscheiden.
ŽODYNELIO = IŠ ENCIKLOPEDIJOS. 1903 UND DIE ABSCHRIFT ŠIOKS, TOKS ŽODYNELIS EIN VERGLEICHENDER ÜBERBLICK VON 1910
Die beiden Manuskripte unterscheiden sich in ihrer Größe: Der Einband und die Innenseiten des Žodynėlio von 1903 sind 17,3 cm hoch und 9,4 cm breit. Die Innenseiten der Abschrift von 1910 (im Folgenden Perrašas) sind ebenso hoch – 17,3 cm –, aber etwas breiter, nämlich 11,6 cm. Der Einband ist 17,4 cm hoch und 12 cm breit. Das Žodynėlio von 1903 umfasst 28 Seiten, die Perrašo von 1910 24 Seiten. Der Einband des Žodynėlio von 1903 ist hell gelblichgrau, der des Perrašo von 1910 hell grünlich. Beide Wörterbücher hat Slančiauskas aus Papier geheftet. Oben rechts auf der Vorderseite des Perrašo von 1910 steht lediglich der Nachname K. Barauskis.; ein Titel fehlt. Auf der ersten Seite des Perrašo steht vor den Wörtern mit A ein Titel: Šioks, toks žodynelis (vgl.: 1903 steht auf der ersten Seite des Wörterbuchs ebenfalls der Eintrag Šioks – toks žodynėlis).
In der Abschrift fehlen fünf Wörter (Wortverbindungen): Aut – aut, entweder – oder. (3), Inkl iuzija, Angliederung. (12), Qui vive? (frz.), wer da? Wer ist dort? (20), Socius ama-ris –, Gefährte der Liebe. (23), Socius doloris –, Leidensgefährte. (23).
Mehrmals sind in der Perraše zwei Wörter getrennt, während sie im Žodynėlyje zusammengeschrieben sind, vgl.: Vide –, schau. Vidi, ich sah. (27) – Vide –, schau. (22), Vidi (1.), ich sah. (22).
An einigen Stellen unterscheiden sich die Worterklärungen: Anstelle von 1903 Aceront, unterirdische Welt, steht 1910 „unterirdische Welt“ (1); Ad exemplum (lat.), pavaizdan. – paveizdan (1).
Die Worterklärungen werden in der Perraše durch Synonyme ergänzt, vgl.: Apage, geh weg, verschwinde – Apage, geh weg, verschwinde, fort. (2). Solche Ergänzungen finden sich auf den Seiten 7 und 8.
In der Perraše werden häufig Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler des Žodynėlio korrigiert, vgl.: Altruizmas, ein dem Egoismus entgegengesetztes Gefühl, maloneartymo (2) – Altruizmas, ein dem Egoismus entgegengesetztes Gefühl, malone artymo (1), aut Caesar, aut nihil, entweder Cäsar oder nichts (3) – aut Caesar, aut nihil, entweder Cäsar oder nichts (2), Bacterium, grybel ytes, ligu sekla (4) – Bacterijos, grybel ytes, ligų seklas. (3). Solche Korrekturen finden sich in der Perrašo auf den Seiten 3, 5–9 und 11–23.
In der Perraše fällt die Litauisierung der erklärenden Wörter auf, vgl.: Darvinas Karalius Robertas ang. naturalista ir keliauninkas 1809–1882 (5) – Darvinas Karalius Ro-
Str aipsniai / Articles
73
Page 11JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
bertas, englischer Naturforscher und Weltreisender, 1809–1882 (4). Solche Fälle der Verdeutschung litauischer Wörter finden sich auf S. 12, 16, 17, 19, 22.
Die Reihenfolge der Bedeutungserklärungen Perrašė wird geändert – einige Wörter werden ganz weggelassen, vgl.: Aristoteles, griechischer Philosoph, Schüler Platons, 384–322 vor Christus. (3) – Aristoteles, griechischer Philosoph, Schüler Platons, 384–322 vor Christus. (2). Derartige Änderungen (Umstellungen) von Wörtern finden sich auf S. 4, 7, 8, 10, 11, 14, 16–19, 23.
Abgekürzte Wörter Perrašė werden nicht mehr abgekürzt, vgl.: Dante Alighieri, Dichter, 1265–1321. (5) – Dante Alighieri, Dichter, 1265–1321. (4). Dies ist auf S. 9 und 18 zu beobachten.
Perrašė die Worterklärung wird präzisiert, vgl.: Autobiografija, Beschreibung des Verlaufs des eigenen Lebens (3) – Autobiografija, Beschreibung des eigenen Lebens (2), Centrum, Mittelpunkt (5) – Centras, Punkt, Mitte. (4), Frantas, filintas, elegantas (9) – Frantas, filintas, elegantas. (pliuškis). (8). Solche Präzisierungen der Erklärung finden sich auf S. Perrašė 4, 8, 9, 12, 14–16, 18, 21.
Kartais Perrašė yra ir aiškinimo papildymų, plg.: Edisonas, gimes 1847. Amerikojo. (6) – Edisonas, visų žinomas amerikietis gim. 1847. (5). Pastebėta 12 ir 19 psl.
Perrašė wird nach einer geeigneteren Form der Bedeutungserklärungen gesucht, vgl.: Egoista –, Selbstliebender. (6) – Egoista, selbstsüchtig. (5). Dies ist auf S. 9, 10, 15 zu beobachten.
Die Abkürzung (1.) erscheint dort, wo Slančiauskas statt des wiederholten (lat.) einen Gedankenstrich setzte, vgl.: Agitacija –, Bewegung, Aufwiegelung – Agitacija (1.), Bewegung, Aufwiegelung (1).
Manchmal wird Perrašė auch das (lat.) selbst abgekürzt, zum Beispiel: Aksiomatas (lat.), sicherer Beweis, Wahrheit (2) – Aksiomatas (1.), sicherer Beweis, Wahrheit (1). Beobachtet auf S. 18, 19, 21.
Manchmal wird eine Abkürzung verlängert, vgl.: Cypelis (dt.), spitzer Felsen im Meer. (5) – Cypelis (deutsch), spitzer Felsen im Meer. (4). Dies ist auf S. 14 und 20 zu beobachten.
Perrašė verzichtet häufig auf Abkürzungen; nur die Bedeutungserklärung bleibt erhalten, vgl.: Egoizmas (lat.), Selbstliebe. (7) – Egoizmas, Selbstliebe. (6). Dies ist auf S. 13 zu beobachten.
Wo im Žodynėlyje ein Gedankenstrich und eine Bedeutungserklärung (oder nur eine Bedeutungserklärung) standen, fügt Perrašė Abkürzungen ein, vgl.: Kompas –, Sonnenuhr und Magnetnadel. (13) – Kompas (fr.), Sonnenuhr und Magnetnadel. (11). Dies ist auf S. 12–15, 17, 18, 20, 21–23 zu beobachten.
Pastebėta, kad Perrašė yra trumpinami kai kurie žodžiai, Kristų – Kr., augštu-mo – augšt., plg.: Hippokrates, tevas medicinos vi=sų laikų 460–364 prieš Kristų. (11) – Hippokrates, tevas medicinos visu laikų 460–364 prieš Kr. (9). Pastebėta 16, 21, 23 psl.
An einigen Stellen setzt Perrašė Satzzeichen ein, vgl.: Dictum factum, gesagt, getan, fertig (6) – Dictum factum, gesagt, getan, fertig (5).
Perrašė setzt keinen Gedankenstrich und keine Bedeutungserklärung; es bleibt nur die Bedeutungserklärung, vgl.: Egoista –, Selbstliebender. (6) – Egoista, selbstsüchtig. (5). Solche Fälle finden sich auf S. 6, 7, 9, 11–14.
Der Gedankenstrich in den Erklärungen wird durch eine Bedeutungserklärung ersetzt oder ganz weggelassen, vgl.: Epizoda (gr.), Verzierung in der Rede, im Gedicht – in Schriften. (7) – Epizoda (gr.), Verzierung in der Rede, im Gedicht, in Schriften. (6). Eine solche Änderung findet sich auf S. 14, 16, 18.
74
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 12Mato Slančiausko rankraštinis Žodynelis = Iš enciklopedijos. 1903
In der Abschrift steht keine eingeklammerte Erläuterung, vgl.: Pangermanizmas (gr.), Vereinigung sämtlicher deutscher Völker (– Panlietyvz=mas! Wann wird es so weit sein?) (16) – Pangermanizmas, Vereinigung sämtlicher deutscher Völker. (13).
Anstelle des Zeichens „=“ verwendet schrieb ab das Wort Kabel; vgl.: Radikal (lat.), fest=mit seinem Besitz verbunden. (21) – Radikal (lat.), fest, stark mit seinem Besitz verbunden. (17).
In der Abschrift wird ein Doppelpunkt verwendet, wo im Wörterbuch ein Doppelpunkt stand, vgl.: Rizika (lat.), aufs Geratewohl, um jeden Preis. (21) – Rizika (lat.), aufs Geratewohl: um jeden Preis. (17).
Der Gedankenstrich schrieb ab wird dort verwendet, wo zuvor das Wort Kabel stand; vgl.: Trimurti (Sanskrit), Trijatis, drei Gottheiten: Brahma, Višnu und Giva. (25) – Trimurti (Sanskrit), Trijatis – drei Gottheiten: Brahma, Višnu und Giva. (21).
In der Abschrift sind Datum und Autor angegeben, wie auch im Wörterbuch: 23, X. 1903. In der nächsten Zeile steht: Reibeniuose M. Slancauskas. Etwas weiter unten, nach einer gewundenen Linie, wird mitgeteilt: Abgeschrieben 1910. Unter der gewundenen Linie steht der Nachtrag: Jusu viską apturejau „Gar.“ Ir vakar gavau. An wen sich dieser Nachtrag richtet und was sein Zweck ist, muss noch untersucht werden. Vielleicht hängt diese Information mit dem von Barauskis erhaltenen volkskundlichen Material zusammen. Die Abschrift stammt nicht von Slančiauskas. Der Abschrift Autor ist vermutlich Slančiauskas selbst, doch möglicherweise wurde sie auch von jemand anderem angefertigt, denn die Schrift der Abschrift ist kleiner, wenn auch der von Slančiauskas sehr ähnlich. Im Wörterbuch wurde der Buchstabe Š nicht eigens hervorgehoben; nur ein Abstand und eine Wellenlinie trennten die Wörter vom Buchstaben S, während er in der Abschrift bereits markiert ist (20).
Am Anfang der Abschrift wurde versucht, möglichst viele Wörter unterzubringen; deshalb ist der Text bis zur dritten Seite sehr eng geschrieben. Ab der dritten Seite wird bereits darauf geachtet, so zu schreiben, dass der Text einer Seite des Wörterbuchs auf eine Seite der Abschrift passt. Nach jedem Buchstaben wird in der Abschrift wie im Wörterbuch eine Wellenlinie gezogen; auch die Sternchen, die den Text gliedern, wurden beibehalten.
Die Stichwörter beider Wörterbücher sind unterstrichen.
HANDSCHRIFTLICHE WÖRTERBÜCHER WÖRTERBUCH = AUS DER ENZYKLOPÄDIE. 1903 UND SO EIN WÖRTERBUCH VON 1910: RECHTSCHREIBUNG, DIALEKTSPUREN
Rechtschreibung. Die Rechtschreibung beider Handschriften ist phonetisch, vgl.: labjausei (Ž 5, P 4), šviesas uždegjotas (Ž 12), šviesos uždegjotos (P 10), beprisitaisima (Ž 12), beprisitaisimo (P 10), knygas (Ž 14), knygos (P 12), aristokracijai (ponu valdžei) (Ž 6), aristokratijai (ponų valdziai) (P 5) usw.19. Zur Veranschaulichung der phonetischen Rechtschreibung eignet sich das Wort
¹⁹ Mit der Abkürzung Ž und einer Zahl werden ein Beispiel aus dem Wörterbuch von 1903 und die Seite, auf der es steht, bezeichnet; mit der Abkürzung P und einer Zahl ein Beispiel aus dem Abschreibebuch von 1910 und die Seite.
Straipsniai / Articles
75
Page 13JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Rechtschreibung der Endungen, vgl.: nežine (Ž 2, P 1), eik sav (Ž (2, 3), P 2), mažiause dalelė (Ž 3, P 2), vargingiause (Ž 5, P 4), linije (Ž 7, P 6), protingos dvases (Ž 9, P 8), vale (Ž 14, P 12), kodidžiausei (Ž 14), ko didžiausei (P 12), pagirenti (Ž 16, P 13), lyge (Ž 17, P 14), giara (Ž 17, P 15), Plebejei (Ž 18, P 15), Patricijeis (Ž 18, P 15), gudrei (Ž 22, P 18), panašei (Ž 23, P 18), taikei (Ž 23), geriausei (Ž 23, P 19), su jeis (Ž 25, P 20), priešpriešeis (Ž 27, P 22), bet taikiai (P 19). Aus den Beispielen wird ersichtlich, dass es im 1910 Perrašė20 mehr Fälle morphologischer Schreibweise gibt.
In den Handschriften werden alle Buchstaben des litauischen Alphabets verwendet, mit Ausnahme des Vokals e und des stimmlosen Frikativkonsonanten ch. Zwar gibt es im Žodynėlyje und in Perrašė zwei Wörter, in denen über dem e ein Strich steht – ē, z. B.: pasiėmimo, užsiėmimo (Ž 21, P 17), užsiėmimas (Ž 8), was vermutlich einen langen Vokal bezeichnet.
In den Handschriften wird ė in den Wortstämmen nominaler Wörter nicht geschrieben, vgl.: menesio (Ž 5, P 4), melynuojas (Ž 7, P 6), užsiėmimas (P 7), šešpedes (Ž 10, P 9), tevas (Ž 10, 28; P 9, 23), Ideja (Ž 12, P 10), tevynę, tevyne (Ž 14, 17, 25; P 12, 14, 21), gerimas (Ž 15, P 13), pesčias (Ž 18, P 15), nuemimas (Ž 18, P 15), meginimas (Ž 19, P 15), uždejimo (Ž 20, 25; P 16, 21), Jezaus (Ž 23, P 19), susidejimas (Ž 24, P 19), suredimas (Ž 25, P 21), spekais (Ž 26, P 21), beda (Ž 26, P 22), Sutverimo (Ž 28, P 23), ištremimas (Ž 4, P 3), susedimas (Ž 22, P 18).
Ė wird auch in den Suffixen nominaler Wörter nicht geschrieben, z. B.: atsiskyrėlis (Ž, P 2), rašėjas, rašėjis (Ž 4, 27; P 3, 23), užžymėjimas (Ž 5, 15; P 4, 13), kalbėjimas (Ž 6, P 5), del suturėjimo balso skambėjimo (Ž 9, P 8), krutejimą (Ž 9, P 8), išradejis (Ž 10, P 9), netikelis (Ž 12, P 10), užmetinetojis (Ž 15, P 13), mokejimas (Ž 16, P 13), susikalbėjimas (Ž 16, P 14), judejimas (Ž 18, P 15), romenu, romenus, romenai (Ž 20, 22, 28; P 16, 18, 23), pasikalbėjimas (Ž 22, P 18), pardavinėjimas (Ž 24, P 20), tverejų (Ž 23, P 19), paveikslėlis (Ž 24, P 20), išperėjas (Ž 28, P 23), primokejimas (Ž 24, P 19), myletojis (Ž 17, P 14), iškentejimas (Ž 25, P 21).
In den Endungen des Nominativs, Genitivs und Lokativs Singular sowie des Nominativs Plural nominaler Wörter wird ė meist nicht geschrieben, z. B.: laime, ant laimes (Ž 8, 21; P 7, 17), teisybe (Ž 2, P 1), senoves (Ž 2, 10, 13 14; P 3,), žemes, Žeme (Ž 7, 14, 18, 19; P 6, 12, 15), linksmybe (Ž 9, P 8), spaustuves (Ž 10, P 9), garbe (Ž 11, P 10), teisudarysteje (Ž 12, P 10), teisybe (Ž 12, P 10), senoveje (Ž 13, P 11), draugyste, draugystes, bendrove (Ž 13, 23; P 11, 19), saules (Ž 13, P 11), magnasine (Ž 13, P 11), pasaulė (Ž 14, P 12), raides (Ž 14, P 12), pavardes (Ž 14, P 12), žymes, žyme (Ž 15, 16; P 12, 13 14), nelaimes (Ž 15, P 13), eiles (Ž 16, 21; P 13, 17), gudryste (Ž 16, P 14), tobul ybe (Ž 17, P 15), puses (Ž 18, P 15), del laisves (Ž 18, P 15), šventes (Ž 19, P 15), malone (Ž 19, P 15), vertybe (Ž 21, P 17), degtines (Ž 21, P 17), tikrybe (Ž 21, P 17), neteisybe (Ž 22, P 18), ramybes (Ž 23, P 18), meiles, meile (Ž 23,
20 In den Handschriften sind einzelne lexikalische Belege in halbfōnetischer Schreibweise notiert. Perrašė solcher Fälle gibt es recht viele.
76
Acta Linguistica Lituanica LXXI
Page 14Mato S lančiausko rankraštinis
Žodynėlis = Iš enciklopedijos. 1903
24; P 19, 20), giesmes (Ž 25, P 20), kantrybe (Ž 25, P 21), dievystes (Ž 25, P 21), iš tos puses (Ž 26, P 21), drauge (Ž 27, P 23), veisles (Ž 27, P 23), nuomone (Ž 12, P 10), žyme (Ž 22, P 18).
In Verben, ihren Formen und Adverbien wird ė ebenfalls nicht geschrieben, z. B.: padare, pabaige (Ž 8, P 7), skaite (Ž 20, P 16), puole, prapuole (Ž 15, P 12), ner (Ž 15, P 13), derekimes, lažinkimes (Ž 17, P 14), girdetis (Ž 20, P 16), žiurek (Ž 21, 27; P 17, 22), numire (Ž 23, P 19), aprase (Ž 23, P 19), tylek (Ž 24, P 20), atejau, pargalejau (Ž 26, P 22), daturetas (Ž 26, P 22), sudetos (Ž 14, P 12), apmoketas (Ž 9, P 8), apseta (Ž 18, P 15), pasivelines (Ž 19, P 15), netiketai (Ž 8, P 7).
Del (Ž 19, 25; P 15, 20) wird ebenfalls ohne ė geschrieben.
Unter den Konsonanten ist die Schreibweise des Buchstabens d als ∂ erwähnenswert (Žodynėlyje), während in Perrašė bereits konsequent d geschrieben wird.
Konsequent verwendet werden die Wörter filozofas (Ž 3, 20, 21, 23; P 2, 16, 17, 19), filozofija (Ž 8, 20; P 7, 16).
In den Handschriften wird der Buchstabe ch nicht verwendet; an seiner Stelle steht k (epoka (Ž 17, P 15)), der Buchstabe f kommt jedoch bereits vor (francuzu (Ž 27, P 23)).
Die Getrennt- und Zusammenschreibung einzelner Wörter unterscheidet sich im Žodynėlyje und in Perrašė, vgl.: del to (Ž 7), delto (P 6); išnejučiu (Ž 8), iš nejučiu (P 7).
Mundartmerkmale. Phonetik. Slančiauskas lebte im Gebiet der nordwestlichen Oberlitauer von Šiauliai, daher sind für seine Sprache alle wesentlichen (und nicht nur diese) Merkmale der Šiauliai-Unterdialekte charakteristisch. Zunächst sind die Kürzung aller unbetonten Langvokale, die Velarisierung von l vor Lauten des Typs e, ę, ei, ė, der Gebrauch eines eingeschobenen j zwischen Vokalverbindungen, šlėkiavimas, das Schwanken bei Genus und Stämmen und dergleichen zu nennen.21 Über den langen Vokal ė wurde bereits geschrieben.
Das für die Šiauliai-Unterdialekte charakteristische Merkmal – die Bewahrung der Diphthonge an, am, en em – ist beiden Handschriften gemeinsam, z. B.: amžino (Ž 1, P 1), brangesne (Ž 2, P 1), gyvenymo (Ž 3, P 2).
Unter den weiteren Dialektmerkmalen ist die Schreibung der Vokale e und a in den Wortstämmen nominaler Wörter und ihrer Stellvertreter zu nennen, z. B.: im Žodynėlyje pavaizdan (1), in Perrašė pavaizdan (1), aigiptenu (Ž 10, P 9), jai und jei (Ž 22, P 18).
Das unbetonte a wird in den Endungen von Nomina im Šiauliai-Dialekt vollständig getilgt und deshalb nicht geschrieben, vgl.: budams (Ž 23, P 19), pasirodims, apsireikšins (Ž 24, P 19), Dievs (Ž 10, P 9), sveiks gyvs (Ž 26, P 22), pasirodims (Ž 24, P 20).
Die Endungen des Akkusativs Singular der Nomina ą, ę, į werden verkürzt, z. B.: į figura (Ž 14, P 12), gudra galvi (Ž 14), į viena dieva (Ž 14, P 12), Lietuva (Ž 20), viska (P 18), kova (Ž 23), poeta (Ž 23, P 19), Žemė (Ž 28), buvi (Ž 8). Perrašė Die langen Endungen werden bereits häufiger geschrieben, vgl.: gudragalvį (P 12), Lietuvą (P 16), viską (Ž 22), kovą (P 18), Žemę (P 23).
21 Zu den Merkmalen des Šiauliai-Dialekts der westlichen Aukštaiten ausführlicher siehe: LLTCH, 2004; JŠPT, 2001, CD – 2005.
Straipsniai / Articles
77
Page 15JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Rankraščiuose kartais dvibalsinamas e, pvz.: abiejoją (Ž 22), abiejojas (P 18), jaunuomenies (Ž 23, P 19)22. Pastebimas ir atvirkštinis procesas – dvibalsio ievienbalsinimas, pvz.: ape (Ž 8, 10, 11, 16, 17, 18, 19, 20, 22; P 7, 9, 10, 14, 15, 18), pre (Ž 16, 19, 21; P 14, 16, 17), poperiu (Ž 25, P 20), vesulas (Ž 26, P 22)23.
Bei den Endungen des Akkusativs Singular des Pronomens ich variiert die Schreibung und zeigt Kürzung und Verlängerung der Endungen, z. B.: manę (Ž 10, P 9), savę (Ž 14, 24; P 20), aber nuo savęs (Ž 19, P 15), save (P 12).
In den Handschriften variiert das lange y in Ableitungen mit dem Suffix -ymas, vgl.: sustatimo (Ž, P 1), išrodimas (Ž 2), aprašimas (Ž 4, P 3, 15), pastatimas (Ž 12, P 10), išmainimas (Ž 15, P 13), padarimas (Ž 15, P 13), matimo (Ž 16, P 14), pataisimas (Ž 14, P 12), išrodimas (Ž 23, P 19), sustatimas (Ž 25, P 20), suredimas (Ž 25, P 21), nurodimas (Ž 18, P 15), pasirodimas (Ž 24, P 20), doch in vereinzelten Wörtern auch: aprašymas (Ž 18), išrodymas (P 1).
Auch das kurze i variiert: In Ableitungen mit dem Suffix -imas wird es verlängert, vgl.: egoizmas (Ž 2), artymo (Ž 2, P 1), gyvenymo (Ž 3), Panlietyvymas (Ž 16), patrijotyzmas (Ž 24, P 20); im Abschreibebuch werden solche Verlängerungen jedoch manchmal korrigiert (vgl.: egoizmas (1), gyvenimo (P 2)).
Es variiert die Vokale y, i in Verbformen oder Nomina, in Ableitungen von Verben, Adverbien und Substantiven, wenn y, i betont sind, vgl.: maitynas „ernährt sich“ (Ž 16, P 14), apginimas (Ž 19), apgynimas (P 15), dykai (Ž 9), dikai (P 8), Idyjota (Ž 12), Kynu (Ž 13, P 11), suvienitomis (Ž 26, P 22).
Das lange y wird mit nasalem į bezeichnet, während dort, wo į stehen sollte, das lange y geschrieben wird, vgl.: mokįtojai (Ž 10, P 9), Sudegitas (Ž 11, P 3), mysla (Ž 19, P 15).
Der Diphthong in wird manchmal durch nasales į ersetzt, z. B.: Sudegitas (Ž 11, P 3, 10), mokįtas (Ž 5, P 4, 10), mokįtinis (Ž 6, P 5), jedoch nicht konsequent, vgl.: sudegintas (P 9), mokintas (Ž 12).
Ilginamas i galūnėse, pvz.: laikrodys (Ž 13, P 11), trukys (Ž 17, P 15), bet kraujažindis (Ž 27, P 23).
Rankraščiuose trumpinamas ir paveldėtos leksikos, ir svetimžodžių šaknies ilgasis balsis ū, pvz.: parlužis (Ž 12, P 10), budams (Ž 23, P 19), buvi (Ž 8, P 7), butis (Ž 8), kuno (Ž 14, 16; P 12, 14), skurinis (Ž 17, P 14), trukys (Ž 17, P 15), žiurek (Ž 21, 27; P 17, 22), žut but (Ž 21), žut, but (P 17), rukštadaris (Ž 25, P 21), but ar nebut (Ž 25, P 21), žutis (Ž 25, P 21), trukst (Ž 26, P 22), turbut (Ž 26, P 22), trusas (Ž 27, P 23), naturalista (Ž 5), bet būtis (P 7).
22 Möglicherweise ist die Schreibung e ie eine polnische Manier, mit dem Schriftzeichen i den Konsonanten zu erweichen.
23 Diese Wörter sind zu transponieren: die „apė, pre, popėriu, vėsulas.“
78
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 16Mato Slančiausko rankraštinis
Žodynelis = Iš enciklopedijos. 1903
Der lange Vokal in den Suffixen –(i)ūnas, –ūras, –ūra wird gekürzt, z. B.: gyvūnas, gyvūnai (Ž 4, 16; P 3, 14), tamsunas (Ž 4, 15; P 3, 13), atskalunas (Ž 12, P 10), Karikatura (Ž 12, P 10), literaturas (Ž 21, P 17), į figura (Ž 14, P 12), galiuno (Ž 25, P 21).
Ū, ų wird in betonten und unbetonten nominalen Endungen gekürzt, besonders im Singular Genitiv sowie im Plural Nominativ und Akkusativ, z. B.: baisus valdininkai (Ž 25, P 21), Kristu (Ž 3, 13, 18, 20, 23, 27; P 16, 19, 23), ligu (Ž 4), knygu (Ž 4, 10, 14, 25), miesčionu (Ž 4), turčiu (P 3), gyventoju (Ž 5, P 4), žmoniu (Ž 6, 7, 8, 15, 18, 19, 25, 28), poema-tu, pasaku (Ž 7), užsivedimu (Ž 7), menciu (Ž 10, P 9), anglu (Ž 10, P 9), aigip-tenu (Ž 10, P 9), visu (Ž 16; P 9, 13), graiku (Ž 11, 13; P 9), juoku (Ž 12, P 10), valdininku (Ž 13, P 11), padavimu (Ž 14), dievu (Ž 15, 28), vardu (Ž 15), rank-raščiu, ju (Ž 16), senu (Ž 16, P 13), žaislu (Ž 16), žaisliu (P 13), romiečiu (Ž 16), tautu skilčiu (Ž 16, P 13), vertu (Ž 16, P 14), daliu (Ž 16, P 14), pasiuntiniu (Ž 17, P 14), deputatu (Ž 17, P 14), namu (Ž 17, P 14), kokiu žiniu (Ž 19), ro-menu (Ž 22, P 18), metu (Ž 23, P 19), dvasišku uredysčiu (Ž 24), poperiu (Ž 25), francuzu (Ž 27, P 23), šikšnosparniu (Ž 27, P 23). Weitaus häufigere lange Endungen sind mit Perrašė gekennzeichnet, vgl.: Kristu (P 2), ligu (P 3), knygu (P 3, 9), žmoniu (P 5, 6, 7, 15, 21,), pasaku (P 6), užsivedimu (P 6), buvi (P 7), graiku (Ž 10), visu laiku (Ž 10), knygu (P 12), padavimu (P 12), dievu (P 13), vardu (P 13), rankraščių, jų (P 13), romiečių (P 13), kokių žinių (P 16), dvasiškų uredysčių (P 19), poperių ir knygų (P 20), dievų ir žmonių (P 23), laikų (P 9), turčių (Ž 4), mies-čionų (P 3), vokiškų (Ž 16, P 13), laikų (P 9).
Auch die Endungen der 3. Person Singular des Konjunktivs des Verbs und der Singularformen des Partizips werden gekürzt, vgl.: ateitu (Ž 18, P 15), gimes (Ž 6), prabeges (Ž 7, P 6), buves (Ž 8, P 7), išsigimes (Ž 9, P 8), apsigimes (Ž 12, P 10), išnešiojas ir parduodas (Ž 13, P 11), laikas (Ž 14), skaitas (Ž 14, P 12), nesupuves (Ž 14, P 12), pasivelines (Ž 19, P 15), abiejojas (P 18), gimes (Ž 23, P 19), išsi-lavines (Ž 23, P 19), išperejas (Ž 28, P 23). Die Schreibung ist hier nicht konsequent, denn bisweilen werden Nasalbuchstaben geschrieben, vgl.: sergąs (Ž 16, P 13). laikąs (P 12), abiejojąs (Ž 22).
Auch der lange Vokal ų variiert: Im Žodynėlyje wird er gekürzt (apskustas (Ž 23)), während er in Perrašė beibehalten wird (apskūstas (P 19)).
Die für die Šiauliškiai typische Verhärtung von l vor Vokalen des Typs e, ei, ė, ę spiegelt sich auch in den Handschriften wider, vgl.: nelaista (Ž 15), atlaidimo (Ž 17), mysla (Ž 19, 21; P 15, 17), nulaidimas (Ž 21), atlaidimu (Ž 22, P 18), aber neleista (P 13), atleidimo (P 14), nuleidimas (P 17).
Bemerkenswert ist auch ein weiteres Phänomen – die Erweichung von l (meliodija (Ž, P 2), žaisliu (P 13)).
In den Handschriften ist die Schreibung eines eingeschobenen j vor ie zu beobachten, z. B.: ieškinys (Ž 15, P 13), apjieškotojus (Ž 24), apjieškotojis (P 20), patriotyzmas (Ž 24, P 20), la-biausiai (Ž 5, P 4).
Am häufigsten werden gekürzte Infinitivformen verwendet, z. B.: skaityt (Ž 2, 4, 10; P 1, 3, 9), rašyt (Ž 2, 10; P 1, 9), parskaityt (Ž 16), aber parskaityti (P 13).
Straipsniai / Articles
79
Page 17JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Morphologische Merkmale. In den Handschriften finden sich unverkürzte dialektale Adverbformen, z. B.: geriaus (Ž 15, P 13), žemiaus (Ž 26, P 21), aukščiaus (Ž 26, P 22), niekuom (Ž 3, P 2), teip toliaus (Ž 7), aber Abschrift teip toliau (P 6)24.
Sowohl im Glossar als auch in der Abschrift spiegelt sich der Wechsel der Nominalstämme wider, vgl.: rašytojus (Ž 3), rašytojis (P 2), valnas (Ž 9), valnus (P 8), išradejis (Ž 10, P 9), gyventojus (Ž 14, 22; P 18), gyventojis (P 12), užmetinėtojis (Ž 15, P 13), poperis (Ž 17, P 14), myletojis (Ž 17, P 14), žmonys (Ž 19, P 16), lengvi (Ž 23, P 18), suvedžiotojis (Ž 24, P 19), apieškotojus (Ž 24), apieškotojis (P 20), valdytojus (Ž 28), valdytojis (P 23). Die Formen der Nomina im Superlativ haben durchgehend das Suffix –iausis, z. B.: pirmiausis (Ž 10, P 9), žinomiausis (Ž 23, P 20), aukščiausis (Ž 28, P 23).
Die untersuchten Quellen spiegeln nicht nur den Wechsel der Stämme, sondern auch den Wechsel des grammatischen Geschlechts von Wörtern wider: miesto Romo („Roma, Romas“ Ž, P 1), deviza („deviza, devizas“ Ž 7, P 6), pasaules, pasaulė, pasaulę („pasaulė, pasaulis“ Ž 9 14; P 8), poeta („poeta, poetas“ Ž 11, 27; P 9, 23), Jurista („jurista, juristas“ Ž 12, P 10), luoma („luoma, luomas“ Ž 23, P 19), spekais, „spėkas, jėga“ (Ž 26, P 21), spekomis „spėka, jėga“ (Ž 26, P 21), smailuma (Ž 5), smailumas (P 4), klasa („klasė“ Ž 5, P 4).
In den Handschriften ist auch ein Wechsel der Verbstämme oder Adverbienstämme zu beobachten, z. B.: tures „turiasi, turisi“ (Ž 15, P 13), tyle „tylia, tyli“ (Ž 20, P 16), prigule „prigulia, priguli“ (Ž 24, P 19), norent nenorent „noriant nenoriant, norint nenorint“ (Ž 27, P 23).
Es wurde auch eine athematische Verbform festgestellt (pasiliekta (Ž 26, P 22)).
Es finden sich alte Nominalformen: žvaizdes (Ž 17, P 15), daugiesa „Herrschaft“ (Ž 18, P 15).
Konsequent wird das Präfix (und die Präposition) par anstelle von per verwendet, z. B.: par (Ž 11, P 10), parstatimas (Ž 12, P 10), parlūžis (Ž 12, P 10), parskaityt (Ž 16), parskaityti (P 13), parprašau (Ž 17, P 14), parvarta (Ž 21, P 17), parvertimas (Ž 21, P 17), parsimaino (Ž 25, P 20), pargalejau (Ž 26, P 22), partrauka (Ž 17, P 14).
Unter den weiteren dialektalen Formen sind zu nennen: suerzdinimas (Ž 13), suersdinimas (P 11), žengsniu (Ž 17, P 14), troba (Ž 17, P 14), teip (Ž 18, 19, 20, 22, 24; P 15, 16, 18, 20,), bele kokio (Ž 19), belekokio (P 16), kietai=tvirtai (Ž 21), kietai, tvirtai (P 17), tikras, gruntautnas (Ž 21, P 17), tarba (Ž 25, P 20) usw.
In den Handschriften finden sich auch Fälle von Assimilation, z. B.: uzbaigimas (Ž 7), aprasymas (P 6), sąryšis (Ž 9) P zmonijos 8), aprasas (Ž 11, P 10), grazus (Ž 18, P 15), išpaniškai (Ž 26, P 22), aukščiaus (Ž 26, P 22), aber užbaigimas (P 6), aprašymas (Ž 7), sąryšis (P 7), Žmonijos (Ž 9).
24 Plačiau žr.: JŠPT 2001.
80
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 18Das handschriftliche Werk von Matas Slančiauskas
Wörterverzeichnis = Aus der Enzyklopädie. 1903
Einzelne Wörter augštas, daigtas werden mit g geschrieben, z. B.: augšto (Ž 3, P 2), daigtus (Ž 5, P 4), daigtas (Ž 7, P 6), augštumo (Ž 11, P 9), daigtu (Ž 16), daigtų (P 14); die Schreibweise der Wortformen vienog (Ž 7) und vienok (P 6) schwankt jedoch.
Auch die Korrekturen im Wörterverzeichnis und im Perrašō variieren, z. B.: apaštolas (Ž 18), apostolas (P 15), Kas nauja (Ž 20), Kas naujo (P 16).
Wortbildung. Zusammensetzungen werden im Wörterverzeichnis und im Perrašē ohne Fugenvokal gebildet, vgl.: šešpedes eiles (Ž 10, P 9), dauggalvis (Ž 18, P 15), daugbalsis (Ž 18, P 15), saukalbis (Ž 6, P 5), saumyl yste (Ž 5), savmyl yste (P 5).
Es wurden auch Ableitungen mit anderen als den in der heutigen Schriftsprache üblichen Suffixen festgestellt, z. B.: gudryste „Klugheit“ (Ž 16, P 14), keliauninkas „Reisender“ (Ž 11, P 10), vargužis „Armer, Notleidender“ (Ž 17, P 14), savimylis „Egoist“ (Ž 6), savimeilis (P 5).
Lexik. In den Handschriften ist ein Prozess der Neubildung von Wörtern zu beobachten, z. B.: Dyskursas, saukalbis (Ž 6, P 5), Egoizmas (lat.), saumyl yste (Ž 5), savmyl yste (P 5), laikmetas „Zeitalter“ (P 6, 15), Fantazija (griech.), vaidintuvė (Ž 8, P 7), netikšas (Ž 8), netišas (P 7), mokslamylis (Ž 9), moksla mylys (P 8), regratis „Sehen“ (Ž 11, P 10), apsakas „Erzählung“ (Ž 11, P 10), įturio, įturys „Inhalt“ (Ž 11, 25; P 10, 20,), išjuoka „Ironie“ (Ž 12, P 10), teisdarystėje „Jurist, in der Jurisprudenz“ (Ž 12, P 10), das Wort „Tausch“ wird erklärt durch Notacija (Ž 15, P 13), „Gegensatz“ wird erklärt durch Oponentas (Ž 15, P 13), „Abschnitt“ wird erklärt durch Paragrafas (Ž 16, P 14), „Vorspruch“ wird erklärt durch Pole mika (Ž 18, P 15), „Ausgang“ wird erklärt durch Rezultatas (Ž 21, P 17), rašikas „der Schreibende, Schreiber“ (Ž 22, P 18), „rukštadaris“ wird erklärt durch Tlenas (Ž 25, P 20), rašė jis „Schriftsteller“ (Ž 27, P 23), romiskas „römisch, der Römer“ (Ž 27, P 23), „grybelytes, ligu sekla“ werden erklärt durch Bacterium (P 4), Bacterijos (Ž 3).
Es gibt auch schwer erklärbare Wörter, z. B.: „prydelis“ wird erklärt durch Paragramas (Ž 16, P 14).
Syntaktische Merkmale. In den Handschriften wurde der für den šiauliaiischen Dialekt typische Ausdruck des Begehrens durch lai sowie eine Präsensform des Verbs esamojo laiko beobachtet, z. B.: lai mane Dievs baudžia (Ž 10, P 9).
Es kommen Verbindungen mit der Präposition ant und Ähnlichem vor, die bis heute in den Mundarten des Kreises Joniškis verbreitet sind, z. B.: žodynas ant daug kalbų (Ž 16, P 14), ant laimes (Ž 21, P 17), ant sveikatos (Ž 23, P 18).
Zur Bezeichnung einer zeitlichen Grenze wird eine Konstruktion mit der Präposition lig und Ähnlichem verwendet, z. B.: lig paskirtai dienai (Ž, P 1).
Vorherrschend sind Konstruktionen mit der Präposition par mit dem Genitiv, z. B.: par erškėčius pas žvaizdes (Ž 17, P 15), par poeta Militozą (Ž 23, P 19).
Auch der Gebrauch der Präposition pas mit dem Genitiv weicht vom üblichen Gebrauch der Schriftsprache ab, z. B.: par erškėčius pas žvaizdes (Ž 17, P 15), pas romenus garbintas po vardu Jovimo (Ž 28, P 23).
Dialektal ist auch der Gebrauch der Präposition po mit dem Instrumental, z. B.: pasidavimas po bauda (Ž 24, P 19), pas romenus garbintas po vardu Jovimo (Ž 28, P 23).
Straipsniai / Articles
81
Page 19JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Slančiauskas handschriftliche Wörterhefte – Wörterheft = aus einer Enzyklopädie aus dem Jahr 1903 und seine Abschrift Ein kleines Wörterheft aus dem Jahr 1910 – gehören zur lexikografischen Geschichte der Fremdwörter in Litauen, d. h. zur lexikografischen Geschichte der Wörterbücher internationaler Wörter.
Im Wörterheft = aus einer Enzyklopädie von 1903 sind 422 Wörter verzeichnet. Die Abschrift Ein kleines Wörterheft von 1910 enthält fünf Wörter (Wortverbindungen) weniger (417) als das Wörterheft von 1903. Bei 172 Einträgen ist vermerkt, dass sie aus dem Lateinischen stammen, bei 69 aus dem Griechischen, bei 26 aus dem Französischen und bei 14 aus dem Englischen, Deutschen, Italienischen, Spanischen und Sanskrit. 116 Wörter haben keine Herkunftsangabe. Im Wörterheft finden sich 30 Personenangaben, 64 Redewendungen sowie 27 Wortverbindungen und Abkürzungen.
Der Aufbau von Slančiauskas Wörterheft = aus einer Enzyklopädie von 1903 und der Abschrift Ein kleines Wörterheft von 1910 ähnelt dem Aufbau heutiger Wörterbücher internationaler Wörter: Der Wortschatz ist alphabetisch geordnet, die ausgewählten Wörter werden auf unterschiedliche Weise erläutert (mit einem Wort, durch Synonyme, mit einer Wortverbindung, durch eine ausführlichere Erklärung oder durch Verweise auf litauische Assoziationen); bei vielen finden sich Hinweise auf ihre Herkunft (Abkürzungen wie lot., gr., angl., itt., vok. usw.). Die Handschriften enthalten außerdem Bezeichnungen für Forscher aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten (Philosophen, Literaten [Prosaautoren und Dichter], Historiker, Theologen, Reisende, Erfinder usw.). Es finden sich Abkürzungen von Wörtern, Wortverbindungen und literarischen Wendungen, die in vielen Ländern gebräuchlich sind.
In den Handschriften sind die für den westaukštaitischen šiauliai-Dialekt charakteristischen Merkmale bewahrt: an, am, en, em werden nicht verändert; der Konsonant l wird verhärtet (vor e, ę, ė, ei) und erweicht; unbetonte Wortendungen werden verkürzt; der Konsonant j wird vor e, ie usw. eingefügt; hinzu kommen verschiedene morphologische Erscheinungen (Substantivsuffixe, athematische Verbformen, nicht verkürzte Adverbformen usw.) sowie einige syntaktische Besonderheiten (insbesondere der Gebrauch von Präpositionalfügungen). Bemerkenswert ist, dass in der Abschrift von 1910 Perrašė die Zahl der Wörter zunimmt, die nicht mehr phonetisch oder halbphonetisch, sondern morphologisch geschrieben werden.
Slančiauskas Wörterheft = aus einer Enzyklopädie von 1903 und die Abschrift Ein kleines Wörterheft von 1910 zeigen, dass die Voraussetzungen für die Entstehung eines Wörterhefts zu Fremdwörtern gegeben waren. Vermutlich wurde das Wörterheft von 1903 zu Lernzwecken abgeschrieben (die Autorin hält es für möglich, dass es noch weitere solche Abschriften gibt). Diese Handschriften machen deutlich, dass eine systematische Erfassung der Fremdwörter notwendig war und ein Wörterheft der fremden und unverständlichen Wörter entstehen konnte, das Jurgis Šlapelis 1907 zusammenstellte. Somit ließe sich die frühe Periode der Geschichte der Fremdwörterlexikografie um ganze vier Jahre vorverlegen und nicht erst mit Šlapelis Wörterheft, sondern bereits 1903 beginnen lassen (bis 1936).
82
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 20Mato Slančiausko rankraštinis Žodynelis = Iš enciklopedijos. 1903
ANHÄNGE
1 ANHANG. Fremdwörter (Wortverbindungen und Redewendungen) mit der Angabe (lat.) oder (−) beziehungsweise (lateinisch)
Internationale Wörter (aus dem Lateinischen)
Erläuterung
A. a..u. c. Jahr seit der Gründung der Stadt
In den Jahren nach der Gründung der Stadt (Rom)
Absolute Monarchie
uneingeschränkte Herrschaft des Monarchen
Accuratio
Beschwerde
Ad exemplum
veranschaulicht
Ad feliciora tempera
auf bessere Zeiten
Ad futuram memoriam
zum ewigen Gedenken
Ad diem dictum
bis zum festgesetzten Tag
Agitacija
Bewegung, Regung
Aksiomatas
ein sicherer Beweis, Wahrheit
Amicus Plato sed magis amica veritas
Platon ist mir lieb, doch die Wahrheit ist mir lieber
Arija
Melodie einer echten Oper, Gesang, Lied
Concordia res parve crescunt, discordia maximae dilabuntur
Eintracht lässt kleine Dinge wachsen, Zwietracht lässt selbst die größten zugrunde gehen.
Denacionalisacija
Entnationalisierung
Denuncijantas
Spion, Spitzel
Ego
aš
Egoista
Selbstverliebter
Egoizmas
Selbstsucht
Elementas
Element
Eo ipso
allein deshalb
Ergo
auf diese Weise, auf eine Weise
Errare humanum est
Irren ist menschlich
Errata
Fehler
Est modus in rebus
Es gibt ein Maß in allen Dingen
Ex
gewesen, seit langer Zeit im Umlauf
Ex abrupto
unvorbereitet, plötzlich, unerwartet
Ex capite
aus dem Kopf; von Anfang an
Extra
schnell, sehr, abgesondert
Fabula
Unsinnsgeschichte
Facet
ein lächerlicher Mensch
Fachas
Beschäftigung, Handwerk
Straipsniai / Articles
83
Page 21JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Internationale Wörter (aus dem Lateinischen)
Erklärung
Faktas
wahre Tatsache, Existenz
Fanatikas
Heuchler
Fecit
machte, vollendete
Föderation
Vereinigung, Verbindung von Ländern
Finis
Ende
Form
Gestalt, Erscheinungsform
Bruder
Bruder
Freude
Fröhlichkeit, Freude
Kostenlos
umsonst, gratis
Mensch
Mensch
Ehre
guter Ruf, Ehre
Humanist
menschlich, vielseitig gebildet – ein scharfsinniger Mensch
Humorist
eine Erzählung oder Beschreibung von etwas Lustigem und Unterhaltsamem
In vino veritas
im Wein liegt die Wahrheit.
Ironie
Spott, Bloßstellung
Recht
Wahrheit
Klamantes
Ausruf, Stimme
Sammlung
Sammlung
Komplett
vollständige Sammlung
Kommunion
Einheit, Vereinigung
Feuersbrunst
Verbrennung
Konflikt
Streit
Konfusion
Verwirrung, Verärgerung
Kongress
Zusammenkunft, Versammlung von Beamten
Kontrefaktion
gefälschte Bücher
Kontusion
Prellung des Körpers
Korrekturabzug
Korrektur von Druckfehlern in Büchern
Licet
gültig, erlaubt
Maksimum, – minimum
am wenigsten, – was am wenigsten
Nec locus ubi Troja fuit
keine Spur mehr, wo Troja war. – Wer gefallen ist, ist zugrunde gegangen.
Nec plus ultra
nichts darüber hinaus
Nefas
Unrecht, Verbrechen
Nefasti dies
Unglückstage
Nequam
niemand mehr
84
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 22Das handschriftliche Werk von Matas Slančiauskas
Wörterbüchlein = Aus der Enzyklopädie. 1903
Internationale Wörter (aus dem Lateinischen)
Erklärung
Nolens volens
ob gewollt oder ungewollt
Nomenklatura
Namensverzeichnis
Nomina sunt odiosa
Der Austausch des Namens ist nicht der eigene.
Non licet
nicht erlaubt
Non plus ultra
nichts Besseres
Nosce te ipsum
Erkenne dich selbst
Anmerkung
Kennzeichnung, Markierung
Notation
Austausch
Obskurant
Gegner der Aufklärung, Dunkelmann
Meinung
Gerücht unter den Menschen.
Opponent
Widersacher, Einwender.
Original
erstes Werk
O tempora! O mores!
O Zeiten! O Sitten!
Patient
Man ist krank, je nachdem, welchen Apotheker man aufsucht.
Pari possu
mit gleichem Schritt, im gleichen Maß
Pars
Teil
Patrija
Vaterland
Pauper
armer Schlucker, Bettler
Perpetuum mobile
ewige Bewegung
Persona
Eigenschaft, Person
Planas
Abnahme: Angabe, wie es sein soll
Plantacijė
bebautes Land, Feld, das besät oder bepflanzt ist
populär
menschlich
Post festum
nach den Festtagen, hinterher, wenn man zu spät gekommen ist
Erste Liebe zum Ich
erste Gunst von sich selbst
Proklamation
Aufruf an alle Menschen
Proletariat
Menschen ohne Besitz, ohne Obdach, Arme
Pro memoria
zur Erinnerung
Prosa
wie man spricht, so schreibt man auch
P. s. = Nachschrift
Nachschrift unter irgendeinem Schriftstück
Veröffentlichung
Bekanntmachung, Erzählung
Quantum satis
bis zur Sättigung
Quod scripsi, scripsi
Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben
Rationalität
wahre Ursache, Gewissheit, zugeteilter Anteil, Nahrung
Radikal
fest=standhaft bei der eigenen Entscheidung
Straipsniai / Articles
85
Page 23JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Internationale Wörter (aus dem Lateinischen)
Erklärung
Redde quod debes
Gib zurück, was du schuldest
Empfehlung
Überweisung, Empfehlung
Reformation
Umsturz der Religion
Erholung
Erfrischung, Ruhe von der Beschäftigung
Respice finem
Achte auf das Ende
Risum tenentis amici
Lacht nicht, Freunde. (Aus Horaz’ Dichtung)
Risiko
auf Glück oder Verderb
Mit Verlaub
mit Nachsicht
Sapieti satis
Für einen klugen Kopf genügt ein Wort – einem Weisen reicht ein Wort
Scientia
Wissenschaft, Wissen
Scriptor; scriptum
Schreiber; Schrift
Semper idem
immer dasselbe
Sitzung
Zusammenkunft, Gespräch
Sic!
so! – eine Verwunderung in einer Kritik
Sic fata tulere
So wollte es das Schicksal
Sic volo, sic jube
So will ich, so scheint es auch.
Si deis placet
wenn die Götter es erlauben
Si fibula vera
wenn das wahr ist
Zeichen
Zeichen
Einfach
einfach, geradeheraus
Simplex servus Dei
ein einfacher, ungebildeter Mensch
Similija similibus curantur
Gleiches heilt Gleiches; Ähnliches heilt Ähnliches.
Sit saluti
auf die Gesundheit
Sit tibi terra levis
Möge die Erde dir leicht sein
Si vis pacem parabellum
Wenn du Frieden willst, rüste dich zum Kampf (schlage zu)
Socius
Freund, Gefährte
Socius amaris
Freund der Liebe
Socius doloris
Gefährte der Schmerzen
Status
Stand, Lage
Studio
Wissenschaft, Bildung
Sua sponta
guter Wille
Sub divo
unter freiem Himmel
Subjekcija
Mühen, Plackereien
86
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 24Handschriftliches von Matas Slančiauskas
Glossar = Aus der Enzyklopädie. 1903
Internationale Wörter (aus dem Lateinischen)
Erläuterung
Submissio
Unterwerfung unter Strafe
Subskription
Unterschrift, Zusammenschluss, Zuzahlung
Sui generis
eigenartig
Suum cuique
Gib jedem, was ihm zukommt
Tace!
Schweig! Sei still!
Taliter – quoliter
so – derart
Tantum – quantum
so viel – wie viel
Tarde venientibus ossa
Wer zu spät kommt, schadet sich selbst.
Fluss
Tasche für Papier und Bücher
Text
der vollständige Aufbau oder Inhalt eines Liedes, Gesangs oder eines anderen Schriftstücks
Tempora mutantur, et nos mutamus in illis
Die Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen.
Tendenz
Streben, Ziel
Sauerstoff
Säurebildner – Luft – Element
Toleranz
Geduld, Ertragen
Tradition
Überlieferungen
Traktat
wissenschaftliche Ordnung der Menschen
Ubi bene ibi patria
Wo es gut ist, dort ist die Heimat
U. C. (urbis conditos lot.)
Datum: seit der Gründung der Stadt (Rom)
Ultimus
der Letzte, der Nächste
Ultra
verdreht, von jener Seite
Mit Schnabel und Krallen
sich mit aller Kraft (mit Klauen und Schnäbeln) wehren
Mit vereinten Kräften
mit vereinten Kräften
U. s. (ut supra)
wie oben
Bis zum Ende
bis zum Ende
Leer
fehlt, freier Platz ist nicht besetzt
Wehe!
Wehe
Wehe den Besiegten!
Wehe den Unterworfenen
Leb wohl!
Sei gegrüßt! (=sei gegrüßt, lebe wohl)
oder
oder, ob
Veni, vidi, vici
Ich kam, sah und siegte
Verba volent, scripta manent
Das gesprochene Wort vergeht, das Geschriebene bleibt
Verbum nobile, debet essestabile
Ein gegebenes Wort muss gehalten werden
Veritabilis
wahr
Straipsniai / Articles
87
Page 25JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Internationale Wörter (aus dem Lateinischen)
Erläuterung
Vide
siehe
Vidi
ich sah
Vita brevis, ars longa
Das Leben ist kurz, die Kunst lang.
Volens nolens
ob man will oder nicht
Vulgo
allgemein, gemeinsam
Vivat!
Es lebe!
2 ANHANG. Fremdwörter mit Verweisen: (auf Griechisch), (griech.), (gr.), (griech. Mythol.), (–,)
Internationale Wörter (aus dem Griechischen)
Erläuterung
Asceta
wahrhaft fromm
Bibliopolis
Buchhändler
Dyalogas
Gespräch, Unterhaltung zwischen mehreren Personen
Enthusiasmus
Begeisterung, Erhitzung
Epigraph
Inschrift, Motto
Epilog
Abschluss einer Rede, eines Gedichts, von Märchen usw.
Epizoda
Abschweifung in einer Rede, einem Gedicht – in Schriften
Epoche
eine Zeitspanne, die in historischen Ereignissen vergangen ist
Epopöe, Epos
ein gewaltiges Poem
Ära
Zeitrechnung einer Epoche
Äther
Luft, blauer Himmel
Ethnologie
Wissenschaft von der Existenz der Menschen
Ethik
Wissenschaft und Philosophie der Menschlichkeit
Etymologie
Wissenschaft von der Herkunft der Erklärungen
Fantasie
Vorstellungen
Physik
Naturwissenschaft
Geografie
Wissenschaft und Beschreibung der Erde
Geologie
Wissenschaft von der Erdkruste
Geonomie
Wissenschaft von den Erdgrenzen
Grammatiker
erste Lehrer des Lesens und Schreibens
Grammatik
Sprachwissenschaft
Hexameter
sechsfüßige Verszeilen in der Poesie
Hieroglyphen
Schriften der alten Ägypter mit Zeichen und Bildern
Hyppokryta
Betrüger
88
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 26Das Manuskript von Matas Slančiauskas
Wörterbüchlein = Aus der Enzyklopädie. 1903
Internationale Wörter (aus dem Griechischen)
Erklärung
Hypsometrie
Wissenschaft der Höhenmessung
Horizont
Himmelsgewölbe (der Himmelsumkreis)
Hygiene
Wissenschaft von der Erhaltung der Gesundheit
Hypnotismus
Schlaf, der durch Magnetismus herbeigeführt wird
Idiot
mit unvollständiger Meinung geboren
Katastrophe
ein unglücklicher Zwischenfall, ein Schlaganfall im Drama
Kategorien
Abschnitt, Unterteilung
Kosmos
Erde, Welt, Universum
Kosmografie
Beschreibung der Welt
Kosmopolit
hält die ganze Welt für seine Heimat
Mythologie
Wissenschaft von den Göttern und Gottheiten der alten Zeit, überliefert in Sagen
Molekül
miteinander verbundene Atome eines festen oder flüssigen Körpers
Monogramm
Buchstaben aus Vor- und Familiennamen, zu einer Figur zusammengesetzt
Monolog
spricht mit sich selbst – theatralisch usw.
Monosoph
hält sich allein für einen klugen Kopf
Monotheismus
Glaube an einen Gott
Nektar
Getränk der Götter
Panegyrik
Lobrede, Schrift oder Verse
Pangermanismus
Vereinigung aller deutschen Volksstämme (– Panlitauismus! Wann wird es so weit sein?)
Panlexikon
Wörterbuch in vielen Sprachen
Panoptikum
Sammlung vieler sehenswerter Dinge
Panteologie
Wissenschaft von allen Göttern
Pantomime
Verständigung ohne Stimme, durch Bewegungen der Körperteile (in Theatern)
Pansophie
Weisheit aller
Paragraph
Zeichen § in Schriften zur Abgrenzung
Paragramm
Beilage oder Erläuterung
Parasit
Tier, das sich von einem anderen ernährt
Periode
Epoche, Zeitabschnitt, Jahre
Poesie
vollständige, schöne, wahrheitsgetreue Darstellung, sowohl in Dramen als auch in Versen
Polykratie
Vielherrschaft
Polikephalos
vielköpfig
Polypkon
vielstimmig
Problem
Rätsel
Straipsniai / Articles
89
Page 27JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Internationale Wörter (aus dem Griechischen)
Erklärung
Programm
Plan, Enthüllung
Pseudo
unecht, falsch
Pseudonym
Unterschrift eines erfundenen Namens – unecht
Psychologie
Teil der Philosophie, Erfahrung von der Seele
Rhapsoden
größere Liedersammlung
Skeptiker
Ein Mensch, der an allem zweifelt
Simonie
heiliger Handel: Verkauf geistlicher Ämter usw.
Sympathie
Freundlichkeit, Liebe, Zuneigung
Symptom
Erscheinung, Offenbarung
Tragödie
theatralische Erfindung – der Tod eines Helden
Tyrann
schreckliche Beamte – böse bei den alten Griechen
Zeus (=D Zeus)
Der griechische Gott, Vater der Götter und Menschen, höchster Herrscher der gesamten Schöpfung; bei den Römern unter dem Namen Jovis verehrt; – auch bei den Litauern Perunas, der den Himmel, die Erde usw. erschaffen hat.
3 ANHANG. Fremdwörter mit dem Verweis (deutsch) oder (auf Deutsch)
Internationale Wörter (aus dem Deutschen)
Erklärung
Cypelis
Felsvorsprung ins Meer
Feleris
Täuschung, Irrtum
Frei
umsonst, kostenlos, frei
4 ANHANG. Fremdwörter (Wortverbindungen und Redewendungen) mit den Verweisen: (franz.), (franz.), (fr.), (–,)
Internationale Wörter (aus dem Französischen)
Erklärung
Brigant
Mörder
Charakter
eigener Antrieb
Commercija
Viehzucht, Handel
Esprit fort
freisinnig
Fasonas
Narr, Dummkopf
Fixe
schnell (fix)
Kolporteur
trägt Bücher herum und verkauft sie
Kompans
Freund, Gefährte
Kompanije
Freundschaft, Gesellschaft
90
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 28Das handschriftliche Werk von Mato Slančiauskas
Glossar = Aus der Enzyklopädie. 1903
Internationale Wörter (aus dem Französischen) Erklärung Kompas Sonnenuhr und Magnetnadel Komplement Lob Komparuoti zusammenstellen, in Verse setzen Parblen! zum Teufel, zum Henker Pardon mein Geliebte, verzeihen Sie, ich bitte um Verzeihung Par exemple zum Beispiel Passagier (Pasažyrius) Reisender Pavillon seitlicher Flügel eines Hauses Qui vive? Wer da? Wer ist dort? Qui vivra verra Wer lebt, wird sehen Rang Grad, Wert Rapport Bericht Resultat Untergang, letzter Ausfall Scharlatan Quacksalber, Verführer, Betrüger Chauvinismus das Gegenteil von Patriotismus Tourist neugieriger Reisender Vis à vis gegenüber, einander gegenüber
5. ANHANG. Fremdwörter (Wortverbindungen, Redewendungen, Persönlichkeiten) mit dem Vermerk (engl.) oder (ang.)
Internationale Wörter Erklärung Darwin Erasmus gelehrter Zoologe 1731–1802 Darwin König Robert Naturforscher und Reisender 1809–1882 Draper Schriftsteller 1811–1882 Flaga Fähnchen, Farn God – dam möge Gott mich strafen Snob einer, der Freundschaft nicht kennt Tobe ar not to be (ausgesprochen: tu bi or not tu bi), sein oder nicht sein (Shakespeares Hamlet)
6. ANHANG. Fremdsprachige Wortverbindungen und Redewendungen mit dem Vermerk (italienisch) oder (itt)
Internationale Wörter Erklärung Etc (et ceter) und so weiter Se non è vero è ben trovato wenn das auch nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.
Straipsniai / Articles
91
Page 29JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
7. ANHANG. Fremdwörter mit den Vermerken (sanskritisch) und (spanisch)
Internationale Wörter
Erklärung
Trimurti
Dreieinigkeit, drei Gottheiten: Brahma, Vishnu und Giva.
Ur ganas, Orkan
furchtbarer Wirbelsturm
8 ANHANG. Fremdwörter (Wortverbindungen und Redewendungen) ohne Herkunftsangabe
Internationale Wörter
Erklärung
Aceront
unterirdische Welt
Altruismus
das dem Egoismus entgegengesetzte Gefühl, Wohltätigkeit
Analphabet
des Lesens und Schreibens unkundig
Anarchija
Unordnung
Anonym
namenlos
Antagonista
Gegenspieler
Antropofagas
Menschheit
Apage
Geh weg, zieh dich zurück
Apostata
Einsiedler
Ariische Sprachen
indoeuropäische Sprachen
Angriffe
Überfall
Atmosphäre
Luft über der Erde
Atom
unteilbar, kleinstes Teilchen
Audiatur et altera pars
Auch die andere Seite soll angehört werden
Auguren
Kenner im alten Rom
Entweder Caesar oder nichts
entweder Cäsar oder nichts
Aut – aut
entweder – oder
Autobiografija
Beschreibung des eigenen Lebenslaufs
Autor
Schöpfer, Schriftsteller
Autorität
Anerkennung der eigenen hohen Bildung
Stickstoff
Gas; erstickende Luft
Bacterium
Pilzchen, Krankheitskeim
Bacillen
mikroskopische Tiere
Verbannung
Verbannung, Vertreibung
Barbar
bei den Griechen: Feind, Unwissender
Belletrist
Märchenschreiber
Bibliophiler
liebt es, Bücher zu lesen
Bibliothek
Sammlung von Büchern
92
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 30Das handschriftliche Werk von Matas Slančiauskas
Wörterbüchlein = Aus der Enzyklopädie. 1903
Internationale Wörter
Erläuterung
Biografie
Beschreibung des Lebens
Buffon
Schurke
Bourgeoisie
Stand der wohlhabenden Bürger
Capite censi
In Rom die ärmste Bevölkerungsschicht
Centrum
Mittelpunkt
Datum oder Datum
Bezeichnung von Tag, Monat und Jahr
Delegierter
abhängig, Gesandter
Demokratie
Volksherrschaft, im Gegensatz zur Aristokratie (Herrschaft der Herren)
Despotismus
harte, schmerzhafte Herrschaft
Dictum factum
Gesagt, getan; fertig
Discipulus
Schüler
Diät
Kost während einer Krankheit
Disharmonie
Zwietracht
Diskurs
Gespräch
Äquator
Erdlinie unter der Sonne
Epik
Abteilung der Poesie
Ethnografie oder Anthropologie
Beschreibung der Lebensweise der Menschen
Freimaurer (Freimaurer)
Freimaurer, Ungläubiger
Fatum
Schicksal, Glück
Fatyga
Erschöpfung
Philanthrop
Freund der Menschheit
Philologe
Wissenschaftsliebhaber
Philosoph
Reihe der Prototypen
Physiographie
Beschreibung der Natur
Phonograph
Edisons Erfindung zur Aufzeichnung von Stimme und Klang usw.
Franko
frei, bezahlt
Frant
Filister, Elegant
Genie
entartet, von klugem Geist
Hypothese
unbewiesene Wahrheit
Idee
Meinung
Illumination
Lichtanzünder
Illustrationen
bebildert
Improvisation
Singen oder Rezitieren aus dem Kopf ohne Vorbereitung
Inklusion
Eingliederung
Straipsniai / Articles
93
Page 31JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Internationale Wörter
Erläuterung
Intelligenz
eine durch Wissenschaft erleuchtete Menschheit
Jurist
in der Rechtswissenschaft ausgebildet
Abtrünniger
Abtrünniger, Ungläubiger
Karikatur
Darstellung zum Spaß
Klepsydra oder Wasseruhr
eine Uhr aus Sand oder Wasser in der Antike
Klassiker
die bedeutendsten Schriftsteller der alten Griechen
Mumie
ein einbalsamierter, unverwester Leichnam
Novelle
prosaische Erzählung
Paläografie
Kenntnis alter Handschriften und die Fähigkeit, sie zu lesen
Brot und Spiele!
Brot und Spiele (so lautete der Ruf der Römer zur Zeit des Niedergangs der Menschlichkeit)
Pergament
Lederpapier
Wetten wir!
Lasst uns wetten
Parlament
Versammlung der Abgesandten eines Herrschaftsgebiets, Landtag, Zahl der Abgeordneten
Patrizier
römische Aristokraten, Adlige
Patriot
Vaterlandsliebhaber
Pause
Unterbrechung in der Musik
Pädagogik
Wissenschaft von der guten Erziehung der Menschheit
Per aspera ad astra
Durch Dornen zu den Sternen
Perfektion
Vollkommenheit
Perpedes apostolorum
zu Fuß (wie ein Apostel)
Planiglobus
Abbildung beider Hälften der Erde oder des Himmels
Plebejei
Die niedrige Bevölkerungsschicht in Rom; im Jahr 494 v. Chr. kämpfte sie mit den Patriziern um die Freiheit.
Pneumatologie
Wissenschaft von den Geistern
Polemik
Gegenschrift, Streit
Polytheismus
Glaube an viele Götter
Poste restante
Auf Briefe oder Sendungen geschriebener Vermerk, dass der Empfänger sie selbst abholen soll
Praxis
jede Art von Versuch
Pro domo sua
Selbstverteidigung
Pro formo
der Mode wegen
Fortschritt; Rückschritt
Vorwärts-, Rückwärtsbewegung
94
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 32Das handschriftliche Werk von Mato Slančiauskas
Kleines Wörterbuch = Aus der Enzyklopädie. 1903
Internationale Wörter
Erklärung
Projekt
Versuch
Propaganda
Verbreitung irgendwelcher Nachrichten
Pro publico bono
zum Wohl der Öffentlichkeit
Prostitution
Hingabe an die käufliche Unzucht – Hurerei
Privat
häuslich, nicht staatlich, nicht öffentlich
P. U. C. = nach der Gründung der Stadt
Nach der Gründung der Stadt (Rom). 753 v. Chr. – von diesem Datum an zählten die Römer die Jahre
Was gibt es Neues?
Was hört man Neues?
Wer schweigt, scheint zuzustimmen.
Wer schweigt, stimmt zu.
So viele Köpfe, so viele Meinungen.
Jeder Kopf hat seinen Verstand.
Wie lange noch, Catilina, willst du unsere Geduld missbrauchen?
Bis wann noch? Wie lange soll das so weitergehen?
Rabatt
Preisnachlass auf den Einkauf
Ratafia
eine Abteilung süßen Branntweins
Realnas
echt, grundständig
Rebus
bildhafte Denksportaufgabe
Revolution
Umsturz
Rhythmus
taktmäßige Verse
Scurra
arme Einwohner Roms
solidarisch
friedlich, entgegenkommend
Spezialist
jemand, der in einem Fach am besten ausgebildet ist und es versteht
Vorstellung
Theateraufführung
Skizze
unfertiges Bild, angegebener Plan, angegebener Punkt
U. i. (ut infra)
wie weiter unten
Vampir
Blutsauger, Fledermausarten. (sagenhaft)
9 ANHANG. Persönlichkeiten
Bezeichnung der Persönlichkeit
Erläuterung
Aristoteles
griechischer Philosoph, Schüler Platons, 384–322 v. Chr.
Bruno Giordoni
fil. 1550–1600. sudegintas Romoje
Dante Alighieri
Dichter 1265–1321
Darvinas Erazmas
gelehrter Zoologe 1731–1802
Darvinas Karalius Robertas
Naturalist und Reisender 1809–1882
Str aipsniai / Articles
95
Page 33JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Bezeichnung der Persönlichkeit
Erklärung
Draperis
Schriftsteller 1811–1882
Edisonas
gimęs 1847. Amerikoji
Galilejus, Galileo
Physiker 1564–1642. Er erkannte als Erster die Bewegung der Welt. Seine Worte: „Und sie bewegt sich doch“=
Gibbons
englischer Schriftsteller 1737–1794
Gutenbergis Jonas
Erfinder der Buchdruckerkunst 1397–1468
Herodotas
Vater der Geschichtsschreibung, erster griechischer Schriftsteller 484–424 v. Chr.
Hippokrates
Vater der Medizin aller Zeiten 460–364 v. Chr.
Homeras
griechischer großer Dichter des 9. Jh. v. Chr.
Humboldtas Frid. Henr. Alek.
Reisender und Naturforscher 1769–1859
Hus oder Gusas Jons
1369–1415. In der „heiligen Inquisition“ verbrannt
Huxley
englischer Zoologe, geboren 1825
Konfucas, Kong=Fu=Tse
das ist ein Philosoph aus China, 551–479 v. Chr.
Liebknechtas Vilhelmas
geboren 1826
Pytagoras
griechischer Philosoph 540–500 v. Chr.
Pytheas (Putejus) aus Massylien
zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. Er umsegelte Europa; seine Schriften reichen bis nach Litauen
Rousseau (Jean-Jacques Rousseau)
Literat, Philosoph 1712–1778
Shakespeare
(Shakespeare, William) 1564–1616
Sokrates
der berühmteste griechische Philosoph, geboren 470 v. Chr.; im Alter von 69 Jahren wurde er von dem Dichter Melitos, dem Redner Likona und dem Gerber Agitoza bei der Obrigkeit wegen Gottlosigkeit und der Verderbung der Jugend angeklagt, durch Gift getötet. Sokrates ist der Begründer der wissenschaftlichen Dialektik und ihrer wissenschaftlichen Methode
Straussas Dovidas Fridr.
Theologe; er verfasste „Das Leben Jesu“ 1804–1874
Tindalius
anglikanischer Schriftsteller 1657–1738
Volney
französischer Schriftsteller 1757–1820
Voltaire
französischer Schriftsteller 1694–1778
Vergilius
Schriftsteller, geboren 1470
Virgilius (Maro Publius)
römischer Dichter 70–19 v. Chr.
Xanthus aus Lydien
berühmter griechischer Historiker, lebte im 5. und 6. Jahrhundert v. Chr.
96
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 34Mato Slančiausko rankraštinis Žodynelis = Iš enciklopedijos. 1903
10. ANHANG. Redewendungen
Redewendung
Erklärung
A. a..u. c. Jahr seit der Gründung der Stadt
Im Jahr nach der Gründung der Stadt (Rom)
Auf glücklichere Zeiten
auf bessere Zeiten
Ad futuram memoriam
zum ewigen Gedenken
Ad diem dictum
bis zum festgesetzten Tag
Platon ist mein Freund, doch die Wahrheit ist mir noch lieber
Platon ist mir lieb, doch die Wahrheit ist mir lieber
Concordija res parve crescunt, discordia maximae dilabuntur
Eintracht lässt kleine Dinge wachsen, Uneinigkeit bringt selbst die größten zum Einsturz.
Errare humanum est
Irren ist menschlich.
Est modus in rebus
Alles hat sein Maß.
In vino veritas
Im Wein liegt die Wahrheit.
Audiatur et altera pars
Auch die andere Seite soll angehört werden.
Aut Caesar, aut nihil
Entweder Cäsar oder nichts.
Aut – aut
Entweder – oder.
Dictum factum
Gesagt, getan; erledigt.
Nec locus ubi Troja fuit
kein Zeichen an dem Ort, wo Troja war. – Wer angreift, geht zugrunde
Nec plus ultra
nichts darüber hinaus
Nolens volens
ob man will oder nicht
Nomina sunt odiosa
der Austausch des Namens ist nicht statthaft
Non plus ultra
nichts Besseres
Nosce te ipsum
erkenne dich selbst
O tempora! O mores!
O Zeiten! O Sitten!
Panem et circenses!
Brot und Spiele (dies war ein Ruf zur Zeit des Niedergangs der römischen Menschlichkeit)
Pari possu
mit gleichmäßigem Schritt, im gleichen Maß
Per aspera ad astra
durch die Dornen zu den Sternen
Perpedes apostolorum
zu Fuß (wie ein Apostel)
Perpetuum mobile
ewige Bewegung
Prima caritas ab ego
die erste Gnade von sich selbst
Pro domo sua
Selbstverteidigung
Pro publico bono
zum Wohl der Öffentlichkeit
P. U. C. = nach der Gründung der Stadt
Nach der Gründung der Stadt (Rom). 753 v. Chr. – von diesem Datum an zählten die Römer die Jahre
Qui tacet concentire videtur
Wer schweigt, stimmt zu.
Straipsniai / Articles
97
Page 35JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
Sprichwort
Erklärung
Quod scripsi, scripsi
Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
Quod capita tot sensus
So viele Köpfe, so viele Meinungen.
Quo usque tandem, abutere patientia nostra?
Wie lange noch? Wie lange soll das so weitergehen?
Qui vivra verra
Wer am Leben bleibt, wird es sehen.
Redde quod debes
Gib zurück, was du schuldest.
Respice finem
Achte auf das Ende.
Risum tenentis amici
Lacht nicht, Freunde. (Aus der Dichtung des Horaz)
Salva venia
mit Nachsicht
Sapienti satis
Für einen klugen Kopf genügt ein Wort – für einen Weisen reicht ein Wort
Semper idem
immer dasselbe
Se non è vero è ben trovato
Wenn es auch nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden
Sic fata tulere
So wollte es das Schicksal
Sic volo, sic jube
So will ich es, so befehle ich es
Si deis placet
wenn die Götter es erlauben
Si fibula vera
wenn das wahr ist
Simplex servus Dei
ein einfacher, ungebildeter Mensch
Similija similibus curantur
Gleiches heilt Gleiches; Ähnliches heilt Ähnliches
Sit tibi terra levis
Möge dir die Erde leicht sein
Si vis pacem parabellum
Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Kampf vor (schlage zu)
Taliter – quoliter
so – wie
Tantum – quantum
so viel – wie viel
Tarde venientibus ossa
Wer zu spät kommt, schadet sich selbst
Tempora mutantur, et nos mutamus in illis
Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen.
Tobe ar not to be
(ausgespr.: tu bi or not tu bi), sein oder nicht sein (Shakespeares Hamlet)
Ubi bene ibi patria
Wo es einem gut geht, dort ist die Heimat.
Unquibus et rostro
sich mit allen Kräften verteidigen (mit Klauen und Schnäbeln)
Unitis viribus
mit vereinten Kräften
Usque ad finem
bis zum Ende
Vae victis!
Wehe den Besiegten!
Veni, vidi, vici
Ich kam, sah und siegte
Worte verwehen, Geschriebenes bleibt
Das Wort fliegt davon, die Schrift bleibt bestehen
98
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 36Das handschriftliche Werk von Matas Slančiauskas
Glossar = Aus der Enzyklopädie. 1903
Redewendung
Erläuterung
Verbum nobile, debet essestabile
Ein gegebenes Wort ist wohl selten
Vita brevis, ars langa
Das Leben ist kurz, die Kunst lang
Volens nolens
wollend oder nicht wollend
11 ANHANG. Wortverbindungen
Wortverbindungen
Erläuterung
Absolute Monarchie
unbeschränkte Herrschaft des Monarchen
Ad exemplum
veranschaulichend
Ex abrupto
unvorbereitet, plötzlich, unerwartet
Ex capite
aus dem Kopf; von Anfang an
Arier-Sprachen
indoeuropäische Sprachen
Capite censi
in Rom die ärmste Bevölkerungsklasse
Nefasti dies
Tage des Unglücks
Non licet
nicht erlaubt
Poste restante
Auf Briefen oder Sendungen vermerkter Zusatz: damit der Empfänger selbst kommt, um sie abzuholen
Post festum
nach den Festtagen, hinterher, wenn alles schon vorbei ist
Pro formo
der Mode wegen
Pro memorijai
zur Erinnerung
P. s. = Nachschrift
Nachtrag nach irgendeinem Schriftstück
Quantum satis
bis zur Sättigung
Quid novi?
Was gibt es Neues?
Qui vive?
Was wird gesagt? Was gibt es dort?
Sit saluti
auf die Gesundheit
Socius amaris
Freund der Liebe
Socius doloris
Leidensgefährte
Sua spontā
aus freiem Willen
Sub divo
unter freiem Himmel
Sui generis
eigenartig
Suum cuique
Gib jedem, was ihm zusteht
U. C. (Gründung der Stadt, lat.)
Datum: seit der Gründung der Stadt (Rom)
U. i. (ut infra)
wie unten
U. s. (ut supra)
wie oben
Vis à vis
gegenüber, gegenüberliegend
Straipsniai / Articles
99
Page 37JANINA ŠVAMBARYTĖ-VALUŽIENĖ
LITERATŪRA
DLKG – Dabartinės lietuvių kalbos gramatika, red. Vytautas Ambrazas. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1994.
Gusmani Roberto 1987: Interlinquistica. – Linguistica storica. Roma: NIS., 87–114.
JŠPT – Joniškio šnektų pratimai ir tekstai, ats. red. Janina Švambarytė, Šiauliai: K. J. Vasiliausko įmonė, 2001. CD – Šiauliai: Dipolis, 2005.
Križinauskas Juozas, Smagurauskas Stasys: Vokiečių–lietuvių kalbų žodynas 1–2. Vilnius: Mokslas, 1992.
Lanza Stefano: Italų kilmės žodžiai (italizmai) ir jų adaptacija Lietuvių kalboje. Daktaro disertacija. Kaunas, 2009.
LKE – Lietuvių kalbos enciklopedija, par. Kazys Morkūnas, red. Vytautas Ambrazas. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 1999.
LKTCH – Lietuvių kalbos tarmių chrestomatija, sud. Rima Bacevičiūtė, Audra Ivanauskienė, Asta Leskauskaitė, Edmundas Trumpa, mokslinė red. Laima Grumadienė. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2004.
Sabaliauskas Algirdas: Lietuvių kalbos leksika. Vilnius: Mokslas, 1990.
Svetimų ir nesuprantamų žodžių žodynėlis. Skaitytojams palengvinimas, sudarė Jurgis Šlapelis. Tilžė: E. Jagomasto spaustuvė, 1907.
Tarptautinių žodžių žodynas, ats. red. V. Kvietkauskas. Vilnius: Vyriausioji enciklopedijų redakcija, 1985.
Tarptautinių žodžių žodynas, ats. red. Algimantas Kinderys. Vilnius: Alma Littera, 2001.
Vėlius Norbertas 1974: M. Slančiauskas – folkloro rinkėjas. – Šiaurės Lietuvos pasakos. Surinko Matas Slančiauskas. Vilnius: Vaga, 22–30.
The Dictionary = From Encyclopaedia. 1903 – The Manuscript Dictionary of Matas Slančiauskas
SUMMARY
The manuscript heritage of linguistic subjects by Matas Slančiauskas (21/02/1850 – 11/03/1924) devoted to scientific community and society is not yet known to its full extent. The article presents the manuscript The Dictionary = From Encyclopaedia. 1903 and its transcript Šioks, toks žodynėlis [Some Dictionary] 1910 which are both stored in the department of History of Šiauliai museum “Aušra”. The code of the dictionary is ŠAM GEK 15819, the code of
100
Acta Linguistica Lithuanica LXXI
Page 38Mato Slančiausko rankraštinis Žodynėlis = Iš enciklopedijos. 1903
the collection and inventory number is I–R 196. The code of the transcript Šioks, toks žodynėlis is ŠAM GEK 15814, the code of the collection and inventory number is I–R 130.
422 words are presented in The Dictionary = From Encyclopaedia. 1903 The transcript Šioks, toks žodynėlis 1910 contains five words (word combinations) less (417 words in total). In the Dictionary of 1903 the following references are made: 172 words are referred to be of Latin origin, 69 words are referred to be of Greek origin, 26 words are referred to be of French origin and 14 words are referred to be of English, German, Italian and Sanskrit origin; 116 words have no reference to the origin. 30 personalia, 64 expressions and 27 word combinations and abbreviations are provided in the dictionary.
The composition of The Dictionary = From Encyclopaedia. 1903 and its transcript Šioks, toks žodynėlis 1910 by Slančiauskas stands the same as the one of the contemporary international word dictionaries: the words are presented in alphabetical order, emphasised words are defined in different ways (by one word, synonym pairs, word collocations, relations to Lithuanian associations); the majority of words contain an origin reference (abbreviations: lot., gr., angl., itt., vok. and etc.). The manuscripts contain names of famous researchers of various scientific areas (philosophers, writers (prose and poetry), historians, theologists, travellers, inventors, and etc.); the abbreviations of widely used words, collocations and sayings are also present in the dictionary.
The manuscripts maintain the features typical to subdialect of West highlanders around Šiauliai (immutable an, am, en, em; hardening of consonant l (in front of e, ę, ė, ei) and palatalization; shortening of unstressed ending; adding j in front of e, ie and etc.; various morphological instances (suffixes, athematic verb forms, full adverbial forms, and etc.) and some syntactic subjects (especially concerning the use of prepositional constructions).
The Dictionary = From Encyclopaedia. 1903 and its transcript Šioks, toks žodynėlis 1910 can be attributed to the lexicographic history of loanwords in Lithuania i.e. to the lexicographic history of international word dictionaries. The Dictionary = From Encyclopaedia. 1903 and its transcript Šioks, toks žodynėlis 1910 demonstrate the conditions for the occurrence of the dictionary of loanwords. The transcription of the Dictionary of 1903 could have served as the aim of learning (the author presupposes that there might be more transcripts). The manuscripts reveal the necessity to systematically arrange the loanwords and the instigation to compile Svetimų ir nesuprantamų žodžių žodynėlis 1907 by Jurgis Šlapelis [the Dictionary of Loanwords and Unknown Words]. Thus, the early period of the lexicographic history of loanwords could be dated earlier in four years and start not with a Dictionary by Šlapelis, but with the Dictionary of 1903 (from 1903 to 1936).
Įteikta 2014 m. rugsėjo 4 d.
JANINA ŠVAMBAR YTĖ-VALUŽIENĖ
Lietuvių kalbos institutas
Petro Vileišio g. 5., LT-10308 Vilnius, Lietuva
[email protected]
Straipsniai / Articles
101