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RITA MILIŪNAITĖ

Institut für Litauische Sprache

GEGENWÄRTIGER STAND DER KODIFIZIERUNG UND MÖGLICHER WANDEL BEI LEHNWÖRTERN MIT BETONTEN DIPHTHONGEN el, er, eu

SCHLÜSSELWÖRTER: Akzentuierung, Standardsprache, Normenkodifizierung, Sprachplanung.

EINLEITENDE BEMERKUNGEN

Bei der Erarbeitung eines neuen normativen Wörterbuchs der litauischen Standardsprache am Institut für Litauische Sprache, das das seit sechs Jahrzehnten bestehende, aber kaum noch aktualisierte Wörterbuch der Gegenwartssprache Litauens (im Folgenden DŽ) ersetzen soll, wird fortlaufend erörtert, wie bei variierenden Rechtschreib-, Akzentuierungs-, Lexik- und Grammatiknormen zu verfahren ist (ausführlicher siehe Liutkevičienė 2015). Obwohl das Wörterbuch der litauischen Standardsprache (im Folgenden BŽ) seit 2014 mit Texten zu einzelnen, von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache (im Folgenden VLKK) geprüften Buchstaben im Internet veröffentlicht wird, ist eine Frage der systematischen Akzentuierungskodifizierung noch immer nicht abschließend entschieden1. Die Diskussionen über die Besonderheit des kurzen Vokals e in Lehnwörtern und die Intonation der betonten Diphthonge el, er, eu in solchen Wörtern dauern bereits Jahrzehnte an2. Das BŽ ist ein Bezugspunkt, an dem diese Diskussionen die Kodifizierung von Lehnwörtern mit betonten el, er, eu entweder weiterhin in einem unbestimmten Zustand belassen oder endlich einen Schritt hin zu einer klaren Entscheidung ermöglichen werden.

Der Beitrag beschränkt sich auf die Untersuchung des Kodifizierungsstands der betreffenden Wörter, wie er sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts herausbildet. Das Hauptaugenmerk gilt gerade der Kodifizierung, denn es handelt sich um einen interessanten und recht besonderen Fall, der nicht einzelne Wörter, sondern eine beträchtliche Gruppe von Lehnwörtern der Standardsprache umfasst; zudem haben die Inkonsistenz und die Wendungen der Kodifizierung im Laufe der Zeit erst das Problem geschaffen, mit dem man sich bis heute auseinandersetzen muss3.

Ausgehend von den seit mehr als zehn Jahren geführten Erörterungen zur Kodifizierung von Lehnwörtern mit betonten Diphthongen el, er, eu werden im Beitrag theoretische und praktische Fragen der Standardsprache aufgeworfen.

1 Zu den Umständen, die sich geändert haben, während dieser Beitrag für die Veröffentlichung vorbereitet wurde, siehe Fußnote 32.

2 Ausführlicher zur Stellung des behandelten Phänomens im Lautsystem der litauischen Sprache und zur Geschichte seiner Kodifizierung siehe Pupkis 2016.

3 Der Objektivität halber ist festzuhalten, dass die Verfasserin des Beitrags mit den von der VLKK bis 2012 gefassten Kodifizierungsentscheidungen zum untersuchten Problem in keiner Weise verbunden ist. Als Mitglied der VLKK in der Amtszeit 2012–2017 gehörte sie nicht dem Unterausschuss für Aussprache und Akzentuierung dieser Kommission an; lediglich 2015–2016 nahm sie an zwei seiner Sitzungen teil.

BENDRINĖ KALBA 89 (2016)

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Probleme der Kodifizierung der litauischen Sprache (Status der Varianten, Anwendung von Kodifizierungsprinzipien und -kriterien, Kodifizierungstechnik usw.) und ihre Lösungen können auf die Sprachplanung und den Kodifizierungswandel anderer Phänomene übertragen werden. Obwohl das Problem der Akzentuierung von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu keineswegs neu ist, wird es im Beitrag also aus einer neuen Perspektive betrachtet, wobei verschiedene Aspekte der Theorie und Praxis der Kodifizierung einbezogen werden.

Bislang ging es bei der Erörterung dieses Akzentuierungsproblems hauptsächlich um Internationalismen – häufiger um Appellativa (z. B. konservai, selteris, terapeutas, -ė) oder auch um aus klassischen Sprachen übernommene Eigennamen (z. B. Hermis, Dzeusas). Im Sprachgebrauch sind noch weitere Wörter in Gebrauch, die nicht unter den Begriff der Internationalismen fallen: Dazu zählen sowohl aus unterschiedlichen Sprachen stammende fremde Personennamen – adaptierte, an die Leseaussprache angepasste Formen (z. B. Vernas, Zelma) – und Ortsnamen (z. B. Džersis, Kelnas Kerčė) als auch neue Entlehnungen (darunter solche, die sich erst in der litauischen Sprache zu etablieren beginnen und noch nicht kodifiziert sind). Auch sie müssen in der gesprochenen und gelegentlich auch in der geschriebenen Sprache akzentuiert werden. Gegenstand des Beitrags sind daher systematisch erfasste Gruppen aller entlehnten Wörter mit betonten Diphthongen el, er, eu⁴.

Ziel des Beitrags ist es also, den zu Beginn des 21. Jahrhunderts entstandenen Stand der Kodifizierung von Lehnwörtern mit betonten Diphthongen el, er, eu zu untersuchen und mögliche Lösungen für einen Wandel dieser Kodifizierung zu beschreiben. Dazu werden folgende Aufgaben gestellt:

1) das Gebrauchskriterium und seine Zuverlässigkeit bei der Kodifizierung des betrachteten Sprachphänomens zu erörtern;

2) die Daten und Empfehlungen der Akzentuierungsempfehlungen der VLKK aus den Jahren 2003–2014 zu untersuchen, die sich auf die Akzentuierung der betreffenden Diphthonge beziehen, und ihren Kern sowie ihre Ausrichtung offenzulegen;

3) die Kodifizierungsproblematik von Lehnwörtern mit betonten Diphthongen el, er, eu anhand der Kodifizierungstheorie zu untersuchen (strategische Ausrichtungen der Kodifizierung, Konkurrenzverhältnisse zwischen Varianten, Kodifizierungsprinzipien und -kriterien sowie Kodifizierungstechnik);

4) mögliche Lösungen für einen Wandel der Kodifizierung des betrachteten Sprachphänomens und deren Folgen zu bewerten.

Bei der Untersuchung wurden hauptsächlich vergleichende und analytisch-deskriptive Methoden angewandt.

4 Da die Diphthonge en, em und der darin seltene Diphthong ei in Lehnwörtern (vgl. Džeinė, Bleiras; eirė „Hundertstel der isländischen Währungseinheit Krone“; einšteinis „1. radioaktives künstliches chemisches Element Es <...>; 2. E, nicht systemisierte Einheit der Lichtenergie <...>“, TŽŽ 2013) keine Kodifizierungsprobleme aufwerfen, da sie als unveränderlich (fallend) kodifiziert sind, wird im Beitrag im Folgenden nicht weiter auf sie eingegangen.

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1. DIE ZENTRALE FRAGE DER KODIFIZIERUNG VON LEHNWÖRTERN MIT BETONTEN DIPHTHONGEN EL, ER, EU

1.1. Schwierigkeiten bei der Untersuchung des Sprachgebrauchs

In der Grammatik der heutigen litauischen Sprache (im Folgenden DLKG) wird in der Beschreibung des Systems der Vokale, Diphthonge und Diphthonge der litauischen Standardsprache (DLKG 2005: 21) Folgendes angegeben:

<...> In neuen Lehnwörtern (Internationalismen), mitunter auch in Namen, kommen die Laute <e, ɔ> vor, vgl.: m<è>tras || m/è/tras, sp<ò>ros. Aufgrund der geringen Häufigkeit (der Laut kommt nur in Wörtern fremder Herkunft vor) ist [ɔ] als peripheres Phonem anzusehen, während der Vokal [ɛ], der nur von einem Teil der Sprecher der Standardsprache ausgesprochen wird [Hervorhebung von mir. – R. M.], ein fakultatives phonologisches Element ist (sog. „zweiseitiges“ Phonem).

Ähnlich schreibt auch Vytautas Vitkauskas in der Einleitung zu seinem Wörterbuch der litauischen Aussprache (im Folgenden LKTŽ; obwohl er sich im Wörterbuch selbst formal an die Betonung mit fallender Intonation von el, er hält; LKTŽ 2001: 6):

Einige unserer Phonetikfachleute behaupten, dass ein Phonem e (pǝ̀e-tas, evɔl’uc’ije usw.) existiert. Dieses Phonem ist nach langjähriger Beobachtung eine nicht reale sprachliche Tatsache und wird von sehr wenigen Menschen verwendet. Es unterscheidet faktisch weder Wortbedeutungen noch Wortformen (der Verfasser des Wörterbuchs hält es für sinnlos, ein ganzes Volk einen weiteren neuen Laut mit geringer Unterscheidungsfunktion zu lehren; dieser Laut kann überall durch das litauische kurze e ersetzt werden, ohne dass das litauische Lautsystem auch nur im Geringsten beeinträchtigt wird). [Überall Hervorhebung von mir. – R. M.].

Wichtig ist, dass anerkannt wird, dass den fraglichen Vokal nur wenige Sprecher der Standardsprache aussprechen. In der DLKG werden keine genaueren Angaben zu seiner Verbreitung gemacht; auch in anderen Quellen ließen sich keine finden. Das ist nicht verwunderlich, denn Untersuchungen zum Gebrauch von Lehnwörtern mit dem Vokal e sind äußerst schwierig: Es gibt keine verlässlichen Kriterien dafür, welcher kurze Laut hinsichtlich Quantität und Qualität ausgesprochen wird und insbesondere, welche Intonation in Diphthongen realisiert wird. Experimentelle und instrumentelle Untersuchungen können in diesem Fall kaum weiterhelfen, da statistisch repräsentative Informanten, die Standardsprache sprechen und nicht eigens darin geschult wurden, diesen Laut auszusprechen, ihn nach Gehör nicht unterscheiden (Jaroslavienė 2015):

<...> Die Untersuchung ergab, dass die Informanten sich den kurzen [ɛ]-Laut nicht als eigenständigen, d. h. isoliert ausgesprochenen Laut vorstellen (als Variante oder, anders gesagt, Allophon des Phonems /e/, eine „zweiseitige“ Variante) und ihn eher mit dem gewöhnlichen [e] (einer Variante des Phonems /e/) gleichsetzen. Daher wurde [ɛ] für die Untersuchung isoliert und ohne jeglichen Kontext nicht ausgesprochen [Fußnote 9 gekürzt]. Es ist anzunehmen, dass die eigenwillige Verwendung des nicht hohen (mittleren) Vokals [ɛ] (zudem hat er keine distinktive Funktion), seine relativ geringe Häufigkeit (fakultativer Gebrauch) und die Tatsache, dass er schriftlich mit demselben Buchstaben wie der offene kurze [ɛ]-Laut bezeichnet wird <...> sowie weitere Gründe seine Etablierung im System der Standardsprache behindern. Kein anderer Buchstabe bezeichnet zwei kurze Vokale unterschiedlicher Qualität <...>.

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Tatsächlich ist der Unterschied zwischen dem litauischen [e] und dem internationalen [e]5 nach dem Gehör so gering, dass es beträchtlichen Anlass gibt, die Subjektivität der Experimentatoren zu berücksichtigen: Man hört, woran man glaubt oder woran man gewöhnt ist zu hören, und zwar auf der Grundlage der eigenen Vorstellung vom Ausspracheideal der Standardsprache. Anders gesagt: Um die Verwendung des internationalen [e] festzustellen, muss man dessen Andersartigkeit hören und wahrnehmen, also den Unterschied zum gewohnten litauischen [e]; außerdem muss man diesen Laut aussprechen können, was gewöhnlichen, nicht eigens geschulten Sprachbenutzern nicht gelingt.

Die Leser des Artikels könnten selbst ein kleines Experiment durchführen: sich die standardsprachliche Aussprache als Maßstab anhören – die Aufnahme des Lehrmaterials von Antanas Pakerys und Aldonas Pupkis Gemeinschaftliche litauische Aussprache, das 1968 veröffentlicht und 2004 neu aufgelegt wurde (Pakerys, Pupkis 2004 [1968]) – und beurteilen, welchen Laut sie in den Wörtern èstas, gèstas, Mèksika, Brèstas, nègras hören (S. 14), ebenso in komitètas, kilomètras, termomètras usw. (S. 51)6. Übrigens heißt es auf derselben Seite 14 des Begleitheftes zu dieser Schallplatte über das internationale [e]:

Der Vokal e in internationalen Wörtern ist stets kurz und wird ähnlich ausgesprochen wie das kurze e in litauischen Wörtern.

In diesem von dem Schauspieler Juozas Jarūsevičius vorgelesenen Satz werden beide e völlig gleich ausgesprochen – selbst mehrere Litauischphilologen konnten mit ihren Ohren auch nur irgendeinen Unterschied feststellen; von welcher wahrnehmbaren „Ähnlichkeit“ kann also die Rede sein? Aus diesem Büchlein haben ganze Generationen von Litauischphilologen, Journalisten und Schauspielern die Aussprache der Standardsprache gelernt und lernen sie noch immer, und es wäre schwer zu glauben, dass irgendjemand daraus gelernt hätte, ein anderes internationales e auszusprechen als das kurze e in litauischen Wörtern (vgl.: tèstų – vèstų, Mèksika – mėgzti). Die Diphthonge el, er, eu mit fallender Intonation konnte man überhaupt nicht lernen auszusprechen. Man sollte auch nicht vergessen, dass für gewöhnliche Sprachbenutzer in der Sprachpraxis (im Redefluss) die Unterscheidung Lehnwort–litauisches Wort nicht existiert (d. h. nicht bewusst wahrgenommen wird).

Können Befragungen von Sprachverwendern bei Untersuchungen zum Sprachgebrauch helfen? Wird Informanten aufgetragen, den Akzent der Diphthonge el, er in internationalen Wörtern zu bestimmen und zu markieren, ist dies für Nichtsprachwissenschaftler im Allgemeinen eine kaum zu bewältigende Aufgabe, insbesondere in einem so subtilen Fall. Wird darum gebeten, die Akzentposition in einigen Kasusformen von Wörtern mit beweglichem Akzent anzugeben, können auch die Ergebnisse nicht verlässlich sein, wenn nicht gleichzeitig untersucht wird, ob der Informant überhaupt dazu neigt, den Akzent zurückzuziehen7. Dies zeigte Rima

5 Im Artikel wird der kurze entlehnte Vokal e wie in DLKG als [e] wiedergegeben.

6 Aldonas Pupkis, einer der Autoren dieses methodischen Hilfsmittels, zufolge vereinbarten die beiden Autoren (die hinsichtlich des entlehnten Vokals e unterschiedlicher Meinung sind), in dieser Arbeit keine Aussprachebeispiele für internationale Wörter mit den Diphthongen el, er, eu anzuführen.

7 Zu beachten ist, dass selbst in jenen Dialekten, die den Akzent nicht von der Endung zurückziehen, der Akzent in den Kasusformen neuerer Lehnwörter mitunter zurückgezogen wird. Vgl. einzelne Fälle selbst in der heutigen westaukštaitischen kaunischen Mundart: kaprìzus, išpànus, Lorèta (V, Į) und Ähnliches.

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Bakšienės Untersuchungen8. Würden Litauisch-Fachleute befragt, beispielsweise Studierende, die einen Kurs in Aussprache und Akzentuierung absolviert haben, würden sie mit ziemlicher Sicherheit das aussprechen und hören, was man ihnen beigebracht hat, das heißt, sie würden sich danach richten, was man von ihnen zu erreichen versucht. Somit lässt sich feststellen, dass die Behandlung der Intonationen der Diphthonge el, er in Lehnwörtern derzeit recht subjektiv ist und auf einer Überzeugung (dem Glauben an eine bestimmte Position) beruht. Maßgeblich dafür sind Autoritäten mit unterschiedlichen Ansichten zu dieser Frage; mitunter spielt vielleicht auch eine vorhandene regionale Grundlage eine Rolle, die sich von der phonetischen Struktur der Standardsprache unterscheidet9.

Selbst wenn instrumentelle Untersuchungen durchgeführt würden, bliebe die Frage nach ihrer Zuverlässigkeit schon deshalb offen, weil solche Untersuchungen aufgrund der aufwendigen Datenverarbeitung nur eine sehr geringe Zahl von Informanten einbeziehen können. Nach welchen Kriterien Informanten für eine solche Untersuchung ausgewählt werden sollten, wäre eine noch schwierigere Aufgabe, insbesondere angesichts dessen, dass die Standardaussprache wegen des jungen Alters der litauischen Standardsprache für die meisten Litauer, die mehr oder weniger auf einer regionalen Aussprache beruhen – darunter auch die westlichen Hochlitauer aus der Gegend von Kaunas selbst –, nicht angeboren, sondern erlernt ist.

Somit ist das für die Kodifizierung im Allgemeinen wichtige Kriterium des Sprachgebrauchs (das empirische Kriterium) in diesem Fall nicht völlig verlässlich. Dennoch lässt sich die wichtigste Frage zum Sprachgebrauch als Kodifizierungskriterium beantworten: Innerhalb eines halben Jahrhunderts hat sich der tatsächliche Sprachgebrauch nicht verändert, und die eingeführte Norm des kurzen internationalen [ɛ] sowie der kurzen stammtonigen Diphthonge el, er, eu wurde von den Sprachbenutzern nicht verinnerlicht und hat sich nicht als Realität etabliert – das heißt, sie wurde nicht in mindestens zwei Dritteln der Fälle konsequent verwendet. Es handelt sich also nicht um eine Norm, die sich klar von den Varianten dieser Diphthonge mit beweglichem Ton unterscheidet. Unter solchen Umständen gewinnt die Kodifizierung an Bedeutung: Sie wird entweder zum Faktor, der die tatsächlichen Normen erhält und stabilisiert, oder zur Bremse ihrer natürlichen Entwicklung.

1.2. Widerspruch zwischen dem gegenwärtigen Sprachgebrauch und den kodifizierten Varianten

Remiantis minėtu DLKG (2005: 21) teiginiu, kad balsį [ɛ] taria tik dalis bendrinės kalbos vartotojų, darytina išvada, kad tų pačių žodžių kirčiuotuose skiemenyse (pvz., poetas, chemija, elfas, herbas, kempingas, centas, pleura) vieni kalbos vartotojai taria [ɛ], kiti – [e]. Tai reiškia, kad bendrinės kalbos vartosenoje (visõs bendrinės tarties mastu) balsis e skolintų žodžių kirčiuotuose skiemenyse (taip pat ir kirčiuotuose dvigarsiuose el, er, eu) turėtų turėti du tarties variantus: 1)

8 Die Forschungsergebnisse wurden in folgendem Vortrag zusammengefasst: R i m a B a k š i e n ė. Akzentuierung internationaler Wörter mit den Diphthongen el, er im westhochlitauischen Dialekt der Gegend von Kaunas. Seminar „Akzentuierungstendenzen der Intellektuellen mittlerer Generation und ihr Verhältnis zu den Normen der Standardsprache“. Universität Vilnius, 2016 03 30.

9 Die Aussprache des kurzen betonten e in jüngeren Lehnwörtern in den litauischen Dialekten ist nicht Gegenstand dieses Artikels. Daher sei lediglich darauf hingewiesen, dass andere Dialekte diesen Laut häufig nicht mit dem kurzen e litauischer Wörter gleichsetzen und andere, an ihre phonologischen Systeme angepasste Laute aussprechen – anders als der Basisdialekt der litauischen Standardsprache, die westlichen Hochlitauer aus der Gegend von Kaunas.

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ausgesprochen wie in litauischen Wörtern (vgl. gudrėšnis, tėty, kėls, kėrpa, teṃpia, teṅka, žiaurų); 2) anders ausgesprochen als in litauischen Wörtern.

Wie die Geschichte der Normierung des internationalen [ɛ] zeigt, lassen sich die Paare der Vokale [ɛ]: [ɛ] und der gemischten Diphthonge [ɛl]: [ɛl], [ɛr]: [ɛr] sowie der Diphthonge [eu]: [eu] als Variation eines einheimischen und eines entlehnten Elements auffassen, durch die Aussprache- und Akzentuierungsvarianten von Lehnwörtern entstehen. Hier stellt sich die zentrale Frage der Kodifizierung: Welchen normativen Wert haben diese Varianten und in welchem Verhältnis stehen sie in der Standardsprache zueinander? Übrigens wurde die Kodifizierung des internationalen [ɛ] noch vor einem Jahrzehnt als „das größte Problem nicht nur in der Phonetik, sondern vielleicht in der gesamten Kodifizierungsarbeit an der Standardsprache“ bezeichnet (Pupkis 2005: 240).

Sehen wir uns also an, wie der gegenwärtige Stand der Kodifizierung von Lehnwörtern mit betonten el, er, eu aussieht.

2. WICHTIGSTE QUELLEN DER GEGENWÄRTIGEN AKZENTUIERUNGSKODIFIKATION UND STAND DER KODIFIKATION VON LEHNWÖRTERN MIT BETONTEN EL, ER, EU BIS 2003

Um nachvollziehen zu können, wie sich die Kodifikation der Akzentuierung der hier behandelten Lehnwörter mit el, er, eu zu Beginn des 21. Jahrhunderts verändert hat, müssen wir den breiteren Kontext der gegenwärtigen Akzentuierungskodifikation und ihrer Strategie berücksichtigen.

Die Etappen der Kodifikation der Akzentuierung im heutigen Litauischen hängen vor allem von der Herausgabe normativer Wörterbücher ab (in erster Linie des DŽ). Den tatsächlichen Stand der Kodifikation der Akzentuierung am Ende des 20. Jahrhunderts dokumentierte DŽ₄. Bis zu dieser Ausgabe war die Kodifikation der Akzentuierung von Lehnwörtern mit el, er, eu während der gesamten zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts insgesamt recht vielfältig; ein grundlegender Wandel setzte mit TŽŽ 1951 ein (siehe Tabelle 1). DŽ₄ war zusammen mit TŽŽ 2001 der wichtigste Ausgangspunkt für den zu Beginn des 21. Jahrhunderts begonnenen Wandel der Kodifikation10. In den späteren DŽ-Ausgaben, deren häufigere Erscheinungsweise vor allem nicht durch inhaltliche Aktualisierungen, sondern durch veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse und den Übergang zur elektronischen Form bedingt war, gab es bis zur 7. Ausgabe keine markanten Änderungen der Akzentuierungskodifikation.

In diese Vielfalt der Akzentuierung griffen 2003 die Akzentuierungsempfehlungen der VLKK ein sowie das nach ihnen erstellte und von der VLKK geprüfte Bendrinės lietuvių kalbos kirčiavimo žinynas (BLKŽ 2007). DŽ₇ (2012) übernahm diese Empfehlungen, soweit es der nahezu unveränderte Umfang des Wörterbuchs zuließ (am Ende dieser Ausgabe wurde eine Liste mit etwa 200 neuen Lehnwörtern hinzugefügt).

10 Die zu Beginn des 21. Jahrhunderts erschienenen TŽŽ 2001 (ebenso das auf seiner Grundlage erstellte elektronische INTERLEKSIS) und TŽŽ 2013 sind im strengen Sinne keine normativen Werke der Kodifikation (die darin angegebenen Normen sind für Sprecher des Standardlitauischen nicht verbindlich), orientieren sich jedoch an der Standardsprache und stützen sich auf die maßgeblichen Akzentuierungsnormen des DŽ. Da diese TTŽ mehr Lehnwortschatz enthalten, als vom DŽ erfasst wurde, können sie mit Vorbehalten ebenfalls als Quellen für die Akzentuierungskodifikation dieser Wörter gelten.

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TABELLE 1. Vielfalt der Kodifikation von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu in den Jahren 1948–200111

Quelle Belgier, -in (Belgier) Wappen Konzert Perser, -in Perser Termin terminisch, -e Thermoskanne 1. LKRŽ 1948 Belgier, -in (2) Wappen (2) Konzert (2) Pérser, -in (1) Teṙminas (1) – Teṙmosas (1) 2. TŽŽ 1951 – Wappen Konzert – Teṙminas terminisch, -e Teṙmosas 3. DŽ₁ 1954 Belgier, -in (2) Wappen (1) Konzert (1) Pèrsers, -in (1) Teṙminas (1) – Teṙmosas (1) 4. TŽŽ 1969 – Wappen Konzert – Teṙminas terminisch, -e Teṙmosas 5. DŽ₂ 1972 Belgier, -in (2) Wappen (1) Konzert (1) Pèrsers, -in (1) Teṙminas (3ᵇ, 1) terminisch, -e (1) Teṙmosas (1) 6. TŽŽ 1985 –¹² Wappen Konzert – Teṙminas¹³ terminisch, -e Teṙmosas 7. DŽ₃ 1993 Belgier, -in (2) Wappen (1) Konzert (1) Pèrsers, -in (1), Pèršers, -in (2) Teṙminas (1, 3ᵇ) terminisch, -e (1) Teṙmosas (1) 8. DŽ₄ 2000 Belgier, -in (2) Wappen (1) Konzert (1) Pèrsers, -in (1), Pèršers, -in (2) Teṙminas (1, 3ᵇ) terminisch, -e (1) Teṙmosas (1) 9. TŽŽ 2001 Belgier Wappen Konzert Pèrsers Teṙminas terminisch, -e Teṙmosas

Die Akzentuierung von Eigennamen wird in der Visuotinė lietuvių enciklopedija und im fünfbändigen Wörterbuch Pasaulio vietovardžiai (im Folgenden PV) sowie in dessen Internetversion (bislang zweibändig) (PV) angegeben. In diesen Quellen wird im Wesentlichen, von geringfügigen Ausnahmen abgesehen (z. B. Belgija), die Betonung des ersten Diphthongteils bei el, er, eu beibehalten (z. B. Albèrta, Patèrna, Pèrsija14, Kèlnas, Èura).

11 In der Tabelle sind Akzentuierungen nur dort angegeben, wo sie in den Quellen aufgeführt sind.

12 In diesem Wörterbuch steht das Wort belgà „Währungseinheit Belgiens von 1926 bis 1946“; die Akzentuierung des Nominativs auf der Endung zeigt, dass ein Zirkumflex im Wortstamm anerkannt wird.

13 In diesem Wörterbuch steht neben dem Begriff mit Zirkumflex das etymologisch verwandte Eigenwort Tè rminas „Gott der römischen Grenzen (des Staates, der Felder) und der sie kennzeichnenden Zeichen“; in der vorherigen Ausgabe, TŽŽ 1969, wurde dies als dritte Bedeutung des mit Zirkumflex akzentuierten Gattungswortes tèrminas aufgeführt.

14 In der Internetversion des PV ist dieser Ortsname noch nicht enthalten.

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3. IMPULS FÜR DIE AKZENTUIERUNGSKODIFIZIERUNG –

DIE AKZENTUIERUNGSEMPFEHLUNGEN DER VLKK SEIT 2003

3.1. Das Prinzip der Akzentuierungsempfehlungen – Normierung durch Varianten

2003 begann eine neue Phase der Kodifizierung der Akzentuierung im heutigen Litauischen, die zunächst unmittelbar nicht mit der Veröffentlichung normativer Wörterbücher, sondern mit den Vorbereitungsarbeiten für eine solche Veröffentlichung verbunden war. Im Vorfeld der Herausgabe des „Wörterbuchs der litauischen Standardsprache“, das als maßgebliche normative Quelle für den Wortschatz und dessen Akzentuierung gebilligt werden soll, begann die VLKK, die Akzentuierungsnormen zu überprüfen und Empfehlungen zu Änderungen der Kodifizierung auszusprechen. Diese Empfehlungen sind erforderlich, damit der Übergang von der Kodifizierung des DŽ4 (die in einigen Fällen schon damals deutlich von den Tendenzen des Sprachgebrauchs abwich) zu einer neuen Kodifizierung, die die tatsächlichen Gebrauchsstandards widerspiegelt, behutsamer und unter Zulassung von Varianten erfolgen kann. Wie in der Einleitung zu den Empfehlungen formuliert wird, werden „die Traditionen der Akzentuierungsnormen der litauischen Standardsprache und die Tendenzen der gesprochenen Sprache“ berücksichtigt (Empfehlung K-3 u. a.).

Der damalige Vorsitzende der Unterkommission für Aussprache und Akzentuierung der VLKK, Antanas Pakerys, schrieb in seinem Kommentar zur gesamten begonnenen Arbeit, als am 29. Mai 2003 die erste Empfehlung veröffentlicht wurde (Pakerys 2003):

Manchmal ist uns vielleicht gar nicht bewusst, dass sich die gesprochene Sprache bereits deutlich von der kodifizierten Akzentuierungsnorm einiger Wörter entfernt hat. <...> Im litauischen Sprachgebrauch gibt es mehrere Hundert solcher Wörter, deren Akzentuierungsnorm geschwankt hat und noch immer nicht ganz gefestigt ist. <...> In den Sitzungen werden gewöhnlich um ein Vielfaches mehr Wörter erörtert. <...> In die Empfehlungen der Sprachkommission werden nur jene Wörter aufgenommen, bei denen Einigkeit über die Präzisierung der Akzentuierungsnorm besteht. Darüber hinaus wird stets mit der neuesten Ausgabe des „Wörterbuchs der litauischen Gegenwartssprache“ (DŽ4) verglichen. Der Öffentlichkeit werden Akzentuierungsvarianten vorgelegt, die in der einen oder anderen Weise von der im genannten Wörterbuch festgehaltenen Norm abweichen, vgl.: audrà 4, áudra 1 (im DŽ4 umgekehrt – áudra 1, audrà 4); gañdras 2, 4 (im DŽ4 – nur gañdras 2); smėlis 2 (im DŽ4 – smėlis 2 und smelýs 4) usw.

Mit der Überprüfung variierender Akzentuierungsnormen stellte sich sofort auch das Problem der Akzentuierung von Lehnwörtern mit kurzem e in Diphthongen – zunächst, als entschieden werden musste, wie das Wort euras akzentuiert werden sollte.

3.2. Der Präzedenzfall der Akzentuierung von „Euro“

Als Litauen sich auf den EU-Beitritt 2004 vorbereitete und das Wort euras häufiger verwendet wurde, war die erste Akzentuierungsempfehlung der VLKK im Jahr 2003 eigens diesem Wort gewidmet15.

15 Darin heißt es: „Die Währungsbezeichnung „euras“ ist nach dem zweiten Akzentuierungsmuster zu akzentuieren – eūras 2.“ (Empfehlung K-1).

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Der Euro war bis dahin bereits in Vytautas Vitkauskas’ Wörterbuch der litauischen Aussprache (LKTŽ 2001) und im Wörterbuch der Internationalismen (TŽŽ 2001) verzeichnet – in beiden Quellen wird er nach dem ersten Akzentparadigma betont (euras). In DŽ₄, dem maßgeblichen Werk mit Akzentuierungsempfehlungen, war euro damals nicht enthalten (es erschien erst in DŽ₅ₑ).

In der Empfehlung der VLKK vom 29. Mai 2003 wurde nur eine der beiden (theoretisch möglichen) Betonungen des Diphthongs – die fallende Betonung – gewählt, obwohl eine solche Betonungsvariante von euro bis dahin tatsächlich nicht kodifiziert worden war. Diese Entscheidung war für die Nutzer wichtig, da auch das (Nicht-)Wandern des Akzents von der Tonakzentuation abhängt. Wäre für die Silbe eu in diesem Wort ein steigender Tonakzent kodifiziert worden, èuras (die Variante éuras hätte erst recht keine Stütze im Sprachgebrauch gehabt), so klängen besonders häufig verwendeter Singular-Instrumental und Plural-Akkusativ für einen Teil der Sprecher, die kein steigendes èu aussprechen, wie mit zurückgezogenem Akzent: eūru, eūrus.

Bonifacas Stundžia erläuterte in den Kommentaren zur Empfehlung die Entscheidung der VLKK, das Wort èuras mit fallender Betonung zu versehen, wie folgt (Stundžia 2003):

Das wichtigste Motiv für eine solche Entscheidung ist der tatsächliche Sprachgebrauch, anders gesagt: So betonen die Menschen das Wort. Außerdem werden auch zahlreiche Wörter für andere Währungen nach dem zweiten Akzentparadigma betont, z. B.: lìtas (vgl. litù, litùs), látas (vgl. latù, latùs), zlòtas (vgl. zlotù, zlotùs), rùblis (vgl. rubliù, rubliùs), svãras (vgl. svarù, svarùs).

Somit gab es zwei starke Kodifizierungskriterien, und ihre Auswahl wurde vom Zweckmäßigkeitsprinzip bestimmt.

Das erste Kriterium ist der tatsächliche Sprachgebrauch, denn es wurde darauf hingewiesen, dass die bis dahin kodifizierte Variante, „den ersten Bestandteil des Diphthongs betont, aber kurz auszusprechen“, dem tatsächlichen Sprachgebrauch nicht entspricht: „Da nur trainierte Menschen es so aussprechen können, wurde beschlossen, eine solche Betonung nicht zu kodifizieren.“ (Stundžia 2003). Das zweite Kriterium ist die Systemhaftigkeit (Akzentuierungstendenzen innerhalb eines Mikrosystems, d. h. semantisch verwandter Bezeichnungen – der Wörter für Währungen). In diesem Fall war die Kodifizierungstradition ein schwaches Kodifizierungskriterium (d. h. sie beeinflusste den Wert der neuen, fallend betonten Variante nicht), denn die frühere Kodifizierung von euro mit steigend betontem Diphthong wurde vollständig verworfen und ein Kodifizierungssprung gewagt. Es erschien offenbar nicht zweckmäßig, zwei Betonungsvarianten eines derart häufig verwendeten Wortes zuzulassen.

Į DŽ₅ₑ (2003) ir DŽ₆ₑ (2006) dar pateko du variantai: èūras (2), èuras (1), iš jų pirmenybė teikta tvirtagaliam. Nuo DŽ₇ (2012), atsižvelgiant į VLKK rekomendaciją, paliktas tik tvirtagalis euro kirčiavimas.

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3.3. Wiedergabe von Lehnwörtern mit el, er, eu in den Empfehlungen der VLKK

3.3.1. Die erste Phase der Empfehlungen. Im selben Jahr 2003, als zweisilbige Substantive fremder Herkunft erörtert wurden, war über die Betonung von Lehnwörtern mit el, er, eu noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden. In die Empfehlung K-3 „Zur Betonung einiger zweisilbiger Substantive fremder Herkunft“ (Empfehlung K-3) wurde von den zweisilbigen entlehnten Substantiven nur das Wort nervai (und nervas) aufgenommen:

nèrvai 1, nèrvai 2;

nèrvas 1, nervàs 2.

In DŽ4e gab es nur die Variante mit steigendem Tonakzent: nèrvai 1, nèrvas 1; daher wurde empfohlen, noch eine Variante – mit fallendem Tonakzent – zuzulassen.

Außerhalb dieser Empfehlung blieben zweisilbige Lehnwörter mit der Endung –a (z. B. delta, derma, ferma, pleura) sowie andere zweisilbige Lehnwörter mit den Diphthongen el, er, eu., die möglicherweise etwas seltener gebraucht werden.

In die Empfehlung K-4 „Zur Betonung einiger mehrsilbiger Substantive fremder Herkunft“ (Empfehlung K-4) wurden vier internationale Wörter mit betontem el, er aufgenommen (zur Änderung der Kodifizierung siehe Tabelle 2).

TABELLE 2. Änderungen der Kodifizierung mehrsilbiger Substantive fremder Herkunft mit betonten Diphthongen el, er

DŽ4e

Rekomendacija K-4

fejervèrkas 1

Feuerwerk 1, Feuerwerk 1

liucernà 2

Luzerne 2, Luzerne 1

gubèrnija 1

Gouvernement 1, Gouvernement 1

tėrmosas 1

Thermoskanne 1, Thermoskanne 1

Die Empfehlung K-4 ließe vermuten, dass man dazu tendierte, nicht nur die endbetonte Variante neben der anfangsbetonten zuzulassen (gubernija), sondern auch anfangsbetonte Varianten dort, wo die frühere Kodifizierung nur die endbetonte Norm vorsah (tėrmosas16, liucernà), d. h. es wurde eine Kodifizierung in entgegengesetzter Richtung gewählt als im Fall von nervų. Mit anderen Worten: Es scheint, als habe man sich bemüht, die Norm in jedem Fall variabel zu gestalten. Da erklärt worden war, dass man sich in den Empfehlungen an der tatsächlichen Verwendung und nicht an den Neigungen „trainierter Menschen“ orientieren wolle, erscheint diese Entscheidung nicht konsequent. Außerdem hätte man bei konsequenter Betrachtung auch die der Verwendungstendenz entsprechende Variante zulassen müssen

16 Wie bereits aus Tabelle 1 ersichtlich war, bietet DLKŽ4e tėrmosas, aber tèrminis, -ė – eine solche Variation lässt sich wohl kaum rational erklären.

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die Variante mit Zirkumflex fejerverkas 2, doch in dieser Empfehlung wurde dies nicht getan. Im Kommentar zur Empfehlung über die Kodifizierung dieser vier Internationalismen mit betonten el, er wird nichts erwähnt.

In der 2004 angenommenen Empfehlung K-11 „Zur Akzentuierung einiger suffigierter Adjektive“ (Empfehlung K-11) findet sich nur das Adjektiv nervinis, -ė – seine Akzentuierung wurde an die Empfehlung K-3 angepasst: nervinis, -ė 1, nervinis, -ė 1, d. h. es wurde auch eine Variante mit Zirkumflex aufgenommen, die im DŽ4e nicht vorhanden war.

Somit wurde das Problem der Akzentuierung von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu in der ersten Phase der Akzentuierungsempfehlungen der VLKK lediglich angeschnitten, ohne eine klare Position zu beziehen.

3.3.2. Ergänzungen von 2008 zu den Akzentuierungsempfehlungen K-3, K-4, K-11, K-16.

Am 2. Oktober 2008 wurden die früheren Empfehlungen der VLKK durch vier protokollarische Beschlüsse der VLKK zur Akzentuierung von Lehnwörtern mit el, er, eu ergänzt. Für die Ergänzungen wurden Wörter anhand ihrer Gebrauchshäufigkeit aus dem 100 Millionen Wörter umfassenden Korpus der Gegenwartssprache Litauens ausgewählt. Das Häufigkeitskriterium wurde in der Annahme gewählt, dass Sprachbenutzer häufigere Wörter eher an das Lautsystem des Litauischen anpassen. Wie sich jedoch zeigen wird, eignen sich auf dieses Auswahlkriterium gestützte Empfehlungen für praktische Zwecke, d. h. den alltäglichen Gebrauch, nicht aber für die Umsetzung der einen oder anderen Kodifikationsstrategie und -richtung oder für die Systematisierung von Wörterbuchdaten.

Die Empfehlung K-3, die nur nervai (nervas) enthielt, wurde zu K-3.1 und um fünf Wörter ergänzt (Empfehlung K-3.1). Obwohl 2006 das DŽ6e erschien, unterschied sich die Akzentuierungskodifikation von nervų darin nicht von der des DŽ4e, d. h. die Empfehlung K-3 wurde damals nicht berücksichtigt und keine akutierten Varianten hinzugefügt (siehe Tabelle 3).

TABELLE 3. Änderungen der Kodifikation zweisilbiger Substantive fremder Herkunft mit akzentuierten Diphthongen el, er

DŽ4e, DŽ6e

Empfehlung K-3.1

—

èl̇fas 1, èlfas 2

hèrbas 1

hèrbas 1, hẽrbas 2

kèltas, -ė 1 kèltai 1

kèltas, -ė 1, kẽltas, -ė 2 kèltai 1, kèltai 2

—

klèrkas 1, klẽrkas 2

Nerven 1 Nerv 1

nèrvai 1, nẽrvai 2 nèrvas 1, nẽrvas 2

šèlfas 1

šèlfas 1, šẽlfas 2

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Somit ist die Einheitlichkeit in der Empfehlung K-3.1 gewahrt: Neben der bei DŽ vorhandenen Betonung mit betontem Anfang wurden Varianten mit betonter Endsilbe zugelassen. Zwei Wörter – elfas, -ė und klerkas, -ė – waren in DŽ nicht enthalten; ihre erste (mit betontem Anfang) Variante wurde daher offenbar aus TŽŽ übernommen. Außerhalb dieser Liste blieb ein in der Wissenschaftssprache nicht seltenes Wort wie hercas – vielleicht wegen seines Ursprungs als Personenname, da Eigennamen in diesen Empfehlungen nicht aufgenommen wurden.

Die Empfehlung K-4 wurde zu K-4.1 und um eine vollständige Liste ergänzt – 34 mehrsilbige Lehnwörter mit betonten Diphthongen el, er, eu (Empfehlung K-4.1) (siehe Tabelle 4).

TABELLE 4. Änderungen in der Kodifizierung von mehrsilbigen Substantiven fremder Herkunft mit den betonten Diphthongen el, er, eu

DŽ₄ₑ, DŽ₆ₑ

Rekomendacija K-4.1

–

sèrveris 1, sèrveris 1

–

epidèrmis 1, epidè rmis 2

ekstèrnas 1

ekstèrnas 1, ekstẽrnas 1

koncèrnas 1

koncèrnas 1, koncẽrnas 1

–

revèrsas 1, revẽrsas 2

desèrtas 1

desèrtas 1, desẽrtas 2

ekspèrtas, -è 1

ekspèrtas, -è 1, ekspẽrtas, -è 2

koncèrtas 1

koncèrtas 1, koncẽrtas 2

konsèrvai 1

konsèrvai 1, konsẽrvai 2

molbèrtas 1

molbèrtas 1, molbẽrtas 2

rezèrvas 1

rezèrvas 1, rezẽrvas 2

terapèutas, -è 1

terapèutas, -è 1, terapẽutas, -è 2

alèrgija 1

alèrgija 1, alẽrgija 1

dispèrsija 1

dispèrsija 1, dispẽrsija 1

divèrsija 1

divèrsija 1, divẽrsija 1

enèrgija 1

enèrgija 1, enẽrgija 1

hidroenèrgija 1

hidroenèrgija 1, hidroenẽrgija 1

inèrcija 1

inèrcija 1, inẽrcija 1

invèrsija 1

invèrsija 1, invẽrsija 1

komèrcija 1

komèrcija 1, komẽrcija 1

–

kontrovèrsija 1, kontroveršija 1

–

pervèrsija 1, pervẽrsija 1

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—

revèrsija 1, reveŕsija 1

—

sinèrgija 1, sineŕgija 1

tèrčija 1

tèrčija 1, teŕčija 1

vèrsija 1

vèrsija 1, veŕsija 1

—

cèlsijus 1, celsijus 1

autosèrvìsas 1

autosèrvìsas 1, autoseŕvisas 1

sèrvìsas 1

sèrvìsas 1, seŕvisas 1

hèrčogas 1

hèrčogas 1, heŕčogas 1

hipèrbòlė 1

hipèrbòlė 1, hiper̃bòlė 1

—

univèrsumas 1, univeŕsumas 1

vèrmùtas 1

vèrmùtas 1, veŕmutas 1

Somit trat neben der Variante mit Stoßton überall eine Variante mit Schleifton auf. Da die Betonung, die später als auf der vorletzten Silbe liegt, bei mehrsilbigen Wörtern mit fester Betonung für den Wechsel der Betonung keine Rolle spielt, blieben mehr als zwei Drittel dieser Wörter (24) gleichbleibend betont, während zehn zusätzlich eine wechselnde Betonung gemäß der 2. Akzentklasse erhielten. In die Liste wurden einige in der allgemeinen Verwendung vielleicht seltenere, aber in der wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Literatur (also auch in Lehrbüchern und Nachschlagewerken) oder in bestimmten Fachgebieten recht häufige Wörter nicht aufgenommen: derbis, džèrsis, kelneris, kerlingas, konversija, modernas, sterlingas17 und andere. Wie das Protokoll der Sitzung des Unterausschusses für Aussprache und Akzentuierung der VLKK vom 12.05.2008 zeigt, wurde zwar vorgeschlagen, einige dieser im Korpus häufiger vorkommenden Wörter in diese Empfehlung aufzunehmen; andere vertraten jedoch die Auffassung, Wörter, die nicht im DŽ stehen, nicht in Empfehlungen aufzunehmen. Diese Entscheidung erscheint merkwürdig, da die Empfehlungen auch für das künftige BŽ bestimmt waren, dessen Umfang zwangsläufig größer sein wird als der des DŽ; wie aus Tabelle 2 und 3 hervorgeht, wurden dennoch einige Wörter, die im DŽ fehlen, in die Empfehlungen aufgenommen.

K-11 wurde zur Empfehlung K-11.1 und um zwanzig Adjektive ergänzt – Ableitungen mit den Suffixen -inis, -ė und -iškas, -a, die aus einigen in frühere Akzentuierungsempfehlungen aufgenommenen oder nicht aufgenommenen Lehnsubstantiven mit betonten el, er gebildet wurden (z. B. geotermija – geoterminis, -ė; ekstravertas – ekstravertiškas, -a) (Empfehlung K-11.1). Neben den Varianten mit Stoßton wurden Varianten mit Schleifton eingetragen (z. B.: desèrtinis, -ė 1, deser̃tinis, -ė 1; inèŕtiškas, -a 1, ineŕtiškas, -a 1 und andere). Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Liste nur einen Teil der aktiv gebrauchten Wörter dieses Typs umfasst; so fehlte beispielsweise unter den Substantiven in der Empfehlung K-4.1 introverto (oder eine Schreibvariante

17 In der gemeinsamen Empfehlungsliste ist sterlingas enthalten; beide Akzentuierungsvarianten sind angegeben. Online abrufbar: http://vlkk.lt/aktualiausios-temos/tartis-ir-kirciavimas/sarasas (abgerufen am 20.04.2016).

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intraverto), in dieser Liste fehlt auch das Adjektiv introvertiškas, -a; obwohl die Empfehlung K-4.1 inversija enthielt, fehlt das Adjektiv inversiškas, -a und anderes.

In der am 10. November 2005 angenommenen Empfehlung K-16 „Zur Akzentuierung einiger Adverbien“, Nr. R-12 (k-16), waren keine Lehnwörter enthalten; die zur Empfehlung K-16.1 gewordene Fassung wurde jedoch um das einzige Adverb eksternu ergänzt – mit beiden Akzentuierungsvarianten: ekstèrnu, eksternù (Empfehlung K-16.1).

Bonifacas Stundžia, der inzwischen den Unterausschuss für Aussprache und Akzentuierung der VLKK leitete und Antanas Pakeris abgelöst hatte, verfasste einen ausführlichen Kommentar zur Ergänzung dieser Empfehlungen (K-3.1, K-4.1, K-11.1, K-16.1) mit dem Titel „Zur Intonation von Fremdwörtern mit betonten Diphthongen el, er, eu“ (Stundžia 2008), in dem er seine Entscheidung begründete, die Kodifizierung von Fremdwörtern „dem tatsächlichen Sprachgebrauch anzunähern und die prosodische Integration verwandter Diphthonge el, er und em, en; eu und ei in Fremdwörtern zu vereinheitlichen“.

Es wurde festgestellt, dass „[b]etonte Diphthonge el, er und eu in Fremdwörtern (meistens Internationalismen) und fremden Eigennamen“ in Wörterbüchern auf vier Arten wiedergegeben werden:

1) Sie werden gewöhnlich mit einem Akut gekennzeichnet, der den Stoßton anzeigt, und nach der 1. Akzentklasse flektiert (dèlta, Kopėrnikas18);

2) Gelegentlich werden neben den Varianten mit Stoßton auch Varianten mit Schleifton angegeben (pèrsas, –ė (1) || pèrsas, -ė (2); Hèrmìs (1) || Hèrmìs (2));

3) Gelegentlich werden Wörter ausschließlich mit Schleifton angegeben (bẽlgas, -ė; Sèrbija (1); eūras (2));

4) Gelegentlich werden Wörter mit Schleifton zusammen mit Varianten mit Stoßton angegeben (tèrmosas (1) || tė̀rmosas (1)19; Èlbingas (2) || Èlbingas (1)).

Mit anderen Worten: In Quellen vom Beginn des 21. Jahrhunderts sind alle möglichen Verhältnisse zwischen Varianten kodifiziert (a – mit Stoßton, b – mit Schleifton; gemäß der Anordnung in normativen Wörterbüchern (positive Kodifizierung) steht die Hauptvariante links)20:

1) a;

2) a || b;

3) b;

4) b || a.

Auch im Kommentar von Bonifacas Stundžia (Stundžia 2008) werden folgende für den in diesem Artikel erörterten Aspekt der gegenwärtigen Kodifizierung wichtige Punkte hervorgehoben:

1) „Den Zirkumflex haben meist ältere Lehnwörter, die gewöhnlich aus slawischen Sprachen stammen“;

18 Hier und im Folgenden werden bei einer komprimierten Wiedergabe des Kommentarinhalts nur einige Beispiele genannt (im Kommentar gibt es wesentlich mehr).

19 DLKŽ4e, DLKŽ6e termosas wird nur mit Zirkumflex akzentuiert, im TŽŽ (2001) nur mit Akut (siehe Tabelle 1), im LKŽė sind beide Varianten verzeichnet.

20 Dėl variantų vertinimo laipsnių žr. Miliūnaitė 2003: 97–104.

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2) In normativen Werken wurden die betreffenden Diphthonge bis Anfang der 1950er-Jahre gewöhnlich mit dem Akut und bisweilen mit dem Gravis gekennzeichnet;

3) Ohne Begründung zu veröffentlichen und die Frage in der Presse zu diskutieren, wurde seit 1951 im TŽŽ und seit 1954 im DŽ1 fast durchgehend der Gravis verwendet;

4) „pusės šimto metų praktika nepatvirtino tos normos [t. y. tvirtapradžio kirčiavimo. – R. M. past.] pagrįstumo ir dauguma aktyvių bendrinės kalbos vartotojų tebep praktikuoja su kodifikacija nesuderinamą kirčiavimą – tariama koncertàs (vns. įn. koncertù, viet. koncertè, dgs. gal. koncertùs, arba su nenorminiu atitrauktiniù kirčiu koncertų, koncertė, koncertūs), taigi tvirtagališkai“;

5) Auf der Grundlage früherer Aussagen der Autoren Aleksas Girdenis und Aldonas Pupkis wurde das Prinzip der Systemhaftigkeit des litauischen Lautsystems formuliert: „[D]er Gravis bei den Diphthongen el, er und eu widerspricht nicht nur dem tatsächlichen Sprachgebrauch, sondern auch dem Sprachsystem, <...> denn dadurch wird ein Gegensatz zwischen zwei Akut-Akzenten möglich. <...> Der Zirkumflex wird bei Fremdwörtern und fremden Eigennamen ähnlicher Struktur mit betonten Diphthongen em, en und ei konsequent kodifiziert.“

Somit verlief die zweite Phase der Ergänzung der Empfehlungen im Jahr 2008 hinsichtlich der Zulassung von Varianten recht konsequent: Neben den Akzentuierungsvarianten mit Akut wurden solche mit Zirkumflex zugelassen; berücksichtigt wurden jedoch nicht alle aus dem DŽ und TŽŽ entlehnten Wörter mit den Diphthongen el, er, eu, sondern nur die im Sprachgebrauch häufiger vorkommenden. Im erwähnten Kommentar von Bonifacas Stundžia wurde darauf hingewiesen, dass der Unterausschuss für Aussprache und Akzentuierung uneinig war, was zweisilbige Substantive mit der Endung –a (delta, ferma, pleura) betraf; man stellte sie zurück, bis der tatsächliche Sprachgebrauch untersucht wäre. Auch Eigennamen wurden nicht in die Empfehlungen aufgenommen, da darüber angeblich noch diskutiert wurde.

3.3.3. Die dritte Phase der Ergänzung der Empfehlungen. 2014 wurde die Empfehlung „Zur Akzentuierung einiger Adverbien“ erneut ergänzt und erhielt die Bezeichnung K–16.2 (Empfehlung 16.2). Neben Adverbien litauischen Ursprungs wurden sechs weitere Adverbien aufgenommen, die von Adjektiven mit dem internationalen Suffix –iškas und den Diphthongen el, er gebildet sind (die in der Empfehlung K–11.1 aufgeführt sind): alergiškai, ekstravertiškai, hiperboliškai, inertiškai, keltiškai, kontroversiškai. Wie in den früheren Empfehlungen wurde neben der Akzentuierungsvariante mit Akut auch eine mit Zirkumflex angegeben.

4. WIE IST DER AKTUELLE STAND DER KODIFIKATION?

Obwohl in den Wörterbüchern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu den Betonungsempfehlungen von 2003 die Betonung von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu mit einem fallenden Akzent überwog, ist offensichtlich, dass dieses System darin nicht beibehalten wurde; die Zulassung einiger Fälle mit steigendem Akzent oder schwankender Betonung ließ Unstimmigkeiten in der kodifizierten Norm erkennen, die sich unmöglich als irgendwie begründete Ausnahmen auffassen ließen (siehe Tabelle 1).

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Daher ist es für Sprachbenutzer praktisch unmöglich, das System zu durchschauen und diese Lehnwörter auch ohne Wörterbuch so zu betonen, wie sie kodifiziert sind. Die Empfehlungen verbesserten die Lage etwas, denn die zugelassenen Varianten mit steigendem Akzent bei zumindest häufigeren Wörtern ermöglichen es den Benutzern, die ihnen jeweils angenehmere Variante zu wählen.

Die Untersuchung der Empfehlungen zeigte drei Dinge:

1) eine ziemlich konsequente Zulassung von Varianten in der Betonungskodifikation, d. h. die Anerkennung von Varianten mit steigendem Akzent entsprechend den Tendenzen des tatsächlichen Sprachgebrauchs dort, wo bis dahin nur Varianten mit fallendem Akzent kodifiziert waren;

2) eine allgemeine Inkonsistenz der Kodifikation dort, wo nur Varianten mit steigendem Akzent kodifiziert waren oder solche Varianten an erster Stelle standen;

3) eine zwar auf der Gebrauchshäufigkeit der Wörter beruhende, systemisch betrachtet jedoch irrationale Art, das Problem der Betonung von el, er, eu zu lösen, indem die Betonung nur einiger Wörter in Listen kodifiziert wird, denn außerhalb der Variantenkodifikation blieben zahlreiche seltener gebrauchte Gattungswörter, von Eigennamen ganz zu schweigen.

Inzwischen erschienen zwei weitere Ausgaben des DŽ7: DŽ7 (2012, gedruckt) und seine Online-Version DŽ7i (2015) im System „Digitale Ressourcen der litauischen Sprache“ (www.lkiis.lt). Diese Ausgaben berücksichtigten die Betonungsempfehlungen der VLKK bis 2012; somit traten neben den Wörtern, die in die Empfehlungen aufgenommen worden waren, Varianten mit steigendem Akzent zu den Varianten mit fallendem Akzent hinzu. Folglich wurde die Tendenz von Lehnwörtern mit betonten Diphthongen el, er, eu zum steigenden Akzent nicht nur in der ersten (Empfehlungs-)Phase, sondern auch auf der Stufe der Wörterbuchkodifikation zugelassen. Betrachtet man jedoch das Wörterbuch als Ganzes, trat die unsystematische Kodifikation von Lehnwörtern mit betonten Diphthongen el, er, eu noch deutlicher zutage: Bei manchen wurde sie variantenreich, bei anderen (d. h. bei den nicht in den Empfehlungen aufgeführten Wörtern) blieb die Betonung meist beim fallenden Akzent.

Somit lässt sich Anfang 2016 sagen, dass sich in der Kodifikation der Betonung von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu zwei Systeme überschneiden und die Betonung dieser Wörter in der Standardsprache unausgewogen ist. Dies bereitet den Benutzern der Standardsprache Schwierigkeiten – sowohl in der gesprochenen als auch in der geschriebenen Sprache (bei der Akzentuierung von Wörterbüchern, Nachschlagewerken, Enzyklopädien, Lehrbüchern u. Ä.).

Das neue normierende BŽ, das 2014–2016 im Wörterbuch-Unterausschuss der VLKK beraten und schrittweise im Internet veröffentlicht wird (http://bkz.lki.lt)), soll den tatsächlichen aktuellen Stand der Betonung in der litauischen Standardsprache, d. h. Normsprache, festhalten. Bei den Beratungen zum Wörterbuch trat die hier behandelte Frage sofort hervor: Was soll mit Lehnwörtern geschehen, die betonte el, er, eu enthalten, aber nicht in die Betonungsempfehlungen der VLKK aufgenommen wurden? Die erste Kodifikationsphase schien sie unberücksichtigt gelassen zu haben.

Vor diesem Hintergrund wurden diese Fragen seit Ende 2015 erneut im Unterausschuss für Aussprache und Betonung der VLKK aufgeworfen. In der Sitzung vom 21. Oktober 201521 sprach Bonifacas Stundžia eine mögliche systemische Änderung der Kodifikation an:

21 Protokoll Nr. EP-62 der Sitzung des Unterausschusses für Aussprache und Betonung der VLKK vom 21.10.2015.

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2008 fasste der Unterausschuss nach Diskussionen einen Kompromissbeschluss: Es wurde beschlossen, neben der Anfangsbetonungsvariante häufiger verwendeter, das heißt stärker in das System der litauischen Sprache integrierter internationaler Wörter, z. B. terapėutas, -ė 1, auch die Endbetonungsvariante terapėutas, -ė 2 anzusetzen. (Die Häufigkeit wurde im 100-Millionen-Wörter-Korpus der Vytautas-Magnus-Universität überprüft.) Den festgestellten Tendenzen entsprechend können die Varianten nun in der Rangfolge getauscht oder möglicherweise eine systematische Änderung vorgenommen werden – die Endbetonung als normgerecht festlegen und die Anfangsbetonung aus Traditionsgründen tolerieren.

Gibt es genügend Argumente, um diesen Schritt in der Kodifizierung zu vollziehen und die Endbetonung als Hauptnorm anzuerkennen? Für die Kodifizierung der Standardsprache sind im Allgemeinen drei Dinge wichtig: die Eigenheiten des Aufbaus der Standardsprache, ihre Funktionen und die sprachlichen Einstellungen (Garvin 1993: 37–54). Im Vorfeld einer Änderung der Kodifizierung empfiehlt es sich, folgende Fragen zu beantworten, die unmittelbar mit diesen Aspekten zusammenhängen (ausführlicher siehe Miliūnaitė 2007: 7–23):

1) Gibt es im Verhältnis konkurrierender Varianten über einen bestimmten Zeitraum hinweg tatsächliche Veränderungen?

2) Gibt es Gründe, den durch die Kodifizierung festgelegten Bewertungsgrad der Varianten zu ändern?

3) Unterscheidet sich der Sprachgebrauch dreier Generationen zum Zeitpunkt der Überprüfung der Kodifizierung?

4) Ist die Zeit reif, die Kodifizierung zu ändern?

5) Ist mit einer positiven Reaktion der Sprachverwender auf die Änderung der Kodifizierung zu rechnen?

6) Liegt ein Plan vor, wie die Verwender der Standardsprache mit der bevorstehenden Änderung der Kodifizierung vertraut gemacht werden sollen?

Im Folgenden versucht der Artikel, diese Fragen zu beantworten.

5. DERZEITIGER STAND UND MÖGLICHER WANDEL DER KODIFIZIERUNG VON LEHNWÖRTERN MIT DEN BETONTEN DIPHTHONGEN EL, ER, EU AUS DER PERSPEKTIVE DER KODIFIZIERUNGSTHEORIE

5.1. Auswahl strategischer Kodifizierungsrichtungen

Wie aus den vorherigen Teilen des Artikels hervorgeht, ist der kurze Vokal entlehnter Wörter e kein Problem, das einzelne Wörter betrifft, sondern ein Kodifizierungsproblem auf der Ebene des gesamten Lautsystems der litauischen Standardsprache. Bei der Kodifizierung sowohl der Grundlagen einzelner Sprachebenen als auch konkreter Phänomene dieser Ebenen, die systematischer betrachtet werden, wird zunächst entschieden, welcher Zeitraum des Kodifizierungswandels erfasst wird und wie weit in die Zukunft er projiziert, welche Ziele dabei erreicht werden sollen und an welchen strategischen Kodifizierungsrichtungen man sich dabei orientiert. Die häufigsten Bezugspunkte sind folgende:

▪ die Variabilität erhöhen oder verringern,

▪ die Standardsprache reinigen oder eine Zunahme entlehnter Erscheinungen tolerieren,

▪ die Normen der Standardsprache verschärfen oder liberalisieren.

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Die Wahl strategischer Kodifizierungsrichtungen hängt vor allem vom Entwicklungsstand der Standardsprache (einer konkreten Sprachebene) und von der Art der Sprachpolitik in der jeweiligen Entwicklungsphase der Standardsprache ab.

Soweit sich den Kommentaren zu den Akzentuierungsempfehlungen der VLKK entnehmen lässt, besteht das wichtigste Ziel dieser Empfehlungen darin, eine zurückgebliebene Akzentuierungskodifizierung dem tatsächlichen Sprachgebrauch anzunähern. Über die zeitliche Abfolge der Schritte des Kodifizierungswandels und das zu erwartende Ergebnis zu einem zumindest annähernd bestimmten Zeitpunkt der Entwicklung der Standardsprache ist darin jedoch nicht die Rede. Damit bleibt die Frage, welche strategischen Kodifizierungsrichtungen für die Akzentuierung von Lehnwörtern mit el, er, eu gewählt werden sollen.

5.1.1. Variabilität. Die Geschichte der Normierung der litauischen Standardsprache, insbesondere in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens, zeigt, dass die Kodifizierung verschiedener Sprachebenen darauf ausgerichtet war, Varianten zu verringern, indem zunächst aus den variierenden dialektalen oder fremden Erscheinungen diejenigen ausgewählt wurden, die für das System der Standardsprache geeignet waren. Nachdem sich dieses System gefestigt hatte und die Standardsprache eigenständig zu funktionieren begann, wurde bis zum Ende des 20. Jahrhunderts eine moderate Variabilität auf allen Ebenen (mit Ausnahme vielleicht der Orthografie) beibehalten, da sie als notwendige Voraussetzung für den Sprachwandel galt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts, als die Kodifizierung der Standardsprache systematisch überprüft wurde (beispielsweise werden Empfehlungen zu Lexik und Grammatik in der Reihe „Sprachliche Ratschläge“ veröffentlicht), begannen die kodifizierten Normen liberaler und variantenreicher zu werden und den Veränderungen eines zunehmend dynamischeren Sprachgebrauchs stärker Rechnung zu tragen. Die Überprüfung der Akzentuierungskodifizierung, die insbesondere durch das maßgebliche normierende Wörterbuch erheblich verzögert worden war und den Tendenzen des Sprachgebrauchs hinterherhinkte, bildete dabei keine Ausnahme. Doch bei der Vermehrung von Varianten ist Maß zu halten, denn eine übermäßig variantenreiche und wechselhafte Norm ist mit dem Wesen der Standardsprache selbst unvereinbar. Es sollte so viel Variabilität geben, dass sie die Tendenzen eines variierenden Sprachgebrauchs widerspiegelt und den Sprachwandel ermöglicht, aber nicht übermäßig ist und die Standardsprache an der Erfüllung ihrer Funktionen hindert.

Die Vermehrung kodifizierter Varianten von Lehnwörtern mit el, er, eu (d. h. die Anerkennung der Varianten mit Zirkumflex) entspricht gerade den Tendenzen des Sprachgebrauchs und ist ein Mittel, die Kodifizierung zu ändern; nach dieser Änderung, d. h. nach dem Übergang zu einer primären Norm mit Zirkumflex und der Stabilisierung des Sprachgebrauchs, sollte die Variantenvielfalt auf natürliche Weise verringert werden, sodass nur eine Variante verbleibt. Dieser Prozess braucht jedoch Zeit.

5.1.2. Das Verhältnis entlehnter Elemente zum System der litauischen Sprache. Während der gesamten Geschichte der Normierung der litauischen Standardsprache wurde versucht, dem Prinzip einer maßvollen sprachlichen Reinigung zu folgen und eine streng puristische Haltung abzulehnen, zugleich aber entlehnte Elemente vorsichtig – gezielt und in der Regel dort – aufzunehmen, wo sie funktional begründet sind und nicht durch eigene Elemente ersetzt werden können. Der Fall der Aussprache und Akzentuierung des entlehnten kurzen [ɛ] und der Diphthonge el, er, eu sollte dieser allgemeinen Richtung maßvoller Sprachreinigung folgen: Entlehnte Elemente sind im Litauischen nicht zweckmäßig, da sie vollständig durch das litauische kurze [ɛ] und die Diphthonge el, er, eu mit Zirkumflex ersetzt werden können. Wie die Kodifizierung des internationalen [ɛ] zeigt

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Historisch betrachtet wurde dieses Element künstlich in die Standardsprache eingeführt und blieb während seiner gesamten Kodifikationsgeschichte nicht nur wenig funktional, sondern auch für das Akzentuierungssystem der Standardsprache schädlich, da es einen regelwidrigen Akzentvorzug begünstigte.

5.1.3. Verbindlichkeit der Normen der Standardsprache.

Mit der Liberalisierung der Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird die Normierungspolitik für die litauische Standardsprache milder. An die Stelle strenger Anforderungen treten Empfehlungen, und es werden mehr in der Sprachverwendung gebräuchliche Varianten zugelassen, in der Erwartung, dass sprachbewusste Sprecher selbst die geeignetste sprachliche Ausdrucksform wählen können. Auch die Kodifikation der Akzentuierung von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu folgt dieser liberalen Richtung, insofern den Sprachbenutzern während der Übergangsphase der Kodifikation die Möglichkeit eingeräumt wird, zwischen mehreren Varianten zu wählen.

5.2. Anwendung der Kodifikationsprinzipien und -kriterien

Die litauische Standardsprache und ihre variierende Verwendung werden normiert, indem der normative Wert sprachlicher Erscheinungen anhand allgemein anerkannter (und durch einen Protokollbeschluss der VLKK bestätigter) Kodifikationsprinzipien und -kriterien bestimmt wird (vgl. Girdenis, Pupkis 1996: 1–5; Principai 1997: 1–3; Pupkis 2005: 157 ff.). Die wichtigsten Normierungsprinzipien (d. h. allgemeine Leitlinien) sind folgende:

flexible Beständigkeit (die Kontinuität des Systems der Standardsprache bewahren und Bedingungen für ihre Weiterentwicklung schaffen (siehe auch Garvin 1993: 43); Normierung nicht sprunghaft, sondern durch Varianten);

Systemhaftigkeit22 (die inneren Sprachgesetze berücksichtigen – sprachliche Erscheinungen nicht einzeln, sondern im Kontext des gesamten Sprachsystems, seiner Subsysteme, Normen und des Sprachgebrauchs normieren);

Zweckmäßigkeit (für den konkreten Fall die tragfähigsten Kodifikationskriterien auswählen und unter Berücksichtigung der Funktionen der Sprache in der Gesellschaft die funktionalsten Ausdrucksmittel entsprechend den Bedürfnissen der Sprachbenutzer bestimmen).

Nachdem die strategische Richtung für die Kodifikation von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu festgelegt und diese Prinzipien zugrunde gelegt wurden, bleibt zu untersuchen, wie die Kodifikationskriterien in diesem Fall zusammenwirken und welche von ihnen das Ergebnis der Kodifikation bestimmen. Der normative Wert konkreter sprachlicher Erscheinungen setzt sich, grob gesagt, aus Wertanteilen zusammen, die anhand jedes für die jeweilige Erscheinung relevanten Kriteriums gesondert bestimmt werden. Diese Kriterien werden auf die verschiedenen Sprachebenen nicht völlig einheitlich, sondern entsprechend den Besonderheiten der jeweiligen Ebene angewandt: Ihre Rangfolge unterscheidet sich je nach Ebene (zum Beispiel hat das Reinheitskriterium auf den verschiedenen Ebenen unterschiedliches Gewicht); auf manchen Ebenen werden mehr Normvarianten zugelassen,

22 Systemhaftigkeit wird in der Kodifikation sowohl als allgemeines Prinzip als auch als konkretes Kriterium zur Beurteilung sprachlicher Erscheinungen verstanden (Pupkis 2005: 170). Auf der Ebene der Kriterien tritt Systemhaftigkeit häufig gemeinsam mit Korrektheit auf.

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Andere Normen (zum Beispiel die Rechtschreibung) variieren nur minimal usw. Auch bei der Kodifizierung von Aussprache- und Akzentuierungsvarianten sind die verschiedenen Kriterien nicht ganz gleich gewichtet. Nach dem Prinzip der Systemhaftigkeit sind zunächst die Besonderheiten der lautlichen Ebene der litauischen Standardsprache zu berücksichtigen (Pupkis 2005: 169):

Die phonologischen und morphologischen Systeme zeichnen sich besonders durch die Festigkeit und Klarheit ihrer systemischen Beziehungen aus. Sie gelten als geschlossene Systeme, die sich während der Existenz einer ausgereiften Standardsprache nicht um neue Elemente erweitern, d. h. weder selbst neue Elemente hervorbringen noch sie aus anderen Systemen entlehnen.

Das Lautsystem des westhochlitauischen Dialekts von Kaunas, das die Grundlage des Lautsystems der Standardsprache bildet, kennt kein internationales [e]23. In entlehnten Wörtern wird dasselbe kurze [e] ausgesprochen wie in Wörtern litauischer Herkunft. Daher kann das internationale [e] und damit auch die akutierten Diphthonge el, er, eu in der Standardsprache als unsystematisch gelten24. In diesem Fall bedarf es stichhaltiger Argumente, um die Zweckmäßigkeit eines unsystematischen Elements zu begründen und es in der Standardsprache zu legitimieren. Außerdem verlangt das Kriterium der Systemhaftigkeit, diese Phänomene nicht auf einer konkreten Ebene anhand von Wortgruppen (Wortbildungsgruppen) zu behandeln, für die Akzentuierungsempfehlungen erarbeitet werden, sondern auf einer höheren Ebene, da sie sämtliche Wortarten sowie Appellativa und Eigennamen umfassen und nicht von der konkreten Wortstruktur abhängen. Folglich müssen auch Kodifizierungsentscheidungen auf einer höheren systemischen Ebene angesiedelt sein.

Die in diesem Fall relevanten zusätzlichen Kodifizierungskriterien, die vom Zweckmäßigkeitsprinzip geleitet werden, sind folgende:

a) Distinktivität und Ökonomie: Ein Teil der Sprecher der Standardsprache erkennt das in bestimmten Positionen (in entlehnten Wörtern) vorkommende Phonem nicht als eigenständiges Phonem; erst recht besteht im Redefluss kein Bedarf, die Kategorie der Entlehnungen als solche zu erkennen und irgendwie abzugrenzen. In dieser Hinsicht ist das Vorhandensein des internationalen [e] in der Standardsprache also nicht zweckmäßig – es ist redundant;

b) Verbreitung und Gebrauchshäufigkeit: Wegen des Mangels an Untersuchungen und ihrer Komplexität ist die Anwendung dieser Kriterien schwierig. Doch auch die akzentuierte Betonung der Diphthonge el, er, eu ist nicht spontan im Sprachgebrauch entstanden25, sondern künstlich eingeführt worden; daher lässt sich nur davon sprechen, ob sie sich eingebürgert hat oder nicht. Die Zirkumflexbetonung von el, er, eu in häufiger gebrauchten Entlehnungen und die Angleichung an litauische Wörter mit el, er zeigen eine klare Tendenz im Sprachgebrauch – die Variante mit Akut unterscheidet sich von

23 Da das System der litauischen Standardsprache einschließlich ihres Lautsystems im Wesentlichen auf der Grundlage eines einzigen Dialekts entstanden ist (was im Hinblick auf die Herkunft von Standardsprachen recht selten ist, vgl. Deumert 2004: 3), ist es für die Kodifizierung zweckmäßig, die Einheitlichkeit einer so geschlossenen Ebene wie der phonetischen zu bewahren. (Es sei darauf hingewiesen, dass sich das Lautsystem der Standardsprache im Zuge seiner natürlichen Entwicklung auch einige neue Merkmale angeeignet hat, die nicht mit dem Lautsystem des Basisdialekts übereinstimmen; die Kodifizierung ist in dieser Hinsicht jedoch im Rückstand; vgl. Miliūnaitė 2009: 44–45.) Selbstverständlich sind andere, weniger geschlossene Ebenen der Standardsprache erst recht nicht mit dem System des Basisdialekts gleichzusetzen: Die Standardsprache entwickelt sich bereits eigenständig.

24 Weitere Aspekte des Kriteriums der Systemhaftigkeit, einschließlich der Akzentuierung ähnlicher Entlehnungen mit den Diphthongen em, en sowie ol, or, siehe Pupkis 2016.

25 Natürlich im Sprachgebrauch entstandene Phänomene durchlaufen gewöhnlich mehrere Entwicklungsstadien, bevor sie sich verbreiten und kodifiziert werden können (vgl. Aitchison 2013); die Akzentuierung mit Akut bei Entlehnungen mit el, er, eu wurde jedoch kodifiziert, ohne dies abzuwarten.

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das Nichtverstehen des litauischen Zirkumflexakzents und damit auch dessen fehlende Etablierung während der langen Funktionsperiode der litauischen Standardsprache (die drei Generationen von Sprachverwendern umfasst);

c) Normierungstradition und Autoritätskriterium: Die Geschichte der Kodifizierung der Akzentuierung von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu zeigt, dass es genügend Autoritätsmeinungen gibt, die einen Wandel der Kodifizierung hin zur Zirkumflexakzentuierung der internationalen el, er, eu mit ausführlichen Argumenten begründen; die Argumente der Autoritäten, die eine gegenteilige Meinung vertreten, beziehen sich eher auf technische und praktische Aspekte der Kodifizierung und auf das Bestreben, die Kodifizierung selbst möglichst stabil zu halten;

d) sprachliche Einstellungen der Sprachverwender: Sie sind kaum erforscht, doch lassen sich auch aus den bei verschiedenen Gelegenheiten geäußerten Meinungen unterschiedliche Einstellungen erschließen; zwei Gruppen von Verwendern der Standardsprache sind zu unterscheiden: Normvermittler26 (Lehrkräfte, Sprachredakteure, Medienmitarbeiter, Schauspieler usw.; ihre Meinungen werden durch die geltende Kodifizierung geprägt und durch bestehende Gewohnheiten beeinflusst, wobei diese beiden Faktoren in diesem Fall nicht immer übereinstimmen) und gewöhnliche Sprachverwender (ihre Haltung gegenüber der Kodifizierung dieses Phänomens ist, wie erwähnt, ziemlich neutral, und die Akzentuierung der untersuchten Wörter wird unter dem Aspekt des gesprochenen Sprachgebrauchs nicht als Problem wahrgenommen).

6. PLANUNG DES KODIFIZIERUNGSWANDELS

6.1. Phasen der Planung des Kodifizierungswandels

Bei der Erörterung des Kodifizierungswandels empfiehlt es sich, sich an der Sprachplanungsmethodik mit ihren vier unterschiedenen Phasen zu orientieren (vgl. Christian 1994: 33–34):

1) Das Problem wird bestimmt (die sprachliche Situation wird geklärt und es wird festgestellt, warum ein Kodifizierungswandel erforderlich ist);

2) Ein Plan für den Kodifizierungswandel wird ausgearbeitet und umgesetzt:

a) Daten zur bestehenden Situation werden gesammelt;

b) Ziele und Aufgaben des Plans werden festgelegt, die Wege zu ihrer Umsetzung und mögliche Ergebnisse werden vorausgesehen;

c) Das Phänomen wird schrittweise gemäß dem Plan eingeführt;

3) Die Wirksamkeit des Plans wird bewertet, d. h. seine Durchführung wird kontrolliert und der Plan wird bei Bedarf angepasst;

4) Der Rückkopplungsprozess mit den Sprachverwendern wird aufrechterhalten.

26 Zum unterschiedlichen Verhältnis verschiedener Gruppen von Sprachverwendern zu Sprachnormen und zu ihrer Rolle bei deren Verbreitung siehe ausführlicher Takahashi 2004: 173–174.

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Im Plan für die Änderung der Akzentuierungskodifikation von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu hin zur fallenden Akzentuierung (seine Einzelheiten spiegeln sich in den Protokollen des Unterausschusses für Aussprache und Akzentuierung der VLKK sowie in den geprüften Akzentuierungsempfehlungen der VLKK und deren Kommentaren wider) ist derzeit Punkt 2 c erreicht und zur Hälfte umgesetzt. Noch auszuführen ist die abschließende Maßnahme dieses Punktes – die Vereinheitlichung des Akzentuierungssystems. Obwohl, wie bereits angemerkt, in den genannten Dokumenten nicht ausdrücklich von einem vorgesehenen endgültigen Zeitpunkt der Änderung die Rede ist, bietet das nun in Teilen erscheinende BŽ, der Anlass für die Ausarbeitung der Akzentuierungsempfehlungen war, doch den realen Boden, auf dem diese Änderung der Kodifikation am zweckmäßigsten ist: Bei späteren Ausgaben dieses Wörterbuchs dürfte die Öffentlichkeit kaum noch mit der Aufmerksamkeit reagieren, die man sich derzeit erhofft, und ihr Einfluss auf den Sprachgebrauch wird geringer sein.

Würde man den früheren, mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Kodifikationsabschnitt ähnlich bewerten – den „Plan“, den entlehnten kurzen Vokal [ę] in den Gebrauch des Litauischen einzuführen –, könnte man sagen, dass sich nach der Bewertung der Wirksamkeit dieses Plans gemäß dem dritten Punkt herausstellte, dass er sich nicht bewährt hat.

6.2. Mögliche Lösungen

In der Sitzung des Unterausschusses für Aussprache und Akzentuierung der VLKK am 21. Oktober 2015 wurde ein wichtiger Schritt getan: Man einigte sich darauf, dass die Änderung der Kodifikation nicht einzelne Wortlisten, sondern das gesamte System umfassen müsse. Uneinigkeit bestand nur hinsichtlich des Umfangs der Änderung und ihrer zeitlichen Umsetzung. Im Protokoll dieser Sitzung heißt es:

Ein grundsätzlicher Beschluss zu el, er, eu in Internationalismen wurde nicht gefasst. Man beabsichtigt, die Sprachkommission um ihre Meinung dazu zu bitten, ob die fallende Akzentuierungsvariante schrittweise nunmehr bei allen (nicht nur den häufiger gebrauchten) Internationalismen als Nebenvariante anerkannt werden sollte oder ob die fallende Akzentuierung generell als Hauptnorm der Akzentuierung verkündet werden kann (ohne die fallende Akzentuierung als Nebenvariante zu streichen) und diese Norm im „Wörterbuch der litauischen Standardsprache“ verankert werden sollte.

Im ersten Fall wird vorgeschlagen, bei allen Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu, die auf der ersten Silbe mit fallender Akzentuierung betont werden, die Tendenz zur fallenden Akzentuierung aufzuzeigen und damit die allgemeine Variabilität dieses Subsystems zu legalisieren. In diesem Fall würden diejenigen, die sich an der ersten Variante als Hauptvariante orientieren, weiterhin mit steigendem Akzent betonen. Bei den Wörtern, für die bereits jetzt nur die fallende Variante kodifiziert ist, bliebe es offenbar bei der fallenden Akzentuierung (bẽlgas, -ė, ẽūras, pẽrlas usw.); sorgfältigere Sprecher müssten sich diese Wörter also weiterhin wie bisher einprägen. Für die Konsequenz der Kodifikation bringt dieser Fall nichts. Die Änderung der Kodifikation kommt somit auf halbem Weg zum Stillstand, ihre Planung bleibt unklar. Lohnt es sich, weitere 10–20 Jahre zu warten, bis sich alle Wörter an das litauische Akzentuierungssystem „angepasst“ haben (und seltenere Wörter sich „nicht angepasst“ haben), und erst dann die fallende Variante zur Hauptvariante zu machen?

Im zweiten Fall wird vorgeschlagen, das System bereits jetzt zu vereinheitlichen:

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1) Alle entlehnten Wörter mit den Diphthongen el, er, eu würden in der ersten Variante mit fallender Akzentuierung betont,

2) Bei den Wörtern, für die bis dahin eine Variante mit steigendem Akzent kodifiziert war (als einzige oder als erste neben einer zweiten mit fallendem Akzent), würde diese Variante mit steigendem Akzent als zweite beibehalten.

Im zweiten Fall müssten die Sprecher also nicht rätseln: Bei einer Betonung mit fallendem Akzent würde stets die Hauptnorm unterstützt – das entspricht auch der Tendenz im Sprachgebrauch –, und wer es gewohnt ist, mit steigendem Akzent zu betonen, würde damit ebenfalls keinen Fehler machen. Dieser Fall wurde im Unterausschuss für Aussprache und Akzentuierung des Rates der VLKK als revolutionär bezeichnet, obwohl hier keine Revolution vorliegt, wenn man nicht einzelne Wörter, sondern das gesamte Akzentuierungssystem der Lehnwörter mit el, er, eu betrachtet. Wie aus den Akzentuierungsempfehlungen seit 2003 und ihren Kommentaren ersichtlich war, bewegt man sich über Varianten recht konsequent hin zur fallenden Akzentuierung und bereitet gerade eine solche Änderung der Kodifikation vor. So wurde 2003, wie erwähnt, entsprechend der natürlichen Tendenz die Akzentuierung von euro kodifiziert; dies hat sich völlig bewährt. Noch weniger sollte man die angestrebte Umsetzung des Systemprinzips – die Anwendung der fallenden Akzentuierung auf alle entlehnten Wörter mit betonten Diphthongen el, er, eu – als Revolution bezeichnen. Dies ergibt sich aus der Natur des betreffenden Phänomens.

Die Kodifikationsrevolution im TŽŽ von 1951 wurde ohne jede Diskussion vollzogen. Nun muss man faktisch ihre Folgen korrigieren und zu der im Rechtschreibwörterbuch der litauischen Sprache von 1948 festgehaltenen Norm Lietuvių kalbos rašybos žodyne zurückkehren, selbstverständlich jedoch auf einer neuen Stufe, unter Einbeziehung vieler neuer Lehnwörter und unter vorläufiger Zulassung zweckmäßiger Nebenvarianten mit steigendem Akzent.

7. KODIFIKATIONSTECHNIK

7.1. Maßnahmen zur Änderung der Kodifikation

Auf Grundlage des Gebrauchskriteriums wird der Wert der Varianten in der Regel durch die Art ihres Wettbewerbs bestimmt: a) Beginn des Wettbewerbs, b) zunehmender Wettbewerb, c) starker Wettbewerb, d) nachlassender Wettbewerb, e) Ende des Wettbewerbs (ausführlicher siehe Miliūnaitė 2006: 14). Da das hier behandelte Phänomen, wie erwähnt, nicht auf natürliche Weise, sondern infolge einer künstlichen Kodifikation entstanden ist und es zudem schwierig ist, es im lebendigen Sprachgebrauch zu erfassen, ist es zweckmäßiger, nicht von einem Wettbewerb der Normvarianten im tatsächlichen Sprachgebrauch, sondern von dessen Projektion in der Kodifikation zu sprechen. Die Änderung der Kodifikation hängt daher stärker von der Kodifikationstechnik ab als von den Beziehungen zwischen konkurrierenden Varianten. Der Kern der Änderung der Kodifikation besteht darin, systematisch zur fallenden Intonation überzugehen und dabei den Anfangsakzent für eine gewisse Zeit gezielt als Nebenvariante beizubehalten, als Überbleibsel der früheren Kodifikation.

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Bei einer Änderung der Kodifikation sind theoretisch folgende Maßnahmen möglich:

a) kodifizierte Normvarianten werden vertauscht,

b) eine neue Normvariante wird anerkannt,

c) eine der Normvarianten wird gestrichen,

d) eine nicht mehr aktuelle Norm wird gestrichen,

e) ein zuvor negativ kodifiziertes Phänomen (nicht als Norm geltend) wird anerkannt.

Da die Kodifikation des betreffenden Phänomens uneinheitlich war, wären für ihre ausgleichende Änderung, bezogen auf einzelne Wörter, alle fünf Maßnahmen erforderlich (siehe Tabelle 5).

TABELLE 5. Maßnahmen zur ausgleichenden Änderung der Kodifikation von Akzentvarianten bei Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu (a – Anfangsakzent, b – fallende Intonation)

Dabartinis kodifikacijos būvis (pagal VLKK rekomendacijas arba, jei jų nėra, TŽŽ 2001) VLKK Tarties ir kirčiavimo pakomisės 2016 m. siūlymai dėl kodifikacijos BŽ 1 atvejis 2 atvejis 1. a (dèrbis, hermenèutika) a || b (dèrbis || dèrbis; hermenèutika || hermenèutika) b || a (dèrbis || dèrbis; hermenèutika || hermenèutika) 2. a || b (hèrbas || hèrbas) a || b (hèrbas || hèrbas) b || a (hèrbas || hèrbas) 3. b (bèlgas, -ė, speltà, èūras) (?) b (bèlgas, -ė, speltà, èūras) 4. b || a (tèrmosas || tèrmosas) b || a (tèrmosas || tèrmosas) b (tèrmosas) 5. naujai ateinantys žodžiai (delfis) a (?) b (delfis)

Tabelle 5 zeigt, dass sich die Ergebnisse der geplanten Änderung der Kodifikation im ersten und im zweiten Fall deutlich unterscheiden: Der erste Schritt verbessert den Zustand der Kodifikation nicht, der zweite schafft ein klares System.

Bei der Planung einer Änderung der Kodifikation darf auch die Frage nicht aus dem Blick geraten, wie mit Wörtern (Neologismen) zu verfahren ist, die neu ins Litauische gelangen. Zwar entstehen für einen Teil von ihnen mit der Zeit litauische Entsprechungen, doch müssen sie, sobald sie gebraucht werden, irgendwie akzentuiert werden. Solche

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Neue Wörter gelangen täglich ins Litauische, zum Beispiel: derbiai („klassische Herrenhalbschuhe mit offener Schnürung“), internas, -ė („Person im Internat, d. h. ein Arzt bzw. eine Ärztin in der postgradualen praktischen Ausbildung“), selfis27 („Selbstporträtfoto, das meist mit einem Smartphone aufgenommen und in soziale Netzwerke gestellt wird“), dalbergija28 („Baum aus der Familie der Hülsenfrüchtler“) u. a. (siehe ND).

Ausgehend von der Betonungslogik „noch nicht eingewöhnter“ Lehnwörter müsste man nach Fall 1 zunächst die Anfangsbetonung kodifizieren und eine kürzere oder längere Phase abwarten, in der sich diese an das litauische Betonungssystem anpasst; erst danach sollte man, falls sie sich als häufig erweist, schrittweise zur Endbetonung übergehen. Es liegt auf der Hand, dass wir in einem solchen Fall weiterhin keine systematische Betonung aller Lehnwörter mit el, er, eu erreichen würden.

7.2. Verhältnis und Status der Varianten nach einer möglichen Änderung der Kodifizierung

Nach dem in der Kodifizierung des litauischen Standardsprachgebrauchs etablierten System der vier wichtigsten Bewertungsstufen können Normvarianten gleichwertig sein (a | b) oder eine Hauptvariante (praktisch vorherrschend) und eine Nebenvariante bilden (a || b). Theoretisch geben die Verhältnisse zwischen Normvarianten zum Zeitpunkt der Kodifizierung den Stand ihres Wettbewerbs und Entwicklungstendenzen im tatsächlichen Sprachgebrauch wieder: einen starken Wettbewerb zwischen Varianten oder die größere Zukunftsfähigkeit einer von ihnen (unter soziolinguistischem Aspekt auch ihr Prestige). Wenn die Kodifizierung dem Sprachgebrauch nur wenig hinterherhinkt und bei Bedarf angepasst wird, ermöglicht ein solches System von Bewertungsstufen eine flexible Reaktion auf Veränderungen des Sprachgebrauchs. Diese formale Darstellung der Verhältnisse zwischen Normvarianten ist somit erforderlich, um sowohl den Wandel der Kodifizierung durch Varianten festzuhalten als auch den Sprachbenutzern eine Orientierung über Sprachentwicklungstendenzen zu geben.

In der Praxis der Standardsprache muss der Status von Varianten auf zwei Ebenen betrachtet werden: 1) bei den Kodifizierungsquellen und 2) bei den Sprachbenutzern.

Für die Kodifizierung der Betonung sind lexikografische Werke (meist Wörterbücher) von Bedeutung. In der lexikografischen Praxis gilt das Stichwort – und damit auch seine Betonung, Schreibweise und grammatische Form – gewöhnlich als Hauptvariante; eine daneben angeführte andere Variante gilt als gleichwertig oder als Nebenvariante (je nach Entscheidung der Bearbeiter des jeweiligen Werks). Für die Kodifizierungspraxis ist daher die Stellung der Hauptvariante (der zuerst genannten Variante) besonders wichtig, denn im Allgemeinen wird eine der Varianten

27 Obwohl für diesen Anglizismus rasch ein litauisches Äquivalent, asmenukė, gefunden wurde, kann es im Sprachgebrauch dennoch nötig sein, auch dieses Wort selbst auszusprechen und zu betonen (vgl.: Mit dem Selfie kamen auch verwandte Wörter auf „selfintis“, „selfimanas“). Die Betonungsstelle hängt von der gewählten Intonation ab.

28Dalbergija ist mit 21 Einträgen (einschließlich Artbezeichnungen) in der Terminologiedatenbank der Republik Litauen (LRTB) anhand verschiedener von der VLKK bestätigter Quellen erfasst (gesucht wurde nur im Nominativ; abgerufen am 21.04.2016). Der Akzentuierung dieses Begriffs sind hier zwei Varianten zugeordnet: dalbėrgija (18 Belege: in den VLKK-Empfehlungen „Zu einigen Holzbezeichnungen“, 2003; „Zu litauischen Bezeichnungen von Holz-, Faser-, Misch-, Gerb- und anderen für technische Zwecke verwendeten Pflanzen“, 2008; „Zu litauischen Bezeichnungen giftiger Pflanzen (A–J)“, 2016 u. a.) und dalbergija (5 Belege: im Erklärenden Wörterbuch der Holzterminologie, 2014). Zwar beeinflusst diese Variation hier nicht die Betonungsstelle, doch ist höchst fraglich, ob eine solche Variation bei Begriffen, die im selben Zeitraum kodifiziert werden, grundsätzlich erforderlich ist.

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muss als Haupteintrag, d. h. als Hauptvariante, angegeben werden. Zugleich wird die Möglichkeit geschaffen, bei einer Änderung der Kodifizierung die Varianten in ihrer Reihenfolge zu vertauschen.

Der Status der Varianten ist für die Sprachbenutzer mit den meisten Unklarheiten verbunden. Die Kodifizierung der Akzentuierungsnormen des litauischen Standardsprachgebrauchs wurde, vielleicht unter allzu strikter Befolgung des Prinzips der Normenbeständigkeit, jahrzehntelang nicht systematisch überprüft und blieb in einigen Fällen deutlich hinter dem tatsächlichen Sprachgebrauch zurück. Damit die Akzentuierungsempfehlungen daher bei einem Wandel der Norm nicht lange in einem geschlossenen Kreislauf stecken bleiben, d. h. damit Sprachbenutzer auch dann Varianten wählen können, die dem tatsächlichen Sprachgebrauch und ihren Bedürfnissen besser entsprechen, wenn diese vor den Empfehlungen von 2003 überhaupt nicht kodifiziert waren und deshalb in den Empfehlungen häufig an zweiter Stelle stehen, verabschiedete die VLKK zwei Sonderbeschlüsse. 2010 wurde beschlossen (Empfehlung K-20):

1. Die in den von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache bestätigten Akzentuierungsempfehlungen angeführten Varianten (siehe http://www.vlkk.lt/aktualiausios-temos/tartis-ir-kirciavimas?view=slides), sowie D. Mikulėnienė, A. Pakeris und B. Stundžia, „Akzentuierungsnachschlagewerk des litauischen Standardsprachgebrauchs“ und die dazugehörigen elektronischen „Akzentuierungswörterbuch der gemeinsprachlichen Wörter“ und „Akzentuierungswörterbuch der Eigennamen“ (von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache beraten; Vilnius, 2007 und spätere Ausgaben)) sind als standardsprachlich zu bewerten; die Verwendung keiner dieser Varianten gilt als Fehler. 2. Als Fehler gelten nichtstandardsprachliche Akzentuierungsvarianten sowie die inkonsequente Verwendung standardsprachlicher Akzentuierungsvarianten, d. h. ihre wechselnde Verwendung.

Im Kommentar zu diesem Beschluss wird angemerkt (Stundžia 2013):

Selbstverständlich sind die jeweils zuerst genannten Varianten die Hauptvarianten; auf sie stützen sich traditionell die Terminologen und diejenigen, die sich ausschließlich an eine prestigeträchtige Sprache halten möchten.

Für Terminologen erwies sich diese Lösung jedoch als unpraktisch, denn wenn die Kodifizierung schrittweise geändert wird, bleibt die zuerst genannte Variante in den Empfehlungen bisweilen eine Zeit lang noch ein Relikt der alten Kodifizierung, das im tatsächlichen Sprachgebrauch nicht mehr als prestigeträchtig gilt. Eine solche Situation entsteht besonders dann, wenn im DŽ nur eine einzige, bereits überholte Variante kodifiziert ist. Wird daneben in der Empfehlung eine zukunftsträchtigere Variante als zweite zugelassen, ist noch ein weiterer Schritt (und Zeit) erforderlich, bis die zweite an die erste Stelle rückt29.

Unter Berücksichtigung dessen verabschiedete die VLKK 2015 einen weiteren protokollarischen Beschluss, diese Bestimmung in den „Allgemeinen Anforderungen an die Erstellung von Terminologiewörterbüchern“ zu ändern (Protokollbeschluss PN-

29 Das ist nicht nur für Lehnwörter mit el, er, eu relevant. Häufig wird der Fall des Wortes liauka angeführt: Im DLKŽ₄ₑ steht nur liaukà (2), während im tatsächlichen Sprachgebrauch líauka (1) vorherrscht. Wenn die Norm also durch Varianten geändert wird, wird die nicht zukunftsträchtige Variante liaukà eine Zeit lang weiterhin als Hauptvariante angegeben. In solchen Fällen sollte man, wenn Sprachbenutzer die erste Variante nicht annehmen und der Sprachgebrauch eindeutig zur zweiten tendiert, nicht davor zurückschrecken, einen Schritt der Kodifizierung zu überspringen.

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8), damit die Rangfolge der in den Kodifikationsquellen angegebenen Akzentuierungsvarianten nicht eingehalten werden muss (die frühere Bestimmung dieses Dokumentenpunkts wird im zitierten Text als gestrichen dargestellt):

26. In Wörterbüchern müssen litauische Termini (mit Ausnahme unzulässiger und als Verweis in Verweisartikeln angegebener Termini sowie Funktionswörter, die als Bestandteile von Termini auftreten) mit Akzentzeichen versehen sein. Sind in den Empfehlungen der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache oder im „Wörterbuch der litauischen Gegenwartssprache“ mehrere Akzentuierungsvarianten zugelassen, ist in Wörterbüchern die erste Variante anzugeben (stimmen die Akzentuierungsvorgaben im „Wörterbuch der litauischen Gegenwartssprache“ nicht mit denen der Empfehlungen der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache überein, sind Letztere maßgeblich). Es wird nicht empfohlen, die Akzente von Entsprechungen in anderen Sprachen zu markieren oder die Vokallänge im Lateinischen anzugeben.

Wenn im BŽ das Akzentuierungssystem für Lehnwörter mit el, er, eu vereinheitlicht wird, entfällt dieses Problem, da das Wörterbuch dann die Tendenzen des tatsächlichen Sprachgebrauchs widerspiegeln würde und man sich bei der Akzentuierung von Termini auf die Hauptvariante stützen könnte.

Wenn die Norm im Sprachgebrauch variiert oder ihre Variation durch eine veraltete Kodifikation künstlich aufrechterhalten wird, gewöhnt sich ein Teil der Sprecher an die Verwendung der nicht zukunftsfähigen Norm, und dies muss berücksichtigt werden. So können etwa jene Nachrichtensprecher im Hörfunk und Fernsehen, die gelernt haben, viele Lehnwörter mit el, er, eu mit fallender Betonung zu akzentuieren (oder zumindest den Akzent nicht zu verschieben), möglicherweise nur schwer zur steigenden Betonung wechseln. Das ist auch nicht nötig, wenn der Sprecher sich für ein System entscheidet (die Variante mit fallender oder steigender Betonung) und es konsequent beibehält, es sei denn, die gesamte Medienquelle verständigt sich auf den Wechsel zu einem gemeinsamen System. Nicht zu vergessen ist, dass Sprachnormen auch den Sprachzustand einer bestimmten Zeit widerspiegeln. Aufgrund der Trägheit sprachlicher Gewohnheiten ist die Mehrheit der Sprecher gewöhnlich nicht geneigt, Änderungen der Kodifikation zu berücksichtigen und sich umzulernen; die von ihnen erlernte Norm kann daher als Kennzeichen einer bestimmten Zeit und/oder Generation gelten. Die von verschiedenen Sprechern gewählten unterschiedlichen Systeme würden es ermöglichen, dass sich der Wettbewerb zwischen diesen Varianten im tatsächlichen Sprachgebrauch auf natürliche Weise gemäß den bereits heute klar erkennbaren Tendenzen regelt, die durch eine Änderung der Kodifikation zugunsten der steigenden Betonung noch verstärkt würden.

7.3. Praktische Umsetzung der Änderung der Kodifikation

Theorie und Praxis der Kodifikation zeigen, dass es unter den gegenwärtigen Umständen am vernünftigsten ist, den letzten Schritt zur Vereinheitlichung des Akzentuierungssystems zu tun: Im in Vorbereitung befindlichen und von der VLKK zur Genehmigung vorgesehenen BŽ soll bei Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu allgemein zur Variante mit steigender Betonung als Erstvariante übergegangen und diese als Hauptnorm festgelegt werden. Wo zuvor auch eine Variante mit fallender Betonung (oder ausschließlich eine solche) kodifiziert war, sollte sie als zweite Variante angeführt werden.

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In diesem Fall stellen sich mehrere praktische Fragen. Über sie bedarf es einer gemeinsamen und klaren Vereinbarung sowohl unter den Kodifizierenden selbst als auch zwischen den Kodifizierenden und den Sprachbenutzern30.

Erstens: Was soll mit früheren Kodifikationswerken und verschiedenen Quellen geschehen, deren Akzentuierung sich nach dem bisherigen Stand der Kodifikation richtet – Wörterbüchern, Enzyklopädien, Nachschlagewerken, Lehrbüchern, akzentuierten Datenbanken usw.? Die Antwort wäre einfach: Man muss sich damit abfinden, dass bedeutendere Änderungen der Kodifikation eine Übergangszeit und somit eine größere Toleranz gegenüber variierenden Normen erfordern. Die Kodifikation bestimmter Phänomene der Standardsprache oder ihrer Teilsysteme wird nicht zum ersten Mal entschiedener geändert. So wurde beispielsweise vor vier Jahrzehnten, 1976, beschlossen, in den Wurzeln der drei litauischen Wörter bjaurus, -i, pjauti, spjauti entsprechend der Aussprache i zu schreiben (obwohl DŽ₂ erst kurz zuvor, 1972, erschienen war). Spätere Quellen passten sich diesem Beschluss rasch an. Beim Übergang zu einer neuen Kodifikation der Akzentuierung von Lehnwörtern mit el, er, eu sollten sich diejenigen, die bewusst bestrebt sind, die Normen der Standardsprache strenger einzuhalten, nach der neuesten und maßgeblichen Kodifikationsquelle (d. h. dem BŽ) richten; für gewöhnliche Sprachbenutzer, die keinen Anlass haben, die Akzentuierung in Quellen nachzuschlagen, wäre dieser Übergang überhaupt nicht bemerkbar, da auch die zweite Variante normgerecht wäre. Neue Ausgaben anderer Quellen (bei elektronischen Quellen lässt sich dies einfacher umsetzen) würden im Laufe kürzerer oder längerer Zeit nach und nach einen allgemeinen Übergang zu einheitlichen Kodifikationsvorgaben ermöglichen. Da Normvermittler sich an der Kodifikation orientieren, würden andere Sprachbenutzer die von ihnen verwendeten Normen mit der Zeit ebenfalls übernehmen.

Zweitens: Was soll mit Eigennamen (Personen- und Ortsnamen) geschehen? Sollte ihre Akzentuierung unangetastet bleiben? Da es nicht üblich ist, bei Eigennamen Akzentuierungsvarianten anzugeben, wie sollte man zur Akzentuierung mit steigender Betonung übergehen, ohne das Prinzip zu verletzen, Normenänderungen durch Varianten einzuführen?

Wenn man sich dafür entscheidet, das Akzentuierungssystem zu vereinheitlichen, sollte dies auch Eigennamen umfassen. Eine solche Vereinheitlichung bedeutet, dass nicht einzelne Wörter, sondern die Kodifikation aller Wörter dieser Gruppe der allgemeinen Regel untergeordnet wird, nach der entlehnte Wörter mit den Diphthongen el, er, eu einen fallenden Ton haben. Ein Präzedenzfall existiert, wie auch beim Gattungswort Euro. An der Universität Vilnius wurde das etwa 12.000 Einträge umfassende Antike Namenslexikon. Digitale Datenbank antiker Eigennamen (AV 2015) erstellt; seine Urheber entschieden sich für die Variante mit fallendem Ton bei Namen mit el, er, eu (z. B. Hėrmìs, Dzeũsas, Minervà).

Die Akzentuierung mit fallender Betonung sollte, sofern sie kodifiziert war, in der gesprochenen Sprache weiterhin nicht als Fehler gelten, sondern als Überrest der älteren Kodifikation; neue Quellen sollten sich hingegen am BŽ orientieren, das neben Appellativen auch die häufigsten Ortsnamen Litauens und der Welt sowie Namen aufnimmt, die mit kulturellen oder religiösen Gegebenheiten verbunden sind. Allgemeinlitauischen

30 Gemäß den Maßnahmen der gegenwärtigen Sprachplanungspolitik wäre ein Beschluss der VLKK samt Kommentar sowie dessen Bekanntmachung in der Öffentlichkeit die geeignetste Form einer solchen Vereinbarung.

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Enzyklopädie, die eine große und wichtige Quelle für Eigennamen ist, könnte sich in ihrer elektronischen Fassung ebenfalls an der Änderung der Kodifizierung orientieren.

8. SPRACHGEBRAUCHSGEWOHNHEITEN UND ERWARTUNGEN

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass bei einer Änderung der Kodifizierung zwei zu beantwortende Fragen unmittelbar mit den sprachlichen Einstellungen der Sprachbenutzer und der Verbreitung von Informationen über die Änderung der Kodifizierung zusammenhängen. Die Rolle der Benutzer in diesem Prozess ist daher wichtig. Um die Frage zu beantworten, ob eine positive Reaktion der Benutzer auf eine Änderung der Kodifizierung zu erwarten ist, sollte ermittelt werden, was die Zielgruppen der Sprachbenutzer denken – jene bewussten Benutzer (zum Beispiel öffentlich sprechende Medienvertreter), denen eine korrekte Akzentuierung wichtig ist. Die von der VLKK geplanten Diskussionsseminare sind eine Möglichkeit, dies zu tun.

Zusätzlich zu dem, was in Abschnitt 5.2 über die sprachlichen Einstellungen der Sprachbenutzer als eines der Kodifizierungskriterien gesagt wurde, ist daran zu erinnern, dass ein Teil der Benutzer die Erstsilbenbetonung von Entlehnungen mit den Diphthongen el, er, eu als zurückgezogenen Akzent wahrnimmt. Da die Regel der vorletzten Silbe wegen der Dialektvielfalt und ihres nach wie vor spürbaren Einflusses auf die Standardsprache bis heute nicht immer beachtet wird, fördert die Stimulierung von erstsilbenbetonten Varianten mit el, er, eu diesen zurückgezogenen Akzent zusätzlich, nivelliert zugleich die Akzentunterschiede und schwächt das gesamte Akzentuierungssystem der Standardsprache31.

Bei der Planung, wie die Benutzer der Standardsprache mit der bevorstehenden Änderung der Kodifizierung vertraut gemacht werden sollen, muss der Motivation für diese Änderung besondere Aufmerksamkeit gelten. Wie verschiedene Untersuchungen zu sprachlichen Einstellungen zeigen, haben Sprachbenutzer im Allgemeinen eine recht negative Haltung gegenüber jeglicher Änderung der Kodifizierung; das ist verständlich, denn sie wollen ihre erworbenen Gewohnheiten und die Stabilität der Normen bewahren. Im vorliegenden Fall wird jedoch der größte Teil der Benutzer die Änderung der Kodifizierung bei Wörtern der Akzentklasse 1 in der gesprochenen Sprache kelneris, tercija, termosas, serveris kaum wahrnehmen, da der Akzent aus dem Gehör praktisch nicht zu unterscheiden ist und die Betonungsstelle fest bleibt. Für die Sprachbenutzer sind jene Wörter am wichtigsten, bei denen der Akzentwechsel von der Akzentkontur abhängt: koncertas, desert as, ekspertas, elfas und Ähnliches; gerade die betonten Diphthonge el, er, eu in solchen Wörtern werden tendenziell fallend ausgesprochen. Für diejenigen, deren Akzentuierungssystem der Standardsprache gefestigt ist, wären auch zweisilbige Internationalismen auf –a unproblematisch, deren fallende Variante nach der zweiten Akzentklasse betont wird (z. B. deltà, dermà, fermà, nelmà, nerpà, pleurà und andere – vgl. peltà, speltà oder pemzà, rentà, die im TŽŽ 2013 fallend akzentuiert sind); für diese hat die VLKK bislang keine Akzentuierungsempfehlungen ausgesprochen. Und der wichtigste praktische Nutzen ist,

31Einige Vertreter der gesprochenen Medien geben zu, dass sie sich an die Vereinbarung halten, die kodifizierten ersten (prestigeträchtigen) erstsilbenbetonten Varianten zu verwenden, in dieser Position aber einen unklaren, „zusammengewürfelten“ Akzent aussprechen, weil sie nicht wissen, wie die Aussprache tatsächlich sein sollte.

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sodass künstliche Laute nicht mehr eigens eingeübt und die zahlreichen „Ausnahmen“, die aufgrund der Unebenheiten der Kodifizierung derzeit bestehen, nicht mehr auswendig gelernt werden müssten. Auch müsste man nicht mehr in die Empfehlungslisten zur Akzentuierung einzelner Wörter schauen; vielmehr könnte man alle Entlehnungen mit den Diphthongen el, er, eu nach dem Sprachgefühl des Systems akzentuieren.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Die Geschichte der Kodifizierung der Akzentuierung von Lehnwörtern mit el, er, eu zeigt, dass die erstsilbenbetonte Akzentuierungsvariante mit dem kurzen Vokal [ɛ] ein künstlicher Eingriff in das Laut- und Prosodiesystem des litauischen Standards war und insbesondere seit dem TŽŽ 1951 bis heute sowohl den Sprachgebrauch als auch die Kodifizierung der Normen erheblich aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Die deutlichsten Folgen dieses Phänomens im gegenwärtigen Gebrauch der Standardsprache sind die Förderung der Nivellierung von Akzentkonturen und des zurückgezogenen Akzents sowie die uneinheitliche Kennzeichnung der Akzentkontur sogar bei Wörtern gleicher Herkunft (z. B. termosas und terminis), die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Wörterbücher aufgenommen wurden.

Die theoretisch postulierte Eigenart des internationalen [ɛ] lässt sich in der Praxis nur schwer feststellen, wird von Sprachexperten subjektiv bewertet und von ungeschulten Sprachbenutzern nicht erkannt. Der tatsächliche Sprachgebrauch zeigt eine deutliche Tendenz, die genannten Diphthonge fallend auszusprechen, das heißt, die Aussprache und Akzentuierung der Entlehnungen auf natürliche Weise an das Laut- und Prosodiesystem des Litauischen anzupassen. Daher besteht gegenwärtig ein klarer Widerspruch zwischen Sprachgebrauch und Kodifizierung. Unter diesen Umständen gewinnt die Kodifizierung an Bedeutung: Sie wird entweder zum Faktor der Unterstützung und Stabilisierung tatsächlicher Normen oder zur Bremse ihrer natürlichen Entwicklung.

Unter Berücksichtigung dessen und nach Prüfung der von der VLKK in den Jahren 2003–2014 veröffentlichten Akzentuierungsempfehlungen für die genannten Diphthonge sowie der Probleme ihrer Kodifizierung anhand der Kodifizierungstheorie lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen.

1. Die Kodifizierung der Akzentuierungsnormen der litauischen Standardsprache wurde seit dem DŽ₁, das die Akzentuierungsnormen des TŽŽ 1951 für Lehnwörter mit el, er, eu sprunghaft und unter Missachtung der Kodifizierung im LKRŽ 1948 übernahm, jahrzehntelang nicht systematisch überprüft und blieb in einigen Fällen deutlich hinter dem tatsächlichen Sprachgebrauch zurück. Mit den Akzentuierungsempfehlungen der VLKK aus den Jahren 2003 und 2008 wurde ein Schritt unternommen, um die betonten, fallend ausgesprochenen Diphthonge el, er, eu in häufigeren Lehnwörtern dort als zweite Variante zuzulassen, wo sie zuvor nicht kodifiziert waren.

2. Da sich die Akzentuierungsempfehlungen der VLKK auf Tendenzen des tatsächlichen Sprachgebrauchs stützen, zu deren Daten die Unterkommission für Aussprache und Akzentuierung der VLKK Zugang hat, und die fallend ausgesprochenen Varianten el, er, eu als normgerecht anerkannt wurden und diesen Tendenzen entsprechen, ist die strategische

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Die Richtung der Kodifizierung sollte darin bestehen, Systematik anzustreben, mit dem Ziel, die Kodifizierung dieser Wörter auf Zirkumflexakzent umzustellen. Es bleibt nur eine Frage der Zeit – wann die zirkumflektierte Variante zur Hauptvariante wird.

3. Eine Änderung der Kodifizierung zugunsten der zirkumflektierten Betonung eignet sich für einzelne Wörter oder ihre Teilsysteme und könnte theoretisch auch auf einer höheren systematischen Ebene geeignet sein, um die Betonung von Lehnwörtern mit el, er, eu an den tatsächlichen Sprachgebrauch anzunähern. Bislang war die Kodifizierung dieser Erscheinungen jedoch sehr uneinheitlich und zeitlich nicht aufeinander abgestimmt. Außerdem umfassen die Empfehlungen der VLKK nur häufigere Wörter, nicht aber alle Wörter, die in das Stichwortverzeichnis des in Vorbereitung befindlichen BŽ aufgenommen werden (von Eigennamen ganz zu schweigen). Es haben sich zahlreiche unterschiedlich betonte Varianten herausgebildet, deren Änderungsstadien voneinander abweichen. Daher hat sich diese Kodifizierungstechnik zur Regelung der Betonung von Lehnwörtern mit el, er, eu bislang nicht bewährt.

4. Theorie und Praxis der Kodifizierung zeigen, dass unter den gegenwärtigen Umständen die rationalste Lösung darin besteht, den letzten Schritt zu tun und entschlossen einen Beschluss zu fassen, der das Akzentuierungssystem vereinheitlicht, sodass alle Lehnwörter mit el, er, eu, einschließlich der neu ins Litauische gelangenden Wörter, entsprechend den Tendenzen des tatsächlichen Sprachgebrauchs zirkumflektiert betont werden. Die andere, akut betonte Variante sollte als zweite gezielt dort beibehalten werden, wo sie ein Überbleibsel der früheren Kodifizierung ist.

5. Das in Vorbereitung befindliche und zur Genehmigung durch die VLKK vorgesehene normative BŽ bietet gerade die beste Gelegenheit, das Akzentuierungssystem zu vereinheitlichen und den Widerspruch zwischen Sprachgebrauch und Kodifizierung zu beseitigen. In der Praxis bedeutet dies, dass im BŽ allgemein zur zirkumflektierten Variante von Lehnwörtern mit den Diphthongen el, er, eu als Erstvariante übergegangen und diese als Hauptnorm behandelt werden muss. So würden auch die Erwartungen der Sprachbenutzer erfüllt, über ein klares Akzentuierungssystem für diese Wörter zu verfügen, damit sie nicht für jedes einzelne Wort nachprüfen müssen, in welcher Phase des Wandels der Kodifizierung durch Varianten sich dieses Wort befindet32.

ŠALTINIAI

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32 2016 04 14 ir 2016 06 17 VLKK posėdžiuose šis klausimas buvo svarstytas, ir antrajame balsų dauguma priimtas nutarimas BŽ pagrindiniu skolinių su el, er, eu kirčiavimo variantu sistemiškai laikyti tvirtagališkąjį, t. y. išlyginti kirčiavimo sistemą. Tvirtapradis variantas pateiktinas kaip antras tų žodžių, kurių jis iki tol buvo kodifikuotas.

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Rekomendacija K-3.1: Protokolinis nutarimas „Dėl 2003 m. birželio 26 d. rekomendacijos Nr. K-3 „Dėl kai kurių dviskiemenių svetimos kilmės daiktavardžių kirčiavimo“ papildymo“, 2008 m. spalio 2 d. Nr. PN-7 (k-3.1). Prieiga internete: http://vlkk.lt/vlkk-nutarimai/protokoliniai-nutarimai/del-2003-m-birzelio-26-d-rekomendacijos-nr-k-3-del-kai-kuriu-dviskiemeniu-svetimos-kilmes-daiktavardziu-kirciavimo-papildymo (žiūrėta 2016 04 13).

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Įteikta 2016 05 03

Priimta 2016 07 05

RITA MILIŪNAITĖ

Lietuvių kalbos institutas

Petro Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius

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