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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

DOPPELTE FORMEN DES IMPERATIVS UND IHR GEBRAUCH IN DEN OSTLITAUISCHEN DIALEKTEN

J. KARDELYTĖ

Die Dialekte unserer Sprache werden jedes Jahr in zunehmendem Maße untersucht. Auch aus den ostlitauischen Dialekten ist reichlich Material gesammelt worden. In den ostlitauischen Dialekten finden sich verschiedene archaische Relikte, die wertvolles Material sowohl für die Dialektologie als auch für die Sprachgeschichte und die vergleichende Grammatik der baltischen Sprachen darstellen. Diese Dialekte weisen zahlreiche interessante Erscheinungen des grammatischen Aufbaus auf, von denen die sprachwissenschaftliche Literatur bislang nur wenig Notiz genommen hat.

Hier soll eine in den östlichen Dialekten weit verbreitete sprachliche Erscheinung behandelt werden, nämlich die doppelten Formen des Imperativs oder zwei Tempora.

Das eine oder andere Beispiel doppelter Formen findet sich in den Äußerungen russischer und deutscher Sprachwissenschaftler. Prof. J. Endzelynas behandelt den Imperativ bereits ausführlicher. Die lettischen Imperativformen ohne -k vergleicht er mit den litauischen Imperativformen ohne -k¹. In Prof. J. Otrembskis Beschreibung des Dialekts von Tverečius² wird der Gebrauch dieser Formen erwähnt; außerdem wird auch über ihre Bildung gesprochen.

In unserer sprachwissenschaftlichen Literatur war diese Frage bislang nicht erörtert worden.

Der größte Teil unserer Dialekte hat nur solche Imperativformen wie auch das lk, z. B. nešk, daryk, lipk, suk, būk... neškite, darykite, lipkite, sukite, būkite... Solche Formen finden sich in den žemaitischen, west- und mittelaukštaitischen Dialekten, im westlichen Teil der ostaukštaitischen Dialekte sowie bei den westlichen Dzūken.

In den ostlitauischen Dialekten kommen doppelte Imperativformen vor. Einige Formen sind solche, die auch im lk verwendet werden; andere unterscheiden sich von den ersteren sowohl in ihrem Gebrauch als auch in der Betonung. Zum Beispiel gibt es neben den Formen daryk, rašyk, kapok, nešk, tylėk, atsikąsk auch die Formen dārai, rāšai, kapōj, nēš, tylý, atsikāñt³.

Diese beiden Arten von Formen sind nicht gleichbedeutend. Die ersten Formen, d. h. diejenigen, die auch im lk verwendet werden, dienen in einigen ostlitauischen Dialekten dazu auszudrücken, dass der Befehl nicht sofort, sondern erst nach einiger Zeit, in der Zukunft, ausgeführt werden soll. Die zweiten Formen, die sich von den ersten unterscheiden, werden ge-

1 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, 887—893, Rīga, 1951; J. Endze-līns, Baltu valodu skaņas un formas, 211—213, Rīga, 1948.

2 J. Otrembski, Wschodniolitewskie narzecze twereckie, 1, 381—392, Kraków, 1934.

3 Die Dialektformen (außer den Beispielen in Sätzen) sind in die Form des lk transponiert.

12. Kalbotyros klausimai

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… werden dann verwendet, wenn man sagen möchte, dass der Befehl sofort, unverzüglich, zum Sprechzeitpunkt ausgeführt werden soll. Zum Beispiel sagt ein Sprecher mit diesen Formen, wenn er möchte, dass jemand anderes sofort etwas erledigt oder tut: pasākai pasaką; dārai, ko stovi; nuvež arklį; parai žolės; iškāš va čia duobelę; atneš vandens; pakāl dalgi; nešūkau lyg tvoron įkluvęs; eikite dirbt nestovėję; padainuokite, vis bus linksmiau.

Wenn man jedoch möchte, dass eine Handlung oder Arbeit später und nicht zum Sprechzeitpunkt ausgeführt wird, sagt man: pasakyk pasaką; nuvežk arklį; paraūk žolės; iškašk duobę; eik dirbt usw.

Wir sehen also, dass die vom lk abweichenden Formen einen Befehl anzeigen, der jetzt ausgeführt werden soll, während die mit dem lk übereinstimmenden Formen einen Befehl anzeigen, der in der Zukunft ausgeführt werden soll. Daher kann man die Formen, die dem lk und den anderen oben genannten Dialekten unbekannt sind, als Präsens der Imperativform oder als Formen ohne das Suffix -k bezeichnen, die dem lk und vielen Dialekten bekannten Formen dagegen als Futur der Imperativform oder als Formen mit dem Suffix -k.

Das Futur der Imperativform wird wie im lk gebildet; deshalb wird hier nicht darauf eingegangen.

Die Bildung der Präsensformen ist ganz anders.

2. Person Singular

Bei den o-stämmigen Verben ähnelt die Bildung dieser Formen formal den Formen der 2. Person Singular Präsens Indikativ. Zum Beispiel lautet die Präsensform des Imperativs des Verbs rašyti „schreiben“ rašai, die des Verbs baidyti „erschrecken“ baidai, barstyti „streuen“ barstai, laužyti „zerbrechen“ laužai, gaudyti „fangen“ gaudai, mėtyti „werfen“ mėtai, plaukyti „schwimmen“ plaukai, ardyti „zerstören“ ardai, vėtyti „worfeln“ vėtai, laupyti „abziehen, schälen“ laupai; baidai žv. rblus iš vi̇šnų. (Linkmenys); parašai lakšteli. sunėliu (Linkmenys); šakai, šakai, ko prikundai ležūvi. (Linkmenys); nemėtai duona.s, trūpinus rinksi (Saldutiškis); pasākai, mā.ma, nesusarma.ci. (Kretuonys); nesvā.idai šopieru. un padlā.gos (Žibališkė, Švenčionių raj.); atā.j kruopė.lyn. (Gražuliai, Švenčionių raj.), pasā.kai, kāp tu j.tu. vadzini (Dvarapievė, Švenčionių raj.); padā.rai, bra.lė.li, grė.bli. (Dūkštas); išārdai lā.pini. (Dūkštas); parašai pavali (Stelmužė, Zarasų raj.). Reflexive Verben haben in diesen Formen die Endung -ais. Zum Beispiel: klausais, klausais (hör zu) dainė.lu. (Linkmenys); mokais (lerne), durnas nebū.si (Linkmenys); dairais (schau dich um) aplink sau (Kirdeikiai); mā.udai̇si (bade dich), kȯ stovi (Palušė).

Diese Formen werden stets auf dem Stamm betont. Enthält der Verbstamm einen reinen oder gemischten Diphthong, hängt der Akzentverlauf davon ab, welche Silbe in der entsprechenden Form der 2. Person Singular Präsens Indikativ betont wird: 1) Hat die Form der 2. Person Singular Präsens Indikativ den Akzent auf der Endung, so hat die Form der 2. Person Singular Präsens Imperativ einen Zirkumflex, z. B. baidai (erschrick), daužai (schlage), barstai (streue). 2) Wenn die Form des Präsens Indikativ

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Wenn die Formen der 2. Person Singular des Indikativ Präsens auf der Wurzel betont sind, hat die Form der 2. Person Singular des Imperativ Präsens ebenfalls einen akut betonten Akzent. Zum Beispiel: šaudai (schieß), gaudai (fang), lodai (bell), valgai (iss), saldai (süße).

Bei Verben der i-Konjugation hat die Form der 2. Person Singular des Imperativ Präsens die Endung -y. Zum Beispiel: l ydy (gleite), klūpy (knie), tyly (sei still), pamyl y (liebe), žydy (blühe), tūry (habe), gūly (leg dich hin), raz y (jäte), neklapsy (klappere nicht): patil i kai vyresnis užtura (sei still, wenn ein Älterer spricht. Linkmenys); patūri l aždu. (halt den Stock. Palūšė); miegi, miegi, da, gaidžei negiedaja. (schlaf, schlaf, die Hähne haben noch nicht gekräht. Kaltanėnai); dzi-ri, dzi-ri i dzievu. mi-li (sei still und liebe Gott. Dotenėnai, Rajon Švenčionėliai); išrav i gi dvzviliku. šotku. (jäte zwölf Ar; Vosiūnai, Rajon Ignalina); neklapsi jau, galvoj net uža (klappere nicht, im Kopf dröhnt es schon. Saldutiškis).

Die reflexiven Verben haben dieselben Formen wie die reflexiven Formen der 2. Person Singular des Indikativ Präsens. Zum Beispiel: turės (halte dich fest), sėdies (setz dich), gules (leg dich hin), klūpies (knie nieder): turies, kat neišlėktum (halte dich fest, damit du nicht herausfällst. Linkmenys); sa-dies, ko stipsai (setz dich, warum stehst du da herum? Kirdeikiai); gulies gerau, jau meira akisu (leg dich besser hin, dir fallen schon die Augen zu. Linkmenys).

Diese Formen werden folgendermaßen betont:

1. Wenn die 2. Person Singular des Indikativ Präsens auf der Wurzel betont wird, trägt auch die Form der 2. Person Singular des Imperativ Präsens den Akzent auf der Wurzel. Zum Beispiel: sėdy (setz dich).

2. Wenn die Form der 2. Person Singular des Indikativ Präsens auf der Endung betont wird, ändert sich auch bei dieser Form des Imperativs die Akzentstelle nicht. Zum Beispiel: raz y (jätet), l ydy (gleitet), žydy (blüht).

3. Hat das Verb einen kurzen Wurzelvokal u, so werden die Formen der 2. Person Singular des Imperativ Präsens nur auf der Wurzel betont. Zum Beispiel: tūry (habe, halte), gūly (leg dich hin), tūpy (hocke dich hin).

Eine Ausnahme liegt vor, wenn die Lautverbindung -ks-, -kš- eingeschoben ist; dann wird nur die Endung betont. Zum Beispiel: stuksy (klopfe), truksy (zerstöre), kriuksy (krächze), niuksy (stoße), puksy (schlage).

Die reflexiven Formen werden nur auf der Endung betont.

Bei Verben der (i)a-Konjugation ist die Form der 2. Person Singular des Imperativ Präsens der Stamm des Indikativ Präsens. Endet der Stamm auf einen Konsonanten, ist dieser Konsonant stets palatalisiert, mit Ausnahme von k und m. Die Konsonanten p, n, t können sowohl palatalisiert als auch nicht palatalisiert sein. Stimmhafte Konsonanten sind stimmlos geworden. Zum Beispiel: lauk (warte), lėk (dialektal lak: fliege), sem (nimm), grėp (harke), bar (schlag), gul (leg dich hin), ve (führe), siuk, neš (trage), bėk (lauf), gel (stich), sviet (beleuchte), dur (öffne): ain, abzdairai un Martinu (geh, schau dich bei Martynas um. Linkmenys); nedi.re.ji.s nuvein in Maruti. apklausais (geh, nachdem du herumgestanden hast, zu Marytė und halte um sie an. Linkmenys); duonė.la.s acikūn t, undene lū asiger ir buz gerai (die Brote

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Beiß ab, trink etwas Wasser dazu, dann wird es gut. Linkmenys); pašil pre. ugnelai, ori toks pageluo (wärm dich am Feuerchen, draußen ist es so ein pagela. Kirdeikiai); šluo, šluo ačláimu., šuńde tą.vasei atuš (feg den Hof, heute ist dein atuš. Saldutiškis); pasverėt šunų, tai ir la.si (verwandle dich in einen Hund, dann bellst du auch. Kaltanėnai); parau ža.lės kaūle.m (Rajon Dūkštas).

Wenn die Formen der 2. und 3. Person Singular Präsens Indikativ ein Suffix -v- haben, dann weist die Endung der Form der 2. Person Singular Präsens Imperativ entweder -j oder -n auf, oder es bleibt nur der Stamm. Alle drei Formen werden fast im gesamten Gebiet dieser Dialekte nebeneinander verwendet. Z. B. būj, būn, bū (būki), griūj, griūn, griū (griūki), kliūj, kliūn, kliū (kliūki), siūj, siūn, siū (siūki), pūj, pūn, pū (pūki): pabūj, da. (bleib noch. Linkmenys); bū'n ti (bleib dort. Ignalina); bū' bū', kur laki (bleib, bleib, wo du hinfliegst. Kaltanėnai); sūj nezdairus (nähe, ohne dich umzusehen. Adutiškis).

Wenn die Formen der 2. und 3. Person Singular Präsens Indikativ ein Suffix -n- haben, dann haben die Formen der 2. Person Singular Präsens Imperativ entweder ein auslautendes n oder kein auslautendes n. Z. B. griaūn, griaū (griauki), maūn, maū (mauki), šaūn, šaū (šauki), bliaūn, bliaū (bliau ki), gaūn, gaū (gauki), raūn, raū (rauki). Beide Formen werden nebeneinander verwendet: g r a ū n || g r a ū ši.tu. stulpu. (schlage mit diesem Pfahl. Linkmenys); apsmaūn || apsmaū kė.lne.m. (wickle dich in einen Mantel. Kirdeikiai); su b l aūn || sublaū kai kárve. (brülle die Kuh an. Kaltanėnai).

Wenn die Formen der 2. und 3. Person Singular Präsens Indikativ den Stammvokal y und das Suffix -j- haben, dann haben die Formen der 2. Person Singular Präsens Imperativ kein auslautendes j. Z. B. gy (gyki), ly (lyki), ry (ryki). In den anderen Fällen, d. h. wenn der Stammvokal nicht y ist, werden Formen sowohl ohne j als auch mit j verwendet. Z. B. atsistoj || atsistà (atsistoki), šluoj || šluo (šluoki), dainuoj || dainuo (dainuoki), šokuoj || šokuo (šokuoki), ropoj || ropà (ropoki), nujoj || nuj à (nujoki), kapoj || kapà (kapoki): dainuoj || dainuo viz bus ramjau un širdės (sing, dann wird es im Herzen fröhlicher. Linkmenys); kapāj || kapà má.lkas (hacke Holz. Kirdeikiai); nujāj || nuj à pamiškėn (reite los... Ignalina).

Bei Infinitiven primärer a-Stamm-Verben mit dem Suffix -o- oder -ė- lautet die Endung der 2. Person Singular Imperativ -y. Z. B. raudý (raudoki), giedý (giedoki), miegy (miegoki), drebý (drebėki), čiūty (lindėki), virpý (virpėki), blizgý (blizgėki): neraudi šit baisei (wein nicht so schrecklich. Linkmenys); miegi, kat miegi (schlaf, wenn du schläfst. Kaltanėnai); drabi, drabi, vis ne te bu šá.lta (zittere, dann wird es nicht so kalt sein. Ignalina).

Die aus reflexiven Verben gebildeten Formen haben die Endung -ies. Z. B. žadìes (versprich es dir), derìes (verständige dich), knìsies (wühle), barìes (streite): žadìes ateit, ko ti.li (versprich zu kommen, warum schweigst du? Linkmenys); derìes greita. ir važuojam (verständige dich rasch... Ignalina); barìes, dau gau teip nedaris (streite, dann wird er es nicht mehr so oft tun. Kaltanėnai).

Die Imperativformen ohne -k der Verben (i) a-Stamm werden wie folgt betont:

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Wenn die Stammvokale der 3. Person Singular Präsens Indikativ a, e lautlich fallend betont sind (im Dialekt mit mittlerem Akzent), dann haben die Formen der 2. Person Singular Präsens Imperativ einen kurzen Akzent. Z. B. kàš (kaski), pavàk (pavoki), pašàk (pašoki), nèš (neški), vèšk (veski), mèt (meski).

Wenn die Stammvokale der 3. Person Singular Präsens Indikativ i, u lautlich kurz betont sind (in den Dialekten mit mittlerem Akzent), dann haben auch die Formen der 2. Person Singular Präsens Imperativ einen kurzen Akzent. Z. B. lìp (lipki), rìš (riški), knìš (kniski), rìš (riški), pùšk (puški), lùp (lupki), skùt (skuski).

Wenn die Formen der 2. Person Singular Präsens Imperativ einen reinen oder gemischten Diphthong enthalten, dann wird der zweite Bestandteil betont und trägt den fallenden Akzent. Z. B. laĩt (leiski), bàrk (barki), gèrk (gerki), kùlk (kulki), vèrs (verski), šàl (šalki), màl (malki).

Die Formen der 2. Person Singular Präsens Imperativ sekundärer a-Stamm-Verben lauten wie folgt:

1. Bei Verben, deren Infinitiv das Suffix -au- aufweist, lautet die Endung der 2. Person Singular Imperativ -au oder -aun. Beide Formen werden gleich häufig verwendet. Z. B. šùkaun || šùkau (šūkauki), rė́kaun || rė́kau (rėkauki), riešutaũn || riešutaũ (riešutauki), grybaũn || grybaũ (grybauki): šùkaun || šùkau und dann wird man dich herbeirufen (Linkmenys); gri.baũn || gri.baũ hör auf, herumzustreifen (Kirdeikiai).

Wenn der Infinitiv dieser Verben auf dem Stamm betont ist, dann liegt auch bei der Form der 2. Person Singular Präsens Imperativ der Akzent auf dem Stamm. Z. B. ùkaun || ùkau (ūkauki), sùpaun || sùpau (sūpuoki).

Wenn der Infinitiv auf dem Suffix betont ist, dann trägt auch die Form der 2. Person Singular Präsens Imperativ den Akzent auf dem Suffix. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass diese Formen einen fallenden Akzent haben. Z. B. žuvaũn || žuvaũ (žuvauki), lapaũn || lapaũ (lapauki; lapauti: Blätter sammeln).

2. Bei Verben, deren Infinitiv das Suffix -uo- aufweist, lautet die Endung der 2. Person Singular Präsens Imperativ -uo oder -uoj. Beide Formen werden nebeneinander verwendet. Z. B. dainúo || dainúoj (dainuoki), siūbúo || siūbúoj (siūbuoki), sopúo || sopúoj (sopuoki: atme schwer), šokúo || šokúoj (šokuoki). Die Endung wird betont.

3. Bei Verben, deren Infinitiv das Suffix -o- aufweist, lautet die Endung der 2. Person Singular Präsens Imperativ -oj. Z. B. knaĩsioj (knaisioki), laĩpioj (laipioki), raĩčioj (raičioki), vaĩkščioj (vaikščioki): nelàipja:j klettere nicht so hoch, sonst fällst du herunter (Linkmenys); vaĩkšččoj durch den Garten und dainuoj sing (Kirdeikiai). Die Betonung entspricht der des jeweiligen Infinitivs.

4. Bei Verben, deren Infinitiv das Suffix -ė- enthält, lautet die Endung der 2. Person Singular des Imperativs -ėj. Z. B. didėj (didėki), mažėj (mažėki), sunkėj (sunkėki): didė.j akmenė.li, mažė.j tu varge.li (didėki, akmenėli, mažėki tu, vargeli. Linkmenys). Der Akzent liegt auf der Endung.

Bei Verben, deren Infinitiv die Suffixe -in-, -en- enthält, besteht die Form der 2. Person Singular des Imperativs nur aus dem Stamm. Z. B. blógin (bloginki), gėrin (gerinki),

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svėiki̇n (begrüße), vārgin (mühe dich ab), dárgin (verwöhne), barbēn (schimpfe), gyvēn (lebe), dardēn (schenke), klebēn (klebe), šokdēn (tanze): svėiki̇n schnell, bevor er wegging (begrüße schnell, bevor er wegging. Kirdeikiai); dá.rgi.n, dá.rgi.n, dann wirst du sehen, wie groß er wird (verwöhne, dann wirst du sehen, wie groß er wird. Linkmenys).

Die Formen mit dem Suffix -in- werden auf dem Stamm betont; die Formen mit dem Suffix -en- tragen den Akzent auf der Endung und haben den fallenden Akzent.

Die reflexiven Formen der sekundären a-stämmigen Verben haben die Endung -ies. Z. B. graudenės (graudenki), gabenės (gabenki), šukuojies (šukuokis): šukuojies grāita. ir_lāk (šukuokis greitai ir lėk. Linkmenys).

Die Betonung ist dieselbe wie bei den reflexiven Formen des Präsens Indikativ.

1. Person Plural

Die Formen der 1. Person Plural sind dieselben wie die Formen der 1. Person Plural des Präsens Indikativ. Z. B. dainuojam (dainuokime), nešam (neškime), tylim (tylėkime), barstom (barstykime).

Neben diesen Formen der 1. Person Plural gibt es in der Gegend von Švenčionys auch Formen mit der Endung -te. Z. B. einamte (eikime), bėgamte (bėkime), važiuojamte (važiuokime), lipamte (lipkime). Diese Formen mit auslautendem te sind wahrscheinlich analog zur Form der 1. Person Plural des belarussischen Imperativs (идѐмте) oder zur Form der 2. Person Plural des Imperativs (siehe unten).

2. Person Plural

Die Formen der 2. Person Plural werden aus den Formen der 2. Person Singular des Präsens der Imperativform gebildet, indem die Endung -te, -e hinzugefügt wird. Z. B. dāraite (macht), klaušaitė (hört), barštaite (streut), dainuojte (singt), šokinejte (springt), detė (legt), lintė (kriecht), ritė (rollt), būjte (seid), šūktelle: klaušaitė, kas ti_bīr_bja (hört, was dort summt. Linkmenys); visi dainuojte (Linkmenys); ritė, ritė a.kmenus (Kaltanėnai); kū̄_ĝi lā.kat, pabu.jte (wohin fliegt er denn, bleibt ein wenig. Ignalina); svieċte ju.s į.tu. i aintė kalkuozan (leuchtet euch den Weg und …, Adutiškis).

Die Endung der reflexiven Formen lautet -tės. Z. B. klaušaitės (hört zu), šluojtės (kehrt), praustės (wascht euch), šukuojtės (kämmt euch).

Die zweisilbigen Formen der 2. Person Plural tragen den Akzent ausschließlich auf der Endung und haben einen kurzen Akzent. Z. B. liptė (steigt), neštė (tragt), suktė (dreht).

Drei- und mehrsilbige Formen werden entsprechend den Formen der 2. Person Singular akzentuiert: Wenn in der 2. Person Singular der Akzent entweder auf der Wurzel, dem Suffix oder der Endung liegt, trägt auch die 2. Person Plural den Akzent entweder auf der Wurzel, dem Suffix oder der Endung. Z. B. mokāte (lernt), gūlyte (liegt), rāšaite (schreibt), sėdyte (sitzt), padainuojte (singt), važiuojte (fahrt), bėginėte (rennt), tylyte (schweigt), miegite (schlaft), paklylyte (verirrt euch), panėšyte (tragt herbei), išravyte (jätet).

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Die Akzentstelle der reflexiven Formen ist dieselbe wie die der nichtreflexiven. Z. B. mokaitės (lernt), šukuotės (kämmt euch).

Hier wurde der Gebrauch der zweifachen Imperativformen beschrieben; ihre Bildung ist so beschaffen, wie sie in den ostlitauischen Dialekten in den Gegenden von Saldutiškis, Linkmenys, Ignalina, Adutiškis, Tverečius, Dūkštas u. a. vorkommt.

Zweifache Imperativformen finden sich nicht nur in den ostlitauischen Dialekten, sondern auch im südlichen Teil des Landes. In diesen südlichen Dialekten ist die Bildung der Imperativformen ohne das Suffix -k nahezu dieselbe; nur gelegentlich unterscheidet sie sich in einzelnen Kleinigkeiten. Außerdem verwenden die südlichen Dialekte die Formen des Präsens und Futurs des Imperativs häufig parallel, ohne Bedeutungsunterschied.

Imperativformen ohne das Suffix -k gibt es auch in den Gegenden von Gervėčiai, Lazūnai, Apsas (Belorussische SSR) u. a. Z. B. pagiedžì kokù grą˙ žu giėsmì (in der Gegend von Gervėčiai); šluotė, mergos, pìr̃ku; palùrkė, grùdza ir grùdza (in der Gegend von Gervėčiai); móumula, nebėdavoji (in der Gegend von Lazūnai); lãndz iš papėčės (in der Gegend von Lazūnai); vàlgai dúonu ir dúo žmonėmu (in der Gegend von Lazūnai).

Bei den Žemaiten, den westlichen Dzūken und in anderen Dialekten ist folgende Redensart bekannt: „kad yr—kertái, kad nėr—kentái“. In diesem Fall kann es sich entweder um erstarrte Formen des alten Optativs handeln oder um Formen, die aus rhythmischen Gründen so gebildet wurden.

Das Alter dieser Formen lässt sich schwer bestimmen. Prof. J. Endzelýnas behauptet, dass in der lettischen Sprache die 2. Person Singular des Imperativs mit der 2. Person des Präsens Indikativs identisch ist; dasselbe könnte auch im Litauischen der Fall sein4.

Man kann annehmen, dass im Litauischen die Formen der o-stämmigen Verben ohne das Suffix -k älter sind als die Formen mit dem Suffix -k. In anderen indogermanischen Sprachen finden sich Beispiele des alten Optativs mit -ai-, -oi-, z. B. im Griechischen φέροι (möge er tragen), (F)δοι (möge er sehen; -oi bezeichnet den Optativ), im Gotischen bairais, -ai (trage, möge er tragen), nimais, -ai (nimm, möge er nehmen), haitais, -ai (nenne, möge er nennen). Die Formen der (i)a-stämmigen Verben könnten mit den Formen der 2. Person Singular des Präsens Indikativ identisch sein, nur mit abgefallenem Endungs-i (kùl, vėrì, mėt).

In unseren alten Schriften (Daukšas Postille, im Katechismus, in Sirvydas’ „Punktai sakymų“) finden sich Imperativformen ohne das Suffix -k. Diese Formen sind sowohl mit -i als auch ohne -i aufgezeichnet. Z. B. stehen in Daukšas Postille Dūdi Diewe (gib), dùd Diewe, atleid (vergib). Es gibt auch griechische Formen mit -i: κλύθι <* kludhi, δόθι (gib), aber die griechische Imperativendung ist tatsächlich das indogermanische -dhi.

In den ostlitauischen Dialekten müssen die Imperativformen der (-i)a-stämmigen Verben früher ein auslautendes i gehabt haben; das i muss erst vor Kurzem abgefallen sein, denn die Endungskonsonanten sind palatalisiert (vẽl, nėš, kẽl). Bei anderen Wörtern ist aus artikulatorischen Gründen sogar der Konsonant abgefallen (dúot (t) || dúo, šlúoj || šlúo, dainúoj || dainúo, kapój || kapù).

Auch der Ursprung der Formen der i-stämmigen Verben ist unklar – lautliche Entsprechungen in den indogermanischen Sprachen wurden nicht gefunden. Im Lateinischen besteht der Imperativ aus dem bloßen Stamm (audi, laudā, dēlē), doch handelt es sich hier nur um eine morphologische Ähnlichkeit. Die litauischen Formen tylý, mylý, ravý … sind wahrscheinlich nach anderen Stämmen verallgemeinert worden.

4 J. Endzelīns, Baltu valodu skaņas un formas, 213, Rīgā, 1948.

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DOPPELTE FORMEN DES IMPERATIVS UND IHR GEBRAUCH IN DEN DIALEKTEN DES ÖSTLICHEN TEILS DER LITAUISCHEN SSR

Я. И. КАРДЕЛИТЕ

Zusammenfassung

Der Artikel analysiert den Gebrauch der doppelten Imperativformen. Formen ohne das Suffix -k werden in einigen Gebieten Ostlitauens verwendet, wenn der Sprecher möchte, dass der Befehl sofort ausgeführt wird, Formen mit dem Suffix -k dagegen, wenn der Befehl erst in Zukunft, nach einiger Zeit, ausgeführt werden soll. Betrachtet werden nur die Bildung der Formen ohne das Suffix -k und ihre Betonung, also solche Formen, die weder in der Literatursprache noch in anderen Dialekten verwendet werden.

Die von Verbalstämmen auf o- gebildeten Formen sind formal mit den Formen der 2. Person Singular Indikativ identisch. Die Formen ohne das Suffix -k sind historisch älter als die Formen mit dem Suffix -k. Darauf weisen auch andere indoeuropäische Sprachen hin.

Die von Verbalstämmen auf i- (kurzes i) gebildeten Formen haben die Endung u (langes u). Ihr Ursprung ist bislang ungeklärt.

Die von Verbalstämmen auf (i)a gebildeten Formen sind mit den Formen der 2. Person Singular Indikativ identisch, jedoch ohne das auslautende i (kurzes i).

Die 1. Person Plural fällt mit der 1. Person Plural Indikativ zusammen. Die 2. Person Plural wird vom Imperativ ohne das Suffix -k mithilfe der Endungen -te, -e. gebildet.

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