Page 1LEKSIKOS TYRINĖJIMAI LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
PHRASEOLOGISMEN DES GERVĖČIAI-DIALEKTS
J. LIPSKIENĖ
Der Ort Gervėčiai und die benachbarten Dörfer (Gaigaliai, Galčiūnai, Girios, Gėliūnai, Gudinykai, Knyštuškės, Miciūnai, Milcėjos, Mėckos, Pelegrinda, Pėtrikai, Rimdžiūnai) bilden eine der litauischen Sprachinseln in der Republik Belarus. Auf dieser Insel wird ein ostdzukisches Dialekt gesprochen.
Der Dialekt der Umgebung von Gervėčiai ist noch nicht umfassend erforscht und beschrieben worden, obwohl sich zahlreiche Linguisten, darunter auch bekannte Wissenschaftler anderer Völker, mit ihm beschäftigt haben oder noch beschäftigen1. Bislang richtete sich die Aufmerksamkeit vor allem auf die phonetischen und grammatischen Besonderheiten dieses Dialekts, die dazu beitragen, seinen Platz unter den anderen litauischen Dialekten deutlicher zu bestimmen. Die Lexik des Gervėčiai-Dialekts und besonders seine Phraseologismen sind, so kann man sagen, noch nicht untersucht worden. Tatsächlich sind Phraseologismen auch für die Erforschung eines Dialekts und seiner Lexik sehr wichtig, denn nicht selten bleiben gerade in ihnen Wörter erhalten, die in ihrer Grundbedeutung nicht mehr verwendet werden. Außerdem bewahren Phraseologismen als feste Wortverbindungen, ähnlich wie die Folklore (Lieder, Sprichwörter und Redensarten), die von Generation zu Generation weitergegeben wird, oft auch seltene morphologische Besonderheiten des Dialekts.
In den von P. Arumas veröffentlichten Texten aus Gervėčiai finden sich lediglich folgende Vergleiche, die überwiegend aus einem einzigen Lied stammen: tai· ma· akə·lės ka.b žerkolė·lei „sehr schön, glänzend“; tai· ma· aušelės ka.p trūbė·lės „sehr gut, groß“; tai· ma· ragė·lei ka.b i·la·lės „sehr spitz“; tai· ma· paustė·les ka.b adate·lės „sehr spitz“; tai· ma· kojelės ka.p tšėbatė·lei „sehr hübsch“; tai·ma·vuodegė·le ka.p šluotėle „sehr buschig, groß“ (Aruma L.M. S. 9). In anderen Liedern und Märchen finden sich noch folgende Phraseologismen, zum Beispiel: abrin·ko džiė·du ka.p pə·nu, ē· b·əbu ka.p pə·nu „sehr schön angekleidet, herausgeputzt“ (Aruma L.M. S. 15). da. ka.s ai·s pro· man’ — ašarėlēm apsilė·s „wird weinen“ (Aruma L.M. S. 8). Ebenfalls zwei feste Wendungen: ka.p kar’tas „genau wie“ (Aruma L.M. S. 13) (vgl. weißruss. как раз); un ga·lo „endlich, schließlich“ (Aruma, L. M. S. 14) (vgl. russ. наконец).
In den von E. Volteris veröffentlichten Texten aus Gervėčiai sind folgende feste Wortverbindungen aufgezeichnet: Dūmais traktaruoja (bewirtet), kačėrga vītójau „ich schlug“ (Volteris L. Chr. S. 397); žālijas medžjas, juodos viūgos, nēt šakėlės lūnīksta „sehr viel“ (Volteris L. Chr. S. 400); Pririšau žirgų paū žalijų grūšių, pririnkau panu, kap sāvo dūšju „eine sehr schöne“ (Volteris L. Chr. S. 398).
1 Plg. Э. Вольтер, Литовская Хрестоматия, Санктпетербург, 1904, т.2, р. 396—402 (Toliau — Volteris L. Chr.); P. Arumaa, Litauische Mundartliche Texte aus der Wilnaer Gegend, Dorpat, 1931, p. 7—18 (Toliau — Aruma L. M.); E. Fraenkel, Apie Vilniaus krašto lietuviškų tarmių ypatybes. — Lietuvių Tauta, Vilnius, 1936, kn. 5, p. 256—262.
111
Page 2Die von P. Aruma und E. Volteris aufgezeichneten festen Wortverbindungen vermitteln selbstverständlich kein vollständiges Bild der Phraseologismen des Gervėčiai-Dialekts; deshalb soll der vorliegende Artikel sie etwas ausführlicher vorstellen2.
Zur lexikalischen Struktur der Phraseologismen des Gervėčiai-Dialekts lässt sich sagen, dass die meisten von ihnen nicht nur mit Phraseologismen anderer litauischer Dialekte, sondern häufig auch mit Phraseologismen anderer Sprachen verwandt sind, da ihr Kern meist aus Wörtern mit denselben lexikalischen Bedeutungen besteht: Augen, Ohren, Zähne, Kopf, Zunge, Nase, Hände, Herz und so weiter. So hat der Phraseologismus des Gervėčiai-Dialekts galvą nukarti „den Mut verlieren“ in anderen Sprachen folgende Entsprechungen: lett. nokārt galvu, russ. повесить голову, poln. opuścić głowę, dt. den Kopf hängen lassen, engl. hang down one's head, franz. baisser la tête; ranką ranką praūdo „einer unterstützt, schützt und hilft dem anderen“: lett. roka roku mazgā, russ. рука руку моет, poln. ręka rękę myje, dt. eine Hand wäscht die andere; širdį išėsti „jemandem Kummer bereiten“: lett. sirdi graužt, russ. грызть (точить) сердце, dt. sich das Herz schwer machen, engl. break somebody’s heart; dantis šiepyti „lachen, lächeln“: lett. zobus rādīt, russ. скалить зубы, poln. pokazać zęby, dt. die Zähne zeigen und so weiter. „Diese Phraseologie ist in der gesprochenen Volkssprache wohl am weitesten verbreitet, denn die phraseologischen Wortverbindungen dieser Art haben eine besonders leicht zu entschlüsselnde übertragene Bedeutung und sind zugleich sehr anschaulich“3.
Neben Phraseologismen, die aus auch in anderen Dialekten bekannten Wörtern bestehen, werden in der Umgebung von Gervėčiai zahlreiche feste Redewendungen verwendet, von denen ein, seltener zwei Bestandteile dialektspezifische Wörter sind.
a) Substantiv: an pačios spūrgos (der Knospe) ažlipti; (hat Lust bekommen) kap būba sunkėnė (eine Trägerin); kap medžias (Wald); kap šepetynas (Bürste); per smūrgaini smūrglas (die Schnauze) gauti; kap plōstais (in großen Stücken) veršti; rakštis (ein Räuber) regėti; skālsinykas, (ein Hausgeist?) ataneša; skiedos (Holzscheite) lāksto; saldumōs (Süßes) und gardumōs (Leckeres) matyti; skystumōs (Verstand) galvōj turėti; šiltis (Wärme) kaulų nelāužia;
b) Adjektiv: krikštytine (Tauf-) duktė; medinōja (Wald-) ožka; lig šōnų šlapiānkas (nass);
c) Verb: akis apstūmti (täuschen); būza sriaubti (schlürfen); burnā susimainė (sich verändern); kriōkščia (schnarcht) kap gyvulys; kap vainiką vyti (flechten); kojas aždirti (bedecken); eglūtė pririnkti (schmücken); palėidus blūsą užvysi (sehen wirst); per duoną duonos veizdėti (suchen); kap vėlnias prikliūvo (sich angehängt, sich aufgedrängt haben); per gaižio žangsnį pribūti (länger werden); rankom masnōti (schütteln, rütteln); galvōn prieidīti (kommen); iš proto išsikraustyti (den Verstand verlieren); liežuvius raznešdīti (verbreiten); smertis paeido (kommt, nähert sich); žydai pavažiūodo (kommen angefahren); iš skūros griūti (stürzen); akysa prisidavinėti (spuken, erscheinen);
d) Partizip: kelias atklōtas (offen, frei); kap trūbā sušlije (miteinander verflochten);
e) Verb und Substantiv, seltener Verb und Adjektiv oder Partizip: pėnčius (Fersen) apsivōti (sich stoßen); kap apušės lākštas (Blatt) lāpsi (ver-
2 Die im Artikel angeführten Phraseologismen wurden überwiegend von der Autorin während einer dialektologischen Expedition im Jahr 1970 aufgezeichnet. Ergänzt wurden sie durch Folkloreaufzeichnungen von K. Aleksyn und A. Dzetavečkaitė, K. Grigas, A. Juška, L. Sauka und R. Šliogerytė sowie N. Vėlius, die sich im Folkloremanuskriptarchiv des Instituts für Litauische Sprache und Literatur befinden.
3 B. Kalinauskas, Die natürliche und konventionelle Phraseologie der Sprache in Žemaitės Schriften. — VVPI Mokslo darbai, Vilnius, 1960, Bd. 11, S. 120.
112
Page 3pa, zittert); niùnią (Nase) nuniáukti (senken); rakštis paskum tąsosi (schleppt sich dahin); spirginiai (Speck) aukštai kāro (hängt); (krūta) (arbeitet) wie ein schwarzes Kalb (Rind); (krūta) kap ga išas (Faulpelz, Taugenichts); kap virvė pavijóta (gedreht) vijasi (kommt überall vorbei).
Wie die Phraseologismen anderer Dialekte sind auch die des Gervėčiai-Dialekts nicht alle gleich alt. Als die archaischsten gelten vermutlich jene, die mit Wörtern gebildet sind, welche die wichtigsten Teile des menschlichen Körpers bezeichnen, z. B.: akįs plėšti „widersprechen, streiten“; burną praverti „zu sprechen beginnen“; dantį griežti „zornig sein“; galvą imtis „sich Sorgen machen, sich kümmern“; kojas pakratyti „sterben“; liežuviu loti „viel reden“; nosį kišti „sich einmischen, wo es nicht angebracht ist“; rankas laužyti „sich grämen, sich quälen“; širdį sugrąžinti „lästig werden, auf die Nerven gehen“ usw. Solche Phraseologismen werden in beinahe allen litauischen Dialekten verwendet. Wahrscheinlich ließe sich der eine oder andere auch in älteren Schriftstücken finden, was ebenfalls auf ihr Alter hinweist.
Zu den älteren gehören vermutlich auch jene festen Wortverbindungen, die mit alten Bräuchen im Verbreitungsgebiet des Dialekts zusammenhängen, z. B.: ažgavėti an linų ūgio (der Brauch, sich an den Fastnachtsfeiertagen so hoch wie möglich schaukeln zu lassen, damit der Flachs lang wächst); dantis plauti nog mėsos „am Aschermittwoch nach dem Fasten Fleisch mit Wodka hinunterspülen“; der̃liaus kiaušinis „ein in ein Brötchen gebackenes Ei, mit dem zu Georgi die Felder umrundet werden“.
Neuer sind vielleicht jene festen Wendungen, die durch Verkürzung von Sprichwörtern und Redensarten entstanden sind, z. B.: nevýk dievo médin (vgl. die Dialektsprichwort: Nevýk dievo médin su rančia, ba nesupra[s]ysi ir su pyragù), oder: Médy áugo (vgl. die Dialektredensart: Medý gimęs, medý áugęs). Allerdings könnte hier auch der umgekehrte Prozess stattgefunden haben – der Phraseologismus als feste Einheit könnte zuerst entstanden und erst später in den Kontext einer Redensart oder eines Sprichworts eingegangen sein.
Als nicht sehr alte dialektale Phraseologismen sind vielleicht feste Wortverbindungen mit lokaler Bedeutung anzusehen, die hauptsächlich nur in der Umgebung von Gervėčiai verbreitet sind, z. B.: (erfreut sich) kap Šūtai cerkvėj (ein vergleichender Phraseologismus, der einer Erzählung entstammt, wie ein Einheimischer namens Šuta in die Kirche ging und dort unerwartet Geld fand). Oder: (wird) kap Šūtai su džėgoriu (Die Wendung wird auf eine Erzählung zurückgeführt, nach der derselbe Šuta eine Uhr fand, sich vor ihrem Ticken erschrak und sie wegwarf, weil er den Teufel darin vermutete).
Im Dialekt kommen auch Phraseologismen vor, die vermutlich mit neueren, aus der Literatursprache übernommenen Wörtern gebildet wurden, z. B.: ar vestùvėsna prašyti atėjai (dialekttypisch ist veseilia), liežuvius dirbti (dialekttypisch ist krutėti), kai vieną dieną (im Dialekt verwendet man kap), už pečių stovėti (dialekttypischer ist die Präposition až). Ebenfalls wohl nicht dialekttypisch, sondern aus Büchern übernommen sind Konstruktionen wie: į mėles pánčius pakliūti; į šalis išsimėtyti; į trūbą susisūkti usw.
Obwohl Phraseologismen durch Beständigkeit gekennzeichnet sind und die meisten von ihnen auch ein hohes Alter aufweisen, können manche sich dennoch wie einzelne Wörter im Laufe der Zeit verändern: einige infolge neuer sozialer und wirtschaftlicher Bedingungen, andere aus weiteren Gründen. An die Stelle eines älteren Phraseologismus kann im Dialekt ein neuer Phraseologismus oder eine einfache Wortverbindung treten, die den alten verdrängt4.
So wird beispielsweise der vor einem Wetterumschwung beobachtbare „Tanz“ der Mücken (das kreisende Auf- und Absteigen) im Gervėčiai-Dialekt mit dem Phraseologismus aguoną grūda bezeichnet. Es wurde festgestellt, dass die meisten Dialektsprecher inzwischen bereits die Wortverbindung ohne das erste Glied aguona verwenden, z. B.: uodai grūda. Möglicherweise wird diese Wendung im Laufe der Zeit endgültig verlieren
4 Plg. dar Фразеологический словарь русского языка, Москва, 1967, p. 19.
8. Leksikos tyrinėjimai
113
Page 4des ersten Bestandteils, der damit aufgehört hat, eine Phraseologismus zu sein, und durch eine einfache Wortverbindung ersetzt wird uodai grūda. Vergleicht man diesen Phraseologismus mit festen bildhaften Wortverbindungen gleicher Bedeutung aus anderen Dialekten (čiūlkinį grūda, grūce grūda u. a.), so scheint die Wendung aguoną grūda kein Phraseologismus zu sein, der erst in jüngster Zeit im Dialekt entstanden ist. Schließlich lässt auch das Verb selbst, grūda (im Kontext uodai grūda), das normalerweise den Akkusativ verlangt, vermuten, dass hier einst ein Substantiv gestanden hat.
In diesem Dialekt kommen Fälle vor, in denen sich der Gebrauchsumfang eines Phraseologismus bei gleichbleibender Bedeutung verengt. So hatte der in vielen Dialekten bekannte Ausdruck kūlius versti (in der Bedeutung „sich überschlagen“ beim Spielen) im Gervėčiai-Dialekt bis heute auch einen anderen, an einen Brauch gebundenen Verwendungsfall bewahrt: Nach dem Roggenmähen schlug man noch Purzelbäume, damit die Roggenernte im nächsten Jahr gut ausfiele und die Halme „aus dem Boden hervorsprössen“. Während der Phraseologismus kūlius versti beim Spiel im Dialekt wohl noch lange gebraucht werden wird, dürfte er im zweiten Fall, der mit dem Abschluss der Roggenernte verbunden ist, verschwinden, da der Brauch selbst inzwischen fast ausgestorben ist.
Ohne alle Phraseologismen des Dialekts eingehend untersucht zu haben, ist schwer zu beurteilen, welche von ihnen am ehesten verschwinden werden. Man könnte vielleicht behaupten, dass feste Wendungen wie die bereits erwähnten ažgavėti an linų įgio; dantis plauti nog mėsos; derliaus kiaušinis bald vergessen und nach einiger Zeit verschwinden werden, da auch die sie hervorgebracht habenden Brauchtraditionen allmählich verschwinden. Dieses Schicksal wird wahrscheinlich nahezu alle Phraseologismen brauchsbedingten Ursprungs treffen, von denen es in dieser Gegend besonders viele gibt.
Wie in anderen litauischen Dialekten gibt es auch im Gervėčiai-Dialekt zahlreiche synonymische Phraseologismen. Das Material aus anderen Dialekten zeigt, dass Phraseologismen, die ungefähr dieselbe Naturerscheinung oder eine ähnliche Handlung bezeichnen, innerhalb desselben Dialekts oder eines bestimmten Dialektgebiets meist kaum Synonyme haben. Sie sind in regelmäßigen Arealen verbreitet. So hat der bereits erwähnte Phraseologismus aguoną grūsti in einzelnen Dialekten vergleichsweise regelmäßig gebrauchte Synonyme wie čiūlkinį grūsti; grūce grūsti; mažalą gróti (šokti); mažalojų gróti (šokti); pipirus trinti, sviestą mušti u. a.
Im Gervėčiai-Dialekt wurde jedoch beobachtet, dass dieselbe oder eine ähnliche Erscheinung beziehungsweise Handlung oft mit unterschiedlichen Synonymen oder Varianten desselben Phraseologismus bezeichnet wird, z. B. wird Schneefall mit sehr großen Flocken, Schneeregen, in diesem Dialekt beschrieben als: kap plóštais (vištom, vyžais) drėbia (verčia, sniega); plóštais (žvaigždėm) krinta (verčia, sniega). Interessanterweise ist die Wendung kap vištom sniega im westlichen Dzūkischen weiter verbreitet, etwa um Alovė, Daugai, Kalesnykai, Punia und Valkininkai. Es sei darauf hingewiesen, dass es in Gervėčiai noch weitere Phraseologismen gibt, die mit dem westlichen Dzūkischen, nicht aber mit den näher gelegenen ostlitauischen oder ostdzūkischen Dialekten gemeinsam sind.
Im Dialekt werden auch häufig Varianten von Phraseologismen verwendet, deren unterschiedliche Bestandteile stilistisch miteinander verwandt sind5, z. B.: ašaras braukti — ašaras lėti; kojas aždirti — kojas pakratyti; liežuviu málti — liežuviu lóti. Diese Wortverbindungspaare ersetzen die Verben weinen, sterben, viel reden. In diesen Phraseologismen sind die variablen Bestandteile (Verben) im freien Kontext keine Synonyme und können einander nicht ersetzen; im Phraseologismus verleihen sie ihm jedoch eine sehr ähnliche, ja sogar dieselbe stilistische Färbung. Dasselbe gilt für Wortverbindungen wie kãklą láužti — sprándą láužti; per akis ažšvilinti — per lūpas ažšvilinti. Hier bezeichnen die variablen Bestandteile allerdings ein Objekt.
5 Vgl. Н. А. Кирсанова, О некоторых семантических признаках фразеологических единиц. — Проблемы фразеологии, Москва, 1964, р. 97.
114
Page 5Unter den Varianten von Phraseologismen kommen seltener solche vor, deren unterschiedliche Bestandteile stilistisch nicht miteinander verwandt sind und von denen einige neutral, andere dagegen abwertend oder herabsetzend gefärbt sind6, vgl.: kap gaidys — kap glinda „sehr klein“; (prilipo) kap lākštas — (prilipo) kap spirā „lästig festgeklebt, angehängt“.
Die Struktur der Phraseologismen aus der Gegend von Gervėčiai ist sehr vielfältig, ähnelt jedoch der Struktur der Phraseologismen in anderen litauischen Dialekten.
Die reichste und umfangreichste Gruppe bilden feste Wortverbindungen aus einem flektierbaren Wort und einem Verb. In einem Fall regiert das Verb das flektierbare Wort unmittelbar, im anderen über eine Präposition. Die Phraseologismen dieser Gruppe bestehen überwiegend aus einem Substantiv, allein oder mit einer Präposition, und einem Verb, z. B.: akis pamėsti „erblinden“; kojas judinti „arbeiten, nicht untätig herumsitzen“; nagùs kišti „berühren, nehmen“; ratùs patėpti „Bestechungsgeld geben“; an akių mesti „Vorwürfe machen“; pro gómuri pravaryti „sich zu Tode trinken“.
Feste Wendungen aus anderen flektierbaren Wörtern (Adjektiven, Zahlwörtern, Pronomen) oder gelegentlich Adverbien und Verben sind im Dialekt vergleichsweise selten, z. B.: storãi vaikščioti „schwanger sein“; ilgas rankàs turėti „ein Dieb sein“; dviejų būti „verheiratet sein“; atgalion veršti „Übelkeit haben, sich übergeben wollen“; baisù pažiūrėti „sehr viel“; sā galva vēsti „selbst für Ordnung sorgen, die Leitung übernehmen“.
Zahlreiche feste Wortverbindungen bestehen aus zwei Substantiven, die zueinander in der Beziehung eines unflektierten Attributs zu seinem Bezugswort stehen, z. B.: dievo rasa „eine leichte, dürftige Mahlzeit“; kàtino ašara „sehr wenig“; svieto liežiuviai „üble Nachrede, Geschwätz“. Auch zusammengesetzte Benennungen sind auf dieselbe Weise gebildet; die wörtliche Bedeutung ihrer Bestandteile ist häufig ebenfalls verblasst, und sie bezeichnen verschiedene Dinge, z. B.: meškos šonai „eine bestimmte Waldpflanze“; velnio barzda „die schwarzen Wurzeln kleiner Farne, die bei Schreck gekocht werden“.
Es gibt auch Phraseologismen aus einem Substantiv und einem Partizip, seltener wohl aus einem Substantiv und einem Adjektiv, z. B.: kirvis animesta (über eine fade Suppe gesagt); kėlias atklotas „man kann wählen, was man möchte“; mažos dienos „Kindheit“; senà uodega „ein alter Mensch“; medinis bučys „Maikäfer“. Gelegentlich findet sich auch der eine oder andere Phraseologismus aus einem Substantiv und einem Zahlwort oder Pronomen, z. B.: vienù kvapù „ohne Atem zu holen, in einem Zug“; gālas jų „so viel dazu“.
Es gibt außerdem feste bildhafte Wortverbindungen, die mit verschiedenen unflektierbaren Wörtern (Präpositionen, Konjunktionen, Verneinungs- oder Vergleichspartikeln) beginnen und nur ein einziges selbstständiges Wort, meist ein Substantiv, enthalten, z. B.: po vežimu „schwanger“; nė gurūčio „überhaupt nichts ist da“; ne tas galvōj „das ist es nicht, worum es geht“; nors ažsidaužk „mach, was du willst“; tik ašaros „sehr wenig“.
Vergleichende Phraseologismen des Dialekts, die anschaulich die Stimmungen von Menschen oder Eigenschaften von Dingen und Erscheinungen der Umwelt hervorheben, beginnen überwiegend mit dem Vergleichswort kap, seltener mit den slawischen Formen loč, koč, kot. Als Bestandteil enthalten sie meist den Nominativ Singular eines Substantivs, seltener ein Partizip, gelegentlich ein Adverb oder verschiedene Verbformen, z. B.: kap špygà „sehr klein“; kap kultuvaitės „flach, groß“; kap suteptà „sehr fett“; kap šiandien „sehr schnell“; kap regì „im Nu, sehr schnell“; loč žagrē „sehr mager“. Oft sind solche Vergleiche
6 Vgl. ebenda, 98.
8*
115
Page 6kann mehr als ein, sondern mehrere selbstständige Wörter enthalten, z. B.: kap iš (v)andenio vagė viršta „sehr glatt“; koč tu an šunio láj „sehr sauer (über Suppe)“; koč tu atsigut an jós „sehr fett“.
Eine weitere Gruppe von Phraseologismen bilden vergleichende Wortverbindungen, die eine bestimmte Bedeutung erst in Verbindung mit einem bestimmten Verb annehmen, z. B.: (wachsen) kap an mielių „sehr gut wachsen“; (sitzen) kap an yłų „sehr unruhig sitzen“.
Andere vergleichende Wendungen stehen in enger Verbindung mit Verben in übertragener Bedeutung, z. B.: kap šuniuo lóti „sehr schimpfen“; kap girnom málti „viel reden“. Die Verben lóti, málti sind hier untrennbare Bestandteile der grundlegenden Vergleichswörter.
Einer gesonderten Gruppe lassen sich vermutlich die erweiterten Phraseologismen vergleichenden Charakters aus dem Gervėčiai-Dialekt ohne jegliche Vergleichspartikel zuordnen, z. B.: dangùs regėti „sehr dünn und wässrig (über Suppe)“; gali an nugarõs gulėti „sehr fett (über ein Tier)“; paléidus blùsą ažvỹsi (wird über eine schlechte, kahle Weide gesagt).
Im Gervėčiai-Dialekt gibt es Phraseologismen, die auf Euphonie (Reim und Rhythmus) beruhen und bei denen der semantische Zusammenhang zwischen den gereimten Wörtern manchmal schwer zu erkennen ist7, z. B.: nė šėn, nė ten „sehr schlechte, schlecht ausgeführte Arbeit“; (klėga) nei šió, nei tõ (nei šei, nei tei) „Unsinn reden“. Mitunter ist in einzelnen Phraseologismen der semantische Zusammenhang der Wörter noch erhalten, während der Reim lediglich als Hilfsmittel dient, z. B.: susraukus, kap linùs braukus „sehr verdrießlich und unzufrieden“.
Es kommen auch feste Wortverbindungen vor, in denen zwei gegensätzliche Begriffe mit einer Verneinung einander gegenübergestellt und durch den Gleichklang des Rhythmus verstärkt werden, z. B.: nė klausit, nė bėgt; nei gyvas, nei damiręs; (plėnčia) nei žiema, nei vasara. In anderen Phraseologismen werden nicht unbedingt gegensätzliche Begriffe einander gegenübergestellt, z. B.: nėrà nė pūsti, nė dušinti; ir prie svėčio, ir prie pěčio.
Im Dialekt finden sich einzelne Phraseologismen mit slawischen Lehnwörtern, z. B.: drenà akìs; bacėnas atānėse; čiėnių ažmušti aukščiai nósiės; koŕkon žiūrėti.
Die Phraseologismen des Gervėčiai-Dialekts werden in diesem Artikel alphabetisch angeordnet. Am Ende stehen gesondert die zusammengesetzten Termini. In runden Klammern werden meist unmittelbar vor dem Phraseologismus notwendige Komponenten angegeben (eine notwendige phraseologische Ergänzung). Das sind Wörter, ohne die die Bedeutung des Phraseologismus nicht klar ist und die daher in einem bestimmten Kontext vom eigentlichen Phraseologismus untrennbar sind, z. B.: (viena) kap kėlmas. In unterschiedlichen Kontexten kann sich diese notwendige Ergänzung jedoch ändern und ist deshalb kein struktureller Bestandteil der festen Verbindung. In runden Klammern werden auch Varianten der Phraseologismen angegeben, z. B.: išėti (išrūkti) iš galvòs; kãklą (sprãndą) láužti.
Eine nicht notwendige phraseologische Ergänzung, d. h. eine Komponente, ohne die der Phraseologismus verständlich bleibt, wird in eckigen Klammern angegeben, z. B.: ašaros [pačios] byra.
Die Verbformen in einer phraseologischen Verbindung, die sich gewöhnlich je nach Kontext ändern, d. h. sowohl in flektierter Form als auch im Infinitiv verwendet werden können
7 Vgl. B. Kalinauskas, Die Volkstümlichkeit der Phraseologie in der Sprache der Schriften von Žemaitė, ihre semantische und strukturelle Zusammensetzung. – Kalbotyra, Vilnius, 1962, Bd. 4, S. 20–22; В. В. Виноградов, Об основных типах фразеологических единиц в русском языке, в. сб.: Академик А. А. Шахматов, Сборник статей и материалов АН СССР, 1947, стр. 339–364.
116
Page 7in den Formen; in der Stichwortverbindung werden sie im Infinitiv angegeben, z. B.: die Augen schließen „einschlafen“: Aš visu˙ naktėlb˙ akū nesudėjau, pavargau, ė raika krutėc.
ādatą naguõšan [nehmen] „mit dem Nähen beginnen; die Nadel zur Hand nehmen“: Kap cik ādatu8 naguõšan [imu], tai mikaju (ich singe) dainas ir mikaju.
aguõną grūsti „im Kreis auf und ab fliegen“: Kinder, schaut, wie die Krähen aguõną grūda. Die Krähen aguõną grūda vor dem Regen; fliegen sie nach Westen, wird es regnen, fliegen sie von Osten, wird das Wetter (= pagada) sehr schön.
die Augen öffneten sich (sagt man, wenn ein alter Mensch gegen Ende seines Lebens besser zu sehen beginnt): Mā jau ākis acidārė, jau aš miršu.
die Augen schwammen in Tränen „das Sehvermögen wurde durch Weinen schwächer“: Āki:s āšarom išplaukė— akulōru raika.
die Augen waren hell „sah gut“: Kap senāu āki:s būvo šviesos, ė darkos (jetzt) nėragū, nemacīc.
jemandem die Augen verdrehen (jemandem) „die Augen trüben, jemanden täuschen“: Tāu jau akis apstūmė, tai nieko nėregi.
die Augen quollen hervor „sehr erstaunt sein“: Akis išvėlce gal [vor Verwunderung].
die Augen verlieren „erblinden“: A jau, verkau ir akelas až tai pamėčiau.
die Augen aufreißen (jemandem) „widersprechen, mit jemandem streiten“: Akis plėša močínai dukrė.
sich die Augen verderben „das gute Sehvermögen verlieren, nicht mehr sehen; alt sein“: Nėmenu jau giestū, mā jau ir akis pražiūrėtos.
die Augen schließen „einschlafen“: Aš visu˙ naktėlb˙ akū nesudėjau, pavargau, ė raika krutėc.
die Tränen fließen aus den Augen „sehr weinen“: Akȳsa ašaros lājasi ir lājasi.
die Augen verlieren (sich einbilden) „sich etwas einbilden“: Mān akȳsa prisidavinė. Jām akȳsa prisiduodė.
die Augen werden dunkel „schwach werden“: Oi, tāmšu akȳsa paždārė, nieko neragėc.
die Augen funkeln „sehr schwach sein, z. B. vor Schmerzen“: Skaudėjo, tep migo galvu, tep žėibė akȳsa.
alijōšius grollt (fährt über die Steine) (sagt man, wenn es donnert): Alijōšus grollt — es wird regnen. Alijōšus fährt über die Steine; ein Paar Pferde ist angeschirrt und die Räder rumpeln.
sich mit den Absätzen eines Andarōko die Fersen ablaufen (sagt man über das schnelle Gehen einer Frau): Wie du schnell gehst — du läufst dir mit den Absätzen eines Andarōko die Fersen (ab).
vor den Augen sein „im Weg sein“: Ich muss mich auch noch um dieses Lämmchen kümmern — es soll mir nicht vor den Augen sein (ps)9.
vor die Augen werfen (jemandem) „vorhalten, Vorwürfe machen (jemandem)“: Mein Leben lang wirfst du mir vor, dass ich etwas falsch gemacht habe.
auf die Beine kommen (sich erheben) „aufstehen, zur Arbeit gehen“: Genug, es ist Zeit, auf die Beine zu kommen. Sobald es dämmert, stehen alle Frauen auf und machen sich an die Arbeit.
zu den Flachsfeldern fahren (Fastnachtsbrauch: herumzufahren, damit der Flachs lang wächst): Nun, alle rufen schon: Es ist Zeit, zu den Flachsfeldern zu fahren; je weiter man fährt, desto länger wird der Flachs.
am Hals sitzen (sich an den Hals hängen) (jemandem) „von jemandem unterhalten werden“: Lohnt es sich denn, so einen zu behalten? Ich mühe mich ab, während er mir auf der Tasche sitzt. Er und seine Mutter haben sich bei mir eingenistet, und er will sich überhaupt nicht rühren.
8Die Phraseologismen sind in vereinfachter phonetischer Transkription wiedergegeben. Die Zeichen für den Stoß- und Schleifton kennzeichnen zugleich die Vokallänge.
9ps. — Märchen, d. — Lied.
117
Page 8den Schwiegersohn ins Haus geben (gehen lassen) „einen Sohn als Schwiegersohn in einen fremden Hof geben“: Raika sūnų un namų duóc. Ānas būvo un namų nuėjis.
auf Zehenspitzen gehen „vorsichtig und leise gehen“: Kap ānas acikela, tai vis an pirštėliu āina, kad vaikų nepažādzint.
auf die Spitze (den höchsten Punkt) klettern „sehr prahlen“: Ānas jau un pačios spūrgos (pumpuro) ažlipo besigirdamas. Jau un viršūnės ažlipsi, ali gali nuo viršūnės nukrisci.
zum Herrn werden „vornehm und verwöhnt werden“: Visi un ponu išēj.
am selben Ast hängen „sehr ähnlich, einander gleich“: Abū un vienōs šakōs gali kabincie.
als alte Jungfer zurückbleiben (lassen) „unverheiratet bleiben“: Tó mergōkė un višōtku paliko. Anā un višōtku liko.
Flachs brechen „zur Unzeit, zu früh eine unnötige Arbeit verrichten“: Ānas per unksci apinastri vēja.
eine böse Laune haben „niemandem etwas geben“: Tu, sako, — turi apžójis pievu.
(man muss) einen Armōt aufstellen (für jemanden) „schwer aufzuwecken sein“: Jám raîka armōtu pastacīc, kad pabūdzincie tókī miegāli.
hast du dir die Zähne verkauft? (spöttische Bemerkung, wenn jemand grundlos lacht): Ār nepardūdai duncis, ko tep sėdzi duncis išstācīs. Ir stōvi kap vēlnas, gal duncis pardūdai? O tu, neparduodzik duntų, nėr kám pērka.
Bist du gekommen, um um eine Hochzeit zu bitten? (sagt man, wenn ein eingekehrter Nachbar sich nicht setzen will).
sich in Tränen auflösen „in Tränen ausbrechen“: Anīs ašarom asilēji.
die Tränen fließen „weinen“: Kám papāsakoc, kap mán būvo, tai ča ašaros bėga.
die Tränen kullerten „sie brach in Tränen aus“: Mán ir ašaros nurito — medelāčius panulāužė, dziegelūs (Setzlinge) panumindė.
Tränen vergießen (laufen lassen) „weinen“: Mergōkaitė ašarėlās braūka. Rutelās ravėjau, ašarėlās lėjau (d.).
in Tränen ertrinken (überströmt werden) „viel weinen, schwer leben“: Visu gi vēnimu cik ašarosa anā praūsas. Dabār anā ašarosa paplūvus (überströmt).
Tränen [selbst] vergießen „nicht weinen wollen“: Dāgunčan undeniñ ūnkišau runkās, taī nēverku, ir ašaros pāčios bira.
dem Teufel den Bart wieder rasieren (sagt man, wenn man die Sense vergeblich schärft, aber danach nicht mehr mit ihr mäht): Kai galūnda dalgī i jau daugāu jau nepjāuna, tai sāko — atais vēlnās barzdōs skūscie.
sich zurückdrehen „Übelkeit verspüren, sich übergeben wollen“: Kap sūvalgė kū, tai atgalón vērča.
ein abgeschnittenes Stück „eine verheiratete Tochter oder ein verheirateter Sohn“: Danūtė jau atriekta riekė, kū daric.
sich zum Schlafen hinlegen „einschlafen“: Momā miegān acigutė.
Gold fällt (herunter) (sagt man, wenn der für die Ernte notwendige Regen fällt): Āuksas mūsū dzirvōsun bīra, ča ne lietūs, vaikai. Vaikai, vaikai, ča gi ne lietūs, ča āuksas kriñta.
sich an Fasching auf den Flachswuchs schaukeln (Brauch, sich an Fasching möglichst hoch zu schaukeln, damit der Flachs lang wächst): Sūplaukes (Schaukeln) dāro pie Āžūgavēnes: gālvū balkin suduōc — ažgavēc un linū ūgo.
jenseits des Meeres und die Kuh für einen Pfennig „dort ist es gut, wo wir nicht sind“.
Augen wie mit Rauch verhangen haben „unaufmerksam sein“: Neraīka ažrūkus(i)oms akīms būcie i paci paragēsi (du wirst sehen).
118
Page 9sich mit Arbeit überhäufen „sehr viel Arbeit haben, sehr beschäftigt sein“: Wir waren von Arbeit überhäuft. Du wirst an der Arbeit zugrunde gehen – so viel Arbeit gibt es.
in meiner Erinnerung „zu meiner Erinnerung“: In meiner Erinnerung wurde es so genannt.
einem das Herz erschrecken „sich sehr erschrecken, einen Stich ins Herz bekommen, einen Stich durchs Herz spüren“: Mir fuhr es ins Herz, als ich es sah.
die Wiege bringen (herbeitragen) (gesagt, wenn in einer Familie ein Kind geboren wird): Da hat meine Mutter mir gesagt: „Die Wiege ist angekommen.“ Was hat dir die Wiege durchs Fenster gebracht?
schrecklich viel zu sehen „sehr viel“: Diese Wagen – schrecklich viele zu sehen.
In der Barbaranacht zieht sie an (gesagt, wenn ab dem 22. Dezember die Nächte kürzer und die Tage länger werden): In der Barbaranacht: Es ging los, da hörten die Nächte schon auf, länger zu werden.
mit dem Bart nach oben liegen „herumliegen, nichts tun“: Warum liegst du mit dem Bart nach oben da? Du solltest dich bewegen.
die Schuhe sind zu schwer (über einen alten, schwachen Menschen gesagt): Nun bin auch ich so einer; meine Schuhe sind mir schon zu schwer.
Sauerkraut schlürfen „im Schlaf schnarchen“: Er ist schon betrunken – er schlürft Sauerkraut. Ich hatte große Angst, wenn der Betrunkene so schlürfte. Ich höre, wie der Vater Sauerkraut schlürft. Als er schnell einschlief, schlürfte er schon Sauerkraut. Er kam nach Hause und aß schon säuerlichen Kohl.
jemandem aus den Augen gehen „sich entfernen, sich zurückziehen, weggehen“: Geh mir aus den Augen, damit ich dich nicht sehe.
Kummer um Kummer kommt „sehr viele Unglücksfälle, Mühen“: Kummer um Kummer kam, aber irgendwie kann man leben.
böse Augen (durchdringender Blick) (über jemanden gesagt, dessen Augen bezaubern oder jemanden mit einem bösen Blick treffen können): Er hat einen durchdringenden Blick, kann einen bezaubern. Vor seinen bösen Augen – pass auf, Mensch!
Eine Frau könnte damit nach Vilnius gehen (gesagt über etwas sehr Stumpfes, etwa ein Messer): Ein stumpfes Messer – damit könnte eine Frau nach Vilnius gehen.
auf Sand bauen „unwirkliche Pläne schmieden“: Er baut zu viel auf Sand und will zu viel.
im Gesicht blass werden „erbleichen“: Mir wurde ganz blass im Gesicht – was soll ich tun?
den Mund auftun „zu sprechen anfangen“: Den ganzen Abend über tat er den Mund nicht auf.
„sich den Mund vollkotzen“ „sich nach übermäßigem Trinken erbrechen“: Die alten Litauer tranken weniger; wenn die Jungen früher einmal zu viel tranken, kotzten sie sich den Mund voll.
„in den Mund stecken“ „aufessen“: Was du in den Mund steckst, das sollst du auch aufessen.
am Fläschchen nippen „sich allmählich betrinken“: Diese Trinker fingen an, am Fläschchen zu nippen.
die Butter über die Nase hinaus hochschnellen lassen „den Preis stark erhöhen“: Wenn sie Butter zur Messe bringen, treiben sie den Preis sehr hoch.
ein Schlückchen trinken „ein wenig trinken“: Wenn man ein Schlückchen trinkt, dann redet man besser.
den Himmel sehen (wird über eine sehr schlechte Suppe gesagt): Na, du hast eine Suppe gekocht – man sieht den Himmel durch sie hindurch. Schlechte Rüben – man sieht den Himmel durch sie hindurch – vielleicht hättest du doch etwas Butter hineingeben können, um sie zu verbessern.
zum Himmel hinaufschauen (wird gesagt, wenn man jemandem, der beim Blick zum Himmel einen Ärmel hochkrempelt, Wasser darübergießen möchte): Willst du zum Himmel hinaufschauen, dann geh hinaus.
jemandem die Zähne zutexten „jemandem etwas ausreden“: Warum redest du ihm das aus?
mit den Zähnen knirschen „zornig sein“: Der Bruder knirschte mit den Zähnen und war auf seine Schwester böse.
jemandem die Zähne ausschlagen „jemanden heftig verprügeln“: Na warte, ich schlage dir die Zähne aus.
die Zähne zeigen „lächeln, die Zähne zeigen“: Sie zeigt die Zähne, ob es angebracht ist oder nicht.
die Zähne auf das Brett legen „nichts zu essen haben“: Du hast schon nichts mehr zu essen; du sitzt da und hast die Zähne auf das Brett gelegt= (das Regal), du hast schon kein Viehfutter, keine Nahrung mehr.
119
Page 10die Zähne vom Fleisch abspülen (sagt man, wenn man am Aschermittwoch beim Fasten Wodka trinkt): Reĩka ir mán duncìs praplauč nog mešõs. O pelanų dienõj, aina, gãra, duncìs plãuna nog mešõs.
mit leeren Zähnen klappern „nichts zu essen haben“: Táu brolãĩ priklegdzinėjo (redete dir zu), geh arbeiten, Petras, sonst wirst du noch mit leeren Zähnen klappern, weil du nicht gehorcht hast.
die Welt auf den Kopf gestellt (sagt man, wenn die jüngere Schwester vor der älteren heiratet): Katarà liko duktė, tai sãko dzieškų ápvertė.
der Pate steht in der Ecke „es wird dunkel“: Dziedaĩ kampuõša stóvi, parà gi·vulám duóc. Jau dziedaĩ kampuõša, ė vaikų nẽra.
der Vater hat ein Kreuz gegeben (sagt man, wenn man einen trunksüchtigen Mann hat): Kur jaũ girtuõklis irà, tì jau kryžus: dėvas dãvė mums kryžų, itokì· laidõku...
Ein großer Bissen zerreißt die Kehle (reißt sie entzwei) „wer zu viel will, erreicht nichts“: Kap jau kas per daug bėga, krūta, sãko: didelis kūsnis gérklb· plėša. Didelis ku·snìs gérklb· pérpleša.
Salz in deine Augen (sagt man aus Angst, jemand könnte es berufen): Jėigu gražų árklų jója ir sãko kiči: — o, o, kokìs tà gražùs arkìs, [jojantysis] sãko: — druskà táu akìsan, nenudzìv·k manì. Ot, gražãi aprinkdėi mergõkaiti: — druskà táu akìsan.
den Atem wiedererlangen „aufatmen, sich erholen, wieder zu sich kommen“: Negalù, dũko sugáudzì·c.
Brot mit Brot zusammenfügen „ausreichen; gerade so über die Runden kommen“: Uždarbai būvo menki, bet sudùrdavau dũonu su dũonu.
zum Gutshof fahren, um ihn abzumessen „zur Aufklärung fahren“: Àš ir pãc važavaũ su sã dukteru apskaĩcė dvãru.
zu zweit sein „heiraten“: [Kap] javuõsa rañda vãrpas dvi — sporìžu, merginà ar bérnas suskaũpa — būs dviejũos.
unter die Holzscheite gehen „weggehen, sich davonmachen“: Eĩkit po laužaĩs, dajėdet jūs mán.
für die Hunde Heu mähen gehen (sagt man, wenn jemand nicht gehorcht): Jei neklausai mùsu, tai aĩte šunìms šėko šienauc: prisšienáusi kūgi; tai pac isibaigsi an kūgo.
das Ende davon, „das macht nichts“: Važiúote namũlo, gãlas jũ, nẽra ir neraĩka.
auf dem Rücken liegen können (über ein Tier gesagt – sehr fett): Riebi kaũlė, gãli un nugarõs gulėc.
man kann sich sogar die Zunge abbeißen „sehr lecker“: Ot gerai padarėi — gãlima ir liežùvi prarũc. Tai gãrdu·s batvìniai — galì liežùvi prarũc.
den Kopf abreißen „jemandem den Garaus machen“: Warum hat man mir nicht den Kopf abgerissen – solche Kinder gibt es viele.
den Kopf hinhalten „sehr achten, lieben; bereit sein, für jemanden zu sterben“: Heutzutage sind die Menschen sehr gut – für die Litauer halten sie den Kopf hin.
einen Kopf geben „Verstand, Begabung verleihen“: Gott gibt Verstand, und ich richte die Felder her, und überall ist es schön.
den Kopf hängen lassen „mutlos werden“: Warum hast du den Kopf hängen lassen? Man muss nicht seufzen.
den Kopf heben „nachsehen“: Heb den Kopf, ist es schon hell? (d.).
den Kopf niedrig tragen „sich demütigen“: Ich konnte nicht … vor den Älteren den Kopf niedrig tragen. (d.).
sich etwas zu Herzen nehmen „sich sorgen, sich kümmern“: Du, Mama, bist es nicht gewohnt, allein zu sein; worüber machst du dir Sorgen? Wir schaffen das alles [die Ar]. Nimm es dir nicht zu Herzen. Keiner nimmt sich etwas zu Herzen.
in den Sinn kommen „sich erinnern, in Erinnerung kommen“: Ich war schon am Sterben, als mir einfiel, ich weiß – inzwischen sind die litauischen Lieder verschwunden.
120
Page 11sich etwas in den Kopf einprägen „sich etwas gut merken“: Der Alte prägte sich alles gut ein: Er konnte sowohl spielen als auch singen.
in den Kopf kommen „in den Sinn kommen, einfallen, in den Kopf schießen“: Was ihm in den Kopf kommt, das pfeift er auch, wenn er nach Hause geht.
sich im Kopf drehen „wissen, sich aber nicht gut erinnern“: Wenn ich es höre und singe, dreht es sich noch im Kopf, und ich erinnere mich nicht.
im Kopf nicht mehr richtig funktionieren „nicht mehr ganz bei Verstand sein, nicht begreifen, sich nicht gut erinnern“: Der Alte, bald schon fünfundneunzig Jahre alt – in seinem Kopf funktioniert es nicht mehr richtig, sein Kopf hat sich verändert.
viel Luft im Kopf haben „ziemlich dumm sein“: Der Mann hat viel Luft im Kopf; ich habe ihn ordentlich ausgescholten.
Unsinn reden „Geschichten auftischen, Unsinn reden“: Warum redest du bloß Unsinn, wenn du zu Hause geblieben bist? Du hast dich an den Mann gehängt und redest Unsinn.
einen guten Kopf haben „begabt sein“: Der Alte hatte einen guten Kopf.
die Kehle hat es verschlungen „versoffen haben“: Seine Kehle hat alles verschlungen – danach betrank er sich mit schlechtem Schnaps.
die Kehle befeuchten „ein wenig trinken“: Voriges Mal habe ich, glaube ich, die Kehle befeuchtet. Er reichte es von hinten und ich befeuchtete mir die Kehle.
kein lebendes Wesen berühren „da kann man nichts machen“: Als er sich in allen Ecken umsah, erblickte er seinen Sohn und begann zu jammern, doch da ließ sich kein lebendes Wesen berühren.
das Leben beenden „Selbstmord begehen“: Sie wurde schwermütig und dachte sogar daran, ihrem Leben ein Ende zu setzen.
in die Liebesfesseln geraten „sich verlieben“: Unser Bursche ist in die Liebesfesseln geraten.
in alle Richtungen auseinandergehen „sich zerstreuen, vergeblich enden“: Der Hausherr ging hinaus und sah nach der Scheune, damit das Heu bis Weihnachten liegen bliebe und nicht in alle Richtungen auseinanderflöge.
sich zu einer Röhre zusammenrollen „üppig wachsen, eine gute Ernte versprechen“: Von den fünf Roggenfeldern lässt man eines stehen und es wächst zusammen, damit es im nächsten Jahr guten Roggen gibt – es rollt sich zu einer Röhre zusammen.
voll bis zu den Tränen „man möchte weinen“: Wir kamen zusammen, und mir ist schon zum Weinen zumute.
langes Haar „Frau“: Warum hörst du auf eine Frau mit langem Haar? Du hast doch einen Kopf.
lange Hände haben „ein Dieb sein“: Jos vìru· išvarinēdė — ānas ī·lgas rankās turė.
sowohl für den Pferdehuf (Singular, Dativ) als auch für den Schweinehuf (Singular, Dativ) „ein Mensch, der überall passt“: Anà ir prìeg pãėdo, ir prìeg svėčo, o ānas cik pì.rmini·ko pašikinīs (ein Schmeichler).
sowohl für die Sense als auch für die Schüssel (Singular, Dativ) „ein Mensch, der überall passt; ein guter Arbeiter“: Betgi vìras lìüksmo būdo, ir prìek dalgei, ir prìek bliūdo (d.)
und kein Haar wird ausfallen „es wird nichts Schlimmes passieren“: Be mā rūnkoś — ir plāukas nenukrīs.
und selbst Scheiße auf der Zunge trocknet „wird über einen Menschen gesagt, der viel Unsinn redet und schwatzt“: Kap suaido dzyėju, tai ir šūdas un liežūvio iškėps, plėnija ir plėnija.
und eine Laus würde nicht hineinbeißen „sehr schmutzig“: Suskrińdis (verdreckt) kvartūkas — ir šūva neunkāstu·.
und nicht einmal der Teufel nimmt ihn „für niemanden brauchbar“: Manì ir vėlnias nėima, vìsu gi·vėnimu· cik vargīcinas (ein armer) Mensch war ich. Manì tōko kańkinì·ko (Märtyrer) ir vėlnias neimīs. Sėnas — jo ir vėlnias nėimīs.
und nicht einmal der Teufel kann ihn hereinlegen „niemand kann ihn täuschen (wird über einen energischen, schlauen Menschen gesagt)“: Įtos bóbos ir vėlnias neapšukuōs (nicht hereinlegen), anà ir vėlno skėltinu (Scheit) skūru· ištvōs.
im Wind verwehen „vergeblich, ohne Nutzen, zunichtegehen“: Vìsu· gi·vėnimu· mā sopulis, kū ažkrūtėjau, išėjo vėjais.
121
Page 12aus dem Kopf (Verstand) verschwinden „vergessen“: Als jener Junge da war, ist es ihm aus dem Kopf gegangen, er erinnert sich nicht daran. So ist es ihm aus dem Kopf gerutscht — jener Junge hat es erdacht. Es geht ihm schon aus dem Verstand, er kann es nicht sagen.
aus dem Rauch „alle bis auf den Letzten“: Kinder, alle aus dem Rauch — nach draußen!
aus dem Kopf gehen „vergessen“: Mutter redete irgendeinen Unsinn — schon ist es ihr aus dem Kopf gegangen.
sich vor Lachen kaum halten können „sich das Lachen verkneifen“: Ich konnte mich vor Lachen nicht halten, als jener diese Süßspeise aß (Süßspeise, Sauerkrautgericht).
aus dem Gespräch kommen „einem beim Sprechen einfallen“: Wenn es einem aus dem Gespräch kommt, dann fängt man eben damit an.
sich den Verstand aus dem Kopf schlagen „verrückt werden, den Verstand verlieren“: Jener Junge kann den Verstand verlieren.
aus der Haut fahren „sich sehr unruhig hin und her bewegen, herumrennen, nicht wissen, wohin mit sich“: Als die Läuse (Läuse) sich um den Hals herum bewegten; da wälzt er sich einfach (=einfach) aus der Haut.
aus dem Herzen reißen „vergessen“: Sieh, niemand hat die [Lieder] aus dem Herzen gerissen.
aus dem Herzen 1. „sehr gut miteinander auskommen, zusammenleben“: Ich habe mit meinem Mann von Herzen gelebt. 2. „aufrichtig, offen sagen“: Von Herzen sage ich es — alte (altmodische) Lieder kenne ich nicht, vielleicht gefallen sie euch nicht.
aus eigenem Willen „leicht, langsam“: Wenn sie so gleichmäßig, langsam geht, merkt man nicht, dass sie hinkt.
(schreien) aus voller Kehle „sehr laut rufen“: Warum schreist du aus voller Kehle? Die Heumäher (Mäher) auf dem Feld schreien aus voller Kehle.
wenn ich dich mit meinen Augen ansehe (sagt man, wenn jemand die Frau oder den Mann eines anderen wegen ihrer bzw. seiner Hässlichkeit kritisiert): Bei uns sagt man so: Wenn ich dich mit meinen Augen ansehe, dann bist du schön.
das Lachen setzte ein „begann zu lachen“: Als das Lachen einsetzte, als sie sich wälzte.
Witze (Späße) finden „scherzen“: Mein Mann konnte Witze machen. Wenn sie zusammenkommen, reißen sie allerlei Witze.
damit das Brot nicht aus den Händen ausgeht „damit die Ernte gut ausfällt und lange ausreicht (Brauch beim Roggenschnitt).“ Der Roggenkreis wird immer kleiner; in der Mitte bleibt ein kleines Stück Roggen stehen, damit uns das Brot nicht ausgeht.
umgedrehte Hand „jemand, der häufig seine Ansichten ändert“: Die sind so — umgedrehte Hände.
dass ich mir zuerst auf die Lippen gespuckt hätte wie ein Pfaffe (sagt man, wenn man beim Löffeln der Suppe die Lippen verbrüht): Pfui! Als hätte ich mir zuerst auf die Lippen gespuckt wie ein Pfaffe (=Pop).
dass eure Worte die Ohren Gottes erreichen (sagt man, wenn man etwas nicht glaubt): Mögen eure Worte Gottes Ohren erreichen.
damit das Brot nicht vom Tisch wegkommt „damit es etwas zu essen gibt“: Wir essen den Erntebrei; damit das Brot nicht von unserem Tisch wegkommt.
mögen dir die Hände vertrocknen! (Fluch): Als es heftig zu schneien begann (stark, heftig) und was dann, fing er an: Mögen dir die Hände vertrocknen!
möge dir Pierūnas austrocknen! (Fluch): So sagte sie selbst: Möge dir Pierūnas austrocknen!
mögen dich die Habichte holen! (milder, sanfter Fluch): Ach, mögen dich die Habichte holen! Warum bist du hierher geflogen und gurrst wie ein Teufel?
mögest du zugrunde gehen! (Fluch): Mögest du zugrunde gehen! Wie du mich geärgert hast.
mögest du zur Hölle fahren! (Fluch): Mögest du zur Hölle fahren, weil du mir die Kartoffeln ohne mich ausgegraben hast!
möge der Wolf deine (deine) Knochen fressen! (Fluch): Möge der Wolf seine Knochen fressen – so werden die Kinder gefüttert.
die Knochen hinaustragen „weglaufen“: Ich bin so schnell davongelaufen, als sie anfing, die Kleinen zu schlagen.
122
Page 13an einem Tag „sehr schnell“: Na, o paskau suėjo dveji mėtai kai vieną dieną jau. kai šūdui aketīn lįsti „sich grundlos einmischen, sich einmischen, wo man nicht hingehört, oder ins Gespräch fallen“: Ko tu lindai, kai šūdas aketīn. Tąsta jaunumā (die Jugend) landā, ko tu landi kai šūdas aketīn.
[Not] den Hals (den Nacken) verrenkt (verdreht) „sehr schlecht, schwer“: Bėdà bėdu· vėja, ē trečā ir kākłu· lāuža. Visu· āmžu· bėdos mā kākłu· lāužė, nebėdujau, drūtas (stark) buvau. Vienā bėdā, tai dār ne bėdā, dzvi bėdos, ē jau tracā ir kākłu· sūka. Vienā bėdā ne bėdā, antrā nepatīkā, ē tracā sprāndu· sūka.
der Kreuzweg „Mühen, Sorgen, um etwas zu erreichen“: Tep prasdėjo mā kalvārijos kėłas.
jemandem ein Bein, jemandem einen Arm zerschlagen „schlecht machen“: Kám kóju·, kám ruŋku· nudaužā — kokis tī jō dárbas — drenai ānas padāro.
(schön) wie eine Mohnblume (Blüte) „sehr schön“: Anā gražī kap aguonā. Ot gražī mergā nuvā — kap gėlē.
(schwarz) wie Kohle „sehr schwarz“: Išėjo trīs mergos ir visos juodos kap ūnglis (ps.).
(sitzen) wie auf einer Nadel (welcher Art) „sehr unruhig sitzen, sehr unruhig sein“: Vidūkeli· sėdžu kap un ylu· koku.
(wachsen) wie auf Hefe „sehr gut wachsen“: Mergokāitė āugo kap un mielū, ē gražī būvo.
wie im Gedächtnis „sehr gut bekannt, gut erinnerlich“: Tiesōg kap un minčū mán tokā kalbā. Kap un minčū anā mán tokās kalbās sakinē.
wie wenn man Haare auf der Suppe kochte, die ganze Kopfhaut abbrühte „sehr sauer (über Suppe)“: Kap mūsup sāko: tai rū̄kstu· barščai, kap un šūnio ažlētum pāūsei- (die Haare) nuvarītu·.
wie Espenlaub zittert (zittert) „hat große Angst“: Anā kap apušės lākštas (Blatt) lāpsi. Vilkenīca (Wölfin) svirpė, pēršoko, ē as kap apušės lākštas drebu·.
wie ein Pferd 1. „hat sehr viel getrunken, ist sehr betrunken“: Sėdzi pasgėris kap arklis, ē tokis dár drabnūcis (ganz junger) bernōkāicis. 2. „isst sehr viel“: Kad tu ir vālgai tep daug kap arklis.
wie hinter einer Mauer sein „einen guten Mann haben, gut leben“: Aš tadiu kap až mūro buvā: vīras gāras — ir duonos, ir spirginū· (Speck) būvo.
wie hinter dem Ofen (sich festsetzen) „einen guten Mann bekommen, gut leben“: Kap ištekėjau, kap až pėčiaus ažgrūvau, koč vīras i varguōlis (Bedürftiger, armer Mann) būvo, cik vokelūs (kleine Körbe) pinė.
wie ein Baron (dumm) „ungebildet, wenig gebildet“: Ānas kap barōnas dūrnas.
(hat sich etwas gewünscht) wie eine schwangere Frau „hat sich etwas sehr gewünscht“: Ot ažsigeidė, kap bōba sunkėnė (schwanger).
(allein) kap bugelė (kėlmas, vilkas) „ganz allein“: Vienā gi·veni kap bugelė. Ich habe schon nichts mehr, allein kap kėłmas. Ich bin hier allein wie ein Wolf; das Anziehen fällt mir schon schwer, die Beine schmerzen, die Hände tun weh.
kap cviekučių kopōti „sehr schmerzhaft beißen“: Die Brennnessel brennt stark, kap cviekučių kopōja.
(schwarz) kap dunkstis „kahl, ohne Gras“: Die schwarze Wiese ist kap dunkčis – was für eine Weide!
(flechten) kap diedu· vyžūs „Unsinn reden“: Was redest du für Unsinn, kap dziedas vižūs.
(weiß) kap drōbė „sehr blass“: Das Mädchen ist weiß wie kap drōbė.
(sein) kap duobėj „sehr schlecht leben“: Jetzt leben wir kap duobėj – wir können weder Reisig sammeln noch Brot nach Hause bringen.
123
Page 14(verdreht) kap gyvātės „sehr krumm, gewunden“: Man sagt, dass die Wege nicht gerade sind; sie führen zum Gut des Herrn und sind gewunden wie kap gi·vātės.
kap gaidys (glinda, kubėizdalius, malipūtas) „sehr klein“: Was ist das für ein Mensch? So klein wie ein Hahn. Was für ein Mensch – kap glinda. Was für ein Mensch – kap kubėiz-dalus (Bovist). Da geht er – kap malipūtas.
(schwerfällig) kap gaišas „arbeitet sehr schlecht“: Seine Arbeit geht schwer wie ein Baumstamm, also bewegt er sich wie ein Verendeter.
(Herz) kap geležīs „sehr gefühllos, erbarmungslos“: Sein Herz ist kap geležīs – nachts hat er nichts bemerkt, niemand ist dort über Nacht geblieben. Die Mutter weinte den ganzen Tag, aber sein Herz war kap geležīs.
kap girnom (maltuvei, melnyčiai) malti „sehr viel reden“: Das ist ja ein endloses Gerede – sie redet und redet wie eine Mühle. Du redest und redest wie eine Mühle, und wirst nicht müde. Er redet wie eine Mühle, so viel, wie Menschen überhaupt zusammenkommen.
(stammelte) kap girtas „schlecht gesagt, Unsinn geredet“: Er stammelte betrunken und ließ es dabei bewenden.
(schnarchst) kap gyvulys „schnarcht im Schlaf sehr laut“: Warum schnarchst du wie ein Tier?
(hat sich verplaudert) kap Gražūlo rātai „hat sich ins Reden hineingesteigert, sich verplaudert, sehr ins Plaudern vertieft“: Da hat er sich aber verplaudert, kap Gražūlo rātai.
(sitzt) kap Gudinīkai an kapū „sagt man, wenn die am Tisch Sitzenden weder essen noch trinken“: Sie sitzen da wie die Gudzinīkai (Dorfname) und kapū – wollt ihr denn gar nicht essen?
(schweigt) kap indīkas pasipūtes „sagt kein Wort“: Der Fischer schweigt wie kap indīkas paspūcis – man kann ihn kaum anrühren.
kap ausgefegt „leer, nichts da“: Iš kiemū visi išvažāvi — kap iššluota.
kap aus dem [v]āndenio virsti „sehr eben sein“: Jēigu artōjas vāgu pravārē, tai tūri būc, kap iš ūndēno džirvā viršc.
(arbeitet) kap ein schwarzes (ganz schwarzes) Kalb „arbeitet sehr viel“: Sāule jau ažšilāistė (nusi-leido), ē ānas dār džirvōsu krūta kap juodas veršis (jautis). Pakol laukūs apsēdo, ānas krūta ir krūta kap juodasai veršis.
(heirateten) kap Hanfsamen „heirateten schnell, eine nach der anderen“: Išē mā dūkteris kap kanāpēs: itā, katarā liko, mán padēdo.
kap wie auf dem Friedhof „sehr traurig, schmerzlich, schwer“: Kap išēido vaikai, tai aš kap kapuō-san.
(hat sich aufgebäumt) kap ein Kriegsross „sehr unruhig, widerspenstig, böse“: Kap karōstinis arklis susniēžēs, tai itu· vaikū stūkteli, tai itu·.
(lebt) kap ein Erlenbusch „sehr nachlässig“: Paspī.rdo cik kōjom ir gi·vēna kap kōkis kēlmas.
kap wie Hüte „sehr groß“: Tōki rapūkē kap kepūrē karvi· žī.nda.
kap wie ein Krüppel „hässlich, widerwärtig“: Senā bōba kap kerēplā.
(ging weg) kap an den Knochen vorbei „grüßte nicht“: Ānas nuvē kap kaūlēs.
kap in den Sauerteig kriechen „sich jemandem oder etwas hartnäckig aufdrängen“: Ko tu lindai kap kaūlė rāščinōn (=duonos raugan).
kap ein Kohlkopf „sehr schlecht (Gedächtnis)“: Mincis (atmintis) kap kopūsto galvā, negalū priminīc.
kap wie Pfähle „sehr schwer, unbeweglich“: Mā kōjos kap kuolai pazdārē, grāitai šmirinēc (vaikščioti) negalū.
kap wie Stampfer „flach, groß“: Karōsai kap kultuvāitēs lū·nuosu irā.
124
Page 15(schnaubt) wie ein Hengst, nachdem er eine Stute gerochen hat (sagt man, wenn ein Mann an einem öffentlichen Ort einer Frau den Hof macht): Warum schnaubst du wie ein Hengst, der eine Stute gewittert hat?
wie ein Schlot rauchen „sehr viel rauchen“: Der alte Mann raucht wie ein Schlot.
wie ein Hühnerstall „sehr schmutzig, unordentlich“: Ich ging in die Stube – wie ein Hühnerstall – weder die Kinder waren gewaschen noch die Kleider. Ihr Zimmer ist wie ein Schweinestall.
wie ein Narr aus dem Finger lachen „grundlos lachen“: Sie kann lachen wie ein Narr aus dem Finger. Er lacht wie ein Narr aus dem Finger.
(klebt fest) wie ein Blatt (Pech, Harz) „hartnäckig an jemandem hängen, sich an jemanden hängen“: Es klebte wie ein Blatt am Wasser. Er klebte wie Pech an der jüngsten Tochter. (der Letzten, Jüngsten). Warum klebst du an mir wie Harz? Er klebte wie ein Blatt.
wie Löwen „sehr groß, fett“: Die Kälber sind groß (= wörtlich) wie Löwen.
(trüb sein) wie ein Sack „sehr bewölkt sein“: Es wurde bewölkt, und der Himmel ist trüb wie ein Sack.
wie ein Wald (eine Mauer, eine Wand) „sehr gut“: Es wird eine gute Ernte geben: Unser Roggen steht gut, wie ein Wald. Auch der Hafer ist gut – wie eine Mauer. Guter Roggen steht wie eine Wand; es wird viel Mehl geben.
wie ein Schilfrohr „sehr mager, dünn“: Meine Tochter war wie ein Schilfrohr, sie konnte nicht auf den Beinchen stehen.
wie eine Fliege „zerbrechlich, von kurzer Lebensdauer“: Der Mensch ist wie eine Fliege.
(sprechen) wie zu Hause „offen, mutig, unkompliziert sprechen“: Ich spreche einfach wie zu Hause; niemand wird mir das verbieten (nicht untersagen).
(wachsen) wie nicht in den eigenen (eigenen) Jahren „sehr schnell wachsen, über das für das eigene Alter übliche Maß hinaus“: Sie wuchs schon als kleines Mädchen wie auf Hefe, wie nicht in ihren eigenen Jahren.
(sich regen) wie nicht in den eigenen „sehr schlecht (arbeiten)“: Sie streift durchs Dorf (ist draußen, geht umher) wegen der Frauen, und was immer sie tut – wie nicht in den eigenen.
wie nicht auf den eigenen (eigenen) Beinen „vom Gehen gesagt – sehr langsam, mühsam“: Und wie sie geht – als ob es nicht ihre eigenen Beine wären: hier bleibt sie stehen, dort geht sie weiter.
wie vom Kreuz herabgenommen „sehr abgemagert, hinfällig“: Die Tochter ist wie vom Kreuz herabgenommen.
wie ein Schleifstein „sehr scharf“: Die Axt ist scharf wie ein Schleifstein.
(pfeift) wie ein Vogel „sehr schön pfeifen“: Jū bernōkas tep gražāi švìrkščia, kap paūkštė.
wie ein Pferdegeschirr „sehr groß“: Kaunierūs prisūta baisāusas – kap pavalkāi.
wie ein Aalrücken „sehr mager“: Užvidau anū kārvi· – kudā, kap pielā nugarā.
(Kehle) wie ein Topf „sehr viel trinken können“: Kad anō gerklē kap pūodas, kap ānas ir gāli ciek gėrcie.
wie Bastschuhen (Bastschuhen, Hühnern) bekleiden (schneien, Schnee fallen) „sehr stark mit großen, feuchten Flocken schneien“: Visū· dziēnū· vertė sniegū· kap plōstais, ir kalināčiai, ir nešulāicis šlāpas. Tai drēba kap vỹžais. Šūndie sniežcī kap vỹžais. Verča kap vỹžais lauki. Žū, kap vištom sniegci.
(stottert) wie ein ungeschmiertes Rad „undeutlich und stockend sprechen“: Skri·puoja kap rātas nėteptas.
wie ein Roggen „im Nu, sehr schnell“: Kap rogì kuodẽli· sūverpa.
(sitzt) wie jemand, dem ein Rubel geschenkt wurde „sehr niedergeschlagen“: Ānas sēdzi kap rūblu· padovanōjis.
[Die Redewendung soll auf den Brauch zurückgehen, dass man dem Brautpaar bei der Hochzeit Geld geben musste.]
wie mit Sahne bedeckt „ganz weiß, voller Blüten“: Ōbelis kap smetonū apdėtos.
(hoch, dünn) wie ein Halm „sehr hoch und dünn“: Ānas tōkis dzìdelis, āukštas plōnas kap smìlga, tai ānas ir nūrēškė man šermulū· (Ebereschen) ir dāu.
125
Page 16(weiß) wie Schnee „sehr weiß, schön“: Runkinītis (nasal) ist so schön wie weißer Schnee.
wie ein Brett „sehr eben“: Der Weg ist gut, wie ein Brett.
wie ein Schuss „sehr schnell“: Beeilt euch, beeilt euch, geht nach Hause: Die Kühe gehen wie ein Schuss – es dämmert.
wie du dich zusammengerauft hast, so bist du auch wieder aufgestanden „immer dasselbe, das lässt sich nicht ändern“: So ist es nun einmal: Wie du dich zusammengerauft hast, so bist du auch wieder aufgestanden.
(schön) wie ein Speckstück „sehr schön, wohlgenährt“: Die Kuh ist schön wie ein Speckstück.
(dicht) wie eine Bürste „sehr dicht“: Die Tomaten wachsen noch, aber sie stehen dicht wie Borsten.
(vergehen) wie heute „sehr schnell vergehen“: Drei Jahre, Roggen, sind wie heute vergangen.
(sich wünschen) wie ein Hund zu fressen „etwas sehr gerne wollen“: Sie wünschte sich so sehr, zu essen, wie ein Hund zu fressen. Ach, du hast dir eine Mütze gewünscht, als wärst du verrückt.
wie nasses Holz brennt „sehr schlecht arbeiten, etwas tun“: Du arbeitest, wie nasses Holz brennt.
wie ein Spieß (ein Haken) „sehr mager, klein“: Die Kuh ist abgemagert wie ein Spieß. Die Kuh ist wie ein Spieß. Wo ist das Mädchen mit dem Haken?
wie ein Hund (Singular, instrumental) scheren „sehr stark scheren“: Sie mähte wie ein Hund und mähte weiter. Was sollte er wie ein Hund scheren, das hat er getan.
will wie ein Hund „sehr hungrig sein (essen wollen)“: Ich will essen wie ein Hund; gib mir wenigstens ein Stück Brot.
wie ein Hund (Singular, instrumental) anklagen (verleumden) „verleumden, anzeigen“: Du hast mich verleumdet und wie ein Hund angezeigt. Warum musstest du mich wie einen Hund anzeigen? Was habe ich dir getan?
(es ist gelungen) wie den Juden in der Kirche (wird gesagt, wenn jemandem unerwartet etwas gelingt): Es ist ihm gelungen wie den Juden in der Kirche.
(wird sein) wie den Juden mit dem Ziegenbock (wird gesagt, wenn jemand eine Gelegenheit nicht zu nutzen weiß): Auch dir wird es so ergehen wie den Juden mit dem Ziegenbock.
wie in einer Röhre zusammengedrängt (wird gesagt, wenn der gute Roggen schön wogt und sich wellt): Ach, Roggen, das ist Roggen – wie in einer Röhre zusammengedrängt (ineinander verschlungen).
wie ein Bettler mit der Peitsche (Sg. Gebrauch) sich gehen lassen „faul werden, leichtsinnig sein“: Du hast dich gehen lassen wie ein Bettler mit der Peitsche. Wenn man sich so gehen lässt wie ein Bettler mit der Peitsche, rührt sich nichts, man geht nicht zur Kolchose.
wie ein Kranz geflochten „sehr gut gemacht“: Oh, gut gemacht – wie ein Kranz geflochten.
einen Kranz flechten (fertigflechten) „sehr gut arbeiten, etwas erledigen“: Er arbeitet gut – er flocht den Kranz und erledigte seine Arbeit. Petras hat es schön gemacht – er flocht den Kranz fertig.
wie mit Wasser gegossen (über eine Furche gesagt – sehr eben): Die Furche muss eben sein – wie mit Wasser gegossen.
wie der Teufel (sich festgebissen hat) „sich grundlos an jemandem festbeißen“: Wie der Teufel hat er sich an ihn gehängt.
(läuft) wie der Wind „sehr schnell laufen“: Er [der Stier] rannte hinter ihnen her und tobte wie der Wind.
(hat es angerichtet) wie der Wolf Murkonys (sagt man, wenn man sieht, dass die Arbeit schlecht ausgeführt werden wird): Na, du wirst es schon anrichten wie der Wolf Murkonys.
wie an einem Tag „sehr kurz“: Das Leben eines Menschen ist wie an einem Tag.
wie ein Wolfsheuler „schlechter Mensch, Schuft“: Ach, er ist ein solcher Wolfsheuler.
wie der Wolf auf die Schafe losgeht „wenigstens einen kleinen Gewinn erzielen, etwas verdienen“: Wenn die Leute zur Arbeit gehen, verdienen sie immer etwas, wenigstens ein bisschen – wie der Wolf, der sich auf die Schafe stürzt.
126
Page 17kap virvė pavijóta vijasi („kommt überall hin“ – über einen Menschen, der überall durchkommt): Vijasi kap virvė pavijóta.
(ažkrutėjo) kap Zabláckas (an muìlo) su mylù „hat nichts verdient“: Tai jau tu ažkrutėsi kap Zabláckas su mi'lu. Krutė, krutė ir ažkrutė kap Zabláckas un muìlo.
kap žalià málka dėga „lebt sehr schlecht“: Tokis gi·vẽnimas – kap žalià málka dėga.
(groß) wie ein Heuschober „sehr groß, hoch“: Ein großer Mann steht wie ein Heuschober, der da drüben.
kap žẽme pardàves „sehr traurig, niedergeschlagen“: O karālus vaikščoja, kap žẽmi pardàvis (ps.).
kap žẽbà pasipùtė „ist eingebildet, überheblich“: Ana pasipùtė kap žẽbà.
(gyvẽna) kap žìrnis prie kẽlio „lebt sehr schlecht“: Gi·vẽna kap žìrnis prie kẽlo, lapelaižus (Pfifferlinge), višogas cik renka ir pardùodo.
kap žlùgtas „sehr nass, durchnässt“: Pérmirkis visas kap žlùgtas.
kap žvakẽlės „sehr hell (Augen)“: Mà akẽles dár kap žvakẽlės, cik minčìės nẽrà.
kap žveriùtei (pùli) „heftig schimpfen“: Anà kap žvẽriūtė pùole, až tai, kad pìrci smagài prikūrìnam.
kampė šluotẽlė „von allen herumgestoßen, nirgends geduldet“: Kap ištekėjai ažu viro kap až mūro, e kap až blogo viro — kampi šluotẽle. Moteris cik gali būc kampi šluotãle, vīras nebūs.
kàtino ašara „sehr wenig“: Kiẽk to piẽno — kàtino ašara.
kẽlią (ūlvyčių) akėti (baranùti) „beim Gehen schwanken (über einen Betrunkenen)“: Ragi, itas jau kãlu-akẽja. Aina namòna ir kãlu-baranùja. Aina ir akẽja visù ùli·cù, tai negràbnas žmogus.
kẽlias atklõtas „du kannst wählen, was du willst“: Jauniem kẽlas atklõtas.
kepùrė dėga „hat Angst“: Ir tã vīruo kepùrė dėga — rugùs ānas padẽ vògcie.
kepùrė kilióti „grüßen, indem man den Hut abnimmt“: Nemokėjau... prieš vi·rašni kepurālės kilóc (d.).
Schweine hüten (treiben, finden) „beim Gehen schwanken, hinfallen (über einen Betrunkenen)“: Wenn ein Betrunkener schon kommt, sagt man: „Die Schweine hüten.“ Fürchtet euch nicht, zündet die Lampe an und wartet; vielleicht treibt irgendwo ein Betrunkener Schweine, dann kommt er zurück. „Der hat schon Schweine gefunden“, sagt man, wenn jemand betrunken heimkommt.
Wie viele Hunde (Wölfe) haben dich hierher gejagt (sagt man, wenn jemand nach langer Abwesenheit wiederkommt): Wie viele Hunde haben dich hierher getrieben! Wie viele Wölfe haben dich hergetrieben!
(laut aufheulend) wie viel Lärm du machst „sehr laut schreien“: Und wenn sie einer Wölfin begegnet, heult die Frau laut auf – was für einen Lärm sie macht!
die Axt ist hineingeworfen (sagt man über eine fade Suppe): Wenn die Rote Bete dünn (=wässrig) und nicht schmackhaft ist – „die Axt ist hineingeworfen“, sagt man.
die Axt schwimmt (sagt man über eine schlechte, dünne Suppe): Wenn man eine Axt in irgendeine Suppe wirft – die Axt schwimmt.
einen Hasen jagen „ein Mädchen verführen“: Er hat das Mädchen so verführt, und das war’s.
mit einem Knüppel schlagen „verprügeln“: Willst du, dass man dich mit einem Knüppel verprügelt?
so sauer wie beim Hund (Liepāja, Gen.) „sehr sauer (über Suppe)“: Wie sauer der Kohl ist, obwohl du Hundesuppe isst.=
127
Page 18koc tu jī su ánielu paguldž (Liepauer Ausdruck) „sehr gut, ernsthaft“: Ot bērnas vōžnas, koč (= wenigstens) tu jī su ánielu paguldž.
kōjas atiẽšti (fortsetzen) „langsam gehen, kommen“: Čūt kōjas atāti sau, tōkis klumpinas. Ot pavargau miestī, čūt kōjas tīšu. Žūr, kap ānas āina kōjas tīsdams.
kōjas aždūrti (schütteln) „sterben“: Pristvālino (heizte ordentlich ein) pirči· drūčai (stark), nuē ir aždžīre kōjas. Jau nēr, jau ānas sēnas būvo, jau dar kōjas pakrātė.
kōjas jūdinti „arbeiten, nicht herumsitzen“: Kas kōjas jūdžina, tai ir duonu· valgo.
kōjom žēmēs nesiekti „tot sein“: Īta bobālė jau kōjom žēmēs nesieka. Tam pētni·ča, kas kōjom žēmēs nesieka.
kōrkon žiūrēti „trinken wollen“: Kap cik dzyvējų suscińka, tep kōrkon ir žūri.
kōšēs prašo (über Schuhe mit durchlöcherten, offenen Sohlen gesagt): Ragi, tā čebātai kōšēs prašo.
kruopēle [v]jandēnio pasivērti „ein wenig trinken“: Lēkaũ per upēlb! — pasvēriau ūndēno kruopēlb· (ps.).
koṭ tu atsiguļ (Liepauer Ausdruck) an jōs (ihnen) „sehr fett“: Kārve graži, nīgara placi, koṭ tu aciguļ an jōs. Dabālkos (Schweinen) mekūru· (Spreu) gibt man nicht — alle sind schön fett, koṭ tu aciguļ an jū.
koṭ tu jām trūbīji (Liepauer Ausdruck) ausī „mach, was du willst (wenn jemand tief schläft)“: Koṭ tu jām trūbī ausīn, neprabūs, ot gadnai (= gut, fest) schläft.
koṭ tu priēš jūos kepūrē nusiīm (pakėl) (Liepauer Ausdruck) „sehr gut, schön“: Ot grāžū·s rūgāi, koṭ tu priēš jūos kepūrē nusiīm. Suscińka vīrai ir klēga: tai mā grāžū·s javāi, koṭ tu priēš jūos kepūrē pakēl.
kranklys krankliuo (Singular im Gebrauch) (eine Krähe einer Krähe) das Auge (die Augen) ab „ein Reicher unterstützt den anderen“: Tep visi sāko: krunkļis krunkļuo akū nėlasa. Vārna vārnai akies nėlasa.
kryžių nēšti „sehr leiden, schlecht leben“: Anā visu· gi·vēnimu· krīžu· nēša: vaikū pinkelī, ē vīras cik izgērė — pijōkas.
kryžių pamēsti „ein besseres Leben beginnen, der Not entkommen“: Dar jau gerāũ — krīžu· pamēte: vaikai jau dźideli, pāci·s ažkruta.
kruopās suvalgē až jī (über einen Verstorbenen gesagt): Kat jō jau nērā — kruopās suvalgē až ji. Jau kruopās suvalgē až ji.
kūčia (vīlkas) kuodēli apšīko (prišīko) (gesagt, wenn es bis Weihnachten nicht gelingt, das ganze Garn zu verspinnen): Priēš Kalēdās verpēm, verpēm, nesuverpēm, tai sāko — Ku·ča prišīko kuodēli·. Dalēkdo bōbos ir klēga: tā kuodēli· vīlkas apšīks.
kur an pālkos līpa „sehr alt“: Susrińko bobutēs cik kur ūn pālkos līpa.
kur piāuni, ten kāulas „überall ist es schlimm, sehr schlecht“: Kalēdos, ē mán visos bēdos — kur pjāuni, tin kāulas.
kūlius vērsti „sich überschlagen“: Kai baiga pjāuc rūgūs, un pabaigōs pasvolōja un likūsa, kat kci rūgāi kitu·māt būt geri, išgūli·: ku·lius vērča, kat rūgāi iš dzīvos virstū, ir šāuka — „sparčiau, ū ū ū“, — kat dūona sparni· būt, kat grait nesusvalgīt.
kvartūkaitis pakeltas „schwanger“: Senāũ moteri·s tep klegzdinē: anā dār veipa, ali kvartū·kaitis jau pakēltas.
lāba diēna duōti „grüßen; sich tagsüber begrüßen“: Anā mā lābu· dźēnu· dāu, ir nuvā.
lapatinskas apžēnys „wird sterben müssen“: Ko tu nesžēniji? Taũ jau Lapacīnskas apžēni·s.
128
Page 19lapatinskas su paseckų ateido „der Tod ist nahe“: Kū darič, jau mán Lapacinskas su paseckų (plg. brus. nącok) ateido.
lãpė pirštį ažkūrė, žuvis kėpa (wird gesagt, wenn Nebel aufkommt): Kap kadū sãko: lãpė ažkūrė pirčį, žuvis kėpa.
(sitzen) mit der Zunge auf dem Bart „nichts tun“: Sėdzi liežūvi· un barzdõs pas-dėjus, nieko neveika.
(flitzen) mit der Zunge auf dem Bart „schnell überall herumlaufen“: Lāksto pasdėjus un barzdõs liežūvi· ir pletkūja.
die Zunge einengen 1. „sich anpassen, gefallen“: Kataras mõka liežūvi· unkišė, kur raika, tám gerai gi·v.nė. 2. „sagen, sich äußern“: Ūnkišam liežūvi· ir· męs kap kadū, kur raika kur neraika.
die Zunge wie Tuvėlis in den Hintern stecken „verstummen“: Ītas liežūvi· unkišė kap Tuvėlis šik-nėn.
(gehen) mit erhobener Zunge „schwatzen“: Niėko nedzi.rba, cik aina per kiėmu· liežūvi unstačis.
mit der Zunge schleifen (mahlen) „viel reden“: Anà cik liežūviū lõja. Mãla ir mãla liežūvū, gerāi sā pirku· apruõšt (aufgeräumt).
mit der Zunge wedeln wie ein Hund mit dem Schwanz „leeres Zeug reden, Unsinn reden“: Ko tu liežūviū tabaluoji kap šuva vāodega.
die Zungen herumtragen „schwatzen“: Nepaciīška mán itā bõba, anà cik liežūviūs raznešdo.
mit der Zunge arbeiten „sich sprachlich beliebt machen, sich anpassen“: Dabar jau ciė gi·vėna, kur liežūvais dži.r-ba.
bis zu den Knien nass „sehr durchnässt“: Parė visas šlãpankas lig šõnu·.
bis zum Überdruss 1. „genug, bis zur Sättigung“: Nusmānom (pris isotinam) ligi vālos, viskõ īrā. 2. „sehr viel“: Mãedzi· gri bu· lig vālos, kiek cik nõri.
wie in einer Schüssel sitzen „von allen Seiten von jemandem umgeben sein“: Mãs loc blū-dėli· sėdzim.
(im Schlaf) voller Schlaftrunkenheit „sehr lange und tief schlafen“: Kurū velnū tu miegi, loc drignū apsirijis.
(geht) ohne gegessen und getrunken zu haben „sehr langsam gehen“: Kap ānas aina, loc nevalgīs, nė gėris.
wie das Äuglein einer Maus „sehr klein“: Lampelītė mažā, loc pelītės akītė.
(brüllt) wie ein gehörnter Ziegenbock „sehr laut schreien, rufen“: Ko tu blāuni loc raguotas ožis, kārvi· unvezdzik pu·nõn (tvartan).
(geht) als hätte er drei Nächte nicht geschlafen „sehr langsam, geht kaum“: Āina loc tris nakcis nemiegõjis.
(verständigt sich) wie eine Gans mit einem Knochen „verständigt sich schlecht“: Bõba nõri paklegėc, susikalbam loc žu·sis su kaulbi.
es ist Zeit für den Totengräber „der Tod steht nahe bevor (über einen alten Menschen)“: Lopacinsko jau raīka, ė tu pie bernõkus kleġi.
bald wird er durch die Wolke gehen (sterben) „bald sterben müssen“: Jau lõpetu per pilvu· būs. Kap jau, sāko, kad mirsi, tai dár pataiso: lõpetu per pilvu· gāusi.
[mit Mehl] geschlagener Sack „ein wenig einfältig“: Jāegu biški· kvāilas, sāko, maišų mūštas. Mu-suk sāko: itas vīras mi.lcīnu maišų mūštas.
im Mehlsack geboren, hinter dem Ofen aufgewachsen „dumm, von nichts eine Ahnung habend“: Kad aš niėko nežināu, aš maiši gimis, papečėj augis.
Maušas Augen kriechen hinein (sagt man, wenn man schläfrig wird): Mán jau Maušā akīsūn līnda.
Maušas Bart abschaben „dösen“: Va, jāu ānas Maušos bārzdu· tūso.
kleine Tage „Kindheit“: Aus den kleinen Tagen: Lieder und Märchen.
9. Leksikos tyrinėjimai
129
Page 20im Baum geboren, im Baum gewachsen „dumm, nichts wissend“: Er ist im Baum geboren, im Baum gewachsen.
Brot (zurück) werfen „nicht nachtragend sein, Böses mit Gutem vergelten“: Wenn er dich mit einem Stein bewirft, wirf Brot zurück. Ja, schon, besser, du wirfst ihm Brot.
im Baum wachsen „dumm sein, nichts wissen“: Bist du etwa im Baum gewachsen, dass du gar nichts weißt?
den Bären durch den Zaun (die Hürde) kochen „Halbfasten (gewöhnlich müssen die Kinder an diesem Morgen früh aufstehen; wenn sie spät aufstehen, bekommen sie kein Geschenk, das der Bär angeblich beim Kochen zurücklässt)“: Am Halbfasten sagen die Eltern (zu den Kindern): Der Bär hat am Samstag durch den Zaun gekocht, ihr hättet nicht verschlafen dürfen. Der Bär hat durch die Hürde gekocht.
der Schlaf kriecht in die Augen „schläfrig sein“: Mir fallen schon die Augen zu.
weiches Herz „barmherzig, empfindsam“: Der Mensch ist mitfühlend, hat ein weiches Herz – ein armes Ding, er gibt uns nicht einmal etwas zum Aufwärmen.
den Verstand nicht verlieren „das Gedächtnis nicht verlieren“: Ich verliere den Verstand nicht, auch wenn ich krank bin.
eine Frau erreicht mit dem Schürhaken (so sagt man, wenn die Sonne schon tief steht und der Abend naht): Die Sonne steht schon tief – eine Frau erreicht schon den Schürhaken. Die Sonne – eine Frau wird den Schürhaken erreichen.
die Muttermilch ist ihm noch nicht von den Lippen getrocknet „jung, unreif“: Du Flittchen, dir ist die Muttermilch noch nicht von den Lippen getrocknet, und schon brauchst du einen Mann.
man kann sogar die Hand reichen „sehr nahe“: Girvena ist ganz nah – man kann sogar die Hand reichen.
man könnte sogar Kohl einlegen „sehr sauer“: Die Batviniai sind sauer – man könnte sogar Kohl einlegen.
man könnte zu Pferd in die Stadt reiten „sehr stumpf, abgenutzt“: Die Sense ist so stumpf, dass man damit zu Pferd in die Stadt reiten könnte.
sogar eine Axt könnte man aufhängen „sehr stickig (über die Luft in der Stube gesagt)“: Die Luft in der Stube ist schlecht – man könnte sogar eine Axt aufhängen.
Prügeleien gehen vor sich „sie schlagen und streiten sich“: Bei ihnen gibt es ständig Prügeleien.
die Fingernägel hineinstecken „berühren, nehmen“: Warum steckst du die Finger hinein, wo es nicht hingehört?
namai blīnais dēngta (sagt man, wenn jemand zu Besuch gekommen ist und sich beeilt, wieder zu gehen): Musēt namai blīnais dēngta, kad tep skubi.
nasrūs šiepdīti „sich grundlos lustig machen, lachen“: Ko tu vis nasrūs šiepdaī. Ānas šiepdo nasrūs ir šiepdo.
naujo botāgo ašigeisti „einen Alten mit einer jungen Frau verheiraten“: Ragi, ānas naujo botāgo asigeide.
naujas kōjas pasistatyti „eine junge Frau heiraten“: Ānas sēnas, ali, kap paci pamirē, ašigeidē naujas kōjas pastacīc.
neduoti smertēs (Gen. Sg.) „nicht sterben lassen, den Tod nicht schicken“: Sēnas, nesūgali jau, nedūoda dzīevās ir smertēs.
neduoti praeiti (wem) „abwehren, sich streiten, (jemanden) in Schutz nehmen“: Āzgīrs kū an dziedō, tai neduōs praeic.
nei gyvas, nei damiręs „weder Fisch noch Fleisch (über einen Versager)“: Ānas nei gyvas, nei damiris.
nei kōjų neapšilti „nur ganz kurz bleiben“: Suvāicis dār nei kōju neapšilo.
(klegeti, plėnčyti) nei šeī, nei teī (weder dieses noch jenes) „schlecht, Unsinn reden“: Ānas plencija nei šeī, nei teī. Kat tu klegį nei šo, nei to.
nei šis, nei tās „eine unverständliche Sache, Unsinn“: Kap neišdēsū gerai, bus nei šis, nei tās.
(supinti, plėnčyti) nei žiemą, nei vāsarą „schlecht reden, sich verhaspeln, alles durcheinanderbringen“: Nē paci's nerazrinksit, plēncija nei žiemū, nei vāsarū. Supinē nei žiemū, nei vāsarū.
130
Page 21nicht einmal mit einer Handbewegung zu ändern „nicht zu ändern (sagt man über einen schlechten Ehemann oder eine schlechte Ehefrau)“: Was soll man tun, den Ehemann kann man nicht einmal mit einer Handbewegung ändern.
Haben dich etwa schon die Hunde vertrieben?! (sagt man, wenn jemand zu Besuch kommt, sich nicht setzt und es eilig hat, wieder zu gehen): Haben dich etwa schon die Hunde vertrieben?!
nicht das im Kopf „ich denke nicht daran, das ist nicht meine Sorge“: Das habe ich nicht im Kopf, deshalb denke ich auch nicht daran.
nicht weit kommst du damit (weit kommst du damit nicht) „nichts bekommen, nichts herausholen“: Wenn du nichts von dir bekommst, kommst du damit nicht weit. Mit trockenen Rädern kommst du nicht weit; schmier sie mit etwas Fett ein, dann fährst du, na ja.
(ließ los) nicht einmal auf einem dritten Bein „hat starken Durchfall“: Der Durchfall setzte ein – nicht einmal auf einem dritten Bein.
(isst) nicht einmal Hasen lecken „sehr gierig, kräftig (essen)“: Der isst ja so, dass sogar die Hasen lecken.
(geht) nicht einmal die Fünfjährigen können mithalten „sehr schnell, zügig (gehen)“: Das Mädchen geht so schnell, dass nicht einmal die Fünfjährigen mithalten können.
(hat gegessen) nicht einmal der Bauch knurrt „sehr viel, reichlich (gegessen)“: Jetzt habe ich ordentlich gegessen, dass mir der Bauch knurrt.
nicht einmal die Zweige halten stand „sehr viel“: In meinem Garten wachsen so viele Äpfel, dass nicht einmal die Zweige standhalten.
Geh nicht in Gottes Brombeergebüsch (Wald) (sagt man, wenn jemand hochmütig wird und sich nicht mit dem zufriedengibt, was er hat): Geh nicht in Gottes Brombeergebüsch, iss, was du hast. Geh nicht mit der Katze in Gottes Wald, denn du wirst nicht einmal mit einem Kuchenstück zurechtkommen. Geh nicht in Gottes Wald.
nicht einmal zu den Gräbern der Juden wurde er gebracht (sagt man, wenn jemand sehr lange schläft): Vielleicht hat man dich nicht einmal zu den Gräbern der Juden gebracht, dass du so lange schläfst.
weder anzuhören noch wegzulaufen (sagt man über hässliche, unanständige Rede): Was redest du da, weder kann man es anhören noch weglaufen – was für ein Gerede!
nicht ein Krümel „überhaupt nichts“: Von diesen Kartoffeln ist nicht ein Krümel übrig.
weder hier noch dort „sehr schlecht, schlecht ausgeführt“: Seine Arbeit ist nichts wert – weder hier noch dort.
weder sich selbst zeigen noch den Leuten vorführen „sehr schlecht, schlecht“: Na, sie hat sich selbst zurechtgemacht: weder kann man sie selbst ansehen noch den Leuten zeigen.
es gibt nichts, weder zum Blasen noch zum Anzünden „es gibt nichts“: Was das Fleisch betrifft, gibt es nichts, weder zum Blasen noch zum Anzünden.
zugrunde gehen „aus der Art schlagen, verwöhnt werden, verwildern“: Sie haben sich völlig verändert, die ganze Welt – alles ist zugrunde gegangen.
zu nichts machen „zu nichts machen, gering schätzen“: Wenn er alle auf einmal erwischt, macht er sie zu nichts.
mit hängendem Kopf dasitzen „mutlos sein“: Der Junge sitzt mit hängendem Kopf da (die Nase) herunterhängend. Warum sitzt du so da, als wärst du gehängt worden, wenn doch bei jedem Schritt Arbeit anfällt?
von der Kanzel verkünden „das Aufgebot in der Kirche verkünden“: Unser Aufgebot wurde schon von der Kanzel verkündet.
ohne Heilige sein „töten“: Da sagt man: — als hätten sie sie ohne Heilige getötet.
von der Dämmerung bis zur Dämmerung „den ganzen Tag, vom frühen Morgen bis zum Abend“: Von früh bis spät arbeite ich bei den Flachsfeldern [ich arbeite beim Flachs].
die Gesundheit verlieren „die Gesundheit verlieren, schwach werden“: Mein Mann ist so krank geworden und hat seine Gesundheit verloren, dass er auch seinen Besitz eingebüßt hat und arm zurückblieb.
was du auch [immer] tun magst „mach, was du willst“: Da ist sie, mach mit ihr, was du willst, sie hört nicht und geht einfach. Mach, was du willst, ich weiß nicht, wie ich sie zügeln soll.
aus dem Haus fliehen müssen „sehr schlimm“: Alle Unglücke kommen über einen herein, man möchte am liebsten aus dem Haus fliehen.
die Nase hineinstecken „kommen“: Er hat hier schon allerlei Unheil angerichtet – gestern kam er schon wieder an.
9*
131
Page 22sich einmischen „sich einmischen, die Nase hineinstecken“: Wenn du dich einmischst, wo es nicht nötig ist, wirst du erleben, dass man dich zurückweist.
(gehen) mit gesenktem Kopf gehen „betrübt sein“: Er geht mit gesenktem Kopf.
mit der Nase die Erde pflügen „betrunken sein, herumtorkeln“: Dieser Tunichtgut war noch nicht zu Hause, siehst du, er geht mit der Nase am Boden entlang. Wenn wir in die Schenke kommen, pflügen wir den ganzen Abend mit der Nase die Erde.
für die Hunde Heu mähen gehen „vergeblich enden“: Wenn die Kinder schlecht sind und nicht gehorchen, sagt man: Geh für die Hunde Heu mähen. Er ging für die Hunde Heu mähen. Er gehorcht weder Vater noch Mutter, also wird er für die Hunde Heu mähen gehen.
ging und verschwand (sagt man, wenn jemand kurz weggegangen ist und lange nicht zurückkommt): Er ging und verschwand.
ach, möget ihr zugrunde gehen! „ach, möge euch der Teufel holen“: Ach, möget ihr zugrunde gehen! Wo ist der Topfdeckel?
ach, möge es dich schwer treffen! „zum Teufel mit dir“ (Fluch).
Der Teufel ist gekommen 1. „sich schämen“: Wenn sich jemand schämt, sagt man: Der Teufel ist gekommen. 2. „lügen“: „Und ist der Teufel wegen dir gekommen?“ – so fragt der Vater die Tochter, wenn sie etwas anderes behauptet [wenn man sie beim Lügen erwischt].
ach du meine Güte! (sagt man, wenn etwas misslingt): Ach du meine Güte! Und du schaffst es nicht.
die Ziegen aufreißen (rupfen, zerreißen) „sich übergeben“: Wenn die Frau vor der Tür einen Vorübergehenden sieht und zusammenzuckt, dann, siehst du, dieser hier reißt schon die Ziegen auf. Zunächst geht es gut, aber später, wenn er sich übergibt, fängt er an, die Ziegen aufzureißen. Die einen sagen: Er rupft die Ziegen, andere sagen: Er zerreißt die Ziegen – es ist dasselbe. Wenn man viel trinkt, dann zerreißt man auch die Ziegen. Du hast dich wie ein Kalb vollgesogen und übergibst dich nun und reißt die Ziegen auf.
das Kissen wurde hingelegt (sagt man, wenn in der Kirche die Aufgebote verkündet werden): Wir haben die Kissen schon hingelegt; sie sind nun zusammengekommen.
die Fersen hauen auf die Knie „sehr schnell gehen“: Wenn sie geht, haut sie sich die Fersen an die Knie.
die Zähne an den Schläfen ablegen „nichts Besseres mehr zu essen haben“: Sie haben nun die Zähne an den Schläfen abgelegt; die Töchter haben alles aufgegessen. Es gibt keine Grieben mehr – leg die Zähne an den Schläfen ab.
einen Hilferuf ausstoßen „um Hilfe rufen“: Der Hase erschrak, stieß einen Hilferuf aus; das Tier rief laut. (ps.)
lässt man eine Laus frei, findet man sie wieder (findet, fängt sie) (sagt man von einer kargen, kahlen Weide oder Wiese): Was kann man dort weiden lassen – lässt man eine Laus frei, findet man sie wieder. Eine schlechte Wiese – lässt man eine Laus frei, findet man sie. Das Gras ist dürftig: Lass eine Laus frei, und du kannst weitergehen.
am Ofen geboren, am Ofen aufgewachsen „dumm, unwissend, begriffsstutzig“: Er ist am Ofen geboren und am Ofen aufgewachsen.
paūsties (pāusti) eine Spur hinterlassen „eine Spur hinterlassen“: Wo immer ein Mensch auch ist und was er auch tut, überall hinterlässt er eine Spur. Wohin du auch gehst, dort hinterlässt du eine Spur: sagen wir, ob ich dort eine Hochzeit ausrichte oder was auch immer – dort entstehen Kosten.
einer jüngeren Schwester das Geschirr um den Hals legen „vor der älteren Schwester heiraten“: Na sowas! Die Jüngere legte der Älteren das Geschirr um den Hals.
das Geschirr tragen „sich mit dem Leben abplagen, schlechte, schwere Arbeit verrichten“: Sowohl ich als auch meine Schwestern haben unser ganzes Leben lang nur das Geschirr getragen. Wer mit dem Pflug geboren wird, muss auch das Geschirr tragen – wie sollte es sonst sein?
über die Augen (Lippen) beschämen „beschämen“: Ich habe ihn über die Augen beschämt, da wurde er still. Er gehorchte seiner Mutter nicht; als ich ihn über die Lippen beschämte, wird er vielleicht künftig gehorchen.
durchs Brot hindurch nach Brot suchen „mit dem, was man hat, unzufrieden sein; obwohl es einem gut geht, noch mehr wollen“: Sie suchen durchs Brot hindurch nach Brot. Es ist nicht gut, wenn ein Mensch durchs Brot hindurch nach Brot sucht.
um einen Hahnenschritt länger werden (zunehmen) „sich ein wenig verlängern (vom Tag gesagt)“: Nach Weihnachten nahm der Tag um einen Hahnenschritt zu.
132
Page 23durch die Kehle jagen „versaufen; sich durch Trinken ruinieren“: Er hat durch die Kehle sowohl die Schlitten als auch die Pflüge versoffen. Die Frau ärgerte sich und sagte: Dieser Nichtsnutz hat durch seine Kehle sowohl die Eggen als auch die Dreschflegel durchgebracht.
durch die Katergąs jagen „mit Sorgen belasten; sich jemanden vorknöpfen“: [Sie] Niemand jagt sie durch die Katergąs [sie lebt allein und hat keine Kinder].
Roggen wie Minze „sehr schlecht, dünn gesät“: Er hat gesät, aber als man erntete, war der Roggen wie Minze.
einen smurgáinis (smúrgłas) bekommen (geben) „verprügeln“: Du bekommst Schläge, solange du dem Pflug kein Joch angelegt hast. Dir hat er nur einen Schlag verpasst, obwohl du uns so übel mitgespielt hast.
so lang wie ein Spinnfaden (über die Entfernung: nicht weit, ganz nahe): Es war nur spinnfadenlang von ihr entfernt, aber er drosch nicht.
durch den Zaun steigen „heiraten“: Sie sind durch den Zaun gestiegen.
sich bei den Händen herumtreiben „in der Nähe sein, einem ständig im Weg stehen“: Schlachte ihn, damit er sich nicht bei den Händen herumtreibt (ps.).
saure Milch schlürfen „schnarchen“: Kaum hatte er sich hingelegt, schnarchte er schon wie ein Schlürfer saurer Milch.
dem ersten das Geschirr anlegen (sagt man, wenn nach der Ankunft einer Gruppe von Heiratsvermittlern eine zweite eintrifft und man sich mit ihr einigt): Als eine Gruppe von Freiern ankam, kamen auch andere, und man entschied sich für diese; da sagt man, man habe dem ersten das Geschirr angelegt.
ein Furz, und schon ist er weg (sagt man, wenn jemand rasch und unerwartet stirbt): Und er starb schon – ein Furz, und schon war er weg.
mit dem Finger ins Auge stechen „stockfinster“: Bei ihnen sieht man nichts – stich dir mit dem Finger ins Auge, doch niemand gab mir etwas.
Ein Haar fällt nicht vom Kopf „es wird nichts Schlimmes geschehen“: Ohne Gottes Willen fällt kein Haar vom Kopf.
Die Haare stellten sich auf dem Kopf auf „sie erschrak sehr, ihr sträubten sich die Haare“: — Sie sagt: Wie schrecklich es war, da stellten sich die Haare auf dem Kopf auf.
sich die Haare vom Kopf raufen „sich sehr sorgen, sich grämen, bereuen“: Die Mutter rauft sich die Haare vom Kopf, weil sie die Kinder geschlagen hat.
Klatsch verbreiten „schwatzen“: Der Mann verbreitet allerlei Klatsch; ich habe alles aufgeräumt (aufgeräumt).
in großen, nassen Flocken fallen (Schnee, es schneit stark) „es schneit in sehr großen, nassen Flocken“: Den ganzen Tag schneit es in großen Flocken. Ach, da schneit es aber in Flocken, man kann kaum etwas erkennen. Schau, hinter dem Fenster fällt der Schnee in großen Flocken, da wird es Schnee geben.
Unter einem liegenden Stein fließt kein Wasser (kommt nicht hindurch) „wer nicht arbeitet, der schafft nichts und hat nichts“: Wenn jemand so faul ist, dann heißt es bei uns: Unter einem liegenden Stein fließt kein Wasser. Unter dem Stein kommt kein Wasser durch, und wer nur herumliegt, verrichtet keine Arbeit.
einem jungen Mann einen alten Stock unter die jungen Beine stecken (sagt man, wenn ein alter Mann eine junge Frau heiratet): Wozu soll man einem jungen Mann einen alten Stock unter die Beine stecken?
unter der Kiefer fahren „sterben“: Der Tod nähert sich mir schon – sagt sie: Ich werde unter der Kiefer fahren.
unter einem alten Bart sein „einen alten Mann heiraten“: Ich hatte vor einem jungen Mann mehr Angst als vor der Hölle; da wäre es besser, unter einem alten Bart zu sein.
unter dem Rasen liegen „begraben sein“: Wenn es die Medikamente nicht gegeben hätte, läge ich schon unter dem Rasen.
unter dem Wagen „schwanger“: Er hat sie mit einer Latte geschlagen, und nun ist sie schwanger, die Unglückliche.
Ein Vorzeichen zeigte sich „ein Kind wurde geboren“: Bei ihr zeigte sich schon ein Vorzeichen, sie geht nicht zur Kolchose.
neben einem alten Baumstumpf (Singulargebrauch) Feuer machen „einen alten Mann heiraten“: Sie ist sehr abgemagert (hat sich verändert, ist krank geworden), da wäre es besser, neben einem alten Baumstumpf Feuer zu machen.
gegen den Wind blasen „sich widersetzen, nicht gehorchen“: Und wir blasen nun schon gegen den Wind.
133
Page 24Gegen den Wind kann man nicht blasen „Gegen einen Stärkeren kann man sich nicht behaupten“: Prieš vėjų nepapūsi, cik grinas liksi.
Füll die Kornkammer – dasselbe, füll den Topf – dasselbe (über jemanden gesagt, der unwirtschaftlich lebt): Ānas nemoka gi·vinc: pripi.lk aruodu· — tas pats, pripi.lk pūodu· — tas pats.
durch den Schlund hinunterspülen „versaufen“: Ānas visku· pro gómuri· pravāro.
in einem dunklen Winkel geboren (aufgezogen) „dunkel“: Ānas gimis kokōj pu·nōj, lietuviškai numiršis. Ītas pu·nēj augīntas, nieko nežino.
am Ende pusten „Unsinn, ein wertloses Ding“: Mūm atrōdo, kad pu·sci galāi ca sakīc.
den Sarg sehen „der Tod ist nahe“: Rakščis (karstas) regēc, o vis pē bernōkus amānija (= kalba). Prapūole jau mā pasākos, jau rakščis ragēc, aš neprijū·nkis daūg klegēc.
der Sarg ist hinterher schon bereit „der Tod ist nahe“: Ē kū jau, aš ainū ir rakščis paskūm tū̄sosi.
im Sarg kannst du nichts mitnehmen „beim Sterben kann man nichts mitnehmen“: Ē, kám mán pinigai — rakštin nesudēsi, katari jauni, tebū jauniejīem.
mit der Hand erreichen können „nahe“: Ānas arci — runkā gali pasiekė.
Hand in Hand die Hand reichen „einander helfen, einander den Rücken stärken“: Mān netēko šaudū, žinai runkā runkū praūzdo, ē kū aš galū.
mit der Hand stochern „kurz und lustlos arbeiten“: Vīras ca rūnku· dū·rstēri, tī dū·rstēri, kokis tī anō dárbas — riṅkadosi ir riṅkadosi.
die Hände wollen sich nicht rühren (heben) „keine Lust haben, sich nicht danach fühlen“: Gērklv· ažstōjo (užėmė, užkimo) nepogalū, rūṅkos neniēšči krutēc. Darmai rūṅkos dži.rbčē neniēšči. Kap pamirė vīras, rūṅkos nekīla krutēc.
die Hände auf sich selbst richten „den eigenen Nutzen, Gewinn suchen“: Ir švintāsai rūnkās an savī laikō. Visi švincejī rūnkās ungī saū laikō. Pīrminī·kas cik rūnkās un savī laikō.
sich die Hände [Beine] wundlaufen „sehr müde werden“: Tep krutējau smagāi (greitai), net rūnkās ažkrūtēu, cik unbrozdējau pīrkon. Ot priskrutēu, rūnkās kōjas ažkrūtēu.
sich die Hände raufen „sich sehr aufregen, sich sorgen, sich grämen, trauern“: Mócima runkās laūžė, ē vaiko jau nėr.
mit den Händen herumfuchteln „nicht einverstanden sein, sich widersetzen“: Anā rūṅkom masnōja, neina.
raṅkosa [dárbas] pūsta (supūsta) „schlecht, langsam arbeiten“: Pacī vīru namūosa likdo — anō rūnkosa dárbas pūsta. Ānas tep krūta, kad rūnkosa supūsta. Kad jau krutēs tai rūnkosa dárbas supūs. Nesibaidai, gēras darbinikas — jō rūnkosa dárbas nesupūs.
ratūs patēpti „Bestechungsgeld geben“: Pirmā raika ratūs patāpēc, tadū cik važiuosi.
rėkvum mutēnum būti „sterben“: Jaū mān grāitai bus rēkvum mutēnum (vgl. lat. requiem aeternam).
rýkščių duoti „schlagen“: Pōnas dāu rīkšiū mā dziedikuo, kam vištōli· (vištelį) pamīnē.
den Rubel [aus dem Haus] nicht hinaustragen „nicht versaufen“: Vīras neišneš rūblio iš namū.
Süßes und Köstliches sehen „gut leben“: Saldumōs ir gardumōs mažāi matāi, cik vargo ragėjau daūg.
jemanden beschämen „beschämen“: Aš itam bernōkāčio sarmātų padarāu, kap nuvājom grībūosa.
aus dem eigenen Kopf „aus dem Gedächtnis“: Ne raštū, cik sā galū visku atminē.
einen eigenen Kopf haben „vernünftig sein, eine eigene Meinung haben“: Kat sā gálvu turēt, tai nereikt ir mokī.nc.
134
Page 25mit dem eigenen Kopf führen „selbst zurechtkommen, leiten“: Mã dziedukas išgi·vēno aštuo-nasdešimt šešius metus ir visku· są galvų vẽdė.
alter Schwanz „alter Mensch“: Kokīs senā vuodega, ē pervīrzdo un jāunu — mergō-kēs raīka.
der Ährenleser (bringt die Ähren) (sagt man, wenn jemand gut und wohlhabend lebt): Gāl jau skalsinīkas nēša — jo arklīs tokis gražūs. Kap jau katarās gerai gi·vēna, tai sāko: jām skalsinīkas atanēšē. Bagotām ir sparīžai nēša. Kas ci·ngi, tām ir sparīžai neprinēš.
die Späne fliegen „es gibt Verluste, Ausgaben“: Kap nori gi·vi.nk, visciek skiedos lāksto. Jēigu mādžu· kapōsi, tai ir skiedos lēks.
viel Dummheit im Kopf haben „etwas beschränkt, einfältig sein“: Ānas ski·stumōs galvōj daūg turi. Vīras galvōj ski·stumōs turē, paverkējau gerai.
kein Leid haben „sich nicht beklagen“: Dar gi aš neturū skriaudōs dėl vaikų.
der Tod sitzt einem im Nacken „der Tod ist nahe (über einen alten Menschen)“: Smerčis až pecū, ē pacōs dar raīka.
dem Tod entgehen „dösen“: Žūri, tēvuo jau smertīs paīdo.
einem den Tod langmachen (sagt man, wenn jemand kurz hinausgegangen ist und lange nicht zurückkommt): Ānas smertēs sūscie gēras: smertēs nusūntus, tai gerai būt — pagi·ventum dār.
die Müdigkeit kommt (überkommt einen) „man wird müde, möchte schlafen“: Āžē snaudulīs tokis, ir ānas pradē stukēnc. Kas ča man pazdārē — snaudulīs ima, negalū sēdēc.
die Grieben hängen hoch „kein Fleisch, keinen Speck mehr haben“: Par juōs spirgināi aukštāi kāro (hängen).
schwerfällig gehen „schwanger sein“: Kap ānas pazdabōjo, až mētų jau anà storā vaikš-ējo.
die Angst ergriff ihn „es wurde unheimlich“: Ānas cik smi·rkšč pi·rkon, až čūpc až pušīnēs — tokis strōkas apēmē.
den Kopf zerbrechen „abwägen, nachdenken“: Neturėjau žirgo, tai parddavāu laikrodzį ir pradē-jau sukōci gálvu, kap ūki· vēscie.
Mit einem Hakenwort bekommst du kein Wort heraus (herausgezogen) „nicht zum Reden bringen“: Vienas klēga ir klēga, kitas žōdzi· cik kištera, ē ānas — su krūku žōdzo neištrāuksi. Kad nēkalba ānas — su krūku žōdzo neištīsi.
in anderen Umständen sein „schwanger sein“: Aš tadū sunkumōj buvau, tai tī vakarī matāu, kap vi·pcojo ugnēle laukūosa.
sich von diesem Leben trennen „sterben“: Jau ānas ski·rasi su šuo āmžu.
mit einem Tuch zurückbleiben „unordentlich sein“: Neženōtas buvau vienu autū, kap apsženijau vēl likau su vienu autū — drenā bōba.
mit einem Zahn und demselben wackelnden „sehr alt“: Aš jau senā — su vienu dunčiu ir tuo pačiu klibunciu.
(sitzen) mit gerunzeltem Gesicht, wie Flachsfasern (sagt man, wenn jemand unzufrieden ist): Ko sēdzi susrāukus, kap linūs braūkus.
heilige Zungen „Klatsch, Geschwätz“: Sviēto liežūvai daūg žmonių raskīrē.
eine Elster (Krähe) trägt fort (sagt man, wenn sich jemand lange wäscht): Paragēsi, tavi knāpc ir nunēš šārka. Tavi jau vārna nunēš.
der Löffel wird nach dem Mittagessen nicht mehr gebraucht (sagt man, wenn etwas verspätet getan wird): Galējai nevažiuoc — šaukštas nebereikalingas po piētų.
135
Page 26der Schwanz des kleinen Frosches bricht das Eis auf „die Kälte ist nicht mehr stark (über den nahenden Frühling)“: Per Juozapų ščūpokas vuodegu lādu pradaužia. Vuodegu ščūpokas lādu pradaužia, tai jau būs pavasaris.
warme Grütze haben (sagt man, wenn man die Totenwache für jemanden voraussieht): Jau greit būs šiltų kruopų. Ė tu sargi, sargi ir nemi.ršči – būt šiltų kruopų.
Wärme bricht (zerbricht) keine Knochen (sagt man, wenn sich jemand über die Wärme beklagt): Nebijok, šilcis (šiluma) kaulų nelauža. Šilcis kaulų nemulauš.
das Herz lässt es nicht zu „es tut weh, ist unangenehm, sehr schade“: Mā širdzis nedalāidza, kap tas jaunas medėlis pamulāužis tas, ē ānis pašalāužis ir kitus.
das Herz auffressen „kränken“: Raskurdau viena ūgni; sėdžu ir verkū, ānas tep mān ši.rdzi išėdė.
das Herz zernagen „überdrüssig werden, lästig werden“: Acipikenai tu, cik ši.rdzi mā sugrāužei, nenōru primdzic tavī.
das Herz bedrücken „traurig und unruhig werden“: Šaukū, šaukū, nėkas neacišaukdo, nieko nesragė – tēp ši.rdzi sumigdē.
das Herz schmerzen „Schmerz und Trauer empfinden“: Jām gal ši.rdzi sopēc, kad paliko sā vaikuš.
einen Teufel im Herzen haben „hinterlistig sein“: Aš apcilau, dar aždaūš mani – ānas širdzī vėlniu turi.
die Söhne verprügeln „verprügeln“: Der Sohn kam nach Hause, erwischte die Söhne, verprügelte sie, schüttelte sie durch und trieb sie hinaus. Manchmal verprügelt er meine Söhne.
Späße machen (herumführen) „scherzen“: Auch ich wollte Späße machen, aber sie kamen angerannt. Der Mann sitzt vorne und führt Späße vor.
Der Hund wird kein Blut lecken (sagt man, wenn es in der Familie keine Eintracht gibt): Sie streiten schon wieder, kommen nicht miteinander aus, sagen: Was ist das für ein Leben – der Hund wird kein Blut lecken.
(Singular, Gebrauch) so sauer wie Hundeschweiß „sehr sauer (über eine schlechte Suppe)“: Diese Kohlköpfe sind ja so sauer – wie Hundeschweiß.
die Mühe (Instrumental Singular) und das Zusammenlegen der Schwänze „vergeblich sein, nutzlos enden“: Die ganze Arbeit – Mühe und das Zusammenlegen der Schwänze – war umsonst. Man müht sich ab, müht sich ab, Mühe und das Zusammenlegen der Schwänze, und landet schließlich – und es ist nichts dabei herausgekommen.
Hunde hüten „sich abplagen, schlecht leben“: Wenn die Kinder nicht gehorchen, sagen die Eltern: Wenn du nicht gehorchst, wirst du Hunde hüten müssen.
Tabak schnupfen „im Schlaf schnarchen“: Was schnarchst du da, sagt er, als würdest du Tabak schnupfen – so schnarcht und schnarcht er im Schlaf.
in jene Welt nicht mitnehmen „wenn du stirbst, kannst du es nicht mitnehmen“: So spricht man zu einem sterbenden Menschen: Was du hast, das hast du – in jene Welt nimmst du es nicht mit.
in jene Welt gehen „sterben“: Der Mensch war schon alt, und nun ist es so weit gekommen, dass er bereits in jene Welt gegangen ist.
So sei es auf deiner Trommel-Jahrmarktsbude „du sollst deinen Willen haben (sagt man, wenn man nicht lange streiten möchte)“: So sei es auf deiner Trommel-Jahrmarktsbude, mach, wie du willst.
sowohl oben als auch unten sein (sagt man über einen gerissenen Menschen): Eine schlaue Frau: Sie ist sowohl oben als auch unten.
nur dem Hund zum Fraß vorwerfen „sehr schlecht (über eine ungenießbare Suppe)“: Man kann es nicht essen, es ist nur gut genug, es dem Hund vorzuwerfen. Was für ein Essen – nur dem Hund zum Fraß vorwerfen.
nur Tränen „sehr wenig“: Von diesen Rüben gibt es nur Tränen.
nur eine Flasche voll und den Korken hineinstecken (sagt man über einen Trinker): Für einen richtigen Burschen ist er nichts; er füllt nur eine Flasche und steckt den Korken hinein.
136
Page 27nur einen Hahn (Sing. Instr.) auf den Beinen „sehr wenig“: Ich habe ein wenig gesponnen – gerade so viel wie ein Hahn auf seinen Beinen.
nur ein Krümchen „sehr wenig“: So ein winziges Stück Wiese, die Kuh irrt umher und hat nichts zu fressen.
nur ein Kindchen schlagen „nicht schmerzhaft schlagen“: Wenn die Mutter schlägt, schlägt sie das Kind nur leicht. Die Mutter schlägt das Kind nur leicht.
nur Mäusenestern ähneln „sehr schmutzig“: Was ist hier bei uns so schmutzig? Es sieht aus wie ein Mäusenest.
nur wie ein Welpennest aussehen „sehr unordentlich“: Das Bett ist unschön gemacht – es sieht nur wie ein Welpennest aus.
nur einen Stinkenden machen „zu nichts mehr zu gebrauchen (über einen alten, gebrechlichen Menschen)“: Ich bin alt, also tauge ich nur noch dazu, ein Stinkender zu sein.
nur für Hunde Gras mähen „zu nichts zu gebrauchen“: Aus ihm wird kein Mensch; er taugt nur dazu, für Hunde Gras zu mähen.
(dazukommen) nur am Tabak schnuppern „sehr wenig (verdienen)“: Ich habe nur ein wenig dazubekommen, gerade genug, um am Tabak zu schnuppern – wovon soll ich denn dazukommen?
nur Vater und Mutter fehlen „sehr unordentlich“: Hier fehlt nur noch Vater und Mutter [über einen unordentlichen Tisch], lauter Unordnung.
nur Lämmer weiden „sehr schlecht, ohne Gras“: Was ist das hier für eine Wiese? Da können nur Lämmer weiden.
nur einen Kranz [und] winden (sagt man, wenn jemand etwas sehr gut und schön macht): Er windet geradezu einen Kranz, so schön macht er es.
Stille machen „verstummen“: Alle verstummen und lauschen, wie die Nachtigallen singen.
mit drei Fingern (Sing. Instr.) die Hörner abwerfen (sagt man über einen möglichen starken Frost im März): Im März ist der Frost so stark, dass er dem Ochsen die Hörner abwirft.
drei Häute abschälen (jemanden) „sehr ausnutzen“: Er will ihr drei Häute abschälen.
wie eine Trompete wachsen (sich winden) „sehr gut wachsen“: Was für ein Ertrag! Alles wächst wie eine Trompete. Alles wächst hervorragend.
Ohren haben, um zuzuhören (zu hören) „alle müssen gehorchen“: Sie fingen an zu singen; wenn ich ein Wort sage, müssen alle zuhören. Auf mein Wort müssen alle hören.
tuščia jō „so viel dazu, Unsinn“: Tuščā jo, tebūi kap ānas sāko.
tvartė gimės ir ažāugės „dunkel, unwissend“: Mā vīras tvartī gimīs, tvartī ir ažāugīs.
tvorā žagarinė „zu nichts zu gebrauchen“: Tokis jau tvorā žagarinė, tokis ultėlus (=Faulpelz).
ugninī kištie „schaden, Böses tun“: Kām tu nóri mani ugninī kiščie, āšei cik mēnasīs, kap ča.
ūodas snūkio neankīs „sehr gut, dicht; über Getreide“: Ot rūgai — vūodas snūko neunkīs.
užkandī kočėlū davinėti „schlagen“: Pōnas užkundzi kočėlū davinē.
už pečių stovėti „nahe sein“: Kū darisi, jau ir kitā bēdā už pečių stōvi.
vaiką padėngti „bei der Taufe Geld und Geschenke für das Kind sammeln“: Man sagt — raika vaikū padinkė — kūmas dūoda pinigū, kumā pirščināites, kū.
vākaras ataido „der Tod naht“: Als ich jung war, schaukelten wir [zu Fastnacht] auf den höchsten Schaukeln; wie hoch wir auch schwangen, damit der Flachs lang werden sollte, doch inzwischen ist schon der Abend gekommen, nichts mehr ist zu machen.
vālgýti dūoną su druskā „armselig leben“: Du hörst nicht auf deine Mutter, isst Brot mit Salz. Du hast dir Armut ausgesucht, also leide auch — du isst Brot mit Salz.
vargōnai susigadino „nicht mehr singen können“: Kad jau vargōnai susgadzino.
vā rnas vārno (vns. naud.?) akiēs nēlesa „Gleich und Gleich gesellt sich gern“: Ānas kaltas, perdaig pritvālino pāču, i viskas sūdegē, ali vā rnas vārno akiēs nēlasa.
137
Page 28várna kavójas (über das Getreide gesagt – etwas gewachsen, nicht klein): Jau didelìl rugai — várna kavójasi. Un Jū.rgo várna rugúosa kavójas—geri rugai. Jū.rgo dzìenu átmenu tókūs metūs, ka rugúosa várna kavójos.
várna matytis (über das Getreide gesagt – schlecht, klein): Plaukà rugai, è várna matìcis.
várnas šáudyti „sich umsehen“: Raìka ne várnas šáudži.c, è karavalatàiti· súkcie, tep sakinè momà, kap ažpìksta.
vèlnas [šìkti] nujójo „vergeblich, ohne Nutzen ausgehen“: Surinkdė, surinkdė túrtu, ir nèr — vèlnias nùjo. Kad ir jù· túrtu· vèlnias šìkè nujojo, è rìnkėdė, rìnkėdė.
vèlnas šáudo iš dubeltkòs (gesagt, wenn es regnet): Kap lietùs lìja, tai vèlnas šáudo iš dubeltkos (vgl. poln. dubeltówka, weißruss. дубальтоўка).
vèlnio nèštas ir pãmestas „zu nichts zu gebrauchen“: Kap vìras negėras, tadù klėga: tà vìras vèlnio nèštas ir pãmestas.
vèlnio sèklos „schlechte Taten, schlechte Menschen“: Vèlno sèklos neraìka sėc, acidziksta: jū naikini, è viscièk áuga.
vèlnio veseilìà „Streit“: Kadù vìras ir paci nesùtara, tai, sãko, par jùos vèlnio veseilà.
vèlniai nemàtė „macht nichts“: Vèlnai nemàtė, nèmėnu.
vèlniai pirtìn eina (gesagt, wenn ein starker Wind weht): Kap pùca didelis vėjas, tadù sãko — vèlnai pircìn àina.
vèlniai veseilìą kèlìa (gesagt, wenn ein starker Wind weht): Nu, šùndzien vèlnai veseilù kèla.
vèlnus žènyti „streiten, fluchen“: Kad cik kàs — vèlnus žènija.
veršio laidymai (gesagt, wenn die Sonne nicht mehr hoch steht, nur noch knapp über der Höhe des Kalbs): Per veršo laidzìmus gùsim namòna. Jau veršo laidzi·mai.
vèžimais neišvėžti „sehr viel“: Knìgu tù jù — vèžimais neišvėži.
vėjas išèiti „vergeblich, ohne Nutzen ausgehen“: Visù grìvànumu mà sopulìs: kù ažkrutèu, vėjas išè.
einander die Hände waschen „einander beistehen, einander helfen“: Áni·s vienas kitàm rankàs pláuna.
an einem Bissen ersticken (sagt man, wenn man nicht noch einmal heiraten möchte): Ach, jetzt reicht es mir – an einem Bissen bin ich erstickt.
mit einem Atemzug „ohne Atem zu holen, in einem Zug“: In einem Zug muss man es erzählen.
eine einzige Papirosse rauchen und ausspucken „sehr wenig“: Was habe ich denn schon geschafft – eine einzige Papirosse hat er geraucht und ausgespuckt.
einer nach dem anderen „sehr in Eile“: Als es schon Georgstag war, standen [die Leute] auf und beeilten sich alle, einer nach dem anderen, wer zuerst für sich etwas holen könnte.
ganz allein „ganz allein“: Der Junge starb; er war ganz allein, ohne seine Eltern.
mit einer Hand leben „sich vertragen, zusammenleben“: Die beiden leben einträchtig zusammen.
in einer Pfeife blasen „sich vertragen, zusammenleben“: Die beiden vertragen sich gut.
das eine Auge weint, das andere lacht „ein und derselbe Mensch erlebt alles“: So ist es nun einmal: Das eine Auge weint, das andere lacht.
mit dem Wolf in eine Höhle zusammenwachsen „ungehorsam sein“: Er ist mit dem Wolf in einer Höhle zusammengewachsen.
die Hühner scharren [nach zehn Jahren] es aus dem Misthaufen „und nach zehn Jahren werde ich es bekommen“: Ach, so einen Kavalier werde ich wohl erst in zehn Jahren bekommen: Die Hühner werden ihn aus dem Misthaufen scharren.
138
Page 29Bastschuhe tragen „gerade noch können“: Simplas (= schwach) Vater kann kaum noch gut Bastschuhe tragen.
Mit Bastschuhen bekleidet sein „verarmen“: Während der Kriege trugen er und die anderen Bastschuhe.
Der Darm bellt Darm um Darm „sehr hungrig, ausgehungert“: Ich möchte essen – der Darm bellt Darm um Darm.
Die Därme brausen einen Marsch „sehr hungrig, ausgehungert“: Wenn jemand so hungrig ist, dann klagt er: „Ach, ich möchte essen – die Därme brausen einen Marsch.“
In die Erde legen „begraben“: Allein [die Tochter] musste sie auch in die Erde legen.
Der Jude schnitzt hinter der Nase „dösen“: Sieh mal, der Jude schnitzt dir schon hinter der Nase.
Die Juden kriechen heraus (sagt man, wenn die Nase schmutzig und voller Rotz ist): Die Juden kriechen heraus, wisch dir die Nase ab, Kind.
Die Juden sind vorbeigefahren (sagt man, wenn jemand döst): Bei dir sind die Juden schon vorbeigefahren.
Den Juden tut der Kopf weh (sagt man, wenn es bei Sonnenschein regnet): Es regnet bei Sonnenschein – dem Juden tut der Kopf weh.
Auf die eigene Nase schauen „sich nicht in Dinge einmischen, die einen nichts angehen“: Ach, das geht dich nichts an; schau nur auf deine eigene Nase und nicht auf die der anderen.
Über das ganze Feld schreien „laut rufen, schreien, sprechen“: Warum schreist du über das ganze Feld?
Die Wörter liegen wie Karten „sehr gut, schön weinen“: Die Wörter liegen wie Karten.
Nicht im Wortschatz nach Wörtern suchen müssen „redegewandt sein“: Er muss im Wortschatz nicht nach Wörtern suchen.
Das passende Wort treffen „hässliche Wörter vermeiden“: Bei Gästen bemühe ich mich, das passende Wort zu treffen.
Fische haben gegeben (sagt man, wenn in einer Familie ein Kind geboren wird): Man sagt noch, der Storch hat es gebracht; früher aber gab der Fisch ihm mehrere Jungen oder ein Mädchen.
Sterne erscheinen in den Augen (funkeln) „sehr schwach sein“: Wenn ich den Kopf beuge, erscheinen mir Sterne vor den Augen. Ich gehe noch, aber mir summt es nur in den Ohren, und Sterne funkeln vor meinen Augen.
Pferdesauerampfer „Pferdesauerampfer, eine krautige Pflanze“: Der Pferdesauerampfer wächst in dünnen Blättern, und wenn er ausblüht, sind die Samenkörnchen rot.
Schäfchen hüten „ein Kinderspiel“: Wenn die Kinder ein Spiel spielen – Schäfchen hüten.
Großmutters Knochen (Asche) (sagt man, wenn der Schnee im Mondlicht glitzert): Und jetzt, wenn im Winter der Mond scheint und Schnee liegt, dann sind das Großmutters Knochen (ps.). Und wenn es kalt ist, hüpfen ihre kleinen Ascheflöckchen über den Schnee, die von Großmutter (ps.).
Tröpfchen der Būtė „Wodka“: Ich möchte auch einen Tropfen von ihrer Būtė.
Reiner Donnerstag „der Gründonnerstag vor Ostern, an dem man sich zu waschen und zu reinigen pflegte“: Am Reinen Donnerstag, ehe die Sonne untergeht, muss man sich schon gewaschen haben: Vor Ostern ist dieser Donnerstag der Reine Donnerstag.
Dērļaus-Ei „ein in ein Brötchen gebackenes Ei, mit dem man zu Georgi die Felder umrundet“: Bis die Hausfrau zurückkommt, isst niemand die Brötchen; erst wenn sie zurückkommt, schneidet sie ein Brötchen auf – die Hausfrau selbst hat das Dērļaus-Ei zu essen.
Gottes kleine Kuh „Marienkäfer“: Fang einen Marienkäfer, setz ihn auf die Handfläche und sag: Wenn es regnen wird, dann bleib sitzen; wenn es nicht regnen wird, dann flieg davon.
Gottestau „eine dünne, dürftige Mahlzeit“: Was willst du hier mit dieser Milch essen – Gottestau: Du trinkst die Milch nur ein wenig, du wirst nicht satt.
Klopfen an die Tür „ein Kinderspiel; mit der Stirn gegen die Tür klopfen“.
Ein Tännchen schmücken „ein Kinderspiel“: Womit schmückst du das Tännchen? – Mit Süßigkeiten. Und dann geben alle etwas: der eine Süßigkeiten, der andere irgendetwas, und wieder jemand allerlei hässliche Dinge.
Die Krähe von Gervėčiai (sagt man von jemandem, der unklug, begriffsstutzig und untüchtig ist): Sobald sie ihn sieht, sagt sie: „Ragi, da kommt die Krähe von Gervėčiai.“
139
Page 30Jóno rasa „Tau am Morgen des Johannistags“: An Johanni darf man das Vieh morgens nicht hinauslassen, damit es nicht in den Tau gerät; wenn es an Johanni in den Tau hinausgeht, versiegt die Milch, dann gibt es keine Milch mehr.
Juozapōtas melāgis (über das wechselhafte Wetter nach Josef (19. März)): Juozapōtas melāgis: Er lügt – Winter, er lügt – Frühling.
Júrgio rasa „der erste Tau im Frühling; Morgentau am Georgstag“: Nun kann man die Kühe auf die Weide treiben, in den Tau am Georgstag. Die Kühe werden bis zum Tau am Georgstag im Stall stehen.
kiškio bulbōs „Große Fetthenne (Sedum maximum)“: Hasenknollen sind dicke Blätter, sie wachsen wild.
kiškio ruškinai „Sauerklee (Oxalis)“.
kiškio pūpos „eine solche Waldpflanze“: Hasenbohnen sind wie Bohnen im Wald, niedrig, mit Blättern wie kleine Bohnenblätter.
krēsliniai dantys „Backenzähne“: Das Kind hat Zahnschmerzen, jetzt tun ihm die Backenzähne weh.
krikštytinė duktė „Mädchen, das zum Taufen getragen wurde; Tauftochter“: Sie ist meine Patentochter.
kruglūtēs mētōs „eine solche Minzart (Mentha)“: Kruglūtēs-Minze ist eine Heilpflanze.
kurčios nōtrēs „Taubnesseln“: Taubnesseln sind harmlos, ihre Brennhaare stechen nicht.
laukinēs pelýnos „Beifuß“: Wilder Beifuß wächst hoch; er ist eine Heilpflanze.
margūtis kasočius „Gartenpflanze, die einer Segge ähnelt und weiße Längsstreifen auf den Blättern hat“.
meškōs šōnai „eine solche Waldpflanze“: Bärenrippen wachsen im Wald, sie sehen aus wie Erbsenpflanzen. Wir gehen in den Wald und sammeln Bärenrippen; die Kühe fressen sie sehr gern.
medinis bučýs „Maikäfer (Melolontha melolontha)“: Der Maikäfer hat sich gestern Abend herausgewagt.
medinōji oškā „Reh“: Das Reh ist im Wald, schön ist es: Es springt und springt über den See.
pauʹkščių tākas „ein heller Streifen, der über den Himmel zieht“: Wenn es viele Sterne gibt, nennt man das den Vogelweg. Und alle Vögel fliegen auf diesem Weg in wärmere Gegenden.
plāčios mētōs „eine solche Minzart (Mentha)“: Plāčos mētōs labai kvēpa, plātūs lakštai.
ruginē ragana „ein im Roggen lebendes Schreckgespenst, eine Hexe“: Ruginē ragana, jau kap itai rūgai pradēda krasūic (vgl. russ. красоваться), tai ana ir lakšto ir jieško, kad kur vaiku˙ nutvērčie [so werden Kinder erschreckt].
šaltos (šaltōsios) mētōs „Pfefferminze (Mentha)“: Ē mētōs šaltos — kū valgīc nesno.-rēs. Šaltōsios mētōs — kap acikūndai — šalta šalta burnōn.
šarkos (vā rnos) mylas „Schaumkraut“: Šarkos mylas— itai žolē tokā. Vārnos mylas, katarās runkās prauzdzic gāli.
švenčiausios ponēlēs linēliai „eine solche Wiesenblume“: Linēlai, nai švenčiaūsos ponēlēs linēlai, krūcinē kap sópa.
šventō Jóno linai „eine solche Wildpflanze“: Švinto Jóno linai geltonai židzi liepos mēnasi. — biržēlo galī laukō žēmēj.
tiltą statýti „ein solches Spiel“: — Stóvu, stóvu — cį.ltu˙ stataū. — Ko tāu raika. — Balkos...
vél nio barzdā „schwarze Wurzeln kleiner Farne, die bei Schrecken abgekocht werden“: Vēlno barzdā, kap isigū˙sci.
žvirblio stambai „eine solche Wildpflanze“: Žvi˙rblo stumbai — āni˙s laukī aūga, dzidesni, ploni aūga rugienosa, ploni, ploni, daūlu˙s.
140
Page 31Phraseologismen des Gerwjatzer Dialekts
И. ЛИПСКЕНЕ
Zusammenfassung
Im ersten Teil des Artikels wird ein kurzer Überblick über die Phraseologismen des litauischen Gerwjatzer Dialekts gegeben. Es wird darauf hingewiesen, dass die meisten Phraseologismen des Dialekts aufgrund ihrer lexikalischen Struktur mit Phraseologismen anderer litauischer Dialekte und sogar anderer Sprachen verwandt sind, da sie Wörter mit gleicher lexikalischer Bedeutung enthalten, z. B. Augen, Ohren, Zähne, Kopf, Zunge, Nase, Hand, Herz.
Manchmal gehören zum Phraseologismus Wörter, die für den Gerwjatzer Dialekt selbst charakteristischer sind, z. B. akis apstумti (in der Literatursprache apdumti) „täuschen“, rakštis (in der Literatursprache karštas) regėti „bald ist es Zeit zu sterben“.
Darüber hinaus kommen im Dialekt auch Phraseologismen mit neueren Wörtern vor, die vermutlich aus der litauischen Literatursprache übernommen wurden.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Phraseologismen des Dialekts nicht gleichzeitig entstanden sind. Es wird angenommen, dass diejenigen als die archaischsten gelten sollten, die Bezeichnungen für menschliche Körperteile enthalten, z. B. akis plėšyti „widersprechen“, burna praverti „zu sprechen beginnen“. Zu den älteren sind auch Phraseologismen zu zählen, die mit alten Bräuchen des Dialekts verbunden sind. Als neuer könnte man vielleicht diejenigen Phraseologismen betrachten, die aus verkürzten Sprichwörtern und Redensarten hervorgegangen sind, z. B. nevyk dievo medin (vgl. das Sprichwort nevyk dievo medin su rančiu (ramčiu), ba nesupraśysi ir su pyragu), ebenso wie ausschließlich lokale Phraseologismen, die nur in einem einzigen Gerwjatzer Dialekt bekannt sind. Es wird darauf hingewiesen, dass sich einige Phraseologismen des Dialekts allmählich verändern oder ganz in Vergessenheit geraten. Es wird angenommen, dass mit der Zeit vor allem Phraseologismen verschwinden werden, die eng mit alten Bräuchen verbunden sind, da auch diese Bräuche selbst allmählich verschwinden.
Es wird darauf hingewiesen, dass einige Phraseologismen im Dialekt synonym verwendet werden, z. B. kar plostais (vištom, vyžais) drebia (verčia, sniega) „es schneit mit sehr großen Flocken“.
Kurz werden auch einige stilistische Besonderheiten der Phraseologismen des Dialekts erwähnt.
Im zweiten Teil des Artikels werden konkrete Phraseologismen des Gerwjatzer Dialekts angeführt.
141